Vor Fim-bote. Verkündigungsblatt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. m ro -15. Dienstag, den Z. Februar 1853U £3** Bestellungen auf den „Landboten" können fortwährend bei den Großh. Postanstalten gemacht werden. [75] Die Brod- und Fleischprcise betr. Beschluß. Nro. 1889. Bis auf Weiteres kosten: 4 8 Schwarzbrod I. Sorte . 14 kr. 3 8 dto. II. Soite. 8V!s kr. 8 Loth Wasscrweck .... . 2 kr. 1 8 Rindfleisch. . 11 kr. 1 8 Kalbfleisch. . 10 kr. 1 8 Schweinefleisch .... . 14 kr. Sinsheim, den 30. Januar 1857. Großhcrzoglich bad. Bezirksamt. Otto. [78] Dühren. Ankündigung. <77,,^ In Fvlge richterlicher Verfügung werden dem Friedrich Wehl- faxth von Dühren auf dem Rathhause allda die nachver- zeichneten Liegenschaften Freitag den 27. Februar d. I., Nachmittags 1 Uhr, öffentlich versteigert, wobei der endgiltige Zuschlag erfvlgt, wenn der Schätznugspreis oder darüber geboten wird. Beschreibung der Liegenschaften: Die Hälfte einer zweistöckigen Behausung im äußern Dorf zu Dühren, mit Anbau und 4 Schweinställen, '/ 3 Scheuer mit Stallung und dabei gelegenem Gras- und Gemüsegarten, neben Joh. Wohlfarih und Peter Svies, Anschlag 750 ff. 23 5 / 10 Ruthen Garten im Sperling, neben Joh. Schweizer und Georg Friedrich Allgaier, Anschlag 80 ff. 44"/,,, Ruth. Acker am Eschelbacher Weg, neben dem Rain und Marr MekeSheimer, Anschlag 70 ff. 78 3 / 10 Ruthen Acker im Gäffel, neben Karl Fr. Brctz und Heinrich Krauter, Anschlag 160 ff. Summa 1040 st. Sinsheim, den 27. Januar 1857. Großherzogliches AmtSrevisorat. Steinmetz. vdt. Grether. [76] Eschelbach. Ankündigung. In Folg- richterlicher Verfügung weiden dem Wilbelm Krotz in Jjij Eschelbach die nachverzeichneten tofflüßmams Liegenschaften ans dem Rathhaust zu Eschelbach Montag den 16. März d. I., früh 8 Uhr, öffentlich versteigert, wobei der endgiltige Zuschlag erfolgt, wenn der Schätzungspreis geboten wird. Beschreibung der Liegenschaften: Ein Viertel einer einstöckigen Wohnung, 28'/, Ruthen Acker, II'/, Ruthen Garten, Anschlag 125 ff. Sinsheim, den 28. Januar l857. Großherzogliches Amtsreoisorat. Steinmetz. _ vdt. Grether. (73[ Mönchzell, Amts Neckargeniund. Stammholzversteigerung. Da bei heute abgeyaltener Stammholzversteigerung ein bedeutendes Nachgebvt erfolgte, lv werden die drei Eichstämme, welche zusammen einen Kubikinhalt von 660 Fuß haben, auf Mittwoch den 4. Februar l. I., Vormittags 10 Uhr, einer nochmaligen Versteigerung auSgesetzt, wozu die Steigliebhaber dazu eingeladen werden. Mönchzell, den 28. Januar 1857. Das Bürgermeisteramt. Schock _Glock. [68J Unlerbugelhos. Holzversteigerung. In dem Forstoistrikt Langenwald zu Unterbügelhof werden am Donnerstag den 5. Februar l. I., Vormittags 9 Uhr, 85 Klafter buchen Scheitholz, 6 „ eiche» dto., 16 3 /, „ Stumpen und 6550 Stück Wellen unter den gewöhnliche» Bedingniffen versteigert. Sinsheim, den 28. Januar 1857. Freih. von Degenfelb'sches Rentamt. F l e i sch m a n n. [79] S t e i n S f n r t h. Fahrnißversteigerung. In Folg- richter- i., a ljch^r Verfügung I werden i» dem Rath-^ 'Hanse zn Steinsfnrth ' folgende Fahrniffe Montag den 9. Februar d. I., früh 9 Uhr, gegen gleich baare Zahlung einer öffentlichen Versteigerung ansgesetzt: 1) ein Paar Mastochsen, 2) ein Muttcrschwein, was andnrch zur öffentlichen Kenntniß bringt Sinsheim, den 30. Januar 1857. Der Gerichtsvollzieher I e ck e l. Empfehlung. [ 80 ] Sinsheim. Türkisch rothe, blaue, gebleichte und ungebleichte Webgarne; ebenso Strickgarne in allen Farben und Nummern bei W. €. Köllreutter. [ 81 ] Sinsheim. Filz-, Litzen- «. Talwer-Schuhe, auch Lalwer-S'tie- fel für Frauen, sind noch in schöner Auswahl zu haben bei W. E. Köllreutter. Kapital anszuleihen. [77] Bei Unterzeichnetem liegen 200 st. Psteg- schaftSgelder auf gerichtliche Versicherung zu 5 Prozent Zins zum Ausleihen bereit. Hasselbach, den 31. Januar 1857. Adam Ruprecht. In der Buchdruckerei von D. Pfisterer in Heidelberg sind folgende Impressen zu haben: 25. Nachtbuch für Wirthe. Jur Geschichte des Tages. Furtwangen, 29. Jan. Dem "Schw. W.-Bl.« zufolge ist jüngst eine Deputation nach Karlsruhe abgegangen, um sich für die Forterhaltung der Uhrenmachcr-Schule zu verwenden. (Dieselbe ist bekanntlich nur für spezielle und vorübergehende Zwecke gegründet worden.) Die Deputation soll sehr hoffnungsvolle Zusagen nicht blos in Betreff der Erhaltung, sondern auch der Reorganisation dieser schönen Anstalt erhalten haben. Worms. Auch Se. Durchl. der Landgraf von Hessen- Homburg hat für das Luther-Denkmal einen Beitrag gespendet; außerdem eine Kollekte in der Landgrafschaft genehmigt. Aus Würtemberg wird geschrieben: Die Lederpreise scheinen seit dem Bckanntwerden des Resultates auf der Leipziger Messe fallen zu wollen. Wenigstens ist so viel erweislich, daß die Gerber beim Einkauf der Rohhäute die seitherigen hohen Preise nicht mehr zahlen wollen und sich auf den in naber Aussicht stehenden Abschlag des Leders berufen. Das schuh - und stiefelbedürstige Publikum wird hiegegen schwerlich etwas zu erinnern haben. München, 28. Jan. Die Nachricht von dem Verbot, — 56 — fremdes Papiergeld als Zahlung zu gebrauchen, ist insofern nicht präzis, alö dasselbe Privat-Papiergelb betrifft. In Würzburg erregt ein kürzlich vvrgckonimencr Rechts- fall großes Aufseben. Eine fürstliche Familie verlor gegen eine verwandte gräfliche Familie einen Prozeß um 150,000 Gulden Ansprüche, und zwar dadurch, daß der mit der Führung der fürstlichen Rechtssache betraute Würzburger Advokat den wichtigsten festgesetzten Termin versäumte uud vor Gericht ausblieb. Der Advokat ist vom Appcllgericht zu einer Ordnungsstrafe von nichrwöchcntlichen Festungsarrest verur- theilt worden. Uebcr den unerwarteten Ausgang dieses Prozesses und über die Eutschädiguugsansprüche an das Vermö- gen des Advokaten sind vielerlei Gerüchte im Umlauf. Berlin. Man spricht hier davon, es liege i» der Absicht, des Kaisers Alexander von Rußland, zu Anfang März der Kaiserin-Mutter in Nizza einen Besuch zu machen und auf dem Wege dorthin einige Tage in Berlin zu verbleiben. Die preuß. Regierung hat vom Landtag die Ermächtigung verlangt, für die nachträglich cingclicfcrtcn ungültig erklärten Kassenanweisungen und Darlehcnsschcine, obwohl die Einlieferungssrist längst vorbei ist, doch noch Ersatz zu gewähren, und für die noch nicht abgeliefcrtcn nochmals eine Endfrist fcstzusctzen. Im Torfe Horn in Wcstphalen zog Morgens ein Kind aus, zu betteln und kehrte Abends heim und hatte eine schlechte Bettelernte gehalten. Die Rabenmutter gab dem Kinde eine Ohrfeige, daß es an den Ofen und auf den Boden fiel und mißhandelte es mit dem Holzpantoffel so lange, bis das Kind eine Leiche war. In Stralsund ist Fräulein Johanna Wallis, eine sehr reiche und wohlthätige alte Dame, die alö Sonderling ein Haus ganz allein bewohnte und ohne alle Bedienung lebte, in ihrer Wohnung überfallen und ermordet worden. Der That verdächtig ist ein noch nicht ermittelter Bettler, welcher in unziemlicher zudringlicher Weise Geld von ihr verlangt und dem sie sich einstweilen durch eine Flucht durch das Fenster entzogen batte. Als man später das Haus durchsuchte, fand man den Bettler nicht mehr vor. Er mag sich also versteckt und hinterher den Mord vollbracht haben. Bern, 29. Jan. Die Entlassung der Truppen nimmt ihren regelmäßigen Fortgang. Rom, 15. Jan. Dem Adjutanten Grafen v. Latour, dessen Geistesgegenwart dem König von Neapel das Leben rettete, hat der König von Preußen den rothen Atlcrordcn erster Klasse, der Kaiser von Rußland den St. Stanislausorden zweiter Klasse mit dem Stern, die Königin von Spanien das Kommandeurkreuz des Ordens Karls UI. und der Großherzog von Toskana das Kommandeurkreuz des militärischen Verdienstordens erlheilt. Marseille, 30. Jan. (Tel. Dep.) Man berichtet aus Neapel, 26.: Ein Geistlicher zu Matera versuchte es, seinen Erzbischof während des Segens zu ermorden. Der Prälat wurde verwundet und ein Kanonikus, der ihm zur Hilfe eilte, vom Mörder erschossen. Paris, 30. Jan. (Hinrichtung Vcrgcr'S.) Verger, der fein Verbrechen allein gefaßt, genährt und ausgcführt hat, zitterte im Angesicht des Todes. Der Befehl des Gerichtshofes zur Hinrichtung kam im Gefängniß la Roquctte um halb 1 Uhr Nachts an; der Scharfrichter selbst übcrbrachte ihn. Um 2 Uhr wurde das Schaffott vor dem Gefängnisse aufgerichtet. Obgleich man jede Veröffentlichung der bevorstehenden Hinrichtung vermieden hatte, fand sich heute Morgen doch eine ungeheuere Menschenmenge ein. Schon um 3 Uhr Nachts kamen zahlreiche Wagen an; um 7 Uhr waren der Platz vor dem Gefängniß und dir benachbarten Straßen gedrängt voll. Während des gestrigen Tages war Verger sehr aufgeregt; er fürchtete die Verwerfung seiner Berufung, hielt jedoch noch immer die Hoffnung fest. Während eines Theils der Nacht schlief er sehr schlecht; um 2 Uhr Morgens, als man das Schaffott aufschlug, schlief er fest, und diesen Morgen, als es Zeit war, sich zum Tode vorzubereiten, mußte man ihn wecken. Um halb 8 Uhr traten die Direktoren des Gefängnisses und der Abbe Hugo» in feine Zelle, um ihm die Todesnachricht zu überbringen. Abbe Hugon sagte ihm, daß seine Berufung verworfen sei, und er sich vorbereiten müsse, vor Gott zu erscheinen. Beim ersten Wort schüttelte Verger den Kopf, wie ein Mensch, der aus einem bösen Traum erwacht, und rief aus: »Nicht möglich! nicht möglich! und als Abbe Hugon ihm bemerkte, daß er nichts mehr zu hoffen habe, gericth er in unbeschreibliche Wuth. »Ich will nicht sterben!» — rief er — »cs ist unmöglich! Ich hänge am Leben! Man hat kein Recht, es mir zu rauben!» Allen Ermahnungen des Geistlichen setzte er nur jene Heftigkeit entgegen, welche er bei den Assifen an den Tag gelegt hatte. Jetzt wandte sich der Gefängnißdireklor an den Verurtheiltcn. Aber Verger rief: »Eine Stunde, nur noch eine Stunde gewähren Sie mir!» Man erklärte ibm, Dies sei nicht möglich. »Wohlan» — sagte er — „ich will nicht sterben; ich werde mich wehren; man kann mich hier tödten, aber man wird mich nicht von hier sortbringen." In der That klammerte er sich an das Bett an, und weigerte sich, aufzustehen. Man mußte die Wächter rufen lassen, um ihn mit Gewalt anzukleiden. Verger wehrte sich auf's heftigste, verfiel aber, als er die Nutzlosigkeit seines Widerstandes sah, in eine Art von Erschlaffung. Um 7% Uhr kam der Scharfrichter, um ihm die Arme, süudcr« Kleidung anzulegcn. Verger verhielt sich still. Abbe Hugon näherte sich nun ihm nochmals, und ermahnte ihn, an sein Seelenheil zu denken. Anfangs hörte ihn Verger an, ohne ein Wort zu crwicdern, gab jedoch endlich seinen Bitten nach, trat mit ihm einen Augenblick bei Seite, und empfing die Absolution. Wenige Minuten vor 8 Uhr trat Verger aus seiner Zelle; er schien gefaßter. Als er jedoch dem Direktor des Gefängnisses Lebewohl sagte, bat er nochmals um eine Stunde Aufschub. Endlich trat er, vom Abbe Hugon nnd dem Scharfrichter unter den Armen gefaßt, den Weg vom Gefängnisse nach dem Schaffotte an. Auf dem Wege hörte man ihn murmeln: „Abbitte .... später . . . ."; und er stieg, immer von dem Geistlichen und dem Scharfrichter unterstützt, die Stufen hinan. Oben angekommen, kniete er nieder, sprach noch einige Worte, erhob sich dann wieder, küßte das Kruzifix, warf sich in die Arme des Abbe's, und überlieferte sich dem Nachrichter. Einen Augenblick darauf stand er vor Gottes Richtcrstuhl. Die Wunder des Mikroskops (Vergrößerungsglases). (Schluß.) Wenn man ein Stück von einem Schmetterlings-Flügel unter ein stark vergrößerndes Sonnen-Mikroskop bringt, so erblickt man darauf blumenförmigc Federn und Schuppen von der verschiedensten Farbe und Größe. Sie liegen wie Dachziegel aufeinander; und jedes ist mit einem Stiele befestigt. Durch das.Sonnen-Mikroskop erscheinen sie in der Größe einer Schreibfeder, eines Dolchs oder eines Spatens. Mit bloßem Auge sieht man sic freilich nur als kleine Stäublein. Da meint man, wenn man so ein schön gezeichnetes Schmetter- lings-Flügelchen genau besehen, vielleicht auch unter dem gewöhnlichen kleinen Vergrößerungsglas betrachtet hat, es sei nun alle seine Schönheit erschöpft, und siehe da, unter dem Sonnen-Mikroskop thut sich an demselben eine ganze Welt neuer Schönheiten und Wunder Gottes auf. Manche von Euch haben schon ein Sonnen-Mikroskop ge- — bl — sehen; Manche andere, und vielleicht der größere Theil unsrer Leser kennen es noch nicht; ich muß ihnen also kurz sagen, wie es eingerichtet ist. Es besteht aus mehreren kleinen ge» schliffcnen Glasern, und wird an einem Fenster angebracht, wo die Sonne herein scheint. Man läßt aber ihren Strahl bloß durch bas Mikroskop herein; alle übrigen Zugänge sind dem Sonnenlichte durch schwarze Vorhänge verwehrt. Der Sonnenstrahl fällt auf eine gegenüberstehenbe weiße Wand (gewöhnlich von Papier), die etwa 10 Fuß breit uno ebenso hoch ist. Diese wird ganz erleuchtet, und stellt nun die kleinen Gegenstände, welche in bas Mikroskop gebracht werden, vergrößert dar, ungefähr wie ei» Schattenspiel, das gewiß die Meisten schon gesehen haben. Von der Stärke der Vergrößerung könnet ihr euch eine Vorstellung machen, wenn ich sage, daß das vergrößerte Bild eines Wassertropfenö mit seinen Einwohnern auf dieser 10 Fuß langen Wand nicht Platz genug hat, daß z. B. blos die Wurzel eines auSgezogenen Kopf- oder Barthaars 3—4 Fuß laug erscheint. Nach diesem Verhältnisse würde sich ein ganzes Haar ungefähr darstellen wie eine lange, schlanke Birke, und ein langes Frauenhaar wie jene 5 —600 Fuß langen Bambusstäbe in Südamerika, welche aber freilich selbst am untern Ende nicht dicker sind als ein Zoll. Könnte man einen ganzen Kindskopf unter das Mikroskop bringen, was aber freilich, wie leicht zu begreifen, nicht möglich ist, so würde er uns als ein großer Berg erscheinen. Die Kopfhaare wären ein ansehnlicher Wald, die Augeubraunen langgestreckte Dorngebüsche, die Augen große Binnenseen, die Nase ein steil abfallender Hügel nnt zwei tiefen und weiten Höhlen, der Mund ein gewaltiger Abgrund, etwa wie der im alten Rom, in welchen sich Curtiuö hinein stürzte, und die kleinsten Erhöhungen auf der Haut würben als große Grabhügel erscheinen. Es gibt mehrere Arten von Raupen, welche unter dem Mikroskop an Kopf, Rücken und Schwanz die schönsten Pfauenfedern zeigen. Man betrachte ein Roscnblatl oder ein anderes Blumenblatt, und man wird in seinen Adern und Rippen eine Menge kleiner Werkzeuge finden, welche die Dienste von Stahlfedern versehen, und dem Blatt seine Elastizität geben. Man reiße ein Stückchen von dem Blumenblatt eines großblüthigcn Pelargonium, und betrachte es im Sonnen-Mikroskop: man wird erstaunen über die wunderbare Einrichtung desselben über die Blattzcllen und Poren, über die herrliche Farbenmischung. Man wird den Pflanzcnsaft in allen Farben, gleich einem Bache, durch die Adern des verwundeten Blattes fließen, sich sammeln und gegenseitig anziehcn sehen. Man sieht zwischen den Haaren des Kelches eine Pflanze wachsen, die Früchte trägt wie Ananas. Wenn wir aber schon an den Erzeugnissen der Pflanzenwelt den großen Reichthum und die manchfache Schönheit neuer Schöpfungen bewundern, welche dem bloßen Auge verborgen bleiben, so ist dies noch vielmehr der Fall bei der großen Anzahl bisher unbekannter Thiere, mit welchen uns daö Sonnen-Mikroskop bekannt macht. Auf allen Seiten, oft da, wo man am wenigsten daran denkt, eröffnet uns bas Mikroskop eine solche Menge belebter Wesen, eine solche reiche Manch« faltigkeit organischer Bildungen und Bewegungen, daß einem dabei fast ein wenig unheimlich wird, wenn man einen Augenblick vergißt, wie ja deßwcgen doch Alles bleibe wie zuvor, nur daß das Auge einen andern Maßstab bekommt. Wer gern Essig genießt, wird koch deßwegcn keinen Widerwillen dagegen bekommen, wenn er unter dem Mikroskope die große Menge schnellbeweglicher Essigaale betrachtet, von denen derselbe angefüllt ist, was man schon mit einem gewöhnlichen Vcrgrößr« rungsglase sehen kann. Man dürfte ja sonst gar kein Wasser mehr trinken, oder nur Mineralwasser, welches keine Bewohner hat; denn schon ein einziger Tropfen gewöhnliches Quell- vder Brunnenwasser enthält eine unzählige Menge kleiner Thiere von den verschiedensten, seltsamsten Gestalten. Sie sind kn der Regel durchsichtig; und man kann in dem Bilde des Mikroskops die zart gebauten inneren Gefäße auf's deutlichste er, kenne». Dazu bedient man sich einer sinnreichen Einrichtung, indem man sie mit eiuei» gefärbten Wasser füttert. Indigo, Earinin und Saftgrün sind zu diesem Zweck als die passendsten Stoffe gewählt woreen. Ein Tropfen Wasser, der mit solchen Thierchen angefüllt ist, wird auf ein Stück Glas gebracht, und vermittelst eines feinen Pinsels mischt man unter denselben ei» wenig von dem Färbcftoff. Hierauf setzt man einen Tropfen klares Wasser in die Nähe des ersten, und zieht eine feine Linie, gleichsam einen Kanal, von einem Tropfen zum andern. Nun geschieht es, daß einige von den Thierchen, welche unterdessen bas gefärbte Wasser verschluckt haben, sich durch diesen Kanal in den Hellen Tropfen hinüber begeben, der dann unter das Mikroskop gebracht wird. Auf diese Weise wird der Magen und der Darinkanal der Thierchen auf's deutlichste sichtbar. Noch merkwürdiger für bas Mikroskop ist das fließende Wasser, das mit schöneren, größeren und stärkeren Thieren bevölkert ist. Ihre Gestalt ist oft so auffallend, daß der Zuschauer beim ersten Anblick erschreckt. Die Thiere selbst scheinen uns einen Augenblick anzuschen, verschwinden aber rasch wieder und machen andern Platz; denn in diesem Teich, — denn als ein solcher muß den kleinen Geschöpfen ein Wasser- tropfcn erscheinen, — gibt es eine große Einwohnerschaft. Noch viel größer ist die Manchfaltigkcit der Erscheinungen in stehenden oder Sumpfwassern. Jede Gegend, jedes Wasser, jeder besondere Fleck in demselben Wasser hat seine eigenen Bewohner, die in ihrer Gestalt sich auffallend von den andern unterscheiden. Ein solcher Teich ist im Verhältniß zu seinen mikroskopischen Bewohnern eben so groß, wie das große Weltmeer im Verhältniß zu den Wallfischen, Seesternen, Medusen und andern Wafferthieren. Und wie am Ufer von Sicilien andere Fische, Muscheln, Secpflanzen verkommen, als an den Scheerc» von Norwegen, oder an der Halbinsel von Malacca in Ostindien: so sind auch in einem Teiche verschiedene Arten mikroskopischer Thiere gleichsam klimatisch vcrtheilt, nur daß andere—uns unbekannte — Umstände, als das Klima, diese Vcrthcilung bestimmen. Jeder Teich ist eine eigene Welt, welche ihre Reiche, Städte, Dörfer und Kolonieen hat, die sämmt- lich zahlreich bevölkert sind. Die meisten dieser kleinen Thiere bringen die kurze Spanne Zeit, welche ihnen zu leben vergönnt ist, auf dem gleichen Flecke zu, als ruhige Bürger und Hintersassen; andere leben m beständigem Vertilgungskriege mit einanddr; denn das Kriegen und Morden erstreckt sich auf dieser Welt bis in daS Gebiet des Mikroskops hinein. Wieder andere stärkere ziehen als rüstige Eroberer von einem Land — das heißt: von einem Wasscrtropfcn — zum andern^ (Der Hausvater.) Ei» ergreifender Austritt. Alex. Dumas erzählt einen solchen aus seinen Jugender« inncrungen. Der Sohn eines alten unerschütterlich braven Försters in dem großen Walde des Herzogs von Orleans bei Villcrs-Cotterets (wo der erzählende Dichter geboren wurde) kam in den Verdacht einen reichen jungen Mann aus Paris, der sich bei einem Geschäftsfreunde seines Vaters befand, um sich für den Holzhandel praktisch auszubildcn, aus Eifersucht erschossen zu haben. Der Leichnam war gesunden und der angebliche Mörder ergriffen, dessen Schuld sicher zu sein schien. Als er eingebracht wurde, hatten sich auch die alten Eltern des Unglücklichen eingesunken, um den Sohn noch einmal zu sehen. Sobald die Mutter teusclbcn erblickte, rief sie laut aus: „mein Sohn! mein lieber Sohn!" und wollte ihn mit ihren Armen umschlingen, der Vater hielt sie aber zurück und sagte: „Mutter, jetzt nicht; erst müssen wir wissen, ob wir ihn un- 68 — fern Sohn noch nennen können oder ob wir einen Mörder vor nns haben." Dann wendete er sich an den Maire, während die Gendarmen den Gefesselten umgaben und sagte: „ich bitte um weiter nichts, als ihm in daö Gesicht sehen und ein Paar Worte mit ihm reden zu dürfen, dann werde ich selbst sagen, ob er schuldig ist oder nicht." Die Erlaubniß konnte nicht wohl verweigert werden. Der Later trat an den Sohn heran, die Anwesenden bildeten einen Halbkreis um die Gruppe und Aller Herzen klopften fast hörbar. Da streckte der alte Förster die Hand aus und sagte: „seid Alle Zeugen, die ihr hier steht, was ich ihn fragen werde und was er mir antworten wird. — Vor der alten Frau da, die Deine Mutter ist,— vor dem weinenden Mädchen da, daö Deine Braut ist, — vor dem würdige» Geistlichen, der Dich zum Christen gebildet hat, frage ich, Dein Vater, der Dir von Kindheit an die Liebe zur Wahrheit und den Haß gegen die Sünde, vor allem gegen die Lüge, eingepflanzt hat, frage ich Dich hier, Bernhard, wie Dich Gott da oben einst fragen wird: „bist Du schuldig oder unschuldig?" Dabei sah er den Sohn mit einem Blicke an, der in den tiefsten Tiefen des Herzens lesen zu wollen schien. „Vater...", begann der Beschuldigte, aber der Alte unterbrach ihn und sagte: „Nimm Dir Zeit,., übereile Dich nicht, damit Dein Herz nicht in den Abgrund des Verderbens sinke.. Sieh mich an.. Auge in Auge.., und Ihr alle da seht ihn fest an und hört wohl was er sagt... Und nun antworte!" „Vater.., ich bin unschuldig", antwortete der Sohn ruhig und gefaßt. Da streckte der Alte seine Hand wieder aus, legte sie auf die Achsel des Sohnes und sagte: „Knie nieder:" Der Sohn gehorchte und der Vater sprach im Tone der festesten unerschütterlichsten Ueberzeugung: „Ich segne Dich,... Gott segne Dich.. Du bist unschul- dig. Der Beweis Deiner Unschuld wird kommen, wenn es Gott gefällt. Es ist dies eine Sache zwischen ihm und den Menschen. Mag nun die Justiz ihren Lauf haben. Mutter," setzte er zu der weinenden Frau hinzu, „jetzt komm' und umarme Deinen Sohn." Nach dieser Scene, die alle Anwesenden aus's Tiefste ergriffen hatte, wurde der Gefangene in den Kerker abgeführt, der Prozeß begann, aber nach kurzer Zeit wurde der wirkliche Mörder entdeckt und der Sohn kehrte von aller Schuld rein in das Vaterhaus zurück. Land- und Hauswirthfchaft. Um die Schalen der Kernobstsrückte auf künstliche Weise schön zu röthen, empfiehlt der berühmte französische Pomologe Paquet, man soll die Früchte, kurze Zeit ehe sic reifen, öfters mit Regenwasser überpinseln, woraus sie eine prachtvolle rothe Farbe, in welcher sie sich ganz vorzüglich für die Tafel eignen, erlangen. Versuche dieser Art mit dem weißen Winter-Calville, der Reinette de Doue und der Reinette des Vergers sind vollkommen gelungen. M i s z e t l c it. * Aus dem Kreise Offenbach, 18. Jan. Wie häufig noch Fälle verkommen, in welchen alte, schwache Eltern von ihren Kindern nicht jene Pflege und Versorgung erhalten, welche Pflicht und Gefühl vorschreiben, davon kann man sich, namentlich auf dem Lande, vielfach überzeugen. Dies ist auch der Grund, warum Eltern bei Abtretung ihres Vermögens gerichtlich seststellen, wie und was die Kinder für ihren ferneren Unterhalt thun müssen. Freilich traurig genug, daß dies noch in christlichen Ländern zu geschehen gewöhnlich ist, als wenn es sich nicht von selbst verstände, daß die Kinder ihren Eltern alles Das verabreiche», was sie zur Pflege und Unterhaltung in ihrem Alter bedürfen. Es ist aber leider nicht so, und daher kommt es auch, daß manche Eltern mit der Vertheilung ihres Vermögens an ihre Kinder zurückhalten. In dieser Beziehung erzählt man sich folgenden Vorfall: In dem Dorfe L., an der Main-Reckar-Bahn, lebt ein alter, braver Schreiner, an welchen seine Kinder öfters die Bitte um Vertheilung seines Vermögens stellten. Der Alte aber fand es immer noch nickt für rath- sam, und um ihnen den Grund dafür recht begreiflich zu machen, bat er eines Tages seine Söhne, ihm doch das Sperlingsnest, welches sich gerade mit Jniigen an seinem Hause befand, auszuheben. Dies geschah. Die Jungen wurden in einen Käfig gesetzt und vor daö Fenster gehängt. Da hatten sie nun das schöne Schauspiel, daß die alten Sperlinge hin-und herflogen und die Jungen fütterten. Nach einigen Tagen bat der Vater, die alten Sperlingen auch zu sangen. Auch dies gelang. Die Jungen wurden wieder in Freiheit gesetzt, während die beiden Alten in den Käfig mußten. Nach einigen Tagen sah man nach den Alten: sie waren Hungers gestorben. * Professor Petzval «n Wien, eine Celebrität dortiger Uni, versität, ist gegenwärtig mit der Zusammenstellung eines physikalischen Apparates beschäftigt, welcher die bisher bei der Artillerie üblichen Leuchtkugeln ersetzen soll, die bekanntlich in den meisten Fällen ihren Zweck, die grelle Beleuchtung der feindlichen Objekte, nur unvollkommen erfüllen. Durch den von Petzval erfundenen Apparat wird es möglich sein, die feindlichen Objekte durch ein höchst intensives Licht, und zwar, was die Hauptsache ist, auf jede beliebige Zeitdauer zu erleuchten. * Ein englisches Blatt, die Kelfo Mail, erzählt einen merkwürdigen Kampf, der unlängst zwischen einem Menschen und einer Anzahl mulhiger kleinen Bestien stattfand. Ein Tagelöhner Namens Hogarth ward in der Nähe des Dorfes Small- holm am Hellen lichten Tage auf offener Heerstraße von zwölf Wieseln angefallen. Als er diese furchtbaren Gegner in geschlossener Kolonne auf sich anrücken sah, bewaffnete er sich mit einem tüchtigen Knittel und setzte sich mannhaft zur Wehr. Trotz seiner drohenden Haltung wagte der Feind sich furchtlos bis ganz in seine Nähe. Neun Wiesel griffen ihn in der Front an und suchten ihn in die Beine zu beißen, während die drei übrigen ihm in den Rücken fielen. Von jenen neun erlagen fünf seinen gewaltigen Streichen, worauf die übrigen vier entwichen. Es handelte sich nun noch um Ueberwältigung der drei hinterlistigen Wiesel, welche sich in seine Hosen festgebiffen hatten und nicht eher losließen, alö bis sie sämmtlich todtgeschlagen waren. Im Ganzen erlegte mithin der Sieger nicht weniger alö acht seiner Feinde. Wodurch er den Zorn der Wiesel erregt hatte, wird nicht gemeldet. Frucht Mittelpreije. Bruchsal, 28. Jan. Kernen 15 ff. 16 kr., Korn 10 ff., Gerste 8 ff. 20 kr., Hafer 4 fl. 3 kr., gem. Frucht 9 fl. 48 kr. Heilvronn, 31. Januar. Kernen 17 fl. 8 kr., Gerste 10 fl. 7 ft., Dinkel 7 fl. 14 kr., Haber 5 fl. 3 kr. Mainz, 30. Jan Weizen eff. 14 fl. 15 k 20 kr., per März 14 ff. 20 a 30 kr. Kern eff. II fl. 1i kr., per März 11 fl. 20 kr. Gerste eff. g fl. 30 ä 10 fl. 30 fr. nach Qualität. Hafer 4 fl. 30 » 40 kr. frankfurter Eourfc. Pistolen 9. 39 dto. Preuß. 9. 55-56 Holl. lOfl.-Stücke 9. 43'/,-44'/, Nanddukaten 5. 31'/,-32'/, 20-Frank-Stücke 9. 18-19 Engl. Sonverain» 11. 38-42 Preuß. T Haler — 5 -Franken-Thaler 2. 20'/, Preuß. Kaff.-Sch. 1. 45'/, Rcdigirt, Truck und Verlag von D. Pfisterer iu Heidelberg.