V'r all Osseburger. Belletristische und humoristische Chronik der Kreishauptstadt Gffenburg. Nr. 370. Ausgabe vom 17. Juni 1006. Preis 10 Pf. Die Schulaufführungen der Minoriten zu Offenbnrg. i. In der Entwicklung des deutschen Dramas bedeutet die Reformation einen Wendepunkt. Das 14. und 15 . Jahrhundert hatte in bewußter Abkehr von der lateinischen Sprache einmal das deutsche geistliche Schauspiel und dann das Fastnachtsspiel gebracht. Jenes hatte, seinen Dichtern entsprechend, den Stoff aus der heiligen Geschichte, dieses zumeist aus dem frisch Erlebten genommen und mit schmutzigem Witz und voll satirischen Anzüglichkeiten in die Form der Gerichtsverhandlung gekleidet. In beiden waren die fast endlosen Gedichte wenig mit der Handlung verwachsen. Nun ließ die Reformation beide Formen begreiflicherweise fallen und knüpfte an die neue Strömung an, welche schon seit Jahren erfrischend und belebend neben der alten Richtung hergegangen: an die wiedererwachte Antike. Es war die Rettung des deutschen Dramas. Zunächst allerdings kam das wohl nur der lateinischen Dichtung zugute, aber man lernte doch wieder, wenn auch ohne tieferes Verständnis, die Einteilung in Akte und Szenen und einen gewissen Unterschied zwischen Tragik und Komik. Albrecht von Eyb, Domherr zu Bamberg, übersetzte als erster zwei Stücke des Plautus „Menaechmi" und „Bachides" und nach ihm 1486 Hans Nythart, ein Ulmer Bürger, den Eunuchen des Terentius und 1499 Hans Grünynger diesen Dichter vollständig; Nythart suchte in seiner Einleitung und den Anmerkungen die klassische Dichtkunst und das Wesen in den Bau der Komödie klarzulegen. Gierig griff diese Literatur Hans Sachs auf. der in seiner Jugend die Anfänge des Latein und selbst des Griechischen gelernt hatte. „Er war unter den namhaften Dichtern seinerzeit der erste, der unser Drama aus der Schmalheit der Stoffe und der Rohheit der Form, die bisher es eingeengt, auf das freiere Feld einer Kunstübung nach antiker Art zu versetzen suchte . .. und weit über die Grenzen der Vaterstadt hinaus hat sein Vorbild einflußreich gewirkt." Doch der Mann war zu früh gekommen ; wohl wirkte er aufs Volk und man suchte seine Stücke andernorts sich zu verschaffen, aber die Gelehrten kannten ihn nicht, und das Drama, das durch ihn auf das weite Feld der geistlichen und weltlichen Geschichte, der Sage der Heimat und Erzählung der Fremde gestellt, fiel wieder zurück in die alten Engen. Das Volksschauspiel, das er so mächtig befruchtet, verkümmerte endlich in dem Zeitalter der Aufklärung, im 18. Jahrhundert, unter polizeilichen Verboten vollständig. Inzwischen hatten sich jene ersten Ansätze der mehr gelehrten Richtung weiter entwickelt. Sie führte naturgemäß zu der Wiederaufnahme der lateinischen Sprache und erst später traten durch das Bedürfnis, allgemein verständlich zu sein, neben die lateinischen Originale deutsche Uebersetzungen. Und auch allmählich wand man sich hier auf ein freieres, weiteres Gebiet. Luther teilte die Bedenken gegen die Komödie nicht und hielt solche Aufführungen für eine gute Uebung der Schüler im Lateinischen und in der Uebersetzung der Bücher Judith und Tobtä meinte er, daß jene eine gute, ernste, tapfere Tragödie, diese eine feine, liebliche, gottselige Komödie gebe. So entstand die biblische Komödie. Mit der Ausbreitung der Reformation war auch diese allgemeiner bekannt und geübt. Nikodemus Frischlin, Professor in Tübingen, war es, der daun als erster, neben das biblische Schauspiel das weltliche stellte und sein Einfluß reichte weit über seine Zeit. Besonders gelehrte Schulmänner erschienen als Verfasser. Es lag nahe, daß sie ihre Werke in der Schule und durch Schüler zur Aufführung zu bringen suchten, wie man ja auch schon vorher Schüler zu Darstellungen herangezogen. Hier war die Gelegenheit, die neuen Gedanken der Reformation in die jungen Herzen zu pflanzen und unter einem weiteren Publikum zu verbreiten, und hier konnte man auch seine Polemik am geschicktesten gegen die Katholiken Vorbringen. Eben deswegen wurden die Stücke auch verdeutscht und um das Verständnis noch mehr zu fördern, gab man den Zuschauern gedruckte Theaterzettel mit Prologen und „Argumenta" in die Hand. Ueber den Nebenabsichten scheint man jedoch die Weiter- sührung des Dramas -ganz vergessen zu haben: nach wie vor war die Einteilung in Akte und Szenen nur äußerlich und die einzige Neuaufnahme, die Einführung von Zwischenchören nach dem Vorbilde Senecas war kein dramatischer Fortschritt. Strophe und Vers waren verwildert; ohne jeden Anklang machte Rebhun in seiner „keuschen Frau Susanna" den Versuch einer Verbesserung. Von weitgehendstem Einfluß waren die Aufführungen in dem protestantischen Gymnasium S traßburg, das unter dem großen Pädagogen Johannes Sturm 1538 eröffnet ward und sich später zur Universität entwickelte. Damals hatte Straßburg seine Blüte erreicht, es war der Vorort des süddeutschen Protestantismus und die Zufluchtsstätte der Vertriebenen geworden. Alljährlich strömten viele Tausende aus ganz Deutschland, der Schweiz und Frankreich zu der großen Johannesmesse herbei, und vor ihnen führten die Schüler ihre griechischen, lateinischen und deutschen Stücke auf, wobei die Absicht obwaltete, daß die Akademie volkstümlich und „bei allen Gelehrten in und außerhalb des deutschen Landes celebriert und gerühmt werden und an Studiosen je mehr und mehr zunehmen sollte". Hier schrieb der Meistersinger Wolfahrt Spangenberger und der Prediger Isaak Fröreisen und hier gelangten die Dramen Kaspar Brülows aus Pommern zur Aufführung. Das protestantische Beispiel wirkte auf die Katholiken und gab hier die erste Anregung zum S ch u l d r a m a. Recht eigentlich wurden hier die Jesuiten die Begründer desselben, sie. an deren Namen die Gegenreformation sich anknüpft, hatten erkannt, welch gewaltige Wehr und Waffe diese Aufführungen sind und ganz besonders bei ihnen wurden solche Uebungen in den Schulplan ausgenommen. Der Jesuitenorden hatte eine Hauptaufgabe in der Pflege des gelehrten Unterrichtes gefunden und nach einem unscheinbaren Anfang, gestützt auf ein päpstliches Privilegium, sich die öffentlichen Gymnasien und Universitäten erobert. Dieser Siegeszug der Jesuiten belebte auch die andern katholischen Orden Deutschlands: in . Oesterreich und Baiern nahmen die Benediktiner, im Rheintal die Minoriten den Unterricht mit erhöhtem Eifer wieder auf. In allen diesen Orden waren fortan die „Herbstkomödien" eine alljährlich wiederkehrende Erscheinung, bis auch hier das 18. Jahrhundert wie im Volksschauspiel Aenderung brachte und sie in den einzelnen Staaten, protestantisch wie katholisch, geistlich wie weltlich verbot: Mit der Verfolgung der Jesaiten wurden auch ihre Dramen verdrängt und die neue Pädagogik sah in der Anleitung zu solchen Aufführungen nur eine Aufforverung und Anweisung zu Heuchelei und Verstellung; auch hatte das moderne Drama mit seinen berufsmäßigen Spielern Eingang gefunden. D' Veef. u» —- ' L«' Ilm* MM l VS S? -» l <3 i l'i /Ä& ß?3T Je bizitie dank i userem Herrigott brumm, daß er is zuem e eigene Neschtli vrholfe hett. Mit unsere massive Kischde un Käschde wärs bigoscht e Knirscht un e Bueß, alli baar Woche usz'ziäge, wiä's hittigsdags Modi wore isch. Babiereni Bettlade un Drög sottige diä armi Zugvegel eigentlig Han, wo si nur zuem Krizschtock nußwerfe kinndige, wenn si noch eme üwerzwerche Traum d' Wanderluscht ankäm. So klagt mr d' vrgange Woch so e unglückseliger Runderghetzder: „J mueß halt jetzt e Dager achdi mit miem nienköpfige Anhängsel im Möwel- wage loschiäre, bis unser nägschts Domiziel wanzerein un frisch gwißelt isch." Ich mueß sage, e Schtich hetts mr in d' Herzgegend gähn üwer diä Zueschtänd. Wenn mr deß Vrändernngsfiäwer richdig in's Aug faßt, no isch halt 's Zigienersyschtem doch noch 's vornehmscht. Diä ziäge ihri Kärre mit Hab un Guet in dr Welt rum un mache Halt, wo's ne grad bhagt. „Machts Glick im Norde e Burzel- baum, no ich dr Sied mein Vadderland!" Wenn's ne im Nollewald z' kiähl un z' Hiähnerlos wurd, un d' grüen Dabeet Der Neubau des Vorschußvereins in der Okenstraße. G.M. Der Bauplatz, welcher zum neuen Heim der hiesigen Genossenschaftsbank nach eingehender Prüfung erwählt wurde, hat in geschäftlicher Beziehung den Vorzug einer ruhigen, freien, schönen Lage. Er befindet sich doch in unmittelbarer Nähe der wichtigsten Verkehrsader, der Hauptstraße. Bei der Besprechung dieses neuen Bankhauses, des größten hiesigen Geldinstituts, dem zurzeit 2600 Mitglieder angehören, ist es zunächst wichtig, daß über die Geschichte des Geländes viel Interessantes zu berichten wäre, wenn die Schicksale einzelner Stadtteile und ihrer einstigen Bewohner nicht ebenso dem Strom der Vergessenheit anheimfielen, wie es bei ganzen Ländern und Völkern teilweise der Fall ist. Wollte man über das Gelände, auf dem der Neubau und und die Gartenanlagen des Vorschußvereins errichtet sind, nur von einigen zurückliegenden Jahrhunderten etwas wissen, so dürfte dies vielleicht gelingen, wenn man die Archive Wiens und anderer Städte nach den ehemaligen Festungsplänen und Urkunden Offenburgs durchstöberte. Die Zerstörung und der Brand unserer Stadt anno 1689 hat fast alles hierauf Bezügliche vernichtet. Begnügen wir uns deshalb mit Erinnerungen aus jüngerer Zeit. Mit Bestimmtheit haben aber die Fundamentierungsarbeiten dieses Neubaues, wie schon vor 50 Jahren jene der protestantischen Kirche, durch aufgedeckte Baureste gezeigt, daß ehemals außerhalb der Ring- und Festungsmauer der Freien Reichsstadt noch Bastionen, Bollwerke, unterirdische geheime Verbindungs- nitt recht zue dr Jnrichdung basse will, no geht's mit dr Ba- gaschi Berghaupde zue uff e gähler Rebsacker, wo im Ton firs Aug besser mit de Windle schtimme duet. O giädigi Mueder Nadur, nimm doch dinni fahrendi, fladderhafdi Menschekinder Widder fescht ans Herz, daß si dr Modimollich nitt ganz vrhunzt un nunderdunkt. Wo hättig mr in miene Maiejohre sich so e Kuddel-Muddel uff dere Welt numme z'recht denke kinne. 's fallt mr bi dere Glegeheit grad ien, was ich als siewe- zehjährigs Maidli zuem e junge Berliner gsait Hab, wo 'r mir in allem Ernsch e Hieratsantrag gmacht hett: „Wenn mr mit Kinzigwasser daift isch," haw i gsait, „no wurd's eim an dr Schpree nitt uff d' Längi selli wohl sien kinne." „Ach diese Schollenkleberei," hett 'r druff gmeint, dr Preiße- jmgling. Wenn des Wurzle im Heimetbode e vrachdenswerdi Sach wär, no hättigs sicher nitt alli Dichder un Denker vun jeher zue sinnere Vrherrligung hingrisse. Un ime Jede, 's man em druß rum dr Zellerig noch so dick waxe, klopftjs Herz underem Bruschtduech, wenn 'r vun dr Heimet hört, un kaim wäre d' Schtunde vrschpart bliewe, wo ne d'Sehnsucht noch em Heimet- glockeklang am Schlawuddig kriägt. Wurum hättige mir sunscht im sachvrschdändlige Emil e Kischtli voll Offeburiger Erd mit uff Pforze gähn? So haldet 'rs doch immer viärzeh Dag drunte uß, bis 'r dr Weg heimeszue als Widder under Fiäß nimmt. Lache nitt, Littli, wenn ich eich gschdeh, daß ich mich männichmol mit eme wohllüschdige Siffzer an e wurmschtichiger, wackliger Kuchidisch zruckvrsetze due ('r schteht nur noch uff drei Bein, wiel em 's viärt halt au im Kampf ums Dosien abhande kummen isch), wo mir d' Mueder sählig als e Schpidalschüssel voll gwermdi Schnurgel annigschdellt hett, wenn i mit eme lange Mage uß dr Schuel Heimkumme bin. Uewer dr Kopf waxe derfe eim nadierligerwies so Ruckerinnerunge nitt, sunscht schpukt's in dr Fechtschuel des Lewens. Was z' viel isch, isch üwerall ungsund. Will awer emol dr Dusel im Herzgrüewli nit wiche, nocherd nix aß nußgfloge in Feld un Wald, un mit de Vegili um d' Wetti dr Schtaub vun dr Seel ra gsunge un pfiffe. Ich bin kürzlig uff so ere Wanderung in d' Linde z' Feffebach grote un mueß sage: „Allebunnehr." Wirtslittli, wiä si e Jeder gern sieht, e netts Wiewli, wo Eim e gueder Wickel anniz'schtelle vrschteht. Prima, sag ich Eich Littli! — Wurum ich druß rum Hab miässe frischt Luft schöpfe? Der liädrig Schtadtbohrer, wo d' Lecher für's elektrisch Liächt hett miän durch unseri mederdicki Mure mache, hett mich voll- schtändig alderiärt ghett. gänge rc. bestanden haben, welche beim Stadtbrand zerstört worden sind. Später wurde daun der Abhang (Rain) mit Tannen und Reben bepflanzt, was heute noch der ältesten Generation lebhaft in Erinnerung ist. Jedenfalls war zu Festungs- ( zeiten das Gelände städtisches Eigentum. s Aus den letzten 100 Jahren erinnert man sich, daß die > ganze Bodenfläche außerhalb der Stadtmauer, von der Wasser- j gaffe bis zum Ochsensteg und zwischen der Okenstraße fast bis zum Mühlkanal, im Besitz der Familie H o g gewesen sei. Das in Stein gemeißelte Antlitz eines Angehörigen besagter Familie, des Zwölfers (Stadtrat) Hog, ziert heute noch den Brunnen am Fischmarkt. Später ging das Anwesen in der Erbteilung auf die , Familien Löffler und Guerra über. Den Löfflerschen Anteil (Villa Werkle bis zum Ochsensteg und im Tiefgestade bis I zum Gaswerk und den städtischen Wiesen) erwarb seinerzeit ! der Engländer Eduard S i m s o n, der das Anwesen zu einem prächtigen Herrschaftssitze umwandelte. Nach mehreren Jahren wurde derselbe parzelliert und an verschiedene Käufer veräußert. i Den südlichen Teil (vom Merkle'schen und Monsch'schen Anwesen bis an die Wassergaffe und das Gaswerk grenzend) erwarb eine Familie Vieweg in Paris, von welcher es Herr Apotheker 1 Ries anläßlich einer Reise dahin um den Preis von 22,000 Gulden erwarb. Wie die nördliche Hälfte, wurde auch die südliche vom Erben, Herrn Badbesitzer Theodor Ries, parzelliert und veräußert. Der Hauptkomplex. Garten mit Villa, in welcher vor Jahren auch der lebenslustige Henry von Bussiere residierte, wurde an Herrn Dr. Fähndrich abgetreten. So e Jnschtrenient, schtumpf wiä dr hinderscht Schtadt- siknattli, kan eim awer au uß Rand un Band bringe, gar Wenns noch mit ach un krach dr Ußweg in d' Kammer schtatt in d' Schtub nimmt. Hättige mir, dr Andrees un ich, diä gschundeni, vrschwitzti Daglehner nitt uß Bedures zittewies uff ihre Leidere drowe bi -em hirnwiädige Bohre abglest, ich wett zehni gege eins, mr miäßdige dr nägscht Minder d' Funzle alli Widder in Bewegung setze. O, der ungschliffe Schtadtbohrer, der hett mich drangsaliärt. Jetz awer z' End fir dißmol. Wer 's Mul au mit dr reinschte Wohret z' lang schpaziäre gehn loßt, krjägt zuer Kuhr « „Dätsdiwitt uff's Niärschtick" sa>t dr Sunnewirt vun Biewere. Seller mueß es vun sinnere lange Praxis her wisse. — Offenburger Allerlei. Aus dem Stadtrat. Die Lieferung eines neuen Herdes mit Warmwafferleitung für das Krankenhaus wird an L. Burg Hier für den Preis von 920 Mark Überträgen. Die Heizungsanlage in der Mädchenschule, welche ihren . Zweck nicht genügend erfüllt, soll umgebaut und erweitert werden. Die Anlage eines dritten Keffels ist geplant, sowie der Anschluß des Bades im Mädchenschulhause an die Heizvorrichtung. Der Kostenanschlag erreicht die Höhe von 10,000 Mark. Es werden alsdann alle Räume, auch die früheren Wohnräume des Rektors, welche bisher durch Einzelöfen erwärmt wurden, an die Zentralheizung angeschlossen sein. Der städtische Eiswagen wird an G. Link hier zur Liefet- ung übertragen. Die Beschaffung des nötigen Pferdes soll, /zunächst probeweise, durch M. Weil hier erfolgen. Am 25. Juni wird die sachverständige Prüfung der Sauggasmotor-Anlage vorgenommen werden. Zur Prüfung des Elektrizitätswerkes an sich soll noch ein weiterer Sachverständiger gewonnen werden. Als Ergebnis der Besichtigung der Milch anstatt in 'Bergisch-Gladbach seitens der städtischen Abordnung schlägt dieselbe dem Stadtrat die Selbstproduzierung von Säuglingsmilch vor. Bedingung für eine gute Kindermilch sei reine Kuhmilch von in jeder Beziehung gut gepflegten Tieren. Für diesen Zweck sollen die Kühe des Krankenhauses ins Auge gefaßt werden. Der dadurch verursachte Ausfall am eigenen Bedarf des Krankenhauses soll durch einen zuverlässigen Lieferanten Deckung finden. Ein Vorschlag aus der Mitte des Kollegiums, welcher die Errichtung einer Musterstallung beim Schlachthaus, sowie die Gewinnung und Abgabe von einfacher, guter Milch befürwortet, findet nicht genügende Unterstützung. Im Galten befanden sich mehrere wertvolle Altertümer (römischer Meilenstein, gothisches Kirchenportal, Taufstein und sonstige Steinornameute), die zweifellos vom großen Stadtbrand herrühren. All diese Gegenstände schenkte Herr Dr. Fähndrich dem städtischen Museum, kurz vor dem Verkauf seines Anwesens an den Vorschußverein. Letzterer erwarb das Gut um den Preis von 65,000 Mark vor etwa einem Jahr und heute schon erhebt sich auf dem Platz des ehemals so schönen Gartens das imposante Bankgebäude. Der Verwaltungsrat des Instituts erließ, nachdem ein Neubau endgiltig beschlossen und der Bauplatz gekauft war, ein Preisausschreiben unter den hiesigen Architekten. Von den ein- gereichten Plänen der 6 Bewerber erhielt Herr Architekt Abel den 1. Preis und die Uebertragung des Baues. Das Schiedsgericht bestand aus den Herren Prof. Ratzel aus Karlsruhe, Glasmaler Börner, Stadtrat Merke. Stadtbaumeister Wacker und Direktor Fabricius. Die Fassade des Gebäudes in edelstem Renaissancestil, geschmückt mit künstlerischer Bildhauecarbeit, darunter Wappen der Städte Offenburg, Lahr, Oberkirch, Wolfach und Kehl, darf als Zierde Offenburgs bezeichnet werden. Von der Hauptstraße aus fällt der Bau sehr vorteilhaft ins Auge. Die innere Einrichtung der Bureaus, feuersicheren Gewölben und Kassezimmer entsprechen den weitgehendsten Anforderungen, welche heute an ein modernes Bankhaus und großes Geldinstitut gestellt werden können. Näheres über die Geschäftsräume, über Wohnungen und Garten folgt in einem weiteren Bericht. Wirtschaftskonzessi onsgesuche liegen vor von fünf Interessenten: Weil, Huschle, Behle Witwe. Niklis und Mayer. Die Bedürfnisfrage wird mit Stimmenmehrheit verneint bei den vier Erstgenannten. Dagegen mit Mehrheit bejaht im letzten Falle. Hier handelt es sich um Bebauung eines unschönen Platzes, Ecke der Buhler- und Volkstraße. Für das verstorbene Mitglied des Bürgerausschusses, Zugmeister Fritsch wird die Ersatzwahl auf Montag den 25. Juni anberaumt. In die Kommission zur nochmaligen Beratung des Beamten- und Arbeiterstatus werden die Stadträte Abele, Friedmann, Fritzsche, Merke und Schneider gewählt. Den Vorsitz in dieser Kommission führt der Oberbürgermeister. Das neue Schlachthaus, oder unser Schlachthof, schreitet in seiner Fertigstellung nun rasch voran. Am letzten Dienstag ist seitens der Metzgerzunft und am Freitag auch durch den Stadtrat beschloffen worden, die Anstalt amMontagden2. Julizuerösfnen. Das osfi zielle Eröffn ungs- fest wird aber erst am 8. Juli abgehalten. Wie Der „Alt Offeburger" schon milteilte, wird ein imposanter Zug der Behörden und Vereine, worunter viele auswärtige Metzgergenossenschasten, vom alten Schlachthaus über die Haupt-, Zeller-, Oken- und Wasserstraße unter Musikbegleitung zum neuen Schlachthof sich begeben. Mittags ist ein Festessen im Saale der Dreikönige vorgesehen. Der Festzug soll mit zwei Musikkapellen ausgestattet werden und zwar die städtische, und die vom Regiment. Bedauerlicherweise ist aber am 8. Juli die Regimentsmusik zu einer Konzerttournee in Norddeutschland, es wird deshalb eine Militärkapelle von Kehl oder Straßburg engagiert werden. Wir werden noch über die gefällige äußere Gestaltung wie über die mit allen Neuerungen ausgestattete innere Einrichtung berichten. Der Verwaltungsrat der Sparkasse vergab in letzter Sitzung die Arbeiten zum Umbau des friher Baur'scheu Hauses, dem künftigen Domizil der städtischen Sparkasse. Im ganzen sind etwa 53 Angebote eingegangen. Da die Bansumme kaum 15,000 Mark beträgt, läßt die lebhafte Submission mit Untergeboten bis zu 25°/» darauf schließen, daß im Baugewerbe zurzeit keine besondere Tätigkeit besteht. Folgende Geschäftsleute erhielten den Zuschlag: Maurerarbeiten S iesert, Zementarbeiten Schwarz, Gypserarbeiten Beit, Zimmermannsarbeiten End, Schreinerarbeiten Hoffman», Glaserarbeiten Reneau, Schlosserarbeiten Louis Burg, Blechnerarbeiten Schweizer, Malerarbeiten Gebr. Maier, Tapezierarbeiten Ziegler, Eisenlieferungen E ck e r l e, Granitarbeiten Zu ke ne di. Die Vergebung der Parkettarbeiten ist noch unentschieden. Ausstellung. Mit der Tagung des Vereins für badische Volkskunde, die am Sonntag den 19. Juni in Offenburg stattfindet, ist auch eine Ausstellung in der Michelhalle verbunden. Herr Rechtsanwalt Dr. Weiß in Baden will nämlich aus dem Nachlaß des Badener Malers Moppert eine kleine Sammlung von Gemälden, Studien und Zeichnungen ausstellen, deren Stoff und Inhalt das Bauernhaus, Volkstypen, Landleben und Landstraße künstlerisch darstellt. Es sind etwa zwanzig eingeramte größere Gemälde und doppelt soviel Oelstudien und Skizzen. Der interessante Vortrag des Herrn Prof. Dr. Pfaff wird zahlreiche Besucher der Versammlung anziehen. AbgaugSprüfuugc« a« der Realschule. Herr Geheimer Hofrat Dr. Oster ist zum Piüsungkkommissär ernannt, um die Abgangsprüfung an der Realschule zu leiten und zu überwachen. Vierzig Schüler wollen sich der Abschlußprüfung unterziehen. Der schriftliche Teil des Examens beginnt einheitlich im ganzen Land am 18. Juni und dauert bis zum 20. Der Termin für die mündliche Reifeprüfung ist noch nicht festgesetzt, dürfte aber aller Wahrscheinlichkeit nach in die erste Woche des Juli fallen. Zerstörung. Wie die Christusfigur am Misfionskrenz und die Apostel des Oelbergs dem Zerfall erliegen, so hat auch der Zahn der Zeit nicht Respekt vor dem heidnischen Wassergotte, der den Brunnen auf dem Marktplatz schmückt. Nicht mehr lange wird es dauern, so wird auch am Neptun die Zerstörung offenbar werden und es werden Teile davon absplittern. Es wird hier wie dort nur den eineu Ausweg geben, um diese Denkmale zu eihaltc», daß man sie an einem geschützten Ort unterbhingt und die Originale durch getreue Kopien ersetzt. Es sollte dies aber bald geschehen, bevor es zu sp^t wird. Jugloffeni Schriewes. Liäwer Alter! Wurde da unlängst einmal bei einem Kappenstudentle die sachverständige Musterung des Schulranzens und der Hosentaschen vorgenommen. Das Ergebnis dieser ökonomischen Musterung erregte ein bedenkliches Kopfschütteln bei den maßgebenden Persönlichkeiten und endete mit der Beschlagnahme eines „zerlesenen" Büchleins. — Schädel — Miniaturstudenten müssen sich doch auch die Erscheinungen der „Miniatur-Bibliothek" zu eigen machen. Es ist darum nicht zu verwundern, wenn solch ein Knirps, der seine Wissenschaft in den Räumen eines ehemaligen Waisenhauses schöpft, angeregt wird, recht eifrige Studien zu machen über: „Kinderpflege und die Krankheiten des Neugeborenen." Solcher Wissensdrang sollte gedämmt werden? B. Paradenruftk am Sonntag den 17. Juni, vormittags 11 Uhr zur Feier der Eröffnung der Anlage 2666 am Hildaplatz. Eine zute Kttmipkkjsr hat billig abzugeben. Louis Schmidt, 2663.3.1 Weingärtnerstraße 3. Zu vermieten. Langestraße Nr. 50 sind auf I.Oktober oder früher schöne helle Ladenlokalitäten mit Remisen, Magazin und Wohnung mietfrei. Kesselstraße 10 ist eine Dreizimmerwohnung mit Zugehör im 1. 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Juni in Offenburg 2. Llll>i>kSl>kksWmIi»>z m brr Michklhnllk Armb,ust.,>. '/all Uhr: Vortrag des Herrn Profestor Pfaff (Freiburg) mit Lichtbildern:. „Das Schwarzwaldbauernhaus". 1 kl2 Uhr: Geschäftlicher Teil. 1 Uhr: Gemeinsames Mittagessen in der „Michelhalle" (Gedeck 2 Mark, Anmeldungen erbeten an Herrn Direktor Busche in Offenburg bis zum 15. Juni). 3.04 Uhr: Ausflug nach Gengenbach. 2658 Aufruf. Am Dienstag den IS. Juni soll der diesjährige Kinderhilfstag sein. Durch Sammlung von Haus zu Haus soll ein Teil der Mittel beschafft werden, um bedürftige, schwächliche und kränkliche Kinder während der Ferien an gesunden Schwarzwaldorten zu verpflegen und ihre Gesundheit zu kräftigen. Es sind weit über 200 Kinder, die der Schularzt als besonderer Fürsorge bedürftig bezeichnet. In die Arbeit teilen sich der städtische Armenrat und der Unterzeichnete Ausschuß. Der Armenrat kann nur etwa 40 Kinder in das Solbad Dürrheim schicken. Aus der großen Zahl der übrigen wollen wir die bedürftigsten zur Verpflegung in Gasthöfen auswählen, soweit unsere Mittel reichen. Die Kinder bekommen in der Sommerpflege nichts über das natürliche Bedürfnis; aber sie sollen einmal eine ausreichende Verköstigung, gesunde Luft, saubere Wohnung, gutes Nachtlager, kräftige Bewegung und Spiel im Freien genießen; ihr Körper soll gekräftigt, ihr Blut erneuert werden. Sie sollen wenigstens für einige Wochen das- bekommen, was sie eigentlich immer haben sollten. Dem Siechtum soll Halt geboten werden. Jus Elternhaus zurückgekehrt, fügen sie sich wieder der eisernen Notwendigkeit, der Entbehrung. Die Allerbedürftigsten wollen wir womöglich auch im Winter unter unserm Schutz behalten. In diesem Jahr sind unsere Mitbürger öfters um freiwillige Leistungen angegangen worden. Wir zweifeln trotzdem nicht, daß sie noch ein Scherflein für unsere kränklichen Kinder übrig haben. Für die kleinste Gabe sind wir von Herzen dankbar. 2665 Der Ausschuß für Ferienkolonien. fttt? Kokett. Wir gestatten uns, nachstehend die Sommerpreise für Kohlen bekannt zu geben und bitten unsere verehrlichen Abnehmer um gefl. frühzeitige Aufgabe des Bedarfes. Bei Abnahme von Bei weniger mindestens 20 Ztr. als 20 Ztr.. la. Fettschrot, stückreich. Ia. Nußkohlen, gewaschen und nachgesiebt, I. und II. Korngröße. Ia. Nußschmiedekohlen, 111. Korngröße .... Belgische Kohlen: Halbfette Würfelkohlen, 20/30 mm, rußsteinfrei . Anthracit-Würfel für Dauerbrandöfen . Briketts: Braunkohlen-Briketts, Marke „Union" . Steinkohlen-Briketts. „groß Format" Koks: Ia. Gaskoks, zerkleinert. Ia. Gaskoks, grob. Ziel 90 Tage. und M. 1.30 M. 1.40 ff 1.50 „ 1.60 ff 1.40 „ 1.50 ff 1 80 „ 1.90 ff 1.90 „ 2.— ff 1.20 „ 1.30 ff 1.40 „ 1.40 ' ff 1.40 „ 1.50 „ 1.00 „ 1.40 2659.4.2 Die Vereinigung der Offenburger Koblenflrme». Offenbrrrg. Stadt. Museum für Natur- und Völkerkunde täglich geöffnet: an Sonn- und Feiertagen von 11—5 Uhr, zum Eintrittspreis von 10 Pf., an Wochentagen von 9—5 Uhr, zum Eintrittspreis von 20 Pf. Das städtische Lesezimmer ist für Männer und Frauen täglich von morgens- 10 Uhr bis abends 10 Uhr geöffnet. Redaktion, Druck und Verlag von Adolf Geck in Offen v erg.