für den Amtsbezirk ötnsljnm und Umgebung. l'o A Srfdicim Z:nal wöchentlich, «/»= O« Dienstag, Donnerstag, Samstag. öionncrslxg. 0cn 14. 2mm.ir 1869. Nr. 148. Uebcr den Nachlaß der ledigen Näherin Barbara Keitel von Zuzcn- hausen haben wir Gant erkannt und wird Tagsahrt zum Richtigstellnngs- und Vor- zngsverfahren auf Donnerstag den 28. Januar d. I., 9 Uhr, anberaumt. Wer nun aus was immer für einem Grund einen Anspruch an diese Schuldnerin zu machen hat, hat solchen in genannter Tagfahrt bei Vermeidung des Ausschlusses von der Masse, schriftlich oder mündlich, persönlich oder vurch gehörig Bevollmächtigte dahier anzumelden, die etwaigen VorzugS- oder Unterpfandsrechte zu bezeichnen und zugleich die ihm zu Gebot stehenden Beweise, sowohl hinsichtlich der Richtigkeit, als auch wegen dem Vorzugsrechte der Forderung anzutreten. Auch wird an diesem Tage ein Vorg- oder Nachlaßvcrgleich versucht, dann ein Massepfleger und Gläubiger-Ausschuß ernannt, und sollen hinsichtlich der beiden letzten Punkte und hinsichtlich des Borgvergleichs die Nichterscheinenden als der Mehrzahl der Erschienenen beitretend angesehen werden. Sinsheim, den 7. Januar 1869. Großh. Amtsgericht. - v. B r a ii n. Großh. Amtsgericht Sinsheim. [30| Waldangelloch. Erbvoriadung. Magdalena Buttmi, geboren am 5. April 1820, Ehefrau des Joseph Weiß, Landwirth von Walbangelloch, vor mehre- ren Jahren nach Amerika gewandert »nd deren gegenwärtiger Aufenthalt — Pensiel im Staat New Jork in Nordamerika — als unbestimmt angenommen werden muß, wird hiemit aufgefordert, sich binnen drei Monaten zur Geltendmachung ihrer Rechte auf die ihr auf Ableben ihrer Mutter Conrad Buttmi Ziegler Wittwe, Margaretha, geb. Hörtel von Waldangelloch, gest. am 27. August 1867 zu Waibftadt, eröffneten Erbschaft dahier zu melden, widrigenfalls ihre Erbgebühr Denjenigen zugetheilt würde, welchen sie zukäme, wenn die Vorgeladene zur Zeit des Erbanfalls nicht mehr am Leben gewesen wäre. Sinsheim, den 11. Januar 1869. Großh. Notar: Stein. [32] Allen Freunden und,Bekannten bei meinem Wegzuge von hier ein herzliches Lebewohl! H. Scheidet. [28] Rohrbach. Liegenschaftsversteigerung. In Folge richterlicher Verfügung werden dem Joh. Grab l. von Rohrbach die hier unten verzeichneten Liegenschaften am Donnerstag den 28. Januar 1869, Nachmittags 2 Uhr, in dem Rathhaus zu Rohrbach öffentlich versteigert, wobei der cndgiliige Zuschlag erfolgt, wenn der SchätzuugspreiS oder darüber geboten wird. Beschreibung der Liegenschaften. 1. Ein zweistöckiges Wohnhaus nebst Scheuer, Stallung und Schweinställen an der Landstraße, einschließlich 36 Ruthen alten ober 80 Ruthen n. M. Hofraum und Bauplatz, 1800 fl. nebst 2 Viertel 4 Ruthen alten oder I Viertel 86 Ruthen n. M. Baumgarten, 420 fl. ferner 2. 29 verschiedene Grundstücke, auf der Gemarkung Rohrbach liegend, circa 8 'Morgen 2 Viertel 96 Ruthen haltend, 3350 fl. Summa 5570 fl. SteinSfnrth, den 24. Dezember 1868. Der Vollstreckungsbeamte Großh. Notar Süß. Ankündigung. 8) 1 Vrtl. 57 Rth. Acker allda 125 fl- 9) 1 Vrtl. 36 Rth. Acker am Rothland 95 fl. 10) I Vrtl. 4 Rth. Acker am Straßberg 20 fl. I I) 1 Vrtl. 7s,8 Rth. Acker an den Waldäckern 160 fl. 12) 1 Vrtl. 40 Rth. Acker im Rothland 130 fl. 13) 83,2 Ruth. Acker an den Nußbaumäckern 88 fl. 14) 1 Vrtl. 78 Rth. Acker am Straßberg 70 fl. 15) 15 Rth. Acker am Mühlberg 10 fl. 16) 25 Rth. Acker am Loch 5 fl. 17) 47,1 Rth. Acker am Mühlberg 30 fl. 1426 fl. Ncckarbischofsheim, 15. Dezember 1868. Der BoÜstreckuugsbeamte. L i e b l e r. [33] Steinsfurth. Stammholzversteigerung. Am Mitt» woch den 20. d. M., Vor- mittags 9 Uhr aufan- gend, werden n hiesigem Gemeindewald, Distrikt Steige, 217 Stamm Tannen pi Bauholz geeignet gegen baare Zahlung wr der Abfuhr öffentlich versteigert, wozu Liebhaber einladet Steinsfurth, den 13. Januar 1869. Bürgermeisteramt: Gebhardt. Grimm. In Folge richterlicher Verfügung werden dem Ludwig Würz von Untergimpern die nachverzeichneten Liegenschaften Donnerstag den 4. Februar 1869, Vormittags 9 Uhr, in dem Rathhaus zu Untergimpern öffentlich versteigert, wobei der endgiltige Zuschlag erfolgt, wenn der Schätzungspreis oder mehr geboten wird Beschreibung der Liegenschaften. 1) Ein einstöckiges Wohnhaus sammt Zugehörde 350 fl. 2) 7,8 Rth. Garten beim Haus 25 fl. 3) 34 Rth. Acker am Straßberg 20 fl. 4) 52 Rth. Acker allda 38 fl. 5) 75,2 Ruthen Acker an den Stumpenäckern 80 fl. 6) 96,9 Ruthen Acker an den Halbbatzenäckern 100 fl. 7) 1 Vrtl. 25 Ruth. Acker am Straßberg 80 fl. Kataster-Vermessung. [25] Montag den 18. Januar d. I., von Morgens 9 Uhr an, findet die Austheilung der Güterzettel der Gemarkung Eichtersheim auf dem Rathhanse daselbst statt/ zu deren Empfangnahme die Grnndeigenthümer mit dem Hinzufügen eingeladen werden, daß von gleichem Tage an die Grundstückspläne und das Güterver- zeichniß dieser Gemarkung zu der Betheiligten Einsicht sechs Wochen, lang da>elbst aufgelegt sind. Langenbrücken, am 9. Januar 1869. Rentei'» Geometer. [31] Am Sonntag den 10. d. M. ist bei Hutmacher Keßler in Sinsheim ein Alpaccasckirm stehen ßelii.v ■■ Der Ei'gen- thümer kann ihn gegen -■ ? der Ein- rückungsgebühr daselbst in mg nehmen. 22 726 ’ PritfBiiigr für PoHe • ^ppefälmdriche , den einjährigen Militär, dienst, das Polytechnikum, die Post etc. Das Intern a t ional-L ehr i ns ti tut bereitet beständig zu allen diesen Prüfungen vor. Für Porte-epeefähn- driche und Polytechniker fängt am 10. Januar ein besonderer Cursus an. Näheres bei der Direction in Bruchsal. Verkauf von Haus Fahrnissen. J29] Wegen Umzuges werden am Mittwoch 20. Januar, von Vormittags 9% Uhr an, in der Wohnung des Herrn Oekonomen Georg Zahn in Zuzenhausen gegen Baar verkauft: polirte Komoden, Kasten, Tische, Stuhle, Bettladen mit Röste, Oelbilder in Goldrahmen, Farbenbilder rc. rc., etwas Küchengeschirr, alte Kleider und verschiedenes Brauchbares. Hiezu ladet der Verkäufer höflichst ein. _ [11] Die Offenburger Hausteinen bürgern sich nach und nach in allen Haushaltungen ein. Kapital anszuleihen. [34] Bei der Gemeindeverrechnung Grom- bach sind 1300 bis 1400 fl. gegen doppelte Bersicherung zu 5 Prozent anöznleihen. Dreunig, Gemeinderechner. Inr Geschichte des Tages 4- Sinsheim, 11.Jan. Herr Kaufmann Eduard Frank hat wegen körperlicher Leiden wiederholt um Genehmigung des Austritts aus dem Gemeinderath vor abgelaufcner Dienstzeit uachgesucht. Der Gemeinderath und Bürgeraneschuß hat nunmehr den Antrag als begründet erachtet und wetten gegenwärtig die Einleitungen zu einer Ersatzwahl getroffen. r Sinsheim, 12. Jan. Gestern wurde au der Bahnlinie Untergrombach bei Bruchsal ein Handelc-tuann von Michel- feld todt aufgefunden. Da derselbe seine ganze Baarschaft noch bei sich hatte, so vermuttzet man, daß hier kein Berbrechen vorliege, sondern daß er entweder aus dem Eifeiibahiiwaggon gefallen oder sonst ein Unglück ihm zngcstcßeu sei. Karlsruhe, 11. Jan. Der heute erschienene »Staats- onzeiger» Nr. 1 enthalt (außer Personalnachrichten): I. Verfügungen und Bekanntmachungen der Staatsbehörden. 1) Bekanntmachungen des Großh. Justizministeriums: a) Die Ernennung des Notariatsassistenten Julius Heß zum Notar des NotariatSdistrlkts Neunkirchen betreffend, b) Die Vorbereitung zum öffentlichen Dienst in der Verwaltung der freiwilligen Gerichtsbarkeit betreffend. Darnach werden nachbenannte Notariatspraktikanten nach abgelegter praktischer Prüfung zur Änstelluug als Notare für befähigt erklärt: St. Rukmann von Karlsruhe, I. Metz von Walldürn, E. Leis von Hockenheim, G. Ehret von St. Georgen, A. Weindel von Forst, L. v. Riß von Salem, L. Bauer von Walldürn, c) Die Aufnahme des früheren Geheime» Regierungsrathö Kiefer in den Anwaltstand betreffend 2) Bekanntmachungen des Großh. Ministeriums des Innern: a) Den Hebammeuunterricht in Heidelberg betreffend. Derselbe beginnt am 1. Februar. Bezüglich der Bedingungen des Eintritts wird auf die Bekanntmachung der Direktion in der »Karlsr. Ztg.« verwiesen, b) Die Aushebung für das Jahr 1869, insbesondere die Anmeldungen zur Ortöliste betreffend. 3) Bekanntmachung dcö Großh. Handelsministeriums: Die Ertheilung von Erfindungspatenten betreffend. 4) Bekannttnachung des Großh. Finanzministeriums: Die vierte vorjährige Gewinnzichnng des LotterieanlehenS der Eisenbahn-SchuldentilgungS-Kaffe zu 14 Millionen Gulden vom Jahr 1845 betreffend. 5) Bekanntmachung des Großh. Kriegsministeriums: Das Montirungsdepot betreffend. 0). Bekanntmachungen des Großh.- Obermedizinal- ratbs: a) Die Neuwahl des ärztlichen Ausschusses betreffend, b) Die Neuwahl des Ausschusses der Thierärzte betreffend, c) Die Neuwahl des Ausschusses der Apotheker betreffend. Bei der am 16. vorigen Monats stattgehabten Neuwahl des Ans- fchuffeS der Apotheker fielen die meisten Stimmen auf nachgenannte 5 Apotheker, welche deßhalb als Mitglieder des Ausschusses gewählt gelten, und zwar: Apotheker Leiner in Konstanz, Apotheker Leimbäch in Heidelberg, Apotheker Schwab in Reuchen, Apotheker Frank in Heidelberg, Apotheker Hnnkele in Sinsheim. II. Diensterledigungen. Eine Amtsrichterstelle in Dcnau- efchingen und eine solche in Mannheim. Heidelberg, 12. Jan. Gestern Abend bewegte sich ein glänzender Fackelzug durch unsere Straßen.' Er wurde von den Korpsstudenten dem Herrn Geh: Rath Helmholz dargebracht als Anerkennung dafür, daß er sich entschlossen hat, seine so ersprießliche Wirksamkeit der hiesigen Uuiversität auch ferner zu widme». Er hatte mämtich von der preußischen Regierung einen Ruf »ach Bonn erhalten, »m dort den durch den Tod des Prof. Plücker erledigten Lehrstuhl der physikalischen Wissenschaften zu übernehmen. Heidelberg hat nun, Tank der großh. Regierung, den Weggang dieses berühmten Gelehrten nicht mehr zu fürchten. (K. Z.) Offen bach, 10. Jan. Der Rumpenheimer Schreinergeselle, welcher des Mordes an dem jungen Boos von hier verdächtig, scheint denn doch der Thater zu sein, indem die ihn gravirenden Judicien sich mehren; es ist nämlich nun auch erwiesen, daß das Futterstampfeisen, welches unweit der Mordstelle gefunden wurde, von einem Schmied in Rnmpenheim für den Bater des Verdächtigen gemacht worden war. Gießen, 10. Jan. Man erinnert sich, daß bei Friedbcrg im letzten Vierteljahre ein 11 jähriges 'Mädchen von einem ver- heiratheten Manne genothzüchtigt und dann mit Messerstichen ermordet worden ist. Gestern wurde der Thater, Peter- Fener- bach von Rodheim, der That geständig, von dem Schwurgericht dahier zum Tode vcrnrtheilt. München, 10. Jan. Armee-Ernennnngen: Prinz Luitpold General-Inspektor der Armee; Tann. Hartmann zu Generalen der Infanterie und Korpekommandantcn in München und Würzburg; v. Feder, v. Stephan, v. Walther, Graf Both- mer zu Divisionäre»; Gcncraladjntant La Roche zum General der Infanterie. Wiesbaden, 9. Jan. Der Kultusminister hat beschlossen, die Aufsicht über sämmtliche hiesige Schulen nicht mehr einer geistlichen, sondern einer vom hiesigen Magistrat gewählten Schuldeputaiimi zu übertragen. Berlin, 10. Jan. Die militärischen Verhältnisse deS norddeutschen Bundes sind jetzt definitiv geordnet, und cS bedarf, wie die l-'Milit. Bl.-- bemerken, --nur eines kurzen Telegramms aus Berlin, um fast eine Million Soldaten unter die Waffen zu rufen». Den Kern der Armee bildet die preußische, --welche mit den ihr einoerleibten früheren Kontingenten bereits völlig zu einem gleichartigen Ganzen verschmolzen ist». "Ragatz, 10. Jan. Großartige Bergabrntfchungen haben bei Ragatz eine vollständige Thalsperre gebildet, und die Tamina zu einem See auigestaut. Wien, 9. Jan. ES sollen neueste Enthüllungen vorliegen, welche den unwiderleglichen Beweis führen, daß zwischen Rnma- uieu und Griechenland -ein gemeinsamer Angriffsvlan gegen die Türkei vereinbart war, und daß nur die nicht erwartete Energie der Pforte die noch nicht reife Ausführung verhindert hat. Wien, 9. Jan. Das »Telegr. Corr.-Bnr.-- meldet telegraphisch aus Konstautinopel vom Heutigen: Das griechische Blaubuch veröffentlicht die Korrespondenzen des bisher bei der Pforte akkreditirt gewesenen griechischen Gesandten Delhannis an seine Regierung, worin derselbe über eine Unterredung mit dem russischen Gesandten Jgnalieff berichtet. Letzterer äußert bei verschiedenen Anlässen, daß. waS die griechische Regierung auch immer untcruehmeu sollte, die Türkei nicht wagen werde, dagegen einzuschreite». Florenz, 9. Jan. In San Giovanni di Persiceto (Prov. Bologna) und Cento (ebendaselbst) wurden von mehreren Tausend Bauern das Gemeindehaus - und die Präfektur verwüstet, die dort aufbewahrten Archive verbrannt, die Telegraphen zerstört und mehrere Häuser geplündert. Daö dahin gesandte-28. Jägerbataillon wurde von den Aufständischen mit Flintenschüssen empfangen; dieselben wurden aber nach einem kurzen- Kampf, in welchem es mehrere Todte und viele Verwundete gab, gezwungen, in die Berge zu flüchten. Florenz, 10. Jan. Der Widerstand gegen die Mahlsteuer dauert fort. Sehr zahlreiche Verhaftungen sind vorgcuom» men worden; über 600 Gefangene find bereits zu Alessandria. — Cialdini wird aus Spanien zurückerwartet, seine Sendung soll gescheitert sein. — 23 — Zu Borgo S. Domino fanden Tumulte statt. Daö Volk drang in die Präfektur und wollte den Sudprafeklen zwingen, eine Adresse an den Minister zu erlassen um Befreiung von der Steuer. Da sie dieses nicht erlangen konnten, so richteten sie einige Zerstörungen in den Bureaus an und es mußte die öffentliche Gewalt cinschreiten. Am 4. wurden Truppen nach Borgo S. Domino abgesaudt. Neapel, 8. Jan. Gleichwie die Offiziere und Unteroffiziere werden jetzt auch die beurlaubten Soldaten eiicherufeu. Auf Befehl des Marineministers wird alles bereit gehalten zur sofortigen Armirung von 10 Panzerfregatten, je fünf in den Departements 'Neapel und Spezzia. Paris, 9. Jan. Der «Gauloiö« versichert, daß das Amnestiedekret zu Gunsten der Presse, von dem in letzter Zeit so viel die Rede war, im »Offiziellen Journal« am 19. d. M. erscheinen wird. — Demselben Blatt zufolge herrscht eine außerordentlich große, fast fieberhafte Thätigkeit in den Seehäfen Toulon, Brest tmb Rochefork. Paris, 10. Jan. Bon verläßlicher Seite wird über den Verlauf der gestrigen ersten Koufereuzsitzuug Folgendes gemeldet: Die Bevollmächtigten der Pariser Vertragsmächte behufs Schlichtung der zwischen Griechenland und rer Türkei bestehenden Differenz versammelt, erkannten es als erste Pfiicht, den Betheilig- teu die erfolgte Konstituirung der Konferenz zur Kenutniß zu bringen. Die in dem türkischen Ultimatum formuiirten Rekla- inationcn sind von nun au der Prüfung der 'Mächte uiitcrlvorfeu, die sich der Ucberzeugung hingcbeu, daß die Regierung des Sultans und des Königs von Griechenland sich auf vas gewissenhafteste aller Schritte enthalten werden, welche den Statusquo verändern oder die Aufgabe der Mächte erschweren können. Die Mächte appelliren an die Mäßigung der Pforte und wünschen, daß die Durchführung der in dem Ultimatum augedrohten Blaßregeln bis zum Schluß der Koufercnzarbeiteu suspcudirl werde. Die griechische Regierung wird gleichzeitig zur Berl?invernug aller feindlichen Manifestationen, wie jeder bcwafseneteu Expedition zu Land und zur See eingeladeu. Dieser Konfcreuzbefchluß wurde gleichzeitig nach Konstanti- uopel und Athen notifizirt. Paris, >0. Jan. Der «Public« sagt: Heute und morgen offiziöse Bcrsammlung der Bevollmächtigten. Der Public hofft, daß die. ganze Angelegenheit in der Dienstagositzung geordnet werde. London, 9. Jan. Tie hoffnungsreiche Zuversicht, mit welcher mau gegen Anfang dieser Woche noch der Konferenz über die türkisch-griechische Angelegenheit cntgegenfah, hat sciltcm ohne bestimmten Grund einen Stoß erhalten, und gegen Schluß ist die Stimmung eine ziemlich gedrückte, was sich auch in den No- tirungcn der Börse bekundet. Mau denkt an frühere Konferenzen zurück, die ohne Erfolg geblieben sind und nur als Einleitung zu einem Krieg dienten, und vergegenwärtigt sich lebhaft die Gefahren, welche über dem grünen Tisch schweben, um den die Bevollmächtigten der vertretenen Mächte sitzen. Rew-Aork, 10. Jan. Nach Berichten aus Mexiko vom 8. richtete ein Erbeben in Eolima und Manzanilto beträchtlichen Schaden a» Eigenkhnm au, Menschenleben finb nur wenige zu beklagen. — Ans Cuba wird gemeldet, daß die Anführer des Aufstandes die Emancipation der Sklaven proklamirt haben. — Auf der Reunionsinsel (Bourbon) ist ein Aufstand auSgebroeben; die französische. Garnison unterdrückte ihn und stellte die Ruhe wieder her; achtzig Aufständische wurden getödtet oder verwundet. Die goldene Hochzeit. Erzälilung von Ludwig Habicht. (Fortsetzung und Schluß.) Das gab nun ein Jubel»! Dcd Wilhelm war wie der Blitz bei der Hand, der Fleischer warf sich in Positur, sprach bedeutungsvolle gewichtige Worte, aus denen die jungen Leute nur entnahmen, daß sie verlobt seien, und selbst die alte Röstel, die es eben von der praktischen Seite aufgefaßt hatte, wurde von dieser Freude und Seligkeit ganz gerührt, sic mußte mit der Schürze in die Augen fahren; dann aber segelte sie auch' hinaus, um alles zur goldenen Hochzeitsfeier fertig zu mache», denn daö war vorerst die Hauptsache. Wilhelm umarmte seinen Großvater, dessen breite Brust diesmal den Freudenstrom des jungen Mannes bald nicht ausgehalten hätte; er gab ihm dafür aus überquellender, großväterlicher Zärtlichkeit ein festes Kopfstück und sagte: Siehst Du,- Junge! Aber es war eine Rohdearbeit, ich will lieber einen Zentner Rindfleisch mürbe klopfen, als das »och einmal durchmachen. Gnstchen hatte sich an ihren Großvater angeschmiegt und ihm unter Freudenthräuen gedankt. Der Alte weinte und schluchzte fleißig mit und stieß dann nur in einzelnen Absätzen hervor: Siehst Du, Gustei, Dein alter Großvater ist immer »och da! Ja er hat'o durchgcsetzt, und dabei fuhr seine zitternde Hand liebkosend über den blonden Kopf der Enkelin. Da weinen die Beiden wie alte Spitalweiber, rief der Fleischer lachend, der jetzt die Gruppe bemerkte, statt sich zu freuen, wie's einem rechte» Christen geziemt! Aber jetzt Frau Gevatterin! rief er der wieder Eiutreteudeu zu, jetzt Wein und Gebäck her, daß wir goldene Hochzeit, Berlobung und Alles in Allem freier» können. Ich dächte, damit pressirte es nicht so sehr, entgegnete diese ärgerlich. «Wir wollen jetzt nur frühstücken und dann in die Kirche fahren,« beschwichtigte der Fleischer. In die Kirche fahren! Das waren versöhnliche Worte. Bald stand Wein und Gebäck auf dem Tische und das junge, jubelnde Brautpaar ließ man hoch lebe». Aber der alte Röstel, vem förmlich durch feinen ersten Widerstand der Muth und der Kamm gewachsen schien, weigerte sich noch immer in die Kirche zu fahren, wenigstens heute nicht; er wollte es ganz sicher haben und mit seiner Enkelin znsanimen Hockzcik feiern und blieb trotz alles Anstürmens dabei. Run wollte die alte Röstel auch umwerfen: sie habe sich so viel Kosten gemacht, Kuchen gebacken, Wein gekauft, das wäre eine schöne Geschichte, das Alles sollte nun doch wcggeworfen sein und sie wurde kirschbraun vor Acrger; aber der Gevatter beschwichtigte sie, er wolle heut' allein die Kirchenfeier begehe», den gebackene» Kuchen gern auf seine Rechnung nehmen, der Wein käme nicht um, und er führte ihr zu Gemiilhe, wie sie dann zwei Fliegen mit einem Schlage treffe, daß sic so hübsch die beide» Hochzeiten, die goldene und die ordinäre, zusammen feiern könnten, wie billig das fei, denn später koste es doch eiiimal eine Hochzeit — und endlich ließ sich die Gevatterin belehren. Eö konnte sie zwar die Vorbereitung sehr ärgern und was die Leute zu der Verschiebung sagen würden; aber wenn bald die andere Hochzeit kommt, trüflcie der Fleischer, dann sieht ja jeder Blinde ein, daß cs Vcr- schivendnng wäre, nicht die beiden in einen Topf zu werfen und Geiv zu spare»! Geld zu sparen! Daö war stets ein süßer Klang für die wirthuche, sparsame Iran, und sie ließ sichs gefallen. - Der Fleischer fuhr daher mit seiner ehemaligen Schönheit allein zur Kirche. Es schicit ein Abglanz von früheren Tagen auf ihr zu ruhen und sie zu verschönen. Freilich durste sie, zu ihrem Glück, nicht sprechen und hatte nichts weiter zu thuu als still vor sich zu weinen, während ihr Mann dort saß wie ein Held und stolz umherblickte, als wolle er sagen: Seht, so locit haben wir'S schon gebracht und zur diamantne» Hochzeit da kommen wir auch noch hin. Der Fleischer kam „och im Laufe des Nachmittags zu seinem Freunde, zeigte ihm stolz die goldene Bibel und machte ihm dabei beinerklich daß er auch so eine erhalten würde. Der alte Ehreufried betrachtete mit rechter Freude die reiche Vergoldung und fuhr dann wohlgefällig über das glatte Papier. «Gelt, das gefällt dir?« fragte sein Freund, nun wollm wir in Gottes Wort wieder fleißig studiren. Hilf, lächelte Ehrenfried, 's war zu spät zum Studiren, ich kann ja doch keinen Buchstaben mehr lesen. Aber die Ehre! Die Bibel schickt uns die Königin, die erhält nicht Jeder! entgegnete der alte Sauer und warf sich in die Brust. Run Gustel muß sie auch bekonnnen, meinte der Alte, und dieö erinnerte den Fleischer wieder an die P.rtie. Die alte Röstet verlangte freilich erst Sicherheit, mußte den Kauf seines Enkels erst schwarz auf weiß haben, ehe das Aufgebot bestellt werden konnte; aber als diese Umstände beseitigt worden waren, richtete fie mit Ehren eine tüchtige Hochzeit aus, denn diese mußte ja für zwei gelten. — 24 Das gab ein Aufsehen in der kleinen Stadt, als die beiden Paare in die Kirche fuhren. Voran das glückliche Brautpaar, vor dem das Leben noch wie ein lachender, bunter Teppig lag, und im zweiten Wagen das Jubelpaar, das sich nur noch an der Sonnenseite der Erinnerung zu erwärmen hatte. Es war ein wunderbar schönes Ereigniß und die Kirche kannte kaum die Zuschauer fassen. Der Prediger hielt eine schöne, gedankenvolle Rede, wie bedeutungsvoll ein solches Zusammentreffen sei, vas junge Brautpaar habe an diesem würdigen Jubelpaar vor Augen, wie bunt und rasch das Leben vorüber rolle, wie auch sie schon, nach wenigen inhaltschwcren Augenblicken, an dem gleichen Ziele seien, wie ein eigenthümlicheö Zusammenstellen mahne au unser flüchtiges Erdensein, vas nach einem alten begeisterten Dichter nur Rauch im Winde sei, wie Gott seinen Segen geben möge, daß sie eben so selbstznsrieden und ruhig als Jubelkreise einst wieder vor den Altar treten könnte». Aber die schönsten, blühendsten Worte standen ihm doch bei dem ehrwürdigen Jubelpaare zu Gebote, die wir nicht wierer- geben könne»; kein Auge in der Kirche blieb trocken, und die Röstel-Großmutter weinte vor Rührung am meisten, während ihr Mann wie selig lächelnd dort saß und nur auf das junge Brautpaar sah, von dem eS ihm wie ein lebender Lenzeshauch entgegenwehke; denn grad dies junge Paar weckte die alte Erinnerungen um so lebhafter, und sein dem Leben erstorbenes Herz trieb »i dieser Glückstunde förmlich neue Blüthen. ES war wirklich eine schöne, herzerhebende Feier. Alle Betheiligten waren in gehobener, feierlicher Stimmung und konnten selbst beim Hochzeitsmahl den Uebergang zu einer heitere» Unterhaltung nicht finden. Der alte Röstel-Großvater fand ihn zuerst und trippelte mit gar seligem Gesicht hinüber auf die Seite des Frohsinns und der Freude, denn er war so vergnügt und iliunter, kicherte immer vor sich hin, rieb sich die Hände und neckte sogar seine kleine Enkelin. Diese Verjüngung des alten gebrechlichen Mannes war Alle» merkwürdig und doch war es nur Liebe für seine Enkelin, die sein welkes Herz noch einmal schlagen machte; er trank sogar ei» Glas Wein und stieß darauf an. daß das junge Brautpaar auch eine goldene Hochzeit feiern möge, und dabei streichelte er seine Enkelin, die sich liebend an ihn schmiegte und weinte dann vor Rührung wie ein Kind. Aber als die Lustigkeit allgemein wurde, schlich er sich plötzlich leise fort und in sein Bett; man vermißte ihn nicht, nur seine Enkelin suchte ihn besorgt und war recht unberuhigt, als sie ihn schon im Bett fand. Sei still, Gustel entgegnete der Alte, mir fehlt nichts, ach das war heute zu schön, goldene Hochzeit und er schloß die ermüdete» Augen, um sie nicht mehr zu öffnen. Man fand ihn am andern Morgen sanft entschlafen, die große Freude hatte die morsche Hülle gebrochen und seinen Jubeltag znm Todestag gemacht. Und so still und müde der Greis gewesen, chie Lücke auf dem Sopha gewahrt man doch, selbst sein alter Freund wischt sich eine Thräne aus dem harten Auge über den Verlust des Freundes, dessen Lebenslämpchen nur so lange noch geflackert — bis zur Feier der goldenen Hochzeit. Ämjfllnt. * Der "Kreuzztg.ii wird aus Paris geschrieben: PrinzFried- rich von Hohenzellern, dritter Sohn des Fürsten von Hoheu- zoüern-Sigmaringcn, hat sich dieser Tage hier mit Lady Mary Douglas, einer Cousine des Kaiser« Napoleon, verlobt. Die Verlobten sind nahe verwandt, ihre Mütter sind Schwestern. Die Braut ist die Tochter von William, elften Herzog von Hamilton in Schottland, und' der Prinzessin Marie von Baden, einer Tochter des Grcßherzogs Karl und der Grcßherzogin Stephanie, der Nichte und Adoptivtochter des ersten Napoleon. * Ueber Hobbart Pascha, deu türkischen Mmiral, geht der »Pr.« nachstehende Mittheilnng zu: Kapitän Hobbart durchbrach im amerikanischen Kriege 12 Mal unter de» größten Gefahren die Blockade von Charleston; er veröffentlichte seine dieSfälligen Erlebnisse unter dem Titel: »Never caught« (Niemals gefan- g-en). Als ihn nun die Türken vor wenigen Wochen nach Kreta schickten, um endlich dem EnosiS daS Handwerk zu legen, machte der russische Botschafter General Jguatieff die äußersten Anstrengungen, ihn in Konstantiuopel zurückznbalten. Als politische nicht verfingen, brachte man eine Klage eines russischen Hause» gegen Hobbart vor und General Jguatieff verlangte dessen Verhaftung, oder wenigstens Festhaltnug in Konstantinopcl. Das englische Konsulat wies den russischen Botschafter ab, und Hobbart sendete ihm vom Bord aus fei» Büchlein: »never caughU. * Ein bekannter Pariser deutscher Juwelier ist am 5. Jan. das Opfer von '2 äußerst feinen Gaunern geworden. Dieselben — sie gaben sich für Mexikaner aus — kamen nämlich zu demselben, um ihm Goldstaub zum Verkauf anzubieten. Znm Beweise, daß das Gold sehr fein sei, legten sie ihm eine Gokd- barre vor, die aus demGoldstanbe angefertigt worden sei. Der Juwelier bat um die Ermächtigung, die Goldbarre von einem Sachkundigen untersuchen lassen zu dürfen, was die beiden Mexikaner auch bereitwilligst zugaben. Der Sachkundige erklärte daS Gold für sehr fein und gab zugleich dem Juwelier Scheike- waffer mit, damit er mit dein Goldstaube die Probe machen könne. Zu Hause angekommen, machte auch der Juwelier die Probe, die ausgezeichnet ansfiel. Sein Scheidewasser griff den Goldstaub nicht an. Run überzeugt, daß ein gutes Geschäft zu machen sei, zahlte er den Leuten den übereiugekommenen Preis von 70,000 Franken aus. Als er aber nun ans den Gedanken kam, reu Golrstaub nochmals von dem Sachverständigen untersuchen zu lassen, stellte es sich heraus, daß das, waS er gekauit, nicht Gold, sondern Kupfer sei. Das Fläschchen, dessen er sich zur Probe bedient, enthielt kein Scheidewasser, sondern gewöhnliches Wasser. Die Fläschchen, worin sich das Scheidewasser für solche Operationen befindet, haben nämlich alle eine und dieselbe Form, und die beide» Gauner hatten wahrscheinlich das, welches der Juwelier, mitgebrachl, mit einem andern verwechselt, worin sich nur Wasser befand. Der Juwelier wandte ' sich sofort an die Polizei, der Telegrapb wurde gleichzeitig i» Bewegung gesetzt und die ganze geheime Polizei aufgeboten, aber der Juwelier wird seine 70,000 Franken wohl nie Wiedersehen. * Ein hcldenmüthiger Bräutigam. Der amerikanischer »Evanöville Demokrat« schreibt: »In einem Landstädtchen spielte dieser Tage eine Geschichte, die wirklich zu gut ist, als daß sie sür die Nachwelt verloren gehen sollte. Ein junges Paar, dessen Herzen sich gesunden hatte», kam nämlich nach dein Städtchen, um sich durch das heilige Band der Ehe fesseln zu lasse». Der Geistliche, welcher den Knoten schürzen sollte, war bereits erschienen, als plötzlich die Braut bemerkte, daß ihr die bei einer so seierlichen Gelegenheit »unbedingt« nothweudigeu Glacehandschuhe fehlten. Schlemiigst wurde der Bräutigam mit dem Austrage entsandt, den fehlenden Artikel im nächsten Laden zu kaufe», und die Braut bemerkte drohend, daß er sich sputen möge, weil sie sich sonst »aiiderS besiiinen» könne. Der Bräutigam ging, aber eine Biertelstnnde nach der anderen verfloß und er kam nicht wieder. Schließlich wurde der wartenden Braut angst und bange um's Herz und in ihrer Noth enksendeie sie den Geistlichen, um den Vermißten aufzusuchen. Gutmüthig ging der Pastor und fand de» säumigen Bräutigam schließlich im Hotel sitzen, die Beine am Ofen emporgestreckt und gemüthlich Tabaksjauche in die knisteriiden Flammen spritzend. Auf die verwunderte Frage des Geistlichen, weßhalb er in aller Welt so lange ausbleibe, antwortete der hofflinngSvoUe Bräutigam, daß er nur einmal sehen wolle, ob seine Braut sich »anders besinnen» werde. Davon scheint bei der jungen Dame keine Rede gewesen zu sei», denn eine Viertelstunde darauf fand die Trauung statt. Der junge Mann hatte wahrscheinlich einmal von erfahrenen Leuten gehört, daß man eine Frau beim ersten Laib Brod ziehen müsse und sich die Lehre gemerkt. Für die Wilhelmsfelder sind weiter eingegangen: Byn Hru. W. H. 1 fl., von Joh. B. aus Weiler 30 kr., zusammen 6 fl. 40 kr. Herzlichen Dank den freundlichen Gebern. frankfurter Co«rse. Preuß. Cassen-Sch. 1. 44-y 4 45 Dukaten 5. 35-37 Pr. Friedrichsvor 9. 57'/.-58'/, 20-Frank-Stücke 3. 26 I / i .27 1 / 1 . Pistolen 9. 49 Engl. Souveräns II. 52-56 „ Doppelte 9. 50 Russische Jnrperialen 9. 49-51 Hoü. tOfl.-Stücke 9. 54-56 Dollars in Gold 2. 26-27 Redigirt, Druck und Verlag von G. Becker (vormals D. Pfisterer) in Sinsheim.