Mittwoch, den 23. Juli 1947 Nummer 58 1 Jahrgang Fr«!b*rf im B r * I * f i * Ersdieinungstage Mittwoch and Samstag / Einaei* preis 20 Pf.'Monatsbezugspreis RM t.60 einschließlich Trägerlohn, durch die Post bezogen RM 1 84. Anzeigen laut Tarif gegen Rennkartenausweis. Heraasgegebeu ton Sozialistischen Verlag frei borg li.m.b H-, Freibarg t. Br, Kaiser-Josepb-ätraBe 229, Fernruf mL‘ 2 ?f 6 ± bankverb.i)d,jngen : Deutsche Bank, Filiale Freiborg; Freiburger Gewerbebank e.G.m.b.H, Freiburg i. Br; Onentliaie Sparkanse Freiburg i. Br (Städtische Sparkasse); Postscheck-Konto Lodwigsbafea (Rhein) Nr 25 460 Verbreitungsgebiet: Die gesamte französisch besetzte tone Badens nnd Württembergs — Geschäftsstellen and Vertretungen in allen größeren Orten. — Anzeigenpreisliste Nr, 1. — Gerichtsstand für beide feile Freiburg im Breisgau. Scbriftleitnng: Dr F. Große. — Druck: Universitätsdrnckerei Poppen 4 Ortroann. sämflicbe in Freiburg im Breisgau Wie hoch wird die deutsche Produktion? Annäherung Englands und Frankreichs in der Ruhrfrage — Rußland stößt vor Im Zusammenhang mit den amerikanischen Bestrebungöl, in Washington das Problem der deutschen Ruhrindustrie zwischen amerikanischen Staatsmännern und unter Teilnahme Englands zu erörtern, ist ein internationales Gespräch in Gang gekommen, das für die Zukunft Deutschlands von größter Bedeutung ist. Bekanntlich waren zunächst englische Zusagen laut geworden, ah diesem Gespräch teilzunehmen. Diese Meldungen wurden später als „Irrtum'' bezeichnet. Im Foreign Office wurde dementiert, daß Großbritannien einer baldigen Teilnahme an Besprechungen in Washington über die Ruhrkohlenproduktion oder allgemein über' den wirtschaftlichen und industriellen Wiederaufbau Westdeutschlands zugestimmt habe. In den aus Berlin eingetroffenen Nachrichten, daß der stellvertretende Militärgouverneur Sir Brian Robertson mit dem politischen Ratgeber Sir William Strang mit einer zahlreichen Delegation nach Washington ab- reisen würde, wurde erklärt, daß 'diese auf einem Mißverständnis beruhen müßten: tatsächlich sollen Sir Brian Robertson und Sir William Strang Berlin verlassen, aber nur nach London zu vorbereitenden Beratungen für eine später vorgesehene britisch-amerikanische Konferenz. Es war zeitweilig die Rede davon, daß England als Tagungsort für diese Besprechungen lieber Berlin gesehen hätte. Später wurde aus England gemeldet, daß das Gespräch auf unbestimmte Zeit vertagt worden sei. Inzwischen hieß es, London und Washington werden ihre Ansichten über das Programm dieser eventuell stattfindenden Besprechungen austauschen, wobei auch andere Probleme zur Sprache kommen können. Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, hat der amerikanische Händelsmifiister Harriman über seinen Besuch in Deutschland einen Be-, rieht nach Washington gesandt, in dem die englischen Methoden,'die in Deutschland vor allem in der Steinkohlenförderung angewandt werden, ziemlich stark kritisiert werden. In London betrachtet man die Gerüchte über die amerikanische Forderung nach Übergabe der deutschen Bergwerke und Fabriken an deutsche Eigentümer als völlig unbegründet. Unterrichtete Kreise sind vielmehr der Ansicht, daß die Vereinigten Staaten auf Grund der Feststellung, daß der größere Teil der Bergwerke und Industrieunternehmen des Saar- und Ruhrgebietes bereits vor dem Kriege Staatseigentum war, eher das Problem durch Verstaatlichung unter interalliierter Kontrolle lösen wollen, wobei Sich diese Kontrolle allerdings auf die westlichen Besatzungsmächte beschränken Würde. Bei den Gesprächen spielte also offenbar die Frage der künftigen Besitzverhältnisse im Ruhrbergbau eine entscheidende Rolle. Frankreich schaltet sich ein Aus Frankreich kamen indessen Stimmen, die erkennen ließen, daß in Paris die Sorge wuchs, daß Amerikaner und Engländer das Ruhrproblem unter sich regeln wollen. Der französische Botschafter in Washington, Bonnet, erklärte der Presse vor einer Begegnung mit dem amerikanischen Staatssekretär Lovett: »Die Regierungen der Vereinigten Staaten und Großbritannien dürfen bezüglich des deutschen Industrieniveaus nichts unternehmen, was zur Beeinträchtigung der Sicherheit der Nachbarn Deutschlands führen könnte. Der Botschafter erklärte außerdem, daß Großbritan- m Paris beschäftigte sich der Ausschuß für Zusammenarbeit für den europäischen Wiederaufbau mit der Ausarbeitung, eines Fragebogens. der die Grundlage für eine europäische Wirtschaftsbilanz bilden und den 16 beteiligten Staaten zugestellt werden Soll. Der vom ausführenden Ausschuß fertiggestellte Fragebogen wurde in der Samstagsitzung von dem Ausschuß für Zusammenarbeit angenommen. Bei den Besprechungen erregte die Nachricht Befremden, nach der der amerikanische Kongreß erst in seiner am Beginn des nächsten Jahres stattfindenden ordentlichen Tagung Beschlüsse über das Ausmaß der Hilfe für die europäischen Staaten fassen soll. Bisher hatte man gehofft, daß der amerikanische Kongreß bereits im Herbst dieses Jahres in einer außerordentlichen Tagung Beschüsse für die Europahilfe fassen werde. Im Ausschuß für Zusammenarbeit wies der holländische Delegierte Hirschfeld darauf hin, daß die deutsche Erzeugung gleichzeitig mit der Produktion des übrigen Europa erhöht werden müsse. In französischen Kreisen wurde darauf aufmerksam gemacht, daß die Aus schüsse fich nicht mit dem deutschen Industrieniveau n befassen hätten. In dieser Frage könnten «m so eher Schwierigkeiten entstehen, als BeL- nien und die Vereinigten Staaten nichts unternehmen dürften, wodurch Frankreich und Europa vor eine vollendete Tatsache gestellt würden, vor allem, zu einem Zeitpunkt, an dem die von den 16 Nationen geführten Verhandlungen Fortschritte in einer zufriedenstellenden Weise zeigen. Die Stellung Frankreichs ist unverändert, so fuhr er fort. „Wir wünschen auch weiterhin, daß möglichst viel Kohle in den Ruhrbergwerken gefördert wird. Wir wollen aber nicht, daß diese Kohle Deutschland gegeben wird, damit es daraus Stahl hersteilen kann." Zum . Abschluß seiner Unterhaltung mit Lovett, die eine Stunde dauerte, gab Bonnet Seiner Meinung dahingehend Ausdruck, daß die ersten Ergebnisse der Pariser Konferenz bereits in sechs Wochen zu verzeichnen wären. Falls jedoch Frankreich vor Entscheidungen gestellt werden sollte, die es nicht annehmen kann, könnten die Ergebnisse der Konferenz ernstlich gefährdet werden. Bevin schließt sich der französischen These weitgehend an Uber ein Gespräch, das im Zusammenhang mit den Erörterungen über die Ruhrfrage geführt wurde, hatte der amerikanische Botschafter in London, Levis Douglas, eine Begegnung mit dem britischen Außenminister Bevin im Foreign Office, über die man sich völlig in Schweigen hüllte. Nachrichten aus zuverlässiger Steile zufolge soll Bevin dem amerikanischen Vertreter mitgeteilt haben, daß die durch die Reden amerikanischer Staatsmänner und der amerikanischen Vertreter in Deutschland bereits bekannt gewordenen Vorschläge Amerikas zu einer Annäherung der E n g I ä nd e r u nd Fr ä » z o s e n geführt habe. Bevin Soll mit anderen Worten die fran- Die „New York Times” schreibt, daß die neuen Direktiven der amerikanischen Regierung an die amerikanische Militärregierung in Deutschland zur Wiederaufrichtung der deutschen Industrie, sowie an die an zehn Länder gerichtete Einladung zur Teilnahme an einer Konferenz zur Vorbesprechung des Friedensvertrags mit Japan ein Eingeständnis der USA darstellen, politische und . strategische Fehler begangen zu haben. Die Zeitung kommt zu dem Schluß, daß es sich bei diesen Entschlüssen nicht darum handelt, den Wert des Sieges, der die USA vor einer drohenden Destruktion durch Deutschland und Japan gerettet hat, zu schmälern, sondern darum, die begangenen Fehler gutzumachen und die amerikanische Politik im Sinne der Ausführung«» Marshalls auf der Konferenz der Gouverneure auszurichten. „Die Bildung einer deutschen Zentralregierung mit genau begrenzten Vollmachten, wie sie in den neuen Richtlinien für die amerikanische Militärregierung in Deutschland als wünschenswert bezeichnet wird, entspricht im Prinzip nahezu den Wünschen des gesamten deutschen Volkes", erklärte der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Karl Arnold. Die Richtlinien stellten, meinte Arnold, einen umfassenden Plan dar, der in konstruktiver zösische These weitgehend verteidigt haben. Er habe darauf hingewiesen, daß bei Billigung der von den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Maßnahmen schwere Gefahren für die militärische und wirtschaftliche Sicherheit Großbritanniens und Frankreichs entsteh«! könnten. Rußland verlangt Auskunft Der sowjetische Vertreter im Koordinationskomitee ejes Kontrollrats hat im Verlauf der letzten Sitzung vor den englischen und amerikanischen Delegierten Auskünfte über das zukünftige Industrieniveau in der britischen und amerikanischen Zone, das augenblicklich Gegenstand der Besprechungen zwischen den Generalen Clay und Robertson ist, verlangt. Die beiden darüber befragten Delegierten antworteten, daß der gegenwärtige Stand der Verhandlungen ihnen noch nicht ermögliche, hierzu Erklärungen abzugeben. Die Frage wurde vertagt. Im Verlauf derselben Sitzung machte der sowjetische Vertreter weiter den Vorschlag, mehrere Stahlwerke der beiden Zonen mit einer jährlichen Produktionskapazität von zehn Millionen Tonnen unter Anrechnung auf die Reparationsleistungen Sofort unter die Alliierten aufzutei- len. Die sowjetischen Behörden betrachten tatsächlich diese Werke als überzählig im Vergleich zu der vom Viermächteplan für Deutschland vorgesehenen Jahresproduktion von 7 500 000 Tonnen Stahl. . General Clay erklärte vor amerikanischen Pressevertretern m Berlin, daß die amerikanische Militärregierung in Deutschland keine der von Rußland in der letzten Woche vor gebrachten Reparationsforderungen berücksichtigen werde, bevor nicht das neue Übereinkommen über die deutsche Industrieproduktion in Kraft getreten sei. Weise die verschiedensten Einzelprobleme zu behandeln sucht. Der Ministerpräsident begrüßte vor allem, daß nunmehr wenigstens für die amerikanische Zone Kompetenzen zwischen der Militärregierung und der deutschen' Verwaltung klar abgegrenzt und die Befugnisse der. Militärregierung auf die oberste Kontrolle beschränkt werden. Der Wunsch der amerikanischen Regierung, der -Kontrollrat möge ein Programm über Produktion und Außenhandel für ganz Deutschland entwerfen, möge sobald wie möglich erfüllt werden, sagte Arnold. Nur wenn die Wirtschafts- und Produktionskräfte aufeinander abgestimmt seien, könne die Verelendung des deutsch. Volkes verhindert und die Aufwendungen der Alliierten durch Export bezahlt werden. Der nordrheinisch-westfälische Innenminister Dr. Walter Menzel (SPD) erklärte zu den neuen Richtlinien für die US-Militärregierung: „Es wäre zu begrüßen gewesen, wenn die Direktive auch ein Besatzungsstatut enthalten hätte, das die Rechte und Pflichten von Besatzung und Bevölkerung gegeneinander abgrenzt. Ein Solches Statut sei notwendig, um die Unsicherheit der Bevölkerung und der deutschen Verwaltung zu beseitigen und die Eingriffsbefugnisse der Besatzungsmacht festzulegen. Der Verfassungsausschuß des Zonenbeirates werde ein derartiges Statut ausarbeiten. Französische Untersuchungskommission In Berlin Brüning spricht Wie Hitler zur Macht kam Die „Deutsche Rundschau“ veröffentlicht einen wichtigen Aufsatz des ehemaligen Reichskanzlers Brüning über die Vorstationen des Weges zur „Machtergreifung“. Aus dem Artikel wird vor allem eines deutlich: die Schuld Hindenburgs, des freilich damals nicht mehr voll zurechnungsfähigen Reichspräsidenten. Brüning geht aus von der politischen Lage des Jahres 1929. Von da an war Brüning sich klar über die Gefahr, die einst sein Fraktionsfreund und Ministerkollege Joseph Wirth mit den Worten ausgesprochen hatte: Der Feind steht rechts! Auch General Schleicher, den Göring 1934 ermorden ließ, war um diese Zeit mißtrauisch geworden; er habe Kenntnis erhalten von einem „Mobilmachungsplan“ Pilsudskis: der polnische Führer rechne mit einem nationalsozialistischen Putsch, vielleicht gleichzeitig von der anderen antidemokratischen Seite, von der KPD her unterstützt; das sei eine Gelegenheit, um einzugreifen und Schlesien für Polen zu bekommen. Hindenburg aber bremste. Er wollte nichts gegen die NSDAP unternehmen: das verstoße gegen die Verfassung. Mittlerweile wuchs die braune Front. Im Herbst 1931 versuchte Brüning, mit der Reichswehr und SPD — man darf vermuten, daß hierbei vor allem das „Reichsbanner“ eine Rolle hätte spielen sollen — zu einer gemeinsamen Aktion vorzustoßen. Wieder bremste Hindenburg ab. Im gleichen Herbst 1931 schalteten sich auch außenpolitische Faktoren in diese Entwicklung ein. Das große Ziel Brünings war die endgültige Lösung des Reparationsproblems. Es stand nahe davor in jenen Tagen: hierüber hat Schlange-Schöningen in seinem im vorigen Jahr veröffentlichten Buche „Am Tage danach“ schon manches Aufschlußreiche gesagt. Neu aber ist, daß das bis dahin in außenpolitischen Fragen gute Einvernehmen Hindenburgs mit Brüning durch Querverbindungen gestört wurde, die seltsamen Ursprungs waren: ausländische Persönlichkeiten hätten erklärt, eine Einbeziehung Hitlers in die deutsche Regierung sei vorteilhaft für die internationalen Verhandlungen. Es folgte eine — ergebnislose — Aussprache Hindenburgs mit Hugenberg und Hitler. Schleicher und Hammerstein waren in diesem Spiel um die Macht immer noch Gegner des „neuen Kurses“. Eine Gruppe von Bankiers aber versuchte, bfinden- burg für den „böhmischen Gefreiten“ zu gewinnen — so sprach Hindenburg damals noch von Hitler. Dann aber kam es — ein zweifellos tragischer Zufall — zu einem geistigen Zusammenbruch Hindenburgs, der streng geheimgehalten-wurde. In dieser Situation, da, wie Brüning heute sagt, Hindenburgs Geist umwölkt war, hatte nun die Kamarilla des Präsidenten freie Hand — vor allem der „Kronprinz“, Oberst von Hindenburg, eine Gestalt, über die neuerdings durch Veröffentlichungen von Schultze-Pfälzer und Hermann Schützing« einiges nähere bekannt wurde. Man weiß, daß Löbe, Braun und Severing, die alle drei noch am Leben sind — warum schweigen sie? — sich ihre besonderen Gedanken über diesen Adjutanten des Unheils machten. Des Kulissen-Rätsels Lösung wird heute angeboten: der „Kronprinz“ hatte zwischen seinen beiden Regimentskameraden, Schleicher und Papen, zu wählen — er entschied sich für Papen, den Schrittmacher Hitlers. Der Klubfreund Baron von Schröder, der Bankier, und Ribbentrop, damals noch Sektmagnat, halfen mit So öffnete Hindenburg junior Hitler die Tür ' zum „alten Herrn“, Papen, als der Advokat des braunen Teufels, mixt den Todestrank der Republik. Am 30. Mai 1932 wird Brüning aufgefordert, efn „Kabinett ■ der Rechten“ zu bilden. Hitler und Hugenberg hätten versprochen, ihn zu unterstützen. Worauf Brüning erklärte: auf ein Versprechen Hitlers könne er sich nicht verlassen. Hindenburg: er werde nur noch solche Erlasse Brünings unterzeichnen, die durch alle drei normalen Lesungen des Reichstags hindurchgegangen und angenommen seien. Dies war zweifellos. Papens Geschoß. Denn die Dinge standen so, daß damals alle Regierungsvorlagen von der NSDAP und der KPD in gemeinsam« Gegnerschaft niedergestimmt wurden, im Reichstag wie im preußischen Landtag. Am folgenden Tag, einem der schwärzest«! Tage der deutschen Geschichte, hatte Brüning eine glänzende Trumpfkarte in sein großes, außenpolitisches Spiel einfügen können: eine Stunde vor der entscheidenden Unterredung mit Hindenburg erhielt der Kanzler die Nachridit, daß seine Abrüstungsformel in Genf angenommen und daß die Restzahlung von fünf Milliarden Reparationen im Prinzip genehmigt sei. Dies war ein großer außenpolitischer Erfolg, der seiner weiteren Innenpolitik ein festes Fundament geschaffen hätte. Denn dies war die Taktik Brünings gewesen: zuerst klare Sicherung der Außenpolitik, um dann an die Säuberung der inneren Lage gehen zu können. Aber eben dies galt es zu vereiteln: die Kamarilla des Kronprinzen hatte das Ohr des „alten Herrn“. Innerhalb dreier Minuten entschied sich das deutsche Schicksal: Brüning wurde entlassen. Papen war Reichskanzler. Zu spät sah Hindenburg den großen Fehler ein. Drei Tage nachher sagt« « beim Abschiedsbesuch zu Brüning: „Ich bin wieder betreten worden. Dieser Kanzler wird es niemals schaffen. Ich bin noch nicht zu alt, um das zu Die Arbeit der Ausschüsse in Paris gien, Holland und Luxemburg die Einbeziehung der deutschen Westzonen in den Marshall-Plan verlangen. Frankreich macht hierzu Vorbehalte, denn nach seiner Ansicht soll der Wiederaufbau Europas nicht dazu führen, Deutschland eine Vorzugsstellung einzuräumen. In Paris wird nicht verkannt, daß die Vereinigten Staaten beabsichtigen, Deutschland in den Marshall-Plan einzugliedern. Wie es heißt, wird in amerikanischen Wirtschaftskreisen ein Plan erörtert, nach dem die Leitung des deutschen Außenhandels amerikanischen und britischen Geschäftsleuten übertragen wird. Beratung über Marshall-Plan durch den Kongreß erst im Januar? Der Vorsitzende d« Finanzkommission des Repräsentantenhauses, John T a b e r, und der Vorsitzende der Finanzkommission des Senats, 8. B r i d g e s (beide Republikanische Partei), haben erklärt, es sei unwahrscheinlich, daß der Kongreß vor Januar 1948 zu einer Sondersitzung zwecks Beratung üb« die Verwirklichung des Märshall- Planes einberufen werde. Taber stellte in diesem Zusammenhang fest, das Staatsdepartement habe ihn unterricht«, es sei nicht in der Lage, die von den beiden Kommissionen angeforderten Unterlagen finanziell« Art vor Mitte Herbst zu liefern. Elf Mitglieder der französischen Nationalversammlung befinden sich z. Z. auf einer Inspektionsreise in der französischen Zone und hielten sich auch mehrere Tage in Berlin auf, wo Abgeordneter Henri T e i t g e n, der Vater des Ministers Jean-Pierre Teitgen, der Korrespondentin des Blattes „L'Auhe", erklärte, daß dort die englischen und amerikanischen Beamten mit ihren französischen und sowjetrussischen Kollegen an der Erledigung derselben Aufgaben arbeiteten. Selbst wenn auf internationalem Gebiete die Beziehungen mehr oder weniger gespannt seien, herrsche in Berlin vollendetste Höflichkeit Auf die Frage, ob sich die Untersuchungskommission für den Anschluß der französischen Zone an die englisch-amerikanische aussprechen werde, erwiderte Teitgen, .daß es ihm schwierig erscheine, daß die französische Besatzungszone ohne Abmachungen mit den anderen fort- bestehen könne. Politisch wolle aber Frankreich die Teilung Europas in zwei Blocks vermeiden. Der Zusammenschluß der drei westlichen Besatzungszonen würde eine Drohung dieser Spaltung darstellen, die Frankreich vermeiden wolle. Damit in Elfeopa kein Bruch erfolge, sollten sich Frankreich und die Alliierten in Berlin festhalten. Die neuen Richtlinien für General Clay Berichtigt Amerika „politische und strategische fehler u ? Mittwoch, 33. Jafi tWT Seite 3 — Nummer 38 sehen.“ Er sollte sehr bald sehen, was dieser Papen alles fertigbrachte. Ein Jahr später ging Brüning in die Emigration, nach England. Dort sollte er noch einmal Gelegenheit erhalten, gegen das kommende Unheil sich einzusetzen. In einem Vortrag, den Brüning am 9. April 1946 in der Universität Chikago hielt, erzählte er: „Als Hitler zur Macht kam, war es möglich, fast genau vorher auszurechnen, wann die Regierung Hitlers wegen Mangels an ausländischen Devisen gescheitert wäre, hätten die anderen Länder ihre Wirtschafts- und Finanzpolitik so wie bis dahin fortgesetzt. Alle mir bekannten Sachverständigen in- Finanzangelegenheiten waren mit mir einer Meinung, daß die Schwierigkeiten bei der Erneuerung des Vertrages über ausländische Deviaen Hitlers Regierung im Sommer oder Herbst 1934 zu Fall gebracht hätten.“ Es kam anders. Die amerikanische Dollarentwertung bedeutete eine große Erleichterung für die deutschen Schuldner. Aber noch wichtiger war das englisch-deutsche Zahlungsabkommen von 1934: abgeschlossen nach dem „Röhmputsch“, bei dem auch enge frühere Mitarbeiter Brünings ermordet wurden. Es ist bezeichnend, daß damals einige der deutschen Unterhändler in London heimlich zu Brüning kamen und ihn baten, er solle seinen ganzen Einfluß aufwenden, damit das Abkommen nicht zustande komme. Nur dann sei ein Sturz des Naziregimes noch möglich. Brüning tat es; aber es wurde ihm von englischer Seite gesagt, er sei ganz und gar im Irrtum. Es sollte sich bald erweisen, wie sehr Brüning und die deutschen antinazistischen Beamten im Recht waren. Denn nun erst war die Wiederaufrüstung möglich geworden. Eine dritte ähnliche Hilfsstellung leistete übrigens, wie Brüning in seinem Vortrag mitteilt, auch Rußland. Noch manches andere auf dem Weg von der politischen Intrige bis zum Verbrechen wird sich als das Werk bestimmter einzelner „Persönlichkeiten“ erweisen. Die Veröffentlichung Brünings wird nicht die letzte Enthüllung sein Vor allem aber zeigen seine Ausführungen, daß viel mehr als bisher in weiteren Kreisen bekannt, der Dolchstoß gegen die demokratische Republik von den Kreisen um Hindenburg vorbereitet wurde. Man darf annehmen, daß der Prozeß, der Hugenberg vor die Schranken des Gerichts stellt, auch hierzu Aufklärendes beibringen wird. R. G. H. Die Zentralmitgliedskartei der Nazipartei Ein Hamburger Urteil und eine Anordnung der mmerikanmhm Militärregierung Nach einem Bericht der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit" war im Zusammenhang mit einer Anklage wegen Fragebogenfälschung von dem Militärgericht festgestellt worden, daß die im Besitz der Militärbehörden befindliche Zentralkartei der Nationalsozialistischen Partei nur ein „Beweis vom Hörensagen" und deshalb vom Gericht nicht zugelassen sei. Es hatte sich in diesem Fall ergeben, daß ausgedehnte Nachforschungen im Gegensatz zu den Angaben dieser Kartei keine Anhaltspunkte für die Mitgliedschaft des Beschuldigten erbrachten. Das englisch-amerikanische Recht, so hatte der Vorsitzende des Gerichts erklärt, stelle an die Beweise im Strafverfahren noch hohe Anforderungen. Eine Urkunde dürfte nur dann als Beweis verwandt werden, wenn sie unmittelbar über die Tätigkeit des Angeklagten etwas aussage. Tatsächlich beweise die Zentralkartei in diesem Falle aber keine Handlung des Angeklagten, sondern nur eine der Ortsgruppe, nämlich die Tatsache, daß sie nach München mitgeteilt habe, der Angeklagte gehöre der Partei an. Eine Verfolgung der kleinen Nationalsozialisten gehöre nicht zu den Zielen der Besatzung, und es sei daher auch nicht erforderlich, die strengen Rechtsregeln zu durchbrechen, um jemanden zu verfolgen, der, wenn er schon ein Nationalsozialist gewesen sei, doch bestimmt nur ein kleiner. Es bleibt abzuwarten, wie die amerikanische Militärregierung in Berlin sich zu diesem Urtel stellen wird. Vorerst stellt eine Anordnung der Rechtsabteilung der amerikanischen Militärregierung fest, daß die Unterlagen über die Mitgliedschaft in der Nazipartei, die sich in der Dokumentenzentrale im amerikanischen Sektor Berlins befinden, bei Gerichtsverfahren der amerikanischen Militärgerichtshöfe nicht Aus allen vier Zonen Berlin. „Die Presse braucht Freiheit, um wirken zu können, erklärte der Chefredakteur der „New Yorker Volkszeitung" Friedrich Stampfer in einem Bericht über seine Erfahrungen als Journalist in der Emigration. Stampfer war vor 1933 Chefredakteur des „Vorwärts" und ging nach 1933 in die Tschechoslowakei und später nach Frankreich und Amerika. In seinem Bericht hob er besonders die unbegrenzte Pressefreiheit in Amerika hervor, die es ihm ermöglichte, die dort in deutscher Sprache erscheinende „New Yorker Volkszeitung" im Sinne der Sozialdemokratie herauszugeben. Auf die Frage eines Journalisten, wie man in New York die Stellung Berlins Sehe, sagte Stampfer, die Meinungen darüber seien in Amerika zwar verworren, aber politische und einflußreiche Leute wüßten, daß sie Berlin nicht aufgeben dürften. Berlin. Uber 1 500 000 Geschenkpakete aus den Vereinigten Staaten kamen im Laufe des Monats Juni in Deutschland an. Berlin. Uber 100 000 Kriminalfälle wurden nach einer Mitteilung der amerikanischen Militärregierung für Deutschland von deutschen Gerichten in der amerikanischen Zone in den Monaten Mai und Juni bearbeitet. Mit der Erledigung von insgesamt 111 681 Fällen wird eine 33prozentfge Zunahme der Straffälligkeit gegenüber März/April und eine fast 60pro- zentige Erhöhung im Vergleich zum Zweimonatsdurchschnitt für 1946 verzeichnet Französische Zone Mainz. Das Thema „Die politischen Parteien", welches die an der Johannes-Gutenberg-Uni- versität in Mainz zum ersten Male für das deutsche Universitätsleben eingeführten öffentlichen Aussprache-Abende behandeln, wurde fortgesetzt durch ein aufschlußreiches Referat des Chefredakteurs Günter Markscheffel. Der Herausgeber der soeben erschienenen neuen Parteizeitung „Die Freiheit" sprach „Vom Werden und Wollen der Sozialdemokratie". Amerikanische Zone Stuttgart. Die amerikanische Militärregierung beabsichtigt, wie die Pressestelle des Länderrats mitteilte, einen großen Teil der Verfahren gegen angebliche Kriegsverbrecher und Personen, die verdächtig sind, Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben, den deutschen Behörden zu übergeben. München. Das bayerische Justizministerium hat am 14. Juli die Generalstaatsanwälte in Bayern angewiesen, den Versand von Lebensmitteln durch die Post zu unterbinden und eine Beschlagnahme täglicher Sendungen durchzuführen. Durch diese Maßnahme Soll das Verschleppen von Lebensmitteln aus Bayern verhindert werden. Bremen. Rund 1900 Tonnen gefrorenes Schmalz für die deutsche Bevölkerung trafen in Bremerhaven ein. Das Schmalz wird zunächst in einem Kühlhaus eigelagert. München. Geldstrafen in Höhe von rund 72 Millionen Reichsmark wurden von den baverischen Soruchkammem seit Beginn der Entnazifizierung in Bayern bis zum 1. Juni 1947 gegen mehr als 103 000 Minderbelastete und Mitläufer ausgesprochen. Darmstadt. Achtzig bis neunzig Prozent der Bevölkerung von Darmstadt und Umgebung leiden an Wurmerkrankungen, wie die Medizinalabteilung des hessischen Innenministeriums mitteilte. Es sind bereits zahlreiche Todesfälle durch die Sich immer weiter ausbreitende Seuche eingetreten. München. Vorbehaltlich der Zustimmung des bayerischen Arbeitsministeriums faßte der Münchener Stadtrat den Beschluß, die wöchentliche Arbeitszeit im Bereich der städtischen Verwaltungen und Betriebe auf 40 Stunden zu verkürzen. Nürnberg. Wie offiziell aus Stuttgart bestätigt wird, hat der ehemalige Reichsfinanzminister Dr. Hjalmar Schacht eine Revision seines Entnazifizierungsprozesses beantragt. Er wurde bekanntlich von der Spruchkammer zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Britische Zone Essen. Vom 22. bis 30. Juli wer d en dreißig britische Bergleute und zwei britische Bergbaubeamte das Ruhrgebiet bereisen. Neben Besichtigungen der deutschen Kohlengruben ist der Besuch des Lagers Bochum vorgesehen, wo neu angeworbene Bergleute vor ihrem Einsatz im Ruhr-Bergbau gesammelt werden. Hannover. Von maßgebenden Vertretern der Landesregierung der britischen Zone werden in den seit Montag andauernden Besprechungen in Celle die Grundlagen eines neuen Entnazifizierungsgesetzes besprochen. mehr als Beweismaterial ausgeschlossen werden sollen, weil sie unbeglaubigt sind. In der neuen Anordnung der Rechtsabteilung der amerikanischen Militärregierung werden folgende Punkte hervorgehoben: 1. Die Urkundenstelle besitzt die amtliche Zentralmitgliedskartei der Nazipartei. Man nimmt an, daß diese Kartei über 90 Prozent der Gesamtmitgliedschaft der Nazipartei enthält. 2. Diese Kartei ist von Beamten der Reichsleitung der Nazipartei zu dem Zwecke geführt worden, genau und laufend über die Stellung jedes Parteimitgliedes informiert zu sein und gelangte erst kurz vor Ende des Krieges in München in amerikanische Hände. 3. Die Eintragungen in die Mitgliedskarte! wurden im Rahmen der planmäßigen Verwaltungsarbeit der Nazipartei durch Beamte der ehemaligen Reichsleitung durchgeführt. Die Originalurkunden umfassen Aufnahmeanträge, Korrespondenzen, periodische Berichte untergeordneter Parteidienststellen und weiteres Material. 4. Das Nazisystem forderte, daß alle Eintragungen sofort nach Erhalt der Dokumente oder Berichte durch die zuständigen Beamten der ehemaligen Reichsleitung gemacht und die Unterlagen über Parteimitgliedschaft äußerst genau geführt und hinsichtlich des Mitgliedslandes aller aufgeführten Personen ständig auf dem Laufenden gehalten wurden. Es wurden sogar Angaben darüber gemacht, ob die betreffenden Mitglieder ihre Beträge pflichtgemäß zahlten oder nicht. Ferner enthält die Kartei Angaben über Überweisungen von einer untergeordneten Dienststelle zur anderen. Todesfälle, Ausschlüsse, Wiederaufnahmen, Entscheidungen von Parteigerichten, Ausgabe von Mitgliedsbüchern und vieles mehr. 5. Die Dokumente befinden sich, seitdem sie von der Armee der Vereinigten Staaten gefunden wurden, ständig unter Bewachung in amerikanischen Händen. 6. Die Bedeutung der verschiedenen Zeichen, Abkürzungen und Eintragungen in der Parteimitgliedschaftskartei werden in einer Bekanntmachung erläutert werden, deren Veröffentlichung und Verteilung zu er warten ist. Diese Regelung erleichtert die Arbeit der Dokumentenzentrale in großem Maße, heißt es in der Anordnung der Militärregierung, da durch sie die Gerichte berechtigt werden, Tatsachen gerichtlich anzuerkennen, die bisher jedesmal, wenn ein Dokument der Dokumentenzentrale verwendet wurde, durch einen Zeugen beglaubigt werden mußten. Interronenkonferenz der Verfolgten des Naziregimes Auf der zweiten Konferenz des Interzonenbeirates der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) berichteten Delegierte aus allen vier Zonen über einen starken organisatorischen Fortschritt seit der Frankfurter Tagung und die gute Verbundenheit der Bewegung im interzonalen Maßstab. Auch international knüpfen sich jetzt stärkere Fäden. Die ersten Erfolge beweisen die Notwendigkeit des politischen Zusammenschlusses aller Männer und Frauen der deutschen Widerstandsbewe- Konzementfleditung in der französischen Zone Im Regierungsblatt der Landesregierung Baden Nr. 26 erscheint eine Bekanntmachung, in der die Kreise der Wirtschaft genannt sind, die durch die Verordnung Nr. 96 des Com- mandant en Chef Francais en Allemagne zur Verhinderung jeder übermäßigen Machtanhäufung in der deutschen Wirtschaft vom 9. Juni 1947 betroffen werden. Dazu gehören Unternehmungen von bestimmter Größe, Konzerne, Truste sowie alle Vereinigungen (Organschaf- ten), die den Zweck haben, die eigene Unabhängigkeit ganz oder teilweise zugunsten eines gemeinsamen Erwerbszieles aufzugeben, ferner alle Übereinkommen auf dem Gebiete des Handels, der Industrie und der Finanz, die zum Ziele haben, die Konkurrenz irgendwelchen Beschränkungen oder Vorschriften zu unterwerfen. Die Tatsache, daß in Deutschland Unternehmen, Gruppen von Unternehmen oder Organisationen mit vielseitigen Bindungen und Verzweigungen im Ausland wie im Inland (Konzerne, Truste) sowie Handelszusammenschlüsse einschränkender Art oder nach Art von Monopolen (Kartellen) bestehen, hat eine übermäßige Machtanhäufung In der deutschen Wirtschaft zur Folge gehabt, die sich in der Vergangenheit verhängnisvoll ausgewirkt hat. Es war einem beschränkten Personenkreis, der über beträchtliche Mittel verfügte, möglich, auf die politische Orientierung Deutschlands Einfluß zu nehmen und die Vorbereitung und Führung des Krieges zu begünstigen. Eine solche Machtanhäufung verträgt sich nicht mit den demokratischen Grundsätzen, die in der Charta der Vereinten Nationen niedergelegt sind und die Grundlage für den Wiederaufbau der Wirtschaft und Politik Deutschlands bilden. Unter diesen Umständen wurden von den alliierten Nationen gesetzliche Maßnahmen ergriffen, die es erlauben, übermäßige Machtanhäufung in der deutschen Wirtschaft, ganz gleich in welcher Form, zu verbieten. Die Frist für die Meldungen an die Handelskammern ist auf den 31. Juli festgesetzt: im Falle der Nichtbeachtung ist Bestrafung zu gewärtigen. Weltchronik Großbritannien: Der Verstaatlichungsplan für das Transportwesen wurde in dritter Lesung vom britischen Oberhaus angenommen. Der Plan wurde von neuem dem Unterhaus vorgelegt, das wahrscheinlich einige durch das Oberhaus vorgenommene Abinderungen aufheben wird. Nachdem der Plan vom Unterhaus geprüft Ist, wird er von neuem dem Oberhaus vorgelegt. Es wird nicht angenommen, daO dieses den Entscheidungen der parlamentarischen Mehrheit Widerstand entgegensetzen wird. Im Zusammenhang mit dem Beschluß der britischen Regierung, die Einfuhr von Zeitungspapier aus Amerika zu drosseln, kam es im britischen Unterhaus zu einer langen Debatte. Nach ihrem Abschluß stellte die Opposition ein Mißtrauensantrag, der von den Abgeordneten mit fJ4 gegen US Stimmen abgelehnt wurde. Im Gegensatz zu den allgemeinen Erwartungen hat der Kongreß der britischen Transportarbeitergewerkschaft eine Resolution abgelehnt, ln der eine Dienstverpflichtung von Arbeitskräften in gewissen Industriezweigen mit Bedarf an Arbeitern befürwortet wurde. Türkei: Ein britisches Geschwader, das der Türkei einen offiziellen Besuch abstattet, ist im Hafen von Istanbul vor Anker gegangen. Ostsrre'leh: Eine englische Patrouille, die wahrscheinlich aus Versehen die Grenze überschritten hat, wurde am 10. Juli von den jugoslawischen Militärbehörden fest genommen, so erfährt man aus britischer Quelle. Der Zwischenfall ereignete sich in den Karawanken in der Nähe von Villach ln Kärnten. Die englischen Behörden haben Schritte unternommen, um die Gefangenen frei zu benommen. Vereinigte Staaten: Präsident Trumen hat den Rücktritt des Kriegsministers Patterson angenommen. Als Nachfolger Pattersons schlug Präsident Trumen den bisherigen Unterstaatssekretär im Kriegsministerium, Kennet!» Royal vor. Der Präsident der Gewerkschaft AFL (American Federation of Labor) William Green hat an den Präsidenten der CIO (Congreß Industrial Organisation) ein Schreiben gerichtet, in dem er seine Aufforderung, die 7 Millionen Mitglieder der AFL mit den 0 Millionen des CIO zusammenzuschließen, erneuert und eine weitere Zusammenkunft in „allernächster Zukunft“ vorschlägt, um die Maßnahmen zur Verwirklichung der gewerkschaftlichen Einheit in den Vereinigten Staaten zu untersuchen. Albert Einstein und der Verband der amerikanischen Wissenschaftler betonten ln einer Presse-Erklärung am Vorabend de, zweiten Jahrestages des ersten Abwurfes der Atombombe < 18 . Juli 1845), daß nur eine „übernationale“ Weltregierung den Frieden auf die Dauer sichern könne. „Weltsicherheit wird nur ein illusorischer Begriff sein“, so heißt es in dieser Erklärung, „solange die Welt nicht vor der Atomkraft geschützt Ist. Es Ist deshalb erforderlich, alle Möglichkeiten, die zur Welteinheit führen können, auszunötzen. und hier*«: dt'» von -c-n v— cn Nationen angebotenen Hilfsmittel zu gebrauchen.“ gung, die das „heimliche Deutschland" zur Zeit des Naziterrors* verkörperten ,um die Tradition gnd überparteilichen Geist aus den Konzentrationslagern und Gefängnissen in das Aufbauwerk eines neuen, wirklich demokratischen Deutschlands zu tragen. Für die innerdeutsche Wiedergutmachung, die nicht nur ein materielles Problem ist, sondern auch ein juristisches und politisches, wurden kongrete Richtlinien ausgearbeitet. Für die WN der Länder der französischen Zone nahm«» an der Konferenz der Zonensekretär Oberregierungsrat A. Kahn und die gewählten Der legierten Dr. Bittel, Pfarrer Köhler und Rolf Weinstock teil. Es fanden mehrere öffentliche Versammlungen „Hochverräter sprechen" statt, auf denen u. a. Propst Grüder, Berlin, Dr. Ludwig Schmitt, München, und Dr. Hans Mayer, Frankfurt, die Notwendigkeit unterstrichen, daß der opferreiche deutsche Widerstand unter dem Naziterror gegen den Faschismus und Militarismus im deutschen Volk selbst und der ganzen Welt besser gewürdigt und daß der gemeinsame überparteiliche Kampf der ehemaligen Naziverfolgten fortgeführt werde zum Aufbau eines näzifreien und entmilitarisierten fortschrittlichen Deutschlands, das wieder in die Gemeinschaft einer friedlichen Welt kommen wolle. Deutsche dürfen bis zu drei Monaten In (Be Schweiz reisen Der Aufenthalt deutscher Staatsangehöriger in der Schweiz ist auf eine Dauer bis zu drei Monaten möglich, erklärte in Frankfurt ein Sprecher des Schweizer Konsulats. Deutsche Staatsangehörige, die hi dte Schweiz reisen wollen, müssen jedoch eine Einladung vorweisen, die eine Bescheinigung Schweizer Behörden trägt, daß Unterkunft und Verpflegung in der Schweiz gesichert sind. Ferner muß eine Ausreisegenehmigung der Besatzungsbehörden voriiegen, die hauptsächlich solchen Personen erteilt wird, die ein amtsärztliches Zeugnis besitzen, wonach ein Aufenthalt in der Schweiz aus gesundheitlichen Gründen erforderlich ist. Vor Erteilen der Reisegenehmigung verlangen die schweizerischen Behörden die Vorlage einer politischen Unbedenklichkeitserklärung, die von deutschen Dienststellen ausgestellt sein muß, sowie einer Wohnsffo- bescheinlqung. Loritz verhaftet Der ehemalige bayrische Sonderminister Alfred Loritz wurde in München am Samstag früh durch die Münchener Kriminalpolizei in seiner Wohnung verhaftet. Der Ermittlungsrichter der Staatsanwaltschaft München hatte am Samstag früh gegen Loritz Haftbefehl wegen Verdachts auf Meineidsverleitung und Verdunkelungsgefahr erlassen. Neuer Kriegsverbredierprozeß in Rastatt Am 22. Juli begann vor dem Tribunal Gtoä- ral in Rastatt ein Prozeß gegen acht Angeklagte der KZ-Lager Grals und Bruttig. Der Prozeß wird die Zustände beleuchten, die 1944 herrschten, als die Automobilkerzenfabrik Bosch sich nach den Luftangriffen in Stuttgart-Feuerbach zur Gründung einer Filiale in der Koblenzer Gegend entschloß. Als geeignetes Werksgelände wurde ein Eisenbahntunnel zwischen Grals und Bruttig ausfindig gemacht, mit dessen Bau im ersten Weltkrieg begonnen worden war, der aber nie vollendet wurde. 1935 wurde in diesem Tunnel eine Champignonzucht angelegt. Im Jahre 1944 wurde von den KZ-Häftlingen die Ausräumungsarbeit begonnen und der Tunnel für die Zwecke der Bosch-Werke hergerichtet. Ungefähr 1500 Häftlinge kamen jeweils in Schüben von 200 bis 300 Mann an, um das Bauvorhaben durchzuführen. Die Häftlinge waren Franzosen. Luxemburger, Holländer, Norweger, Polen und Russen. Sie waren unglaublichen Grausamkeiten und barbarischen Behandlungen ausgesetzt. Entsprechend hoch war die Zahl der Todesfälle. Etwa _ 40 Franzosen starben in Crais und Bruttig in vier Wochen. Insgesamt 2 9 5 Häftlinge haben dort den Tod gefunden. Eine enorme Zahl, wenn man bedenkt, daß das Lager nur von März bis September 1944 bestanden hat. Allen Angeklagten, unter denen sich drei ehemalige SS-Leute befinden, werden Kriegsverbrechen zur Last gelegt. Hauptangeklagte sind: der ehemalige SS-Sturmführer Gerrit Oldeboemshnis. der ehemalige SS-Sturmführer Karl-Heinz Burkhard und der ehemalige SS- Sturmführer Walter Scheffe. Friedensgesellschaft für Südbaden gegründet Mit Genehmigung der Militärregierung wurde die Gründung der Friedensgesellschaft für Südbaden ln Freiburg im Breisgau ermöglicht. Zur vorläufigen Führung der Geschäfte sind bestellt: 1. Vorsitzender: German Dorsner, Freiburg !. Br., 2. Vorsitzender: Georg Schildbach, Freiburg i. Br. Pakete an Kriegsgefangene in Jugoslawien Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz gibt bekenn*, daß der Versand und die Verteilung der an die deutschen Kriegsgefangenen in Jugoslawien von ihren Angehörigen in der französischen Besatzungszone Deutschlands gesandten Pakete besten* vonstatten ging, wie die Emofangsbescheinlgungen beweisen. — Es ist wieder möglich, bis Ende August 1847 weitere Pakete bei den Postämtern der französischen Besatzungszone aufzuliefern. Es wird darauf hingewiesen, daß das Verschicken einer gewissen Anzahl von Gegenständen verboten ist (zu erfragen bet den Hilfsausschüssen). Die Paket» müssen mit Stempel des für den Absender zuständigen Hilfsausschussea versehen sein. Was macht das Wetter? Nach den gewittrigen Regenfällen am Sonntag hat ein über Süddeutschland westostwärts ziehend» Hochdruckgebiet am Montag rasch Wetterbesserung und Erwärmung gebracht. Da sich jetzt südwestlich von Irland ein größerer Tiefdruckausläufer entwickelt hat, der ebenfalls nach Osten wandert, wird die neu« Periode heiterer und sehr warmer Tage wahrscheinlich schon vor Wochenende durch erneut auflebendd Gewittertätigkeit Ihren Abschluß finden. Wetter, auss lohten bis Freitagabend: Zunächst "(i'i '••'“m, sp'iter erneut Gewitter und Temperaturrückgang. . Mittwoch, 23. Juli 1947 Nummer 88 — Seite S Der erste Bundestag der Badischen Gewerkschaften Unabdingliche Forderung: Mitbestimmung in den Betrieben und Gleichberechtigung in allen wirtschaftlichen und sozialen Institutionen Der in den Tagen vom 18.—20. Juli in Freiburg abgehaltene erste ordentliche Bundestag des Badischen Gewerkschaftsbundes der französisch besetzten Zone wurde am Freitag eingeleitet mit einer Eröffnungsfeier im festlich geschmückten Kaufhaussaal, von dessen Stirnfront das Spruchband grüßte: „Unsere Freiheit, unsere Stärke.“ Auch die Embleme der Gewerkschaften, die verschlungenen Hände, schmückten Rednerpult und Saal. Oer Feier wohnten Gouverneur Rene mit seiner Begleitung, der Vertreter des Bureau du Travail in Baden-Baden, Staatspräsident Wohieb, Staatssekretär Dr. Leibbrandt, Ministerialdirektor Martzloff, Landtagsabgeordneter Maier, Parteisekretär Gottstein und als Vertreter des Oberbürgermeisters Bürgermeister Dr. Brandei als Ehrengäste bei. Der Vorsitzende des Badischen Gewerkschaftsbundes, R e i b e 1, Freiburg, führte in seiner Begrüßungsansprache u. a. aus, dreizehn lange Jahre nabe die demokratisch gesinnte Bevölkerung, insbesondere die Arbeiterschaft, den Tag der Befreiung vom nationalsozialistischen Terror herbeigesehnt. Sie hätten gewußt, daß dieser Tag kommen mußte und es sei deshalb kein Wunder gewesen, wenn unmittelbar nach der Zulassung der Gewerkschaften alle ehemaligen Gewerkschaftsfunktionäre sich vorbehaltlos für den Neuaufbau der Gewerkschaften eingesetzt hätten. Die Mitgliederzahl der Ende 1945 egründeten Gewerkschaften sei in unserer Zone eute bis auf fast 65 000 gestiegen. Gegenüber der Zersplitterung der Gewerkschaftbewegung vor 1933 hätten die Gewerkschaften heute eine Einheit, die ihre Stärke sei. Im Oktober 1946 seien die ersten Landesvereinigungen und Ende des gleichen Jahres provisorisch der Badische Gewerkschaftsbund aufgestellt worden, dessen Vorstand im März 1947 durch Wahl offiziell bestätigt worden sei. Damit habe der Gewerkschaftsbund die Interessenvertretung der gesamten arbeitenden Bevölkerung übernommen. Die Forderung der Gewerkschaften auf Mitbestimmung in den Betrieben sei unabdinglich, desgleichen müsse ihnen das Recht zugestanden werden, befähigte Mitglieder in die Institutionen aller wirtschaftlichen und sozialen Körperschaften unter dem Grundsatz unbedingter Gleichberechtigung zu entsenden. Weiter würden sich die Gewerkschaften auch die Heranziehung der Jugend und Frauen zur Mitarbeit angelegen sein lassen. Welches Vertrauen die Gewerkschaftsbewegung genieße, beweise die Tatsache, daß der Generalrat des Weltgewerkschaftsbundes auf seiner Tagung in Prag die künftige Aufnahme der deutschen Gewerkschaften in den Weltgewerkschaftsbund beschlossen habe, weil man in ihnen den besten Garanten einer echten demokratischen Entwicklung und das stärkste Bollwerk zur Verhinderung nochmaliger faschistischer und militaristischer Umtriebe erblicke. Die Delegierten des Bundestages hätten Gelegenheit, ihre Meinung rum Ausdruck zu bringen. Er begrüßte die anwesenden Ehrengäste und hob, zu Gouverneur Pene gewandt, hervor, daß die Gewerkschaften bei der Militärregierung jederzeit volles Verständnis für ihre Wünsche gefunden hätten, wie er auch dem Direktor des Bureau du Travail den Dank übermittelte für seinen hervorragenden Beitrag zur Entwicklung der Gewerkschaften. Wenn die Arbeiterschaft trotz der schwierigen Ernährungslage bis heute ihre Pflicht erfüllt habe, so deshalb, weil sie Vertrauen in einen Erfolg der Zusammenarbeit setze. Die kritischen Tage in den Monaten Mai und Juni hätten die Disziplin der g ewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft unter eweis gestellt. Die Gewerkschaften seien bereit, für das große Ziel der Menschheit, die Erhaltung des Friedens, einzutreten und wünschtem aus vollem Herzen eine Verständigung mit Frankreich, die umso leichter sein werde, wenn die Arbeiterschaft empfinde, daß sich auch die Militärregierung ihrer Sorgen und Nöte annehme. Dem Staatspräsidenten gegenüber sprach er den Wunsch aus, daß das Provisorium der gleichberechtigten Mitbestimmung der Gewerkschaften in den vorhandenen und noch zu schaffenden Körperschaften baldigst durch gesetzliche Bestimmungen abgelöst werde, wobei den Gewerkschaften in den einzelnen Institutionen volle Parität eingeräumt werden müsse. Die Arbeiterschaft würde es begrüßen, wenn die Direktion Arbeit entsprechend ihrer Bedeutung, wie in den anderen Ländern, in ein selbständiges Sozial- und Arbeitsministerium umgewandelt würde. Die Zusammenarbeit der einzelnen Ministerien mit den Gewerkschaften sei bis jetzt gut gewesen und sie hätten das Bestreben, diese Zusammenarbeit auch weiterhin fortzusetzen. Die Regierung dürfe überzeugt sein, daß sie jederzeit von den Gewerkschaften beim demokratischen Neuaufbau von Staat und Wirtschaft unterstützt würden. Würden die Ansichten einmal voneinander abweichen, so nur deshalb, weil die Gewerkschaften die Interessen der arbeitenden Bevölkerung zu schützen hätten. In gemeinsamer Arbeit wolle man so die Grundlage für eine bessere und friedlichere Zukunft und für ein sicheres Existenzniveau der Arbeitnehmer schaffen. Der Vorsitzende der Freiburger Gewerkschaften, Kappes, gab seiner Freude Ausdruck, den Bundestag in den Mauern Freiburgs begrüßen zu können und sprach den Dank der Gewerkschaften für die Mithilfe aus, die sie beim Aufbau von allen Seiten gehabt hätten. Der Vertreter des Oberbürgermeisters, Bürgermeister Dr. B r a n d e 1, überbrachte Grüße und den Wunsch der Stadtverwaltung zu einem erfolgreichen Verlauf der Tagung. Die zu lösenden Probleme seien derart zahlreich, daß sie ohne intensive Mitwirkung der Gewerkschaften nicht gelöst werden könnten. Wir leben in einer demokratischen und sozialen Zeit Staatspräsident Wohieb führte u. a. aus, daß er der Einladung gern gefolgt sei, um durch seine Anwesenheit zum Ausdruck zu bringen, welche Bedeutung der Staatspräsident dieser Landestagung der Vertreter der Arbeiter beilege. „Der Badische Gewerkschaftsbund und der Landwirtschaftliche Hauptverband“, erklärte er, „sind die wichtigsten ständischen Vertretungen der badischen Bevölkerung. Es wäre unverzeihlich, wenn Regierung und Landtag als politische Vertreter des badischen Volkes nicht aus jeglicher möglichen Zusammenarbeit und Beratung durch die berufsständischen Organisationen Nutzen ziehen würden. Der Staatspräsident jedenfalls ist weit davon entfernt, in dem Gewerkschaftsbund einen Fremdkörper am Aufbau des Staates zu sehen. Er ist vielmehr der Auffassung, daß der Bund eine Notwendigkeit verwirklicht, ohne die der demokratische und soziale Aufbau unseres Staatswesens ein papierenes Gebäude wäre. Ich sehe in dem Gewerkschaftsbund einen Ordnungsfaktor ersten Ranges, wenn er als wirtschaftliche Organisation in unparteiischer Weise seine Stimme erhebt und die Regierung, die nach der Verfassung eine Volksregierung ist, unterstützt und auch mit kontrolliert. Es ist notwendig, daß in Notzeiten, wie wir sie jetzt durchmachen, das Volk auch außerhalb der politischen Parteien zu Wort kommt.“ Der Gewerkschaftsbund entgifte die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Kämpfe, vorausgesetzt, daß er sachlich arbeite. „Es ist“, fuhr er fort, „der Wunsch des Staatspräsidenten, daß Ihre Herren Vertreter mit den Staatsbehörden vertrauensvoll Zusammenarbeiten, daß insbesondere Ihr Bundesvorstand dem Staatspräsidenten das Vertrauen entgegenbringt, das er zu verdienen glaubt. Die Zeiten sind vorbei, wo man über die Stimmen der Gewerkschaften hinweg zur Tagesordnung überging. Wir leben in einer Zeit der Demokratie, in einer demokratischen und sozialen Zeit, oder wir leben nicht“ Er sprach die Hoffnung aus, daß die Tagung zur Festigung des Bundes und zu einem guten Ergebnis führen möge zur Wohlfahrt der Mitglieder und damit des ganzen badischen Volkes. Eines der wesentlichsten Merkmale der Demokratie Als nächster Redner sprach sodann B i n a u d in Vertretung des am Erscheinen verhinderten Leiters des Bureau du Travail in Baden-Baden. Er überbrachte die Grüße des Administrateur General, drückte den Gewerkschaften die Genugtuung und das Lob der Militärregierung über das schon vollbrachte Werk aus mit den besten Wünschen zu weiterem Erfolg und Gedeihen. Die Anwesenheit der französischen Vertreter bestätige besser als Worte, wie sehr es Frankreich daran liege, daß in Deutschland wieder demokratische Einrichtungen erstehen. Die freie Ausübung des Gewerkschaftsrechts sei unbestreitbar eines der wesentlichsten Merkmale der Demokratie. Alle die, deren Wunsch es sei, daß Deutschland wieder seinen Platz im Verein der freien Nationen einnehme, hätten mit Genugtuung die seit einem Jahr erzielten Fortschritte der deutschen Gewerkschaftsentwicklung festgestellt. Nur durch eine vollkommene Entwicklung der örtlichen Gewerkschaften werde in Deutschland eine Gewerkschaftsbewegung errichtet werden können, die in Zukunft jeder Macht standhalte. Aufgabe der Gewerkschaften sei es auch, sich zu vereinigen und die unglücklichen Überbleibsel des Nationalsozialismus und Militarismus zu verdrängen. Gouverneur Pene »ab seiner Fjeude darüber Ausdruck, anläßlich der Eröffnung des Bundestages die leitenden Männer der Gewerkschaften und die Vertreter der badischen Regierung miteinander versammelt zu sehen. Diese Tatsache bezeuge, daß man die Wichtigkeit, die die Gewerkschaften im Schoße der Demokratie haben müßten, erfaßt habe. „Die Verfassung des Landes Baden“, erklärte er, „sieht ausdrücklich vor, daß die Lohnempfänger befugt sind, auf dem Gebiet der Wirtschaft einzugreifen. Zweifellos ist die Leitung der politischen Geschäfte Sache der Regierung. Nichtsdestoweniger darf man aber außer Betracht lassen, daß die politisch und konfessionell absolut neutrale Gewerkschaftsbewegung, die in keiner Weise mit einer Partei verglichen werden kann, durch ihre 70 000 Anhänger beauftragt ist, ihre beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen zu vertreten. Man kann ohne Übertreibung sagen, daß sich die Tätigkeit ihrer Gewerkschaften nicht auf die Verteidigung der Anhänger ihrer Bewegung beschränken darf, sondern auf das Wohl aller Lohnempfänger erstrecken muß, Ihre Gewerkschafsführer sind umso geeigneter, diese Aufgabe zu erfüllen, als sie beseelt von sozialem Geist und entschlossen antinazistisch eingestellt auf demokratischem Weg durch die verschiedenen Berufsgewerkschaften gewählt worden sind. Wir schenken den Vertretern der verschiedenen politischen Parteien und der badischen Regierung unser Vertrauen, aber wir vertrauen gleichfalls auf die Leiter Ihrer Gewerkschaftsbewegung. Die alliierten Nationen und die internationalen gewerkschaftlichen Organisationen hoffen, daß die gewerkschaftlichen Bewegungen der verschiedenen deutschen Staaten kräftig dazu beitragen werden, aus den Deutschen ein friedfertiges und von demokratischem Ideal beseeltes Volk zu machen.“ In dieser Hoffnung wünsche er dem Badischen Gewerkschaftsbund volles Gelingen. Bundesvorsitzender Reibel verlas sodann B e- rüßungstelegramme der Gewerkschaftsünde aus Nordwürttemberg-Baden, Südwürttemberg, der amerikanischen, britischen und sowjetischen Zone sowie des Landessekretärs der Sozialdemokratischen Partei, deren Inhalt mit Beifall aufgenommen wurde. Am Samstagvormittag sprach zunächst Kapitän Andrer, der der Tagung besten Erfolg wünschte. Ministerialdirektor Martzloff hieß die Tagungsteilnehmer namens der Direktion Arbeit in den Mauern Freiburgs willkommen. Er gab der Überzeugung Ausdruck, daß die in den Gewerkschaften geeinte Arbeiterschaft nicht mehr gegeneinander kämpfen werde, sondern sich in den Gewerkschaften auf wirtschaftlichem, politischem und kulturellem Gebiet zusammengefunden habe, um ihre Belange wahrzunehmen und dafür zu sorgen, daß sie nicht mehr Objekt, sondern Subjekt der Wirtschaft und mitbestimmend sowie mitentscheidend sei. Der Landessekretär der Sozialdemokratischen Partei, Gott stein, wünschte der Tagung namens der Partei und der Parteipresse besten Erfolg, desgleichen Kollege Vogel, der gleichzeitig als Vertreter der Christlich-Sozialen Volkspartei sprach. Koll. Fleck vom Gewerkschaftsbund Südwürttemberg dankte für die Einladung zur Tagung und sprach die Hoffnung auf b a 1 d i g e w i r t s c h a ft- liche Einheit aller deutschen Zonen und den Zusammenschluß der Gewerkschaften über die Zonengrenzen hinweg aus, was erste Voraus- 207 Gewerkschaften i KoD. Schäffer als Vertreter der Berliner Zone überbrachte die Grüße der Berliner Gewerkschaftler und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß gerade in Baden die Gewerkschaftsbewegung so vorzüglich sei. Koll. Otto, Schwerin, als Vertreter der russischen Zone überbrachte die Grüße des Bundesvorstandes der Freien deutschen Gewerkschaften der sowjetischen Besatzungszone. Bundesvorsitzender Reibel erstattete sodann den Geschäftsbericht. Er hob hierbei u. a. hervor, daß die unbedingte politische und konfessionelle Neutralität eine der ersten Grundsätze der Gewerkschaften sein und bleiben müsse. Würde dieser Grundsatz durchbrochen, dann wären alle Anstrengungen umsonst. Der Bundestag solle daher auch in dieser Richtung Kreisen, die eine Spaltung der Gewerkschaften anstrebten, um Vorteile für sich zu haben, zeigen, daß alle nur von dem Gedanken beseelt seien, die Lage der Arbeiterklasse zu verbessern und eine Wirtschaftsform zu suchen, die den Interessen nicht nur der Arbeiterklasse gerecht werde, sondern dem Wohl des ganzen Volkes diene. Er sprach die Hoffnung aus, daß die Aufnahme der deutschen Gewerkschaften in den Weltgewerkschaftsbund bald verwirklicht werden möge. Die Gewerkschaftsbewegung in Baden habe sich seit der Gründung der örtlichen Gewerkschaften gut entwickelt. Er gab sodann einen Überblick über den Gesamtstand der Mitgliederzahl, die annähernd 65 000 betrage, was als durchaus zufriedenstellend bezeichnet werden könne. Diese seien zusammengefaßt in 207 Gewerkschaften, von denen 177 in 25 Ortsausschüssen zusammengeschlossen seien. Von den 16 nach den Beschlüssen der Offenburger Konferenz vorgesehenen Landesvereinigungen seien inzwischen zwölf gegründet, vier ständen noch aus. Er umriß dann die Aufgaben der örtlichen Gewerkschaften, der Ortsausschüsse, der Landesvereinigungen und die des Badischen Gewerkschaftsbundes selbst. Dann ging er kurz auf die schwierige Ernährungslage ein und wies an Hand von Belegschaftsuntersuchungen die große Gewichtsabnahme aller Altersstufen nach und hob hervor, daß der Bundesvorstand bei den zuständigen Stellen immer wieder auf diese gefährlichen Anzeichen aufmerksam gemacht und gebeten habe, alles zu einer Besserung zu tun. Nötig zur Erhöhung der Produktion und Arbeitsleistung sei vor allem eine stärkere Einfuhr und bessere Ernährung. Um die Landwirtschaft leistungsfähig zu erhalten, müsse sie mit mehr Saatgut und Düngemitteln versorgt werden. Erfassung und Verteilung müßten gerecht durchgeführt werden. Wenn man das Ernährungsproblem überhaupt lösen wolle, müßten Landwirtschaft und Arbeiterschaft eng Zusammenarbeiten. Erforderlich sei auch eine bessere Versorgung der Arbeiterschaft mit Schuhen und Bekleidung. Er wandte sich sodann gegen weitere Demontagen von Maschinen und trat für eine baldige Rückkehr der Kriegsgefangenen ein, um sie in den Produktions- Die Arbeit dei Am Sonntag berichtete sodann Kollege Faulhaber, Freiburg, über das Betriebsrätewesen. Er hob hervor, daß die deutsche Betriebsrätebewegung in verhältnismäßig kurzer Zeit nach dem Zusammenbruch wiedererstanden sei. Die Zulassung von Betriebsräten habe die Gewerkschaften vor große Aufgaben gestellt. Nie wieder dürfe man in Deutschland zulassen, daß großkapitalistische Mächte ihre wirtschaftliche Macht gegen die Interessen des schaffenden Volkes mißbrauchen. Das Mitbestimmungsrecht für die Demokratisierung der Wirtschaft sei zum Kernproblemdersozialen Neuordnung in Deutschland geworden. Er gab sodann einen umfassenden Überblick über die Betriebsrätearbeit. Die Gewerkschaften hätten den Entwurf eines Betriebsrätegesetzes ausgearbeitet, das sich für das Land Baden im Rahmen des für ganz Deutschland geltenden Kontrollrats- gesetzes Nr. 22 bewege. Es sei zu begrüßen, daß bei der kommenden Interzonentagung in Badenweiler auch die Vereinheitlichung aes Betriebsrätewesens auf der Tagesordnung stehe. Die politischen Parteien würden dann im badischen Landtag zu entscheiden haben, ob sie dem Willen der Arbeiterschaft Rechnung tragen. Ob die diesbezüglichen Paragraphen der badischen Verfassung nur Schönheitsfehler darstellten, könne ja bei der Schaffung entsprechender Gesetze bewiesen werden, ln einer Reihe kleinerer und mittlerer Betriebe seien bis heute trotz Anordnung der badischen Regierung noch keine Betriebsratswahlen durchgeführt worden. Es wäre Angelegenheit der Behörden, die säumigen Unternehmer zur Rechenschaft zu ziehen. Erhaltung und Verbesserung der sozialen Einrichtungen und Aufrechterhaltung der Werkküchen sei eine der vielen Aufgaben der Betriebsräte, desgleichen die Einrichtung ärztlicher Betreuung, Eintreten für eine Erhöhung des Realeinkommens, Festlegung von Kleidungs-, Funktions- und Leistungszulagen sowie die Preisüberwachung. Sodann wies er noch auf die dringende Notwendigkeit der B e- triebsräteschulung hin, damit diese ihren Aufgaben gerecht werden könnten. Auch Frauen und Jugenmiche müßten in die Betriebsräte. Scharf wandte er sich gegen den Versuch verschiedener Unternehmer, Betriebsvereinbarungen zu vereiteln oder zu verschleppen. Setzung nicht nur für den Wiederaufbau, sondern auch für die Wiedergutmachung der durch diesen Krieg verursachten Schäden sei. Koll. Engelhardt als Vertreter des Gewerkschaftsbundes Nordwürttemberg-Baden und der amerikanischen Zone überbrachte die Grüße seines Bundes und erklärte, daß kein Aufbau in Deutschland ohne Gewerkschaften möglich sei. In den letzten Wochen seien wir harten Belastungsproben ausgesetzt gewesen, und es vollzögen sich am politischen Horizont Dinge, die diese vielleicht noch größer werden ließen. Das werde aber die Gewerkschaften nicht davon abhalten, die gemeinsamen wirtschaftlichen Ziele unverzagt in Angriff zu nehmen. nit 65000 Mitgliedern prozeß einreihen zu können. Ferner verlangte er paritätisches Mitbestimmungsrecht der Gewerkschaften und planmäßige Lenkung der Wirtschaft, um zu verhindern, daß an Stelle der Produktion von Bedarfsgütern wieder das Profitinteresse trete. Diese Forderung könne nur über die politischen Parteien durch Verabschiedung entsprechender Gesetze verwirklicht werden. Gefordert werden müsse »auch eine vollständige Neuregelung des Tarif, und Arbeitsrechts. Für ein .Sozialversicherungswerk Kassierer Breitenbach erstattete sodann den Kassenbericht. Erforderlich sei Beschlußfassung des Bundestages über einheitliche Beiträge, Kassenführung, Mitgliedsbücher und Beitragsmarken. Bezüglich der Beiträge sei bereits ein Beschluß gefaßt worden, einen Stundenlohn oder zwei Prozent des Bruttolohnes als Wochenbeitrag zu erheben. Dem Bundestag liege ein Entwurf über die Beiträge vor, der zehn Klassen vorsehe. Bezüglich der sozialen Unterstützungen vertrete der Bundesvorstand die Ansicht, daß es nicht Aufgabe der Gewerkschaften sei, in Zukunft solche Unterstützungen zu zahlen. Sie müßten ihren ganzen Einfluß dahin geltend machen, daß ein Sozialversicherungswerk geschaffen werde, das die Werktätigen für alle Notfälle des Lebens sicherstelle. Die notwendigen Vorarbeiten seien bereits in Angriff genommen. Auch über die Höhe der Beitragsanteile müsse Beschluß gefaßt werden. Zur Finanzierung der Ortsausschüsse habe der Bundesvorstand den Antrag gestellt, dies den Gewerkschaften zu überlassen, jedoch die Höhe auf 15 Prozent der Beitragseinnahmen zu begrenzen. Der Schriftleiter der Gewerkschaftszeitung, Kollege Kappes, erstattete hierauf eingehenden Bericht über die Gewerkschaftszeitung. Hieran schloß sich ein Bericht des Kollegen Schneider, Baden-Baden, über den Prager Kongreß des Weltgewerkschaftsbundes. In seinem interessanten Bericht hob er hervor, daß der holländische Delegierte Kupers die Zulassung der deutschen Gewerkschaften in den WGB ohne besonderen Bedingungen befürwortet habe. Trotz der unsäglichen Leiden in ihren Ländern traten die Delegierten Frankreichs, Rußlands und anderer Länder dafür ein, daß im Vertrauen zu den neu geschaffenen Gewerkschaften und ihre bisher geleistete Arbeit die Aufnahme der deutschen Gewerkschaften in den Weltgewerkschaftsbund in Kürze erfolgen solle. Der Generalrat habe nach mehr als eintägiger Aussprache dem Vorschlag des Exekutivkomitees zugestimmt und zugleich bekanntgegeben, daß ein Büro des Weltgewerkschaftsbundes in Berlin errichtet werde. Mit dessen Hilfe erhalte die einheitliche gesamtdeutsche Gewerkschaftsbewegung wertvolle Unterstützung. — Die diesen Referaten folgende Aussprache der Delegierten des Bundestages brachte wertvolle Anregungen für die weitere Gewerkschaftsarbeit. Betriebsräte Koll. Seidel, St. Märgen, referierte sodann über Situation und Aufgaben der Gewerkschaften. Die deutschen Gewerkschaften ständen, führte er aus, während der Dauer ihrer Geschichte zum zweiten Male nach einem verlorenen Kriege mitten in einer Staatsumwandlung, vor einer in ihren Grundlagen völlig veränderten Situation. Man könne die Verhältnisse des Gewerkschaftslebens von 1945 nicht mit denen von 1918 vergleichen. Wohl habe man damals wie heute in Konferenzen, Tagungen, Mitgliederversammlungen und Werkstätten von den weitgesteckten Zielen und Aufgaben der Gewerkschaften gesprochen, doch sei heute vieles wesentlich anders gelagert. Die Forderung des Mitbestimmungsrechts der Arbeiterschaft auf die Produktionsmittel werde heute in weit intensiverem Maße erhoben. Neben der wirtschaftspolitischen Zielsetzung sei heute aber eine der ursprünglichen Aufgaben der Gewerkschaften, nämlich die des Lohnes, in Vergessenheit und Mißachtung über der Fülle anderer Probleme geraten. Diese alten Forderungen beständen jedoch nach wie vor. Wir seien ohne Zweifel ein armes Volk, das genügsam sein müsse. Wenn wir aber schon arm seien, dann müsse das ganze Volk die Armut tragen und es dürften die Hauptlasten nicht nur auf einen Teil des Volkes, die Armen, abgewälzt werden. Die Grundlage jeglichen Wohlstandes sei die Wirtschaft. Wir könnten heute nur in Umrissen erkennen, wie die deutsche Wirtschaft aussehe, denn sie werde bestimmt durch den Plan des Kontrollrates. Nach diesem Plan sei die Leistungskapazität der deutschen Wirtschaft auf 50 bis 55 Prozent von 1938 herabgesetzt. Es sei möglich, daß man uns eine höhere Kapazität zubillige, und neuerdings spreche man davon, daß sie 75 Prozent betragen solle. Dies sei nur eine sehr schmale Lebensbasis, die noch verringert werde durch die Bestrebungen aller Völker, ihre Kapazität über die Vorkriegszeit hinaus zu steigern. Hinzu komme noch die vermehrte Bevölkerungsdichte Deutschlands. Der Wiederaufbau bestehe in nichts anderem, als in ein» ungeheuren Menge von Investitionen, die aus dem Sozialprodukt entnommen werden müßten, desgleichen die Erhöhungen der Steuern und die Reparationen. All dies seien lohndrückende Faktoren, fcte 4 — Nummer 58 DasXtoß Mittwoch, 23. JuH 1947 Daraus folge, daß die, Lohnfrage für die Gewerkschaften in absehbarer Zeit mit äußerster Schärfe gestellt und der Lohnkampf in den Vordergrund der Aufgaben der Gewerkschaften gerückt werde. Sorge der Gewerkschaften müsse es sein, daß der Lohn nicht herabgedrückt werde. Man müsse den schmalen Spielraum für den Lohn erweitern. Hierzu sei ein Einfluß der Arbeiter auf die Verwaltung der Betriebe erforderlich. Auch die Bevölkerungsstruktur sei eine andere geworden, und die teilweise durch den Zustrom der Flüchtlinge verursachte Überalterung habe einen erschreckenden Grad erreicht, desgleichen sei die Zahl der Kranken gestiegen. Hinzu kämen erwerbsbeschränkte Kriegsverletzte. Die Mittel für all diese Menschen müßten wiederum aus dem Sozialprodukt entnommen werden. Der Zustrom an weiblichen Arbeitskräften zu Büroberufen könne es mit sich bringen, daß sich dies als ein Lohndruckfaktor auswirke und die Forderung gleiche Löhne bei gleichen Leistungen für beide Geschlechter in ihr Gegenteil verwandle und zu einem Druck männlicher Arbeitslöhne führe. Aus der Änderung der Berufsstruktur erwachse daher auch die Aufgabe einer B e r u f s 1 e n k u n g, die darauf hinausgehe, Arbeitskräfte dahin zu bringen, wo sie im Interesse einer planmäßigen Bedarfsbefriedigung gebraucht würden. Bei diesen Berufen müßten dann zur Heranziehung der Arbeitskräfte gute Arbeitsund Lohnbedingungen geschaffen werden. Die Änderung der Berufsstruktur müsse also auch eine Änderung des Lohngefüges zur Folge haben. Hierzu brauche man ein klares Tarifrecht, das wir zur Zeit noch nicht hätten. Wenn auch im Stadium des Wiederaufbaues, in dem es darauf ankomme, zu produzieren, Streikbewegungen von Schaden seien, würden die Gewerkschaften keinen Zweifel darüber lassen, daß sie bei Nichterfüllung ihrer Forderungen von diesem Recht Gebrauch machen würden. Es müsse den Schaffenden ein Mitbestimmungsrecht sobald als möglich eingeräumt werden, damit ihnen die Möglichkeit gegeben sei, friedlich und ohne Arbeitseinstellung Lohnstreitigkeiten zu regeln. Der Referent ging dann noch näher auf das Schlichtungsverfahren ein, mit Hilfe dessen eine Lohnregelung auf dem Verhandlungswege zustande kommen könne. Nach lebhafter Diskussion über die beiden Referate gelangten Entschließungen zur Jugendfrage, zur Ernährungslage, zur Personalfrage im Staatskommissariat für Ernährung, in der das Ausscheiden Dichteis bedauert und hervorgehoben wurde, daß der gegenwärtige Leiter für die Bevölkerung untragbar sei, einstimmig zur Annahme. In weiteren Entschließungen wurde die alsbaldige Wiederherstellung der wirtschaftspolitischen Einheit Deutschlands und die unverzügliche Schaffung deutscher Zentralverwaltungsorgane sowie Angleichung der Löhne an die bestehende Teuerung gefordert und der Bundestag beauftragt, mit der Militärregierung und den deutschen Regierungsstellen in der Frage der Wirtschaft, des Exports und der Wiedergutmachung zu verhandeln und sich für eine baldige Rückkehr der Kriegsgefangenen _ einzusetzen. Auch Angleichung der Löhne an die bestehende Teuerung durch Abschluß neuer Lohntarifverträge wurde gefordert und ein g ewerkschaftlicher Zusammenschluß im Zwei- oder ireizonenmaßstab als den Erwartungen des Weltgewerkschaftsbundes widersprechend abgelehnt. Der bisherige Vorsitzende Reibei wurde erneut einstimmig zum Bundesvorsitzenden gewählt. 2. Vorsitzender wurde Kollege Faulhaber, für den 30 Stimmen abgegeben wurden, 14 fielen auf den Kollegen Breitenbach, 10 auf den Kollegen Vogel. 3. Vorsitzender wurde Kollege V o g e 1 mit 30 Stimmen, 16 Stimmen entfielen auf den gleichfalls hierfür vorgeschlagenen Kollegen Spindler. Zum Kassierer wurde Kollege Breitenbach, Freiburg, mit 38 Stimmen gewählt, 12 Stimmen entfielen auf den Kollegen Gebhard. Einstimmig gewählt wurde Kollege Kappes als Schriftleiter. Mit der knappen Mehrheit von 27 gegen 24 Stimmen wurde schließlich der Beitragserhöhung von 2 Prozent des Bruttolohnes zugestimmt. Die Gegenstimmen waren für eine Beitragsberechnung aus dem Nettoeinkommen. Diese Festsetzung einheitlicher Beiträge tritt ab 1. Oktober 1947 in Kraft. Bundesvorsitzender Reibel schloß hierauf mit Dankesworten an die Delegierten die überaus erfolgreiche Tagung. Der Montag wurde von den Tagungsteilnehmern, soweit sie nicht schon tags zuvor die Heimreise angetreten hatten, zu einer gemeinsamen Fahrt mit der Drahtseilbahn auf den Schauinsland benutzt, um nach den vorangegangenen arbeitsreichen Tagen auch noch die Gebirgslandschaft als Erinnerung mit nach Hause nehmen zu können. Für und Wider des Abiturs 1947 Zum erstenmal wurde in diesem Jahr das Abiturexamen nach neuen Gesichtspunkten durchgeführt. Ein Ereignis, das für sehr viele junge Menschen von einschneidender Bedeutung ist. Hängt doch für sehr viele dieser jungen Menschen von der Neuregelung die Frage ab: darf ich studieren oder nicht? Die Neuregelung will einer Entwicklung Vorbeugen, wie sie sich nach dem ersten Weltkrieg einstellte: es soll der Entstehung eines akademischen Proletariats entgegengewirkt werden. Daß diese Gefahr auch jetzt besteht, ergibt sich aus folgenden Zahlen. Gegenwärtig studieren in Deutschland etwa 90 000 Studenten, während weitere 90000 um Zulassung bitten. Hinzu kommt, daß vorerst nicht mit Abgängen zu rechnen ist und daß drei Millionen Kriegsgefangene auf ihre Rückkehr warten, von denen eine ganze Anzahl „ältere Rechte“ geltend machen wird, d. h. von denen viele schon vor Kriegsbeginn mit dem Studium begonnen hatten. Es taucht also die Frage auf: nach welchen Gesichtspunkten soll die Auswahl getroffen weiden? Sollen Charakter, Gesinnung usw. eine Rolle spielen oder soll nur die Leistung maßgebend sein. Man entschied sich für das letztere. Man will allen Kandidaten die Chance geben und führte die zentrale Lösung und die absolute Anonymität ein. Die Korrektur der schriftlichen Arbeiten wird durch ein Schiedsgericht vorgenommen, dessen Mitglieder mindestens drei Jahre Erfahrung in höheren Klassen haben, während die mündlichen Prüfungen durch Kommissionen durchgeführt werden; verantwortlich ist in jedem Fall der Vorsitz. Die Bewertung nach dem Punktsystem wurde deshalb vorgenommen, weil man von dem Gesichtspunkt ausging, daß es besser sei, mit Millimeter zu messen als mit Zoll. Wer als Durchschnittsnote IS—20 hat, erhält die unmittelbare Zulassung zur Universität, 13—15: ein Jahr Propädeutik (Vorbereitung zur Universität), 10—13: Abgangszeugnis ohne Zulassung zur Universität, 0—10: Abitur nicht bestanden. Wer in einem Fach „vier Punkte“ oder darunter hat, muß ausscheiden, kann aber im nächsten Jahr sein Examen wiederholen. Wir erhielten zu diesen Fragen eine Fülle von Zuschriften aus dem Leserkreis, die das Für und Wider der Neuordnung von den verschiedensten Gesichtspunkten her beleuchten. Im folgenden veröffentlichen wir drei dieser Zuschriften, die uns typisch zu sein scheinen für die Einstellung weitester Kreise zur Neuregelung und die Ansatzpunkte aufzeigen, von denen her die zweifellos bestehenden Mängel der neuen Prüfungsmethode einer Revision unterzogen werden sollte. Vorzüge und Nachteile Viele Steine sind von den Herzen unserer Abiturientinnen und Abiturienten gefallen, nachdem sie in diesen Tagen das befreiende „bestanden" gehört haben. Die Besonderheit für den Abiturientenjahrgang 1947 ist: das erste Zentralabitur ist vorbei. Der Streit der Meinungen über Vorzüge und Nachteile der neuen Prüfungsart ist bei allen Betroffenen, d. h. bei Schülern, Eltern und Lehrern groß. Und das ist gut so. Wir wollen Neues, aber wir wollen das Neue ernsthaft diskutieren, übernommene Schemen taugen nichts, lebendiges Gestalten ist gerade im Unterrichtswesen dringend notwendig. Welches sind nun die Vorzüge der neuen Prüfungsmethode? Wir sind uns über zwei Dinge im klaren: Wir wollen erstens kein akademisches Proletariat und zweitens soll nur die Auswahl der Besten zum Studium zugelassen werden. Die alte Prüfungsmethode hat Nachteile, die das Zentralabitur überwindet. Je nach den Anforderungen, welche die jeweilige Schule stellte, hing der Wert des Abiturs von dem Wert der Schule ab. Läßt man dann z. B. zur Universität nur diejenigen Schüler zu, die ihr Examen mindestens mit gut bestanden haben, so kann es Vorkommen, daß ein Schüler einer weniger anspruchsvollen Anstalt zur Universität zugelassen wird, während ein anderer mit größeren Fähigkeiten, der an einer guten Schule aber nur mit befriedigend bestanden hat, nicht zugelassen wird. Di« fällt jetzt fort; alle unterliegen den gleichen Bedingungen, und der formalen Gerechtigkeit ist gedient. Aber noch ein wichtiger Punkt ist gerade von uns Sozialisten in den Vordergrund zu stellen.. Alle diejenigen, denen bisher wegen der sozialen Ungerechtigkeiten der Zugang zur höheren Schule und zur Universität versperrt war, haben jetzt eine erste Möglichkeit, sieh nach Selbstvorbereitung zum Zentralabitur melden zu können. Jedenfalls denken wir, daß auch das Kultusministerium sich gegen diese Möglichkeit nicht verschließen wird! Allerdings stehen den Vorzügen auch Nachteile gegenüber. Ziel eines guten Arbeitsunterrichts wird es sein, die individuellen Fähigkeiten der Schüler weitgehend zu entwickeln. Aus diesem Grunde erstrebte man vor 1933 die Förderung selbständiger Arbeiten der Schüler, die dann auch als Jahresarbeiten im Abitur berücksichtigt wurden. Auch das Urteil über Charakter und Fähigkeiten der Schüler läßt sich nur nach längerer Kenntnis von den unterrichtenden Lehrern abgeben. Hier muß das jetzige Zentralabitur, bei dem sich Prüfer und Prüfling zum ersten Male gegenüberstanden, das abgehalten wurde, nachdem in vielen Schulen im Winter wochenlang kein Unterricht war und für das bisher kein einheitlicher Lehrplan bestand, versagen. Man könnte sich allerdings vorstellen, daß nach Beurteilung der Resultate des Zentralabiturs, die von den Klassenlehrern abgegebenen Urteile für die Gesamtbewertung hinzugezogen werden. Wir geben diese kleine Anregung in der Hoffnung, daß auch unser Kultusministerium nicht ruhen wird, bis das Zentralabitur die Form erhalten hat, die Eltern, Lehrern und Schülern das Gefühl der Gerechtigkeit gibt. Eines aber ist bei der Veranstaltung der diesjährigen Prüfung unter allen Umständen zu bemängeln: Sowohl beim Abitur als auch bei dem Begabten Wettbewerb (Concours) wurde vom Kultusministerium für die Verpflegung der Prüflinge nichts getan. Wir halten das für sehr bedauerlich, denn es hätte möglich sein müssen, in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Stadtverwaltungen wenigstens eine warme Mahlzeit bereit zu stellen. Reinhard Die Punktbewertung Ihr Artikel über die Neuerungen des Abiturexamens hat mich sehr interessiert. Früher waren die Noten der Arbeiten 1 bis 6. Nur wer auf 5' oder 6 stand; galt als durchgefallen. Also: 4/6 : 2/6. Heute gilt als durchgefallen, wer weniger als 10 Punkte bat! Also: 10/20:10/20 oder 3/6 : 3/6, das ist eine bedeutende Verschlechterung der Chance, das Abitur zu bestehen. Ich finde diese Härte unangebracht. Hingegen finde ich es richtig, daß der Zugang zur Hochschule von einer bestimmten Punktzahl abhängig gemacht wird, was der früheren Abituriumsnote 2 entsprach. Diejenigen Schüler, die nur durch große Büffelei zu guten Noten kamen, aber wenig über den Durchschnitt begabt sind, sollten vom Studium ferngehalten werden. Denn - eines Tages stehen sie an dem Punkt, wo die fehlende Intelligenz sich einfach nicht mähr durch Fleiß ersetzen läßt! Mich würde es sehr interessieren, zu erfahren, wie die „Buben", die als gute Schüler auf Grund einer bestimmten Unterrichtsstundenzahl bei der Heimatflak die Vorsemesterbescheinigung bekam«!, dann im Frühjahr 1945 noch zum Militär gepreßt wurden und seither in Gefangenschaft sind, wie diese Jungens zum Abitur mit Studiumserlaubnis kommen, ohne daß sie bereits Großvater sind! Wie gedenkt man diesen jungen Leuten weiterzuhelfen? Mit Achselzucken und „Eben Pech gehabt“ wird nur noch mehr Bitterkeit bei diesen wahrhaftig vom Unglück schwer betroffenen jungen Menschen hervorgerufen! Wäre es nicht möglich, daß bei ihrem Abitur nur diejenigen Fächer nach Normalpunkten gezählt werden, die sie für ihr Studium gewählt haben, die anderen Fächer ganz oder teilweise wegfallen? Ein Beispiel nach altem Muster: Deutsch: 3; Französisch: 4; Englisch: 3; Mathematik: 1; Physik: 1; Chemie: 2. Aus diesem Schüler würde bestimmt ein guter Physiker oder Radioingenieur werden. Doch die Abiturgesamtnote wird so ausfallen, daß er überhaupt nicht studieren darf! Als „Heimkehrer" hat er nun die Wahl, aufs Studium zu verzichten oder sich mit seinen mindestens 21 Jahren mit den Sekundanern in die Bank zu setzen und mit ihnen 3 bis 4 Jahre zu büffeln, um in Sprachen, in denen er nun einmal wenig begabt ist und die er für sein technisches Studium auch nicht braucht, eine so gute Note zu bekommen, daß diese nicht mehr so verheerend auf die Abi- turiumsgesamtnote drückt. Mit vielen hunderten jungen Leuten und deren Eltern würde ich mich sehr freuen, wenn sich Wege fänden, bei denen jede unbillige Härte vermieden ist. S. B. Die politische und soziale Seite Mit Erstaunen konnte man in einer kürzlich erschienenen Pressenotiz lesen, daß von den 970 Schülern der höheren Schulen Südbadens, die dieses Jahr ihre Reifeprüfung machen, nur 150 zum Studium auf Universitäten zugelassen werden dürfen. Abgesehen davon, daß es wenig „pädagogischen" Sinn verrät, einen solchen Beschluß gerade in dem Augenblick bekannt zu geben, in dem diese Schüler in diesen Tagen die mündliche Prüfung machen sollen, wäre eine solche Entscheidung u. E. ungerecht, politisch unklug und — im übrigen — überflüssig. Ungerecht ist eine solche Entscheidung, da ein Schüler, der während 9 Jahren eine höhere Schule besucht, das Recht hat — bei normalen Anforderungen und Leistungen — ein Abschlußzeugnis zu erhalten, das ihn zum Studium berechtigt. Befürchtet die Universität, daß zu viele Studenten zu ihr kommen, dann ist es deren Sache, durch Verschärfen.der Bedingungen der Prüfungen ein „intellektuelles Proletariat" zu verhüten. Neben den Schülern haben aber ebenso deren Eltern, die ihre Kinder jahrelang, oft unter großen Opfern, zur höheren Schule schicken, ein Recht, von solch einem Beschluß einige Jahre vorher, aber nicht eine Woche vor dem Abitur zu erfahren. Einfach zu dekretieren: von 970 Schülern dürfen 150, also nur 15 Prozent, zur Hochschule, ist unerhört! . Mangels ordentlichen Reifezeugnisses könnten einzelne Schüler, die vielleicht die Möglichkeit dazu hätten, nicht einmal ausländische Universitäten oder Fachschulen besuchen. Wie war es in den 13 Jahren des NazissytemS mit dem Abitur? Alle, die in der HJ und dem BDM „feste" mitmachten, alle Kriegsfreiwnli- gen und alle Kinder von Nutznießern des „Systems" erhielten ohne weiteres das Abitur und diese studieren teilweise noch heute! Die Nazis wollten die Jugend für sich gewinnen und gaben ihr jede erdenklichen Erleichterungen. Und was tut der neue „demokratische Staat? Er stößt die Jugend, die seit 2 Jahren unter ausgewählten Lehrern nach neuen Methoden, sehr viel gearbeitet hat — unter erschwerten Verhältnissen — in unverständlicher, politisch unkluger Weise, zurück! Fine Solche Maßnahme ist aber auch höchst überflüssig. . Die Universität Freiburg ist eine badische Hochschule, die einzige, die wir in Südbaden haben. Aus Mitteln von hier wohnhaften Steuerzahlern wird die Universität mit allem, was mit ihr zusammenhängt, unterhalten. Sie sollte daher in erster Linie badischen Landes- kindem zur Verfügung stehen. Tatsächlich müssen diese aber vor anderen Studenten aus anderen deutschen Ländern zurückstehen, deren politische Vergangenheit sehr oft nicht einmal nachgeprüft werden kann. Neben belasteten Nazis sind es frühere Offiziere, die beispielsweise in der Ostzone nicht studieren dürfen, aber in Freiburg zugelassen sind. An das Badische Unterrichtsministerium sei die Frage gerichtet, wie lange dieser unbegreifliche und ungerechte Zustand noch dauern soll? Und haben die 970 Abiturienten von diesem Jahr, soweit sie bei Anwendung normaler Prüfungsgrundsätzen durchkommen, kein Anrecht, zum Studium zugelassen zu werden? C. Gracchus. Doch Zwanziger-Liga Für die Zukunft des Süddeutschen Fußballs wurde» am vergangenen Samstag auf der ln Stuttgart stattgefundenen Tagung der süddeutschen Oberllgavereine wichtige Entscheidungen getroffen. Die vier Tabellenletzten wurden durch Mehrheitsbeschluß von 1S:9 Stimmen von einer Beteiligung an der Festlegung des neuen Spielsystems ausgeschlossen. worauf sie unter Protest die Versammlung verließen. Sechzehn oder zwanzig? — dies war wohl die wichtigste Frage der Tagung, über die man sich zu einigen hatte. Nachdem der Lizenzträger Dr. Walter noch einmal energisch für die Beibehaltung der alten Grundsätze plädierte, entschied man sich mit 11 gegen 9 Stimmen erneut für die Zwanzlger-Liga. Ohne Widerspruch der Vertreter der vier Landessportverbände (die nach heftiger Debatte ln einen erweiterten Vorstand der Oberliga gewählt wurden, der als Berufungsinstanz dienen soll) wurde dann beschlossen, ln den nächsten drei Jahren nur zwei Vereine auf-, dafür aber sechs absteigen zu lassen. Dadurch hofft man von Anbeginn der Saison 1947/48 endlich einmal Ordnung ln den Spielbetrieb, und vor allen Dingen eine leistungsstarke Spitzenklasse zu bekommen. Dr. Walter (Stuttgart) wurde erneut zum Vorstand gewählt, Decker (Schweinfurt) zweiter Vorsitzender und die Spartenleiter der vier Landessportverbände Mitglieder im erweiterten Vorstand. Mies (Waldhof Mannheim), Beehtold (Eintracht Frankfurt), Benne (Stuttgarter Kickers) und Veith (Schwaben Augsburg) sind die Vereinsvertreter der einzelnen Länder, die dem wiedergewählten Spielleiter Decker zur Seite stehen .Ein Spezialist ln schiedsrichterfragen, der bekannte Stuttgarter Müller, wurde Spruchkammervorsitzender u. Schiedsrichterobmann. Zum Schluß wurde noch das Thema Profi- Fußball behandelt. Man lehnte Ihn nicht prinzipiell ab, will aber mit einer endgültigen Entscheidung noch warten, bis eine Besserung der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse eingetreten Ist. Eine neugegründete Kommission soll bis dahin mit diesem Problem in Fühlung bleiben. Zusammenfassend kann man sagen, daß die Tagung besser wie allgemein erwartet und durchaus erfolgreich verlaufen Ist. Es Ist zu wünschen, daß die gefaßten Beschlüsse und Entschließungen sich ihrem Zweck entsprechend erweisen werden. Der Motorsport ln Württemberg/Baden stülgelegt Wie die Pressestelle der Württemberg-Badischen Landesregierung bekannt gibt, hat der Ministerrat des Landes Württemberg-Baden (amerikanische Zone) beschlossen, die Abhaltung von kraftfahrsportllchen Kennen Jeglicher Art wegen der kritischen Lage der Helfen- und Benzinversorgung zu verbieten. Durch dieses Verbot'wird der Kraftfahrsport Im Lande Württemberg-Baden (amerikanische Zone) vollkommen lahrogelegt. Betroffen von dem Verbot werden das Karlsruher Dreiecksrennen und das Solltqd e-Rennen, das ln diesem Jahre zum erstenmal wieder stattlinden sollte. Die zuständigen sportlichen Organisationen haben inzwischen die nötigen Schritte unternommen, um eine Aufhebung des Verbotes zu erreichen. Die Jugendpokaisieger wurden ermittelt Ähnlich wie bei den Senioren wurden ln diesem Jahre auch für die Jugend Pokalspiele in Fußball und Handball durchgeführt, deren Endspiele am Sonntag im Möslestadlon in Freiburg ausgetragen wurden. Im Fußball waren es die Jungen von Schopf- helm und A c h e r n , die um den Endsieg stritten, während sich lm Handball der Nachwuchs von Durmersheim und Schutterwald für das Endspiel qualifiziert hatten. Schutterwald, das in der Handbeil-Oberliga einen klangvollen Namen bat, besitzt auch ln seiner Jugend vielversprechende Talente, und so war es nicht verwunderlich, daß sie Ihren Gegner Durmersheim mit 9:3 Toren klar distanzierten. Die Jungen zeigten ein flottes Spiel, waren schnell und geistesgegenwärtig ln der Ausnützung der gebotenen Chancen. Eifer und Einsatz der Durmers- heimer reichten siebt aus, tun dt« technisch an Mängel zu überbrücken. Wesentlich härter war das F u Sb all • Endspiel zwischen Achern und Schopfhelm. Die Wiesentäler stellten zwar die körperlich stärkere und technisch bessere Ma nns c h aft, sie mußten aber gleich zu Beginn des Spieles ein Tor hinnehmen. Die Mittelbadener versuchten nun diesen Vorsprung mit Hilfe einer verstärkten Hintermannschaft zu halten, was auch einige Zeit gelang. Erst nach M Minuten der zweiten Halbzeit gelang Schopfhelm der Ausgleich, und da bis zum Schluß der regulären Spielzeit keiner Mannschaft mehr ein Erfolg beschieden war, mußte das Spiel verlängert werden. Erst ln dieser Verlängerung kam Schopfhelm zu dem zweiten und siegbringenden Treffer- Die ausgezeichnete Leistung des Achern er Torhüters fiel besonders auf. Ein Vertreter der Militärregierung beglückwünschte die Mannschaften nach dem Spiel und überreichte den Spielführern der beiden siegreichen Mannschaften die Pokale, die sie nach einem Jahr zu verteidigen haben werden. Landesjugendpfleger Warnet anerkannte ebenfalls die Leistungen von Sieger und Unterlegenen und übergab letzteren als kleinen Trost ie elntn Ball, während die Sieger Blum engebinde erhielten. Der Erste Freiburger Handhannonilca- und Akkordeonklub umrahmte die Veranstaltung mit flotten Rhythmen. Das Ende der „Tour de France**. Hoble, Frankreich, Überraschung*Sieger. Am Sonntag hat mit der Etappe Oaen—Paris die „Tour de France" Ihren Abschluß gefunden. Zur größten Überraschung wurde Hoble, Frankreich, der nicht einmal der offiziellen französischen Länder- mannechaft, sondern einer Provinzvertretung angehörte, mit 148.11.35 stunden Gesamte!eger der „Tour“. Sand Landsmann Vlette, der lange Zeit geführt hatte, fiel ln der 19. Etappe zurück und belegte am Schluß ln dar Gesamtwertung nur den S. Platz, Im Länderklassement nimmt Italien den ersten Bang ein vor Frankreich, Frankreich-West, Belgien und der Kombination Schweiz-Luxemburg, Tübingen Südzonenmeister lm Handball ln einem dramatischen Kampf errangen sich die Tübinger Handballspieler die Meisterschaft der französischen Südzone. Nachdem am vergangenen Sonntag ln Lörrach gewonnenen Vorspiel hatte man für das Spiel auf eigenem Platz mit einem Sieg gerechnet, der aber in Frage gestellt war. In der 2 3. Minute stand das Treffen 5:1 für Lörrach. Es sah bereits nach einer haushohen Niederlage der Tübinger aus, die sie Jedoch bis zur Halbzeit auf 4:5 verbessern konnten. Das Spiel nahm in der zweiten Hälfte, nachdem auch der Ausgleich hergestellt war, etwas schärfere Formen an, wurde allerdings von Schiedsrichter Dr. Gabler Jederzeit gemeistert. In wechselnden Abständen fielen auf beiden Seiten die weiteren Tore. Lörrach, das in seinem Kampfgeist nicht nachließ, scheiterte aber immer wieder an der ausgezeichneten Tübinger Verteidigung. Der Sieg für Tübingen stand erst fest, als sie das Ergebnis auf 12:9 erhöht hatten, bis schließlich mit drei Strafwürfen, die Kästier verwandelte, mit 15:9 das Endergebnis erzielt war. Um die Deutsche Handballmeisterschaft Waldhof Mannheim — Llntfort 5:5 (5:3) Valdhol zeigte ln diesem entscheidungsvollen Spiel große Schwächen und lag schon mit 3:1 lm Rückstand, ehe Zimmermann und Spengler den Gleichstand herstellen konnten. Auch nach dem Wechsel zog Llntfort mit 5:3 davon und die Wald- höfer konnten zufrieden sein, daß ihnen bis zun» Schluß noch der Ausgleich gelang. SV Waldhof — Hot-Weiß Oberhausen (:3 (3:2) Aus Anlaß seines 49Jährigen Jubiläums wellte am Sonntag (an Stelle des ursprünglich vorgesehenen VfB Köln) Bot-Weiß Oberhausen als Gast in Mannheim. Die Waldhöf er waren ln der ersten Spiel, hälfte etwas schwächer, holten sich aber dann nach dem Wechsel die Spielführung und gewannen schließlich noch mit 6:3 sehr sicher. Torhüter Jü* rissen war außerordentlich schlecht und hätte vier Tore halten müssen. Mittwoch, 23. Juli 1947 Nummer 58 — Seite 5 Stimmen der Igetinat Was bietet Freiburg? Mittwoch, den 23. Juli 1947: Maria-Hilf-Saal: Schülerabend (Klavier) von Hedwig Baur, 19.30 Uhr Universität. Hörsaal I: Russische Volkslieder, 19.45 Uhr Donnerstag, den 24. Juli 1947: Augustiner-Museum: Ausstellungstührung „Reichenauer Buchmalerei“ (Dr. Gombert) 8.30 Uhr Universität, Hörsaal I: Vortrag über „Reckt erziehung“ (Prof. Dr. Pringsheim) 20 Uhr Freitag, den 25. Juli 1947: Casino: „Der Hirschkönig“ 20 Uhr. Augustiner-Museum: Ausstellungsführung „Reichenauer Buchmalerei“ (Frl. Dr. Schroth) 8.30 Uhr An allen Tagen: Rotteck-Oberrealschule: Landesexportschau „RIGA“ Augustiner - Museum: Ausstellung mittelalterlicher Goldschmiedekunst 10—12 und 14—17 Uhr Haus Stadelmann: Ausstellung Prof. Anton Kling Haus Hufner: Ausstellung Berthold Hartmann Friedrichsbau-Lichtspiele: „Hauptsacke — glücklich!“, ab Freitag: „Der Graf von Monte Christo“, I. Teil (in deutscher Sprache) Harmonie-Lichtspiele: „Der Mustergatte“, am Freitag: „Begegnung“ Union-Theater: „Was geschah in dieser Nacht?“, ab Freitag: „Man rede mir nicht von Liebe!“ Ein Fest für die Kinder Die Frauensektion der Sozialdemokratischen Partei (Ortsverein Freiburg) veranstaltete am letzten Sonntag im Gasthaus „Zum Stahl" ein Kinderfest. Selbst der Platzregen, mit dem der Wettergott die Anwesenden überraschte, konnte den Kindern und deren Begleitung die Freude nicht rauben, die sich auch in ihren Gesichtem widerspiegelte. ln bunter Reihenfolge wurde ein Programm abgewickelt, das, gut vorbereitet, das besondere Verdienst all der tätigen Mitarbeiterinnen war. Das Kasperletheater, ausgeführt von Kräften des Stadttheaters, erregte helle Begeisterung. Leider aber konnten — der übliche Nachteil solcher Aufführungen im Freien — die Stimmen nicht überall gut gehört werden. Kinder der Tanzschule R i g h i tanzten mit großer Hingabe für die Kinder: sie zeigten ein in fleißiger Arbeit erworbenes großes Können. Musikalisch umrahmt wurde das Ganze von den Zwei Azonis, die in Freiburg keine Unbekannten mehr sind. Am Kletterbaum versuchten Sick die Buben, und manch einer holte sich das Gewünschte herunter. Sackhüpfen und sonstige Spiele wurden mit schönen Preisen belohnt. Glücklick und dankbar waren die Kinder, als knusperige Brötchen und Äpfel verteilt wurden. An dieser Stelle gebührt herzlicher Dank all denen, die zum Gelingen des Festes beitrugen. Dieser erste Versuch unserer Frauensektion, über die politische Arbeit hinaus Kinder und Sozialdemokr. Partei - Ortsverein Freiburg i. B. Frauensekfion Mittwoch, 23. Juli, 20 Uhr, findet im Gewerkschaftshaus eine Mitgliederversammlung statt. Es spricht Gen. Petri über „Wesen und Ziel der Konsumgenossenschalts- bewegung“ Da im Zuge des Neuaufbaus die Konsumgenossenschaften eine erhebliche Rolle spielen werden, braucht auf die Wichtigkeit der Versammlung nicht besonders hingewiesen werden. Wir erwarten deshalb einen zahlreichen Besuch der Genossinnen und Genossen. Angehörige zu frohem Spiel zu vereinigen, soll ein Ansporn für weiteres Wirken in diesem Sinne sein. Drei Eier in absehbarer Zeit Auf den Abschnitt 21 der Eierkarte werden drei Eier abgegeben. Nach Mitteilung des Ernährungsamtes können sich die Belieferung der Geschäfte und die Ausgabe der Eier noch über mehrere Wochen hinziehen. Ausstellung der Haushaltungsschule Am 26. und 27. Juli findet jeweils von 10 bis 18 Uhr eine Ausstellung der Städtischen Haushal- tungs- und Berufsfachschule statt. Drei Spezialisten im Schafdiebstahl Eduard Adam, Georg Huber und Karl Melius waren des einfachen und schweren Diebstahls vor der Strafkammer des Landgerichts Freiburg angeklagt. Sie hatten im Spätherbst 1946 aus einem Pferch in der Umgebung von Opfingen ein Schaf entwendet, um ihre Ernährungslage zu verbessern. Der glatte Verlauf des nächtlichen Diebeszuges war für die drei bisher nie mit dem Strafgesetz in Konflikt geratenen Leute ein Ansporn, den Diebstahl von Mutterschafen und Hammeln wahllos fortzusetzen. So holten sie nach und nach 18 Schafe aus Hürden bei Norsingen, Leutersberg, Schallstadt und Holzhausen. Die Tiere wurden immer sogleich abgeschlachtet und das Fleisch im Rucksack oder in gewöhnlichen Säcken den Behausungen in Freiburg zugetragen. Als sie in der Nacht vor Ostern in dem gleichen Pferch des Wanderschäfers aus Württemberg wieder drei Schafe stahlen, wurden sie von dem Schäfer überrascht. Sie "lichteten, wobei sie Fahrräder, Schafe, Rucksäcke und die zum Töten der Schate bestimmten Werkzeuge zurückließen. Der Gerichtshof hielt einfachen und Bandendiebstahl mit dem Vergehen gegen die Sicherung der allgemeinen Volksernährung für vorliegend. Dementsprechend wurden verurteilt: Eduard A. und bei Nichtbeitreibung der Geldbußen wurden je 15 RM mit einem Tag Gefängnis ausgeglichen. Die auf den Diebesfahrten benützten Gerätschaften und das aus den Diebstählen herstammende Fleisch und Fett verfallen der Einziehung. Ausländer-Ferienkurse der Freiburger Universität Im August und September veranstaltet die Militärregierung unter Mitwirkung der Freiburger Universität zwei internationale Ferienkurse von je drei Wocken Dauer. Die erste Tagung findet vom 5. bis 28. August und die zweite vom 2. bis 23. September statt. Zur Teilnahme an diesen Veranstaltungen sind 75 französische Studenten. 50 sonstige Ausländer und 75 deutsche Studenten vorgesehen. Man plant Vorträge zur Einführung in die Landeskunde Südbadens und des deutschen Südwestens (Geologie, Geographie, Ur- f eschichte, Geschichte und Kunst), die von Prof. chneiderhöhn, Prof. Bobek, Dr. Dietrich Gurlitt, Dozent Dr. Kimmig, Prof. Bauer, Prof. Spörl und Prof. Bauch übernommen worden sind. Eine zweite Gruppe von Vorlesungen befaßt sich mit der Einführung in die deutsche Philosophie der Gegenwart, die Prof. Robert Reiß und Prof. Max Müller halten werden. In die deutsche Literatur des Mittelalters und der neueren Zeit (Dichtung der Staufer-Zeit, Goethe, Hölderlin, Rilke) führen die Vorlesungen von Prof. Maurer und Dozent Dr. Ruprecht ein. Uber den Stand der Naturwissenschaften (Atomphysik, Makromolekulare Chemie sowie deren Beziehungen zur Biologie und Medizin) unterrichten die Vortragsreihen von Prof. Gentner, Prof. Staudinger und Prof. Franz Büchner. — Zur feierlichen Eröffnung de» Kurse findet am 5. August, 19.30 Uhr, im Kaufhaussaal ein Empfang der ausländischen und deutschen Teilnehmer durch die Stadt Freiburg statt. Propädeutische Vorträge Prof. Dr. Christoph Burg hält im Hörsaal V der Universität Freiburg die Einleitungsvorträge zu seinem im Herbst beginnenden Vorlesungszyklus „Existenzialismus, Okkultismus, Humanismus". — Thema der Einieitungsvorträge: ..Das technische Zeitalter im Lieht der sacra doctrina“. Mittwoch, 23. Juli, 20 Uhr: „Kultur und Technik“, Donnerstag, 24. Juli, 20 Uhr, ,;Das technische Zeitalter.“ — Der Reinerlös ist für das Pestalozzikinderdorf Wahlwies bestimmt. Hier spridit der Leser l HJ-Töne im Südwestdeutschen Rundfunk Der vorletzte Samstag brachte eine Jugendsendung des Südwestdeutschen Rundfunks, die den hellhörigen Hörer in mancher Hinsicht recht eigentümlich berühren mußte. Schon die einleitenden Fanfarenstöße, — wo haben wir das doch schon einmal gehört? — Fast hatte man die Vision der Nürnberger Zeppelinwiese: schon glaubte man eine gewisse, ach, so oft gehörte gutturale Baßstimme wiederum vernehmen zu müssen: „Meine Jugend" ... Doch nein, das konnte ja nicht sein. Wir sind ja „schon" zwei Jahre darüber weg. Also vorurteilslos weiter gehört! Da — da kommt aber schon eine ganze Serie anderer Reminiszenzen aus glorreicher Zeitl Gab es damals nicht eine gewisse Jugendorganisation, bei der es Sitte war, auf alles, was Erziehung hieß, zu spucken? Gehörte es nicht zum guten Ton, alle Lehrkräfte mit Unrat zu bewerfen? Genügten dort nicht auch Zigarettenrauchen und Barras in der Hauptsach« zur Berechtigung, den „gereiften Mann" heraushängen zu können? Riecht es nicht stark nach dem bekannten Spruch vom „Friedhofgemüse", wenn zwei Primanerlein äußern, daß sie sich bei ihrer Rückkehr zur Schule mit alten Lehrkräften „zufrieden geben müßten"? War es nicht damals so, daß die Erzieher froh sein mußten, wenn die Herren Zöglinge mit ihnen ..zufrieden“ waren? Ist es wieder glücklich so weit, oder — pardon! — immer noch sc, daß das gereifte Alter von der Pubertät erzogen wird? Gibt es wieder „Reifeprüfung" ohne Reife? Es scheint so, denn zur demokra- in Freiburg ernannt. Harlan war lange an verschie- Georz H ZU je einem fahr und sechs Monaten Ge- ! denen Staatstheatern und auch vielfach am Bund- fänvrus und 000 RM Geldstrafe Karl M zu 1 lahr funk tfitig und hatte gleichzeitig als Pädagoge reiche iangnis una yw KM ueiastrare, Aan ,v\. zu 1 janr, Erlolge In den letzten Jahren hat er sich auch als acht Monaten Gefängnis und 1050 RM Geldstrafe; I Interpret der Liedkunst einen Namen gemackt. ; tischen Reife gehört, daß man zuerst den per- Kammersänge? Fritz Harlan zum Professor ernannt I sönlichen „Hitler in uns selbst" abstreift; und Im Zusammenhang mit der Übertragung einer j das trotz formell erfolgter Jugendamnestie, — Meisterklasse für Gesang wurde Kammersänger Fritz i oder gerade deshalb. Harlan zum Professor an der Hochschule für Musik j Dankbarkeit ist eine schöne Sache; aber man 1 muß sie, falls man keinen angeborenen Takt Gründung der Friedensgesellschaft Freiburg Aufruf zur Mitarbeit an alte Friedensfreunde Zum zweitenmal innerhalb einer Generation drinnend erforderlich: die organisierte Frie- liegt das deutsche Volk militärisch besiegt, i densbewegung als Resonanzboden für Volkswirtschaftlich ruiniert, geistig und moralisch ‘ und Völkerverständigung. In dieser Uberzeu- ' gung tat sich eine Anzahl Männer und Frauen zusammen, um die Friedensgesellschaft Freiburg wieder neu entstehen zu lassen. Zur vorvorläufigen Führung der Geschäfte sind be- isoliert, ohne Freunde in der Welt, zerschmettert am Boden. Die tiefste Ursache unserer Not muß in dem durch Nationalisten, Militaristen, Imperialisten und Natonalsozialisten gepredigten und getätigten Schwertglauben erkannt j stellt: 1. Vorsitzender: German Dorsner, Freiwerden. Verschärft wurde diese Haltung durch j bürg, Richard-Wagner-Straße 26; 2. Vorsitzen einen abgründigen Haß und törichte Veracht- lichmachung aller pazifistischen Bestrebungen. Diese zwischenstaatliche Anarchie der Gewalt muß ersetzt werden durch Schaffung eines auf ethischen Grundsätzen basierenden Rechtsfriedens. Die bitteren Erfahrungen nach 1918 lehren uns, daß es zur Sicherung des Friedens nicht genügt, nur den äußeren Rahmen zu schaffen. Die Friedensorganisation muß durchglüht sein von einer auf sittlich-religiöser Überzeugung beruhenden Gesinnung in allen Ländern. Neben den Parteien als Trägem der politischen Willensbildung und der Säule der Gewerkschaften als Vertreter der sozialen Forderung der Werktätigen ist eine dritte Säule dazu mitbringt, sich eben anerziehen lassen. Dankbarkeit gegen das amnestierende Gesetz und — gegen die alten Lehrkräfte. Es ist übel, sich sagen lassen zu müssen: „Der feine Knab sagt unfein Dank, spuckt in den Brunnen, draus er trank". Das wäre so ungefähr das, was man über die so oft angeödeten Zensuren hinaus vom „rein Menschlichen her" verlangen muß. bevor man für reif erklärt werden und am Rundfunk die Leute anöden will. — Dem Südwestdeutschen Rundfunk aber empfehlen wir etwas mehr „Absetzung" von den Gebräuchen der „ewig Gestrigen". Zeppelin wiesen-Fanfaren! Sendung beendet! C. Fr. Sch. Bischoffingen. Der Sohn Hans des langjährigen Mitarbeiters der ur- und frühgeschicht- der: Georg Schildbach, Freiburg, Opelhaus; ; liehen Denkmalspflege in Bischoffingen, Karl Schriftführerin: A. Hemmer, Freiburg, Längen- j Klaus II, hat von seinem noch in Kriegsgefan- hardstraße 1; Rechner: Alfons Butz, Freiburg, j genschaft beflndlichenj^ater die Gabe der fleißi- Rückblick auf den Nürnberger Parteitag Genosse Reinhardt, Neustadt, sprach vor den Mitgliedern de* Ortsvereins Freiburg In der letzten Mitgliederversammlung des Opfern des Nationalsozialismus zugefügten Un- Ortsvereins Freiburg der Sozialdemokratischen Partei gab zunächst Gen. Reinhardt, Neustadt, einen aufschlußreichen Bericht über den Parteitag in Nürnberg. Er bezeichnete es als besonders bedeutsam, daß an dieser großen Tagung auch die Vertreter der internationale teilgenommen und hierdurch bewiesen hätten, daß auch die Genossen jenseits der Grenzen rechts. Wenn man ein Volk zur Demokratie er ziehen wolle, so müsse man als Grundlage hierfür das unbedingte Recht schaffen. In der Aussprache erinnerte Gen. Dr. Nord- nachdrücklich daran, daß es in erster Tennenbacherstraße 3. Friedensfreunde wenden sich an eine der vorgenannten Anschriften. Vom Freiburger Münsterbau verein Wie aus dem jetzt vorliegenden Geschäftsbericht des Freiburger Münsterbauvereins für 1946 hervorgeht, hemmten der Mangel an Fachkräften und Schwierigkeiten in der Beschallung von Baumaterialien den Fortgang der baulichen Maßnahmen am Münster, während gleichzeitig der Ausfall an Zuschüssen und an Kapitalzinsen der Zielsetzung des Vereins entgegenstand. Die Mitgliederzahl betrug 1048. An Zuwendungen in Form von Spenden, außerordentlichen und einmaligen Mitgliederbeiträgen flössen dem Verein über 6000 RM zu, für die allen Spendern an dieser Stelle herzlich gedankt sei. Als seine besondere Aufgabe betrachtet der Verein die Instandsetzung des Münsters in seinem Charakter als historisches Baudenkmal, und er ruft deshalb alle Einwohner auf ihm als Mitglieder beizutreten. An den Kosten der Instandsetzungs- und Aufräumungsarbeiten am Münster beteiligte sich der Münsterbauverein, entsprechend seiner Zuständigkeit, mit rund 12 00C RM. Mit beson sation gewesen sei die dem Nationalsozialismus begriffen hätten, wofür die deutschen.Sozialisten ^ n " zeit 2Ur Macht verholfen habe - Deshalb jahrelang gestritten haben. Auf dem Kongreß sei j * on “ h ! ute /' ed 5 einen schrankenlosen War zum Ausdruck gekommen, daß Deutschland Zent"»!Ismus der derartige verhängnisvolle Ent- - ' Wicklungen fordere, noch einen Föderalismus gebrauchen, bei dem jedes Land machen könne, was ! g' unbedingt auf die Hilfe der anderen Demokratien angewiesen sei.. Der Redner ging dann kurz auf die Ausführungen Dr. Schumachers ein, der von der Stellung Deutschlands als des Herzens Europas und von der Spaltung Deutschlands Linie die** von**£teri?n**au^egaiigenen'überorganT^ ^ vankbarkeit wird in dem Bericht noch der Tod eines badischen Schulmannes Franz H i r 11 e r, der aus dem Volksschuldienst hervorgegangene Leiter der Pädagogischen Aka- es wolle. Man müsse den Staat von unten her demie in Lörrach, ist einem Schlaganfal! erlegen aufbauen und in der Gemeinde, an deren j und in seiner Vaterstadt Freiburg bestattet worden. Arbeit nicht nur in Zonen, sondern auch‘in immer noch um^staat^eihe swonra Wtef 5 -sprcxhen habe ; dje Gesetze einheitlich vo»'oben' erlassen“würl. halt gütiger 'Lehrer und Erzieher' der jüngsten sei , Slctier . daß wir vor einem Winter d werde man zu einer wirklichen Demokratie Volksschmer, als ihm nach seiner Ernennung zum ständen, der noch unendlich viel schwerer als I ^^n Wenn sich TrehTund mehr die An-! Rektor in Würdigung seiner pädagogischen fahig- sicht Bahn breche, daß man heute nach der ge- : keiten die Leitung der Pädagogische:; Aadenne in sundeu Mitte streben müsse, werde es keinen I Ripfxüdsau später Lörrach, übertragen wurde. Ihr Streit mehr zwischen den Begriffen „Zentralis- “ at Franz Hirtler m der ihm eigenen verbindlichen nrus“ und „Föderalismus“ geben. j Ar * seine Kräf J? gewidmet, solange sie ihm ge- j geben waren. Hohe schriftstellerische Fähigkeiten der vorige sein werde, wenn uns nicht bald eine Hilfe, wie sie der Marshall-Plan vorsehe, zuteil werde. Was nun die so oft geäußerte Frage: „Föderalismus oder Zentralismus?“ betreffe, so wünsche die Sozialdemokratie weder einen unbeschränkten Zentralismus noch einen absoluten Föderalismus. So wichtig und notwendig eine zentrale Lenkung auf dem Gebiete der Gesetzgebung sei, so müsse doch die Exekutive in jedem Falle von den einzelnen Länderregierungen ausgeübt werden. Es sei geradezu erschreckend, wie schnell die Menschen in den wenigen Jahren nach dem Zusammenbruch schon wieder die Ursachen dieser furchtbaren Katastrophe vergessen hätten. Man denke z. T. kaum noch an all das Entsetzliche, das das Hitlersystem Uber die Welt gebracht habe, sondern rede dauernd von den „armen, bedauernswerten“ gar nicht von einer Wiedergutmachung des den Im Zusammenhang mit der fetzten Stadtratsitzung wies Gen. Schieler dann noch auf die Frage der Wöhnraiimbeschaifung hin, die weit vordringlicher als etwa die Förderung der Musikhochschule sei. — Gen. M a r t z- j mehrere Bände eigenartiger Novellen und Erzäh- loff pflichtete diesen Ausführungen bei undjJungen bezeugt. Vertiefung in volkstümliche, hei- /IfitolziA caui Rofronvfu rlariiVior olit ciüß ttifin in mn«ll«pl-,» T 4 ^ A fe gegen den Kartoffelkäfer seine Pflicht erfüllen. Die Sicherstellung der Ernte liegt im Interesse aller! Zweimal Rühmann „Hauptsache — glücklich!“ So oft man diesen heiter-ernsten Film auch sehen mag — immer ist man aufs neue beglückt über die zarte Menschlichkeit. die aus dieser von Theo L i n g e n bezaubernd gestalteten Geschichte einer jungen Ehe zu uns spricht. Vielleicht ist es gerade dte Mischung von Märchen und Wirklichkeit, die in diesem Film ihren besonderen Reiz auf den Zuschauer ausübt: eine Mischung, wie man sie bei einem im Grunde sehr ernsten Lustspiel dieser Art nur selten antrifft. Heinz Rühmann ist der junge Ehemann, der sich so nach und nach ganz nett mausert: und er ist es mit so vielen echten, dem Leben abgelauschten Einzelzügen, daß das Publikum von dieser vielleicht liebenswertesten aller Rühmann-Rollen hellauf begeistert ist. Und Herta Feiler — seine Partnerin auch im Leben — ist als sein allzu tatkräftige* Frauchen so reizend und rührend zugleich, daß man ihn zweifach beneiden könnte. Als Schwiegermutter dieses tüchtigen Mannes der Schule wurden durch pädagogische Veröffentlichungen (darunter die preisgekrönte Abhandlung. „Kann die Volksschule ihre Schüler zum guten Buch erziehen?“) und durch endlich macht die köstliche Ida Wüst ihrem —„I - —__vr_ 1 I... i c xu Namen alle Ehre. Ein Film für den Sommer! Ein Film iür die Jugend aller Altersklassen! — „D e r Mustergatte“ ist von gröberem Korn. Man empfindet den Abstand zu der relativ „satten“ Zeit, der dieser Film entstammt, heute recht deutlich; und so fällt einem das Lachen nicht Immer so leicht wie damals. Es ist halt nichts als ein Schwank: ohne menschliche Wärme, aber mit einer Situationskomik geladen, wie man sie in dieser Anhäufung kaum je wieder angetroffen hat. Wer Zirkusspäße liebt, wird seine Freude an dem turbulenten Geschehen haben, in das wiehernde Gelächter bei der großen Schwipsszene zwischen Heinz Rühmann und Hell Finkenzellef einstimmen und gar nicht merken, wie weit wir inzwischen innerlich von alledem abgerückt sind. B. B. Seite 6 — Nummer 58 tkaXfoßt Der Sport in der Heimat Schwimmtest im Freibuiger Strandbad Unter Beteiligung von Schwimmern von S N Strasbourg und ASPTT Paris veranstaltete der Club Geo Andre, rreiburg i. Br., am Sonntag ein Schwimmfest, das auch den deutschen Schwimmsportfreunden Zugänglich war. In flotter Abwicklung wurden den zahlreichen Zuschauern während ZVi Stunden ausgezeichneter Schwimmsport geboten. Vor allem in den Staffelwettbewerben' wurde hart um den Sieg gestritten. Das zum Schluß der Veranstaltung zwischen Strasbourg und Paris ausgetragene Wasserballsplel brachte interessante Kampfmomente, und wenn der Sturm der Pariser nicht so sehr vom Schußpech verfolgt gewesen wäre, dann hätte das Ergebnis günstiger auslallen können. So aber blieben die Vertreter der französischen Hauptstadt mit 2:6 Toren im Hintertreffen. Ergebnisse: Männer: 200 m Brust: 1 . Engel, Strasbourg, 3.04.4 Min. 100 m Rücken: 1. ASPTT Paris, 1.20 Min. 100 m Brust: 1. Wiedenbauer, Aviation, 1.35,4 Min. 100 m beliebig: I. Yoanny, Paris, 1.05.1 Min. 3X50 m beliebig: 1. Paris, 1.42.9 Min. 5X50 m beliebig: 1. Paris 2.42.3 Min. — Frauen: 8 X 50 m beliebng: 1. Strasbourg, 2.13 Min. 100 m Brust: 1. Zeller, Strasbourg, 1.41.2 Min. 100mRücken:l. Aubert, Strasbourg, 1.50 Min. 5 X 50 mbeliebig: 1. Strasbourg, 3.45.4 Min. Eingeleitet wurde die Veranstaltung mit einem Vergleichskampf zwischen dem Freiburger Schwimmclub und der Schwimmabteilung der Fortuna Freiburg. Ergebnisse: 4 X 50 m Knaben: 1. Fortuna, 3.18.6 Min.; 2. SC Freiburg, 3.41.6 Min. 4X60 m Brust Herren: 1. Fortuna, 2.35.5 Min.; 3. SC 'Freiburg, 3.09.4 Min. 4X50 m Kraul Herren: 1. Fortuna, 2.12 Min.; 2. SC Freiburg, 2.19.7 Min. 3X50 m Lagen Damen (nur Fortuna): 1. erste Mannschaft, 2.35.3 Min.; 2. zweite Mannschaft, 2.28.6 Min. Figurenlegen Freiburger Schwimmerinnen und Kunstspringen der französischen Gäste vervollständigten das Programm. Zum Aufstieg auch die Meisterschaft Die Freiburger Fortuna hat am Sonntag Ihr letztes Aufstiegsspiel gegen Eintracht Singen a. H. mit 4:1 gewonnen. Die Freiburger, deren Aufstieg in die Zonenliga bereits vorher gesichert war, haben nun durch diesen Erfolg auch den Titel eines Badischen Fußballmeisters 1946/47 errungen. Die Mannschaft war, wie uns aus Singen berichtet wird, ihrem Gegner um einiges überlegen und hat den Sieg auch in dieser Höhe verdient. L i e c h t y , der Dirigent der Mannschaft, wurde als bester Spieler auf dem Felde bezeichnet. Er selbst schoß zwei Tore, ein weiteres wurde von ihm eingeleitet und von Bantle vollstreckt, während der vierte Treffer auf das Konto von Kopp kommt. Mit 7:1 Punkten hat Fortuna die Aufstiegsrunde sehr eindrucksvoll abgeschlossen. Wir schließen uns den Glückwünschen zur Meisterschaft an. Bühne/Presse/Funk — VfR Kirchzarten 3:2 Das im Rahmen der Entscheidungsspiele um den Jugendpokal vorgesehene Treffen Bühne/Funk gegen Presse mußte aus technischen Gründen ausfallen. Dafür spielte eine Kombination von Bühne Funk und Presse gegen den VfR Kirchzarten. Die Kombination setzte sich aus fünf Spielern der Städtischen Bühnen, drei vom Rundfunk und drei von der Presse zusammen. Sie gewannen knapp mit 3:2 Toren. SkigUde Feldberg Der zweite Hüttenarbeitstag der SkigUde Feldberg findet am 26. und 27. Juli 1947 statt. Abfahrt am Samstag, 26. Juli, am Wiehrebahnhof um 15.15 Uhr. SV Weiswell — SV Oberwinden 4:2 (3:1) Weisweil hatte beim Aufstiegsspiel zur BeZi r k s 1 i g a gegen Oberwinden einen Rekordbesuch von 600 Zuschauern aufzuweisen und ■ revanchierte sich für die Vorspielniederlage ln einem schnell und verbissen durchgeführten Kampf. Weisweil, das die besseren Leistungen bot, lag schon in der zweiten Minute auf präzise Vorlage des Linksaußen Kreß durch den Halbrechten Buchmüller mit 1:0 ln Führung. Der ausgezeichnete Gästetorwart Joos konnte nicht verhindern, daß der Platzbesitzer in der 12. und 18. Minute durch Buchmüller und Klank einen deutlichen 3:0-Vorsprung erzielte. Kurz vor Halbzeit konnte Oberwinden durch den Linksaußen ein Tor aulholen. Die zweite Hälfte wickelte sich unter ungünstigen Bodenverhältnissen ab. Ein inzwischen nieder gegangener starker Regen hatte das Spielfeld stark mitgenommen, so daß die Flüssigkeit des Spiels gehemmt war. Die Elztäler sorgten insofern für Spannung, als sie kurz nach Anspiel auf 2:3 herankamen. Wenig später erzielte der Weisweiler Klank das 4:2 und gab seiner Elf dadurch starken Auftrieb. Weitere Torgelegenheiten wurden durch den aufmerksamen Gästehüter zunichte gemacht. Beide Mannschaften müssen nun, da Welsweil durch diesen Sieg Punktgleichheit erreicht hat, in einem Entscheidungsspiel den aufsteigenden Verein ermitteln. EF Mittwoch. 23. Juli 1947 Kammerkonzert junger Künstler E s ist ein besonderes Verdienst der Künstler- gemeinschaft Bultmann-Poppen-Fernow , daß sie sica bei Ihrem ersten gemeinsamen Auftreten der heute etwas in Vergessenheit. geratenen Gattung Qe * Flötentrios in zwei so liebenswerten Stücken wie Haydns D*dur- und Webers noch weniger bekanntem, entzückendem g-moll-Trio mit jugendlichem Schwung und sicherem Können annahm. — Der Schwerpunkt des Konzertes lag allerdings bei J. Brahms' e-moll-. Sonate für Cello und Klavier, deren Interpretation durch Irmgard Poppen und Wolf gang F ernow zugleich die künstlerisch reifste Leistung des Abends bedeutete. Cellistin und Pianist erfüllten gleichwertig alle Ansprüche des Werkes, das zum Wertvollsten gehört, was die Kammermusikliteratur nach Beethoven aufzuweisen hat. Für den begeisterten Beifall zeigte man sich durch die Wiederholung des ersten Satzes erkenntlich. — Neben dieser auch für den Hörer anspruchsvollen Sonate mußten Schuberts Flötenvariationen über „Ihr Blümlein alle“ farblos wirken. (Glücklicherweise hatte man sie, vom Programm abweichend, vor den Brahms gestellt). Gesine Bultmann (Flöte) hatte hier Gelegenheit, erneut ihre schöne Tongebung zu zeigen, während sie de n Technischen dieses ganz auf Virtuosität gestellten Stückes einiges schuldig blieb. Man vermißte die letzte Brillanz, die allein hier hätte Farbe verleihen können. —- Unter der Vielzahl des z. Z. in Freiburg Gebotenen hätten wir dieses Konzert nur ungern vermißt. Man darf wolil hoffen, den drei jungen Künstlern noch oft zu begegnen. H. Hck. Oie Sanitätskapelle gibt den Kranken der Sankt- Urban-Klinik Herdern am Donnerstag, 24. Juli, von 2® bis 21 Uhr ein Freikonzert. Ausgabe der Lebenmittelkarten Die Lebensmittelkarten für die 28. Zuteilungsperiode (August 1947) werden vom Montag, dem 28. Juli, bi s einschließlich Donnerstag, dem 31. Juli 1947 ausgegeben. Die Ausgabelokale siehe Anschläge in den Einzelhandelsgeschäften. Die Verbraucher werden besonders darauf hingewiesen, daß die Ausgabe an vier Tagen stattflndet. Die Verbraucher werden dringend gebeten, sich an die festgesetzten Ausgabetage zu halten und die Lebensmittelkarten nur an diesen Tagen zu holen. Die Essenskarten für die Gaststättenbesucher werden in der gleichen Zeit in Zimmer 4 des Ernährungsamtes gegen Vorlage des Haushaltausweises ausgegeben. — Für alle männlichen Personen vom 14. bis 65. Lebensjahr und die weiblichen Personen vom 15. bis 50. Lebensjahr ist beim Abholen der Lebensmittelkarten die „Meldekarte für den Arbeitseinsatz“ mit dem Bestätigungsvermerk des Arbeitgebers oder des Arbeitsamtes vorzulegen. _ Ernährungsamt Freibur g-Stadt öffentliche Zahlungsaufforderung Um die Zwangsbeitreibung zu vermeiden, werden die Arbeitgeber darauf hingewiesen, die für den Beitragsmonat Mai 1 947 fälligen Gesamtbeiträge zur Sozialversicherung innerhalb einer Woche nach I Bekanntgabe in den Freiburger Tageszeitungen an dte Kasse einzuzahlen. Für die in dieser Frist nicht l entrichteten Beiträge wird ein Säumniszuschlag in Höhe von 2 V. H. erhoben. Die freiwilligen Kassenmitglieder werden außerdem daran erinnert, daß die jeweils am I. eines jeden Monats fälligen Beiträge bis spätestens 7. des betreffenden Monats im voraus an die Kasse zu entrichten sind, damit der Kassenausschluß und die Zwangsbeitreibung vermieden werden. Die im Abbuchungsverfahren zum Einzug kommenden Beiträge sind von dieser Zahlungsaufforderung ausgenommen. Allgemein« Ortskrankenkasse Freiburg i. Br. Der Vollstreckungsbeamte Gasverbrauchsmenge für Einkochzwecke Soweit die Sonderzuteilung an Gas für Einkochzwecke voll verbraucht ist, steht künftig nur die normale Gasverbrauchsmenge zur Verfügung. Überschreitungen werden streng bestraft. Es wird deshalb dringend empfohlen, die Gassonderzuteilung für Einkochzwecke auf die Zeit bis Ende September gleichmäßig zu verteilen. Stadtwerke Freiburg U Br. — Gas- und Wasserwerke Umbildung der Ortsleistungsausschüsse An die Bürgermeisterämter! Die Ortsleistungsausschüsse sind in ihrer derzeitigen Zusammensetzung in vielen Fällen nicht wirkungsvoll genug, zudem sind zahlreiche Klagen über parteiliche Handhabung ihrer Aufgaben laut geworden. Aus diesen Gründen wurden zur Umbildung der Ortsleistungsausschüsse die interessierten Stellen gehört. Es ergeht nach ihrer Stellungnahme folgende Weisung: Die Ortsleistungsausschüsse sind sofort umzubilden. Der neue Ortsleistungsausschuß setzt sich zusammen aus: 1. dem Bürgermeister als Vorsitzenden. 2. dem Ortsbeauftragten als dem stellvertretenden Vorsitzenden, 3. drei Landwirten (davon mindestens ein Kleinlandwirt oder landwirtschaftlicher Arbeiter), welche vom Gemeinderat zu benennen sind, 4. einem durch die Gewerkschaft zu benennenden Normalverbraucher, 5. einem vom Gemeinderat zu benennenden Normalverbraucher. Insgesamt umfaßt der neue Ortsleistungsausschuß sieben Mitglieder. Sämtliche Ausschußmitglieder dürfen mit dem Bürgermeister oder dem Ortsbeauftragten in keinem nahen verwandtschaftlichen oder schwägerlichen Verhältnis stehen. Der Bürgermeister und der Ortsbeauftragte haben bei Einreichung der Vorschlagsliste eine entsprechende schriftliche Erklärung anzufügen. Der Ortsleistungsausschuß wird vorläufig auf ein Jahr ernannt (1. 7. 1947 bis 36. 6. 1948). Nach Ablauf dieser! Zeit ist vorgesehen, ihn durch Wahl bestellen zu lassen. Die vorgeschlagenen drei Landwirte bedürfen der Bestätigung des Landwirtschaftsamtes und des Ernährungsamtes. Sie sind hierzu dem Lahdwirt- schaftsamt und dem Ernährungsamt bis zum 15. Juni zu benennen. Die endgültige Zusammensetzung des Ortsleistungsausschusses ist dem Lahdwirtschaftsamt und Ernährungsamt bis, zum 25. Juni mitzuteilen. Eine Dienstanweisung für den Ortsleistungsausschuß ist. in Vorbereitung. Diese Bekanntmachung sowie die Zusammensetzung des neuen Ortsleistungsausschusses nach erfolgter Bestätigung ist an der Gemeindetafel anzuschlagen. Badisches Staatskommissariat für Ernährung gez.: Dichtei, Staatskommissar Badisches Ministerium für Landwirtschaft gez.: Hilbert, Staatssekretär FamHlewawaelgcn Ihre Vermählung geben bekannt Emil Unbehaun Frldl Unbehaun geb Wolf Karlsruhe, Sofienstraße 120. 19. Juli 1947. ln dankbarer Freude ist unser Sonntagskind, Aste Mathilde, am 20. Juli angekommen. Hans Heisch und Frau Carmen geb. Schönberg. Freiburg i. Br., den 20. Juli 1947. Stühiingerstraße 29. Ottawa StaHan Für unsere Baustelle suchen wir noch: 2 Baggerführer (Diesel), 6 DampWok- führer. 5 Diesellokführer, 3 Dieseh walzenführer, 1 Dampfwalzehführer, 4 Baumaschinisten. 6 Heizer, 1-2 Zimmerer, 2 Schachtmeister. Werkküche Und Unterkunft geboten. STRABAG, Freiburg/Br., Baubüro: Kaiserstuhlstr. Zum bald. Eintritt fleißigen, verlass. Mann gesucht, der in der Lage ist, selbst, u. nutzbringend den Obst-, Reb- u. Gemüsebau durchzuführen. Wohn, kann evtl, gestellt werden. Angeb. mit Lohnanspr. unter H 1454 •n Obanex. Anz.-Exp., Freiburg !. Br. Kleineres Sanatorium im Südschwarzwaid sucht z. sof. Eintritt: 1. Wirtschaftsstütze. nicht unter 25 J., welche koch, kann u. in d. Wäschepflege bewandert ist u. sich nicht scheut, selbst mitzuarbeiten. Dauerstellung. Bürokenntn. erwünscht, jedoch nicht Beding. 2. Zwei tüchtige, fleißige Hilfspflegerinnen (Staatsexamen nicht unbedingt erforderl.), nicht unter 25 J. 5. Stationsmädchen, welches auch Vertretungen in Küche u. 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