Vetlage $tt Nr. 549 der Alten Offebrrrger vom Ä1. Januar 1905. Garpe! Der Baume Kronen'fc^tmmern in Lis getaucht. Das kleinste Gräslein flimmert von Reif behaucht. Lin Kunstwerk. Keine ^and der Lrden Könnte so meisterlich sie versilbern. Vom Kirchhof her pfeift schneidend und scharf der Nord Und scheucht mir Grübeleien und Grillen fort. Im eisigen Polarton ruft er: „Wanderer lasse die Toten schlafen!" Sie schlafen friedlich. Schweige denn still mein Herz! Zermartre nicht mit lautem Gepoch das Hirn! Sei eingedenk des alten Flaccus, Den dir die Droste genial verdeutschte: „pflück' ab die Stunde, sei sie auch noch so blaß!" Genieß' in vollen Zügen des kurzen Tags Und tu' nicht nach dem Bruhrainbauern, Der auf der Saalbach Verlaufen wartet.*) In einem Punkte gelte der Aufschub nur: Der Freude nicht, dem tätigen handeln nicht, Jedoch dem törichten Gehätschel Quälender Zweifel und Graugedanken. Bald naht auch dir der grinsende Knochenmann Und mißt dir flink den hölzernen Schlafrock an. Ja, balde spielst du mit des Teufels Großmamma Iaß oder Sechsundsechzig Bei fünfzehntausend Graden des Fahrenheit. Du hast genug dann Zeit, alle Ewigkeit Nkit kühlem Blut den Nichtigkeiten Deines Gewesenseins nachzusinnen. Bis dahin drum verschiebe das Selbstgequäl I Der Schwanenwirt hat drinnen im Dorf sein Haus Und feine Meine. Ablands Grenzach Bis zu dem pfälzischen Rachenputzer. Auf Goldgrund leg' dein Leiden und lächl' ihm nach Und stütze stumm die Stirn auf den ^Lichentisch i Von Klevnerduft und süßer Schwermut Laß dir das träumende Haupt umwehen! vielleicht auch fetzt sich tröstend Marie zu dir, Die eben aus dem gold'nen Venedig kam, Und wird mit Pensionatsgeplauder Jugendlich-Heiter dein Herz ergötzen. _ ©tto Michaeli. *) ksoraz, Lp ist. I. 2, 41 — 13 . Bestätigungsbrief über die Ordnung der Bruderschaft oder Scbützengilde von St. Sebastian zu Offenburg von 1451. 1. Wir der Schultheis, der Meister vnd der Rate zu Offenburg bekennen vnd tund kund allen die disen brief ansehent oder hörent lesen, das für vns kament die ebern Hans Hartung der Schnyder zue disen ziten erwelt zue Schützenmeister, Tlaus Hefely, Tlaus Leuer, Jörg humbrecht vnd,Peter ein armbroster, viere Pflegern so zue dem genanten'hans Hartung dem meister erwelt sint, von iren vnd anderer irer mitgesellen der Schützen wögen so zue disen ziten by vns fyent, vnd leitent vns für, wie fü in willen wörent gott vnd dem lieben heiligen fant Sebastian zue lobe vnd eren, Auch deshalp das sü ein vffgang gewannen vnd der stette Offenburg, obe vnd wann des ein not geschön, desto baß gerüstet zue dienste gewärtig vnd bereit sin möchtent, angesehen vnd fürgenommen hettent, eine bruderschafft vnd ordnung vnder jnen by vns ze halten, vnd hettent die begriffen die sü vns verhören lieffent die hienoch geschriben stat, batent vns damit, das wir jnen eine sollich bruderschafft vnd ordnung vnd obe sü hienach ettliche stücke me zue nutze der bruderschafft zue haltende, vnd vmb willen das sü deste fridsamer bliben vnd besten möthent, gönnen, vnsern willen vnd gehelle darin geben wollen. Das habent wir angesehen wie flissig bette vnd besonder das vns sollich bruderschafft vnd ordnung zue disen zitten beduht hat redlich vnd löblich angesehen sin, vnd habent jnen gönnet die gemelte bruderschafft vnd ordnung in vorberürter vnd nach- geschribner maßen anzuefahen vnd zue halten, gebent auch vnsern willen vnd gehelle derzue in krafft dies brieuns, vnd lutet die selbe ordnung also. Zuem ersten so mögent sü eine gemeine kertzen in der kirchen haben. Item wann einre in der bruderschafft stirbet, so söllent sü jme ein selemösfe vnd ein opfer haben gott für jn bitten, vnd mag ein meister vnter jnen zue derselben messen gepieten eim yeglichen by viere Pfenningen. Item es fol ein yeglicher zue jeder fronuasten geben ein pfenning in jre büchfe. Item welcher den andern vnzüchtiget oder fmöht mit Worten, oder schiltet, der bessert viere pfenninge. Obe aber einre so vil vnzüchtig wöre, das rinnen meister und die viere pflögern sollichs vaste ftroffbare beduhte, den mögent sü höher straffen vnd doch nit über zwene schillinge pfenninge, vnd sol dannoch darnach eine yeglichen gegen dem andern ansprach vnd andere straffe rates vnd gerichtes behalten sin. Item ein meister sol die büchfe hinder ym haben vnd alle geuelle der bruderschafft getruwenlich darin tun vnd verwaren, vnd sonder alle fchieß- tage so das schiessen vsfe ist, was dann geuallen und erübert ist. Item der pflöger einre sol den slüssel zue derselben büchsen haben vnd söllent doch nit darüber gon noch nützit darus nemen one des Meisters vnd der viere Pflegern einhelligem rate. Ls ensöllent auch der meister noch die viere pflsgern nit macht haben, yemant ützit zue schenken oder wider zue gebende. Welcher auch der bruderschafft ützit schuldig wöre oder wurde, der sol es geben dem meister in acht tagen nachdem er das an jn vordert. Töte er des nit, so sol er ona gnade bessern söchs pfenninge. Item ein meister mag die pflsgern vnd bruderschafft beruefen vnd gebieten eini yeglichen by drigen Pfenningen wann ja not bedunket Item welcher sich zue jnen verbrüdern wil, der sol dem meister globen alle vnd yegliche vorgeschriebene dinge, vnd was fü für baffer vffsatzen möhtent nachdem wir jnen gönnet vnd gehollen Hanl atz obestat zue halten. Welcher such in die brüderschafft kommet, der soll darin bliben vnd sin vntz das er eim meister der dann zue ziten ist «bekundet, wann er das getuet vnd git das er gangen ist, so soll er der bruderschaft vnuerbunden sin. Doch so behaltent wir die obgenanten schultheis meister vnd rate vns selbs harin obe wir hienach vernement vnd vns geduhte, das die vorgeschriben ordenunge vnd bruderschaft gantz oder ein teil unnütze vnd nit bestöntlich möchte sin, das wir dann die zue ändern, zue meren oder zue mynren habent oder wider abe zue tuende. Vnd diser dinge zue warem vrkunde, so hant wir vnfer statt Ingesigel lassen hencken an disen brieff, der geben ist vff menlag nehst nach sant Lebastians tag, da man zalte von gotts gepurte Tufent viere- hundert vnd den funffziasten vnd eiin jare. Zu den Lohnverhiiltnisfen in Offenburg lesen wir unter dem Stichwort „Der badische Staat als Lohn» drücker" in auswärtigen Blättern folgenden Aufsatz: Vor einigen Tagen erschien in einer Karlsruher Zeitung ein Arbeitsangebot der Großh. Maschinen- Jnspektion Offen bürg, das nachfolgenden Wortlaut hatte: Gesucht wird ein Hilfsarbeiter für das Elektrizitätswerk Offenburg mit einem Anfangslohn von 2,30 bis 2,50 Mk. Gelernte Blechner oder Installateure erhalten den Vorzug. Bewerber wollen sich unter Vorlegung ihrer Zeugnisse melden, usw. — Solche Jammerlöhne werden also in einem staatlichen Betriebe angeboten! Und nicht etwa nur den ungelernten Taglöhnern, sondern Arbeitern, welche unzweifelhaft mehr als gewöhnliche Handleistungen zu verrrichten haben. „Gelernte Blechner oder Installateure erhalten den Vorzug"; das will sagen, man braucht Leute, die das Handwerk verstehen. Ohne Zweifel wird es auch gerade jetzt im Winter arbeitslose Spengler usw. geben, die der Not gehorchend vorübergehend sich einen solchen Lohn bieten lassen. Solche ungenügende Löhne darf sich nicht die Stadtgemeinde zu bezahlen erlauben, selbst an Arbeiter, die kein Handwerk gelernt haben und als Taglöhner beim Tiefbauamt arbeiten. Der im vorigen Jahre festgelegte Lohntarif sieht — im Falle der Genehmigung des Bürgerausschusses — für handwerksmäßige Vorarbeiter im Tiefbau einen Gehalt von M. 3 30 bis zum Maximum von M. 3.90 (nach 10 Dienstjahren) vor; für Feuerleute und Installateure beim Gas- und Wasserwerk M. 3.50 bezw. M. 3.40 Anfangslohn, nach lOjähriger Dienstzeit 4.10 bezw. 4 Mark; für Maschinenwärter und Werkstattschlosser Mk. 3.30 bezw. Mk. 3 Anfangsgehalt; für Gärtner Mk. 3.10 bis M. 3.70. Taglöhner dürfen nicht unter M. 2.50 entlohnt werden. Dazu kommt, daß die Stadtgemeinde die Beiträge für die Arbeiterversicherung ganz bezahlt. Zur Zeit liegen bei der Stadt die Löhne noch sehr im Argen; die städtischen Taglöhner, durch die ablehnende Haltung des Bürgerausschusses gegen die sofortige Erledigung der Arbeitsordnung schwer enttäuscht, baten bereits um die Gewühr- ung einer Teurungszulage- Durch besondere Umstände veranlaßt, spricht man gegenwärtig von dem Einkommen eines städtischen Arbeiters (gelernter Schlosser) der eine Familie (6 Kinder) zu ernähren hat und neben einer kleinen Unfallrente den Taglohn von Mk. 2.70 bezieht; immerhin mehr als der gesuchte Staatsarbeiter bekommen soll. Im Anschluß sei nur noch mitgeteilt, daß in der Generalversammlung der Ortskrankenkasse durch den städtischen Arbeiter Eisinger die Höhe der Gehälter der Kassenangestellten als zu reichlich bemessen bezeichnet worden ist. Im Speziellen begann dieser frömmste Vertreter der Arbeiterschaft damit, den Gehalt des niederst bezahlten Angestellten, eines Familienvaters (2 Kinder) anzngreifen; es seien M. 1200 zuviel, wenn man bedenkt, daß Jemand bereit war, es mit 600 M. zu übernehmen. Herr Eisinger bezieht als städtischer Arbeiter ein Fixum von 1600 Mark. Würde man diese Stelle für 600 Mark zur Bewerbung ansschreiben, es fänden sich Dutzende Arbeitslustige ein, da einmal das Gerücht verbreitet ist, Herr Eisinger sei mit der Lattinenaufsicht finanziell recht glücklich gefahren. Wie dem auch sei, Herr Eisinger wird nicht behaupten wollen, daß 600 Mark ein auskömmlicher Lohn für einen Kassenbediensteten und seine Familie ist. Nach einer glaubhaften Mitteilung war aber beabsichtigt, die Stelle einem verheirateten Manne zu übertragen, der sich als „Kirchen- arbeiter" ein rotes Röckchen und etwas Geld verdient, der seine Frau zum Geldverdienen in die Wirtschaften sendet und selbst seinen früheren Berns nicht mehr ausübt. Ein Solcher mag wohl bereit sein, noch 600 Mark von der Ouskrankenkasse zu holen; ob er aber sonst die günstigen Eigenschaften besitzt? Jrigloffeni Schriewes. Liäwer Alder! Bürger! Im Schpiägel mach i alle Johr am Silveschter, wenn d' Frau nitt grad um de Weg isch, e gnaui Bilanz, wiä dr Schtand vun de Runzle im Gsicht sich vrmehrt hett. isch halt alle Johr e Saldo zue Ungunschte vun dr Schönheit z' vrzeichne. Awer, was frog ich drnoch: sunscht bin i gsund, buschber un allert; i wur so alt, wiä sell Jüdli z' Nunnewier. wo erscht vor kurzem mit 102 Johr gfchtorwen isch, no Wege mir kann dr Kiäfer kumme, wenn 'r no lebt. Denne Minder haw i deilbott mores ghett, wo's Kränksten so in Schwung kämmen isch. Im Rvthus isch es am ärgschde gsien. D' Oiverburgermeischteri hett viel durchzmache ghett, vun de Rotsherre isch e Drittel marodi wore: dr Menzer, dr Munsch, dr Hanger un dr Aweli. Deiks wochelang het's si's rumkapidelt; jetzt sinn st Widder somit hergschtellt. Biem Rat Munschejörg hett dr Sensemann schun usgholt ghett. Am e schöne Dag bin i dert am Zwingerblatz, wo noch vor 20 Johr e Feschtungsbolliverk gschtanden isch, tn bei un Hab denkt, jetzt geh i de Riesbuckel nuff un lueg, was dr Jörg macht. Wiä i ums Eck rum knwm, schteht e uowli Schees vor dr Dür. Jetz isch letz, haw i denkt, deß isch gwiß e Pro- fesser vun Schtroßburig. Wo ich denne galloniärde Gatscher frog, wiä dr Professer heißt, no sait 'r: „Deß isch d' Schees vun sinnere Emminenz dem Bischof von Schtroßburig." Ich bin witerscht gange, un i glaub, i Hab e recht dumms Gsiecht gmacht. Dr Bsuech hett awer eme andere Schtockwerik gölte. — Gitt's viel Kranki (diä awer dr Breschte un dr Schade henn) no henn drfür diä Doktore ä guets Gschäft, un sinn nitt so arig eifersüchdig uffenander. Awer nitt nur diä Herre sinn gschäftsniedig, au d' Chirurge, diä ewesalls zuem Fach ghöre, sinn rawiat un niedig uff ändert, wo ne in's Handwerik pfusche welle. D' Sanideetler welle als au emol bi Privatfäll zeige, was st kinne. So hett vor kurzem e netti buschberi Wirtsfrau d' Finger vrklemmt. E Sanideetler, der zue glicher Zitt au Beck nn Fruchthändler isch, offeriärt sich zuem vrbinde, tötet ’r grad bi dr Hand isch. E paar Däg druff kummt en alder privilegiärter Ehirurg in dene nochberlige Gaschthof, siecht an dr Wirst diä vrbunde Hand, un unter herzliger Deilnahm loschort er, wer dene Vrband un diä schlecht Heilung bsorgt hättig. D' Wirtsfrau sait's em, daß e Sanideetler, bi dem dr Chirurg au no wohnt, ihr die Sach bsorgt hält. „So," sait dr Adölfli, „diä Sanideetler welle uns erprobte Chirurge Kungerrenz mache, sell will i sehne," un lauft zuem Kohr-Hanptmann un duet Bschwerde inlege. Hoffentlig wurd diä Sach ball gregelt un bessert, sunscht schpukts emol. Mit iniem Grueß kannsch des de Bohneburger vrzehle. Dien Marx. Offenburger Allerlei. Die Theatersaison schloß den heurigen Spielplan mit Shakespeare. — Der Kaufmann von Venedig krönte den Schluß. — Rückblickend können wir für den künstlerischen Fortgang wünschen, daß die Direktion Etlinger nächsten Winter wiederkehren möge mit gleich gutem Ensemble. — Die Direktion war bemüht, nur Gutes zu bieten und mit wenigen Ausnahmen war es ihr auch gelungen. Vor Allem gebührt Direktor Etlinger vollste Anerkennung als einem wirklich genialen Schauspieler und als geschicktem Regisseur. Wirksame Unterstützung fand er besonders in den Herren Mesgardt und Hochberg. Die Vertreterinnen der Damenrollen standen nicht auf gleicher künstlerischen Höhe, sie ließen aber nie den großen Fleiß vermissen, der bei keiner anderen Laufbahn so unbedingt nötig ist, um das Talent emporzutragen, wie bei dein Mimen. Eine Erwartung erfüllte die Direktion Etlinger nicht: die Volksvor- stellungen klassischer Richtung zu Einheitspreisen, und es wäre diese Konzession sicher nicht der pekuniäre Nachteil des Unternehmens gewesen. Auch einem direkten Anerbieten an die Direktion gegenüber, durch kostenlosen Vertrieb der Karten in Arbeiterkreisen beiden Teilen nützlich zu sein, hielt sich die Direktion bis zur Stunde zu gut, auch nur eine Antwort zu erteilen. Es ist verständlich, wenn die Direktion mehr Wert auf die Besucher der zwei vordersten „Sitzkategorien" legt. Anderseits muß aber auss 'Nachdrücklichste betont werden, daß die Stadtgemeinde einen ganz namhasten Beitrag zum Theater leistet und daher die Arbeitervertreter aus dem Rathause in Zukunst dafür zu sorgen haben werden, daß entsprechend diesem städtischen Zuschuß auch die Leistungen für die breitere A l l g e m e i n h e i t zu sein pflegen. Es wäre interessant, von Wissenden zu hören, wie sich der städtische Beitrag prozentual aus den Besuch der verschiedenen Plätze verteilte. — Nun beginnt Prinz Karneval den Reigen. Personalien. Kanzleisekretär Albert Walz beim Landgericht Osfenburg wurde landesherrlich angestellt. Ebenso der Polizeikommissär R e i m l i n g in Freiburg. _ Redaktion, Druck und Verlag von Adolf Geck in Offenburg. „Auch in dem nunmehr eingeleiteten Enteignungsverfahren ist eS nicht möglich gewesen die Anerkennung zu erlangen, daß -je von uns vorgebrachte Einwendung gegen das Bahnhof- umbauprojekt in diesem Punkte begründet ist. Zur Begründung unseres Ansuchens gestatten wir uns, auf einen Gesichtspunkt hinzuweisen, der bisher von uns noch nicht verwertet worden ist. Dieser neue Gesichtspunkt besteht in folgendem: Die Zahl der schienengleichen Bahnübergänge nördlich von der Rheinstraße bis zur Gemeinde Bohlsbach beträgt heute vier. Anstelle dieser vier Uebergänge soll, wie wir hören, eine einzige Ueberführung über den Bahnkörper, etwa in der Mitte zwischen Offenburg und Bohlsbach, hergestellt werden. Die umliegenden Gemeinden, insbesondere Rammersweier, haben hiergegen — unseres Erachtens mit Recht — protestiert und verlangen eine zweite Ueberführung. Es könnte nun den berechtigten Interessen dieser Gemeinden in der Weise abgeholfen werden, daß diese zweite Ueberführung — oder Unterführung — bei der Rheinstraße hergestellt wird. So würde aller Voraussicht nach auch diesen von den umliegenden Nachbargemeinden der Stadt Offenburg gegen das Bahnhofumbauprojekt vorgebrachten Einwendungen der Boden entzogen sein, wenn unserem Ansuchen stattgegeben wird. Wir glauben annehmen zu dürfen, daß die Gemeinden Rammersweier und Zell-Weierbach dieser Lösung ihres Anliegens gerne znstimmen würden. Wir vermögen uns ferner des Eindrucks nicht zu erwehren, daß die Stadt Offenburg in diesem Falle bisher nicht das gleiche Maß von Entgegenkommen gefunden hat, wie andere Städte, die sich in der gleichen Lage befunden haben. Ein Vergleich mit Gengenbach und Freiburg, wo in den letzten Jahren ebenfalls große Bahnhofumbauten ausgeführt wurden, fällt entschieden zu unseren Ungunsten aus. In Gengenbach sind zur Verbindung der durch den Bahnkörper getrennten Stadtteile im Ganzen zwei Unterführungen und eine Ueberführung hergestellt worden — ein vorhandener Niveauübergang wurde beibe- chalten — und in Freiburg beträgt die Zahl der Unter- und Ueberführungen sogar sieben. Von dem Bewußtsein durchdrungen, daß es sich hier um die Entscheidung einer für die weitere Entwicklung unserer Stadt sehr bedeutsamen Frage handelt, und daß wir es deshalb unseren Kindern und Kindeskindern schuldig sind, kein Mittel unversucht zu lassen, in dieser Angelegenheit doch noch eine günstige Wendung herbeizuführen, gestatten wir uns, an hohe Kammer der Landstände das Ersuchen zu richten: Es wolle diese Bittschrift an das Gcoßh. Staatsministerium empfehlend abgegeben werden. Auch unser künftiger Südbahnhof verlangt einen Aufwand, Ortenberg durch den Ausbau des 2. Schwarzwoldgleises. Die Neuanlage des Stellwerks soll dort mit 18,300 Mk., jene zu Gengenbach mit 87,000 M bestritten werden." I Auch die Station Schutterwald (Staatsbahn) fordert | für die Stellwerkanlage 55,000 Mark. Die Schwurgerichts.Litzuna des I. Quartals. (I.) Der schon zweimal wegen erschwerter Körperverletzung vorbestrafte Korbmacher Michael Hammcrschmidt war beschuldigt, den 37jährigen Fabrikarbeiter Sturm am 15. Oktober mittelst mehrerer Stiche so schwer verletzt zu haben, daß der Sturm daran sterben mußte. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage und der Gerichtshof verurteilte Hammerschmidt zu 3 Jahren 6 Monaten Zuchthaus, wovon 2 Monate Untersuchungshaft abgerechnet werden. Im 2. Falle war der Gemeinderechner Gr einer von Diersburg beschuldigt, eine schwere Unterschlagung im Amte begangen zu haben, indem er in den letzten zwei Jchren seiner Amtierung nach und nach Einnahmen in Summe von 828.08 Mk. nicht buchte und den Betrag für sich verbrauchte. Der Angeklagte, ein erblich belasteter Trinker, der im Laufe der Untersuchung wegen einer Geistesstörung in die Heilanstalt Jllenau zur Behandlung verbracht werden mußte, war geständig. Da das ärztliche Gutachten Greiner das Vollbewußtsein seiner strafbaren Handlungsweise zusprach, erkannten die Geschworenen das „Schuldig", worauf der Gerichtshof eine achtmonatliche Gefängnisstrafe als Sühne erachtete. Der Tötung seines 86jährigen Großvaters ist der 24 Jahre alte T. I. Hilbert von Lahr beklagt. Ein trauriges Menschenschicksal spielte sich vor den Richtern ab. Soziale Verhältnisse und schlechte Erziehung taten ihr möglichstes, giftige Keime in ein junges Menschenherz zu legen, die, alles überwuchernd, ihn tiefer und tiefer in die Verbrecherlaufbahn führten und ihm schließlich die Hand leiteten zum tötlichen Stich auf seinen eigenen Großvater. Alle schlechtesten Triebe einer verkommenen Seele wurden im Laufe der Verhandlung aufgedeckt, die damit endete, daß Hilbert zu elf Jahren Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre verurteilt wurde. Gut Heil.' Heute Samstag Abend hält der Turnverein seinen Kostümball im Laaldan zu den „DreiKönigen" ab. Ans dem sehr reichhaltigen Programm ist besonders zu erwähnen: „Die Helden von Port Arthur", Origiualschauipiel aus dem russisch-japanischen Krieg. Das lebende Bild, „Die Huldigung Jahns" , das an Weihnachten so gut gefiel, gelaugt auf allseitigen Wunsch zur Wiederaufführung. Insgesamt wirken bei den Aufführungen 85 Personen mit. Der Verein, von dem mau ja nur gutes und gediegenes gewohnt ist, bietet also diesmal etwas ganz besonderes. Allem Anschein nach wird der Besuch ein äußerst starker, denn, wer die Aufführungen des Vereins bei der Weihnachtsfeier gesehen hat, wird sich wohl kaum durch etwas abhalten lassen, auch die diesmaligen Leistungen anzusehen. Aber pünktlich erscheinen, wer zum Ganzen will. Die Tage der Narren sind wieder kalendermäßig in dem Kurs des Winters an der Reihe. Die Flugzeit der Dominösen beginnt; ihr naht euch wieder schnaigende Gestalten, die schweigsam ihre schwarzen Münder halten. Denn von Jahr zu Jahr verlöscht der alte närrische Geist des genius loci bohnenburgensis. Viel vermummte Gestalten laufen über die Tanzböden der Maskenbälle, treiben sich durch Straßen und Wirtschaften, aber der alte Offenburger Humor und das Talent zum Maskenscherz kommt immer mehr ab. Es ist der Zweck des Karnevalvereins, das altgewohnte Faschingslebest in seinem Krebsgang etwas aufzuhalten und zum Träger des karnevalistischen Lebens eine Mitgliedschaft zu machen, welche stch zusammensetzt aus Altoffenburger Narren und allen jenen, welche zu Maskenscherz irgend eine Veranlagung in sich haben. Alle diese sollen durch den Saisonbeitrag von 50 Pf. ihre Gemeinsamkeit materiell betätigen und bei den Veranstaltungen des Vereins lebhaft Mitwirken. Die erste Sitzung am Montag (siehe Inserat) soll zeigen, ob der Karneoaloerein sich in seinen Erwartungen nicht täuscht; es findet am Montag die zu Gunsten des Etlinger'schen Benefizes verschobene erste Narretei statt, bei der nicht nur die Vertreter der Hauptrollen, sondern das gesamte Publikum mitzuwirken berufen sind. Schellen, schellen, sechse! Dekanntma chung. Sophienstiftung betr. Die Töchter hiesiger Stadt, welche auf Zulassung zur Verlosung der Tugendpreise aus der Sophienstiftung Anspruch machen wollen, werden gemäß § 4 der Statuten aufgefordert, sich im Laufe des Monats Januar und spätestens bis zum LS. Februar d. I. unter Vorlage von Zeugnissen über Leumund und Vermögensverhältnisse bei Unterzeichneter Stelle zu melden. Die Bewerberinnen müssen hier bürgerlich sein, am 1. Januar 1903 das 16. Lebensjahr zurückgelegt haben, dürfen nicht 514 Mark 28 Pf. Vermögen besitzen oder das doppelte erblich zu erhoffen haben. Offenbnrg, den 2 Januar 1906. Der Stadtrat als Stiftungsbehörde. 2513.2.2 Hermann. Miltner. Bekanntmachung. Die Wirtschaft im Schlachthaufe betr. Die Wirtschaft im Schlachthofe soll mit der Eröffnung des Schlachthausbetriebs •auf die Dauer von 6 Jahren verpachtet werden. Angebote bitten wir unter Angabe der persönlichen Verhältnisse des Bewerbers und des Pachtzinses bis längstens Mittwoch de« 7. Februar, nachmittags 6 Uhr, bei uns einzureichen. Die Eingabe hat in verschlossenem Umschläge mit der Aufschrift „Angebot auf die Schlachthanswirtschaft" zu geschehen. Die näheren Pachtbedingungen können auf der Ratskanzlei, Zimmer Nr. 9, in Empfang genommen werden. Offenburg, den 18. Januar 1906. Der Stadtrat. 2530 Erklärung. Die Unterzeichneten erklären hiermit, daß sie noch nie ein Gesuch um Verleguug des Schweinemarktes eingereicht, ein derartiges Gesuch unterstützt oder irgend Jemand zur Einreichung eines Gesuches beauftragt haben. Wir erklären ausdrücklich, daß wir uns noch nie durch durch die Abhaltung des Marktes auf dem Klosterplatze belästigt gefühlt haben und wir würden es nur aufrichtig bedauern, wenn jemals der Markt verlegt würde. Offenburg, 14. Januar 1906. Ferd. Hanger Nachfolger Willy Wagner. Ferdinand Bahr, Selig Kahn, Karl Lang, Franz Meyer, Franz Schrrrman«, Franz Anton Reff, Gustav Link, Friedrich Martins, Anton Kern, Anton Schmidt. zettel vor de- 252S Vas Karneval-Verein d’ Ici eröffnet am Vizens-Tag den 22. Jänner 1+9-I-0+6 in der Michls- iPP-Glle am ewigen Bauplatz mit russischer Genehmigung unter und Abzug sämtlicher männlichen und weiblichen Semstwodlern Gel-Verrat-Sitzung ^r nur l. bis IV. Klasse fahrende bohnenburger Berufsnarren gegen 'empelfreie mitgliedskartliche Perronaufsperrbilljette einen salon- Zutritt haben. „sterorämmg: VM"A