Mittwoch, den 2. Juli 1947 Nummer 52 2. Jahrgang Freibvrg im Breiig** Erscheinuogstage Mittwoch and Samstag / Einzelpreis 20 Pf. Monatsbezugspreis RM 1-60 einschließlich Trägerlohn, durch die Post bezogen RM 1 64. Anzeigen laut Tarif gegen Kennkartenausweis. Herausgegebe 1 » /om Sozialistischen Verlag k-reibarg ü.m.bH., Freiburg i. Br., Kaiser-Joseph-Straße 229, Fernruf 26J6. Bankverbindungeu; Deutsche Bank, Filiale treiburg: Freiburger Gewerbebank e.G.m.b.H., Freibure i. Br; öffentliche Sparkasse Freiburg i. Br (Städtische Sparkasse): Postscheck-Konto I udwigshafen (Rhein) Nr. 25 460 Verbreitungsgebiet: Die gesamte französisch besetzte Zone Badens und Württembergs — Geschäftsstellen and Vertretungen in allen größeren Orten — Anzeigenpreisliste Nr 1. — Gerichtsstand für beide leile breiburg im Breisgao. Schrifileitung: Dr r. Große — Druck: (Jniversitatsdruckerei Poppen & Octmann, sämtliche in Freiburg im Breisgau. Einziges Mittel gegen die Not: Sozialisierung Dr. Schumacher auf dem Nürnberger Parteikongreß der SPD 'Am Sonntagmorgen wurde in Nürnberg der zweite Parteitag de r Sozialdemokratischen Partei Deutschlands von Erich Ollenhauer eröffnet. Der Parteitag, über den wir in unserer nächsten Ausgabe noch ausführlich berichten werden, ist von Delegierten der drei Westzonen besucht. Die Sozialistischen Parteien Frankreichs, Englands, der Vereinigten Staaten, Österreichs, Schwedens, Norwegens, Hollands und Ungarns sind vertreten. Von den ebenfalls vertretenen Delegationen der deutschen Sozialdemokratie im Ausland ist besonders Friedrich Stampfer zu erwähnen, der ehemalige Chefredakteur des „Vorwärts“. Die in Nürnberg Versammelten waren besonders beeindruckt von den Ausführungen des Vertreters Frankreichs, Salomon Grumbach, der ein eindrucksvolles Bekenntnis zur Völkerverständigung und besonders zur Einigkeit der Schaffenden äbtegte. Der Vorsitzende der Partei, Dr. Kurt Schumacher, hielt am Sonntagnachmittag das Hauptreferat über das Thema: „Deutschland und Europa“. Dr. Schumacher ging auf den amerikanischen Hilfsplan ein und bezeichnete es als eine ungeheure Erleichterung, daß das Angebot der USA sich auf ganz Europa einschließlich Rußlands erstrecke. Er kennzeichnete die Stellungnahme der SP zu dieser Frage mit den Worten: „Ja, Europa ist mit Rußland möglich, und ist am besten in der engen Zusammenarbeit mit Rußland möglich. Aber Europa und Deutsch, fand sind nicht russisch möglich.“ Dr. Schumacher hob hervor, daß die Ware Arbeitskraft in Deutschland noch niemals einen so geringen Wert gehabt habe wie heute. Die zahlreichen Streiks im Winter und Frühjahr seien der Beweis dafür, daß Millionen die Lage für aussichtslos hielten. Diese Streiks waren ein Protest gegen die furchtbare Not im allgemeinen. Man müsse schon jetzt an den nächsten Winter denken. Unsere Not sei zum Teil auch politisch bedingt. Allein schon die Tatsache, daß die deutsche Kohle zu einem Preis von 17.50 RM verkauft werde, zeige, warum Deutschland nicht mehr hochkomme. Dr. Schumacher betonte, daß für die Arbeiterschaft die Arbeit an Wert verliere, wenn jene das Gefühl habe, daß sie nicht mehr in der Lage sei, mit ihrer Arbeit wenigstens ihre Arbeitskraft zu erhalten. Auch der Prozeß der Entmenschlichung der Arbeit, der in der langen Zurückhaltung der Kriegsgefangenen liege, könne nicht leichten Herzens hingenommen werden. Die Oder-Neiße-Linie Zur Reparationsfrage wies Dr. Schumacher darauf hin, daß es nicht angehe, das Gut von dreizehn Millionen Vertriebenen einfach in den Schornstein zu schreiben. Wenn man schon Teile von Deutschland abtrennen wolle, so bestehe die Sozialdemokratie au! der Zusage, daß die endgültige Regelung im Friedens vertrag getroffen werde. Wenn man aber schon Abtrennungen heute als endgültig hinsteile, so müsse man auch den ungeheuren Wert dieser Gebiete in Rechnung stellen. Eine Abtrennung der Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie sei nicht zuletzt deshalb gefährlich, weil die neu dort angesiedelten Menschen gar nicht in der Lage sind, alles das aus diesen Gebieten herauszuholen, was möglich sei. Wenn so oftmals nach den Gründen für das Nachlassen der Ernteerträge für Europa gefragt werde, so dürfe man gerade an den hierin liegenden Tatsachen nicht Vorbeigehen. Die Sozialisierung, das einzige Mittel gegen die Not Dr. Schumacher ging dann auf die Sozialisierung ein. Sie sei das stärkste Mittel, um das Abgleiten von 70 Millionen Menschen in die furchtbarste Not zu verhindern. Jedoch könne diese Sozialisierung nicht in der Form vorgenommen werden, daß man den Herren der Gruben, der Kohle, des Eisens, des Stahls, der Chemie, der Energie, des Zements und der übrigen Bodenschätze die Sozialisierungsgesetze sozusagen abkaufe. Man könne sich höchstens zu einer Entschädigung verstehen, die sich im Rahmen der allgemeinen Entschädigung für Kriegsschäden halte. Die Idee einer zentralen Planung sei nicht, wie von seiten des Großbesitzes immer wieder angeführt würde, mit einer Die Drei unter dem Blick des Vierten Der amerikanische Journalist Walter Lippmann zur Pariser Konferenz Der Pariser „Figaro“ vom 27. Juni bringt einen bedeutsamen Aufsatz des bekannten amerikanischen Journalisten Walter Lippmann, von dem bekannt ist, daß er über ausgezeichnete Beziehungen zu den offiziellen amerikanischen Kreisen verfügt. In dem Aufsatz heißt es: „Dies, das heißt die Pariser Konferenz, bedeutet den Beginn eines neuen Kapitels in der Geschichte der Weltordnung. Alle vorhergehenden Konferenzen sind beherrscht und bestimmt gewesen, von der Konzeption eines politischen und ideologischen Konfliktes zwischen Rußland und den Vereinigten Staaten. Das Ergebnis hat die europäischen Nationen einschließlich Großbritannien verpflichtet, Partei zu ergreifen. In Wirklichkeit sind Rußland und Amerika außereuropäische Mächte. Obwohl jede von ihnen vitale Interessen in Europa besitzt, sind sie -doch nicht wesentlich europäisch, weder durch ihre Tradition noch durch ihren Instinkt. Und ihre Einmischung in die Diskussion widerspricht der natürlichen Bisher keine Einigung in Paris Mototoro gegen die englisch-französischen Vorschläge Die Pariser Konferenz, über deren entscheidende Bedeutung für die Zukunft Europas und für den Weltfrieden sich alle Welt klar ist, hat am 27. Juni, 16 Uhr, begonnen. Die erste Besprechung hat bis 20 Uhr gedauert. Am 28. und 30. Juni sind die Besprechungen fortgesetzt worden. Uber ihren Verlauf ist anfangs wenig bekannt geworden. Die drei Außenminister hatten auf Anregung Bevins den Beschluß gefaßt, die Verhandlungen geheim zu führen und keinerlei Mitteilungen in die Öffentlichkeit dringen zu lassen. Erst am 30. Juni abends ist ein kurzes, offizielles Kommunique erschienen, aus dem hervorgeht, daß bisher in den Verhandlungen zwischen Bi- dau 11 und Bevin einerseits und Molo- t o w andererseits keinerlei Einigung erzielt werden konnte. Das Kommunique bestätigt, was inoffiziell bereits durchgesickert war, daß nämlich auf der ersten Zusammenkunft der französische Außenminister Bi- dault seinen Kollegen vorgeschlagen hat. alle europäischen Nationen, alliierte, neutrale und ehemalige Gegner am Marshall- Plan zu beteiligen, mit Ausnahme Spaniens. Er hat weiter vorgeschlagen, den Vereinigten Staaten so schnell wie möglich eine Bilanz der Hilfsquellen und der Bedürfnisse Europas zu überreichen. Bidauit soll vor allem eines hervorgehoben haben: die erste Pflicht der Vereinigten Staaten ist, eine weitere Senkung des Lebensstandards in Europa in den nächsten vier Jahren zu verhindern. In dieser Zeit müßte Europa genügend Industriematerial und genügend Lebensmittel einführen können, um ein vernünftiges Lebensniveau zu halten. Bidauit hat weiter die Bildung von Komitees für die Landwirtschaft, die Energiewirtschaft, das Transportwesen und die Eisenindustrie vorgeschlagen, die die europäische Wirtschaftsbilanz vorbereiten sollen. Weiterhin soll ein europäisches Direktionskomitee gebildet werden, das die Gesamtleitung übernimmt. Dieser von Bidauit entwickelte französische Plan stimmt auch im wesentlichen mit dem Plan überein, den Bevin der Konferenz unterbreitet hat. Dagegen stehen die Russen auf dem Standpunkt, daß jedes einzelne europäische Land Amerika seine Wünsche unterbreiten und von diesem direkt die notwendige Hilfe bekommen soll. Sie wenden sich damit also gegen eine engere Zusammenarbeit der verschiedenen europäischen Länder. In diesem Sinne hat Radio Moskau bereits am 27. Juni einen ausführlichen Kommentar des Pariser Korrespondenten der Tsss-Agentur zur Konferenz der drei Außenminister in Paris veröffentlicht. Zunächst wird darauf hingewiesen, daß die sowjetische Delegation ernstlich bezweifle, ob der französische, von der britischen Delegation gebilligte Plan, wirklich vorteilhaft und erfolgversprechend sei Der Kommentator erklärt in diesem Zusammenhang: „Wichtig ist, daß festgelegt wird, was Europa von amerikanischer Hilfe in Form von Krediten und Naturallieferungen benötigt,- und daß die Empfehlungen der einzelnen europäischen Länder direkt behandelt werden." Anschließend wird in dem Kommentar ein „annehmbares“ Programm erläutert. Es bleibt dann weiter: „Ganz anders wäre jedoch die Lage, wenn die Konferenz sich die französische Auslegung zu eigen machen und sich damit befassen würde, ein umfassendes Wirtschaftsprogramm zugunsten der europäischen Länder auszuarbeiten, ohne dabei zu berücksichtigen, was jedes einzelne Land tatsächlich an amerikanischer Hilfe benötigt. In diesem Falle würde die Konferenz zu keinerlei positivem Ergebnis führen und eher eine Einmischung gewisser Länder in die wirtschaftlichen Angelegenheiten anderer Länder fördern.“ zentralistisch geführten Planwirtschaft gleichzusetzen. Es sei ein Zeichen intellektueller Unredlichkeit, mit der Kriegswirtschaft und der Bewirtschaftung des Mangels, die Planwirtschaft und den Sozialismus diskreditieren zu wollen. Die demokratischen Sozialisten wollten nicht ge, es den Selbsterhaltungstrieb und den gesunden rwerbstrieb der Wirtschaft Politik machen, sondern mit ihnen. Auch eine Konkurrenz sozialisierter Betriebe sei durchaus denkbar. Am Schluß kam Dr. Schumacher auf das Programm der Partei zu sprechen. Die große Chance der Sozialdemokratie liege darin, daß sie bei stählerner Festigkeit in den großen Prinzipien Aufnahmebereitschaft gegenüber allen geuen Richtungen und Strömungen der Zeit zeige, fortschrittlich und führend sei. Die Sozialdemokratie müsse zu diesem Zweck den Kampf um die sozialistische Gestaltung, d. h. den Kampf um die Gerechtigkeit, in den Vordergrund stellen. Die Partei müsse dazu helfen, dem Volk seine Selbstachtung wiederzugeben, denn nur so könne sie die Nation zu einem Faktor des Friedens machen. Sie müsse für die Freiheit als das höchste Gut der Menschen in Europa ohne alle Zugeständnisse kämpfen. Revolutionäre Politik bedeute eine Politik, die den revolutionären Erfordernissen der Zeit angemessen sei. Die Rede Dr. Schumachers wurde mit stürmischem Beilall aufgenommen. Tendenz der europäischen Völker, zu einer Einheit zu kommen. Diese Einheit Europas, zumindest in der Form eines wirtschaftlichen Akkordes, ist jedoch für den Frieden und für den Wiederaufbau notwendig. Sie kann aber nicht verwirklicht werden, wenn die Europäer verpflichtet sind, sich stets nach Washington oder nach Moskau zu wenden, bevor sie untereinander die Fragen erörtern, die sie trennen. Es ist unmöglich, daß das Familienleben Europas seinen normalen Verlauf wiederfindet, solange die russische Schwiegermutter und der Onkel Sam ständig im Hause sind." Lippmann kommt dann auf den Marshallplan zu sprechen und schreibt: „Mit unserer Einladung an Europa, sich zu einigen, bevor wir ihm zu Hilfe kommen, wird am besten der Beweis erbracht, daß wir nicht daran denken, es zu beherrschen. Das Prinzip der Beherrschung ist „Teilen, um zu herrschen". Das Prinzip jedoch, das Marshall angewendet hat, besteht im Gegenteil darin, diejenigen zu einen, die unserer Hilfe bedürfen." Walter Lippmann betont dann, daß Amerika auch wirklich fähig ist, einem geeinten Europa wesentlich zu helfen. Er fährt fort: „Unter welchem Vorwand kann der Kreml also Polen und der Tschechoslowakei untersagen, die Vorteile eines europäischen Wiederaufbauprogramms zu empfangen? Hindert der Kreml sie, davon zu profitieren, so wird er seinen slawischen Freunden damit zeigen, daß ein Bündnis mit Rußland unvereinbar ist mit einem vernünftigerweise schnellen Aufbau. Wenn also die Sowjetunion keine Schwierigkeiten in ihrem eigenen Bereich schaffen will, kann sie ihre Alliierten nicht der Vorteile einer Beteiligung berauben. Wenn jedoch Polen und die Tschechoslowakei, die beiden wirtschaftlich stärksten Mächte Osteuropas, sich mit England und Frankreich zur Ausarbeitung eines Programms verbinden, so wird der Kader einer europäischen Einheit geformt werden, in den sich in der Folge dann auch die deutschen Staaten eingliedem können. Zum dritten können in Westeuropa, vor allem in Frankreich, weiter aber auch in Holland. Belgien und Italien sich die kommunistischen Parteien einer wirtschaftlichen Einigung Europas nicht widersetzen, ohne damit die Verantwortung zu übernehmen, das Elend des Volkes zu verlängern und zu verschärfen. Sie können dieser neuen Politik nur unter dem Vorwand entgegentreten, daß sie einem Westblock feindlich gegenüberstehen. Ein Zusammenschluß aber, an dem Polen und die Tschechoslowakei beteiligt sind, ist kein „Westblock" mehr. Die französischen und italienischen Kommunisten würden sich damit als noch stärker pro-sowjetisch erweisen, als die Regierungen, die eng mit Rußland verbunden sind. Viertens muß sich in der Durchführung dieser Politik Großbritannien zur Lösung seiner eigenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten gänzlich an den europäischen Angelegenheiten beteiligen. Solange wir in allen Diskussionen die Initiative ergriffen hatten, haben die englischen Staatsmänner zu sehr auf uns geblickt, um sich genügend selbst auf Europa konzentrieren zu können. (Schluß nächste Seite) Ein Jahr „ Volk“ Von Bürgermeister Franz Geiler Am 2. Juli 1946 wurde die erste sozialdemokratische Zeitung in Baden, „Das V o 1 k“, aus „der Taufe gehoben“. Mit viel Liebe und Begeisterung. Aber leide r unter schwierigen technischen Verhältnissen. Und es war leider nicht möglich daran seither etwas zu ändern. Wenn „Das Volk“ trotzdem in seinem ersten Jubiläumsjahre sich sehr gut entwickelt hat und besonders redaktionell sich seiner sehr schwierigen Aufgabe gewachsen zeigte, so darf das als Beweis gelten, daß gute und starke Kräfte mit Erfolg bemüht sind, unserer Zeitung ein gesundes Fundament zu schaffen. Das verdient schon deshalb besondere Anerkennung, weil gerade die sozialdemokratische Presse, die aus Prinzip gewohnt ist, auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens rückhaltlos der Wirklichkeit und Wahrheit und der sozialistischen Demokratie zu dienen, heute mancherlei Beschränkungen auferlegt sind. Wohin wir blicken, überall machen sich die verheerenden Folgen des fluchwürdigen Gewalt, und Blut» Systems der zwölf Jahre Naziherrschaft schmerzlich und in die Geschicke des deutschen Volkes tief eingreifend bemerkbar. Aber wir Sozialisten haben ein reines Gewissen und einen lauteren Willen. Und unsere Presse gibt diesen geistigen und seelischen Kräften nach bester Möglichkeit im Interesse einer lichteren Zukunft des deutschen Volkes und aller anderen Völker Europas und der Welt in beredter Weise Ausdruck. _ , , LL An dem Jubiläumstage unseres Parteiblattes, das bereits einige zehntausende Freunde und Leser gefunden hat, denken wir an die Geburts. stunde der Sozialdemokratischen Partei vor nunmehr etwa 80 Jahren. Ende der sechziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts, wo die Krait der Werke der großen sozialistischen Lehrmeister Karl Marx und Friedrich Engels und die mächtig auirüttelnde Tätigkeit von Ferdinand -La stalle -die Zulnuf'•roscioa de« schaffenden Volkes scharf und- klar Umrissen, begann der ausgestreute Samen der großen sozialistischen Menschheitsideale Früchte zu tragen. Das war in der Anfangszeit der ökonomischen Umwälzung in Deutschland zum modernen industriellen Kapitalismus, der die Zahl der schaffenden und besitzlosen Menschen millionenfach vergrößerte und damit in der schroffsten Form die SüassenspaJtung und Klassengegensätze schuf. In dieser und den folgenden Zeiten, die die Massen- armut erzeugten und in erschreckender und empörender Weise steigerten, weil die kapitalistischen Besitzer der Produktionsmittel ihre persönlichen Profitiiiteressen rücksichtslos den Ge- 6amtinteressen des Volkes voranstellten, mußte die aufrüttelnde Mahnung „P r o 1 e t a ri e r a 11 er Länder vereinigt euch“ auch in Deutsch, fand schließlich Gehör finden. In jener Zeit der ökonomischen und politischen Umwälzungen begannen die nimmermüden Werber für de n Sozialismus. August Bebel und Wilhelm Liebknecht und viele andere tapfere Menschen und Sozialisten ihre fruchtbringende Tätigkeit Schonungslos wurden die verheerenden sozialen und kulturellen Wirkungen der sich steigernden kapitalistischen Wirtschaft aulgezeigt und den geistig und materiell darbenden schaffenden Massen die zwingenden wirtschaftlichen und politischen Folgerungen klargelegt. In erfreulich wachsendem Umfange lernte das schaffende Volk die sozialistischen Gedanken verstehen und die Wege praktisch zu gehen, die die wirtschaftliche und politische Krait der Schaffen, den und Besitzlosen stärkte und zur positiven Wirkung brachte. Der kapitalistische Profithunger reagierte mit reaktionären politischen Gewaltmaßnahmen, deren Werkzeuge Bismarck und Püttkamer waren. Von 1878 bis 1890 stand die sozialistische und gewerkschaftliche Bewegung Deutschlands unter einem brutalen Ausnahmegesetz. Aber die Kraft der wirtschaftlichen und politischen Folgerungen, die sich ans der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ergab, war stärker als brutale Ausweisungsbefehle, rücksichtslose Gefängnisstrafen und Zeitungs- und Zeitschriftenverbote. Nach zwölf Jahren, im Jahre 1890, standen die Reaktionären aller Schattierungen ver einem kläglichen Fiasko. Die Sozialdemokratie und die freien Gewerkschaften aber hatten sich zu einer imponierenden Macht entwickelt. Und in den folgenden zwei Jahrzehnten steigerten sich Größe und Macht der Sozialdemokratie und der freien Gewerkschaften, trotz der Wilhelmnischen Drohungen mit Streikverbot und Zuchthaus weiter, und die kapitalistischen Machthaber und ihre poli. tischen Sachwalter mußten mit dieser Macht rechnen. Es ist kein Zweifel, daß alle sozialen Fortschritte, die die letzten 30 Jahre vor der Kriegskatastrophe von 1914 brachten, der Sozialdemokratie und den freien Gewerkschaften, nicht aber dem sozialen Gewis. sen der kapitalistischen Machthaber zu danket sind. Wenn schon die ersten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts die zwingende Notwendigkeit erwiesen, daß die sozialistische Lehre über die verheerenden Wirkungen der kapitalistischen Produktionsform und die aus dieser Er- N. Seite 2 — Nummer 52 Mittwoch. 1 Juü 1947 Kenntnis zu ziehenden Folgerungen richtig sln ^. s0 das Hitlersche Verbrechersystem der zwölf Jahre der großen sozialistischen Erkenntnis auch in großen Kreisen geistig und körperlich schaffender Menschen Freunde und Werber gebracht, die zuvor dem Sozialismus ablehnend gegeniiberstanden. Es ist eine unanfechtbare Tatsache: die Verwirklichung des Sozialismus ist eine dringende und zwingende Aufgabe sittlicher und Chris ilicher G r u n d s ä t z e g e worden! Wer sich in den bürgerlichen Parteien dieser Erkenntnis noch weiterhin verschließt und eich als Anwalt deskapi- ta li stischen Privateigentums gebrauchen läßt, ißr die verheerenden Folgen einer völlig falschen Interpretierung c Ij ris ,ilicherGrundsätze über die gesellschaftliche Eigentumsform die Verantwortung zu tragen haben! „D a g V o 1 k", dessen einjähriges bestellen und Wirken! wir heute feiern, wird sich weiterhin der großen sozialistischen Menschheitsaufgabe gewachsen und würdig zeigen. Es geht um die soziale und politische Demokratie, Ais Folge der verbrecherischen Katastrophe der zwölf Jahre werden wir für lange Zeit mit der militärischen Besetzung und Oberhoheit der alliierten Sieger zu rechnen haben. Deshalb, und weil wir wirtschaftlich so außer, ordentlich geschwächt sind, brauchen wir dringend die Hilfe der alliierten Besatzungsmächte, Wir kennen die großen Nöte der von der Kriegs. Katastrophe heimgesuchten europäischen Länder. Wir wissen, daß wir eine große sittliche und materielle Schuld abzutragen haben. Aber diese Schuld kann — in verständigen Grenzen — nur abgetragen werden, wenn dem deutschen Volke rasch und endgültig ein tragbarer und gerechter Frieden gegeben wird. Ein Frieden der dem deutschen Volke eine ertrag licheLebensmöglich- keit gibt und damit die sittliche und materielle Voraussetzung schafft für die 1 e endige Aufnahme der großen sozialistischen Oedanken wirtschaftlicher und politischer Demokratie in den Herzen aller denkenden und gutgesinnten schaffenden Menschen. Die alliierten Besatzungsmächte wollen ver. hüten, daß im Herzen Europas jemals wieder die Zündschnur zu einer Weltkrise und Kriegskatastrophe gelegt werden kann. Wir Sozialisten und alle verständigen und denkenden Deutschen erstreben das gleiche Ziel. Und deshalb wollen wir mit allen unseren Kräften helfen, die immer noch vorhandenen gefährlichen Giftstoffe nationalistischen, militärischen und kapitalistischen Geiste® unschädlich zu machen. Dazu brau, eben wir die Hilfe der Besatzungsmächte. . Die Maßnahmen und Schranken, die das wirtschaftliche. Schaffen und Leben hemmen und damit die Ernährung des deutschen Volkes bis zur Unerträglichkeit schwächen, müssen raschest e n $ beseitigt und behoben werden. Das deu tstrhe der e i nst folgerichtig zum Näßte hofft erst 1950 auf eine Erzeugung von 351 tiona i sozialismus hinführte. Daß unsere War- Millionen Tonnen zu kommen. Eine außer-§ nung nlcht unberechtigt war, zeigt jetzt eine = neue Meldung aus Göttingen. Danach hat sich I dort eine neue Jugendorganisation gebildet, die i sich „Wikinger Jugend" nennt. Die | deutsche Rechtspartei. Schirmherr dieser Ju- 5 gend, bittet in einem Rundschreiben die Partel- i Mitglieder um Unterstützung dieser Jugend- I Organisation, um eine Unterstützung, die sich I vor allem in der Belieferung mit Speeren, Sig- ’nalhörnern, Fanfaren, Landsknechtstrommeln, Koppelzeug, Fahrtenmessern, Brotbeuteln, Sa- 1 nitätszeug, schwarzes, weißes und rotes Fah- § nentuch und nicht zuletzt nationale Literatur 2 ausdrücken soll. Alle die schönen Dinge, die ! die Hitlerjugend verwendete, kommen also ! wieder zur Geltung und der Name „Wikinger . Jugend" sagt mehr als genug. Hatte nicht, 1 wenn wir uns recht erinnern, eines der be- S rüchtigten rechtsradikalen Freikorps den Na- - men „Wiking"? Soll damit etwa wieder die I Begeisterung für „nordische" Herrenrasse ge- I weckt werden? ? . I Das Erfreuliche bei der Angelegenheit ist dl« = schnelle und energische Reaktion der Jugend I Göttingens und darüber hinaus der englischen I Zone. Der Göttinger Jugendring hat es ab- 1 gelehnt die neue Organisation in seine Reihen | aufzunehmen. Verschiedene große Jugendordentliche Steigerung hat vor allem die Pro-1 Organisationen, darunter die Organisation der duktion in Saudi-Arabien und im Iran erfah-1 „Roten Falken", haben bei der Militärregierung ren. Im Verhältnis zur Produktion der übri-1 gegen die Zulassung des „Wikingbundes pro- gen Länder ist sie zwar im Augenblick noch | testiert. Angesichts solcher Erinnerungen muß _j _1 ., • _A_z. 1 1 i_= «i'aI. viroe rlia rrnTVFP F.T 1 T,TTa 2 lflZie— den heute bereits von dwi^ngelsäChsischen^Ol- gering, sie ist aber schon jetzt so bedeutsam, 1 man sich fragen, was die ganze Entnazlfizie- den heute bereits von den angelsächsischen Ol Rls si? restlos {ür die Ausfuhr zur Verfügung = rung noch für einen Sinn hat, wenn auf der steht. Entscheidend aber ist vor allem, daß« einen Seite kleine, harmlose Nazis aus unwicn- nicht weniger als 42 Prozent der nach- § tigen Stellungen entfernt werden, während auf gewiesenen Erdölvorräte auf die L ä n - 5 der anderen Seite der Geist des Nazismus und der des Nahen Ostens an t fallen. § der Militarismus gerade in der jungen Gene- Falls nicht neue große Felder in Amerika ent- § ration wieder bewußt geweckt wird, deckt werden, wird in etwa 20 Jahren, wo man N""""'"'.... 11,1 .. gesellschaften ausgebeutet. Das gleiche ist in Mesopotamien und in Saudi-Arabien der Fall. Von hier aus erklärt sich, worauf wir mehrfach hingewiesen haben, das außerordentliche Interesse, das die amerikanische Politik in den letzten Jahren an der arabischen Welt genommen hat, erklärt sich auch die Schwenkung der. offiziellen amerikanischen Politik hi der palästinensischen Frage, wo zumindest eine stärkere Zurückhaltung den jüdischen Forderungen gegenüber Platz gegriffen hat. mit einer Erschöpfung der Erdölfelder in Amerika rechnet, der Nahe Osten den größten Teil der Weltversorgung bestreiten. Allein diese Ziffern genügen, um das oben erwähnte Interesse der Vereinigten Staaten im vorderasiatischen Raum zu kennzeichnen. Der Zweck der Besetzung Ein bedeutsamer Aufsatz in den „Nouoelles de France“ Die deutsche Ausgabe der in Konstanz erscheinenden „Nouvelles de France" vom 28. Juni befaßt sich in einem Leitartikel mit dem Zweck der Besetzung. Es wird eingangs darauf hin- gewiesen, daß diese Besetzung die Wiederkehr eines Angriffskrieges verhindern solle. Darüber hinaus sei ihre Mission die moralische Entwaffnung Deutschlands. Dazu wird in dem Artikel dann das folgende gesagt: „Der edle Charakter der Mission läßt sich nickt leugnen. Es handelt sich nicht mehr um eine einfache Wiederherstellung der an sich legitimen Gerechtigkeit. Es handelt sich nicht mehr einfach um ein Recht. Es handelt sich um eine Verpflichtung, die die Alliierten zum Wohl ihrer eigenen Völker und zum Wohl der klein«* Nachbarstaaten Deutschlands und der traditionellen Opfer des Krieges eingegangen sind. Es handelt sich aber auch um eine Verpflichtung gegenüber der deutschen Bevölkerung, der — wenn diese Mission Erfolg hat — eine neues Blutvergießen, schlimmer noch als das vorhergehende, erspart wird. Es handelt sich um eine Verpflichtung karitativer Hilfe, der Nächstenliebe und darum, den durch die Unmenschlichkeit einer Doktrin bedrohten Menschen zu retten, einer Doktrin, die die schlechtesten Instinkte wachgerufen hat und die morgen fähig wäre, die gegenwärtige Macht unserer materiellen Zivilisation zu einer teuflischen Vemichterin werden zu lassen. Die Größe ihrer Mission allein verleiht dieser Besetzung ihren besonderen Rang, rechtfertigt ihre Ausdehnung und erklärt, daß sie sich zeitlich nicht begrenzen und nicht an die Durchführung eines Vertrages binden läßt. Aber diese Größe trifft in gleicher Weise für das Verhalten der Besatzungen und der „Besetz- t e n“ zu. Sie bezeichnet die gegenseitigen Pflichten, und dies auf einem Plan, der weit über den kleinlichen Gesichtspunkten der Parteipolitik steht.“ Es werden dann die aufbaubereiten antifaschistischen Kräfte im deutschen Volk gewürdigt und hervorgehoben, daß sie die Hilfe der Alliierten brauchen. Es heißt dann weiter: „Man kann wohl kaum daran zweifeln, daß die Besatzungsmächte sich über ihre Mission klar sind (wenn auch noch bezüglich der Verwirklichung dieses in der Geschichte neuen Unternehmens herumgetastet wird), mindestens, wenn man an das Gleichnis des barmherzigen Samariters erinnert. Sie haben bereits ihre Anweisungen über die .Nichtverbrüderung 1 als undurchführbar und unvertretbar widerrufen. Die schlichten Männer der siegreichen Armeen haben darüber entschieden: auch wenn ein kriegstüchtiges Militärflugzeug seine Einsatzstärke beibehfilt — um den Einsatz nicht notwendig zu machen und um die Kräfte des Übels,! die in ihrem Innersten die Waffen nicht gestreckt haben, zu entmutigen —, so sieht man doch täglich in dem Gepräge der Besatzung jene Kreise wachsen, die Kultur und Geist vertreten. Das ist besonders in der französischen Zone fühlbar. Es bleibt nur noch zu wünschen, daß der Sinn dieser Besetzungsmission mit jedem Tag das gegenwärtige Betragen der Besatzung und der besetzten Bevölkerung tiefer durchdringt und regiert. Weiter bleibt zu wünschen, daß die Weitverschwärung des guten Willens keinen undenkbaren und — falls sie verfrüht sein sollte — vielleicht unmoralischen Überfluß zurückbringt, sondern endlich ein Mittelmaß des täglichen Lebens, das die Schritte der Verzweiflung nicht fatal werden läßt. Abschließend wäre zu wünschen, daß sich der Vorhang, der die Zukunft verdeckt, bald einen Spalt öffnet. Man verträgt den Hunger besser, wenn man vor sich blickt. Je eher die Deutschen wissen werden, daß ihre unverdienten oder verdienten Leiden ihre Zugehörigkeit zu einem — sagen wir organisierten — Europa vorbereiten, um die Vorurteile zu vermeiden, die das Wort „föderativ“ erwecken könnten, in dem sie einen ihrer besten Vergangenheit würdigen materiellen und moralischen Rang einnehmen, einem Europa, das ohne sie nicht zurecht kommen wird, und den Rang zu erlangen es eiligst angebracht wäre, sowohl für ihre Größe und ihr Interesse, desto eher werden auch die Mütter zu beiden Ufern des Rheins nicht mehr um das Leben ihrer Kinder besorgt zu sein brauchen. Dann werden die Besatzungen den noch weit entfernten Tag voraussehen können, an dem sie „nach beendeter Mission' nach Hause zurückkehren werden." Was macht das Weiter? Eine Rinne tiefen Druckes hat sich seit Sonntag langsam westostwärts über unser Gebiet hinweg- bewegt, Feuchte Atlantikluft, die mit ihr vordrang, führte bei uns neben meist örtlichen Gewittern zu einer nur vorläufigen Beendigung der Hitzeperiode in der vergangenen Woche. Von Südwesten her beginnt nun der Luftdruck erneut zu steigen und die Hochdrucklage wird sich langsam wiederherstellen. Wetteraassiehten bis Freitagabend: Nur vorübergehend Neigung zu örtlichen Gewittern, aonst trocken und überwiegend heiter, neu« Erwärmung Aus allen vier Zonen Britische Zone Kassel. Zu den irreführenden Meldungen einiger Tageszeitungen, nach denen Nobelpreisträger Professor Max Planck zur katholischen Kirche übergetreten sein soll, teilt die Gattin des Gelehrten im Auftrag von Professor Planck jetzt mit, daß die Nachricht völlig aus der Luft gegriffen sei. Seit Jahren tauche das Gerücht immer wieder auf. Die Ursache liege wahrscheinlich darin, daß Professor Max Planck vor zehn Jahren Mitglied der päpstlichen Akademie wurde, die aber eine rein wissenschaftliche Institution sei. Russisch« Zone Berlin. Die Büste Wilhelm Pieck», die der Bildhauer Paul Grusun geschaffen hat, wird jetzt serienmäßig hergestellt. Neben einer überlebensgroßen Bronzeausführung, die 420 RM kostet, und einer Keramikbüste zum Preise von 57 RM wird ein 10 cm großer Abguß für 18 RM verkauft, damit „jeder Arbeiter eine Pieck- Büste erwerben kann“. Man rechnet mit „tausend und aber tausend Bestellungen, weil schließlich jeder Genosse eine Pieck-Büste erwerben möchte". Eine Otto-Grotewohl-Büste ist nicht geplant, da die SED den Personenkult nicht zu weit treiben will. Berlin. Zum erstenmal seit Beginn der Besetzung wird eine Sendung von 15 700 Tonnen Speisefett und Dl aus Übersee für die deutsche Bevölkerung eingeführt werden, gaben General Lucius D. Clay und Luftmarschall Sir Sholto Douglas bekannt. Der Wert der eingeführten Fette beträgt schätzungsweise acht Millionen Dollar. Amerikanische Zone Stuttgart. Das Berufungsverfahren gegen den auf 8 Jahre in ein Arbeitslager eingewiesenen ehemaligen Wirtschaftsminister und Reichsbankpräsidenten Dr. Hjalmar Schacht wird in der Berufungskammer des Interniertenlagers Ludwigsburg durdigeführt werden. Der Vorsitzende und der öffentliche Kläger sowie der Zeitpunkt der Verhandlung stehen noc nicht fest. Schacht ist von den amerikanischen Behörden inzwischen wieder in das Lager Ludwigsburg zurückgebracht worden, Darmstadt. Etwa 200 Internierte des Lagers Darmstadt weigerten sieh, der Einteilung zum Arbeitseinsatz für den Zweizonen-Wirt- sckaftsrat in Frankreich Folge zu leisten. Erst nach Bekanntgabe eines Ultimatums des Lagervorstehers und nack Eingreifen der Lagerpolizei fügten sick die betreffenden Internierten der Anordnung. Weltdhronik GroBbrltannlan: Da« englische Unterhaus hat den Verstaatlichungs- plan für die Elektrizttätsgeseliadiaften mit großer Mehrheit angenommen. Belgien: Das Blatt der belgischen Sozialisten „Le Peuple* berichtet am Sl. Juni, daß L4on Degrelle, der Führer der belgischen Rexisten, in Madrid unter dem Schutz der Falange lebe. Ru mHnie n : Die Vereinigten Staaten von Amerika und Großbritannien haben der rumänischen Regierung Noten überreicht, in denen sie gegen die kürzlich vorgenommenen Verhaftungen in Rumänien protestierten. Der rumänischen Regierung wird „Nichtachtung der individuellen Freiheit“ vorgeworfen, wie sie im Friedensvertrag definiert ist. Ober die Haltung, die die rumänische Regierung einnehmen wird, ist noch nichts bekannt China: MarsehaU Tschlangkaisehek hat die Mobilisation der gesamten Bevölkerung angeordnet, um nunmehr mit allen Kräften den Kampf gegen den Kommunismus aufzunehmen. Die amerikanische Regierung soll sich bereit erklärt haben, der chinesischen Nationalregierung ISS Millionen Gewehrpatronen zu überlaaaen. Sie waren während des Krieges speziell für die chinesisch« Armee fabriziert worden. Weiterhin ist die Nanking- Regierung autorisiert worden, Kriegsmaterial bai amerikanischen Firmen zu kaufen. VS Al Eine Umfrage des amerikanischen Gallup-Institut«« hat ergeben, daß der amerikanisch« Staatssekretär W a 11 a e e nur eine Minderheit der amerikanische» Bevölkerung hinter sich hat. 88 Prozent der in dieser Angelegenheit befragten Amerikaner haben aid) gegen Wallace ausgesprochen. Mittwoch, 2. Juli W47 EmXtoßk Nummer 52 — Seite 3 Die Sozialisierung in Hessen Der hessische Wirtschaftsminister über das Ziel der Sozialisierung Bekanntlich wurde in dem berühmten Artikel 41 der hessischen Verfassung bestimmt, daß Bergbau, Betriebe der Eisen- und Stahlerzeugung, der Energiewirtschaft und das an Schienen und Oberleitungen gebundene Verkehrswesen in Gemeineigentum übergeführt werden. Ferner werden Großbanken und Versicherungsunternehmen vom Staate verwaltet oder beaufsichtigt. Diese grundlegenden Bestimmungen der Verfassung, die mit großer Mehrheit angenommen wurde, traten mit der Inkraftsetzung der Verfassung automatisch in Kraft. Gleichzeitig stellte der Artikel 45 der Verfassung des Landes Hessen fest, daß das Privateigentum gewährleistet wird, über die Fragen, die dieser grundlegende Artikel der hessischen Verfassung aufwirft, insbesondere über die Schwierigkeiten, die ihrer Verwirklichung entgegenstehen sowie über das Ziel der Sozialisierung sprach der hessische Wirtschaftsminister Dr. Harald Koch auf einer öffentlichen Kundgebung der Sozialdemokratischen Partei in Bad Wildungen. Sozialisierung soll eine neue Form des Wirtschaftens und wirtschaftlichen Denkens darstellen und die Gleichberechtigung der arbeitenden Menschen herbeiführen. Sozialisierung bedeute nicht Verstaatlichung oder Nationalisierung, also Überführung in Staatseigentum, aber auch nicht Unterdrückung der Privatinitiative. ■ Wenn sozialisiert werde, dann nur solche Wirtschaftszweige, in denen schon lange keine Privatinitiative mehr spürbar sei, Industrie- konzeme und Trusts. Der Artikel 45 der hessischen Verfassung, in dem die Sicherheit des Privateigentums garantiert werde, vertrüge sich ganz gut mit dem Artikel 41, weil gerade durch ihn das Privateigentum sichergestellt werde. Klein- und Mittelbetriebe würden in der sozialisierten Wirtschaft bessere Daseinsbedingungen haben als in" der kapitalistischen Wirtschaft, wo Mittelbetriebe dauernd Gefahr liefen, durch Konzerne aufgesaugt zu werden. Auch das Handwerk werde in der sozialisierten Wirtschaft seinen Platz einnehmen. Es habe die Lücke auszufüllen, die durch die fehlende und demontierte Industrie entstanden sei. Ebenso der Handel, der in der sozialisierten Wirtschaft in freien Wettbewerb untereinander treten könnte. Völlig abwegig wäre es, die Landwirtschaft sozialisieren z u wollen. Durch die Sozialisierung solle sich niemand bereichern, es sollten auch keine Gewinne an den Staat oder an bestimmte Arbeiterkreise gelangen. Bei der Auslegung des Artikels 41 seien zwar verschiedene Zweifelsfragen entstanden, doch werde er durchgeführt werden, weil diese Verfassungsbestimmung die Grundlage zum Neuaufbau der Wirtschaft bilde. In den Plänen, die vom Wirtschaftsministerium und Justizministerium ausgearbeitet würden, stehe an erster Stelle ein Gesetz zur Überleitung der zu sozialisierenden Betriebe in Gemeineigentum. Außerdem sei ein Entschädigungsgesetz vorgesehen, das die Entschädigung bis zum Tage nach derWährungsreform zurückstelle. Weiter werde ein Gesetz über Sozialgemeinschaften vorbereitet. Diese sollten zerfallen in Sozialgesellschaften, Sozialgenossenschaften und Sozialgewerkschaften. Zum Schluß wies Dr. Koch auf die Frage der Gewinnbeteiligung der Arbeitenden hin. Dabei gehe man von der Überlegung SPD-Sieg bei den Betriebsratswaiilen in Köln Bei den Betriebsratswahlen in elf der größten Betriebe Kölns konnte die SPD einen eindrucksvollen Sieg erringen. So besetzte sie aus, daß die Wirtschaft dem Menschen dienen I in <* er f/^-eufrät^^sten^bei den^.ö-k- ,=u - „ich, wk ,„ r ,, BM.unbmii.aolk SSLmÄ'“?™, £ ,o“vo* 1» nicht nach geldwirtschaftlichen sondern nach güterwirt s ch ältlichen Grundsätzen erfolgen. Es komme darauf an, eine gesunde Bedarfsdeckungswirtschaft zum Wöhle der Gesamtheit durchzuführen. Das Ziel der Sozialisierung sei erreicht, wenn an Stelle der proütwirtschaftlich ausgerichteten Betriebe eine auf Bedarfsdeckung eingestellte Wirtschaft treten könne. Aufstieg könne es nur geben durch eine sozialisierte Wirtschaft. Es sei daher die Pflicht, alles zu unternehmen, um dem Chaos zu entrinnen. Deshalb müsse zur Sozialisierung geschritten werden. Die nationalisierten Betriebe in Frankreich Die Aussprache in der Nationalversammlung über die Form ihrer Verwaltung In der Aussprache über die Verwaltung der triebe verantwortlich sind. Der Minister seinernationalisierten Betriebe, die am 13. Juni in j seits soll der Nationalversammlung Rechender französischen Nationalversammlung be- j Schaft ablegen .Dieser Auffassung steht die vom Kommunisten Thorez, als seinerzeitigem, stellvertretenden Ministerpräsident ausgearbeitete gegenüber. Danach soll die Verantwortung für die Leitung eines nationalisierten Betriebes in den Händen eines Verwaltungsrates liegen, dessen Mitglieder zu gleichen feilen vom zuständigen Minister, vom Personal des Unternehmens und von den Abnehmern seiner Erzeugnisse ernannt werden. Der Verwaltungs- gann, geht es darum, welche Art von Verwaltung die schon nationalisierten und noch zu nationalisierenden Wirtschaftszweige erhalten sollen. Die bisherige Verwaltung gilt als vorläufig. Ihre Ergebnisse sind umstritten. Doch belegte die Debatte in der Nationalversammlung am 13. Juni, daß ungünstige finanzielle Ergebnisse gewisser nationalisierter Betriebe nicht auf Mißwirtschaft beruhen. Sie hat außerdem Einigkeit ergeben über folgende Grundsätze: Die Verwaltung der nationalisierten Betriebe soll in Zukunft nach rein kaufmännischen Gesichtspunkten geführt werden. Es soll verhindert werden, daß politische Elemente in die Verwaltung eingeführt werden oder Einfluß auf sie haben. Was die Form der Betriebsverwaltung angeht, so hat jede der drei großen Parteien in der Nationalversammlung ihre eigene Auffassung. Der gegenwärtige Minister für die industrielle Produktion, der Sozialist Lacoste. wünscht die nationalisierten Betriebe der Leitung von Direktoren zu unterstellen, die vom zuständigen Minister ernannt werden und diesem gegenüber für die Leitung ihrer Be- Balebter Interzonenhandel in der Südzone Der neue Rahmenvertrag mit der Angelsachsenzone — Der Austausch mit der Sowjetzone möglichen 16 und bei Felten und Guilleaume, Köln, fiel die Hälfte aller Betriebsräte auf Sozialdemokraten. Am größten aber war ihr Erfolg im Kölner Fuhrpark, denn sämtliche 9 vergebbaren Betriebsräteposten fielen der SPD zu. rat soll nach diesem Plan den Direktor bestellen, während die Regierung einen Kommissar ernennt, der die Geschäftsführung des, Betriebes überwacht. Ein dritter Vorschlag, der vor kurzem von zwei Abgeordneten der Republikanischen Volksbewegung der Nationalversammlung vorgelegt wurde, unterscheidet zwei Sektoren der staatlichen Wirtschaft. Zum ersten gehören diejenigen lebenswichtigen Wirtschaftszweige, die sich ganz in der Hand des Staates befinden, zum zweiten die Wirtschaftszweige, in denen der Staat neben Privat- untemehmungen wesentlich beteiligt ist. Für jeden dieser Sektoren soll der Ministerrat einen Verwaltungsrat bestellen, dem einerseits wirtschaftliche Organisationen, andererseits Mitglieder des Staatsrates und des Obersten Rechnungshofes angehören. Es läßt sich heute noch nicht sagen, welche von diesen Auffassungen sich durchsetzen wird. Die des Kommunisten Thorez sieht eine verhältnismäßig weitgehende Dezentralisierung der Verwaltung und Verantwortung vor. Die des Sozialisten Lacoste ist ausgesprochen zentralistisch. Der Vorschlag der Republikanischen Volksbewegung steht zwischen den beiden anderen. Gewerkschaften in der Bahnverwaltung Das Eisenbahnwesen der französischen Zone auf die Länder übertragen Einzelunternehmen machen ihren Einfluß zugunsten einer schnelleren Abwicklung geltend. Aufschwung des badischen Interzonenhandels Der bis vor wenigen Monaten verzeichnete Rückgang im Interzonenhandel der französischen Besatzungszone auf Grund der amtlich abgeschlossenen Warenverträge scheint nicht nur zum Stillstand gekommen zu sein, sondern, wie der Leiter der Abteilung für Interzonenhandel im Badischen Wirtschaftsministerium kürzlich mitteilte, einer deutlichen Be- 1 e b un g gewichen zu sein. Im Badischen Wirtschaftsministerium rechnet man mit einer erheblichen Ausweitung des Interzonenhandels im Jahre 1947. In der Abteilung für Interzonenhandel des Badischen Wirtschaftsministeriums ist man sich darüber klar, daß die Privatinitiative vielfach das ersetzt hat. was offizielle Stellen nicht erreichen konnten. Die Wirkung des Austausches innerhalb des deutschen Wirtschaftslebens ist so intensiv, daß bei einem Rückgang der Abschlüsse auf Grund amtlicher Rahmenverträge der Interzonenhandel außerhalb der staatlichen Regelung automatisch anschwillt. Wie groß der Umfang privater Tnter- zonenaeschäfte ist. läßt sich auch in annähernder Schätzung nicht angeben. Mitte Juni begannen in Bad Ems Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Rahmenvertrages zwischen den Ländern der französischen Besatzungszone und den vereinigten britisch-amerikanischen Besatzungsgebieten. Den Delegationen der französischen Zone gehören neben den Leitern der Abteilungen für Interzonenhandel der einzelnen Länder auch zahlreiche Spezialisten verschiedener Wirtschaftszweige, z. B. die Vertreter der Fachvereinigungen aus Südbaden an. Während Ende 1946 der Abschluß von Rahmenverträgen mit den angelsächsischen Besatzungszonen nicht vorwärts kam, gewinnt der amtlich festgelegtd Warenaustausch mit den Westzonen seit Beginn 1947 an Stetigkeit und, wie zuversichtlich verlautet, auch erheblich an Umfang. Bekanntlich war Anfang 1947 ein Abkommen über das erste Vierteljahr und im April ein Uberbrückungsvertrag für das zweite abgeschlossen worden, während nunmehr der dritte Vertrag vor dem Abschluß steht. Bei den neuen Verhandlungen dürfte besonders über den Austausch von Rohtabaken und Tabakwaren aus der französischen Besatzungszone eine Einigung erzielt werden. Bisher konnte dieses für die französische Zone besonders wertvolle Austauschgut nicht in befriedigendem Maße im Interzonenhandel eingesetzt werden. Umfangreiche Lager der Tabakindustrie blieben für den Interzonenhandel ungenutzt. Die inzwischen erzielte Einigung über die Verteilung der Steuer zwischen dem Verkäufer und dem Käufer läßt ein erhebliches Anschwellen der Tabak Warenumsätze Voraussagen. Wahrscheinlich werden die Tabakwarenlieferungen der französischen Zone je zur Hälfte des Wertes aus Zigaretten bzw. Zigarren und Stumpen bestehen. Uber den Gesamtwert der zu vereinbarenden Umsätze stehen genaue Ziffern noch aus. Schätzungen sprechen von einem Betrag von 12 Millionen Reichsmark. Austausch mit der Sowjetzone Im September 1946 war bekanntlich ein globaler Vertrag über den Interzonenhandel zwischen der französischen und der sowjetischen Besatzungszone abgeschlossen worden In seinem Gefolge konnten zu Ende des i fiir das gesamte Reichsgebiet zu schaffenden Jahre 1946 zahlreiche Rahmenverträge zwischen i -Verwaltung gemeinwirtschafthcher Betriebe", den einzelnen Ländern der beiden Besatzungs- j Jeder Betrieb erhält einen Verwaltungsrat, Zonen abgeschlossen werden. Die Abwicklung I dessen Mitgliederzahl nach seiner Größe be- des Austausches war zunächst schleppend und j stimmt wird In diesen Verwaltungsrat entsen- durch zahlreiche Schwierigkeiten behindert. den die nachstehenden Gruppen die jeweils i Kapitalausstattung, in der Durchführung In einer Vereinbarung, die in Baden-Baden durch einen Ausschuß von Vertretern der Länderregierungen, der Gewerkschaften und der Verkehrsverwaltungen unterzeichnet wurde, ist die Verwaltung der Eisenbahnen in der französischen Zone den Ländern übertragen worden. Betrieb und Verwaltung der Eisenbahn in den Ländern Rheinland-Pfalz, Baden und Würtemberg-Hohenzollem übernimmt die zu diesem Zweck neu gebildete Betriebsgesellschaft der Eisenbahn Südwestdeutschlands. Das Arbeitsgebiet dieser Gesellschaft teilt sich in zwei Bezirke: Im Norden der französischen Zone das Land Rheinland-Pfalz und im Süden der Zone die Länder Baden und Württemberg- Hohenzollern. Die Betriebsgesellschaft wird durch einen Eisenbahnverkeh r s r a t verwaltet, der aus neun Mitgliedern besteht. Davon vertreten sechs Mitaüeder"die Länderregierungen und drei die E i sen- bahnergewerkschaften. Es ist das erstemal, daß die Gewerkschaften der Eisenbahner unmittelbar an der Verwaltung der Bahnen beteiligt werden. Die Vereinbarung über die Neuregelung des Eisenbahnwesens in der französichen Zone wird den einzelnen Landtagen zur Ratifizierung vorgelegt werden. Im Anschluß an die Unterzeichnung dieses Akbommens ergriff der Vertreter der! Eisenbahnergewerkschaften. Harter, das Wört und gab im Namen der Eisenbahnergewerkschaften der französischen Besatzungszone folgende Erklärung ab: ..Anläßlich der Unterzeichnung der Vereinbarung und der Statuten über die Schaffung eines ..Betriebsverbandes der Eisenbahner Süd Westdeutschlands" möchte ich zuerst bemerken. daß die endgn'tioen Entwürfe für die Vereinbarung und die Statuten, die zur Unterzeichnung unterbreitet wurden, wesentlich von dem letzten Entwurf abweichen, den der Or- oanisationsaussrhuß abfaßte. Wir bedauern, daß es nicht möglich war, dem Organisation«- Ein Sozialisferunasplan der GEG Gustav Dahrendorf über die Durchführung der Sozialisierung 'Gustav Dahrendorf vom Vorstand des Zentralverbandes der Konsumgenossenschaften in Hamburg befaßte sich vor kurzem im Nordwestdeutschen Rundfunk mit der Frage der Sozialisierung. Dabei stützte er sich auf den sogenannten „Plan GEG". der auf Grund jahrzehntelanger Erfahrungen in der Praxis entwickelt wurde und der die Bi’dung „gemein- wirtschaftlicher Betriebe" empfiehlt. Nach diesem Plan werden die in Betracht kommenden Betriebe zugunsten des deutschen Volkes enteignet. Die Höhe der Entschädigung wird durch die Gesetzgebung geregelt. Die Verwaltung der einzelnen Betriebe Jeder enteignete Betrieb bildet einen Teil der lieber Betriebe, gegliedert nach den verschiedenen Produktionszweigen An der Spitze dieser Verwaltungen steht jeweils ein Verwaltungsrat von etwa 90 Mitgliedern. die in gleicher Anzahl von ie 15 Personen bestellt werden von den Gewerkschaften sarhVu.ndicen Vertretern des Wirtschaftslebens. den Konsumgenossenschaften, den Parteien. den Verwaltunaen des Landes bzw. des Reiches, der Wirtschaft?Verwaltung des Landes bzw. des Reiches. Die Mitglieder des Verwaltungsrats werden teils delegiert, teils berufen. Der Verwaltunosrat bestellt die Geschäftsführung. die wiederum aus zwei, höchstens fünf Mitgliedern bestehen soll. Die Funktionen des Verwaltungsrates Die Funktionen des Verwaltungsrates bestehen in allgemeiner Aufsicht über die unterstellten Betriebe, in der Überwachung der Kreditpolitik und der j gleiche Anzahl von Vertretern. Der B e Im April 1947 fanden in Berlin erneut Ver- «ii-iebsrat, die örtlichen Gewerkschaf- handlungen über den Abschluß eines zweiten ;ten. sachkundige Vertreter des Rahmenvertrages zwischen den Ländern der > Wirtschaftslebens, möglichst V e r - französischen und der Sowjetzone statt. Diese Verhandlungen führten zu einem Entwurf für einen neuen Interzonenhandelsvertrag. Auf der Grundlage dieses Entwurfes ist jedoch bisher nicht weiter verhandelt worden. Ein neuer Vertragsabschluß soll in der nächsten Zeit kaum zu erwarten sein. Die Abwicklung der im letzten Vierteljahr 1946 abgeschlossenen Verträge ist inzwischen in Gang gekommen. Die am Austausch der betreffenden Waren interessierten b r a u c b er des betreffenden Produktionszweiges. die örtlichen Parteien, die Verwaltungen der Stadt hzw. des Kreises. Der Verwaltungsrat bestellt die Betriebsleitung, die aus zwei bis höchstens fünf Mitgliedern besteht. Die Gesamtverwaltung Alle enteigneten Betriebe werden dann entweder auf der Stufe des Landes oder auch auf der Stufe eines künftigen Reiches zusammengefaßt zu einer Verwaltung gemeinwirtschaft- Öffentlichkeit. der Wirtschaftsplanung für den betreffenden Produktionszweig, in der Beschlußfassung über grundlegende und größere I n - vestitionen und darin, als Poolungsstelle in der Abziehung von Gewinnen der gewinnbringenden Betriebe zum Ausgleich von Verlusten der verlustbringenden Unternehmungen zu wirken. Nach den Ausführungen der „Konsumgenossenschaftlichen Rundschau” vermeidet der „Plan GEG" die besonderen Schwierigkeiten und Belastungen, denen Betriebsfirmen ausgesetzt sind. Er verhindert jeden Bürokratismus und garantiert eine hinreichende und all- seitige Kontrolle sowie das ausschuß Gelegenheit zu geben, über den endgültigen Wortlaut zusammenfassend Stellung zu nehmen. In ihrer jetzigen Form stellen die Vereinbarung und die Satuten eine wesentliche Umformung des ursprünglich vom Organisationsausschuß vorgeschlagenen Textes dar. Trotz gewisser Vorbehalte und eines gewissen Zauderns, besonders in bezug auf das Recht der Eigentumsübertragung des Besitzes der deutschen Eisenbahnen an die Länder der französischen Besatzungszone sind die Eisenbahnergewerkschaften bereit, loyal auf der Grundlage der heute unterschriebenen Vereinbarung und Statuten im Namen des „Betriebsverbandes der Eisenbahner Südwestdeutschlands" zusammenzuarbeiten. Diese vorbehaltlose Zustimmung und unser Wunsch nach Zusammenarbeit sind die logische Folge der verständnisvollen, sehr fortschrittlichen Haltung der französischen Militärregierung und der Regierungen der deutschen Länder gegenüber den Gewerkschaftsforderunqen. Ich kann feststellen, daß entgegen der ursprünglichen Absicht, das deutsche Reichsbahngesetz von 1923 als Grundlage für die Neuordnung des Eisenbahnwesens in der französischen Besatzungszone zu nehmen, zwei wesentliche grundsätzliche Forderungen der Eisenbahner in der jetzt Unterzeichneten Vereinbarung und in den Statuten berücksichtigt wurden: 1. Der Eisenbahntransportrat, das oberste Organ des Verbandes, gewährleistet den entscheidenden Einfluß des Staates, verkörpert durch die drei Länderregierungen. Damit wird jede wirtschaftliche und kapitalistische Tendenz privaten Charakters ausgeschaltet. 2. Durch die Zulassung von drei Vertretern der Eisenbahner- gewerks chatten zum Eisenbahntransportrat ist zum erstenmal offiziell den Arbeite-n, Angestellten und Beamten der Eisenbahn das Recht gewährt worden in den Verkehrs-, Personal-, Finanz- und Sozialfragen mitzureden. Die drei Vertreter der Eisenbahnergewerkschaften haben Stimmrecht. Die Eisenbahnergewerkschaften sehen in der Schaffung des „Betriebsverbandes der Eisenbahner Südwestdeutschlands“ und in der Übertragung von Vollmachten an die deutschen Organe dieses Verbandes einen besonderen Vertrauensbeweis seitens der französischen Militärregierung. Damit wird die Wiederaufbauarbeit des deutschen Eisenbahnoersonals seit Beginn der französischen Besetzung trotz äußerst schwieriger Umstände und Bedingungen richtig eingeschätzt. Wir sehen in der Berücksichtigung der grundsätzlichen Forderungen der Eisenbahn er- gewerksebaften den Beweis, daß die Hingabe, die vorbildliche Führung und das erprobte Berufs wissen aller Eisenbahner richtig gewertet werden. Im vollen Bewußtsein der hohen, den Gewerkschaftsvertretern zufallenden Aufgaben und der durch die Vereinbarung und die Statuten des ..Betriebsverbandes der Eisenbahner Südwestdeutschlands" gebotenen materiellen und rechtlichen Möglichkeiten danken die Eisenbahnergewerkschaften der Länder der französischen Militärregierung für die Ausarbeitung und Ratifizierung dieses Dokuments und erklären durch meine Stimme ihre prinzipielle Einwilligung zur Mitarbeit im vollen Vertrauen au f die durch die Vereinbarung und die Statuten des ..Betriebsverbandes der Eisenbahner Südwestdeutschlands“ geschaffene Grundlage. Die deutschen Eisenbahnergewerkschaften sehen in der neuen durch die Vereinbarung festgelegten Politik den Beginn für die Abschaffung der bestehenden Gegensatz« zwischen Personal und Direktion, zwischen Arbeitern und Arbeitgebern, das Ende de« TOassenkampfes und -hasses und die Beteiligung an der Verantwortung für die wirtschaftlich« Interesse der j und soziale Organisation durch weite gleich- i berechtigte Schichten der Arbeitermassen." _. Seite 4 — Nummer 52 ttotißoßt Mittwoch, 2. Juli 1947 Ist die Frau „der Mann der kommenden Zeit“? In seinem am Internationalen Frauentag in Paris (16. März 1947) gehaltenen Vortrag über „Die Frau in der sozialistischen Gesellschaft" waren die Schlußworte von Leon Blum: „Ich habe immer von Familie" gesprochen. Was sollen wir im künftigen Staat unter Familie verstehen? Soll das Grundelement der Gesellschaft das Individuum sein oder die Verbindung von Mann und Frau? Welches sollen die gesetzlichen und moralischen Formen der Verbindung von Mann und Frau sein? Soll der soziale Druck — und damit die Gewohnheit — dahin wirken, daß eine Stabilität und Dauer für die Gemeinschaft von Mann und Frau erreicht wird, oder soll das Gegenteil davon geschehen, d. h. soll dieser Druck eine losere biegsamere Form von Verbindungen bewirken und sichern? Sollen die Kinder gesetzlich dem Vater oder der Mutter zugesprochen werden? Werden wir einen vaterrechtlichen oder einen mutterrechtlichen Staat haben?" Diese Ausführungen von Leon Blum möchten wir zum Anlaß nehmen, um die Stellungnahme von einigen Deutschen, wie Sie in uns aus verschiedenen Gesprächen haften geblieben sind, hier aneinanderzureihen, und zwar mit der Ausrichtung auf die Entwicklung«- und Erziehungatendenzen der Frau von heute. Die Meinung eines Mannes Warum ist eine zahlenmäßig So schwache Vertretung der Frauen in den Regierungen? Die Frau ist der Mann der kommenden Zeit. Wenn man heute in Deutschland das Bild der Volksvertretunoen betrachtet, ist man verwundert über das ungleiche Bild der zahlenmäßigen Beteiligung von Frauen an den Volksvertretungen in den einzelnen Ländern. Aber auch wenn die Frau noch nicht lange an öffentliche höhere Ämter gewöhnt ist und sich nicht viel in freier öffentlicher Rede bisher geübt hat, kann man doch sicher sein, daß sie auch diese Aufgabe meistern lernen wird. Die Frauen sollten auch hierin mehr, Mut haben, „Beginner" zu sein. Gleichstellung von Mann und Frau Es ist immer wieder zu spüren, daß die Frau, zum mindesten die deutsche Frau, durch ihre Erziehung niedergedrückt wird. Im allgemeinen wird ihr von Anfang an eine Minderwertigkeit dem Manne gegenüber eingeimpft, der Gedanke, daß der M ann ihr überlegen sei, und er im Grunde sogar „ihr Herr" sei. Statt dessen wäre es viel notwendiger und berechtigter, daß der Frau von vornherein bewußt gemacht würde, daß sie wohl anders als der Mann ist, sie aber für den Mann eine ebenso notwendige Ergänzung darstellt wie der Mann für sie. Also die grundsätzliche Gleichstellung beider müßte mehr betont werden und jeder Frau durch eine berufliche Ausbildung die Möglichkeit zu existentieller Unabhängigkeit gegeben werden. Die Frau wird sich dadurch sicherer fühlen und sich freier entfalten können als bisher. Die Frau Ist zur Zeit stärker als der Mann Wenn man heute das Wertverhältnis von Mann und Frau genau prüfen wollte, würde sich die Waage sehr wahrscheinlich zugunsten der Frau senken. Doch es soll nicht um ein Werten gehen. Tatsache ist, daß die Frau im allgemeinen sich in den letzten Jahren, den Kriegs- und Nachkriegsjahren, bewunderungswürdig tapfer, fleißig, zuverlässig und auch für neue Aufgaben geeignet gezeigt hat. Weiter, die Frau hat bewiesen, daß sie imstande ist, Leiden und Strapazen auf sich zu nehmen, wie Die „Tour de France“ rollt Am vergangenen Mittwoch begann in Paris die erste „Tour de France“ der Nachkriegszeit. 1939 war dieses größte Straßenrennen der Welt Jäh unterbrochen worden, die Vorbereitungen und die Teilnehmerlisten in diesem Jahre lassen aber darauf schließen, daß die Tradition dieses Rennens in würdiger Weise fortgesetzt wird. Nach dem Ableben des Gründers und ständigen Rennleiters der „Tour", Henri Desgranges, istJaquegGoddet an dessen Stelle getreten. Das Reglement, das dieser ausgearbeitet hat, weist zwar keine umwälzenden Änderungen auf, enthält aber einige bemerkenswerte organisatorische Neuerungen, durch die die „Tour de France" noch ausgeprägteren Charakter einer Mannschaftskonkurrenz erhält. Jedes Land stellt einen eigenen technischen Leiter, wodurch man die größtmöglichste Korrektheit in der Durchführung der Rundfahrt sichern will. Bei der Bergpreiswertung wird so verfahren, daß die höchsten Bergübergänge mehr Punkte einbringen als die niedrigeren. Frankreich, Belgien und Italien sind in der „Tour" mit einer vollständigen Zehnermannschaft vertreten, während sechs Schweizer und vier Luxemburger, sowie sechs Holländer und vier in Frankreich lebende Ausländer Je eine gemischte Mannschaft bilden. Dazu kommen noch fünf Mannschaften, die Je eine französische Region vertreten. Im ganzen haben also am 25. Juni lOOFahrer das schwere Rennen aufgenommen. Wie groß die Organisation dieser Rundfahrt ist, geht allein daraus hervor, daß nicht weniger als 6000 Funktionäre aufgeboten sind, um die „Tour de France“ reibungslos durchzuführen. Insgesamt sind «665 km in 21 Tagen zurückzulegen. Fünf Ruhetage werden den Fahrern gewährt, damit sie sich von den Anstrengungen dieses zermürbenden Wettbewerbs erholen können. Der Start in Paris Eine riesige Menschenmenge wohnte am Mittwochvormittag der „Tour de France"-Fahrer in Paris bei. In letzter Stunde hat der Belgier Sylvire Maas wegen eine s Furunkels seine Zusage rückgängig machen müssen. An seiner Stelle wird sein Landsmann Deprödomme die Fahrt mitmachen. Einen interessanten Fall bildet der französische Straßenmeister Paul Neri, dessen Staatszugehörigkeit zur Zelt geprüft wird. Al s Neri vor acht Tagen zum französischen Straßenmeister ausgerufen wurde, hieß es plötzlich, daß er die französische Nationalität nicht besitze. Der Meister erklärte Jedoch, daß er im Sie der durchschnittliche Mann nicht zu tragen imstande ist, — seelisch wie körperlich. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Frau — biologisch betrachtet — dem Mann gegenüber von der Natur benachteiligt ist, — daß sie neben der beruflichen Arbeit, die sie aus Not oder aus freier Überzeugung auf sich genommen hat, auch noch die Aufgabe der Lebenserhaltung hat. Es ist meistens die Frau, die die seelische Trägerin einer Verbindung zum Mann ist, es ist meistens die Frau, die um den harmonisierenden Ausgleich zwischen den Geschlechtern bemüht ist. Nicht nur, daß sie die Kinder zur Welt bringt, fühlt sich die Frau im allgemeinen praktisch weit mehr als der Mann verantwortlich für die Kinder und trägt viel länger als er die Lasten an den Kindern. Dabei ist es einerlei, ob die Verbindung zwischen Mann und Frau lose oder festgefügt ist. Dem heutigen Mann fehlt vielfach Selbstdisziplin Der Mann begnügt sich im allgemeinen mit einer beruflichen Tätigkeit und erwartet, daß alle weiteren Arbeiten von der Frau geleistet werden. Ferner erwartet er, daß ihm die Frau jederzeit und selbstverständlich zu seiner persönlichen Verfügung steht. Hierfür ist besonders die Vielkinder-Ehe sozial besonders schlecht gestellter Familien ein gutes Beispiel. Diese Frauen hassen ihre Männer, von denen sie jedes Jahr ein Kind haben, eher als daß sie sie lieben können. Welche Anmaßung, welche Nichtachtung bedeutet dies vor dem Recht auf Eigenleben der Frau? Der Mann „verdirbt" selbst die Frau Der Mann sieht in der Frau meist die Frau und nicht den Menschen. .Viele Männer kommen überhaupt nicht bis zur Wertung einer Frau nach ihren menschlichen Qualitäten. Die Frau beginnt und endet bei ihnen mit der Frage, ob sie gefällt. Damit setzt der Mann die Frau, die er eigentlich verehren möchte, selbst herab. Nur Eigendisziplin kann den Mann wieder zur Achtung vor der Frau hinführen, und diese wiederum ist von den Frauen selbst zu bewirken. Denn der Mann ist ja ihr eigenes Werk: sie selbst ist durch die Erziehung ihrer Söhne und Töchter die Mutter der nächsten Generation. Mutterrechtliche Zukunft Ich bin sicher, daß wir einer matriarchalischen Zeit entgegengehen.. Daß vom Mann letzten Endes in der Frau das Mütterliche gesucht wird — sei es in der Frau, in der Geliebten oder der Freundin —, wird sich jeder Mann eingestehen müssen. Nicht Zufall war es wohl, daß man bei so vielen sterbenden Soldaten als Letztes den Ruf nach der Mutter hörte. „Mutter" bedeutet nach dem geistigen Flug Erlösung und Ruhe in mütterlicher Erde, es bedeutet Einmünden in das Immerbereite, Allesverstehende, das Zurück zum Göttlichen, zur Urkraft. Die Frau in Vorbereitung Die Frau bereitet sich vor zu ihrem großen Kommen. Sie Steigt auf von ihrem Frauentum und geht jetzt über auf Aufgaben, die früher nur dem Mann Vorbehalten waren. Sie wird sich auch dies zu erobern verstehen, — auch wenn einzuschränken ist, daß der Grad höchster Genialität vielleicht beim Mann bleiben wird. Die Frau steigt „rund" auf und hat die Chance, harmonisch in einer Linie zu laufen. Diese Linie heißt Frausein, Mutterwerden, Kinderbeschützerin bleiben. Dagegen ist der Mann heute in Gefahr, ein sternförmiges Bild abzugeben durch sein gleichzeitiges Reagieren und Ausrichten nach mehreren Frauen, wobei ihm das zahlenmäßige Übergewicht der Frauen zur erhöhten Versuchung wird. Durch dieses Jahre IMS da* französische Bürgerrecht erworben habe. Die Polizei in Nizza meldet demgegenüber wieder, Neri sei im Besitze eines Ausländerpasses mit Gültigkeit bis Dezember 1948. Die Richtigkeit aller dieser Angaben wird nun untersucht. Sollte sich heraussteilen, daß Neri tatsächlich nicht die französische Staatsbürgerschaft besitzt, dann wird er unverzüglich von der „Tour de France“ ausgeschlossen. Nach einer Minute stillen Gedenkens zu Ehren des verstorbenen Begründers der „Tour de France“, Henri Desgrange, setzte sich die Karawane dar Ein Jahr „S| Es wer eigentlich eine Selbstverständlichkeit, daß schon in der ersten Nummer unserer Zeitung auch der Sport nicht fehlen dürfte. In der Erkenntnis, daß gerade die Jugend unter uns dem sportlichen Geschehen in der Heimat und ln der Welt das größte Interesse entgegenbringt, haben wir dieser Sparte der Publizistik einen ständigen Raum zur Verfügung gestellt. Wir teilen dabei das Bedauern aller unserer sportinteressierten Leser, daß es uns die angespannte Papierlage bisher nicht ermöglichte, der Sportberichterstattung den ihr zukommenden und von allen gewünschten breiten Baum zur Verfügung zu stellen. In den ersten Nummern unseres Blattes hatten wir in dieser Hinsicht unseren guten Willen kundgetan. Aber er ließ sich bedauerlicherweise nicht in vollem Umfange auf die Dauer durchführen. Die weltpolitischen Ereignisse, die Vorgänge innerhalb Deutschlands und unserer engeren Heimat beanspruchten ebenfalls ihr Recht, dem ausgedehnten Leserkreis unserer Zeitung nahegebracht zu werden. So mußte der in beiden Ausgaben der Woche Jeweils zur Verfügung stehende Platz weise eingeteilt werden, um allen Anforderungen, die an eine Tageszeitung gestellt werden, gerecht zu werden. Dennoch kann man, wenn man auf das erste Jahr des Bestehens unserer Zeitung zurückblickt, nicht Sagen, daß der Sport als Stiefkind oder gar als fünftes Rad am Wagen behandelt worden wäre. Wir haben stets darauf geachtet, den für die Sportberichterstattung zur Verfügung stehenden Raum so sinnvoll als möglich auszunutzen. Auf diese Weise ist es uns gelungen, unsere Leser über die wichtigsten Internationalen Großveranstaltungen und das sport- Verhalten ist der Mann jedoch nie voll und harmonisch und entbehrt er der organischen Entwicklung. Er ist so im Grunde nur Anreger für die Frau. Sein Erfolg ist etwas Täuschendes, Irreführendes, ist nur äußerlich. Die Instinkte der Frau sind ihr Vorsprung vor dem Mann Durch die Entwicklung zum sachlichen Denken begibt Sich die Frau in Gefahr, ihre Instinkte, ihren großen Vorsprung vor dem Mann, verkümmern zu lassen. Wenn die Frau wirklich den großen Aufstieg zu einer Hochentwicklung nehmen will, gewissermaßen eine „ailround-Fersönlichkeit^ werden will, müßte sie bemüht bleiben, vor allem ihre weiblichen Instinkte intakt zu halten, ihre weiblichen Grundeigenschaften zu pflegen und sie zu erweitern, ohne daß ihr Kem verändert wird. Vielleicht wird die Entwicklung liegen auf der Ebene einer Synthese von der amerikanischen selbstbewußten Frau und der vor allem zu gefallen suchenden französischen Frau. Die Meinung einer Frau Fort mit den Minderwertigkeitskomplexen! An der Erziehung der deutschen Frau erscheint mir vieles sehr falsch. Die Frau müßte viel mehr und von vornherein zur Unabhängigkeit erzogen werden, so daß die Frau selbstbewußt und selbstsicher wird, wie es ihrer wahren Stellung entspricht. Man maß nur wollen Grundbedingung ist, daß jede Frau für einen Beruf befähigt wird, damit sie finanziell selbständig und unabhängig wird. Die Frau kann mindestens so viel wie der Mann, sie muß nur wollen. Sie muß sich nur auf eine Aufgabe konzentrieren. Das deutsche Mädchen und die Sentimentalität Vor allem ist zu wünschen, daß die deutsche Frau die Ihr besonders eigen? Veranlagung zur Sentimentalität in sich bekämpft und ablegt. Es ist dies die gefährlichste Eigenschaft der Deutschen, die hochgezüchtet wurde durch falsche Erziehung. Es ist grundverkehrt, ja ein Verbrechen, ein Mädchen dahin kommen zu lassen, einen Mann idealisiert zu sehem Auf eine solche Einstellung muß naturnotwendig eine Ernüchterung, eine Enttäuschung folgen. Warum bemüht man sich nicht vielmehr, jedes Ding zu erkennen als das, was es ist, also auch einen Mann als den, der er wirklich ist mit allen Fähigkeiten, Stärken und Schwächen? Das deutsche sentimentale „Schwärmen" ist Dummheit und Selbstbetrug und muß sich rächen, weil es nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Man betrachte einmal in dieser Hinsicht die romanischen Frauen, besonders die französischen, die schon weit eher als die deutschen Gefühl und Vernunft in Einklang zu bringen verstehen. Ebenso ist natürlich die Frau zur Selbstkritik zu erziehen. Auch eine frühe geschlechtliche Aufklärung erscheint mir dringend erforderlich. Die Meinung einer andern Frau Gleiche Berufsinteresseu von Manu und Frau Auch mir erscheint es notwendig, daß die Erziehung der Frau revidiert wird, denn ihre Erziehung ist an ihrer bisherigen schwachen Position schuld und im starken Maße auch an mancher unglücklichen Ehe bzw. mancher unglücklichen Verbindung zwichen Mann und Frau. Ich bin keine „Frauenrechtlerin“, doch halte ich es für die erste Aufgabe der Frau, sich unab■J?cW»"-— Fahrer und Funktionäre in Bewegung. Ober die großen Boulevards wurde der Vorort Pierrefltte erreicht, wo das Rennen freigigeben wurde. Die „Tour de France“ 1947 batte begonnen! Die erste Etappe führte ln die nordfrsnzöslsche Industriestadt Lille. Überraschenderweise gab es einen Schweizer Etappensieg durch Ferdinand Küb- ler, der die 236 km ln 6.51,85 Std. zurücklegte und den französischen RetfonaJrahrer Mahd lin Spurt um zwei volle Längen schlagen konnte. Aber bereits nach der zweiten Etappe von Lilie nach Brüssel (182 km) mußte der Schweizer die Füh- ori im Volk * 4 Hebe Geschehen in der Welt wenigstens ln gedrängter Form zu unterrichten. Daneben richteten wir unser besonderes Augenmerk auf die Sportereignisse ln unserer engeren Heimat. Daß dabei der Fußballsport die erste Steile einnahm, ergibt sich ohne weiteres aus dem Wesen dieser Sportart, die eben einmal das Merkmal des Volkssports ln sich ! trägt. Wir haben uns aber — wir hotten, mit Er- i folg — bemüht, auch allen anderen Sportzweigen den notwendigen Resonanzboden zu schaffen. Die im Laufe des Jahres erfolgte Herausgabe von Bezirksausgaben kam unserem Bestreben, den Heimatsport besonders zu pflegen, sehr entgegen. Dadurch war es uns möglich, größere sportliche Veranstaltungen ausführlicher zu besprechen und auch wenigstens die Ergebnisse der kleineren Vereine zu veröffentlichen. In diesem Zusammenhang soll auch mit Dank und Anerkennung der Mitarbeiter ln Stadt und Land gedacht werden, die am Auf- und Ausbau des Sportteils unserer Zeitung in uneigennütziger Weise mitgeholfen haben. Wir geben unserer bestimmten Erwartung Ausdruck, daß sie uns auch weiterhin die Treue halten und daß ihr Beispiel zur Nachahmung aneifert. Mit dem bisher Erreichten können wir zwar unter den gegebenen Verhältnissen zufrieden sein. Es liegt aber absolut kein Grund vor, nun auf den Lorbeeren auszuruhen. Unser Bemühen ist auch in Zukunft darauf gerichtet, unsere Zeitung und in ihr den Sportteil weiter auszubauen und die letzten Möglichkeiten auszuschöpfen, um einer im Rahmen des Möglichen liegenden Vervollkommnung zuzustreben. hängig vom Mann zu machen durch Erlernen eines Berufes, Ich glaube sogar, daß Mann und Frau sich durch die freie Wahl ihrer Berufe leichter als gleichinteressiert und gleichangelegt erkennen werden und bei den Verbindungen dann das oft gefährdende Unverständnis des einen Partners an der Aufgabe und Leistung des anderen seltener wird. Die drei Möglichkeiten der Frau. Ich bin mir darüber klar, daß eine Frau nicht einfach zu einer größeren Totalleistung kommt, wenn sie die Doppelrolle Frau-Berufefrau übernimmt. Eine Frau hat ja drei Möglichkeiten: Entweder ist sie „nur“ Frau mit den weiblichen Betätigungen, oder sie erweitert sich um eine berufliche Wirksamkeit, oder drittens bleibt sie Frau und nimmt mit weiblichen Mitteln Einfäuß auf das Arbeitsgebiet eines Mannes, d. h. sie wirkt gewissermaßen „über“ den Mann. Eine Frau muß zweimal so stark sein wie der Mann Noch einmal: Es erscheint mir nicht selbstver- • stündlich, daß eine Frau durch ein „direktes“ Berufswirken am leichtesten ihre größte Leistung erreicht. Denn gerade je mehr die Frau Frau bleibt, wird sie sich um der Harmonie willen, die sie anstrebt, dem Rhythmus eines Mannes anpassen, abgelenkt sein und zweigleisig werden, d. h. ihre Berufskraft durch den Mann kann leicht geschwächt werden. Eine wirkliche Frau muß zweimal so stark sein wie der Mann, um den gleichen Wert in beruflicher Hinsicht zu haben wie ein Mann. Trotzdem erscheint mir die Grundnotwendigkeit existentielle Unabhängigkeit durch Arbeit in irgendeiner Form zu sein. Woher kommt die Berufsabwehr mancher Frauen? Es gibt nichts Beschämenderes, scheint mir, als das Warten auf den Mann. Die selbständigen Betätigungen im Berufsleben gefährden meiner Meinung nach die Harmonie zwischen den beiden Partnern nicht, im Gegenteil, es bilden sich durch die Aufgaben stärkere eigene Persönlichkeiten, die einander nur mehr als sonst zu geben vermögen. Wenn man immer wieder bei manchen Frauen das instinktive Abwehren beruflicher Betätigung sieht, so ist dies vielleicht darauf zurückzufUhren, daß von dem Mann von der Natur her der biologisch benachteiligteren Frau gegenüber eine gewisse Beschützerrolle übernom. men wurde, und die Frau bei dem jetzigen Entwicklungsstand von dieser Vorstellung instinktiv noch nicht frei kommt Entwicklung zum Gemeinschaftlichen Ich vermute, daß eine Entwicklung zum Gemeinschaftlichen sich anbahnt Das heißt, daß die Bedürfnisse von vielen zusammengelegt und kollektiv behandelt werden müssen. So wird es Aufgeben für Frauen in den verschiedensten Berufen geben, darunter auch den Haushaltsberuf als völlig gleichwertig neben den anderen. Oberhaupt ist Gleichschätzung eine der Grundbedingungen zwischen den Geschlechtern, Jeder sollte das tun, wozu er die größte Befähigung in sich fühlt, wo er am meisten leisten kann, — Mann sowohl wie Frau. Das Ziel bleibt die Harmonie zwischen den Geschlechtern, die Entfaltung jedes einzelnen zu seinem Höhepunkt und die Schaffung der fruchtbarsten Lebensbasis in loser oder fester Verbindung der Paare zum Segen der Kinder. Indem wir mithelfen, die menschliche Gesinnung zu wandeln, beginnen wir schon, die sozia. len Verhältnisse zu wandeln, und so ist es umgekehrt, wenn nur ein guter Wille bei allen besteht. Ob eine vaterrechtliche oder eine mutterrechtliche Ordnung sein wind, wird sich aus der Entwicklung ergeben, die Mann und Frau in den nächsten Jahrzehnten gehen werden. Auf jeden Fall wird der Teil die wirkliche Führung haben, der als Ganzes gesehen die beste Eignung dafür hat. Erika Uhlig rung an den Franzosen VIetto abgeben, die dieser auch über die nächsten Teilstrecken Brüssel— Luxemburg (299) und Luxemburg—Strasbourg (222 km) beibehielt. Die Sonntags-Etappe von Strasbourg nach Besan?on (248 km) bracht* aber den Schweizer K ü b 1 e r wieder an die Spitze, so daß dieser nach dem Ruhetag am 30. Juni auf der Strecke Besangon —Lyon (249 km) das gelbe Trikot tragen wird. Oie Weltmeisterschaften im Tennis Der berühmte Centre-Court vom Wimbledon steht augenblicklich wieder im Mittelpunkt de» tennissportlichen Interesses der Welt. Aus 28 Nationen sind die besten Tennisspieler nach Wimbledon gekommen, um hier um die höchte Krone im Tennissport, die Weltmeisterschaft, zu kämpfen. Die Tennismeisterschaften von Wimbledon gelten zwar nur als inoffizielle Weltmeisterschaften, aber wer einmal aus dieser Auslese als Sieger hervorgegangen ist der kann ohne weiteres den Ruhm als der Welt bester Tennisspieler oder beste Tennisspielerin für sich in Anspruch nehmen. Seit nunmehr 70 Jahren werden diese Meisterschaften in Wimbledon ausgetragen und haben im Laufe der Jahrzehnte eine weltumspannende Bedeutung erhalten. Von der ersten Meisterschaft bis heute wurde in Wimbledon auf Rasenplätzen gespielt, was für die an Hartplätze gewohnten Spieler eine große Umstellung bedeutet. Bi s zum ersten Weltkrieg waren es Englands Spieler una Spielerinnen, die das Wimbledon-Turnier beherrschten. Aber nach diesem schafften sich Australien, Frankreich und die USA ein Übergewicht Bis 1939 konnte England nur noch zwei Einzelstege verzeichnen, und zwar von 1934 bis 1936 durch Fred Perry und von Dorothy Round im Jahre 1937. In dem ersten Turnier nach dem zweiten Weltkriege, das 1948 abgewickelt wurde, ist England überhaupt nicht auf der Siegerliste vertreten. ‘ Von den Weltmeistern 1946 fehlt lediglich in diesem Jahre die Siegerin im Dameneinzel, Pauline BetaUSA, die Berufsspielerin geworden ist Yvon Petra- Frankreich im Herreneinzel und Brough-Osborne* USA im Damendoppel ihre Titel, während im Herrendoppel Jack Kramer-USA in Falkenburg einen neuen Partner erhalten hat. Im gemischten Doppel wird diesmal die Amerikanerin Brough den Australier Brom wich als Partner haben. Die bisher durchgeführten Spiele, die von dem letztjährigen Wimbledon-Sieger Yvon Petra eröffnst wurden, brachten noch keine Überraschungen. Sämtliche gesetzten Spieler und Spielerinnen kamen ■’i»'*- lich über die ersten Bunden. Mittwoch, 2. Juli 1947 tknSBoßt Nummer 82 — Seite 5 Das neue Gesicht der sozialistischen Zeitung In den letzten Monaten ist in der amerikanischen Zone heftig darüber diskutiert worden, ob man das dortige System parteipolitisch nicht gebundener Zeitungen beibenalten- oder, wie in den übrigen Zonen, den Übergang zur reinen Parteipresse finden solle. Man hat „Volksbefragungen“ veranstaltet und die Bevölkerung hat sich mit großer Mehrheit gegen die Einrichtung von Parteizeitungen ausgesprochen. Die Reaktion der deutschen Bevölkerung in der amerikanischen Zone ist verständlich. Zu lebendig ist noch die Erinnerung an die Nazizeit, in der die Presse parteipolitisch völlig uniformiert war, ^ der Leser an Nachrichten und Kommen, taren wirklich nur das vorgesetzt bekam, was die Parteileitung, die den Staat beherrschte, für ratsam hielt. Von dieser einseitigen, engstirnigen Ausrichtung der Presse hat das deutsche Volk mehr als genug. Es fürchtet mit der Rüdekehr zur „Parteipresse“ die Rückkehr zu jener Einseitigkeit und Engstirnigkeit. Und doch muß die Frage aufgeworfen werden, ob dies richtig ist, ob auf die Dauer dieser Zustand einer unparteiischen Presse aufrecht- erhalten werden kann, wenn man wirklich die Demokratie in Deutschland weiterentwickeln will. Das reine Nachrichtenblatt ist ein Notbehelf und eine Scheinlösung. Denn eine objektive, unparteiische Nachrichtenübermittlung gibt es überhaupt nicht. Jede Auswahl von Nachrichten — und sie ist bei der Fülle des anfallenden Materials notwendig — stellt schon eine Stellungnahme dar. War nicht z. B. die sogenannte „unparteiische“ Generalanzeigerpresse früherer Zeiten gerade durch die Auswahl ihrer Nachrichten eine im höchsten Maße politische Das Wort die Politik ist unser Schicksal ln allen Ehren. Aber es ist nicht weniger richtig, zu sagen, daß die Wirtschaft unser Schicksal ist. Beides trifft zu, denn es gibt so wenig eine unpolitische Wirtschaft, wie es eine Politik ohne wirtschaftspolitischen Hintergrund gibt. Das war schon immer die Auffassung der Sozialdemokratie. Wer mit ihrer Geschichte vertraut ist, weiß, daß diese Geschichte ebenso ein Kampf um wirtschaftliche Positionen war wie ein Ringen um die Durchsetzung politischer Ziele. Die Richtigkeit dieser Auffassung der Untrennbarkeit von Politik und Wirtschaft erweist sich schon bei einem ganz oberflächlichen Blick auf die letzten 15 Jahre. Der tiefere Grund, der letzten Endes den Boden für die Machtergreifung des Nationalsozialismus bereitet hat. ist ebensosehr in politischen wie in wirtschaftlichen Momenten zu suchen. Es ist nicht zuviel gesagt, wenn festgestellt wird, daß ohne die schwere Wirtschaftskrise von 1929 bis 1933, in der jeder dritte unselbständige Erwerbstätige arbeitslos war, in der die soziale Not ungeheuer groß war, eine Machtergreifung Hitlers nicht möglich gewesen wäre. Das sollte jedem, der zurückschaut, klarmachen, daß eine Neugestaltung unseres Staatslebens auf demokratischer Grundlage eine ebenso gründliche Neugestaltung unseres Wirtschaftslebens von Grund auf erforderlich macht. Es sollte aber auch jedem deutlich machen, wie wichtig es ist, den Vorgängen in der Wirtschaft die Aufmerksamkeit zu schenken, die ihnen unzweifelhaft gebührt. Damit ist zugleich ausgesprochen, welche große Bedeutung dem Wirtschaftsteil gerade einer sozialdemokratischen Zeitung zukommt. Nicht erst seit heute. Auch früher war dem Wirtschaftsteil in den sozialdemokratischen Zeitungen ein breiter Raum gewidmet. Vor 1933 war dieser Teil der sozialdemokratischen Presse vorwiegend von dem zähen Ringen um die Durchsetzung von Gesetzen und Rechten der Schaffenden (KoaUtionsrecht, Arbeitsrecht, Sozialgesetzgebung usw.) erfüllt. Durch sie wurde der Untemehmerabsolutismus eingeengt. Es war ein Kampf um die Verbesserung des Loses der abhängigen Schaffenden innerhalb der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Seit dem Zusammenbruch des Dritten Reiches geht es um mehr. Heute geht es nicht mehr nur um die privatrechtliche Beschränkung der Unternehmersouveränität, sondern darum, die Herrschaft des Im freien Volksstaat organisierten Volkswillens über die Wirtschaft durchzusetzen und sie zu verwirklichen. Es handelt sich also dementsprechend heute im Wirtschaftsteil einer sozialdemokartischen Zeitung nicht mehr ausschließlich oder in erster Linie darum. Korrekturen oder Verbesserungen durchzukämpfen, sondern es geht darum, eine ganz neue Ebene des Wirtschaften« und des Wirtschaftsdenkens zu schaffen, es geht eben um die Verwirklichung der Gemeinwirtschaft selbst. Und dies ist keineswegs das Anliegen der Sozialdemokratie allein. Es geht vielmehr um die Erfüllung der antikapitalistischen' Sehnsucht breitester Volksschichten, nicht nur der unselbständigen Schaffenden, sondern ebenso zahlreicher selbständiger Handwerker usw. Vergessen wir nicht, daß es nicht zuletzt der Mißbrauch dieser antikapitalistischen Sehnsucht durch den National Sozialismus war, der Hitler so breite Volksschichten zuführte. Es gibt heute, nach dem Zusammenbruch der Diktatur kaum mehr eine politische Partei, die die Positionen der kapitalistischen Wirtschaft offen verteidigt (wenn es geschieht, erfolot es mehr oder weniger geschickt verdeckt hinter allen möglichen Vorwänden) oder gar sich mit einem Ausschließlichkeits- anspruch für den Privatkapitalismus einsetzt. Die 13 Jahre Nationalsozialismus haben das bewirkt. Denn es ist ledern Menschen guten Willens, der nicht selbst Großkaoitalist ist, eindrin-iieh deutlich geworden, daß der Weimarer Staat durch die Übermacht der kapita- Neuaufbau von Grund auf vorgenommen werden, daß wirklich eine Reformation an Haupt und Gliedern erfolgen muß. Die Zeit der Kritik, der bloßen Opposition ist für die sozialistische Bewegung vorüber. Sie muß heute neue We<*e weisen, sie muß unser gesamtes wirtschaftliches, politisches und gesellschaftliches Leben neu gestalten und formen. Sie ist eine große staats- gesteltende Bewegung geworden. Diese Tatsache muß heute der sozialistischen Presse ihre Ausrichtung und ihr Gepräge geben. Selbst das letzte Blatt in der Provinz darf sich heute nicht mehr nur in billiger Kritik erschöpfen. Es muß im aufbauenden Sinne zu allen wich, tigen Fragen staatlicher und gesellschaftlicher Neugestaltung Stellung nehmen. Dazu gehört aber auch .die Unterrichtung des Lesers über die großen politischen Fragen gehört vor allem, daß auch die sozialistische Zeitung in sachlicher Nachrichtenübermittlung das bestmögliche leistet. Denn das große Ziel sozialistischer Neugestaltung wird nur erreicht werden, wenn das ganze Volk aus der Enge nationaler Schau herausgeführt wird, in der es 12 Jahre lang bewußt gehalten wurde und wenn gerade der politisch handelnde Mensch — und das muß wenigstens in der Idee der Staatsbürger sein — die großen Zusammenhänge sieht und weit aufgeschlossen für alle Strömungen der Zeit seinen Weg geht. In der klaren Erkenntnis dieser Situation hat die Schriftleitung des „Volk“ von Anfang an versucht, diese erste Parteizeitung, die in der französischen Zone zugelassen wurde, zu gestalten. Es war unser Bestreben, unsere Leserschaft so objektiv und so gut wie nur möglich über alle wichtigen weltpolitischen und innerdeutschen Ereignisse zu orientieren. Es kam uns dabei darauf an, unseren Lesern immer wieder die großen Zusammenhänge und die großen Probleme zu zeigen, die heute in der ganzen Welt gelöst werden müssen. Wir haben im kulturellen Teil, den ■ wir infolge der Papierkürzung aus Raumgründen listischen Großgebilde ausgehöhlt und schließ-1 Politik und der Wirtschaft in diesen Jahren \ ] e ;^ r er heblich eirrechränken mußten, versucht, lieh zerstört wurde, daß es das Großkapital! in der Hand. Sie erbrachten mit dem Zu- j { j en g^k für die kulturelle Entwicklung int war, das Hitler finanziert und damit die | sammenbruch der deutschen Wirtschaft unti i Ausland zu weiten. Wir waren bestrebt, in dem Presse, ganz zu schweigen von den „sachlichen“ Kommentaren dieser Presse. Ist es da nicht besser, wenn man zu der in der Demokratie unerläßlichen politischen Willensbildung kommen will zu wissen, wo ein Blatt politisch steht, eine klare Ausrichtung zu linden? Freilich, eines ist richtig: diese parteipolitische Ausrichtung darf nicht zu völliger Einseitigkeit, darf vor allem auch nicht zu einer Vernachlässigung in der genauen Berichterstattung über die Ereignisse des Tages führen. Und hier ist in der Vergangenheit in der Parteipresse aller Richtungen viel gesündigt worden. Die Stellungnahme stand sozusagen vor der Nachricht Der Leser erfuhr über das, was sich imnen- und außenpolitisch ereignete, oft nur die Kunde durch die Brille des Redakteurs, der sich wie ein kleiner Gott allwissend und alles beherrschend fühlte. Trotzdem wäre es falsch, über die Parteipresse früherer Zeiten, vor allem über die sozialisti- Presse leichthin den Stab zu brechen. Für die sozialistische Bewegung war die Presse ein Kampfinstrument ersten Ranges, war neben der direkten mündlichen Agitation das Kampfmittel par excellence. In der Erweckung des Klassenbewußtseins der proletarischen Massen hat die sozialistische Presse eine entscheidende Rolle gespielt. Sie hat dabei einen schweren Kampf gegen die finanziell ungleich stärkere bürgerliche Presse geführt. Es ist nur allzu verständlich. daß unter diesen Umständen die Zei- iiberwog, die Kritik, die Feststellung und Offenlegung von Mißständen, daß darüber die Berichterstattung und die Nachrichtenübermittlung oft zu kurz kam. Wer wirklich über die großen Ereignisse der inneren und äußeren Politik auf dem Laufenden bleiben wollte, konnte das früher nur, wenn er neben der Parteizeitung noch eine große bürgerliche Zeitung, wie etwa die „Frankfurter Zeitung“ das „Berliner Tageblatt“ oder die „Vossische Zeitung", las. Es besteht gar kein Zweifel darüber, daß die einzelnen sozialistischen Provinzblätter oft mit einer gewissen Enge redigiert wurden, daß viele den Charakter kleiner Winkelblättchen nicht überwinden konnten, wenn auch einzelne Blätter, wie etwa die „Schwäbische Tagwacht“, die. „Leipziger Volkszeitung“ oder später das von dem uns unvergeßlichen Theo H a u b a c h geleitete „Hamburger Echo“ schon ein sehr be. achüiches Niveau erreichten, auch in der sachlichen Berichterstattung und in der Behandlung kultureller Fragen. Die sozialistische Presse steht heute vor einer ganz neuen Situation und damit auch vor einer ganz neuen Aufgabe. Die sozialistische Bewegung, die ihren Ausgangspunkt, das soll und darf nie vergessen werden, in den Massen der Arbeiterschaft hatte, ist heute eine das ganze Volk umfassende Bewegung geworden. An einer Neuordnung der Gesellschaft ist heute nicht nur die proletarische Arbeiterschaft interessiert, sondern ebenso auch der Mittelstand, wie auch der Handwerker, der Bauer und der geistig tung nicht nur im Ton, sondern auch in der I schaffende Mensch. Millionen Deutscher, die ganzen Ausgestaltung einseitig bleiben mußte, einst zu den begüterten Schichten gehörten, ste- daß die Stellungnahmen, das Kämpferische in ihr I hen heute vor dem Nichts und begreifen, daß ein Spiegel des Umbruchs der Wirtschaft Schwierige Lage hervorgrufen hat, in der wir i der bisher schwersten Wirtschafskrise in den heute in Deutschland alle stehen. Wenn heute in Nürnberg Vertreter dieses Großkapitals auf der Anklagebank sitzen, so wird zugleich — bewußt oder unbewußt — einem System, das mit schwerster Schuld belastet ist, der Prozeß gemacht. Der Wandel, der sich in alledem ausdrückt, zeigt zugleich die Verschiebung der Aufgaben, die das Gesicht des Wirtschaftsteils einer sozialdemokratischen Zeitung bestimmen. Er ist nicht in dem Sinne wie vor 1933 eine reine Parteiangelegenheit, vielmehr spricht er mit seiner Arbeit das aus, was allen, dem Arbeiter so gut wie dem Handwerker und dem Händler — mehr oder weniger bewußt — vorschwebt: die Erkenntnis der unabdingbaren Notwendigkeit einer strukturellen Umformung des gesamten Wirtschaftslebens. Sie ist weithin Allgemeingut. Denn kein Mensch glaubt heute noch ernsthaft daran, daß mit den gleichen Methoden, die zu 1933 geführt und das Elend unserer Zeit herbeigeführt haben, unsere Not überwunden werden kann. Es kann nicht oft genug betont werden, daß in der Zeit nach dem fersten Weltkrieg die Wirtschaft in Deutschland nicht unter dem bestimmenden Einfluß der sozialistischen Parteien stand. Ganz im Gegenteil! Jene Parteien, die das sogenannte freie Unternehmertum vertraten, hatten die Leitung und Lenkung der dreißiger Jahren den Beweis, daß sie nicht imstande waren, ein durch einen verlorenen Krieg durcheinandergerütteltes Wirtschafts- besonders wichtigen Wirtschafteteil, über den. an anderer Stelle hier ausführlich gesprochen wird, die großen wirtschaftlichen Entwickhingslinieti aufzuzeigen. Wir haben uns an die Jugend ge- system mit ihren Methoden der sogenannten j wan 650 g. — Mütterkarten: Abschnitt 903 = 400 g. Beim Fleisch werden zunächst nur die Schwerarbeiterzulagen bekanntgegeben. Gr. I erhält auf Abschnitt 155 = 50 g, Gruppe II auf Abschnitt 255—258 je 50 g, Gruppe III auf Abschnitt 355—357 je 200 g, auf Abschnitt 458 css 250 g. — Ferner beginnt am Mittwoch die neue Fischzuteilung. Näheres durch Aushang in den Fischfachgeschäften. — An Eiern werden für alle Altersstufen auf den Abschnitt 20 der Eierkarte der Stadt Freiburg drei Stück aufgerufen. Abgabe nur durch die Geschäfte, in denen der Vorbestellabschnitt „A" abgegeben wurde. — Im übrigen wird empfohlen, die Junilebensmittelkarten sehr sorgfältig aufzuheben, weil darauf noch die Ausgabe z. B. von Zucker vorgesehen ist. Die Ausgabe von Datteln erfolgt nur in den Geschäften, ln denen die Kolonialwaren vorbestellt wurden. Es erhalten Kinder bis zu 3 Jahren Datteln auf Abschnitt 27, von 3 bis 6 Jahren auf Abschnitt 43, alle folgenden Altersstufen auf Abschnitt 47. Soweit in einzelnen Geschäften die Datteln noch nicht vorhanden sind, ist mit deren Eintreffen bis Ende der Woche zu rechnen. Auf Anordnung des Staatskommissariats für i Ernährung verfallen ab 1. Juli die Reise- > marken- Da einzelne Markensorten jedochI nicht ln genügender Menge geliefert werden konnten, werden folgende alten Sorten überrastert und gelten wie neue Marken: Margarine 5 g, Butter 25 g, Käse 30 a> Milch % Liter und Eier. Die Quäkerspende für Kinder Vom 7. bis einschl. II. Juli wird eine Lebensmittel- spende (Quäkerspende) an Kinder von 3—fl Jahren verteilt. Es sind vorzulegen die vom Ernährungsamt Freiburg-Stadt Hlr den Monat Juli ausgegebenen Lebensmittelkarten (Karte K S Abschnitt III Kinder von 3—6 Jahren und der Haushaltungsausweis). Verpackungsmaterial (1-kg- und H-kg-Tüten oder Behälter) ist mitzubringen. Die Ausgabe erfolgt: Montag, 7. JuU. von ».SO bis 11.30 und von 13 bis 15 Uhr. Innenstadt, Ober- und Unterstadt: Wirtschaft zum Kleinen Meyerhof (Eingang Turmstr. 32). — Herdern, Wirtschaft zur Eichhaide, Stadtstraße 91. Dienstag, 8. Juli, von 9.30 bis 11.30 Uhr und 13 bis 15 Uhr, Haslach: Gasthof zum Hirschen, Gutleutstr. 1: Stühlinger: Ladenlokal Firma Engesser. Klarastr. 73. Mittwoch, 9. Juli, von 0.30 bis 11.30 Uhr, Litten- weiler sowie Vorort Ebnet: Schulhaus Littenweiler; Günterstal: Gasthof zum Kybfelsen, Schauinsland- straße 43: Vorort Merzhausen; Rathaus. Donnerstag, 10. JuU, von 9.30 bis 11-30 Uhr und 13 bis 15 Uhr, Mittel-, Ober- und Unterwiehre: Große Quäkerbaracke, Urachstraße. Freitag, 11. JuU, von 9.30 bis 11.30 Uhr. St. Georgen: Gasthof zur Linde. Basler Landstraße 79: Weststadt, Mooswaldsiedlung, Betzenhausen sowie Vorort Lehen: Sehulhaus Betzenhausen, Hofaekerstraße; von 14 bis 16 Uhr Nordweststadt: Gasthof zum Kandelhof, Nebenzimmer (Eingang Kandelstraße 37): Zähringen: Gasthof zum Bären, Zähringerstraße. Nachzügler: Donnerstag, den 31. JuU, von 9.30 bis 11.30 Uhr, in der großen Quäkerbaraeke (Uraehstr., Ecke Hildastraße). Seinen 70. Geburtstag feierte am 1. Juli Schriftsetzer Georg Scheerer. Er war viele Jahre hindurdi Schriftführer im Oewerkschaftskartell und über 35 Jahre Mitglied des Bezirksvorstandes und bis zur Übernahme der Gewerkschaften ln die ehemalige „DAF" zuletzt noch 10 Jahre Bezirksvorsitzender des Bezirk, Freiburg im Verband der deutschen Buchdrucker. Sch. ist heute noch in seinem Beruf tätig und arbeitet bei der Firma E. Farkkoin, Ober- linden 0. Seinen 75. Geburtstag begeht am 3. Juli. Schneidermeister Ludwig Schupplaer, Eschholzstraße 57. Sein 83. Lebensjahr vollendet am 3. Juli Oberwerkführer a. D. Franz Kiefer, Hauptstraße 10. Der Jubilar, der auf eine über «0jährige Sängertätigkeit zurückbUeäct, ist noch immer ein eifriger Sänger und Senior des 1030 gegründeten Männergesangvereins Frelburg-Herdem. Der Männerchor und das Doppelquartett des Vereins ehren ihr verdientes Ehrenmitglied durch ein Ständchen am Vorabend seines Geburtstages. Zum eijährige Beschtehe unsrer Zittig Unser Leitschtern; »Wir nehme kmi Blatt vor* Mul!" D'Zittig iseh jo von jeher e’ wiehtigs Volks- ufklärigsmittel un Uedruck der öffentliche Meinlg g'si, die zu sym Leidwese der Adam Im "Paradies nit het lese könne, wiel sie ebbe no nit exischtiert het, sunscht hätt' er sich by der Redaktion über d'Eva erkundigt un im Leserteil bym Herrgott beschwert, daß er'm d'neugierig Eva im Schlof ahdrait het. Syt der Gutteberq aber Druckbuchschtabe erfunde het, sin d’Litt uff d'Zittige scharf gsi, wie der Schwarzwälder Buer uff's Chriesewässerle mit Schpeck. ’s het jo emol e Zitt gäh, 's tusig- jährig zemmekracht Reich mit em Adolf un syner Zahnbürscht unter der Nas an der Täte, do war’s Zittlglese nimm! schö. Agloge sinnier worre, daß sich der schtärkscht Balke boge bet. Em Adolf sy Paladin, ’s Klumpfüeßle, het's vorzüglich verschtande, ’s dütsch Volk noch Schtrich un Fade ihzwickle un de Redakteur en Mulkorb umz’hänge. D’Bscherig derfür henn- mer jo jetzt vor Auge. Zwei odder drei Zlttige ln der Nazizltt zu halte, wie es früher der Bruuch war un au hitt widder in Schwung isch, war nit nötig, mer het sich jo nit über e’ andre Meinig informiere könne. Im dütsche Blätterwald war's wie by-ner Eich: ei Blatt wie’s ander. Hitt kann-mer doch halbwegs widder sy Wuet in Druckerschwärzi ustobe, wenn eim e' Lus über’s Leberle krabbelt, e' behördliche Ahordnig zu schtark noch em Kasemehofton .Der Graf von Monte Christo' Dieser Titel wer einst des Stichwort für unsere Bubenträume, — für alle Wünsche, die aus der Ense de, wohlbehüteten häuslichen Kreises in eine abenteuerliche, lockende Ferne strebten. Irgendeiner hatte das Buch aufgetrieben, und dann wandert« ea von Hand zu Hand, und wir lasen mit hochroten Backen und glänzenden Augen von dem harten Schicksal des Mannes, der unschuldig Jahrzehnte im finsteren Verließ des Kastells If schmachtete, von seiner romantischen Befreiung und von dem »päte- ren Leben des „Grafen von Monte Christo“, An all das mußten wir denken, als wir der phantasievollen Seh'lderungskraft Alexander Dumas’ d. A. nun, nach so langer Zeit, wieder einmal auf der Leinwand begegneten. Unsere Erwartungen waren — um es offen zu gestehen — nicht eben groß gewesen. Um so angenehmer aber waren wir überrascht, als wir feststellen könn en, daß den Franzosen hier auf dem Gebiete des abenteuerlichen Films ein Werk gelungen ist des — v on Robert V e r n a y — mit ebensoviel Geschmack wi» überzeugendem Können gestaltet worden ist: ein Werk, von dem man über da, rein „Spannende“ hinaus auch innerlich nicht unberührt bleibt. Auch bildmäßig wurden außerordentliche Wirkun*-n erslelt, und weiter ist noch die großartige Ml'ieurCW't hervorzuheben, mit der hier die Dumasschc Welt in all ihrer reizvollen Fülle heraufbeschworen wird. Ebenso ist die Gesamtdarstellung aus--srlehnct: die stärkste Leistung vermittelt Pierre Richard W 111 m , der dem unglücklichen Gefangenen crceh(t*ternde Züge leiht. Es wird sicherlich kaum einen Zuschauer geben, der nach diesem vorbildlich abg;rchlossenen 1. Teil nicht auch den Schluß sehen möchte! „Mord in der Rue piepus“ weist die dunkle, hintergründige Spannung fast aller französischen Kriminalfilme auf. Selbst abgebrühte Leier von Edgar-Wallaee-Romanen werden ein wenig Herzklopfen bekommen, wenn sie mit dem gewiegten Kriminalkommissar, den Albert F r 6 j e a n mit prächtiger Nonchalance spielt, durch die düsteren, vom Verderben umlauerten Kellergcwölbe wandern. Da auch die übrigen Typen gut gesehen sind und das Ganze wirkliche Atmosphäre besitzt, nimmt man öle stattliche Anzahl von Toten und die eine oder andere TJnwahrscheinlicnkeit gern in Kauf. — Her russische Film „Zirkus“ ist eine höchst eigenartige Mischung von Unterhaltung«- und Propa- gandafilm. Das Publikum jedenfalls war einigermaßen erstaunt- als nach zwei Dritteln harmloser Klischeehandlung ziemlich unvermittelt die eigentliche Absicht der Hersteller erkennbar wurde. Gar mancher mag eich gefragt haben, was ein Stalin- transparent mit dem Thema „Zirkus“ zu tun habe, und zu denen gehört haben, die das Theater vor Beendigung der Vorstellung ziemlich geräuschvoll verließen Über diesen offensichtlichen Mißerfolg einer allzu naiv und kitschig anmutenden Propaganda vermögen auch die durchweg ausgezeichnete Kameraarbeit und einzelne einprägsame schauspielerische Leistungen nicht hinwegzutäuschen. — „Hinter Ha re nt «mauern“ läßt imperlo Argentin« ihre schmelzende Stimme ertönen und ihr zarteste« Lächeln Aufblühen. Es ist eint gut fotografierte Liebesgeschichte in Moll, In der mehr die Form als der Inhalt bestimmend ist. Unsere Zeit verlangt andere Filme! R. B. Sonderveranstaltung >m „Frkdrlchsbau" Der Vizepräsident des „Foyer Fhilosophlque de Paris-, Monsieur Jattefaux. hält Sonntag, den 6. JuU in den Friedrichsbau-Lichtspielen um 17 Uhr einen öffentlichen Vortrag über das Thema „Die Philosophie des republikanischen Geistes in Frank, reich" mit nachfolgender Vorführung des Films ..Force« oeeuites“ („Verborgene Kräfte") und eine Vorlesung der Kommentare des Präsidenten der „Foyer Fhilosophlque de Paris“, Mr. Francis Viant. Konzert für zwei Klaviere Die Hochschule für Musik veranstaltet am 5. JuU, 30 Uhr, jm Kaufhaussaai ein Klavierkonzert, ln dem die beiden Professoren Edith Picht-Axenfeld i und Carl Seemann zusammen drei der bedeu- I tendsten Werke der neuen Musik für zwei Klaviere ! spielen werden: „Da, Konzert für zwei Klaviere" (1935) von Igor Stravlnsky, „En bianc et noir" von Claude Debus-v und die „Sonate für zwei Klaviere“ (1942) von Faul Hindemith. riecht, odder wenn-mer em andere politische Lager emol de Kümmel riebe will, wiel'S glaubt, sich uff Grund der Mehrheitsmaschinerie über demokratische Schpielregle wegsetxe zu kenne. Au sunscht könne wir Ritter von der Feder e' weng unsanft in des oder seil Wespe- nescht schtoße, wenn uns au nochher d’ge- trofferie Aiutshummie e' weng schtark um de Kopf fliege. Uns schad’ des nix, der Allgemeinheit dient's zum Wohl, un bei de uffgschaichte, wild gwordene Amtshummle fördert’s Ver- dauig. Hitt git’s jo woll au no Litt, die, bsun- ders uff-em Emährigssektor, über uns Zittig- schrieber meckere, wenn emol ebbis in der Zittig schiebt, was es gebe soll und demo doch nit git. Do könne doch wir armi Neger nix defür. Will mer uns viellycht defür verant- wortlig mache, wenn, wie zum Byschpiel bym Zucker, d'Wagedächer von der Isebah Löcher henn odder sunscht e’ Malör passiert, das d’Lebensmittelusgab verhindert? Glaubt nur sicher, ihr liebe Litt, d'Redakteur krakele au wie d'Rohrschpatze, wenn's grad emol nit glt, was vom Ernährigsamt schwarz uff wieß ah- kündigt isch. Eure Beschwerde, liebi Leser, mien-er also mit-em Ernährigsamt, mit der Isebah, mit-em Herrgott odder mit sunscht ebberm usmache. Wir wasche do d'Händ mit viel größerem Recht in Unschuld wie domols der Pilatus selig. Keiner wird sunscht aber im allgemeine sage könne, daß mer e' Blatt vor’s Mul nemme, wenn’s gilt, uff Mißschtänd hiz'weise. Des het unser Zittig, ’s „Volk", ln ihrem eijährige Beschtehe doch schun menkmol bewiese un wird au künftig dernoch handle un wir bitte euch, liebi Leser, uns au in Zuekunft treu z*bliebe un durch euri Mithilf defür z’sorge, daß unser Blatt e' wahr's Volkablatt isch und bliebt. G. B. ..Wir helfen mit!“ Unter diesem Motto werden am Samstag, 5. Juli, etwa 150 Mitglieder der „Freien Jugend“ am Wiederaufbau der Stadt Freiburg teilnehmen. Aber nicht nui Freiburger FJ-ler wollen mithelfen, sondern aus den heügeofiebenen Städten und Orten Badens, aus Baden-Baden. Weil, Lörrach, Schopfheim, Zell, Rhein, f e 1 d e n und W a 1 d s h u t werden die FJ-ler in kleinen Gruppen dach Freiburg kommen, um an der Aufbauaktion teilzunehmen. Dies ist ein . schöner Beweis für die Solidarität der Jugend und ihren Willens, aus der Not einen Ausweg zu bahnen. Jungen und Mädel von Freiburg! Wollt Ihr Erch beschämen lassen und abseits stehen? Unsere einstmals so schöne Stadt soll neu erstehen; deshalb helft auch Ihr mit! Meldet Euch bis spätestens Freitag, 4. Juli auf dem Landessekretariat der „Freien Jugend", Freiburg, Klarastr. 62. Jeder Teilnehmer erhält am Samstag volle Ver. pflegung. Die Teilnahme wird auf den Pflichtschipptag angerechnet. Das Ganze geht zudem unter Musikbegleitung vor sich. — Am Sonntag- vormittag werden die auswärtigen Jugendfreunde die Stadt Freiburg besichtigen: ferner findet am Nachmittag und Abend eine Unterhaltungs- und Tanzveranstaltung für alle Teilnehmer statt Zunahme der Kartoffelkäferlarven ln einem Vortrage über praktische Kartoffel- kälerbekämplung behandelte Dr. Engel vom Badischen Landwirtschaftsministerium, Abt. Pflan- zenschutzdienst, eingehend alle mit dieser wichtigen Frage zusammenhängenden Probleme und erörterte dabei außer der Bekämpfung mit chemischen Mitteln auch die biologische Bekämpfung. Dem Vortrage folgte eine eehr interessante Aussprache, an der sich in erster Linie die Mitglieder der Kartoffelkäferforschungskommis* sion der Universität Freiburg, Geheimrat Prof. Dr. Uhlenhut und Prof. Dr. Merker vom Forst» zoologischen Institut der Universität, ferner Direktor Dr. Kette vom Pllanzenschutzamt und Dr. Engel beteiligten. Leider ließ die Zahl der geladenen Gäste zu wünschen übrig, obwohl die Kartoffelkäfergefahr noch keineswegs beseitigt ist. Das beweist am besten das Ergebnis der Suchtage vom 18. und 25. Juni. 180000 Kartoffelkäfern, 330000 Larven und 130 000 Eigelegen am 18. Juni stehen 73000 Kartoffelkäfer, 780000 Larven und 24000 Eigelege am 25. Juni gegenüber, Die Larven, die somit erheblich zugenommen haben, sind mit einprozentiger Kalkarsenoder zweiprozentiger Gesarolspritzbrühe zu ver. Nichten. Verwendet man Stäubemittel (Gesarol, Nexit), so sind diese mit Hille eines Gazebeutels oder Seidenstrumpfes hauchdünn auf die Pflanzen aufzutragen. Wasserzins- und Hausgebühren Zu der vor kurzem erschienenen amtlichen Bekanntmachung des Bürgermeisteramtes vom 5. Mal 1947 über Wasserzins- und Hausgebühren teilt das Gas- und Wasserwerk noch mit: Durch die Zerstörung der Innenstadt und die Folgen des Krieges ist ein großer Teil der Freiburger Bevölkerung mit selbständigen Haushaltungen als Untermieter in andere Wohnungen eingewieaen. Da diese in Untermiete wohnenden selbständigen Haushaltungen bisher der Wasserveranlagung nicht unterlagen. entstand bei gleichbleibendem Wasserkantingent durch die Zusammendrängung ein erhöhter Wasserverbrauch. Für diesen Wassermehrverbrauch mußten Wasser-Mehrverbrauchsrechnungen ausgestellt werden, die vom Hauseigentümer selbst getragen oder aut die einzelnen Wohnungsinhaber umgelegt werden mußten. Nach der amtlichen Bekanntmachung vom 5. Mal 1947 werden rückwirkend vom 1. April 1947 ab dl« Wasserzins- und Hausgebühren auch für die in Untermiete wohnenden selbständigen Haushaltungen erhoben. Der Zuschlag beträgt für jede selbständige Haushaltung ln Untermiete 99 Prozent des Satzes, den der Hauptmieter bisher bezahlt bat. Der Gesamtbetrag wird vom Hauptmieter erhoben, der Um anteilig auf die Untermieter umlegen kann. Gleichzeitig wird auch das xustehende Wasssrkon, Ungent entsprechend erhöht Da e« dem Wasserwerk nicht möglich lat, all« Änderungen ln der Berechnung gleichzeitig vorzunehmen, werden die ab 1. April 1947 zu zahlenden Beträge bei der neuen Veranlagung nacherhoben. — Der Wassermehrverbrauch, der sich auch nach erfolgter Erhöhung der zuständigen Verbrauchsmenge noch ergibt, wird wie früher dem Hauseigentümer zwecks Umlage ln Rechnung geateiit. Das Wasserwerk wird in bestimmter Reihenfolge jedem Hauseigentümer eine Anmeldung zusenden und mit ihm die Fragen persönlich besprechen. Um die Wasserversorgung im Sommer zu gewährleisten, bittet das Gaswerk dringend, jeden überflüssigen Verbrauch zu vermeiden. Nach den örtlichen Feststellungen des Wasserwerks sind die undichten Hähne und Armsturen in Küche und Spülklosett die Hauptursache für die Wassermehrverbrauchsrechnungen. Das Spritzen der Gärten mittels Schläuchen ist. wie in vergangenen Jahren, auch dieses Jahr untersagt. Es wird gebeten, beobachtete Wasserrohrbrüche beim Gas- und Wasserwerk, Rotteckstr. 1, Zimmer 15, zu melden. Ein DoppeljubUäum 35 Jahre besteht am 3. JuU die Buchdruckerei Th. Kehrer, Inh. Otto Kehrer, Freiburg. Der Gründer der Firma, Theodor Kehrer, feiert am selben Tage sein 50jähriges Berufsjubiläum. Aus Anlaß de* Geachäftsjubiläums findet am Freitag, 4 . JuU, ein Belegschaftsabend statt. Hetmatspori Freiburger Leichtathletik-Bezirksmeisterschaften Im Freiburger Mösiestadton wurden am Sonnt« die Bezirkaroeisterachaften der Leich athleten durchgeführt. zwölf Vereine hatten ( Teilnehmer entsandt, die 143 Meldungen erfüllten. B folgreichster Verein bei den Männern und Frauen w« Fortuna Freiburg, während bei der Jugen Emmendingen, Teningen und K e n z 1 a gen im Vordergrund stehen. Besonders beachte» werte Leistungen vollbrachten Schilling, Fortuna Fre bürg, im Hochsprung der Frauen mit 1,40 m und Lav ter, Fortuna Freiburg, im Kugelstoßen der Fraue mit 10,18 m. BeachtUeh ist auch der Weitsprung de 18 jährigen Köbele aus Kenzingen mit 5 50 m, der übr gens auch die _ 75 m und das Kugelstoßen gewinne konnte. Die Siegerliste hat folgendes Aussehen; Männer: 19 9 m: Wolters, Fortuna Freiburg, 11 Sek. 3 90 m: Schwelgier, Fortuna, 23.3 Sek. 499 0 Döring, Fortuna, 53.4 Sek. 15 00 m: Müller, Fortum 4.28.4 Min. Weitsprung: Maier. Riegel, 9.23 n Hochsprung : Rönseh, ASV Freiburg: Harsberg« Müllheim, beide 1.03 m. Kugelstoßen: Zeile Niederhausen, 10,03 m. Diilcui: Rüger, Mülihein 33,69 IN. Jugend (männlich A): 10 0m: Widmann, Fortu-r Freiburg, 12.7 Sek. 10 0 0 m: Kranzer, Endingen, 2.06 Min. Weitsprung: Kiefer, Emmendingen, 5,25 n h ochsprung: 1 42 m. Kugelstoßen: Mu *eri Kenzingen, 9,9« m. Speer: Mutter, Kenzingei «,50 m. - Jugend (weiblich A): 100 m: Sillmani Teningen, 15.0 sek. Weitsprung: Sillmann, Tenir gen, 3,7« m. Hochsprung: Slebler, Müllhein 1,00 m, Kugelstoßen: SUImann, Teningen, 0,24 n Abendveranstaltung der Fortuna Am vergangenen Samstag führte die Fortuna eine Abendveranstaltung durch, die von zwei Handballspielen und einem Fußballtreffe» ausgefüllt war. Die erste Handballmannschaft schlug den SV Emmendingen I mit 10 : 6 Toren, während Fortuna H gegen Blau-Weiß I mit 8:« Toren erfolgreich blieb. Die abschließende Fußbailbegegnung zwischen den Senioren der Fortuna und den Sportfreunden Betzenhausen endete mit 3:1 zugunsten der Fortuna. Radiportverein Freiburg Am Freitag, 4. Juli, 20.15 Uhr, findet im Gaat- haus zum Stühlinger, Ecke Klara- und Engelbergerstraße, die Generalversammlung des Radsportvereins Frei bürg statt Das Erscheinen jede» Sportkameraden ist unbedingt erforderlich. An« Partei und Gewerkschaften Freiburg. Mittwoch, 2. JuU, 30 Uhr, MitgUedflf- versammlun* der Gewerkschaft der Bauarbeiter UB Gewerkschaftshaus (Wirtschaftsraum). Seite 8 — Nummer 52 Mittwoch, 2. Juli 1947 •f-y Ungültigkeit der Reisepässe Mit sofortiger Wirkung werden für das Land Baden — französisches Besatzungsgebiet — die deutschen Reisepässe bote an Richard Walter, Lörrach Stetten Basler Straße 1. Tüchtiger Reifenmonteur auf sof. ges Oberbad. Reifendienst Jost, KG. Lörrach 2, Tullastraße 8. Friseurgehilfe, tüchtige Kraft, auf sof gesucht. W. Haubensak, Lörrach Wallbrunnstraße 4. Einige tücht. Kraftfahrzeugschlosser, einige Hilfsarbeiter zur Mithilfe bei Demontage u. Montage sowie einen Kraftfahrer mit Führersch. Mb u. Mlb für uns. Automobil-Reparaturwerkstätte ges. 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Am Sonntag, 6. Juli 1947, 9 Uhr. Orchestermesse in C-dur von Rheinberger. Dreikönigsaal in Emmendingen. Am Freitag, 4. Juli, 20.30 Uhr, Singspiel- Abend „Damals in Wien", nach dem Alt-Wiener Singspiel „Brüderlein fein", Musik von Leo Fall, Text von Julius Wilhelm, Im Laufe der Handlung Arien, Lieder und Duette von Mozart. Schubert, Kreutzer, Johann Strauß u. a. Regie und Bühneneinrichtung: Änne Wegritsch. Es wirken u. a. mit: Edelgard von Heuduck (Sopran), Eduard König (Bariton), Sepp Selos (Tenor), Inge Keil (Soubrette), Anneliese Günderd (Schauspielerin), Willi Rieger (am Flügel u. musikal. Leitung) und ein Streichquartett. Ein gemütvoller Abend voll klingender, schwingender Musik im Wien des letzten Jahrhunderts. Kartenvorverkauf: Blum, Lammstraße 14. Casino-Lichtspiele. Bis einschl. Donnerstag, 3. Juni, das große russische Fiimwerk in deutscher Sprache: „Zirkus“. Mit L. Oriowa, S. Stoi- jarew, B. Wolodin, E. K Meinikowa. Neueste IFA-Wochenschau. Jugeid- verbot bis 16 Jahre. — Ab Freitag, 4. Juli, ein spritziger Film: „Der Ochsenkrieg“, mit Elfriede Datzig, Paul Richter, Willi Rösner, Fritz Kam. pers u. a. Neueste FIA - Wochenschau. Jugendverbot bis 16 Jahre. Spielzeiten: Montag: 14.15, 16.30, 18.45 und 21 Uhr; Dienstag bis einschließlich Samstag: 14.15, 16.30 Uhr; Sonntag: 10, 12, 14.15 und 16.30 Uhr. Harmonie-Lichtspiele. Nur noch bis mit Donnerstag: „Der Graf von Monte Christo“. 1. Teil. „Der Gefangene auf Kastell 7f Das große romantische Filmwerk In 2 Teilen nach dem weltberühmten Roman von Alexander Dumas — Ab Freitag: „Die Vergeltung *. 2. Teil und Ende des groften romantischen Filmwerks „Der Graf von Monte Christo“. Jugendfrei. Täglich: 14.T5, 16.30, 18.45 Uhr; Dienstag, Mittwoch und Freitag auch abends 21 Uhr, Vorverkauf täglich von 10—12 Uhr. Union-Theater. Nur noch bis mit Donnerstag: „Hinter Haremsgittern“, Das Abenteuer einer schönen Frau in Marokko. Eine romantische Luxusschöpfung, mit imperio Argentina. Jugendfrei ab 14 Jahre — Ab Freitag: „Ich bin gleich wieder da". Ein entzückendes Filmlustspie! mit Paul Klinger, Mady Rahl, Ursula Grabley, Rudolf Platte, E. Waldow. Jugendfrei. Täg'ich. 14.30, 17, 19.30 Uhr. Vorverkauf täglich ab 13 Uhr. Friedrichsbau-LichtspieJe Bis einschl. Donnerstag, 3. Juli, zeigen wir den atemraubenden Kriminalfilm: „Mord in der Rue Picpus“. In deutscher Sprache Darsteiler: Albert Pröjean, Juliette Faber, Jean Tissier. — Ab Freitag 4. Juli, der russische Film: „Stürmischer Lebensabend", in deutscher Sprache. Darsteller: NikolaJ Tscherkassow, M. Domaschewa. jugendverbot bis 16 Jahre. Montag, Dienstag, Mittwoch, Freitag jeweils 14.15 und 16.30 Uhr, Donnerstag und Samstag nur 14,15 Uhr. Vorverkauf täglich. Union-Tonfilm Theater Lörrach / Walh brunn-Uchtspieie Lörrach. Von Freitag, 27 Juni bis mit Donnerstag, 3. Juli 1947: Tino Rossi, der beliebt# lyrische Tenor m dem deutschsynchronisierten Filmwerk „Im Fieber der Liebe“ (Fiövres). Ein Filmwerk von tiefstem menschlichen Erleben. Tägl.: 14.30. 16.45 19 Uhr. Mittwoch. Samstag und Sonntag auch 21 Uhr. lugendverbo* bis 16 Jahre Lichtspiele Welt a. Rh. Bis e?nschiieW. Donnerstag, 3 Juli* „Christine** (L'ömigrante) Das Leben u. Schicksal einer großen Abenteurerin, mal« sterhaft dargestellt durch Edwigg Feuiltere. Mit deutschen Untertiteln. Die neueste IFA-Wochenschau. JtP gendve r bot bis 16 Jahre. Werktage 20.30 Uhr.