asmi f Samstag, 12. Februar 1949 1. Jahrgang / Nummer 18 FBKIBOBC III IltltGil Grsdwintuigstage Dienstag, Donnerstag. Samstag Einzelpreis 99 Pt ' Monatsbezogsprei» OM 9.— einsdiliefHid» Trägerlohn, durch die Post DM 2^0 Anzeigen laat Tarif gegen Kennkartesansweis OrSMm der SoxlaiclemoHratlsclieiai Partei Deutschlands laad Baden Herausgegeben vom Sozialistischen Verlag Frei hnr g. GmbH., Freiburg L Br., Kaieer-Joeeph-Str. 229, Fernruf Verbreitungsgebiet- Land Baden (Französische Zone)_ Geschäftsstellen und Vertretungen in allen Stöße en Nr. 28 16. Bankverbindungen: Oberrbeiaisc&e Bank, Freiburg i. Br., Freiburger Gewerbebank. eGmbH*. Orten. - Anzeigenpreisliste Nr. 6 - Gerichtsstand Frei bürg i Br. - Schriftleitung: Kurt wutds.. • v«riaB Freiburg-1. Br.: Öffentl Sparkasse Freiburg i. Br (Stadt Sparkasse) Postscfaecfc-Konto Freiburg t Br: Nr. 6078. leitung: Karl May; E. Bauermeister. - Drucfc: Universitätsdruckerei Poppen & Ortmann, irreiourg \ qt . Westeuropa und Amerika Acheson und Truman zu europäischen Problemen Washington, 11. 2. Im Verlaut einer Pressekonferenz betonte Staatssekretär Acheson erneut, daß jegliche Ungeduld von seiten der USA wegen der Langsamkeit des politischen und wirtschaftlichen Zusammenschlusses Europas dieser Vereinheitlichung nur schaden könne. Der Staatssekretär nteinte, es seien schon große Fortschritte erzielt worden, doch müsse jeder neue Schritt auf dem Wege zum Zusammenschluß Westeuropas von den europäischen Nationen selbst getan werden. Die amerikanische Regierung habe noch keine Stellungnahme der britischen und französischen Regierung zum Bericht des Humphrey-Ausschus- ses über die Ruhrindustrien erhalten. Bekanntlich bestand der Humphrey-Ausschuß darauf, daß einige für Reparationen vorgesehene Fabriken nicht demontiert würden. Acheson gab der Hoffnung Ausdruck, bald in der Lage zu sein, den zum Zweck einer Vorlage an die ECA revidierten Bericht des Humphrey-Ausschusses veröffentlichen und diese Frage klären zu können. Zum Miindszenty-Prozeß erklärte Acheson. das amerikanische Volk sei durch die Bedrohung, die ein Prozeß wie der gegen Kardinal Mindszenty für alle freien Völker darsteilt, auf äußerste entsetzt. Acheson stellte energisch in Abrede, daß der Ätlantikpakt, wie in der sowjetischen Note an Norwegen behauptet wird, aggressiven Zwek- ken diene und erklärte, daß das Bündnisprojekt der Atlantikländer durchaus im Sinne der Charta der Vereinten Nationen liege, deren Artikel 51 „regionale, individuelle und kollektive Vereinbarungen zur Sicherung des Friedens“ vorsieht. Auch Präsident Truman wandte sich vor der Presse in energischen Worten gegen die Verurteilung Kardinal Mindszentys, die er als eine Infamie bezeichnete. Sie bedeute „einen Schandfleck in der Geschichte der ungarischen Nation“.— Truman kam auch auf die Frage der Atomwaffen zu sprechen und erklärte, die Regierung der Vereinigten Staaten werde die Zahl der in ihrem Besitz befindlichen Atombomben nicht nennen „Nur Propagandamanöver“ Frankreich zu den Erklärungen Stalins Paris, 11. 2. In einem nach der Sitzung der 'Außenpolitischen Kommission der französischen Nationalversammlung veröffentlichten Kommunique heißt es, die Kommission stimme mit der Ansicht der britischen und amerikanischen Öffentlichkeit überein, daß die Stalin-Erklärung als eine propagandistische Kundgebung zu betrachten sei, durch die lediglich die Konstituierung Westeuropas verzögert und die Atlantikpaktverhandlungen gestört werden sollen. Lingham über die Demontagefrage Hannover, 11. 2. Der britische Zivilgouverneur von Niedersachsen, Brigadier John B. Lingham kündigte für die nächsten Tage eine amtlicke Erklärung über die Veränderungen der deutschen Westgrenze an. Hinsichtlich der Demontagen in Nieder- sachsen sei er jetzt mit. sehr weitgehenden Vollmachten ausgerüstet, um • ehemalige Rüstungsbetriebe friedlichen Zwecken zuzuführen, fuhr Lingham fori Fütr eine Freigabe ehemaliger Rüstungswerke sei jedoch Voraussetzung, daß ihm von deri zuständigen deutschen Industriellen Pläne für die Umwandlung dieser Gebäude vorgelegt würden und die Finanzierung gesichert sei. Konferenz mit Geneßal Koenig verschoben Baden-Baden, 11.2. Die für Donnerstag angesetzte Monatsbesprechung des französischen Oberkommandierenden, * General Koenig, mit den drei Länderchefs der französischen Zone, wurde auf den 14. FebrUar verschoben. Dritte Lesung des Grundgesetzes beendet Die erste Kammer heißt Volkstag, die zweite Bundesrat Bonn, 11. 2. Die dritte Lesung des Grundgesetzes im Hauptausschuß wurde am Donnerstagnachmittag beendet. Über/den weiteren Fortgang der Beratungen des Grundgesetzentwurfes wurde noch keine Entscheidung getroffen. Voraussichtlich wird die Vollversammlung bereite Mitte nächster Woche zusammentreten. In der Donnerstagsitzung kam es noch nicht zu einer Entscheidung über das Wahlgesetz. In den Abschnitten über das Finanzwesen und die Gerichtsbarkeit und Rechtspflege wurden im wesentlichen nur geringe sachliche und redaktionelle Änderungen beschlossen. Eine längere Debatte entstand über die Frage der Abschaffung der Todesstrafe, die von dem SPD-Abgeordneten Dr. Wagner erneut beantragt wurde, sowie über die Formulierung „Bundesrecht bricht Landesrecht“. Die Bestimmungen über das Notverord- Besatzungsstatut bleibt umstritten Frankreich gibt den Widerspruch nicht auf Paris, 11. 2. Wie in unterrichteten Kreisen der französischen Hauptstadt erklärt wird, trifft es nicht zu, daß Frankreich in den beiden wesentlichsten Punkten der Meinungsverschiedenheiten um das deuljsche Besatzungsstatut seine Haltung aufgegebem hat. Die Lösung, der sich Frankreich in der Frage der Besatzungskosten angeschlossen hat, nämlich die hieraus entstehenden Lasten durch die Bundesregierung auf die einzelnen Länder verteilen zu lassen, könne* nur solange gültig sein, bis die Finanzierung im Zuge der Ausarbeitung des Grundgesetzes endgültig zur Entscheidung kommen. Was die Frage des Schiedsgerichtshofs betreffe, der über Meinungsverschiedenheiten in der Anwendung des Besatzungsstatuts entscheiden soll, so sei Frankreich nach wie vor dagegen, daß Deutsche in diesem Organismus Sitz und Stimme haben sollen. Und Frankreich protestiert Paris, 11. 2. Mitteilungen maßgebender Stelle in Paris besteht, jetzt kein Zweifel, daß die französische Regierung mit dem Beschluß des Parlamentarischen Rates in Bonn, die westlichen Sektoren Beirlins als 12. Land in den jetzt im Entstehen begriffenen westdeutschen Bund anfzunehmen, nicht einverstanden ist und in dem Augenblick, wo defr Verfassungsentwurf den Alliierten zur Genehmigung unterbreitet werden wird, Protest ein- legen wird. Gegen Kastensystem der Beamten Berlin, 11. 2. In seinem Monatsbericht beschäftigt sich der amerikanische Militärgouverneur, General Clay, eingehend mit der Stellung des deutschen' Beamten. Er weist auf die Notwendigkeit hin, daß der Parlamentarischen Rat die im Entwurf des Grundgesetzes vorgesehenen Artikel über die Stellung des Regie- rungperäonals ängern müsse. Es seien einige Verbesserungsanträge notwendig, um das Grundgesetz mit den Prinzipien in Einklang zu bringen, die dem Parlamentarischen Rat von den Militärgouverneuren zugeleitet wurden. Bereits nach Beendigung der ersten Lesung vor dem Hauptausschuß des Parlamentarischen Rates sei die Absicht der Delegierten erkennbar geworden, das traditionelle Kasten- syi-teia im deutschen Beamtenwesen beizubehalten. Clay weist in diesem Zusammenhang auf die Tatsache hin, daß bis auf acht Delegierte, alle Angehörigen des Parlamentarischen Rates selbst Beamtenstellen bekleiden. nungsrecht wurden wiederholt lebhaft kritisiert. Unter besonderer Spannung entstand eine längere Debatte über eine Übergangsbestimmung, die sich mit der Schul- verfassung befaßt. Soweit nämlich am 1. Januar 1949 in einem Land eine landesgesetzliche Regelung in Kraft ist, die mit den Grundsätzen dqr Grundrechte in Einklang steht, kann diese Landesregelung in Kraft bleiben. Diese Bestimmung flat besondere Bedeutung für Bremen, wo durch Landesgesetz ein überkonfessioneller Religionsunterricht eingeführt worden ist. Sie wird auch für Berlin Bedeutung gewinnen und für Hessen und S ü d - baden, weil in diesen Ländern die Verfassung abweichende Bestimmungen über das Schulwesen enthält. Nachdem die Zurückverweisung dieser Bestimmungen an den Fünfer- ausschuß abgelehnt worden war, wurde sie schließlich mit 11 Stimmen der SPD und FDP gegen 6 Stimmen der CDU/CSU angenommen. Nach einer neu aufgenommenen Bestimmung werden die Besatzungskosten und sämtliche inneren und äußeren Kriegsfolgelasten grundsätzlich vom Bund getragen. Mit 12 zu 7 Stimmen beschloß der Hauptausschuß, die erste Kammer der künftigen Bundesregierung, die bisher den vorläufigen Namen Bundestag führte, als Volkstag zu bezeichnen. Für die zweite Kammer wird die Bezeichnung Bundesrat beibehalten. (Es waren u. a. die Bezeichnungen Volkskammer und Länderkammer vorgeschlagen worden.) Ein Antrag der Deutschen Partei, die Bezeichnung Reichstag beizubehalten, wurde mit allen gegen die Stimme des Antragstellers abgelehnt. Bayern für Volksabstimmung München, 11. L Die bayerische Staatskanzlei befürwortet eine Volksabstimmung über das Bonner Grundgesetz, da die Zusammensetzung des bayerischen Landtages oft zu Kritik Anlaß gebe und die SPD ein Volksbegehren zur Auflösung des Landtages plane. Konferenz der Länderchefs eröffnet Die Demontagefrage steht im Mittelpunkt der Beratungen Reuter bei Schuman und der FIO Paris, 11. 2. Am Donnerstag empfing Außenminister Schuman den Oberbürgermeister von Berlin, Reuter. Aus dem über die Begegnung herausgegebenen Kommunique geht hervor, daß Professor Reuter Gelegenheit hatte, mit dem französischen Außenminister eingehend über alle Fragen zu sprechen, die heute der Bevölkerung in den westlichen Sektoren in Berlin am Herzen liegen und ganz besonders über die Frage des künftigen Statuts von Berlin Außenminister Schuman versickerte den Berliner Oberbürgermeister des Verständnisses und der Sympathie seitens der französischen Bevölkerung für die besonders schwierige Lage Berlins. Die hierzu vom Berliner Oberbürgermeister vorge- hrachten Wünsche und Anregungen würden Gegenstand einer diplomatischen Fühlungnahme zwischen den Alliierten bilden. Vor seiner Abreise, nach Frankfurt erklärte Reuter, die drei wesentlichen Punkte seiner Besprechung mit Schuman und Francois-Roncet seien das Statut Berlins, der eventuelle Anschluß der früheren deutschen Hauptstadt an einen zukünftigen westdeutschen Bundesstaat und die Möglichkeiten einer Währungsregelung in Berlin gewesen. Am Donnerstagnachmittag wurde Reuter im Zentralbüro der Sozialistischen Partei empfangen. Nach Begrüßung des Gastes erklärte Salo- mon Grumbach, man könne Europa ohne Hilfe eines demokratischen Deutschlands nicht aufbauen. Die französischen Sozialisten wür-, den alle Bemühungen machen, um dieses ZieF zu erreichen. Reuter erklärte zu seiner Besprechung mit Robert Schuman, er habe bei diesem viel Verständnis gefunden. ..Die Berliner Bevölkerung“, so fuhr Reuter fort, „ist dem russischen Volk durchaus nicht feindlich gesinnt, aber mit den sowjetischen ßesatzungsmethoden können wir uns niemals einverstanden erklären. Wir wollen nicht, daß sich im Westen efln deutscher Staat bildet, der mit Dollarhilfe ein besseres Leben führen kann und sich nicht darum kümmert, was östlich der Elbe vorgeht.“ Reuter betonte, Schuman habe in Gegenwart von Francois-Poncet erklärt, er lege nicht seinen persönlichen Standpunkt, sondern die offizielle Ansicht der französischen Regierung dai\ wenn er sage: „Wir wollen ein einheitliches Deutschland und bitten Sie, dies Ihrer Berliner Bevölkerung mitzuteilen.“ Hamburg, 11. 2. Die erste gemeinsame Konferenz der Ministerpräsidenten der drei Westzonen und des Oberbürgermeisters von Berlin im Jahre 1949 wurde am Freitag im Hamburger Rathaus von Oberbürgermeister Max Brauer als Gastgeber eröffnet. Oberbürgermeister Brauer wies auf die Be deutung des Jahres 1949 für Deutschland hin, bedauerte, daß diese Konferenz nicht eine Konferenz aller deutschen Länder sei und erklärte, in der Ostzone habe Hitler auch heute noch gesiegt. Nur die Vorzeichen seien verändert. Aber der Tag werde kommen, an dem auch die deutschen Brüder im Osten in Freiheit sich mit allen deutschen Ländern zu einem neuen Bund zusammenflnden würden. In diesem Sinne müsse man auch in dem ganzen Geschehen im Westen nichts anderes als eine Vorbereitung für die Wiedererrichtung eines deutschen Gesamtstaates sehen. Brauer gab der Ansicht Ausdruck, daß wenigstens Westdeutschland noch in diesem Jahr wieder als Staat in den Kreis der europäischen Völker aufgenommen werde. Er forderte dann die Rückkehr aller Kriegsgefangenen und appellierte an das Gewissen der Welt in dieser Frage Unter besonderer Würdigung der Marshall- Hilfe und unter Hinweis auf die Währungsreform erklärte Brauer, die heutigen Rationen seien noch keineswegs ausreichend, und ein Mindestsatz von 2500 Kalorien müsse als Ziel der westdeutschen Ernährungspolitik angestrebt werden. Brauer forderte die Einstellung Gandhis Mörder zium Tode verurteilt Ist Begnadigung wahrscheinlich? Neu-Delhi, 11. 12. In dem Prozeß gegen die Mörder Gandhis wurde das Urteil verkündet. Der Hauptangeklagte, der Mörder G o d s e , bekannte sich in allen Punkten der Anklage als schuldig und erklärte, daß er nicht um Nachsicht bitte. Der zum Tode verurteilte Godse ist Mitglied eines Geheimbundes, dessen Dogma der Glaube an die Überlegenheit-der Hindus ist. Nach der Urteilsverkündung rief ei aus: „Es gibt noch gerechtere Mächte als die indische Justiz.“ Der zweite Hauptangeklagte, ein politischer Agitator der äußersten Rechten, der 65jährige Doktor Savarkar, wurde mangels an Beweisen freigesprochen. ^ * Der wegen Beteiligung am Mord angeklagte Apte wurde ebenfalls zum Tode verurteilt. Fünf weitere Angeklagte, von denen sich keiner schuldig bekannte, darunter auch der (einigere Bruder Godses, der Offizier der indischen Armee war, wurden zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt. Nach dem englischen Rechtsbrauch, der auch in Indien gilt, werden die Verurteilten „gehängt, bis der Tod eintritt“. Es ist möglich, (daß der Generalgouvemeur. den Grundsätzen (Gandhis Rechnung tragend, vom Recht der 'Begnadigung der beiden zum Tod Verurteilten Gebrauch machen wird, wenn das Todesurteil (bestätigt wird. der Demontagen und eine Herabsetzung der Besatzungskosten. Die in Bonn erzielten Fortschritte begrüßte der Hamburger Oberbürgermeister, er gab jedoch zu bedenken, daß Besatzungsstatut und Bonner Grundgesetz „zweierlei Dinge“ seien. Aus den Schlußworten Brauers ging hervor, daß die Demontagefrage mit an erster Stelle bei den Hamburger Beratungen steht. Ebenso wird dem Problem der Schiffahrt ein breiter Raum eingeräumt werden. Schließlich bekannte sich Brauer zum Gedanken der Europa-Union und bezeichnete „Wohlfahrt, Friede -und Freiheit“ als das unverrückbare Ziel, das erreicht werden müsse. Beisetzung Dr. Heinrich Köhlers Karlsruhe, 11.2. Unter starker Beteiligung der Bevölkerung fanden am Mittwoch die Beisetzungsfeierlichkeiten für den verstorbenen Finanzminister und badischen Landesbezirkspräsidenten Dr. Heinrich Köhler statt. Nach dem Pontifikalrequiem, das der Freiburger Erzbischof Dr. W. Rauch zelebrierte, sprach im Namen der Staatsregierung von Württemberg- Baden Ministerpräsident Dr. Reinfiold Maier einen letzten Gruß an den Toten. Im Namen der badischen Landesverwaltung erklärte’ Landesdirektor Gustav Zimmermann, der Südweststaat werde das Vermächtnis dieser markanten politischen Persönlichkeit aus Berufung und Begabung sein. Landtagspräsidept Wilhelm Keil, der südbadische Staatspräsident Leo Wohieb und Oberbürgermeister Friedrich Topper, Karlsruhe, würdigten die Verdienste des Verstorbenen. ' Die Trauerfeier in Radolfzell Radolfzell, 11.2. Die Stadt Radolfzell stand am Mittwoch im Zeichen der Trauerfeierlichkeiten für die Opfer des Omnibusunglücks-von Döggingen. Landtagspräsident Dr. Person hielt die Trauerrede, in der er der leidgeprüften Stadt als Sprecher des Badischen Landtages und im Auftrag des badischen Volkes, der Regierung sowie im Namen des Staatspräsidenten seine Teilnahme aussprach. Gouverneur Noel, Konstanz, erklärte als Sprecher der französischen Militärregierung, er sei gekommen, um im Auftrag von General Koenig, Gouverneur Pene und allen französischen Besatzungsangehörigen das Beileid auszusprechen. Seite 2 — Nummer 18 Samstag, VL Februar »49 Gruppen, Cliquen, Kreise Von gut unterrichteter Seite wird uns geschrieben: Bei der Gründungstagung der „Deutschen Union“ in Braunschweig war es besonders interessant, daß einige der maßgeblichen Hintermänner nicht in Erscheinung traten und sich auch bisher noch ganz im Hintergrund halten. Sie sitzen in jenen zahlreichen politischen „Kreisen“, in denen sich die „innere Emigration nach 1945“ zu sammeln und aktiv zu werden beginnt. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang der Kreis um „Christ und Welt“ in Stuttgart, der aus der in Flensburg aus ehemaligen Marineoffizieren, Beamten des früheren Auswärtigen Amtes und sogenannten Nationalrevolutionären zusammengestellten politischen Abteilung des Evangelischen Hilfswerks entstanden ist. Dieser Kreis fühlt sich gewissermaßen als Traditionsträger des „un- erlösten Reiches“, dessen letzte Regierung in Flensburg verhaftet wurde. Inspirator ist Karl Gerstenmaier, Oberkonsi- storialrat, Leiter des Evangelischen Hilfswerks, der vorzügliche Beziehungen nach den Vereinigten Staaten unterhält und die, übrigens nur religiöse Lizenz für seine mehr und mehr politische Zeitschrift unter Umgehung der örtlichen amerikanischen Dienststellen direkt aus Berlin bezog. Chefredakteur des Blattes, das mit einer Auflage von 70 000 die Unterstützungsgelder des Hilfswerks jetzt nicht mehr nötig hat, ist ein ehemaliger deutscher Diplomat in den Vereinigten Staaten 'namens Hepp, der seinerzeit enge Beziehungen zum nazistischen „Bund“ und dessen berüchtigtem Führer Fritz Kuhn unterhielt. Sein Stellvertreter ist der in gleicher Eigenschaft bei den seinerzeitigen „Münchener Neuesten Nachrichten“ als engster Mitarbeiter Giselher Wirsings bekannte Dr. Wolfgang Höpker. Beide stammen aus dem „nationalrevolutionären“ „Tat-Kreis“, der einmal eng mit Otto Strasser zusammenarbeitete und der politische Arm der Freikorps gewesen ist. Höpker war zudem ein Mitarbeiter des Volksgruppenforschers Max Hildebert Böhm, der heute im Pressedienst für undoktrinäre Politik schreibt. Die Gruppe um „Christ und Welt“ ist politisch außerordentlich aktiv und wird in letzter Zeit auch in Kreisen der Ruhrindustrie stärker beachtet. Im Hintergrund dieser neuen Kreise spielt auch Klaus Mehnert eine wichtige Rolle. Mehnert selber wird in Kürze in Ulm mit Hausleiter, der nur eine Vordergrundsfigur in diesen Dingen zu sein scheint, über die Fusion des St. Goarer und ähnlicher Kreise mit der Deutschen Union verhandeln. Eine weitere, wenn auch weniger wichtige Gruppe dieser Art ist der „Humboldt-Bund“ in Freiburg, der unter Leitung des Forstmeisters Üxküll aus dem Baltikum eine 300 Seiten umfassende Programmschrift ausgearbeitet hat. Nennenswert ist ferner die „Fichte-Gesellschaft“, die zunächst noch wenig Profil hat, und der „Nauheimer Kreis“ um den Würzburger Neugeschichtler' Prof. Noack, der zumindest personell mit „Christ und Welt“ Berührungspunkte hat. Schließlich muß der „Freideutsche Kreis“ beobachtet werden — Höpker gehört dazu — in dem sich zur Zeit heftige Auseinandersetzungen zwischen dem Hamburger Geschäftsführer Werner Kindt und Erich Lüth abspielen. All diesen Gruppen ist gemeinsam, daß sie mit der in Bonn geplanten Form der deutschen Demokratie nicht einverstanden sind. Ohne daß bisher im Konstruktiven ein klares Programm erarbeitet worden ist, spielen ständige Ideen in der Diskussion eine besondere Rolle, ebenso wie der soziale Gedanke — aus opportunistischen und leichtverständlichen Gründen — auffallend betont wird. Auch glauben diese Kreise, daß es möglich ist, eine Art aufgewärmter Rapallo-Politik zu betreiben. Man vergißt dabei nur, daß diese Politik nur für ein schwaches Rußland sinnvoll war. Es wäre falsch, alle diese Kreise einfach mit dem Stempel „Nazismus" abzufertigen. So einfach liegen die Dinge nicht. Unter ihnen befinden sich auch eine Anzahl von Männern, die fraglos den Nationalismus bekämpft • haben. Aber es wird hier eine .Synthese zwischen Demokratie, das heißt zwischen Toleranz, Recht und Teilnahme des Volkes an der Politik mit dem versucht, was man in gewissen Kreisen auch heute noch als die „guten und fruchtbaren Vorstellungen des Nationalismus? bezeichnet. Jedenfalls wird es überaus wichtig - sein, diese politischen Kräfte auch weiterhin aufmerksam zu verfolgen. Vorläufig erscheint noch keineswegs sicher, weder im Positiven, noch im Negativen, was daraus einmal entstehen wird. I Alliierte unter deutscher Verwaltung? Ein Plan für die alliierten Zivilisten der britischen Zone Berlin, 11.2. In einem Memorandum des Hauptquartiers der britischen Rheinarmee wurde erklärt, daß es die Politik des britischen Militärgouverneurs sei, alle alliierten Zivilisten in der britischen Zone in das deutsche Wirtschaftsleben einzugliedem, sobald sich dies praktisch durchführen lasse. Ein entsprechender britischer Plan soll den Amerikanern und dem britischen Außenamt unterbreitet werden. Der Plan sieht vor, daß — bis auf bestimmte Gruppen, die weiter Besatzungssonderrechte genießen sollen — alle alliierten Zivilisten nicht länger dfer Verwaltung der britischen Militärregierung, sondern der deutschen Verwaltung unterstellt werden. Dies würde sowohl die Ernährungs- und Wohnungsfrage sowie die Rechtsprechung als auch alle übrigen Verwaltungszweige betreffen. Eine Entscheidung über difsen Plan ist bisher noch nicht gefällt worden. Die Militärregierung erklärte dazu, mit der Verwirklichung dieses Projektes sei kaum vor Ende des Jahres zu rechnen. Wieder Menschenraub in Berlin Berlin, 11.2. Das Berliner Polizeipräsidium gibt einen neuen Fall von Menschenraub bekannt. Der Journalist Hermann Hinze, der angeblich für westdeutsche Blätter arbeitete, wurde aus der Wohnung eines Hermann Ehlert in Frohnau entführt. Blutspuren und die Überreste einer Kanüle lassen auf Zwangsverschleppung schließen. Die Täter, unter ihnen Ehlert, sind flüchtig. 25 Jahre Arbeitserziehungslager Berlin, 11.2. Wie die „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ bekanntgab, ;wurde der seinerzeit unter falschen Angaben in den Sowjetsektor gelockte und verhaftete Journalist Dieter Friede vom Obersten Militärgericht der sowjetischen Militärverwaltung zu 25 Jahren Arbeitserziehungslager verurteilt. Friede hatte ein angebliches Geständnis abgelegt, in englischem und amerikanischem Auftrag Spionage getrieben zu haben. G. Zimmermann Landespräsident Karlsruhe, 11. 2. Der württembergisdi-badische Ministerpräsident Dr. Maier hat den bisherigen stellvertretenden Landespräsidenten, Gustav Zimmermann, mit der Leitung des badischen Landespräsidiums beauftragt. Zu seinem Stellvertreter wurde der Leiter der Landesdirektion der Finanzen, Präsident Dr. Karl Amend, ernannt. Gustav Zimmermann war nach 1918 Redakteur der sozialdemokratischen „Volksstimme", Seit der Vereinigung von Württemberg-Baden war er wieder stellvertretender Vorsitzender der SPD in Baden, ein Amt, das er bereits von 1919 bis 1933 innehatte. Zimmermann ist Mitglied des Landtages und Mitglied des Parlamentarischen Rates in Bonn. Keine Einigung über Österreich Die erste Sitzung über den umstrittenen Staatsvertag London, Konferenz 11. 2. Nach der ersten Sitzung der Uber den österreichischen Staatsvertrag hatten die Beobachter den Eindruck, daß sämtliche Delegationen auf der Stellungnahme beharren, die sie bei der letzten Konferenz im Mai vergangenen Jahres eingenommen haben. Die Erörterung der strittigen Artikel — die Artikel, über die eine Einigung erzielt wordefi war, standen nicht mehr zur Debatte — dauerte kaum länger als 20 Minuten, und die Delegierten trennten sich wieder, ohne Österreich und Jugoslawien offiziell zur Auseinandersetzung ihrer Standpunkte aufgefordert zu haben. Dänemark für Defensivunion Kopenhagen, 11. 2. In einer ausführlichen Rede vor dem dänischen Parlament erklärte Außenminister Gustav Rasmussen am Mittwoch: „Unsere Politik muß Dänemark vor allem Frieden, Freiheit und Unabhängigkeit sickern.“ „Wir machen uns keine Illusionen über unsere militärische Stärke“, führte der Minister aus, „Dänemarks natürlicher Charakter, seine geographische Lage, die zahlenmäßig schwache Bevölkerung und das Fehlen von Rohstoffen, erschweren seine Verteidigung wesentlich. Unsere nordischen Nachbarn haben da in vielfacher Hinsicht eine sehr viel günstigere Position. Nach Ansicht der dänischen Regierung ist eine auf gegenseitiger Verpflichtung aufgebaute interskandinavische Defensiv-Union mit der Möglichkeit, von den Westmächten das erforderliche Kriegsmaterial zu erhalten, jedoch ohne die -Übernahme von Verpflichtungen anderen Mächten gegenüber, nicht nur die beste Lösung für das Problem der Sicherheit im Norden, sondern auch ein Mittel, um die internationale Lage zu entspannen. Uneinige Holländer Holländisches Kabinett zur Indonesienfrage Den Haag, 11. 2. Die außerordentliche Sitzung des holländischen Kabinetts, die eine Einigung der Minister in der Indonesienfrage herbeiführen sollte, fand ihren Abschluß, ohne daß ein positives Ergebnis zu verzeichnen gewesen wäre. . . Ein Teil der katholischen Minister 'ist bereu, die von den Niederlanden ausgeübte Souveränität auf die Republik der Vereinigt«, Staaten von Indonesien zu übertragen und die Beziehungen zwischen Holland und dem indonesischen Bundes* Staat vertraglich zu regeln. Der andere Teibder katholischen Minister lehnt eine schnelle Übertragung der Souveränität an den indonesisch«» Bundesstaat ab und möchte che Beziehungen zwischen den beiden Ländern verfassungsmäßig und nicht vertraglich geregelt wissen. Mit Stahlplatten gesichert Berlin, 11.2. Durch eine Sprengung mit flüs* siger Luft wurde die gesamte Vorderfront der ehemaligen Reichskanzlei niedergelegt Der Balkon, auf dem Hitler die Huldigungen der Volksmenge entgegenzunehmen pflegte, war innen mit starken Stahlplatten gesichert gewesen. Neue Fettausgabe in Aussicht Freiburg, 11. 2. Entgegen verschiedenen Gerüchten, die im Anschluß an die Ausgabe dei Schmalzes an die badische Bevölkerung verbreitet wurden, teilt das Badische Ministerium der Landwirtschaft und Ernährung mit, daß die erste Fettrate für Februar im Laufe der kommenden Woche aufgerufen wird. Unrichtig ist also die Behauptung, daß mit der Schmalzausgabe die weitere Fettbelieferung der Bevölkerung vorläufig beendet sei. Das Ministerium ist im Gegenteil bemüht, die durch eine Verschleppung der Anfuhr aus dem Ausland eingetretene Verzögerung der Fettausgabe möglichst bald auszugleichen. Die Rationen für Februar Freiburg, 11.2. Wie das Badische Ministerium der' Landwirtschaft und Ernährung mitteilt, werden in der 46. Zuteilungsperiode für di« Zeit vom 1. bis 28. Februar 1949 dieselben Lebensmittelmengen wie im Januar ausgegeben. Auch die Fettration bleibt voll erhalten. Auch die Frauen fordern ihre Rechte Der Zentralausschuß für Frauenfragen bei der SPD befaßte sich auf seiner letzten Tagung in Iserlohn mit dem auch heute noch nicht entschiedenen Kampf der Gleichberechtigung der Frau im Staate. In einer Resolution des Ausschusses wird die Befriedigung zum Ausdruck gebracht, daß die SPD im Parlamentarischen Rat zu Bonn den Antrag stellte, in die Grundrechte den Satz: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ aufzunehmen. Die SPD ist die einzige . große deutsche Partei, die sich vorbehaltlos für die Gleichberechtigung der Frau einsetzt. In einer zweiten Entschließung erklärt der Zentralausschuß, daß die SPD der Meinung ist, daß jeder Mensch, ganz gleich ob Mann oder Frau, das Recht auf Arbeit hat. Durch den ungeheueren Frauenüberschuß ist die Be- Revolution in der Redaktion der „Neuen Zeitung“ In Zukunft betont amerikanische Ausrichtung - Zwölf deutsche Redakteure scheiden aus München, 11.2. Zwölf Redakteure sind aus der Redaktion der „Neuen Zeitung“ ausgeschieden. Einem von ihnen war gekündigt worden, und zwar wegen seiner nationalistischen Haltung. Die anderen vollzogen ihren Schritt von sich aus. Einige von ihnen betonen, daß sie zwar die von amerikanischer Seite gegen die „Neue Zeitung“ erhobenen Vorwürfe des Nationalismus in manchen Punkten für berechtigt halten, daß ihr Ausscheiden aber nicht im Zusammenhang mit diesen Vorwürfen stehe. Sie hätten vielmehr ihren Schritt als Antinationa- listen unternommen, da sich nach den neuesten amerikanischen Verfügungen die Tätigkeit der deutschen Redakteure auf „reine Briefträgerdienste? zwischen den Deutschen und der amerikanischen Leitung beschränkt. Die „Neue Zeitung wird in Zukunft — wie das 1945 bereits vorgesehen war — nur die Wiedergabe der „offiziellen“ Ansichten der amerikanischen Militärregierung gestatten, deutsche Redakteure dürfen nicht mehr kommentieren. Eine Reihe von amerikanischen Journalisten ersetzen die deutschen Redakteure. Es wird Die Aussichten für ein Versorgungsgesetz Der südbadische Entwurf erstrebt Verbesserung der Leistungen Freiburg, 11.2. Nachdem in Rheinland-Pfalz ein Landesversorgungsgesetz für die Opfer des Krieges von der französischen Militärregierung genehmigt wurde, dessen Inhalt sich im wesentlichen an das ehemalige Reichsversorgungsgesetz anlehnt und gegenüber den KB-Leistungs- gesetzen der Doppelzone einen erheblichen Fortschritt sowohl in der Höhe der Leistungen als auch in der Anspruchsberechtigung bringt, strebt der Verband der Körperbeschädigten, Arbeitsinvaliden und Hinterbliebenen für Baden eine ähnliche Versorgungsgesetzgebung an. Nach dem südbadischen Entwurf soll neben der üblichen Rentenzahlung je nach der Minderung der Erwerbsfähigkeit bei Personen, die zur Bestreitung des Lebensunterhaltes ausschließlich auf die Rente angewiesen sind, die Zahlung einer Zusatzrente möglich sein. In der Hinterbliebenenversorgung soll ein Anspruch auf eine bestimmte Rente ohne Prüfung der Bedürftigkeit bei Witwen und Waisen gewährleistet werden. Auch hier ist «tne Zusatzrente im Falle eines besonderen Bedürfnisses vorgesehen. Id dem südbadiscben Entwurf tat auch der Gedanke der Gewährung einer Kapitalabfindung wieder aufgegriffen, um den Kriegsbeschädigten die Beteiligung am Woh- nungs- und Siedlungsbau zu ermöglichen. Das Hauptgewicht legt der südbadische Entwurf jedoch auf die Berufs- und Heilfür- sorge, um auf diese Weise den Kriegsbeschädigten die Wege in eine sichere Existenz zu bahnen. Hierzu ist es erforderlich, daß die vorhandenen Umschulimgsmöglichkeiten erhalten und weiter ausgebaut werden. Der Entwurf sieht des weiteren als Berufungsinstanz für versorgungsrechtliche Streitfälle die Wiedererrichtung der Versorgungsgerichte bei den Oberversicherungsämtern vor. Die Wirkung der Gegenblockade München, 11.2. Die seit Montag bestehende Gegenblockade gegen die .Ostzone verursachte eine Stauung von Fahrzeugen an der bayerischsowjetischen Zonengrenze. Die mit Transitgütern beladenen Fahrzeuge stammen zum größten Teil aus der Schweiz, aus Frankreich, Belgien und Holland. ein dreiköpfiger Kontrollausschuß bei der „Neuen Zeitung“ gebildet, der die verantwortliche Überwachung darüber übernimmt, daß die Zeitung eine „amtliche Zeitung der amerikanischen Militärregierung^ bleibt. Die „Neue Zeitung“ soll eine Auflage von 538 000 Exemplaren haben. rufsarbeit für Millionen Frauen lebensnot* wendig geworden. Darum verlangt die SPD von allen Unternehmern, allen städtischen und staatlichen Behörden, daß etwa notwendig werdende Entlassungen nicht automatisch nur die Frauen betreffen. Der Zentralausschuß fordert die Vertreter der SPD in den Gemeinde-, Stadt- und Länderpariamenten und im Wirtschaftsrat auf, sich zusammen mit den Gewerkschaften energisch gegen alle Maßnahmen zur Wehr zu setzen, die einseitig die Frauen be- lsstsn Des weiteren verlangt der Zentralausschuß von allen verantwortlichen Stellen, daß bei der Planung vonNeub au wohnungen die Erfordernisse rationeller Haushaltführung berücksichtigt werden. So sehr auch die finanzielle Lage der Gemeinden und Länder Einsparungen notwendig macht und sie zwingt, mit den vorhandenen Mitteln hauszuhalten, dürfen sie doch nicht auf Kosten einer modernen Bauweise erfolgen. Das Interesse aller Hausfrauen und vor allem aller berufstätigen Frauen verlangt die Beachtung rationeller Haushaltführung bei allen Neubauwohnungen. Die sozialdemokratischen Vertreter in den verschiedenen Parlamenten werden aüfgefordert, bei Wohnbauplanungen diese berechtigten Forderungen zu beachten und die Frauen bei der Besetzung der Baukommissionen entsprechend zu berücksichtigen. Sowjetischer Attentatsplan gegen Hitler? Enthüllungen eines ehemaligen Moskauer Agenten Unwetter über Norddeutschland Lausanne, 11. 2. (PDB). Ein Alexander F o o t e veröffentlicht in der „Gazette de Lausanne“ Enthüllungen über seine Tätigkeit als jahrelanger kommunistischer Agent in Westeuropa, wO er in Deutschland und später in der Schweiz im Rahmen einer raffiniert ausgeklügelten Ge- helmorganisation tätig war. Wie weit die Ausfüllungen Footes der Wahrheit entsprechen, ist leider nicht nackzuprüfen. 1939 hielt Foote sich auftragsgemäß in München auf. Hier erhielt er den Besuch eines in Frankfurt eingesetzten Sowjetagenten, der dort die Tätigkeit der IG-Farben zu überwachen hatte. Über diesen Mittelsmann erhielt ’ er Kenntnis von einem „Projekt Hitler“, und es wurde ihm befohlen, ein Attentat vorzubereiten. Eine günstige Gelegenheit wurde sehr schnell ausgemacht: Hitler aß häufig in einem Münchner Restaurant zu Mittag, wo Jhm in einem Sonderzimmer das Essen serviert wurde. Der Raum war nur durch eine dünne Holzwand von einem Gang getrennt, wo die Kleiderablage eingerichtet war. Es sollte nun hier eine Höllenmaschine in einer Aktentasche abgegeben werden, und nach der Angabe Footes hätte das Attentat den erwarteten Ausgang nehmen müssen, da die Voraussetzungen — anders als bei dem Anschlag Staufenbergs 1944, wo die Holzwände der Baracke die Wirkung der Explosion stark minderten — Wegen der festen Steinmauern sehr günstig gewesen seien. — Ein anderer Anschlag war früher schon gegen einen deutschen Zeppelin geplant, wo eine mit Explosivstoff gefüllte Zigar-etten- schachtel, die ein Passagier „vergessen“ sollte, zur Auslösung einer Stichflamme vorgesehen war. Die Pläne waren nach Footes Angaben schon sehr weit gediehen, als der deutsch-russische Vertrag im August 1939 den Vorbereitungen ein Ende setzte: es wurden sofort sämtliche Agenten Moskaus aus Deutschland zurückberufen. Berlin, 11. 2. Der in Berlin am Donnerstag herrschende Sturm, der eine Stundengescfowindig- keit von 110 Kilometer erreichte, führte zu zahl* reichen Ruineneinstürzen, bei denen bisher zwei Personen getötet und sieben verletzt wurden. —* Die Lultbrückenversorgung wurde trotz des Sturmes aufrechferhalten. - Durch den starken Sturm wurde, der Sendeturm des Landessenders Schwerin niedergerissen. In Hamburg mußte die Feuerwehr 3Ö0 Hilfeleistungseinsätze durchführen. Fast .sämtliche Kek ler der Hamburger Altstadt standen unter Wasser. Bisher wurde ein Todesopfer gemeldet Was macht das Wetter? Bei einer zur Zeit eintretenden Verflachung de* Luftdruckgegensätze über Mitteleuropa bleibt dal. Wetter auch über das Wochenende hinaus trocken. Ausläufer atlantischer Störungen werden - lediglich im Wolkenfeld zeitweilig in Erscheinung treten. Wetieraussi chten: Schwach windig, trocken., anfangs heiter, später aueh zeitweise neblig oder leicht bewölkt, -nachts leichter bis mäßiger FrtsV Temperaturen meist über null Grad. -- —• Schneemeldungen: Grad, 65 cm Schnee, stellenweise Peldberg: — 7 Grad, 65 Pulver, Sport sehr gut, Schauinsland: — 6 Grad, 40 cm Schnee, stellenweise Pulver, Sport sehr gut, Kandel: — 6 Grad, 50 cm Schnee, stellenweise Pulver, Sport sehr gut, Altglashütten: — 6 Grad, 20 cm Schnee, stellenweise Pulver, Sport sehr gut, Todtnauberg: — 5 Grad, 40 cm Schnee, stellenweise . Pulver, Sport sehr gut, St. Märgen: — 5 Grad, 20 cm Schnee, stellenweise Pulver Sport sehr gut, Hinterzarten: — 10 Grad, 20 cm Schnee stellenweise Pulver, Sport sehr gut, Belchen: — 7 Grad, 55 cm Schnee, stellenweise Pulver, Sport sehr gut. §anstajg, 12 Februar 1949 BasXHoöt Nummer 18 — Seite 3 Wohnungsneubau und Lastenausgleich Eine Stellungnahme des Verbandes badischer Wohnungsunternehmen Wird der Wein bald billiger? Das Weinangebot der französischen Südzone — -Ausländische Konkurrenz sten in DM-Ost: Ein Paar Wiener Würstchen 9,85 DM; zwei Spiegeleier mit Speck 13,50 DM; Rührei mit Schinken 14,65 DM; ein Kotelett 15,90 DM; ein Roastbeef 13,10 DM; ein Hasenbraten 22,50 DM. Eine 80-Millionen-DollarSchiebung Hamburg, 11. 2. Waren, wie Zigaretten, Kaffee, Tee und Tabak im Werte von 80 Millionen Dollar sollen unter Umgehung der Zollgesetze in der Hauptsache aus der Schweiz und Belgien in die britische Zone, besonders nach Hamburg, verschoben worden sein. Die Schmuggelaffäre wird als die größte nach dem Kriege bezeichnet. Wie Südena in Hamburg erfährt, sollen auch Personen in der französischen Zone maßgeblich an diesen Schiebungen beteiligt sein. Während man in Südbaden und Süd Württemberg vor der Währungsreform kaum Wein erstehen konnte, machen sich jetzt die Winzergenossenschaften dieser Gebiete Sorgen um den künftigen Absatz. Zwar hat die Reblaus, deren Bekämpfung nicht im wünschenswerten Umfange durchgeführt werden konnte, in den letzten Jahren einen ständig wachsenden Teil der Traubenernte zerstört. Andererseits jedoch nehmen Export und Besatzungsmacht nur noch einen Bruchteil dessen in Anspruch, was sie während der letzten Jahre von der südwestdeutschen Weinernte forderten, so daß die reichen Erträge der letzten guten Weinjahre zum großen Teil dem innerdeutschen Verbrauch zur Verfügung stehen. In den letzten Monaten konnte der angebotene badische und württembergische Wein Vorarbeiten für GewerkschaftszusammenschluO Tagung der Eisenbahneigewerkschaft der französischen Zone Freiburg, 11. 2. Der Beirat des Verbandes, badischer Wohnungsunternehmen e. V. in Freiburg beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung in Weil a. Rh. vor allem mit Fragen des Wohnungsneubaues und des Lastenausgleiches. Der Verbandsbeirat faßte folgende Entschließung: Die gemeinnützigen Wohnungsunternehmen Baden haben bereits in größerem Umfange Wohnungsbauprogramme aufgestellt. Zur Durchführung dieser Wohnungsbauprogramme, vor allem zur Erreichung einer sozial tragbaren Miete erwarten die gemeinnützigen Wohnungsunternehmen weitgehende Unterstützung durch die badische Regierung. Mit großem Bedauern mußte der Verbandsbeirat feststellen, daß wm Lande Baden noch keinerlei Mittel für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung gestellt wurden, während in fast sämtlichen anderen Ländern der Westzone, auch in Nordrhein-Westfalen, teilweise erhebliche Beträge aus Haushaltmitteln zur Förderung des sozialen Wohnungsbaues bereitgestellt wurden. Um ein Wohnungsbauprogramm selbst in becheidenejn Umfange durchführen zu können, fordert der Verbandsbeirat von der badischen Regierung die sofortige Bereitstellung von Haushaltmitteln zur Förderung des sozialen Wohnungsbaues. Der Verbandsbeirat hält die Vorlage eines Gesetzes zur Sicherung von Forderungen für den Lastenausgleich zur Erfassung der Hypothekenabwertungsgewinne für nicht erforderlich. Mit der Verkündigung des Lastenaus- gteichgesetzes und der Durchführungsverordnung wäre ein solches Gesetz überflüssig geworden. Die Erfahrungen mit diesem Gesetz in der Doppelzone zeigen, daß eine schwierige Rechtskonstruktion aufgebaut würde, ohne daß hierfür in erhöhtem Ausmaße Gelder zufließen. Die baldige Verkündung des Lastenausgleichgesetzes würde vom Verband badischer Wohnungsunternehmen begrüßt werden. Westgrundbesitz im Osten beschlagnahmt Berlin, 11. 2. In der gesamten Ostzone wurde der Besitz an größeren Grundstücken aller Art, der sich im Eigentum von Bewohnern der Westsektoren Berlins oder der Doppelzone befindet, beschlagnahmt und den Gemeinden sowie den Städten in vorläufige Treuhandverwaltung übergeben. Wenn sich diese Maßnahme, die Ende Januar vorläufig abgeschlossen wurde, auch vorerst nur auf größere Grundstücke von Gesellschaften und Privatpersonen bezieht, so wird doch angenommen, daß die Aktion zu gegebener Zeit auf den gesamten Grundbesitz der erwähnten Eigentümer ausgedehnt wird. Hasenbraten 22.50 DM-Ost Berlin, 11. 2. In den „Freien Restaurants“ des Ostsektors von Berlin sind die Preise für freie Gerichte festgesetzt worden. Danach koBad‘ Münster, 11. 2. Der Landesvorstand und der Beirat der Eisenbahnergewerkschaft der französischen Zone befaßte sich in Bad Münster am Stein mit Vorbereitungsarbeiten zum trizonalen Zusammenschluß des Eisenbahnerverbandes. Die Vorarbeiten sollen soweit vorangetrieben werden, daß unmittelbar nach Genehmigung durch die Militärregierung der Zusammenschluß erfolgen kann. Nach einer Besprechung mit der Militärregierung in Mainz will der Bundesvorstand und der Beirat des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes der französischen Zone am 11. Februar in Bad Münster am Stein zu den Ergebnissen der Verhandlungen Stellung nehmen und einen Bericht über die bisher geleisteten Vorarbeiten über die Vereinigungsbestrebungen geben. London, 11. 2. Der britische Außenminister Bevin erklärte im Unterhaus, England habe nichts gegen ein Wiederaufleben der deutschen Industrie und die Wiederaufnahme ihrer Ausfuhr einzuwenden, falls beides in anständiger Weise geschehe. In das JBesatzungssta^tut würde eine Klausel zur Vermeidung unlauteren Wettbewerbs auf genommen werden, und die internationalen Behörden für das Ruhrgebiet würden Sondervollmachten für Kohle, Koks und Stahl erhalten, um unlautere Machenschaften zu verhindern. Deutsche Ausfuhr muß rasch ansteigen London, 11. 2. „Die deutsche Ausfuhr muß in den nächsten Jahren rasch ansteigen, damit Faisciigeidnoten-Umiauf stark gestiegen Frankfurt, 11. 2. Über 1348 falsche Banknoten zu 1, 5, 20, 50 und 100 DM wurden nach einer amtlichen Verlautbarung der Militärregierung für Hessen im Laufe des Januars in Hessen ermittelt. Dies bedeutet gegenüber dem Dezember 1948 eine Zunahme um 450 Prozent. Druck neuer 5-DM-Noten in London Frankfurt, 11. 2. Neue 5-DM-Noten, die zum ersten Male Unterschriften tragen, werden in London gedruckt werden. Die neuen Nöten, deren Entwurf von deutschen Künstlern stammt, werden voraussichtlich in vier bis fünf Monaten ausgegeben werden. Deutschland sein wirtschaftliches Gleichgewicht wieder finden kann und nicht mehr eine Belastung für die Vereinigten Staaten und für Großbritannien darstellt“, erklärte der britische Handelsminister Harold Wilson im britischen Unterhaus. Ferner sagte der Handelsminister, es gäbe zur Zeit keinen unlauteren deutschen Wettbewerb. Die wenigen Vorteile der deutschen Exporteure infolge der Währungsreform würden bald ganz verschwinden. Die deutsche Konkurrenz mache sich jetzt und in Zukunft in folgenden Industriezweigen bemerkbar: Chemie, Schiffbau, Feinmechanik und gewisse Zweige der Metallindustrie und der Elektroindustrie. auch noch ohne Schwierigkeiten abgesetzt werden. Der Aufkäufer aus Norddeutschland wurde bei den itebbauern zu einer bekannten Erscheinung, dessen überhöhte Angebote zu dem Emporschnellen der Preise nicht wenig beigetragen haben. Wieder ausländische Konkurrenz Der Weinhandel glaubt jedoch nicht an eine Fortdauer dieser günstigen Entwicklung. Zwar konnte die Lager- und Versandfähigkeit der Weine aus der französischen Südzone dank der Tätigkeit der staatlichen Weinbauinstitute erheblich verbessert werden; aber die natürlichen Abnehmer bleiben doch die im Norden angrenzenden badischen und württembergi- schen Industriegebiete, welche die durch eine vorübergehende Nachfrage aus anderen Teilen Deutschlands künstlich emporgetriebenen Preise nicht lange zahlen, sondern sich entweder den Pfalz-, Mosel- und Rheinweinen der französischen Nordzone oder anderen billigen alkoholischen Getränken zuwenden werden. Außerdem taucht in der Doppelzone wieder die ausländische, insbesondere französische Konkurrenz auf, die dort kürzlich eine verzweigte Gesellschaft gründete. Es ist mit Verbilligungen zu rechnen Erinnerungen an Großaktionen, wie Wein- werbewochen und Patenweinaktionen, die einst notwendig waren, um der Absatzkrise entgegenzutreten, sind in der französischen Südzone noch so frisch, daß auch dies die Winzergenossenschaften zu einer Politik der angemessenen Preise bewegen wird und daher mit Verbilligungen schon in Kürze zu rechnen sein dürfte. Preisangleichung ab I.März? Frankfurt, 11. 2. Das Zweizonenkontrollamt hat dem Zweizonenverwaltungsrat mitgeteilt, daß eine Verschiebung des Termins für die Anpassung der Preise für Lebensmittelimporte an die Weltmarktpreise bis zum Beginn des neuen Erntejahres nicht möglich sei. Die bi- zonalen Stellen werden gebeten, dem Zwei- mjichtekontrollamt "entsprechende Vorschläge für die Überbrückung von Schwierigkeiten bei der Einführung der Preisangleichung am 1. März zu machen. Deutscher Gegenvorschlag Frankfurt, 11. 2. Zur Herbeiführung einer einheitlichen deutschen Stellungnahme zu der von den Militärregierungen befohlenen Einführung des 30-Cent-Kurses für Lebensmitteleinfuhren (Vgl. „Das Volk“ Nr. 12 vom 29. 1.) und Ausarbeitung eines deutschen Gegenvorschlages finden zur Zeit bei der Verwaltung für Wirtschaft Besprechungen mit Sachverständigen, Abgeordneten und den zuständige^ Verwaltungen statt. Bevin zur deutschen Exportkonkurrenz Das Besatzungsstatut enthält Bestimmungen gegen unlauteren Wettbewerb Was bringt der Sonntag ? Fußball Süddeutsche Oberliga: Kickers Olfenbach gegen Schwaben Augsburg (3:0), V1K Mannheim — FC Schweinfurt (0:3),; VfB Stuttgart — SV Waldhof (3:2), VfB Mühlburg — 1. FC Rödelheim (5:1), Bayern München — Eintracht Frankfurt (1:4), FSV Frankfurt — 1. FC Nürnberg (1:2), TSG Ulm 4 — Kickers Stuttgart (1:6), BC Augsburg — 1860 München (1:2). Westdeutsche Oberliga: Borussia Dortmund gegen Spfr Katernberg (1:1), Rot-Weiß Oberhausen — Fortuna Düsseldorf (3:1), Rhenania Würselen — Preußen Münster (1:2), Spvg Erkenschwick — Alemannia Aachen (1:0), Vohwinkel 08 — Horst Emscher (2:2), FC Schalke — Hamborn 07 (1:4). Norddeutsche Oberliga: FC St. Pauli — Bremerhaven 93 (0:3), Eimsbüttel — VfL Osnabrück (1:6), Werder Bremen — TSV Braunschweig (2:3), Güttingen — Bremer SV (1:2). Zonenllga Nord: Gonsenheim — Weisenau (1:7) Worms — Mainz (4:1), Oppau — Neustadt (1:2), FK Immer mehr befassen sich Deutschlands illustrierte Zeitschriften mit Themen rund um den Sport und nehmen das Gebiet der Leibesübungen mitunter von ganz anderem Standpunkt unter die Lupe, als es die fachmäßigen Sportblätter beim Anfall des so wichtigen aktuellen Sports tun können. Eine gute Idee hatte die Hamburger Illustrierte „Constanze“, als sie Frauen bekannter deutscher Sportler befragte, ob ihr als Sportsmann berühmter Lebenskamerad auch ein idealer Gatte und Familienvater sein könne. Die Antworten sind so interessant, daß sie einer breiten Öffentlichkeit nicht vorenthalten sein sollen. Gertrud Warning: „Es Ist nicht immer leicht!' - Die Frau des Fußballtorwarts Warning vom HSV, Gertrud Warning, schüttet ihr Herz wie folgt aus: „Es ist nicht immer leicht, mit einem Sportler verheiratet zu sein. Die eigenen Wünsche müssen oft unerfüllt bleiben. Natürlich ist es für mich schmerzlich, fast jedes Wochenende allein mit meinen drei Jungens zu verleben. Aber dafür ist die Zeit, in der mein Mann zu Hause ist, auch doppelt schön. Dann gibt es für ihn kein Entrinnen, dann gehört er den Kindern und — auch mir. Sonst aber habe Ich keine Ahnung vom Sport, da wir uns nicht im Sport, sondern auf unserer Dienststelle kennenlernten. Von meinem Mann weiß ich gerade, daß er Torwart beim HSV ist, daß der Ball rund ist und daß zu einer Mannschaft elf Spieler gehören. Mein Mann sagt immer, es ist ganz gut so, denn wenn die Frau auch noch am Sonntag auf dem Pirmasens — Andernach (5:2), Ludwigshafen—Neuendorf (0:2), Trier Kürenz — Eintracht Trier (1:2) Zonenliga Süd: SV Rastatt — SV Tübingen (0:0), Spv Offenburg — VfL Konstanz (3:8), Fortuna Freiburg — Eintracht Singen (2:2), VfL Schwenningen — VfL Freiburg (0:1). Landesliga: Stockach — St. Georgen, Gutach gegen Rheinfelden, Engen — Baden-Baden. y Pokalspiele: ASV Villingen — SV Emmendingen, Blumberg — Schopfheim. Handball Zonenliga Süd: Fortuna Freiburg — Brombach, Schutterwald — Zähringen, Lörrach — Hauingen, Teningen — Offenburg, VfL Freiburg — Lahr. Ringen Blau-Weiß Freiburg — Sportfr. St. Georgen-Frei- burg, 14.30 Uhr, Turnhalle Freiburg-Haslach, Wald- kirch — Vörstetten, 17 Uhr, Turnhalle Waldkirch. Wintersport Deutsche Skimeisterschaften in Isny. Sportplatz sein würde, dann würde er überhaupt nichts zu essen bekommen. Aber meine Buben: alle drei sind wie der Papa, schon jetzt rennen sie — Sie können sich meine Begeisterung vorstellen — hinter dem Ball her.“ Franziska ten Hoff: „Ich bin zufrieden!'* Die junge Frau unseres deutschen Schwergewichtsmeisters Hein ten Hoff, die mit Zuversicht auf Die im Rahmen der großen Wintersportwochen ln Garmisch durchgeführten deutschen Meisterschaften im Bobfahren erbrachten einmal mehr den Beweis, daß die Elite unserer Bobfahrer durchaus zur Weltklasse gerechnet werden darf. Exweltmeister Hans Kilian mit seiner Mannschaft konnte trotz eines großartig gefahrenen Rennpns nur mit *;ioo Sekunden Vorsprung den Schlitten seines Klubkameraden Andreas Ostler auf den zweiten Platz verweisen. Auch der Innsbrucker Schlitten mit Dr. Loserth fuhr eine ausgezeichnete Zeit und blieb mit 4 ,ioo Sekunden hinter Ostler. Kilian erschien wieder mit seiner kompletten Mannschaft, und zwar Franz Kemser an der Bremse, Dr. Windhaus und Hans Schmidt. Im ersten Rennen fuhr er mit 1.16.15 Minuten auf der durch den Föhneinbruch weichgewordenen Bahn die schnellste Zeit neueste Nachrichten aus Amerika wartet, stellte fest: „Ich bin mit der Wahl meines Mannes zufrieden. Mein Vater ist der langjährige Manager meines Mannes und damit auch die Ursache unseres Kennenlernens. Als wir heirateten, war ich noch nicht 17 Jahre alt, so daß also jetzt mein Sohn den Vorteil einer sehr jungen Mutti hat. Da mein Hein sehr kinderlieb ist, kann ich auch heute schon Voraussagen, daß unser Stammhalter in bezug auf, seinen Vater genau so wenig zu kurz kommen wird, wie ich bisher in meiner Ehe. Alles in allem darf ich bestätigen, daß ein berühmter Sportsmann durchaus ein idealer Gatte und Familienvater sein kann.“ Erika Stöck: ,Wir sind eine Trainings- gemeinschaft!“ Die energische Frau unseres Olympiasiegers im Speerwerfen, Gerhard Stöck, erklärt: „Bei mir geht es immer contra-contra in der Ehe. Ich bin selbst Sportlerin und mein Prinzip, den Mann zu betreuen und ihn auch auf die großen Sportfeste zu begleiten, scheint mir richtig zu sein. Nicht zu Hause sitzen als Mauerblümchen und oen Mann vermissen, sondern als bestes Mittel dagegen: Mitgehen und den Rummel mitmachen! Man bekommt schließlich selbst Interesse. Ganz schön ist es immer, wenn er mal methodische und pädagogische Anwandlungen bekommt, die ganze Familie (den 5jährigen Gerhard, die 7jährige Jutta und die 9jährige Irmgard und mich) mit auf den Sportplatz schleift und sie „trainiert“. Dann sind wir alles in allem eine Trainingsgemeinschaft, die wirklich ernst genommen sein möchte.“ Lieschen Sietas: „Ich kann meinen Mann vom Sport nicht trennen!'* Die Gattin des vielfachen deutschen Meisters Erwin Sietas meint: „Heiratet nur dann einen Sportler, wenn ihr auch selber Freude am Sport habt. Ich kann meinen Mann vom Sport nicht trennen. des Tages, dicht gefolgt von Andreas Ostler, Dr. Loserth und dem Nürnberger Bergmeier. Im zweiten Lauf war Ostler der schnellste und Kilian der als Letzter startete und dadurch die ungünstigsten Bahnverhältnisse vorfand, nur Dritter. Mit insgesamt 2.33.52 Minuten wurde Kilian deutscher Meister im Viererbob 1949. Bei den am Mittwoch durchgeführten Meisterschaften im Zweierbob re nnen wurde Kilian mit seinem Bremser Franz Kemser geschlagen. Sein Klubkamerad Hans Winkler mit Wackerl als Bremser siegte in der hervorragenden Gesamtzeit von 2.38.81 Minuten vor Kilian und Ostler. Während dieser Rennen wurde der Bahnrekord des Schweizers Feierabend zweimal unterboten. Für das kommende Wochenende richtet sich der Blick der Wintersportler nach Isny, wo der Kampf um den Aus der Heimat Freiburg boxt wieder Die Anhänger des Boxsportes in Freiburg haben sich, da die Neugründung einzelner Vereine nicht gestattet ist, in der Boxabteilung des ASV Freiburg zusammengeschlossen Die bis jetzt eingegangenen Meldungen beweisen ein reges Interesse der Freiburger Boxjugend. Auch die altbekannten Größen der Freiburger Faustkämpfer haben sich wieder zur Verfügung gestellt. Wir können also hoffen, bald spannende Kämpfe im Ring zu sehen. Von den starken Märinern Zu einem spannenden Kampf im Ringen um die Kreismeisterschaft kommt es am Sonntag in Haslach, wo sich die Mannschaften von Blau-Weiß Freiburg und Freiburg-St. Georgen gegenüberstehen. Die Vereine werden, da es bei diesem Kampf um die Tabellenführung geht, alles daransetzen, den Kampf für sich zu entscheiden. St. Georgen konnte letzten Sonntag 5:3 über Kuhbach erfolgreich bleiben, während Blau-Weiß mit dem gleichen Ergebnis den ÄSV Freiburg schlug. In Waldkirch tritt zum erstenmal die Mannschaft von Vörstetten auf die Matte. Man darf gespannt sein, wie sich die jungen Ringer einführen werden. In der Goethe-Halle des Gasthauses „zum Fuchsen“, Emmendingen, findet ein Mannschaftsringkampf zwischen Emmendingen und Freiburg-Herdern statt. Auch die Kämpfe gelten als Verbandskämpfe. Veranstaltungen Die Schwerathletikabteilung der Sporte freunde Freiburg, die im vergangenen Monat gegründet wurde hält ihre Übungsstunden jeweils dienstags und freitags, von 20 bis 22 Uhr, in der Turnhalle des Friedrichsgymnasiums ab. Mitglieder und Gäste sind herzlich eingeladen. Der Radsportverein Freiburg macht seine Mitglieder darauf aufmerksam, daß künftig die Monatsversammlung jeweils am ersten Donnerstag jeden Monats, um 20 Uhr, im Feierling, Nebenzimmer, stattfindet. Der Sportverein Kenzingen veranstaltet am Sonntag, 13. Februar, einen bunten Abend mit Tanz in der Städtischen Turn- und Festhalle. Die Bevölkerung ist dazu herzlich eingeladen. Am Sonntag, 13. Februar, findet um 10 Uhr in der Gymnasiumsturnhalle in Villingen die erste Vorturnerstunde und Tum Warteversammlung statt. Alle Turnwarte, Vorturner und Jugendwarte nehmen daran teil. Eine fchiedsrichtertagung für den Bezirk Rastatt findet am Sonntag um 8.30 Uhr, in Rastatt, Gasthaus zum Hirschen, statt Neben der Ausbildung werden wichtige Tagesfragen besprochen. Bergwacht „Kann ein Sportler idealer Gatte und Vater sein7“ Hans Kilian deutsther Meister im Vierer-Bob Karlsruhe ist kein Ausland Gerichtliche Entscheidung zum Sport-Toto Vor dem Freiburger Schöffengericht hatte sich der Verleger des „Jllu-Sport-Expreß“ Max Willy wegen Vergehens gegen das Bad. Landesgesetz über Sportwetten vom 17. Dezember 1948, auf das schon öfters hingewiesen wurde, zu verantworten. Er hatte in den letzten Ausgaben seiner Zeitung Wettscheine württembergischer, bayrischer und pfälzischer Sporttotalisatoren abgedruckt. Die Anklage sah in dieser Handlung eine Werbung für die „ausländischen Sporttotalisatoren und eine Aufforderung der badischen Sportler, mit diesen Unternehmen Wetten abzuschließen, und legte dar, daß sich der Angeklagte gemäß | 6 des Bad. Gesetzes über Sportwetten strafbar gemacht habe. Nach einer spannenden und von den badischen Sport- und Totofreunden mit Anteilnahme Verfolgten Verhandlung wurde der Angeklagte von der erhobenen Anklage freigesprochen. Bei der Begründung des für die Sportwelt und die Presse so interessanten Urteils ging das Gericht von der Erwägung aus, die Strafbestimmung des neuen badischen Gesetze» könne sich nur auf das „Inland“ beziehen. Inland sei aber das alte Reichsgebiet und dieser Begriff könne nicht auf einen Zonenteil oder auf einen Landeszipfel wie Südbaden angewandt werden. Jeder Deutsche (zu ihnen gehören auch die Südbadener) könne sich an jedem in Deutschland zugelassenen Totalisationsunterneh- men beteiligen. „Goldenen Ski" entbrennen wird. Ganz besonders gespannt sind wir auf das Abschneiden unserer Schwarzwälder Vertreter, die mit großen Hoffnungen nach Bayern gereist sind. Ob es wohl den Geschwistern Gärtner aus Freiburg gelingt, der Annemirl das Leben sauer zu machen? Wir halten ihnen beide Daumen und rufen ihnen ein glückbringendes Ski Heil zu. Sonderzug nach Waldshut Zum Ligaspiel in Waldshut fährt für die Schlachtenbummler des Rot-Weiß Lörrach ein Sonderzug, für den noch 50 Karten erhältlich sind. Diese sind zum Preis von 4 DM im Reisebüro Lörrach abzuholen. Abfahrt 10.35 Uhr. Rückfahrt 19.30 Uhr. In folgenden Häusern stehen am kommenden Sonntag Bereitschaftsdienste zur ersten Hilfeleistung bereit: Bärental: Gasthaus „zum Adler“. Feldberg: Hotel Feldberger Hof und Naturfreundehaus am Baldenweger Buck. Schauinsland: Berghotel Burggraf 'imd Berghotel Notschrei. Ski-Vereinigung Freiburg 1. Br. Die Ski-Vereinigung Freiburg i. Br. hält vom 17 bis 20. Februar einen Skikurs für Anfänger und Fortgeschrittene im Bärental bzw. Zweiseenblick ab. Unterkunft in der Ski-Vereinigungshütte im Bärental (Alemannenhaus). Wer keine Möglichkeit hat, all« vier Tage an dem Kurs teilzunehmen, kann auch vom 19. bis 20 . Februar teilnehmen. Kursleiter: Lehrwart Daegele. Anmeldungen hierzu werden auch von Nichtmitgliedern bis spätestens 15. Februa# auf der Geschäftsstelle im Sporthaus Werner-Blust, Kaiser-Joseph-Straße 267, entgegengenommen. SeH* 4 — Nummer 18 gamstag, A Februar 1949 Wasföoffl 0 Die Tannenkurve von Abury-Garden Von Kurt Willi H«än Skott, Sie waren es. Schade, ich hatte auf Ihren Sieg gewettet, allerdings auf einen ehrlichen!“ Eitelkeit Als Letzter verließ Jim Sosly die Waage im Tarfhaus zu Abury-Garden. Im Vorjahre hatte Sosly den großen Preis von Warwiksh im Rennen der Traber gewonnen, und viele Wetten waren heute schon auf ihn abgeschlossen worden. Jim War in seltsamer Erregung, die ihm sonst fremd war, und so sah er nicht den ausdruckslosen Blick Blanchi Skofts, der scheinbar gleichgültig über ihn hinwegglitt. Blanchi Skott war Jims großer Rivale, und die Zuschauer, die in großer Zahl erschienen waren, unterhielten sich aufgeregt über die Frage; Wird Jim oder Blanchi den großen Preis davontragen? Die sonst so leichte Bahn war heute schwer; denn über Nacht hatte es tüchtig geregnet. Sie war jedoch bis auf die Nord-Ost- Kurve völlig übersichtlich. In dieser Kurve aber befand sich eine kleine Tannenschonung, die das Feld für einen Moment den Blicken der Besucher entzog. In der Reihenfolge Sethmann, Maed, der Italiener Brogano, Skott und Sosly verschwanden die Sulkys nun zwischen den Bäumen und tauchten sofort wieder auf. In diesem Augenblick erklang ein tausendfacher Schrei. Der letzte Sulky kam herrenlos dahergerast. An den Zügeln schleifte der Traber einen Körper hinter sich her. Man erkannte die dunkelgrüne Bluse von Jim Sosly. Brogano, dgr zufällig einen Blick zurückwarf, hielt sofort und bemühte sich um den Gestürzten. Wenig später gab der Lautsprecher den Tod Jim Soslys durch Selbstmord bekannt. Die Leiche wurde in das Murphell-Hospital gebracht, wo sie eingehend untersucht wurde. Obwohl der Einschuß in die linke Schläfe klar auf Selbstmord schließen ließ, fuhr der Inspektor sofort nach Abury-Garden hinaus. Von dem Erlebten sichtlich beeindruckt, saßen die Fahrer in der Pantry. Blanchi Skott schien sich seines Sieges nicht zu freuen, und er führte ein halblautes Gespräch mit Sethmann. Maed musterte den nervös an einem Fingernagel kauenden Brogano. Als Inspektor Steel eintraf, überfiel ihn der Italiener mit einem Redeschwall, in dem er verlangte, sofort gehen zu dürfen, denn er hätte Gewicht machen müssen und seit Tagen nichts mehr gegessen. Steel wurde plötzlich nachdenklich. Er erteilte dem anwesenden Polizei Sergeanten den Auftrag, bei den Harren zu bleiben, und eilte "hinaus. Doch waten kaum zehn Minuten vergangen, als er zurückkehrte. „Ich danke Ihnen“,, sagte er und verbeugte sich vor Brogano, „durch die Worte Uber ihr Gewicht, brachten Sie mich auf einen Einfall, und ich kann nunmehr mitteilen, daß Jim Sosly nicht durch Selbstmord endete, sondern erschossen wurde.“ Eine unheimliche Stille legte sich um die Anwesenden, und nur Brogano bewegte seine Lippen, als wolle er noch etwas sagen. — „Und zwar war es einer von Ihnen", fuhr Steel fort. „Der winzige Bruchteil einer Sekunde genügte, um in der Tannenkurve das Sulky zu verhalten. Während der Rad-an-Rad-Position gab der Mörder kaltblütig den Schuß ab, da er wußte, der Knall würde im Lärm der Pferde untergehen. Die Pistole ließ er dann fallen. Inzwischen habe ich die Leiche wiegen lassen und die Gewichtsnotierungen vor und nach dem Rennen verglichen. Die Veränderungen belaufen sich durchschnittlich auf 50 Gramm und treffen auch bei dem Toten nach Berechnung des Blutverlustes zu. Nur einer von Ihnen hat durch das Rennen 500 Gramm verloren, und da die Pistole, um die er sich nach dem Schuß erleichterte, 450 Gramm wiegt, halte ich den Mörder für überführt." In diesem Augenblick entstand unter den Fahrern eine Bewegung, und Blanchi Skott versuchte, die Tür zu erreichen. Rasch vertrat ihm der Inspektor den Weg und bemerkte: „Stimmt, Mister „Der letzte Komödiant“, stand mit einigem Recht über den inhaltreichen Nekrologen, als der Schauspieler, Theaterdirektor, Bühnenautor, Reiter und Geigenspieler Ferdinand Bonn nach einem längeren und munteren Erdenwallen schlechtweg gestorben war. Als Ferdinand Bonn, ein mobiler Veteran in reifsten Jahren, ehrenhalber und der Jugend zu Nutz und Frommen im Berliner Schillertheater noch einmal den wortkargen Armbrustschützen und Biedermann Wilhelm Teil gab, stand er so unauffällig, wie es ihm möglich war, hinter einer Schweizer Felswand in der Kulisse und wartete auf seinen Auftritt. Zwei Bühnenarbeiter, die anscheinend den „Wilhelm Teil" schon gesehen hatten, flüsterten gar nicht leise und sehr lebhaft miteinander über die Bierpreise, die Skatpartie in der Pause und das, was es sonst an wesentlichen Aktualitäten gab. Ferdinand Bonn runzelte die Brauen, schritt mit Bedeutung auf die beiden unehrerbietigen Männer zu, tippte sie mit seiner Schußwaffe an, legte mit weiter Geste die Finger auf den Mund und wisperte sonor: „Pst! Pst! Ehrengastspiel Ferdinand Bonn!" W.Dr. Auspowerung des Geistes Soll die deutsche Wissenschaft ausgelöscht werden? „Die starke Begrenzung staatlicher Mittel macht die wissenschaftliche Forschung unmöglich“, betonte in seinen Vorträgen ln den USA der deutsche Physiker und Nobelpreisträger Max von Laue. Zahlenmäßige Angaben machte ln ihrem Notruf die Universität Erlangen. Unser Mitarbeiter Heinz Kuglin gibt einen Tatsachenbericht über die Not deutscher Gelehrter. Die sich wiederholenden und zunehmenden Klagen über dde Abwanderung des deutschen Geistes rühren an eine der tödlich-wunden Stellen des deutschen Volkskörpers. Den Angeboten, ins Ausland zu gehen, mit ihrer Verlockung zu einem besseren Leben, und der Möglichkeit, den gesetzten Zielen mehr gerecht werden zu können, begegnen nun die deutschen Gelehrten, die alten und jungen, die Forscher und namhaften Mittler des Geistes und der realen Wissenschaften in einem Augenblick der völligen Ohnmacht des Staates, abzuwenden, zu fördern und zu helfen. Die Studenten vernehmen die ernstgemeinten Ratschläge, von einem Studium doch abzusehen. Der gesunde, aktive, optimistische Teil der Bevölkerung strebt sehnsüchtig aus dem Bereich der verwüsteten und verarmten Heimat. Nein, es ist niemandem diese Flucht in die glücklicheren Lebensbedingungen, die Wohlhabenheit und größeren Chancen zu verargen. Was aber geschieht denen, die bleiben? Die schützende Hand über ihnen ist längst kraftlos geworden. Der Staat vermag die Pläne, die in Gelehrtenstuben, in Werkstätten erdacht und unter höchster Anspannung der Kräfte verwirklicht werden, nur in leidiger Resignation anzuerkennen. Aber es leben in den weniger heimgesuchten Provinzortschaften Persönlichkeiten von Ansehen und ungebrochenem Leistungswilien. Ihrer sich zu erinnern, ist eine Pflicht, der sich manches unterzuordnen hat. Der entthronte Superlativ Zwölf Jahre lang schoß er gar üppig ins Kraut und überwucherte mit seiner schrankenlosen Tyrannis alles Einfache, Natürliche und Gesunde in unserem Leben: seine Majestät der Superlativ. War es ein Wunder, daß ein Regime, das mit seiner armseligen Phraseologie den Begriff „einmalig“ völlig entwertete, schließlich nur noch den Superlativ kannte und ihn zum Maßstab alter Dinge machte? Es gab in jener Zeit nichts Großes mehr in Deutschland, nachts Schönes und nichts Gutes, sondern nur noch „das Größte" (oder „d e n Größten“), „das Schönste“ und „das Beste". Allenfalls der Komparativ kam hin und wieder noch zu seinem Recht: so etwa, wenn der Beherrscher der DAF stolz verkündete, Deutschland sei nicht nur größer, sondern auch schöner geworden. Das Volk freilich stand dem aufgeblasenen Superlativ aus einer langen Erfahrung heraus mit gesundem Mißtrauen gegenüber. Nur zu gut erinnerte man sich der alten, verbrauchten Reklame für die „beste" Schuhcreme aller Zeiten, die „edelsten" Ingredienzien irgendeines Hautbalsams oder die nachweislich „größten“ Erfolge, die mit einem Haarwuchsmitteln erzielt worden seien. Wenn cs sich wirklich so verhält, warum — so fragte man sich mit einigem Recht — gibt es dann immer noch so viele Friseure mit spiegelblanken Köpfen? „Früher ging's uns gut“, pflegte man nach 1933 insgeheim zu witzeln, „heute geh Fs uns besser. Ach, wenn es uns doch nur wieder gut ginge!" Ja, der gute, alte, sooft mißachtete Positiv: hier kam er wieder zu Ehren! Ebenso ist es mit den sogenannten „besten“ Jahren. Wie mancher möchte sie sehr gern gegen die guten Jahre (die hinter ihm liegen) vertauschen, — wenn das so ginge! Auch die „älteren“ Herren — auf die Damen verzichten wir in diesem Falte galanterweise — setzen sich mit einem kühnen Satz über die eigentliche Bedeutung des ersten Steigerungsgrades hinweg; sie sind keine „alten" Herren — beileibe nicht! — oder gar noch älter als diese, sondern eher so etwas wie eine Vorstufe zu dieser Kategorie, der Börries von Münchhausen mit seinem „Alten Herrn“ ein menschlich so .feines Erinnerungsblatt gewidmet hat. Auch in unserer Zeit, die so manchen Ballast aus der Vergangenheit hinweggefegt hat, ist der falsche Superlativ noch immer nicht ganz überwunden. Kann man wirklich einen einzigen Menschen als den „größten“ Schauspieler oder Dichter, als den „berühmtesten“ Sportsmann oder als die „bezauberndste" Sängerin bezeichnen? Liegt nicht gerade in der Vielfalt, mit der die Natur ?leieh große, gute und begabte Menschen geschaffen hat, das Beglückende? Zudem ist' jedes Urtei 1 über einen anderen mehr oder weniger subjektiver Art; und was der eine als das Größte und Schönste feiert, das ist es noch lange nicht für den anderen. Die „Schönheitsköniginnen“ der zwanziger Jahre haben es zur Genüge bewiesen. Die Geschichte spricht von Alexander, Karl und Friedrich: „dem Großen“. Der Mann indes, der sich mehr als diese drei dünkte und sich — allzu voreilig — als der „größte" Feldherr aller Zeiten feiern ließ, ist seiner Superlativitätstheorie erlegen. Er hatte nämlich einen Superlativ vergessen, den einzigen wirklich unanfechtbaren und für alte Zeiten gültigen: den Höchsten ! Alf. Kürzlich berichtete eine Zeitschrift über das Lebenswerk eines deutschen Gelehrten, dessen Beiträgen zur prähistorischen und kunstgeschichtlichen Forschung die Welt viel verdankt. Er lebt, so wird berichtet, jetzt in einem Hause mit zahlreichen Flüchtlingen zusammen. Seine nach oftmaligen Schenkungen an deutsche Institute noch verbliebenen Reste einer früher weithin bekannten Sammlung, seine umfangreiche, außerordentlich kostbare Bibliothek, sein wissenschaftliches Arbeitsgerät, all dies liegt verstreut in Speichern, Ställen und von fremden Menschen bewohnten Räumen. Er ist heute ein Irgendwer, für die Bürokratie ein interessanter Fall. Seines 75. Geburtstages haben, so wird berichtet, weder Regierungs- Vertreter noch Museumsleiter, denen er seine Schätze einst übereignete, gedacht. Und doch,.so müßte man meinen, wäre dies Jubiläum ein würdiger Anlaß, uns seines Werkes zu freuen und unserm grauen Alltag ein paar Lichter aufzustecken. Aber das Ausland erinnerte sich seiner Arbeit und notvollen, einsamen Existenz. In seine hinterwäldlerische Ortschaft kamen lebhafte Anerkennungen und Unterstützungsangebote. Man kann nichts tun, als diesen Vorfall vermerken und bedauern. Man weiß nicht, wie sich dde materielle Armut und das Angewiesensein auf ausländische Unterstützung auswirken werden. Es besteht die Gefahr, daß eben diese Unterstützung durch das Ausland eines Tages aufhören wird, was man im Hinblick auf die gegenwärtigen unheilvollen Spannungen ebenfalls nur vermerken kann. Von einer Rückkehr der freiwillig Emigrierten sind nur wenige Beispiele bekannt, von den Gelehrten, die einer kategorischen Aufforderung zu folgen hatten, ganz zu schweigen. Helfen wir denen, die noch nicht gerufen wurden oder — dennoch blieben! KINDERSCHLAF Wenn die Sterne leise glühen, Nacht mild durch den Äther tönt, Fühl ich, wie in eurem Atmen Erd' und Himmel sich versöhnt. Wie ein Falter auf und nieder Schwebt die kindlich-zarte Brust, Und ich ahne, daß ihr wieder Jenseits seid von Schmerz und Lust. Ja, ich nehtn’ es als ein Zeichen, Während leicht die Nacht verrinnt. Muß nicht alle Unruh' weichen, Wo so sel’ge Träume sind? Werner Schumann. Märchen in Rußland sehr beliebt Das literarische Verlagswesen in der Sowjetunion unterscheidet sich in mancher Hinsicht von dem des Westens, So ist es für westliche Begriff« zumindest erstaunlich, daß es in einem so großen Lande nur vier literarische Verlage gibt, denen vier literarische Zeitschriften entsprechen: „Di« neue Welt", „Oktober“, „Die Standarte“ and „Der Stern". Ihre Auflageziffer beträgt etwa 63000, und alle vier sind Organe des „Schritts tellerverban- des“, dessen Mitgliedschaft für alte sowjetrussischen Autoren verpflichtend ist. Begreiflicherweise erreichten unter den Autoren der Verlage Lenin und Stalin die höchsten Aufiagezinem: nämlich 600 Millionen Exemplare in 30 Jahren! Ihnen folgen Marx und Engels mit je 58 Millionen für den gleichen Zeitraum; dann Gorki (44 Millionen), Puschkin (35 Millionen!, Tolstoi (26 Millionen), Tschechow (18 Millionen). An der Spitze der in der Sowjetunion erfolgreichsten ausländischen Autoren steht der Amerikaner Jack London mit einer Auflageziffer von zehn Millionen. Dann kommen Grimms' Märchen mit fünf Millionen. Andersen, Wells und Mark Twain haben es auf je drei Millionen gebracht; Kipling, Dickens und Upton Sinclair erreichten fast ebenso hohe Auflagen. An französischen Büchern wurden seit der Gründung der Sowjetunion insgesamt 46 Millionen Exemplare dort verkauft, die sich auf folgend« Autoren verteilen: Jules Verne (4 Millionen), Maupassant (3 Millionen), Barbusse (2 Millionen). Von den sowjetischen Autoren sind die im Ausland nur wenig bekannten Schriftsteller Großmann und Gholokow gegenwärtig am erfolgreichsten. Über Papiermangel haben die sowjetischen Buchverlage offensichtlich nicht zu klagen. Hat der „Staatsverlag“ ein Manuskript angenommen, so wird es auch gleich in 25 000 bis 100 000 Exemplaren verlegt. Auch der „Sowjetverlag", der nur solche Werke herausbringt, die bisher noch nicht im Druck erschienen sind, fängt mit einer Erstauflage von 20 000 Exemplaren an. Magische Treppe 1. deutscher Fluß, 2. franz.: sagen, 3. griech, Liebesgott, 4. weibl. Vorname, 5. europ. Hauptstadt, 6. Staat in Hinterindien, 7. Schubfach, 8. Vorzeichen, 9. lat.: Gott, 10. Schluß, 11. bekannter Kunstflieger, 12. ägypt. Göttin der Fintemis. (Auflösung in Nr. 21) Auflösung des Kreuzworträtsels aus Nr. t5 Waagerecht: 1. galant, 4. Frankreich, 6. rue, 7. Leim, 10. Reim, 11. vue, 12. Patisserie, 14. Rabatt. Senkrecht: 1. grauer Star, 2. Ahr, 3. Triumvirat, 4. Ford, 5. Kali, 8. Emus, 9. Lene, 13. s üb. 5 Die Judenbudte Von Annette von Droste-Hülshoff (8. Fortsetzung) „Mutter, Mutter, um Gottes willen laß mich schlafen; ich kann nicht mehr!“ In diesem Augenblick trat Johannes Niemand in die Kammer; dünn und lang wie eine Hopfenstange, aber zerlumpt und scheu, wie wir ihn vor fünf Jahren gesehen. Sein Gesicht war noch bleicher als gewöhnlich. „Friedrich“ stotterte er, „du sollst sogleich zum Ohm kommen; er hat Arbeit für dich; aber sogleich“. — Friedrich drehte sich gegen die Wand. — „Ich komme nicht“, sagte er barsch, „ich bin krank“. — „Du mußt aber kommen“, keuchte Johannes; „er hat . gesagt, ich müßte dich mitbringen“. — Friedrich lachte höhnisch auf: „Das will ich doch sehen!“ — „Laß ihn in Ruhe, er kann nicht“, seufzte Margret, „du siehst ja, wie es steht“. — Sie ging auf einige Minuten hinaus; als sie zurückkam, war Friedrich bereits angekleidet. — „Was fällt dir ein?“ rief sie. „du kannst, du sollst nicht gehen!“ — „Was sein muß, schickt sich wohl“, versetzte er und war schon zur Tür hinaus mit Johannes. — „Ach Gott“, seufzte die Mutter, „wenn die Kinder klein sind, treten sie uns in den Schoß, und wenn sie groß sind, ins Herz!“ Die gerichtliche Untersuchung hatte ihren Anfang genommen, die Tat lag klar am Tage; über den Täter aber waren die Anzeichen so schwach, daß, obschon alle Umstände die Blaukittel dringend verdächtigten, man doch nicht mehr als Mutmaßungen wagen konnte. Eine Spur schien Licht geben zu wollen; doch rechnete man aus Gründen wenig darauf. Die Abwesenheit des Gutsherrn hatte den Gerichtsschreiber genötigt, auf eigene Hand die Sache einzuleiten. Er saß am Tische; die Stube war gedrängt voll von Bauern, teils neugierigen, teils solchen, von denen man in Ermangelung eigentlicher Zeugen einigen Aufschluß zu erhalten hoffte. Hirten, die in derselben Nacht gehütet, Knechte, die den Acker in der Nähe bestellt, alle standen stramm und fest, die Hände in den Taschen, gleichsam als stillschweigende Erklärung, daß sie nicht einzuschreiten gesonnen seien. Acht Forstbeamte wurden vernommen. Ihre Aussagen waren völlig gleichlautend: Brandes habe sie am Zehnten abends zur Runde bestellt, da ihm von einem Vorhaben der Blaukittel müsse Kunde zugekommen sein; doch habe er sich nur unbestimmt darüber geäußert. Um zwei Uhr in der Nacht seien sie ausgezogen und auf manche Spur der Zerstörung gestoßen, die den Oberförster sehr übel gestimmt; sonst sei alles still gewesen. Gegen vier Uhr habe Brandes gesagt: „Wir sind angeführt, laßt uns heimgehen“. — Als sie nun um den Bremerberg gewendet und zugleich der Wind umgeschlagen, habe man deutlich im Masterholz fällen gehört und aus der schnellen Folge der Schläge geschlossen, daß die Blaukittel am Werk seien. Man habe nun eine Weile beratschlagt, ob es tunlich sei, mit so geringer Macht die kühne Bande anzugreifen, und sich dann ohne bestimmten Entschluß dem Schalle langsam genähert. Nun folgte der Auftritt mit Friedrich. Ferner: nachdem Brandes sie ohne Weisung fortgeschickt, seien sie eine Weile vorangeschritten und dann, als sie bemerkt, daß das Getöse im noch ziemlich weit entfernten Walde gänzlich aufgehört, stille gestanden, um den Oberförster zu erwarten. Die Zögerung habe sie verdrossen, und nach etwa zehn Minuten seien sie weiter gegangen und so bis an den Ort der Verwüstung. Alles sei vorüber gewesen, kein Laut mehr im Wald, von zwanzig gefällten Stämmen noch acht vorhanden, die übrigen bereits fortgeschafft. Es sei ihnen unbegreiflich, wie man dieses ins Werk gestellt, da keine Wagenspuren zu finden gewesen. Auch habe die Dürre der Jahreszeit und der mit Fichtennadeln bestreute Boden keine Fußtapfen unterscheiden lassen, obgleich der Grund ringsumher wie festgestampft war. Da man nun überlegt, daß es zu nichts nützen könne, den Oberförster zu erwarten, sei man rasch der anderen Seite des Waldes zugeschritten, in der Hoffnung, vielleicht noch einen Blick von den Frevlern zu erhaschen. Hier habe sich einem von ihnen beim Ausgange des Waldes die Flaschenschnur in Brombeerranken verstrickt, und als er umgeschaut, habe er etwas im Gestrüpp blitzen sehen; es war die Gurtschnalle des Oberförsters, den man nun hinter den Ranken liegend fand, grad ausgestreckt, die rechte Hand um den Flintenlauf geklemmt, die andere geballt und die Stirn von einer Axt gespalten. Dies waren die Aussagen der Förster; nun kamen die Bauern an die Reihe, aus denen jedoch nichts zu bringen war. Manche behaupteten, um vier Uhr noch zu Hause oder anderswo beschäftigt gewesen zu sein, und sie waren sämtlich angesessene, unverdächtige Leute. Man mußte sich mit ihren negativen Zeugnissen begnügen. Friedrich ward hereingerufen. Er trat ein mit einem Wesen, das sich durchaus nicht von seinem gewöhnlichen unterschied, weder gespannt noch keck. Das Verhör währte ziemlich lange, und die Fragen waren mitunter ziemlich schlau gestellt; er beantwortete sie jedoch alle offen und bestimmt und erzählte den Vorgang zwischen ihm und dem Oberförster ziemlich der Wahrheit gemäß, bis auf das Ende, das er geratener fand, für sich zu behalten. Sein Alibi zur Zeit des Mordes war leicht erwiesen. Der Förster lag am Ausgange des Masterholzes; über dreiviertel Stunden Weges von der Schlucht, in der er Friedrich um vier Uhr angeredet und aus der dieser seine Herd« schon zehn Minuten später ins Dorf getrieben. Jedermann hatte dies gesehen; alle anwesenden Bauern beeiferten sich, es zu bezeugen; mit diesem hatte er geredet, jenem zugenickt. Der Gerichtsschreiber saß unmutig und verlegen da. Plötzlich fuhr er mit der Hand hinter sich und brachte etwas Blinkendes vor Friedrichs Auge. „Wem gehört dies?“ — Friedrich sprang drei Schritte zurück. .Herr Jesus! Ich dachte, Ihr wolltet mir den Schädel einschla- gen.“ Seine Augen waren rasch über das tödliche Werkzeug gefahren und schienen momentan auf einem ausgebrochenen Splitter am Stiele zu haften. „Ich weiß es nicht,“ sagte er fest. — Es war die Axt, die man in dem Schädel des Oberförsters eingeklammert gefunden hatte. — „Sieh sie genau an,“ fuhr der Gerichtsschreiber fort. Friedrich faßte sie mit der Hand, besah sie oben, unten, wandte sie um. „Es ist eine Axt wie andere“, sagte er dann und legte sie gleichgültig auf den Tisch. Ein Blutfleck ward sichtbar; er schien zu schaudern, aber er wiederholte noch einmal sehr bestimmt: „Ich kenne sie nicht.“ Der Gerichtsschreiber seufzte vor Unmut. Er selbst wußt« um nichts mehr und hatte nur einen Versuch zu möglicher Entdeckung durch Überraschung machen wollen. Es blieb nichts übrig, als da« Verhör zu schließen. (Fortsetzung folgt) feanstag, K Februar 1349 Mumnsr ® — Götte 5 Anton Fendrich im Zeitspiegel Erinnerung«!! von Reinhold Zumtobel Der geknebelte Geist im Hitlerreich , Anton Fendrich war Sozialist — aber nicht Marxist. Menschenliebe, soziales Gerechtigkeitsgefühl und seine staatspolitische Ideologie ließen ihn den Weg zur Sozialdemokratie gehen. Er erkannte unumwunden die weltbewegenden geistigen Leistungen von Karl Marx an und verehrte ihn als einen der größten Männer des 19. Jahrhunderts. Jedoch die Grundlehre von Marx, die materialistische Geschichtsauffassung, ließ Fendrich nicht kritiklos gelten. Eine Persönlichkeit von so überragenden geistigen und menschlichen Gaben konnte nicht zugeben, daß «Le ökonomischen Strukturen der Völker allein entscheidend die Entwicklung bestimmten. Für Fendrich waren auch die moralischen Kräfte großer geistiger Bewegungen (z. B. des Christentums und anderer Religionen) wie auch die Wirksamkeit bedeutender Staatsmänner und Wissenschaftler in der Entwicklungsgeschichte der Völker mitbestimmend. Kurz, ein Marxist im strengen Sinne des Wortes war Fendrich nicht. Er war religiöser Sozialist und staatsbejahender Patriot und Heimatfreund. Gleichiwohl wurde er von den Nazis in die Gruppe der Marxisten und Staatsfeinde eingestuft, verfemt und wirtschaftlich schwer geschädigt. Seine Bücher und Schriften wurden aus dem Buchhandel ausgemerzt und aus den Bibliotheken entfernt. Dafür sorgte in Freiburg die „oberste Zensurbehörde“ der Nazis, die sich zum Teil aus Hitlerbuben rekrutierte, die kaum des Milchschoppens und des Schnullers entwöhnt waren. Daß diese Buben bei der „Ausmistung" unersetzliche Kulturwerte vernichten konnten, bleibt ein Schandmal der Nazis für alle Zeiten. Für Schriftsteller von der Mentalität Fendrichs und Schneller® war eine schwere Leidenszeit angebrochen. Es war der 17. März 1933. In Freiburg war der Rache- und Vemichtungsfeldzug gegen die „Marxisten“ und „Staatsfeinde“ noch in den Anfängen. Die nazüfeindlichste Zeitung, die „Volkswacnt", brachte auch an diesem kritischen 17. März, freilich zum letztenmal, eine Ausgabe unter der Aufsicht der Polizei und SS und bei besetzten Redaktion®- und Geschäftsräumen, heraus. In aller Herrgottsfrühe fanden an jenem Morgen bei Gewerkschaft®- und Parteiführern Haussuchungen statt, wobei es im Stühlinger zu dem bedauerlichen Vorfall kam, daß zwei Polizeibeamte vom Abgeordneten Nußbaum tödlich verwundet wurden. (Nußbaum selbst wurde später eines jener Opfer, die auf Nazibefehl künstlich ums Leben gebracht, also ermordet wurden.) Für uns in der „Volkswacht"-Druekered war die Lage zum Bersten gespannt. Ich mußte jeden Augenblick mit meiner Verhaftung rechnen und wollte in der Redaktionsstube die wertvollen Sachen vor dem Zugriff der Nazi-Vandalen in Sicherheit bringen. Da klingelte es an der Türe, und hereinkam Anton Fendrich mit tiefbekümmertem, ernstem Gesicht, das in diesem Augenblick ein untrüglicher Seelenspiegel war. Er setzte sich. Meine Sicherungsmaßnahmen unterblieben; wertvolle Sachen fielen dem Vandalismus der „stürmenden Volksseele“ zum Opfer. Fendrich hatte das Bedürfnis, mit mir die Lage zu besprechen. Keiner von uns sah in diesem Augenblick eine Möglichkeit, die Naziflut abzudämmen. Während ich der optimistischen Meinung war, der Nazispuk werde an der Vernunft des deutschen Volkes scheitern (ich hatte diese Vernunft beim deutschen Volke viel zu hoch eingeschätzt), sagte Fendrich prophetisch, daß die Hitlerpolitik zu einem neuen Weltkriege führen müsse. Er hat recht behalten. Mit festem Griff umspannt« Fendrich beim Abschied meine Hand, und in unseren Blicken stand zu lesen: „Komme, was kommen mag, — wir bleiben die alten!“ Nach unserer sehr langen Unterredung ,luden mich bald zwei Kriminalbeamte höflich ein, mitzukommen. Ich durfte mit einem „Schub" Leidensgefährten beiderlei Geschlechts die Fahrt in die Johanniterstraße mit- machen. Die Bitterkeit der Fahrt suchte der Mitgefangene Robert Grumbach den Schicksalsgenossen durch Verteilung von Schokoladewürfelchen zu versüßen. Eine symbolische Handlung! An der Preisskala der Schokolade von 1933 bis 1949 lassen sich die „Segnungen“ des „Dritten Reiches* ablesen. Die Not kein ungewohnter Gast Mit der Hungerpeitscbe konnten die Nazis Anton Fendrich nicht zu einem Canossagang zwingen; er blieb der Feind des Naziregimes. Zur seelischen Not kam freilich auch eine schwere wirtschaftliche Bedrängnis. Doch an Not war Fendrich gewöhnt. Kaufmann war er nicht, und zu einem Wucherer von modernem Kaliber fehlten ihm alle Eigenschaften. Ostern 1928 überbrachte ich Fendrich am Aufträge des Stadtrats und des Oberbürgermeisters eine Geburtstagsspende. Dabei erfuhr ich, daß der Jubilar nicht nur Ernährungs-, sondern auch Hausbesitzersorgen batte. Sein Eigenheim in Zähringen war mit Hypotheken überlastet. Kapitalzinsen sind abei in der kapitalistisch orientierten Welt wichtiger und höher gewertet als ideelle Güter, von denen Generationen geistigen und seelischen Nutzen ziehen. Er mußte das ihm sehr am Herzen gelegene Eigenheim verlassen, machte aber kein schlechtes Tauschgeschäft, dä er in der Weiherhofstraße im Hochschen Anwesen eine Wohnung beziehen konnte. Dort gab er englischen Studierenden Unterricht in Sprache und Geschichte und konnte so einige Existenzmittel verdienen. In diesem Zusammenhang ist auch Frau' Fendrich zu erwähnen, die ihrem Manne, wo immer sie konnte, die Alltagssorgen fernhielt, um seine Arbeitslust nicht zu beeinträchtigen. Lebte ihr Mann ein wenig nach dem Sprüchle, das Hebel der Vogelwelt gewidmet: „Si saiie nit, si ernte nit, 81 hän kai Pflueg und hän kai Joch, Und Gott im Himmel nährt sä doch" — so achtete Frau Fendrich das starke Gottvertrauen, handelte aber als sorgende Hausmutter doch nach den praktischen Erfordernissen. Nach der Umsiedlung in das jetzige Heim in der Bürgerwehrstraße richtete Frau Fendrich mit ihrer Tochter ein Kinderheim ein, das bald besten Ruf genoß und durch die kleinen Pfleglinge auch viel Sonnenschein in die Krankenstube des herzkranken und bettlägerigen „Opas" brachten. Daß Fendrich ein großer Verehrer unseres alemannischen Heimatdichters Johann Peter Hebel war, geht schon daraus hervor, daß er am Hebelfest 1946 den Hebelpreis von der Badäschen Regierung erhalten hat Wir waren öfter gemeinsam (auch Frau Fendrich war beim großen Hebellest 19W dabei) beim „Husetner Hebelmähle“. Mein verstorbener Freünd, der Adlerwirt Schorsch, plazierte auf meinen Wunsch Fendrich in der Regel an das Ende der Ehrentafel der zwölf „alte Manne“. Da bereitete es Fendrich immer große Freude, wenn er den Husemer Gesprächen der „alte Manne" folgen und ihre alemannischen Charakterköpfe studieren konnte. Wenn ihm jetzt im Himmel Hebel begegnete, würde ihn dieser begrüßen mit einem herzlichen „Sin Gotitwdliehe, liebe Anton Fendrich! Ihr hän uf Erde viel in mim Geist gwirkt, do derfür chömme Ihr jez au ins Präsidium vom himmlische Hebelbund. I weiß, ’s het Euche weng g’chränkt, wo sie z’Friburg der Hebelbund gründet und Euch nit ehrehalber au e Sitz im Präsidium zuegwiese hän. Bi eusem Hebelbund häner jez ne Dauersitz und, i wilüchs verrote, sobal der Poste vom Hebelvogt frei würd, sin Ihr als Nachfolger vorgseh; — gegewärtig isch er bsetzt dur der fritehere Hebelvogt vo Eimeldinge Rung, und si Stellvertreter isch der früehere Burgemeister vo Huse, Albert Hauser. Also nehmet jez Platz, Anton Fendrich, und leset «. weng im „Land meiner Seele“! _ Der Pfennig Er ist wieder da, ein wenig kleiner zwar und nur in ein Kupferbad getaucht, während er unten drunter aus Zink ist. Aber wir haben ihn wieder! Daß er den eisernen Zehner, den Pseudopfennig nach der Währungsreform, ablösen will, wissen wir. Auch daß wir mehr von ihm erwarten als vom Eisenpfennig, der die Zeit der stumpfgewordenen Waffen verkörperte, fordert zum Vergleich heraus. Seine entscheidende Bewährung wird er freilich erst in dem Augenblick zeigen, an dem er nicht allein in der dünnen Börse des Schaffenden seine Vorväterbedeutung zurückerhält, sondern auch am Grünen Tisch. Ob wir des Talers wieder wert werden? BGT Lieber den Tod als den Nebel! Selbstmord durch den Sprung aus einem Fenster eines Londoner Krankenhauses beging kürzlich ein Mann, der vorher erklärt hatte, er wolle lieber tot sein als noch länger in einer so nebelreichen Stadt leben. Der Universalratgeber / Von A W. Karrasch „Sie sollen sich nur nickt so wichtig tun“, sage ich. „Jawohl“, bestätigt Willi. „Ich gebe zwar zu, daß sich in manchen Pingen die Frauen nicht ersetzen lassen, aber was die Hausarbeit anlangt, so machen sie davon viel zu viel Aufhebens.“ „Bitte“, ergänze ich stolz. „Daß auch ein Mann über längere Zeiträume hinaus einen Haushalt zu führen versteht, das habe ick doch wohl jetzt während der dreitägigen Reise meiner Frau hinreichend bewiesen. Und wie ick gewirtschaftet habe! Sieh nur! An meiner Karte sitzt außer den vielen Sonderabschnitten sogar noch die Kaffeersatzmarke dran So,“ ich knalle den .Universalratgeber für Junggesellen 1 auf den Tisch, „und jetzt wollen wir an die Bereitung des Empfangsessens gehen.“ „Ich schlage Kartoffelsuppe vor“, rät Willi, während ich das Inhaltsverzeichnis studierte. „Die brennt nicht so leicht an. übrigens habe ick auch reiche Erfahrung in der Herstellung von Bratkartoffeln.“ „Nein.“ Ich zuckte verächtlich mit den Schultern und tippe mit dem Rührlöffelstiel in den Universalratgeber. „Pastetchen mit Lukullusfüllung, das ist das richtige.“ Dann rutsche ich auf den Knien vor dem Speiseschrank herum, um die Zutaten für den Teig zusammenzusuchen. Und während ich nachher mit dem Besen eine am Boden zerplatzte Zuckertüte sauber unter den Schrank fege, schwingt Willi den Rührlöffel. „So, Willi, zur Bereitung der Füllung brauche ich deine Hilfe zunächst nicht. Aber vielleicht bist du so freundlich und beringst inzwischen den Mülleimer nach unten. Der enthält nämlich noch das Abwaschgeschirr von gestern.“ „So, Küchenjunge“, begrüße ich ihn, als er wieder zurück ist. „Und jetzt darfst du mir mal die grüne Flasche hinter dem Schrank vorangeln.“ „Endlich! Mit dem größten Vergnügen.“ „Ich meine die mit Spiritus.“ „Entschuldige“ sagt der sichtlich Enttäuschte. „Was hat denn Spiritus mit der Lukullusfüllung zu tun?“ „Mein Lieber, was verstehst du Schon von römischer Kochkunst? Aber wenn du mir nicht glaubst, bitte, linke Seite, Zeile zwei von oben.“ „Tatsächlich!“ muß Willi kopfschüttelnd zugeben; denn da steht: „... und dann füge man eine gute Tasse Spiritus hinzu’.“ „Nun ja“, meine ich. „Schließlich wissen wir nicht, welche chemischen Vorgänge sich nachher in der Hitze des Backofens abspielen. Wenn man sich nicht einmal mehr auf Lukullus verlassen dürfte...“ Damit gebe ich noch einen guten Schuß Spiritus zu, rühre um und fülle in die Pastetchen. Und während mein Gehilfe immer noch ungläubig in den Universalratgeber starrt, schiebe ich das Blech in den Ofen. „Halt!“ ruft Wim plötzlich. Aber es ist schon zu spät. Rumms-. Ein dumpfer KnaH, und alles ist in Ruß und Rauch gehüllt. „Verteufelt!“ schreie ich und blase mir in die Hand, mit der ich ein Blech mit kohlenschwar- zen Gebilden aus dem Ofen gerissen habe. Willi aber, schwarz wie ein Neger, stößt hervor: „Der Universalratgeber hatte sich nämlich umgeblättert. Weißt du, was dir in deine Lukullusfüllung hineingeraten ist? — Ein Mittel, um Blecke zu entfernen.“ Der Bildersuchdienst in Friedland Als äußerst segensreiche Einrichtung des Rj> ten Kreuzes hat sich der Bsldersuchdienst m Friedland bei der Suche nach Vermißten bewährt. Bei diesem Suchdienst liegen zur Zeit etwa 120000 Suchanträge vor. In über 4000 Fällen konnte der Aufenthalt Vermißter bereits ausfindig gemacht werden, über deren Schicksal völliges Dunkel herrschte. Es ist erstaunlich, daß sich von Südbaden erst wenige an den Friedländer Bildersuchdienst gewandt haben, zumal doch badische Divisionen auch in Rußland eingesetzt waren und viele einst dort kämpfende Soldaten noch heute als vermißt gelten. Obwohl in Baden ja auch Suchdienste eingerichtet sind, wäre es doch empfehlenswert, wenn sich Familien, deren Angehörige als vermißt gelten, mit Suchanträgen an diesen Bildersuchdienst wenden würden. Die Anträge müssen den Familien- und Vornamen des Vermißten, Geburtsdatum, Feldpostnummer, Truppeneinheit oder Lagemummer enthalten. Es ist innen auch, um die Suche zu erleichtern, ein Lichtbild des Vermißten, möglichst nicht über Postkartengröße, beizufügen, da durch Friedland geschleust« Heimkehrer oft gerade an Hand von Photographien Auskunft über Vermißte zu geben vermochten. Englische Waggons ans Aluminium In Birmingham werden gegenwärtig di« ersten 90 Eisenbahnwaggons aus Aluminium gefertigt. Sie sind von der Londoner Verkehrsgesellschaft in Auftrag gegeben worden und sollen 1951 von der Londoner Untergrundbahn in Betrieb genommen werden. Diese Waggon* wiegen je Stück drei Tonnen weniger als <ö« gewöhnlichen Wagen. Wer kann Auskunft geben? Der Dienst für verschleppte Personen in Erstatt (Schloß) bittet um Auskunft Über das Schicksal oaer die jetzige Adresse der folgenden vermißten Personen: Nr. 247. M altrot, Raymond Louis Alphonae, geboren am 25. August 1900 wurde am 24. Mai 1944 verhaftet und nach Neuengamme deportiert, war auch ln Sandbostel. 248. M a 1 ivolr Emile, geb. am 4. Januar 1911; wurde am 7. Juli 1944 verhaftet und nach Deutschland deportiert. 249. M a 1 o u, Yvonne geb. Mosbacher, Dolmetscherin, geb. im Jahre 1897’ wunde am 7. Dezember 1943 na