Freiburg i. Br., 6. Juli 1946 Nummer 2 1 Jahrgang Erscheinuogsiage Mittwoch und Samstag / Einzelpreis 20 Pf. / Monatsbezugspreis RM 1.60 einschließlich Trägerlohn, durch die Post bezogen RM 1.84. Anzeigen laut Tarif gegen Kennkartenausweis. Um Triest Der französische Außenminister als Meister der Verhandlungskunst Die Entwicklung der Pariser Konferenz I Auf der Außenministerkonferenz in Paris stand in den letzten Tagen von neuem die Triest er Frage zur Debatte. Wiederum prallten die Gegensätze der verschiedenen Delegationen, insbesondere der Amerikaner und der Engländer einerseits und der Russen andererseits hitzig aufeinander, und wieder war es der französische Außenminister B i - dault, der schon mehrfach als Vermittler in kritischen Situationen eingegriffen hatte, der auch diesmal wieder durch sein Eingreifen den Fortgang der Konferenz sicherte Er hatte bekanntlich bereits in der vorigen Woche,einen Vermittlungsvorschag vorgelegt, der die' Internationalisierung von Triest und dessen engerer Umgebung und dessen Verwaltung mit Hilfe von Kontrollorganen der vier Großmächte bzw. der Vereinten Nationen vorsieht. In elastischer und äußerst geschickter Weise verstand es Bidault, als dieser Vorschlag zu Kritiken und Gegenvorschlägen führte, diese dem französischen _ Vorschlag anzupassen und schließlich eine Einigung in wesentlichen Punkten herbeizuführen. So wurde schließlich am Mittwoch der auf dem französischen Vorschlag beruhende Plan des amerikanischen Außenminister Byrnes angenommen. Er umfaßt folgende Punkte: 1. Es wird ein unabhängiges Gebiet von Triest zur I n t e r n a t io n a li s ie- rung.Triests geschaffen. 2. Die Un an ta s tbark ei t und Unabhängigkeit dieses Gebietes soll durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen garantiert werden. 3. Eine Sonderkommission, welche die Vertre- ter der vier Großmächte im Sicherheitsrat einschließt, soll ernannt werden, um nach der Beratung jTigoslawisct>en uud Vertretern der Friedenskonferenz der 21 Nationen Vorschläge zur Verwaltung des Gebietes aüs- zuarbeiten. & Der Status des Gebiets wird durch deh Sicherheitsrat gebilligt werden, welcher der Vollversammlung der Vereinten Nationen gemäß Artikel 15 der Charta der Vereinten Nationen darüber Bericht erstatten wird. 5. Vorschläge für eine vorläufige Kegierung und die Schaffung eines dauernden Status für das unabhängige Gebiet sollen von der allgemeinen Friedenskonferenz beschlossen werden. Die Lösung ist im wesentlichen auf die große verhandlungskunst des französischen Außenministers Bidault zurückzuführen. In der „Tri- bune de Geneve“ hat Paul du Buchet den Bi- dault-PIan für Triest als den ersten konstruktiven Vorschlag bezeichnet, der allen Interessen Rechnung trägt. Diese Anregung, so schreibt er, bleibt ein Markstein in der Nachkrieksgesdiichte. Sie stellt in Wirklichkeit die Rückkehr Frankreichs auf die große diplomatische Bühne dar, anf der es solange fehlte. Die Lebensinteressen Frankreichs sind mit denen der es umgebenden Nationen eng verbunden, deren Geschichte von der seini- gen nicht zu trennen ist, von denen es viel Feindseligkeit, die zwischen der slawischen Welt und den westlichen Demokratien herrscht, sich nicht in offenen Kampf verwandelt U n d w e n n dies ihm gelingt, wird Frankreich Europa einmal mehr retten. Auch die amerikanische Presse Ludet höchst anerkennende Worte für Bidault. §o bezeichnet der „New York Herald“ Bidault als den „Meist e r d e r Unterhandlungskunst“ und sagt in diesem Zusammenhang: „Dieser körperlich kleine Mann, dessen Charakter in den schrecklichen Zeiten des Widerstands gegen die Deutschen gestählt worden ist, führte sein Land der Bestimmung zu, die General de Gaulle für Frankreich vorsah und die ihm infolge seiner geographischen und politischen Lage von Natur' aus auch zukommt, die Rolle eines Mittlers zwischen den großen Ost- und Westmächten zu spielen. Schließlich wurde bei der letzten Sitzung auch noch eine Einigung über das Schicksal der italienischen Kolonien erzielt. Danach soll Italien in einem Artikel des Friedensvertrages auf alle Rechte und Ansprüche auf seine territorialen Besitzungen in Afrika verzichten. Eine endgültige Verfügung über diese Besitzungen, die vorerst weiter unter ihrer bisherigen Verwaltung bleiben, soll gemeinsam von den vier alliierten Großmächten innerhalb eines Jahres vom Inkrafttreten des Friedensvertrages mit Italien getroffen werden. Es soll dann bei den einzelnen Gebieten entschieden werden, ob für sie Unabhängigkeit, die Eingliederung in ein Nachbargebiet oder ein System der Treuhänderschaft durch die Vereinten Nationen als ganzes, durch Italien oder irgendeinen der Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen ausgeübt werden soll. Die Wirkungen der vierten Atombombe Über die Wirkungen des Atombombenwurfes in Bikini wird jetzt noch bekannt, daß am Dienstagmorgen als fünftes der 73 Schiffe der Zielflotte der japanische Kreuzer „Sakawa“ sank. Die Zahl der beschädigten Schiffe wird nach bisherigen Feststellungen mit 31 beziffern. Ein Stab von Wissenschaftlern hat mit den Auswertungen des Versuches begonnen. Eine endgültige Feststellung aller Resultate, insbesondere derjenigen physikalische rund chemischer Art, wird jedoch noch geraume Zeit in Anspruch nehmen. Zur Zeit wird die Stärke der zurückgebliebenen Radioaktivität mit „Gei- ger“-Geräten gemessen. Es hat sich gezeigt, daß Wasser und Schiffe stellenweise noch eine tödlich wirkende Radioaktivität aufweisen. Auf dem Flugzeugträger „Independence“ konnten aus nächster Nähe bereits die Wirkungen festgestellt werden, die eine Atombombe auf einem modernen Kriegsschiff hinterläßt. Ferngesteuerte Flugzeuge, die, mit Meßgeräten versehen, unmittelbar nach der Atombombenexplosion gestartet und zwecks Feststellung der Wirkung radioaktiver Strahlen auf die Fernlenkungsapparaturen in die unmittelbare Nähe der Explosionsstelle gelenkt wurden, kehrten sämtliche zu ihrem Ausgangspunkt zurück. Marinefachleute äußern sich über den Versuch nach einer Besichtigung der beschädigten Versuchsflotte. So erklärte der Flottenminister der Vereinigten Staaten, J am es Forrestal, an Bord des Flaggschiffs „Mount Mc Kinley“ Pressevertretern gegenüber, es sei bemerkenswert, daß die schweren Schiffe der Flotte im wesentlichen unbeschädigt geblieben seien. Er wolle keine übereilten Schlüsse ziehen, aber man könne wohl annehmen, daß auch weiterhin Kriegsschiffe gebaut werden und daß .es auch im Atomzeitalter weiterhin Kriegsflotten geben werde. Der zweite Atombombenversuch, der in drei bis vier Wochen stattfinden wird, werde wahrscheinlich größere Schäden verursachen. Ein endgültiges Urteil über die Folgen des ersten Versuches könne jedoch erst gefällt werden, wenn die wissenschaftlichen Untersuchungen beendet Kriegsverbrecherprozesse Im Essener Kriegsverbrecherpro- z e ß gegen zehn ehemalige Angehörige einer deutschen Polizeidienststelle in Herzogenbosch (Holland), die angeklagt waren, am 9. Juli 1944 in Tilburg an der Ermordung von drei britischen Fliegeroffizieren beteiligt gewesen zu sein, wurde das Urteil gefällt. Zum Tode durch den Strang wurden verurteilt: Michael Fotschopf, Alb. Roesener, Karl Schwanz und Karl Gremer. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. * Am 1. Juli hat in Hamburg ein Prozeß regen Ludwig Rehn, Longin Bladowski, Edgar Klemmt, Albert Letz. Ernst Wendefuer, Gustav Jacobsen und Emil Hoffmann begonnen, die der Mißhandlung alliierter Staatsangehöriger im KZ. - Lager Neuengemme beschuldigt sind. Von einem amerikanischen Militärgericht in Dachau wurden Donnerstag die Angeklagten Franz Staubinger und Max Hermann wegen Ermordung von zwei notgelandeten amerikanischen Fliegern zum Tode durch Erhängen verurteilt. Die Mitangeklagten Johann Heilmever und Theres Gebhardt erhielten wegen Beihilfe zum Mord lebenslängliches Zuchthaus. Franz Fried! und der ehemalige Bürgermeister von Freising, Hans Lechner. wurden zu Zuchthausstrafen von sieben Jahren, der Polizeibeamte Josef von der Grün zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Zwei weitere Angeklagte, der frühere Landrat von Freising Heinrich Heidenreich und der Ortsgruppenleiter Kaindl, wurden freigesprochen. Die zum Tode verurteilten Angeklagten Staubinger und Hermann haben am 13. Juni 1944 zwei notgelandete amerikanische Flieger angeblich auf Befehl ihres bisher noch vermißten Kreisleiters Rupert Villediner ermordet. Die Angeklagten, die zu Zuchthaus verurteilt wurden, haben Hermann bei der Ermordung der Flieger unterstützt. * Der am 26 -Januar verhaftete letzte Kommandant des KZ. Flossenburg, Obersturmführer Max Kögel, verübte nach seiner Festnahme in einer Nürnberger Gefängniszelle Selbstmord. Kögel, der sich mit einem gefälschten Entlassungsschein als Bauernknecht in einem kleinen Dorf in der Nähe Nürnbergs verborgen gehalten hatte, erhängte sich mit seinem Bettuch an der Tür der Gefängniszelle. Der Filmschauspieler Waldemar Leitgeb wurde vom Militärgericht in Stuttgart wegen falscher Angaben im Fragebogen zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Unter Anrechnung mildernder Umstände wird er jedoch nach sechs Monaten entlassen werden und erhält für die zweite Hälfte der Haft Bewährungsfrist Im Fragebogen der Militärregierung hatte Leitgeb angegeben, daß er erst im Jahre 1938 in die Nazipartei eingetreten sei, während er in den Fragebogen der „Reichsfilmkammer“ 1933 als Beitrittsjahr einsetzte. seien. Vizeadmiral W.H.P.Blandy, der Kommandeur der Versuchsflotte, erklärte, die Atombombe habe wahrscheinlich weniger Schäden angerichtet, als der japanische Angriff auf Pearl Harbour. Die Explosionswolke sei nicht so hoch gestiegen, wie bei dem Angriff auf Nagasaki, was allerdings keinen Maßstab für einen Vergleich der Wirkungen beider Atombomben darstelle. Der größte Teil der Versuchsflotte ist bereits wieder in die Lagune von Bikini eingelaufen, darunter auch das Flaggschiff „Mount Mc Kinley“. Am Dienstag sollen die Mannschaften auf diejenigen Schiffe der Zielflotte zurückkehren, die nicht mehr gefährdet sind. Im ganzen ist festzustellen, daß die Wirkung der vierten Atombombe geringer gewesen ist, als man ursprünglich angenommen hat. Auch die von manchen Gelehrten vorher angekündigten Folgen für das Leben unseres Planeten sind ausgeblieben. Jedoch wäre es, so wird von amerikanischer Seite aus versichert, unbedingt falsch und gefährlich, wenn die „Enttäuschung“ von Bikini, eine ganz natürliche Folgeerscheinung nach diesem übertriebenen Riesenreklamefeldzug, zu einer Unterschätzung der Bedeutung der Atomwaffen führen würde. Man kann sich gar nicht oft genug in Erinnerung rufen, was im letzten, vom Weißen Haus veröffentlichten Bericht über Hiroshima und Nagasaki mitgeteilt wird. Das ist kein Bluff. Es handelt sich um lauter nackte Tatsachen. Augenblicklich befaßt sich der Atomkraft-Ausschuß der Vereinten Nationen mit der Prüfung der Vorschläge auf Grund des Berichts Acheson-Lilienthal. Jedenfalls dürfen uns die etwaigen Fehler des Bikini- Experiments nicht die Hauptsache aus dem Auge verlieren lassen: Es geht um nicht weniger als Leben oder Tod von Millionen von Menschenwesen in fast sämtlichen Großstädten der nördlichen Halbkugel. Generalamnestie für die Jagend in der USA.-Zone Bei der Eröffnung der 10. Sitzung des Länderrates der Länder Bayern, Württemberg-Baden und Groß-Hessen verlas der Direktor des Koordinierungsamtes, James Pollock, eine Botschaft des stellvertretenden Militärgouverneurs der amerikanischen Besatzungszone Deutschlands, General Lucius Clav, in der sich der General im Auftrag des Militärgouverneurs bereit erklärt, einem vom Länderrat kommenden Antrag stattzugeben, der eine allgemeine Amnestie für die deutsche Jugend vorsieht, soweit sie nicht unter die Gruppen 1 und 2 des Säuberungsgesetzes fallen. General Clav weist zu dieser vom Entnazifizierungsausschuß unterbreiteten Anregung hin, wonach die jugendlich Belasteten, die nach dem 1. Januar 1919 geboren sind, die vom Gesetz zur Beseitigung von Nationalsozialismus und Militarismus vorgesehenen Sühnemaßnahmen nicht mehr zwangsweise befolgt werden, sondern wahlweise zur Anwendung kommen sollen, sofern die in Frage kommenden Jugendlichen nicht unter die Gruppe 1 oder 2 des Säuberungsgesetzes fallen. Der General bemerkt hierzu, daß er die Anregung sorgfältig geprüft habe. Es sei der Wunsch der amerikanischen Militärregierung, daß die deutsche Jugend dazu angeregt werde, demokratisch denken und handeln zu verstehen und sich -zu eigen zu machen, eine Eigenschaft, die ihr der Nationalsozialismus versagte. Der Militärgouverneur, erklärte General Clav, mit dem ich diese Dinge besprochen habe, ist durchaus damit einverstanden, daß jugendlichen Belasteten mit Ausnahme der unter die Gruppen 1 und 2 fallenden voll und ganz Gelegenheit zur Rehabilitierung gegeben wird. Im Auftrag des Militärgouverneurs erkläre ich mich deshalb bereit, einem von Ihnen kommenden Antrag stattzugeben, der eine allgemeine Amnestie für Angehörige dieser Jahrgänge vorsieht, sofern sie nicht unter die Gruppe 1 und 2 des Säuberungsgesetzes fallen. An der Peripherie . .. H. H. — Vorüber sind die Zeiten, da die Begebnisse am Rande des Gesichtskreises einfach übersehen werden konnten und der Bürger — wie beim Osterspaziergang in Goethes „Faust" — sich erschauernd ergötzte, wenn er hörte, daß „weit hinten in der Türkei die Völker aufein- anderschlugen“. Dieses Gefühl der Geborgenheit, das ihm damals die Kunde ferner Wirren bringen konnte, ist längst der Erkenntnis der weltwirtschaftlichen und weltpolitischen Verflechtung gewichen. Der Frieden kann nur bestehen, wenn er unteilbar ist: der Hunger kann nur dauernd gebannt werden, wenn man ihm mit vereinten Kräften und geschickter Verteilung der Reserven organisatorisch begegnet. Jede Krise in fernen Ländern kann irgendwie auf andere Zonen der Erde zurückwirken. Darum kann auch das, was an der Peripherie, fern von den politischen Zentren, von Washington, Paris, London oder Moskau geschieht, weittragende Folgen haben, darf also bei der Berichterstattung und Betrachtung der internationalen Lage nicht übersehen werden. * Diese Aufmerksamkeit verdienen gegenwärtig die Vorgänge im niederländischen Kolonialreich Ostindiens, wo sich die Führer der Eingeborenen ui^d die holländischen Regierungskreise seit Monaten bemühen, einen Modus vivendi zu finden, der den Indonesiern Selbstbestimmungsrecht, Teilnahme an der Verwaltung und an der Wirtschaftsführung der an Naturschätzen reichen Inseln gibt, ohne die für das Mutterland wichtigen Zufuhren abzuschneiden. Nachdem die blutigen Unruhen abgeflaut sind, haben sich die Aktivisten in die Dschungelgebiete, in die „Untergrundbewegung“ begeben, und vor einigen Tagen kam aus Batavia die Nachricht, daß der sozialistische indonesische Ministerpräsident Sharir und neun seiner Mitarbeiter, darunter der Wirtschaftsmiiiister und Innenminister, von Extremisten entführt wurden. Kurz darauf wurde allerdings gemeldet, daß die Entführten nach eintägiger Haft wieder zurückgebracht worden seien. Aber das Ereignis zeigt, daß die Spannungen, an deren Lösung der holländische Generalgouverneur van M o o k und die indonesischen Führer seit langem arbeiten, fortbestehen. Es ist in diesem Zusammenhang bemerkenswert, daß nun nach längen Verhandlungen endlich die Bildung einer.neuen holländischen Regierung, einer Koalition der etwa gleich starken Katholischen Partei Hollands und den Sozialdemokraten zustandekam. Bei dieser Regierungsbildung spielte die indonesische Frage eine gewichtige Rolle. Man hatte zu den sozial- und wirtschaftpolitischen Themen bereits eine gemeinsame Plattform gefunden, konnte sich aber über die kolonialpolitischen Aufgaben noch nicht einigen. Die Sozialisten vertraten eine Politik der Versöhnung, die durch die Partei des indonesischen Ministerpräsidenten Sharir erleichtet werden soll, während weite Kreise der Katholischen Partei zur Erhaltung des Kolonialreiches eine Politik der „starken Hand“ befürworteten. Nun hat man sich auf eine Politik des Ausgleichs geeinigt. die von dem neuen, zum linken Flügel der Katholischen Partei gehörenden Ministerpräsidenten Beel und dem sozialistischen Kolonialminister J o n k m a n den Indonesiern gegenüber vertreten werden soll. * Eine Krisenzone ist auch noch die Mandschurei, wo die Reibungen und Kämpfe zwischen den Regierungstruppen Tschiangkai- sdieks und den kommunistischen Armeen trotz einer offiziellen Waffenruhe und ständiger Ausgleichsbemühungen des. amerikanischen Sonderbotschafters, General Marshall, andauern. Die kommunistische Presse des Fernen Ostens gibt bekannt, daß Tsdiiangkaischeks Truppen den Waffenstillstand verletzten und in der Gegend von Hankau zum Angriff übergegangen seien. Den Kommunisten sei ein Angriffsplan der Regierung in die Hände gefallen, nach dem 50 000 Kommunisten vonTsdiiangkaischeksTruppen bei Hankau eingeschlossen sein sollen. Demgegenüber wird darauf hingewiesen, daß am 2. Juli eine Unterredung zwischen Generalissimus Tschiangkaischek und einem Führer der Kommunisten stattgefunden habe, die noch günstige Möglichkeiten offen lasse. Sehr kritische Berichte laufen gegenwärtig auch aus P a 1 ä s ti n a ein, wo die britischen Truppen als Exekutive des Mandatsträgers Haussuchungen und Verhaftungen bei der „Jewish Agency“, der Zionistenorganisation in Tel-Aviv und an anderen Orten vorgenommen haben, weil militante Mitglieder dieser jüdischen Organisation Unruhen verursacht Seite S — Nummer S EßslBodt Samstag, 6. Jn!I194Ä. und Gewalttaten verübt hätten. Der Premierminister A 111 e e hat sich selbst veranlaßt gesehen, dieses Vorgehen der englischen Truppen in einer Rede, die wohlabgewogen war, zu rechtfertigen. Es konnte aber nicht verhütet werden, daß in den Vereinigten Staaten sehr heftige Proteste laut wurden; auch Professor Einstein beteiligte sich an Einspruchskundgebungen, und Präsident T r u m a n stellte fest, daß er vor dem Vorgehen der englischen Regierung nicht befragt worden sei, Er sei bereit, die Einwanderung von 100 000 Juden nach Palästina, für die in den Vereinigten Staaten jpit Monaten geworben wurde, finanziell und organisatorisch zu unterstützen. Diese mildernden und mahnenden Stimmen scheinen nicht erfolglos gewesen zu sein. Es wird von versöhnlichen Gesten der britischen Regierung, von der Freilassung zahlreicher Verhafteter, berichtet, und es bleibt zu wünschen, daß in dem Lande, das drei Religionsbekenntnissen ein hoher Inbegriff ist, bald wieder Ruhe einkehrt. Wichtig ist vor allem auch, daß man den heimatlosen jüdischen Wanderern gerecht wird. Die Gräber von Katyn Der große Goebbels-Schwindel im Nürnberger Prozeß Nach der Vertagung des Falles Bor mann auf unbestimmte Zeit — der Angeklagte selbst ist ja verschollen, sein Verteidiger Berghold auf geheimnisvolle Weise verschwunden — kam in Nürnberg der Fall Katyn zur Sprache. Der deutsche Leser wird sich noch der gewaltigen Propaganda erinnern, mit der in Presse, Rundfunk und schließlich durch ein „Weißbuch“ die Auffindung der Leichen von über zehntausend polnischer Offiziere durch die Russen der Weltöffentlichkeit unterbreitet wurde. „Internationale“ Kommissionen wurden nach Katyn geführt, um sich am Tatort an den Massengräbern von den „Sowjetgreueln“ zu überzeugen. Der Nürnberger Prozeß enthüllt nun die ganze Katyn-Affäre als einen groß angelegten Propagandatrick des Herrn Goebbels. Nicht von russischer, sondern von deutscher Seite aus sind die polnischen Offiziere „liquidiert“ worden. Goebbels aber fälschte den . _ grauenvollen Massenmord in eine Aktion der ^ ^ssen um! In seiner Bemühung, der Welt den Eindruck vollkommener Unparteilichkeit zu übermitteln, hatte das Ge rieht den Rus- Glosse des Tages: Ein unvollkommenes MärchenX Frau Müller erschrak nicht gelinde, als sie - vor einigen Tagen in einer uralten Truhe das - handgeschriebene Kochbuch ihrer Großmutter I sen und den Deutschen je drei Zeugen zuerkannt. Die Aussagen der deutschen Zeugen in dem von Smirnow vorgenommenen Kreuzverhör mußten die Ungläubigsten überzeugen. nt dar w butterte. Was da alles | Zuerst mußte der Zeuge von Eichehorn ter dem Motto „Man nehme • • • verzeich- 5 zugeben, daß Befehl erteilt worden war, die net war. vt ie da so leichtsinnig mit Eiern her- jj Gefangenen zu „erledigen“. Dann kam ein Ge- umgequirlt, Schaum geschlagen und mit Butter jj neralleutnant Oberhäuser an die Reihe, der geschmort wurde — das kam ihr ganz schwin- E seinen Glauben an die Unschuld der Wehrmacht delerregend vor. Kopfschüttelnd erinnerte sich | beteuerte. Er mußte dann aber wohl oder übel Frau Müller aus ihrer Kindheit, wieviel Seide, I die Erklärungen des Zeugen Ahrens demen- wieviel Rüschen, wieviel Stoff an der Kleidung I tieren, der niemals einem Vorgesetzten gegenverschwendet wurde! i über über den Verdacht, den er bezüglich des 2?“ ?s n kl? ” ,pr H manrhpm PnnW a n' r, E ^ War Sie m - werden ließ. Der Zeuge gesteht dem sowjeti- AEbEm Punkte doch bescheidener gewesen | sdien Ankläger weiterhin, daß das 337. Nadi- . ..«■«"* .heilige Achtung vor der Kunst 5 riditenregiment 150 überzählige Revolver vom und uberließ sie den „Berufenen. Sie las dies Kaliber 7,6 besaß, die vollauf genügen konnten, etwas schwermütigen, lieben Novellen Theodor E um im Laufe von 2 Jahren 11 000 Menschen um- Storms, die satirischen Verse Wilhelm Büschs E zubringen, und liebte es, ihren Kindern die sinnigen Mär- E _ chen der Brüder Grimm und Andersens zu er-= r Der vo “ den Russen geladene Zeuge, Pro- zählen, die frohe Fabulierkunst zu üben, diel fess ?r der Astronomie Basilewski Goethe seiner Mutter nachrühmte. I vo . n der Universität Smolensk, der wahrend , E seines Aufenthaltes m Katyn vom deutschen Frau Müller aber las nichts mehr, fabulierte I Aufmarsch überrascht wurde, gibt eine Schilde- dafür aber ganz Unromantisches, Ungereimtes, 5 rung von den entsetzlichen Grausamkeiten, die netzendes zusammen. Was sie über „gewisse 5 im benachbarten KZ.-Lager für polnische Dinge“ erfährt, klatscht sie mit ausschmücken-§ Kriegsgefangene verübt wurden und versichert, dem Beiwerk weiter. Darum fährt sie auch E daß formelle Befehle zur Niedermachung der trotz der Oberfüllung so gerne mit der Eisen- S Polen existierten. Sämtliche Lagerbahn; dort kann man soviel Neues (nicht im-1 Insassen, die Hunger und Mißhand- mer Kluges) hören und die eigene aufgestaute S langen überstanden hatten, wur- Wissenschaft zum Besten geben. I den in den Wald geschafft und dort r\ v , ... „ = durch einen Nackenschuß zusam- Der Himmel weiß allein, wo ihr das Mar- E mengeschossen, chen zugeflogen war, das sie vor einigen Ta- 5 8 gen zwischen Lahr und Freiburg im Eisen-1 Der Professor für Gerichtsmedizin an der bahnabteil zum Besten gab. Irgendwo in einer = Universität Sofia, Antono Markoff, der Stadt zwischen Mannheim und Frankfurt sei jj Bulgarien in der internationalen medizinischen vor den Einheimischen ein amerikanischer Do- = Kommission vertreten hatte, die 1943 auf Ein- kumentenfilm über Greuel in den Konzentra-1 iadung Deutschlands die Verbrechen von Katyn tionslagern aufgeführt worden. (Solche Erzäh-E untersuchen sollte, erklärte als Zeuge folgendes: langen spielen immer in anderen Zonen;! ,-Die Leichen aus den Katyner Massengräbern, tri*« koMti 11 li 1 11* = die von mir und meinem Kollegen im April ren.) Ein amerikanischer Offner nach-ß 1943 seziert wurden> hatten damals höthstens Berger Prozeß, her an die Erschienenen appelliert, das Gese-1 hene zu beherzigen. Als er dann gefragt habe, | ob sich jemand etwas Schlimmeres vorstellen | könne als solche Methoden der Folterung und £ Tötung Wehrloser, sei eine Frau aufgestanden I und habe gesagt: „Jawohl, die Bombardierung jj und Zerstörung deutscher Städte!“ = lK Jahre in der Erde gelegen. Die erwähnte Kommission hielt sich nach Aussage des Zeugen zwei Tage in Smolensk auf und verbrachte insgesamt nur etwa 6 Stunden mit Besichtigung der Gräber. EswareinTouristenspazier" gang.aber keine objektive wi s s e n schaftliche Untersuchung. Weder war die Kommission bei Eröffnung eines der Gräber anwesend, noch hat sie die Möglichkeit gehabt, die Herkunft und Beschaffenheit der Papiere nachzuprüfen, die angeblich bei den Leichen gefunden wurden und in einem Hause in Smolensk unter Glas ausgestellt waren. „Die Arbeitsbedingungen waren völlig un wissen, schaftlich“, erklärte der Zeuge weiter. „Das einzige, was als objektive Untersuchung angesehen werden kann, sind die Leichenöffnungen, die von den meisten Mitgliedern der Kommis sion an bereits ausgegrabenen Leichen vorgenommen wurden.“ Abschließend gab Professor Markoff eine detaillierte Schilderung eines eigenen Sezierungsbefundes, der mit den Befunden seiner Kollegen im wesentlichen übereingestimmt habe. „Aus dem Zustand dieser Leichen ergab sich“, schloß Professor Markoff, „daß der Ver- wes'ungszustand wesentlich weiter hätte fortgeschritten sein müs se. Meiner Schätzung nach befanden sich die Leichen ein oder höchstens 1/4 Jahre in der Erd e.“ Professor Pozerowski, der im Oktober 1943 die Arbeit des zweiten nach Katyn entsandten Untersuchungsausschusses leitete, weist mit Nachdruck auf die Lücken und Nachlässigkeiten in den Gutachten des ersten Untersuchungsausschusses hin. Er sagt aus, daß die von ihm selbst vorgenommenen Erhebungen und die Untersuchung von 925 wahllos herausgegriffenen Leichen, die ganz zu unterst in den Gruben gelegen hatten, einwandfrei ergeben haben, du fl die polnischen'Offiziere frühestens im Laufe des Winters 1941 umgebracht worden waren. Durch die Briefe und Quittungen, die in den Kleidern der Opfer gefunden wurden, wovon einer den Stempel vom 12. November 1940 trägt, wird die deutsche Behauptung, daß sämtliche Erschießungen im März 1940 stattgefunden hätten, glatt widerlegt Die in den Schädeln der Leichen aufgefundenen Revolverkugeln sind vom Kaliber 7,65 und die Patronenhülsen, die man an zahllosen Plätzen in der Umgebung auflesen konnte, tragen den Namen einer deutschen Firma und passen haarscharf genau zu den Kugeln. Professor Pozerowski erklärte schließlich noch, daß man mit Hilfe von chemischen Prozessen Leichen künst- lieh älter machen kann, ^o daß dem Anschein nach der Tod viel früher als in Wirklichkeit eingetreten zu sein scheint. Die Deutschen haben die :es Verfahren wohl an einer beschränkten Anzahl von Leichen vornehmen können, natürlich aber nicht an Leidien, die etliche Meter tief eingegraben waren. Dem deutschen Verteidiger Stahmer blieb nichts anderes übrig, als diese entscheidenden Zeugenaussagen zur Kenntnis zu nehmen und um Mitteilung einiger ergänzender Erklärungen zu ersuchen. Die Katyner Affäre ist somit erledigt oder wenigstens ihr Nachhall im Nürn- Aus allen vier Zonen Deutsche Kriegsgefangene in der US.-Zone bis 30. November entlassen. Ta an !,„♦ r- = Alle ehemaligen deutschen Soldaten, die als entibieden feat flf nw I Kriegsgefangene in der US.-Zone im Arbeits- I SSÄÄ dt Haß »in hatte. Und nun dachte sie, = amerikanischen Befehlshabers in Deutschland, ♦RntU 1 mi£es "2° War s "chtig“ er-- General Joseph T.Mc. Narney, der jeztver- oe» jj öffentlich! wurde. Bisher, so heißt es im Bericht Aber es sprach plötzlich ein blasser Kriegs-1 weiter, wurden fast alle Kriegsgefangenen ent- versehrter, der bisher schweigend in einer Ecke I lassen. 140 000 Mann sind noch als Kriegssaß und von Frau Müller gar nicht beachtet I gefangene im Arbeitseinsatz und werden bis worden war: ,.Liebe Frau, das ist ein schlech- E --um 30. November entlassen werden. Darunter tes Märchen, so was haben sie früher doch | fallen nicht diejenigen Angehörigen der ehebesser gekonnt. Was würden Sie wohl von - maligen Waffen-SS. und andere Truppen, die einem Rechtsanwalt sagen, der seinem wegen I * us Sicherheitsgründen zurückbehalten werden. Brandstiftung angeklagten Klienten „mildernde I General Me. Narney erließ im Mai einen Befehl, Umstände“ verschaffen will und zu diesem - demzufolge alle Angehörigen der ehemaligen " Waffen-SS. unter dem Dienstgrad des Scharführers aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft zu entlassen sind. Zwecke darauf hinweist, daß dieser auch einen - Straßenraub begangen habe!“ jj „Na, erlauben Sie mal, was hat das mit der 5 , . , ... , Filmvorführung zu tun — ?“ protestiert Frau - Pakete für Zivilinternierte m der britischen Müller mit großen, fragenden Augen. „Sehr S ^° ne ^ugelassen viel-“ lächelt der Kriegsverletzte etwas E. Wie das württembergisch-badisehe traurig. „Die Namen Warschau und Retter- E Staats mini sterium mitteilt, können an dam sind ihnen wohl nicht ganz unbekannt, = Zivilinternierte in der britischen Be- und die „rollenden Angriffe“ deutscher Luft-I Satzungszone Deutschlands Pakete gesandt wer- streitkräfte gegen England, die unsere Fan-1 «| en - Die Pakete dürfen Lebensmittel und Klei- farenmeldungen im Jahre 1940 berichteten, wer-i dungsstücke mit einem Gewicht bis zu 5 Kilo den Sie auch nicht ganz vergessen haben. Das E fnlBatten. In den Paketen dürfen keine schriftwar Hitlers und Görings Werk, das war der | Bchen Meldungen mitgeschickt werden. Anfang des Obels, das von deutscher Seite § Siedlungsland in Bayern ausging, als der Gegner noch eine schwache | Die bayerische Staatsregierung bereitet eine Luftflotte hatte. Aber die Angegriffenen haben = Verordnung über vorläufige Sofortmaßnahmen nicht stillgehalten, sondern zum schweren Ge- E zur Schaffung von Siedlungsland vor. Danach genschlag ausgeholt. Sie hatten die höhere | sollen der frühere Grundbesitz der Wehrmacht, industrielle Kapazität, die größeren Rohstoff- S der von den Großgrundbesitzern freigiebig zum lager sie waren uns schließlich weit überlegen § Verkauf angebotene Grundbesitz, der zum Ver- — aber der Anfang ging von der Führung = mögen der NSDAP, und der den Parteimitglie- „ ,.. t Deutschlands aus. Darum ist Ihre Erzählung I dem gehörende Grundbesitz sowie die bisher nicht 1 bestanden wurde Fenicilm zur Bekämpfung der werden. Die Ausführung dieses Projekts, das 30 bis 50 Millionen RM kosten wird, hat bereits begonnen und wird voraussichtlich bis zum l Jahre 1949 beendet sein. Der Vertrag über den Ausbau des Flughafens wuFde von dem groß- hessischen Ministerpräsidenten Professor Geiler, dem Oberbürgermeister von Frankfurt, Dr. Blaum, dem Repräsentanten der neuen Flughafenverwaltung, Bauunternehmer Dr. Arndt und von amerikanischer Seite von Hauptmann Ralph W. Mitton unterzeichnet. Die Bauarbeiten übernimmt die Firma Philipp Holzmann AG. als Generalunternehmer. Hauptausschuß „Opfer des Faschismus“ sucht Tatsachenmaterial über den 20. Juli Alle Beteiligten am 20. Juli 1944 werden vom Hauptausschuß „Opfer des Faschismus“ zur sofortigen Zusendung von „letzten Briefen“ _ der dabei Hingerichteten und um genaue Berichte über die Tätigkeit einzelner Gruppen in dieser Widerstandsbewegung gebeten. Der Hauptausschuß plant die Herausgabe eines umfassenden Tatsachenberichts. Der Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten Die alliierte Kommandantur in Berlin gab einen Befehl heraus, der Maßnahmen vorsieht, die Geschlechtskrankheiten in Berlin zu verringern. Um gegenüber früheren Plänen eine größere Wirksamkeit zu erzielen, wird das neue Programm in allen vier Berliner Zonen gleichzeitig durchgeführt. Dieser an den Oberbürgermeister der Stadt gerichtete Befehl sieht für jedes Krankenhaus einen bestimmten Stadtteil zur Durchführung der Bekämpfungsmaßnahme vor. Ferner wird be-< stimmtes Personal und Spezialisten für Geschlechtskrankheiten ausgebildet. Gegen Ärzte, denen eine Nachlässigkeit in der Behandlung nachgewiesen wird, wird mit schärfsten Maßnahmen vorgegangen werden. Aus den Armee- Denunziationen der zuständigen Staatsanwaltschaft zur Kenntnis zu bringen, damit diese die Strafverfolgung unter dem Gesichtspunkt der wissentlich falschen, der vorsätzlichen oder leichtfertig begangenen Anschuldigung einleiten kann. Die Mindeststrafe für wissentlich falsche Anschuldigung beträgt einen Monat, die Höchststrafe fünf Jahre Gefängnis. Höhere Bank, und Sparkasseneinlagen in der russischen Zone. Die Gesamtbilanzsumme der fünf Landesund Prtfvinzialbanken einschließlich der Kreis- und Stadtbanken in der Sowjetzone hat sich nach einei Mitteilung der Zentralfinanzverwaltung gegenüber dem Vormonat von 10,7 Milliarden auf 15,2 Milliarden RM erhöht. Das Anwachsen ist durch Übernahme von weiteren Verrechnungsposten für die Außenstände der geschlossenen Banken und durch Buchungen im Zusammenhang mit den Unterstützungen für Kleinsparer entstanden. Die Spareinlagen haben sich gegenüber dem Vormonat nicht erhöht. Bei den Sparkassen belaufen sich die Gesamteinlagen auf 3,17 Milliarden gegenüber 2,93 Milliarden im Vormonat, während die Giroguthaben nur geringfügig anstiegen, erhöhten sich die Spareinlagen um 190 Millionen RM. Die Erhöhung ist im wesentlichen auf die bis Ende Mai den alten Kleinsparern gutgeschriebenen Unterstützungsbeiträge zurückzuführen. „Kammer der Technik“ in der Sowjetzone. In der sowjetischen Besatzungzone Deutschlands wurde das Organisationskomitee „K a m- mer der Technik“, der führende Männer der Wissenschaft und der Technik angehören, am Mittwoch in Berlin gebildet. Das Statut, zu dem der Freie Gewerkschaftsbund und die Zentralverwaltung vorläufig Vorschläge gemacht haben, soll durch einen Ausschuß ausge^rbeitet werden. in der Landwirtschaft genutzte Fläche sofort zu Siedlung sowie zur Beschaffung von Bau- un Gartenflächen herangezogen werden. Flugplatz bei Frankfurt wird europäischer Zentralßughafen Zug die Heimatstadt erreichte. Drei Tage lang E Dasgrößte Flugfeld Westeuropas, der Rhein- »>* »« sewiB k .i« Märchen „ehr er 2 ,h.„.j ^ falsch, verehrte Frau. Ich glaube auch nicht, S daß die Dame, von der Sie berichten, je gelebt S und jene Veranstaltupg stattgefunden hat.“ = Frau Müller war ganz blaß geworden und E •aß fortan in schwerem Schweigen, bis der f Geschlechtskrankheiten freigegeben. Bekämpfung des Denunziantentums Ein Erlaß des Staatssekretärs für das französisch besetzte Gebiet Südwürttembergs und Hohenzol- lerns ordnet die Bestrafung von Denunzianten an. Die Behörden werden dahin verpflichtet, zu ihrer Kenntnis gelangende länger kann sie allerdings nicht garantieren. - deutschen Baufirmen zu einem europäischen Zen- i Fälle von Denunziationen bei deutschen oder al- h. i tralflughafen für den Überseeverkehr ausgebaut liierten Dienststellen oder von öffentlich verübten Massenstreiks in Belgien Im Lütticher Industriebecken, einem der wichtigsten Industriegebiete Belgiens, hat seit einigen Tagen ein großer Teil der organisierten Arbeiterschaft die Arbeit niedergelegt. Neben Lohnforderungen handelt es sich bei der Aktion darum, einen Druck auf Regierung und Parlament auszuüben, um das den Kammern vor einigen Tagen vorgelegte Gesetz über die Einführung von Betriebsräten durchzubringen. In der bestehenden Regierungskoalition bestehen über das neue Gesetz lebhafte Meinungsverschiedenheiten. Vor allem sind die Liberalen dagegen, die in dem Gesetz eine Beeinträchtigung der Wirtschaftsfreiheit sehen. Wie aus Brüssel gemeldet wird, nimmt die Zahl der Streikenden ständig zu. Ein Aufruf des Ministerpräsidenten van Acker, die Arbeit wie. der aufzunehmen, hat seine Wirkung völlig verfehlt: im Gegenteil, die Gewerkschaften nehmen offen Stellung gegen den Ministerpräsidenten. Sie haben in einer Erklärung die Erklärungen van Ackers, der die Streikbewegung als ein Werk ausländischer Agitatoren bezeichnete, energisch zurückgewiesen. Vorwärts! In den vielen Kundgebungen der sozialistischen Partei, die in den letzten Monaten stattfanden, vor allem auch in den kürzlich stattgefundenen Bezirkskonferenzen, kam der begeisterte Wille zum Ausdruck, unablässig für die großen Menschheitsideen des Sozialismus zu werben. Die furchtbare, durch den Nationalsozialismus und Militarismus verschuldete Notzeit, die das deutsche Volk jetzt und für lange Zeit durchlebt, stellt an uns Sozialisten besondere Aufgaben und Pflichten. Die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Probleme, die die Zeit gebieterisch in den Vordergrund rückt, verlangen dringend nach einer demokratischen und sozialistischen Lösung. Darüber ist sich die schaffende Mehrheit des Volkes einig. Deutschland und Europa müssen das soziale Problem, das schon einige Menschenalter zur öffentlichen Diskussion steht, und durch die soeben erlebte Katastrophe reif zur Lösung wurde, grundsätzlich und endgültig regeln. Die kapitalistische Wirtschaftsordnung mit ihren jeder Gerechtigkeit und Sittlichkeit hohnsprechenden Gegensätzen, die die blutigen Auseinandersetzungen der beiden letzten Jahrhunderte unter den Völkern Europas und der Welt verschuldete, muß grundlegend umgestaltet werden, wenn die Welt nicht in Barbarei untergehen soll. Es gibt nur eine Lösung: die sozialistische! Eine Gesellschaftsordnung, in der einzig nach den Grundsätzen menschlicher Bedürfnisse und Gerechtigkeit die Produktion und ihre Verteilung erfolgt! Franz Geiler. Welt chronik Hafen« r beiterstreik in Holland beendet Der Streik der Hafenarbeiter von Amsterdam und Rotterdam, der seit mehr als drei Monaten andauert, wurde beendet. Die Arbeitgeberorganisa- tionen willigten ein. auf jede Maßregelung der Streikenden zu verzichten, die ihrerseits keinerlei Zugeständnisse in ihren Lohnforderungen erhalten haben. Amerikanische Farmer sollen mehr Weizen an pflanzen. In der Annahme, daß der Lebensmittelmangel in der Welt mindestens nodi zwei Jahre andauern wird, hat das amerikanische Landwirtsdiaftsmini- sterinm am Samstag einen Aufruf an die Farmer gerichtet, die Weizenanbauflächen für das Erntejahr 1947 zw vergrößern. Interzonentausch von Flüchtlingen uni Evakuierten aus Württemberg-Baden eingestellt. Der Interzonenanstausch von Flüchtlingen und Evakuierten aus Württemberg-Baden ist, wie der Staatsbeauftragte für Flüchtlinge und Ausgewiesene io W ürttemberg-Baden bekanntgibt, mit Wirkung vom 29. Juni. 14 J'hr, bis auf 8. Juli 1946 völlig eingesetl! worden, wo die neuen Bestimmungen hierüber erwartet werden. Die Anordnung wurde auf Befehl der Miliär- regierung herausgegeben und gilt nicht für Flüchtling« und Evakuierte in Württemberg-Baden, die freiwillig io ihre Heimatzone zurückkehren wollen. „DAS VOLK“ Herausgeber: Sozialistischer Verlag Freiburg GmbH* Schriftleitung: Hans Här Druck: Poppen & Ortmann, Freiburg i. Br, fcmstag, 6. Jul! 1946 Nummer 2 — Seite 5 Noten - Konten - Sorgen Lebensmittelpöte und Wohnupjssorgen bilden die Probleme des Tages. Aber in letzter Zeit treten neben diese alte», vertraute» Probleme mehr unH »ehr die neuen Fragen »ach dem Schicksal unseres Geldes. Wir lesen ja in Zeitungen und wir hören in Gespräche» von den Währungsmafinahmen in Belgien, Holland, Frankreich, Italien, der Tsebechei, Ungarn, Finnland und Japan und vor allem in Österreich- Dabei ist die Rede von Aufwertung und von Abwertung, von Deflation, Inflation und Devalvation, von Herabsetzung des Nominalwertes und von einer Zwangsanleihe. Und es wird nun audi bei uns diskutiert über Geldabstempelung und Geldzusammenlegung, über Noteneinzug und Note»umtausch, über Besteuerung und Blockierung, Solche schwerwiegen den Probleme durften im „tausendjährigen" „Dritten Reiche" nur in der Flüsterzeitung, nur heimlich von Mund zu Mund besprochen werden. Heute aber dürfen wir diese monetären Fragen in aller Öffentlichkeit mit demokratischem Freimut# erörtern. Dabei wollen wir uns der Tugenden der geistigen Redlichkeit befleißige». Wir wolle» uns bemühe», zu klaren monetären Begriffen zu gelangen und uns weder durch Furcht und Hoffnung noch durch Vorurteile von einer nüchternen Beurteilung der Zukunft abhalten lassen. Fs gibt ja beute einen bequeme» Illusionismus, der »ich dem Wahne hingibt, daß alles so bleiben müsse, wie es gegenwärtig zufällig ist, daß man eben auf monetärem Gebiete auch in Zukunft so weiter fortwursteln werde wie bisher. Dieser Illusionismus ist ebenso ungerechtfertigt wie der Radikalpessimismus, der da fürchtet, Noten und Konten könnten wertlos werden. Aufwertung, nicht Abwertung Ängstliche Gemüter seien mit aller Bestimmt- beet darauf bjngewjesen, daß auf keinen Fall eine Inflation beabsichtigt ist, Denn was ist denn eine Inflation? Wir sprechen mit Recht von Inflation, wenn die Geldmenge, die Nachfrage nach Waren hält, und ihre Umlauf sgegehwindigkeit im Verhältnis zur Warenmenge, die angeboten wird, allzu stark vermehrt wird. Wir sprechen von Inflation, wenn infolgedessen dj e Preis« beträchtlich steigen und somit der Wert, die Kaufkraft des Geldes sinkt. Von einer solchen Inflation aber kann bei uns nicht im geringsten die Rede sein. Denn niemand hat ja die Absicht, die Geldmenge bei uns zu vermehren. Die beabsichtigten geldpolitischen Maßnahmen sollen ja vielmehr genau dem e entgegengesetzten Zwecke diene», di# GeJdmengf zu vermindern, Dia Forderung der Stunde ist n 1 eh t Entwertung, sondern Aufwertung deg Goldes. Zur Erörterung steht also keine Inflation. Die Ma(in ahmen, die *» treffen sind, w s f asn wohl eher einer Deflation gleiehon müssen, trotzdeweskeine eente Deflation im traditionellen Sinne mehr geben wird. Pas Erbe der Nazis Die Nazis übernähme» 1953 von der sog, „Systemregierung" «ine» Zahlungsmittelumlauf von knapp fünf Milliarden. Sie hinterließen uns Im Mai 1945 einen Zahlungsmittelumlauf von 75 Milliarden, Dia Nazis übernahmen 1952 aine Schuldenlast von wenigen Milliarden. Sie hiuterließen schätzungsweise siebenhundert Milliarden Schulde». Das macht eine Schuldenlast von 10 000 Reichsmark für jeden Deutschen. Sq hat die verbrecherische Kriegsflnapzierungs- politik der größenwahnsinnige» Nazi* das G«id, besonders bei Kriegsgewinnlern und auf dem Schwarzen Markte, allzu flüssig gemacht. Auf der anderen Seite aber hat die ebenso verbrecherische Zerstörungspolitik der Nazis das Angebot an Ware» allzu knapp gemacht. Infolgedessen besteht ei» schlimmes Mißverhältnis zwischen der allzu großen Nachfrage dos Goldes »ach Waren einerseits und dem allzu geringen Angebot von Waren andererseits. Wir verdanken auch diese geldliche Misere ebenso wie die Schuldenlast Von 10000 Reichsmark dem „Führer!“ Angesichts des erwähnten Mißverhältnisses zwischen Geld und Ware Ist es nicht weiter verwunderlich, wen» das reichliche Geld Jagd auf die knappe Ware machen muß, wenn im Schwarzhandel, wo Rationierungen, Höchstpreise und polizeiliche Maßnahmen nicht hinreichen, volkssdiädliche Spekulanten Wucherpreise erpressen können. Kein Wunder also auch, daß man häufig zur erlaubten Tauschwirtschaft und zur primitiven Eigenwirtschaft, in der man seinen Bedarf an Gütern und Leistungen selbst deckt, zurückkehrt. Audi dieser Anachronismus der Eigenwirtschaft und der Tauschwirtschaft gehört auf das SchuldkontoderNazis. Diese Zustände auf geldlichem Gebiete dürfen auf keinen Fall so bleiben, wie sie jetzt sind. Denn der Schwarzhandel ist u n s o z i a 1. Eigenwirtschaft und Tauschwirtschaft sind rückständige, unzweckmäßige Wirtschaftsform«»- Und die Mangelwirtschaft hemmt den Aufbau unserer Heimat, die Ankurbelung der Wirtschaft und die Zahlung der Reparationen. Die Forderung der Stunde Das ökonomische Gebot der Stunde heißt dar- rum: Wir müssen sobald wie möglich wieder eine gut funktionierende, arbeitsteilig« Geldwirtschaft bekomme». Das Mißverhältnis zwischen Geldmenge und Warenmenge, muß beseitigt werden, der „Kaufkraftüberhang" muß verschwinden. Auf der einen Seite muß die allzu große Geldmenge, die auf dem Markt« Nachfrage nach Waren hält, verringert werden. Auf der anderen Seite muß die allzu knappe Warenmenge, die auf dem Markte ange- bote» wird, vermehrt werden. Das Gleichgewicht zwischen Geldmenge und Warenmenge muß wieder hergestellt werden. Das Geld muß wieder knapper werde», es muß wieder einen gewisse» Seltenheitswert erhalten, der begehrt ist Dann werden und müssen die Arbeit und die War« wieder das Geld und die Verkäufer wieder die Käufer suchen. Arbeiter und Bauern, Handwerker und Handelsleute wer, den ihre Dienste wieder eifrig gegen gutes Geld anbieten können. Der Ausweg aus unserer Not führt nur über die Herstellung des Gleichgewichtes zwischen Geld und Ware, führt nur über die Verringerung der Geldmenge- Es ist gewiß, daß unsere Geldmenge verknappt werden muß. Es ist noch unbestimmt, wann und wie diese Verknappung vor sich gehen wird. Besserwisser, Nichtstuer, Rätselrater und Spekulanten mögen sich darüber in die Haare geraten, mögen sich darüber angeblich „todsichere Tips“ gebe», Uns genügt es zu wisse», daß die beabsichtigten monetären Maßnahmen kommen müssen, daß sie einmalig sind und daß sie, so schmerzhaft sie beim ersten Blich dem oberflächliche» Betrachter erscheinen mögen, uns doch den Weg in «ine besser« Geld- Wirtschaft und in eine aussichtsreichere Zukunft eröffnen! Schulden, so — oder so?! Die Nazis binterließen uns 400 Milliarden Reichsschulden, 200 Milliarden Kriegsschäden und eine Schuldenlast von schätzungsweise tOQ Milliarden für Beschlagnahmungen und Reparationszwecke. Die Nazi* haben mit dem größten Teil dieser Rekordshuld Krieg geführt, haben Kriegsmaterial, Flugzeuge, Tanks, Panzer und Unterseeboote damit gebaut. Auch diese „Gegenwerte“ stehen uns nicht mehr zur Verfügung, Was soll also mit diesen Rekordschulden geschehen? Manch« Stimmen fordern, daß sie gestrichen werden sollen! Aber dann müßten außer anderem auch die entsprechenden Forderungen der Gläubiger, die Einlagen, zu einem Teil gestrichen werden! Denn die Guthaben auf Konten, die Einlagen, mußten ja zwangsweise zu einem Teil in „Reichsanleihe“, d. h. in Kriegsanleihe, angelegt werden. Eine Streihung dieser Einlagensteile aber mußte wiederum zu gewissen sozialen Härten und Umschichtungen führen, die unerwünscht sind. Es bleibt dann nur noch die andere Möglichkeit. diese Rekordschulden ganz oder doch zum großen Teile anzuerkennen, zu tilge» und zu verzinsen. Aber dann müßte jeder Deutsche bis zum neugeborenen Säugling mit einer Schuld vo» durchschnittlich tO 000 Reichsmark bzw. einem großen Teil davon belastet werden —- und obendrein dies« Summe noch verzinsen! Kompromisse zwischen diesen beiden Möglichkeiten sind denkbar. Aber ansonsten gibt e* keine dritte Möglichkeit mehr In diese Zwangslage und vor diese Wahl haben uns die Nazi«, ihr Mangel an Verantwortungsgefühl und ihr leicht- W«ltgewerkschaftsbund und Weltwirtschaft Der Generalsekretär des Weltgewerkschaftsbundes, Louis Saillant, hat nach seiner Rückkehr aus Moskau, wo er an den Sitzungen de* Ewkutivausschusseg tejlgenpmmen hatte, seiner vollen Befriedigung über die erzielten Resultate Ausdruck gegeben: „Es handelt sich wirklich »m einen lOOnrozentige» Erfolg“. Alle Beschlüsse wurden einstimmig gefaßt. U. a. wurde einstimmig die Durchführung eines verschärften Feldzug** «eiten* der Gewerkschaftsbewegung gegen das Franco- Regjme beschlossen. Der WGB. wird den Vereinten Nationen eine Botschaft senden mit der Aufforderung, an den Sicherheitsrat, franco* Achtung auszusprechen. Vom 17. Juli ab, dem Tage des fraokfstische» Angriffs gegen das republikanisch« Regime, bis zum 15. August sollen alle Mitglieder des WOB. in 4er ganzen Welt die demokratischen Organisationen zur Teilnahme an den geplanten antifaschistischen Massendemonstrationen auffordern. Saillant kam dann auf die kürzlich vom Wirtschafts- und Sozialrat gefaßten Beschlüsse zu sprechen und teilte in diesem Zusammenhang mit, daß der Exekutivausschuß ihnen entnommen hat, daß für den WGB. die Möglichkeit besteht, dem Wirtschafts- und § 0 fialrat beizutreten. Der WGB. wird diesbezüglich Anfang nächster Woche ein« Erklärung veröffentliche», die de» verschiedene» Regierungsdelegationen, die dem Rat angehören, von der zuständigen Gewerkschaftszentrale übermittelt werden. Jetzt müssen wir zunächst mit unseren Freunden von der CQT, (Französischer Allgemeiner Gewerkschaftsverband) bezüglich der Lohnfrage Kontakt nehmen und außerdem Vorbereitungen für die nächste Tagung des Exekutivbüros treffe», die in den USA- stattfinden soll, sowie für ein« Konferenz der Arbeitergewerkschaften in ßüda»ierika. In bezug auf die Lohnfrage äußerte der Generalsekretär: Ich habe allen Grund zu der Annahme, daß der Französische Oewerkschaftsverband (COT.) seine grundsätzliche» Forderungen aufrechterhalten wird, ohne jedoch zweckmäßige Unterhandlungen mit der Regierung grundsätzlich abzulehnen. Ich für meinen Teil bin nicht der Ansicht, daß die Privatinteressen der Arbeiterwelt zum Gesamtinteresse des Landes i» Widerspruch stehen. Sir Walter C i t r i n e, der bekannte englische Gewerkschaftsführer, der bisher Vorsitzender des Exekutiv-Ausschusscs des Weltgewerkschaftsbundes war. ist zurückgetreten. Sein Amt Ist von Louis Saillant übernommen worden. Cj- trfn« wird, wje er der Presse mitteilte, einen Sonderauftrag in England übernehmen. sinniges, überflüssiges und verbrecherische? Kriegsspielen gebracht! — Mir wissen noch nicht, welche Entschließungen getroffen werden, eher soziale Härten müssen nach Möglich' keit vermieden werden. Es ist angeregt worden, daß einerseits in erster Linie aktive Nazis und Kriegsgewinnler die Lasten diese* Kriege* trage» solle». Es ist ferner angeregt worden, daß andererseits die Totalausgebombten, die Ostflücbtlipge, die Schwerkriegsbeschädigten und die Opfer des Nationalsozialismus und ihre berechtigten Ansprüche geschützt und anerkannt werden sollen. Auch für Alte, Kranke, Arbeitsunfähige soll gesorgt werden. Ferner könnt« ein gerechter Ausgleich zwischen den oben erwähnten beiden schematischen und extremen Möglichkeiten zur Vermeidung sozialer Spannungen erheblich beitragen. Denkbar wäre vor allem, daß bestimmte Einlagensteile weitestgehend durchaus anerkannt und geschützt werden, aber nur vorübergehend gesperrt und nicht sofort abgehoben werden dürfen, um zu verhüten daß durch gegenwärtige übereilte Abhebungen inflationistische Wirkungen ausgeübt werden. Diese Einlagen könnten solange fest gestellt werden, bis nach kurzer Zeitspanne wiederum genügend Waren auf de» Märkten angeboten werdenfBeson- dere Erleichterungen werden auch für die Geschäftswelt und den bargeldlosen Verkehr erforderlich sein. , Aber es wäre eine gefährliche Illusion, ZU glauben, daß wir um diese beiden notwendige» Operationen der Verringerung der Notenmenge und der Bereinigung der Schulden herumkommen könnten. Diese beiden Operation«» müssen bald vor sich gehen, sic dulden keine» Aufschub. Und nach diesen beiden notwendigen Operationen wird noch mancher schaffen und sein« Waren anbieten und verkaufen müssen- Und viele Menschen werden dann kleinere Geldmengen horten als heutzutage. Aber dafür wird auch bestimmt der Tag kommen, an dem wir mit unserer verringerten Geldmenge mehr Güter und bessere Güter kaufen können, als es uns heute möglich ist! Dann werde» wir die Tage segnen, an denen dies« beiden notwendige» Operationen vorge- nemmen worden sind. Denn was nützt es dem Geldbesitzer, wen» er viel Geld gehortet hat, aber infolge der Rationierungen und infolge der Mangelwirtschaft jetzt nicht viel damit kaufen kann? F- Riede- Keine Preiserhöhungen! Das- Festhalten an de» bisherigen Preisen ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, daß die Kaufkraft der Bevölkerung, vor allem die der Minderbemittelten, und die wirtschaftliche Ordnung aufrecht erhalte» werden. Die Preisfestsetzungen allgemeiner und besonderer Art bleiben weiterhin in Kraft, solange sie nicht durch die zuständige Stelle ausdrücklich aufgehoben werden., Zuwiderhandlungen gegen Preisvorsehriften sind strafbar und werde» nach der Schwere des Vergehens geahndet, Maßgebend als Höchstpreis ist der letzte amtlich festgelegte Preis, Ist ein solcher nicht vorhanden, so tritt der grundsätzlich für die gleichartige Ware oder Leistung üblich gewesene Preis an seine Stelle. — Im Anschluß a» Vorstehendes sei auf eine Maßnahme des Berliner Magistrats zur Bekämpfung von Preissteigerungen hingewiesen. Bei jedem Bezirksamt i» Berlin wurde eine Bezirks-Preisstelle errichtet, die die Preise zu überwachen hat. Als Strafe» gegen Preisverstöße werden gebührenpflichtige Verwarnungen und Ordnungsstrafen, in Einzel- fällen bis zu 10 000.— RM., sowie Geschäftsschließung bis zu vier Wochen verhängt. Personen, die wegen Preistreiberei bestraft worden «ind, müssen in Berlin sofort dem Arbeitsamt gemeldet werden, das ihnen besondere Arbeite» zuweist. Laut einer Anordnung des Berliner Preisamtes gelten mit sofortiger Wirkung die zu» zugelassenen Preise vom 1- April 1945. St. Bröge, . ^ auf der Himmelsleiter MimmMntmtimimituimMWimtmnimiimitii Von schwarzen Rauchstreffe» angerußt, stürzt der Himmel hinter der Fabrik jäh ab, Als zartblauer Vorhang hängt er vor dem fernen Wald. Die Fabrik steht am Ostrand der Stadt. Flächen grünes Feld laufen von ihr zu den letzte» Häusern. Plump und breit hockt die Fabrik inmitten blühender Wiese». Am Abend blinzt sie mit hundert gelbe? Augen J» das dämmerige Land und stößt ein Gestjebe von rote» Fu/ike» aus aen Himmelhohe« Esse«. Wie zwei riesige Finger tzohre» ihr« Kamine in die Wolke». Eine Sirene heult Irgendwo 1» der Stadt, Eine gwejte antwortet, ein« dritte mischt sich ei«, U»d schon pfeift, heult, winselt es au, allen zweiunddreißig Ecken des Windes. Tiefer als alle brüllt die einsame Fabrik am Rande der Stadt. Das klingt ganz unterirdisch, wie aus den Eingeweide« der Erde heraus, jetzt steigert sich der To», wird heller und schärfer und fließt hinüber in di« große Welle, die jeden Abend über die Stadt rauscht, wenn die Sirene« Feierabend blass». Einen Herzschlag lang sprudelt und zischt die Luft wia kochendes Wasser, da»» fließt di« Welle ab. Eine Me»sch»nschfange wälzt sich durch das eiserne Fabriktor. Grauschwarz ringeln «ich di« Glieder der Schlange über alle Wege, die zur Stadt führen. An der Spitze laufen wie jeden Abend die Lehrbuben der Maschinenfabrik Städler, alle« voran Jakob Kabis. Gleichmäßig schwingen die Arme vor und zurück, wie Kolbe» einer Maschine, die iM Gange ist. Jetzt biegt Jakob vom Weg ab, rast die kleine Höhe hftiaul und bleibt stehen. Er ist barhaupt. Im abendlichen Sonnenschein glänzt das weizengelbe Haar wie eitel Gold. Jakob steckt zwei Finger in de» Mund und pfeift gellend. Er plaiit nochmal und «ln drittes Mal, nimmt die Finger wieder au* dem Mund und schaut sich um. Siebe» Kerle zwischen fünfzehn und achtzehn lagern im Gras, kauen abgerissene Halme und gucken zum Himmel auf. „Alles da , , . Dann kann es losgeh’n. Hat einer was mitgebracht?“ Ein langer, sehniger Junge hebt den Oberkörper halb. „Ruhe! .Chingachgook’ hat’s Wort.“ „Chingachgook“, eigentlich heißt er Franz und ist eines Maurers Ältester,, fischt all« Taschen aus, ehe sr umständlich em zweifelhaft sauberes Päckchen verzieht. „Die Karte ist von meinem Bruder, der fn die Fremdenlegion gewollt hat. Da schaut her! Marokko ist überm Meer, Man muß mit dem Schiff hinfahren. Hab’ ich nun recht?“ Di« ander» drängen sieh bäuchlings um da? Blatt. Sie bilden einen Stern, dessen Mittelpunkt etwa die Insel' Malta darstellt. Jakob Kabis hat einen roten Kopf gekriegt, als „Chingachgook“ fragt, ob er nun recht hätte. „Du hast aber gesagt, Marokko ist bei Amerika und es gibt dort Prärien und Schwarzfuß-; Indianer , , , D* steht doch: Nordafrika! . . . Soviel weiß ich von der Schuf«: ln Afrika wohnen bloß Sehwarze. Mit denen ist nichts anzufangen.“ Ein kurzer, dicker Benge! mit einem Stupsnasengesicht stößt unverständliche Grunztöne aus, „Ruhe! ,Der sitzende Stier’ will was sagen.“ Jakobs Führertum scheint in der Bande unbestritten. „Der sitzende Stier* fährt mit dem Rockärmel heftig über die Stupsnase, spuckt i« weitem Bogen aus und sprudelt im Eilzugstempo los. „Aber ..Chingachgook’ hat die Karte mitgebracht. Und es ist ein Meer drauf. Ich will aufs SchHf . , . Mit euren Indianer« 1 Die tue« ja keiner Katze was. Ich hab' ei« Bild daheim. De sind Indianer drauf. Die haben aber keine Fransen an den Hosen und Federn auf dem Kopf, Einer schaut au* wie der Schreiber Emil mit seinem Schwalbenschwanz, u»d auch einen Kracher hat der Indianer au! .. Der ganze Kreis gröhft. Nur Jakob zieht grimmig die Lipoen durch di, Zähne und springt auf. „Das wollen wir schon seh'n. Zeig' mir da« Bild mit dem Indianer, der ausschaut wie der Schreiber Emil. Sonst bist du ein Schuft, und ich muß dich prügeln, bis du widerrufst,“ Die andern stehen schon Im Kreis um die Streitenden. , Ihre Gesichter sind ernst und sachlich. „Der sitzende Stier“ sehaut unsicher von einem zum andern und weiß, was e* geschlagen hat. Da reißt er mit einem Ruck den Kittel herunter und stülpt die Hemdärmel hoch. Jakob zieht langsam den braunen Rock aus und steht mit nacktem Oberkörper da. Er hat kein Hemd an. „Alle Griffe sind erlaubt vom Kopf bis zu den Hüften. Wer kratzt und beißt, darf nicht mehr mitfun. Verspielt hat, der zuerst auf dem Rüeken liegt.“ „Totenl^f“, ein recht freundlich dreinschauender Bursche mit einem Bartanflug, übt das Kampfrichteramt, weil er als der Stärkste nach Jakob gilt. „Der sitzende Stier“ stößt ein scheußliche* Geheul aus und springt wie ein verrückt gewordener Heuhüpfer um Jakob, der sich langsam um die Achs« dreht und. die Arme leicht vom Leib abgewinkelt, argwöhnisch jede Bewegung des kleinen, untersetzten Gegners verfolgt. Der Tanz dauert schon fünf Minuten, denn kef. »er will angreifen. „Der sitzende Stier“ ist schon halb heiser vor lauter Schreien. „Totenkopf“ schüttelt unwillig die Locken und fängt mit gespitzten Finger« nach einem Haar seine« »och nicht vorhandenen Schnurrbarts. „Wastl muß angreifen. Er hat Jakob beleidigt.“ „Chingachgook“ widerspricht heftig. „Nicht wahr is’s. Jakob hat ringen wollen.“ Der Kampfrichter ist beleidigt und weist den Ejnwand scharf zurück, „Chingachgook“ erwidert auch nicht sanft, und im Handumdrehen ha- h»n sich „Totenkopi* und „Chingachgook“ beim Wickel. Das andere Paar dreht sich noch immer wie da» verwunschene Mäd-hen. da* am Feiertag tanzen wollte. Helle Tropfe« rinnen über das! Blasengelgesicht des „Sitzenden Stiers*. „Toten- köpf“ kniet auf „Chingachgook“, den er innig walkt. Diese« Beispiel reizt den „Sitzenden Stier“ endlich. Mit wildem „Hugh“ springt er Jakob an in der tückischen Absicht, den reichlich längeren Feind zu unterlaufen. Doch Jakob ist auf der Hut, erwischt den „Sitzenden Stier“ beim Kopf und preßt das feiste Gesicht derb an seine nackten Rippen. Dann wirft er *,ich schnell vor und legt den Gegner längelang in den Rasen. Die zwei andern haben Inzwischen ausgerauft, „Chingachgook“ kniet schon wieder neben seiner Landkarte und fährt mit dem Finger im Mittelmeer spazieren. „Au fein! Ich hab’ den Vesuv. Obers Jahr muß ich dem zuscha t «. wie er Feuer speit . . Der Ausruf sch'ägt alle Zwietracht nieder. Jakob läßt den „Sitzenden Stier“ los und läuft zu „Chingachgook“, der den Finger krampfhaft auf feinen Punkt der Karte preßt. Jakob bückt sich tief auf diesen Punkt und liest andächtig de» winzig gedruckten Namen ab. „Wie das bei einem feuerspeienden Berg bloß is? . . . Vorgestern bin ich in der Gießerei gewesen. Da haben sie den großen Ofen auf gemacht. Armsdick is der Guß raus und lauter Funken sind fortgeflogen. Und heiß war’s! Die Walzenstrecke hat gedampft und gezischt , . . Glaubt Ihr, daß es beim Vesuv auch so heiß is?“ Die blauen Augen Jakobs blitzen, so hat er sich in Eifer geredet Leidenschaftlich behauptet die Mehrzahl, am Vesuv könne es niemals so heiß «ein wie in der Gießerei. „Da müßt ich erst droben steh’n und ins Loch gucken, wo das Feuer rauskommt. Vielleicht ist es doch noch heißer.“ Die meisten Meinungen geben „Chingachgook“ recht. Feierlich schwören die sieben, sie wollte» gemeinsam den Vesuv besteigen und in d«B Krater gucken. Ich weiß Pflaumen!“ Ein schlanker, schmaler Lehrling mit listig blinzelnden Augen wirft diesen neuen Ruf in die Bande. Das genügt, um von allen feuerspeiende» Bergen der Welt abzulenken. „Wo? ... J*t der Zaun hoch? . . , Ist auch kein Hund da? ,.Fortsetzung folgt Seite 4 — Nummer 2 Samstag, 6. Juli 1946.1 Die Situation im deutschen Theater* und Musikleben Besinnung, Reinigung und" Neuaufbau — dies ist die Losung, die das kulturelle Leben Deutschlands gegenwärtig beherrscht und ihm trotz mancher in den wirtschaftlichen Schwierigkeiten begründeter Hemmungen neue Anregungen und an zahlreichen Orten neuen Auftrieb gibt. Auch in der Romanliteratur, in " der Lyrik und im Drama beginnt sich’s wieder zu regen. Allerdings hat man an vielen Stellen zunächst eine radikale Reinigung durchgeführt. Die Abteilung für Volksbildung im Magistrat Berlin hat ein Verzeichnis der Literatur aufgestellt, die aus den Büchereien ausgesondert werden soll. Das Gesamtwerk folgender Autoren wird nach dieser Liste aus den Büchereien ausgeschlossen: Hans Friedrich Blunck, Arnolt Bronnen, Edwin- Erich Dwineer, Richard Euringer, Ernst Glae- s e r, Paul Grabein, Rudolf Herzog, Robert Hohlbaum, Mirko Jelusich, Hans Jobst, Max Jungnickel, Hans Christoph Kaergel, Felix Lützken- dorf, Gerhard Menzel, Herybert Menzel und Ulrich Sander. Daneben werden auch Einzelwerke von der Säuberung betroffen, so unter anderem Rudolf Ci i Binding mit seinen Kriegserzählungen, Hans C a r o s s a mit den „Geheimnissen des reifen Lebens“, F a 11 a d a mit „Bauern, Bonzen, Bomben“, ferner Heinrich Hauser, Erwin Guido Kolbenheye r, Alexander Lernet-Ho- lenia, Wilhelm v. Sc holz, Wilhelm Schäfer und Gorch Fock. Aus Amerika kommt die Meldung, daß Thomas Mann einen neuen Roman „Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde“ vollendet hat. Günther W e i ß e n b o r n hat ein Schauspiel „Die Illegalen“ geschrieben und mit diesem Werk, das die unterirdische Arbeit gegen das Hitler-Regime gestaltet, in Berlin ersten Erfolg gehabt. Nun soll dieses Bühnenstück unter der Regie von Werner Hochbaum von der Demo- Film verfilmt werden. An dem Drehbuch sind außer Weißenborn noch Werner Hochbaum und Graf Treuberg beteiligt. An der Hamburger „Jungen Bühne“ erlebte das Schauspiel „Engel des Lebens“ von Hans- Josef R e h f i s c h seine deutsche Uraufführung. Der Dichter ist zwischen 1925 und 1930 in Deutschland bekannt geworden. Oft gespielt wurde seine „Affäre D r e y f u ß“. Dr. S a 1 a d i n Schmitt, der langjährige Intendant des Stadttheaters Bochum, übernimmt wieder die Leitung dieser Kunststätte und hat für die neugegründete Shakespeare-Gesellschaft den „Harale t“ neuinszeniert. Der deutschen Shakespeare-Gesellschaft haben sich nach ihrer Neugründung Frank Thieß, Ernst Wiechert und Herbert Eulenberg zur Verfügung gestellt. Der Pflege der Shakespeareschen Dichtungen widmet sich auch der Generalintendant der Düsseldorfer Bühnen, Wolfgang L a n g h o f f mit großer Hingabe. Langhoff trat früher selbst als Darsteller und Regisseur von Werken Shakespeares hervor. Als entschiedener Gegner des Nationalsozialismus kam er unter dem Hitler-Regime in die Hölle eines Konzentrationslagers und später als Emigrant in die Schweiz, wo er sein Buch von den „Moorscldaten“, von den Opfern der Hitler- Tyrannei, schrieb und mit Erfolg an Schweizer. Bühnen wirkte. Es ist nicht verwunderlich, daß sich Langhoff auch sehr tätig jener neuzeitlichen Autoren annimmt, die von den Nationalsozialisten in die Acht getan worden waren, vor allem des Düsseldorfer Dichters Herbert Eulenberg, der vor wenigen Monaten seinen 70. Geburtstag feiern konnte. Karl Zuckmayer, der Verfasser des „Fröhlichen Weinberg“ und der „Katharina Knie“ hat ein neues Schauspiel“ „Des Teufels General“ geschrieben: es beschäftigt sich mit dem Schicksal eines Deutschen, der nie Nazi war und dennoch „mitgemacht“ hat. Der westdeutsche Dichter Roland Marwitz hat ein neues Stück mit dem vielversprechenden Titel „Napoleon muß nach Nürnberg“ geschrieben, Bert Brecht tritt mit einem neuen Schauspiel „Die Gewehre der Frau Carrar“ hervor. Aus dem Bereich der Musik ist zu erwähnen, daß Richard Strauß durch das „Collegium musicum“ in Zürich ein neues Werk „Studie für 23 Solostreicher“ zur Uraufführung brachte. Der bekannte Generalmusikdirektor Hermann Abendroth, der früher in Köln und Leipzig wirkte, hat sich um die Wiederbelebung der Musik in Thüringen, vor allem in Weimar und Jena, große Verdienste erworben und Ist dafür vom Präsidenten des Landes Thüringen zum Staatsrat ernannt worden. Benno Walter 111 z, früher Generalintendant In Düsseldorf und Intendant des Wiener Volkstheaters. ist mit der Leitung der Nürnberger Theater betraut worden. Man spürt an vielen Stellen im deutschen Kunstleben einen neuen Auftrieb. Hoffen wir, daß die Autoren der deutschen Gegenwartsstücke. deren Förderung wir in unserer ersten Ausgabe versprachen, auch auf den südwestdeutschen Bühnen gebührend zum Wort kommen werden. H. Sache, aber jede rechte soldatische Tugend habe doch auch moralischen Grundwert; man folgert, echtes Soldatentum müsse darum die Umwertung vieler Werte rein und unbefleckt überdauern. Mit einem sonderbaren Gefühl verfolgt der Beobachter des Jahrganges 20, was zur Unterstützung dieser These alles vorgebracht wird. Natürlich, so sagen diese Kreise, lehnen auch wir den Krieg ab, auch wir verweigern dem Soldaten, der um des Krieges willen Soldat ist, die Daseinsberechtigung. Aber wir möchten jenen Soldaten, der es um der soldatischen Haltung willen ist, von einer Verdammung in Bausch und Bogen ausnehmen. (Von den Millionen, die es im Kriege werden mußten, ist hier nicht die Rede.) Abgesehen davon, daß ihr „Natürlich“ gar nicht so natürlich ist, mutet die ganze Defini- diesen Tagen in Nürnberg bei Raeder, Dönitz, Keitel und Marschall Göring durchschauen? Taten sie nicht alle „nur“ ihre Pflicht? Waren nicht alle „nur“ Soldaten? Aber man meint wohl, wenn von den echten und revisionsfähigen Werten des Soldatentums gesprochen wird, jene lauteren Jünglingsgestalten aus gutem Hause und mit gediegener Bildung, deren Ehre unantastbar ist, die nach einer Niederlage zwar korrekt ihren Degen übergeben, ansonsten aber das Prädikat „H e r r“ behalten. Jene etwas verträumten Idealisten, die Homer und Hippolyte Taine im Tornister mitführen, die in den Musikzimmern fremder Schlösser mit heiliger Scheu einhergehen und als Einsame auf dem Klavier Chopin spielen, die an romanischen Kaminen französische Lyrik lesen. Dort, wo es sie gab, reichen wir ihnen i n stillem, wortüberflüssigen Verstehen die Hand, denn sie waren in allererster Linie Menschen und erst ganz hinten irgendwo ein bißchen Soldat, sie wollen nicht soldatisch, sondern menschlich angesprochen sein. In der Überzahl NÄCHTLICHE FAHRT' Lichter blinken und versinken draußen roie in schmarzem Schacht. Städte sprühen auf und minken und verglühen in der Nacht. Aus dem dunklen Dickicht steigen Türme magisch sternenan, und in feierschwerem Schweigen säumen Wälder unsre Bahn. Berge, die der Nacht entwachsen, saugen unsren leichten Lauf, aus dem Rhythmus flinker Achsen wacht ein liebes Lied uns auf. Beimisch wird uns da der Wagen, der uns Schlaf und Wärme schenkt und, von froher Bast getragen, in den fernen Morgen lenkt. Bans Eäry tion auf den ersten Blick wie Wortklauberei an. Man ist geneigt, sie ohne Kommentar in die unterste Schublade zu legen. Aber Arglosigkeit war schon vor 1933 eine verhängnisvolle Schwäche. Wie sieht jener Soldat aus, der Soldat ist, ohne Soldat zu sein, der die soldatische Haltung pflegt, ohne in einen Krieg ziehen zu wollen? Ist seine Haltung ein Strammstehen? Ist sie „Zackigkeit“ im Sinne des Militarismus preußischer Prägung? Wo sind da exakte Grenzen? Lernten wir diese „soldatische Haltung“ nicht gerade In gibt es sie nie, deswegen sollte dieser Typ nicht wieder so gefährlich verallgemeinert werden, wie es die Nachkriegs- und vor allem die NS.-Litera- tur getan hat. Gedichte lesende Leutnants hat es in diesem Kriege noch weniger gegeben als im vorletzten. Gewiß, auch Rilke und K1 a b u n d haben Soldaten gezeichnet; aber es waren Menschen, denen das Soldatische im Grunde — und oft ohne daß sie es wußten — doch so fremd war, daß sie nicht so genannt werden sollten. Die Lagerfeuer soldatisch „erzogener“ Jugend sind erloschen. Die Landsknechtstrommeln schweigen. Die Lieder von Reiterhaufen, Abschied, Sommerabend und Schlacht verklungen. Man analysiere nicht, was daran noch Bestand haben soll, man lasse die Jugend sich endlich einmal auf sich selber besinnen. Es gibt Besseres und Näherliegendes! Man mache aus „soldatischer Tugend“ keine Tugend mit doppeltem Boden und aus „echtem Soldatentum“ kein Evangelium. Denn: so aufrichtig und anständig der Einzelne auch über diese Dinge denken mag, wenn er sich von ihnen nicht konsequent trennt, wird er — vielleicht unbewußt— zum Helfer von Kräften, die alles andere als aufrichtig und anständig sind. Der Mißbrauch eines ganzen Volkes genügt einmal, soll er sich jemals wiederholen? Soll sich die ergebene Formel „Jawohl, Herr Oberleutnant!“ auch in unserem zivilen Dasein vor jedem Vorgesetzten im devoten „Jawohl, Herr Inspektor!“ fortsetzen? Ringen wir uns also endlich durch „Ja, Herr Meier!“ zu sagen. Kulturelle Notizen Heinz Hilpert inszeniert an dn Bodensee-Bühnen Stadttheater Konstanz Shakespeares „Was ihr wollt” mit Inge Conradi, Helena Longoni, Lola Müthel, Wolfgang Engels, Karl Klüsner, Siegfried Schürenberg, Wilfried Seyferth u. a. Zu Ehren Max Reinhardts, des großen deut- sehen Regisseurs und Förderers vieler Dichter, der während des Krieges in Hollywood starb, wurde in den letzten Tagen eine Gedächtnisfeier veranstaltet, an der Vertreter aller drei Besatzungsmächte teilnahmen. Es wurde dabei u a. vorgeschlagen, ein Schauspielinstitut Max Reinhardt und ein Reinhardt-Museum zu errichten und Reinhardt-Stipendien fär begabte junge Schauspieler zu stiften. Die 'Berliner Carlstraße, die das Deutsche Theater mit dem Großen Schauspielhaus verbindet, ist in Max-Reinhardt-Straße umgetauft worden. Erich Kästner für Kinder. Erich Kästner, der vor 1933 mit der Dramatisierung und Verfilmung seines Romans „Emil und die Detektive” einen ungewöhnlichen Erfolg bei Kindern und Erwachsenen erzielte, ist erneut als Dramatiker für Jugendliche hervorgetreten. Im Berliner Metropoltheathr wird sein Stück „Pünktchen und Anton”, das wieder mit ungewöhnlichem psychologischem Verständnis die Welt der Kinder und Jugendlichen auf die Bühne bringt, mit außerordentlichem Erfolg gegeben. Neben einer Reihe „richtiger” Schauspieler treten in den Hauptrollen Kinder auf, die mit größter Hingabe ihre lebenswahren Rollen spielen. Stalinpreisträger. Wie Radio Moskau bekannt- . gibt, haben drei russisme Wissenschaftler den Stalinpreis im Betrage von hunderttausend Rubeln für aerodynamische Forschungsarbeiten zugesprochen erhalten, durch 6 welche die Möglichkeit geschaffen worden ist, Flugzeuge mit einer Höchstgeschwindigkeit von über tausend Stundenkilometer zu konstruieren. Er handelt sich um die Gelehrten Tschistyanowitsch, Galperingorki und Kowalew. Unter den übrigen mit dem Hunderttausend-Rubel-Preis belohnten Gewinnern befinden sich der bekannte Historiker Alexandrow und der propagandistische Parteileiter und Komponist Prokofieff. Ferner geht ein Stalinpreis au Alexander Stanow ,-für die Entdeckung neuer Spaltungs- arten des Atomkerns durch kosmische Strahlen”« Der Sport im Der internationale Sport und wir In Wimbledon geht_gegenwärtig das Tennis- de. Volk“ »Jawohl, Herr Oberleutnant!“ V-om „großen Umlernen“ Der Persiikarton, mit dem wir als „schäbige Zivilisten“ vor Jahren durch das Kasernentor in einen neuen Lebensabschnitt traten, ist längst verbrannt; er hat sich in irgendeinem zerbombten Winkel in ein Nichts aufgelöst. Unsere Erinnerung an jenen Lebensabschnitt, der alle Brücken zu den vorhergehenden abzubrechen gebot und In dem wir unversehens frischgeschorene „neue Menschen" waren, aber lodert weiter, sie wird «ich nie in ein Nichts auflösen. Es gibt Gruppen und Kreise, die im Werben «m die Jugend diese Erinnerung nur zu gern euslöschen möchten. Zumindest möchten sie ihr einen milden Glanz geben. Man versucht, den Milifarismus als Soldatentum zu deuten; man ßägi, der Militarismus sei zwar eine verwerfliche furnier der Welt zu Ende. Das ist eine der sportlichen Großveranstaltungen, die zwar keinerlei offiziellen Charakter haben, d. h., bei denen es keine ausgeschriebenen Meisterschaften zu erringen gibt, auf denen aber doch die Augen der Sportwelt ruhen. Es gibt eine ganze Reihe solcher Sportfeste. So in Frankreich z. B. die Tour de France, die unter einer bei uns kaum vorstellbaren Beteiligung des ganzen Volkes abläuft und bei der es in den Etappenstär' en geradezu zu Volksfesten kommt; so auch die Ffenleyregatte in England, die für die Skuller Wert- und Gradmesser ist. Derlei Sportfeste haben ihren Wert im Laufe der Jahre vor allem durch ihre Beständigkeit und ebenso durch die jeweiligen Beteiligungen der Besten der Welt erhalten und laufend vermehrt Bei uns in Deutschland hatten wir selbst in den ruhigsten Jahren keine Veranstaltung, die sich eine solche internationale Geltung erwarb. Die Rennen am Nürburgring zogen wohl die größten Massen an Zuschauern an. Aber die Veranstaltung selbst hatte in den wenigen Jahren ihres Bestehens doch noch nicht jenes Fluidum um sich verbreiten können, welches allein die Sportler der Welt dahin schauen läßt. Wenn es uns also schon in „normalen“ Zeiten nicht gelang, sportlich in der Welt so Fuß zu fassen, dann müssen wir uns heute, nach dieser Katastrophe fragen, wie lange es wohl dauern wird, bis auch wir wieder zu international wertvollen und anerkannten Sportfesten oder auch nur zu einer Beteiligung an solchen im Ausland kommen. Bleiben wir bei Wimbledon. Dort hat sich in diesen Wochen nun alles eingefunden, was im Tennis überhaupt eine gewisse Klasse repräsentiert. Allein hier schon fragen wir aus unseren Verhältnissen heraus: „Ja, wie kommen denn die Sportlerinnen und Sportler aus Brasilien, Australien, aus China, kurz, aus allen Himmesrichtun- 1 VfR. Zähr'nren (Handball) fährt zum fälligen Punktspiel nadi Ringsheim. Fußball — Staffel Elztal Fortuna II. Freiburg 12 11 i 75 :16 22 Zähringen 12 7 3 2 35 :24 17 Gutach 12 7 2 3 53 33 16 Kollnau 12 5 7 47 :45 10 Waldkirch 12 4 1 7 30 40 9 Gnndelfingen 12 4 8 26 :52 8 Glottertal 12 1 — 11 24 :81 2 Fußball — Staffel Tuniberg Waltershofen 14 10 3 1 48 :19 23 Buchheim 14 8 3 3 48:25 19 Ihringen 14 7 3 4 38 :34 17 Umkirch 14 6 3 5 35 :36 15 Breisach 14 4 6 4 43 :33 14 Gottenheeim 14 3 5 6 20 27 11 Oberrimsingen 14 3 3 8 29 :37 9 Munzingen 14 2 — 12 20 :72 4 Tabeflessorgen Nachdem am Sonntag in Offenburg der Sieger der Staffel West der Fußball-Oberliga dem SV. Rastatt ermittelt wurde, ist in der Tabelle klar. Aber wie wird es nun „unten** * m Ta bellenende? Nock steht das Spiel Blauweiß (Kickers) — VfL. (Sportclub) aus. das darüber entscheiden wird, ob der Sportclub Baden-Baden oder Blauweiß Freiburg auf dem letzten Platz steht; dieser Platz ist dann von negativer Bedeutete, wenn mit ihm der Abstieg in die nächstniedere Fußballklasse verbunden ist. Von einem Abstieg aber wurde vor Beginn der Runde nicht gesprochen, weshalb es nickt ganz leicht sein wird, die Gefährdeten jetzt dafür zn begeistern. Möglich sind weiterhin eine Erhöhung der augenblicklichen Teilnehmer- gen termingerecht nach London?" Auch die Frage beschäftigt uns, haben die alle wieder erstklassige Raketts Bälle, Schuhe?“ Schon am Entstehen solcher Fragen überhaupt erkennen wir, wie weit uns dieser „gemachte“ Krieg selbst in diesen bescheidenen freiheitlichen Lebensäußerungen des Sports zurückgestoßen hat In Wimbledon, wenn die Finals ausgespielt werden, wird sich auf dem Centre Court eine tausendköpfige Menge auf den Tribünen drängen; unten auf dem Spielfeld, auf einer für unsere Begriffe unglaublich dichten, kurz geschorenen und wie ein Teppich wirkenden Grasnarbe werden die Bälle flitzen und die Sieger der Disziplinen werden an die Spitze der Weltrangliste rücken. Der Davis-Pokal und Wimbledon werden dann geklärt haben, wo die besten Tennisspielerinnen und Spieler der Welt stecken und wie sie heißen. Deutsche werden nicht darunter sein. Ebenso wenig wie man ihre Namen unter den Teilnehmern der Tour de France — die in verkleinertem Maßstabe in Kürze anläuft — und auch der Henley-Regafta, die am 14. 7. startet, finden wird. Dies darf für uns kein Zeichen sein, nun zu resignieren, nun nach den Festplätzen der sportlichen Welt zu schauen. Resignieren liegt einem Sportler ohnehin nicht Uns kann das nur zu der klaren Erkenntnis bringen, daß wir ganz von unten anfangen müssen und woben, um Stück für Stück zu versuchen, wieder in den internationalen Sport einzurücken, in ihm und mit seiner Hilfe zu zeigen, daß uns die international gültigen Begriffe und Gesetze im Sport nicht fremd geworden sind und daß auch der deutsche Soortier wieder das Vertrauen genießen kann, we'ches Voraussetzung für einen internationalen Sportverkehr ist zahl nnd eine Erweiterung de» Ligagebietes. Welche Planung schließlich zum Ziel führt, wird zum wesentlichen von der Frage abhängen müssen, wie die beteiligten Vereine die Verkehrsfrage lösen können. Klnbkampf 1860 and VfL. München siegten im Leichtathletik- . Klnbkampf In München lieferten sich 1860 München. VfL. München und Eintracht Frankfurt einen Leichtathietik-Klub- kampf, in dem die beiden Münchener Vereine je 108 Punkte erzielten. Eintracht Frankfurt konnte 3 Wettbewerbe nickt besetzen und erreichte 65 Punkte. Bei den Frauen belegte der VfL. München mit 59 Punkten vor Fintracht (52 Punkte) und dem in diesen Wettbewerben für München 1860 startenden MTV. München (45 Punkte) den ersten Platz. Jahresbestleistungen wurden bei den Männern in der 4XlOO-m-StafFe! von VfL. München in 44,5 Sek. über 110 m Hürden von Krunnkreigl in 15.7 und im Dreisprung von Kriegl mit 13,55 in aufgestellt. Bei den Frauen stellten Gugler (Eintracht Frankfurt) über 100 m in 121 Sek„ ira Speerwurf Eckelt Köster (Eintracht Frankfurt) mit 39,64 m und im Hocksprung Eckelt (MTV. München) mit 1,50 m neue Jahresbestleistungen auf. Tagung der badischen Kreissportbeanltragten In Offenburg tagten die Kreissport beauftragten unter dem Vorsitz des Sportbeauftragten der Miiitär- regierug Freiburg, Dinger. Man erhielt einen Rückblick auf die vergangenen Serien spiele. 232 Fußball- und 52 Handball-Mannschaften haben sich in der nun zu Ende gegangenen Saison gemessen. In den nächsten Wodien wird auf den Bezirkstagen der neugegründeten Vereine die Einteilung der Klassen für die kommende Spielzeit erfolgen. Bis jetzt haben 250 Vereine ihre Neugründung elngerefdit. In der Leichtathletik - - 53 * >« ... • . , rj J_ -1- “L i- und Ge Sebietsmeisterschaften durchgeführt sollen Bezirkswerden. Fußball-Endspiel in Freibnrg i. Br. Nachdem die beiden Staffeln West und Ost der badi- sehen Oberliga (franz. Zone) ihre Meister in dem 8V» Rastatt und dem FC. Konstanz ermittelt haben, wurde das Endspiel um die Badische Meisterschaft auf Sonn» tag, 14. Juli 1946, angesetzt. Austragungsort ist da» Stadion der Fortuna (früher FFC.) in Freiburg i. Br. Pfälzer Besuch in Freibnrg i. Br. Eine weitere große fitßballsportliche Veranstaltung verw mittelt der VfL. Freiburg (früher SC. Freiburg) den Freiburger Fußballinteressenten. Der 1. FC. Kaiserslautern» der in der Pfälzer Oberliga hinter dem Meister Saarbrücken an zweiter Stelle steht, hat für Mittwoch, 31. JuU# zu einem Abendspiel seinen Besuch zugesagt. Kaiserslautern, das mit dem sich augenblicklich in bester Form befindlichen Nationalspieler Walter antreten wird, hat erst vor kurzem den neuen Meister FV. Saarbrücken mit 2 :0 geschlagen. Letzte Spielvoranzeigen VfL. Freiburg — Spv. Teningen. Eine wichtig« Vorentscheidung fällt am Sonntag, 16.00 Uhr, auf dem Sportclub-Platz (unterhalb des Strandbades). Gewinnt der VfL. Freiburg dieses Spiel, so ist ihm die Staffelmeister- schaft kaum mehr zu nehmen. Im Vorspiel treffen sich die 2. Mannschaften. SV. Kirchzarten und Fortuna Freiburg bestreiten am kommenden Sonntag, dem 7. Juli 1946, abends 19.30 Uhr* in Kirchzarten eines ihrer traditionellen Freundschaftstreffen. Am Dienstag, 9. Juli 1946, begegnen sich im Mösle« Stadion Blauweiß Haslach und Fortuna Freibnrg in einem Freundschaftsspiel. Das Spiel wird für die Has- lacher, die am 14. Juli 1946 ihr letztes noch ausstehende» Verbandsspiel gegen den SC. die letzte Kraftprobe sein. Spielbeginn: 19.30 Uhr. Vorspiel; Fortuna Freiburg UI gegen Blauweiß Haslach H. Leichtathletik-Länderkampf Einen Leichtathletik-Länderkampf gab es in Hamburg zwischen den Vertretungen von der Nordrheinprovinz nnd der Hansastadt Hamburg. Die Hamburger blieben bei den Herren mit 82 : 63 und bei den Damen mit 39 :30 Punkten siegreich. Bei den Damen gab es ansprechende Leistungen durch Mollenhauer im Speerwerfen mit 38,38 m, Schlüter im Kugelstoßen mit 11,98 m und Möller mit 12,2 Sek. über 100 rn. Der Westdeutsche Steffen gewann die 200 m mit der international bescheidenen, für unseren Anfang aber genügeiw den Zeit von 22,7 Sek. 3. Internationales Arbeitersportfest In Helsinki wurde das 3. Internationale Arbeiten Sportfest eröffnet, bei dem Delegationen aus Frankreich* Rußland, Dänemark. Polen, Schweden und der Schwei» anwesend sind. Finnische Turnerinnen und Turner eröff- neten die Veranstaltung. Erste Ergebnisse gab e» in den Kämpfen der Gewichtsheber. Dreikampfsieger wurde: Federgewicht: Andersson (Schweden) 312,5 kg (92,5, 97,5, 122,5). — Leichtgewicht: Popov (Rußland) 320 kg (90, 100, 130). — Mittelgewicht: Virta (Finnland) 292 5 kg (87,5 90, 115). — Halbschwergewicht: Lundberg (Schweden) 310 kg (85, 97,5, 127,5). — Saiwerge wicht; Kutsonko (Rußland 420 kg (127,5, 127,5 165). Rassischer Schwimmrekord Der Rasse Leonid M e c h k o v hat seine erst vor einer Woche in Moskau aufgestellte weitbeste Leistung für das lOO-m-Brustschwimmen abermals, und diesmal 1:05.1 verbessert. Grand Prix der Rad-Sprinter Am 6./7. Juli wird in Paris der Grand Prix der Rad» Sprinter ausgetragen. Erstmals wird dafür eine Apparatur für Zielphotographie eingebaut, die den oft auf Reifen- stärke zusammenschrumpfenden Vorsprung im Ziel deutlich machen soll. Die Miete für diese Einrichtung kostal die Kleinigkeit von 40 000 Francs. RadsporTv erein Freibnrg In der Gründungsversammlung des Rad. Sportvereins Freiburg wurden rum 1. Vorsitzenden K. Glöckner- zum Kassierer Scherer, zum Sportleiter Hettich und zum Schriftwart Kaiser gewählt. Außerdem wurden füg jede Sportart ein Techniker und ein Jugendleiter b«» stimmt. Hierauf wurden die Vereinssatzungen verlese® und einstimmig angenommen. Alle gewählten Funktionäre sind aktive, erfahrene Radsportler, so daß für dfa intensive Pflege aller Radsportarten die beste Gewähr geboten ist. Alle Radsportler nnd Frennde de» Rad« Sports sind zom Beitritt herzlich eingeladen* Nummer 2 — Seife 5 Samstag, 6. Juli 1946. %a$13otit ■% STIMMEN HEIMAT Was bietet Freiburg? Samstag» 6. Juli 1946 Stadt. Bühnen (Casino); 19.00 Uhr: .»Figaros Hochzeit**» Oper Ton Mozart. Junge Bühne Lörrach (Schauspieler-Kollektiv), Maria-Hilf: 20 Uhr: ..Das Gaslicht“, Kriminaldrama von Patrick Hamilton. Sonntag, 7. Juli 1946 Mädt. Bühnen (Casino): 20 Uhr: ,,Fra Diavolo“, Oper von Auber. Jtnge Bühne Lörrach (Schauspieler-Kollektiv), Maria-Hilf: 20 Uhr: „Das Gaslicht**, Kriminaldrama von Patrick Hamilton. An allen Tagen Nachwirkungen bekannter Impressionisten, in anderen aber ein ganz eigenes, packendes Leben, so in der Studie des „Russen“ und dem trefflichen, herzwarmen Pastellbild „Nora“. Hog ist hintergründiger als Hertha Jaegerscheidt. Einige Ölgemälde verblüffen durch ihre Technik und ihren Stimmungsgehalt. Recht reizvolle, subtile Tanzskizzen zeugen von der Vielgestaltigkeit des Schaffens des Künstlers, dem wir nur noch eine größere Ausgeglichenheit wünschen. Es fehlt ihm offensichtlich nicht an der erforderlichen Ausdruckskraft und der fdeenfülle, daum hoffen wir, ihm später einmal vor neuen Zeugnissen seiner Arbeit zu begegnen. Här. Aus dem Gerichtssaal Wurstbrühe verkauft, in der ein giftig wirkender Stoff, Nitrite benannt, enthalten war. Wenige Stunden nach dem Genuß starben vier Personen, weitere 15 Personen mußten unter schweren Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Nitrite, das aus salpeterigsauren Salzen besteht, ist ein zwar nicht erlaubter, aber dennoch häufig verwendeter Zusatz zu Fleisch- und Wurstwaren. Zu welchen Folgen die unstatthafte Verwendung führen kann, zeigt das Beispiel in Trier mit erschreckender Deutlichkeit. — ü — Zur Beratung der Arbeitsämter Nach einer Anordnungdes Alliierten Kontrollrates sollen in Ausschüssen zusammengefaßte verantwortliche Vertreter des öffentlichen Lebens die Arbeitsämter in allen Arbeitsangelegenheiten beraten. Der Kontrollrat will durdi die Bildung dieser Ausschüsse, die sich aus einer gleichen Anzahl von Vertretern der Arbeiter, Angestellten, Arbeitgebern und öffentlichen Körperschaften zusammensetzen, das Arbeitsrecht auf eine demokratische Grundlage stellen. Aus Lörradt und Umgebung Augustiner-Museum: Meisterwerke mittelalterlicher Kunst. Hans Stadelmann: Kunstausstellung mit Werken von H. Jaegerscheidt und H. Hog, Freiburg. Casino-Lichtspiele: „Der ewige Bann“. Harmonie-Lichtspiele: „Christiane**. Union-Theater: „Erster Ball*'. Meldung der Neuhinzuziehenden Alle nach Freiburg neuhinzuziehenden männlichen Personen im Alter von 16 bis 60 Jahren müssen sich in folgender Reihenfolge bei den nachgenannten Ämtern melden: 1. Statistisches Amt, Eisenbahnstr. 48, 3. Stock, Zimmer 1 (milit. Angaben), 2. Statistisches Amt — Politische Abteilung, Schwabentorplatz 2, Gewerkschaitshaus, 4. Stock, Ausstellung der politischen Ausweiskarte, 3. zuständiges Polizeirevier zwecks Anmeldung, 4. Zuzugsstelle, Adelhauserkloster, 5. Ernährungsamt, Lessingschule, 6. Arbeitsamt, Wilhelmstraße. Männliche Personen, die im letzten Krieg nicht Soldat waren, melden sich nicht erst in der Eisenbahnstraße, sondern gleich bei der Politischen Abteilung im Gewerkschaftshaus 4. Stock. Das Pflücken von Lindenblüten Das Städtisdie Gartenamt gibt bekannt: Ohne besondere Erlaubnis ist das Pflücken von Lindenblüten nur in der Hebel- und Hindenburgstraße gestattet, in allen anderen Straßen, auf Plätzen und auf Promenadenwegen verboten. Zum Pflücken, das nur in der Zeit von vormittags 6 Uhr bis abends 8 Uhr erfolgen darf, müssen Doppelleitern verwendet werden. Ein Besteigen der Bäume ist nicht gestattet. Beschädigungen der Bäume müssen unter allen Umständen vermieden werden. Freiburger Passionsfestspiele vom 4. bis 15. August auf dem Münsterplatz Eingehende Verhandlungen mit den maßgebenden Regierungs- und Verwaltungsstellen haben zu dem Ergebnis geführt, daß die alten Freiburger Passionsfestspiele nach zwölfjährigem Verbot am 4. August wieder in Freiburg werden beginnen können, und zwar auf dem von Trümmern umsäumten Münsferplafz. Der gesamte Reinertrag der unter dem Ehrenprotektorat des Erzbischofs Dr. Gröber stehenden Veranstaltung, die bis einschließlich 15. August dauern wird, wird den Freiburger Bombengeschädigten zur Verfügung gestellt. Für die Festspiele sind hervorragende Künstler der ehemaligen St^atstheater Karlsruhe, Mannheim und Berlin verpflichtet worden. Die Gestalt Christi wird von M. G. Faßnacht, dem Direktor des Unternehmens, verkörpert werden. Auch sein aus Amerika heimgekehrter Sohn, Staatsopernsänger Georg Faßnacht, wird neben anderen ersten Kräften bei den Festspielen mitwirken. Als künstlerische Beiräte und Mitarbeiter wurden Kunstmaler Heinrich Wittmer und der neuernannte Städt. Gartenbaudirektor Muhl gewonnen. U. a. sind Einladungen an die Schweiz, Schweden und Dänemark ergangen. Junge Kunst bei Stadelmann In den Räumen des Hauses Stadelmann in Freiburg stellen gegenwärtig Hertha Jaegerscheidt und Heiner Hog zahlreiche Bilder aus, die einen Einblick in ihr Schaffen vermitteln. Hertha Jaegerscheidt, die im Jahre 1900 in. Neuruppin geboren wurde, ihre Jugend aber in Süddeutschland und in der Schweiz verlebte, hat sich hauptsächlich dem Aquarell gewidmet und gestaltet süddeutsche Winterlandschaften, Bilder aus Dalmatien und Italien. Es lebt viel Fleiß und Filigranarbeit und eine lockende Atmosphäre in ihren Bildern. Manches ist freilich etwas zu konventioneil und zu „mild“ gesehen. Darum fehlt der Landschaft oft das Elementare, das aber durch eine echt frauliche Feinheit der Farbgebung, ein sicheres Intuitives Gestalten ausgeglichen wird. Dies wird vor allem aus dep Bildern vom Wörther See spürbar. Hier erlebt man wirlich das Licht und die Atmosphäre jener Landschaft, die die Wucht der Karawanken, die Romantik des Sees und die Idyllen der schon südlich besonnten Gärten vereint und jedem unvergeßlich ist, der einmal dort war. Recht stimmungsvoll ist auch das Bild des Märzschnees in und um Breitnau. In den graphischen Arbeiten ist die Künstlerin herber, sparsamer, aber zugleich stärker in ihren Mitteln. Hier wirkt ihre Sprache dunkler und ernster und kommt unseren heutigen Empfinden, das dem unbeschwerten Schweifen etwas entfremdet ist, viel näher. Ein Begabter, aber auch ein Ringender ist der fünfunddreißigjährige Heiner Hog. In seinen Schöpfungen zeigen sich noch verschiedene Strömungen, die sich nicht immer harmonisch vereinigen. In einigen Bildern verspürt man Tillessen wird zur Verantwortung gezogen Erzberger-Mörder kommt vor Gericht pffenburg. Beinahe 25 Jahre sind verflossen seit der an dem Reichstagsabgeordneten Matthias Erzberger verübten feigen Mordtat. Erzberger befand sich am 26. August 1921 von Bad Griesbach im Renchtal aus in Begleitung seines Reichstagskollegen Carl Diez, des jetzigen Leiters des Badischen Landwirtschafts- und Ernährungsministeriums, auf dem Wege nach dem Kniebis. Unterwegs wurden sie von zwei fana- tisierten politischen Strauchrittern überfallen und niedergeschossen. Erzberger war auf der Stelle tot; sein Begleiter Diez erhielt einen Schuß in den linken Oberarm; die Kugel streifte auch Brust und Lunge. Einer der beiden Mörder, Kapitänleutnant Heinrich Tillessen, flüchtete ins Ausland, von wo er 1933 zurückkehrte; im Nazi- Deutschland hatte er nichts zu fürchten. Er befindet sich zurzeit hinter Schloß und Riegel und wird sich demnächst als Mordhelfer an Erzberger vor dem Landgericht in Offenburg zu verantworten haben. Vergiftungen durch Wurstbrühe. Trier. Wie aus der Stadt Trier gemeldet wird, wurde dieser Tage in einer dortigen Metzgerei Bilder klag( Die Ausstellung In dieser au! einen engen Raum zusammengedrängten Schau wird das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte spürbar. Acht Wände voll unwiderlegbaren Fotos schreien die Schmach, die die Barbarei Hitlers und seiner Henkersknechte auf den deutschen Namen gehäuft haben, in alle Welt. Es bedarf kaum der Führung; denn hier spricht jedes Bild für sich selbst. Man wird noch einmal an das Europa herangeführt, auf dem der Schatten des Hakenkreuzes gleich einem dunklen Verhängnis lastete: jenes Europa, in dem der gewissenloseste aller politischen Scharlatane 8 146 000 Quadratkilometer Land zusammenraubte und 310 Millionen Menschen versklavte. Eine sehr heilsame Lehre birgt die bildliche Darstellung der Vorgeschichte der „Machtergreifung" und der faschistischen Glaubenslehren in Theorie und Praxis. Von einer Darstellung der gefallenen Größen des „Dritten Reiches“, denen jeweils ein kurzer Lebenslauf beigegeben ist, wendet sich die Ausstellung mit schneidender Schärfe der unübersehbaren Menge von Massenmorden zu, die im Namen Hitlerdeutschlands an Männern, Frauen, Kindern und Greisen aus allen Schichten und Parteien in deutschen und ausländischen Lagern begangen wurden. Man blickt in die erschreckend leeren Gesichter der SS.-Henker, die das Blutgericht ihres „Führers“ skrupellos vollzogen und sich dabei noch als „Helden“ vorkamen, und sieht erschüttert all die armseligen kleinen Dinge, wie Puppen, Schmucksachen, Haare, Gebisse und Schuhe, die den unglücklichen Opfern vor ihrer Beseitigung abgenommen worden waren und später nach Plötzensee wanderten. Zellenwände tauchen vor uns auf, denen die Verurteilten alles anvertrauten, was ihr Herz erfüllte: Worte der Liebe und des Zornes, der Hoffnung — und der Hoffnungslosigkeit. Auschwitz. Belsen, Buchenwald, Dachau und Mauthausen: fünf Namen, hinter denen sich das ganze abgrundtiefe Grauen neuzeitlicher Foltermethoden in all ihrer Unmenschlichkeit verbirgt — fünf Namen, die das Herz jedes anständigen Deutschen mit brennender Scham erfüllen! Die Sprache ist zu arm, um all das grenzenlose Elend, das durch jene und zahllose andere Binzen. Nachdem bereits Pfingsten der Musikverein erstmals seit dem Umsturz wieder öffentlich aufgetreten ist, werden zurzeit auch die ersten Schritte getan, um den Gesangverein wieder ins Leben zu rufen. — Der Fonds zur Beschaffung neuer Kirchenglocken hat annähernd die notwendige Summe zum Ersatz der während des Krieges abgeführten. zwei Glocken erreicht. Eine alte Glocke, die nicht mehr im Gebrauch war und ebenfalls abgegeben werden mußte, wurde kürzlich wieder herbeigeschafft und wird, falls sich die Lieferung des bestellten neuen Geläutes verzögert, evtl, wieder in Gebrauch genommen. — Am 6. Juil feiert Schreinermeister Ernst KeideI den 7 6. Geburtstag. Hodirhein und Hotzenwatd Binzgen. Das bekannte Sägewerk Wehrte wird seinen Betrieb wieder aufnehmen. — In unserer Gemeinde tritt der Kartoffelkäfer in sehr starkem Maße auf. Murg. Die schweizerische Nachbarstadt Laufenburg hat der Gemeinde Murg ein schönes Quantum Kartoffeln zur Ausgabe an die Bevölkerung zur Verfügung gestellt. — Das Standesamt der Gemeinde Murg ver- Hitler an im Kaufhaussaal Lager über Millionen von Menschen kam, so zu schildern, wie es die nackten, unbestechlichen Fotos tun. Doch die Schau 'zeigt auch, wie es zu all diesen furchtbaren Dingen kam. Ohne sein engmaschiges Lügennetz und- seine schrankenlose Willkür wäre es dem Nationalsozialismus nie gelungen, die Massen zu kanalisieren und mit Hilfe der Gestapo seine erbarmungslose Rassenverfolgung durchzuführen. Man sieht noch einmal Hitlers lügenhafte Versprechungen und daneben die harte Wirklichkeit, die sich nicht zuletzt in der wirtschaftlichen Plünderung Frankreichs, Belgiens, Hollands. Polens, Rußlands und anderer Länder widerspiegelfe. Als besonderes Beispiel wird das Elsaß erwähnt, das 250 Jahre lang unter dem direkten Einfluß Frankreichs gestanden hatte und mit aller Gewalt nazistisch gemacht werden sollte. Verschleppungen, Massenmorde: das waren die traurigen Spuren, die das „Wirken“ Hitlers und seiner Spießgesellen in den vergangenen Jahren allüberall hinterließen. Sie der Öffentlichkeit schonungslos vor Augen zu führen und die Herzen immer erneut wachzurütteln, ist die Aufgabe dieser von der Badischen Landesstelle für die Betreuung der Opfer des Nationalsozialismus sorgsam zusammengestellten Ausstellung, die bis einschließlich 12. Juli im Kaufhaussaal durchgeführt wird. Bei ihrer im Beisein des Gouverneurs PSne und zahlreicher Vertreter deutscher Verwaltungsstellen und der Kirche vorgenommenen feierlichen Eröffnung erklärte der Vorsitzende der Landesstelle. Schieler, die überlebenden Opfer des Faschismus verlangten nicht Rache, aber eine gerechte Bestrafung der Schuldigen, die soviel Elend über Städte und Dörfer und über Millionen unschuldiger Menschen gebracht hätten. Die Fahne, die den Ermordeten entglitten sei, gelte es heute dem ganzen Volke voranzutragen. Man halte über die Gräber der Toten hinaus die Kameradschaft mit den Lebenden aufrecht und sammle alle Kräfte zum Aufbau eines freien, demokratischen Deutschlands. Wir wünschen der Schau einen starken Widerhall. Sie geht uns alle an! R. B. Drei Jahrzehnte „Volksfürsorge a in Baden Nach 12 Jahren des grausamsten Terrors und der Vergewaltigung ist nun auch die „Volksfür- sorge-Versicherung* wieder befreit von der Bevormundung und der sogenannten Gleichschaltung. Ihren alten sozialistischen Grundsätzen getreu, wird sie stets bestrebt sein, segensreich für ihre Versicherten zu wirken. Die Gründung der „Volksfürsorge“ erfolgte am 16. Dezember 1912 durch die freien Gewerkschaften und Konsumgenossenschaften. Bei der Gründung war der Gedanke richtunggebend, eine Versicherung zum Selbstkostenpreis zu schaffen, d. h. jede Profitwirtschaft irgendwelcher Kapitalisten auszuschalten. Die beiderseitigen Generalversammlungen, also die der freien deutschen Gewerkschaften und die der Konsumgenossenschaften bewilligten als Fundament ein Aktienkapital von RM. 500 000.— und außerdem RM. 200 000.— zur Bildung eines Organisationsfonds. Diese so veranlagten Gelder wurden nur regulär verzinst. Irgendwelche Tantiemen wurden nicht gezahlt, weder an dep Aufsichtsrat noch an den geschäftsführenden Vorstand. Die Mitglieder des Aufsichtsrats waren als Beauftragte der Gewerkschaften und Konsumgenossenschaften ehrenamtlich tätig. Diese Versicherung, die unter dem Namen ..Volksfürsorge, gewerkschaftlich-genossenschaftliche Versicherung“ durchaus sozialistische Bedingungen vertrat, nahm im Laufe der folgenden, Jahrzehnte einen beachtenswerten Aufstieg und entwickelte sich zu einer der größten Versicherungsgesellschaften Deutschlands. Bei der Kapitalanlage (Prämienreserve der Versicherten) wurde größter Wert darauf gelegt, diese Gelder so anzulegen, daß sie sich nicht gegen die Versicherungsnehmer auswirken konnten, also keinen kapitalistischen Profitzwecken dienen durften. Grundsätzlich wurde demgemäß eine Anlagepolitik betrieben und nicht eine Finanzpolitik. Vor allem vertrat die „Volksfürsorge“ immer das Prinzip, den Wohnungsbau zu fördern, also Hypotheken für Siedlungszwecke und ähnliche Objekte, die den Arbeitsmarkt befruchten, auszugeben. Diese Linie wird sie jetzt wieder grundsätzlich einhalten, nachdem das Prinzip ihrer Entwicklung in den letzten Jahren durch das Hitlerregime jäh durchbrochen worden war. In der ersten Nummer der sozialistischen Zeitung „Das Volk“ wendet sich die „Volksfürsorge“ an ihre Versicherten in der französisch besetzten Südzone Badens und Württembergs. Gleichzeitig wünscht sie der Zeitung einen immerwährenden und sich stetig steigernden Erfolg. Ihr Leitsatz lautet: „Es wird nicht besser durch Grübeln und Träumen, und Trübsinn raubet dem Geiste den Schwung, kannst du den Stein aus dem Wege nicht räumen, so setz’ hinüber mit kühnem Sprung!“ F. R. zeichnet für die Zeit vom 1. Januar bis 30. Juni 1946 6 Geburten, 5 Eheschließungen und 16 Sterbe- fälle. Aas der Baar St. Georgen L Sohw. Die vom „Sängerbund“ veranstaltete „Abendliche Serenade“ wurde zu einem vollen Erfolg für Sänger und Dirigenten. Des ungünstigen Wetters wegen mußte die Veranstaltung im „Deutschen Haus“ stattfinden, wodurch sie ihres romantischen Charakters etwas entkleidet wurde. Die in großer Zahl erschienenen Zuhörer wurden jedoch nicht enttäuscht, denn was der „Sängerbund“ an herrlichem deutschem Liedgut, unter der Leitung seines Dirigenten Herrn Hauptlehrer Müller in hervorragender Weise vorgetragen, zu bieten hatte, verdient höchstes Lob und rückhaltlose Anerkennung. Es war wirklich eine Freude, den herrlichen Weisen zu lauschen und sich mitreißen zu lassen von der belebenden Kraft, die von diesem Gesang ausging. Der zahlreiche Besuch und der herzliche Beifall sind die Bestätigung dafür, daß die Vereinsleitung mit dieser Veranstaltung einem in großen Kreisen vorhandenen Bedürfnis Rechnung getragen hat. Und wenn da und dort der Wunsch laut wurde, der „Sängerbund“ möge sich bald wieder hören lassen, so kann verraten werden, daß man schon in nächster Zeit wieder Gelegenheit haben wird, den Verein anläßlich einer neuen Serenade oder eines Ständchens zu hören. Zweifellos ist aber auch mancher singbegabte und singfreudige Mensch, der sich unter den Zuhörern befand, durch das Gehörte aufgerüttelt worden und wird Veranlassung nehmen, dem Verein, der durch die vor einiger Zeit er? folgte Vereinigung mit dem ehemaligen Arbeitergesangverein „Freundschaft“ eine wesentliche Verbreiterung seiner Grundlage erfahren hat, ebenfalls als aktives Mitglied beizutrefen. Es ist zu hoffen, daß der Dank und die Anerkennung für das vom Verein Gebotene nach außen hin auch in der Weise zum Ausdruck kommt, daß die Sängervereinigung in den nächsten Singstunden einen ansehnlichen Zuwachs an neuen Mitgliedern zu verzeichnen hat. Bei dieser Gelegenheit sei noch darauf hingewiesen, daß auf dem Programm für die nächste Zeit zwei bedeutende gesanglich-musikalische Ereignisse stehen, nämlich die Durchführung eines Herbstkonzerts und die Aufführung des Oratoriums „Der Messias“ im Frühjahr nächsten Jahres. Mit den Vorbereitungen hierzu wird schon in der nächsten Singstunde, die am 11. Juli d. J. stattfindet, begonnen. Auch aus diesem Grunde empfiehlt es sich, daß neue Sänger sich schon in der nächsten Singstunde im Vereinslokal einfinden. Hornberg. Die bereits genehmigte Mitgliederversammlung der Soz. Partei mußte besonderer Umstände wegen auf kurze Zeit verschoben wer* Der Arbeiterdichter Im Rhythmus der Fabrik formten sich seine Gedanken, wurden zu lebendigen Bildern, deren Schönheit ihn und andere beglückte. Diese Bilder aus der Welt der Arbeit zeichnete er nach in der Dachkammer, die — neben der Fabrik —> seine kleine Welt umschloß. Immer neu und stets kraftvoller strömten ihm die Gedanken zu, wenn die Maschinen ihr bewegtes Lied sangen, wenn die Sägen knirschten, wenn Hammer niedersausten auf glutheißes Metall. Die Sehnsucht nach Freiheit, nach Schönheit und Güte stand dem Dichter der Arbeit lächelnd zur Seite. Sie schürte unverdrossen den Schöpfer- und Gestalterwillen in ihm, zauberte eine neue, bessere Welt — eine Welt der Menschlichkeit, des Glücks und der Freude — vor seine Augen und flüsterte zärtliche Worte, glühende Sätze in sein nur zu willig lauschendes Ohr. Dann kam die persönliche Freiheit & ihm. Sie öffnete das Tor der Fabrik und wies ihn hinaus in das Leben der anderen. In ein ungebunden Leben, frei von aller Fron, frei vom Uhrwerk und von der Last harter Fabrikarbeit. Der Sänger der Arbeit hatte sich mit seinen Liedern die Freiheit, die er in ihnen und durch sie für die Arbeitsbrüder zu erkämpfen suchte, für sich selber erkauft. Nun wollte er Größeres schaffen, frei von aller Bedrängnis, frei von der Ma^hine frei auch von der Enge und dem Lärm der Fabrik. Frei aber auch von der Sehnsucht, die im Lärm der Maschinen, in der begrenzten Welt der Fabrik zurückblieb. Doch sonderbar: Der Park, der Wald, die Berge und Täler, die Schönheit der Landschaft, die Ruhe eines satten, behaglichen Lebens — das alles hatte den Dichter tödlich getroffen. Ihm fehlte nun die heilige Sehnsucht, seinen Schöpferwillen zu schüren. Es fehlte ihm der Rhythmus der Fabrik, der Lärm der Maschinen, die Gemeinschaft mit den vielen, die seinen Geist befruchtet, seinem Schaffen Grundlage waren. Die neue Welt, die ihn nun umgab, brachte den Dichter zum Schweigen. Der Arbeiterdichter hatte den Kontakt verloren, die Fühlung mit der Fabrik, deren Töne nicht mehr zu ihm zu dringen vermochten. Die Freiheit, die er gefunden, hat den Dichter in ihm erschlagen. Nun gibt es kein Vorwärts mehr für ihn — und kein Zurück! Seite 6 — Nummer 2 Samstag, 6. Juli 1946. ^asBo& d en - Wir bitten die Genossen diese kurze Zeit zu benützen, um weitere Mitglieder für die Partei zu werben und vor allem dafür zu sorgen daß unsere neue eigene Zeitung überall Eingang findet und ihr eine große Zahl von ständigen Lesern gewonnen wird. Blumberg. Am 6. Juli findet in der Volksschule die erste große sozialistische Parteiversammlung statt. Das Mitglied des Landesvorstandes Bürgermeister Gen. Geiler Freiburg, spricht über „Der Weg in die Zukunft“. Donaueschingen. Der frühere Männerchor des Arbeiterbildungsvereins und der Arbeitergesangverein Eintracht halten am 6. Juli in der Turnhalle der Volksschule zu Donaueschingen ihre Gründungsversammlung zur Bildung einer C h o r v e r e i n i g u n g ab, deren Leitung nauptlehrer Schnaible, Donaueschingen, übernehmen wird. Alle aktiven und passiven Sänger sind herzlichst eingeladen. Rund um den .. twiel“ Singen. Wer das Glück hat, mit einem Tagesschein liebe Verwandte in der benachbarten Schweiz besuchen zu dürfen, der muß bemüht sein, auch rechtzeitig, d. h. vor 24 Uhr, wieder daheim oder doch unter Dach und Fach ’zu sein Kürzlich hatten viele Schweizbesucher, die mit dem Andrang in Bietingen und Thayngen nnd der daraus resultierenden Verspätung nicht gerechnet hatten, dies ziemlich schwer zu büßen Sie wurden vom Militärgericht in Singen mit je RM. 50.— Strafe belegt. — Auch sonst war der Kreis der straffälligen Sünder vor dem Militärgericht ein recht stattlicher. Neben den Vorgenannten wurden Verkehrssünder, unberechtigte Grenzgänger usw. abgeurteilt. Stockach. Man schreibt uns: Nach schicksalschweren Jahren erscheint auch in unserem Bezirk wieder eine sozialistische Zeitung. Unsere Parteifreunde und Leser dürfen versichert sein daß wir durch eine gute und objektive Berichterstattung allen Ansprüchen gerecht werden. Die Leserschaft wird durch laufende Berichte über das örtliche Geschehen und Ereignisse aus der engeren Heimat stets auf dem Laufenden gehalten. Um aber diese Aufgabe reibungslos durchführen zu können, ist es Pflicht jedes Genossen, tatkräftig an der Verbreitung und Durchsetzung unserer Presse mitzuwirken. K r , Vom Bodensee gemeldet Schnipsel Von Gerhard Schäke Was man vom Menschen verlangen muß: daß er Meister sei über seine eigene kleine Innenwelt. * Auf die Offenbarungen des Widerstandes unsres Ichs lauschen, ist ein Teil der seelischen Tapferkeit. Emsig plagt sich, dem Fund, der Beute, dem Gesammelten Form und Rundung zu geben, ein kleiner Käfer, der Pillendreher — dem Menschen gleich. Mühen wir uns nicht oft redlich um eine Sache, voll guten Willens und im tiefen Ernst? — während andere dabeistehen und als Urteil nur das ein Wort finden: Mist. Radolfzell. Die Kaisdr-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften wird in der Nähe von Radolfzell ein vogelkundliches Institut einrichten und die bekannte Vogelwarte Rossitten (Ostpreußen)-dorthin verlegen. Die Leitung des Instituts wird in den Händen von Dr. Schütz, dem früheren Leiter der Vogelwarte Rossitten, liegen. Ludwigshafen a. B. Die Gemeindeverwaltung ließ in diesem Jahre den Ertrag einiger der Gemeinde gehörenden Kirschenbäume öffentlich versteigern und ermöglichte hierdurch allen Interessenten den Erwerb der begehrten Früchte ohne jegliche „Gegengaben“. Ein Beispiel, das wohltuend von der Praxis der Nazis absticht, die das gemeindeeigene Obst ganz unbekümmert unter sich verteilten, ohne auch nur im geringsten an die übrigen Angehörigen der Gemeinde zu denken. Es ist zu hoffen, daß bei der für den Spätsommer angesetzten Obstver- stemerung die Minderbemittelten besonders berücksichtigt werden. — Vor der Handwerkskammer Konstanz bestanden Hugo Klingler im Maler- und Fräulein Elfriede Auer im Damenschneiderhandwerk, beide aus Ludwigshafen, ihre Meisterprüfung mit der Gesamtwertung „sehr gut“. Überlingen. Der sozialistische Ortsverband Überlingen hielt seine 4. Mitgliederversammlung seit der Neugründung ab. Der Vorstand, Gen. Frank, gedachte in ehrenden Worten des verstorbenen Gen. Groshans von Konstanz, des verdienten und bewährten Vorkämpfers für den Sozialismus nicht nur im Seekreis, sondern weit darüber hinaus. Groshans was im wahrsten Sinne des Wortes ein Opfer des Nazi-Terrors. Mit großer Befriedigung nahmen die Genossen Kenntnis von dem Erscheinen einer eigenen sozialistischen Presse. Als Delegierte für die Bezirkskonferenz in Radolfzell wurden die Genossen Frank, Scheuermann und Junker bestimmt. Zur Frage des Zusammenschlusses zwischen SP. und KP. wurde beschlossen, an der früheren Stellungnahme festzuhalten, d. h. nicht Verschmelzung, aber Zusammenarbeit auf den Gebieten, welche beide Parteien interessieren. Verschiedene kommunalpolitische Fragen wurden noch erörtert, z. B. Holzversorgung, Arbeitseinsatz usw. Die Genossen im Gemeinderat wurden aufgefordert, an maßgeblicher Stelle dafür einzutreten, daß nach Möglichkeit Mittel und Wege gesucht und gefunden werden, um der willkürlichen Beschädigung der Kirsch- und Obstbäume Einhalt zu g ebieten. Einheitlicher Wille im Kampfe um die rringung des wahren Sozialismus beseelte die Versammlung. — Es wird berichtet, daß in diesem Jahr die Kirschen in einem bisher .nicht gekannten Umfang, nicht selten auch durch Abreißen von Ästen, entwendet werden. Die Bevölkerung wurde ersucht, die Behörden bei der Abwehr dieser Übergriffe zu unterstützen, und es wurde auf die Kurzsichtigkeit solcher Diebstähle hingewiesen, besonders im Hinblick auf die kommenden Ernten. Lindau. Am 26. Juni fand die erst: Sitzung der mit drei Richtern besetzten neugegründeten Landgerichts Lindau statt. Lindau. Die französische Passierscheinstelle gibt bekannt, daß beiPassierscheinantragen, die nach Ablauf der Gültigkeit eines bereits vorhandenen Passierscheines für die gleiche Reise (Geschäftsreise usw.) neu eingereicht werden, die Beigabe eines Lichtbildes nicht mehr erforderlich ist. In diesem Falle genügt die Anfügung des alten Passierscheines zum Antrag. Unser württembergisdier Nachbar Württembergische Anleihe um 100 Prozent überzeichnet Wie die Landesdirektion der Finanzen mitteilt, ist die Anleihe von 40 Millionen Reichsmark nahezu um 100 Prozent überzeichnet worden. Mit Genehmigung der französischen Militärregierung wurde die Anleihe auf 65 Millionen Reichsmark erhöht. Außerdem sind 10 Millionen Reichsmark Schatzanweisungen mit einer Laufzeit von sechs Monaten ausgegeben worden. Südwürttembergs Kunstdenkmäler Der bewegliche museale Kunstbesitz Südwürttembergs ist glücklicherweise von unersetzlichen Verlusten verschont geblieben. Die Sammlungen in Mengen, in Schwenningen und Tuttlingen haben freilich stark gelitten; auch die Museen in Tübingen, Ehingen und Buchau haben manches Stück eingebüßt. Aber die größten und wertvollsten Sammlungen Südwürttembergs sind unversehrt erhalten geblieben. — Über die etwa 1000 Gemälde, die die!* Württembergische Staats- alerie Stuttgart nach Südwürttemberg verlagert at und über die verlagerten Bestände des Stuttgarter Schloßmuseums kann Endgültiges noch Tübingen. An die Stelle der bisherigen ganz- nicht gesagt werden, da die Kontrolle der De- tägigen sind nunmehr halbtägige Ladepots noch nicht beendet ist. — Noch weniger als die Kunstsammlungen haben die B a u d e n k- Aus Mittelbaden Liebe mehrt, Haß zehrt. Die beziehungslose Verkettung von Zufällen für die dunkle Flut des Schicksals zu halten, ist ein Trugschluß, dem auch Kluge zum Opfer fallen. * Die meisten leben an den Dingen vorbei. Sie führen Namen im Munde wie Rembrandt, Veit Stoß, Bach, Hölderlin — es sind jedoch nur die Namen. Die Werke und Taten berühren sie nicht, treffen sie nicht im Herzen. Es ist kein Blitz, der zündet, bloß ein brennendes Streichholz, sie sehen hin — vorbei. Es brennt, aber es leuchtet nicht. „Das werde ich dir nie vergessen!“ — der Racheschwur der Schwachen, die es mit Rache und Haß nicht ernst meinen, weil sie längst überzeugt worden sind, daß sie weder rächen noch hassen können. Sein Gesicht war sachlich wie das Zifferblatt einer Weckeruhr. Lahr. Die Funktionäre der Sozialistischen Partei traten zu einer Bezirkskonferenz zusammen. Genosse Fritz Vogel, Offenburg, gab einen aufschlußreichen Bericht über die Rede Dr. Schumachers in Stuttgart mpl betonte dann, daß heute noch zahlreiche Nazis vorhanden seien. Deshalb müsse endlich einmal zu einer gründlichen Säuberung geschritten werden. Kein Genosse dürfe ein verantwortungsvolles Amt ablehnen, wenn heute der Huf an ihn ergehe. Dabei müsse der Grundsatz bestehen, daß nur wirklich befähigte Genossen zur verantwortlichen Mitarbeit herangezogen würden. Zur Erfüllung ihrer Aufgaben müsse den Sozialisten eine größere Bewegungsfreiheit gelassen werden. Nach dem interessanten Referat dep Genossen Vogel wurde zu den Gemeindewahlen Stellung genommen. Die einzelnen Auschußmitglieder gaben einen Bericht über die bisherige Arbeit: Streitfragen wurden geklärt und die Durchführungsbestimmungen über die Wahlberechtigung bzw. den Ausschluß vom Wahlrecht nochmals genau durchgegangen. Die Zweigstelle Lahr der Badischen Landesstelle für die Betreuung der Opfer des Nationalsozialismus hält bis auf weiteres folgende Sprechstunden ab: in Lahr täglich von 8 bis 12 Uhr im Landratsamt, in Offenburg jeden Dienstag von >2 9 bis 12 Uhr im Landratsamt für die Landkreise Offenburg und Kehl, in Wolfach alle 14 Tage von bis 12 Uhr im Landratsamt (Gebäude Familienunterhalt). Nächste Sprechstunde Freitag, 19. Juli. Die Sprechstunde in Lahr kann von den Betreuten aller vier Landkreise besucht werden. Grammelspacher, Zweigstellenleiter. Eine starke Beteiligung wies die erste Johannisfeier der Abteilung Buchdrucker der Freien Gewerkschaft nach der Naziherrschaft auf. Der Leiter der Buchdrucker, Wacker, ehrte die Veteranen und Jubilare und alle Toten der letzten zwölf Jahre. Hans Dürr, Lahr, blickt auf eine fünfzigjährige Tätigkeit im Buchdruckergewerbe zurück. Der Leiter der Gewerkschaften, Weber, hob die Wichtigkeit der Jugendfrage für den Neuaufbau hervor. Es sei wichtig, für die nach uns kommende Generation die Grundlage zu einem menschenwürdigen Dasein in der Völkerfamilie zu schaffen. Die jungen Sozialisten fanden sich zu ihrem monatlichen Ausspracheabend zusammen. Wünschenswert wäre eine regere Beteiligung, damit diese Ausspracheabende den politischen Stoff in einen großen Teil der Bevölkerung hineintragen und nicht nur der Meinungsaustausch einer kleinen Zahl Interessierter bleiben. Langenhard. Das Erholungsheim für Kinder wird vergrößert. Die Ausschachtungen für den Anbau beginnen am 7. Juli 1946, morgens 7 Uhr. Die Arbeiterwohlfahrt ruft zu einem Solidaritätsakt auf! Freiwillige Helfer aus den antinationalsozialistischen Organisationen wie Arbeiterwohlfahrt, Parteien, Gewerkschaften, Gesang-, Sport- und Jugendorganisationen werden ersucht, an diesem Sonntag auf dem Langenhard beim Kindererholungsheim sich einzufinden, um für ein paar Stunden ihre Arbeitskraft für eine gute Sache zur Verfügung zu stellen. Kreuzhacke, Schaufel und Spaten sind, wenn möglich, mitzubringen. m ä 1 e r Südwürttembergs gelitten. Völlig zerstör! sind nur die Bauten auf dem Marktplatz in Freudenstadt und die katholische Stadtkirche in Friedrichshafen. Beschädigt wurde die evangelische Schloßkirche in Friedrichshafen, deren Wiederaufbau trotz der schweren Zerstörungen geplant ist. — Schwer beschädigt wurden endlich die Nikolaikirche in Reutlingen und der Zwiefalten Hof. Auch diese beiden Bauten sollen wiederaufgebaut werden. Tübingen. Für die Abgabe der Vierteljahreserklärungen zum 10. 7. 1946 werden den Steuerpflichtigen durch die Finanzämter Vordrucke zugehen. Wer für das erste Kalendervierteljahr 1946 eine Erklärung nicht abgegeben hat, muß nunmehr das Einkommen für das erste und zweite Vierteljahr zusammen in der Erklärung angeben und eine entsprechende Vorauszahlung entrichten. Näheres über die Ausfüllung der Erklärungen und die Steuerberechnung ist aus einem Merkblatt zu ersehen, das in beschränkter Anzahl bei den Finanzämtern zur Verfügung steht. Denzlingen. Pferde zernagen Obstbäume. Einen absonderlichen Anblick bieten zurzeit die Bäume in einem Obstgarten hinter dem Gasthaus zum Ochsen. Dort hatte man 130 Pferde eingestellt, die man von weither mit der Eisenbahn nach Denzlingen befördert hatte und die zur Abgabe an Landwirte in den Bezirken Emmendingen und Freiburg bestimmt sind. Die von der langen Fahrt ausgehungerten Tiere nagten die Rinden der Obstbäume ab, die Stämme einzelner Bäume sind von unten bis weit hinauf kahl gefressen. Die weniger beschädigten Bäume werden von Fachleuten mit einer teerartigen Salbe behandelt, bei den schwerer mitgenommenen will man den diesjährigen Obstbehang zu retten versuchen, indem man Lehmgürtel um die von der Rinde entblößten Baumstämme befestigt. — ü — tägigen fristen getreten. Reutlingen. In der Volkshochschule Reutlingen fand eine Feier zu Ehren des vor 30 Jahren verstorbenen großen Musikers MaxReger statt. In seinem Festvortrag gedachte Hugo Herrmann Max Hegers als eines Musikers, der es unternommen hatte, das Gotterlebnis der Orgelmusik Bachs für unsere Zeit wieder zu erwecken. Calw. R a u b ü b e r fälle mehren sich auch im Kreise Calw. Bei Deckenpfronn wurde eine Frau auf offener Straße angehalten und angefallen. Ein Bauernhof im Calwer Wald wurde überfallen. —> Die Abwehr des Kartoffelkäfers im Kreise Calw — so berichtet unser Korrespondent — wird energisch betrieben. Die Kartoffelkäferabwehrstelle Nagold hat ihre Aufgaben an die Landwirtschaftsämter abgegeben. Mengen. In Mengen fand die Gründung der Ortsgruppe der Sozialdemokratischen Partei statt. Damit ist die alte Hochburg der SPD. in Oberschwaben zu neuem Leben erwacht. Mengen gehörte zu den ältesten Ortsgruppen und verfügt heute schon wieder über einen verhältnismäßig hohen Anteil an jugendlichen Parteimitgliedern. Wangen. Das Landratsamt begann eine Überprüfung sämtlicher autorisierten Kraftfahrzeuge. Etwa 200 Fahrzeuge werden täglich der Prüfung unterzogen. Ravensburg. Die Ankunft der Ost« flüchtlinge hat sich abermals verzögert. Es ist mit ihrem Eintreffen jedoch in etwa 2—4 Monaten zu rechnen. öffentliche Frauenversammlung findet Donnerstag, den 11. Juli, 20 Uhr, im Saale der Harmonie statt. Es sprechen die Genossinnen Dyba undMörber über das zeitgemäße Thema: „Die Frau und der Sozialismus“. Alle Frauen Freiburgs, verheiratet und nicht verheiratet, insbesondere aus den werktätigen Schichten, sind freundlichst eingeladen. Bekanntmachung Alle Kleingarteninteressenten, die im kommenden Jahr einen Kleingarten haben möchten, werden aufgefordert, sich sofort beim Städtischen Gartenamt, Abt. Kleingartenverwaltung, Rottecksplatz 11, 7u melden. Schluß de» Meldetermins: 15. August 1946. Der Oberbürgermeister. Offene Stellen Älterer erfahrener Arzt, möglichst mit den Freiburger Verhältnissen vertraut, für die zu errichtende Stelle zur Überprüfung der ärztl. Atteste für Krankeftzulagen gesucht. Bedingung: politisch einwandfrei. Passende Räume sollten vorhanden sein. Antritt möglichst sofort. Vergütung nach Vereinbarung. Schriftliche Bewerbungen unter Beifügung von Lebenslauf, polit. Fragebogen, Unterlag, u. bish. ärztl. Tätigkeit an die Direktion des Ernährungsamtes Freiburg-Stadt, Lessingschule, Zimmer Nr. 22. Tücht. Kassierer sowie mehrere Vertreter für Freiburg und Umgegend von großer Vers.-Ges. zum sofortig. Eintritt gesucht. Bei Bewährung Aufstiegsmöglichkeit gegeben. Bewerbungen unter 1 A an die Expedi‘ ! on Das Volk. Bürohilfe, insbes. auch für Schreibm- und Stenogr., ganz oder halbtags gesucht. Damen mit Kunstverständnis bevorzugt. Bel guter Anpassungsfähigkeit Dauerstellg. geboten. Haus Stadelmann, Freiburg i. Br., Franziskaner Straße?._ Kindergärtnerin (staatl. geprüft) tüchtig und zuverlässig, wird für sofort, spätestens 1. 8. 46 in Ge- schäftshaushait in gute und angenehme Dauerstellung gesucht. Voller Familienanschluß ist selbstverständlich. Angebote erbeten an Frau Uesef Rohr, Gartenbaubetrieb, (14b) Ravensburg, Gartenstraße 18. Frauen zur Mithilfe bei leichter Reb- arbelt für Rebgut in Herdern gesucht. Jägerhäusleweg 21. Männliche und welbl. Angestellte von der Gewerkschaft der Angestellten für seine Stellenvermittlung gesucht. Zu melden im Gewerkschaftshaus. Bekannte, alle Versicherungssparten betreibende Geselisch. sucht haupt- u. nebenberufl. Mitarbeiter an allen Plätzen. Bewerbungen erbeten unt. Nr. 532 an Werna, Annoncen-Exped., Mannheim, B 4,8. Stellen-Gesudie Landwirtstochter, 25 1., die nicht in Ihre Heimat zurück kann, sucht Stellung als Haustochter für nicht zu schwere Arbeit bei vollem Familienanschluß; keine Kleinkinder. Freund!. Angeb. unter 13 B an die Exp. Das Volk. 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