Donnerstag, 4. November 1948 3. Jahrgang / Nummer 100 FREIBURG IM BREISGAU Ersch«inungstage Dienstag, Donnerstag, Samstag Einzelpreis 20 Ff / Monatsbezugspreis DM 2.— einschließlich Trägerlohn, durch die Post DM 2.16 Anzeigen laut Tarif gegen Kennkartenausweis Organ Oer Sozialdemokratischen Partei eeutsctilands tand Baden Herausgegeben vom Sozialistischen Verlag Freiburg, GmbH., Freiburg l.Br., Kaiser-Joseph-Str. 229, Fernruf Nr. 2816 . Bankverbindungen: Oberrheinische Bank, Freiburg i. Br., Freiburger Gewerbebank, eGbmH., Freiburg i. Br.; öffentl. Sparkasse Freiburg i. Br. (Stadt. Sparkasse). Postscheck-Konto Freiburg i. Br. Nr. 6978. Verbreitungsgebiet: Land Baden (Französische Zone). Geschäftsstellen und Vertretungen in allen größeren Orten. - Anzeigenpreisliste Nr. 4. - Gerichtsstand Freiburg i. Br. - Schriftleitung: Dr. .F. Große. Ve I g leituhg: Karl May; E. Bauermeister. - Druck: Universitätsdruckerei Poppen & Ortmann, rremur^ Vernichtende Niederlage von Wallace Überraschende Resultate der amerikanischen Präsidentenwahl Das endgültige Resultat Aber die amerikanischen Wahlen lag bei Redaktionsschluß noch nicht vor. Nach den letzten Meldungen des amerikanischen Rundfunks führte der bisherige Präsident Truman mit 17 Millionen vor Dewey mit 16 Millionen Stimmen. Da vor allem die Resultate der ländlichen Bezirke noch nicht Vorlagen, ist der Sieg Trumans noch nicht sicher und es kann sich das jetzige Bild noch ändern. Auf jeden Fall aber dürfte der Sieger» ob es nun Truman oder Dewey ist, nur mit einer geringen Mehrheit aus dem Wahlkampf hervorgehen. Der Kommentator der Stimme Amerikas führt die überraschend starke Stimmung für Truman darauf zurück, daß in letzter Zeit zahlreiche Anhänger des dritten Kandidaten Wallace doch noch zu Truman übergeschwenkt sind. Bei einer Zwischenzählung, die sich auf rund 25 Millionen Stimmen erstrechte, konnte Wallace nur 640 000 Stintmen zählen. Bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus konnten die Demokraten ebenfalls sehr stark gewinen. Nach einer Zwischenzählung von 3 Uhr Neuyorker Zeit, waren ihnen 131 Sitze sicher, den Republikanern dagegen nur 48 Sitze. Beiden Wahlen zum Senat' ben die Demokraten alle bisherigen Sitze bei. cen. Es besteht jedoch Hoffnung, daß sie noch einige weitere gewinnen. Einzelne Beobachter sprechen sogar schon davon, daß die republikanische Mehrheit im Senat einer demokratischen Mehrheit weichen wird. Endergebnis Neuyork-Stadt Neuyork. Truman 1 597 000» Dewey I 108 000, Wallace 423 000. Ruhiger Wahlverlauf — Starke Wahlbeteiligung New York. Die Mitglieder der demokratischen und republikanischen Wahlkomitees haben am Dienstag das Wetter in den Vereinigten Staaten mit ängstlichen Erwartungen beobachtet. Denn von den meteorologischen Bedingungen hing zum großen Teil der Zustrom der Wähler zu den Urnen ab. Die Demokraten erhofften sich ein schönes Wetter, weil sie sich von einer hohen Wahlbeteiligung einen Erfolg ihres Kandidaten versprachen. Die Republikaner wären auch mit einem mittelmäßigen Wetter zufrieden gewesen, denn eine geringe Wahlbeteiligung schien ihnen für ihre Aussichten günstiger zu sein. Der Himmel verhielt sich jedoch unparteiisch. Es regnete im Osten und im Westen, während das Wetter im Innern des Landes beständig blieb. Etwa 50 Prozent der Wahlberechtigten hatten sich eintragen lassen, um an den Wahlen teilnehmen zn können. An europäischen Verhältnissen gemessen, ist diese Wahlbeteiligung niedrig, in der Geschichte der amerikanischen Wahlen stellt sie jedoch fast einen Rekord dar. Die Wahlen am Dienstag bezweckten, den Vereinigten Staaten einen Präsidenten, einen Vizepräsidenten, 435 Mitglieder des Repräsentantenhauses in Washington und 32 Senatoren zu geben. In gewissen Staaten hatten die Wähler aber auch noch andere Aufgaben. In acht Staaten hatten sie über Prohibitionsgesetze zu entscheiden. Die Prohibition ist zwar im gesamten Bundesgebiet abgeschafft, in einigen Staaten ist sie jedoch noch teilweise in Kraft. Die Wähler von Kansas z. B. werden also Bei der Debatte über die Thronrede im englischen Unterhaus erklärte der britische Schatzkanzler Sir Stafford Cripps: „Die Zukunft Europas ist von einer sehr ernsten Gefahr bedroht. Die Spitze der sowjetischen Attacke ist gegen Westeuropa gerichtet, wo die UdSSR glaubt, »ihre fünfte Kolonne zur Herrschaft bringen zu können, wie sie es in der Tschechoslowakei getan hat. Die Streiks und die mit einer gesunden Wirtschaft unvereinbaren Forderungen und die Ausnutzung der Unzufriedenheit müssen unvermeidlich neues Elend schaffen. Die Angriffe gegen jede Art der Wiederaufrüstung werden dabei von einer völlig falschen Darstellung der Politik und Betätigung der Sowjetregierung begleitet. Diese Politik wird von den Agenten der Kominform gleichmäßig in allen Ländern, die noch nicht von den Sowjets beherrscht sind, in der Hoffnung verfolgt, sie durch eine Chaoti- sierung ihrer Wirtschaft zu erobern.“ Sir Stafford Cripps wandte sich dann gegen die zu enge nationale Politik der westlichen zu entscheiden haben, ob sie am Tage nach der Wahl ihre Freude oder ihren Kummer über den neuen Präsidenten der USA in Alkohol ertränken können. In drei Staaten wird über die Arbeitergesetzgebung abgestimmt und in Masachussets werden die Einwohner die Frage zu klären haben, ob eine Geburtenkontrolle für illegal erklärt werden soll oder nicht. Die wählen vollzogen sich in vollkommener Ruhe und Ordnung, in New York war kaum zu merken, daß der Dienstag ein außergewöhnlicher Tag war, nur in den Bars und Restaurants wurde kein Alkohol ausgeschenkt. Kundgebungen wurden im wesentlichen von der negerfeindlichen, antisemitischen und antikatholischen Ku-Klux-Klan-Organisation im Staate Georgia veranstaltet, um die schwarze Bevölkerung von den Wahllokalen fernzuhalten. Präsident Truman wählte schon am Vormittag in seiner Heimatstadt Independena im Staate Missouri. Dewey gab seine Stimme gegen Mittag in New York ab, „es sind immerhin zwei Stimmen für mich“, erklärte er, als er mit seiner Gemahlin das Wahllokal verließ! Demokratien. Die Demokratie wird scheitern, wenn sie statisch bleibt und wenn sie auf absolut nationalen Grundsätzen beharrt. Die britische Politik muß deshalb darauf abzielen, die Wirtschaft der westeuropäischen Länder eng mit der weiterer Gebiete zu verknüpfen, die derselben Währungszone angehören. Sir Stafford Cripps kam dann auf die englische Lage zu sprechen. Er führte hierzu im einzelnen aus: „Die meisten unserer Schwierigkeiten, soweit sie auf den Mangel an Sterling- Devisen in Europa zurückgehen, werden behebbar sein. Wir glauben, daß die Schwierigkeiten der eben unter diesem Mangel leidenden Länder völlig verschwinden werden.“ Er stellte weiter fest, daß jetzt e ine Lok- kerung der Wirtschaftskontrollen möglich ist. Zum Schluß führte Cripps aus: „Durch unsere Zusammenarbeit mit dem Commonwealth und durch die Entwicklung unserer eigenen Reserven werden wir zu einem besseren Lebensstandard gelangen. Durch unsere Intelligenz und durch eine harte Arbeit werden wir Westeuropa beim Aufbau seiner Wirtschaft helfen können. Wenn wir auf dem bereits beschnittenen Wege weitergehen, werden wir sicherlich unsere wirtschaftliche Unabhängigkeit in zwei oder drei Jahren wieder erreicht haben.“ Wer Wohieb wählt, wählt Wirrwarr] Auf unseren Redaktionstisch flattert uns ein Zettel mit diesem schönen Spruch. Er erregte vorerst einmal ungetrübte Heiterkeit; als wir aber über den Inhalt nachdachten, fanden wir, daß dieser Spruch sich nicht nur schön anhört, sondern den Kern der Dinge trifft. Worum geht es eigentlich bei diesen Kommunalwahlen am 14. November? Es sollen die neuen Gemeindevertretungen gewählt werden, es soll damit die Richtung für die Gemeindepolitik in den nächsten Jahren festgelegt werden. Der Wähler soll entscheiden, ob er mit der bisherigen Gemeindepolitik zufrieden war. Er wird prüfen, ob der Wiederaufbau in den zerstörten Bezirken von der bisherigen Gemeindeverwaltung tatkräftig und energisch genug durchgeführt ist, ob der Wohnungsbau von sozialen Gesichtspunkten aus geleitet war, ob im Fürsorgewesen der Gemeinde alles Notzvendige getan ist, ob genügend Vorbereitungen getroffen sind, um den Strom der Flüchtlinge aufzunehmen, der demnächst auch nach Baden kommen wird. Da in der Mehrzahl der badischen Gemeinden bisher eine CDU-Mehrheit regiert hat, wird der Wähler prüfen, ob die Kritik, die vor allem von den SPD-Vertretern geübt ist, berechtigt war, und er wird in den Gemeinden, wo die SPD regierte, darüber entscheiden, ob die Gesichtspunkte der sozialen Gerechtigkeit, die für die Arbeit der Sozialdemokratischen Partei ausschlaggebend sind, voll zur Geltung kamen. Darüber hinaus aber haben diese Wahlen in Südbaden, gerade im gegenwärtigen Augenblick, noch einen viel tieferen Sinn. England, mit seiner alten Tradition, kennt für das Parlament das System der Ersatzwahlen, durch das immer wieder die Volksstimmung von Zeit zu Zeit festgestejlt^wicd^. Es-, entspricht-dies_ dem englischen "Sinn für wirkliche Demokratie. Schon mehr als einmal führte der Stimmungsumschwung, der bei solchen Ersatzwahlen zum Ausdruck kam, dann zu Neuwahlen im ganzen Lande. Dieses System kennen wir nicht. (Davon, daß auch der Sinn für Demokratie fehlt, wollen wir gar nicht erst reden.) Hier aber können und müssen die Gemeindewahlen einen Ersatz bieten. Der Wähler, der am 14. November seine Stimme abgibt, entscheidet nicht allein über die Zusammensetzung seines Gemeinde- Parlamentes, sondern er gibt auch ein Votum ab über die Landespolitik, die in Südbaden seit fast einem Jabr ausschließlich und allein von der CDU-Mehrheit, unter der Führung seines Staatspräsidenten Wohieb, geübt wird. Ja mehr noch, die CDU Südbadens bildet einen Teil der deutschen CDU, obwohl die eigenen Parteiangehörigen im übrigen Deutschland über -die merkwürdige Politik ihres Parteimitglieds Wohieb nicht nur mehr als einmal den Kopf geschüttelt haben, sondern mehr als einmal darüber entsetzt gewesen sind. Die CDU aber bestimmt im Wirtschaftsrat in Frankfurt. Ihr Repräsentant Professor Dr. Erhard ist verantwortlich für die Wirtschaftsentwicklung der letzten Monate nach der Währungsreform. Er ist dafür verantwortlich, daß die Preise von Woche zu Woche in die Höhe gegangen sind, daß wir heute in einzelnen Fällen, wie kürzlich der württembergische Wirtschaftsminister Dr. Veit nachgewiesen hat, Preissteigerungen bis zu 375 Prozent zu verzeichnen haben. Er ist dafür verantwortlich, daß bereits wieder Waren vom Markt verschwinden, daß bereits wieder von neuem gehortet wird und daß immer breitere Schichten Die SPD im Rundfunk Anläßlich der badischen Kommunalwahlen am 14. November sprechen Vertreter der Parteien im südwestdeutschen Rundfunk, Studio F r e i b u r g. Für die SPD, für die bereits am 2. November Herr Hans H ä r gesprochen hat, werden weiter das Wort ergreifen: Die Vorsitzende der Frauensektion der SPD Südbaden, Frau Martha Schanzenbach, über die Frau in der Kommunalpolitik, am 6. November, 12.40—12.45 Uhr. (Frau Schanzenbach spricht am selben Abend über das gleiche Thema in einer öffentlichen Versammlung in Freiburg.) Der Chefredakteur der Zeitung „Das Volk“, Dr. Franz Große, am 11. November, im Rahmen einer Stellungnahme der Vertreter der vier Parteien von 19.15—19.35 Uhr, der Landesvorsitzende der SPD Südbaden, Richard Jäckie, am 13. November, 19.05 bis 19.10 Uhr. Weiter sprechen Vertreter Südwürttembergs am 8. November, 12.40—12.45 Uhr, und am 12. November, 19 Uhr, ebenfalls im Studio Freiburg, Neue Preis- und Lohnpolitik in Frankreich Kühle Aufnahme des Regierungsprogramms bei den Gewerkschaften Paris. Während die Streiklage in den französischen Kohlengebieten und in den französischen Häfen noch reichlich verworren ist, hat die französische Regierung bekanntgegeben, daß sie ein neues Programm zur Herstellung eines neuen Gleichgewichts zwischen Preisen und Löhnen ausgearbeitet hat und zur Durchführung bringen will. Der Ministerpräsident Queuiile empfing im Hotel Matignon die Vertreter der Untemehmerverbände und der nichtkommunistischen Gewerkschaften und gab ihnen die von der Regierung beschlossenen neuen Maßnahmen bekannt. Sie sehen eine Reihe von Preissenkungen, vor allem für Fleisch, Futter, Wein und Kleidungsgegenständen, aber auch eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Preissteigerungen, so zum Beispiel für Zucker, Dl und Margarine, Teigwaren, Seife und Bier vor. Die Regierung verspricht sich von den mit der Industrie und dem Großhandel ebenso wie mit den führenden Landwirtschaftsverbänden getroffenen Vereinbarungen für eine freiwillige Begrenzung der Gewinnspanne eine Erhöhung der Kaufkraft der breiten Massen. Bei Fleisch und Fisch soll unter Umständen mit Massenimporten aus dem Ausland nachgeholfe n werden. Mehr, meint die Regierung, könne im Augenblick nicht geschehen. Neue Lohnerhöhungen käme n nicht in Frage, da sie unweigerlich zu neuen Preissteigerungen und zu einem Auftrieb der Inflation führen, die damit wieder alles in Frage stellen würde. Die Regierung werde auch weiterhin auf eine Steigerung der Kaufkraft bedacht se;n und auf Preissenkungen hinwirken. Auf längere Sicht könne eine solche jedoch nur das Resultat einer erhöhten Produktion und einer vergrößerten Arbeitsleistung jedes einzelnen sein. In Gewerkschaftskre'sen, und zwar auch ‘ n den Kreisen der nichtkommunistischen Gewerkschaften, hat das Regierungsprogramm eine reichlich kühle Aufnahme gefunden. Leon Jouhaux, der Präsident der Gewerkschafts- zentrale „Force Ouvriere“ erklärte: Die Bemühungen der Regierung, zu einer Annäherung der Preise und Löhne zu gelangen» seien zwar anzuerkennen. Das Auseinanderklaffen zwischen den Preisen und Löhnen sei jedoch immer noch bedeutend. „Force Ouvriere“ könne sich deshalb mit dem Regierungsprogramm nicht als befriedigt erklären. Auch die christlichen Gewerkschaften verhehlen nicht ihre Enttäuschung. Es gäbe immer noch ein starkes Mißverhältnis zwischen den Mindestaufwendungen eines Monatsbudgets, zum Beispiel eines Junggesellen in der Pariser Gegend, und dem Normaleinkommen eines Arbeiters, der 200 Stunden im Monat arbeite, was bei dem heutigen Preisstand einen Unterschied zwischen Ausgaben und Einnahmen von etwa 16 Prozent ausmache. Die Regierung schlage nichts Präzises vor, um dieser Situation abzuhelfen. Die christlichen Gewerkschaften sehen sich deshalb nicht in der Lage, dem Regierungsprogramm ihre Zustimmung zu geben. Erhöhung des Brotpreises Freiburg. Aus der Staatskanzlei wird aus der Kabinettsitzung folgendes mitgeteilt: Nachdem die in der Mitteillung über die letzte Sitzung der Landesregierung erwähnten Unterlagen Vorlagen, hat die Landesregierung die durch die Getreide- tew. Mehlpreiserhöhung unumgängliche Erhöhung der Brotpreise nach der für die französische Zone allgemein vorgesehenen Regelung beschlossen. Der Brotpreis beträgt hiernach einheitlich für Roggenbrot und Mischbrot jeder Art und Weizenbrot Type 1600 (Schwarzbrot) 0,42 DM je Kilo, für Weißbrot aus Type 1050 0,60 DM je Kilo. Spanien und der Atlantikpakt Fordert Amerika die Einbeziehung Spaniens in das europäische Verteidigungssystem ? Paris. Die Frage, wie Spanien bei der Neuorganisierung Europas behandelt werden soll, beschäftigt immer wieder die Staatsmänner Westeuropas. Im Zusammenhang damit steht eine Meldung der Pariser Zeitung „Le Monde“ aus Washington, wonach die amerikanischen Militärs mit dem Blick auf ihre Generalstabskarten an den Wänden ihrer Büros immer wieder darauf hinweisen, daß die spanische Halbinsel nun einmal ein Hauptbestandteil des USA-Verteidigungssystems bilde. Ihrer Meinung nach ist es unmöglich, Westeuropa ohne die Iberische Halbinsel zu verteidigen. Der National Security Council soll kategorisch erklärt haben: Die spanischen Basen stellen mit die hauptsächlichsten Elemente der amerikanischen Strategie dar. Nach „Le Monde“ nutze es gar nichts, wenn | das Washingtoner Staatsdepartement auf die ! entschlossene Haltung der britischen Labour- ! partei und der französischen Sozialisten hin- weise, die jede Einbeziehung Franco-Spaniens in das Westeuropasystem ablehnten: Die USA- Militärs gingen um keinen Deut von ihrer Ansicht ab. Washington soll nach der gleichen I Quelle mit Franco über eine Milderung des diktatorischen Charakters seines Regimes und eine „Liberalisierung“ der spanischen Einrichtungen verhandeln. Als erstes sei ein Gnadenakt gegenüber verurteilten, in Lagern gehaltenen und im Exil lebenden Republikanern vorgesehen, um so auf die Stimmung in England und Frankreich günstig einzuwirken. Von seiten des Marshall-Planes werde man voraussichtlich bald eine neue Offensive erleben, obwohl die Militärs diese gar nicht abgewartet hätten, um Spanien Dollarkredite zu beschaffen. Im Augenblick verhandelten die westlichen Besatzungszonen Deutschlands mit Spanien über Lieferungen an Lebensmitteln, Öl und Orangen, Wenn es sich dabei auch nicht um große Summen handele, so sei doch immerhin ein Anfang gemacht. Westeuropa soll sich keine falschen Vorstellungen machen, so schließt der Washingtoner Bericht der „Monde“: Die USA seien zu der Eingliederung Spaniens in das Verteidigungssystem entschlossen, das sich von einem zum anderen Ufer des Atlantik auszudehnen beginne. Die Gefahr der fünften Kolonne Schatzkanzler Cripps über die Bedrohung der demokratischen Länder Wte 2 — N u m m er 109 Donnerstag, 4. November 1943 TtasXM der neuen Währung mit Mißtrauen gegenüberstehen. Die Sozialdemokratische Partei hat von Anfang an gewarnt. Sie hat ckie Zwangswirtschaft der Kriegs, und Nachkriegszeit keineswegs beibehalten wollen. Ab» sie vertrat di e Meinung, daß nur ihre allmähliche Auflockerung und Beseitigung zu einer neuen, gesunden Wirtschaft führen könnte und nicht eine überstürzte Aufhebung aller bisherigen Bindungen. So ist dieser Wirrwarr entstanden, der für die Zukunft die schwersten Gefahren mit sich bringt. Schon warnt Dr. Schlange-Schöningen in Frankfurt vor einer neuen Wirtschaftskatastrophe, weist er darauf hin, daß wir jetzt schon den Weihnachtsbraten und den Osterkuchen aufgegessen haben. Wer also heute bei den Gemeindewahlen für die CDU stimmt, gibt im weiteren damit auch seine Stimme ab für die Wirtschaftspolitik des Herrn Erhard, die einigen wenigen zugutekommt und jeden Verbraucher aufs schwerste trifft, auch in der französischen Zone, die noch nicht mit der Bizone vereinigt ist. Wer die CDU wählt, gibt ober auch seine Zustimmung zu der Länderpolitik des badischen Staatspräsidenten, die in Südbaden und im übrigen Deutschland fast kein Mensch mehr versteht. Man soll uns dabei nicht mit dem Hinweis kommen, daß aber auch viele CDU-Leute nicht mit Herrn Wohieb einverstanden wären. Die CDU hat nichts getan, um den von ihr eingesetzten Staatspräsidenten abzusetzen, der mit einer bewundernswerten Zähigkeit und Gewandtheit um die Erhaltung seines südbadischen Händchens kämpft. Wieviel Konferenzen hat diese Haltung des Herrn Wohieb bereits nötig gemacht, wieviel Arbeit, wieviel Mühe, wieviel Zeit und wieviel Geld ist bereits geopfert worden, nur um eine verlorene Position zu halten, in dieser Zeit, in deg es auf äußerste Ersparnis, auf eine rationelle Gestaltung der Verwaltung und der Wirtschaft ankommt. Denn einem vernünftigen Menschen kann nun einmal nicht klargemacht werden, daß ein Händchen wie Südbaden rationeller und wirtschaftlicher verwaltet und regiert werden kann als ein größere, Ländergebilde, wie es alle deutschen Ministerpräsidenten, außer Herrn Wobleb, im Zuge der deutschen Neuordnung für notwendig erachten. Was Herr Wohieb mit seiner Starrsinnigkeit geschaffen hat, ist lediglich ein Zustand der Unklarheit und des Wirrwarrs. Darum gilt das Wort im weitesten Sinne zu Recht: Wer Wohieb wählt, wählt Wirrwarr! Mit anderen Worten, wer die CDU wählt, entscheidet sich für die Politik des Herrn Erhard, deren Folgen jeder Verbraucher am eigenen Leibe spürt. Wer die CDU Wählt, unterstützt die unsozialen Tendenzen, die bei der Entscheidung über die Bodenreform im Landtag ihren sichtbaren Ausdruck fanden. Wer die CDU wähHj entscheidet sich für die widerspruchsvolle Politik dieser Partei in der Länderfrage, in der sich dann doch, trotz aller gelegentlichen Opposition, der vielgewandte badische Staatspräsident durchsetzte. Wer SPD wählt, entscheidet sich für eine soziale Wirtschaftspolitik, die nichts mit Zwangswirtschaft zu tun hat, die aber doch eine Regulierung der jetzt sinnlos entfesselten Wirtschaftskräfte zum Ziel hat und eine gerechte Verteilung der noch immer nicht genügend vorhandenen Güter bezweckt. Wer SPD wählt, entscheidet sich für eine vernünftige und rationelle Neuordnung in Südwestdeutschland, die den Erfordernissen der modernen Wirtschaftsentwicklung nach größeren Räumen Rechnung trägt. Es geht, um es noch einmal zu sagen, in erster Linie um die Gemeindepolitik; es geht darüber hinaus aber auch um die großen Fragen der Politik. Die badische Bevölkerung wird am 14. November zeigen müssen, ob sie die CDU in ihrer unsozialen Wirtschaftspolitik und in ihrer widerspruchsvollen Länderpolitik unterstützt, oder ob sie auch in Baden den Weg freimachen will für eine großzügige Neugestaltung auf allen Gebieten. Dr Gr. Wohiebs letztes Argument Stuttgart. Die Schwäbische Zeitung meldet: Pressemeldungen, wonach l n der Umgebung des sfldbadischen Staatspräsidenten Wohieb der Bildung eines Südweststaates konfessionelle Bedenken entgegenstehen, veranlagten den württembergrischen Landesbischof D. Wurm, in einem Schreiben an Wohieb nm eine Bestätigung dieser Meldungen zu bitten. In der Begründung dieser Meldungen hieß es, daß ein Südweststaat eine protestantische Mehrheit besitzen würde, die dem Klerus unerwünscht sein müßte, vor allem mit Rücksicht auf die als »nicht ganz tolerant" bekannte Einstellung des Landesbischofs Wurm. „Sie werden verstehen", schreibt Wurm, „daß ich dankbar wäre für eine Aufklärung darüber, ob diese Darstellung die Auffassung der südbadischen Regierung wirklich wiedergibt. Sollte dies zutrefien, möchte ich gerne wissen, in welcher meiner Handlungen oder Erklärungen Sie einen Beweis für eine „nicht ganz tolerante" Einstellung erblicken.“ Sechserkommission tagt ln Tübingen Tübingen. Wie die Südena erfährt, wird die Sechserkommission, die aus je zwei Vertretern der drei südwestdeutschen Länder gebildet wurde, Mitte nächster Woche zur Ausarbeitung des Staatsvertrags- • ntwurfs für den Länderzusam- meuschluß in Tübingen zusammentreten. Die Vorarbeiten sollen unter Umständen schon in der ersten Sitzung zum Abschluß kommen. Was madti das Wetter? Auf der Südflanke des vom Mittelatlantik nach Kordeuropa ziehenden Tiefdruckgebietes hält der fcustrom feuchtkühler Meeresluftmassen nach Mitteleuropa an. Wetteraussichten: Vorwiegend stark bewölkt bis bedeckt, zeitweise leichter Regen oder Bprühregenfälle. Bei Südwestwinden weiter «ehr fcjild, euch in höheren Gebirgslagen trostfrei, Kritische Lage in China Mukden, die Hauptstadt der Mandschurei, von den Kommunisten erobert Nanking. Die cfaineriache Nationalregierung hat bekanntgegeben, daß die nationalen Streitkräfte Mukden, die Hauptstadt der Mandschurei, geräumt haben. Vor kurzem war es zu heftigen Kämpfen vor Mukde n gekommen, wobei die nationalen Trappen zurückgeworfen wurden. Diese Truppen versuchen jetzt, sich nach dem vor kurzem von den Nationalisten zurückeroberten Hafen Jingkou durch- Zuschlägen, um sich von dort aus einzuschiffen. Nach dem Abzug der auf rund 200 000 Mann geschätzten nationalen Verbände wird die Mandschurei damit völlig in die Hand der Kommunisten geraten. Der Fall von Mukden dürfte weitgehende Folgen für-die gesamte Entwicklung im Femen Osten haben. Aus unserer Karte, die die Lage im Frühjahr 1948 wiedergibt, wird deutlich, Mongot. Volksrepublik Tientsin smgtou Nanking, Schanghai Honkau von chm. Kommunisten befetzt. daß bereits damals die Mandschurei fast völlig in der Hand der kommunistischen Streitkräfte war und daß nur einige wenige Widerstandsnester in den größeren Städten dem kommunistischen Druck widerstanden. Inzwischen sind die weißen Flecken, die sich noch auf der Karte zeigten, bis auf die Hafenorte verschwunden. Inzwischen aber ist auch in dem nordchinesischen Teil der Ring um Nanking enger geworden. Die Kommunisten haben auch hier dauernd an Boden gewonnen. Man nimmt an, daß Nanking, die Hauptstadt der Kuomintang-Regierung Marschall Tschiangkaischeks, vielleicht schon in acht Tagen den Kanonendonner hören wird. Man rechnet damit, daß in spätestens drei Wochen eine Verlegung der Regierung notwendig sein wird. In Nanking selbst werden, wie die französische Zeitung „Combat“ berichtet, die letzten Anhänger Tschaingkaischeks unruhig. Es ist kein Zufall, wenn in dem chinesischen Parlament dem MarschaU der Rat gegeben wurde, sich besser nach Amerika zu begeben und auszuruhen. Eine Entschließung des Parlaments fordert Tschiangkaischek auf, schleunigst die finanzielle und wirtschaftliche Krise zu lösen, eine angesichts der katastrophalen Lage nur etwas freundlichere Umschreibung der Aufforderung, die Regierung aufzugeben. Chir bischer Ministerpräsident zurückgetreten Nanking. Der chinesische Ministerpräsident Wong Wen Hao gab auf einer Sitzung des Parlaments seinen Rücktritt bekannt. Als Begründung für sein Rücktrittsgesuch gab er den völligen Mißerfolg der Währungsreform der Regierung an. Unterrichtete Kreise sehen in dem Hinweis auf die verfehlte Finanzpolitik eine Anspielung auf die müitärischen Ausgaben, die rund 80 Prozent des Budgets ausmachen. Es ist noch imbekannt, ob MarschaU Tschiangkaischek die Demission annehmen wird oder nicht. Auch der chinesische Finanzminister ist zurückgetreten. Beunruhigung in den angelsächsischen Ländern London. Die Lage in China wird von der Londoner Presse in zahlreichen Kommentaren behandelt. Die „Daily Mai 1“ schreibt: „Dem britischen Volke, wie den Staaten der westlichen Hemisphäre, Australien, Südost-Asien und Indien wird plötzlich klar, daß ein Feuer, das seit zwölf Jahren unter der Asche glimmte, zum Aufflammen kam und uns alle bedroht Die einzige Sache, die heute sicher erscheint, ist, daß der Brand im Begriffe ist, sich nach Süden auszubreiten ... Es fragt sich nur, ob dies schnell vonstatten gehen wird.“ Washington. In diplomatischen Kreisen der amerikanischen Hauptstadt ist man durch die kommunistischen Erfolge in der Mandschurei sehr beunruhigt. Man befürchtet den Zusammenbruch des ganzen Verbindungssystems der Nationalisten in Nordchina. Die bevorstehende Präsidentschaftswahl und die augenblickliche Abwesenheit Staatssekretärs Marshall geben der amerikanischen Regierung kaum die Möglichkeit zu einer sofortigen Entscheidung über die Art und den Umfang der Hilfe an Tschiangkaischek. Sehr viele amerikanische Diplomaten sind der Ansicht, daß das Prestige des Generalissimus unwiederbringlich erschüttert ist und die verfahrene Lage nur durch eine ganz außergewöhnliche Kraftanstrengung unter Umständen wieder ins Lot gebracht werden kann. Sie schlugen u. a. Maßnahmen vor, die ein rücksichtsloses Vorgehen gegen aUe Kriegsgewinnler und Nutznießer ermöglic hen, und stellten eine Zusammenfassung aller nationalen Kräfte, wie sie Großbritannien während der Schlacht um England zum Siege führte, als Vorbild hin. Außer einer bedeutenden Hilfe für China käme auch die Verstärkung der amerikanischen Positionen in Japan in Frage, das in Zukunft das Hauptbollwerk gegen den Kommunismus im Fernen Osten sein wird. Falls Dewey zum Präsidenten gewählt werden sollte, wird er neben der Berliner Frage gleich zu Anfang auch mit diesem Problem belastet sein. Er dürfte gleichfalls die Ansicht vertreten, daß der Umfang der amerikanischen Hilfe von der Bereitwilligkeit Tschiangkaischeks abhängt, die von der Not der Stunde gebotenen drakonischen Maßnahmen zu ergreifen. Die amerikanische Regierung hat, Washingtoner Meldungen zufolge, ihre Absicht bekanntgegeben, Tschiangkaischek schon in den nächsten 14 Tagen mit Waffen- und Munitionslieferungen unter die Arme zu greifen, die aber keine grundsätzliche Wendung bringen können, da dafür eine riesige Hilfsaktion notwendig wäre. Ein aus zwei Flugzeugträgern, zwei Kreuzern und acht Torpedojägem bestehendes amerikanisches Geschwader ist bereits im Hafen von Tsin-Tao am Gelben Meer eingetroffen. Dieses Geschwader soll nach amtlicher Darstellung dem Kommandanten dieses wichtigen amerikanischen Flugzeugstütz- pu.nktes dazu dienen, das amerikanische Personal aus Nordchina im Bedarfsfälle zu evakuieren. Rote Armee aus deutschen Soldaten Generalarzt Dr. Schreiber über seine Eindrücke in der Ostzone Frankfurt. Der vor einigen Tagen aus der Ostzone geflüchtete frühere Generalarzt Dr. Walter Schreiber erklärte • auf einer Pressekonferenz, daß die ijn Aufbau befindUche Ost- zonenpöüzei eine sehr gefährliche Waffe gegen die deutschen Westzonen hllde, wenn die Besatzungstruppen einmal aus allen Zonen Deutschlands abgezogen würden. Diese Polizeitruppe würde mit Panzern und modernsten Waffen ausgebildet und ausgerüstet. Dabei handele es sich zweifellos um das erste Stadium einer Wiederbewaffnung der Ostzone, dem auch entspräche, daß der Stabschef eines ehemaligen deutschen Generalstabes, der Generalleutnant Vinzenz Müller, als Stabschef für die neue Polizei vorgesehen ist. Müller, der einer vornehmen katholischen Familie entstammt, sei vor 1933 im Oberkommando Heer Mitarbeiter und Vertrauensmann von General Schleicher gewesen. Die Ausbildung der Ostzonenpolizei werde vornehmlich in Kasernen in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg, also an der Westgrenze der Ostzone durchgeführt. Aus den Vorbesprechungen über den Aufbau der Ostzonenpolizei ergab sich, daß es sich nicht um den Aufbau einer Polizeigruppe handele, sondern um die Gründung einer Roten Armee aus deutschen Soldaten. Dafür spräche auch die Ausbildung vo n Reserven, die sich aus Angehörigen volkseigener Betriebe zusammensetzen und zu Übungen herangezogen würden. Über die Stärke des für die Ostzonenpolizei vorgesehenen deutschen Offizierkorps erklärte Dr. Schreiber, daß in einem Speziallager 120 bis 150 deutsche Offiziere für diesen Zweck zusammengezogen worden seien, um sie in die Ostzonenpolizei einzureihen. Dabei habe es sich durchweg um Spezialisten auf besonderen kriegstechnischen Gebieten gehandelt. Dr. Schreiber betonte, daß die im Aufbau begriffene Ostzonenpolizei im Augentiic * keine akute Gefahr bilde. Dr. Schreiber erklärte ferner, daß General von Seydlitz und die Ostzonenpolizei in keinem Zusammenhang miteinander stehen und daß Seydlitz in der Sowjetunion ebenso wenig eine Armee geführt habe, wie auch Generalfeldmarschall Paulus sich niemals mit militärischen oder politischen Fragen befaßt habe und es eine Paulus- Armee nicht gebe. . Seydlitz nach Rußland zurückgebracht? Paris. Die französische Zeitung „Figaro“ meidet aus Berlin, daß dort in gut informierten Krei- Aus allen vier Zonen Berlin. Da die Blockademaßnahmen der ostzonalen Behörden sich sehr nachteilig auf den Reiseverkehr in der Ostzone auswirken und die früher überfüllten Züge fast leer fahren, plant die Eisenbahndirektion Berlin neue starke Zugeinschränkungen. Im Berliner Nah- und Vorortverkehr sollen insgesamt 91 Zugpaare bla auf weitere* außer Betrieb gesetzt und im Fernverkehr sollen 13 Personenzugpaare eingestellt werden. Französische Zone Sigmsringen. Der Kabinettschef des Fürsten von Hohenzollem und ein Stsbstntendant a. D. hatten sich wegen Schwarzschlachtung vor Gericht zu verantworten. Sie wurden zu zwei bis sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Tübingen. Der Prozeß wegen der in Grafeneck tan Jahre 1940 verübten Euthanasieverbrechen, denen nach amtlichen Feststellungen mindestens 9000 Geisteskranke zum Opfer gefallen sind, wird erst im Jahre 1949 vor sich gehen. Die Voruntersuchung ist bekanntlich abgeschlossen. Gegenwärtig prüft die Staatsanwaltschaft Tübingen die umfangreichen Akten, sie wiegen neun Zentner — um sich über den Umfang der Anklage schlüssig zu werden. Alzey. Die erste kommunistische Wahlversammlung ln Alzey fiel ins Wasser, da keiner der angesagten Redner erschienen war. Der Kreisgeschäftsstellen- leiter Philipp Stier, der als Kandidat für die Kreistags- und Stadtratswahlen aufgestellt war, eröffnete die Versammlung, um sie nach zwei Minuten mit der Erklärung seines Austritts aus der KPD wieder zu schließen. Mainz. In Rhetnhessen erbrachte die von der Landesregierung angeordnete Sammlung für die Opfer der Ludwigshafener Explosionskatastropbe einen Geldbetrag von 72 000 DM. Doppelzone Stuttgart. Nach langwierigen Ermittlungen gelang es der Kriminalpolizei in Stuttgart-Feuerbach eine Falschdruckerei auszuheben, in der seit dem Frühjahr 1947 falsche Kartenabschnitte für etwa 75 kg Lebensmittel je Periode hergestellt und danach von den Fälschern eingelöst worden sind. Die Täter, zwei jugendliche Brüder (ein Chemigraph und ein Buch drucker) wurden verhaftet. Frankfurt. Eine zweimotorige amerikanische Transportmaschine stürzte am Dienstagabend gegen 19 Uhr in der Nähe von Wiesbaden ab. Die Maschine befand sich auf dem Wege von London nach Wiesbaden. Nähere Einzelheiten, insbesondere über das Schicksal der Besatzung, liegen noch nicht vor. Wiesbaden. Um die über die Luftbrücke für Berlin bestimmte Tonnage an Versorgungsgütem zu steigern, verwendet das Oberkommando der amerikanischen Luftstreitkräfte nunmehr ausschließlich Skymaster - Flugzeuge. Dakota - Flugzeuge, die nur ein Drittel des Fassungsvermögens der Skymaster haben, benutzen nicht mehr die drei Berlin mit Westeuropa verbindenden internationalen Luftschneisen. Bis jetzt sind 311000 Tonnen Güter auf dem Luftwege nach Berlin befördert worden. Die Luftbrüche kostet Jetzt täglich 385 000 Dollar. Düsseldorf. Einer der Hauptbeteiligten an Lebensmittelkartenfälschungen größeren Stils in der Gegend von Düsseldorf ist jetzt verhaftet worden. Polizeiliche Ermittlungen haben ergeben, daß fünf getrennte Fälschergruppen Lebensmittelkarten herstellten. ES wird geschätzt, daß für mehr als hundert Tonnen Lebensmittelkarten gedruckt worden sind. Eine Gruppe war in der Lage pro Nacht Reisemarken für rund 20 Zentner Butter anzufertigen. Kiel. Der schleswig-holsteinische Landtag lehnte mit 38 gegen 18 Stimmen bei drei Stimmenthaltungen einen von der CDU eingebrachten Antrag auf Auflösung des Landtages ab. sen erklärt wird, daß General von Seydlitz und sein Mitarbeiter General Lattmann unter militärischer Bedeckung nach Moskau zurücktransportiert worden sind. Die Maßnahme soll ausgelöst sein durch die Flucht des Generalarztes Dr. Schreiber und anderer führender Seyd- litzrOffiziere. Außerdem wird gemeldet, daß zahlreiche Mitglieder der Ostzonenpolizei desertiert und in die Westzone geflüchtet sind. Der Rädelsführer der Stuttgarter Demonstration Stuttgart. Als Haupträdelsführer der Ausschreitungen am vergangenen Donnerstag in Stuttgart wurde der 24jährige Heinz M a k r o ß aus Dresden verhaftet. Der Kommentator von Radio Stuttgart, Hans Frenzei, gab bekannt, daß Makroß während des Krieges in russische Gefangenschaft geraten sei und Mitglied des Nationalkomitees „Freies Deutschland“ geworden ist, sowie auf antifaschistischen Schulen propagandistisch geschult wurde. Nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft soll er illegal in die Westzonen gekommen sein. Sein Strafregister seit dieser Zeit umfaßt 6 Monate Gefängnis wegen Herstellung und Verbreitung gefälschter Ausweise, 7 Wochen Gefängnis wegen Verstoßes gegen das Kontrollratsgesetz Nr. 3 und 6 Monate Gefängnis wegen schweren Einbruchdiebstahls. Makroß war es auch, der anläßlich einer Solidaritätskundgebung für Berlin im Stuttgarter Theater, auf der Professor Reuter sprach, die vor dem Theater vor den Lautsprechern zuhörenden Kundgebungsteilnehmer aufhetzte, um eine eigene Protestaktion zu organisieren. Ferner soll Makroß laufend dem russischen Geheimdienst Informationen aus den Westzonen übermittelt haben. Die Kommunistische Partei Württemberg-Bai dens distanzierte sich in einer Erklärung ausdrück» lieh von Makroß, der mit der KP nicht das geringste zu tun habe und ein Psychopath sei. Im Zusammenhang mit dem anläßlich der Demonstrationen verhängten Ausgeh- und Versamm- lungsverbot für Stuttgart teilte das Parteisekretariat der SPD mit, daß man durch diese Maßnahme eine wahrheitsgetreue Unterrichtung der Bevölkerung durch Parteiversammlungen. verhindere und dadurch das Gegenteil von dem erreiche, was man erreichen wolle, nämlich eine Verstärkung der Gerüchtemacherei. Zur Lebensmittelkartenausgabe Freiburg. Wie das Badische Ministerium der Landwirtschaft und Ernährung mitteüt, war es wegen des Diebstahls der Novembe^rarten beim Ernährungsamt Stocka eh erforderlich, die Ausgabe der neuen Lebensmittelkarten abzubrechen. Die Aufrufe und Ausgabe der Lebensmittel für die erste Dekade des Monats November erfolgen auf Abschnitte der Oktoberkarte. Die neuen Lebensmittelkarten für November werden in Kürze ausgegeben werden. Die Bevölkerung wird rechtzeitig darüber unterrichtet, damit keine Stockung in der Versorgung Eintritt. Der Diebstahl verschiedener Kartensorten ln Stockach machte Maßregeln zur Sperre des entwendeten Materials notwendig. Lebensmittelkarten für Monat Oktober, die mit dem Dienstsiegel einer der 59 Kartenstellen des Kreises Stockach versehen sind, dürfen in allen Kreisen des Landes Baden, mit Ausnahme deck Kreises Stockach, nicht beliefert werden. Sämtliche Lebensmittelkarten für Oktober mit dem Dienstsiegel „Ernährungsamt Stockach“ und Lebensmittelkarten ohne Dienstsiegel einer Kartenausgabestell# werden im Lande Baden für ungültig erklärt. Es ist verboten, Lebensmittelkartenabschnitte (auch Kleinabschnitte) für Brot, Fett und Zucker der Oktoberkarten, die lose vorgelegt werden, in Verkaufsgeschäften und Gaststätten zu beliefern. Nur auf. gerufene Abschnitte, die noch nicht von der Stammkarte abgetrennt sind, dürfen beliefert werden. D* die Lebensmittelkarten der Prioritätsstädte für Oktober noch gerastert sind, können die gerasterten Klelnabscfinitte der Prioritätsstädte lose in Verkehr gebracht werden. Reisemarken der Ausgaben September Dezember 1947 und Januar/April 1948 mit oder ohne Dienstsiegel werden mit sofortiger Wirkung für ungültig erklärt. Verkaufsgeschäfte und Gaststätten, die noch Reisemarken dieser Ausgabe für Mona» Oktober beliefert haben, müssen diese sofort den Abrechnungsstellen einreichen. Donnerstag, 4 November 1948 tkisJBodt Nummer 100 — Seite 3 Die Täuschung Jedermanns Erhards Jedermannsprogramm ist nichts anderes als ein großer Bluff Nacridem die Sozialdemokraten in ihrer Kritik tter CDU-Wirtschaftspolitik immer wieder auf- gefordert hatten, daß die lebenswichtigen Rohstoffe auf die Herstellung lebenswichtiger Güter koMentriert werden müssen, wobei es ihnen auch auf eine strenge Kontrolle der Preise ankam, tat Herr Erhard so, als wenn er zu einer solchen wirtschaftlichen Maßnahme durchaus bereit sei. Er startete das sogenannte Jedermannsprogramm. Damit sollte offenbar der sozialdemokratischen Kritik der Wind aus den Segeln genommen werden. Um die Erwartungen nicht zu hoch steigen zu lassen, ist es notwendig, in aller Offenheit auszusprechen, daß das Programm mit dem irreführenden Namen ebenso wenig ernst genommen werden kann, wie alle anderen Redensarten, die zur Verschleierung der wahren Absichten dieser Politik in Umlauf gesetzt worden sind. In der letzten Sitzung des Überwachungsausschusses wurden von der Opposition einige sehr konkrete Fragen gestellt. Die Antworten darauf bestätigten in vollem Umfange die Vermutung, daß es sich hier um einen groß angelegten Bluff handelt. Es stellte sich z. B. heraus, daß für das Programm* zur Herstellung von Bekleidungsstücken für den Massenverbrauch ganze 3500 Tonnen Baumwolle vorgesehen sind. Mit einiger Mühe gelang es, aus den verantwortlichen Personen herauszubekommen, daß diese Menge etwa zehn bis zwanzig Prozent der verfügbaren Baumwolle bedeutet. Der Rest bleibt der „freien Wirtschaft“ erhalten. Selbst die CDU-Abgeordneten im Überwachungsausschuß waren ein wenig erschrok- ken, als sie erführen, daß dieses Quantum auf ein ganzes Vierteljahr berechnet sei und nicht etwa nur auf einen Monat. Dabei sind noch keinerlei bindende Zusagen, von Industrie und Handel über Qualität und Preise gemacht worden, und da das ganze Programm — soweit ausdrücklich betont wurde — auf so willkürlicher Grundlage und in eigener Verantwortung der Wirtschaft durchgeführt werden soll, kann man sich noch auf einiges gefaßt machen. Was sich diese Wirtschaft unter eigener Verantwortung vorstellt, wird noch deutlicher beim Schuhprogramm für „jedermann“. Zu diesem Punkt wurde lakonisch mitgeteilt, daß nur ein Drittel der monatlichen Schuhproduktion im Rahmen des Programmes abgegeben werden könnte. Der Handel habe sich nämlich geweigert, für ein größeres Quantum mit Handelsspannen zufrieden sein, die bei A'r b e i t s - schuhen 20 Prozent, bei allen anderen Schuharten 25 Prozent betragen. Für den Rest der Produktion beansprucht der Handel zwischen 35 und 49 Prozent Verdienstspanne, wobei gleich zugegeben wurde, daß heute diese Spannen noch wesentlich überschritten würden. Wenn der Handel nicht will, daß ein größerer Teil der heute möglichen Produktion an diesen wichtigen Bedarfsgegenständen zu einem Preis abgegeben Die Nationalisierung der britischen Eisen- und Stahlindustrie London. Nach dem Nationalisierungsplan, dessen voller Wortlaut soeben dem Unterhaus bekannt gegeben wurde, werden alle großen britischen Gesellschaften der Eisen- und Stahlindustrie, d. h. etwa drei Fünftel dieses gesamten Industriezweiges, enteignet und einer „Nationalen Körperschaft“ für Eisen und Stahl unterstellt werden. Ungefähr 300 000 Arbeiter der Eisen- und Stahlindustrie werden dadurch Staatsangestellte. Die nationalisierten Gesellschaften werden ihre gegenwärtigen Namen weiterführen, jedoch wird die „Nationale Körperschaft“ allein ihre Aktien übernehmen. Weder Parlamentsmitglieder noch andere Persönlichkeiten können, sofern sie direkte finanzielle Interessen in derEisen- und Stahlindustrie haben, der Nationalen Körperschaft angehören. Andererseits steht den Gesellschaften der Wettbewerb frei, und die nationale Körperschaft wird nur dann in ihre Geschäfte eingreifen, wenn es sich um die Annahme neuer Ausbaupläne oder um Fragen der Preisbildung oder der Rentabilität handelt. Der Minister für Industrielieferungen wird für die Politik der Körperschaft verantwortlich sein. wird, der auch den Lohn- und Gehaltsempfängern den Einkauf von Schuhwerk ermöglicht, dann ist man anscheinend machtlos. Der Direktor denkt jedenfalls nicht daran, diesem gewissenlosen Treiben Einhalt zu gebieten und findet es offenbar erträglicher, daß die Leute entweder hungern oder barfuß laufen, als den Nutznießern seiner Politik die Prozente zu beschneiden. Angesichts dieser Tatsachen entpuppt sich das Jedermannsprogramm als ein Versuch, jedermann zu täuschen. Mit diesem Schwindel konnte die CDU in den jüngsten Wahlkämpfen viele gutgläubige Schäfchen in der Hürde halten. Die weitere Zuspitzung der sozialen Konflikte wird dadurch aber nicht aufgehalten werden. Unberührt von der Demagogie dieses Programms erhebt die Sozialdemokratie nach wie vor die Forderung, daß auf die Herstellung der lebensnotwendigen Erzeugnisse der denkbar größte Teil der vorhandenen Rohstoffe konzentriert wird. Ebenso verlangt sie, daß die Preise für diese Waren, der Kaufkraft der breiten Massen entsprechend, niedrig gehalten werden und daß die Mangellage und der Warenhunger nach den Jahren der Hortung nicht ausgebeutet werden darf. Indem sie diese Forderung erhebt, gibt die SPD dem Willen der arbeitenden Menschen Ausdruck, die sich heute mit neuen Mitteln um den Lohn ihrer Arbeit betrogen sehen. Konnten sie früher nichts kaufen, weil das Geld, für das sie arbeiten mußten, wertlos war, dann sind sie heute vom Kauf ausgeschlossen, weil die Preise zu hoch sind. übereilte Maßnahmen Scharfe Kritik an Erhards Wirtschaftspolitik Frankfurt. In einem Schreiben der Vorsitzenden des Zweimächtekontrollamtes, Adcock und Macready an den Vorsitzenden des Verwaltungsrates, Dr. Pünder, wird diesem vorgeschlagen, ein Gremium zum Studium der Preise und Löhne zu bilden, das unabhängig von den bizonalen Verwaltungstellen seine Arbeit durchführen soll. Adcock und Macready begründeten ihren Vorschlag mit dem Hinweis, daß die Preiserhöhhungen sowie die Aufhebung der Bewirtschaftung gewisser Konsumgüter übereilten Maßnahmen gleichkämen und mehr einen politischen Charakter trügen, die — insgesamt gesehen — schwere wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen könnten. Die Preise und Löhne müßten mehr von der praktischen Seite aus gesehen und nicht nur aus der Sphäre der grauen Theorie beurteilt werden. Dem Gremium, das man als „Preis- und Lohnamt“ bezeichnen könne, müsse die Aufgabe zufallen, bei allen Festlegungen der Löhne und der Preisregulierungen die wirtschaftliche Notwendigkeit herauszufinden. Die Entscheidung über die Zusammensetzung des Gremiums wurde von den Vorsitzenden des Zweimächtekontrollamtes den deutschen Verwaltungsstellen überlassen. Ergänzend wird zu der Äußerung des Zwei- mächte-Kontrollamtes noch folgendes gemeldet: Das Zweimächte-Kontrollamt hat sich mit der vom Wirtschaftsrat genehmigten Erhöhung der Lebensmittelpreise sowie mit der Aufhebung der Kartoffelbewirtschaftung befaßt. Gegen diese Entscheidungen des Wirtschaftsrates wurden von der Militärregierung keine Bedenken geäußert, da der Wirtschaftsrat auf diesen Gebieten, sofern die Interessen der Besatzungsmacht nicht dadurch betroffen werden, eigene Befugnisse hat. Nichtsdestoweniger war es offensichtlich, daß diese Preiserhöhungen und die Aufhebung der Bewirtschaftung sich auf Erwägungen stützten, die sich nur auf die genannten Waren beschränkten. Sie hingen gewissermaßen von politischen Kompromissen ab und fußten nicht auf einer allgemeinen Untersuchung der Auswirkungen, die diese Veränderungen auf die Gesamtwirtschaft habe n könnten. Ebensowenig wurden den in Aussicht genommenen Entwicklungen auf dem Gebiet der Preise und Löhne Rechnung getragen. Das gleiche gilt für andere Preis- und Bewirtschaftungsänderungen in den letzten Monaten. Das Zweimächte-Kontrollamt ist der Meinung, daß eine nach und nach durchgeführte Überprüfung der Preise und der Bewirtschaftungsmaßnahmen gefährlich ist und auf dem Gebiet der Bewirtschaftung ernstliche Folgen nach sich ziehen kann. Wenn auch politische Erwägungen bei der Festsetzung der Preise und der Bewirtschaftungsmaßnahmen nicht auszuschalten seien, so dürfen doch ihre Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaftsstruktur nicht unberücksichtigt Meiben. Deshalb erscheint es dem Zweimächte-Kontrollamt wünschenswert, ein dem Verwaltungsrat untergeordnetes, aber vo n den bestehenden bizonalen Verwaltungen unabhängiges Gremium zu bilden, dessen Aufgabe es wäre, die gesamte Preis- und Lohnfrage in der Doppelzone zu prüfen und entsprechende Empfehlungen zu machen. Ein solches Gremium müsse sich in realer und praktischer Weise mit dieser lebenswichtigen Frage befassen. Dadurch soll erreicht werden, daß jede einzelne Maßnahme mit der allgemeinen Wirtschaftslage in Einklang steht, daß politische Betrachtungen wirtschaftliche Notwendigkeiten nicht über den Haufen werfen und daß die Interessen einzelner Verwaltungen oder Gruppen nicht zu voreiligen Handlungen führen, ohne Rücksicht auf die Auswirkung auf Angelegenheiten, für die andere Verwaltungen und Gruppen zuständig sind. Das Zweimächte-Kontrollamt hat zur Stellungnahme eine Frist bis zum 15. November gesetzt. Wird die AVU-Rente abgeschafft? Die in der letzten Zeit vom Kriegsversehrtenfürsorgeamt Baden weisungsgemäß durchgeführte Überprüfung der Renten wegen Arbeitsverwen- dungsnnfähdgkeit (AVU-Renten) hat in der Öffentlichkeit wiederholt zu polemischen Äußerungen geführt. Was ist an diesen Erörterungen richtig? In dem vom NS-Staat zur Vorbereitung des letzten Krieges im Jahre 1938 geschaffenen Wehrmachtsfürsorge- und Versorgungsgesetz wurde im Gegensatz zu früheren Versorgungsgesetzen eine Zusatzrente eigener Art für Fälle der Ar- beitsverwendungsuniähigkieit eingeführt. Nach diesen Vorschriften ist die AVU-Rente zu gewähren, wenn der Beschädigte sich in einem Zustand befindet, der zweifelsfrei auf nicht absehbare Dauer jede körperliche oder geistige Arbeitsleistung oder wirtschaftliche Tätigkeit ausschließt. Sie ist nicht vorgesehen für Beschädigte, die nur zeitlich begrenzt arbeitsunfähig (krank) und nur vorübergehend außerstande sind, ihren bisherigen Beruf oder ihre letzte Tätigkeit auszuüben. Glücklicherweise ist nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der Beschädigten so schwer beschädigt, daß er arbeitsverwendungsunfähig ist. Demnach ist nach den Richtlinien des OKW, dem die Versorgungsämter während des Krieges unterstellt waren, in der letzten Phase des Krieges diese Zusatzrente sehr großzügig gewährt worden. Auf Weisung des OKW sind auch die früher von den Versorgungsämtern regelmäßig durchgeführten Überprüfungen der Rentenfälle zuletzt unterblieben. So kam es, daß in Baden, wo zum Unterschied von allen übrigen Gebieten und Zonen, die Vorschriften über die AVU-Rente und die Durchführungsrichtlinien heute noch unverändert gelten, die AVU-Rente in vielen Fällen gewährt wird, in denen die Voraussetzungen längst nicht mehr vorliegen oder noch nie Vorlagen. Die zur Wirtschaft kurz gemeldet Washington. Nach einer Veröffentlichung des Arbeitsministeriums der Vereinigten Staaten erreichte der durchschnittliche stundenlohn eines Fabrikarbeiters in den USA Mitte September mit 1,36 Dollar den bisher höchsten Betrag. Hamburg. Am 1. November begann die Hamburger Münze mit elf Pressen mit der Prägung neuer Ein- Pfennig-Stüdce. Eine Maschine prägt in einer Stunde 6000 Kleingeldmünzen. Außer der Hamburger Münze sind auch die Münzanstalten in Stuttgart, München und Karlsruhe mit der Ausprägung von Kleingeld beschäftigt. Mainz. Der Schiffsverkehr auf dem Rhein hat sich in den ersten neun Monaten dieses Jahres gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres fast verdoppelt. Hamburg. Nach der Verbrauchssteuersenkung wird gerösteter Bohnenkaffee in Hamburg mit 13 bis 14 D-Mark das Pfund, in Kiel für 12 bis 13.20 DM, in Frankfurt und Stuttgart für 12 DM das Pfund angeboten. Essen. Die durchschnittliche arbeitstägliche Förderung von Steinkohle in der britischen Zone betrug im Oktober 302 000 Tonnen gegenüber 291 000 Tonnen im Vormonat. Washington. Nach einer Schätzung des ESndwirt- schafts-Departements der USA wird die Baumwollernte in diesem Jahr größer sein als der Bedarf. Es wird mit einem Überschuß von 1,7 Millionen Ballen gerechnet. Zeit laufende Nachprüfung hat nun den Zweck, den normalen Rechtszustand wieder herzusteilen und nicht etwa das Ziel, die AVU- Rente abzuschaffen oder neue schärfere Begriffe oder Auslegungen zu schaffen. Das vorläufige Ergebnis der Prüfung ist folgendes: Von 1607 laufenden AVU-Renten wurden bisher 491 eingestellt. 1116 AVU-Renten laufen weiter. Davon schweben zur Zeit etwa 300 Fälle in der fachärztlichen klinischen Untersuchung. Die Nachprüfung ergab, daß zahlreiche in Erwerb stehende Beschädigte (u. a. Lehrer, Beamte, Landwirte, Geschäftsleute) neben ihrem regelmäßigen Einkommen laufend die AVU- Rente bezogen. Um Härten zu vermeiden, haben die Ortskrankenkassen Anweisung erhalten, auf Antrag an vorübergehend kranke ehemalige AVU-Rent- ner unbefristet Versorgungskrankengeld zu zahlen. Durch diese Überprüfung der AVU-Voraussetzungen sind also keine neuen oder verschärften Begriffe angewendet worden, noch ist die badische Tradition der gegenwärtig bestmöglichen Versorgung der Kriegsopfer auf- gegeben worden. Aufgabe dieser Versorgung wird es künftig mehr als bisher sein, die Renten denen zukommen zu lassen, die ihrer wirklich bedürfen. Gegen die hohen Kartoffelpreise Freiburg. Die letzte Ortsausschußsitzung der Freiburger Gewerkschaften brachte zuerst einen Bericht des Vorsitzenden Kappes über den Bundestag der Badischen Gewerkschaften. Darauf erläuterte der Sachbearbeiter für Sozialversicherung beim Badischen. Gewerkschaftsbund, Breitenbach, die in Frage kommenden, Vorschriften für die angekündigte Wahl des Ausschusses bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse Freiburg, durch welche die Selbstverwaltung in der Sozialversicherung nach dem vom Badischen Landtag .beschlossenen Gesetz vom 7. Juli in die Wege geleitet wird. Die im Einvernehmen mit den Gewerkschaften, freiwillig Versicherten, Rentenempfängern und Körperbeschädigten aufgestellte Kandidatenliste fand die Zustimmung der Delegierten. Der Vorstand wurde mit den weiteren Schritten beauftragt. Eingehend besprochen wurde auch die Absicht des Einzelhandels, die Verkaufszeit für die meisten Geschäfte Samstags nur bis 14 Uhr festzulegen, also Samstagnachmittag zu schließen. Die große Mehrzahl der Delegierten konnte sich nicht entschließen, diesem Vorhaben zuzustimmen, da der Samstagnachmittag für den größten Teil der Lohn- und Gehaltsempfänger die einzige Gelegenheit ist, notwendige Einkäufe in Schuhen, Textilien usw. zu tätigen. Als Ersatz für den anderen Erwerbstätigen zugute kommenden freien Samstagnachmittag, sollte den Verkaufsangestellten der Montag freigegeben werden. Zur Spradie kam auch die Frage der hohen Kar* toffelpreise Durch die Nichteinhaltung der zwischen Gewerkschaften und Landwirtschaftlichem Hauptverband seinerzeit vereinbarten Preise seitens der Bauern ist die Verbraucherschaft in eine schwierige Situation geraten. Die Ortsausschußsitzung sprach ihr starkes Befremden über diese unloyale Haltung der Kartoffelerzeuger aus. Die Gewerkschaften werden zu gegebener Zeit daraus die Konsequenzen ziehen müssen. Die Absicht, die bisher nicht gelieferten Fl ei schrationen für Oktober nicht mehr auszugeben, wurde mit Entrüstung zur Kenntnis genommen und der Vorstand beauftragt, beim Bund zu verlangen, daß mit allem Nachdruck bei den zuständigen Stellen für die Einhaltung der sowieso minimalen Fleischrationen eingetreten wird. Weiter wurden vom Vorsitzenden Kappes die Bestrebungen zur Wiedergründung der „Freien Volksbühne“ zur Kenntnis gebracht und gebeten, bei der kommenden Werbeaktion in diesem SDme tätig zu sein. P. K. Anna Lombardi Roman von Carlotta Textor (25. Fortsetzung) „Und Blanq?“ „Herr Blanq hat sich in unser Ensemble gut eingefügt. Er ist wirklich ein ausgezeichneter Sänger, das Publikum liebt ihn schon wegen seines romantischen Äußeren, und Frau Lombardi stellte sich kameradschaftlich zu ihm. Gemeinsame Anfänge sind ein guter Kitt beim Theaterberuf, müssen Sie wissen. Erinnerungen an die Werdezeit, an Schlappen und Erfolge . . .“ „Erwiderte Herr Blanq diese Kameradschaftlichkeit?“ „In angemessenen Grenzen wohl. Ich glaube jedoch, daß er daneben eine tiefe Verehrung für unsere Primadonna hegte — wie. eben alle, die mH ihr zu tun hatten.“ Ob denn Frau Lombardi glücklich verheiratet war, fragte Brugg. „Sehr!“ rief der Intendant voller Überzeugung. „Ihr Gatte trug sie auf Händen!“ Brugg dachte, aus seiner zärtlichen Einstellung auf die weibliche Phantasie seiner skeptischen jungen Frau, plötzlich einen äußerst männerfremden Gedanken: daß nämlich von einem Gatten auf Händen getragen zu werden eine Frau noch lange nicht glücklich machen mußte. Es konnte dabei noch mancherlei fehlen zum Glück, abgesehen davon, daß es Frauen gab. denen das Händetragen sowieso unausstehlich war ... Brugg äußerte solche Überlegungen freilich nicht. Er fragte vielmehr, wie sich Anna Lomir ardis Gatte zu der Verehrung gestellt habe, die man seiner Frau im allgemeinen wie im besonderen darbrachte. „Als Spanier dürfte er nicht frei von Eifersucht sein?“ Dieses sei, entgegnete der Intendant, gelegentlich der einzige Mißklang in dieser Ehe gewesen. Don Mateo de Rojas neige tatsächlich zu Eifersucht. „Das Ehepaar ist Ihnen gut bekannt?“ „Gut befreundet“, betonte der Intendant. „Ich kenne Don Mateo schon von früher her. Wir haben zeitweilig zusammen in München studiert. Und die alte Bekanntschaft hat sich seit der Heirat mit Anna Lombardi und seiner dadurch bewirkten ständigen Anwesenheit in Deutschland zu einer schönen Freundschaft mit beiden entwickelt. Wie Sie sich denken können, Herr Doktor, hat sich diese Ehe künstlerisch ungemein fruchtbar ausgewirkt. Dem Romanen de Rojas hatte Anna Lombardi letzten Endes die deutsche Musik erschlossen.“ Ob der Intendant, wollte Brugg wissen, während der Premiere oder der Proben irgend etwas Besonderes wahrgenommen habe — eine Spannung zwischen den Mitgliedern etwa oder einen Streit, vielleicht zwischen Frau Lombardi und ihrem Gatten? „Nichts dergleichen, Herr Doktor, abgesehen von der üblichen Premieren-Nervosität. Ich selbst habe während der Probenzeit einige auswärtige Konzerte dirigiert und mich um den »Othello« gar nicht gekümmert. Um so weniger, als ich ihn in besten Händen wußte. Herr Ar- nander hat die Aufführung ausgestattet und inszeniert, Don Mateo sie musikalisch betreut, ich konnte mich völlig überraschen lassen. Aber ich darf sagen, es ist eine der schönsten Opern-Aufführungen, die ich je erlebte. Sie war allerdings von Spannungen wie geladen, die Atmosphäre schien zu knistern, mir altem Theaterfachmann ging es manchmal heiß und kalt über den Rücken.“ „Halten Sie es für möglich, Herr Intendant, daß zwischen Frau Lombardis Gatten und dem Regisseur in letzter Zeit Unstimmigkeiten geherrscht haben?“ „Ich halte das im Gegenteil für unwahrscheinlich. Die beiden Herren stehen ebenfalls sehr freundschaftlich zueinander, und ihr Zusammenwirken bedeutet immer ein besorders glückliches Hand-in-Hand. Wie kommen Sie übrigens darauf?“ „Ich habe“, erwiderte Brugg langsam, „in der Rundfunkübertragung im letzten Akt eine Uneinigkeit zwischen Bühne und Orchester .festgestellt.“ Der Intendant blickte verwundert. „Das haben Sie gemerkt? Im Rundfunk sogar? Dann kennen Sie wohl den »Othello« Ton für Ton?“ „So ungefähr“, lächelte der Kriminalkommissar. „Außerdem gab die Partitur meine Zweifeln recht: eine von Verdi nicht vorgesehene Fermate auf dem zweigestrichenen Ais . . .“ „Ich bin darüber auch erschrocken!“ rief der Intendant lebhaft, und plötzlich hatte Brugg das Gefühl, ihm nicht mehr als eine Art Kannibale vorzukommen, der mit seiner Keule in diesen Musentempel drang, sondern als Geschöpf auf einer gleichen Ebene, wo sich mit Fermaten, Triolen und italienischen Zeitmaßen Umgang pflegen ließ. Sein förmlicher Ton wurde warm, als er fortfuhr: „ Ich halte die seltsame Entgleisung der Lombardi für ein mo- ■ mentanes Ausbrechen ihrer Leidenschaft. Sie hat diese Fermate mit ungeheurer Intensität im Spiel durchgehalten, man vergaß den Atem dabei, und ich glaube, Verdi selbst würde ihre Auffassung gebilligt haben. Dennoch ist sie bemerkenswert bei einer Sängerin von sonst so strenger künstlerischer Disziplin.“ Es klopfte. Kriminalassistent Müllerklein, ein fixer Junge mit hellen Knopf äugen, der aussah und sprach wie ein Drahthaarfox, meldete völlige Ergebnislosigkeit des Tatortbefundes. Die Fahndung durch das Haus gehe weiter. Eine Schußwaffe hatte man weder in -den Räumen rings um den Tatort gefunden noch bei einer der festgehaltenen Personen in den Instrumentekammern. Diese seien sämtlich durchsucht, die Personalien festgestellt worden. Es handle sich um technische und künstlerische Angestellte des Hauses, einige Presseleute und Mitglieder einer der spanischen Delegation — lauter Befugte also, außer zwei Backfischen und einem Musikstudenten, die bei dem Tumult nach dem Attentat von der Straße ins Innere des Hauses geraten seien. Einige der Leute wünschten Aussagen zu machen. Man habe sie vernommen, jedoch keinen wesentlichen Hinweis erlangt. „Alles nach Hause schicken. Die gemeldeten Zeugen morgen zwischen neun und elf m die Zentrale bestellen. Und mir, wenn das noch zu machen ist, aus der Kantine einen Mekka! Mit Ihrer Erlaubnis, Herr Intendant — diese Nacht wird lang. Darf ich jetzt den Bühnenportier heraufholen lassen? Ich habe ihn schon kurz befragt, möchte aber noch einiges von ihm hördh.“ (Fortsetzung folgt) Seite 4 — Nummer 100 Nur drei Möglichkeiten ... Von Bertrand Russell TSaslßotk Donnerstag, 4. November 1948 trami Ruse*'w^e°d°eserT^e 'dem I VJV? di l Menschen werden in primitiven dörf- ^“Sbootes aus 6oo Meter Höhe bei j bdien Gemeinschaften vegetieren. Die dritte Möglichkeit, die Errichtung einer Weltregierung, kann auf verschiedene Art verwirklicht werden: durch den Sieg der Vereinigten Staaten im nächsten Weltkrieg oder durch den Sieg Rußlands oder theoretisch durch ein Übereinkommen zwischen beiden. Oder — und das halte ich für die wünschenswerteste Möglichkeit — durch einen Zusammenschluß aller Staaten, die eine Weltregierung wollen, und der so stark sein oder werden würde, daß Rußland sich wohl oder übel fügen müßte. Das wäre sogar ohne Krieg möglich, aber er erfordert eine mutige, hartnäckige und konstruktive Politik in mehr als einer Großmacht des Westens. «-v*o UVV »iCICl nune UCX *? r £ nt „ he ™’ bei dem es zahlreiche Todesopfer gab, gerettet. Ende Oktober hielt er in Berlin zwei Vorträge über „Logischen Positivismus“ und .Wissenschaft und Zivilisation“, Vor Ablauf unseres Jahrhunderts wird, wenn nicht etwas ganz Unvorhergesehenes sich ereignet, eine der drei folgenden Möglichkeiten sich verwirklicht haben: 1. Jedes menschliche Leben auf der Erde, vielleicht jedes Leben überhaupt, hat aufgehört; 2. Die Menschheit ist nach einer katastrophalen Verminderung der Bevölkerung auf eine atavistisch-barbarische Lebenshaltung zurückgesunken; 3. Die ganze Welt ist unter eine einheitliche Regierung zusammengefaßt, die allein im Besitze aller bedeutenden Waffen ist. Ich behaupte nicht, zu wissen, welche dieser drei Möglichkeiten eintreten wird oder auch nur, welches die wahrscheinlichste ist. Aber ich behaupte mit aller Bestimmtheit, daß das System, in dem wir leben, und an das wir uns gewöhnt haben, das System der souveränen Staaten, sicher nicht fortbestehen wird. Die erste Möglichkeit: die Auslöschung der Menschheit, wird nicht die Folge des nächsten Krieges sein — es sei denn, daß der sehr viel später zum Ausbruch kommt als augenblicklich wahrscheinlich ist. Wenn aber der nächste Weltkrieg keine klare Entscheidung bringt, oder wenn der Sieger so töricht sein sollte, souveräne Staaten fortbestehen zu lassen, dann wird eine fieberhafte Entwicklung aller technischen Möglichkeiten die Folge sein. Die Ausnutzung der Atomenergie in ganz anderem Rahmen, als es heute der Fall ist, wird ergänzt werden durch radioaktive Wolken, die ganze Erdteile überschatten und jedes Leben vernichten. Der letzte Überlebende wird sich als unumschränkter Herrscher fühlen können, aber seine Untertanen werden nur Leichen sein. Mit seinem Tode wird das Leben aufgehört haben, und die Erde wird in Ruhe und Frieden ihre Bahn ziehen, bis die Sonne in Stücke springt. Vielleicht könnte ein unbeteiligter Zuschauer der Meinung sein, daß diese Entwicklung angesichts der Torheit und Grausamkeit des Menschengeschlechts die einzig wünschenswerte ist. Aber wir, die Akteure dieses Dramas, denken anders — wenn wir ehrlich sein wollen. Es gibt zwar Leute, die behaupten, sie würden ein Ende der Menschheit einer Unterwerfung unter Sowjetrußland vorziehen, und umgekehrt wird es wohl in Rußland Menschen geben, die dasselbe über eine Unterwerfung unter den Westen sagen. Aber das sind heroisch aufgeputzte Redensarten, die nicht nur dumm, sondern auch gefährlich sind, weil sie die Anstrengung sabotieren, solche Katastrophen zu vermeiden. Die zweite Möglichkeit, die Rückkehr in die Barbarei, würde natürlich die Wahrscheinlichkeit eines langsamen schrittweisen Wiederaufbaus einer neuen Zivilisation offenlassen, etwa so, wie nach dem Untergang des Römischen Reiches. Der furchtbare Zusammenbruch wird natürlich für alle, die ihn erleben, entsetzlich sein, und es werden Jahrhunderte äußerster Not und Bedrängnis folgen, aber die Menschheit würde doch eine Zukunft haben, und es wäre nicht jede vernünftige Hoffnung ausgelöscht. Ich halte einen solchen Ausgang eines mit allen wissenschaftlichen Mitteln geführten Weltkrieges keineswegs für unwahrscheinlich. Man stelle sich vor, daß jede der beiden Parteien bemüht sein wird, alle Städte und Industriezentren des Gegners zu zerstören; Büchereien, Laboratorien und auch die Wissenschaftler selbst werden vernichtet werden; eine furchtbare Hungersnot als Folge der radioaktiven Waffen, Epidemien als Folge des Bakterienkrieges werden sich ausbreiten; jeder soziale Zusammenhalt wird aufhören. Es werden Propheten auf- treten, die einer unzurechnungsfähigen, geäng- stigten Masse einreden, Schuld an allem Unglück seien Wissenschaft und Technik; ihre Auslöschung würde das Paradies auf Erden bringen. Übertriebene Hoffnungen erwachsen aus äußerstem Elend, und solche Hoffnungen pflegen unvernünftig zu sein. Die großen Staaten, in denen wir leben, werden zerbrechen, FRIEDE Anläßlich der dreihundertsten Wiederkehr des Kriegsendes vom Dreißigjährigen Krieg nadistehend das -Gedicht eines Fünfzehnjährigen aus unserem Leserkreis. Zu Hilf! Da kommt das schwedische Heer! Die Schrecknisse wachsen immer mehr. O fliehe, wer da fliehen kann! Sie töten uns alle, Weib und Mann. Zitternd und zagend beten die Leute In einem düsteren Kellergebäude. Sie hören die Soldaten schrein. Sie weinen, sie flehen in Angst und Pein. Da klingt die Glocke vom hohen Turm: „Wer will denn läuten bei diesem Sturm?“ Sie horchen gespannt nach der eisernen Tür, Ja, Orgeltöne klingen herfür. Ein freudiger Männerchor fällt ein. Das müssen gar komische Schweden sein. Sie öffnen die Türe, sie horchen hinaus, Das Glöcklein erklingt im Orgelgebraus. „Es sind ja Choräle“, ruft einer und lacht, Wir haben uns Schönes hier unten gedacht. ’s ist Friede in unserem Heimatland. Sie haben den grausamen Schwed verbannt " Dort läuft ja einer mit Säbel und Scheide — „Es ist mein Sohn“, ruft jemand voll Freude _0 danket Gott, der uns dieses geschenkt, Er zeigt doch immer, daß er an uns denkt. Nun lasset uns festlich sie empfangen: Ein neues Leben hat angefangen!“ Georg MezeL / Ernährungsbeihilfe für Studenten in Nordrhein-Westfalen Außer finanziellen Unterstützungen (Zuschüsse und Darlehen) wird den bedürftigen Studierenden an Universitäten, Hochschulen, Akademien und Fachschulen in Nordrhein-Westfalen eine Ernährungsbeihilfe gewährt werden, die sich aus Zuwendungen der Hoover- und Schwedenspeisung zusammensetzt. Fünf Monate lang erhalten Unterernährte, Kriegsversehrte. Erkrankte oder aus sozialen Gründen bedürftige Studenten, Dozenten und Assistenten täglich kostenlos zusätzliche Mahlzeiten in Höhe von 850 Kalorien. Yehudi Menuhin in Paris Der berühmte Geiger Yehudi Menuhin gab in Paris vor überfülltem Hause ein Violinkonzert, an dessen Ende Begeisterungsstürme losbrachen, wie sie nur ganz selten sind. Menuhin spielte zwei Sonaten von Bach, ein Mozartkonzert und die „Frühlingssonate“ von Beethoven. Die Pariser Abendzeitung ,,Ce Soir“ schreibt: „Seinem virtuosen Können hält nur seine Einfachheit, seine Schlichtheit die Waage. Diese Einfachheit ist seine Größe.“ Berliner Philharmoniker in England Dr. Wilhelm Furtwär.gler ist mit dem Orchester der Berliner Philharmoniker, die hiermit ihre erste Auslandsreise nach dem Kriege unternehmen, in Großbritannien eingetroffen. Venus von der Gasanstalt und der Stierkopf Picasso über sein Schaffen Viele Menschen zerbrechen sich beim Betrachten der seltsamen Figuren, die Picasso malt, den Kopf, ob er sie so sieht, oder weshalb er sie so malt, oder wie er überhaupt darauf kommt, so seltsame' Bilder zu komponieren. Picasso gehört zu den Malern, die nie wie Matisse oder Braque über ihre Einstellung zur Kunst und zur Malerei geschrieben haben. Selbst in Unterhaltungen gibt er kaum programmatische Erklärungen ab. Der französische Maler Andre Warnod schildert in seinem Buche „Ceux de la Butte“ ein Gespräch, das er vor nicht allzu langer Zeit mit dem großen Maler hatte. Darin heißt es: „Alles ist nur konventionelles Zeichen“, sagt Picasso. „Das Bild, das Raphael von der Frau gibt, ist keine Frau, es ist ein Zeichen, das >n seinem und in unserem Geist eine Frau darstellt. Wenn dies Bild mit einem Heiligenschein geschmückt ist und ein Kind auf den Knien hält, so wird es die Heilige Jungfrau. Alles ist nur Zeichen. Man begreift, daß ein Zeichen eine Frau darstellt, weil es nicht einen Baum oder ein Haus darstellen kann. Ich will Ihnen diesbezüglich etwas recht Sonderbares zeigen.“ Picasso geht einen Augenblick hinaus und kommt mit einem eisernen Gegenstand zurück, der eine kleine Statue zu sein scheint, eine Frau darstellend, von, ich weiß nicht, welcher Zivilisation herrührend; archaisches China, Negerarbeit oder vielleicht von sehr moderner Auffassung. Ein flacher Kopf auf einem langen Hals, die Arme zu einem Kreis gerundet, in der Mitte ein kleinerer Kreis, von töchern durchbohrt, die die Brüste darstellen können, und darunter zwei Beine, die alles tragen. „Welchen Namen würden Sie ihr geben?", fragt Picasso. „Ich würde sie die .Venus von der Gasanstalt’ nennen“, fährt er fort „Und weshalb?“, fragt Warnod. „Weil der Gegenstand, den ich Ihnen zeige, keine kleine Statue ist. Es ist einfach ein Teil aus meinem Gasofen. Sie werden ohne Zweifel dasselbe in Ihrer Küche finden.“ „Ich gebe zu, ich bin hereingefa'Ien.“ „Weshalb hereingefallen?“, ruft Picasso. „Dieser Gegenstand kann sehr gut das Zeichen für eine Frau sein, und die Linien, die Formen, sind harmonisch. Es genügt, das zu entdecken.“ „Haben Sie oft Entdeckungen dieser Art gemacht?“ „Mitunter! Erinnern Sie sich an den Stierkopf, den ich letzthin ausgestellt habe? Hören Sie. wie ich ihn geschaffen habe! Ich hatte in einem Winkel die Lenkstange und den Sattel eines Fahrrades bemerkt, die so dalagen, daß sie einem Stierkopf glichen. Ich habe die beiden Gegenstände auf eine gewisse Art vereint.“ „Sie haben bestimmt auch von sich selbst etwas hinzugefügt?“ „Ich habe aus dieser Lenkstange und diesem Sattel einen Stierkopf gemacht, den jedermann für einen Stierkopf nimmt. Die Metamorphose war beendet, und ich wünschte, daß eine andere Metamorphose im entgegengesetzten Sinne stattfinden könnte. Nehmen wir an, mein .Stierkopf’ würde auf den Schutthaufen geworfen. Vielleicht würde sich dann eines Tages irgendein Junge sagen: ,Da ist etwas, das mir sehr gut als Lenkstange für mein Fahrrad dienen könnte’ ... So hätte eine doppelte Metamorphose stattgefunden.“ Dieses Gespräch ist wieder einmal ein Beweis, daß Picasso seine Malerei als eine rein optische Angelegenheit, frei von jedem Symbolismus, frei von jeder Dramatik, von jedem Ausdruck einer innerlichen Erregung, kurzum von jedem literarischen Element betrachtet. in \ßo(H 00 Mühlburg schlägt Kaiserslautern 2:1 Sportgebiet Ist, etwas gemeinsam. Zum Schluß der Tagung, aul der der Leiter der Sporthochschule Vor über 20 000 Zuschauern rollte an Allerheiligen Köln, Prof. Dr. D1 e m, mehrere Referate hielt, in Mühlburg ein wundervolles Spiel zwischen brachten die Teilnehmer ihren Willen zum Ausdruck, dem Meister der französischen Zone, FC Kaisers- Italiener Villoresi auf Maserati erreichte einen Durchschnitt von 144 kmst und einen ausgezeichneten Start, aber die Mühlburger siegte mit einer halben Minute Vorsprung vor Hintermannschaft, mit Mittelläufer Gärtner und seinem Stallkameraden P a r n e 11 (England) Dritter Torhüter Scheib als überragenden Kräften, hielt wurde der Talbot-Fahrer Chiron (Frankreich). Schon in der vierten Runde hatte der Italiener die Führung übernommen und sie bis zum Schluß nicht mehr abgegeben. Internationaler Fußball In Preßburg standen sich die Fußball-Nationalmannschaften der Tschechoslowakei und dem Kombinationswirbel der Lauterer stand. Nach einer Viertelstunde kamen die Gastgeber im Feldspiel auf, doch auch ihnen wollte kein Treffer gelingen. Kurz nach Wiederanspiel nützte Kunkel einen Deckungsfehler von Kohlmeyer aus und sandte unhaltbar zum Führungstreffer für Mühlburg ein. Schon wenige Minuten später führte ein um- ____ ____ _ __ _ strittener Handelfmeter zum zweiten Tor der Gast- Österreichs gegenüber. Die Wiener mußten sich geber durch Gärtner. Von nun an spielte Kaisers- j .3 Toren geschlagen bekennen. Die B - M a n n - lautem wieder groß auf. Aber Schußpech und auf- schäften der beiden Länder trafen sich in W i e n. opferungsvolle Arbeit der Mühlburger Abwehr ver- Auch hier gab es einen I:6-Sieg der Tschechoslowakei,, hinderten außer einem wundervollen Schrägschuß- ^ p a r 4 s standen sieh zum 12. Maie R a c i n g treffer von Otmar Walter zählbare Erfolge. Paris und Arsenal Lond on gegenüber. Der letztjährige englische Ligameister mußte sieh mit Pep als Federgewichts-Weltmeister entthront einem 3:3 begnügen. , , . . ... _ ._ In Brüssel weilte die Mannschaft der Lon- bi N e uy o r k trafen sichzum Kampf um die noner Football Association und siegte Welt mei s t e r s c h a f t-m Federgewicht der bis- g «j .Hoten Teufel» mit 4:3 Toren, herige Meister W i 1 1 i e Pep und sein 22 jahriger Herausforderer Sandy Saddler. Man hatte all- Interessante« — kurz tmd nen gemein eine erfolgreiche Titelverteidigung erwartet, interessantes Kurz UDO neu aber es kam anders. Schon in der ersten Runde hatte Deutscher Hochschulmeister im Handball Saddler leichte Vorteile, und in der dritten Runde wurde die Uni Frankfurt durch einen 6:5-Sieg mußte Pep bereits zweimal zu Boden Nur der Gong über die Hamburger Uni. Das Spiel wurde inDIet- rettete ihn vor dem Niederschlag, der dann eine zenbach ausgetragen. Runde später kam Ein linker Kinnhaken nahm ihm In Chemnitz schlug die sächsische Fuß- den Boden unter den Füßen weg und er eiholte sich ballauswahl Brandenburg mit 2:1 Toren, nicht mehr vor dem „Aus“. Das Paar Mirke / Preiskelt gewann in Halte den „Großen Jubiläumspreis“, ein Radrennen über Sportlehrertagung in Wiesbaden 60 km - vor Kaib/PfannenmüUer. Trotz der vorgeschrittenen Jahreszeit wartete der Nach einer Dena-Meldung hielten die Vertreter der ungarische Hammerwerfer Nemeth (Weltrekord- deutschen Sportlehrer-Verbände am vergangenen 1er) wieder mit einer vorzüglichen Leistung auf Bei Wochenende in Wiesbaden eine Tagung ab, auf einer Budapester Veranstaltung erreichte er 58,25 m. der eine „Arbeitsgemeinschaft der Sportlehrer* mit Nachdem der 19jährige Holländer B o n t e vor kur- dem Sitz in Hamburg gegründet wurde. Auf der zum über 200 m Brustschwimmen einen neuen hol- Tagesordnung stand an erster Stelle eine Aussprache ländischen Rekord aufstellte, erzielte er jetzt über über die Gleichschaltung der Verbände, die Berufs- 4 0 0 m und 500 m zwei neue Weltrekorde, die ausbildung und des sozialen Schutzes der zur Zeit seit dem Jahre 1938 der Deutsche Heina hielt. Honte arbeitslosen Sportlehrer. Mit scharfen Worten durchschwamm die 400 m in 5.40.2 Minuten und be- wandte man sich gegen den sogenannten „Wilden hotigte für die 500 m 7.10.6 Minuten. Sportlehrer“, de-, bedingt durch die Nachkriegsauswirkungen, den deutschen Sport nur in Mißkredit Amerikanische Rundfunkgebote Die Rundfunkberater bei der amerikanischen Militärregierung in Bayern haben für die Rundfunkarbeit nach amerikanischem Muster zehn Grundregeln aufgestellt, die folgendermaßen lauten: 1. Radiosender sind für die Hörer da und nicht für sich selbst. 2. Radiosender sollen Vertrautes und Neues miteinander verknüpfen und allmählich an den Hörer heranbringen, so daß das Neue und noch Unverstandene ihm nicht das Hören verleidet. 3. Radioprogramme müssen festgelegt und so selten wie möglich geändert werden. 4. Der Rundfunk muß Sinn für Humor haben. Die Stimme darf nichts Abstraktes sein. Der Stil soll freundlich und nicht geschwollen sein. 5. Gesamtprogramme sollen abwechslungsreich sein; jede einzelne Sendung muß ein einheitliches Ganzes sein, dessen Bestandteile miteinander verschmolzen sein müssen. 6. Der Rundfunk soll Probleme. Situationen, abstrakte Themen ebenso wie Hörspiele szenisch auflockern. 7. Der Rundfunk hat nuf ihm eigene Eigenschaften. Werke, die nicht für das Radio geschrieben wurden, müssen mit allen Mitte'n des Rundfunks in eine Form unwegossen werden, die diesem neuen und vielfältigen Instrument entspricht. 8. Der Rundfunk soll Kritik und Kritiker fördern. Der Hörer kann der stärkste Verbündete des Rundfunks sein. 9. Der Rundfunk soll dahin' wirken, daß in Schulen Radio-Hören, Radio-Schreiben und Radio- Sprechen gelehrt wird. 10. Der Rundfunk darf nichts seiner Aufgabe im Wege stehen lassen: als schnellstes Publikationsorgan der Belehrung und Unterrichtung zu dienen und als reichste Quelle der Unterhaltung. Ein Mensch, der die Wahrheit fürchtet oder neue Methoden, der nicht bereit ist, alles anzupacken, sollte nicht im Rundfunk arbeiten, Paul-Klee-Ausstellung Am 26. Oktober ist in der Basler Kunsthalle eine Ausstellung Stiftung Paul Klee“ eröffnet worden. Es handelt sich um die Kunstwerke, welche die Berner Klee-Gesellschaft von Basel aus für eine große Amerika-Tournee zusammengestellt' hat. Europas ältestes Volk: die Basken Die Basken sind ein Volksstamm Nordspaniens. Von den vierzig Sprachen Europas ist ihre Sprache die einzige, die noch dem vorindogermanischen Europa angehört; alle anderen Sprachen jener Zeit sind verschwunden. Die baskische Sprache steht völlig isoliert da, mit keiner lebenden europäischen Sprache verwandt gilt sie als eine der schwersten überhaupt. Für . die Philologen ist sie immer noch das große | unlösbare Rätsel. Es ist der Wissenschaft bis heute noch nicht gelungen, irgendeine Verwandschaft des Bas- kischen mit anderen Sprachen festzustellen. Man vermutete Verwandtschaftsbeziehungen zum Japanischen, zu einzelnen Kaukasussprachen (die heutigen Georgier hießen ja in der Antike „Iberer“, genau wie die vorindogermanischen Bewohner Spaniens) — ia sogar zu den Indianersprachen Amerikas. Keine dieser vermuteten Verwandtschaftsbeziehungen hat sich beweisen lassen. Die Basken sind wie ein durch die Jahrtausende erhaltenes Stück uralter Vorgeschichte der Menscheit; sie erscheinen geradezu wie die letzten Überlebenden einer unteruegangenen Atlantis, zu der man sie auch in Verbindung brachte, um die merkwürdigen Verbindungen, die zu den altamerikanischen Sprachen herüberzuführen scheinen, zu erklären. Soll diese uralte, ehrwürdige Eigenart heute untergehen? Es wäre ein Verlust für ganz Europa, das mit dem Untergang des baskischen Volkstums etwas verlöre, das jedem Europäer wertvoll sein sollte. Leider ist das Baskische im Zu den Bob-Weltmeisterschaften, die Anfang Februar auf der Olympiabahn von 1932 in bringe. Außerdem wurde auf das gefährliche An- t,® d gelangen, werden wachsen der Rojrtlehrer-Ausbildunesstäften hin- d . le Schweizer Endrich. Wallner, Feierabend und wachsen der Sportlehrer-Ausbildungsstätten hin gewiesen, was dazu geeignet wäre, zu einer großen Arbeitslosigkeit unter den Sportlehrern zu führen Ferner wurde der Beschluß gefaßt, daß die Sport lehrer nicht als Amateure oder gar als Profis im Rahmen des Sportbetriebes auftreten dürfen. Des weiteren wurde der Begriff Sportlehrer genau spezifiziert Er hat weder mit einem Trainer, den man als Sporthandwerker bezeichnete, noch mit einem Sportwart, der ein ehrenamtlicher Helfer auf dem Wasserschau auftreten. Angst mitsamt ihren Schlitten nach den USA fliegen. Nachdem bereits Pferde und Fahrräder mit dem Flugzeug nach den Staaten transportiert wurden fliegen nun auch Bobschlitten über den Atlantik. Die Olympiasiegerin Ann Curtis, die diel 400 m Fieistil in olympischer Rekordzeit gewann und iußer 18 amerikanischen Rekorden auch den Weltrekord über 880 Yard Kraul hält, will zum Berufssport übertreten und mit Jack Kiefer in einer Beruf von Heiseier: Dem Schmerz, der anklopft, laß ihn ein —> Was hülfe Furcht und Flucht? Laß ihn das Kind im Hause sein, Dann wurzelt er und wohnt sich ein Und lohnt mit guter Frucht. Laufe des 19. Jahrhunderts zurückgegangen. In Alava und dem spanischen Ober-Navarra ist es fast ganz verschwunden. Um so zäher hält es sich in den beiden anderen Provinzen des spanischen Baskenlandes, in Guipuzkus und Vizeaya; und auch in den drei zu Frankreich gehörenden baskischen Provinzen wird alles getan, um die Sprache der Urväter vor dem Untergange zu bewahren. Vor kurzem wurde der erste Lehrsmh! für Baskisch in Frankreich an der Universität von Bordeaux errichtet. Seit 1936 ist die baskische Sprache aus der Presse, der Schule, ja sogar der Kirche des offiziellen Spaniens verbannt. Europäische Gelehrte aller Nationen haben sich stets für das baskische Volk, seine alten Bräuche, seine geheimnisvolle Sprache und seine wunderbare Volksliteratur interessiert. Über die ganze Welt zerstreut gibt es baskische Kolonien, vor al'en Dingen in allen Ländern Süd-, Nord- und Mitteiamerikas Über eine Million Basken lebt in der Neuen Welt, und die in Europa verfolgte Sprache ist in Zeitschriften hineingeflüchtet, die in Amerika erscheinen a.h; -»> ir ^ Pasßofft Donnerstag, 4 . November 194S — Nummer 100 — Seite 5 fmburflcr Mccko Drei Jahre hinter Stacheldraht Was uns die Dänemark-Flüchtlinge erzählten Wenn man mit den Flüchtlingen, die jetzt aus Dänemark zu uns nach Südbaden kommen, spricht, so entdeckt man bei ihnen häufig ein verstörtes Wesen. Die einen sind ganz still; in ihnen muß sich erst wieder ordnen, was in der jüngsten Vergangenheit ihr inneres Gleichgewicht erschüttert hat. Anderen hingegen springen die Sätze ungehemmt von den Lippen; in ihnen hat sich so viel aufgestaut, daß sie es sich nicht schnell genug von der Seele reden können. Es ist allen in den mehr als drei Jahren, die sie in dänischen Internierungslagern verbringen mußten, nicht gut ergangen. Sie haben die ganze Zeit hinter Sta cheldraht gesessen, wurden von Militär und Polizei bewacht, und es geschah nicht eben viel, um ihnen das Leben zu erleichtern. In den ersten beiden Jahren war auch die Ernährung nicht ausreichend; es fehlte an Heizmaterial, und es kam vor, daß jemand, der im Lagergelände nach Holz suchte, von den Posten auf den Wachttürmen angeschossen wurde. Krankheiten brachen aus und regelrechte Seuchen. In manchen Baracken starben die kleinen Kinder in einem Umfange weg, daß zum Beispiel von vierzig nur drei am Leben blieben. Etliche Lager bekamen monatelang kein Brot, dort wurde statt dessen Grütz- brei ausgegeben, der von sehr anfechtbarer Qualität war; in ihm befanden sich häufig Lumpenreste und ■— tote Mäuse. Es klingt mittelalterlich, aber die Flüchtlinge versichern, daß es sich keinesfalls um einmalige Vorkommnisse handelte, vielmehr zählte man in einem Breikessel ein Dutzend Mäuse, in einem anderen noch mehr. Die Schweizer Presse hat sich damals dieser skandalösen Zustände angenommen und auch eine Besserung erreicht. Das wird alles mit großer Bitterkeit erzählt, auch daß bei der Verteilung der Lebensmittel und Bekleidungsstücke, die aus amerikanischen, schwedischen und Schweizer Spenden stammten, Unterschlagungen vorgekommen sind. Man sah, wie ein dänischer Lagerthef mit seinen deutschen Helfern verhaftet wurde. Als die Flüchtlinge 1945 hinter Stacheldraht gesperrt wurden, hatte man ihnen sämtliches Bargeld abgenommen. Die ganzen Jahre hindurch blieben sie ohne einen Pfennig; sie kennen überhaupt kein Geld mehr. Das heißt, jetzt bei der Entlassung sind ihnen die damals beschlagnahmten Summen nach einer exakt angelegten Liste wieder ausgezahlt worden — in ungültiger Reichsmark! So stehen sie heute völlig ohne Mittel da. im Durchschnitt setzen sich die Dänemark- Flüchtlinge zu 45 Prozent aus Frauen, zu 47 Prozent aus Kindern und nur zu 8 Prozent aus Männern zusammen, die meist älter sind. Als es 1945 notwendig wurde, die Heimat im Osten zu verlassen, standen die gesunden Männer alle im Einsatz, und die Frauen mußten sehen, wie sie mit ihren Kindern über die See oder auf dem Lande davonkamen. Sie haben nicht nur ihre Heimat und alle Habe verloren, sondern viele beklagen den Tod ihrer nächsten Angehörigen. Mit Hilfe des Suchdienstes, Hamburg, gelang es manchen Frauen, den Aufenthalt ihrer Männer ausfindig zu machen, und jetzt sind sie vielfach dorthin unterwegs, wo diese ihre Männer sich neu niedergelassen haben. Andere mußten den Tod ihrer Lieben erfahren oder davon, daß sie noch vermißt werden. Auf jedem der einzelnen der Flüchtlinge liegt tiefes Leid. Am meisten aber hat sie die Unfreiheit hinter dem Stacheldraht bedrückt, und die Vorstellungen von Menschenwürde und Humanität gerieten bei ihnen völlig ins Wanken. Zum erstenmal seit drei Jahren durften in einigen am Meer gelegenen Lagern die Internierten in diesem Sommer aus dem Tore gehen, aber nur in bestimmten Gruppen und unter Bewachung durch deutsche Lagerpolizisten, die vorn und hinten mitmarschierten. So zog man an den nahen Strand, und dort konnte dann gebadet werden. Zu den Vorschriften gehörte als eine der strengsten die, daß mit keinem Dänen gesprochen werden durfte. Nach vier Stunden war der Ausgang zu Ende. Diese „Freiheit“ dauerte nur wenige Wochen. _ „Unter solchen Verhältnissen muß man ja verrückt werden“, wenden wir ein. — „Das sehen Soldaten zurückgelassen worden waren, wurden gezeigt, Gruppen für Theater und alle möglichen Gebiete taten sich zusammen. Es waren Fachkräfte unter uns. In Oxbüll hatten wir richtige Schulen und für die begabten Kinder sogar eine Oberschule eingerichtet. Ich erinnere mich auch gern der ostpreußischen Dichterin Agnes Miegel, die selbstverfaßte Geschichten und Gedichte vorlas und uns durch ihre menschliche Art oft wieder aufrichtete, wenn wir verzweifeln wollten.“ Allen hat das Leben erneut seine Pforte aufgetan. Auch die Verbittertsten hegen eine leise Hoffnung, daß sie nach den schweren Jahren zu einem ruhigeren Dasein und zu erträglichen Verhältnissen gelangen werden. Freilich sind sie auch voller Zweifel; man darf es ihnen nicht verargen. Wer aber wollte angesichts solcher Schicksale zögern, die Flüchtlinge mit jener Menschlichkeit aufzunehmen, die einfach christliches und soziales. Gebot ist, und ihnen jede erdenkliche Hilfsbereitschaft entgegenzubringen! Em. November-Butter auf Oktoberkarte Von 0—6 Jahren So.-Abschnitt 33 = 125 z Über 6 Jahre So.-Abschnitt 22 =» 50 g So.-Abschnitt 25 — 200 g Es werden ein Drittel Butter und zwei Drittel Butterschmalz (80/100) verteilt. „Reise ins Weltall“ Die Freiburger „Naturfreunde“, deren Monatsversammlungen weit über nur trockene geschäftliche Mitteilungen und Debatten hinausgehen, hatten für ihren letzten Vortragsabend einen Ihrer Senioren, den Genossen Heim, für einen Vortrag: „Heise ins Weltall“, gewonnen. Sehr erfreulich war der überaus gute Besuch dieser Versammlung, und alle Jungen und alten Wanderfreunde bezeugten durch Ihre Aufmerksamkeit und Ihren Beifall, daß sie von Öffentliche Frauenversammlung Aus Anlaß der Gemeindewahlen veranstaltet die Frauensektion der Sozlaldemo- . kratischen Partei am Montag, 8. November, 20 Uhr, in der „Harmonie“, Grünwälderstraße, eine öffentliche Frauenversammlung mit dem Thema: „Die Aufgaben der Frau in der Gemeinde“ Es spricht: Frau Martha Schanzenbach, Gengenbach. Frauen Freiburgs! Zeigt, daß ihr nicht gewillt sind, länger beiseite zu stehen! wurden auch genug“, antwortete eine Danzi- ger Mutter von drei Kindern, „in den großen Lagern gab es regelrechte Irrenanstalten, die immer voll belegt waren. Sie glauben nicht, wie es uns wohltut, hier wieder nach eigenem Willen herumlaufen zu können, wo man mag.“ „Haben Sie im Lager gar keine Unterhaltung gehabt?“ — „Doch. Filme, die von den deutden Reisebildem gepackt waren. Genosse Heim ging von unserem Sonnensystem aus, wobei er die Größen- und Entfernungsverhältnisse der Planeten zur Sonne Illustrierte, und erzählte auch von den atmosphärischen Bedingungen auf diesen Weltenkörpern. Hierbei nannte er phantastische Zahlen, die aber weit übertroffen wurden, als er die Heise Ins Weltall fortsetzte. Einzelne Sterne und Sternbilder mit so gewaltigem Ausmaß an Größe und Entfernung ließen die Hörer die Kleinheit nicht nur unserer „Nur“ zwei Pfennige? Nun ist also die schon seit geraumer Zeit befürchtete, geäußerte und wieder dementierte Brotpreiserhöhung Tatsache geworden. Es mag Leute geben, die hierfür nur ein Achselzucken übrig haben. „Was sind schon zwei Pfennige!“ werden sie mit geringschätziger Miene einwenden, und sie werden sich die letzte „schwarz“ erworbene „Camel“ anzünden und das kleine Symptom unserer Zeit schon im nächsten Augenblick vergessen haben. Und da sind die anderen, die es sich seit langem abgewöhnt haben, eine eigene Meinung zu haben und zu dem, was um sie herum geschieht, Stellung zu nehmen. Sie werden die zwei Pfennige Aufschlag schlucken, wie sie schon so vieles seit 15 Jahren geschluckt haben; und wenn man ihnen morgen mit verbindlichem Lächeln einen Strick um den Hals legte, dann würden sie sich wahrscheinlich ebenfalls mit dem namenlos traurigen Blick eines pensionierten Kettenhundes in das „Unvermeidliche“ fügen. D i e Hausfrauen aber, die nicht zu den „gutsituierten“ Kreisen zählen und die deshalb mit jedem „deutschen“ Pfennig rechnen müssen, werden nach dieser Verteuerung des wichtigsten Volksnahrungsmittels (die ja nicht die erste unter den lebensnotwendigen Dingen ist) noch sorgenvoller in die Zukunft blicken. Sie werden sich vielleicht all der schönen Reden und sonstigen Verlautbarungen entsinnen, in denen im Zusammenhang mit der Währungsreform gleich- bleibende Preise versprochen wurden, und mehr oder weniger erbittert die nüchterne Wirklichkeit damit vergleichen. Und wenn sie dann außerdem auf Schrift und Tritt feststellen, daß manche Waren, die der ausgepowerte Verbraucher dringend benötigt, schon wieder „sehr vorsichtig“ verkauft werden, dann braucht es wirklich niemanden zu wundern, wenn ihr Vertrauen zur neuen Währung sich so langsam in Wohlgefallen auflöst. „Nur“ zwei Pfennige? Man sollte diese Angelegenheit doch wohl nicht auf die leichte Achsel nehmen! Daß die Glimmstengel billiger werden sollen, hat uns aufrichtig gefreut; daß nun aber der Brotpreis dem Milchpreis folgt und nach oben klettert, wirkt einigermaßen grotesk. Vom Rauchen ist noch niemand satt geworden! (Aber vielleicht wird die Erleuchtung mancher Köpfe zu- flehmen, wenn sie künftig wieder mehr von dem geliebten blauen Dunste umwallt werden.) — Und vergessen Sie nicht: am 14. November ist Wahltag und damit Zahltag! Dann wird es um mehr als nur zwei Pfennige gehen. Das sollten auch unsere Hausfrauen bedenken! R. B. „Wahlen? Meinetwegen — aber ohne mich!“ Diese Auflassung hat es zu allen Zeiten ge- nichts verspricht. Aber dieses Konferenzein Sozialdemokratische Partei ’ SPD-Frauensektion Donnerstag, den 4. November, 15 Uhr, Stadtstraße 6, Vorstands- und Bezirksvertreterinnen- Sitzung. Um vollzähliges Erscheinen wird gebeten. Breisach. In einer öffentlichen Wahlversammlung am Sonntag, 7. November, 20 Uhr, im Gasthaus zum Eckartsberg spricht Genosse Kreisrat G o 11 s t e i n über die Gemeinderats- und Kreistagswahlen. Die Bevölkerung von Breisach ist herzlich eingeladen. Freie Aussprache. geben. Ja, in den Jahren vor 1933 war die Zahl derer, die so dachten, so groß, daß man sie, die sich zu keiner Partei bekennen wollten, als eine große Partei bezeichnen mußte. Und diese politisch Uninteressierten bildeten dann, als sie in ihrer Not durch billige Parolen geködert waren, mit die größte Partei, die Deutschland je gesehen hat. Und das Ergebnis ihrer billigen Politik sind die heutigen Zustände: ein von Soldaten aus aller Welt besetztes Land, in dem die politische Uneinigkeit über Ruinen und einem verarmten Volke ihre Peitsche schwingt. Heute ist die Partei der „Meinetwegen“ wieder zu einer Macht angewachsen, die gerade durch ihr Abseitsstehen für den Fortbestand unserer Notlage stimmt. Und das Bedauerlichste ist, daß gerade unter den eben erst wahlreif gewordenen jungen Menschen so viele Uninteressierte sind. NeulÄh sprach ich einen an. Handwerksgeselle ist er, 25 Jahre; im Kriege war er Funker, und einige Verletzungen hatte er auch. Natürlich ist er mit der heutigen wirtschaftlichen Lage unzufrieden. Er wünscht eine Besserung von ganzem Herzen. Er will sogar, das die Lösung am grünen Tisch geschieht, da er sich vom Kaputtschießen Warum bayerische Kartoffeln? Vom Badischen Landwirtschaftsministerium gelegten Umlagen abzuliefern seien; kein Be- hörten wir über das Radio, es kämen genügend Kartoffeln aus B a y e r n, so daß keine Knappheit zu befürchten sei. Bestürzt fragt man sich: warum müssen die Kartoffeln aus Bayern kommen und warum muß man etwa 7 DM dafür bezahlen? Warum kommen die Kartoffeln nicht aus Baden zu dem festgesetzten Preise von höchstens 6 DM? Wie ist es mit der Zusage des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes gegenüber den Gewerkschaften, daß die badische Landwirtschaft genügend Kartoffeln liefern würde, wenn man die Einfuhr der damals billiger angebotenen auswärtigen Kartoffeln sperren würde? Was hat die Berufsvertretung der badischen Landwirtschaft, der Landwirtschaftliche Hauptverband, getan, um seine Zusage in die Wirklichkeit umzusetzen Mit Spannung hat man zu der neuesten Nummer der .Landpost“ gegriffen; in dieser Zeitschrift für die Landwirtschaft hat der Hauptverband schon oft wichtige Mitteilungen an das Landvolk ergehen lassen. Man fragt sich, ob er nun die Landwirtschaft ermahnen werde, zu dem von ihm für sie gegebenen Versprechen zu stehen und die arbeitende Bevölkerung mit Kartoffeln zu versorgen? Welche Enttäuschung! Kein Wort davon in der neuesten Nummer, der Nummer 20! Wohl findet sich in einem Bericht über die landwirtschaftliche Ausstellung der Schweiz der Hinweis, daß der deutsche Arbeiter kaum das Nötigste zum Leben verdiene; Eber keine Mahnung an die Landwirtschaft zur Ablieferung, keine Aufklärung, daß nur die Rationierung aufgehoben sei, nicht aber die Bewirtschaftung, daß also die festmühen, die seinerzeit gegebene Zusage zu verwirklichen! Allerdings waren seit damals die Preise in der Bizone in die Höhe gegangen. Aber einsichtige Bauern in der Bodenseegegend haben Behördenvertretern gegenüber zugegeben, daß der Preis von C20 DM frei Waggon durchaus angemessen sei und der Teuerung der landwirtschaftlichen Bedarfsartikel Rechnung trage. In keiner Weise ist es zu rechtfertigen, wenn in hiesiger Gegend von der Landwirtschaft Überpreise gefordert werden, daß die vo n den Land- wirtschaftsämtem herausgegebenen Umlagen erfüllt werden müssen. Die Verbraucher in der Stadt, auch die Großverbraucher (Kliniken, Anstalten, Gaststätten), müssen darauf hingewiesen werden, daß aus Bayern nur bis Mitte November Kartoffeln verladen werden. Nur wer rechtzeitig bei einem Händler seinen noch ungedeckten Bedarf angibt, kann auf Belieferung rechnen. Mache sich niemand Illusionen darüber, daß der Groß- und Kleinhandel im Winter über Kartoffeln verfügen wird! Oder daß die Landwirtschaft bei der Fütterung sparsam sein wird, um im Frühjahr Kartoffeln in die Städte liefern zu können! Lieber jetzt jede verfügbare D-Mark dafür verwenden, die am üblichen Kartoffelvörrat noch fehlenden Zentner in den Keller zu bringen! Und wenn die „Bayern“ auch bis zu 7 DM kosten, so hat man an ihnen andererseits bedeutend weniger Abfall; Sortierung und Qualität sind viel besser als bei den Vor- jshrskartoffeln. W. R. , ohne Ende und ohne Ergebnisse hängt ihm zum Halse heraus. Er kann beim besten Willen keinen Geschmack an der gegenwärtigen Politik finden, die er im großen und kleinen nur als eine Fortführung des Krieges mit anderen Mitteln sieht. Und dann kramte er aus. „Ich habe mich in den Soldatenklamotten nie wohl gefühlt. Nie habe ich am Kriegspielen eine Freude gehabt. Denn die Völker, deren Städte und Dörfer wir zerschossen und deren Felder wir zertrampelten, waren auch Menschen wie wir. Und zu keiner Stunde konnte ich glauben, daß all dies dem Frieden und dem Glück der Menschen dienen könnte, wie damals gesagt wurde. Aber ich hatte eine Hoffnung. Nämlich daß der Krieg einmal ein Ende nehmen und dann Vernunft einkehren würde. Daß dann das wahr werde, was ich so viele Abende heimlich in der „Stimme Amerikas“ am Funkgerät gehört habe. Damals haben sie aber nichts davon gesagt, daß wir Jahre lang nach dem Kriege als Gefangene mit leerem Magen schwerste Arbeit leisten müssen und, wenn man endlich heimkommt, ein Entnazifizierungsgesetz neuen Zwist und neues Mißtrauen ins Volk trägt. Nichts war zu hören von Demontage, Geldab- Wertung und Bevormundung. Da hieß es: ,Unser Kampf gilt dem Naziregime. Dem deutschen Volke aber werden wir alle Lebensmöglichkeiten gewähren, die ihm als Kulturvolk in einer demokratischen Welt zustehen.' Und heute? Deshalb sage ich zu den Wahlen: deinetwegen — aber ohne mich!“ “ Ich habe dazu genickt. Warum sollte ich nicht? Denn so ganz unrecht hat er nicht. Nur setzte ich hinter mein Nicken noch die Frage: „Und jetzt bist du der Meinung, daß alles von ganz allein besser wird, wenn du und viele andere Enttäuschte trotzig beiseitestehen?“ Nach einer Weile meinte er: „Nein, das glaube ich nicht. Aber was haben unsere Parteien schon getan?“ Ich sagte: „Zumindest haben sie all das, was du mir eben geklagt hast, denen, die es angeht, schon vorgehalten, sie zur Vernunft und an ihre Pflichten ermahnt. Das werden sie auch weiter tun, weil sie dazu da sind. Aber das Wort der Parteien hat kein Gewicht, wenn die Wahlen ergeben, daß nur ein halbes und zersplittertes Volk hinter ihnen steht. Wohl aber, wenn ein Volk restlos und ganz besonders die Schaffenden durch eine mächtige Partei dokumentieren, daß sie nur in einer ehrlichen und verantwortungsvollen Politik den Ausweg aus all den Sorgen cehen, die Sieger und Besiegte seit Jahren Tag und Nacht bedrücken. Und dieses Dokument stellt man nicht durch Schimpfen im Abseits aus, sondern indem man seinen Stimmzettel in die Urne gibt!“ „Na schön!“ meinte da mein junger Zeitgenosse, „ich will mir's nochmals überlegen!“ Wir gaben uns die Hand, worauf er nachdenklich davonging. Hoffentlich werden er und viele andere es sich gründlich überlegen, ob sie ihr Leben vorübergehen lassen wollen, ohne den Versuch gemacht zu haben, wenigstens bei den Wahlen ein Wörtlein zur (Gestaltung ihres Daseins mitzureden. Lg, Erde, sondern sogar unseres ganzen Sonnensystems erkennen. Wie bescheiden müssen wir kleine Menschlein angesichts der Unendlichkeit von Zeit und Kaum sein, und doch dünken sich viele so wichtig, weil sie von alldem Unberührt Ihren kleinlichen Interessen nachlaufen! Genosse Matt schnitt in der Diskussion die Frage des Versuches und der Möglichkeit, mittels Raketen den Mond zu erreichen, an und fand damit ebenfalls allgemeines Interesse. — Nach der Beantwortung verschiedener Anfragen gab Gen. Schumacher noch einen ausführlichen Bericht über die Bezirksund HausverwalteavTagung auf dem Küferhäusle, die in ernster Arbeit Interne Naturfreundeangelegenhelten behandelte. Gen. Lang gab die Neueintritte bekannt, wobei er die neuen Mitglieder herzlich willkommen hieß und sie ermahnte, eifrige, aktive und aufrechte Naturfreunde zu werden. Zum Schluß wies der Versammlungsleiter, Gen. S e e h , auf den am 22. November stattfindenden Steinauer-Licht- blldervortrag im Hörsaal I der Universität hin. Ferner lobte er den familiären Geist, der diese Versammlung beherrschte und der die Voraussetzung für eine fruchtbringende und fortschrittliche Gemeinschaftsleistung ist. K. S. Hier spridit der Leser l Kinderreichtum und soziale Frage Wenn heute namentlich im Zusammenhang mit der unsozialen Währungsreform, die vor allem dis alten Rentner um ihre letzten Ersparnisse gebracht hat, verstärkt die Anklage erschallt, daß der Kapitalismus wieder einmal die Ärmsten der Armen über den Löffel halbiert hat, so sollte man dabei nicht vergessen, daß hier die Bilanz des „Dritten Reiches“ erschreckend in Erscheinung tritt. Gleichzeitig aber taucht die Frage auf, wie sich der arbeitende deutsche Mensch gegen seine fortschreitende Verelendung wehren kann. Etwa dadurch, daß er zum Staatskapitalismus überläuft und Kommunist wird? Das würde zweifellos nur ein Weg vom Regen in die Traufe sein. Wäre es statt dessen nicht richtiger, daß der Arbeiter, der nichts mehr als das, was er täglich mit seinen Händen verdient, besitzt, künftig weniger Kinder in die Welt setzte? Kämen wir damit der Lösung der sozialen Frage nicht wenigstens einen Schritt näher? Entschließt sich der Schaffende jedoch nicht zu dieser Lösung, so soll er auch nicht klagen und sich nicht mit leeren Protesten begnügen, sondern er muß dann eben noch mehr als bislang arbeiten, um sich und seine Familie durchzubrmgen. Der vom Nationalsozialismus aus sehr durchsichtigen Gründen immer wieder gepredigte Kinderreichtum jedenfalls hat das soziale Elend des deutschen Volkes nur vergrößert und würde, wenn man dieser verhängnisvollen Parole weiter in aller Welt folgte, die Gefahr kriegerischer Verwicklungen nur noch vergrößern. F. T. Kleine Stadtnachrichten Das Bertoldsgymnasium — so heißen seit kurzem die seit 1945 vereinigten beiden Freiburger humanistischen Gymnasien — weihte am Allerseelentage ln einer schlichten Schulfeier eine Ehrentafel für seine im zweiten Weltkriege gefallenen und vermißten 160 Lehrer und Schüler, 78 vom früheren Bertolds- und 82 vom ehemaligen Friedrichs- gymnasium. Am 4 . November, 20.15 Uhr, spricht Ministerialrat Dr. Happenecker auf Veranlassung der Volkshochschule im Hörsaal 5 der Universität über „Mitbestimmung — Mitverantwortung“. Am 6. November, 20 Uhr, liest Hans Schreiber. Heidelberg, im Hörsaal 5 der Universität aus den Werken Hermann Hesses. Die Laiengruppe der Volkshochschule veranstaltet am 6. November, 19.20 Uhr. im Maria-Hllf-Saal einen Lustspielabend mit Carlo Goldonis „Der Diener zweier Herren“ und Ludwig Thomas „Die kleinen Verwandten". Der Männergesangverein Freiburg-Herdern führt am 7. November einen Liederabend durdv Seite k> — Nummer 100 Donnerstag, 4. November 1948 Satl3eß Das Meisterwerk Robert Gerwigs Schwarzwaldbahn feiert ihr 75. Jubiläum Am 1. November 1873 ist durch die Eröffnung der 52,6 Kilometer langen, schwierigsten und wichtigsten Reststrecke Hausach—Villingen die berühmte badische Schwarzwaldbahn Ofienburg— Hausach—Villingen—Donaueschingen—Immendin- g ea —Singen mit einer Gesamtlänge von 149,1 Kilometer vollendet worden. Es war die erste eigentliche Gebirgsbahn in Deutschland gewesen, weshalb ihr Bau seinerzeit überall größte Beachtung fand. Auch heute noch ist sie eine der bedeutendsten, wenn nicht die wichtigste Gebirgsbahn in Deutschland mit ihren zahllosen Tunnels, vor allem auch dem berühmten großen Kehrtunnel. Ihr Bau ist das Meisterwerk des am 2. Mai 1820 in Karlsruhe geborenen Baudirektors Georg Ger- w i g, der in verhältnismäßig jungen Jahren durch diese seine Schöpfung einer der bedeutendsten Eisenbahnbauer nicht nur Deutschlands geworden ist. Schon vor dem ersten Weltkrieg war der zweigleisige Ausbau dieser Hauptbahn ebenfalls vollendet worden. Die badische Rheintallinie hatte schon 1844 Offenburg und über Weil—Basel—Waldshut—-Singen im Jahre 1863 auch Konstanz erreicht. Zur Verkürzung der Verbindung von Mittelbaden, insbesondere auch der Landeshauptstadt, mit dem Seekreis wie vor allem zur Erschließung des ganzen mittleren Schwarzwaldes, der Baar, und des Hegaus für den Verkehr wurde anschließend von beiden Seiten aus mit dem Bau der Schwarzwaldbahn begonnen. Alle diese Gebiete wurden durch diese Eisenbahn, auch heute noch weitaus ihre wichtigste Strecke, erst recht erschlossen, vor allem auch für den Fremdenverkehr, der erst dadurch eine so große Bedeutung erlangen konnte. Sie ist zum Segen und zur Quelle des Wohlstandes für die ganze, einst so abgelegene Gegend geworden. Die Bedeutung der Schwarzwaldbahn für diesen weiten badischen Raum wie aber auch für den südwestlichen Teil Württembergs kann daher nicht leicht überschätzt werden. Schon am 2. Juli 1866 bzw. 6. September 1866 konnten die beiden ersten, noch wenig Schwierigkeiten bietenden Teilstrecken Offenburg—Hausach bzw. Singen—Engen dem öffentlichen Verkehr übergeben werden. Am 15. Juni 1868 erfolgte dann die Eröffnung der nächsten Teilstrecke Engen— Immendingen—Donaueschingen, die heute auch als Teil der wichtigen internationalen Nordsüdbahn Berlin—Würzburg—Stuttgart—Schweiz und Italien wie für den Durchgangsverkehr von München über Ulm nach Freiburg und Kolmar (und weiter nach Frankreich) große Bedeutung erlangt hat. Schließlich wurde am 16. August 1869 die weitere Teilstrecke Donaueschingen—Villingen in Betrieb genommen. Durch den deutsch-französischen Krieg 1870/71 wurde dann die Fertigstellung unserer Bahn nicht unwesentlich verzögert. So konnte das große Werk erst 1873 durch die Vollendung des restlichen Teils gekrönt werden. Wenn man auch nie erwarten konnte, daß die Schwarzwaldbahn für den internationalen Verkehr die Bedeutung erlangen würde, wie die Rheintallinie nach Basel, so muß man heute doch nur bedauernd feststellen, daß die einstigen großen Hoffnungen mindestens für den Verkehr nach der Ostschweiz als Zugangsbahn in Frage zu kommen, leider bitter enttäuscht wurden. Selbst das einstige wenigstens kurze Zeit im Sommer verkehrende Schnellzugpaar Frankfurt—Konstanz— Chur gehört nur noch der Vergangenheit an, hoffentlich nicht für immer. Im übrigen aber geht der Durchgangsverkehr auch in die Ostschweiz über Basel—Zürich oder durch Württemberg über Friedrichshafen, das durch die Erbauung der Bodenseegürtelbahn zu Anfang unseres Jahrhunderts den Durchgangsverkehr über Konstanz vollends ganz nach dort abgezogen hat. Ihre volle Bedeutung kann die Schwarzwaldbahn erst wieder durch die baldmöglichste, schon lang erörterte und vielbesprochene Elektrifizierung bekommen, für die sie sich wegen ihrer starken Steigungen ganz besonders eignet und wofür an und für sich das Schluchseewerk und die badischen Rheinwerke zur Verfügung stehen. Dadurch könnten nicht nur die im Vergleich mit den konkurrierenden Linien zu langen Fahrzeiten ganz erheblich verkürzt, sondern die ganzen Schönheiten einer Fahrt über die Schwarzwaldbahn erst voll erschlossen werden. Der Genuß würde nicht mehr durch den starken Rauch des Dampfbetriebs gestört. Möge dieser Wunsch wenigstens bis zum 100jährigen Bestehen unserer Bahn in Erfüllung gehen! H. O. H. Schriftsteller tagten Der „Verband südwestdeutscher Autoren“, die Organisation der in der französischen Zone lebenden Schriftsteller, hatte seine diesjährige Tagung vom 26. bis 29. Oktober nach Badenweiler verlegt. In zwei Tagen wurde ein reichhaltiges Arbeitsprogramm bewältigt. Es waren, im Gegensatz zu den Tagungen der deutschen Schriftsteller in Berlin 1947 und in der Paulskirche zu Frankfurt im Frühjahr 1948 wesentlich Fragen praktischer Natur, die den Kongreß beschäftigten: Verlagsvertrag, Honorarwesen, Hilfe für die geistig Schaffenden, Rtänd- funkfragen, Unterhaltungsroman und Kriminalliteratur, Verbandsfragen im engeren Sinn, Fragen, die aus der unmittelbaren wirtschaftlichen und sozialen Krise stammen und deutlich machten, daß auch ein so „ideologischer“ Arbeitskreis wie der der „Schreiber“ in die soziologischen Probleme der Gesellschaft sehr real eingespannt ist. Die Diskussionen waren unterbaut durch Referate von Dr. Blappert, Dr. Eberhard Meckel, Paul van der Hurk und anderen. Die große ideologische Problematik innerhalb der im weitesten Sinne politischen Existenz des Schriftstellers wurde in drei Vorträgen gestellt. Prof. Gert Buchheit sprach über „Die europäische Aufgabe der deutschen Dichtung“, und der Bericht des Vorsitzenden Heinrich Berl über die Paulskirchentagung umkreiste ebenfalls diese grundsätzlichen Fragestellungen. Berl warf die Frage auf, ob es überhaupt Der Sport in VfL Freiburg — SV Tübingen 3:0 Sehr gespannt war man in Freiburger Fußballkreisen auf das erste Auftreten des Zonenliganeulings Tübingen. Um es gleich vorweg zu sagen, die Gäste haben angenehm überrascht. Daß sie zu keinen Torerfolgen kamen, verdanken sie vor allem der Unentschlossenheit ihres Sturmes, in dem zwar einige sehr gute Techniker wirkten, der aber vor allem in Tornähe die nötige Durchschlagskraft vermissen ließ. Auf der anderen Seite hatten sie das Pech, auf einen in Hochform spielenden VfL zu stoßen. Sehr gefährlich und kurz entschlossen, wenn es ans Schießen ging, präsentierte sich diesmal die einheimische Fünferreihe. Eine stabile Abwehr leistete sichere Arbeit, und hier wäre vor allem D i e h 1 zu erwähnen, der eine ausgezeichnete Partie lieferte und wesentlich dazu beitrug, daß Tübingens gefährlichster Stürmer L u g e r sein Können nicht voll zur Entfaltung bringen konnte. Im Hinblick auf die Kämpfereigenschaften des VfL tippten wir in unserer Vorschau auf einen, wenn auch knappen Sieg der Einheimischen, denn, Tübingen war der Tabelle nach immerhin Favorit. Daß die Niederlage allerdings so klar ausfallen würde, hat man kaum erwartet. Auf der anderen Seite läßt sie aber keinen Rückschluß auf die Spielstärke der Mannschaft zu. Im Feldspiel waren die Gäste stellenweise dem VfL ebenbürtig und konnte vor allem durch schöne Flachpaßkombinationen gefallen. Auch zeigte Hienerwadel ein tadelloses Aufbauspiel. Auf Jeden Fall konnten die zirka 2500 Zuschauer mit den Leistungen beider Mannschaften zufrieden sein: Die Tore schossen: In der fünften Minute Ehret, in der 4*. Minute W. Tritschler durch Handelfmeter und kurz vor Schluß wiederum Ehret durch prächtigen Kopfstoß. Fünf Minuten vor Schluß mußte der sicher leitende Schiedsrichter W e c h 11 n , Brombach, den Tübinger Mittelstürmer Lug er wegen Beleidigung vom Platz weisen. noch eine Einheit des deutschen Geistes gebe und stellte fest, daß Berlin und Frankfurt die Fronten geklärt hätten — die Trennung bestehe nicht nur politisch, sondern auch geistig. Prof. Buchheit ließ in oft scharf zugespitzten Formulierungen diese Trennung deutlich werden, wenn er eine Ordnung durch Kultur und Recht forderte und der Moral der Macht die Macht der Moral gegenüberstellte, vor der Flucht ins Irrationale warnte und in einer antikapitalistisch-europäischen Gemeinschaft zugleich das deutsche Problem sah. Deutschland und Frankreich müßten die führende Rolle für eine Gemeinsamkeit im Geistigen übernehmen: eine Öffnung der Grenzen sei notwendig, sofort — morgen sei es vielleicht schon zu spät. In der Aussprache fiel die scharfe Gegenüberstellung Alfred Dublins auf, der davor warnte, die Aufgabe des Schriftstellers ideologisch zu überspannen. Es mag dies auch mit ein Beweggrund sein, welcher den von Dr. Ernst Barthel sehr weitspannend entwik- kelten Ideen über Goethe als Ausgangspunkt neuer Kultur und einer hiermit verbundenen Gründung der „Goethe-Akademien“ keinen sonderlichen Widerhall gab. R. Geha Der „Schnupfen“ im Betrieb Durch geringfügige Erkältungskrankheiten entsteht alljährlich ein großer Ausfall an Arbeitszeit. Eine amerikanische Statistik, die über das Personal einer großen Verwaltungsbehörde aufgestellt wurde, hat nun errechnet, daß von jährlich 29000 Krankheitstagen insgesamt 4000 — das sind fast 15 Prozent — einen ganz gewöhnlichen Schnupfen als Ursache hatten. Durchschnittlich verlor jeder Angestellte einen und jede Angestellte zwei Tage im Jahr durch die Erkältung „Schnupfen“. Das bedeutet für die Gesamtheit umgerechnet, daß den USA insgesamt 80 Millionen Arbeitstage — das ist ein ganzes Arbeitsjahr mit 250 000 Beschäftigten — durch eine derart banale Ursache verloren geht. Die deutsche arbeitende Bevölkerung zeigt, bedingt durch die jahrelange Unterernährung, noch eine besondere Anfälligkeit gegen jede Art von Infektionskrankheiten und wenn man darüber eine Statistik aufstellen würde, wäre der Prozentsatz sicherlich noch viel höher. Für den Kampf gegen den Schnupfen wurde jetzt in Amerika ein Forschungszentrum errichtet. der Heimat Fortuna Freiburg — VfL Freiburg 7:4 Vor zahlreichen Zuschauern lieferten sich die beiden Lokalrivalen einen erfreulich fairen Handballkampf, den Schiedsrichter Kabitzke, Lahr,sicher leitete. Beide Mannschaften begannen zurückhaltend und abtastend. Da jeder genau die Stärken und Schwächen des Gegners kannte, wollte keiner dem anderen eine Chance geben. Besonders gut wurde Mozer von E1 b e r s bewacht, so daß dieser gefährliche Strafwu-fspezialist nie richtig zum Zuge kam. Der Fortuna-Sturm zeigte diesmal eine erfreuliche Beweglichkeit und stellte die gegnerische Abwehr vor keine leichte Aufgabe. Daß das Spiel in der ersten Halbzeit nicht richtig in Fluß kommen wollte, zeigte die knappe 2:1-Führung der Fortunen, mit der die Seiten gewechselt wurden. Dann allerdings kam Schwung und Tempo in das Treffen. Beide Mannschaften spielten auf Sieg, und hierbei erwiesen sich die Fortunen als die Besseren. Obwohl der VfL einen energischen Zwischenspurt einlegte, mußte er sich beim Abpfiff mit 4:7 geschlagen bekennen. Vereinsnachrichten Im Verlauf ihrer gutbesuchten Generalversammlung im „Meyerhof“ wurde für die Skivereinigung Freiburg nach Verlesung des Geschäftsberichtes über das vergangene Geschäftsjahr der neue Vorstand wie folgt gewählt: 1. Vorstand: Pfeiffer, 2. Vorstand: Werner. Sportausschuß: Sabjetzki. Schriftführer und Festwart: Fassnacht. Kassierer: Nopp er. Hüttenwart Bärental: Fassnacht. Hüttenwart Zastler und Jugendwart: Hahn. Im Gasthaus „zur lieben Hand“ führt der Verein für Leibesübungen e. V. Freiburg, am l«. November um 20 Uhr seine Hauptversammlung durch, bei der u. a. auch die Vorstandschaft neu gewählt wird. Der junge Wein rollt Zur Zeit sind die Lastkraftwagen mit den großen Weinfässern eine alltägliche Ersehe!» nung auf den Straßen. Aus dem Markgräflerland und aus dem Kaiserstuhl kommt der „Neue“. Immer wieder fallen diese Wagen auf. Strohbuschen im Spundloch oder blumengeschmückte Gärpfeifen tun uns kund, daß schon ein Teil des 1948ers sich auf der Wanderschaft befindet. Nur noch ganz wenige Gefährte alter Tradition begegnen uns, fahren mit lustigem Schellengeläut, keckem Peitschenknallen und hartem Räderknarren den in großbauchige Fässer gefangenen Sonnenschein über Land. Sie aber und die ebenso selten gewordenen zünftigen und stilecht gekleideten Fuhrmänner erinnern an eine Zeit, da die Einholung des „Neuen“ viel poetischer war als heute. Da wurden die Fässer auf einem Wagen mit Ketten und Eichenprügeln festgemacht und die Spundlöcher mit schönen Herbstblumensträußen geschmückt. Die Geschirre der Pferde waren blankgewienert und ebenfalls mit Blumen und Bändern verziert. Meist hatten die Pferde des ersten Fuhrwerks noch einen Gurt mit harmonisch abgestimmten Glocken anhängen. Und es war eine Freude im Hasten des Verkehrs, ein schellenklingendes Drei- oder Viergespann mit „Neuem“ vorüberfahren, — eine Freude, die wohlgenährten Rosse, mit Blumen des Herbstes geziert, die schweren mit gefüllten Weinfässern beladenen Wagen durch di» Straßen ziehen zu sehen. Vorn auf dem improvisierten Bock hatte sich der Fuhrmann seinen Platz zurecht gemacht, der nach vorn gut mit Stricken abgegrenzt war. Und war man erst einmal auf der Landstraße, dann schlief man ruhig den Schlaf des Gerechten. Ein Transport dauerte immerhin, je nach der Entfernung, zwei bis drei Tage. Beim Füllen ging es sehr lustig zu. Es war Herbst in Oberbaden, am Kaiserstuhl und in der Markgrafschaft, und alle Gemüter waren froh gestimmt. Den Nachhauseweg suchten sich die Pferde häufig selbst, denn der Fuhrmann hatte nur ein Bedürfnis: zu schlafen und selig den Geist des „Neuen“ verrauschen zu lassen. Mit dem Aufkommen der Lastautos aber verlor, wie so vieles andere, auch die Einholung und der Transport des „Neuen“ den Reiz, und heute sind die Weintransporte, von ganz wenigen Ausnahmen, die aber immer noch beweisen, daß man da und dort alten, lieben Väterbrauch treu bewahrt, abgesehen, eine nüchterne, profane Angelegenheit. Aber diese Art hat auch ihren Vorteil. Der Transport mit dem Lastkraftwagen geschieht rascher, und der Verkehr ist ausgedehnter. Von weither sieht man die Transportwagen, mit Fässern beladen, auf den Landstraßen. Kennzeichen nicht nur badischer Bezirke und Kreise deuten uns an, wohin der „Neue“, der junge Wein, rollt. h. Südwestfunkklänge Donnerstag, 4. November: 14.15 Der Märchenonkel erzählt; 16.00 Nachmittagskonzert; 17.00 Zeit- scäiriftenscSrau; 19 00 Probleme der Zeit; 20.00 Bin Tanzabend; 21.30 Schlagerecho Nr. 1. Freitag, 5. November: 14.15 Barnabas von Geczy spielt: 16.00 Musikalische Teestunde; 16.30 Drei Kurzgeschichten; 19.00 Die Frau im Beruf und im öffentlichen Leben; 20.00 Von bürgerlicher Freiheit und Ehre, Hörfolga um Gottfried Keller; 21.30 Nebel im Weltall. Vom Freiburger Sender Wir hören am Donnerstag „Abraham a Santa Clara“ (18.35) und am Freitag „Mit der Palette unterm Erdboden“ (18.15) und „Treffpunkt Freiburg“ (18.45). Erziehungsberatung im Südwestftmk Alle 14 Tage wird am Donnerstagmorgen von 7.11 bis 7.30 Uhr im Frauenfunk des Südwestfunjfcs eine Erziehungsberatung durchgeführt. Die nächsten Sendungen finden am 4. und 18. November statt. Kurzschriftschreiben wird Ihnen nun zur Freude! Alle mit Schreibarbeit Beschäftigten: Kaufleute, Beamte, Angestellte, Handwerker, Studenten, Vorwärtsstrebende, Realschüler und gute Schüler der 6.. I. und 8. Klasse der Volksschule, lernen nun leicht, sicher und schnell nach Plan in Tages- und Abendkursen die Deutsche Einheilsstenografie. Nutzen Sie bitte das Winterhalbjahr gut autl Beginn: Anfang November STENOGRAFIE-FACHSCHULE EMMENOINGEN U n t e r ri c h t s r au m : Gasthaus Dreikönig Ellen Schmuck In GoM u. Silber od. Brillanten kauft Goldschmiede-Meister WILHELM NITTEL Freiburg I. Br. — Münsterplatz 28 (Eingang Buttergasse) Jetzt Freiburg I. Br. Große Sorten Kinder-Wintermäntel reine Wolle und ganz gefüttert 39 .-, 49 .-, 59 .-, 69 .-, 79 .- Täglich geöffnet 8.30-12.30 u. 14-18 Uhr Samstags durchgehend L Offene Stelle«» nst nur Uber das sust. 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