Der Lan-bote. Verküudigungsblatt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. M ro -84 Dienstag, den 14 Juli 1857. VCF* Bestellungen auf den Landboten für das zweite Semester wollen bei den Großhz. Posten gemacht werden. [459] Nr. 576. Lobenfeld. Bauarbeitenversteigerung. Am Freitag den 24. d. M-, Vormittags Uhr, werden auf dem Geschäftszimmer der Schaffnerei Lobenfeld die in der Baurelation genehmigten Arbeiten versteigert und zwar: am kathol. Pfarrhaufe zu Sinsheim: für Schreiner und Tüncher . . . 49 fl. 52 kr. am kathol. Schnlhanfe zu Sinsheim: für Schlosser, Blechner und Maurer 55 fl. 34 kr. am kathol. Pfarrhaufe in Zuzenhaufen: für Schreiner, Schlosser, Tüncher und Maurer.19 fl. 54 kr. an den Wohn- und Oekonomiegebäuden der Hofgntspächter hier: für Maurer, Zimmerer, Schreiner, Schlosser, Glaser und Blechner 118 fl. 12 kr. Lobenfeld, den 6. Juli Heidelberg, den 6. Juli 1857. 1857. Großh. Schaffnerei. Gr. k. K.-Bauinspektion. Bollin. Greifs. [456] Süßte«. Bauarbeitenversteigerung. Die Reparaturarbeiten an der cvangel. Kirche und am evangel. Pfarrhaufe dahier im Ueberschlage: 1) für die Maurer- und Stein- hanerarbeit zu 225 fl. 39 kr. 2) für die Zimmerarbeit zu 3) „ „ Schreinerarbeit zu 4) „ „ Flaschner „ „ 5) „ „ Schlosser „ m 6) „ » Tüncher „ „ 7) v „ Glaser „ „ 19 fl. 30 kr. 78 fl. 42 kr. 44 fl. 4 kr. 72 fl. 10 kr. 161 fl. 45 kr. 14 fl. 8 kr. Zusammeu zu 615 fl. 58 kr. werden am Donnerstag den-16. d. M., Nachmittags 1 Uhr, auf dem Rathhause dahier in öffentlicher Steigerung «ergeben, wozu die einschlägigen Handwerksleute mit dem Aufügen eingeladen werden, daß von den Ko- stenüberfchtägen, bei dem unterzcichnetcu Kirchengemeinderath Einsicht genommen werden kann. Dühren, den 7. Juli 1857. Der evangel. Kirchengemeinderath. A. A. Der Bürgermeister Sterzenbach. [457] R o h r b a ch. Liegenschaftsversteigerung. Aus der Martin Maiers Wittwe Erbmasse wird der Erb- theilung wegen Mittwoch den 29. d. M., Mittags 12 Uhr, auf dastgcm Rathszimmer und bezüglich der dabei betheiligten Minorennen mit Vorbehalt obervormundschaftlicher Genehmigung folgende Liegenschaft zu Eigenthnm versteigt, als: die Hälfte eines zweistöckigten Wohnhauses mit Keller, Stall und antheiliger Scheuer an der Landstraße gelegen, abgetheilt mit Joh. Baierles Wwe., Anschlag. 550 fl. Rohrbach, den 7. Juli 1857. Das Waisengericht: Grab, Bürgermeister. Metzler. [460] Spechbach, Amt Neckargemünd. Schäfereiverpachtung. Samstag den 18. d. M., Nachmittags 1 Uhr, wird auf dem Rathhanse dahier die Winter-Schaafwaide, welche mit 400 Stück Schaafe betrieben werden darf, in Pacht versteigert. Die weitern Bedingungen werden am Versteigerungstag bekannt gemacht. Spechbach, den 9. Juli 1857. Ei feie, Bürgermeister. vät. Flachs. Kapital auszuleihen. [461] Im evangelischen Kirchthurm - und Pfarr- hauSbaufond sind Hundert vierzig Gulden zum Ausleihen bereit. Reihen, den 12. Juli 1857. Rechner Jonas Geiser. Zur Geschichte des Tages. Friedrich, von Gottes Gnaden Großherzog von Baden, Herzog von Zähringen. Wir finden Uns nach Anhörung Unseres Staatsmini- steriums in Gnaden bewogen, Denjenigen Unserer Untcr- thanen, welche sich in den Jahren 1848 und 1849 der Verbrechen des Hochverraths, der Widersetzlichkeit, der öffentlichen Gewaltthätigkeit, oder des Aufruhrs schuldig gemacht haben und dermalen ihre Strafe erstehen, den Rest derselben zu erlassen; sodann Jene Unserer vormaligen Unterthanen, welche wegen der bezeichneten Verbrechen landesflüchtig und zu keiner höheren als achtjährigen Zuchthausstrafe verurtheilt sind, zu begnadigen, und endlich die Untersuchungen dieser Verbrechen niederzuschlagen, welche bis auf Betreten der Angeschuldigten eingestellt worden; alles Dieses unter der Voraussetzung, daß die Betreffenden, nachdem sie unter Erklärung ihrer Reue um Begnadigung nachgesucht haben, sich fortan wohlverhalten. Zugleich ermächtigen Wir Unser Ministerium der Justiz, den Begnadigten, welche sich über ein längeres gesetzliches Verhalten auöweisen, die Folgen der Zuchthausstrafen zu erlassen; und ebenso Unser Ministerium des Innern, ihnen, wenn sie Uns von neuem den Eid der Treue leisten, das Staatsbürgerrecht wieder zu verleihen. Aus Diejenigen, welche sich nebst den oben erwähnten Verbrechen noch anderer strafbarer Handlungen schuldig gemacht haben oder welche dem Militärstand angehörten, findet dieser Gnadenakt keine Anwendung. Gegeben zu Karlsruhe, den 9. Juli 1857. Friedrich. von Stengel. Auf Seiner Königlichen Hoheit höchsten Befehl: Schunggart. Karlsruhe, 10. Juli. Gestern Abend um 6 Uhr hatten sich auf ergangene Einladung die Mitglieder des Großherzoglichen Staatsministeriums bei Seiner Königlichen Hoheit dem Großhcrzog im Großherzoglichen Schlosse eingefunden, um den neugebornen Erbgroßherzog zu sehen und den über die Geburt aufgenommenen Akt zu beurkunden. Seine Königliche Hoheit der Großherzog hatten hieraus die Gnade, den jungen Prinzen den versammelten Chargen und der Umgebung zu zeigen, und haben ferner zu gestatten geruht, daß auch die sämmtliche Hosdienerschaft den Neugebornen sehen konnte. Karlsruhe, 10. Juli. Das Ereigniß des gestrigen Tages, eben so beglückend und zukunstreich für das allerhöchste Fürstenhaus wie für das Land, hat in der getreuen Residenz den allgemeinsten und aufrichtigsten Jubel erregt. Die Kunde, daß die allverchrte jugendliche Großherzogin Luise Königliche Hoheit Ihrem durchlauchtigsten Gemahle und dem Lande einen Erbprinzen geschenkt, durchflog mit Blitzeseile die Stadt, und als bald darauf 101 Kanonenschüsse die Bestätigung brachten, legte die Stadt sofort ihren Fahnenschmuck an, um auch äußer- lief) zu bekunden, was die Gemüther bewegte. Den ganze» Nachmittag herrschte freudige Lebendigkeit auf allen Straßen und das Telegraphenbureau wurde wahrhaft bestürmt, um die frohe Kunde nach allen Orten und Enden zu bringen. Abends waren verschiedene Privathäuscr brillant beleuchtet. Ihre Königliche Hoheit die Frau Prinzessin von Preußen war bereits am Morgen von Baden hiehcr geeilt, um der durch, lauchtigsten Frau Tochter in diesem kritischen Augenblicke nahe zu sein. Nachmittags 3 Uhr traf auch Ihr erlauchter Gemahl, der Prinz von Preußen Königliche Hoheit, ein, und konnte sogleich Zeuge des Glückes sein, welches das hochcr- freuliche Ercigniß bei der großherzoglichcn Familie hcrvorge- rufen. Die ganze Stadt, das ganze Land umsteht die Wiege des ncugebornen Erbgroßhcrzogö, und sicht den Segen des Himmels auf das vielgeliebte Fürstcupaar, auf das großhcr- zogliche Haus und auf den jüngsten Sproß des ruhmreichen Geschlechtes der Zähringer herab. Karlsruhe, 10. Juli. In Folge der glücklichen Entbindung Ihrer Königl. Hoheit der Frau Großherzogiu Luise mit einem Prinzen hat auch der hiesige Fraucnvcrein, dessen gnädigste Beschützerin Höchstdicsclbe ist, zur Verherrlichung des frohen Ereignisses und zur Ersreuung der Gemüther seiner Armen sein Mögliches geleistet. In der Suppeuanstalt dahier, welche die allgeliebtc Fürstin vorgestern Mittag noch in Begleitung Höchstihrer Oberhofmeistcriu, Erz. Freifrau v. Roggenbach, mit einem Besuch allcrgnädigst beehrten und mit allgewohnter Hcrzensgüte und Freundlichkeit Sich um die Verhältnisse der Armen erkundigte», wurde heute sämmtlichcn dort speisenden Armen, sowie auch den Arbeitern (Letztern um 3 kr. die Portio»), zusammen über 200 an der Zahl, Jedem zu seiner gewöhnlichen Portion Suppe noch eine Portion Ochsenfleisch, circa '/z Pfund, nebst Brod (letzteres wurde von Hofbäcker H .... zu diesem Bchufe der Anstalt geschenkt) und den Kranken dazu noch ein Schoppen rother Wein verabreicht. Es soll erfreulich und rührend gewesen sein, wie aus den Blicken und Worten dieser so erquickten Armen und Kranken deutlich zu ersehen war, wie sie ihre herzlichsten Wünsche für das Wohlergehen der durchlauchtigsten Landesmutter u. das Gedeihen des ncugebornen Erbgroßhcrzogs zum Himmel schickten. Karlsruhe, 11. Juni. Nachdem Ihre Königl. Hoheit die Großhcrzogin am gestrigen Tag eines verhältnißmäßigen Wohlbefindens Sich zu erfreuen gehabt hatte, stellten sich Abends leichte Fieberbewegungcn ein, welche im Anfänge der Nacht einen ruhigen Schlaf nicht gestatteten. Nach Mitternacht aber fand die hohe Wöchnerin einen anhaltenden Schlummer, welcher eine wohlthätigc Wirkung auf das Befinden an diesem Morgen zur Folge hat. Der junge Prinz fährt in erfreulichem Gedeihen fort. Heidelberg, im Juli. (B. Cntlbl.) Eine allgemeine Klage aus den verschiedenen Landesthcilen bildet der Mangel an Arbeitskräften für die Landwirthschaft. Die Ursache davon besteht in der unverhältnißmäßig großen Auswanderung des Proletariats in den Landgemeinden, in der überall mehr em- porblühendcn Industrie, bei welcher der Arbeiter einen höher» Lohn findet, und in den vielen Staats- und andern Bauten, die ebenfalls einen reichern Verdienst, als der gewöhnliche Taglohn auf dem Lande, abwcrfen. Ebenso bemerkbar macht sich, daß Schnitter aus dem Würtembcrgischen und dem ärmer« Theile des Odenwaldcs nicht mehr in früherer großer Zahl cintreffen. Wir glauben, daß dieser Mangel an land- wirthschafllichen Arbeitskräften, sofern wir gute Zeilen behalten werden, fortan bestehen wird, und wissen nur ein Mittel dagegen vorzuschlagen, wozu sich freilich der Bauer schwer entschließt, cö heißt Benützung von Maschinen bei der Landwirthschaft. Freilich ist das Grnntcigenthum so sehr zersplittert und in so kleinen Parzellen vcrtheilt, daß ein einzelner Land- wirlh selten in der Lage ist, theurc Maschinen anzuschaffen; allein zu diesem Zwecke sollten Vereine zusammentreten, oder die Gemeinden alS solche die Anschaffung übernehmen. Heidelberg. Hrn. Necb's Vorschlag hat hier gezündet: der Liederkranz konzertirte am vergangenen Samstag zum Besten der Schleöwig-Holstciner und ging Sonntags auf die Sängerfahrt nach Auerbach. Bühl, 9. Juli. (B. Ldz.) Dem Vernehmen nach beabsichtigt man, hier oder in der Nähe ein großartiges Unternehmen auf Aktien zu gründen, eine Runkelrübenfabrik. Auch hiesige Häuser sollen dabei bethciligt sein. Das Aktienkapital soll eine Höhe von 400,000 fl. erreichen und durch 2000 Stück Aktien ä 200 fl. aufgebracht werden. Man beabsichtigt, täglich 1000 Ztr. roher Rüben zu verarbeiten. Da dieses Etablissement nicht allein dem hiesigen Platze, sondern auch der ganzen Umgegend Nutzen bringen wird, wünschen wir von Herzen, daß dasselbe rasch in's Leben gerufen werden möchte. Von der Tauber, 6. Juli. In einem Orte an der Tauber kam cs in letzter Woche vor, daß ein mit Früchten beladener Aepfelbaum einen von Blüthen schneeweißen Ast zeigte. Würz bürg. Es kursiren falsche badische Guldenstücke mit der Jahreszahl 1851, aus Kupfer, oberflächlich versilbert, kennbar am leichten Gewicht und minder vollen Klang; ein weiteres Kennzeichen bietet die Zeichnung des Gepräges, indem die Haare am Brustbild auffallend stark gehalten sind, und als unförmlich dicke Striche erscheinen. Würz bürg. Nächste Woche kommt hier gerade solch eine Bande vor'ö Schwurgericht, wie die gegenwärtig in Darmstadt vor den Schranken stehende. Worms, 10. Juli. Der Ausschuß des Luther-Denkmal- Vereins zeigt an, daß vom 1. bis 9. d. M. 3120 fl. 18 kr. eingegangen sind. Summe sämmtlicher bis heute eingesendeter und angemeldetcr Beiträge 19,284 fl. 4 kr. Mainz. Nach Vorgang der Studenten in Heidelberg, welche zu Gunsten der Schleswig-Holsteiner wöchentliche Biermarken-Sammlungen (ä 3 kr.) veranstalteten, will ein Komitee hiesiger Frauen Obstmarken sammeln; dort trinken die Musensöhne wöchentlich einen Schoppen Bier weniger, hier werden die Frauen etwas weniger Kirschen rc. essen und die Ersparniß auf den Altar des Vaterlands legen. Frankfurt. Die Aufrufe zu Gunsten der Schleswig- Holsteiner finden täglich mehr guten Boden, denn in vielen Städten und Städtchen des des deutschen Vaterlandes sind bereits Kollekten eröffnet, Konzerte veranstaltet u. a. m. So wird z. B. in Schweinfurt der Licdcrkranz konzertiren, in Wiesbaden haben neuerdings die Schüler der oberen Klassen des Gelehrtengymnasiums einen Wochcnbeitrag von 4 kr. auf 2 Monate zu leisten beschlossen, in Leipzig haben sich die Studenten Aehnlichem unterzogen, wie ihre Kommilitonen in Heidelberg und andern Hochschulen — kurz es darf ein schönes Resultat erwartet werden. Köln, 9. Juli. Ein Eisenbahnfaktor und ein Fuhrmann sind als die Diebe entlarvt worden, welche seit langer Zeit alle wcrthvollen Colli empfindlich plünderten, doch jedesmal nur so, daß erhebliche Gewichtsmängel nie bemerkt wurden. Berlin, 8. Juli. Hat auch die Reise des Königs nach Wien zunächst nur persönliche und nicht politische Motive, so glaubt man doch, daß dieselbe nicht ohne gute Folgen für manche politische Zeitfragen sein werde. Dahin rechnet man besonders die dänisch-deutsche Angelegenheit; wenn hierin eine glückliche Uebereinstimmung zwischen den beiden deutschen Großmächten besteht, so kann sie durch die persönliche Begegnung der beiden Monarchen nur bekräftigt werden. Wien. Wäbrcnd der Maria-Thercsien«Ordensfeier haben drei ausländische Ordensritter dreimal in etnem Wiener Hotel, das als Firma den gefeierten Namen eines erlauchten Helden führt, zu Mittag gespeist, wobei die Bedienung durch 327 — k. f. Hoslakeien besorgt wurde, da sämmtliche Ordensritter an den Tagen der Feierlichkeiten Gäste des a. h. Hofes waren, daher auch die Rechnung des in Rede stehenden Hotelbesitzers von der betreffenden Kassa übernommen und ohne Anstand bezahlt wurde. Die Rechnung aber betrug für 3 Diners zu 3 Gedecken nicht weniger als zwölfhundert siebcnundneunzig Gulden, und verdient der Nachwelt überliefert zu werden, als Beleg, wie weit manche Wiener Gastwirthe ihre Unverschämtheit treiben. . ^ Stockholm. Vor Kurzem ist von Dr. Soldin eine Aufforderung erlassen worden, für die Verbrennung der Leichen zu wirken. Herr Dr. Soldin hat selbst bestimmt, daß nach seinem Tode sein Leichnam verbrannt werde. Auf den von ihm ausgelegtcn Listen haben bis jetzt 40 Personen unterzeichnet. Die Asche großer Männer soll aufbcwahrt, die der Andern dagegen als Dünger benutzt werden. (Nat.-Z.) Paris, 8. Juli. Das Pays enthält heute folgende wichtige Mitthcilungcn über die letzten italienischen Aufstände: »Wir haben gestern gesagt, daß die Aufstände von Genua, Livorno und Neapel das Resultat einer großen Verschwörung gewesen seien. Wir können heule hinzufügen, daß die Fäden dieser großen Verschwörung, die sich keincöwegcs auf Italien oder die Person des italienischen Souveräns beschränkten, sich seit vierzehn Tagen in den Händen der französischen Regierung befanden. In Paris selbst sollte der Ausbruch dieser ungeheuren Verschwörung, die Verzweigungen bis nach Spanien hatte, durch eines der ernstesten Attentate bezeichnet werden. Mehrere Mitschuldige Mazzini's wurden in Frankreich verhaftet, und die Gerichts-Debatten werden die öffentliche Meinung über die ungeheure Gefahr aufklären, der Europa entgangen ist. Aus Italien kommen Details über die letzten Aufruhrversuche. Die Polizei entdeckt und konfiszirt täglich neue Waf- fenvvrräthe. Eine Kaserne in Genua war unterminirt und sollte mit ihren Bewohnern in die Luft gesprengt werden. Ein Sack mit 60 Pfund Pulver und einer 4 Fuß langen Lunte wurde hervorgeholt. Die Erplosion würde fürchterlich gewesen sein. Gleiches hatte man mit andern Kasernen vor. Die bei den Verschwornen gefundenen Pläne, Programme rc. sind von Mazzini unterzeichnet und darin Alles haarklein vorgesehen, selbst die Vertheilung der Leute. Dem "Pays" wird aus London, 9. Juli, Abends, gemeldet, daß nach den neuesten Berichten aus Indien die Insurrektion in der Präsidentschaft Calcutta unterdrückt sei, dagegen in Lahore ernste Unruhen ausbrachen. Das Haidemädchen. (Fortsetzung.) 5 . Einige Wochen später, es war am ersten Mai, erhielt Wilibald einen Brief von Meißner aus Freienwalde, worin ihm dieser in abgerissenen Sätzen und mit kaum leserlicher Schrift meldete, daß er vor Kurzem in der Residenz gewesen sei und zu feiner größten Bctrübniß alles wahr gefunden habe, was das Gerücht über Johanna ausgestreut. Er habe sie als eine stolze, vornehme Dame am Arm ihres Eousin Alpbons auf einem Ball gesehen und von Jedermann gehört, daß sie die verlobte Braut des letzteren sei. Darum wirst du, mein lieber Wilibald, — so lauteten die Worte des Briefes — auch gewiß mit minderem Schmerz die inhaltsschwere Kunde aufnehmen, welche mir einer meiner Freunde in der Residenz soeben mitgetheilt hat, daß diese reiche und vornehme Dame, die Braut des Herrn Alphons Austein, vor wenig Tagen gestorben ist, — eine heftige Erkältung auf einem Ball soll ihr eine hitzige Krankheit zugezogen haben, welche schon am dritten Tage den Tod zur Folge hatte. Wilibald las und heiße Thränen rollten über seine Wangen. Er hatte einst im Uebermaß des Schmerzes, als Johanna aus dem stillen Haidethal fortgegangen war, zu Meißner gesagt: Ehe Johanna verloren ginge in der weiten Welt, wär' es ihr besser, sie stürbe! — und nun, da sie gestorben war, da wollt' es ihm schier das Herz brechen. Jetzt erst, wo sie unwiderbringlich für ihn verloren war, fühlte er, wie unaussprechlich er sie geliebt hatte. Draußen lag ein wundermilder Sonnenglanz über den frühlingsgrüncn Fluren. Der Himmel war so blau, die Lerchen jubelten so selig durch die Lüfte, alles, alles erwachte zum Leben und zur Freude; er allein stand einsam und verwaist inmitten der Lenzcslust, wie ein dürres, wurzelloses Reis — eö war ihm, als müsse sein Herz nun aufhören zu schlagen. Er hatte sein Probejahr überstandcn, hatte sich die unge- thcilte Liebe aller seiner Vorgesetzten und Kollegen erworben und eine ehrenvolle, einträgliche Stelle erhalten, ehrenvoller und einträglicher, als er hoffen und erwarten konnte, und sie, für die er so rastlos gestrebt hatte, war nun auf ewig dahin! Denn selbst noch da, als er schon längst kein liebendes Wort mehr von Johanna aus der Residenz empfangen und ihm alles sagte, daß er die Geliebte verloren habe, blühte im tiefsten Grunde seines Herzens noch die Himmelsblume der Hoffnung unbewußt fort und fort. Nun war im lieblichsten Lenz auch diese Blume erstorben — sein Leben däuchte ibm eine lange, düstre, regungslose Winteruacht. Seine Berufsgeschäfte, die ibm sonst Freude und Trost gewährt, verrichtete er mit dumpfer Gleichgültigkeit; er sehnte sich, seine treuesten Freunde, seinen Meißner und den alten Georg wieder zu sehen, daß er mir ihnen von den längstver- gangencn glücklichen Zeiten reden könne. Da der erstere ihm bald nach dem Briefe, welcher die Trauerkunde enthielt, einen andern geschrieben hatte, worin er ihm meldete, daß er in dringenden Angelegenheiten eines Freundes auf mehrere Wochen verreisen müsse und daher nicht so bald nach L. kommen werde, so war sein Verlangen) den alten Hirten zu sehen, doppelt groß. So kam endlich Pfingsten, das Fest der Blüthen und der Freude heran, und mit dem ersten Morgcnstrahl machte sich Wilibald auf den Weg nach der Heimath. Sein Schmerz war still geworden — ein ruhiger Himmelsfriede war in seine Brust cingezogen. Ich will Johanna, das Haidemädchen, das kindlich unschuldige, siigendfröhliche Haidemädchen, das ich einst unter der hohen Erle am Bache fand, in meinem Herzen bewahren, sprach er im Wandern bei sich selbst. Die Erinnerung an dies liebliche Bild wird mir das ganze lange öde Leben mit mildem Zaubcrschimmcr verklären. Cr hatte es sich wohl vorgcnommen, ruhig und still zu sein; als er aber bann all die alten, wohlbekannten Pfade ging, und jedes Dorf, jedes Haus und jeder Baum, jeder Strauch und jede Blume der Haide ihm die alte Zeit zurückrief — da vermochte er kaum weiter zu wandern vor Weh- muth und Schmerz. Als die Sonne sich neigte, betrat er den dunkeln Fichtenwald am Saum der großen Haide, in welcher Estenau lag. Der war so duftig und feierlich still wie einst und rauschte ihm doch so wunderbar leise zu Häupten, als ob er fragen wolle: Wo bist du so lange geblieben? Jetzt funkelten die Strahlen der Abendsonne durch die braunen Räume — jetzt sah er durch die Zweige die fernen Heimathöhöhcn dämmern — jetzt lag der Wald hinter ihm und vor ihm die weite, duftige Frühlingshaide mit all ihren Hügeln und Hünengräbern, aus welcher das friedliche Wiesenthal mit dem elchenumschatteten Dörfchen und dem kleinen Fichtengchölz wie eine grüne Oase hervorschimmerte. Er schaute hin über die duftige Haide nach dem grünen Thal und sah doch nichts vor Thränen. Tief erschüttert setzte er sich am Wege nieder und weinte aus Herzensgrund. Ein lautes fröhliches Hunde- gcbcll weckte ihn aus seinen schmerzlichen Gedanken. Das mußte Georgs Hund sein! Die fröhlichen Töne hatte er ja so oft in den Tagen des Glücks vernommen. Er hatte sich nicht getäuscht. Einige hundert Schritte vor ihm an dem höchsten Hügel der Haide weidete eine Heerde und droben stand der alte Georg und blickte, auf seinen Stab gelehnt, unverwandt nach ihm herüber. Im ersten Augenblick wollte sich ein Gefühl von alter Freude in Wilibald's Brust erheben —> der treue Greis war »hm ja stets ein Bote des Glückes gewesen — so lange er ihn auf der Haide gesehen und bei seinem Eintritt in die Heimath von ihm begrüßt worden war, hatte ihn kein Leid getroffen; — dann aber fiel ihm das Bewußtsein seines Unglücks mit doppelter Schwere auf's Herz — er wußte nicht, wie er das schmerzliche Wiedersehen ertragen sollte. Er sprang aus und eilte auf Georg zu. Jetzt erkannte er die alten treuen Züge; es schnitt ihm tief in'ö Herz, der Greis weinte — so l atte er ihn noch nie gesehen. Wilibald stürzte auf ihn zu — Georg aber reichte ihm die zitternde Hanb und wandte sich in mächtiger Bewegung schweigend von ihm ab. Georg! hast du denn kein Wort des Grußes für mich! rief Wilibald im höchsten Schmerz. Georg, laß mich einmal deine treue Stimme hören — du bist ja auf der weilen Welt der Einzige, der mich in meinem Leid trösten kann! — Aber was ist das — du lächelst? Georg — am Ende weist du noch nicht — armer Georg! Dieser aber erwiderte nichts, sondern preßte mit Ungestüm Wilibalds Hand und deutete mit seinem Stabe zum grünen Thale hinüber. Wilibald blickte hin und ein lauter Schrei entfloh seinen Lippen. Da saß am Bach unter der hohen Erle aus dem Abhange des fichtbewachscnen Hügels neben der grünen Wiese rin Mädchen, gekleidet wie einst Johanna, und schaute sinnend über die Haide in das verglühende Abendroth, als ob sie Jemand erwarte. Wilibald riß sich von Georg los — flog hinab zum stillen abendlichen Grunde und stürzte auf das Mädchen zu. Das sprang bei seinem Anblick mit einem Jubelgeschrci auf und eilte dem Kommenden einige Schritte entgegen. Dann aber blieb sie plötzlich stehen und barg das Antlitz in ihre Hände. Johanna! meine immergeliebte Johanna! rief Wilibald, indem er das Mädchen mit stürmischrm Jubel umschlang. In, ja — du bist es — das ist ja dein holdseliges Angesicht — das sind deine klaren HimmelSaugen, deine lichten Locken, — ja, du bist cs wieder — ich halte dich in meinen Armen! O Wilibald! ich bin nicht werth, daß du mich anschauest! schluchzte Johanna — denn sie war daö Mädchen, das am Bache gesessen — indem sie ihn unter Thränen lächelnd und selig anblickte; ich bin es nicht werth — ich habe dein treues Herz verachtet! Wrlibald aber preßte sie stürmisch an seine Brust und rief: Sah' ich dich denn hier im Paradiese unsrer Liebe, wenn du mein Herz verschmähtest? O nein, nein — tu warst mir immer hold und treu — laß die finstern Träume der Nacht — es ist ja wundcrheller freudiger Morgen rings um unö her! Und nun erzählte Johanna dem mit Entzücke» horchenden Geliebten, wie sie in der Residenz auf einem Balle mit Meißner zusammengetroffcn sei; wie dieser durch seinen Accent, sein Wesen und seine Worte ihre ganze Aufmerksamkeit auf sich gezogen und ihr endlich eine Geschichte erzählt habe, wie ein Mädchen von einem Jüngling leichtsinnig verlasse» worden und aus Gram über diese Untreue gestorben sei. Es war die Geschichte unserer Liebe und meiner Schuld, sagte Johanna; nur die Namen waren vertauscht. Und als Meißner dann auf meine Frage, ob er dich kenne, mit finsterm Blick erwiderte, daß du nicht mehr auf der freundlichen Erde wandeltest — da war es mir, als ständ' ich am Rande eines bodenlosen Abgrundes. Ich begab mich augenblicklich nach Hause und schrieb mit fieberhafter Angst an meine Tante, daß ich wieder zu meinem alten Wohnorte zurückkehrcn werde und deßhalb ihr und ihren Kindern das von meinem Vater ererbte Vermögen ab- trcte und mir jährlich nur so viel ausbedinge, als zu meinem Unterhalt durchaus erforderlich sei. Dann suchte ich meine alten Kleider hervor, warf all den vornehmen Putz und Flitter von mir und wanderte in demselben Anzüge, in welchem ich vor einem Jahr in die Residenz eingezogen war, zum Thorr hinaus. Könnt' ich meine Schuld auch nicht verringern — könnt' ich auch die Tage des Friedens und des GlückeS nicht wieder zurückrufeu — so könnt' ich doch büßen, was ich in meiner Verblendung verbrochen. Es ward mir ordentlich leicht um's Herz, fuhr Johanna fort, als ich die düstern Häusermaffen und die hohen Thürme hinter mir versinken sah, ich fühlte mich wie neugeboren und schritt sonder Ruh und Rast gen Norden. Als aber rings um mich her in der wunderbaren Nacht alles ruhte und' alles schwieg und ich so ganz allein mit meinem Leid dahin wanderte da ergriff mich das Gefühl der Reue mit grimmiger Allgewalt. Ich dachte an den Himmelsfrieden früherer Tage, an das stille Haidethal, an deine treue Liebe, die ich so leichtsinnig dahingegeben — verzweiflungsvoll warf ich mich am Wege nieder und weinte recht bitterlich. Am Abend des dritten Tages kam ich ganz erschöpft hier an. Bertram machte große Augen, als ich so plötzlich in's Zimmer trat, und meinte Anfangs, daß es nur ein Scherz von mir sei, daß ich mit meinen Verwandten eine Reise nach 36. mache und ihn nun so habe überraschen wollen. Als er aber dann meine Thränen sah und den Grund hörte, der mich aus der Residenz fortgetrieben, schaute er mich verwundert an und ging, ohne ein Wort zu erwidern, hinaus. Nach einer Weile kam er zurück und sagte mir, ich müsse durchaus falsch berichtet sein, da Georg dich zu Pfingsten hier erwarte und erst vor wenig Tagen einen Brief von dir erhalten habe. Soeben habe er selbst mit demselben im Hause des Schulzen gesprochen, wo er noch sitze. Wie Engelsgrüße schallten mir diese Worte entgegen. In maßlosem Entzücken flog ich hin zu Georg und meinte, ich sollte vergehen vor Seligkeit, als er mir alles bestätigte, was Bertram gesagt. Der treue Greis weinte wie ein Kind, als er mich in seinen Armen hielt, und wußte sich Anfangs gar nicht zu fassen, so hatte der Wechsel von Schmerz und Freude ihn betäubt. Dann aber raffte er sich auf und wollte »ach L. wandern, um dir alles zu erzählen, da du ihm geschrieben, ich sei gestorben. (Fort,etzung folgt.) Miszellen. * Wien. Die "Militär-Zeitung" meldet den Tod des ältesten Soldaten der k. k. österreichischen Armee, Peter Stau- dinger, auch Soldaten-Peter genannt, der am 6. Juni d. I. in dem Aller von 107 Jahren gestorben ist. Er hintcrläßt zwei Söhne, von denen der jüngste vierzehn Jahre alt ist. Frucht - Mittelpreije. Bruchsal, 8. Juli. Walzen 16 fl. 11 kr., Kernen 16 fl. 14 kr., Karn 8 fl. 51 kr., Geiste 9 fl. 2 fr., Haber 6 fl. 34 kr., gern. Frucht 10 fl. 15 kr. Heilbronn, 11. Juli. Kernen 18 fl. 48 kr., Gemasch 13 ff., Gerste 10 fl. 7 kr, Dinkel 7 fl. 27 kr., Haber 7 fl. 54 kr. Mainz, 10. Juli. Walzen 200 Pfd. 13 fl. bis 14 fl. 30 kr., Korn 180 Pfd. 8 fl. 45 Ir. bis 8 fl. 30 kr., Gerste 160 Pfd. 8 fl. bis 8 fl. 15 kr. Nerigirt, Druck >znd Perlag von T. Pfisterer in Heidelberg.