Beilage zu Nr. 1575 Dr alt Offeburger Ausgabe vom 28. September 1929. Mosaik aus üffenburg vor 50 Zatzreu. Im Herbst 1879 war die Hälfte der badischen Volkskammersitze zur Neuwahl gestellt. Die Stadt Osfen- burg hatte nicht zu wählen. Es ging nach dem indirekten System: die wahlberechtigten badischen Bürger erkoren nur Wahlmänner, diese ernannten den Abgeordneten. Um zu zeigen, wie gleichgiltig damals das Volt zur Wählerei sich verhielt, diene das Lahrer Beispiel. In den drei Distrikten der Stadt gingen von 875 Wahlberechtigten nur 143 an die Urne. In Mannheim erschienen in einem Bezirke von 188 Wählern 17, im anderen von 281 nur 19. Hier, wo die sozialdemokratische Partei in den Anfängen war, machte der Sozialdemokrat August Dreesbach bekannt, daß seine Partei bei den Landtagswahlen sich strenge der Abstimmung enthalten werde. Es war ein Jahr nach der Verhängung des Ausnahmegesetzes. Der Landtagswahlkampf der Partei Bismarck wurde in Offenburg am 7. September eröffnet durch die Landesversammlung der nationalliberalen Partei im Saale der neuen Pfalz. Vorsitzender war Anwalt Bumiller, Schriftführer Eerichtsnotar Bucherer. Es war der Beginn des Zerfalls dieser Partei. Leidenschaftlich war der Kamps zwischen den Liberalen und den „Schwarzen" in O b erh arm ers ba ch, wü die Letzteren siegten. Der „Ortenauer" sprach vom „Gnadenorte der Madonna Juliana." Er meinte damit das Kloster der „Heiligen Julian", einer dortigen Dame, welche junge Mädchen zum heiligen Lebenswandel in ihrem in der Waldeinsamkeit erbauten Kloster verpsründete. Schließlich endete das Klosterleben mit einem Skandal, der zum Strafprozeß vor dem Osfenburger Landgericht führte, das die Julian verurteilte. In dem Gebirgsdorfe herrschte damals ein Eemeindeunfrieden wie heute in Schutterwald. In S t r a ß b u r g war am 19. September große Parade (30 000) in Anwesenheit des Kaisers und etlicher Fürsten. Der deutsche Kronprinz traf am 26. September in Offenburg ein und speiste in der Bahnhofwirtschaft Heinrich Mayers. Aus unserer Stadt und ihrer Umgebung strömten damals Volksmassen nach der „wunderschönen Stadt" am Rhein. Zum Sedanstag brachte der „Ortenauer" ein Ee- ' dicht, das mit der Strophe schloß: Hurra, hurra, Sedan ist da, Zur Lehre für kommende Tage: Der Uebermut tut niemals gut, Bereit ist das Schicksal zum Schlage. Sie haben 35 Jahre später die Lehre nicht beherzigt. In Baden-Baden hielt am 20. September der Verein deutscher Naturforscher und Aerzte den 52. Verbandstag. Geh. Nat Dr. Ecker-Freiburg sprach über den Stifter Lorenz Oken, der als Oeenfuß vor 100 Jahren in Bohlsbach geboren wurde und 1794 -89 zu Offenburg die Schule besuchte. Okenfuß kam dann an die Stiftsschule in Baden-Baden. Für die Errichtung eines Okendenkmals in Offenburg wurde gesammelt. Amand Eoegg aus Renchen, der ehemalige Finanz- minister der Volksregierung von 1849, hatte eine Studienreise nach Amerika und Australien gemacht. Im September 1879 hielt er Vorträge und bestimmte die Gelder für die Bezahlung der Kosten des Grimmelshausen- Denkmals, das vor 50 Jahren in Renchen errichtet wurde. Der Stein war zuerst für das Denkmal der Rastatter Standrechtsopfer bestimmt, dessen Aufstellung von der Militärbehörde verboten wurde. Photograph Grimm hatte vom naturwissenschaftlichen Verein in München eine hohe Auszeichnung erhalten für Anfertigung mikrophotographischer Bilder. Auf der Teplitzer Ausstellung errang er die goldene Medaille. Im badischen Leibgrenadier-Regiment diente damals der 22jährige Karl Seufert, der Sohn des hiesigen Bezirksgeometers. Bei der tropischen Hitze mußten die Mannschaften einen fünfstündigen Marsch von Karlsruhe nach Bruchsal machen. Etliche Grenadiere erkrankten. Unser junger Osfenburger starb im Lazarett und wurde in der Heimat am 23. August beerdigt. — In Karlsruhe starb am 2. September der Polytechniter Adolf Maler, der Sohn des früheren hiesigen Obereinnehmers. Die Freiwillige Feuerwehr hat in der Generalversammlung zwei Mitglieder ausgeschlossen, weil sie nicht auf dem Brandplatze erschienen sind: den Maurermeister Jos. Schwend und den Kaufmann Louis Stein. Ende Sept. starb der Feuerwehrmann Fritz Kops, Malermeister. In der Gant der Filzfabrik des Hermann Schild war das Haus in der Angelgasse für 5 000 Mk., der Garten für 1800 Mt. angeschlagen. Damals ist auch das große Anwesen „Hotel Schmieder" in Hausach im Konkursverfahren veräußert worden. An acht Tagen wurden Fahrnisversteigerungen vorgenommen. Eine Weinversteigerung brachte 120 000 Liter bester Sorten aus unserer Gegend aus den Jahrgängen 1874 bis 1878 zur Veräußerung. Es waren Weiß- und Rotweine aus dem Lager des Elasfabrikanten Adolf Schell. Dieser hatte auch die Elasmanusaktur, bisher A. und W. Schell, auf eigene Rechnung weitergeführt. Sem Verfasser »es Offenen Briefes aus Vchulkerivais sei noch eine weitere Epistel geweiht. Herr Dr. Ban Holzer schenkte der Stadt Offenburg die Ehre seines Besuches. In Begleitung der beiden schönen Damen seines Pfarrhofes fuhr der Schutterwälder Diktator hierher und würdigte die trauliche Kneiploge einstiger Kannegießerei einem gambri- Nischen Erholungsstündchen. In solcher Besetzung wäre der angebotene Einzug in Schutterwald für ltnsereinen verlockend. Doch bleiben wir bei dem vom Herrn Pfarrver- weser angeregten brieflichen Verkehr. Der Blättleschreiber, dem Sie hochnäsig die Verachtung bekundeten — kennt auch das Bruchsaler Amt, dessen Arbeiterschaft, eingeschlossen die katholische — wiederholt ausschlaggebend beim Stichwahlkampfe dem Sozialdemokraten Adolf Geck zum Reichstagsmandat verhaften hat. Zu Untergrombach, dem roten Bruhraindorfe, dessen Parteiorganisation vom Abgeordneten gegründet wurde, wohnte zur Kriegszeit ein Doktor Banholzer. Im Pfarrhofe verkehrten damals die katholischen Jünglinge, die ver Geistliche für eine Anschauung erzog, die der herrschenden Gesellschaft nicht gefallen konnte. Die heftige Gegnerschaft zum Kriegspatriotismus war der Erundton der politischen Einstellung, welche vor allem den sozialdemokratischen Ideen gerecht wurde. Der Erfolg war, daß die meisten Zöglinge der Banholzer'schen Schule nach dem Kriege der roten Partei des „Umsturzes" sich anschlossen und heute gute Sozialdemokraten sind, wogegen ein katholischer Iünglingsverein auf der vom Doktor B. bereiteten Scholle nicht bodenständig werden konnte. Die Jugendlichen stunden damals treu zu ihrem geistlichen Lehrmeister, als er wieder ob einer Kanz- zelrede verfolgt wurde, die der Doktor gegen den Krieg gehalten hatte. Er mußte eine öffentliche Genugtuung den Patrioten leisten. Die oft bis gegen den Morgen sich ausdehnenden „Unterhaltungen" mit den Jugendlichen im Pfarrhofe bilden ein besonderes Kapitel; ebenso die Zusammenhänge mit dem raschen Abschiednehmen aus Bruchsals historisch berühmtem Revier. Für die Schutterwälder Epoche Dr. B.'s genügt der kurze Rückblick, um die Wandelbarkeit dieses Charakters zu zeigen, der heute die Arbeiterschaft verfolgt, für welche er damals politisch bahnbrechend war. Ein Jahr verfloß seit der öffentlichen Verhandlung vor dem Bezirksrat, welche dem Pfarrverweser als einen eitlen Aristokraten und Arbeiteroerächter kennzeichnete. Schutterwalds Moussolini will unbeschränkter Dorfdespot sein; die weltliche Obrigkeit ist ihm Lust: innerhalb zwei Wochen müssen Bürgermeister und Ratschreiber über die Klinge springen, aus daß der Pfarrer als Gründer eines charitativen Gemeindehauses machen kann, was er will. Das erwählte Oberhaupt der Bürgerschaft wird als „Lausbube" tituliert; mit diesem Menschen, der vor Jahren noch mit dem Essenrucksack auf dem Rücken in die Fabrik ging, verhandle ein Pfarrverweser nicht. So schmähte der angebliche Nachfolger des Nazareners vor dem Bezirksrat und im Sankt Jakobshause den aus dem Arbeiterstande hervorgegangenen Bürgermeister Junker, der über 30 Jahre nach Ofsenburg wandelte, um als Arbeiter sein Brot zu verdienen. Diese Verachtung des Proletariates geht über die Lippen des Präses eines katholischen Arbeitervereins, um dessen Gründung der Geschmähte sich ein Verdienst erwarb. Im Schulunterricht, in der Christenlehre, in der Sonntagspredigt versündigt sich dieser Despot, dem Niemand entgegnen kann, gegen die Gebote des Anstandes und der christlichen Morallehre. Rühmte er sich doch, von der kirchlichen Obrigkeit zu Freiburg gedeckt zu sein: Der Herr Erzbischof hat mir mündlich die Zusicherung gegeben, daß die Pfarrei Schutterwald nicht ausgeschrieben werde. So bleibe ich hier, um das Werk fort-- zuführen und wenn ich 50 und 60 Jahre alt werde. Würde ein Bewerben um diesen gutfundierten Sitz ermöglicht, das entscheidende Wort hätte der Patronatsherr v. Röder in Diersburg zu sprechen. Eine Protestschrist, beschlossen in der öffentlichen Versammlung vom 7. Oktober v. I. im Gasthaus zum Ochsen, ging mit' den 211 Unterschriften aus dem Bürgerund Arbeiterstande Schutterwalds an das badische Kultusministerium, nachdem schon das Freiburger Ordinariat wiederholt vergebens angerufen worden war. Letzteres hatte dem Doktor, „soweit nötig das Erforderliche bemerkt", einige Uebergriffe als „unzulässig" erklärt und veranlaßt, daß derartige weltliche Angelegenheiten beim Gottesdienste nicht mehr berührt werden dürfen. Es möge auch die Gegenseite den Frieden fördern". Der Doktor ist aber von seiner Unentbehrlichkeit überzeugt: „Die Minister sind alle auf meiner Seite, bis auf einen Sozialist und einen Jud". Seine Friedensliebe bekundete die unverschämte Kritik der Unterschriften des Protestes an das Ministerium: „es stehen darunter sogar Ehebrecher, arbeitsscheue Lumpen und solche, welche sich um einen Wurstzipfel und ein paar Schoppen Bier verkaufen lassen." Herr Dr. Sester, der Eeneralvikar des Freiburger Ordinariates, war bestürzt über die erste mündliche Mitteilung der Schutterwälder Gemeindebehörde und sagte: „Lieber Gott! Er versprach mir doch, sich zu bessern; jetzt fängt die alte Geschichte wieder an!" Breisach, Eeisingen, Untergrombach, Bruchsal, Schutterwald! Indessen müßte der Vertreter des Erzbischofs auch zu unserer Auffassung gekommen sein, daß die Persönlichkeit des zweifachen Doktors endlich der Begutachtung eines dritten, und zwar medizinischen, teilhaftig werde. Die Prüfung der Mentalität des Geistlichen schien ernsthaften Schut- terwäldern schon von vornherein eine vorbeugende Pflicht, als beim idealen Madonnenkult der Maiandacht der Pfarrverweser die schmutzige Bemerkung machte: „Eltern, die nur 1 oder 2 Kinder haben, sind Hureneltern." Eine solche, auch vor der Jugend bekundete Perversität hätte schon verhüten müssen, daß der spekulative Bauunternehmer Dr. Banholzer noch länger geistliches Oberhaupt in Schutterwald bleibt. Briefkasten des Alten. Jungbürger hier. Nach dem Rechenschaftsbericht für 1927 hatte die städtische Milchzentrale eine Einnahme von 139 400 RM., das sind 1 250 RM. über die Ausgaben. Bekanntmachung. Landtagswahl Die Stimmkartei für die Wahl der Abgeordneten in den Badischen Landtag ist aufgestellt und liegt vom 3. vts 13. Oktover werktags von 8 — 12 und 15 —18 Uhr, Sonntags von 10 bis 12 Uhr auf der Stadtkanzlei III, Kornstraße 4, 3. Stock, Zimmer 8, zu jedermanns Einsicht aus. Wer die Stimmkartei für unrichtig oder unvollständig hält, kann dies bis zum Ablauf der Auslegungsfrist bei der Gemeindebehörde oder auf dem Büro der Stadtkanzlei III anzeigen oder zur Niederschrift geben. Soweit die Richtigkeit der Behauptungen nicht offenkundig ist, sind für ste Beweismittel beizubringen. Wenn der Einspruch nicht sofort für begründet erachtet wird, entscheidet über ihn der Bezirksrat bis spätestens am vorletzten Tage vor der Abstimmung. Die Entscheidung wird den Beteiligten durch den Gemeindevorstand bekannt gegeben. Stimmberechtigt ist, wer am Wahltag deutscher Reichsangehöriger und 20 Jahre alt ist, sowie im Lande Baden seinen Wohnort hat. Das Wahl- und Stimmrecht ruht im Falle der Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte durch rechtskräftiges strafgerichtliches Urteil, in den Fällen der Entmündigung und der vorläufigen Vormundschaft. Die Ausübung des Wahlrechts ruht auch für die Soldaten während der Dauer ihrer Zugehörigkeit zur Wehrmacht. Zu den Soldaten zählen die Mannschaften, Unteroffiziere, Deckosfiziere sowie die Offiziere einschließlich der Sanitäts-, Veterinär-, Feuerwerks-, Festungsbau- und Zeugoffiziere des Reichsheeres und der Reichsmarine. Die Militärbeamten dagegen gehören nicht zu den Soldaten der Wehrmacht. Behindert in der Ausübung ihres Wahlrechts sind Personen, die wegen Geisteskrankheit oder Geistesschwäche in einer Heil- oder Pflegeanstalt untergebracht sind, ferner Straf- und Untersuchungsgefangene sowie Personen, die infolge gerichtlicher oder polizeilicher Anordnung in Verwahrung gehalten werden. Ausgenommen sind Personen, die sich aus politischen Gründen in Schutzhaft befinden. Jeder Stimmberechtigte wird" über seine' Aufnahme in die Stimmkartei durch Postkarte benachrichtigt. Wer bis Samstag, den 5. Oktober keine solche Nachricht erhalten hat, steht nicht in der Stimmkartei. Er muß deshalb seine Eintragung innerhalb der Offenlegungsfrist beantragen. Offenburg, den 26. September 1929. Der Oberbürgermeister. 266 Zähringerftof Ostenburg. Sonntag abend Abschied aus dem Kanton. Ausschank eines In. Bolksweins zu 35 Pf. das Viertel Karl und Marie Himmelsbach. Neuer Wein billig! Süßer Diersburger, '/* Liter ... 30 Pfg. Süßer Diersburger, gem. Bergwein, Edelgewächs Vorlese (Wachstum Frh. von Röder Diersburg) Liter 40 Pfg. UM" Alte Weine Preisabschlag. Sonntags Zwiebelkuchen! Dienstag Schlachttag! Restauration Gräßle 268 zur Laubenlinde. Schwarze Rauchwolken stiegen am Montag nachmittag an der Westseite über die Stadt empor. Von Osten ausgesehen machte dieser Äualm den Eindruck eines schweren Schadenfeuers wie bei der Feuersbrunst im Dreikönigshause. Es war aber die „Brandstiftung" der Freiw. Feuerwehr, welche auf der Stadtwiese ein neues Löschverfahren vorführte. Die Stadt Offenburg hat einen Apparat für das Schaumlöschverfahren angeschafft, mit welchem Oel- und Benzinbrände gelöscht werden. Nach der Probe begaben sich die Mannschaften in die „Alte Pfalz", um ein Bierschaum- Löschverfahren kameradschaftlich zu vollbringen. Die Volkshochschule Ortenau bringt auch in diesem Jahre ein vielseitiges Programm ihrer Kurse und Vorträge. Am Donnerstag Abend war eine Besprechung im Konferenzzimmer des Hotels „Sonne", wo die Themata im großen und ganzen festgelegt wurden. Der erste Abend wird ein Vortrag des Herrn Professors Dr. Aug. Hund fein. Herr Prof. Dr. Hund ist ein Sohn unseres Mitbürgers Bankier Hund und als Physiker im Büro of Standard in Washington (einem Institut, das ungefähr der physikalisch-technischen Reichsanstalt in Berlin entspricht) tätig. Er wird über ein Thema aus seinem besonderen Arbeitsgebiet, wo er durch eine große Reihe bedeutsamster Publikationen bekannt geworden ist, „Das Geheimnis des Rundfunks" zu den Mitbürgern und Mitbürgerinnen seiner Vaterstadt sprechen. Vermutlich wird an einem anderen Abend der Schweizer Dichter Ernst Zahn aus seinen neuesten Werken vorlesen. Auch der Badische Dichter Heinrich Vierordt ist für einen Abend verpflichtet. Von den hier wohnenden Herren werden Konversations- und Sprachkurse, Vorträge über Philosophie, Jugendpsychologie, Staatswissenschaft-, Naturwissenschaft, Geschichte, Literatur Kunst etc. gehalten werden. Das genaue Programm wird demnächst veröffentlicht. Außerdem veranstaltet die Volkshochschule auch wieder Kulturfilmvorführungen. Ambos st ehlen war früher eine erschwerte Arbeit. Heute verlegen sich Diebstahlsportsmänner auf den Autodiebstahl. Zwei solchen Modernisten verdarb hier die Polizei das Geschäft, als die Kerle mit einem in Freiburg gestohlenen Fahrzeug am Palmengarten anhielten und aus einem anderen Autowagen einen Koffer umfrachteten, einen weiteren Wagen entführen wollten. Auszeichnung eines jungen Offenburgers. Der Sohn des Olgadrogerie-Besitzers, der Student der Pharmaci, Hans Ludwig, ist von der Hochschule mit einem ersten Preis ausgezeichnet worden für eine fachwissenschaftliche Arbeit. Personalien. Rechtsanwalt A. K o r n m a y e r ist beim Aufenthalt in seinem Geburtsorte Zell a. H. an einem Herzschlag gestorben, erst 55 I. alt. Er war über 20 Jahre in Offenburg tätig. Unter den vielen Kranzspenden befand sich auch eine Widmung vom badischen Stahlhelmverband. Die Internationale Frauenliga beantragte für 5 Friedensorganisationen beim Völkerbund: er möge vorstellig werden bei den Regierungen, daß die wegen militärischer Dienstverweigerung zu Gefängnisstrafen Verurteilten in Freiheit gesetzt werden. Der von den Staaten Unterzeichnete Kellog - Briand - Pakt verbietet den Krieg. S a l o m o n, der völkische Adelsmann, ist von einem Berliner Arbeiter als Beteiligter beim Bombenattentat auf den Reichstag bezeichnet worden. Der Antisemitismus ist bekanntlich von einem angesehenen deutschen Fürsten als eine Tugend der Dumm- -heit gekennzeichnet worden. Heute geht er wieder in den Wahlkampf unter dem völkischen Banner, um das notleidende Volk über die wahren Ursachen seines Elends wegzutäuschen- Durch den heute Abend gebotenen Vortrag in der Michelhalle ist allen ernsthaften Politikern Gelegenheit gegeben, aus berufenem Munde eine zeitgemäße Aufklärung zu vernehmen. Der S-treit rm Thespiskarren, der durch die große. Pol.emik eines Vertreters der „Südwestdeutschen Bühne" gegen das .Hrankfürter Künstlertheater" provoziert werden sollte,' Hat den vom Artikelschreiber erhofften Erfolg nicht gehabt. Schiller's Fiesko erlebte hier kein Fiasko. Mit befriedigendem Erstaunen betrat man die Stadthalle, worin eine große Zahl der Offenburger Theaterfreunde sich' eingefunden hatte. Für den Theatersaal der Dreikönige würde dieser Besuch „ein volles Haus" bedeutet haben. Der künstlerische Erfolg der 30 Frankfurter Schauspieler war bei dem aus allen Bevölkerungskreisen zusammengesetzten Publikum eindeutig groß. Die Regie gab den Schiller'- schen Fünfakter, der auf großen Bühnen über vier Stunden Spielzeit beansprucht, in gedrängter Auslese, ohne das Verständnis für das Revolutionsdrama unseres feurigen Dichters zu erschweren. Dekorationen und Kostümierung ausgezeichnet, der Wechsel der Szenerie ohne verzögernden Aufenthalt. Die Darsteller sind Künstler, die den Ansprüchen dieser Klassizität an die Würde des Musendienstes gerecht werden. Dieses Urteil ging durch alle Reihen des Auditoriums. Einen speziellen Wohlgefallen erwies die Regie dem Berichterstatter der „Offenburger Zeitung". Er schreibt: Es war gut, daß man diese ursprüngliche Fassung beivehielt und nicht die Mannheimer Wendung, in der die Republik zum Siege gelangte, hervorholte — was man ja in Ansehung der Kreise, die hinter der Aufführung standen, in etwa hätte befürchten können. Die schon erwähnte Polemik in unseren beiden Tagesblättern, die zum Besuche der Vorstellung unbeabsichtigt anspornte, wäre besser ungedruckt geblieben. Ueber die lächerliche religiöse und parteipolitische Argumentation aus einer mittelalterlichen Auffassung heraus wird man auf dem Parnaß gespottet haben. Nebenbei gesagt: Der gehässige Ausfall gegen den Leiter des „Alten" wegen angeblicher Verweigerung eines Theaterinserats für die „Südwestdeutsche Bühne", zeigt auch, von welcher Animosität gegen das Frankfurter Kunsttheater, das sich besonders der Bildung des arbeitenden Volkes annimmt, der Artikelschreiber leiten ließ^ Wir haben die Gastspiele der „Süddeutschen"" stets gewürdigt und das Unternehmen unterstützt. Wir lassen uns auch durch den hinterhältigen Ueberfall nicht abschrecken, auf den Beginn der Spielzeit hinzuweisen, für welche uns folgende Werke in Aussicht stehen: Arm, wie eine Kirchenmaus, Der Erbförster, Der Jahrmarkt von Pulsnitz, Don Carlos, Hokuspokus, Der Geizige, Vater und Sohn, Katharina Knie, Der Biberpelz. Möge sich der Konkurrenzkampf der beiden Kunstinftitute in formen abspielen, welche der holden Muse würdig sind! Jngloffenes Schrierves. Schutterwald. Ein hiesiger Geschäftsmann hatte zwei Kunden: einen hiesigen angesehenen Bürgersmann und den Herrn Pfarrverweser Dr. Banholzer. Aus der Geschäftsmannsfamilie wurde kürzlich ein Mitglied, nachdem es zu Besuch bei Verwandten in einer andern Gemeinde war, über die hiesigen Verhältnisse befragt. Natürlich mußte die Person des hochangesehenen hiesigen Bürgers bei dieser Auseinandersetzung „auf dem hintern Wagen Platz nehmen." Es ist natürlich zu verzeihen, da doch die genannte Geschäfts- familie zu den hiesigen sogenannten „Katholischen" gehört, hingegen die Person des angesehenen Bürgers zu den „Andersgläubigen." Die genannte Geschäftsmannsfamilie stiftete aus rein konfessionellem oder geschäftsmännischem Empfinden in die hiesige Pfarrkirche die Statue der heiligenTheresia. Kürzlich kam es nun zwischen der genannten Familie und dem Herrn Pfarrverweser zu einem Streitfall, bei dem Dr. Banholzer den Ausspruch tat: „Die Ludwin soll doch die heilige Theresia wieder holen und in die Küche auf den Wasserstein stellen, da würde sie besser hinpassen. Ihr stammt ja doch nur von Zigeunern ab." Als der Geschäftsmann zu Herrn Dr. Banholzer kam, um ihn zu bedienen, und schon zweimal vergeblich hingegangen war, wurde ihm von dem Hauspersonal die Auskunft zuteil: „Dr. B. kann sich bedienen lassen, wo e r will". Der Geschäftsmann konnte wieder gehen. Jetzt bleibt dem Leser überlassen, zu beurteilen, welcher der beiden Kunden, der angesehene Bürgersmann, welcher immer noch Kunde ist bei dem Geschäftsmann, der ehrlichste ist. . — ? — ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ Seffentliche Versammlung. Samstag, den 28. September, abends 8.30 Uhr spricht in -er Stadthalle Offenburg Dr. Ludwig Holländer, Berlin, Syndikus des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens über Innerer Friede — Deutschlands Rettung. Im Interesse der Aufklärung über die Judenfrage laden wir die Angehörigen aller Partei- und Berufsschichten ergebenst ein. 254 Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Ortsgruppe Offenburg. ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ Aiiiitaggmhl 27. Minder 1929. I I i ■I 4 i i i i •I 4 I«di»t8dk«lschk Mur. Donnerstag, den 3. Ott , abends 8 Uhr Stadthalle Arm mir ritif Kirchriimns Lustspiel von Fodor. Preise für Mitglieder Mk. 2.— und 1.50. Nichtmilglieder' Mk. 3.—, 2.50, 2.—, 1.— Vorverkauf: Verkehrsverein. Anmeldungen zur Theatergemeinde werden entgegengenommen: Vcrkehrsvercin, Buchhandlungen Roth nnd Trübe. 253 I I I I I I » Gewerbeschule Offenbuvg Im Wintersemester finden folgende Kurse statt: Gesamt- 252 Unterrichtsstunden wöchentl. 1. Vorbereitungskurs zur Meisterprüfung 70 2 mal 3 Std. 2. Buchhaltungskurs insbes. für Handwerkerfrauen und Töchter geeignet 40 2 „ 3. Preisbildungskurs für Gewerbetreibende 30 2 „ 4. Theoretisch-technische Kurse a. technisches Skizzieren und Fach- zeichncn 40 2 „ b. für Kunstgewerbler: Perspektive. Malen und Zeichnen, Stilkunde, Lichtbildervorträge 30 2 „ c. für Elektrotechniker mit Praktikum 40 3 „ 6. Baufachkurse mit Ganztagunterricht für Maurer und Zimmerleute. Dauer 2 Monate. Beginn im Dezember d. I. Kursgeld je nach Teilnehmerzahl. Anmeldungen und Auskünfte täglich von 8 bis 12 Uhr auf dem Sekretariat der Gewerbeschule. Aumeldrschluß: 15. Oktober 1929. Für die bevorstehende Landtagswahl wird darauf aufmerksam gemacht, daß in Offenburg nur diejenigen Stimmberechtigten in die Stimmkartei eingetragen sind, welche in Osfenburg polizeilich angemeldet sind. Wer nicht in die Stimmkartei eingetragen ist, kann an der Abstimmung nicht teilnehmen. Ich empfehle deshalb jedem Stimmberechtigten, zu prüfen, ob er polizeilich gemeldet ist, und die Anmeldung nötigenfalls um gehend nachzuholen. Reichsdeutsche, welche in der Zeit vom 1. 1. 1929 bis zum 27. 10. 1929 zwanzig Jahre alt werden und nicht im laufenden Jahre von auswärts zugezogen und polizeilich angemeldet worden sind, werden aufgefordert, sich zur Aufnahme in die Stimmkartei auf der StadtkanzleiIII, Kornstratze 4 3. Stock, Zimmer 8, in der Zeit vom 3. b i s 13. Oktober 192 9, vormittags von 8 bis 10.30 Uhr anzumelden. Wer die Anmeldung versäumt, hat keine Gewähr dafür, daß er an der Landtagswahl teilnehmen darf. Offenburg, den 27. September 1929. Der Oberbürgermeister. 257 (Pffftiburgfr fiditfpirl -- Wüter. Stadthalle. Nur Sonntags-Vorstellung. Leben und Liebe eines großen Abenteurers. Ein historischer Monumentalfilm in I I Akten. Dazu: Die Braut von Dahlenhof. Kaiser-Lichtspiele Sanistag und Sonntag Maciste Ter Postillon von Mont Cenis Ferner: Ein Mädel und 3 Clowns. Redaktion und Verlag Ad. Geck. Offenburg. Druck: Graph. Werkstätte Ad. Geck, Inh. F. Huber, Offenburg. Kesselstr.10