r i aißotk Samstag, den 26. Tuli 1947 Nummer 59 / 2. Jahrgang Ftalbatf la> B n I i I l • Ersdieinuogstage Mittwoch and Samttag ' Einzelpreis 20 Pf Monatsbezugspreis RM |.60 einscfatiefi- fich Trägerlohn, durch die Post bezogen RM t 84. Anzeigen laut Tarif gegen Kennfcartenaatwei*. Organ Oer SoslalOemokratiscHen Partei BaOens Nr. 2816 ^k-mk.er?,miaaÄn ^Neuts^e Rb c^biharg u.w.h ff., Freiburg i kr., Kaiser-Joseph-StraBe 229, Fernrat Verbreitungsgebiet: Die gesamte französisch besetzte Zone Badens and Württembergs — Geschäft öffentliche Sparkasse Frechere i * bUI ? : ^"^“fger Gewerbebank e.G.m b.H., Freiburg I. Br.; tretungen in allen gröBeren Orten - AnzeigenpreiBllste Nr t. - Gerichtsstand für beide feile Frei P P rreihnrg i, Br (Städtis che Sparkasse); Postscheck-Konto I ndwigshafen (Rhein) Nr. 29 460 SehriLeitung: Dr P Große - Dtuck: Universitätsdrackerei Poppen A Oitmann. sämtliche in Frei Geschäftsstellen und v er- reiburg im Breisgao. Freiburg im Breisgao. Vor Dreierbesprechungen? Kommende Woche englisch-amerikanische Konferenz über die Ruhrkohle in Washington Um drei Kristallisationspunkte vollziehen »ich gegenwärtig die internationalen Gespräche um die Wiederingangsetzung der deutschen Wirtschaft: 1. um die Ruhrfrage; 2. in einem Gespräch, dessen Gegenstand nicht nur die Ruhrfrage, sondern der gesamte Wiederaufbau Deutschlands ist; 3. im Rahmen der Konferenz der sechzehn Staaten in Paris, wo die Ausschüsse ihre Arbeit über die Schaffung der Voraussetzungen zur Verwirklichung des Marshall-Plans fortsetzen. Es versteht sich, daß zwischen diesen Vorgängen auf drei Ebenen ein sehr enger Zusammenhang besteht, daß die Ergebnisse des einen Gesprächs auf das andere zurückwirken. Im großen ist festzustellen, daß das Hauptmerkmal der Entwicklung der letzten Tage darin besteht, daß die Gespräche ganz eindeutig zu einer englisch-französischen Einigung geführt haben. Die diplomatische Aktion Frankreichs Frankreich hatte eine diplomatische Aktion großen Stils unternommen, die wie aus Paris gemeldet wird, ein doppeltes Ziel verfolgte: . I. ein Auseinanderfallen Europas zu verhindern und trotz allem noch einen letzten Versuch zu machen, die Sowjetunion wieder an den Verhandlungstisch zu bringen und in das Werk des europäischen Wiederaufbaus einzuschalten, und 2. die westlichen Alliierten, insbesondere die Vereinigten' Staaten, von der Notwendigkeit zu überzeugen, die Industrialisierung Deutschlands in denjenigen Grenzen zu halten, die durch die Sicherheit der Nachbarländer Deutschland gezogen sind. Die französische Politik ist, so heißt es in der Meldung aus Paris, „keineswegs von engstirnigen^ eigennützigen Beweggründen dik-v tiert. Sie dient einzig und allein dem großen Werk des Friedens Europas. Und allein unter diesem Gesichtswinkel, darf man die Bemühungen Frankreichs sehen, die Eintracht der Alliierten aufrechtzuerhalten und den Wiederaufbau Deutschlands in dem Tempo vor- zt'nehmen und eben in den Grenzen zu halten, die allein eine friedfertige Entwicklung in Europa, und zwar auf lange Sicht gewährleistet“. Der französische Botschafter in Washington, Bonnet, hatte am Montag eine längere Aussprache mit General Marshall. Am gleichen Tage übergab der französische Botschafter in London, Massigli, dem britischen Außenminister Bevin eine Note, in der die französische Regierung ihre Bedenken äußerte „angesichts gewisser Tendenzen, die darauf abzielen, die deutsche Industrieerzeugung über das Niveau hinaus zu steigern, das in den Potsdamer Beschlüssen vorgesehen war". Bevin hatte hierüber ebenfals eine Aussorache mit dem amerikanischen Botschafter Douglas. Nach Informationen aus guter Quelle Soll Bevin dem amerikanischen Botschafter erklärt haben, daß die Ruhrfrage nicht eine ausschließlich anglo- amerikanische Angelegenheit, Sondern eine Frage sei, die Paris, London und Washington In gleichem Maße interessiere. Großbritannien Stimme in den wesentlichsten Punkten mit der französischen Auffassung überein. Man ist auch in London mehr und mehr der Ansicht, daß die Durchführung der amerikanischen Pläne in der Form, wie sie bisher bekannt wurden, die mitteleuropäische und europäische Sicherheit, Großbritannien und Frankreich und darüber hinaus das Gleichgewicht in Europa gefährden. Die diplomatische Aktion des Quai d'Orsay wurde durch eine rednerische Offensive, durch eine Reihe von Äußerungen von Regierungs- mitgliedem und Parteiführern ergänzt. Die führenden Persönlichkeiten der beiden größten französischen Parteien, der Präsident der MRP, Schuman, und der Generalsekretär der Kommunistischen Partei, Maurice Thorez, nahmen zur Deutschlandfrage Stellung. Schuman erklärte in Limoges, die Produktion des Ruhrgebietes müsse in erster Linie den Opfern Deutschlands zugute kommen und man sollte nicht zögern, das Ruhrbecken einer internationalen Leitung zu unterstellen. Maurice Thorez sagte: „Wir müssen unter allen Umständen die Kontrolle der Ruhr, dieses Kriegsarsenals, entgermanisieren. Bevin und Ramadier sprechen Es ist ganz offensichtlich, daß es im Augenblick um zwei Fragengruppen geht: 1. wann soll der wirtschaftliche Wiederaufbau Deutschlands beginnen? 2. Welchen Umfang soll das künftige Industrieniveau Deutschlands erreichen? Frankreich und England sind in diesen beiden Fragen einer Meinung. Das kam deutlich in den Reden zum Ausdruch, die der englische Außenmnister Bevin und der französische Ministerpräsident Ramadier dieser Tage hielten. Der britische Außenminister Bevin erklärte, daß Deutschlands Wiederaufbau erst nach dem übrigen Europa erfolgen solle. „Um den Frieden zu gewinnen und Deutschland wieder aufzubauen, bedarf es sehr langer Zeit. Frankreich blickt mit Grauen auf das Ruhrgebiet und ruft entsetzt: „Wollt ihr es denn wieder groß machen und uns einem neuen deutschen Einfall aussetzen?" Und wir selbst müssen um unsere eigene Sicherheit besorgt sein, denn England ist nicht imstande, erneut einem angreifenden Deutschland in die Augen zu sehen." Der französische Ministerpräsident Ramadier hielt in Perpignan eine Rede, in der er ausführte: „Wir, das alte Europa, sagen dem jungen Amerika: Die Henker dürfen kein Vorrecht vor den Opfern haben. Deutschlands Wiederaufbau darf nicht vor dem unsrigen erfolgen. Deutschland soll erhalten; was. es braucht, aber unser industrielles Rüstzeug muß vor dem seinen wiederaufgebaut werden." London und Washington In einer Meldung des Kosmos-Dienstes aus Paris wird als Grund für eine englisch-amerikanische Verstimmung die Kritik angegeben, die vom Staatsdepartement in Washington und von General Clay an der britischen Verwaltung des Ruhrgebietes geübt wird. Man behauptet danach, daß das britische Regime nur deshalb angefeindet werde, weil die Vereinigten Staaten die Absicht hätten, zahlreiche amerikanische Ingenieure im Ruhrkohlenbergbau zu verwenden und ihnen große Kapitalien zur Verfügung zu stellen. Für unbedingt ausgeschlossen wird es in London erklärt, die Bergwerke ihren ehemaligen deutschen Besitzern zurückzugeben, weil sie es sind, die alles zur Stützung des Hitlerregimes beigetragen hatten. Nur um diese Rückgabe zu vereiteln, wünsche Großbritannien die Nationalisierung der Ruhrkohlenbergwerke. Die Engländer sind der Ansicht, daß man das Problem der Kohle von dem der Ernährung, der Finanzierung und der Wohnungen nicht trennen könne. Sie treten für eine Steigerung der Kohlenförderung ein, selbst wenn diese eine Erhöhung der metallurgischen Produktion zur Folge hätte. Wenn die Amerikaner darauf bestehen sollten, die Stahlerzeugung auf 14 Millionen Tonnen zu erhöhen also auf den Stand der Erzeugung vor dem Kriege, würde sich England dagegen sträuben. Gewiß hält man in London eine Erhöhung der Stahlerzeugung für notwendig, doch dürfe dadurch weder Englands Sicherheit noch die englische Industrie gefährdet werden. Der amerikanische Standpunkt Aus Washington wird berichtet: Die Inanspruchnahme der deutschen Hilfsquellen, be- Die neue Regierung in Südwürttemberg Koalitionskabinett der drei Parteien ohne Kommunisten Nachdem in Rheinland-Pfalz eine Koalitionsregierung unter Beteiligung aller vier Parteien des Landtages besteht, ist in Südwürttemberg- Hohenzollern ein Kabinett aus Vertretern von nur drei Parteien Zustandekommen. Es setzt eich zusammen aus: vier CDU-Ministern: Kultus- und Erziehungsminister (Dr. Sauer), Ernährung und Landwirtschaft (Dr. Weiß), Arbeit (Wirschinv), Finanzen (vorübergehend von Staatspräsident Bock selbst geleitet); zwei SPD-Mini Stern: Justiz (Dr. Carlo Schund) und Inneres (Remmele); einem Demokraten: Wirtschaft (Wildermuth). Justizminister Dr. Carlo Schmid wurde zum Stellvertreter des Staatspräsidenten ernannt. Die Kommunisten sind also in das Kabinett nicht einbezogen. Der Sprecher der CDU, Dr. Binder, erklärte aber im Landtag, daß für die KP immer noch ein Platz in der Regierung offen sei. Landtagspräsident G e n g 1 e r erklärte nach der Vereidigung der Minister, diese müßten sich als „Wahrer des Rechts fühlen, um so zur echten Demokratie und damit zur Freiheit durchzustoßen*. Er wies darauf hin, daß die Arbeit der neuen Regierung schwer sei. In einer Zeit äußerster Not fordere die Öffentlichkeit Sinn für Realität. Selbstzerfleischung dürfe nicht zum obersten Gesetz einer verantwortungsbewußten Regierung werden. Staatspräsident Bock unterstrich in seiner Regierungserklärung den Ernst der Lage, die durch den Zusammenbruch der Hitler-Diktatur ist. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Zonengrenzen bald fallen mögen und betonte die atürliche Zusammengehörigkeit Südwürttembergs mit Nord Württemberg. Dr. Bock wies auf die schwierige Ernährungslage und betonte, daß die Regierung der Siedlungspolitik und der Bodenreform ihre besondere Aufmerksamkeit widmen werde. Ein einheitliches Gesetz der Länder der französischen Zone sollte für die Betreuung der Opfer des Nationalsozialismus geschaffen werden. Die Flüchtlinge dürfen nicht vergessen werden. In der Aussprache über die Regierungserklärung wurde an die Militärregierung die Bitte gerichtet, sie möge eine Erklärung abgeben, die die Kompetenzen von Militärregierung und Landesregierung klar abgrenzt. In der Abstimmung wurde der Regierung mit 42 von 52 Stimmen (4 Nein und 6 Stimmenthaltungen. Letztere gehen auf Abgeordnete zurück, die dem Kabinett angehören und in eigener Sache keine Vertrauenskundgebung abgeben wollten) das Vertrauen ausgesprochen. Nach Rheinland-Pfalz hat also auch Süd- württemberg-Hohenzollem seine Regierung. Anders bei uns in Südbaden. Hier haben die seit langem geführten Besprechungen über die Regierungsbildung noch immer zu keinem Ergebnis geführt. Das Gebot der Stunde und der Emst der Lagen dulden auch in unserem Lande eine weitere Verzögerung in der Frage der Regierungsbildung nicht mehr. sonders der Ruhrkohle, für den Wiederaufbau der europäischen Länder, die auf der Pariser Konferenz vertreten sind, sowie die Maßnahmen, die ergriffen wurden, um die deutsche Industrie zu erhalten, stellen keine militärische Bedrohung dar. Dies scheint der von der Kommission für auswärtige Angelegenheiten vertretene Standpunkt hach ihrer Geheimbesprechung mit, Staatssekretär Marshall zu sein. „Die von Frankreich und Großbritannien zum Ausdruck gebrachten Befürchtungen über einen Wiederaufstieg Deutschlands zum Schaden der alliierten Länder Sind ungerechtfertigt", so erklärten die Vertreter beider Parteien einem Pressevertreter. „Wir sind uns vollkommen darüber klar, sagten sie, inwieweit Frankreich das Wiedererwachsen der deutschen Macht befürchtet. Es darf jedoch nicht vergessen werden, daß die Vereinigten Staaten zweimal wegen des deutschen Militarismus in den Krieg eingetreten sind. Es ist daher selbstverständlich, daß der Kongreß alles unternehmen wird, um auch die entfernteste Möglichkeit eines dritten Konfliktes zu verhindern.“ Die Parteivertreter betonten, daß die deutsche Industrie auf jeden Fall unentbehrlich sei für den Wiederaufbau Europas. „Es handelt sich darum, Frankreich von dieser unleugbaren Tatsache zu überzeugen." Der amerikanische Handelsminister Harriman „ über das deutsche Industrieniveau Handelminister Averell Harriman erklärte: „Die in Gang befindlichen Besprechungen verfolgen in der Hauptsache den Zweck, ein Gleichgewicht zwischen den Ein- und Ausfuhren der englisch-amerikanischen Besatzungszone herzustellen." Das Handelsdepartement wird sein Möglichstes tun, um zur Herstellung dieses Gleichgewichts beizutragen, erklärte Harriman, und fügte hinzu, „daß es sich keineswegs darum handele, Deutschland eine „Priorität" einzuräumen, sondern lediglich darum, Deutschland dem normalen europäischen Lebensniveau anzugleichen". Harriman versicherte, daß das Handelsdepartement auf jede Weise an der Erhöhung der deutschen Industrieproduktion beitragen würde. Er führte aus, daß das derzeitige Niveau dieser Produktion nur 38 Prozent des Vorkriegsstandes betrage, während die französische und belgische Industrie bereits 90 Prozent ihres im Jahre 1939 innegehabten Niveaus erreicht haben. Zur Kohlenfrage erklärte Harriman, daß Deutschland mit der gleichen Zahl von Bergarbeitern wie 1939 nur 50 Prozent der damaligen Förderleistung erreiche, während in Frankeich und Belgien die Förderung gleich und selbst höher als die der Vorkriegszeit ist. Er fügte hinzu: „Die Vereinigten Staaten hoffen durch Erhöhung ihrer Lebensmittel- und Rohstoffausfuhr nach Deutschland die Produktion dieses Landes auf etwa 90 Prozent des Standes von 1939 heranzubringen." Dreierkonferenz nach englisch-amerikanischen Besprechungen Wie aus London gemeldet wird, finden englisch-amerikanische Besprechungen über die Ruhrkohle kommende Woche in Washington statt. Diesen Besprechungen soll eine Dreierkonferenz folgen. Man ist der Meinung, daß die ' Durchführung des Marshall-Planes in erster Linie von den Entscheidungen dieser Dreierkonferenz abhängig ist, Parlament der Werktätigen Aus dem Strudel des Zusammenbruches der Gewaltherrschaft Hitlers und seiner Kreaturen sind die deutschen Gewerkschaften, die das blutige Regime einst zerstörte, verjüngt emporgetaucht Sie stehen in einem neuen Anfang. Doch wer sich überzeugen wollte, wie schwer dieser A nf ang ist, der fand, wenn er Augen hatte, zu sehen, und Ohren, um zu hören, auf dem 1. Bundestag des Badischen Gewerkschaftsbundes, über dessen Verlauf wir berichteten, hierzu reichlich Gelegenheit. Es ist auch heute noch nicht zu ermessen, ob jener Strudel das deutsche Volk vollends in den Abgrund des Verderbens zerren, oder ob es gelingen wird, neues Leben aus den Ruinen erblühen zu lassen. Zu den Kräften, die einer Erneuerung des Daseins Deutschlands, insbesondere seiner Wirtschaft, dienen wollen, zählen die Gewerkschaften in erster Linie. Sie widerstehen dem Untergang. Am Rande des Abgrundes setzen nicht nur die werktätigen Massen auf die Gewerkschaften große Hoffnungen. Um sie nicht zu enttäuschen, bedarf es. der Kraft eines Riesen und der Einsicht eines Weisen, die sich gründet auf die nüchterne Erkenntnis aller Bedingungen für die grundlegende Erneuerung alles Lebens im Rahmen eines demokratisch geordneten Staatswesens. Dazu bedarf es zugleich des leidenschaftlichen Elans der jungen Generation, deren Stimme sich auf der Tagung kräftig vernehmen ließ. Und beides, Nüchternheit und Leidenschaft, miteinander vereint, im Dienst der Sache zu nutzen, dafür zu sorgen, daß nicht die Wirkung des einen die des anderen aufhebt: das wird eine der bedeutsamsten Aufgaben der neugewählten Führung 4et Bundes sein. In den Debatten des Bundestages wurde diese Aufgabe mehr als einmal deutlich sichtbar. Die Mitgliedcrzahl der im Badischen Gewerkschaftsbund vereinigten Organisationen ist von 89000 am 1. Juli 1946 auf 65 000 im gegenwärtigen Zeitpunkt gestiegen. Diesem kräftigen Gewinn an äußerer Macht muß ein inneres Wachstum entsprechen. Es bestand für den Bundestag die Aufgabe, der Bewegung durch die Entscheidung über die Satzung des Bundes die Verfassung, dem Etat des Bundes und seiner Teile durch Beschlüsse über die Beitragserhebung und Beitragsverrechnung die Grundlage zu gfeben. Wer gewerkschaftlichem Wesen fremd gegenübersteht, mag das langweilig und die erregten Debatten, die über diese Gegenstände ausgetragen wurden, kleinlich finden. Wer indessen mit den Lebensformen der Bewegung vertraut ist, der erkennt in solchen Erörterungen Zeichen eines inneren Wachstumsprozesses, der mit dem starken Gewinn an zahlenmäßiger Größe kaum Schritt zu halten vermag, Zeichen des Willens, die Organisation der Gewerkschaften zu einem Organismus zu entwickeln, in dem alle Gliedmaßen ihre Funktion kennen und erfüllen. Nicht allein in der imponierenden Höhe der Mitgliederzahl, sondern in ihrer Einheit liegt die Stärke der Bewegung: ein Gedanke, der, einmal ausgesprochen, offensichtlich den Geist der Beratungen weithin beherrschte. Aber der leidenschaftliche Wille zur Einheit soll nicht der Vermassung Vorschub leisten, der Zug zum Ganzen dem Eigenleben der Teile nicht den Atem rauben. Im einheitlich durchdachten Gefüge des Ganzen .soll Raum sein für alle: für Menschen verschiedener konfessioneller und politischer Bekenntnisse, wie die parteipolitische tsid weltanschauliche Neutralität der Gewerkschaften es verlangt, aber auch Raum für das Gedeihen der Gliedformationen, die auf Grund der eigenartigen Bedingungen ihres Wirkungsbereiches einen begründeten Anspruch auf ein Eigenleben im ganzen nachweisen können. Ein solches Eigenleben ist kein Sonderdasein. Weit davon entfernt, die Einheit zu sprengen, wird es sie nur befestigen. Eine Synthese, einen Zusammenklang zwischen demokratischer Selbstbestimmung und bevollmächtigter Führung gilt es zu finden. Auf dieser Spur bewegten sich die Debatten über die innere Ordnung des Bundes nach seiner Satzung, dies war der tiefere Sinn dieses Teiles der Beratungen, und wenn die Synthese zu voller Klarheit durchgebildet sein wird, dann erst ist der Prozeß der inneren Entwicklung abgeschlossen und die Einheit gegen alle Anfechtungen gefeit. Dann aber wird von der inneren Stärke, die Festicrkeit mit Elastizität verbindet, eine werbende Kraft ausgehen, die dem weiteren äußeren Wachstum förderlich ist. Hohe. Ziele haben die deutschen Gewerkschaften sich an der Schwelle ihres neuen geschichtlichen Entwicklunosabschnittes gesteckt. Um sie zu erreichen, suchen sie in der Wirtschaft wie im Staat der Deutschen und im Zusammenleben der Völker den Platz einzunehmen und zu behaupten, der ihnen nach ihrer gesellschaftlichen Funktion und Bedeutung zukommt. Durch Verfassung und Recht als berufene Sachwalter der Sozialen und Seite 2 — Nummer 59 SasEoül Samstaf, 26. Juli 1947 wirtschaftlichen Interessen aller Werktätigen, nicht nur der .Mitglieder, anerkannt, , erstreben sie in einem dem Wöhle des Volkes verpflichteten Gemeinwesen ein wirksames Mitbestimmungsrecht bei der Verfügungsgewalt über die Produktivkräfte der Wirtschaft. Sie erstreben es im Betrieb durch zweck- gemäße Befugnisse der Betriebsräte, für den Raum der Volkswirtschaft durch ihre gleichberechtigte Beteiligung an einem System von Wirt, t aaftspolitischen Selbstverwaltungskörpern, deren Aufgabe es ist, den Wirtschaftsablauf planmäßig zu steuern. Das Ziel ist, die Produktivkräfte zu steigern und sie mit dem höchsten Nutzeffekt in den Dienst des Anspruches unseres Volkes an die Güter des Lebens *u stellen. Der Betriebsräte- f.rage wurde, seiner hohen Bedeutung gemäß, auf dem Bundestag in einem besonderen Referat auf den Grund gegangen, auch die Forderung des Mitbestimmungsrechts im Um- kreise der Volkswirtschaft wurde hierbei gestreift. In der Aussprache und in den anqe- ?„?^ menen Beschlüssen zeigte sich, daß der Wille, diese Ziele zu erstreiten, die gesamte Bewegung eint. Einem anderen Referat war es Vorbehalten, neben den wirtschaftspolitischen Bestrebungen die lohnpolftlschen A uf g a/b e n der Gewerkschaften ru betonen. Gilt es bei jenen Bestrebungen, die Stellung der Gewerkschaften zur Wirtschaft zu fixieren, so streift die Erörterung der Kernprobleme der gewerkschaftlichen Lohnpolitik die- Frage der Stellung der Bewegung zum. Staat. Die Darlegungen mündeten irt die Feststellung, daß die Gewerkschaften in absehbarer Zeit vor die Aufgabe gestellt sein werden, das Lohngefüge von Grund auf zu erneuern und zum Zwecke des Aufbaues einer organischen Lohnordnung ein System von Tarifverträgen zu schaffen. Ohne auf Widerspruch zu stoßen, wurde der Standpunkt eingenommen, daß die Gewerkschaften die Verantwortung für die tarifvertragliche ' Regelung def Löhne ungeteilt'selbst zu übernehmen gewillt sein müssen, statt sie, wie es einst mittels de r Verbindlichkeits- erklärung von Schiedssprüchen geschehen, in weitem Ausmaße dem Staat zu überlassen. Es wird besser sein für beide Teile, wenn der Staat der Lohnbildung wegen so wenig wie möglich bemüht wird. Denn wie einst die Methode des Zwangstarifes, beruhend auf der Verbindlichkeitserklärung der Schiedssprüche, die Gewerkschaften oft genug -in. eine schiefe täde-igebracht hat, so verbraucht •der demokratische Staat sein Ans^liferf, *am^unrechten Ort,-.wenn er sich — außer M AusriahmefSllen r^der Lohnregelung entscheidend annimmt. JpÄJk ein Ereignis von bedeutender Tragweite wurde die grundsätzliche,; Zustimmung des Generslrats des Weltgewerkschaftsbundes zur Aufnahme der Deutschen ln die den Globus umspannende Gemeinschaft der Arbeiterklasse gewertet; ist doch mit diesem Beschluß den deutschen Gewerkschaften die Möglichkeit, ihren Platz im internationalen Leben wieder einzunehmen, in Aussicht gestellt., Doch nicht nur die auf weitgesteckte Ziele gerichteten Ideen und Forderungen beschäftigten die Delegierten des Bundestages, auch die Sorge des Alltags saß im grauen Gewand mitten unter Ihnen am Beratungstisch. Die Emäh- rungsfrage, die Verschlechterung des Gesundr heitszuStandes der Werktätigen infolge unzureichender Fmährum. die Notwendigkeit, die Arbeitszeit - der verringerten Leistungsfähigkeit entsorächend zu verkürzen, die Vorsorge für den kommenden Winter durch ein Zusammen* wirken der Gewerkschaften mit den Organisationen der Landwirte bei der Erfassung der heimischen Bodenerzeugnisse — alle diese Fragen und andere Erscheinungen der Not nahmen in dem Geschäftsbericht des Bundesvorstandes und in der Aussprache einen breiten Raum ein. Mancher Schatten fiel von hier aus • auf die Verhandlungen. Aber die Versammelten wichen keiner dieser Fragen aus, die das Vertrauen der Mitglieder an die Gewerkschaften heranträgt. Ohne sich von der Last der Sorgen des täglichen Daseins Niederdrücken zu la«-»n widmeten sie sich ihnen mit d»m gleichen Emst wie den großen Gegenständen der Bewegung, Bezeugte diese Haltung der Delegierten die Bereitschaft, ieder An- fordomm mutig z” begegnen, so hot die v i p l- seifigkeit der Beratungen em Bild de- Weite des Aufgabenbereiches der c—’»rVsrhn»t«u in unseren Tagen. Richard Seidel. Erneuerung Zu der Zusammenkunft zwischen Vertretern der evangelischen Kirche und der SPD In diesen Tagen zeichnen sich in Deutschland die Konturen eines wichtigen neuen Abschnittes geistesgeschichtlicher Entwicklung ab Besonders deutlich trat das auf der Detmolder Zusammenkunft führender Vertreter der evangelischen Kirche (Landesbischof Dr. Lilje und Pastor Niemüller) mit maßgebenden Männern der SPD (Dr. Schumacher und Kultusminister Dr, Grimme) in Erscheinung. Die Fragen, die hier gründlich und in aufrichtiger Gesinnung behandelt wurden, sind noch im Fluß. So ist es auch verständlich, wenn man sich in der Berichterstattung darüber, was die Einzelheiten anlangt, einer gewissen Zurückhaltung befleißigt. Aber wer diesen Gesprächen, die schon etwas mehr als ein hoffnungsvoller erster Anfang in dem Bemühen der beiden genannten Personenkreise wären, sich zu verstehen und daraus bestimmte praktische Schlußfolgerungen zu ziehen, beigewohnt hat, wird der Ansicht sein dürfen, daß er ein sehr bedeutsames politisches Ereignis miterlebte. Natürlich kömmt das, was sich hier vollzog, nicht von ungefähr. Es ist vielmehr das Ergebnis von Entwicklungen, die sich seit längerem ahgebahnt und die ihren Ursprung wieder in den verschiedensten Ursachen haben: in der brutalen Lehre Hitlers, die seine gemeinsamen Feinde zu* einander führte, auch wenn sie bis dahin selbst Gegner auf einer anderen Kampfebene waren, in der chaotischen Not schon der Zeit des Bombenkrieges, dann später der des verlorenen Krieges mit allen seinen umstürzenden Folgen, in den weltgeschichtlichen Perspektiven mit ihren immer massiver drohenden Gefahren. Damit ist der Ursprung der neuen Bestrebungen sowohl auf kirchlicher wie sozialistischer Seite gewiß nur in den wichtigsten Motiven angedeutet, wer will, kann für die Annäherung sozialistischen und christlichen Bemühens Begründungen finden, die sehr viel weiter zurückgreifen und sehr viel tiefer in die Problematik von Vergangenheit und Gegenwart hineinfuhren. In Detmold geschah das auch in reichem Maße, von beiden Seiten in einer Weise, die ein überzeugender Beweis für die Möglichkeit war, in der Erforschung und Durchleuchtung solcher gewiß nicht immer übersichtlichen Zusammenhänge sehr gründlich zu sein, ohne die Wirklichkeit aus den Augen zu verlieren und ohne auf Gegenständlichkeit zu verzichten. Worin besteht, grob skizziert, der Wandel? Die evangelische Kirche Deutschlands — und hier ist es zunächst nur ejnmal ein Teil, die Bekenntniskirche — ist offenbar entschlossen, aus der gründlich gewandelten Zeit neue Erkenntnisse zu ziehen und neue Wegit zu gehen. Sie will, so sagen ihre verantwortlichem Männer, stärker als es bisher geschah, ihr Gesicht und ihr geistlichgeistiges Bemühen denen zuwenden, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, und das ist heute in noch viel stärkerem Maße, als es immer der Fall war, die überwiegende Mehrheit. Sie will ihre allzu einseitige Bindung an Besitz, Bürgerlichkeit und konservative Elemente mit reaktionärem Einschlag auigeben, sich in tätiger Hilfe und weit mehr als es vereinzelt auch früher schon durch kirchliche Wohlfahrtseinrichtungen geschah, den Armen und Ärmsten zuwenden und sich auch vor Entscheidungen nicht scheuen, die einen Bruch mit der bisherigen, oft sehr fragwürdigen Praxis christlicher Bewährung und mit gewissen traditionellen Vorstellungen vom Standort und den Aufgaben der Kirche im Volk bedeuten. Man ist sich auf dieser Seite klar darüber, daß viele Versäumnisse nachzuholen sind, daß wesentliche Irrtümer korrigiert werden müssen, Irrtümer vor allem, die sich auf die innere und äußere Einstellung zum Sozialismus und seiner demokratischen politischen Form, der SPD, beziehen. Bei allem wird man sich nicht auf Deklamationen, auf eine neue Sprache, beschränken dürfen. Und wie di? Sozialdemokratie von der Kirche diesen Wandel und einen Verzicht auf dogmatischer Engherzigkeit erwartet, so ist die Kirche der Ansicht, daß die SPD aus ihrem politischen, ökonomischen und kulturellen Programm keine Heilslehre mit weltanschaulichem Ausschließlich keitsanspruch werden lassen soll. Die SPD wird das um so eher tun können, als sie im Gegensatz zu den Behauptungen, die immer wieder von den verschiedensten Seiten aufgestellt werden, bewußt eine übersteigerte Bewertung von Doktrinen ablehnt, deren Gültigkeit wie alles Menschenwerk dem Wandel der Zeiten unterworfen ist, und in dem Menschen und seiner Freiheit, soweit sie ihm nur irgendwo gewährleistet werden kann, Ziel und Aufgabe aller Politik sieht — nicht im Staat, wie der Sozialdemokratischen Partei aus Unwissenheit oder Böswilligkeit immer wieder vorgeworfen wird. Auch für die Sozialdemokratie geht — und darin liegt ein wesentlicher Zug der Erneuerung, die sie durchmacht — die Atmosphäre des Aufklärungszeitalters in der Politik zu Ende; Vernunft und Religion sind nicht mehr polare Gegensätze und werden auch von dem einfachen Mann nicht mehr als solche empfunden. Auch die Sozialdemokratie^ ist in eine neue Etappe ihres ent- wicklungsgesehichflichen Werdeganges eingetreten, eine Etappe,-die-ihr nicht nur den Auftrag zu ge- Weltchronik Otglirüiaalta: Dis britisch-sowjetischen Wirtschaftsbesprechungen sind abgebrochen worden. Der letzte Versuch, den der Chef der britischen Delegation, Wilson, bei dem Chef der sowjetischen Delegation, Mikoyan, unternommen hat, ist gescheitert, wie bekannt wird, bezieht sich die Meinungsverschiedenheit auf den Weizenpreis. ■ Rumänien: Wie aus zuständiger Quelle verlautet, geht aus den Erklärungen des stellvertretenden Leiters der nationalen Bauernpartei Rumäniens, Mihalaches, die er seit seiner Verhaftung auf dem Flugplatz bei Bukarest abgegeben hat, hervor, daß er mit seiner Umgebung ln die Türkei habe fliehen wollen. Dort wollte der stellvertretende Leiter der nationalen Bauernpartei mit den früheren türkischen Gesandten in Rumänien, Tanrioer, Caty und anderen, Fühlung aufnehmen und mit Ihrer Hilfe nach Westen ab- reisen. Mihalache soll weiter gesagt haben, daB er sich mit . den bereits ln der Verbannung befindlichen Mitgliedern der nationalen Bauernpartei habe in Verbindung setzen wollen bei gleichzeitiger Einleitung von Besprechungen mit verschiedenen politischen Kreisen des Westens. Er soll auch zugegeben haben, daß er im Ausland Vorträge und Reden gegen das augenblickliche rumänische Regime halten wollte. Griechenland: Die Mitglieder der kommunistischen Partei, die vorläufig in den Athener Pollzeikommissariaten Inhaftiert sind, traten zum Protest gegen angebliche Mißhandlungen ln den Hungerstreik. Der .rfNew York Herald Tribüne" widmet der griechischen Frage einen Leitartikel ung stellt fest, daß Infolge der äußerst großen Meinungsverschiedenheiten Amerikas und der Sowjetunion in der griechischen Angelegenheit die Vereinten Nationen nicht in der Lage sind, eine Entscheidung zu treffen. Da, griechische Problem muß, so betont die Zeitung, von den Vereinigten Staaten gelöst werden. Der Ver. fasser schreibt weiter, daß die Vereinigten Staaten bisher „nur äußerst langsam" vorangegangen seftn, um das beabsichtigte Hilfsprogramm durchzuführen. „Wir wissen, so schreibt er „daß, wenn uns dies jetzt nicht gelingt, der Preis den es uns dann später Ohne saubere Justiz keine Demokratie! Einblick m den Stand der politischen Prozesse in Südbaden über den Stand der Gerichtsverfahren wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit wurden ln _ einer Pressebesprechung des Badischen Justizministeriums in Freiburg folgende aufschlußreiche Tatsachen mit geteilt: Beim Landgericht Waldshut wurden seit 1. Januar 1947 zwei Verfahren mit vier Beteiligten durchgeführt. 14 Verfahren mit 32 Beteiligten sind noch nicht abgeschlossen. — In Baden-Baden wurden im gleichen Zeitraum 17 Personen in sechs Verfahren abgeurteilt, während fünf Verfahren mit 19 Angeklagten noch im Gange sind. In Offen- b u rg wurden drei Verfahren mit drei Beteiligten erledigt, wählend 14 noch nicht abgeschlossen sind. In Konstanz gehört ein Verfahren mit drei Angeklagten der Vergangenheit an. und bei 17 mit 25 Beschuldigten steht das Urteil noch aus. In Lörrach sind noch vier Verfahren mit 17 Beteiligten im Gange, und Freiburg hält den Rekord mit 19 Verfahren, in die 51 Personen verwickelt Sind. Man re-’—et damit, daß schon in allernächster Zeit die an der Zerstörung der Synagogen in Freiburg und in Brei- • aeh Beteiligten abgeurteilt werden können. Generalstaatsanwalt Prof. Dr Bader bemerkte hierzu noch, daß gerade im Falle der Synagogenbrandstifter bislang leider die kleinen Schreier" gefaßt worden seien, während man aufs nachdrücklichste bemüht sei, nun auch der eigentlichen Schuldigen habhaft zu werden, jener demagogischen Drahtzieher, von denen damals das ganze Unheil ausgegangen sei. Gerade auf diesem Gebiete wolle man weniger denn je das Prinzip verfolgen, die kleinen Diebe zu hängen und die großen, laufen zu lassen. Ohne eine saubere Justiz könne es keine wirkliche Demokratie geben. Mit besonderem Nachdr - k wies der Generalataatsanwalt noch darauf hin, daß bei der Bekämpfung des schwarzen Marktes in der französischen Zone bislang am tatkräftigsten von allen Zonen gearbeitet worden sei. Staatssekretär der Justiz Dr. Streng ging noch in großen Zügen auf die Euthanasie- verbreehen ein, deren Ermittlung vor allem durch die Vernichtung der ’- msten Urkunden erschwert werde. Jedoch • ' man mit der Untersuchung der kleineren Anstalten so ziemlich fertig und hoffe, daß die Verfahren' in etwa zwei Monaten abgeschloasen sein würden und dann die Urteilssprechung erfolgen könne. Es komme heute in erster Linie darauf an. daß das Volk nach all den grauenhaften Willkürmaßnahmen der Nazizeit wieder Vertrauen zur deutschen Justiz gewinne; und die Justiz selbst werde alles tun, um hierzu nach Kräften beizutragen. kosten wird, nicht abgeschätzt werden kann. Wir müssen Griechenland zur militärischen Macht verhelfen, um es gegen die Aggressionen zu sdlützen. Wir müssen es aber gleichzeitig wirtschaftlich unterstützen und dafür Borge tragen, daß auch eine politische Reform zu seiner eigenen Rettung durchgeführt wird Niemand wird uns diese Aufgabe abnehmen. Palästina: Seitdem das Einwandererschiff „Exodus 1847* die palästinensischen Gewässei erreicht hat und es dadurch zu Zwischenfällen kam. ist die Lage ln Palästina sehr gespannt. Ein auf eine Mine gefahrener Miptärlastwagen gab Anlaß zu einem erneuten Alarm in Jerusalem. Drei Soldaten sollen verwundet worden sein. In Tel Aviv fahren die Panzerwagen zu Dreien durch die Straßen der Stadt und seit dem Angriff auf Polizisten ln, Zivil dürfen britische Soldaten die Straßen von Haifa nicht betreten. Für die gesamtjüdische Bevölkerung ist in ganz Palästina der Generalstreik angeordnet. Ägypten: Der ägyptische Ministerpräsident Mahmud No- kraschl Pascha traf in New York ein, um vor den Vereinten Nationen die ägyptische Beschwerde gegen Großbritannien vorzubringen. Eine amerikanische Militärmission, die durch ägyptische Offiziere mit Ausbildung im Ausland unterstützt wird, soll in Kürze mit der Reorganisation der ägyptischen Armee auf moderner Grundlage beauftragt werden. Bis Jetzt hatte auf Grund de* englisch-ägyptischen Bündnisvertrages allein die britische Militärmission das Recht, die ägyptische Armee auszubilden. Birma: Der bei dem auf die Regierung von Birma verübten Attentat von Rangun verletzte Informationsminister Uba Oboe ist gestorben. Damit steigt die Zahl der birmanischen Regierungsmitglieder, die bei dem Attentat ums Leben kamen, auf acht. Korea: Die koreanische Kommission, die in Washington weilt und die Vertretung der demokratischen Elemente Südkoreas darstellt, teilte mit, daß von den Russen im. Verlauf einer Kundgebung für die Unabhängigkeit des Land.es am 30. Juni über 400 Koreaner getötet. 2000 verletzt und 10 000 verhaftet wurden. Indonesien: Der Oberbefehlshaber der holländischen Streitkräfte ln Indonesien, General Spoor, gab Einzelheiten über die seit dem 21. Juli um Mitternacht erfolgten Operationen bekannt. Er wies besonders darauf hin, daß das wesentliche Ziel der Operationen sei, Leben und Eigentum zu schützen und Zerstörungen zu verhindern und betonte, daß die Operationen beschränkten Umfang hätten. Das holländische Oberkommando habe nicht di« Absicht, das gesamte republikanische Territorium zu besetzen. Spoor lehnte es ab, anzugeben, ob die republikanische Hauptstadt Djokjakata und Soerakata besetzt werden würden. Uber nie militärische Lege auf der Insel Java gab General Spoor bekannt, daß die Mehrzahl der bedeutenden Städte ln West-Java besetzt wären, und daß in dessen Sektor umfangreiche Zerstörungen durch die Republikaner erfolgt seien. Im Zentrum von Jave haben die holländischen Truppen auf dem Marsch nach Süden Ambarawa erreicht. Die Zerstörungen in dieser Gegend sind im allgemeinen schwach. Ost-Java schließlich ist praktisch vollkommen in der Hand der Holländer. Uber die Lage auf Sumatra erklärte General Spoor, daß im Süden der Insel bei Palembang drei Abteilungen die Erdölproduktionsgebiete in intaktem Zustand und ohne auf ernster Widerstand zu stoßen, eingenommen haben. In der Gegend von Medan war der Widerstand ln den ersten Tagen erheblich hat aber jetzt abgenommen. Vereinigte Staaten: Da« vom Staatsdepartement an die Budgetkommission de, Senats gerichtete Ansuchen um eine 700 000- Dollar-Anleihe zur Finanzierung der Materiallieferungen für die russischen Erdölraffinerien im Rahmen des Pacht- und Leihgesetzes ist auf lebhaften Widerstand von seiten de, Senators Bridges, des Leiters der Kommission, gestoßen. Der Senator ist der Ansicht, daß die amerikanische Regierung nicht zur gleichen Zelt von Griechenland und der Türkei verlangen kann, einen Damm gegen den Kommunismus aüfzurlchten, und seinerseits Werkzeuge an die Sowjetunion liefere. I Gruß nach der Spree I Die in Karlsruhe erscheinende, sehr gut redi- | gierte Jugendschrift „Du" bringt in einer ihrer | letzten Nummern die folgende Glosse, die ohne "weiteren Kommentar wiedergegeben zu werden - s verdient: | „Wißt ihr noch, daß nach dem Heeresver- : ordnungsblatt der „militärische Haarschnitt -zwei Millimeter außerhalb des Mützenrandes | zu sein hatte? Wißt ihr noch, daß ln der; 5 Polemik gegen den deutschen Militarismus ge- Srade diese: Haarschnitt, der typisch für eine I bestimmte deutsche Geisteshaltung war, eine = große Rolle spielte? Und w'ßt ihr noch, daß die SLangmähnigen für jeden richtigen Spieß | schlechte Soldaten, gefährliche pazifistische. § Elemente waren? Die amerikanische Nach-; | richtenagentur AP meldet aus Berlin: „Alle ( s männlichen deutschen Angestellten der Besat- 1 zungsarmee in Berh'n erhalten nach einer ■> 5 Verfügung vom 27. Juni ihre Haare „nach = amerikanischem Stil" kurz geschnitten. Wenn . 1 sie mit dieser Maßnahme nicht einverstanden | sind, so bleibt ihnen die Alternative, entlassen -zu werden und damit auf ihre tägliche warme 1 Mahlzeit zu verzichten. Wie der Kommandeur : = eines Kraftfahrzeugbataillons mitteilt, gibt es ; iiedoch viele, die .sich lieber auspeitschen : 1 lassen oder ihre Stellung verlieren würden', | als sich die Haare schneiden zu lassen". Was ; = die Army macht, geht uns nichts an. Was wir | Deutschen machen, verfolgen wir genau, schon | allein deswegen, damit die Entmilitarisierung | Deutschlands nirgendwo von uns sabotiert 1 wird. Daher senden wir einen Gruß vom = Rhein nach der Spree an die „Opfer der Ent- § milftarisierung". Auf eine amerikanische 1 Mahlzeit aus ideellen Gründen zu verzichten, , 1 ist ein echtes Opfe*. dargebracht der Entmili- |tarisierung Deutschlands..." sellschaftlicher Kritik und Oppostion, sondern stärker als jemals zuvor den zu konstruktiver Tat gibt Darüber ist schon manches gesagt worden, zuletzt in Erlangen und Nürnberg. Bei der Herstellung eines Vertrauensverhältnisses zur Kirche handelt es sich dabei nicht um die einfache Belebung des alten liberalen Tolerierungsgrundsatzes, der zuletzt doch farblos blieb und nicht über das Ziel hinausging. Zusammenstöße zu vermeiden, sondern vielmehr um die Schaffung eines positiven Zusammenklangs. Die Abgrenzung der politischen gegenüber der kirchlich-religiösen Sphäre bleibt natürlich bei , alledem bestehen, denn beides sind ganz verschiedene Funktionen im Leben eines Volkes. Wenn dem so ist, dann bleibt es allerdings ein großes Unrecht, wenn eine einzige Partei für f ihren Namen den Begriff „christlich“ reklamiert. Viele Einzelfragen bleiben zu klären. Auch gibt es f ewiß auf beiden Seiten Kräfte, die gemäß dem igengewicht, das ihnen innewohnt, von ihrer Verbundenheit mit althergebrachten Ideen und Vorstellungen schwer löskommen werden. Das ist natürlich und angesichts der Größe des Wandels, der sich anbahnt, nicht anders zu erwarten. Sicher ist aber, daß das deutsche Volk in seiner überwiegenden Mehrheit den neuen Erkenntnissen, die jetzt zum Durchbruch zu kommen scheinen, voll zustimmt. Aus allen vier Zonen Berlin. Der Unterhalt der Hauptkriegsverbrecher (Heß usw.) im Gefängnis Spandau beziffert sich auf 400 000 RM. Auf Befehl der Alliierten Kommandantur muß die Stadt Berlin die Kosten tragen. Berlin. Die Berliner SPD schlug dem Magistrat die Wahl Walter Mays für den Posten des Leiters des städtischen Unterrichtswesens an Stelle von Nestriepke vor, der von der Alliierten Kommandantur vor kurzem abgesetzt wurde. Berlin. Eine starke Explosion im Kom- mandogebäude der Berliner Schutzpolizei in der Schönhauser Allee, das Im sowjetischen Sektor liegt, ist auf kein Attentat zurückzuführen, wie sich aus den amtlichen Fesste'langen ergibt. Bisher wurden acht Todesopfer ermittelt. Die Explosion ist wahrscheinlich im Zimmer des Feuerwerkers Walter Budde entstanden, de rin Begleitung von Zivilangestellten zwei große Kisten mit Kastenminen in das Kommandogebäude brachte. Die Minen waren in Berlin gefunden worden und sollten entschärft werden. Amerikanische Zone München. Fritz Kuhn, der ehemalig« „Führer" des amerikanisch-deutschen Bundes, der wegen Unterschlagungen aus der amerikanischen Bundeskasse mehrere Jahre im Zuchthaus zugebracht hat, wurde auf Anweisung des Münchener Spruchkammer verhaftet und in das Gefängnis Neudeck eingeliefert. Kuhn, der nach Kriegsende aus den Vereinigten Staaten ausgewiesen wurde, soll, wie der Kläger der Berufungskammer für München, ausführte, voraussichtlich als Hauptschuldiger angeklagt werden. Saopstenje Jugoslovenl, koji se naläze na franeusko] okupa- eionol zoni u nemaekoj i koji rele da se vrate svojlra kucama, imaju sto pre da dodju u «ablmi centar u Tuttlingen — u — Donaustraße 86 — edakle ce bM upuceni zu demovinu. Jueoskovenska Delegaelja D.G.A.A. — D.P.D. — Rasiett Bekanntmachung Es wird allen in der französischen Beeatzungszon« noch zurückgebliebenen Jugoslawen, die nach Jugoslawien zurückkehren wollen, angeboten, sich unverzüglich im Sammellager Tuttlingen, Donaustraße 50 , einzufinden Hot dort aus werden sie nach Jugoslawien zurückgeführt. Jugoslawische Repatrilernngsdeleratlon D.G.A.A. — D.P.D. — Rastatt Was matht das Wettet 7 Uber Mitteleuropa hat sich das Hochdruck gebiet unverändert gehalten. Die Luftdruckverteilung ist J*> doch schwach und begünstigt die Entstehung kleiner» Störungen, läßt jedoch das Eindringen kühlerer Luft- messen vorerst nicht zu. Die Hauptstörungstätigkett bleibt daher über dem Ostatlantik ung Osteurog« liegen. Wetteraussichten bis Dienst« g» abend: Meist heiter, nachmittags und abend« wolkig mit einzelnen Gewitterbildungen, gortäwebi •ehr warm. Samstag, Juli 1947 Nummer 59 — Sehe 3 Währungschaos und Lastenausgleich Es gibt nur einen Ausweg aus der Unhaltbarkeit der heutigen Zustände: die sozialistische Lösung! Das Geld hat in Deutschland in zunehmendem Maße seine Eigenschaft als allgemeingültiger Wertmesser verloren. Seine Rolle übernahmen weitgehend die Waren. Nicht eine bestimmte Ware, wenn auch schon von einer Zigarettenwahrung die Rede gewesen ist, sondern die Waren schlechthin. Auf dem schwarzen Markt , le Herausbildung eines gewissen Wertver- haltnisses unter den Waren unverkennbar, wenn es auch zahllose Preisschwankungen gibt, die auf das ständig wechselnde Angebot und auf die zumeist mit Rations- oder Kontingentsänderungen irgendwelcher Art gekoppelten Nachfragenschwankungen zurückzuführen sind. Bei der Kompensation hinwiederum werden gemeinhin die Wertverhältnisse der Friedenszeit zugrundegelegt, ohne daß der heutigen Währung überhaupt Beachtung geschenkt wird. Hier wird also mit fiktivem Oelde gerechnet, und hier ergeben sich vielleicht die ersten Ansätze oder die primitivsten Grundlagen zu einer kommenden Wiedereinschaltung des Geldes in den Wirtschaftsprozeß. Beim Naturaltausch endlich, der sich in zahllose Einzeltauschakte auf dem schwarzen Markt aufsplittert, kann von einer wirklich sicheren Berechnungsgrundlage überhaupt nicht gesprochen werden. Hier wird zumeist vollkommen willkürlich Ware gegen Ware gegeben und genommen, wie es gerade der Wertschätzung der Partner für dieses oder jenes Gut entspricht. Überblicken wir den heutigen Zustand unserer Volkswirtschaft, so haben wir es nicht mehr mit einer Währung zu tun. sondern zumindest mit fünf verschiedenen Währungen bzw. Wertmessern. Da ist zunächst das Rationierungsgeld, wie man es nennen könnte, unser normales Papiergeld, mit dem wir die rationierte und kontingentierten Waren kaufen, sofern sie vorhanden sind. Zwischen dem vollwertigen Rationierungsgeld und dem entwerteten Schwarzmarktgeld gibt es eine Zwischenstufe, die man als Freimarktgeld bezeichnen könnte. Es dient zur Bezahlung von freiverkäuflichen Produkten, die im Werte unverhältnismäßig gestiegen sind. Man denke nur an die vielen, recht wenig nützlichen kunstgewerblichen Artikel, die wir heute fn den Läden finden, an Kinderspielzeug und ähnliches mehr. Dann kommt das entwertete Schwarzmarktgeld, welches vornehmlich aus den Sparguthaben gespeist wird, die sich während der Aufrüstungszeit und im Kriege gebildet haben. Einmal in Umlauf geraten, kursiert dieses Geld nominell als Normalgeld, materiell als Inflationsgeld. Rationierungsgeld, Freimarktgeld und Schwarzmarktgeld sind Bestandteile unserer Papierwährung mit stark differenzierter Kaufkraft. Außerhalb der Papierwährung steht dann die Kompensationswährung, die auf die Kaufkraft der heutigen Papierwährung überhaupt keine Rücksicht nimmt und unabhängig von seiner Umlaufsmenge frühere Wertverhältnisse zurück- bzw. kommende vorwegnimmt. Und schließlich gibt es die Naturaltauschwährung, bei welcher ebenfalls von jeder Beziehung zur Papierwährung Abstand genommen ist und die auf der Grundlage rein individueller Wertschätzung basiert. Daß bei einem solchen Währungsdurcheinander das Vertrauen, welches einst eine sichere Grundlage für den Geldwert bildete, verlorengehen muß, ist unvermeidlich. Aber nicht nur das, auch die Arbeit*- und Unternehmungslust muß immer mehr von dort, wo man sie als geregelt und normal empfindet, zu den unkorrekten, illegitimen Betätigungsformen der Wirtschaft abgleiten. Der Spartrieb, einst die Grundlage für den wirtschaftlichen Aufbau und Fortschritt, wird abgetötet, nicht nur weil überschüssige Einkommensbeträge notgedrungen zur Beschaffung von Schwarzmarktwaren verwendet werden, sondern auch deshalb, weil das Damoklesschwert einer Geldreform über unserer heutigen Währung hängt. Die Steuerleistung, die zwar zunächst noch durch rigorose Steuererhöhungen aufrechterhalten oder gar gesteigert werden konnte, muß mit der Steuermoral allmählich immer mehr absinken, da ja nur die Normalgeld- und die Freimarktgelderträge der Besteuerung unterworfen sind, während Schwarzmarkteinkommen, Kompensations- und Tauschgeschäfte, abgesehen vom konzessionierten Tauschgewerbe, kaum erfaßt werden dürften. Daraus ergibt sich ein weiterer Anreiz zur Abwanderung in die wirtschaftliche Illegitimität Das Währungsdurcheinander in Deutschland und das damit verbundene Abgieiten in die wirtschaftliche Primitivität, Regel- and Gesetzwidrigkeit, wobei Ursache und Folge za einem unentwirrbaren Tatsachenknäuel verstrickt sind, stellt indes für den Wirtschaftskundigen and für den politisch geschulten Beobachter nichts anderes dar als eine Zer- falfserscheinung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Nachdem der gewaltsame Versuch gescheitert ist, mit dem Mittel politischer Diktatur ein Wirtschaftssystem aufrechtzuerhalten, welches bei freier Entwicklung der Dinge längst der Geschichte angehören würde, müssen sich diese üblen Erscheinungen zeigen, bis eine neue konstruktive Form der Wirtschaft gefunden und in die Wirklichkeit umgesetzt ist. Bis, mit anderen Worten, die Wirksamkeit des sozialistischen Auf baus die Nachwirkungen des kapitalistischen Abbaus überwältigt Der Versuch, durch eine bloße Währungsreform dieser Dinge Herr zu werden, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt, und es bedurfte gar nicht erst jener schlechten Erfahrungen, die einige Länder letzthin in dieser Hinsicht gemacht haben, um das zu erkennen. Das Nichterkennenwollen hilft hier nichts. Es gibt heute keine andere als die sozialistische Lösung unserer europäischen Wirtschaftsprobleme. Ein viel besserer Ausgangspunkt als die Währungsreform, die allerdings im Zusammenhänge mit anderen Maßnahmen unvermeidlich sein wird, würde de r Lastenausgleich sein. Der Lastenausgleich als große soziale Bereinigung würde der Willkür des auslaufenden Kapitalismus die Gerechtigkeit des anlaufenden Sozialismus entgegensetzen und eine geeignete Vertrauensbasis sowohl für den Anlauf internationaler Hilfsaktionen wie auch für eine Neubelebung unserer Volkswirtschaft schaffen. Dann gäbe es keine Warenhortung mehr, dann könnte man mit Aussicht auf Erfolg dem Schwarzmarkt zu Leihe rücken, der aus der Ebene der Notwehr in die Tiefe asozialer Schmuggiertätigkeit zurückgestoßen und schließlich mit verbesserter Versorgung als erledigt betrachtet werden könnte. Dann würde die Kompensation allmählich wieder ihre Bedeutung verlieren und alle Rückfallserscheinungen in die Primitivität wie auch alle Zerfallserscheinungen wirtschaftlicher und moralischer Art würden sich nach einem solch umfassenden Gerechtigkeitsakt vor der neuen Sinngebung und Sicherung des Lebens verflüchtigen. Wohlverstanden, der Lastenausgleich wäre ein Ausgangspunkt, nicht die Patentlösung. Diese gibt es nicht, denn solange Menschen auf dieser Erde existieren und die Bedürfnisse größer sind als die zur Verteilung bereitstehenden Gütermengen, werden wirtschaftliche Probleme zu lösen sein und wird es den Drang zum Fortschritt geben, der über Wirtschaftssysteme und ökonomische Ordnungen dahinschreitet. Vor uns Heutigen aber liegt die sozialistische Lösung greifbar nahe, and wir sollten, da wir die Unhaltbarkeit der heutigen Zustände erkennen, nicht länger mehr zögern, von ihr Gebrauch zu machen. Hitler und die Ruhrindustriellen Zu einem bisher nicht veröffentlichten Bericht des Großindustriellen Ernst Poensgen ln einem bisher noch nicht veröffentlichten „Rückblick“ berichtet der Großindustrielle Ernst Poensgen aus seiner persönlichen Erinnerung über das Verhältnis der Ruhrindustriellen zu Hitler. Poensgen war 19SS, zur Zeit der Machtergreifung Hitlers, Vorsitzer des Arbeitgeberverbandes Nordwest, Vorsitzer des Vereins Deutscher Eisen- und stahlindustrieller, Vorsitzer der Rohstoffgemeinschaft und Mitglied der Berliner Spitzenverbfinde. Später wurde er von dem damaligen Reichswirtschaftsminister Schacht zum Leiter der Wirtschaftsgruppe Eisenschaffende Industrie berufen, dann aber im Mai 1942 von Schachts Nachfolger. Funk, abgesetzt; gleichzeitig legte er auch sein Amt als Vorstand der Vereinigten Stahlwerke nieder. Die Aufzeichnungen des damals 7«Jährlgen Großindustriellen entstanden im Frühjahr und Sommer 1945. Sie sind neben ihrem hohen dokumentarischen Wert von besonderer Bedeutung dadurch, daß sie ein bezeichnendes Licht auf die Anschauungs- und Den k% ngsweise großkapitalistischer Wirtschaftsführer werfen, die mit verantwortlich ist für die Machtentfaltung des Nazismus. Ohne die Stütze der Kartelle und Trusts hätte de r Nationalsozialismus niemals die Herrschaft über das deutsche Volk gewonnen, wäre es Hitler niemals möglich gewesen, ganz Europa mit Krieg zu überziehen. Diese Erkenntnis ist für uns heute selbstverständlich — einem Großindustriellen wie Poensgen, der auf einer ganz anderen Ebene der großkapitalistischen, dazu internationalen Wirtschaft denkt, ist jedoch dieser Schluß unvollziehbar. Im Gegenteil, er erlaubt mit Putern Gewissen die Frage, ob die Ruhrindustriellen hinter Hitler standen, verneinen zu können — nachdem er ausführlich am Beispiel der 1926 gegründeten Internationalen Rohstahlgemeinschaft und ihrer deutschen Gruppen nachzuweisen versucht hat, daß die Konzerne und Trusts niemals ein Instrument der Nazis für die Erlangung der Weltmacht gewesen seien; denn Hitler habe Die amerikanischen Rohstoffpreise Weiterhin starke Steigerung besonders für Nahrungsmittel und Agrarprodukte Die Entwicklung der Preise an den amerikanischen Rohstoffmärkten zeigt weiterhin sehr stark ansteigende Tendenz. Seit dem Aufhören der amerikanischen Preiskontrollen vor einem Jahr halten diese Preissteigerungen an. Man spricht in Amerika geradezu von einer Preisinflation. Das gilt ganz besonders für Getreide und Baumwolle. Nach amerikanischen Pressemeldungen hat „die Regierung der USA einerseits alle Besorgnisse vor einer kommenden Deflation verloren, dagegen eine kommende Inflation als die größte Gefahr für das Land erkennen lassen, und zwar eine Art von Inflation, über die die Kontrolle rasch verloren werden kann“. Wenn es — entgegen den offiziellen Versicherungen — wirklich zu einer Goldpreiserhöhung kommen sollte, um die Goldvorräte des dollarbedürftigen Auslandes aufzuwerten (und damit wahrscheinlich den amerikanischen Goldvorräten weitere hinzuzufügen, die so dem natürlichen Umlauf entzogen würden), so müßte eine neue heftige Preissteigerung der Rohstoffe die Folge sein. USA-Preisindex (Ende Juni 1945 = 100) Ende Juni 1946 Ende Juni 1947 Generalindex 106.4 113,8 Landw. Produkte 107,8 169,5 Nahrungsmittel 105,7 153,4 Rohstoffe 105,6 132,4 Diese Tabelle zeigt ganz klar die gewaltige Steigerung der Preise vor allem der landwirtschaftlichen Produkte und der Nahrungsmittel in den Vereinigten Staaten. Individualeinfuhr in den „Vereinigten Zonen*? Das neue Einfuhrverfahren der „Vereinigten Zonen“, das im Laufe dieses Monats in Kraft treten soll, wird auf sogenannter individueller Basis beruhen und soll das System der regierungsseitigen Einfuhren teilweise ablösen, das von allen deutschen Beteiligten als unbefriedigend angesehen wurde. Insbesondere wurde von der Industrie geltend gemacht, daß Regierungsstellen, und hier gerade die Konsulate der beteiligten Regierungen, nicht so günstig einzukaufen verständen. Von dem neuen Einfuhrverfahren verspricht man sich aber nicht nur einen zweckmäßigeren, d. b. billigeren Einkauf ausländischer Rohstoffe, sondern auch eine allgemeine Belebung des Einfuhrgeschäfts. Die Hoffnung der Industrie jedoch, auf der individuellen Basis auch die in Deutschland so dringend benötigten Rohstoffe wie Marnieeit, Gummi. Kasein, Ferrosilizium u. a. in größerem Ausmaß einführen zu können, erscheint auf Grund der bisherigen Auskünfte durch die „Jeia“ als nicht begründet. Es ist beabsichtigt, vorerst nur solche Roh- und Hilfsstoffe „individuell“ einzuführen, die die Industrie zur Durchführung ihrer Ausfuhrpläne braaftit. Die Steuerung der Einfuhr für den innerdeutschen Bedarf bleibt weiter den zentralen Organen, der „Jeia“ und dem Mindener Verwaltungsamt für Wirtschaft überlassen und wird sich in den engen, bis jetzt ges+eckten Grenzen bewegen. Bisher wurden von der „Jeia" in Minden für allgemeine Einfuhren im I. Quartal 1947 15 Mill. und im II. Quartal 1947 30 Mill. Dollar ausgeworfen. In den genehmigten Einfuhrprogrammen waren u. a. für 6 Mill Dollar Bergarbeiterkleidung, für 6 Mill Dollar Textil-Rohstoffe. für 4 Mill. Dollar Sulphit- und Sulphatzelluiose und fü r 4.8 Mill. Dollar Fettsäuren zur Seifenherstellung vorgesehen. Das amerikanische Nationaleinkommen Nach Mitteilungen des „Journal of Commerce* weist das Nationaleinkommen der Vereinigten Staaten im Jahre 1946 den Betrag von 178 Milliarden Dollar auf. was eine Erhöhung tun 13 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Die nationale Produktion dagegen weist in derselben Zeit den Betrag von 204 Milliarden Dollar auf; das entspricht einer Zunahme um 10 Milliarden Dollar sich für diese niemals interessiert, vermutlich nicht einmal etwas von ihrem Bestehen gewußt.. „Wir deutschen Eisenindustriellen .... waren im Gegenteil der Überzeugung, daß die internationalen Kartelle zu internationaler Verständigung und zur Sicherung des Friedens wesentlich beitrügen.“ Dabei übersieht Poensgen und alle seine Artgenossen, daß nicht nur in der aktiven Unterstützung und Zustimmung zu der jungen „nationalen“ Hitlerscheu Bewegung eine Förderung liegt — wie sie vor allem von einem von Kirdorf und Thyssen (Poensgen nennt sie die einzigen namhaften Persönlichkeiten von der Ruhr, die sich für Hitler schon vor der Machtergreifung einsetzten) erfolgte —, sondern auch in der passiven, zuwartenden Haltung gegenüber einer Entwicklung, die gerade Männern in solch überhöhten Positionen in ihrer katastrophalen Auswirkung nicht verborgen bleiben konnte. Nicht unberechtigt haben darum die deutschen Arbeiter und das Ausland aus der Haltung Kirdorfs und Thyssens verallgemeinernd den Schluß gezogen, die Ruhrindustriellen hätten hinter Hitler gestanden. Mit der Feststellung, daß Hitler ihn vollkommen kalt gelassen, ja, daß er fast ausnahmslos Hitlers öffentliche Reden verabscheut habe, und daß es der Ruhrindustrie bi* zu Beginn des Krieges gelungen «ei, den Einfluß der Partei auf Äußerlichkeiten zu beschränken haben weder Poensgen noch die Ruhrindustriellen Stellung gegenüber dem Nazismus bezogen. Und das ist der Großindustrie vorzuwerfen: Der Ausdruck persönlicher Aversion gegenüber Hitler. „Ley, Parteibonzen und Parteizielen durfte und konnte nicht genügen, gegen die Partei, den Nazismus zu sein. Als nach der Machtergreifung der damalige Vorsitzer der Nordwestlichen Gruppe, Fritz Sprin- f orum, eine klare Stellungnahme zu der neuen ituation vom Reichsverband der deutschen Industrie verlangte, seien die Meinungen, wie Poensgen berichtet, geteilt gewesen, „es kam nur eine lendenlahme Erklärung zustande.“ Und diese „lendenlahme“ Haltung war die grundsätzliche Haltung der Großindustrie gegenüber dem Nazismus: einmal, weil zahlreiche Wirtschaftler die NSDAP „als das kleinere Übel dem Kommunismus vorzog“, zum anderen, weil viele Industrielle auf dem Standpunkt standen, „es sei besser, sich in die Führung der Wirtschaftsorganisationen einzuschalten, um das Schlimmste zu verhindern, statt tatenlos beiseite zu stehen“. Gewiß, es kann auch den Großindustriellen zugute gehalten werden, daß sie — wie Millionen von Deutschen — von den Nazi« in ihrer „Glutgläubigkeit" gehörig über den Löffel halbiert worden sind. Zu der Frage, ob die Ruhrindustriellen Hitlers Absichten gefördert hätten, die Weltherrschaft zu erlangen und zu diesem Zweck einen Krieg zu führen, schreibt Poensgen: „Wi r haben an der Ruhr den Krieg schon deshalb abgelehnt und hätten, wären wir gefragt worden, mit aller Kraft der Überzeugung von ihm abgeraten, weil wir klar erkannt hatten, daß wir ihn schon angesichts der sicher zu erwartenden Beteiligung der USA kaum gewinnen konnten.“ Erst fünf Monate nach Ausbruch des Krieges hätten die Ruhrindustriellen Gelegenheit erhalten, sich zu dieser Frage — indirekt — zu äußern, in einem Nachtrag zu seinem „Rückblick“ greift Poensgen den Einwurf eine« kritischen Lesers auf, der gemeint hatte: „Alles gut und schön, was Sie da sagen, Krieg heißt Stahl. Wollen Sie als Leiter der Wirtschaftsgruppe und des größten Stah'werkes glauben machen, daß am Stahlverbrauch nichts von Kriegsvorbereitungen gespürt wurde, daß Sie ... nicht gesehen hätten, wohin der Kurs ging? Darauf erwidert Poensgen schlicht, daß nach Einrücken der deutschen Truppen in die neutrale Zone und nach Erklärung der Wehrfreiheit und Vergrößerung des Heeres von 100 000 auf 400 000 Mann ein Eingreifen der Franzosen zu erwarten gewesen sei. daß darum Vorbeugugnsmaßnahmen für eine „Verteidigung" jedem natürlich erscbie-1 nen seien. Nur unter diesem Gesichtswinkel, so| Aus dem Gewerkschafisleben Am 11. Juli 1947 land in den Wirtschaftsräumen de* Gewerkschaftshauses in Freiburg i. Br. eine außerordentliche Generalversammlung der G e w e r K- icbalt der Holzarbeiter statt Der Vor- gizende, Koll. Lipp jr., begrüßte die zahlreich erschienenen Anwesenden. Nach Verlesung der Tagesordnung und des Protokolls gab Koll. Lipp Eine» umfassenden Tätigkeitsbericht des Vorstandes. Seinem Bericht war zu entnehmen, daß die Gewerkschaft der Holzarbeiter ständig im Anwachsen ist. Er behandelte eingehend die Jugendfrage. Dabei wurden Mißstände der Lehrlingsausbildung in einzelnen Betrieben herausgestellt und er betonte, daß die Gewerkschaft ein wachsames Auge bei der Ausbildung unseres Nachwuchses haben muß. In der sich anschließenden regen Diskussion wurde vor allem die schwierige Ernährungslage besprochen. Da Koll. Lipp jr. in der letzten Generalversammlung als Geschäftsführer gewählt wurde, trat er als Vorsitzender zurück. In der Vorstandswahl wurde Koll Bodin einstimmig zum 1. Vorsitzenden gewählt. Die Delegierten der in allen vier Zonen bestehenden deutschen Industriegewerkschaft Metall werden den internationalen Metallarbeiterverband auf dem vom 28. Juli bis 1. August in Kopezj» hagen stattftndenden internationalen Bundeskcyigreß um Aufnahme der deutschen Gewerkschaften in diesen Verband ersuchen, erklärte in München der Vorsitzende der Metallarbeitergewerkschaft ln der britischen Zone, Walter Freitag. Die deutschen Delegierten können dem internationalen Bundeskongreß den Antrag jedoch nur dann unterbreiten, wenn sie von den alliierten Miltärregierungen die Ausreiseerlaubnis erhalten. Sieben Vertreter der Gewerkschaft haben von der dänischen Regierung bereits die Einladung und die Einreiseerlaubnis erhalten. Wirtschaft kurz gemeldet Der Interzonenhandel für das erste Vierteljahr 1947 wurde von Sachverständigen auf etwa 5 Prozent der früheren Handelsumsätze zwischen den einzelnen Zonen geschätzt Der Dollar besaß Ende des Jahres 194« nur Zweldrlttel der Kaufkraft des Jahres 1941. Die Gesamtproduktion an Zement ln der vereinigten britisch-amerikanischen Zone betrug 194« nur 2,2 Millionen Tonnen, gegen 9,8 Millionen Tonnen 1938. Die Industrie- und Handelskammer Düsseldorf stellt ln einem Lagebericht fest, daß nur eine baldige Währungsreform und ausländische Kredite die augenblickliche Lage der deutschen Wirtschaft ändern können. Oie Anwerbung verschleppter Personen als Arbeiter für Frankreich Die französische Regierung hat beschlossen, ln der französisch besetzten Zone Deutschlands verschleppte Personen zur freiwilligen Arbeit ln Frankreich anzuwerben, soweit diese Berufen angehören, die in der französischen Wirtschaft dringend benötigt werden. Aufgrund der kürzlich getroffenen Abmachungen zwischen den Regierungen des Vereinigten Königreichs und der Vereinigten Staaten einerseits und der französischen Regierung andererseits, wird dies. Anwerbung außerdem unter den verschleppten Personen der amerikanischen unäume klettern, um die noch unreifen Früchte herunterzuholen, wobei die Bäume zum Teil erheblich beschädigt werden. Die Stadtverwaltung würde sich ein Verdienst erwerben, wenn sie hier einmal sehr nachdrücklich für Abhilfe sorgte. Die säuberungsbedürftigen Freiburger — und welcher reinliche Mensch gehörte nicht dazu! — waren zumeist tief enttäuscht, als sie das soeben ausgegebene Stück „E i n h e 1 1 s s e i f e“ in Gebrauch nahmen. Von Schaum, wie er sich doch wenigstens noch mit der sogenannten „Kriegsseife“ erzielen ließ, nicht die geringste Spur. Man kann also wohl kaum von einer reinigenden Wirkung sprechen. Und da wundern sich noch etliche darüber, daß die Schmutzkrankheiten ständig zunehmen! Auffallend gerötete Wangen kann man jetzt bei vielen Freiburgerinnen feststellen. Sachkenner führen dies hauptsächlich auf die seit vielen Monaten nicht mehr erfolgte Zuteilung von Rasierseife zurück. „Kulturelles Leben“ in Breisach Zu dem gleichnamigen Aufsatz in unserer Ausgabe Nr. 47, in dem die kommunalpolitischen Verhältnisse in Breisach kritisiert wurden, teilt uns der Ortsverein Breisach der Sozialdemokratischen Partei sinngemäß u. a. mit: „Der Plan für einen Kinobau wurde von der früheren Besitzerein vor über einem halben Jahre eingereicht, aber Ws heute noch nicht genehmigt Der hierfür vorgesehene Saal „zum Eckartsberg“ ist wegen Brand- und Einsturzgefahr ungeeignet Die Gemeindeverwaltung selbst hat sich schon vor längerer Zeit für die Errichtung eines Kinos interessiert, ist jedoch wieder davon abgekommen, da die Schaffung von Wohnungen, Stallungen usw. wichtiger ist. Bei der ersten Veranstaltung des in dem Aufsatz erwähnten Vortragszyklus handelte es sich um einen historischen Vortrag, für den keine Diskussion vorgesehen war. Volkstümliche Veranstaltungen haben während des verflossenen Jahres >n beschränktem Umfange stattgefunden. Die von dem Verfasser des Aufsatzes erbetene behördliche Erlaubnis zur Abhaltung eines allgemein interessierenden ärztlichen Vortrages wurde ihm nicht erteilt, weil er nicht Mitglied der Ärztekammer 'st.“ Zum Schluß wird noch darauf hingewiesen, daß die Einrichtung einer städtischen Bibliothek aus Mangel an Räumlichkeiten und an Bücherbeständen bislang nicht möglich gewesen sei. Breisach. In einer erfreulicherweise vor allem von den Jugendlichen sehr zahlreich besuchten Versammlung der Gewerkschaften behandelte der Vorsitzende des Ortsausschusses der Freiburger Gewerkschaften, Gen. Kappes, Freiburg, die Kernprobleme des Tages und begründete dabei besonders die heutige Notlage. Sehr aufschlußreich schilderte er die Zerschlagung der Gewerkschaften im Jahre 1933 und ihren im Mal 1945 begonnenen Wiederaufbau, der sehr mühevoll und mit vielen Opfern verbunden war, bis er den verhältnismäßig hohen Stand von 70 009 Mitgliedern in Baden erreicht hatte. Man erkennt hieraus deutlich, daß die Arbeiterschaft klar erkannt hat, wie wichtig die Arbeit der Gewerkschaften zur Verbesserung des Lebensstandards der Schaffenden ist. Der Vertreter der Militärregierung wies die Anwesenden auf die Notwendigkeit hin, sich selbst za helfen und auf die eigene Arbeit zu bauen, und führte der Jugend vor Augen, daß sie nunmehr an der Reihe sei, das Alter abzulösen und die begonnene Arbeit in sozialer Weise weiter auszubauen. _Zn der Aussprache kamen die Mängel der Stadt Breisach zur Aussprache. Es wurde auf die mangelhafte Ernährung und Bekleidung hingewiesen und gefordert; daß die zu 80 v. H. zerstörte Stadt als besondere* Notstandsgebiet behandelt werde. Zum Schluß hob der Vorsitzende des Unterausschusses der Gewerkschaft Breisach, Würz, die Wichtigkeit der Mitarbeit jedes einzelnen innerhalb der Gewerkschaften hervor, damit das Ziel, die größte Not zu lindem, dl* alle Arbeitenden zu einem festen Block zusammen- geschweißt habe, erreicht werden könne, PasBoR _ Samstag, 26 . Juli 1947 leite 6 — Nnmmer 59 Fahrkarten rechtzeitig lösen! Bei einem Teil des reisenden Publikums besteht die Ansicht, daß kurz vor Abgang eines Zuges Fahrkarten noch verabfolgt werden müssen und daß der Reisende unbedingt Anspruch auf Beförderung mit einem Zuge habe, obwohl Er nicht im Besitze eines gültigen Fahrausweises ist. Die Eisenbahnverkehrsordnung bestimmt im § 13 folgendes: 1. Der Reisende muß bei Antritt Kartoffelausgabe Wenn die für Obst eingetragenen Kunden beliefert sind, können die restlichen Kartoffeln auch an andere Bezugsberechtigte abgegeben werden. Geschäfte, welche noch über Vorräte verfügen, wollen dies durch Aushang kehntlich machen. Jugendliche von 10 bis 18 Jahren und Erwachsene erhalten auf den Abschnitt 36 der Juli-Lebensmittelkarte noch Je ein weiteres Kilo Kartoffeln. Ernährungsamt Freiburg-Stadt Eierzuteilung ö. Rate auf Vorbestellabschnitt B) Auf Grund der Vorbestellung vom 22. Mat 1947 werden für sämtliche Altersgruppen drei Eier aufgerufen und zwar auf den Abschnitt 21 der Eierkarte. Die Belieferung der Geschäfte and die Ausgabe kann sich auf mehrere Wochen hinziehen. Sobald die einzelnen Geschäfte beliefert sind, können sie mit der Ausgabe beginnen. Ernährungsamt Freiburg-Stadt. der Fahr! mit einem Fahrausweis versehen sein. 2. Der Anspruch auf Verabfolgung eines Fahrausweises erlischt 5 Minuten vor Abfahrt eines Zuges. 3. Die Eisenbahn kann verlangen, daß der Fahrpreis abgezählt entrichtet wird. — Diese Vorschrift besteht selbstverständlich nur zum Schutze der Eisenbahn. Fahrkarten werden nach wie vor bis zum Abgang de$ Zuges ausgegeben. Da erfahrungsgemäß der größte Teil der Reisenden in letzter Minute zum Bahnhot eilt, entsteht an den Fahrkartenschaltern ein Gedränge, und unliebsame Auseinandersetzungen sind die Folge. Es wird daher gebeten, am Tage vor Antritt de r Reise die Fahrkarten zu lösen, da die Fahrkartenschalter tagsüber durchgehend geöffnet sind. Neueinstellungen in die Badische Polizei Das Badische Ministerium des Innern nimmt zur Ergänzung des derzeitigen Personalstandes noch laufend Neueinstellungen in die Polizei vor. Jungen Männern, die die Einstellungsbedingungen erfüllen, bietet sich Gelegenheit, ihren Lebensberuf in der Badischen Polizei zu finden. — Die Einstellungsbedingungen können bei allen staatlichen Polizeidienststellen (Polizeidirektionen, Landratsämtern, Polizeiwachen, Gehdarmeriekreis- führern, Gendarmerieposten usw.) eingesehen werden. Bewerbungsgesuche sind bei der Badischen Landespolizeischule in Radolfzell einzureichen. Allerlei Rebschntzwlake Der Rebschutzdienst des Staatl. Weinbauinstituts gibt bekannt: Allerorts zeigen sich jetzt an den Traubenbeeren, besonders bei anfälligen Sorten, Spuren von Äscherich = Oidium. Es wird deshalb dringend empfohlen, sobald als möglich erneut gegen Äscherich vorzugehen. — Eine zweite Sauerwurmbekämpfung sollte nicht versäumt werden, wenn länger als etwa 14 Tage nach der ersten Sauerwurmbehandlung noch mehr als ganz vereinzelte Motten beobachtet wurden. Der günstigste Termin für die zweite Sauerwurmbehandlung wird im allgemeinen die letzte Juliwoche sein. Im einzelnen beachte man die Mottenflugliste an der Ortstafel des Rebschutz- dlenstes. Eine intensive Sauerwurmbekämpfung ist gleichzeitig das beste Vorbeugungsmittel gegen die Traubenfäule — Botrytis, wofür bekanntlich Blaue Burgunder, Ruländer, Müller-Thurgau und Elbling besonders anfällig sind. — Zur Äscherich- bekämpfung stäubt man bei geeignetem Wetter mit Weinbergschwefel, und zwar möglichst bald Die Sauerwurmbekämpfung wird entweder durch stäuben mit Gesarol- oder Nirosanstaub oder durch Duschen (;r Revolvern) der Trauben mit lprozentiger Nirosan- oder Gesarolbrühe durchgeführt. Diesen Brühen kann zur gleichzeitigen Äscherichbekämpfung auch flüssiger Schwefel (100 g auf 100 Liter) zugesetzt werden — Jungreben und Rebschulen spritzt man auch im Juli und August noch alle acht Tage mit einer Kupferbrühe. Der Sport in der Heimat Wieder Radsport in Freiburg Der neugegründete Radsportverein Fr e i- burg beabsichtigt, am 17. August in Freiburg wieder mit einem größeren Renn e n an die Öffentlichkeit zu treten. Geplant ist ein Straßenkriterium für Amateure auf der Rundstrecke Schwendistraße — Runzstraße — Gres- serstraße — Hindenburgstraße, wo sieh auch Start und Ziel befinden. Neben bekannten Freiburger Fahrern liegen bereits Zusagen aus Stuttgart, Wangen i. A., Weingarten, Karlsruhe u. a. vor. Über die näheren Einzelheiten werden wir noch berichten. Vorentscheidung um die Badische Frauenhandbail- Meisterschaft Am kommenden Sonntag findet im Mösle-Stadion zwischen den Frauen-Mannschaften rgliche und daher unvergeßliche au unsere verehrie Base Schwä- erfn Tante, Großtante und Patin lula Auguste Meyer geb. Oie Ische i ihrem 64. Lebens- und unserem Ehejahr zu sich, wie wir hotten ollen in die ewige Heimat auf. ie Beerdigung hat bereits am i JuM auf dem Familienplatz an er Kapelle des Riegeier Friedhofes lattgefunden. II denen, d e auf Irgend eine Art ire Anteilnahme bekundeten, sei iermit ein herzliches Vergelt’s kotti gesagt. iegel a. K. dar 14 JuH 1947. tn Trauer erfüllt zeigen dies betrübt an: Richard Meyer nebst Verwandtschaft in Riegel. Heiters- heim, Freiburg/Br. und Lugano. Offene »teile«« Einkäufer für Auto-Erlatzteile, Werkzeuge u. Werkzeugmasch. v. Kölner Firma gegen Provision gesucht. Herren, die über gute Beziehungen verfügen, bewerben sich unter 127 a« Ann.-Exp. Gerde». Köln-Riehl, Schwannstraße 14. Küfer oder jüng. Hilfsarbeiter, der Interesse für das Fach hat und solid. Arbeiten gewohnt Ist, gesucht. Ba- denia. Weinkellerei, Freiburg i. Br., Stefan-Maier-Str. 27. Kaufmann, mögl. gelernt. Elsenhändler, f. Büro, Lager u. Reise von bekannt. Ofen- u. Herdgesch. (Groß- u. Kleinhandel) ges. Bewerb, m. Lebensl., Zeugnisabschr., Gehaltswünschen, derzeit. Tätigkeit u. früh. Eintrittstermin erb. u. A 5754 an Das Volk. Der Bad. Fremdenverkehrs - Verband (franz Besatzungsgebiet) sucht In ' Dauerslellg. ersten Geschäftsführer. Es werden verlangt allg. 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Rolf Weih. Neu>4 IFA* Wochenschau. Jugendfrei.'Anfangszeiten- 14.30, 17 19.30 Uhr Samstag und Sonntag. 14.15, 16 30. 18 45 und 21 Uhr. Vorverkauf tägl. ab 13 Uhr. Frledilchsbau-Uchtsplele. An'äßUdl der französischen Film-Festwoche zeigen wir: Freitag 25 >u J i; 14.15 u. 16.30 Uhr: „Der Graf von Monte Christo". 1. Teil, in deutscher Sprache. Samstag 26 Juli nu r 14.15 Uhr: ,-Def Graf von Monte Chrhto". 2. Teil, in deutscher Sprache Montag 28 Juli, 14.15 u 16.30 Uhr: De» ewige GaPe** in deutscher Sprache. Dienstag, 29. Juli, 14.15 u. 16.30 Uhr „Im Schalten der Vergangenheit", in deutsch, Sprache. Mittwoch 30 Juli.-1415 g. 16.30 Uhr: . Der Graf von Monte Chrl- •to", 2. Teil, in deutscher Sprache. Donnerstag Ji. Juli, nur 14.15 Uh« »Der Graf von Mon+e Christo", 2. TI* hi deutscher Sprache. Die Hei sarmee. Löwenstr, 1. Samstag 19.30 Uhr sprechen die Lehrer de Kadettenschule Herne (Westf.). « Bis 3. August ieden Abend 19.30 UH (Sonntag 19 Uhr) besondere Vei Sammlungen. Eintritt frei.