Mittwoch, 14. August 1946 Nummer 13 1. Jahrgang Freiburg im Brelsgty Ersdieiuungstage Mittwo> seit dem Ende des Krieges unverdrossen ihre Pflicht getan haben. Vielleicht machen die Dunkelmänner, die die „Parolen“ unter das Volk bringen, den lächerlichen Versuch, diese Überwachung von Parasiten und unproduktiven p.rotessern als „diktatorische Maßnahme“ zu diffamieren. Sie Seite 2 — Nummer 13 ItoslSotö MittwoA, 14 . August 1946 werden damit bei allen denkenden Menschen kein Glück haben. Ihre sehr verdächtige Abstinenz von aller Arbeit rührt teils von ihrer Faulheit, teils aus Ihrer Abneigung gegen das demokratische Aufbauwerk her, in dem es kein Platz für Sinekuren gibt, wie sie ihnen durch den Nationalsozialismus und den Militarismus geboten wurden. Nahrungsmittel soll es in dieser Zeit der Krise — mit Ausnahme wirklich kranker und alter Mitbürger — nur für Menschen geben, die bereit sind, ihre Arbeitskraft je nach ihrer Veranlagung, zur Verfügung zu stellen. Znsatzkarten sollen nur Menschen bekommen, die am Aufbau mithelfen; sie sollen nur solchen gewährt werden, die durch besondere Leiden darauf angewiesen sind oder durch besondere Leistungen ein Recht darauf haben. Freilich soll beim Arbeitseinsatz eine individuelle Berücksichtigung besonderer Fähigkeiten nicht außer acht gelassen werden. Es wird ja auch von dem zuständigen Ministerium darauf hingewiesen, daß kein schematischer Zwang, sondern eine sinnvolle Verteilung der Arbeitskräfte beabsichtigt ist. Darum enthält diese Verordnung Gedankengänge und Ziele, die sich mit dem Sozialismus vereinbaren und als Mittel zur Behebung der Notlage und zur Ankurbelung der Wirtschaft zu begrüßen sind. H. Das OKH. und die Nazis Ehemalige Feidmarschälle sagen aus — Afan hatte von Zeit zu Zeit Bedenken Deutsche Zentral Vergeltung für Ernährung in der britischen Zone. Die Zentralverwaltung für Ernährung, Landwirtschaft und Fischerei der britischen Besatzung». Zone Deutschlands wird in deutsche Hände übergehen. Es wurde ein Zentra'btiro für Ernährung, Landwirtschaft und Fischerei geschaffen. Die deutschen Ernährung«- und Landwirtschaftsbehörden werden dem Zentralbüro unterstellt. Bisher unterstanden sie den örtlichen Dienststellen der britischen Militärverwaltung. Im Nürnberger Prozeß werden gegenwärtig umfassende Beweisaufnahmen über die Schuld der angeklagten NS.-Organisationen durchgeführt. Dabei werden schwerwiegende Fragen der Politik, der „Staatsführung“, der „Gesund heitsführung“ und des „Rassenschutzes“ behandelt, wie sie vor allem durch die SS. radikal betrieben wurden. Trotzdem kommt es dabei auch zu erheiternden Szenen, sobald frühere Fanatiker der NSDAP, versuchen, sich mit grotesken Mitteln reinzuwaschen. Ein Sturm der Heiterkeit ging durch den Gerichtsaal, als der frühere SS.-Standartenführer und Leiter des Amtes „Ahnenerbe“, Wolfgang S i e v e r s. der wegen der typischen „wissenschaftlichen“ Experimente an Gefangenen vernommen wurde, sich mit den Worten einführte: „Ich habe dem Gericht ein Geständnis zu machen. Ich bin im Aufträge der Widerstandsbewegung in die NSDAP und die SS- eingetreten.“ Nach dieser Musterleistung nimmt es niemand wunder, daß Sievers die „wissenschaftlichen Experimente“ der Organisation „Ahnenerbe“ zu verkleinern und zu entgiften versucht und sie als „geisteswissenschaftliche Forschung“ darstellt. Interessanter ist . die Vernehmung jener, zum Teil sehr bekannten Zeugen, die für die angeklagte Gruppe „Oberkommando der Wehrmacht und Generalstab* aufgerufen werden- Der ehemalige Generalfeldmarschall Walter von B r a u c h i t s c h ist als erster vernommen worden. Es ist nicht verwunderlich, daß auch er sich Die Sorge um den Weizen Brennende Fragen fiir die heimischen Erzeuger und Verbraucher Der zweite Weltkrieg hat die Menschheit in eine Situation gebracht, die noch heikler ist als jene nach dem Waffenstillstand von 1918. Zu den weitgrößeren Trümmerfeldern ist noch der Lebensmittelmangel für zwei Drittel der Weltbewohner hinzugekommen. Angesichts der Katastrophe, die die Völker bedroht, haben die führenden Männer aller Nationen übereinstimmend beschlossen, m i t vereinten Kräften dagegen anzukämpfen und ihre Hilfsquellen den am schwersten Betroffenen zur Verfügung zu stellen. Die Konferenzen von Quebec, London und Washington waren die bedeutendsten Solidaritätskundgebungen dieser Art. Die speziell zu diesem Zweck geschaffenen internationalen Organisationen — UNRRA. usw. — haben die Kontrolle über die gerechte Verteilung der Reserven übernommen oder leiten selbst diese Zuteilungen. Ihr Wirkungsbereich erstreckt sich zwar auf Lebensmittel aller Art, ihr Hauptaugenmerk ist jedoch auf das Grundnahrurigsmittel der weißen Rasse, das Brot, gerichtet, und somit auf dessen Hauptbestandteil, das Brotgetreide und ganz besonders auf den Weizen. Die Ausfuhrländer geben sich die größte Mühe, ein Defizit auszugleichen, das sich im März auf schätzungsweise vier Millionen Tonnen belief, übrigens ohne Hoffnung auf Erfolg infolge von Erfässungs-, Transport- und anderen Schwierigkeiten. Es blieb kein anderer Ausweg übrig, als wieder auf eine strikte Brotrationierung zurückzugreifen (in Frankreich und England) oder die Brotrationen herabzusetzen (in Deutschland). Das Weizenproblem in Deutschland Auf der Liste der getreideerzeugenden Nationen kam Deutschland erst an neunter Stelle; da jedoch die Deutschen keine starken Brotverbraucher sind, war das Fehlende leicht durch Einfuhr zu ergänzen. Die deutschen Gebiete, welche den größten Weizenertrag habdn, liegen in den Nachbarzonen, und für die 6 Millionen Verbraucher der französischen Zone konnte die vorgesehene Ration nur dank der Einfuhr von 550 000 Tonnen aufrecht erhalten werden. Die Sorge um den Weizen In der Art. wie das Problem sich darbietet, kann man ohne weiteres von der Sorge um den Weizen sprechen. Die Dienststellen der französischen Verwaltung haben sich zu wiederholten Malen ins Zeug gelegt.'Zu allernächst hat die Militär- Nodimals: Neue Wege des Säuberungsverfahrens Der in der letzten veröffentlichte Artikel rungsverfahrens.“ hat schritten eingetragen. Ausgabe unserer Zeitung „Neue Wege des Säube- uns eine Reihe von Zu- Es wird allgemein befürwortet, das Säuberungsverfahren einer Revision zu unterziehen, die eine wirksame und rasche Entnazifizierung bringen soll. 'Allerdings werden einige der in dem Artikel vertretenen Thesen auch kritisiert. In zwei Zuschriften wird der Standpunkt vertreten, daß die „Pegees“, die in den späteren Jahren, etwa um 1938 oder 1939, zur Partei gekommen sind, wesentlich leichter beurteilt werden müssen als jene Parteimitglieder, die im Jahre 1933 oder früher in die Partei gingen. Demgegenüber behaupten wieder andere Zuschriften, daß man gewissen Leuten, die sehr früh zur Partei kamen, einen „Schuß“ Idealismus zugestehen müsse. Allgemeine Ablehnung finden allerdings die „M ärzgefalle- ne n“. In diesem Zusammenhang erscheint es notwendig, nachdrücklich darauf zu verweisen, daß das neue Säuberungsverfahren, das in dem Artikel beschrieben wird, nur ein Vorschlag des Sachverständigen ist, der it unserer Zeitung zu Wort kam. Bevor ein solcher Vorschlag rechtsverbindlich und gültig werden Sann muß er natürlich das Einverständnis aller inständigen Stellen haben. Solange diese nicht gegeben ist, ist und bleibt er nur ein Vorschlag zur Öffentlichen Diskussion über dieses Thema, das Hie breite Masse stark in ter e ssie rt. regierung im richtigen Augenblick zweckmäßige Maßnahmen ergriffen, um der drohenden Hungersnot vorzubeugen, und wenn auch die Enährungs- lage zeitweise kritisch war, so ist doch eine Hungersnot vermieden worden, ja, sogar einer Knappheit, mit ihren unvermeidlichen Folgeerscheinungen von geschlossenen Bäckerläden und wochenlangem Brotmangel konnte gesteuert werden. Schon seit Ende 1945 sind Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden; die Brotration wurde herabgesetzt, die Herstellung von Malz und Bier eingestellt; den Getreideerzeugern wurde die Verpflichtung auf erlegt, von ihren Reserven je 25 Kilogramm Weizen abzuliefern. Da die Weizenlieferungen nicht im vorgesehenen Tempo vor sich gingen, mußte vom 1. April ab eine weitere Einschränkung durchgeführt werden, so daß die Brotration nur noch 200 Gramm betrug. Vom 1. August an ist sie auf 250 Gramm erhöht worden und man hofft, sie vom 1. September an auf 300 Gramm erhöhen zu können. Diese Resultate konnten lediglich auf Grund von hartnäckigen Bemühungen erzielt werden, da die Getreidenot in der ganzen Welt idieWeizenher'beischaffung au ßerordentlich schwierig gestaltete. Die französischen Delegationen im A u s 1 and und ebenfalls das persönliche Eingreifen der Verwaltungsbeamten haben es zustande gebracht, daß im Frühjahr die Versprechungen in die Tat umgesetzt werden konnten. Um diese Zeit nämlich konnten die Lieferungen auf dem Seewege beschleunigt werden. Von den 550 000 Tonnen Weizen, die nach dem vorgesehenen Programm eingeführt werden sollten, sind bereits 220 000 Tonnen geliefert worden. Der Rhythmus, nach welchem diese Lieferungen erfolgen, hat sich im Laufe der letzten Monate beschleunigt, wie man aus folgender Aufstellung ersehen kann: Drei Dampfer im April, drei Dampfer im Mai. acht Dampfer im Juni, zwölf Dampfer im Juli (von denen fünf noch unterwegs sind). Die Vorräte werden mit Umsicht verwaltet; somit wurde bisher eine regelmäßige Zuteilung ermöglicht; das importierte Korn ist in fünf direkt kontrollierten Mühlen ausgemahlen und dem normalen Verbraucher zugeführt worden und berechtigt zu der,Überzeugung, daß der Anschluß mit Sicherheit bewerkstelligt werden wird. Vorbereitungen für die Zukunft Die oben angeführten Einzelheiten bilden das Ziel, das sich die Direktion der Abteilung Landwirtschaft mit ihrem landwirtschaftlichen Produktionsplan gesetzt hat. Der Plan für das Jahr 1945- 46 hat bereits zu wesentlichen Erfolgen geführt. Die Oberfläche der bestellten Getreidefelder hat sich von 386 900 Hektar im Jahre 1944/45 auf 414 700 Hektar im Jahre 1945/46 erhöht. Im Jahre 1946/47 sieht der hierzu aufgestellte Produktionsplan eine weitere Erhöhung der Saatfläche für Brotgetreide auf 502 100 Hektar vor. Die hundertprozentige Verwirklichung dieses Planes für 1946/47 wird die Nahrungsmittelquellen der Zone auf 125 Prozent ihres Wertes vom Jahre 1944/45 steigern. Die Direktion der Abteilung Landwirtschaft hat den Weg vorgezeichnet, er muß, koste es, was es wolle — eingehalten werden, und darauf müssen die deutschen Erzeuger ihre Anstrengungen richten. Jedes Korn Weizen kommt dem deutschen Verbraucher zugut, da die französische Armee und Verwaltung keinerlei Anspruch auf Lieferung von Getreide erheben. Soweit ein Überschuß in der Weizenproduktion erzielt wird, dient dieser zur Beschaffung der ausländischen Devisen, die für die Einfuhr dringend notwendig sind. Jeder auf diese Art frei gemachte Dollar ermöglicht den Ankauf von Fettprodukten, Zucker oder seltenen Lebensmitteln, die bei der gegenwärtigen Rationierung auf Grund ihres hohen Kalorienwertes eine fühlbare Ergänzung bilden. Das Land muß den Städten zu Hilfe kommen, die Besserung des Schicksals ihrer Einwohner — die am meisten unter dem Krieg zu leiden hatten — hängt von dem Erfolg dieser zweiten Phase der Schlacht ab: der friedlichen Schlacht um den Weizen, mit allen Mitteln zu entlasten versucht. Er will bereits im Juni 1939, als er glaubte, daß Hitler in einen „Krieg hineinschlittern“ könne, bei dem Diktator vorstellig geworden sein. Er habe aber eine ablehnende Antwort erhalten. Brauchitsch behauptet, daß Hitler im März 1941 seinen Generalen bereits erklärt habe, der bevorstehende Kr.ieg gegen die Sowjetunion dürfe nicht in «Ter gewohnten ritterlichen Weise geführt werden. Hitler habe unbedingten Gehorsam auch bezüglich seines Befehls der Erschießung der Kommissare verlangt. Brauchitsch behauptet heute, er habe Hitler vor einer Offensive im Osten dringend gewarnt, Hitler sei darüber sehr in Wut geraten, habe ein Rücktrittsangebot Brauchitschs mit dem Hinweis abgelehnt, daß ein Oberbefehlshaber seinen Platz ebensowenig verlassen dürfe, wie ein Soldat. Hitler habe Brauchitschs Bedenken gegen einen Rußlandfeldzug in den Wind geschlagen und behauptet. das Sowietsystem breche rasch zusammen. Die Waffen-SS, habe dem Herr, — so behauptet Brauchitsch im Widerspruch zu den Aussagen der Zeugen der SS. — nur zum taktischen Einsatz, aber nicht auf disziplinarischem Gebiet unterstanden. Interessanter und vielseitiger sind die Bekundungen des ehemaligen Oberbefehlshabers der Heeresgruppe Süd, des früheren Generalfeldmarschalls von Manstein. Wie Brauchitsch. so will auch er nie geglaubt haben, daß der Krieg die Außmaße eines Weltbrandes annehmen könne- Hitier habe eine Landung in England nicht gewagt. Als sich die militärische Auffassung des Oberkommandos des Heeres über die Westoffensive als irrig erwiesen hafte, habe Hitler auch in militärischen Fragen allein entschieden. Darum habe das Oberkommando des Heeres auch keinerlei Mitteilungen über den beabsichtigten Krieg gegen die Sowjetunion erhalten. An der Erschießung der Kommissare _ will sich Manstein mit seiner Armee nicht beteiligt haben. Auf die Frage, was er über den Massenmord an russischen Kriegsgefangenen im ersten Kriegswinter wisse, antwortete er, daß die russischen Truppen, die sich in den Kesseln bis zuletzt gewehrt hatten, schon halb verhungert in Gefangenschaft gekommen seien. Es sei nicht möglich gewesen, schnell genug Verpflegung fiir sie heranzubringen. Zu den Zerstörungen wichtiger Anlagen im Osten äußerte Manstein, Hitler habe beim Rückzug der deutschen Armee im Jahre 1943 die Zerstörung sämtlicher Verkehrs-I mittel befohlen, weil es nach Mansfeins Letzte Meldungen Die britische Regierung veröffentlicht ei::;, tote zur Dardanellenfrage, in der sie sich gegen jede Einschränkung der türkischen Souveränität und damit auch gegen die russischen Wünsche auf eine Revision in der Meerengenfrage wendet. Man rechnet mit einer baldigen Konferenz der Unterzeichner des Meerengenabkommens von Montreux, bei der die Vereinigten Staaten an die Stelle der Japaner treten sollen. Die Brotrationierung in England soll demnächst wieder aufgehoben werden, nachdem sie ihren Zweck — eine gerechte Verteilung der Vorräte bis zur neuen Ernte — erfüllt hat. Die Bemühungen des Zionistenführers Weizmann um einen Ausgleich zwischen England und den Zionisten scheinen erfolgreich sein- Es soll Weizmann, der sich, in London befindet, gelungen sein, ein neues Abkommen auszuarbeiten, das eine bessere Zoneneinteilung für die Juden und Araber in Palästina vorsieht. Saudi-Arabien hat in den Vereinigten Staaten einen Exportkredit von 10 Millionen Dollars erhalten. Der bayerische Ministerpräsident Dr. Högner dementiert nachdrücklich Meldungen, wonach Verhandlungen zwischen der SPD. und den Kommunisten Bayerns stattgefunden haben sollen, bei denen eine enge Zusammenarbeit verabredet worden sei. Aussage der deutschen Kriegführung klar war, daß der Krieg für Deutschland verloren war, wenn es nicht gelänge, die Sowjetarmee am Dnjepr zum Stehen zu bringen.“ Kirchen und Kulturstätten seien nicht mit Absicht zerstört worden. Manstein mußte aber zugeben, daß er über die berüchtigte Tätigkeit des SD unterrichtet gewesen war. Er bestreitet jedoch, den Befehl gegeben zu haben, im Bandenkampf keine Gefangenen zu machen. Alles in allem hinterließ die Vernehmung der Oeneralfeldmarschälle den Eindruck, daß diese Militärs sich über die Berechtigung oder Unmoral der hitlerischen Politik nur zeitweise Gedanken gemacht hatten, sich im übrigen aber bedenkenlos mit ihren Fachkenntnissen in den Dienst des „Dritten Reiches“ stellten und ihre Mitarbeit auch dann nicht versagten, wenn es sich um offensichtliche Verletzungen des Völkerrechts handelte. Sie haben sich sogar in Kundgebungen an ihre Truppen der ganzen plumpen und hohlen Phraseologie bedient, wie sie in Aufrufen der Nazis üblich waren. Ein französischer Sozialistenführer in Hamburg Grumbacf) zum deutschen Problem Hamburg, 11. August. „Wir französischen Sozialisten verlangen die restlose Enteignung des Ruhr-Trusts“, erklärte Salomon Grumbach, der bekannte französische Sozialisfenführer, im Verlauf seiner Rede, die er vor etwa 75 000 Personen in Hamburg hielt. „Das Ruhrgebiet darf nicht zu einem Jagdgebiet des Kapitalismus werden, ganz gleichgültig, ob er deutsche, französische oder amerikanische Farben trägt," fügte er hinzu und kam sodann auf den Plan hinsichtlich der Besetzung des Ruhrgebiets und des nördlichen Rheinlands durch internationale Truppen zu sprechen. Der Redner wies darauf hin, daß die französische sozialistische Partei den Wunsch hat, daß für das Saargebiet ein Sonderstatut zur Anwendung kommt und fuhr fort: „Europa kann nicht gesund sein, solange Deutschland krank ist. Deshalb sind wir Sozialisten auch nicht für eine systematische Zerstörung der deutschen Industrie. Immerhin fällt die Tatsache, daß Deutschland möglicherweise bis in 20 Jahren seine Friedensindustrie wieder in eine Kriegsindustrie verwandelt haben kann, erschwerend ins Gewicht. Wir vergessen nicht, daß innerhalb von 75 Jahren Frankreich dreimal überfallen wurde. Alle Sozialisten, zusammen mit dem französischen Volk, fordern vor allem Sicherheit. Es ist Sache des deutschen Volkes, den Beweis zu erbringen, daß es endgültig mit dem Hitlerismus gebrochen und sich der Demokratie zugewendet hat. Der Redner sprach, wie Rheina berichtet, dann von den vier Jahren deutscher Besetzung, in deren Verlauf kein anständiger Franzose vor der Gestapo in Sicherheit war und schloß mit den Worten: „Europa muß der erste sozialistische, demokratische Staat werden, dann wird ein Krieg nie mehr möglich sein." Die sozialistische Kundgebung in Hamburg wurde mit der „Internationale“ und der „Marseillaise“ abgeschlossen, deren Kehrreim von der Menge begeistert mitgesungen wurde. Im Verlaufe einer Pressekonferenz, die Salomon Grumbach später abgehalten hat, sagte er, daß seine Partei, wie erinnerlich, die Besetzung des linken Rheinufers durch eine internationale Armee vorgeschlagen hat. die eine Art Keimzelle für die künftig mit der Wahrung der internationalen Sicherheit betrauten Streitkräfte darstellen dürfe. Hinsichtlich des Ruhr- und Saarproblems äußerte Grumbach, daß seine Partei sich an die vom Londoner Internationalen Sozialisfenkongreß festgelegten Richtlinien halte. „Wir s-'-H gegen jegliche Annektierung,“ fügte er hinzu. / ir streben nicht die politische Zerstückelung Deutschlands an, denn wir glauben nicht, daß solche Methoden zu einer Garantie der Weltsicherheit führen können“. „Deutschland,“ fuhr Grumbach fort, „ist jetzt seif einem Jahr besetzt, Frankreich aber hat vier Jahre lang unter den Ausschreitungen der Gestapo zu leiden gehabt, und unzählige Franzos« «nd während dieser vier Besät«. zungsjahre von den Nazis ermordet worden. Wir haben durchaus den Wunsch, Deutsch- die Möglichkeit zu geben, sich zu rehabilitieren und seinen Platz in der Gemeinschaft der friedliebenden Nationen einzunehmen, wir wollen aber auf jeden Fall absolut sicher sein, daß Deutschland außerstande sein wird, wieder Pläne für einen neuen Angriffskrieg durchführen zu können“. Kohle, Einfuhr und Expo t (Schluß) Man erstrebe eine Regelung, die es ermögliche, in genügendem Ausmaß für die wichtigsten Bedürfnisse Produkte herzustellen, oder eine ausgeglichene Wirtschaft zu ermöglichen. Die Steigerung der Kohlenproduktion werde einen Grundbestandteil der künftigen Zusammenarbeit der Zonen bilden. Douglas gab der Hoffe Ausdruck. daß die Ergebnisse der Zusam :arbeit zwischen der britischen und amerikanischen Zone die beiden anderen Verbündeten überzeugen, daß keine Aufteilung Deutschlands beabsichtigt sei. Er hoffe vor allem auch, daß die Brücke zur russischen Zone befestigt und ausgebaut würde. Schließlich gab er noch einen Erlaß bekannt, wonach die Jugendlichen, die nach dem 1. Januar 1919 geboren wurden, bei der Entnazifizierung mit Nachsicht behandelt werden sollen, wenn sie sich nicht an Kriegsverbrechen beteiligt haben. Das Problem der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den Zonen war auch der Gegenstand einer Erklärung, die General Mac N a r - ney, der Oberkommandierende der amerikanischen Truppen in Deutschland, in den letzten Tagen auf einer Pressekonferenz in Frankfurt abgab. Der General sagte, daß die sowjetischen Behörden die Tür zu Verhandlungen über die wirtschaftliche Einheit Deutschlands off enge« lassen haben und durch den alliierten Kontrollrat ' eine nochmalige Überprüfung der Möglichkeit einer baldigen Aufnahme des Interzonenhandels angerafen haften. Von französischer Seite habe man sich zu dieser Frage noch nicht geäußert General Mac Narney hofft, daß das Exportprogramm den Amerikanern erlauben wird, die Rationen zu erhöhen und sie dann auf dem erreichten Stand zu halten. Ein vermehrter Export aus Deutschland sei allerdings notwendig, um für die Lebensmitteleinfuhr einen Dollarkredit zu schaffen. Dies sei erforderlich, weil die vom amerikanischen Kongreß für diese Zwecke bewilligten Summen geringer seien, als die im Haushaltsplan der Militärregierung vorgesehenen Beträge. 0" ehemalige General Vlassow gehängt. Da« Oberste Militärgericht der Sowjetunion hat den früheren Gene- ralleutnant Andrejewitsch Vlassow und elf Mitangeklagte zum Tode durch den Strang verurteilt. Die Hinrichtung ist bereits vollzogen worden. Sämtliche Angeklagte hatten sich kür schuldig erklärt als Agenten der deutschen rDAtztzt» opione und Terroristen gegen die Sowiete gewesen zu sein, ^ Mittwoch, 14. August 1946 Nummer 19 — Seite 5 %as£oß SPIEGEL DER WIRTSCHAFT Noch kein Postsparkassendienst Entgegen verschiedenen anderen Meldungen, die in der letzten Zeit über die Eröffnung des Postsparkassendienstes von einigen Zeitungen veröffentlicht wurde, erfahren wir von der Postdirektion Freiburg folgendes: Die Eröffnung eines Post Sparkassenamtes für die französische Zone wurde von der französischen Militärregierung für Speyer genehmigt, jedoch werden noch samt liehe Unterlagen (Neuerfassungen, Verluste usw.) in den einzelnen Bezirken bearbeitet Vorläufig sind noch sämtliche Aus- und Einzahlungen für das französische Gebiet untersagt, die Entscheidung dieser Frage liegt bei der französischen Abteilung des Kontrollrates in Berlin. Wie hoch die Monatsbeträge sein werden, steht noch nicht fest, man rechnet aber damit, daß der Tageshöchstbetrag (und nicht der Monatshöchstbetrag) 100 RM erreichen wird. Die Post bittet, darauf aufmerksam zu machen, daß es keinen Zweck hat, Anträge an die Militärregierung oder an die Postsparkassenämter zu richten, da grundsätzlich keine Auszahlungen gemacht werden dürfen. Zunehmender Interzonenhandel Das Badische Wirtschaftsministerium teilt mit: Im Mai 1946 hat der Außenhandel der französischen Zone Badens mit den anderen Besatzungszonen sehr erheblich zugenommen. Wir geben folgende Vergleichszahlen: Der Gesamt-Außenhandel betrug im April 3 238 436.17 RM., im Mai 8 463 699.32 RM., ist also um fast 5 J4 Millionen Mark gestiegen! Eingeführt wurden: Lebensmittel, Futtermittel usw. (1,57%), Spinnstofferzeugnisse (0,87 Prozent), Leder, Schuhwaren usw. (0,30 %), Rund- und Schnittholz (0,75 %), Fensterglas, optische Gläser (0,05%), Natur- und Kunstgummiwaren (0,58%), Maschinen und elektrische Geräte (17,31 %), Straßenfahrzeuge und -bestandteile (0,5%), feinmechanische und elektrotechnische Erzeugnisse (27,35 %), andere Metallerzeugnisse (19.32 %), Ziegeleierzeugnisse und ähnliche Baustoffe (0.41 %). chemische Erzeugnisse außer Düngemitteln (18,17 %), chirurgische und medizinische Einrichtungen und Geräte (0,01 %), Mineralien, Erze usw. (0,13%), andere Erzeugnisse ( 12 . 68 %). Ausgeführt wurden: Tabakwaren (2%), Spinnstofferzeugnisse (0,36%), Rund- UHd Schnittholz (2,22 %), Papiermasse, Zellulose usw. (1,52 Prozent), optische Gläser (0,01 %), Maschinen und elektrische Geräte (2,31 %), feinmechanische und elektrotechnische Erzeugnisse (31.39 %), andere Metallerzeugnisse (30,75 %), Ziegeleierzeugnisse und ähnliche Baustoffe (0,56 %), chemische Erzeugnisse außer Düngemitteln (13,03%), chirurgische und medizinische Einrichtungen und Geräte (4,60%), Mineralien, Erze usw. (0,96%), Bürstenwaren (0,01 %), andere Erzeugnisse (10,28 Prozent). Die Reichsbahndirektion hat kürzlich durch ein Rundtelegramm ' an alle Bahnhöfe unserer Zone angeordnet, daß Gütersendungen nur dann zur Beförderung angenommen werden dürfen, wenn sie von einer Verkaufsgenehmigungdes Wirtschaftsministeriums begleitet sind. Ausgenommen sind Sendungen von solchen Firmen, deren Außenhandel durch französische Kon- trolloffiziere überwacht wird: bei solchen Sendungen genügt die Unterschrift des zuständigen Offiziers auf dem Frachtbrief. Probleme des badischen Bergbaus Die schwere Arbeit „unter Tage“ — Um die Kochsalzlager Die Lage im badischen Bergbau, der seit dem ersten Weltkrieg eine bedeutende Rolle spielt, ist gekennzeichnet durch den Mangel an ArZone Einfuh I Einkauf t aus den ai auf Gegenseitigkeit idern Zone A Einkauf n (in RM.) pril auf Gegenseitigkeit amerikanisch englisch russisch nicht feststellbar 2653917,05 1508020,92 203259,93 + 772 875,60 + 448164,44 -f 149346,42 969684.36 881278,89 28898,63 + 41889250 + 34373,20 + 11150,00 cusammen 4365197,90 +1370386,46 1879861,88 + 464415,70 5 735584,36 2344277,58 Zone Ausfuhr nach den s Mai , r . ,1 auf Gegen- Verkauf j se itigkeit indem Zon Ap Verkauf en (in RM.) ril auf Gegenseitigkeit amerikanisch englisch russisch nicht feststellbar 1 052047,93 662513,40 32664,02 + 498999,85 + 398844,81 + 83044,95 422074,01 125002.35 3532,61 + 300282,62 + 32187,00 + 11100,00 susammen 1747225,35 + 9 0 889,61 550t08,97 |+343549,62 2728114,96 894158,59 beitskräften. Wohl sind in der letzten Zeit verschiedene Betriebe in Südbaden wieder in Gang gebracht worden, vor allem der größte und wertvollste, das Kalibergwerk Buggingen. Doch kann infolge Arbeitermangels nur ein Bruchteil der früheren Kalimengen gefördert werden. So ist Baden vorerst noch gezwungen, Kalisalze gegen Austauschgüter aus anderen Zonen einzuführen. Seit einiger Zeit werden auch wieder die am Kahlenberg bei Ringsheim aufgeschlossenen Eisenerze des Braunen Juras im Tagebau gewonnen. Diese Eisenerze, die auch einen beträchtlichen Gehalt an Vanadium aufweisen, werden im Ruhrgebiet für den deutschen Bedarf verhüttet. Noch nicht wieder eröffnet sind die Untertagsbetriebe bei Herbolzheim und im Schönberg bei Freiburg. Das Erzbergwerk Kappel am Schau in s- 1 a n d hat mit einem Teil seiner Stammannschaft die Förderung der etwa 2,3 Prozent Blei und 17,4 Prozent Zink enthaltenden Erze wieder angenommen. Ebenso arbeitet wieder das wohl bedeutendste deutsche Flußspatbergwerk am Belchen und der kleinere Flußspatbetrieb bei Hesselbach im Renchtal. Eine Rentabilität dieser Betriebe kann jedoch erst dann erreicht werden, wenn die wohl zum größten Teil vorhandenen Arbeitskräfte sich wieder bereit finden, die schwere Arbeit unter Tage zu leisten. Wie schwer der Ausfall der Bergbaubetriebe sich für die Wirtschaft Badens auswirkt, geht wohl am besten daraus hervor, daß gegenwärtig Kochsalz vom linken Rheinufer eingeführt wird, während die eigenen unerschöpflichen Kochsalzlager bei Bad Dürrheim, Buggingen und Rheinfelden nicht abgebaut werden können. Bereitstellung von Arbeitskräften Eine Anordnung des Arbeitsministeriums — Zur Sicherung der Produktion Vom Badischen Arbeitsministerium wird uns geschrieben: Das Badische Arbeitsministerium hat zum Vollzug des Kontrollratsbefehls Nr. 3 eine Anordnung über den Arbeitseinsatz erlassen, die in den nächsten Tagen veröffentlicht wird. Diese Anordnung enthält wichtige Bestimmungen, die vor allen Dingen die Aufgabe haben, den Aufbau und den Fortgang der Friedenswirtschaft durch Bereitstellung der dringend notwendigen Arbeitskräfte zu sichern. Sie stellt fest, daß alle Männer von 14 bis 65 und alle Frauen von 15 bis 50 Jahren im arbeitsfähigen Alter stehen. Diese Personengruppen haben sich unverzüglich und ohne Ausnahme beim Arbeitsamt zu melden. Sie erhalten eine Meldekarte, die jeweils beim Bezug der Lebensmittelkarten und auch sonst auf behördliches Verlangen vorzuzeigen ist. Die Meldekarte erhält in regelmäßigen Zeitabständen einen Bestätigungsvermerk, der bei Arbeitnehmern vom Arbeitgeber, in allen übrigen Fällen vom Arbeitsamt angebracht wird. Es wird hierdurch erreicht werden, daß niemand mehr, der arbeitsfähig ist, einer Beschäftigung aus dem Wege gehen kann. Dabei ist Voraussetzung, daß die Arbeitgeber den Bestätigungsvermerk nur abgeben, wenn der Inhaber der Meldekarte tatsächlich in Arbeit steht. Arbeitgeber, welche dieses Erfordernis außer acht lassen. müßten mit Freiheitsstrafen rechnen. Weiterhin hat nach der Anordnung über den Arbeitseinsatz künftig der Arbeitgeber (einschließlich öffentlicher Verwaltungen) jede offene Stelle dem Arbeitsamt zu melden. Er darf sie nur mit vorheriger Zustimmung des Arbeitsamtes besetzen. Ebenso darf ein Beschäftigungsverhältnis nur mit Zustimmung des Arbeitsamtes gelöst werden. Um die rasche Besetzung freier Plätze zu erreichen, muß jeder Arbeitsuchende einer Einbestellung zum Arbeitsamt Folge leisten und sich bei dem ihm genannten Arbeitgeber vorstellen. Handelt es sich um freie Plätze, die aus Gründen des öffentlichen Wohles vordringlich zu besetzen sind, so kann das Arbeitsamt einen Arbeitsuchenden verpflichten. diesen Platz anzntreten; es kann in diesen Fällen auch auf Kräfte zurück°reifen, die bereits in Arbeit stehen. Derartige Kräfte treten dann unter Wahrung ihrer Rechte wieder in ihren früheren Betrieb zurück, sobald die vordringliche Arbeit beendet ist. Wenn man während der Nazizeit Dienstverpflichtungen ausgesprochen hat für die Vorbereitung und Fortführung des grauenvollsten aller Kriege, so wird heute nichts dagegen eingewendet werden können, daß dann, wenn eine andere Möglichkeit nicht besteht, für die dringenden Aufgaben des Friedens vorübergehend ein Arbeitsplatz zugewiesen wird, der anderweitig nicht besetzt werden kann. Die Arbeitsämter werden bei diesen ihnen übertragenen Maßnahmen jede Härte vermeiden und den sozialen Bedürfnissen in jeder Weise Rechnung tragen. Das Badische Arbeitsministerium ist sich bewußt, daß diese seine Anordnung nur als vorübergehend notwendige Maßnahme betrachtet werden darf und daß sie deshalb in der Öffentlichkeit einem vollen Verständnis begegnen wird, wie dies in den anderen Zonen, wo ähnliche Anordnungen seit einiger Zeit mit gutem Erfolg durchgeführt werden, bereits der Fall ist. Zur Durchführung der Anordnung werden die Arbeitsämter besondere Bekanntmachungen erlassen, auf die an dieser Stelle verwiesen wird. Das Streichholz Von Charles-Louis Philippe Es geschah während seiner Schweizer Reise in Zürich, am Abend seiner Ankunft, daß Henri Le- tang innerhalb drei Sekunden in eines der schrecklichsten Abenteuer verwickelt wurde, die ein Mann erleben kann. Henri Letang kam mit dem Abendzug in Zürich an. Er fuhr in sein Hotel. Er speiste dort unverzüglich zu Abend, und da er von dem Eisenbahnfähren ermüdet war, ging er in sein Zimmer hinauf, und, obwohl er nicht schläfrig war, ging er zu Bett. Er hatte seine Zigarette angezündet und das Streichholz weggeworfen, als er eine Unruhe spürte, oder besser gesagt, sich selbst einen Vorwurf machte, weil das angesteckte Streichholz, indem es auf die Bettvorlage fiel, sehr wohl eine Feuersbrunst hervorrufen konnte. Henri Letang beugte sich herab; er hatte gut daran getan nachzusehen: in der Tat, das Streichholz war noch nicht erloschen. Er wollte aufstehen und seine Pantoffeln anziehen. um auf das Streichholz zu treten, als er plötzlich sehen konnte, daß er diese Maßnahme nicht zu treffen brauchte. Deutlich kam eine Hand mit fünf ausgestreckten Fingern unter dem Bett hervor, hob sich, senkte sich dann, legte sich auf das Streichholz und erstickte die Flamme. Unser Gehirn erfaßt fürs erste nur, was unsere Augen ihm gezeigt haben. Henri Letangs erster Gedanke bezog sich auf die Handlung selbst, die er soeben sich vollziehen sah. Wenn man die Hand auf einen entflammten Gegenstand legt, läuft man Gefahr, sich zu brennen. Wie brachte der Eigentümer der Hand es fertig, dies zu vermeiden? Henri Lötang sagte sich, daß der Mann wahrscheinlich seine Finger mit Speichel befeuchtet hatte. Dann erst, nachdem die Zeit, die er zu dieser Erwägung benötigt hatte, verstrichen war, konnte Henri Lötang sich sagen: „Ein Mann ist unter meinem Bett!“ Dann kam ihm langsam, Wort für Wort, der folgende Gedanke: „Er wartet, bis ich eingeschlafen bin, und er wird mich töten, um mich zu berauben.“ Nachdem er die Worte dieses Gedankens erfaßt, erwogen, sozusagen befühlt hatte, war in ihm für keinen anderen Raum. Alle seine Gedanken wurden durch ein entsetzliches Schweigen ersetzt, das plötzlich in das Zimmer eindringend, es erfüllte und ein noch furchtbarerer Insasse desselben wurde, als der, welcher unter dem Bett auf seine Stunde wartete. Henri Letang empfing ihn, wie man einen Schlag auf drti Kopf empfängt. Es war, als erwachte er aus einem langen Schlummer. Er erinnerte sich an etwas, das er seit langer Zeit vergessen hatte; er sagte sich: „Richtig ia, ich hatte vergessen, daß ich einmal sterben muß.“ Und als er seinen Speichel schluckte, besaß dieser einen entsetzlichen Geschmack, der, wie ihm schien, für immer sich in seinem Halse festsetzte. „Ich werde heute nacht ermordet werden.“ ps war, als trüge er schon den Geschmack seines eigenen Leichnams im Halse. Er konnte ihn nicht ertragen. Hin und wieder, leise, um die Aufmerksamkeit nicht zu erregen, drehte er seinen Kopf auf seinem Halse herum und betrachtete mit einem verzehrenden Blick die Möbel seines Zimmers. Es währte wohl noch fünf Minuten, bevor sein Gefühl des Unabwendbaren, dem einer heftigen Verzweiflung wich. Mein Gott, warum widerfuhr ihm dies? Warum lag er in diesem Zimmer? Er hätte auch nebenan sein können. Warum vor allen Dingen, hatte er nur vor dem Schlafengehen nicht daran gedacht, einen Blick unter das Bett zu werfen? „Welch’ ein Tor bin ich gewesen!“ sagte er sich. Er suchte anzukämpfen so gut es ging. Fürs erste fand er zu seiner Verteidigung nichts als die traurigen Erwägungen der menschlichen Kreatur, die aus Versehen getötet werden soll. „Ich habe ja nichts getan,“ hätte er ausgerufen, denn der Gedanke des Todes ist in uns unweigerlich mit dem der Strafe verknüpft. Nein, er hatte nichts getan. Er war unschuldig. Er maß seine Unschuld der Länge und Breite nach. Er war ein sehr guter Mensch. Er war so gut, daß er dem Räuber, der unter seinem Bett verborgen lag und ihm so Cbles wollte, nicht einmal böse war. Er hatte doch Grund dazu. Aber dieser Mann kannte ihn ja nicht. Er hätte ihm zurufen mögen: „Mich, den Henri Letang, wollen Sie töten! Sie täuschen sich, Leute wie mich bringt man nicht um!“ Aber bald begab sich, was man ein Ereignis nennen kann. Henri Letang war bei obigem Gedanken angelangt, als ihn plötzlich, als er es am wenigsten erwartete, eine unwiderstehliche, warme und wohltätige Freude erfaßte. Sie packte ihn am Halse, drang in seinen Mund, er fühlte sie hinabgleiten, er war erfüllt von ihr. Er wußte nicht, wie sie gekommen war. Um ein Haar hätte er ausgerufen: „Mein Gott, ich bin gerettet!“ Er nahm sich Zeit, um des Erfolges sicher zu sein, überdachte jede Einzelheit, stellte genau fest, wo er die Füße hinsetzen würde. Er bestimmte sogar, daß er die linke Hand auf die Messing- kupoel seines Bettes legen würde. Alles war vorbereitet, nichts war zu befürchten. Es war so: Henri Letang richtete sich erst auf und ahmte die Leute nach, welche die Gewohnheit haben, laut mit sich selbst zu reden, wenn sie allein sind. Er sprach vor sich hin, jawohl, aber so. daß alle Menschen, die etwa in seinem Zimmer hätten sein können, ihn gehört hätten. Er sagte: „Wie dumm von mir! Ich glaube gar, ich habe meine Schlüssel an der Tür stecken lassen.“ Er stand auf. Niemand fuhr ihm an die Gurgel. Der andere freute sich gewiß und dachte, daß er einer Gefahr entronnen sei: hatte er doch riskiert, daß im Augenblick*des Überfalles jemand den Schlöss»! drehen und herein^ommen würde. Henri I ätan-r ging ohne Eile vor, um nicht aufzufallen. Er ging zur Tür, öffnete sie. O Gott! Die neue ungarische Währung Wie schon mitgeleilt, ist in Ungarn nach dem 1. August 1946 eine neue Währung, der Florin oder Forint (= 100 Filler) eingeführt worden. Ein Florin gilt 400 Milliarden Pengö, ein Dollar 11,62 Florin, ein Pfund Sterling 96,34 Florin und 1 kg Gold 13 210 Florin. Die Garantie für die neue ungarische Währung stellen einerseits die von der amerikanischen Armee in Bayern aufgefundenen 30 Tonnen Gold, welche der ungarischen Regierung inzwischen zurückgegeben worden sind, und andererseits der allgemeine wirtschaftliche Wiederaufbau dar. Zum Zwecke der Währungssanierung ist eine Verordnung herausgegeben worden, nach der alle Schmucksachen und andere Goldsachen mit einem Gewicht von mehr als 500 g bei der ungarischen Nationalbank deponiert werden müssen. Die Anmeldung der Auslandspapiere muß vor dem 15. August 1946 vollzogen sein. Seit dem 1. August 1946 ist jeder Verkauf von Devisen und Auslandspapieren untersagt. Wird nach dem Zusammenbruch des Pengö die neue Währung ihren Wert beibehalten können? Dem ersten Sanierungsversuch des Pengö im Januar 1946, der durch Abstempelung der Noten erfolgte, indem drei Viertel des Wertes als Steuer beschlagnahmt wurde, gelang es nicht, die Inflationswelle einzudämmen. Der damals verminderte Notenumlauf nahm wieder schnell zu und in der Mitte des Jahres erreichte er astronomische Ziffern, die sogar diejenigen der deutschen Inflation nach dem ersten Weltkrieg überstiegen. Andererseits _ entwickelte sich die ungarische Inflation viel schneller als die deutsche, die immerhin fünf Jahre brauchte, bis sie ihren Höhepunkt erreichte. Man hofft, daß sich mit der Einbringung der neuen Ernte und dem allmählichen Wiederaufbau der ungarischen Industrie die Wirtschaftslage bessern wird; dies wäre der Währungsstabilisierung förderlich. Es wird auch bekanntgegeben, daß Rußland die Bezahlung der Wiedergutmachungsleistungen aufgeschoben hat. Dr. B. Gewerkschaften brauchen junge Funktionäre Sonderkurse sollen den Mangel an praktischen Erfahrungen ausgleichen Der Ruf nach jungen Gewerkschaftsfunktionären wurde von dem Sekretär des Verwaltungsausausschusses der Hamburger freien Gewerkschaften. Ernst R a t h I o w, in der jetzt erschienenen Juli-Ausgabe der Hamburger Gewerkschaftszeitung erhoben. Die Umstände, so führte er aus, lassen ein langsames Hineinwachsen in die Gewerkschaftsarbeit nicht zu. Wenige alte erfahrene Gewerkschaftler haben die ganze Last des bisherigen gewerkschaftlichen Wiederaufbaues getragen. Die Fülle der Aufgaben und die Gefahr des natürlichen Abgangs der alten Funktionäre zwingen zum Heranziehen. junger Kräfte, zumal Krieg und Naziterror große Lücken unter den besten Mitarbeitern gerissen und die Heranbildung von Nachwuchs verhindert haben. Eine besonders intensive Erziehung und Ausbildung der jungen Gewerkschaftler muß daher ihre fehlende praktische Erfahrung ausgleichen. Als Grundlage des Erziehungs- und Ausbildungsprogramms fordert Rathlow die Einrichtung von Arbeitsgemeinschaften, die allen Gewerkschaftsmitgliedern zugänglich sind, Sonderkurse über die Geschichte der Gewerkschaften sollen dem jungen Mitglied die Tatsache vor Augen führen, daß Deutschland kein gewerkschaftliches Neuland ist In weiteren Sonderlehrgängen soll das notwendige Sachwissen für die Aufgaben als Betriebsräte, Arbeitsrichter, Mitarbeiter in der Sozialversicherung und Jugendleiter vermittelt werden. Gewerkschaftsfunktionäre schon mit 25 Jahren Laut einer Verfügung der Militärregierung vom 16. Juli ist das Mindestalter für die Übernahme einer Funktion in den Gewerkschaften nun- Was kümmerte ihn der Schlüssel! Wie er schrie, wie stark seine Stimme erscholl! „Zu Hilfe! Mörder! Kommt! Kommt schnell!“ Zehn Personen umringten ihn, als er noch schrie. Er schrie lauter als notwendig war. Man fand den Gauner unter dem Bett. Man mußte ihn hervorziehen, denn mit keiner Bewegung erleichterte er den Leuten ihre Mühe. Als er aufrecht stand, war er blaß, seine Augen glänzten. Frauen schlugen auf ihn ein. Der Hoteldirektor hatte ihn nie gesehen. Schutzmänner legten ihm Handschellen an. Als er fortgeschafft und schon auf dem Weg zum Gefängnis war, zitterten noch alle. Musik und Malere! Am Sonntag, dem 18. August, nachmittags 3 Uhr wird im Schwarzwälderhof zu Titisee ein Konzert abgehalten und eine Ausstellung von Gemälden und plastischen Arbeiten aus dem Schwarzwald eröffnet werden. Vorverkauf beim Gouverne» ment Militaire in Neustadt. Die deutsche Uraufführung des französische» Pianistenfilms ,,Eine Dezembernadit*' im Baden-Ba* dener Kurhaus, dem wohl bestausgestatteten Filmtheater der französischen Zone, hatte großen Erfolg. Deo Namen wie die Grundstiramung liehen Alfred de Müsset# Verse „Une nuit de Decembre“, in die beide Verfasser des Drehbuchs das wundersame Liebeserlcben des großen Beethoven und Liszt-Spielers mit der T nbekannten (und zwanzig Jahre später ihrer Tochter) filmdramatiscb sehr geschickt einflochten. Pierre Blanchar und Benes r geben beiden natürliches Leben und mitreißende Darstellung, die auch bei den weiteren Gestalten zu großer künstlerischer Geschlossenheit zusammengefaßt wurde. Die Musik hilft ebenso wie Bildaufnahme und Schnitt zum großen Erfolg mit erwählten Stellen der Klavierkonzerte von Beethoven bis Liszt. . Oe t j u n g.e Bariton Willy Rosenau sang in rreudenstadt mit Generalmusikdirektor Prof. C. Leon- hard am Flügel mit außergewöhnlichem Erfolg Liede» und Balladen. Früherer Freiburger Professor ge* storben. Geheimrat Prof. Dr. jur. Alfred Schnitzt, der langjährige Freiburger und Leipziger Ordinarius für deutsche Reditsgeschichte, bürgerliches Recht. Kirchen* und Handelsrecht, ist im hohen Alter von 82 Jahren, bi# zum letzten Tage aktiv auf dem Katheder, gestorhei^ PL Seite 4 — Nummer 13 MittwoA, 14. August 1946 JMßoß mehr von 30 auf 25 Jahre herabgesetzt worden. Es soll diese Maßnahme dazu Beitragen, auch jüngere Kräfte zur aktiven Mitarbeit in den Gewerkschaften heranzuziehen. Es wird dadurch nun einer Anregung aus Gewerkschaftskreisen Rechnung getragen. Die EDEKA im Wiederaufbau Man schreibt uns: Der EDEKA.-Verband deutscher kaufmännischer Genossenschaften e. V., die EDEKA.-Zentrale eGmbH. und die EDEKA.-Bank hielten in Hamburg eine Arbeitstagung ihrer Zweigstellenleiter in den drei westlichen Zonen ab. Aus den Berichten ging hervor, daß die EDEKA.- Einkaufsgenossenschaften der Lebensmittelhändler seit Beendigung des Krieges trotz schwerer Schäden, vorwiegend in West- und Süddeutschland ihre Tätigkeit mit Erfolg weiterführen konnten. Zahlreiche Genossenschaften berichteten von einer Steigerung der Umsätze und einer stärkeren Einschaltung in die Verbraucherversorgung, wobei die Warenbeschaffung durch die EDEKA.- Zentrale im bezirklichen und Interzonenverkehr sich bestens bewährte. Der veränderten politischen Entwicklung trugen die drei Spitzenorganisatiwien durch eine weitgehende Dezentralisierung sowie durch Neuwahlen Rechnung. Die EDEKA.-Bank eGmbH. in Hamburg als Musik u Von Mozart bis Morgenstern Eurythmie-Gastspiel des Goetheanutns Dörnach Wer von der Eurythmie so etwas wie eine Abart des „reinen“ Tanzes erwartet, wird in der Regel enttäuscht sein, wenn er ihr zum erstenmal in ihrer klaren, strengen, gesetzmäßigen Formung begegnet. „Eurythmie will“, so drückt es Rudolf Steiner in seinen programmatischen Anmerkungen aus, „sichtbare Sprache oder Gesang — eine Art bewegter Plastik sein.“ — Die Eu- rythmie-Künstler-Gruppe des Goetheanums Dörnach, Schweiz, die unter Marie Savitchs zielsicherer Leitung ihren vielen Freunden und Bewunderern an zwei Abenden im Casino-Saale gegenübertrat, verstand es, diesen andeutenden Worten ihre Berechtigung und Gültigkeit zu geben. In allen bewegungsmäßig ausgeprägten Gedanken und Empfindungen, wie sie sich aus den Werken großer Meister der Wort- und Tondichtung ergaben, trat eine große, adlige Form zutage, und zwar ebensosehr in den Gruppenbewegungen wie in den Einzeldarbietungen. Gut und klug war es, neben die tiefgründige Thematik Beethovens und die spielerische Grazie Mozarts, der sich die funkelnde Melodik Tartinis gesellte, die anmutvollen Worte Morgensterns, dessen Palmström „in Tiergestalten“ von dem „Tänzer“ der Gruppe schlechthin genial gedeutet wurde, und Albert Steffens zierliche Kostbarkeit „Aus dem Chinesischen" zu stellen, die beglückend in uns nachschwang. Am Ende des Abends stand, von der Gruppe mit schwebender Anmut geformt, Franz Schuberts, des unsterblichen Romantikers, sprühendes „Impromptu“. Der überaus herzliche Beifall war mehr als eine Geste. R. B. Klavierabend Hans Renner Hans Renner, den wir schon des öfteren als begleitenden Pianisten in Freiburg hörten, wartete zum ersten Male am 8. August mit einem eigenen Programm auf. In einer anklin- enden Folge schönster Klaviermusik von Beetoven, Schubert, Chopin und Liszt stellte der Künstler sein in langem Mühen erarbeitetes Können unter Beweis. In einzigartiger Stilvollendung spielte Hans Renner, jedes Detail technisch und gefühlsmäßig durchfühiend, vor, allem die Ballade g-moll opus 23 von Chopin — wie überhaupt seine Interpretationsbegabung in weitaus stärkerem Maße bei Chopin liegt, — dessen Barceuse opus 57 und dessen Scherzo b-moll opus 31. Mit leichtem Anschlag und spielerisch erscheinender Vollkommenheit übersetzte er die Spannungen, ganz besonders des Impromptus Es-dur von Schubert, die in den Obergängen von den dem Perpetuum-mobile Leitstelle für die englische Zone konnte alle finanziellen Anforderungen voll befriedigen. Die Spar- und Arbeitsgemeinschaft der Jungkaufleute, welche sich die Selbständig- machung des jungen Nachwuchses durch Gemeinschaftssparen und durch Personalkredit zur Aufgabe macht, hat die bzw. ihre Tätigkeit in kleinerem Umfange wieder aufgenommen. Dem Sozialfonds für Einzelhändler, Arbeiter und Angestellte aus den östlichen Gebieten wurden durch die Genossenschaften erhebliche Beträge zugewiesen. Eine Sammlung während der Tagung ergab gleichfalls einen namhaften Betrag. In einem anschließenden betriebswirtschaftlichen Schulungskurs wurden Fragen der Rationalisierung und der weiteren Leistungssteigerung der Einkaufsgenossenschaften im Interesse einer geregelten Verbraucherversorgung behandelt. Aufhebung der Einfuhrfreiheit in Dänemark. Die Höhe des Defizits der dänischen Handelsbilanz hat in der Tat eine Aufhebung der Warenimportfreiheit zur Folge. In der Zeit von Januar bis Mai dieses Jahres betrug die dänische Einfuhr $54,8 Millionen Kronen, die Ausfuhr dagegen nur 482 Millionen Kronen. Für die Zukunft wird die Einfuhr nicht nur aller Luxusartikel, sondern auch anderer für den täglichen Gebrauch notwendigen Waren wie Treibstoffe, 'Kaffee, Wein usw. untersagt. id Filme ähnlichen zu den stark slawisch akzentierten Sätzen zu suchen sind. Die Sonate c-moll, opus 13 (Pathdtique) von Beethoven, die am Anfang des Programms stand, entbehrte dagegen wohl m einigem der erwarteten Natürlichkeit und Ausdrucksstarke; allerdings entwickelte der Pianist im Allegro einen packenden Schwung und eine erstaunliche Elastizität, von der die Hörerschaft und auch der Pianist gleichermaßen mitgerissen wurde. In den Liebesträumen (Notturno III), der Konzert-Etüde Des-dur und der Polonaise E-dur von Franz Liszt, dem Abschluß der Spielfolge, enttäuschte Hans Renner auch nach einem so glänzend durchgeführten Spiel nicht, wenn auch — in den Liebesträumen — zu Beginn die Anschläge um ein Weniges zu stark waren. Der stark besetzte Maria-Hilf-Saa! hallte noch lange wider vom dankbaren Applaus der Zuhörer, die so von Hans Renner noch fünf Zugaben erzwangen, unter anderem einen Walzer und eine Etüde von Chopin und, als endgültigen und würdigen Abschluß, die „Träumerei“. W. S. Harmonie-Lichtspiele: Der lachende Dritte Dieses Filmlustspiel hat eine Handlung und ein Milieu, in denen oft mit recht drastischen Schwankmitteln gearbeitet wird und auch die fesche oberbayerische ,.Keilerei“ nicht fehlt Recht ansprechend ist aber die melodiöse, geschickt instrumentierte Musik Eduard Kün- neckes, bei der man die Vergänglichkeit solcher ..Gebrauchsmusik" ganz vergißt. Künnecke ist durch seine Eigenart der Akzente und der Tonfärbung und seine seltsam erregende, oft synkopierte Rhythmik nie ein Versager. Man sieht und hört in diesem „lachenden Dritten“ zahlreiche bewährte Träger deutscher Filmlustspiele: Lucie Englisch gesellt sich zu Oskar Sima, die mit angenehmer Verhaltenheit spielende Gina Falcken- berg ist ein sympathischer Kontrast zu dem kraftstrotzenden Sepp Rist. Auch Harald Paulsen stellt sich ein, seine Rolle ist allerdings recht ..undankbar“. Bessere und ausgiebigere Gelegenheiten hat der Münchener Komiker Josef Eichheim, der die Chancen reichlich ausnützt. Als seriöser älterer Herr tritt euch Carl Beckersachs, ein „Herzensbrecher von einst“, Liebhaber und Bonvivant ans der Frühzeit des Films auf. H. Union-Theater: „Glück unterwegs' 4 Ein heiter-unbeschwertes Spielchen aus der Zeit der Fostkutschenroroantik, deren wirkliche oder vermeintliche Poesie vielen von uns heute so fremd geworden ist. Und doch mehr als nur ein „Kostümfilm" — nämlich ein freundliches musikalisches Schatzkästlein, dem Meister Künnecke allen Schmelz seiner farbenprächtigen Melodik mitgibt. Er batte sich keine bessere Interpretin seiner Musik wünschen können, als die scharmante Dora Komar, die nicht nur allerliebst aussieht und spielt, sondern auch gesanglich ihren Ruf in der Wiener Opernwelt erneut festigt. Ihr schmucker Partner Ist der sympathische O. W. rischer, und daneben wirken sich die verhaltene Menschlichkeit Gustav Waldaus und die leise Komik Paul Kemps, zu der Ernst Waldows skurriles Wesen in wirksamem Gegensatz steht, wohltuend aus. — Im Beiprogramm verdient der französische Kulturfilm „Musik einst und Jetzt“, der den großen Meistern der Tonkunst in aller Welt gewidmet ist, starke Beachtung. R. B. Fußball FC. Saarbrücken inoffizieller Meister Die beiden Absebnittssiejrer der französischen Zone, der S».. Rastatt und der rtC. Saarbrücken, hatten zwei Freundschaftsspiele vereinbart, die zugleich den inoffiziellen Fußball-Meister der französischen Zone ermitteln sollten. Nachdem vor acht Tagen in Saarbrücken die Badener eine glatte 0:5-Abfuhr erlitten hatten, traten die Saarbrücker am Sonntag in Rastatt zum Rückspiel an. 6000 Zuschauer erlebten einen energiegeladenen Kampf, der zur Pause noch 1 :1 stand. Eine Viertelstunde vor Schluß hatten die saarländischen Gäste eine 4 :2-Führung inne. Die Rastatter setzten zu diesem Zeitpunkt zu einem imponierenden Endspurt an, kamen zwar zum Ausgleich, aber zum Siege reichte es nicht mehr. Immerhin ist auch dieses Unentschieden ein beachtlicher Erfolg für den Meister der französ. Zone Badens. Auf Grund des Vorspielsieges und des Unentschiedens in Rastatt kann Saarbrücken als inoffizieller Meister der französischen Zone angesehen werden. Der 1. FC. Pforzheim 50 Jahre alt Die Jubiläumswoche aus Anla* ihres 50jährigen Bestehens eröffneten die Pforzheimer mit der Fortuna Freiburg als Gast, den sie 8:3 schlugen. Während die Fortuna im Feld ein ausgezeichnetes Spiel lieferte, waren die Pforzheimer mit dem alten Fischer im Sturm weitaus f efährlicher. Dold im Fortuna-Tor hatte einen schwarzen ag und trug damit nicht unwesentlich zu dieser Torquote bei. Fußball im Wiesental Die Schlußtabelle der Wiesentäler Gruope zeigt, daß auch hier die Spiele nicht ohne gewichtige Überraschungen zu Ende gingen. Der ständig führende SV. Schopfheim fiel durch die Niederlagen gegen Zell (1 :2) und in Fahrnau (3 :5) auf den 3. Platz zurück. Im erforderlichen Entscheidungsspiel schlugen die Sportfreunde Fahrnau die SqVgg. Zell 2 :0 und wurden somit Meister des Bezirks. Auch die Meisterschaft des Oberrheins steht vor der Entscheidung. Der SC. Wehr ist aussichtsreichster Anwärter. Spfr. Fahrnau . .... 12 9 2 1 56 : 19 20 : 4 SpVgg. Zell i. W. 12 9 2 1 35 : 23 20 : 4 SpV. Schopfheim .... 12 9 — 3 72 :19 18 : 6 Spfr. Bromback . ... 12 5 1 6 42 :40 11 :13 SV. Rotweiß Lörrach • . 12 4 2 6 31:46 10:14 ASV. Haagen. 12 2 — 10 24:64 4:20 SV. Maulburg.12 — 1 11 12:62 1:23 Bei den zweiten Mannschaften hat sich Schopfheim vor Wehr behaupten können. Auch hier geht es noch um den Sieger am Oberrhein. * Der 1. FC* Nürnberg weilte über das Wochenende im Rheinland und gewann gegen Union Hamborn überraschend hoch mit 4 :1 Toren. Der Duisburger Sportverein mußte die Überlegenheit der Bayern sogar mit 1 :7 anerkennen. SV. Teningen — SC. Waldkireh 5 :1; VfR. Zähringen — SV. Kenzingen 4 :2. St. Georgen/Schw. — Triberg 10:2: St. Georgen Jgd.— Triberg Jgd. 2:1; Schonach I —Villingen II 1:3; Buch- heira — Fortuna III 7:2; ASV./AH. komb. — Fortuna AH. 4:6. Phönix kam nicht Eine Enttäuschung für die Freiburger Fußballfreunde gab es am Sonntag durch das Ausbleiben der Phönix- Mannschaft aus Karlsruhe. Die Karlsruher hatten wohl alles versucht, aufgetretene Schwierigkeiten zu überwinden, mußten Sonntag aber dock telegraphisch absagen. Dem Publikum wurde der Spielausfall am Samstag und Sonntag durch den Südwestfunk bekanntgegeben, . . . aber Saarbrücken kommt Wie schon angekündigt, stellt sich heute, 19 Uhr, im Mösle-Stadion der 1. FC. Saarbrücken gegen den VfL. vor. Die Saarländer zählen seit Jahren zur deutsches Spitzenklasse, standen u. a. im Endspiel 43/44 um die Deutsche Meisterschaft gegen den DSC. und sind auch heute eine Meistermannschaft. Der Bekannteste in ihren Reihen ist Bubi Sold, der 15mal in der Nationalmannschaft stand. Berg von Schalke 04 und Schellhaase von Tennis-Borussia stehen seit einiger Zeit ebenfalls in dieser Elf. Handball Fortuna — Herbolzheim 13 * 6 (5:3) Als einzige Sportveranstaltung des Sonntags erledigten die Handballer der Fortuna ein rückständiges Pflichtspiel gegen die Herbolzheimer Gäste. Die einheitlichere Leistung bot der Platzbesitzer, der mit seiner Verteidigungsreihe genauer deckte als die Gäste. Während diese im Sturm ihr Spiel allzu eng auf die Mitte konzentriert hatten, bevorzugten die Fortunen einen breiten Angriff, der immer wieder zu günstigen Schlußpositionen verhall. Das Spiel war lebhaft, aber auch robust. Schiedsrichter Zeh leitete einwandfrei. Leichtathletik Audi für den kommenden Sonntag ist am Oberrhein eme bezirksoffene Leichtathletik-Veranstaltung ausgeschrieben. Der Sportklub Wehr eröffnet mit dieser Generalprobe, für die ackt Tage später in Lörrach stattfindenden badischen Leichtatbletikmeisterschaften seine Bahn. Die Wettkämpfe beginnen um 9 Uhr für alle über 18 Jahre alten Mitglieder aus den Sportvereinen des Be- J ,r ks Lörrach und umfassen alle bekannten Disziplinen für Franen, Junioren und Männer. Neue Jahresbestzeiten deutscher Leichtathleten J 1 ?. ^ö!ner Stadion sahen 6000 Zuschauer die Leichtathletik-Meisterschaften der britischen Zone. Die Erwartungen wurden voll erfüllt. So durchlief Steffen (Hamburg) die 100 Meter in 10,8 Sekunden, Sonntag (Hamburg) gewann die 200 Meter in 21,9 Sekunden und Edel (Hamburg) siegte über 400 Meter in genau 49,0 Sekunden. Eine weitere deutsche Jahresbestleistung schuf Luders über 5000 Meter in 15.35,5 Minuten, während St. Georg (Hamburg) in der Sprinterstaffel mit 43.4 Sekunden vor HSV. und Krefeld 95 eine in diesem Juhre noch nicht erreichte Leistung vollbrachte. Bei den Frauen ist besonders der 80 -Meter-Hürdenlauf von Frl. Domagalla bemerkenswert, die mit 11,8 Sekunden eine in Europa in diesem Jahre noch nicht erreichte Leistung vollbrachte. — Frl. Petersen durchlief die 100 Meter in 12,3 Sekunden. * In Lausanne gab es einen Leichtathletik-Länderkampf zwischen der Schweiz und Frankreich, der bei 13 französischen Siegen und vier Schweizer Erfolgen den Franzosen im Gesamtergebnis den Sieg mit einem Plua Ton 28 Punkten gegenüber den Gastgebern einbrachte, * Am Montag vergangener Woche kam es im White-City- Stadion in London zum Länderkampf der Leichtathleten England-Frankreich. Während im letzten Jahre die Franzosen noch zu einem überlegenen Sieg gekommen waren, belegten diesmal die Briten ihre Formverbesserung mit zehn Siegen in den 15 Konkurrenzen und dem Gesamtergebnis von 72 : 57 Punkten. Die Laufdisziplinen wurden übar Yardsstrecken ausgetragen, weshalb die Zeiten keinen einwandfreien Vergleich zu anderen internationalen Leistungen zulassen. Alle Wurfwettbewerbe gewannen die Franzosen, die Sprünge der für England startende westafrikanische Prinz Adedoyin. Carraciolas Laufbahn beendet? Der ehemalige Mercedes-Benz-Rennleiter erklärte, daß die Verletzungen, die sich Carraciola in Amerika zugezogen habe, so schwer seien, daß man den beliebten Rennfahrer kaum noch einmal am Steuer eines Rennwagens sehen würde. Carraciola hatte zwei 1 ^-Liter- Rennwagen erworben und in der Schweiz sichereeStellt. Der Veranstalter des Rennens von Indianapolis lud Carraciola zur Teilnahme am Rennen ein. Da die Schweizer Behörden die Rennwagen aber nicht freigaben, verzichtete Carraciola auf den Start, flog aber trotzdem nach den USA. und beabsichtigte dort die Rennfahrerlizenz. zu erwerben. Zu diesem Zwecke mußte er einige Runden in einer bestimmten Zeit zurücklegen. Für alle Anwesenden unverständlich, setzte sich Carraciola in einen Wagen, mit dem der Amerikaner Fisher kurz vorher verunglückt war. Carraciola zog sich durch den Unfall so schwere Verletzungen zu, daß dadurch die Laufbahn eines der erfolgreichsten Rennfahrers der Welt beendet sein dürfte. — Internationaler Radsport Das 231 Kilometer lange Straßenrennen durch den Schweizer Jura war eine schwere Prüfung. Es gab ein Massensterben von Rennreifen, durch das besonders die Schweizer Fahrer aus aussichtsreicher Position ins Hintertreffen gerieten. Bei. den Amateuren passierte Stettier als Erster das Ziel mit einem Vorsprung von drei Minuten, während bei den Berufsfahrern der Tour de Suisse-Sieger Bartali acht Minuten vor dem Zweites» Gottfried Weilenmann (Schweiz), das Zielband zerriß. Die Pariser Bahnrennen brachten neben der Qualifikation von Chaillot und Lesueur für die Radwelt- meisterschaften auch die Ermittlung des dritten französischen Professionalsprinters, der neben Gerardin und Senfftleben in Zürich antreten wird. Der AussAeidungs- matck wurde vom jungen Viguä gewonnen. Die französische Amateurmeistersdiaft im Verfolgungsfahren holte «ick Rioland in 5.52.2 mit 45 Meter Vorsprung vor Verviala, Großes inferalliierles Reit-Turuier Vauban-Kaserne Am 23., 24. und 25. August 1946: 1. Tag (23), Beginn 16 Uhr: Eröffnungspreis de» Turniers. 2. Tag (24 ), Beginn 14.30 Uhr: Preis des Siege», Preis der französischen Kavallerie. 3. Tag (25.), Beginn 14.30 Uhr: Rhein-Donau-Prei» der Alliierten Armeen. Militärmusik — Trompeterkorps — Jägerkapeü» Bewachter Auto- und Fahrradparkplatz. Kaltes Buffet und Bar. Kartenvorverkauf bei: Reisebüro Freiburg L Br., Rotteckplatz. — Zigarrenhaus Kampe, Freiburg i. Br., Kaiser-Joseph-Straße. Die Platzkassen sind ab 13 Uhr jeweils geöffnet Eintrittspreise: Tribüne gültig für lTagRM.5.— für 3 Tage RM. 12—; Stehplatz gültig für 1 Tag RM. 2 —, für 3 Tage RM. 5.—. Das Sonntagsfahrverbot für Autos und Motor« rüder ist für den 25. August 1946 ausnahmsweise aufgehoben. Es werden keinerlei Freikarten ausgegeben. Eintritt für jedermann nur gegen Eintrittskarten« Die deutsche Bevölkerung ist eingeladen. TV7L T_ - £ Eins Geschieht« warum tiat »», -,«m ^i». Herr Döderlein...? Von Rolf Gustav Haabler (1. Fortsetzung) Nicht immer braucht Liebe blind zu sein gegenüber wirtschaftlichen Vorteilen. Aber auch Tradition ist ein Wert, und Vater Schmidt schätzte ihn, weshalb er nichts gegen eine Heirat und spätere Geschäftsübergabe einzuwenden hatte. Er hatte durchaus recht. Der Schwiegersohn, wir wissen, er trat für gemäßigten Fortschritt ein. erweiterte das Geschäft, Indem er die bisherige Wohnung in einen Damensalon verwandelte, nur das bereits bekannte Kaffeezimmer ließ er als Privatraum, auch zu Bürozwecken bestehen. Er kündigte den Mietern des ersten und zweiten Stockes, zog hinauf und vermietete die Zimmer des ersten Stockes an einen Rechtsanwalt und an einen Zahnarzt als gewerbliche Räume. Wozu hatte man ein Haus in der besten Geschäftslage. Hierdurch erzielte er eine bedeutend höhere Miete, die ihm erlaubte, die Kosten des Umbaues rasch zu amortisieren. Der Schwiegervater hatte den richtigen Schwiegersohn gefunden, wobei man durchaus nicht anzunehmen braucht, daß der alte Schmidt ein blindes Huhn war. Auch die junge Frau war zufrieden; denn m jener Zeit hatte niemand sonst in der ganzen Stadt ein so vornehmes Friseurgeschäft. Mit einer Einrichtung aus echt _ Mahagoni und einer automatischen Zahlkasse, die dem Kunden einen Bon über erfolgte Zahlung verabreichen ließ, selbst wenn es nur zwanzig Pfennige für Rasieren war. Von den ebenfalls neu eingeführten echt französischen Parfüms ganz zu schweigen. Auf dieser soliden wirtschaftlichen Grundlage, erhöht durch das Glück einer harmonischen Ehe, vollzog sich das Leben des Ehepaares Karl und Anna Döderlein. Ein Kind starb sehr früh, das war schmerzlich; weitere folgten nicht mehr durch den unerforschlichen Ratschluß Gottes, der auch bald den Vater Schmidt zu sich rief. Aber alle Wunden heilen, .selbst wenn sie tiefer als diese gegangen waren. Und wenn auch Herr Döderlein 1914 bedauerte, daß er keinen Sohn hatte, der als Kriegsfreiwilliger das Vaterland hätte verteidigen können, so war nach nicht allzulanger Zeit seine Frau hinwiederum froh, daß sie keine Söhne auf dem Felde der Ehre verlieren konnte; denn es muß gesagt sein, Anna Schmidt, jetzt Anna Döderlein, hatte sich zu einer sehr kritischen Frau entwickelt, die sehr bald nicht mehr an den Sieg der deutschen Waffen glaubte und überhaupt der Ansicht war, daß der Krieg ein Unsinn sei. Aber man würde ihr Unrecht tun, wenn man annähme, das sei nur deshalb, weil im Krieg die Männer sich selbst und draußen im Feld rasierten, soweit sie das überhaupt machten und nicht ungepflegte Bärte trugen. Auch daß die Seife im- der teurer und schlechter wurde, ganz zu schweigen davon, daß französisches Parfüm nicht mehr zu bekommen und das Ersatzzeug keinen Schuß Pulver wert war — eine sprachliche Feinheit, die selbst zu erfinden Frau Döderlein allerdings fern lag — auch dies war nicht der Grund ihrer Ablehnung des Krieges. Es war nicht einmal deshalb, weil ihr Mann in vielen Musterungen auf Herz und Nieren geprüft wurde, durch den Oberstabsarzt Dr. Gundetfin- ger, einen alten Kunden ihres Geschäfts nicht nur, auch seine Frau gehörte zu dem kleinen Kaffeekränzchen, das Mittwoch nachmittags bei Frau Döderlein zusammenkam und die neuesten Kriegsrezepte für Kuchen ausprobierte, doch dies nebenbei; Döderlein wurde also wiederholt untersucht, wobei Dr. Oundelfinger Döderleins Nieren für schadhaft befand, ferner schien mit den Herzklappen nicht alles in Ordnung zu sein; immerhin d. u. war der Mann nicht. Man konnte ihn füs diesmal noch zurücksfeilen. Doch beim nächsten Mal, — der Oberstabsarzt zuckte jedesmal zweifelnd mit den Achseln und wackelte skeptisch mit dem frischrasierten Kopf, wenn der Krieg nicht bald zu Ende sei, worauf man zwar nach den Meldungen der Obersten Heeresleitung hoffen konnte. Frau Döderlein hoffte nicht Es gibt Menschen, die nicht alles glauben. So eine war Frau Döderlein, während ihr Mann, nach Feststellung der Kriegslage seitens der Kunden, worunter sich auch maßgebende Herren des Generalkommandos befanden, etwas hoffnungsvoller in die deutsche Zukunft blickte. Aber nein, auch strategische Beurteilungen lagen der ablehnenden Haltung Frau Döderleins nicht zugrunde. Frauen denken manchmal sehr entschieden und grundsätzlich, namentlich wenn ihr Denken aus dem Gefühl kommt und nicht aus dem, männ- ücherseits meist überschätzten Verstand. So auch hier. Anna Döderleins Kriegsgegnerschaft entsprang einfach dem schlichten Gefühl einer Frau, die das Töten verabscheute, vielleicht gerade deshalb, weil sie keinen Sohn mehr hatte, der ein Held sein mußte. Das also war Frau Anna Döderlein, die soeben ihrem Mann das Brötchen bestrichen hatte, mit Butter und selbsteingemachter Dreifruchtmärme- lade; Döderlein hatte es verzehrt, den Kaffee ausgetrunken, die Serviette zusammengerollt und in den Ring gesteckt; er war aus Holz geschnitzt und trug die Inschrift „Interlaken*. Woraus hervorgeht, daß Herr Döderlein, nebst Ehefrau, einmal eine Schweizerreise gemacht hatte; womit ferner seine gesellschaftliche Stellung deutlich gekennzeichnet ist. „So — und nun stürzen wir uns wieder in die Arbeit!“ meinte Herr Döderlein und gab damit wie alltäglich das Zeichen für seine Frau, auf die Klingel zu drücken. Dies zeigte dem Mädchen oben in der Wohnung an. daß es Zeit sei abzuräumen. Döderlein, stets für maßvollen Fortschritt, wußte die Errungenschaften der modernen Technik zu schätzen. Es war mittlerweile sechs Uhr geworden und damit die Zeit gekommen, wo der Besuch des Herrensalons sich verstärkte; hier griff Herr Döderlein persönlich ein. Es ist immer gut, wenn der Chef zuweilen zeigt, daß er auch noch da ist; die Kundschaft fühlt sich geehrt und die Angestellten merken, daß der Alte auf dem Posten ist. Auch ergibt sich die Gelegenheit, Meinungen auszutauschen, Neuigkeiten zu hören, Geschäfte einzuleiten; man wird später hören, von welcher Bedeutung für menschliches Schicksal solche Tätigkeit sein kann. . 2. . Würde bringt Bürde. Doch nicht immer müssen Bürden nur dornig sein; es sind auch Rosen dabei. Wenn Herr Döderlein in seiner Eigenschaft »I» Mitglied des Reichsvorstandes seiner Standes« Organisation nach Berlin fuhr, um dort mit den auserwählten Vertretern seines Faches zu beratschlagen, so geschah dies infolge des Ehrenamtes, das ihm seine Kollegen verliehen und wofür sie ihm die entsprechenden Spesen bewilligt hatten. Wer das Berlin jener Jahre um 1930 kennt, weiß, daß solche ehrenamtlichen Spesen selten ausreichten, um den Lebensunterhalt eines Delegierten zu decken. Hier mußten auch Opfer gebracht werden. Herr Döderlein brachte sie gerne. Denn sie waren mit jenen Rosen verbunden, die ihn di» Bürde leichter tragen ließen. Berlin war damals eine Stadt, die vieles brachte und deshalb jedem etwas. Die besten Museen, die besten Theater, die besten Sänger, die besten Bibliotheken, die besten Institute, die besten Sportveranstaltungen, die besten politischen Beziehungen, die besten wirtschaftlichen Verbindungen. von allem Guten das Beste war in Berlin zu haben. Dies alles zu genießen, hatte nur leider Herr Döderlein selten Zeit, und wenn er Zeit hatte, so war er müd. Denn diese herrlichen Einrichtungen waren nur tagsüber reöffnet oder abends zu einer Zeit, in der jedenfalls Herr Döder« lein in langen Sitzungen festgebannt im Klub» sessel eines Konferenzzimmers saß. Sein Berliner Tag begann erst . . . (Fortsetzung folgt) UlttwoA, 14. Angnst 1946 SasEoÖt Nummer 13 — Seite 3 STIMMEN DER HEIMAT Was bietet Freiburg? Mittwoch, den 14. August 1946: Liederabend Hugo Schäfer-Schuchhardt, Heidelberg. Am Flügel: Theodor Hausmann. Heidelberg (Schubert, Schumann. Wolf, Hausmann), 19.30 Uhr, Maria-Hilf. Donnerstag, den 19. August 1946: Angustincr-Museum: Meisterwerke mittelalterlicher Kunst in Baden. 8.30 Uhr: Gesamtführnng: Dr. H. Gombert, Freitag, den 16. August 1946: Angnstiner-Museum: Meisterwerke mittelalterlicher Kunst in Baden. 17.15 Uhr: „Meister des Breisacher Hodi< altars.“ Führung: Prof. Dr. W. Noack. Au allen Tagen: Freiburger Passionsfestspiele: 15 Uhr, Münsterplats (bis einschl. Donnerstag). Augustiner-Museum: Meisterwerke mittelalterlicher Kunst in Baden. 10—12 und 14—17 Uhr (außer Montag). Kunstausstellung Haus Stadelmann: Werke von Erwin Krumm und Siegfried Gysler. 9—12 nnd 14—18 Uhr, Franziskanerstr. 9. Bommerfest auf dem Mefiplatz (Straßenbahnhaltestelle „Schiff“): Bruchs Raupenbahn ist wieder da, Casino-Lichtspiele: „Eine Frau für drei Tage/* Ab Frei tag: „Die große Nummer.“ Harmonie-Lichtspiele: „Der lachende Dritte.“ Ab Frei tag: „Burgtheater.“ Union-Theater: „Glück unterwegs.* 1 Ab Freitag: „Park- itraße 13.** Untere Lokal spitze: Nach Semesterschluß . . . Es ist ruhiger geworden in Freiburg, seit ein großer Teil der Studenten es nach Semesterschluß vorgezogen hat, wegzuziehen. Bedeutend ruhiger. Eine wohltuende Ruhe? Darüber — könnte man eich unterhalten. Man hat doch den Eindruck, als fehle etwas — oder nicht? Tagsüber fällt es gar nicht einmal so sehr auf; der Geschäftsbetrieb ist noch genau so rege (von den Gastwirtschaften ab gesehen, in denen der Sturm und Drang zum Mittags- und Abendtisch etwas nachgelassen hat), aber abends ist es ruhiger. Es fehlt das Lachende Schwatzende, Unbekümmerte der Studenten, uncl es fehlt das — nun: das andere. Wenn sie so zu zweit oder zu dritt ganz vertieft einhergehen, irgendein Thema durchsprechen, ernst, gehalten, suchend; oder wenn sie aufeinander einreden, einander überzeugen wollen, sich ereifern, lauter werden —. Das fehlt; meine Ich. Und das fühlen sicherlich die meisten Freiburger mit mir. Denn das fühlen Ja anscheinend sogar die „Wässerle*, die mit ihrem Murmeln genau so zu unserer Stadt gehören wie die Studenten mit ihrem Plaudern. Sie sind traurig geworden, die „Wässerle“; sie fließen langsam, fast träge, unwillig durch die Straßen — Immerhin: sie sollen sich trösten. Auch wir könnten traurig sein, aber sie kommen ja wieder, die Studenten. W.S. Noch einmal: Passionsspiel Die Freiburger Passionsspiele haben auch in den letzten Tagen zahlreiche Besucher aus allen Teilen des Landes angezogen, nachdem bereits in der vergangenen Woche die Spitzen der Besatzungsbehörden und die badische Regierung ihr Interesse an den Aufführungen bekundet hatten. Auch wir teilen die Anerkennung für die fleißige Gesamtkomposition, die sich in der reibungslosen Szenenfolge zeigte. Allerdings kann man sich bei den Aufführungen dem Eindruck nicht entziehen, daß die aufgewandten darstellerischen Mittel dem sakralen Geschehen nicht immer entsprechen. Altüberlieferte Bauernbühnen sind mit ihren primitiven Mitteln und ihrer schlichten Gläubigkeit, ihrer an alte Holzschnitte erinnernden ungebrochenen Interpretation dem Passionserlebnis an manchen Stellen näher als dieser Darstellungsstil, der teils ins Naturalistische, teils — wie bei der Grablegung und Auferstehung — ins Melodramatische übergeht Man vermißt auch eine tiefere Darstel- ' lung der Mutter Maria. Das ;,Jenseitige“ geht — auch bei Christus — stellenweise verloren: Man verspürt da nicht immer den „göttlichen Hauch“, der auch den Nichtchristen bei gewissen Bibelworten oder z B. in Werken Paul Claudals berührt Es scheint uns nötig zu sein, daß hier einer Alternative nicht ausgewichen wird: Entweder stellt man die Passion ganz in das Erlebnis unserer Zeit, oder man rückt sie, soweit dies menschliche Mittel ermöglichen, in die Sphäre des Metaphysischen. Wir haben den Festspielen schon bei ihrem Beginn die gebührende Würdigung und Anerkennung gezollt. Um so nötiger erschien es uns, diese Notizen hinzuzufügen, da wir auch dem geistlichen Spiel die letzte Reife wünschen. H. H. Neues von der Post Zu den bereits bestehenden Einschränkungen im internationalen Postverkehr sind folgende Verbote hinzugekommen: a) der Gebrauch von Code-Wörtern, Chiffern, Symbolen oder anderen Arten geheimer Sprache; b) die Benutzung von Geheimtinte und unsichtbarer Tinte, c) die Anwendung von Stenograohiezeichen, d) die Wiederverwendung von Umschlägen, die ein Siegel oder ein Kontrollband tragen, oder ihr Einlegen in eine Sendung: e) Gekritzel fgriffonages) und unverständliche Zeichnungen; f) Kettenbriefe; g) Blindenschriftzeichen. Die Verbote sind sorg- Fältig zu beachten. Im Briefverkehr mit Pol— Nummer 13 SkxXSoBk Anordnung über Preise für SpeisefrühkarioSeln vom 30. Juli 1946 Auf Grund der geltenden Bestimmungen wird angeordnet: I. Für Speisefrühkartoffeln gelten die folgenden Erzeugerfestpreise je 50 kg netto ausschl. Verpackung ab Verladestelle oder Verladestation: vom 1. August bis 7. August 1946 RM. 9.— vom 8. „ .. 15. .. 1946 RM. 7.— vom 16. .. .. 23. .. 1946 RM. 6.— vom 24. 31. .. 1946 RM. 5 — vom 1. Sept. bis 15. Sept. 1946 RM. 4.50 Maßgebend für die Preiserrechnung ist der Tag der Verladung oder Abholung. 2. Der Erzeuger hat zu den festgesetzten Preisen frachtfrei zu liefern. Bei Selbstabholung durch den Käufer hat er eine Preisermäßigung von RM. 0.30 je 50 kg zu gewähren. 3. Die Gebühren der Ortssammel- und Bezirksabgabestellen hat der Versandverteiler zu tragen. 4. Als Lieferung von 50 kg netto gilt ein Füllgewicht von 52 kg einschl. Verpackung (brutto). II. 1. Die Versandverteilerspanne beträgt RM. 0.30 je 50 kg, sie darf weder über- noch unterschritten werden. . 2. Die Empfangsverteilerhöchstspanne beträgt RM. 0.55 je 50 kg, bei Selbstabholung zuzüglich der nichtgedeckten Fracht höchstens jedoch RM. 0.40 je 50 kg. Holt der Kleinverteiler oder Großverbraucher die Speisefrühkartoffeln vom Lager des Empfangsverteilers ab, so ermäßigt sich die Empfangsverteilerhöchstspanne um RM. 0.10 je 50 kg. III. Die Verbraucherhöchstpreise für Speisefrühkartoffeln betragen: ln der Zeit Bei Abgabe vom bis von ^ kg 1. Aug. bis 7. Aug. 1946 RM.0.13 8. Aug. bis 15. Aug. 1946 16. Aug. bis 23. Aug. 1946 24. Aug. bis 31. Aug. 1946 1. Sept. bis 15. Sept. 1946 RM. 0.11 RM. 0.10 Bei Abgabe von 50 kg RM. 12.50 RM. 10.50 BM. 9.- RM. 0.08,5 RM. 8.— RM.0.08,5 RM. 7.50 Verbraucherpreise sind Höchstpreise und gelten je* weils für den festgeiegten Zeitraum. Verkauft jedoch der Kleinverteuer Kartoffeln, die er nachgewiesenermaßen im früherei^Zeitabschnitt zu höheren Preisen eingekauft hat* Offene Stellen Bei der Stadtverwaltung Freiburg !. Br. sind folgende Stellen alsbald zu besetzen: V..?' e . Stelle des Leiters des Städt. Ka*senamts. Zunächst Im Angestellten. Verhältnis, Vergütung nach Vergütungsgruppe III, TO. A, bei Bewährung Übernahme in das Beamtenverhältnis als Direktor des Stadt. Kassenamts. Bewerber müssen folgende Bedingungen erfüllen: 1. Abgelegte Staats- oder Gemeindeprüfung für den gehobenen Dienst. 2. Beherrschung der kame- rallstischen und Kenntnisse in der kaufmännischen Buchführung. 3. Mehrjährige Tätigkeit im gemeindlichen Rechnungs- und Finanzwesen und Erfahrungen Im Rechnungswesen für gemeindliche Verso^gungsunternehmen. Bewerbungen sind unter Anschluß eines handgeschriebenen Lebenslaufes, eines Lichtbildes sowie lückenloser Berufszeugnisse und politischen Fragebogens bis längstens 1. 9 1946 an das Personalbüro einzureichen. Persönliche Vorstellung nur bei besonderer Aufforderung. 2. Die Steife des Kommandanten der Feuerwehr. Zunächst im Angesteiltenverhältnis, Vergütung nach Vergütungsgruppe IV, TO. A, bei Bewährung Übernahme in das Beamtenverhältnis als Städtischer Brandingenieur. Bewerber müssen das Staatsexamen für den gehobenen technischen Dienst (Bauingenieur) abgelegt haben, eine mehrjährige leitende Tätigkeit bei einer Berufsteuerwehr nachweisen können und in der Lage sein, den Aufbau einer Berufsfeuerwehr und die Ausbildung der Mannschaften selbständig durchzuführen. Geprüfte Feuerwehringenieure werden bevorzugt. Bewerbungen sind unter Anschluß eines handgeschriebenen Lebenslaufes, eines Lichtbildes sowie lückenloser Berufszeugnisse und politischen Fragebogens bis längstens 1. 9. 1946 an das Personalbüro einzureichen. Persönliche Vorstellung nur bei besonderer Aufforderung. 3. Die Steile des Leiters des Chemischen Untersuchungsamts für Stadt- und Landkreis Freiburg sowie die Kreise Müllheim, Lörrach, Neustadt und Emmendingen mit einer Gesamteinwohnerzahl von rund 380 000. Zunächst im Angestelltenverhältnis, Vergütung nach Vergütungsgruppe III, TO. A, bei Bewährung Übernahme ins Beamtenverhältnis als Direktor des Stadt. Untersuchungsamts. Bewerber müssen geprüfte Nahrungsmitteichemiker sein und Über mehrjährige Erfahrungen bei verschiedenen Untersuchungsämtern auf dem Gebiet der Lebensmittel- und Welnkontrolie sowie der Wasser- und Abwasseruntersuchungen verfügen. Bewerbungen sind unter Anschluß eines handgeschriebenen Lebenslaufes, eines Lichtbildes, sowie lückenloser Berufszeugnisse und politischen Fragebogens bis längstens 1. 9. 1946 an das Personalbüro einzureichen. Persönliche Vorstellung nur bei besonderer Auf. forderung. 4. Die Steile des Leiters des Städt. Vermessungsamts (gleichzeitig staatlich beauftragter Vermessungsingenieur für den Bezirk Freiburg-Stadt). Zunächst im Angesteiltenverhältnis, Vergütung nach Vergütungsgruppe lü, TO. A., bei Bewährung Übernahme in das Beamtenverhältnis als Direktor des Städt. Vermessungsamts. Bewerber müssen die Voraussetzungen gemäß Verordnung des Bad. Staatsministeriums über die Vorbereitung zum staatlichen höheren Vermessungsdienst vom 27, 9. 1932 (Gesetz- Und Verordnungsblatt Seite 245) erfüllen und über mehrjährige Erfahrung im Vermessungswesen an leitender Stelle verfügen. Bewerbungen sind unter Anschluß eines handgeschriebenen Lebenslaufes, eines Lichtbildes sowie lückenloser Berufszeugnisse und politischen Fragebogens bis längstens 1. 9. 1946 an das Personalbüro einzureichen. Persönliche Vorstellung nur bei besonderer Aufforderung. Der Oberbürgermeister der Stadt Freiburg Im Breisgau. Ich suche zum sofortigen Eintritt: Wagner, Schreiner, Holzbildhauer, Leistenmacher zwecks Einarbeitung auf die Herstellung von künstlichen Gliedern, vornehmlich für Kriegsversehrte. F. L. Fischer, Freiburg, am Martinstor. Tüchtige, solide Mitarbeiter für den Außendienst von angesehener Krankenversicherung gesucht. Angebote unter A 978 an die Exp. Das Volk. Zum Holzaufberelten zwei Männer gesucht gegen gute Bezahlung und Verpflegung. 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Raff, Villingen/Schw. so darf er hierfür auch den entsprechenden höheren Verbraucherpreis berechnen. Beim Verkauf von Mengen von 25 kg an aufwärts sind die Verbraucherhöchstpreise nach den für. 5 kg festgesetzten Preisen zu berechnen. Bei der Abgabe unter 25 kg darf der Preis für kg zu Grunde gelegt werden. IV. Zuwiderhandlungen gegen diese Anordnung werden nach den geltenden Bestimmungen bestraft. Als Verstöße gelten auch Handlungen durch die mittelbar oder unmittelbar die Bestimmungen dieser Anordnung umgangen werden oder umgangen werden sollen. Freiburg i. Br., den 30. Juli 1946. Bad. Wirtschaftsminister — Preisbildungsstelle — Gemeindewahlen. Die Wahlperiode, d. h. die Werbetätigkeit der politischen Parteien für* die Gemeindewahlen wird am 15. August um 0 Uhr eröffnet. Von diesem Zeitpunkt an ist die Anmeldefrist der politischen Versammlungen auf vier Tage herabgesetzt. Die Redner der zugelassenen Parteien können zusätzliche Fahrerlaubnisscfieme mit Sonntagsfahrtenerlaubnis sowie zusätzliche Betriebsstoffzuteilungen erhalten. F r e i b u r g i. B r„ den 9. August 1946. Der Ministerialdirektor des Badischen Ministeriums des Innern H a u ß e r öffentliche Aufforderung! Alle Personen, gleich welcher Nationalität, die von den über Freiburg abgesprungenen Fliegern in der Zeit vom 27. 11. 1944 bis 27. 12. 1944 etwas gesehen oder gehört haben, werden hiermit aufgefordert, sich sofort, spätestens jedoch bis zum 20. August 1946, bei der Deutschen Kriminalpolizei-Abteilung, Freiburg, Amtsgerichts- gebäu'de, Zimmer 334, zu melden. Auch alle Personen, welche in der oben angegebenen Zeit die Leithe eines Fliegers in dem Freiburger Güterbahnhof gesehen oder aber gerüchteweise etwas über den Tod dieses Fliegers gehört haben, müssen ebenfalls dies der obigen Stelle melden. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß diejenigen Personen, welche etwas über diesen Fall wissen, sei es auch nur eine Kleinigkeit, und es nicht melden, zur Verantwortung gezogen und streng bestraft werden. Frei bürg i. Br., den 8. August 1946. Amerikanische Kriegsverbrecher-Kommission Württemb. Versfch.-Verein a. G., Stuttgart, hat für Müliheim und Umgebg. eine Inkassostelfe zu vergeben. Bewerber, die in der Lage sind, den Inkassobestand weiter .auszubauen, meiden sich persönl, od. schriftl. an Württemb. Vers -Verein a. G., Stuft- ? iart, Bezirksdirektion Freiburg, Kar- äuserstraße 35, 1!. Sekretärin für den technischen Kon- trolloffizier der Militärregierung bei der Reichsbank gesucht. Beherrschung der französischen Sprache in Wort und Schrift, gewandte Maschinenschreiberin, falls möglich auch gute Stenotypistin. Angemes- sene Bezahlung. Meldungen an Reichsbank, Erasmusstr. 9. Stenotypistin, zuverlässig u. gewandt, zum sofort. Eintritt gesucht. Bezirks- Straßenverkehrsamt Freiburg I. Br., Rotteckplatz 11. Perf. Stenotypistin für Versicherungsbüro in Freibutg gesucht. Bewerb, unter A 970 an die Exp. Das Volk. Weibliche Bürokraft für sofort gesucht. Perfekt in Stenografie u. Maschinenschreiben sowie Eignung zum Verkauf ärztlicher u. pharmaz. Artikel. Bewerbungen u. K 18 366 an Obanex, Anz.-Exp., Freiburg i. Br. Das neu erricht. Postscheckamt Freiburg i. Br., Heinr.-v.-Stephan-Str. 15, stellt laufend jüngere, unbescholtene Mädchen mit guter Schulbildung im Alter von 18—25 Jahren als Post- angesteüte ein. Nähere Auskunft erteilt die Personalstelie des Postscheckamts. Sauberer kleiner Haushalt sucht zum 1. Oktober 1946 fleißiges, solides, ehrliches Mädchen, übe» 19 Jahre, mit Kochkenntnissen, evtl, halbtäg., bei hohem Lohn u guter Behandlg. nach Endingen a. K. Gef! Zuschr. unter A 915 an die Exp. Das Volk. Stellengesuche Kraftfahrer mit Führerschein I. It und IV und Generatoren. 48 Jahre alt, sucht Steilung. Angebote unt. 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August 1946, nachm. 3 Uhr, im Gasthaus zum Ochsen. Referent; Gen. Martzloff, Freiburg. Mitgliederversammlung: Böhringen: Samstaq, den 17. August 1946, abends 20 Uhr, im Rathaus. Wahl des Vorstandes Aufstellung der Kandidat, z. Gemeinderatswahl,