Beilage zu Nr. 1381 D r alt Offeburger. Ausgabe'vom 9. November 1929. D' Veef. Gellen awer, ihr Littli, waß jetz d W i e bs lit t-M o d i uff einmol fürs Wendung gnumme het? sAdeel bringt üs an Allerheilige s allerneufcht Modifchurnal in dr Kun- vent mit: Unterschtock-Vrlängerung bis witt unter d Wadegegend. Wiel morge dr Luise - Dag isch, heißt mr d neu Frauetracht dr Luiserock. Es isch z'nägscht nur für d'Owed-Koschtümer zue de Vranschtaltunge; awer denne Schtoffwegsel wurd mr ball au schun morges hochschätze. Un's Reseli vun Kunnersreuth het mit sinnere Vision s Urhewerrecht vun dere Umkehr zuer keusche Modi z'beanschpruche. Also wurd mr ball vun dr unschlanke „Therese-Linie schwätze. Unter uns gsait: für d' nägscht Fasnacht schpengle mr üs Skia recke-Mäntel vun Kulhasebelz noch em Modell Owerin Böß uß Berlin. Dr Kaninche-Vrein liefert üs billigs Material. Was eim Kassiere kan, wemmer en arg langer Rock anhet, dodrfür füehrt s Lene e Datsach an uß dr jüngschte Zitt. Es isch z Bühl gsien uff em Gottsacker, wo eKur- fürscht begrawe wurd. Sellem erwiest dr Adilleriebund „Sankt Barwara" d' letscht Ehr am Grab. Dr Fähnd- r i ch schtellt sich mit em Kanenierbanner an's Grabend, sagt sien Schpruch un senkt s gschtickt Banner mit de Ehreschleife bis nunter uff dr Sarg. Dr lang Schaft vun dem Vr- einsbanner hebt sich dr.bie hinter em Kanemär hoch in d Höh, wiä so ä Barrierbaum, wemmer en Zsebahnüwergang uffdrillt. Zuefällig vrwischt s Schtangenend de R o ck vun ere Perfon, wo grad hinter em Fähndrich schteht un lupft s Kleid mit sich hoch in d Höh. Zue allem Unheil bschteht kei Mögligkeit ußz'wiche; dreimol bewegt dr Bannerherr zue Ehre vum Kurfürscht d Fahneschtang hewelartig ruff un nunter, dreimal mueß halt au zuem Entsetze vun dr hinterdran schtehende Person dere ihr Rock d Bewegung hoch gege dr Himmel mitmache! ! — Denken euch, Littli, in d Situatsjon vun de Leidtragende, wo rings um s Grab rum schtehn! Es isch kei so netter Anblick gsien, als wenn dr Theatervorhang in d Höchi zöge wurd. Denn es isch e Kapezinerkutt glüftet wore, wie! e Pater vum Kloschter, wo an dr Bühlerschtrooß schteht, d Ehr ghett het, denne Veteran z'beerdige. Deßwege bruche d Pater awer kei anderi Kleidermodi ienfüehre; mr mueß nur dr nöthig Abschtand vun de Kaneniär nemme, wenn sie mit dr Schtang operiere. Meinener nit au, Littli? Tes; un Gcll. Der 9. November, der Tag der Revolution, wird nur noch im Lande Sachsen gefeiert. Dort folgt am Sonntag eine Wahlschlacht von Bedeutung. Heute sind die Sieger von damals in die Defensive gedrängt; den Kampf um die demokratischen Freiheiten erschwert die Zersplitterung. Aber die Kronen und Zöpfe kehren nicht mehr zurück. Das Kampfgebiet der Revolution der Republikaner verbreitert sich aus der Erde. Zn Deutschland rüstet man zur Abwehr des Volksbegehrens, das am, 15. Dezember entschieden werden soll. Die neue badische Parlamentsbrüderschaft gab am Mittwoch in der ersten Landtagssitzung das Antrittsgastspiel der protestierenden Demonstration. Hitleria- ner und Deutschnationale stimmten gegen die vorgeschlagenen Triumvirn des neuen Landtagspräsidiums. Als der Vorsitzende dem toten ehemaligen Landtagsmitgliede Prinz Mar von Baden einen kurzen sachlichen Nachruf widmete, verließen die Treuhänder dieser neuen Doppelsirma G.m. b. H. bösartig den Saal. Was werden die Hanauer Kaval- len über diese treuteutsche Einschätzung des fürstlichen Rei- terobristen denken? Ein Ofsenburger Hakenkreuzfahrer begründete diese erste Flucht des Halbdutzends seiner parlamentarischen Ritter mit der Auffassung, daß Prinz Mar ein verkappter, Sozze gewesen sei! £> du heilige Dummheit von Altenä! Mar verstund sehr wenig von der Politik. Die Mode des Davonlaufens aus dem Parlament führten neuerdings die Zentrum sabgeordneten des Reichstages ein, welche die Sitzung des Rechtsausschusses verließen, weil ihnen die Stellung der Mehrheit zum Ehescheidungsgesetz nicht behagt. Auf dieser Flucht ins Lager der Rechtser wird das Zentrum bald die Hochachtung d^r Hakenkreuzler gewinnen, mit denen es sich bei der Landtagswahl spinnenfeind herumbalgen mußte. Es hapert nun mit der badischen Regierungsbildung und im Reichstag, der erst Ende November Zusammentritt, wird die neueste Phase der zentrümlichen Mondscheibe auch zur reaktionären Verdunkelung beitragen. Vom Zentrum wird der erkrankte Zustizminister Trunk aus der Regierung ausscheiden, ebenso der Staatsrat Weißhaupt, dem die Bauernbank unangenehm wurde. Auch der Sozialdemokrat Marum bleibt nicht Staatsrat, was zu begrüßen ist. Wahrscheinlich wird an die Stelle des demokratischen Ministers ein liberaler Volksparteiler treten. Auch im Dresdener Landtag herrscht Sport im Hinausrennen. Der sozialdemokratische Präsident bewährt sich nicht als geeigneter Torwart. Die 10,6prozentige TriumphzifferbeimWahl- entscheid für das Volksbegehren steht immer noch nicht fest. Kundige Thebaner wollen wissen, daß die Gesamtziffer der am 27. Oktober stimmberechtigt gewesenen Deutschen bei der Kalkulation nicht zugrundegelegt wurde; ansonst reichte es kaum zum lOprozentigen mageren Erfolg des stahlbehelmten Hugenberg-Hitler'schen Landsturmes der Monarchisten. Patriarch Hitler selber versäumte es, sich als deutscher Bürger aufnehmen zu lassen. So lange es noch gleichberechtigte Juden gibt, genießt der Amateurborer als Ausländer das Schimpfgastrecht. Mit dem Prinzen Ruprecht nimmt er jetzt faschistisch eine Borer- stellung als Gegner ein. Der „Feind" im Lande! Am Samstag verirrten sich zwei radelnde Soldaten der französischen Besatzung Kehls von Marlen nach Offenburg. Sie sahen sich die ehemalige Garnison an und wurden dann nach dem nahen Griesheim (Brückenkopfgebiet) zurückgewiesen. Zm Schrecken über diesen Besuch spricht ein hiesiges Blatt von der „Unverschämtheit dieser Pariser Jünglinge." Der neue französische Kriegsminister versteht keinen Spaß; Kriegserklärung! Eine großartige Organisationsform schuf der außerordentliche Verbandstag der Gemeinde- und Staatsarbeiter, welcher seine Zustimmung erteilte zur Verschmelzung mit dem Verkehrsbund und mit der G ä r t n e rgewerkschaft. Durch die gegen 7 kommunistische Stimmen erfolgte Verschmelzung dieser drei Verbände entstund jetzt eine Arbeitnehmergemeinschaft von 700 000 Mitgliedern. Nun will auch der Verband deutscher Feuerwehrmänner beitreten. Es darf darauf hingewiesen werden, daß diese Organisationen zu ihren bisherigen Erholungsheimen auch das Thermalbad Sulzbach (Rench- tal) erworben haben, das für die Allgemeinheit das ganze Jahr hindurch geöffnet ist. Von den Arbeitslosen. Die Zahl der Unterstützungsempfänger (in Stadt und Bezirk 582) zeigt einen Stillstand, jene der Arbeitsuchenden beträgt 115 0. Ende Oktober stieg im Lande Baden die Zahl der unterstützten Arbeitslosen auf 3 4 415. Schlecht ist besonders die Lage der kaufmännischen und technischen Angestellten. Die Konzentration im Bankwesen, die der kapitalistischen Entwicklung logisch folgt, führt auch in Offenburg zur Vereinigung zweier Institute: Rhein. Kreditbank und Südd. Diskontogefellschaft. Der Betrieb kommt in das Diskonto-Haus (Hauptstraße). Von den Bankbeamten werden die Herren Abele und Völker pensioniert werden. Franz Simmler-Straße wurde benannt der Verbindungsweg zwischen der Tullastraße und dem Hohen Rain als Ehrung des verstorbenen Altstadtrates. iSTe*Freiwillige Feuerwehr geleitete am Dienstag ihren 87jährigen Veteranen, Schreinermeister - Karl Wilhelm Friedrich zur letzten Ruhestätte. Als vor zwei Jahren die „Bumbje" ihrer Nestorenschaft eine Aufmerksamkeit widmeten, waren noch die Kameraden F. Müller, Ch. Elunz und A. Schönte unter den fünf Dienstältesten. Jetzt ist nach 45jähriger Mitgliedschaft auch Kamerad Friedrich geschieden und Rudolf Schirrich steht noch oben auf der Leiter der Nestoren. Papa Friedrich hätte heute genau das Alter seines Vaters, der in Kork Lehrer war, erreicht. M't ihm ist auch ein Vertreter vom alten guten Schlag des Handwerkerberufes aus der Bürgerschaft geschieden; ein ruhiges Sterben war ihm gewährt. Der Spital-Wilhelm ist gestorben. Im Standesbuchauszug wird es heißen: Wilhelm Burkard, Pfründner, 76 Jahre alt. Er war ein halbes Jahrhundert hier und ein Menschenalter als Knecht im Pfründnerhause tätig; zuletzt ein gebrochener Pfründner, der sich beim Gehen auf die Krücke stützte. Wilhelms Elternhaus ist in der Nähe der Stadt Bühl. Für seine treue Arbeit im städtischen Pienste würde er den Anspruch gehabt haben, daß >ein Heimgang amtlich bekannt gemacht worden wäre. Der Nestor der Pfründner im städtischen Asyl der Okenstraße ist der Bürger Hermann Sar, der sein 83. Lebensjahr vollendet hat; er ist schon seit einem Viertelhundert Jahre augenleidend und jetzt ein blinder Mann. 43 000 Liter Andre asb lut sind aus dem heurigen Ertrage der Offenburger städtischen Spitalreben gekeltert worden. Es hätte sich die Menge aus über 50 000 gesteigert, wenn die Stöcke der niederen Lagen nicht durch den Frost geschädigt worden wären. Die Güte des Weines ist wohl die beste seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Evoe Bacchus! Den Ruhm des gesunden Rebstockes verkündet das Prachtexemplar einer Traube, die, einem einzigen Auge entwachsen, aus einer gesunden Beerenmenge im Gewichte von 5 Pfunden besteht. Diesen Fessenbacher „Trüwel" kann man in der Ortenauer Winzerstube (Korngasse) bewundern. Spitalkeller-Fiiiale. Zum geordneten Verkauf unserer Hospitalweine bei den Veranstaltungen in der Stadthalle wird in deren Keller ein besonderes städt. Weinlager eingebaut. Wirtschaftsverpachtung. Unter dem neuen Schilde „Brauereiausschank Wagner Zum St. Offo" .führt ab 1. Dezember Frau Christine Schüler bisherige Kronenwirtin die bekannte Wirtschaft, unterstützt vom Sohn Mar, der als Koch aus der Ferne heimkehrte. Die von der Metzger- Innung beantragte Wiedereröffnung der Schlachthofwirtschaft lehnte der Stadtrat aus verschiedenen Gründen ab. Bad. Lehrerinnen-Verein. Zu der heute Mittag hier beginnenden Arbeitstagung bildet ein Vortrag des Professors Dr. G r u h l e die Einleitung. Am Sonntag finden die einzelnen Gruppensitzungen und die Mitgliederversammlung statt. Vortrag. Am heutigen Samstag findet um 8 Uhr in der Turnhalle der Oberrealschule ein öffentlicher Vortrag des Dr. Alois B a e r a n aus Brünn, eines ehemaligen judetendeutschen Abgeordneten, statt über „Vier Jahre unschuldig im tschechischen Kerler." Anschließend .150 Bilder aus dem Sudetenland. Zu Beginn ein Klaviervortrag. Derselbe Redner hat am Nachmittag im Aufträge des Vereins für das Deutschtum im Ausland (Ortsgruppe Offenburg) vor der Vollsschuljugend in der Stadthalle gesprochen. ; Ein Ho chzeitstag vor 25 Jahren gehört zu dm seltenen Familienfesten. Am 14. November 1904 erschienen auf dem hiesigen Standesamts drei Brautpaare aus der Verwandtschaft einer Offenburger Bürgerfamilie zum feierlichen Abschluß des Lebensbundes. Das Standesbuch beurkundet: Gendarm Joseph Hertweck in Singen mit Theresia Scheurer hier. Metzgermeister Emil Anton Strobel in Ueberlingen mit Josephine Scheurer hier. Schlossermeister Karl Emil Scheurer hier mit Berta Wäkerle in Basel. Am morgigen Sonntag kann auch unser Mitbürger Blechnermeister Adolf Wilhelm Burg die 25. Wiederkehr des Tages feiern, an welchem er mit Helene Keller aus Steinbach sich verheiratete. Es sind im November 1904 dahier insgesamt 15 Ehen abgeschlossen worden, darunter: Wagenwärter Emil Keßler, Heizer Emil Albert Bischost (8.), Vizefeldwebel F. G. Müller, Webermeister I. Humpert (19.), prakt. Arzt Sachs (24.). Männergesangverein Concordia. Im gemütlichen Vereinslokale befindet sich als Fensterschmuck die kunstgewerbliche Arbeit des Sängers, Glasmaler Adolf Siebein. Es ist eine heraldische Darstellung des Con- cordia-Wappens in antiker, kathedralartiger Bleifassung der überfangsarbigen und bemalten Gläser. Die wirkungsvolle Komposition und technische Ausführung durch Sangesbruder Stebein verschafften der Concordia ein bleibendes Wertstück. Es dürfte von diesem Symbol auch durch Reproduktionen z. B. für Vereinskarten, Konzertprogramme-praktischer Gebrauch gemacht werden. Vom Theater. Am Montag kommt Henrik Jbsen's Geist über uns durch die Aufführung eines seiner eigenartigsten und volkstümlichsten Werke, des Drama's „Die Stützen der Gesellschaft." Der berühmte norwegische Poet, der Zeitgenosse Björnson's, hat seine bedeutendsten Dramen fern der Heimat, in Italien und Deutschland gedichtet: Brand, Peer Eynt, Ein Volksfeind, Nora, Gespenster, Stützen der Gesellschaft. Im Kampfe gegen Lüge und Phrase sucht er Menschen von innerer Wahrheit zu zeigen. Freiheit und Wahrheit sind die wahren Stützen des gesellschaftlichen Lebens. Das Drama eignet sich vorzüglich, einen Vergleich zu machen mit der Moral der Gesellschaft des Konsuls Bernick aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts und gewissen Kreisen der Gegenwart. Die Badische (Frankfurter) Bühne verspricht uns wieder einen eindrucksreichen Abend am Montag. Der Eintrittspreis ist 1.10 RM.; für Mitglieder der Volksbühne 1.10 RM. Jugendliche bezahlen die Hälfte. Die „Südwestdeutsche" brachte einen unserem Zeitgeiste schon entfremdete Dichtung unter der Leitung des Intendanten Eöbel künstlerisch zum Erfolg. Eine vorzügliche Charakterisierung gab dem Erbförster Herr Ew inner. Die Frauenrollen leiden unter dem Mangel deutlicher Aussprache. Dem abzuhelfen, sollte in dem gut akustischen Saale nicht schwer fallen. Der nächste Theaterabend der „Südwestdeutschen" bringt uns einen lustigen Abend. Das letzte- mal ließ der Besuch etwas nach. Literatur. Die politische und soziale Bedeutung der arbeitsgerichtlrche n Rechtsprechung von Dr. Franz Neumann. Eroßoktav, Umfang 40 Seiten. Preis kart. 0,85 RM. Die Broschüre will zum ersten Male die außerordentliche politische und soziale Bedeutung der Rechtsprechung der Arbeitsgerichte, insbesondere des Reichsarbeitsgerichts aufzeigen. Die Wirkungen der arbeitsgerichtlichen Rechtsprechung sind deshalb so ungewöhnlich stark, weil — wie im ersten Teil gezeigt wird — die Bedeutung der Justiz seit Inkrafttreten der Weimarer Reichsverfas- süng ungewöhnlich- gestiegen ist. Im zweiten Teil werden auf Grund einer Fülle von Entscheidungen die Richtlinien der Rechtsprechung klargelegt; ihr Kompromißcharakter, die Ausprägung sozialer Mitleidsgedanken, die Stellung zur Werigemeinschafts- und Gewerkschaftsidee. Im Schlußkapi- lel schließlich wird die positive politische Bedeutung der Arbeitsgerichtsbarkeit behandelt als Ansatzpunkt der modernen kollektiven sozialen Selbstverwaltung. Alle Gewerkschaftler, besonders die Funktionäre und Betriebsräte sollten diese Schrift lesen. Beim dritten Verbrechen, bei dem ein Menschenleben vernichtet wurde, handelt es sich um den 44jährigen G. H. Hafner aus Dinglingen, der im März d. I. bei einem Streit seinem älteren Bruder Karl mit einem Taschenmesser drei Stiche beibrachte. An den Folgen dieser Verletzungen starb der Bruder nach einigen Monaten. Jngloffenes Schriewes. Lieber Alterle! Mein langes Schweigen hat seinen Grund in einer chronischen Mundfäule. Am Philologentag ergreife ich die Feder oder den Tintenfüllstift, um Dir etwas Fül- lologisches mitzuteilen. Am Donnerstag besichtigten einige fremde Professoren den Zwingerpark; an einer Stelle verweilten die Gelehrten und „fachsimpelten", wie wir Gymnasiasten zu sagen pflegen, über eine sinnstörende Interpunktion der Inschrift: Wer Herz un'Sinn hat für vieS-hönh.'it der Natur, der s.t ützr vor Frevel, Anlag' Wald und Flur Schließlich machte ein Professor mit dem Stilstift einen Strich durch den Beistrich hinter dem Worte Frevel. Das Komma des Aergernisses sollte nun gründlich entfernt werden, damit Aristophanes wieder zur Geltung kommt. Es wurde auch die sprachliche Zulässigkeit der Konstruktion geprüft: Herzlich willkommen den Badischen Philologen Dieser Gruß der Redaktion unseres Zentrumsblattes wurde von Neuphilologen als tadellos erklärt. Dasselbe Blatt meldet: „Gestern gingen im hiesigen Hauptbahnhof zwei Sonderzüge mit Ferienkindern durch." Wären Lehrer dabei gewesen, dann hätte das verhindert werden können. Nackfckrift Ein Pennäler fragte mich am Mittwoch, ob der soeben verstorbene Besitzer des Durbacher Schlosses ein philologischer oder medizinischer Doktor war. Was veranlagte gemeinschaft vor Erschütterungen zu bewahren. In erster Reihe sichert das Vertragsrecht immer den Wohnsitz der Ehegatten und regelt die Beziehungen zur Hausnutzung Dritter, die einen besonderen Anspruch auf ihre Unterkunft zuvor schon zugesichert hatten. Die Frau des Zwölfers, Franziska H o g geb. Guerra starb am 3. Mai 1837 im 74 Lebensjahre als Witwe des Dominik Hog, gewesenen Zwölfers und Handelsmannes hier. Barbara Guerra, geb. Eeldreich, die Gattin des Handelsmannes Franz Euerra starb dahier am 18. 5. 1851, erst 31 Jahre alt. Ihr Mann lebte bis 1667. Ein Sohn Hermann starb im 9. Lebensjahre 1854. Altbürgermeister Landolin Löffler, geb. den 20. Juni 1795, starb im Oktober 1850 während der preußischen Besatzung. Das 5. Jägerbataillon stellte die Grabmusik. Er hinterlieh eine Witwe mit vier Kindern. Löffler war Oekonom und Landtagsabgeordneter für Offenburg 1843 bis 1846. Sein Verwandter, der Stadtrat Hog, war 1822 bis 1828 der dritte Abgeordnete für Offenburg. Frau Fanny Löffler geb. Guerra, geb. am 4. September 1840 starb Ende 1909. Der letzte des Stammes, der in Offenburg seine Ruhestätte fand, ist Fabrikant Gustav Löffler, der in Pforzheim ansäßig war. „s Euerra's Garte" jenseits der Stadtmauer im Nordwesten war die kultivierte Schanze der Reichsfestung Offenburg. Auf dem Grundstücke steht das Anwalt Veit'- fche Haus, das Gebäude der Dereinsbank und die Gartenvilla (Okenstraße 5 und 7). Als der Witmann Franz Guerra 1863 als Kaufmann und Badbesitzer in den Konkurs geriet, kam das schöne Anwesen beim Waisenhause an der alten Landstraße unter den Hammer; 139 Ruthen Fläche mit Garten und großem Eartenhause erwarb der Anstößer Josef Adolf v. Neveu für 1115 Gulden. Es ging in Erfüllung, was der Zähringerhofwirt und Ratsherr Geck dem leichtsinnigen reichen Bürger warnend sagte: ^Ouerra, tu verra!“ den Jüngling zu dieser Forschung? Die „Offenbg. Zeitg." leitet ihren Leidartikel mit dem Satze ein: „Dr. B. Prinz Mar von Baden ist heute früh gestorben." Ich antwortete philosophisch: muß denn heutzutage jeder Dr. ein Doktor sein? Dr alt Offeburger ist doch auch -einer! Mar war tlüger als mancher Doktor; deßwegen wurde ihm diese Hutauszeichnung ehrenhalber verliehen. Mit elementarem Gruß Dein Quintaner a. D. Briefkasten des Alten. Frau Bertha H. in Reutlingen. Für die Ehrung „unserer Paula" anläßlich ihres glänzenden Cancer t e s dankt der „Alte" namens der Heimatgemeinde. Die Grüße werden ebenso herzlich erwiedert. Auf frohes Wiedersehen! Liegenschaftsverkaufe Vom G r u n d b u ch a m t. Die veröffentlichten 6 Lie- genschaftsverkäufe vom Oktober betreffen eine Grund - fläche von 6421 qm für den Gesamtbetrag von 104 273 RM. Die Stadt Offenbnrg ist daran beteiligt mit der Abtretung von 1087 qm Weg im Galgenfeld für 1956 RM. an die Gemeinnützige Winter- und Handwerkerbaugenossenschaft. Die Stadtbehörde hat es leider unterlassen, bei der Zwangsversteigerung des Sebastiani'schen Anwesens (Ecke Okenstraße — Ochsensteg) zuzugreifen. Dieses zur Aufnahme der Kinderschule sehr geeignete Anwesen (909 qm Hofraite mit Gebäulichkeiten und Hausgarten) steigerte für 16 000 Mark Prokurist E. Kuntz in Schiltig- heim. Dieser verkaufte das Anwesen für 12 500 Mark an Ziegeleibesitzer Johann Fäßler in Hofweier. Ferner verkauften Bäckermeister Zacharias Kornmeier Eheleute hier 390 qm Hofraite mit Gebäulichkeiten Zellerstraße Nr. 27 für 60 000 RM. an Bäckermeister Emil Lang hier. Einen Bauplatz erwarb der badische Staat (Finanzamt) von der Pfähler'sche Wohltätigkeitsstiftung hier 1214 qm im Ortsetter für 12 957 RM. Wilhelm Hausmann in Schutterwald 1912 qm Ackerland im Ober Oertle für 860 RM. an Samenhändler Frz. Deck Eheleute in Offenburg. Indessen ist die Villa Karl Wagner (Ortenber- gerstrahe) an Herrn und Frau Schäfer um den Preis von 50 000 RM. übergegangen. Herr prakt. Arzt P. Schäfer, der Schwiegersohn des Fabrikdirektors Bauer, ist chirurgischer Leiter im Eengenbacher Krankenhause. Offenburger Standesbuchauszug 1929 Geburten. Oktober 1. Rudolf Heinrich Jakob, V. Karl Alb. Silberer, Kaufmann; 4. Elsa Hilda, V. Ludwig Wilhelm Wittmann, Möbelpacker; 4. Willy Albert, V. Wilhelm Schneider Ingenieur; 7. Werner Ludwig, V. Ludwig Börsig, Lok.Heizer; 10. Gisela Paula, V. Josef Züssy, Schriftsetzer. Eheschließungen. Oktober 1. Franz Josef Tschan, Oberzollsekretär, hier, und Rosa Euphrosina Haitz; 5. Adolf Georg Wilhelm Fritsch, Monteur, hier, und Maria Theresia Fischer, hier; 5. Wilhelm Riefiin, Glaser hier, und Marie Weber; 5. Johann Georg Spitzmüller, Metzger, hier und Karolina Kalt, in Oberschopfheim; 10. Karl König, Steindrucker, und Luise Frieda Kronenwett, hier; 12. Franz Johann Kenz, Kaufmann hier, und Frieda Regina Becker, Buchhalterin, hier. Sterbefälle. Oktober 4. Jakob Adolf Göhring, Verwaltungsobersekretär a. D., 62 Jahre alt; 5. Franz Kurfürst, Reserve- Lokomotivführer a.D., 46 Jahre alt; 5.Maria Anna Höllerbach, gb. Fiederlein, Witwe, 74.Jahre alt; 10. Theresia Eglau, geb. Börsig, Ehefrau, 48 Jahre alt; 14. Mathilde Hugle, geb. Eödtler, Oberlehrerwitwe, 67 Jahre alt; 14. Karl Albert Wagner, Bierbrauereibesitzer, 54 Jahre alt. int Schulten irr iitnnrntrnulsr. : Motto: „Hörig, hörig ist." (Hofnarr). Den Abend nach Martini, also am Dienstag, den 12. November hujus, bald nach der Götzendämmerung beginnt in der »rienau. Minzerstuöe der Korngasse neben dem ehemaligen Akzicsam^ mittels einer kontemplattiefen Schnabelweide die eßzunftgemäffe Vertilgung eines Schlachtopfers mit allen gastronomgesetzlichen Zutaten nach Zitaten. Zur Gurgelschwenkung treffen gleichzeitig ein ab der Trottquelle die süßesten Klingler- ». Klcvuertianbenfäfte des historisch namhaften Fcssenbachcr Schuckshof- Rebgutes. ^ Hilfsbereit harren alle anderen neuen und alten ortenau. Bacchusgaben ihrer labenden Vertrinkuug. Dienstags-Parole: Marschbereit zum 311 Wolfgang! O«»GO O »4OOOO GO Krummer - Kanton Sonntag, den 1ü. November, 9 Uhr in der Zahringer-Burg (Falkenhorst) Narrenzunft-Sitzung bis zum Anbruch des Elften vom Elften. 310 Das Borgcrmeischteramt. Sepp von Sklarek, Kassenarzt. (Dffrnbnrgrr futjtfpirl=®hrntrr. Stadthal le. Samstag und Sonntag Der Mann, der lacht. Ein Großstlm nach dem weltberühmten Roman von Victor Hugo „L’homme qui rit" ferner Lon Chaney in 309 Der Sohn der Taiga. Prima Jfj lt U-f| zum Preise von 30 Pf. junges A» f *'**' * P das Pfund wird zur dauernden Abnahme empfohlen. 77 26.21 Metzgerei Berghrimer, Gerbstrer. 11. S>00<><><>0<><><>00<>0<>0<>0<><><><>0<><>0<>00<>0<><>^^ Trauernachricht. Am Sonntag entschlummerte friedlich nüöh kurzer Krankheitsfrist unser lieber Vater, Grossvater und Urgrossvater Karl Wilhelm priedrich Schreinermeister der heute sein 87. Lebensjahr vollendet hätte. Allen, die ihn durch ihre liebe Aufmerksamkeit ehrten, insbesondere seinen Kameraden von der Freiw. Feuerwehr, entbieten wir hiermit herzlichen Dank. 312 Oftenburg, den 10. Nov. 1929. Die trauernden Hinterbliebenen: Karl Friedrich, Webergasse 3 Otto Friedrich, Badstr. Berta Dischinger, geb. Friedrich, Singen. Soeben erschien: TELL GECK Landschaft am Mittelmeer Geleitwort: Prof. Dr. Herrn. Hefe'e Kulturhistoriker, Stuttgart t Vierfarbendruck und 13 einfarbige Blätter nach Wasserfarbenmalerei und Zeichnungen aus Korsika, Marseille und Arles. 1._ Grossquart. Vornehme Ausstattung Preis: 1 5.— Mark Adolf Geck, Verlag, Offenburg i. B. ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ (Bmclital, Station Hubacker) Wochenend Erholungsheim für Männer und Frauen zu billigen Pensionspreisen. Dazu Badgelegeiiheit am Samstag und Montag. ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ Das Kurhaus bleibt auch über den Winter geöffnet. Zentralheizung auch für Schlafzimmer. Zuschriften an Herrn Geschäftsleiter Gerber Telefon Oberkirch 193. 379 3.2 Oeffentliche Mahnung. An die Bezahlung der siebenten Rate Sondersteuer (für Oktober 1929) wird hiermit öffentlich erinnert. Ebenso wird an dte Bezahlung der Umlage und des verfallenen Schulgeldes erinnert. Beträge, die bis zum 12. November 1929 nicht bezahlt sind, werdcnzim Zwangswege erhoben. 318- Offenburg, den 7. November 1929. Stadtkasse. Redaktion und Verlag Ad. Geck, Offenburg. Druck: Graph. Werkstätte Ad. Geck, Inh. F. Huber, Offenburg, Kesselstr.10