aslSoßi Samstag, den 19. Juli 1947 Nummer 57 2. Jahrgang Fultill i » ErsAeinangstaje Mittwoch und Samstag / Einzel* preis 20 Pf./ Monatsbezagspreis KM 1.60 einschiieß- li<& TrSgerlohn, durch die Post bezogen KM 1.84. Anzeigen lnat Tarif gegen Kennkartenausweis. Nr r 2816 eS B^kvIrh, n 5° Zi ® li,ti ^ e ? J er L** , Fr i^ ur >* ?' m \ b H - Fr«il>urg L Br.. Kaiser-Joseph-Strafie £!» 2 ~,r; “ankTerbindungen: Deutsche Bank, Filiale Preifeurg; ;l **-*“*-^^ ^ a « » Öffentliche Sparkasse Freiborg i. Br (StädtisAe Sparks sse); ' Konferenz ohne Enttäuschung Außenminister Bidault: „Eine Atmosphäre des festen Willens und des gegenseitigen Verständnisses' , P 1 * Pariser Konferenz hat schnelle und gründ- uche Arbeit geleistet. Sie hat sich nicht vH* andere Konferenzen der letzten Zeit in langwierigen, zeitraubenden Besprechungen verloren, sondern sie ist vom ersten Tage an sofort auf das Kernproblem hm vorgestoßen, wie nämlich die Voraussetzungen für eine praktische wirtschaftliche Zusammenarbeit f™ - 16 europäischen Nationen geschahen werden könne, die der Einladung Bevins und Bidaults ge folgt waren. Schon in den ersten Tagen würden vier 5 a ch a usschüsse gebildet, die eine Bilanz des „W irtschaftsbedarfs und der verfügbaren Hilfsquellen aufstellen sollen. In dem Ernährungs- und Landwirtschaftsausschuß sind Dänemark, Frankreich, Griechenland, Irland, Bauen, Holland und Großbritannien vertreten, im Eien, und Stahlausschuß Frankreich, Luxemburg, Norwegen, Großbritannien und die Türkei, im Ausschuß für Energie - und Brennstoff angelegenheiten die Vertreter Österreichs, Belgiens, Dänemarks, Frankreichs, Griechenlands, Italiens, Großbritanniens, Schwedens und der Schweiz. Ein Kooperationsausschuß setzt sich aus Vertretern von Großbritannien, Frankreich, Italien, Norwegen und Holland zusammen. Schließlich wurde die Bildung eines internationalen Generalsekretariats für wirtschaftliche Zusammenarbeit beschlossen, zu dessen Leiter der französische Delegierte Claude Bouchinet- S e r r u 11 es ernannt wurde. Dieser Ausschuß hat am 16. Juli seine Arbeit aufgenommen. Am 15. Juli fand die letzte Vollsitzung der Delegierten statt. Auf ihr gaben die Vertreter der 16 Nationen ihre grundsätzliche Stellung zu der bisher geleisteten Arbeit ab. Zu Beginn der Sitzung wies der britische Außen minister B e v i n darauf hin, daß in dem am Sonn tag angenommenen Bericht über die Organisation der Konferenz die Anmerkung „mit vorübergehender Ausnahme von Spanien“ unterlassen worden ist. Diese Ausnahme müsse beibehalten werden, womit sich die Delegierten einverstanden erklärten. Der belgische Ministerpräsident Spaak dankte im Namen der BENELUX (belgisch-niederländisch- Iuxemburgische Zollunion) der amerikanischen Regierung für die Vorschläge Marshalls und der britischen und französischen Regierung für die rasche Einberufung der Konferenz. Spaak erklärte, daß Belgien, Holland und Luxemburg Zusammenarbeiten werden. „Ich habe so viel über nationale Souveränität reden hören. Belgien und auch Holland und Luxemburg werden diese nationale Souveränität zur Zusammenarbeit benutzen.“ Es gebe zwei Aufgaben, nämlich die Lösung der unmittelbaren Proteine und die Lösung wirtschaftlicher Probleme auf lange Sicht. Spaak empfahl, man solle klar zum Ausdruck bringen, daß nach Erledigung der Sofortprobleme auch weiterhin gemeinsam an der Lösung der wirtschaftlichen Probleme auf lange Sicht gearbeitet werden soll. Die Konferenz müsse den Vereinigten Staaten beweisen, daß sie einen Weg zu gemeinsamer und koordinierter Planung gefunden hat. Sie müsse zeigen, daß Europa ernstlich gewillt ist, den Umfang des Handelsaustausches zwischen den europäischen Ländern zu steigern. Darauf nahm der französische Außenminister B i d a u 11 das Wort zu einer Erklärung. Er führte aus: „Die Pariser Konferenz scheint durch zwei besondere Merkmale gekennzeichnet zu sein, und zwar an erster Stelle durch die Atmosphäre des guten Willens und des gegenseitigen Verständnisses, die nicht nur in der Vollversammlung sichtbar ist, sondern auch durch die ungewöhnliche Schnelligkeit erkennbar wird, mit der das Pensum erledigt wird.“ Dies sei ein gutes Vorzeichen für das Tempo bei der Erledigung der bevorstehenden schweren Aufgaben. Die augenblicklichen Besprechungen seien außerdem „ein Beispiel für eine Konferenz ohne Enttäuschung“. Das sollte nicht nur die Anwesenden, sondern auch die Abwesenden ermutigen. Für Frankreich sei es eine Ehre gewesen, Gastgeber einer solchen Konferenz zu sein. Die in Paris versammelten Völker Europas, so fuhr Bi dault fort, haben in der Welt ein dreifaches Beispiel gegeben: erstens wurden Staaten, die sich seit langem nicht mehr begegnet waren, wieder zusammengeführt, zweitens wurde eine Konferenz abgehalten, die endlich mit keiner Enttäuschung endet, drittens wurde im Bereich der Möglichkeit bewiesen, daß es mit gutem Willen möglich ist, schnell zu arbeiten und zum Ziel zu gelangen. Die Auffassung Italiens Der italienische Außenminister Graf Sforza erklärte, das neue Wort BENELUX sei in einer Welt voller Verzweiflung ein Beispiel für alle. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Zeit kommen werde, in der alle Länder der Welt für die guten Beziehungen zu ihren Nachbarn ein Wort wie BENELUX prägen. Sforza dankte Bidault, daß er sich auf dieser Konferenz für Italien eingesetzt habe. Dem italienischen Volk werde er sagen, daß die Flamme der Hoffnung und des Vertrauens wieder leuchtet. Die dritte Vollsitzung der Konferenz schloß mit einem Dankeswort ihres Präsidenten B e v i n an das Gastland Frankreich und mit dar Feststellung, f' & daß mit den bisherigen Arbeiten die Grundlagen für die weitere aufbauende Arbeit der Zukunft gelegt seien. „Ich denke, wir können die Konferenz mit der Überzeugung verlassen, daß die Länder der Welt den ehrlichen Wunsch haben, miteinander übereinzustimmen, wenn man ihnen dies gestattet. Ich bin sicher, daß der Kooperationsausschuß seine Arbeit in diesem Geiste durchführen wird.“ Am Abend des 15. Juli bereiteten sich die Delegierten der 16 Staaten auf die Heimreise vor, vier Tage nach Beginn der Besprechungen — eine Rekordzeit für eine internationale Konferenz nach dem Kriege. Die Delegierten lassen Fachleute in Paris zurück, die die wirtschaftlichen Hilfsmittel Europas und den. Umfang der benötigten Hilfe abschätzen sollen. Man rechnet damit, dal diese Fachleute sich b i s Ende August in Paris aufhalten werden. Ihr Bericht an die amerikanische Regierung soll bekanntlich bis zum 1. September fertiggestellt sein. Bevin hatte nach Beendigung der 3. Vollsitzung eine anderthalbstündige Unterredung mit Bidault. Das Weltecho der Pariser Konferenz England: Die Notwendigkeit gegenseitiger europäischer Hilfe klar herausgestellt Die Londoner Zeitungen vom 17. Juli befassen sich eingehend mit den Aussichten für die wirtschaftliche Aufrichtung Europas. „Es dürfte feststehen“, meint in auf Grund der ihm zugeleiteten Baden-Baden. Lord PakenhamJ Ernteschätzungen errechnet, fm der britische Minister für deutsche Angelegenheiten, int am Iß, Juli in Baden-Baden eingetroffen. In seiner Begleitung befand sich der parlamentarische Privatsekretär für deut •che Angelegenheiten, Jack Jones. Lindau. Die Bevölkerung des Kreiset Lindau kann demnächst mit kleineren Zuteilungen von Süßstoff rechnen, nachdem die chemisch-pharmazeutische Fabrik Hans Klammer, Libowerk GmbH, dessen Herstellung aufgenommen hat. Der Umfang der monatlichen Erzeugung des Werkes, das eine Belegschaft von 80 Mann hat, beläuft sich vorerst auf 250 kg. In absehbarer Zelt können über das Kreisgebiet hinaus auch Südwürttemberg und weitere Gebiete mit Süßstoff beliefert werten. Britische Zone: Hannover. Die Flüchtlingslager seien eine Kulturschande, erklärte Frau Puchs, die Staatskommissarin für das Flüchtlihgs- wesen in Niedersachsen vor dem Niedersächsischen Landtag. Frau Fuchs führte aus, die Menschen seien ln den Lagern viel schlechter untergebracht, als das Vieh bei den Bauern. In der Flüchtlingsdebatte vor dem Landtag gab die Staatskommissarin an, in Nledersaehsen lebten gegenwärtig etwa 20 000 Menschen in Massenlagem und trotz der Grenzsperre kämen monatlich noch etwa 3000 Flüchtlinge im Lager ülzen an. Dortmund. Nach Einbringung der Gersteernte hofft die Brauindustrie der britischen Zone auf Genehmigung aur Herstellung eines Dünnbieres mit 1,0 Prozent Alkoholgehalt. Augenblicklich wird in der britischen Zone für die deutsch« Bevölkerung in den Brauereien lediglich ein alkoholfreies Getränk hergestellt. Russische Zone: Berlin. Der Intendant de« unter sowjetischer Kontrolle stehenden Senders Berlin, Max 3eydewitz, Mitglied der SED, soll die meisten Aussichten haben, an stelle des verstorbenen Dr. Friedrich zum Ministerpräsidenten von Sachsen ernannt zu werden. Max Seyde- witz war vor 1933 Mitglied des linksgerichteten Flügel« der Sozialdemokratischen Partei. Er war Mitglied de« sächsischen Landtages und Chefredakteur der „Chemnitzer Volks- Stimme". Amerikanische Zone: Berlin. 500 internierte Nazis des Lagers Regensburg ln der amerikanischen Zone haben den deutschen tAgerchef mit Steinen beworfen und ihn als Verräter beschimpft, weil er die durch Kundgebungen gegen die Besatzungsbehörden gestörte Ordnung wieder herzusteilen versuchte. Die Nazis protestierten gegen das Verbot, Besuche zu empfangen. Diese Maßnahme wurde getroffen, um die Ausbruchsversuche zu verhindern, die in letzter Zeit ein beunruhigendes Ausmaß angenommen hatten. Die amerikanische Militärpolizei mußte aufgerufen werden, um den Unruhen ein Ende zu setzen. Schließlich kündigte die amerikanische Militärregierung an, daß sie deutsche Besuche aus anderen Zonen wieder gestattet. Kassel, Nur noch 660 Kalorien können nach Ansicht unterrichteter landwirtschaftlicher Kreise im gegenwärtigen Erntejahr im Lande Hessen aus der eigenen Ernte aufgebracht werden, wenn die diesjährige Ernte gegenüber dem Vorjahre einen Minderertrag von 30 Prozent bringt. Der Min- derertrao von 30 Prozent wurde vom hessischen Landwirtschaftsminister Karl Lorberg amtlichen Erntejahr 1940/47 entfielen von den 1550 Jedem Normalverbraucher zugemessenen Kalorien 958 auf die eigene Ernte im Lande Hessen, während 1932 3300 Kalorien erzielt wurden. Der Bürgerkrieg in Griechenland (Fortsetzung von Seite 1) der internationalen Brigade, aut Freischärlern und aus Kommunisten." Er fuhr fort: „Wichtige Persönlichkeiten der griechischen kommunistischen Partei befinden sich in Albanien und Jugoslawien, um eine Rebellenregierung aufzustellen und gegebenenfalls ihren Sitz in die Gegend der jetzigen Offensive zu verlegen.” Dendramis wies abschließend darauf hin, daß die von der Untersuchungskommission der Vereinten Nationen gemeldeten Zustände auf dem Balkan sich erheblich verschlimmert haben, und verlangt vom Sicherheitsrat, dieser Solle sein Möglichstes tun, damit die von dieser Kommission «ingebrachten Vorschläge bestätigt werden. Der stellvertretende Ministerpräsident und Außenminister Constantin Tsaldaris, der sich zur Zeit in Neuyork aufhält, hat die griechische Regierung davon in Kenntnis gesetzt, daß die amerikanische Regierung eine Erhöhung der Effektivstärken der griechischen Armee billigt und für die Kosten Ihrer Ausrüstung und Unterhaltung aufkommen wird. Tsaldaris fügte hinzu: eine Entsendung amerikanischer Truppen nach Griechenland kann nicht in Frage kommen, den die Vereinigten Staaten wünschen lm Rahmen der Charta der Vereinten Nationen zu bleiben. Wenn jedoch da* russische Veto eine gespannte Lage schaffen würde und die Organisation der Vereinten Nationen gegenüber diesen Ereignissen machtlos wäre, lö würde die Regierung der Vereinigten Staaten Mittel finden, um dieser Lage Herr tu werden. Pressestimmen zur griechischen Frage Die Lage in Griechenland lieht ernst aus, schreibt die „New York Times" in einem Leitartikel, der befürchtet, daß dieses Land „der Schauplatz eines internationalen Konflikts werden könne, in dem Griechenland ein zweites Spanien wird," Gerade in solchen Situationen müßte die Organisation der Vereinten Nationen elngrei- fen, so urteilt die Zeitung, notfalls auch unter Anwendung von Gewalt. Unglücklicherweise, so stellt der Verfasser des Leitartikels fest, hat die Einsetzung einer Grenzkommission, die vom Sicherheitsrat empfohlen wurde, sofort Einwände von seiten der Sowjetunion hervorgerufen. Der Leitartikler schließt mit folgenden Worten: „Es Scheint, daß eine Entscheidung nicht länger hinausgezögert werden darf, wenn nicht das Prestige der Vereinten Nationen eine empfindliche Einbuße erleiden Soll." Der „Daily Telegraph" schreibt: „Des Was Bevin in der Unterhausdebatte über Griechenland sagen wollt«, ist, daß die Unruhen in Griechenland von den Nachbarländern, die alle Satelliten-Staaten der Sowjetunion sind, provoziert wurden." Wo* macht das Wetter ? Vorerst noch stärkere Quellbewölkung mit OrttUtl gewittrigen Regenschauern. Dabei tritt leichter Tem- peraturrMtgang auf. Zum Ende des Vorherssgezeit- raum« wieder Bewölkungaabnahme und sommeriUfi warm. — wettertutsicnten bis DMostatabenai Daa europäische Hochdruckgebiet hat »einen Schwerpunkt nach Nordskandinavien verlagert. Dabei bildet *1A aber Westeuropa eine Rinne tiefen Drucke» aus, mit der feuehtkühle Meere»luftma**en auf dem Kohttnent Vordringen. Hierbei kam e* verbreitst su örtliche» GÄWitwa. S»n»tag. 19. JuK 1947 &*J3oR Nummer 57 — Seite 3 Gesundungsplan für die Wirtschaft Sicherung ausreichender Ernährung — Verbesserung de r Kohlen Versorgung _ Währungsreform ErnÄhrun 9> di e Hebung und europäische Produktion auf eine gesunde der deutschen Kohlenversorgung,’ die Rohstoff- oeschanung und eine Reform der Währung sowie des kreis- und Steuersystems sind die Hauptpunkte eines Planes, der von dem Zwei- sonen-Verwaltungsrat für Wirtschaft und dem Verwaltungsrat für Ernährung und Landwirtwirtschaft gemeinsam ausgearbeitet und der britischen und der amerikanischen Militärregierung zugeleitet wurde. Der Plan weist in seinen einleitenden Worten den Vorwurf mangelnder Initiative zurück, der wiederholt gegen die deutschen Verwaltungsstellen erhoben worden ist. Die deutschen Regierungsstellen seien vielmehr gar nicht in der Lage gewesen, ®uch nur die grundlegenden Voraussetzungen für eine Gesundung des deutschen Wirtschaftslebens zu Schaffen. Zur Lösung der bisher .mehr oder weniger zusammenhanglos durchgdführten Hilfsmaßnahmen wird ein großzügiger Gesundungsplan gefordert. Dieser sieht vor allem die Sicherung einer ausreichenden und gleichmäßigen Ernährung durch die Einfuhr des unerläßlichen Zusatzbedarfs, im besonderen an Getreide und Fett sowie die Verbesserung der deutschen Kohlenversorgung durch eine Revision der Kohlenexportquote vor. Zur Entlastung des deutschen Transportwesens müßten die Abnehmer den für die Kohlenausfuhren benötigten Transportraum selbst zur Verfügung stellen. Durch einen ausreichenden Kreditspielraum und eine selbständige Gestaltung der deutschen Außenhandelsbeziehungen sollen dem Plan zufolge größere Rohstoffeinfuhren zur Stärkung der deutschen Produktionsfähigkeit ermöglicht werden. Der Kaufkraftüberhang müsse durch eine baldige Währungsreform beseitigt und durch eine gleichzeitige Revision der Steuergesetzgebung der Wille zur Arbeit und zum Sparen gefördert werden. Abschließend erklären die Unterzeichneten (die acht Wirtschaftsminister und die Minister für Ernährung und Landwirtschaft der Länder beider Zonen sowie die Vorsitzenden des Zwei- zonen-Wirtschafts- und des Ernährung*- und Landwirtschaftsrates) unter Hinweis auf ihre bisherige angestrengte Arbeit: „Unser Verantwortungsbewußtsein gebietet uns, mit letztem Ernst und Nachdruck darauf hinzuweisen, daß diesem Bemühen ein Erfolg nur dann beschie- den sein kann, wenn die Besatzungsmächte ihrerseits . die unerläßlichen Maßnahmen ergreifen, die nur sie allein durchzuführen imstande sind." 300 000 Tonnen Ruhrkohle täglich vor Jahresende? Der britische Produktionschef der norddeutschen Kohlenkontrolle, H. E. Collins, der nach London zurückberufen wurde, um dort das Amt des stellvertretenden Leiters des britischen Kohlenamtes zu übernehmen, hob auf einer Pressekonferenz die gute Mitarbeit der deutschen Arbeiter und Verwaltungen beim Wiederaufbau der deutschen Kohlenförderung hervor und erklärte: „Jeder erreichte Erfolg war ein Erfolg unserer Zusammenarbeit." Unglückliche Umstände hätten jedoch einen weiteren Anstieg der Förderung verhindert. Unter Hinweis auf die Besprechungen der Norddeutschen Kohlenkontrolle mit dem amerikanischen Landwirtschaft*- und dem Handelsminister unterstrich Collins: „Ich bin jedoch sehr hoffnungsvoll, daß einer der Hauptfaktoren, nämlich die Ernährung, in Zukunft sichergestellt sein wird. Falls die Förderung in dem während der vergangenen Wochen verzeichnten Ausmaß weiter ansteigt, wird die Tagesförderung nach Ansicht des bisherigen Produktionschefs noch vor Jahresende auf 300 000 Tonnen gebracht werden können. Bei einer Verbesserung der Lebensmittelversorgung werde die Förderleistung sogar wieder den Stand von 1938 erreichen. Von deutscher und britischer Seite würde mit allen Anstrengungen auf dieses Ziel hingearbeitet. Diese Steigerung könne dazu beitragen, die gesamte deutsche Grundlage stellen. Auf die Frage, wie eine etwaige amerikanische Anleihe für den Ruhrbergbau am zweckmäßigsten verwendet werden soll, erklärte Dr. Collins, die Zechen benötigen vor allem Stahl, Isoliermaterial für elektrische Anlagen und maschinelle Einrichtungen. Er wies darauf hin, daß die Bergbaumaschinen auch weiterhin im Ruhrgebiet hergestellt werden müßten. Die Norddeutsche Kohlenkontrolle und die deutschen Behörden würden alle notwendigen Angaben machen, um bei dem Anleiheangebot den Vorteil der Ruhr und Deutschlands wahrzunehmen. Mit dem Hinweis auf die Erklärung des amerikanischen Handelsministers Averell Harriman, daß die Vereinigten Staaten keinesfalls ihre Ideologie auf andere Länder und Völker übertragen wollten, beantwortete Collins eine Frage, ob von amerikanischer Seite irgendwelche Bedingungen einer politischen Einflußnahme gestellt worden seien. Für die Kohleveräorgung ist, wie Dr. Collins weiter erklärte, das Transportwesen ebenso wichtig wie die Förderung selbst. Im Augenblick könne man neben der laufenden Produktion von den Halden wöchentlich nur etwa 40 000 Tonnen abfahren. Es sei nicht erforderlich, monatlich zwei Tagesförderungen zur Deckung des Hausbrandbedarfes bereit zu Stellen, wenn die Produktion weiterhin stetig ansteige. Die Hausbrandversorgung könne dann auch ohne diese Maßnahme gesichert werden. Gewerkschaftsidee und Beamtenschaft Gerade in Zeiten der Not sollte die Beamtenschaft in den Gewerkschaften Mitarbeiten Unter schweren Geburtswehen ist die neue Zeit im Entstehen begriffen. Was in den vergangenen Jahren unter de r Diktatur des Naziregd- m*s auf organisatorischem Gebiete zerschlagen wurde, beginnt sich neu zu formieren. Aus der Erkenntnis, daß die vor 1933 zeitbedingte Zersplitterung de r Gewerkschaftsbewegung nach weltanschaulichen und parteipolitisch beeinflußten Richtungen eine Schwächung im Kampfe um die materielle und ideelle Wertung und Geltung der nichtbesitzenden schaffenden Menschen bedeutete, mußten die entsprechenden Schlußfolgerungen gezogen werden. Aus eigenem Antrieb und mitbestimmt durch den Weltgewerkschaftsbund, wurde die neue deutsche Einheit sgewerkschaftsbe we- g u ng gebildet, sobald die Möglichkeit hierzu gegeben war. Zunächst waren es nur wenige, die zielbewußt und vorwärtsstrebend an die neue Aufgabe herangingen, und zwar Menschen aus den verschiedensten früheren Gewerkschaftsrichtungen. Sie haben die Fundamente gebaut, auf denen sich, trotz der Nöte und Sorgen der gegenwärtigen Zeit, eine dem schaffenden Volke dienende neue Sozial- und Wirtschaftsform erheben soll. Nahezu 70000 Menschen haben sich bereits heute im Badischen Gewerkschaftsbund zusammengefunden und sind bereit, an der Lösung dieser Aufgabe mitzuarbeiten. Der größte Teil der Mitglieder des Badi- Gewerkschaften „Schuh und Leder" Zonenkonferenz in Rastatt Am 8. und 9. Juli fand in Rastatt eine Zonenkonferenz der Gewerkschaften „Schuh und Leder“ statt, zu der Funktionäre und Delegierte aus Südwürttemberg, Hohenzollern, Südbaden und Rheinland-Pfalz erschienen waren. Nach einer Begrüßungsansprache des Koll. Schuster aus Balingen, Vorsitzender des Landesberufsverbandes Südwürttemberg, wünschte Koll. W e h r 1 e im Namen des Ortsausschusses der Rastatter Gewerkschaften der Konferenz einen erfolgreichen Verlauf. Einen Bericht über die bisher in Südwürttemberg geleistete Arbeit der Gewerkschaften erstattete Koll. Schuster, nach dem die Vertreter der übrigen Länder und Kreise sprachen, mit dem Zweck der gegenseitigen Angleichung der Arbeit innerhalb der französischen Zone. Koll. Mettwich, der Gewerkschaftssekretär des Schuhmacherverbandes aus der Zeit vor 1933, sprach als Interzonenvertreter der Schuh- und Ledergewerkschaften über die bisherigen Konferenzen, vor allem über die letzte in Kornwestheim djrchgeführte Konferenz und hob hervor, daß erst nach dem Zusammenschluß der Gewerkschaften ein Beitritt zum Weltgewerkschaftsbund möglich ist. Koll. Wehrle berichtete über den Gewerkschaft saukbau im Kreis Rastatt und forderte nicht nu r gewerkschaftlichen, sondern auch wirtschaftlichen Zusammenschluß, vor allem mit Südwürt- temberg-Hohenzollern. Koll. Blum. Emmendingen, gab nach Schilderung der dortigen Verhältnisse seiner Freude darüber Ausdruck, daß es gelang, die Kollegen der Lederindustrie aus Südbaden zusammenzubringen und in einer Sonderbesprechung wurde die Gründung der Landesvereinigung Südbaden beschlossen. Nach Abschluß der Aussprache, an der sich alle Kollegen ausgiebig beteiligten, wurde festgestellt, daß auch die LedefgewerkSchaften der französischen Zone im Kampf um den demokratischen Wirtschaftsaufbiau schon große Arbeit geleistet haben, was auch aus den Ausführungen des Kollegen Beck, Worms, für Rheinland-Pfalz zu ersehen war. Aus den vorgelegten Unterlagen ging hervor, daß da, wo der Unternehmer die Mitarbeit der Betriebsräte und Gewerkschaften nicht nur zwangsweise duldet, sondern fördert und soziale Gründung einer Landes Vereinigung Südbaden beschlossen Betriebsvereinbarungen mit der Belegschaft ab- «cbließt, es trotz ungünstiger wirtschaftlicher Verhältnisse wieder aufwärts geht, da hierdurch die Arbeiter und Angestellten mehr wie bisher am Betrieb interessiert werden. Im weiteren Verlauf der Besprechungen wurde engere Zusammenarbeit innerhalb unserer Zone vereinbart und Koll. Schuster wurde mit der Federführung beauftragt., Dieser gab bekannt, daß am 29. und 30. September 1947 in Erfurt eine Interzonentagung stattfindet, zu der Mes Land einen Vertreter entsenden wird. Zusaimnen- fassend kann gesagt werden, daß auf dieser zweitägigen Konferenz für den weiteren Aufbau der Gewerkschaften und insbesondere der Berufsgruppe „Schuh und Leder“ erfolgversprechende Arbeit geleistet wurde. Wirtschaft kurz gemeldet Gegen die völlige Verwüstung des deutschen Waldes wird der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, wie auf einer Sitzung des nora- rfteinisoih-westfälischen Kabinetts beschlossen wurde, bei den höchsten Stellen der Besatzungsmadit Einspruch erheben. Der Plan eines neuen Erfassungssyst«ms landwirtschaftlicher Erzeugnisse in Nordrhein-West- falen. nach welchem jeder Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche nach seiner Ertragsfähigkeit mit einer Ablieferungsquote belastet werden soll, wurde vom Ernährungsminister Nordrhein-Westfalens, Heinrich Lübke, ausgearbeitet und liegt gegenwärtig dem Kontrollrat zur Genehmigung vor. Nach dem neuen Plan ergibt sich für jeden Hof ein Grundablleferungs- soll, das nach Getreidewerten als Einheitsnenner berechnet wird. Entsprechend der Höhe des Grundsolls werden die Höfe in verschiedene ErtragsklaSsen eingeteilt. Postlagernde Sendungen sind nadi einer Mitteilung der Zweizonen-Hauptverwaltung für Post- und Femmeldewesen in Frankfurt ab ersten Juli im Interzonenverkehr zugelassen. Auf der AuBenselte der betreffenden Sendung müssen der volle Name des Absenders, sein Wohnort und seine Wohnung augegehen sein. Im Zusammenhang mit der beabsichtigten Demontage der Krupp-Werke befürchtet man in unterrichteten Kreisen, daß damit auch einer Wiederaufnahme des Landmaschinenbaues in Essen die Grundlage entzogen wird. Werksleitung und Betriebsrat der Kruppschen Werkstatt, die heute Ersatzteile für Landmaschinen herstellt, haben deshalb bei den maßgebenden Stellen auf die Folgen einer Vernichtung diese* Fertigungszweiges hingewiesen. Sie hoffen damit Erfolg zu haben, zumal ein emp- flhdlicher Mangel an landwirtschaftlichen Maschinen besteht und die Werkzeugmaschinen dieses Betriebes ausschließlich friedlichen Zwecken dienen. • Jenseits aller Schlagworte: Max Liebermann zum 100. Geburtstag Als Adolf v. Menzel schon ein gefeierter Meister war, malte der junge Max Liebermann, fast gleichaltrig den Süddeutschen Hans Thoma und Leibi, seine ersten, noch konventionellen Bilder. Nach des Vaters Willen sollte er Philosophie studieren; er aber schwur auf Palette und Pinsel, nahm bei dem Berliner Pferdemaler Carl Steffeek Stunden, studierte dann auf der Weimarer Kunstschule bei dem Landschafter Friedrich Preller und dem Tiermaler Albert Brendel und ging als Sohn aus reichem jüdischem Hause auf Reisen (Belgien, Frankreich, Holland), um bald unter dem Einfluß von Charles Verlat und Millet mit großen Kompositionen Aufsehen zu erregen. Denn was er hervorbrachte, war nicht mehr und nicht weniger ein Revolutionsakt, sowohl stofflich als auch in der Form: statt Hoffestlichkeiten, dekorierte Generale und Ballsoupers abzubilden, hatte hier ein Grünschnabel der Kunst den Mut, „Gänserupferinnen“, „Kartoffelbuddler“ und „Koneervenmacherinnen“ mit fanatischem Wirklichkeitssinn auf die Leinwand zu bannen. Ein Unbestechlicher des Auges und des Herzens malte nicht mehr preußisch; er durchbrach, ein Teil freilich nur des allgemein einsetzenden Umbruchs, die heilige Tradition und fand als erster damals den Anschluß an Europa. Nach längerem Aufenthalt in München und Holland, wo Rembrandt und Franz Hals ihm zu tief« Erlebnissen werden und die impressionistisch leuchtenden Waisenhausbilder entstehen, 1884 in seine Berliner Heimat zurückgekehrt, entfaltete sich seine immense Kraft trotz des Inneren Widerstandes der wilhelminischen Ära. Sein Grundsatz: „Man muß ein Kohlfeld ,nd eine Madonna gleich gut malen“, seine künstlerische Maxime, daß die Schönheit eines Bildes, welchen Sujets auch immer, allein au« der schöpferischen Phantasie erwachsen könne, war zu unbürgerlich, als daß sich die Salons so schnell damit abzufinden vermochten. Mit unbeirrbarem Eigensinn, ganz sich selbst vertrauend, ging Liebermann seinen norddeutschen Weg, dessen wesentliche Stationen „Das Altmännerhaus“, das „Holländische Interieur“, „Die Flachsseheuer in Laren“, die „Frau mit Ziegen“, das „Polospiel“ und die „Netz- flickerinnen* und später, vom Beginn der neunziger Jahre ab, die Farbe und Zeichnung weich verschmelzend« Porträts seiner Eltern, Ger hart Hauptmanns, Rudolf Virchows, Friedrich Naumanns. des Bürgermeisters Peters«, Theodor Fontanes und Wilhelm Bode» bildeten — zu schweig« von einem an sinnlichen Reizen und schwebenden Nuancen reichen graphischen Werk. Um den besonderen Stil dieser Kompositionen, die sich die bedeutendsten Galerien in Berlin, Hamburg, Stuttgart, Leipzig, Wiesbaden usw. bald sicherten, zu deuten, können grobe Begriffe wie Naturalismus und Impressionismus wenig helfen. Wieviel Atmosphärisches schwingt da. in den graphischen Techniken beispielsweise, auf wenigen kargen, nervös tänzelnden Strichen mit! Die Erscheinung allein war ihm nicht das Wesentliche seines hoch- entwickelten Freiluftstils; nichts als Naturtreue wäre ihm zu arm, zu billig gewesen. Leidenschaftlich (bei aller intellektuellen Wachheit) versuchte er auch da» Gefühl sichtbar zu machen, jene ungreifbare Spannung, die zwischen den Dingen wirkt und webt. Er setzte das Impon- dsrabile in Optik um. mit einer malerischen Hingabe und lichtvoll fluktuierenden Kunst der Farbtönung, daß jede r Nebengedanke an „Tendenz“ davor verblaßt. Wenn er soziale Themen und Milieustudien bevorzugte, so war damit für Liebermann keine bestimmte politische Einstellung oder Absicht verbunden. Er war und wollte nichts anderes sein als ein Maler des Lebens. Ohne Scheuklapp« wandte er sich der lebendigen Natur zu. Das Kling-Klang-Gloria seiner Zeit berührte ihn so wenig wie Krieg und Revolution. Selbst der Farben- und Formentumult des mächtig heraufdrohenden Expressionismus konnte seine repräsentative Stellung als Präsident der Preußischen Akademie der Künste, eine Würde, die er mehr als zwölf Jahre bis 1932 inne hatte, nicht erschüttern. Den „Grandseigneur der deutschen Malerei* hat ihn damals einmal Erich Knauf genannt. Für Liebermann gab es in der Tat keine andere Obrigkeit als das künstlerische Gesetz in ihm. Es machte ihn, den Ur- Berliner, dem wie einst Menzel die Anekdoten üppig zuwuchsen, frei und unabhängig. Ohne Neid, ohne Voreingenommenheit sah er andere starke Begabungen neben sich zum Licht des Ruhms streben. „Als Kunstrichter bin ich verpflichtet, auch eine mir fremde Sprache verstehen zu lernen“, lautet eines seiner klar« Bekenntnisse, die den souveränen Geist ebenso bezeugen wie seine ein Stück deutscher und europäischer Malerei verkörpernden Werke. Aus dem ersten Weltkrieg stammt von Liebermann eine Lithographie „Judenmassaker“. Sie wirkt auf uns heute wie eine unbewußte Vorahnung des weitaus Ungeheuerlicheren, das einmal sein deutsches Vaterland beflecken sollte. Seine Entfernung vom Präsidentenstuhl im Jahre 1933 war dann der erste, das Kulturgewissen der Welt aufrüttelnde Auftakt des Niedergangs. Max Liebermann selbst, den Nüchternen und Erhabenen, wird es kaum noch sonderlich erregt haben. Aus solcher Greisenhöhe betrachtet, ist das aufgeregte Leben ohnehin kaum mehr als ein Akt der ewig sich bildenden Historie. Zwei Jahre später entrückte der Tod den 88jährigen einer Zeit, für die er bereits gestorben war. Werner Schumann. sehen Gewerkschaftsbundes gehört den Kreisen der Arbeiter- und Angestelltenschaft an, aber auch aus den Kreisen der Beamtenschaft, insbesondere der Eisenbahn- und Postbeamten, hat sich ein großer Teil in die Reihen der neuen Gewerkschaftsbewegung gestellt, um mitzuraten, mitzubestimm« und mitzuverantworten. Viele, allzu viele stehen noch zögernd zur Seite, weil sie nach den Erfahrung« des hinter uns Hegenden Jahrzehnts sich vor jeder organisatorisch« Bindung fürchten. Andere halten sich fern, weil sie glauben, Beamtentum und Gewerkschaft lassen sich nicht miteinander vereinbaren. Was ist hierauf zu sagen? Wohl steht es heute jedem frei, ob er sich einer Organisation anschließen will oder nicht. Wenn ihm aber daran liegt, daß aus dem allgemeinen Trümmerhaufen, den die Nazis hinterlassen haben, wieder etwas Neues, dem Ganzen Dienendes zustande kommen soll, muß er sich innerlich verpflichtet fühlen, mit dabei zu sein, denn die persönlichen und beruflichen Interessen sind ein Teil der Oesamtinteressen des Volkes. Es kann deshalb auch dem Einzelnen und der Berufsgruppe, der er angehört, nicht gleichgültig sein, wie der Gesamtaufbau der neuen Staats-, Gesellschaft«- und Wirtschaftsform aussieht. Ein Vergleich mit den Zwangsorganisationen der Nazizeit, in der man nur zu zahlen, zu gehorchen und nichts zu sagen hatte, ist völlig abwegig. Die jetzige Gewerkschaftsbewegung ist eine freie, in die niemand gezwungen wird, von der aber auch niemand fern gehalten wird, ob er nun dieser oder jener bestehenden politischen Partei, dieser oder jener Weltanschauung zugehört. Die Satzung des Badischen Gewerkschaftsbundes (§ 2) lautet: „In konfessionellen und parteipolitischen Frag« hat der Gewerkschaftsbund strengste Neutralität zu wahren“. Er ist sich bewußt, daß ein Abweichen von dieser Linie die einstige Zersplitterung wieder herbeiführ« und ein Zerstören der vereinten Kraft bring« würde, zur Freude der Gewerkschaftsgegner und zum Schaden der um ihre materielle und ideelle Wertung ringenden schaffend« Mensch«. Ebenso unbegründet ist die Scheu und Abneigung dem Begriff „Gewerkschaft“ gegenüber. Was ist unter diesem Begriff zu verstehen? „Eine Gewerkschaft ist eine auf längere Dauer berechnete, nicht geschlossene, vielmehr grundsätzlich allen offenstehende Vereinigung von Arbeitnehmern eines bestimmten Berufes, die den Zweck verfolgt, durch gemeinsame Tätigkeit auf dem Wege der Verhandlung mit den Arbeitgebern bei der Regelung des Arbeitsverhältnisses die materiellen und ideellen Berufs- und Klasseninteressen ihrer Mitglieder zur Geltung zu bringen“. Es ist nicht einzuseh«, weshalb diese Begriffsbestimmung von der Beamtenschaft nicht anerkannt und für ihre Organisation übernommen werden könnte. In Wirklichkeit hat der Deutsche Beamtenbund —, die größte Spitzenorganisation vor 1933 — sich in seiner Satzung ausdrücklich als die gewerkschaftlich* Spitzenorganisation der Beamtenschaft bezeichnet. Diese Bezeichnung scheint vielen Beamten nicht — oder nicht mehr bekannt zu sein. In diesem Spitzenverband waren vor dem Jahre 1933 etwa 1,2 Million« Beamte der verschiedensten Gruppen organisiert. Der Unterschied zwischen einst und jetzt besteht darin, daß es damals bei den einzelnen Verwaltung« eine Menge von kleineren und größer« Organisationen der Beamten gab. Heilte gibt es nur eine Einheitsorganisation mit «sprechend« Sektion«, in denen jeder seine Meinung zum Ausdruck bring« kann, um dann bei gemeinsamer Beratung die Interessen aufeinander abzustimmen. Bereits die früher« Spitzenorganisationen der Richtungsgewerkschaft« hatten von Zeit zu.Zeit in gemeinsamen Fragen zusammengearbeitet und sie zu lös« versucht. Es ist darum nicht einzusehen, daß gerade heute in de r allergrößten Not die Beamtenschaft abwartend beiseite stehen sollte. Gerade deshalb, weil auch sie besondere Sorgen und Nöte hat, sollte sie sich Zusammenschließen und durch stete und zielbewußte Mitarbeit d« Beweis erbringen, daß es ihr Ernst ist mit dem Bekenntnis zum demokratischen und sozialen Staat. Nur auf diese Weise wird es geling«, viel von dem, was heute auf der Beamtenschaft lastet, abzubauen. Wer sollte denn Interesse an den Nöten der Beamtenschaft haben, wenn Sie abseits vom Wege steht, der zum Neuen und Besser« führen soll? Die Aufgaben der Gewerkschaft« sind heute größer als je zuvor. Heute geht e s nicht mehr um Lohn- und Gehaltserhöhungen, um Beförderungen und Höherstufungen, sondern um die Erhaltung der Existenzgrundlagen überhaupt. Um diese zu sichern, muß man »ich mit den allgemein« Problemen der Wirtschaft und Gesellschaft grundsätzlich auseinandersetzen. Hier mitzuwirken, mitzuraten und mitzuverantworten ist Pflicht jedes Einzeln«. Wem das Wohl des gesamten Volkes am Herzen liegt, der tue mit, dann hilft er sich selbst, denn er ist ein unlösbares Glied des Ganzen. Und wer hätte hierzu eine größere Verantwortung als der Beamte, der sich die Aufgabe gestellt hat und sich beruf« fühlt, Diener des Staates und damit des Volkes zu sein. Darum hinein in die Peihen der Gewerkschaften zur tatkräftigen Mitarbeit am Bau der neuen Zeit. Vogel Berliner Transportarbeiter streiken Mehrere hundert Transportarbeiter der Firme Otto Sehmeling in Berlin-Lichterfelde sind am Monte* in den Streik getreten. Der Grund dafür soll die Weigerung der Geschäftsleitung sein, einer Betriebs- Vereinbarung über das Mitbeitlmmungsraeht der Arbeiter beirutreten. Nachdem sich die Belegschaft der Speditiensfirms Kopania in Berlin-Steglitz bereits seit dem 7. Juli im Streik befindet, wird damit gerechnet. d aß die Streikbewegung auch auf weitere Berliner Transportbetriebe übergreift. Seit« 4 — Nummer 57 Samstag, W. fall 1947 Da$J3o3l REICH HER FRAU A >E D rE»M Die Stellung und Haltung der Frau von heute Wie wir bei mehreren Gelegenheiten feststellen konnten, hat unser Artikel vom 2. Juli: „Ist die Frau der Mann der kommenden Zeit?" bei verschiedenen Männern und Frauen lebhaftes Interesse ausgelöst, — leider aber nur sehr wenige Zuschriften an die Redaktion. Die Frauen sind anscheinend zufrieden, daß jemand für sie spricht, und die Männer im allgemeinen empört, lachend empört. (Eine Reaktion übrigens, die uns erfreut.) Die ganz Vernünftigen unter den Männern gehen sogar weiter. Sie sagen: „Ihr habt im Grunde recht. Wir kommen aus einer männlich bestimmten Zeit. Wenn die Frau glaubt, heute ein Anrecht auf einen andern Platz zu haben, als auf den jetzigen, so ist es ihr Recht, dafür einzutreten. Ob allerdings die Frauen — die Menge der Frauen — es schaffen werden, wirklich zu einer andern Stellung gegenüber dem Mann zu kommen, das erscheint uns fraglich, ist aber abzuwarten." Neben einander? — Mit einander! Nun ist es ja so, daß es gar nicht um den Platz einer oder weniger einzelner Frauen geht, sondern um die Frage: Was können und sollten heute einige schon mutigere Frauen für ihre Schwestern tun, weil eben die Frau — die große Überzahl der Frauen — in eine wesentlich veränderte Situation hineingewachsen scheint..und weil die Kräfte der kampfungewohnten Frau zunächst noch voll von der neuen Belastung aufgezehrt werden? Es ist nicht zu leugnen, daß die Frau heute unter neuen Belastungen steht. Einmal ist sie jetzt in der Überzahl. Es gibt also viel mehr als früher Frauen, die allein bleiben und sich allein durchs Leben bringen müssen. Dann gibt es viele, die für sich und ihre Knder den Existenzkampf führen müssen, weil der Mann von ihnen getrennt oder tot ist. Manche haben Sogar auch noch für ihre kriegsinvaliden Männer mit zu sorgen und dies alles unter den denkbar ungünstigsten Bedingungen. Die Aufgaben in der Öffentlichkeit, Berufsleben und . Berufskampf, erfordern, daß die Frau eine Aktivität an den Tag legt, wie sie ihr zunächst fremd war, außerdem ein größeres Maß an sachlich-logischem Denken. Als Ganzes durfte die Frau dabei feststellen, daß sie sich den neuen Anforderungen gegenüber gar nicht so se v r unbegabt benahm, und die gerecht urteilenden Männer werden Ihr dies auch nicht streitig machen. Darum ist aber -auch nicht zu verwundern, daß sich aus der veränderten Situation der Frau notwendig eine gewisse Gewichtsverlagerung, in ihrem Verhältnis zu dem bisher immer als überlegen hingestellten Mann ergibt. Und ferner kann man es auch nur als eine natürliche Folgerung an- sehen, daß die Frau mit der Erweiterung ihres Wirkunrrsfeldes und dem Beweis erweiterter Fähigkeiten auch erweiterte gesetzliche Rechte für sich anstrebt. Wie weit die Frau in dieser Linie Vordringen wird, ist eine Sache ihrer Entwicklung, ihrer Vervollkommnung und ihres Bemühens. Immer aber dürfte vernünftigerweise das Ziel im Neben einander der Geschlechter liegen, im gegenseitigen Respektieren der besonderen Eignungen und Fähigkeiten des andern Teils. Sollte nicht sogar viel mehr vom gemeinsamen Mit einander gesprochen werden, da wir es uns doch schlecht leisten können, Kräfte im gegenseitigen Abwerten und Bekämpfen zu verbrauchen, wo doch ungeheure Aufgaben vor uns allen liegen? Was bedeutet die Gefährdung des Weiblichen in der Frau? Wenn davon die Rede war, daß das Weibliche in der Frau heute in Gefahr ist, durch berufliche Betätigungen, die früher nur dem Mann Vorbehalten waren, zu verkümmern, — daß also die Frau die größte Wachsamkeit nötig hat, um sich von ihrem natürlichen Schwerpunkt nicht abbringen zu lassen, so ist es vielleicht angebracht, noch ein paar Worte über das zu sagen, was wir unter diesem „Weiblichen" verstehen. Dieses Weibliche ist viel mehr als das Er- scheinungs äußere, — als das Aussehen, — das eine Berufsfrau aus Mangel an freier Zeit meist nicht mehr so pflegen und nicht so anziehend gestalten kann, wie die berufsfreie Frau. Das eigentlich Weibliche sehen Wir vielmehr in der grundsätzlichen inneren Haltung, in dem großen „B e r e i t - s e i n" für alles, was die Frau instinktiv als wertvoll und fruchtbar empfindet, in dem selbstlosen Sichanpassen und Ausgleichen, in ihrem Willen zur Lebenserhaltung und ihrer Treue an den Naturgesetzen. Es liegt in ihrem Streben nach Harmonie, — es lient in ihrer Kraft durch ihr einfaches Da-sein. Die Kraftquellen der Fran Aber die Frau von heute ist nicht nur in Gefahr, durch ihre neu angeregte stärkere Aktivität von diesem Weiblichen zu verlieren, sondern es ist oft sogar zu fürchten, daß sie durch Überbeanspruchung und mangelndes Konzentrieren ihre eigenen Kraftquellen vergißt und sie zu pflegen versäumt. Es ist weder Primitivität noch Hang zum Luxus noch Faulheit, daß die Frau das instinktive Bedürfnis hat, der Natur nahe zu sein. Nicht das vom Menschen errichtete Steinmeer — das Erschaffene —, sondern die Natur selbst — die Schöpfung — in ihr Element, aus dem heraus sie — „Pflanze unter Pflanzen, mit einem Urwissen begabt" — ihre Kräfte immer wieder auffüllt, und dadurch dem Mann immer neu zum, Kraftque'l und Ruheool wird, wenn ihn sein Geist „abtrünnig vom Ewigen" werden läßt. Die „Begabung zur Frau" Es wird eine immer größere „Begabung zur Frau" nötig werden, wenn wir als Fragen V*n f t'g bestehen wollen. Darum glauben wir, daß die Schwierigkeit, und Hauptaufgabe der heutigen Frau, besonders der deutschen Frau, darin besteht, daß sie die Notwendigkeit, die sich aus ihrer sozialen Laue ernibt, mit der Notwendigkeit, ihre weibliche Eigenart auch unter den neuen Existenzbedingungen zu erhalten, klug miteinander in . Einklang bringt. Erika Uhlig. dich auch haben wollte?" Er sprudelte die Worte ganz schnell heraus. „Ach, das ist es, was du wissen möchtest?" rief sie. Sie richtete sich im Bett auf, zog die Beine an und setzte sich quer auf ihre Unterschenkel. „Wie dumm du bist! War's wirklich das, was dich verstockt hat? Also dann: nein — nein — nein — und wenn du mich auch noch so oft fragst, ich werde immer nur nein sagen!" Ihm drehte sich der Kopf, als ob ein großer Wasserstrudel darin wäre. „Was denkst du dann den ganzen Tag, wenn du so schweigsam herumgehst, und was denkst du nachts, wenn du die ganze Zeit kein Wort sprichst?" rief er. „Ich denke an zwanzig und dreißig Dinge zugleich", sagte sie. „Meine Gedanken sind wie eine Kette, und ein Glied ist immer am andern festgemacht. So etwa, wenn ich anfange, an einen Vogel zu denken, dann denke ich, wie er fliegt, und warum er sich hoch über die Erde heben kann, und ich kann's nicht, und dann denke ich an die fremden fliegenden Schiffe und wie sie wohl gemacht sind, und ob ein Zauber in ihnen ist, oder ob es nur davon kommt, daß die Fremden etwas wissen, was wir nicht wissen — und eben in diesem Augenblick denke ich an das, was der junge Mann vor dem Teehaus sagte, wie diese Schiffe über den Städten im Norden dahinfliegen und sie zerschmettern, und wie die Leute rennen und sich verstecken —" Hier unterbrach er die Kette. Die Städte im Norden waren in weiter Ferne. „Warum bist du heute dort hingegangen?" „Ich saß und nähte an deinem blauen Rock. Dann war das Garn alle, und deine Mutter hatte nur weißes. Darum • ging ich aus und wollte ein bißchen blauen Faden kaufen." Er unterbrach sie von neuem. „Ich wollte, du gingest nicht allein auf die Straße." „Warum nicht?" „Andere Männer werden dich ansehen," „Aber ich schaue nicht nach ihnen." „Ich mag nicht, daß sie dich ansehen. Du bist hübsch, und du bist meine Frau." „Soll ich denn immer nur im Hof bleiben? Es sind doch nicht mehr die alten Zeiten." „Ich wünschte, wir hätten noch diese Zeiten. Am liebsten möchte ich dich einsperren." „Wenn du mich einsperrtest, würde ich nichts essen, und dann würde ich sterben." „Ich würde dich schon nicht sterben lassen." Sie lachte. .Und trotzdem leben wir jetzt in der neuen Zeit, und ich will kommen und gehen, wie’s mir paßt." „Spricht manchmal ein Mann mit dir?" „Nicht mehr als mit irgend jemand, den er halt kennt." Sie schwiegen eine Weile, und dann begann er wieder. „Sag mir, was du von mir dachtest, als du mich zum erstenmal sahst." Sie zupfte an der blau und weiß geblümten Baumwolldecke über dem Bett. „An das erstemal kann ich mich nicht erinnern." „Nein, ich meine, als — als wir schon verheiratet waren.“ Sie wandte den Kopf ab. Im Mondlicht konnte er ihre Stirn sehen und die kleine gerade Nase, ihren Mund mit der etwas zurückliegenden Unterlippe und ihr rundes Kinn. „Ich war froh, daß du größer warst als ich. Für eine Frau bin ich zu lang geraten", sagte sie. „Nein, das bist du nicht," Sie ließ ihn gewähren und antwortete nichts darauf. „Und was dachtest du dann?" fragte er sie. Liebe O reiche Armut! Gebend, seliges Empfangen! In Zagheit Mut! In Freiheit doch gefangen. In Stummheit Sprache, schüchtern bei Tage, siegend mit zaghaftem Bangen. Lebendiger Tod, im Einen sel’ges Leben schwelgend in Not, im Widerstand ergeben, genießend schmachten, nie satt betrachten, Leben im Traum und doppelt Leben. Karoline von Günderode Jetzt senkte sie den Kopf. „Dann überlegte ich, was du über mich denken mochtest." „Aber du wußtest- doch, daß ich dich haben wollte", sagte er. Sie blickte rasch auf. „Und dann fragte ich mich, ob wir wohl je miteinander reden würden. Ob wir nur so zueinander sein würden wie andere Eheleute auch. Ja, und ob du dick darum kümmern würdest, was ich eigentlich bin, oder nur darum, daß ich dir Kinder schenke und dein Essen koche. War iffe deine Frau, oder gehörte ich nur zu deinem Hause? Würdest du lesen lernen? Es gibt Dinge in Büchern, die man wissen soll. Willst du mir ein Buch kaufen?... Siehst du — das ist mein Geheimnis. Kauf mir keine Ohrringe, kauf mir ein Buch! Darum hab’ ich mein Haar abgeschnitten. Ich wollte es verkaufen und mir ein Buch dafür holen. Dann hatte ich Angst, dir das zu erzählen, und deshalb sagte ich Ohrringe. Was ich wirklich möchte, ist ein Buch." Sie beugte sich über ihn in ihrem Eifer, daß er sie anhören möge. „Ein Buch!" sagte er. „Was sollen Leute wie wir mit einem Buch anfangen?" „Ich möchte ja nur ein Buch", sagte Sie. „Wenn du’s aber nicht lesen kannst —?" „Ich kann lesen“, sagte sie. Hätte sie ihm gesagt, sie könne fliegen wie ein Vogel, er wäre nicht so erstaunt gewesen. „Wie ist das möglich?" rief er. „Frauen wie du lesen niemals!" „Ich hab’s gelernt", sagte sie. „Auf mein Wort. Mein Vater ließ einen von meinen Brüdern auf die Schule gehen, und von dem lernte ich jeden Tag ein bißchen. Aber ich hab’ kein Buch für mich selber." Er dachte einen Augenblick darüber nach. „Wenn es das ist, was du dir wünschst", sagte er langsam, „so will ich dir’s schenken. Ich hatte allerdngs nie geglaubt, daß ich in diesem Hause jemals eine Frau sehen würde, die liest." Die halbe Nacht hindurch redeten sie so weiter, bis sie schläfrig wurden. „Wir müssen schlafen", sagte er endlich. Die Arbeit morgen muß auch getan sein. Und wenn ich dazu noch in die Stadt gehen will, das Buch kaufen —" Er brach ab und hielt seinen Atem an. Denn als er das sagte, da ließ sie Sich zurückgleiten und schmiegte sich so dicht an ihn, wie sie es niemals getan hatte. So wunderbar war dieses f'-riwillioe Auf-Ihn-Zukommen, daß er kein Wort mehr sagen konnte. Es war der wunderbarste Augenblick in seinem Leben, viel schöner als die Hochzeitsnacht. Aus dem Buch „Dragon Seed“ fDrachensaat) von Pearl S. Bude, übersetzt von Hildegard v. Barloewen. Das Allerweichste überwindet das Allerhärteste. Lao Tie. Eine junge Frau In China Von Pearl S. Buck Sie, Jade, und er, Lao, standen sich gegenüber auf dem engen Pfad zwischen den Reisfeldern. Von den umliegenden Häusern konnte man sie hier nicht sehen, und ein großer Weidenbaum verhüllte sie mit den langen, grünen Strähnen seiner Zweige. Er legte die Hände auf die Schultern seines jungen Weibes und zog sie langsam dicht zu sich heran. So hielt er sie für einen Augenblick fest, und sie -rührte sich nicht. Sie standen allein in der schweigenden Abenddämmerung und waren für eine kleine Weile .dichter beieinander als je zuvor. „Aber ich", sagte sie flüsternd, „ich bin doch auch nicht sehr klug." „Ist es darum, daß du nicht oft mit mir redest?" fragte er. „Was soll ich denn reden, wenn du immer So still bist?" fragte sie zurück. „Wenn man sich verstehen will, dann müssen beide sprechen." Er dachte einen Augenblick darüber nach, der Zugriff seiner Hände lockerte sich. War es etwa so, daß beide aufeinander warteten und daß keiner etwas zu sagen wußte, bevor nicht der andere gesprochen hatte? „Willst du mir alles von dir sagen, wenn ich dir alles von mir erzähle?" fragte er. „Ja", sagte sie. Er ließ die Arme sinken. Ohne sie zu berühren, fühlte er sie so nahe wie noch nie. „Dann wollen wir heute nacht miteinander Sprechen", sagte er. „Ja." Das kam so leise, daß es gar nicht nach Jedes Stimme klang, aber er hörte es doch. Sie legte ihre Hand in die seine, und sie gingen weiter, dem Haus entgegen. Erst als sie ans Tor kamen, nahm sie wieder, wie sich’s gehörte, ihren Platz hinter ihm ein. „Ihr kommt spät", rief die Mutter. „Wir konnten nicht länger warten." „Solltet ihr auch nicht", entgegnete er. Und *u seiner Frau sagte er in rauhem Ton, damit niemand etwa auf den Gedanken käme, sie wären schändlich verliebt: „Hol mir meine Mahlzeit in einer Schüssel. Ich werde dort essen, wo der Vater und d’e Brüder sind." Und wie die bravste Ehefrau füllte Jade «eine Schale und reichte sie ihm. ehe sie sich bei den Frauen niedersetzte. Wie im Traum rahm sie ihre Schüssel auf. abe- ihr Herz schlug rasch, und sie verspürte keinen Hunger. Der Mann, an den sie verheiratet war — würde sie heute nacht erfahren, was er sei? Mutter Ling Sao erhob sich vom Tisch und sagte zu Jade: „Da du das Essen schon nicht gekocht hast, könntest du jetzt wohl abspülen." Bei dieser schwiegermütterlichen Anrede fuhr Jade in die Höhe. ^Das will ich gern tun, Mutter", sagte sie. So etwas kam bei Jade selten vor, und ihre Stimme war so sanft, daß die Mutter im Zwielicht forschend zu ihr hinblickte. Aber sie sagte nichts weiter und ging auf das Hoftor zu. „Mein Sohn wird sie also geschlagen haben", dachte sie und schritt durch das Tor. Draußen auf der Dreschtenne saß Ling Tan auf einer Bank. Nicht weit von ihm hatten seine Söhne sich auf dem hartgeklopften Erdboden niedergelassen. Der Jüngste lag zusammengerollt auf einem Bündel Weizenstroh und schlief. Sie sah ihren zweiten Sohn scharf an. Mit großem Vergnügen hieb er in sein Essen ein. Kein Zeichen an ihm deutete auf etwas anderes als Fröhlichkeit. ,Er hat sie geschlagen - , dachte sie und freute sich darüber. Das waren die besten Ehen, in denen der Mann es fertigbrachte, seine Frau auch mal zu schlagen. Sie war stolz auf ihren Sohn. Wer hätte das wohl geglaubt, fragte sich Lao, daß ein Mann und eine Frau durch die Rede einander näherkommen können als durch den Leib? Und doch waris so mit ihnen in jener Nacht: mit Jade, seinem Weibe, und ihm selbst. Anfangs als er neben ihr lag, hatte er ein so seltsames Gefühl, daß er verlegen wurde. „Es ist doch nur Jade", redete er sich zu, und dennoch erschien sie ihm fremder als in der Hochzeitsnacht. Den Leib konnte er sehen und begreifen — aber was verbarg sich hinter ihrem hübschen Gesicht und ihrem weichen Körper? Er hatte es nie gewußt. Und jetzt verlangte es ihn nicht, sie zu berühren. Nur hören wollte er, nur zuhören. Er wartete. „Wartest du auch? fragte er endlich. „Ja", sagte sie. „Wer soll also zuerst reden?" „Du", sagte sie. „Frag mich, was du willst." Was er wollte? Ja. da war etwas in seinem Innern, und es lief rasch hinaus auf die Spi+ze seiner Zunge. „Denkst du manchmal an meinen Vetter, der Auslaads-FnBbaIl Fußballmels‘=r von Schweden wurde zum dritten Male hintereinander Norkoepping vor AIK Stockholm und Malmö. Der neue Meister errang im ersten Internationalen Spiel gegen die Wiener Austria ein 4:4. Dänischer FuBballmetster wurde der A k a - demisk BK Kopenhagen. Am 4. September wird in Wien ein Länderspiel Österreich — Ungarn ausgetragen. Am 5. Oktober Ist ln Prag die Tschechoslowakei und am 9. November in Wien Italien der Gegner Österreichs. Dreieinhalb Millionen Zuschauer ln SflddeutschlaBd Die Süddeutsche Fußball-Oberliga, die Ihre Saison nunmehr abgeschlossen hat, kann auf einen schönen Publikumserfolg zu rück blicken Bund 3,5 Millionen Zuschauer wohnten den 3*0 Punktesplelen bei. Diese Zahl wäre allerdings noch höher geworden, wenn nicht schon seit langem der 1. FC Nürnberg als Meister festgestanden wäre Und wenn sich nicht gegen Schluß der Runde deutliche Ermüdungserscheinungen bei allen Mannschaften bemerkbar gemacht hätten. Die in der britischen Zone jetzt beendete nordwestdeutsche Meisterschaft, die ln neun Spielen im k. o.-System ausgetragen wurden, verzeichnete mehr als 300 000 Besucher. * Europa-Zonenflnal im Daviscup bereits entschieden. Das Endspiel der Europa-Zone um den Davispokal wurde bereits am zweiten Tage entschieden. Die Tschechen gewannen auch das Doppel gegen Jugoslawien und mit 3:0 sind sie damit bereits Sieger ln der Europa-Zone. • Geforderte Mindestzeiten bei den Deutschen Sch wlmmelsterschaften. Für die am 23. und 24. August ln Frankfurt statt- flndenden ersten Deutschen Nachkriegsmeisterschaften der Schwimmer werden von den Teilnehmern der Einzelkonkurrenzen folgende Mindestleistungen gefordert: Männer: 100 m Kraul 1.09 Min., 200 m Kraul: 2.45 Min., 400 m 9.00 Min., 100 m Rüchen: 1.22 Min., 100 m Brust: 1.23 Min., Frauen: 100 m Kraul 1.22 Min., 100 m Rücken 1.32 Min., 100 m Brust 1.34 Min., 200 m Brust 3.50 Min. • Soramerspiel- und Gymnastikmeisterschaften 1947 ln Baden (französische Zone) Zum ersten Male kommen ln diesem Jahre die Gymnastikmeisterschaften für die fran- i zosisch besetzte Zone Badens zur Austragung. Die l Meisterschaften werden für Männer, Freu et» und Jugendliche in zwei Leistungsstufen durstgeführt. Der Wettkampf für Jede Leistungsstufe besteht aus zwei Pflichtübungen und einer Kürübung. Vereine mit Gymnastikabteilungen, die an den Wettkämpfen teilnehmen wollen, werden gebeten, unter Angabe der Vereinsanschrift die Pflichtübungen bei der Geschäftsstelle des Vereins für Leibesübungen Freiburg 1. Br„ Elsenbahnstraße 34, anzutordem. Der Termin zur Austragung der Meisterschaften Ist für Ende September / Anfang Oktober geplant. . Gleichzeitig werden die Vereine, die sich an den dlesj ährlgen Meisterschaften für Faustballspiele beteiligen wollen, gebeten, Ihre Meldungen an die vorgenannte Geschäftsstelle umgehend einzusenden bzw. Ihre Teilnahme durch den. für Ihren Kreis zuständigen Beauftragten nach Freiburg weiterleiten zu lassen. Die Spiele werden für Frauen und Männer ln zwei Leistungsklassen ausgetragen. • Frankreich gewinnt den Leichtathletlk-D relländer- kampf. Der ln Paris durchgeführte Lelchtathletik-Drei- länderkampf Frankrelch-Sehwe.iz-Belgien wurde von den Gastgebern mit 15« Punkten vor der Schweiz mit 109 Punkten und Belgien mit 91 Punkten gewonnen. Frankreich gewann 13, Belgien 3 und dln Schweiz 2 der 17 ElnzeUoonkurrenzen. Die Tschechoslowakei gewann gegen Holland lm Leichtathletikländerkampf mit 109 : 94 Punkten. • Knappe Niederlage von Rot-Weiß Baden-Baden. Die Tennisspieler von Rot-Weiß Baden- Baden waren beim TEVWaldau-Stuttgart zu Gast und erlitten nach harten Kämpfen eine knappe Niederlage mit 12:14 Punkten Die Stuttgarter hatten am ersten Tage eine l:l-Führung herausgeholt, die Badener konnten aber am zweiten Tage den Gleichstand erzielen und nun entbrannten heiß« Kämpfe um Jeden weiteren Punkt. Die Männer von Rot-Weiß Baden-Baden gewannen mit 7:5 punkten die Einzelspiele und mit 4:2 Siegen die Doppel. Dagegen wurden die Damen mit 1:3 Punkten geschlagen. Nur dem Gewinn sämtlicher vier gemischten Doppel haben die Stuttgarter den knappen Endsieg zu verdanken. • Vom Automobilsport. Der Große Prel, von Albl über 35« km wurde von Rosler auf Talbot in 3.29,49 Stunden w 142.595 km gewonnen. Von den gestarteten 25 Teilnehmern hielten nur sieben das Rennen durch. Unter den Ausgeschiedenen befand sich auch der Italienisch« Favorit Villoresi, ^asJBoHi Seite 5 Nummer 57 Samstag, 10. Juli 1047 Was bietet Freiburg? änmitu, Jtn 1». Juli ml: .: Kaufhsumel: Kammermusik, 19.20 Uhr Sonnt»*, den tt. Jull 1947': Maria-Hllf-Sael: „Thartlcius“, eudiarlatlache» Welhe- iplel, iS und SO »ihr Dieneta*. den SS. Juli 1947: -Aufuatiaar-Museumi AüsateUungsföhrurtg, Thema: Die Freiburger Ooldxäimledewerkatatt de*- 1*. . Jahrhunderts (Pföf. Dr.. Npadt), 17.15,Uhr. An allen Tagen: Eott»ck-Ob«rraal«(*ule: Uandesexportschau „BIGA* Au|u«Un*r, Museum: Ausstellung mittelalterlicher Göldscftmiedekunst 10—12 und 14—17 Uhr (außer Menta») . Hau» Stadelmann:. Ausstellung der Werlte von-Prof. Anton Kling . . . Haus Deiner: Aquarelle — Belehnungen von Berthoid Hartmatih - Friedrlehsbau-Lichtiplela: „Hauptsache glfleklidi“ Harmonle-Lichtiplelet „Der Mustergatte“ Union-Theater: „Was geschsh in dieser Nacht?“ Mer nemmes z’ruckl ’s Isch e komisch! Sach by d« Litt, d*ß gilt hiltzedag glych us der Wull Kumme, anenander nuffbelle un d’ gering Kaloriezahl uff die Art un Wies unnötig verpuffe. Der ei regt sich ulk, wie! dt Schtroßebah »yne persönliche Belange nlt nochkummt un überschwemmt d’ Redaktion mit Klagebrief, daß mer fascht versüße. Geh n mer mol uff, al. die Beschwerde. ih, derno regt sich Widder der Schtroßebahdirektor uff, un so isch des e Uffregig ohni End. ’s beseht wir, d’ Schtroßebahwige täte sich au mol wege dem ewige QsehimpT uff rege un nimmt mitmache, derno hätt aller .Schtritt en End. Wenn 's widderscht so dfck mit Beschwerde von alle Sitte uff uns ryprasslet, derno schtecke mer unfern Beruf uff und were Schtroßekehrer odder Bachschtaiputzer by der Enttrümmerungsaktion, da henn mer bschtimmt unser Ruch; d’SchtrOß lacht we-nig- echtens, wemmer sie e weng kitzlet, d’ Litt der- gege krakele bym gUche Versuech in alle Ton- arte un nernrne Boxerschtellig ih, daß es eim angscht un bang werr# kah. !h hab ml Ins htnderacht Eckfl vom Redaktionszimmer verisrimfflelt, al« plötzlig wie en Blitz us heitrem Himmel e dreiköpfig! Schtroßebahabord- tiig usgrechnet by mir ußdaucht Isch, wo-nt doch nix derfür kan, un verlangt hat, daß mer de Usdruck vom-Verbot vom gsuRde Menschever- gchtand z’rucknUt’ sötte. AngSchtlig kann ih mer «zlrscht Ihre UsfUftrige ahghört, wlel ih afangs glaubt hab, sie wotte ml zu Salami verwuradme. ’s het sich aber gchließllg Alles in Wohlgfalle uffglöst, un z’letseht henn mer sogar noch by der Untirhaltlg kai Friedenspfiff wie d’ alt! Indianer, abe r e Frledenszfgarett, Marke Siedler- echtolz graucht, un ih mueß schun sage, d’ Ab- ordnlg het mer mit ihre Usführfge imponiert: denn oy so kitzlig! Sache mueß Ar ebbe zwei Sitte höre. M*f ntmrrte also Unsere VofWuf bezüglich' dem verbottene MenschenVersChtand zruck’ zu mol mer jetzt wisse, daß d’ SehperrsChtunde- bsehtimmunge uff höhere Befehl verschärft Ware sin. Mer flemme au reuevoll zur Kenntnis, daß d’ Schaffner nit von der Direktion mit dryßig Emm gschtroft were, wenn eie nit rigoros gege d' SchperrschtundJÜnder -vorgehn, sondern uif polizeiliche Abordnig mimme der Wageführer, wenn er uff der Plattform un am Trittbrett »ich zemmeballende Trübe widderschtbefördert. Des isch au ganz in Ordnig, aber wisse wotte mer doch gern, warum d’ Schaffner uns de, Bär von denn« dryßig Emm Schirof uffbunde henn. Isch es vielliecht mögßg, daß d’ Schaffner by-ner In- echtruktionsschtund Uber Dlenschtnandhabig wege der grußige Hitz d’ Begriff verwechselt h*nn? Derno kantwner doch uns wege dere begriffliche Fehlzündlg kai allzu großer Vorwurf mache. Mer glaube der Schtroßebahdirektion recht gern, daß d’ SdiperrsChtünde jo nur uff Dräng» der Berufstätige ihgführt wore sin un daß mgr au by der Direktion Heber sehne würd, wenn »te uffghobe wäre, wiel sie für* Fahrper- aonal e- Belasöhtig un vor allem e riesige Schtimtmiffwand bedütte, aber wes nit goht, gebt ebbe nft; denn d' Berufstätige mien — des lieh klar wie Wurschtbrlleh — mit Vorrang befördert were, und de» kann wege Wage- un Personalmangel ebbe ihir durdrd’ ihgführt. Schperr- »chtund bewältigt Wirt. De Himraue fsch mer Sozialdemokratische Partei, Ortavarain Freiburg Fraueniektion Mittwoch, 23, Juli, 20 Uht, findet im Oewerk- ■echsftshaus eine Mitgliederversammlung statt. Es spricht Oen. Petri über „Wesen und Ziel der Konsumgenossenschafts* .-• bewtgung“ Da im Zuge des Neuaufbaus die Konsumgenossenschaften eine erhebliche Rolle spielen werden, braucht auf die Wichtigkeit der Versammlung nicht besonders hingewfesen werden. Wir erwarten deshalb einen zahlreichen Besuch der Genossinnen And Genossen. Gartenfest für unsere Kinder Am Sonafsg, 20. Juli, 16 Uhr, Albt e* im «Blabl“ Kartäuserstraße. Musik, KTadertänzt, Kaspert«, Kletterbauin, Sackhüpfen «SW. Za dieser Veraastsltung laden wir unsere Psrtel- cesossen mit ihren Kindern herzlich ein. Dir Eintrittspreis beträgt 1 RM. Die Karten sind Im ZI- f arreohans Meier# Eisenbahnstraße, oder im Parte]* Uro, Hebaburferatftße 85, tu erhalten. Freunde Engerer Bewegung sind als Gäste willkommen. Btl schlechtem Wetter wird di* Veranstaltung um acht Tage verschoben. Die Kinder treffen sich mit Ihren EHern im „Stahl“. jo jetzt au durch Ihführig von neue Schperrzitte entgegekumme. Mer wenn also — des isch nü Vorschlag für a-lli — ’s Kriegsbeil. in der Schtroßebahaffäre e weng begrabe un froh sy, daß unsre Tramwäge überhaupt no über d’ Schtroßepflaschter hopple. Ih hätt, wenn ih e Schtroßebahwage wär, schon längscht g’schreikt, wiel ih d’ Oberbelaschtig am Gwicht un am Mule nlt vertrage könnt, ö. B. Brot, Fleisch, Käse und Waschmittel Laut Mitteilung des Ernährungsamtes wird für die dritte Dekade an Brot verteilt: an Kinder. bis zu drei Jahren auf Abschnitt 5 =* 500 g, 7 -=» 600 g Kinder von drei bis sechs Jahren auf ° 1200 g. Schwerarbeiter der Gruppe I erhalten auf Abschnitt 175 = 440 g, der Gruppe II auf Abschnitt 275 * 1000 g, der Gruppe III auf Abschnitt 375 1500 g, Abschnitt 376 -»40 g, Gruppe IV auf Abschnitt 475 = 1500 g. Abschnitt 476 .m .315 g. Mütterkarten auf Abschnitt 000 = 440 Gramm, Selbstversorger-Brotkarte auf Abschnitt 805 und 806 je 1000 g. Abschnitt 807 = 750 g. An fleisch gibt es für Kinder bis zu drei Jahren auf Abschnitt 14 = 50 g, Kinder vön drei bis sechs Jahren ttif Abschnitt 15 und 16 je 50 g, Jugendliche von sechs bis zehn Jahren auf Abschnitt 10 und 20 je 50 g, Jugendliche von zehn bis achtzehn Jahren auf Abschnitt 10 und 20 je 50 g. Erwachsene auf Abschnitt 10 und 20 je 50 g, Schwerarbeiter der Gruppe II auf Abschnitt 270 bis 281 je 50 g, Abschnitt 282 =» 110 Gramm, der Gruppe III auf Abschnitt 370 bis 381 je 50 g, Abschnitt 382 — 110 g, Gruppe IV auf Abschnitt 470 bis 481 je 200 g, Abschnitt 482 -» 260 g, Mütterkarten auf Abschnitt 912 - HO g. An K ä s e erhalten Jugendliche von sechs bis 10 Jahren auf Abschnitt 43 und 44 je 50 g, auf Abschnitt 14t und 142 je 50 g, Jugendliche von zehn bis achtzehn Jahren auf Abschnitt 43 und 44 je 125 g, Erwachsene auf Abschnitt 141 und 142 «= 12o g, Schwerarbeiter der Gruppe II bekommen auf Abschnitt e ■» 50 g, der Gruppe III auf Abschnitt e und g je 50 g, der Gruppe IV auf Abschnitt e Und g je 50 g. " Die Restbestände an Frühkartoffeln dürfen ab 21. Juli von den Kleinverteilern, soweit, die. eigenen Kunden beliefert sind, gegen Abgabe der vorgeschriebenen Abschnitte auch an nicht in 4ie Kundenliste für Obst eingetragene, Verbraucher abgegeben werden. Auf Relae- marken gibt es keine Kartoffeln, — Der Verkauf der Schwerarbeiter -Mar m e lade endet am 26. Juli. — Ferner beginnt am 21, Juli der Verkauf von Waschmitteln, Es gibt auf "'Abschnitt I der Lebensmittelkarte (ZP Juli 1047) für sämtliche Verbraucher 250 g Waschpulver und zusätzlich 150 g Watchhilfsmitttl oder Spülmittel, auf Abschnitt II der Lebensmittelkarte für Verbraucher von drei Jahren aufwärts 1 Stück Einheitseeife. Die gleiche Regelung gilt für die Vollselbstversorger. Quäkerspende für Mütter und Kinder - Vom n. bU ciruchUeQlUtv al. Juli Wird «Ine Labansmittelspanda (QuSksrapanda) tür werdtnde und ■uila&a« MUttar und fttr Kinder bi« eu drei JaBren verteilt: E s sind vömilegan dl« vom EmSbrungs- amt Fratbun|-Btadt für den Monat Juli ausgegebenen Lebensmittelkarten, Ztuatzkartan für werdende und stillende Mütter, SSugUngskarte Sonderabschnltt irr tür Kinder Von 0 bl* l J»hr, Kart* l aonder- abiehnitt in für Kinder von 1 bl* 2 Jahren und der Hauchaltungtaüswel*. Vielerlei verpadcung*materl*l Ist mltsubringen. — Di« Ausgabe erfolgt: Montag, ». juu, von S 2S bla u.lt Uhr und von 12 bla is unr Innenstadt, Ober- und Unterstadt: Wirt- »Ä«f» zum Kleinen Majrarhof" (Eingang Turm- strata 22): Herdtrn: wirtachaft zur „Kioihatde“, «tadtatrade «. Die n ■ t a g, 23. Juli, von t.SO bla U M Uhr und von 13 bla IS Uhr etühUngar: Ladamokal Firma Khgsaeer, Klarastr. TS; Haslieh: Oasthof s. Hirseban, OutleutstraBe x. Mi t twoeh, 22. Juli, von 1.20 bis 11.20 Uhr LlttSn- woUar und Ebnet: SAuihaus uttenwailer; ountsrs- tal: Guthaus zum „Kybfeisen“, Säiauinalandatr. 49: Merzhausen: Rathaus, Donnerstag. 24. Juli, von 9.20 bla 11.30 Uhr und von 13 bla 15 Uhr Ober-, Mittel- und Unterwiehre: Große Qüäkerbaräcke, Ürachstraße. Freitag, 15. Juli, von 9.30 bla 11.30 Uhr Betzenhausen und Lehen, Weststadt, Mooewaldaledlung: SOhulhaus Betzenhausen, Hofacäcerstrafl*; st. Georgen: Gasthaus zur „Linde“, Basierlandstraüe 79. Freitag, 25. Juli, von 14 bla 19 Uhr Nordwest. Stadt: Gaathof zum „Kandelhof", Nebenzimmer (Eingang Kandelstraße 27); Zähringen: Gasthof zum „Bären“, Zähringer Straße. Nachzügler: Donnerstag, 21. JUU, von 3.30 bi* 11.30 Uhr in der großen Quäkerbaraoke (Urachstraße, Ecke Hildaatraße), Ermittelte Einb'echer Aus einem Filiallager des Caritas-Verbandes wurden in der Nacht zum 25. Mai 3 Sack Med!, 3 Sack Zucker und 11 Kisten m>t je 24 Dosen Wurst durch Einbruch entwendet. Den polizeilichen Nach- iorachungen ist es nunmehr gelungen, die vier an dem Einbruch beteiligten Täter in Fretburg zu ermitteln und zu verhaften. Der Großteil des D'ebes- gutea konnte wieder herbeigeschafft werden. Ausgeraubter Kraftwagen Einem Arzt in der Nordstadt wurde von einem Unbekannten der Personenkraftwagen entführt. Am darauffolgenden Tage fand man aas Auto, seiner vier Räder beraubt, in der Opfinger Straße: Außer den Rädern fehlten die Beleuchtungskörper und das zum Kraftwagen gehörende Werkzeug, Kein geeigneter Aufbewaimingsplatz , Ein Kinoangestellter aus Karlsruhe, der besuchsweise in Freiburg weilte, begab sich als Zuhörer in eine Sitzung des Amtsgerichts. Ehe er den Raum betrat, stellte er seinen Handkoffer vor der Tür ab. Ala er nach kurzer Zeit den Saal wieder verließ, wär der Koffer gestohlen. Gerechte Sühne Vor dem Schnellrichter des Amtsgerichts Freiburg wurde am 18. Juli der Besitzer des in der Gemarkung Gundelfingen gelegenen „Hasgarten- hofs“, Landwirt Karl Gehrt, abgeurteilt, über dessen rabiates Verhalten anläßlich einer Hofbegehung durch zwei Mitglieder des Ortaleistungsaus- schusses wir bereits in unserer Nummer 54 berichtet haben. Der Angeklagte war vollauf geständig, die beleidigenden Äußerungen und die Drohung ausgestoßen zu haben, will ea jedoch mit seinem Ausdruck : „Wenn ihr nicht sofort mein Feld ver- Wir bitten zu beachten ... Auf die heutige Bekanntmachung des Fernsprechamtes Freiburg wird besonders hin- gewiesen. Die Ausstellung der neuen Meldekarten wild beim Arbeitsamt Freiburg mit dem 22. Juli abgeschlossen. Bei Ausgabe der Lebensmittelkarten für den Monat August muß die neue Meldekarte mit Bestätigungsvermerk auf der Rückseite erstmals vorgelegt werden. Im Gasthaus „Zum Ochsen“ in Zkhrlngen wurde das Postsparkassenamt Freiburg für Baden eröffnet. laßt, schlage Ich euch tot“, nicht ernst gemeint haben. Der Verhandlungsverlauf ergab, daß Gehri drei Schweine und drei Rinder im Älter von drei Ws sechs Monaten bei der Viehzählung verheimlicht und such die Anbaufläche um 20 Prozent niedriger angegeben hatte. Er wurde wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 300 RM und wegen Nötigung, als die die Totschlagsandrohung angesehen wurde, sowie wegen vorsätzlichen Verschweige« der drei Schweine und drei Rinder zu einer Gesamtgefängnisstrafe von 4 Monaten bei sofortiger Strafvoll- «treckung verurteilt. Die nicht angemeldeten Schweine und Rinder werden zugunsten des Landes Baden eingezogen. Die Kosten des Verfahrens fielen dem Angeklagten zur Last, ferner wurde die Veröffentlichung des Urteils in den Tageszeitungen auf seine Kosten angeordnet. — In der Urteilsbegründung wurde hervorgehoben, daß angesichts der heutigen Volksnot aas Verhalten des Angeklagten besonders zu verurteilen und daher auch sofortige Strafvollstreckung Ungeordnet worden sei, um hier eine abschreckende Wirkung zu erzielen. Bunter Abend der Gewerkschaften Da der große bunte Abend, den der Ortsausschuß der Gewerkschaften anläßlich des 1. Bundestages veranitaltet, in kurzer Zeit augverkauft war, wird er am Montag, 21. Julf, 20 Uhr, im Maria-Hllf-Siäl wiederholt. BommeraschtMit des ASV Am Samstag, M. Juli, 1* Uhr, varanatsltst der A*V, Abt. Fußball, im Gasthaus Stahl, Kartäuseratr., aem dlaalinriga* sömmernachtfest. Eintrittskarten kur Mitglieder und Nichtmitglieder können tm Vorverkauf von Schreibwarengeschäft pengier, Schwarz- waldstrahe, und bei Dentist Baum, Btätwarswald- atraß« IM, abgeholt werden. Was wird mit Freiburgs Krematorium? Nachwort dee Stadtrats Gen. Glöckner zu den Btatsbcratuagen Dem Grundsatz und der Vorschrift der Gemeindeordnung, wonach die Gemeindeverwaltungen für die Ausgleichung der Etats verpflichtet sind, hat die. Mehrheit das Stadtrats nicht Rechnung getragen. Demgegenüber muß man aber bei genauer Durchsicht des Haushaltsplanes anerkennen, daß man bei den einzelnen Verwaltungen sehr bemüht war, die notwendige Ausgleichung anzustreben. Wo aber große Zuschüsse verlangt werden, wie bei dem Theater und der Musikschule, haben wir uns euch die Frage vorzulegen, ob man da bei der heutigen Verarmung eine Zustimmung verantworten kann. Das haben auch unsere Vertreter im Stadtrat zum Ausdruck gebracht — bei aller Anerkennung der Bedeutung dieser Kunst und Bildungsstätten. Außerdem sind auf selten der Ausgaben bei einzelnen Etats Kürzungen vorgenommen worden, die sich in der .Erfüllung erzieherischer und sozialer Aufgaben hemmend auswirken müssen, und das ist gerade in der heutigen Zeit unangenehm. Wenn zum Beispiel der Etat des Friedhofes mit einem Überschuß abschUeßt, so ist des für die Finanzverwaltung der Stadt erfreulich. Anderseits muß man aber feststellen, daß die Friedhofsverwaltung viele dringende Arbeiten nicht ausführen könnte, da ihr Arbeitskräfte und Material hierzu- fehlten. Betrachtet man die erhöhten Einnahmen dieses Etats, so Schwarzhändler und Autodiebe vor Gericht Vor dem Mittleren Militärgericht hatten sich acht Personen wegen Schwarzhandels zu verantworten. Gegen einen weiteren in die Sache verwickelten Angeklagten aus Freiburg-Has- laeh wird später verhandelt werden. Sie trieben einen schwunghaften Hendel mit allen möglichen bewirtschafteten Lebensmitteln, Zigaretten, Saccharin und anderen Waren, die sie zu enormen Preisen weiterverschacherten. So wurden für das Kilo Bohnenkaffee Preise von 460 bsw. 320 RM gefordert, für ein Pfund Kakao 4Ö0 RM, für f25 Gramm Tee 160 RM, für einen' Radioapparat .4000 RM und für ein Paar Schuhe 730 RM. Hauptschuldiger war der An- § «klagte J. Schrank, Lenzklrch, der hauptsäch- ch den Angeklagten H. Heorwagen belieferte, während dieser die übrigen Angeklagten unter erheblichem Reingewinn mit der schwarz gehandelten Ware versorgte, die von Ihnen wiederum mit gutem Gewinn weiterverschachert wurde. Bel Schrank wurden bol einer Haussuchung nicht weniger als 146,5 Meter Stoffe aller Art, ein Karton mit zehn großen Flaschen Kölnischem Wasser und andere Dinge vorgefunden und beschlagnahmt. Bel der Mitangeklagten M. Raufer, Lenzklrch, wurde bei einer Haussuchung noch eine Menge Waren vorgefunden, die zum Teil aus Wehrmachts- beständen stammten, so u. e. 70 Kilo Reis, 73,3 Kilo Margarine, 13,5 Kilo Suppeneinlagen, 22,5 Kilo Würfel- und 8,3 Kilo Kristallzucker, 12 Dosen kondensierte Milch, 2 Liter Ol, 14 Pfund Kunsthonig und 87 Kilo Welßmohl. ES wurden folgende Strafen verhängt: für den Angeklagten Schrenk 1 Jahr Gefängnis und 8000 RM Geldstrafe: H. Heerwagen, Lenzklrch, erhielt 6 Monate Gefängnis, H. Keilhack, Freiburg, 4 Monate, die Angeklagte H. Bautsmann, Lenzklrch, 3 Monate, die Angeklagte H. Fritz* schlug aus Saig 1500 RM Geldstrafe, der Angeklagte K. Drescher, Lenzklrch, 500 RM. Mit 200 RM Geldstrafe wurde die Angeklagte M. Raufer, und mit 100 RM die Angeklagte L Amann, Freiburg, belegt, im Verhältnis zur Straftat ist das Strafmaß als mild zu bezeichnen. Wegen AutodlebstaÜs hatten sich die aus Freiburg stammenden Angeklagten R. Weiter, H, Stelert und H. Lammermann zu verantworten. Sie hatten nach einem Kinobesuch in der „Harmonie" am 19. April ein dem Gouvernement gehörendes, vor dem Gebäude parkendes Auto bestiegen und damit eine, etwa 35 Kilometer lange Spritztour Hl den Schwarzwald gemacht. Nach ihrer Rückkehr in die Stadt um 23 Uhr ließen sie das Auto auf dem Waldweg beim Waldsee stehen. Die Täter wurden dabei geschnappt, als sie an einem der folgenden Tage das Auto erneut zu einer Fahrt nach Oberensingen benutzen wollten. Der Hauptangeklagte Walter erhielt drei Jahre, Stelert zwei und Lammermann ein Jahr Gefängnis. möchte man im ersten Augenblick sagen: „Nicht nur das Leben wird Immer teurer, sondern euch das Sterben." Bei genauer Durchsicht muß man aber feststellen, daß sich die erhöhten Einnahmen aus vermehrten Sterbe- fIllen ergeben. Diese betrübliche Tatsache erfordert eine kritische Bemerkung zum Etit des Friedhofes: Die hohe Zahl der Sterbefälle erfordert von der Leitung des Gertenamtes eine . umfangreiche Planung des vorhandenen Geländes zur Anlegung von Grabstätten. Durch eine intensivere Ausnützung der vorhandenen Fläche kann noch manches ©reicht werden, ohne daß dadurch die schöne und wohltuende Gestaltung des Friedhofes zerstört wird. Diese Möglichkeit tat aber dennoch sehr begrenzt und eine weitere Ausdehnung des Friedhofes ganz ausgeschlossen, Dadurch drängt lieh die Frag« der Anlegung eines neuen Friedhofes ln den Vordergrund. Dies aber bedeutet, daß wertvolles nutzbares Gelände der Bewirtschaftung entzogen werden muß, und das ist bei der derzeitigen Ernährungslage ganz besonders unangenehm. Die Sterblichkeit wird leider in naher Zukunft nicht zurückgehen, da Sich die Nachwehen des Krieges mit seinen Folgen noch lange auswirken werden. Um diesen Auswirkungen im Bestattungswesen begegnen zu können, muß dem Problem der Einäscherung mehr Entgegenkommen bewiesen werden. Das Für und wider soll heute nicht erörtert werden; denn hier sind es volkswirtschaftliche Gesichtspunkte, die uns zur Förderung des Problems zwingen. Wir haben in Freiburg ein Krematorium, dat wegen Brennstoffmangels nicht in Betrieb genommen werden kann. Diese Feststellung kann nicht befriedigen. Die zunehmende Inanspruchnahme von Gelände für das Bestattungswesen trifft nicht nur für Freiburg zu, sondern für alle Städte und Gemeinden, weshalb diesem Problem eine größere Bedeutung beizumessen ist. Man sollte deshelb annehmen, daß die Benützung des Krematoriums nicht nur eine Angelegenheit für Freiburg ist, sondern für ganz Oberbaden werden kann. Bine diesbezügliche Denkschrift an die Landesregierung wäre dadurch begründet, Die Notwendigkeit einer tatkräftigen Unterstützung durch die Landesregierung dürfte durch eine starke Benutzung des Krematoriums aus allen Tellen Oberbadens recht bald gerechtfertigt werden. Diese Annahme Ist durch die immer größerwerdende Anhängerschaft der Feuerbestattung begründet, Bei richtiger Würdigung obiger Anregungen dürfte auch bei den zuständigen Stellen die Belieferung von Brennmaterial mehr Entgegenkommen finden. Sollte sich die Beschaffung von Brennmaterial wirklich als unmöglich erweisen, so würde doch bei der Bedeutung des Problems die Frage zu prüfen sein, ob ein Umbau der Ver- brennungsanlage auf Gas o d e.» Strom möglich und garechtfertigt sei. Seite 6 — Nummer 57 Samstag, 19. Juli 1947 Romantische Klaviermusik Will ein Pianist ein Konzertprogramm mit nur einem einzigen Komponistennamen füllen, so muß -dieser Name entweder sehr inhaltsschwer und bedeutungsvoll sein, oder der Künstler muß über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügen, will man über eine gewisse Länge de s Programmes hinwegsehen. — Chopins oft etwas kraftlose, blutarme Romantik scheint uns nicht geeignet, den modernen Hörer über zwei Stunden hin wirklich zu beschäftigen. TTm so größer ist das Verdienst des jungen litauischen Pianisten Andrius Kuprevicius, daß sein Chopin- Abend keine Längen aufwies, ' — daß er vielmehr seinen Zuhörern ein künstlerisches Erlebnis von außergewöhnlicher Stärke vermittelte. A. Kuprevicius besitzt alle Eigenschaften, die ihn zu einem glänzenden, virtuosen, dabei aber auch, wie es scheint, geistvollen Interpreten dieser intimen, sehr verfeinerten Salonkunst machen. Das Technische, das bei Chopin gewiß hohe Anforderungen stellt, scheint für ihn problemlos; Den HöheDunkt des Abends bildete die packende Darstellung der b-moll-Sonate mit dem bekannten Trauermarsch. Bewundernswert, wie hier, im Trio, die naheliegende Gefahr der Sentimentalität vermieden wurde. Nie war ein Rubato zufällig, ohne daß darum von einer gedanklichen Belastung, die dieser Musik gewiß nicht gut anstehen würde, gesprochen werden könnte. Alle Dramatik (As-dur- Ballade) behielt die Eleganz, die den besonderen Reiz von Chopins Musik ausmacht, bei aller Eleganz aber nie ein Abgleiten in leere Glätte. Der echte, herzliche Beifall wurde durch einige Zugaben belohnt, die mit Scriabine, Mussorgski und Debussy einen erfreulich neuen Ton in den Abend brachten. E s ist zu wünschen, daß dieser begabte Künstler, der einen Vergleich mit den bekanntesten Chopin-Interpreten kaum zu scheuen braucht, sich dem Freiburger Publikum einmal mit einem Programm zeigt, bei dem er beweisen kann, daß seine künstlerische Basis tatsächlich breiter ist, als sie dieses Konzert erscheinen ließ. H. Hck. Ein deutsches Requiem Das „Selig sind, die da Leid tragen“ des von Johannes Brahms in seinem Requiem vertonten Bibeltextes hat wohl noch niemals vorher in so großer Breite offene Ohren und Herzen gefunden wie £ :-ade bei uns Heutigen. Darin liegt die innere Berechtigung, ja Notwendigkeit in der Aufführung durch den Bachchor unter Theo Egels Leitung. — Im deutschen Requiem fand der hochbegabte Dirigent ein Werk, bei dem er sich ganz aus seiner eigenen Mitte heraus entfalten konnte, ohne damit dem Geiste des Werkes Gewalt anzutun, so daß sich alle Mitwirkenden von ihm zu einer geschlossenen Leistung von bezwingender Kraft führen ließen. Der vortrefflich einstudierte Chor, dem man noch gern einige Männerstimmen gegönnt hatte, und das Städtische Orchester sind wesentlich an dieser Leistung beteiligt. Tilla Briem erschöpfte ihre Partie mit einer nicht mehr zu überbietenden Ausdruckskraft ihres großen, tragenden Soprans, so daß eine leichte stimmliche Indisposition nicht ins Gewicht fiel. Bruno Müller (Bariton), in Freiburg in angenehmer Erinnerung als feinsinniger Gestalter des Christus der Matthäuspassion, verstand es auch hier, in seinen so wenig „dankbaren“ Soli, den hohen Forderungen des Werkes gerecht zu werden. Daß die Aufführung durch den ungewöhnlichen äußeren Rahmen des Münsterplatzes eine leichte Verzerrung zum Sensationellen hin erfuhr, beeinträchtigte nicht wesentlich den sehr güten Gesamteindruck, zumal sich das akustische Problem überraschend gut löste und auch der Wettergott ein Einsehen hatte. H. Hck. Zeitweilige Aufhebung des Brennverbots Das Brennverbot wird für die nicht beschlagnahmte Weinhefe der Winzer für die Zeit vom 15. Juli bis 1. August 1947 aufgehoben. Für Weinhändler, Winzergenossenschaften und selbstmarktende Weinbaubetriebe, die gemäß Beschlagnahme-Anordnung vom 18 Februar 1947 zur Meldung ihrer Weinhefebestände verpflichtet waren, bleibt das Brennverbot unverändert in Kraft. Badisches Staatskommissariat für Ernährung. Verbot der Vermischung Es ist verboten, Kirschenmaische mit anderen Maischesorten zu vermischen. Badisches Staatskommissariat für Ernährung. Beachtung beim amtlichen Fernsprechbuch Im amtlichen Fernsprechbuch für 1947 ist während der Drucklegung manches hinzugekommen und manche Änderung notwendig geworden. Um nutzloses Wählen und Belästigungen der Teilnehmer zu vermeiden, bitten wir nochmals; die am Ende. des Buches, Seite 130 ff., aufgeführten „Änderungen während des Druckes“ zu beachten („Zugang“, „Änderung“ und „Streichung“). Gegebenenfalls bitte die Auskunft unter Nr. 8 anrufen- Fernsprechamt Freiburg i. Br. Sammeln von Beeren, Pilzen und Kräntern Das Sammeln von Beeren aller Art, Pilzen und Kräutern in den Waldungen, auf Weidfeldern und Ödland des Forstamts Kirchzarten wird auf die Zeit von 7—19 Uhr beschränkt und Ist nur ln den nicht durch Verbotszeichen kenntlich gemachten Schlägen gestattet. In den Hochlagen über 1000 m im Gebiet des Feldberges, Toten Mann. Stübenwasen, Hochfahrn und Hinterwaldkopf Ist das Beerensammeln erst vom 25. Juli ab gestattet. Der Gebrauch der Raffel Ist erst vom 1. August ab erlaubt. Das Übernachten Im Walde ist nicht gestattet. Auf das Verbot des Rauchens und des Feuermachens im Walde und auf Waldwegen wird ausdrücklich hingewiesen. Zuwiderhandlungen werden forstpolizeilich bestraft; ferner werden verbotswidrig benutzte Raffeln abgenommen. Badisches Forstamt Kirchzarten Erstellung einer Kleinwasserkraftanlage Der in Freiburg-Zähringen, Pochgasse 39, wohnhafte Schreiner Gottfried Ginter beabsichtigt auf dem der Stadt Freiburg gehörigen Grundstück, Lgb.- Nr. 10 204 eine Kleinwasserkraft-Anlage zum Betrieb einer Werkstatt für Holzbearbeitung am Altbach in der Hinteren Poche in Freiburg-Zähringen (Lgb.- Nr. 10 109) zu erstellen. Zum Antrieb einer Turbine in der Werkstatt soll das Wasser des Altbaches ausgenutzt und der bestehende Brandweiher bewirtschaftet werden. Etwaige Einwendungen gegen das Unternehmen sind binnen 14 Tagen, vom Tage der Veröffentlichung an gerechnet, bei der Polizeidirektion Freiburg, Kronenstr. 17, vorzubringen, widrigenfalls die nicht auf privatrechtlichen Titeln beruhenden Einwendungen als ausgeschlossen gelten. Pläne und Beschreibungen liegen zur Einsichtnahme hier auf. . Polizeidirektion Freiburg i. Br. Faraille»an«else» Ihre Vermahlung beehren sich anru- ' zeigen: Hans Kämmerer Maria Kämmerer ged. leppert Freiburg, 15. JuM 1947. Ihre Vermählung geben bekannt: Franz Kraus Ingeberg Kraus ged. Grasberger Beuthen/OS. Freiburg, Kertäusersir.54 • 19. Jul'i 1947 - Am 10. Juli 1947 hat Gott der Herr unsere geliebte, herzensgute Mutter, Großmu.ier,' Schwiegermutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Berta Ehret geb. TrRscfoler nach schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden in die Ewigkeit abgerufen, ihr leben war erfüllt von unendlicher Liebe und Güte für ihre Kinder. Freiburg*St. Georgen, 10. Juli 1947 ! Andreas-Hofer-Sfraße 51 in tiefer Trauer: Kinder und Anverwandte. Allen, die unserer lieben Mutter um Leben, während der Krankheit und nach ihrem Tode Liebe und Verehrung bezeugt haben, denken wir von Herzen. Am 10. JuH verschied unsere liebe Tochter. Nichte und Kusine Hedwig Sommer im Alter von fast 16 Jahren. Freiburg / München, 11. Juli 1947 Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Sommer und Verwandte; Max Friedlin. Mozartstraße 24. Durch einen tragischen Unglücksfall’nahm mir GoU der Allmächtige am 25. Juni 1947 meinen Ib. Mann. Vater. Sohn. 8rüder. Schwiegersohn und Schwager August Reinecke im Alter von 49 Jahren. Für die uns in so reichem Maße erwiesene Teilnahme, für die trostreiche Leichenrede und ehrenden Nachrufe sowie die vielen Kranz- und Blumenspenden ein herzliches „Vergelte Gott!" Freiburg i. Br., den 15, Juli 1947. Konradstraße 9. ln tiefer Trauer: Frieda Reinecke geb. Rieder und Tochter Elisabeth sowie alle Anverwandten. Offene Stelle» Unter günstigen Arbeitsbedingungen (früh- od. Nachmittagsschicht) werden einige ehrliche und zuveriäss., gelernte und ungelernte Arbeitskräfte bei gutem Lohn und Verpfle- gungszulage in angenehme Dauerstellung der Autobranche gesucht. Angebote unter A 5296 an Das Volk, finige Heizungsmonteure für sot od. später gesucht, ferner 1 Mann für Hot- und Gartenarbeiten Aug. 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Mletgesiic»»e Holzwarenveiarbaffend. Batrfeb (auch Schreinerei u. Drechslerei) zu kauf, oder zu Pächter gesucht Angeb. unter F 1447, an Obanex, Anz.-Exp., Freiburs i. Br. Heimatsport GroBe schwimmsportliche Veranstaltung im Strandbad Das Freiburger Strandbad wird am Sonntag Scäiau- platz einer großen schwimmsportlichen Veranstaltung sein, die vom Club Geo Andre durchgeführt wird. Der erste Teil dieses Sdrwimm- sporttages wird von der Schwimmabteilung der Freiburger Fortuna bestritten. Der zweite Teil sieht französische Schwimmer der Glubs SN Strasbourg ASPTT. Paris sowie des gastgebenden Vereins am Start. Im Mittelpunkt der schwimmsport- iichen Konkurrenzen steht ein Wasserballturnier der französischen Vereine. Strasbourg ist eine der besten französischen Wasserballmannschaften, sie steht unter den letzten Acht um die französische Wasserballmeisterschaft, und ist bereits Elsässischer Meister Die Veranstaltung beginnt um 15.30 Uhr. Die deutsche Zivilbevölkerung ist zugelassen. Die Eintrittspreise betragen: Tribühne 5 RM; offener Platz 2.50 RM. Bühne /Funk — Presse. Der kommende Sonntag bringt auf dem grünen Rasen ein besonderes Ereignis. Mitglieder der Städtischen Bühnen Freiburg und des Rundfunks und Angehörige der Freiburger Presse haben sich für ein Fußballspiel zur Verfügung gestellt, dessen Reinertrag dem Badischen Jugendberbergwerk zugute kommt. Es wäre vollkommen verkehrt, wenn wir an dieser Stelle irgendwelche Namen von Teilnehmern der beiden Mannschaften nennen würden, denn wir wollen die Neugierde der am Sonntag in großer Zahl zu erwartenden Zuschauer nicht schon vorher befriedigen. Die Männer der Presse sind bescheiden genug, um im Hintergrund zu bleiben. Sie wissen, daß sie weg s die Anziehungskraft aui die Zuschauerma-sen ausüben können, wie es die Lieblinge v ?” und Funk vermögen. Aber sie werden im . ritisi ,icben Kampfe zu beweisen versuchen, daß sle nicht nur Q Feder führen können. Nach den bisherigenVorbereitungen, die, wie immer bei derartigen Ereignissen, mit einem Schleier des Geheimnisses umgeben sind, wird man mit einem unterhaltsamen Nachmittag unbedingt rechnen dürfen. Das Spiel bildet den Rahmen für die Jugend-Pokalen tscheidungsspiele im Fußball und Handball im Mösle-Stadion. Beginn 17.30 Uhr. Tn Herr ‘PaiTCOrt unterhält Pokalentscheidungsspiele der Jugend. Am Sonntagmittag werden im Möslestadion die jugend-Pokalmeister im Handball und Fußball ermittelt.. Um 15 Uhr stehen sieh die Jugendmannschaften von Schutterwald und Durmersheim im Handball - Endspiel gegenüber, um 16 Uhr folgt das Entscheidungsspiel im Fußball zwischen Schopfheim und A c h e r n. Bei dem Ehrgeiz der jungen Spieler sind zwei spannende Kämpfe zu erwarten. Den Abschluß dieses Tages bildet die Fußballbegegung Bühne/Funk — Presse. Die pausen werden u. a. von Staffelläufen der Freiburger Schulen ausgefüllt werden. Der ASV Freiburg meldet: Jeden Donnerstag um 19 Uhr findet nun wieder der regelmäßige Trainingsabend der Fuß- baUabteilung des ASV Freiburg statt. _ Wohnungstausch Entlaufen Biete geiäum. 3-Z.Wohn. in Freiburg- Hasiach, suche gleichwert, in Freiburg oder anderem Vorort. Angeb., unter E 5481 an Das Volk. Biete S-Z.-Wohn., geraum., gute Lage. Suche 2-Z.-Wohn.. Umgeb. Freiburg. Angebote unter E 5423 an Das Volk. Zu verkaufe n Handleiterwagen, neuwertig, 2 ZU. Tragkraft Seegrasmatiratze. 3teilig, Waschkessel für Herd. 40 I Inh., abzugeben, evtl. Tausch. Angeb. unt. F 5420 ah Das Volk. Gasbackofen, 3 Loch, gut erhall., zu verk. H.-Sportanzug. Gr. 50—52, zu kauf, gesucht. Angeb. unter F 5385 an Das Volk. Herfen Taschenuhr, Schweiz. Fabrikat, 17 Steine, gebraucht, zu verkaufen, Angebote unter F 5436 an Das Volk. Briefmarken. Anbiete zum Postwerte: 1. 3 5. 6, 15 16. 20. 24. 30, 40, 42. 50. 60 Pf. deutsch«; 8. 10, 25 amerikanische u. 3. 4 Pf engl. Ausgabe. 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