Der Landbote. Verkündigungsblatt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. HP 0, 11. Samstag, den 24. Januar 1857. Bestellungen auf den "Landboten" können fortwährend bei den Großh. Postanstalten gemacht werden. [49] Ei» - und Austritt der Vereinsmitglieder betreffend. Nro. 26. Als Mitglieder unseres Vereins sind im vorigen Jahr ausgetreten: 1) Franz Helfrich von Bargen, 2) Heinrich Heller allda, 3) Philipp Belz in Hasselbach, 4) Christian Rassi allda, 5) Jakob Brand von Helmstadt, 6) Christoph Winter von Hüffcnhardt, 7) Karl Bernhard von da, 8) Balthasar Berner von hier, 9) Johann Lepp, Kaufmann, hier, 10) Heinrich Hcrbold, Wagner, hier, 11) Christoph Störzer allda, 12) Philipp Hauck, Kronenwirth, hier, 13) Kaufmann Mei- senhelder hier, 14) Georg Englert in Rappenau, 15) Altrentmeistcr Hauck in Rcicharts- hauscn, 16) Israel Wollenbcrger in Untcrgimpern, 17) Gutsbesitzer Rrudter in Ag- lasterhauscn, 18) praktischer Arzt Ehemann von da, 19) Doktor Wolf daselbst; eingetreten sind 1 mehr, als der Verein durch diese Austritte, so wie durch Wegzug und durch den Tod, verloren hat. Neckarbischossheim, den 13. Januar 1857. Die landwirthschastliche Bezirksstelle. H o r m u t h. Schuldenliquidation. [81] Nro. 1270. Sinsheim. Die Michael Kling er Eheleute von Steinsfurth wollen nach Amerika auswandern. Etwaige Gläubiger derselben haben ihre Forderungen ani Mittwoch den 4. Februar, früh 8 Uhr, dahier anzumelden. Sinsheim, den 20. Januar 1857. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Otto. Holzversteigcrung. [50] Nro. 2,1. Sinsheim. Mittwoch den 28. Januar d. I., Vormittags 9 Uhr, werden im Bockschafter Stistswald, Schlag 10 des hintern Waldes 3 eichene Nutzholzklötze, 2 forlene dto. 11 Klafter buchen > 1 „ kirschbaum l 10 „ eichen | Scheitholz 6 „ aspen 1 12 „ gemischt I 1% >, gemischtes Prügelhvlz 4 „ buchenes Stockhvlz 1350 Stück buchene i 100 „ eichene } Wellen 2353 „ gemischte | auf der Schlagfläche gegen Zahlung des Steigschillings auf Martin! dieses Jahrs und gegen Stellung hinlänglicher, gemeinderäthlich beurkundeter Bürgschaft rm Ansstreich öffentlich versteigert. Sinsheim, den 21. Ja»uar 1857. Die Hofguts-Berwaltung Bockschaft. Banz. [40] D ü h r e n. Stammholzversteigerung. Aus hiesigem Gemeindswald , Distrikt Mautern, werden Dienstag den 27. d. M., Mittags 12 Uhr, 113 Eichholzstämme, die sich thcils zu Holländer- und «Heils zu Bau- und Nutzholz, vorzüglich aber zu Eisenbahnschwellen eigne«, auf der Hiebstelle versteigert. Dühren, den 16. Januar 1857. Bürgermeisteramt. Sterzenbach. __ Schäfer. [55] Münch zell, Amt« Neckargemünd. Stammholzversteigerung. Mittwoch den 28. d. M., Vormittag- 10 Uhr, werden aus hiesigem Gemeindewald 3 eichene Hol- ländcrstämme und 3 eichene Klötze für Küfer und Glaser sich eignend, versteigert. Die Zusammenkunft ist auf der Hiebstelle. Mönchzell, den 17. Januar 1857. Das Bürgermeisteramt. S ch o r k. [45] S t e i n s f u r t h. Stammholzversteigerung. Freitag den 30. d. M., Vormittags 9 Uhr, werden im diesjährigen Gabenschlag, Distrikt Heuberg, 29 Stämme Eichen 64 „ Fichten und 53 „ Forlen, vorzüglich zu Bau - und Nutzholz geeignet, öffentlich versteigert. Die Zusammenkunft findet im Schlag statt. Steinsfurt, de» 19. Januar 1857. Das Bürgermeisteramt. Leonhardt. Ehmann. [51] W a i b st a d t. Stammholzversteigerung. Mittwoch den 4. Februar l. I., Morgens halb 9 Uhr beginnend, werden aus hiesigem Gemeindewald, Distrikt großen Wald" ca. 75 starke, sog. Holländereiche», sodann „ 84 geringere Eichstämme, welche sich zu Bau- und Nutzholz eignen, und 25 Loose Achen, 6 Loose Kirfchbaume und 9 Loose Birken auf der Hiebsstclle, gegen vor der Abfuhr zu leistende Zahlung, versteigert, wozu die Liebhaber hiermit eingeladen werden. Waibstadt, den 19. Januar 1857. Das Bürgermeisteramt. Wacker. Seeber. [52] Sinsheim. Bekanntmachung. Freitag den 30. Januar l. I., Vormittags 9 Uhr, soll zu Rohrbach im Rathhause ein Weinberg von sechs Morgen (neuen Maßes) von Lichtmeß 1857 an auf zwölf oder noch mehr Jahre im Ganzen oder in paffenden Abtheil,ingen verpachtet werden, wozu Liebhaber eingeladen werden. Sinsheim, den 22. Januar 1857. Rentamt Grombach. Rees. [57] Hoffen heim. Holzversteigerung. Auf nächsten Mittwoch den 28. d. M., Morgen« 9 Uhr, werden in dem grundherrlichen Essigklingenwaldr zn Hvff.'i.heim 53 eichene, achene und kirschbaumene Bau- und Nntzholzklötze, 23 Nutzstangen, 54 Klafter Scheit- und Prügelhvlz, 6260 Stuck Reisachbüscheln und 102 „ Stumpen, zahlbar auf 1. November d. I. versteigert, wozu man Steigliebhaber einladet. Sinsheim, den 22. Januar 1857. Freih. v. Gemmingen'sches Rentamt Hoffenheim. Besch. [53] Treschklingen. Gutsverpachtung. Das Freiherrlich von Gemmingen'sche größere Meinweigut dahier, dessen bisheriger Pacht mit Lichtmeß 1858 sich endigt, soll auf eine weitere neunjährige Periode, und zwar im SoumissionSweg wieder verpachtet werden. Dieses im besten Stand befindliche Gut, dessen Erzeugnisse wegen der Nähe von Heilbronn zu jeder Zeit vortheilhaft abgesetzt werden können, umfaßt: 1) an Wohn - und Oekonomiegebäuden nebst Hof- raum und Gartenland 1 Mrg. 272 Rth. 2) an Ackerland in 3 Fluren 359 Mrg. 54 Rth. 3) an Wiesen.39 Mrg. 157 Rth. 4) an Ärautgärten . . ■ 1 Mrg. 35 Rth. Zusammen 401 Mrg. 118 Rth. im badischen Nvrmalmaaß. Die Pachtbedingunqen liegen bei dem Unterzeichneten Rentamt zur Einsicht bereit, und es können solche auch bei der hohen Gutsherrschast selbst, im — 40 — [41] Wir bringen hiermit in empfehlende Erinnerung: * junsere Agentur des Deutschen Phönir, badische und größte d.r'-Nltschnl Ber- Frankfurter Feuer-Versicherungs-Gesellschaft für Mobiliar ficherungs-Gesellschafte». [und Jmmobiliar; unsere Agentur für Auswanderung nach Amerika rc.; den An- und verkauf von Staatspapieren, Lotterie-Anlehensloosen, Actien rc., Wechsel und Auszahlungen nach Amerika, zu den billigsten Coursen, unter Sicherheitsleistung, sowie Annahme von Wechseln und Wcrthpapieren von überseeischen Ländern; Cotouial-Waaren; Eisen, Stab« und Bandeisen rc.; Äteesaamen unter Garantie. Sinsheim, den 15. Januar 1857. Gebrüder Ziegler. m. Kaufmann Frank. Hause Nro. 23 l. der Langenstraße zu Karlsruhe, eingesehen werden. Die Pachtliebhaber werden ersucht, ihre Pachtof- serte per Margen badischen Maaßes, unter Beifügung gerichtlich beglaubigter Zeugnisse über ihre Vcrmögensverhältniffc und Befähigung zum Betrieb einer größer» Gutswirthschast, in velschloffenen Umschlägen mit der Aufschrift: „Pachtoffert für das Freiherrlich von Gem- mingen'sche Meinweigut zu Treschklingen btr." längstens bis zum l. März d. I. dahier abzngeben. Treschklingen, den 21. Januar 1857. Freiherrlich von GemmingenffcheS Rentamt. Wolf. [56] K i r ch a r d t. Danksagung. Am 14. d. M. brach in unserm Nachbarhause Feuer aus, wobei dasselbe, sowie vie Scheune ein Raub der Flammen wurden. Unsere Gebäulichkeiten wurden zwar von dem verheerenden Elemente nicht ergriffen, allein wir mußten dennoch ansräumen und wir wurden nicht nur dadurch, sondern durch die angewendeten Löschmaß- regeln beschädigt. Durch Versicherung unserer fahrenden Habe aber, bei dem Deutschen Phönix (Herrn Gebrüder Ziegler in Sinsheim) wurde uns heute ohne Säumen unser Verlust wieder ersetzt, wofür wir, indem wir diese Versicherungsanstalt bestens empfehlen, hiermit öffentlich danken. Kirchardt, den 21. Januar 1857. Georg Ebert. Georg Bentz. Johannes Holzwarth. Friedrich Schön. Kapital auszuleihen. [48] Bei dem hiesigen katholischen Heiligenfond liegen 200 Gulden gegen Verzinsung zu 5 Prozent zum Ausleihen bereit. Grombach, den 18. Januar 1857. Der Rechner. Marx Baumann. Kapital auszuleiheu. [48] Bei Unterzeichnetem liege» 500 fl. Pfleg- fchaftSgeld zum Ausleihen gegen erste gerichtliche Hypotheke bereit. Rohrbach, den 18. Januar 1857. Jakob Doll. Jur Geschichte des Tages. Karlsruhe, 21. Jan. Das heute erschienene Regierungsblatt Nr. 2 enthält: I. Unmittelbare allerhöchste Entschließungen Sr. König!. Hoheit des Großherzogs. Dienstnachricht. (Schon mitgetheilt.) II. Verfügungen und Bekanntmachungen der Ministerien. 1) Bekanntmachungen des großh. Ministeriums des Innern: a) die Patentertheilung an den Mechaniker Gerhard Uhlhorn zu Brevenbroich bei Köln betr.; b) die Staatsgenehmigung von Stiftungen betr.; cf) die Staatsgeneymigung von Stiftungen im Öberrheinkreise betr.; st) die Staatsgenchmigung von Stiftungen im Mittelrheinkreise betr. 2) Bekanntmachung des großh. Finanzministeriums: Die Bestimmung des Zinsfußes für die Darlehen der Zentschuldentilgungs-Kasse im Jahr 1857 betr. (4% Prozent.) III. Dicnsterledigungcn: Das Amtschirurgat Schönau, Oberamts Heidelberg. Das Diakonat in Unterschüpf, Dekanats Borberg, mit einem jährlichen Einkommen von ungc- gefähr 650 fl., freier Wohnung und den Accidentien. IV. Todesfälle. Gestorben sind: am 17. v. M. der pen« sionirte Amtsrevisor Ruf in Rastatt; am 18. v. M. der pen- sionirte Zeichnungslehrer Epple in Karlsruhe; am 26. v. M. der pensionirte Geistl. Rath und Professor bei der Universität Freiburg, vr. Werk; am 26. v. M. Rcgierungsrcvisor Karl Friedrich Braunwarth dahier; am 27. v. M. der katholische Dekan und Pfarrer Alois Schreiber in Eichsel; am 8. d. M. der Offizier vom Armeekorps, Hauptmann v. Bohlen, in Mannheim. Mosbach, 20. Jan. (Odw. B.) Auf dem gestrigen Fruchtmarkte sind die Fruchtpreise in die Höbe gegangen, was bei dem Kernen einen Aufschlag von beinahe 1 fl. betrug. Hauptsächlich soll die Veranlassung gewesen sein, daß fremde Fruchthändler aus der Gegend von Sinsheim bis Durlach den hierher fahrenden Fruchtbaucrn aus dem Wege nach Dal- lau entgegenkamen und denselben für den Kernen bezahlten, was sie forderten, und die Bauern mit ihren Früchten an den Neckar zum Verladen spedirten. Auf diese Weise wurden dem hiesigen Fruchtmarkte wenigstens 20 Fuhren Kernen (etwa 400 Malter) entzogen, so daß die Bäcker, welche doch das Publikum mit Brod versorgen sollen, nicht einmal ihren wöchentlichen Bedarf bekamen. Man gibt sich der Hoffnung hin, daß die einschlägige Behörde diesem.Unfug entgegen treten werde! Aus Baden, 14. Jan. Das Mannh. Journ. schreibt: "Dieser Tage ist vor einer ganzen Reihe frankfurter Lotterie- loosc-Händler gewarnt worden, welche besonders auch mit Zertifikaten für badische Anlehensloose handeln. Einer dieser industriellen Leute ist aber vergessen worden, dessen wir hier gedenken müssen. Da man nämlich auch geöffnete Briefe mit Lotterielooscn zurückgeben darf, so schicken die Händler solche jetzt von verschiedenen badischen Städtchen aus, von wo man solchen Inhalt nicht erwartete. Besonders ist es ein Bernhard du Mont in Frankfurt, der sich Ritter der französischen Ehrenlegion nennt und das eben erwähnte Manöver macht. Seinen Briefen liegen nicht nur Pläne der frankfurter Lotterie und Loose dazu, sondern sogar auch Empfehlungen der Mor- rison'schen Pillen und Achnliches bei, wovon dieser Herr ein Depot hat; ja sogar gedruckte Briefkvuvertö schließt er an, daß man ihm seine Kundschaft zuwendet. Wir theilen dies zur Warnung mit, und bemerken, daß seine letzten Briessen- bungen von Bruchsal und Wiesloch ausgingen." Breisach, 19. Jan. (Frbgr. Z.) Heute Morgen pas- sirte ein Zug Auswanderer unsere Stadt, welcher wohl 50 Köpfe stark sein mochte. Der größte Theil derselben ist aus dem, au der vordem Seite des Kaiscrstuhls gelegenen Flecken Eichstetten, woselbst, wie diese Heimathsmüden aussagten, eine noch eben so bedeutende Anzahl in der nächsten Zeit aufbrechen wird, um jenseits des Ozeans ihr Glück zu versuchen. Die Auswanderungen in unserer Gegend sind in jüngster Zeit wieder lebhaft, was seinen vorzüglichsten Grund in den hohen Preisen der Liegenschaften, und der Leichtigkeit, mit her solche verwerthet werden können, haben mag. Konstanz, 19. Jan. Wie wir vernehmen, wird im Laufe dieser Woche eine thcilweise Beurlaubung der Mannschüft d«S 4. Infanterieregiments eintreten, wohl zunächst in Folge der friedlichem Gestaltung der Verhältnisse, welche die Vermehrung des militärischen Sicherheitsdienstes in unserer Grenzstadt ferner nicht mehr nothwendig erscheinen läßt. — 41 - Köln, 17. Jan. Herr Mitchel in London, welcher mit unserem Männer-Gcsangvcrein die Ausführung der bisherigen Sängerfahrten abschloß, hat dieser Tage einen Bevollmächtigten nach Köln entsendet, um mit unserem Verein über eine vierte, in den nächsten Mai oder Juni fallende Konzertreise zu kontrahircn. Wenn dieselbe, was man nicht bezweifelt, zum Beschluß gedeiht, so werden circa 15 Konzerte gegeben und zwar nicht allein in London, sondern auch u. a. Städten in Birmingham, Liverpool und Manchester. Diese Sänger- fahrt würde mit den Vorbereitungen zu den Konzerten an Kosten circa 26,000 Thlr. absorbiren. Berlin, 20. Jan. Der Ministerpräsident machte in der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses die Anzeige, daß die Kricgsfrage, da die ncuenburger Unterthanen nunmehr bedingungslos freigegeben wären, als beseitigt zu betrachten sei, und der Möglichkeit einer Regelung dieser Angelegenheit mit den Großmächten im Wege der Konferenz nun nichts mehr im Wege stünde. Hamburg. Abermals sind zwei Schiffe verloren. Das von hier nach Rio erpedirte Schiff „Nancy" ist an der portugiesischen Küste anfgebrannt. Die gerettete Mannschaft ist in Lissabon eingetroffen. -Unsere Assccuradcure sind dabei mit 130,000 Mk. Bco. betheiligt. — Ein anderes Hamburgisches Schiff ist, neuester Nachricht zufolge, ander sädamcrikanischen Küste gescheitert. Während des verflossenen Monats sind nicht weniger als 294 Seeschiffe gänzlich verunglückt, darunter 12 Dampfschiffe. Wien, 21. Jan. Die betreffenden Anordnungen zur Räumung der Donaufürstenthümer von Seite der österreichischen Truppen sind heute nach Bucharest und Jassy abgegangen. Die Räumung soll Anfangs März beginnen. Wien, 20. Jan. Erzherzog Ferdinand Maximilian ist zum Generalgouverneur des lombardisch-venetianischen Königreichs ernannt. Glatz, 18. Jan. In diesen Tagen legte ein als unmoralisches Subjekt bekannter 66jähriger Bettler in dem Dorfe Krotenpfuhl durch Brandstiftung ein Baucrgehöft in Asche und meldete sich auf Grund dieser That bei dem Kreis-Gefangenhause zu Habelschwerdt, in der begründeten Erwartung, daß ihm die früher verweigerte Aufnahme nunmehr nicht werde versagt werden. Paris, 20. Jan. Der „Moniten» bringt folgendes Bülletin: Der kaiserliche Prinz leidet seit zwei Tagen an einem leichten Katarrfiebcr. Se. Kaiser!. Hoheit befindet sich heute Abend besser. Sein Zustand flößt keine Unruhe ein. New-Aork, 7. Jan. Die Zahl der im verflossenen Jahre in New-Aork angekommcnen Auswanderer belief sich auf 141,915 und überstieg die des vorhergehenden Jahres um 5682. Durch Feuersbrünste kamen im vorigen Jahre in den Vereinigten Staaten 183 Personen ums Leben, und wurde Vermögen zum Wcrthe von 27,000,000 Dollars zerstört. Die Zahl der Eisenbahnunfälle betrug 143; 195 Personen kamen dabei ums Leben und 196 wurden verwundet. Wer hat das gethari? Eine Geschichte aus dem Leben. (Schluß.) Hermine hatte in der ersten freudigen Aufregung gar nicht daran gedacht, daß sie nicht mit Leonhard allein war; jetzt aber kehrte ihre mädchenhafte Scheu vor so vielen, neugierig auf sie gehefteten Augen zurück, und sie beantwortete die Frage des Präsidenten, weßhalb sie nicht gleich in der Voruntersuchung gesagt habe, daß sie zu Liftttens Hülfe hinunter geeilt sei, mit einem tiefen Erröthen. — „Ich konnte es ja nicht sagen, entgegnete sie leise; ich glaubte ja mein Verlobter wäre der Thäter." „Dachten Sie denn nicht daran, daß Sie verurtheilt werden könnten, wenn Sie nichts zu Ihrer Rechtfertigung sagten?" Sie erröthete noch tiefer und sagte nach einer kleinen Pause: „Ich hatte ja nur die Wahl, entweder ihn zu ver- rathen, oder zu erwarten, was Gott über mich verhängen würde. Verrathen konnte ich ihn doch nicht. Und, setzte sie rasch hinzu, um das Lob von sich abzulehnen, das in dem Beifallsgcmurmel der Menge zu ihr drang, — ich hatte ja der sterbenden Frau Heider gelobt, ihre Kinder in Noth und Tod nie zu verlassen. Was hätte aus der kleinen Anna werden sol- len! Welch' ein Schlag wäre Leonhards Verurtheilung für eine ganze angesehene Familie gewesen! Ich bin ein verwaistes, elternloses Kind, ich stehe ganz allein in der Welt." Eine heftige Bewegung Heidcrs, der mit einem tiefen Seufzer sein Gesicht in die Hände vergrub, unterbrach sie für einen Augenblick, dann fuhr sie mit bewegter Stimme fort: „Da war es doch besser, daß mich der Schlag traf. Mein Lebensglück war ja doch zerstört, da ich glaubte, daß mein Verlobter ein Mörder sei." Als sie schwieg, erhob sich der Staatsanwalt, um mit einer Stimme, der man die mühsam bekämpfte Rührung anhörte, zu erklären, daß er die Anklage fallen lasse und auf Freisprechung antrage. Der Vcrlheidigcr erklärte eben so kurz, er glaube nicht, daß es noch einer Vcrtheidigung der jungen Dame bedürfe. Nur auf einen Augenblick zogen sich nach dem kurzen Resumö des Präsidenten die Geschwornen in das Berathungs- zimmer zurück, und sprachen dann das einstimmige Nichtschuldig aus, unter den lauten Freudenbezeugungen aller Anwesenden, der Richter nicht ausgenommen. Ihre Freilassung wurde sogleich vom Präsidenten angeordnet, zugleich mit Heinrichs Verhaftung. In einem Augenblicke hatte Leonhard den Raum durcheilt, der ihn von Hermine trennte, und schloß das treue Mädchen mit einem Gefühle in seine Arme, das für alle ausgestanbene Angst und Qual entschädigte. Zugleich reichten helfende und geschäftige Hände die kleine, freudezitternde Anna hinüber, die jubelnd die Knie ihrer geliebten Hermine umklammerte. „Du treues, treues Herz! rief Leonhard; wie soll, wie kann ich dir vergelten! Wie konntest du glauben, daß ich dein Unglück überlebt hätte!" „Ach, das war cs ja gerade, sagte sie; wenn ich das nicht gefürchtet hätte, so wäre es nicht halb so schlimm gewesen. Für dich zu sterben, das war nicht schwer, aber die Augst, daß ich gerettet werden könnte auf deine Kosten!" Er konnte nicht antworten vor Thränen, er schloß sie nur von Neuem in seine Arme und wiederholte: „Du treues, treues Herz!" „Nun gehen Sie mal weg; lassen Sie uns auch mal herbei, zum Beispiel! rief Herr Spahn. Hier ist der Herr Präsident und der Herr Staatsanwalt und der Herr Vertheidiger, die alle ihren Glückwunsch abstatten wollen." „Ach, Herr Spahn, tausend, tausend Dank!" rief Hermine, ihm ihre kleine Hand reichend und ihn mit dem freundlichen Lächeln ansehend, das sie so reizend machte und das zum ersten Male nach langer Zeit wieder die Wangengrübchen sichtbar werde» ließ. „Sie haben uns gerettet, Herr Spahn, tausend, tausend Dank!" „O, gern geschehen, o, es ist nicht der Rede werth, sagte . Herr Spahn beschämt und gerührt; ich habe es mit dem größten Vergnüge» gethan." Er konnte nicht mehr sagen, den» eine Menge von Herren und Damen drängte ihn auf die Seite, um Hermincn ihre Theil- nahme zu bezeugen, um sie mit Einladungen und Dienstaner- bictungen zu überschütten. Der Präsident bat sie, seine Gastfreundschaft anzunehmen und ein Mitglied seiner Familie zu sein. — 42 — bis zu ihrer Verheirathnng. Hilmcr machte im Namyi seiner Mutter denselben Vorschlag, sowie eine Menge der angesehensten Damen. Dankbar und gerührt beantwortete Hcrmiuc alle diese ehrenvollem Anerbietungen freundlich, aber ablehnend, denn der zurückgedrängte Herr Spahn beschwor sie aus der Ferne mit den Augen, Händen und Lippenbcwcgungcn, so deutlich wie ein Taubstummer, kein anderes Asyl zu wählen als sein bescheidenes Dach. ,/Lie sind gar zu gütig, außerordentlich liebenswürdig ge- gegen mich, sagte sie, nach allen Seiten sich anmuthig verneigend; aber Herr Spahn ist mein ältester Bekannter hier in der Gegend, mein Landsmann. .... Was ist's denn, Anna, mein Herzchen?" unterbrach sie sich, zu dem Kinde sich niederbeugend, bas auf alle mögliche Weise ihre Aufmerksamkeit zu erregen suchte. „Papa meint," flüsterte Anna. Hermine wandte rasch den Blick nach der Zeugenbank, wo Herr Hcider einsam satz. Er hatte den Kops in den Händen verborgen und sein starker Körper zuckte konvulsivisch in der gewaltsamen Gemüthsbcwcgung. — „Bitte, lassen Sie mich hinaus!" sagte sie mit flehendem Blick und drängte sich eilig durch die Menge bis zu dem Vater ibrcs Geliebten. — „Herr Hcider! sagte sie mit ihrer weichen, einschmeichelnden Stimme. Lieber Vater!" setzte sie hinzu, als sie keine Antwort bekam. Bei dieser Anrede fuhr Hcider zusammen und ließ die Hände vom Gesicht sinken. — „Lieber Vater! wiederholte sie und sah ihm freundlich in die geschwollenen Augen. Gott hat Alles so gnädig gefügt! Seien Sic jetzt auch gut mit uns!" Er starrte sie wild und verwirrt an. „Ich bin ein elender, verworfener Mensch! rief er. Sie können mir nie, nie vergeben! Ick möchte mich in die Erde verkriechen vor Ihnen!" „Sie waren ja im Jrrthume, wie wir Alle, entgegnetc sie. Geben Sie mir die Hand und Leonhard auch, und dann kommen Sie mit uns, es ist ja Alles vorüber jetzt, und wir wollen alles Vergangene vergessen." „Ich will alles wieder gut machen! rief er plötzlich und erhob sich hastig. Sic sollen meine Tochter sein, Sie sollen Alles haben, was Ihr Herz begehrt. Ich will Ihnen und Leonhard das ganze Gut abtreten, ich will nichts behalten, ich will nur von Eurer Gnade leben. Aber Ihr müßt mir versprechen, daß Ihr mir vergebet, daß Ihr mir nicht nachtragt, wie schändlich ich an Euch gehandelt habe. Kommt mit »ach Menzingen, ich will gleich . . ." „Rach Menzingen? wiederholte Hermine, unwillkürlich schaudernd; nein, nach Menzingen kann ich jetzt noch nicht gehen, mir graut zu sehr vor der Küchcnstube. Ich kann die entsetzliche Nacht noch nicht vergessen." „Zuerst kommen Sie Alle mit mir nach G.! rief Herr Spahn dazwischen. Und dann wollen wir weiter sehen, zum Beispiel. DaS Nothwendigste ist jetzt, daß eine Droschke bestellt wird, damit wir wegfahrcn können und damit das arme kleine Fräulein Ruhe bekommt und etwas Stärkendes, etwas zu essen und zu trinken. So eine Geschichte, die macht marode, zum Beispiel. Der Herr Präsident bietet seinen Wagen an: außerordentlich viel Ehre! Komm, kleine Anna, ich will dich auf den Arm nehmen, damit du nicht unter die Füße kommst." „Menzingen müssen Sie selbst behalten, sagte er später am Abend, als sie alle in seinem Hause in G. versammelt waren und der reuige Heider seine Versprechungen vom Morgen wiederholte. Sie sind noch zu jung, um sich schon auf den Ältentheil setzen zu lassen. Wer weiß, ob Sie nicht noch einmal wieder heirathen, zum Beispiel. Na, na, werfen Sie das nur nicht so weit weg, wer kann wissen, was geschieht! Aber wissen Sie was? Das Gut am Rhein, wo Herr Leonhard Administrator werden sollte, will der Eigenthümer ja gern verkaufen. Das geben Sic hier unserm schönen Fräulein zum Hochzeitsgeschenk; Geld genug haben Sie, alter Herr! Das ist doch gewiß besser, als wenn zwei Herren in einem Hause bleiben, zum Beispiel. Zwei Herren (ober Frauen) in einem Haus, Zwei Katze» über eine MauS» Zwei Hunde über ein Bein — Kommen selten überein." Herr Spatm's Vorschlag wurde ausgeführt. Wenn man von Bonn noch Koblenz den Rbcin hinauffährt, so sieht man jenseits Nonnenwerth, links, nicht weit vom Ufer, ein freundliches weißes Landhaus, von blühenden Gärten umgeben, Herüberschimmern. Dort wohnen Leonhard und Hermine, so glücklich, wie nur Liebende sein können, die erfahren haben, daß selbst der Tod nicht so mächtig ist wie ihre Treue. Die kleine Anna ist bei ihnen, wie sie es der sterbende» Mutter versprochen haben. Der Reisende, welcher an einem stillen warmen Som- mcrabend im leichten Nachen sich von dem Strome treiben läßt, hört oft eine süße Frauenstimme herüberkliugen, die das alte, schöne Lied singt: Ein getreues Her; zu wissen, Hat tes höchsten Schatzes Preis! Der ist selig zu begrüßen. Der ein solches Kleinod weiß. Mir ist wohl beim höchsten Schmerz, Denn ich weiß ein treues Herz. (Schw. U.-Bl.) Mathilde Raven. Miszellen. Der neue Doktor. Tochter. „Hast Du denn gestern den neuen Doktor gesehen, liebe Mama? Rothe Haare, blatternarbiges Gesicht, eine hohe Schulter — Alles vereinigt sich, ihn zu einem Ausbund von Häßlichkeit zu machen!" Mutter. „Ja, und dazu noch die Gerüchte über seine Moralität, die ihm hierher vorausgeilt sind — nun, nun, er wird eö sich selbst zuzuschreiben haben, wenn er bei den hiesigen Damen kein besonderes Glück macht." (Drei Monate später.) Tochter. »Ein merkwürdiger Mensch, unser Herr Dok- ter; ich begreife nicht, daß es einem Manne von seiner Stellung, seinem Vermögen, seinen glänzenden Aussichten schwer fallen sollte, eine passende Lebensgefährtin zu finden! Mutter. »Zumal da auch die Gerüchte über seinen früheren Lebenswandel nur eine Erfindung seiner Neider zu sein scheiuen. Zudem, was schadet die Vergangenheit, wenn die Zukunft so lachend ist?» (Drei Monate später.) Mutter. »Preise Dich glücklich, meine liebe Tochter; Du hast das Ziel Deiner, unsrer Wünsche erreicht. Der Herr Doktor ist Deiner werth, er wird Dir ein treuer Gatte und Versorger, Du ihm aber eine liebende Gattin sein!« Tochter. »O, meine gute Mutter, wie bin ich so glücklich; jetzt erst glaub' ich auch an Ahnungen, sprach doch gleich beim ersten Erblicken dieses Mannes mein Innerstes zu mir: Diesen oder Keinen!» frucht - Mittelpreije. Heilbronn, 21. Jan. Weizen 17 fl. 32 kr., Kernen 17 fl. 12 kr., Gerste 10 fl. 5 kr., Dinkel 7 ü. 5 kr., Hafer 5 fl. 8 kr. Pistolen dto. Preuß. Holl. lOfl.-Stücke Nanddukaren 20-Frank-Stücke frankfurter Caurfe. 9. 40--41 9. 55-/,-56'/, 9. 43-/,-44-/, 5. 30-/,-31-/, 9. 18-/,-19'/, Engl. Svuverains 11. 38-42 Preuß. Thaler — 5-Franken-Thaler 2. 20 1 /, Preuß. Kaff.-Sch. 1 . 4s'/« Redigirt, Druck und Berlag von D. Pfisterer in Heidelberg.