Ver Lan-bote. Verkündigungsblatt * der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. M ro 115. Oonncl stag, von 24. September 1857. Mit kommendem Monat beginnt wieder ein neues Abonnement auf den Landboten. Gefällige Bestellungen wolle man bei den Großh. Postanstalten machen. Der AbonnementöpreiS für ein Vierteljahr beträgt in den Aemtern Sinsheim und Neckarbischofsheim 45 kr., ohne Zustellgebühr, im übrigen Großherzogthum 1 fl. 8 kr. Einrückungsgebühr die Zeile 3 kr. Zu zahlreichen Bestellungen ladet ergebenst ein Heidelberg, im September 1857. Die Erpedition des Landboten. Entmündigung. [591 ] Nr. 13,693. Sinsheim. Christine, S a »i b e ( Don Hvffenhcim wurde wegen Geistesschwäche entmündigt, und unter Vormundschaft des Christus Ludwig Kalb von du gestellt. Dieses wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Sinsheim, den 19. September 1857. Grußherzoglich bad. Bezirksamt. Otto. Aufforderung. [592] Nr. 13,630. Sinsh eim. Friederika, geb. Weil, Ehefrau des Handelsmanns Isaak Mittel und Jakvb Weil von Weiler, welche unerlaubter Weise nach Amerika auSgewandert sind, werden aufgefordert, sich innerhalb sechs Wochen dahier zu stellen, und zu verantworten, widrigenfalls sie des Staatsbürgerrechts für verlustig erklärt und in die gesetzliche Bermögensstrafe verfällt würden. Zugleich wird Beschlagnahme ihres Vermögens verfügt. Sinsheim, den 18. September 1857. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Otto. [593] R o h r b a ch. Liegenschaftsversteigerung. Mit obervormnndschaft- licher Ermächtigung werden Donnerstag den 8. Oktober d. I., Nachmittags 1 Uhr anfangend, der Erdvertheilung wegen folgende Liegenschaften öffentlich zu Eigenthum versteigert: a. Der Maier Elsässer Wislwe und ihren Kindern: Gebäude. Ei» Wohnhaus stimmt Hofraithe mit Essigsiederei am äußern Dorf an der Landstraße gegen Steinsfnrth gelegen, nebst Essigstanden, Faß- und Bandgeschirr, ca. 75 Fuder haltend, im Anschlag zn 3300 st. Feldgüter. 5 Mo > gen 3 Viertel 82 Ruthen Aecker und Wiesen in verschiedenen Parzellen, im Anschlag zu 2945 ff. d. Den Philipp Maiers Kindern: Gebäude. Ein Wohnhäuslein sammt Stall, Keller und Hofraithe am Kirchberg, im Anschlag zu 150 fl. Rohrbach, den 16. September 1857. Waisengericht. Grab, Bürgermeister. - Metzler. all; 3 u s* Gesch i ch t e des Tages. Karlsruhe, 21. Sept. Laut allerhöchster Ordre haben Sieb Se. Kön. Hoheit der Großherzog allergnädigst bewogen gefunden , in dem ärztlichen Personal des großh. Armeekorps nachstehende Versetzungen eintreten zu lassen: 1) Regimentsarzt Finneiscn von 2. Infanterieregiment, Prinz von Preußen, zum 3. Infanterieregiment; 2) Regimentsarzt Dr. Weber vom 3. Infanterieregiment zum 2. Infanterieregiment, Prinz von Preußen; 3) Regimentsarzt Nebcnins vom Jägerbataillon zum 1. Füsilierbataillon; 4) Regimentsarzt I)r. Hoffman» vom 1. Füsilierba- taillon zum Jägerbataillon; 5) Oberarzt Or. Brummer vom 3. Infanterieregiment zum 2. Infanterieregiment, Prinz von Preus- sen; 6) Oberarzt Dr. Deimling vom 2. Infanterieregiment, Prinz von Preußen, zum 3. Infanterieregiment. Durch allerhöchsten Befehl wird dem Rittmeister v. Laroche im (t.) Leib-Dragonerregiment die unterthänigst nachgesuchte Erlaubnis ertbrilt, den ihm von Sr. Maj. dem Kaiser von Rußland verliehenen Stanislaus-Orden II. Klaffe anzunehmen und zn tragen. Durch allerhöchsten Befehl werden zu Portepeefähnrichen ernannt: 1) Kadett Fr. Obcrhofcr im 1. Füsilierbataillon; 2) Kadett Fcrd. v. Bodmaun im (1.) Leib-Grenadierrcgimcnt; 3) Kadett Fr. v. Porbeck im Artillerieregiment; 4) Kadett Arn. Malzacher im (1.) Lcib-Dragonerregimcnt; 5) Kadett Fr. Schreiber im 2. Infanterieregiment, Prinz von Preuße»; 0) Kadett K. v. Röder im Artillcrieregiment; 7) Kadett L. v. Böcklin im 2. Füsilierbataillon; 8) Kadett E. v. Böcklin im Artillerieregi- menk; 9) Kadett A. Koch im Artillcrieregiment; 10) Kadett K. Ruth im Artillcrieregiment; 11) Kadett L. v. Akelsheim im 3. Infanterieregiment; 12) Kadett M. Ruth im 4. Infanterieregiment, Markgraf Wilhelm; 13) Kadett A. v. Froben im Artillerieregiment; 14) Kadett A. v. Rcichlin im 2. Dragonerregiment, Markgraf Maximilian; 15) Kadett H. Gockel im 3. Infanterieregiment; 16) Kadett G. Schock im 4. Infanterieregiment, Markgraf Wilhelm; 17) Kadett Ad. v. Böcklin im 2. Infanterieregiment, Prinz von Preußen; 18) Kadett K. v. Scldencck im 2. Füsilicrbataillon; 10) Kadett I. v. Gemmingen im 3. Dragoner- regimeut; 20) Kadett K. Schmidt im 3. Infanterieregiment; 21) Gefreiter K. Wickert im (1.) Leib-Grenadierregiment; 22) Karabinier O. Kämmerer im 2. Dragonerregiment, Markgraf Maximilian. Karlsruhe, 21. Sept. Das heute erschienene Regierungsblatt Nr. 42 enthält: I. Unmittelbare allerhöchste Entschließungen Sr. Königs. Hoheit des Großhcrzogs. 1) Ordensverleihungen. (Schon mitgcthcilt.) 2) Erlaubniß zur Annahme eines fremden Ordens. Se. Kön. Hoh. der Großhcrzog haben dem Direktor am neue» Männerzuchthause zu Bruchsal, Julius Fucßli», die un- terthänigft nachgesuchte Erlaubniß zu erthcilcn geruht, das ihm von Sr. Kön. Hoheit dem Großhcrzog von Hessen verliehene Ritterkreuz des Verdienstordens Philipps des Grvßmüthigen anuehmen und tragen zu dürfen. 3) Dienstnachrichten. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Sich gnädigst bewogen gesunden, den Domänenrath Emil Kilian zugleich als Mitglied der Direktion der Katastervermessung zu ernennen; dem Professor IM'. Meißner in Basel die Lehrkanzel der Physiologie und Zoologie an der Universität Freiburg mit dem Eharakler eines ordentlichen Professors zu übertrage»; den Bergrath vr. Walch- uer seiner Funktion alS bcrathendcs Mitglied der Direktion der Forste, Berg- und Hüttenwerke zu entlasse»; die ausgesprochene Versetzung des Bezirksförsters Friedrich Gerwig von Ottenhofen nach Emmendingen seinem unterthänigsten Ansuchen gemäß zu- rückzunehmcn, und denselben in seinem bisherigen Dienstkreise — 450 — zu belassen; die Bezirksforstei Villingen dem Forstpraktikantcn Friedrich Halbauer aus Akcrsbach, zur Zeit Gemeindcbezirks- förster in Schriesheim, unter Ernennung desselben zum Bezirks- förstcr, zu übertragen; die erledigte erste Stadtpfarrei Neckargemünd dem Pfarrer Aug. Gräbener in Königsbach, die evangelische Pfarrei Ruchsen dem Pfarrverwescr Georg Ritzhaupl in Neunkirchen zu verleihen; die evangelische Pfarrei Eutingen, Diözese Pforzheim, dem Pfarrer Johann Valentin Hottinger in Schönau zu übertragen. II. Verfügungen und Bekanntmachungen der Ministerien. 1) Bekanntmachung des großh. Ministeriums des grvßh. Hauses und der auswärtigen Angelegenheiten: Die Herstellung einer Telegraphenleitung nach Lörrach und Schopfheim betr. 2) Bekanntmachung deö großh. Ministeriums des Innern: Das Verbot der „Frickthaler Zeitung" betr. III. Diensterledigung. Die evangelische Pfarrei Mühlburg, Landdiözese Karlsruhe, mit einem Kompetcnzanschlag von 619 fl. 37 kr. IV. Todesfälle. Gestorben sind: Am 13. Mai d. I. der pensionirte Oberamtmann Eckhard in Freiburg; am 30. Juni d. I. der pensionirte Hofmusikus Appold in Karlsruhe; am 30. Juli d. I. der pensionirte Domänenverwalter Lorenz in Karlsruhe; am 3. d. M. Ockonomierath Im. Reinhard auf der Ackerbauschule Hochburg; am 3. d. M. der evangelische Pfarrex I. Killius in Broggingcn. Karlsruhe, 21. Sept. Nachrichten aus Bonn zufolge hat die Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte heute mit fast allen Stimmen Karlsruhe vor vier andern in Vorschlag gebrachten Städten zu ihrem Versammlungsort für das nächste Jahr gewählt. Mannheim, 21. Sept. Auf der Tagesordnung der am 28. d. M. beginnenden Schwnrgerichtssitzung deö Unterrheinkreises für das 3. Quartal befinden sich folgende 14 Fälle: 1) Montag 28. Sept., Morgens, die Auklagesache gegen G. H. Ernst, wegen gefährlichen Diebstahls. 2) Montag, Nachmittags, A.-S. gegen I. Steigele und Fr. Horn von Wiesloch, wegen eines Verbrechens gegen die Sittlichkeit. 3) Dienstag 29. d. A.-S. gegen Maria Josepha Erics von Dilsberg, wegen Versuchs des Kindömords. 4) Mittwoch 30. d. A.-S. gegen Hiob Kappes, wegen fahrlässiger, durch vorsätzliche Körperverletzung verursachter Tödtung. 5) Donnerstag 1. Oktober A.-S. gegen Anna Barbara Dörrmann von Schwetzingen, wegen Kindsmorts. 6) Freitag 2. Okt. A.-S. gegen Magdalena Blaser von Schatthausen, wegen Vergiftung. 7) Samstag 3. Okt. A.-S. gegen Johann Segcwitz, wegen eines schweren Verbrechens gegen die Sittlichkeit. 8) Montag 5. Okt. A.-S. gegen Heinrich Marzcnell von Stengelhof, wegen fahrlässiger, durch vorsätzliche Körperverletzung verursachter Tödtung. 9) Dienstag 6. Okt. A.-S. gegen Kaspar Hartmann von Vielbrunn, wegen eines Verbrechens gegen die Sittlichkeit. 10) Mittwoch 7. Okt. A.-S. gegen Johann Hocker von Schriesheim, wegen gefährlichen Diebstahls. 11) Donnerstag 8. und Freitag 9. Okt. A.-S. gegen Joh. Pet. Bopp von Katzentbal, wegen Brandstiftung. 12) Samstag 10. Okt. A.-S. gegen Franz und Heinrich Seifert von Dilsberg, wegen Brandstiftung. 13) Montag.12. Okt., Morgens, A.-S. gegen Mathias Gödler von Neucnburg, wegen falschen Zeugnisses. 14) Montag 12. Okt., Nachmittags, A.-S. gegen Joseph Kuhn von Stein, wegen Brandstiftung. Mannheim. Die von einem Fabrikanten aus Offenbach, derzeit in Paris, gemachte Erfindung einer Zigarrenmaschine, welche in Frankreich und fast allen süddeutschen Staaten und den freien Städten patentirt ist, soll von einem Frankfurter Hause erworben worden sein, nachdem eine, am hiesigen Platze mit Probeversuchen gepflogene Unterhandlung hiesiger Fabrikanten mit dem anwesenden Erfinder zu keinem Ziele geführt hatte; da, obgleich die Maschine das Problem der Zigarrenfertigung löst, noch einige wünschenswerthe Verbesserungen den geforderten Preis von 150,000 Franken für die Erfindung zu hoch erscheinen lassen. Mannheim, 21. Sept. Dem hiesigen --Journal" zufolge ist eine gewisse Stockung in der Fabrikation der zum Export nach Amerika bestimmten Zigarren eingetreten, großentheils hervorge- rufcn durch gelieferte schlechte Maare. Mannheim, 19. Sept. Man schreibt dem --Schw. M.:-- Nach dem mißglückten Versuche, der in Mainz mit dem Schiff --Pauline-- mit dem Umlegen des Mastes aus Anlaß des Kölner Brückenbaues gemacht worden ist, und dek allen Anwesenden es klar gemacht hat, daß bei den größeren Rheinschiffen (nawent- lich von den Dimensionen, wie sie fast alle jetzt gebaut werden, d. h. von 9- bis 10,000 Ztnr. Tragfähigkeit) eine solche Einrichtung nicht auszuführen ist, hat sich die hiesige Schifferschast durch drei Abgesandte direkt an den Bundestag gewendet; ihnen hat sich der Direktor der Frankfurter Schleppschifffahrts-Gesellschaft augeschlvsseu. Von dorther hofft man zuversichtlich aus Schutz in dieser Angelegenheit. Darmstadt, 19. Sept. Die Anwesenheit des russischen Kaiserpaares zieht fortwährend viele Fremden von Distinktion, besonders vornehme Russen, hierher. Heute Abend erregte namentlich im Theater eine bedeutende Persönlichkeit aus dem letzten orientalischen Kriege die allgemeine Aufmerksamkeit: General Murawieff, der Eroberer von Kars, saß in der Loge des ruff. Gesandte, geschmückt mit dem St. Gcorgskreuze, das nur große kriegerische Thaten erwerben. Der Unternehmungsgeist, die Entschlossenheit und Willenskraft, welche diesen tapferen General auszeichneten, sind, auch in seinem Aeußern ausgeprägt. Frankfurt, 13. Sept. Es zirkuliren falsche Weimar'sche Banknoten von 10 Thlr. Sie sind in Lithographie angefertigt; das Papier ist grünlicher und gewöhnliches Maschinenpapier, die Wasserzeichen auf der Vorderseite sind nicht in der Masse deö Papiers, sondern darauf gedruckt- und viel dunkler als bei den ächten und die ganze Schrift etwas von einander getrennt, mangelhaft und namentlich bei dem Wort Commissär die beiden m. Die Serie links ist undeutlich. Die Figur auf der Rückseite ist mangelhaft gezeichnet, der Druck grau und nicht scharf. DaS Lit. -i(I. B Nr. 43,007, die Linien worauf der Name deö Kontroleurs, ist ebenfalls mangelhaft sund etwas breiter.(W. St.-A.) Vom Main, 17. Sept. Bezüglich des Weges, welchen der Kaiser Napoleon auf seiner Reise nach Stuttgart nehmen würde, soll nun eine Bestimmung dahin ergangen sein, daß der Kaiser sich über Straßburg und Baden-Baden, wo er seiner Tante, der verwittweten Großherzogin Stephanie von Baden, einen kurzen Besuch z» machen gedenkt, direkt nach Stuttgart begeben wird; die Rückreise würde über Darmstadt, zu einem Besuche bei dem Großhcrzog von Hessen, über Frankfurt, Mainz und Metz erfolgen. Die Kaiserin wird ihren Gemahl nicht nach Deutschland begleiten. Wiesbaden, 18. Sept. Zu de» Sammlungen für das Lutherdenkmal zu Worms (beiläufig 31,000 fl.) steuerten die evangelischen Gemeinden unseres Landes mehr als den fünfzehnten Theil des Ganzen. Die Beiträge aus fürstlichen Häusern haben bis jetzt die Höhe von etwa 3000 fl. erreicht. Würzburg, 17. Sept. Allgemeine Thcilnahme erregt ,der gestern erfolgte Tod eines jungen hoffnungsvollen ManneS, deS Pharmazeuten v. Krafft aus Augsburg, der, vor wenigen Tagen »och gesund, an der Oberlippe von einer Fliege gestochen worden, welche auf einer Leiche das sog. Leichengift ausgenommen hatte. Die Geschwulst, anfänglich klein, griff rasch um sich, und tödtete den Unrettbaren in so kurzer Zeit. — 451 — Speyer. Die Arbeiten an der Facade unseres Domes sind im Laufe des Sommers bedeutend gefördert worden. Die zierlichen Kreuzgewölbe der Kaiserhalle sind eingesetzt, der Bogen des HauptportalS ist geschlossen, und schon schaut der riesige Adler von demselben herab. Jetzt ist man daran, die fünf Nischen über demselben herzustellen, in welchen die kolossalen Sandstein-Statuen ihre Stelle finden sollen, an welche der Bildhauer Joseph Gasser vor Kurzem die letzte Hand gelegt hat. München, 18. Scpt. Wit man vernimmt, ist bezüglich der unglücklichen Pulvercrplosion bereits eine Krimi,laluutersu- chung eingeleitet «nd wird andererseits von den Eigcnthümer» der beschädigten Häuser auf Schadenersatz durch Eisenhändler Rosenlehiicr geklagt, weil dessen unzweifelhafter Ueberschrcitung der Verordnung über den Verkauf des Pulvers die Größe des Schadens zugeschrieben wird. Die fünf Opfer der Explosion sind diesen Nachmittag mit eben so zahlreicher als großer und inniger Theilnahme beerdigt worden, der größte Theil der Bevölkerung hatte sich hiezu auf dem Leichcnacker elngefundcn. München. Dem Vernehmen nach soll der Kaiser der Franzosen am 26. d. M. dahier cintreffen und werden deßhalb in der königl. Residenz eine Reihe von Sälen in Bereit>chast gesetzt. Unser königl. Hof würde zur selben Zeit von Berchtesgaden hierher zurückkehren. Königsberg, 17. Sept. Seil dem 14. d. M. hat eine . Abnahme der Cholera stattgefunden, und wird Seitens der Aerzte die Ansicht ausgesprochen, baß der Kulmiiiationspuiikr der Krankheit bereits erreicht sei. Königsberg. Das erste industrieelle Unternehmen der hiesigen »Preußischen Handels-Grsellschast», eine Fisch-Guano- Fabrik, ist ins Leben getreten und verspricht, nach der Analyse des Fabrikates, wie nach dem Begehr des interessirenden Publikums zu urtheileii, guten Fortgang. Der Preis ist auf 3 Thlr. 20 Srg. per Zentner normirt. Straß bürg, 17. Sept. (A. Z.) Die für den projektir- tcn Bau einer festen Rheinbrücke bei Kehl eingesetzte technische Kommission hat sich, wie wir hören, über sämmlliche Hauptpunkte pcrständigt, und haben die badischen und die französischen Kommissäre gestern das Schlußprotoll unterzeichnet. Paris. Der Vertrag, den die Ostbahn mit denen der badischen Bahnen wegen des Baues einer festen Brücke über den Rhein abgeschlossen hat, enthält die Bestimmung, daß diese Brücke auch für Fußgänger eingerichtet werden, doch daß für Fuhrwerke die jetzige Schiffbrücke fortbestehen soll. Die neuen Viadukte werden so gebaut, baß sie in Kriegözeiten leicht unbrauchbar gemacht werden können. New-Jork, 5. Scpt. In Aucatan ist eine Revolution ausgebrochen und der ganze Staat steht unter Waffen. Die Aufständischen gehören rer radikalen Partei an und harten bis jetzt allenthalben gute Erfolge errungen. — Die Börse inNew- Nork ist fieberisch bewegt. Aus Hamburg, 19. Sept., wird dem »Nord» telegra- phirt: »Hier ist eine Depesche auS Triest angekommen, welche den Rückzug des Generals Havelock bestätigt und denselben als eine wahre Niederlage schildert. Die Rebellen nahmen Proviantwagen weg und verbrannten sie und machten die Kranken und Verwundeten nieder.« Die Nachricht von dem Tode Nina Sahib's bestätigt sich; er hat sich mit seiner ganzen Familie in den Ganges gestürzt. Er wollte mit seinen Truppen nach Lucknow marschiren, als er aber am User des Ganges anlangte, verließe» ihn die Kavallerie und Infanterie. Jeder zerbrach seine Waffe und eilte seiner Heimath zu. So von allen verlassen, gab Nina Sahib sich den Tod. La C r e ch e. (Fortsetzung.) Colette, wandte sie sich tief bewegt an die Tochter, erinnere dich der kindlichen Versprechungen, womit du mich einst tröstetest, als die Nachricht von dem Tode des Vaters kam! Erinnere dich der Noth und Drangsale, die wir durchgemacht, bis es uns gelang, durch unserer Hände Arbeit eine kümmerliche Eristenz zu erlangen! Entschlage dich einmal deinen Phantasien und betrachte die Dinge wie sie sind! Das großartige Anerbieten des Herrn Marquis entzieht uns aller augenblicklichen Noth, es verspricht Romains eine seinem Berufe und seinen Wünschen entsprechende Zukunft, eö führt dich auf eine über alle Hoffnung rasche Weise dem Glück der Verbindung mit ihm entgegen. Wie viel länger und zweifelhafter ist der andere Weg, selbst wenn das Wagniß gelingt! Zur Unterstützung desselben hat das Gouvernement bereits ein Opfer gebracht von vierzig Tausend Livres, wird cs sich nachher noch zu großen Belohnungen verstehen? Werden diese nicht in weit höherem Maße dem Unternehmer, Pilatre, als seinem Gchül- sen und Begleiter, Romains, zu Gut kommen? Und gelingt cs nrcht, wie dann? — Kannst du dir nur den glücklichen Fall vorstellen und nicht auch den unglücklichen und all den Jammer, den er für dich mit sich bringen würde? Mutter, Mutter, erwiderte flehend Nicolette, laß ab, in mich zu dringen! Romains hat ja schon entschieden. Nein, verblendetes Kind! uutcrbrach die Mutter sie mit Heftigkeit; noch hast du ihn in der Hand, »och kannst du die Retterin seines Lebens sein! Willst du, so gibt er nach, willst du nicht, so kommt sein Verderben über dein Haupt; Ja, ich sehe düster und schwarz in dieser Sache. Ich gebe auf Vorzeichen, Unglück hat mich Aberglauben gelehrt; böse sind meine Ahnungen! Wehe, wen» sie in Erfüllung gehen! zu spät kommt dann die Reue! Sie sank nach diesen Worten auf ihren Stuhl; Nicolette warf sich vor ihr nieder auf die Knie, faßte ihre beiden Hände und^ drückte sis ans Herz. Mutter, sagte sie mit Schluchzen, entziehe uns deine Liebe nicht, wenn Romains dem Rufe seines Schicksals folgt und ich ihm nicht wehre! Die Mutter aber, ihre Hände denen der Tochter entwindend, bedeckte damit ihr Antlitz und war keines Wortes mehr mächtig. Der Marquis zuckte die Achseln und empfahl sich mit stummer Verbeugung. Auf der Straße sprach er, die Stirn runzelnd, vor sich hin: Ein glücklicher Sterblicher, der Romains, um seine Stelle neben Nicolette Godard fast noch mehr, als um seine Stelle neben Pilatre de Rozicr zu beneiden! Hell und klar war der Morgen des 15. Juli 1785, der Himmel wolkenlos, die See spiegelglatt. Noch hatte sich die Sonne nicht allzu hoch über den östlichen, von den Höhen des Festlandes beengten Horizont gehoben; die zackigen Gipfel des Äüstenrandcs hatten eben angefangen, in ihren Strahlen zu glühen. Das Fort La Creche warf, wie immer ernst und majestätisch seinen dunklen Schatten weit in die Silberfläche des Meeres. Aber nicht den Eindruck ödester Verlassenheit machten heute seine finsteren Mauern. Eine Jungfrau sah man droben in flatterndem Gewände; mit dem Leib bis zur Hälfte über die grauen Brüstungen ragend, bewegte sie sich hin und wieder, in der Rechten eine Fahne, in der Linken ein weißes Tuch, womit sie den Strahlen der Sonne wehrte. Ei» junger Bursche stand ihr zür Seite. Oft änderte sie die Stellung und wandte das Haupt bald nach Stadt, bald aufwärts nach dem stillen Luftraum über ihr, bald über das Meer hin »ach der fernsten Küste Englands, die gleichwohl für sie verborgen, nur von den höchsten Gipfeln der benachbarten Berge von einem scharfen Auge erschaut werden konnte. Ost stützte sic sich auf die Schulter des Knaben und hob sich kühn über die Brüstung, um de» Pfad nach der Stadt auf dem nahen Strande zu verfolgen, der, da gänzliche Ebbe eingetreten frei und glatt wie eine Rennbahn längs der Felswand bis z» den Hafenwerften sich hindehnte. 452 — Aber auch diese Strecke bot cuie» anderen Anblick als sonst. Sie war, je näher an der Stadt, desto mehr von zahllosen Menschengruppen übersäet, die »üt sichtbarer Spannung hin und wieder sich bewegten. Selbst einzelne Gipfel der Höhen waren erklommen; da und dort winkte ein Waghals herab, sich der ausgedehntesten Fernsicht erfreuend. Doch seltsamer als dieses alles erschien die Frauengestalt auf den zerbrochenen Zinnen des meerumbranj'ten Bollwerks. Wie einst Hero, um. mit dem Dichter zu reden: Dort auf Sesto's Felsenthurme, Den mit ew'gem Wvgenstnrmc Schäumend schlägt der-Hdllespvnt, stand sie da, „einsam grauend", Blicke der Sehnsucht in die blaue Ferne sendend. Nicolette hatte mit Romains verabredet, von hier aus dem aussteigenden Ballon entgegen zu sehen, von hier aus ihn über das blaue Meer bis zu seinem Verschwinde» zu verfolgen. Nach Romains genauer Berechnung mußte der in der Stadt von der Esplanade aus sich erhebende Ballon, wenn der seit mehreren Tagen unveränderlich herrschende Südostwind Eestand hielt, in gerader Linie über das Fort La Ereche oder jedenfalls durch eine ihm ganz nahe Luskschictit seinen Flug nehmen/ Fern vom Volksgetümwel konnte von hier ans Nicolette, eine Freundin des Kühnen und Abenteuerlichen, sich ungestört den Eindrücken des großen, für sie so bedeutungsvollen Schauspieles hingeben. Ein junger Schifferbursche, den Romains ihr als Führer und Begleiter mitgegebcn, hatte für ein Brett und eine Leiter gesorgt, ersteres, um bei Zugang zu dem Fort einzelne für den Schritt einer Dame zu weit auseinander stehende Felsblöcke zu Überdrücken, letztere, um auf ihr vom Fuß des Forts zu seiner höher liegenden Hauptpfvrte zu gelangen. - In frühester Morgenstunde, sobald die zurücktretende Fluth es erlaubte, hatte Nicolette in Begleitung des jungen Schiffers den Weg über den Strand längs dem Höhensaume angetreten, und an der Stätte des Uebergangeö zum Fort angelangt, war es ihr ein Leichtes, daffelbe bei hinreichender Ebbe und mit Hülse des Bursche» zu erreichen. Für die Rückkehr mußte sie entweder dieselbe Ebbe wieder benutzen, oder, war ihr Aufenthalt von längerer Dauer, die nächstfolgende abwarten. Die Zeit ihrer Ankunft auf dem Fort war so festgesetzt, daß sie mit dem Zeitpunkt, wann der Ballon aussteigen sollte, ungefähr übereinstimmte. Mehrere Minuten waren bereits seit ihrer Ankunft vergangen; das dauerte länger, als vcrmuthet worden; klopfenden Herzenö, mit von Sekunde zu Sekunde wachsender Unruhe, harrte sie dem Augenblicke entgegen, auf welchen ihr Stolz, ihre Hoffnung, ihre Sehnsucht seit Monde» gerichtet war. Da endlich — da traf der Donner von drei Kanonenschüssen ihr Ohr, und siebe, in demselben Momente erhob sich majestätisch der Riesenballon empor über die Stadt, empor über das wogende Menschengewimmel, hoch hinaus in den freien Luftraum, und schwebte, wie von unsichtbaren Händen gelenkt, genau in der Richtung von La Ereche, seinem Ziele jenseits des Meeres entgegen. Da hallte ein Jubel von viel Tausend Stimmen über den Strand und pflanzte sich fort von Fels zu Fels bis zur einsamen Warte, von wo Nicoletle ihm entgegen sah. Und noch war das Gejauchze nicht verstummt, als er schon in äußerster Höhe fast über ihrem Haupte hing. Wer vermag die Wonne, die jetzr Nicolette durchbebte, wer de» Jubel ihres Herzenö zu beschreiben? Im Triumph schwenkte sie ihre Fahne, schwenkte sie ihr Tuch und winkte hinauf, als ob das Auge des Geliebten ihr Froblockcn zu erkennen, als ob er ihre Grüße zu erwidern im Stande wäre. Jetzt, siehe, jetzt stand der Ballon in gerader Linie über La Ereche. — Aber was ist das? mit Blitzesschnelle fuhr er plötzlich senkrecht eine Strecke nieder — seine Richtung hat er verlassen — ostwärts nach dem Fcstlande nimmt er seinen Flug — Feuer dringt aus seinen Fugen — es umkreiselt ihn mehr und mehr mit zuckenden Strahlen-Wehe, in lichterlvher Flamme stürzte er jenseits des Höhensaumes jählings zur Erde nieder! (Fortsetzung folgt.) Land- und Hauswirthschaft. Mundleim. Man nimmt eine Unze recht Hellen und weis- sen Leim und weicht ihn 10 Stunden in einer hinreichenden Menge Wasser ein, worauf er in einem neuen irdenen Pfäuiichcn über beißer Asche aufgelöst und mit einer Unze weißem Zucker versetzt wird. Dann schüttet man den flüssige» Leim auf einen Teller, der auf einem ebenen Tisch stehen muß, damit der Leim überall dieselbe Dicke bekommt. Sobald er erkaltet ist, wird er in 3 bis 4 Zoll lange und 1 Zoll breite Täfelchen geschnitten; die Dicke soll wenigstens anderthalb Linie» betragen. Wenn man, während der Leim vergeht, Eitronensaft oder Orangenblüthenwasser hinzusetzt, so bekommt er dadurch einen angenehmen Geschmack. ül i s j ( lt nt. * Im Westen Amerika's gerieth kürzlich ein Richter in öffentlicher Sitzung mit einem Advokaten über die Auslegung eines Gesetzes in Streit. Gerichtsvollzieher, sagte der Richter, die Sitzung ist auf zehn Minuten geschlossen. Damit steigt er von der Estrade herab und dort sich mit dem Advokaten, bis dieser unterliegt. Darauf wird die Verhandlung wseder ausgenommen, bis eine neue Meinungsverschiedenheit entsteht. Gerichtsvollzieher, sagte der Richter, indem er seinen Rock auözieht, die Sitzung ist auf 20 SRinuten vertagt. — Es ist nicht uöthig, entgegnete rasch der Advokat, ich gebe Allcö zu, ich habe Hand und Schulter verstaucht. Die Sache wird jetzt ruhig weiter verhandelt und der Advokat ist überzeugt, daß mit dem „Arm" der Justiz nicht zu spaßen ist. ,* Wie die -Austria« meldet, wurden- in den drei Monaten April biö Juni 1857 bei sämmtlichen Postämtern der österr. Monarchie 14,471,100 Stück Briefe zur Aufgabe gebracht, was gegen den gleichen Zeitabschnitt der drei unmittelbar vorhergehenden Jahre eine Vermehrung um bezüglich 1,437,200, 2,086,400 und 3,216,100 Stück ergibt. Heidelberg. Aus dein am 21. Sepk. dabier abgehalteneu Viehmarkt wurden 527 Stück Vieh verkauft und dafür 48,804 ft. 42 kr. erlöst. frucht - Mittelpreije. Heidelberg, 22. Septbr. Kernen 200 Pfd. 13 ft., Korn 200 Pfd. 12 ft. 5 kr., Gerste 200 Pfd. 9 ft. 37 kr., Spelz 130 Pfd. 6 ft. 8 kr., Hafer 6 fl. 44 kr. Bruchsal, 19. Sept. Weizen 14 fl., Kernen 14 fl. 20 kr., Gerste g fl. 6 kr., Hafer 0 fl. 17 kr. Durlach, 19. Sepibr. Neuer Kernen 14 fl. 10 kr., alter Kernen 13 ft., Gerste 9 fl. 25 kr., Hafer 6 ft. 11 kr., Erbsen 15 ft., Hen fZtr.) - 3 ft. 12 kr. frankfurter Eaurse. Pistvlen dto. Peeuß. Hvll. lOft.-Stücke .Äaiiddukaren 9. 38-'39 9. 55-58 9. 44 5. 30'/--3I V, 20-Frank-Stückc Eng!. Svuverains 5-Franken-Thaler PreuK. Kafs.-Sch. 9. 18-/,-IS'/, 11. 40-44 2 . 20 '/. I. 45'/. Redigirt, Driuk und Verlag von D. Pfisterer in Heidelberg.