a$Bo(k Samstag, den 2. Juli 1949 4 . Jahrgang / Nummer 77 riCIBUBG IM IBIISGil Encbeintmgtage Dienstag, Donoerst»*. Samstag Einzelpreis 20 Pf / Monatsbemgspreia DM S einschließlich Träjterloho, durch die Poet DM 2.2t Ab zeigen taut Tarif ceeet» Kennkartenanrwei» sau* der Soziaidemokratlsdicn Partei Deutschlands Land Baden Herausgegeben vom Sozialistischen Verlag BTelburg, GmbH., Freiburg 1. Br.. Kalaer-Joseph-Str 2S9, Fernrui Verbreitungsgebiet: Land Baden (TranzöslKhe Zone). Geschäftsstellen und Vertretungen m allen größeren Nr 22 16. Bankverbindungen: Oberrheinische Bank, Freiburg t Br.» Freiburger Gewerbebank, eGmbH.. Orten - Anzeigenpreisliste Nr. 7 - Gerichtsstand Frei bürg 1 Br. - Schriftleitung: Kurt wurt>s verisM- Freiburg l 3r ; öffentl Sparkasse Freiburg t. Br (Städt Sparkasse). Postscheck-Konto Freiburg 1 Br Nr. 6078. leitung: Karl May; R Bauermeister. - Drude: Universitätsdruckerei Poppen & Ortmann Freiburg i »r. Moskau verhandelt mit „Wallstreet“ ßaruch und Gromyko Verständigung der Russen mit den US A*Milliardären? Washington, 1. 7. Vor wenigen Tagen brachte „Das Volk“ eine Mitteilung, nach der sich unter der Führung des amerikanischen Finanziers B a r u c h 25 „Männer der Wallstreet* zusammengesetzt hätten, um gemeinsam mit dem stellvertretenden russischen Außenminister Gromyko die Basis für eine russisch-amerikanische Verständigung zu finden. Zu dieser sensationellen Mitteilung eriahren wir nunmehr weitere Einzelheiten. * Bei den Konferenzen zwischen den Amerikanern und Gromyko soll es sich um eine erste vertrauliche Fühlungnahme handeln, um die politischen und wirtschaftlichen Differenzen zwischen den USA und der Sowjetunion zu beseitigen. Nach der amerikanischen Zeitschrift „United Nation« World“ soll es Baruch gelungen sein, Gromyko davon zu überzeugen, daß die Amerikaner nicht die Absicht hätten, einen Angriffskrieg gegen die Sowjetunion zu führen. Gromyko hat sich bereit erklärt, ziemlich eingehend detaillierte Vorschläge der Amerikaner Stalin zu übermitteln, den er nach den Besprechungen auf der Krim aufsuchte. Insbesondere die Zusicherung der Amerikaner, bei dem wirtschaftlichen Auroau der Satellitenstaaten und Rußlands Hilfestellung zu leisten, habe Stalin bewogen, nach langen Beratungen mit dem Politbüro einen Versuch mit dem „Gromyko-Plan“ zu machen. Der Krieg ist eine Dummheit Baruch habe insbesondere den russischen Außenminister zu überzeugen versucht, daß ein Krieg zwischen den USA und Rußland schon deshalb keine Liebe bei der führenden Geschäftswelt der USA finden könnte, weil er eine ungeheuere politische und finanzielle Dummheit sei, und die Russen müßten den Anregungen Baruchs allein schon darum folgen, weil ein Krieg zwischen den USA und Rußland infolge des amerikanischen Kriegspotentials unter allen Umständen von den USA gewonnen werden müßte. Außerdem sei jeder Versuch, in Amerika mit ähnlichen kommunistischen Maßnahmen zu operieren wie etwa in Frankreich oder Italien, wo Moskau die Hoffnung habe, mit Hilfe seiner „Fünften Kolonne“ Erfolge zu erzielen, aussichtslos. Die Kommunistische Partei Amerikas habe während der letzten Jahrzehnte trotz der größten Anstrengungen keinen bemerkenswerten Fortschritt machen können und dies werde auch weiterhin so bleiben. Baruch reist für drei Wochen nach Moskau haben, Milliardengeschäfte mit den Russen zu machen, ist bekannt und ebenso unbestreitbar wie die Absicht der Amerikaner, in „das deutsche Geschäft einzusteigen“. In amerikanischen Finanzkreisen spricht man von rund zwölf Milliarden Dollar, die bereitstehen für den Wiederaufbau Westdeutschlands, sobald das Verbot, ausländisches Kapital in Deutschland anzulegen, aufgehoben sein wird. Neben den Amerikanern interessieren sich auch schweizerische, belgische, schwedische und englische Kapitalisten für den deutschen Markt. Da ein vollarbeitendes Westdeutschland erhebliche Exportmärkte braucht, aber möglichst keine Konkurrenz für England oder Amerika _ bilden soll, wünschen die amerikanischen Finanziers die Erschließung der russischen und osteuropäischen, zum Teil auch der asiatischen Absatzmärkte für die westdeutsche Produktion. Darum der Versuch, mit den Russen zu einer Verständigung zu kommen, denn es Hegt auf der Hand, daß die Anlage der Milliardenbeträge in Deutschland nur dann eine sichere ist, wenn eine unmittelbare Kriegsgefahr beseitigt werden kann. Moskau wird sich Zugeständnisse bezahlen lassen Die Russen sind in diesem Falle die stärkeren: man verlangt von ihnen politische Zusicherungen und sie sind schlau genug, sieh diese teuer abkaufen zu lassen. Daß Moskau trotz seines Papierkampfes gegen die Wallstreet mit ihr verhandelt, wundert niemanden, der sich an den Stalin-Hitter- Pakt erinnert. Auf jeden Fall wird es von größter politischer Bedeutung sein, den Fortgang der Baruch-Verhandhmgen zu verfolgen. Wie im Augenblick die weltpolitische Lage gestaltet ist, scheinen die Aussichten für das Gelingen des Baruch-Planes nicht sonderlich günstig. Perfonal-Einfparungen durch Hochkommiffariat Alain Poher über Personalher absetzung und Besaiznngskosfen Baden-Baden, 1. T. Nach einer Erklärung des Generalkommissars für deutsche und österreichische Angelegenheiten im französischen Außenministerium, Alain Poher, wird der Hohe Kommissar für Deutschland, Francois Poncet, in der ersten Hälfte des Monats August sein Amt antreten. Zur Frage einer Reorganisation innerhalb der französischen Militärregierung im Zusammenhang mit der Amtsübernahme durch den Hohen Kommissar wies Alain Poher darauf hin, daß im französischen Budget bereits ohnehin eine 20prozentige Herabsetzung des Personalbestandes für Juli vorgesehen war. Um so schnell wie möglich auf den durch die Beschlüsse von Washington festgesetzten Personalbestand zu kommen, hat die französische Regierung beschlossen, diese Herabsetzung im August auf 50 Prozent zu erhöhen. Eine endgültige Zahl für den Personalbestand könne nicht genannt werden, da sie letzten Endes von den Beschlüssen der drei Hochkommissare abhänge. Der französische Hochkommissar werde beim allmählichen Aufbau der neuen Verwaltung die gegenwärtige französische Organisation entsprechend den Richtlinien der Hohen Kommissare anpassen. Zu den Besatzungskosten, die in der französischen Zone 40 Prozent des Steueraufkommens ausmachen, erklärte Alain Poher, daß die Stärke der Truppe durch die allgemeine Personal Verringerung im Moment nicht berührt wird Eine bedeutsame Herabsetzung der Kosten sei in dieser Beziehung nicht zu erwarten, doch würden sie bekanntlich auf den Bund umgelegt werden. Alain Poher wies darauf hin, daß bereits schärfste Einsparungen auf diesem Gebiet vorgenommen worden seien und daß dyreh die Verteilung auf den Bund eine fühlbare Verbesserung auf diesem Gebiet erreicht werde. Berliner Eifenbahnverkehr wieder aufgenommen! Kreikemeyer weiß nichts von Repressalien gegen die Streikenden Berlin, 1. 7. Der Berliner Stadtbahnverkehr ist am Freitag, 5 Uhr, fahrplanmäßig wieder aufgenommen worden. Alle wichtigen Berliner Bahnhöfe in den Westsektoren wurden von bewaffneten Ostbahnpolizisten besetzt. Zu Zwischenfällen ist es nicht gekommen. Auch der Verkehr auf der Strecke Berlin—Helmstedt ist in der Nacht zum Freitag wieder angelaufen. Der Berliner Bürgermeister Dr. Friedensburg teilte mit, daß ihn der Generaldirektor der Ostzonen-Eisenbahn, Kreikemeyer, in einer Unterredung von der Aufnahme des Stadtbahnverkehrs in Kenntnis gesetzt hat. Von der Tatsache, daß bis jetzt über 370 Westberliner Eisenbahner entlassen wurden, will Kreikemeyer nichts wissen, will sich aber mit dem Präsidenten der Berliner Eisenbahndirektion in Verbindung setzen. Bürgermeister Friedensburg gab bekannt, daß alle Westberliner Eisenbahner, die arbeiten wollen, aber aus irgendwelchen Gründen daran gehindert sind, Arbeitslosenunterstützung bekommen. Sowjets behindern Lebensmittelzufuhr Berlin, 1. 7. Am Kontrollpunkt Dreilinden bei Berlin werden von den sowjetischen Posten 80 mit Lebensmitteln beladene Lastzüge, die für Westberlin bestimmt sind, festgehalten. Angeblich sind die Begleitpapiere, die den bisherigen Vorschriften entsprachen, nicht mehr ausreichend. Dagegen dürfen Lastwagen mit nicht lebenswichtiger Ladung, aber mit den gleichen Papieren, ihre Fahrt unbehindert fortsetzen. Westalliierte Dienststellen haben bereits interveniert. Keine Berliner Wahlen zum Bundestag Berlin, 1. 7. Dem Berliner Oberbürgermeister wurde eine Anordnung der alliierten Kommandantur zugeleitet, nach der in Berlin keine allgemeinen Wahlen zur Bestimmung der Berliner Vertreter für den Bundestag abgehalten werden dürfen. Die acht Berliner Abgeordneten sind nach der Anordnung aus der Stadtverordnetenversammlung zu delegieren. Föderalismus darf keine Schwächung Deutschlands bedeuten Schumacher und Vorstand der SPD zu den Bundestagswahlen — Gegen jede Einflußnahme der Alliierten Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Absicht Baruchs, sich demnächst für längere Zeit nach Europa zn begehen, wo er nicht nur mit Winston Churchill Zusammentreffen wird, sondern die Absicht hat, sich auch drei Wochen in Moskau aufzuhalten. Nach Meldungen der „Gazette de Lausanne“ und der Züricher „Tat“ aus Washington haben auf Befragen die amerikanischen Finanziers nicht geleugnet, mit Gromyko Verhandlungen geführt zu haben. Baruch aber beabsichtige nicht, hinter dem Rücken und ohne Wissen der amerikanischen Behörden Politik zu machen. Man nimmt an, daß in diesen Tagen Baruch von dem amerikanischen Außenminister Acheson empfangen werden wird, um diesem einen Bericht über seine Verhandlungen zu erstatten. Hintergründe für den „Baruch-PIan“ Meldungen dieser Art sind bereits früher erfolgt. An der amerikanischen Politik haben sie bislang nichts ändern können und wie es scheint, auch nichts an der russischen. Die Vorgänge auf der Pariser Viererkonferenz beweisen es. Daß bestimmte Finanzkreise der USA ein Interesse daran Hannover, 1. 7. Der Vorstand der SPD befaßte sich auf seiner Tagung am 29. und 30. Juni nach einem Referat von Kurt Schumacher über das Ergebnis der Pariser Außenministerkonferenz mit der Vorbereitung der Bundestagswahlen. Kurt Schumacher stellte gegenüber der im Ausland vielfach vertretenen Ansicht, das Ergebnis von Paris sei ein Erfolg gewesen, fest, daß die Russen vor allem im Hinblick auf die Lage in den Satellitenstaaten in Paris zweifellos auf eine Atempause hingezielt und mindestens in diesem Punkt Erfolg gehabt hätten. Kurt Schumacher wandte sich gegen alliierte Bestrebungen, in einem bestimmten Sinn auf die innerdeutsche Entwicklung Einfluß zu nehmen und erklärte: „Eine föderative Politik mit dem Ziel einer Schwächung Deutschlands kann von der Sozialdemokratie nicht als Grundlage einer vernünftigen politischen Arbeit anerkannt werden. Eine künftige westdeutsche Bundesregierung mag nach ihrer Parteizusammensetzung aussehen wie sie will, es wäre aber in jedem Falle verderblich, Ein öffentlicher Vorftoß der «Wallftreef Sensationsartikel im Hausorgan der USA-Finanz Nenyoik, 1. 7. Die Zeitung „Wallstreet Journal“ veröffentlicht einen Artikel von Josef Evans, der hier ein ungeheures Aufsehen hervorgerufen hat und verglichen wird mit der Sensation des bekannten Interviews des amerikanischen Journalisten Kingsbury Smith mit Stalin. In dem Artikel wird im Sinne Baruchs für eine amerikanisch-russische Wirtschaftsverständigung Propaganda gemacht. Evans schreibt, die Sowjets hätten nicht im mindesten die Ab-, sicht, die Weltherrschaft auf dem Wege eines Angriffs gegen Westeuropa zu erlangen. Die Politik Achesons sei rein negativ und ein Produkt der Verlegenheit Die Pariser Konferenz der Außenminister sei gewiß ein sachlicher Mißerfolg gewesen, aber sie habe bewiesen, daß die Sowjets unter Einhaltung einer freundlichen Stimmung das Gelände abzutasten versuchten. Die Russen wüßten, daß sie sich heute weniger denn je auf ein militärisches Abenteuer einlassen könnten. Im Widerspruch zu dieser Bemerkung erklärt Evans, es sei gefährlich, Europa wieder auf- muüsten, weil die Russen eine solche Aufrüstung unzweifelhaft als eine Herausforderung ansehen würden und sich aus diesem Grunde veranlaßt sehen könnten, den ersten Schlag zu führen. Jede Politik von Sanktionen irgendwelcher Art bedeute eine Diskri- mierung. Es gelte nicht, Westeuropa in ein befestigtes Lager zu verwandeln, sondern die wirtschaftliche Macht zu entwickeln und freien Handel zu treiben. Der Marshall-Plan werde ein Mißerfolg sein, wenn keine Wiederbelebung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem östlichen und westlichen Europa eintrete. Befriedigung der russischen Diplomatie in USA Die sowjetischen Kreise Washingtons sprechen ihre Befriedigung über diesen Artikel aus. Er gebe den Standpunkt der UdSSR richtig wieder, soweit er darlege, daß die Sowjets keinerlei Angriffsabsichten gegenüber Europa hegen. Doch möchten die Sowjets gern wissen, ob der Verfasser Evans lediglich seine persönliche Ansicht vertritt oder ob der Artikel für eine grundlegende Änderung der bisherigen Anschauungen in den führenden Kreisen der amerikanischen Hochfinanz zu gelten habe. wenn man bei ihrer Bildung auf Druckmaßnahmen der Besatzungsmächte eingehen wollte“. Sich anbahnende wirtschaftliche Beziehungen zwischen West- und Ostdeutschland müßten eindeutig unter der Verantwortung der Alliierten stehen, denn jeder Warenverkehr vom Osten nach dem Westen unterliege russischen Einwirkungsmöglichkeiten. Aus einer Belebung der ökonomischen Beziehungen dürfe in keinem Falle auf die politischmoralische Anerkennung der östlichen Verhältnisse durch den Westen geschlossen werden. Der Vorstand befaßte sich im übrigen mit den Wahlvorbereitungen für den Bundestag. Der Entwurf eines Wahlaufrufs der SPD soll in Kürze veröffentlicht werden. Keine Koalition um jeden Preis Im Anschluß an die Tagung des Parteivorstandes erklärte Kurt Schumacher auf einer Pressekonferenz, er habe nicht die Absicht, Bundespräsident zu werden. Wenn er diesen Ehrgeiz gehabt hätte, wäre die SPD in Bonn taktisch ganz anders vorgegangen und hätte nicht die Wahl des Bundespräsidenten durch die Parlamente vorgeschlagen. Er sei nur bereit, den Posten eines Bundespräsidenten zu übernehmen, wenn ein besonderer Notstand entstehen würde. Damit sei aber in den nächsten Jahren nicht zu rechnen. Zur Frage einer Koalition SPD/CDU in Westdeutschland betonte Kurt Schumacher, daß diese von dem Wahlausgang und davon abhänge, wie die anderen politischen Parteien das von der SPD ausgearbeitete Regierungsprogramm aufnehmen. Es wäre dogmatisch, jede Koalition grundsätzlich abzulehnen. Auf keinen Fall werde die SPD in eine Koalition hineinschlittern, um nur dabei gewesen zu sein. Deutsche Rechtspartei ist wünschenswert! Auf die Frage, welche Möglichkeiten Kurt Schumacher einer deutschen Rechtspartei zubillige, sagte der SPD-Vorsitzende, eine demokratische krisenfeste Rechtspartei könnte die politische Stickluft in Deutschland zerreißen. Er würde daher die Bildung einer solchen Partei begrüßen. Kurt Schumacher ging ferner auf die Zurückweisung seines Vorwurfs ein, die Alliierten hätten sich im Berliner Eisenbahnerstreik als unzuverlässig gezeigt. Das Verhältnis zwischen den alliierten und den deutschen Politikern sowie den Deutschen guten Willens sei noch nie so trübe gewesen wie jetzt „Mit Demontagen, deren psychologische Auswirkungen noch immer nicht bekannt sind, sowie mit Reden, wie sie kürzlich Außenminister ßevin hielt, kann man den demokratischen Willen der Deutschen nicht wachhalten.“ Zum deutsch-französischen Verhältnis unterstrich Kurt Schumacher, daß der französische Außenminister Schuman zu einer guten Zusammenarbeit mehr beitrage als es früher Bi- dault getan habe. Ein «Befehl durch die Blume' Frankfurt. 1. 7. Auf der Turnuskonferenz der Militärgouverneure und der Ministerpräsidenten der Doppelzone in Frankfurt erklärte General H a y s zugleich im Namen von General Robertson den Länderchefs, die gegenwärtige Lage in der Frage des Bundessitzes sei „unwürdig“ und müsse schnellstens eine Klärung finden. Aus organisatorischen und technischen Gründen müßten die Alliierten verlangen, daß ihnen noch vor dem Zusammentritt des ersten Bundesparlaments der endgültige Bundessitz mitgeteilt würde. Ministerpräsident Christian Stock erklärte vor Pressevertretern, daß dieser „Befehl durch die Blume“ eine völlig neue Lage schaffe. Die Ministerpräsidenten der elf westdeutschen Länder und der Organisationsausschuß, dem Mitglieder des Parlamentarischen Rates, des Wirtschaftsrates und Vertreter der französischen Zone angehören, werden sich in Schlangenbad am 6. Juli treffen, um über den künftige» Bundessitz Westdeutschlands erneut zu beraten. «Kolonie DeutfchlancT „New York Times“ kritisiert Hochkommissar Statut Neuyork, 1. 7. Das Statut der Hohen Kommission in Deutschland gebe den “alliierten Organen „praktisch unbegrenzte Machtbefugnisse“, erklärt die „New York Times“. Zwar sei das Dokument ein beträchtlicher Fortschritt gegenüber Potsdam, doch erhalte Westdeutschland dadurch den „Status einer Kolonie mit einer sehr beschränkten Autonomie“. Abschließend wird in dem Artikel der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß das Statut nur provisorischen Charakter haben und das Ziel der Besatzungsmächte, die Bildung eines demokratischen Deutschlands, das seinen Platz in der Gemeinschaft der Nationen einnehmen könne, verwirklicht werden möge. «mwiag, IMmt Seite 2 — Nummer W ZtosWoß f Nachwort zum Berliner Streik Aus Berlin wird uns geschrieben: Der Abbruch des. Streiks der Westberliner Eisenbahner erfolgte unter außergewöhnlichen Umständen Die westlichen Kommandanten erließen einen Befebi, durch den dem Oberbürger» meistOr die weitere Auszahlung von Arbeitslosenunterstützung an die Eisenbahner untersagt wurde, bis auf Zahlung an solche, die schriftlich erklärten, aus Sicherheitsgründen nicht zu ihrer Arbeit unter der Reichsbahndirektion zurückkehren zu können. Bei einem Rückblick auf diese angespannten Wochen bleibt es. immerhin beachtlich, daß es gelang, eine Berufsgruppe wie die Eisenbahner geschlossen in den Kampf zu führen, und die Geschlossenheit während der ganzen Zeit aufrechtzuerhalten. Der kommunistische Terror während der ersten Streiktage steigerte die Entschlossenheit und sicherte den Eisenbahnern die Sympathien der ganzen Bevölkerung. Bemerkenswert Ist aber auch die Tatsache, daß bei Streikbeginn nicht einmal dreitausend Eisenbahner in der UGO organisiert waren (eine geringere Mitgliedschaft als die des kommunistischen FDGB unter den in den Westsektoren wohnenden Eisenbahnern). Während des Streiks ist die Position der UGO organisatorisch gestärkt worden, daß sie jetzt etwa 70 Prozent dieser Berufsgruppe erfaßt hat. Es herrscht in der Bevölkerung der Eindruck vor, daß die UGO in einer außerordentlich komplizierten Auseinandersetzung zum mindesten einen Teilerfolg errungen hat. Entscheidend bleibt leider, daß keine wirkliche Sicherheit für die am Streik Beteiligten gegeben wird. Die in einem Brief des sowjetischen Transportgenerals Kwaschnin enthaltene Zusage, keine Repressalien zu ergreifen, wurde Im selben Brief eingeschränkt. Auf der anderen Seite verweisen die westlichen Kommandanten auf das Pariser Übereinkommen der vier Mächte, „alles zu tun, um den Verkehr von Gütern und Personen zu ermöglichen und normale Verhältnisse in Berlin wieder herzustellen“ Während die Eisenbahner vor dem 21. Mai lediglich mit der Ostdirektion und der hinter ihr stehenden SMA zu tun hatten, sind die Westmächte jetzt bis zu einem gewissen Grad mit von der Partie. Es ist verständlich, daß sich die Alliierten und die Berliner wegen der mit dem Streik verbundenen Transportbeschränkung Sorge machen. Immerhin dürfte es bei einigermaßen normaler Entwicklung noch möglich sein, bis Dezember, eine Million Tonnen Kohle hach Berlin zu bringen. Die Frage Ist jedoch, ob die erreichte provisorische Lösung nicht unter günstigeren Bedingungen hätte erzielt werden können. Es, muß auf die Dauer verhängnisvolle Folgen haben, wenn Fragen der Rechtssicherheit und der grundlegenden staatsbürgerlichen Freiheiten auf die leichte Schulter genommen werden. Die Alliierten neigen zu der Auffassung, daß sich die Sowjets ziemlicher Zurückhali ung befleißigen werden, um die westliche Rahmenvereinbarung nicht in Frage zu stellen. Es sind auch lediglich einige hundert Eisenbahner nicht in ihren Betrieb zurückgekehrt. Dabei handelt es sich weniger um Funktionäre, als um sogenannte Brigadefahrer, die Reparationslieferungen nach Rußland zu bringen haben und oftmals längere Zeit von Berlin abwesend sind. Es wäre jedenfalls falsch, den Konflikt als behoben zu betrachten. In Wirklichkeit sind gerade auch durch die alliierten Maßnahmen Fragen aufgeworfen worden, von deren Beantwortung die weitere Entwicklung in Berlin abhängt. Eine Finanzkonferenz tagt in Paris Der Kampf zwischen Dollar und englischem Pfund Paris, 1. 7. Seit Mittwoch tagt ln Paris „der Konsultativrat der Marshall-Plan-Länder“. Zumeist sind die Länder durch ihre Finanzmänner vertreten. Dementsprechend Ist auch das Thema, das nach außen hin die Form von finanz- technischen Erörterungen zu haben scheint. Es geht um ein Kompromiß in dem Kampf zwischen dem Dollar und dem englischen Pfund und um die Schwierigkeiten des intereuropäischen Zahlungsverkehrs. Am 30. Juni ist das Intereuropäische Zahlungsabkommen der Marshall-Plan-Länder abgelaufen und die meisten Länder fordern eine freiere Umtauschbarkeit der europäischen Währungen, die heute nicht gegeben ist. Der größte Gegener einer solchen Reform ist Großbritannien and sem Flnanzminister Cripps, an dessen unbeugsamer Haltung kürzlich die Brüsseler Tagung der Finanzminister scheiterte. Cripps ist auch gegenwärtig In Paris bemüht, den englischen Standpunkt einerseits gegen den amerikanischen und andererseits gegen den belgischen durchzusetzen. Soweit der britisch-amerikanische Gegensatz in Frage steht, soll der USA-Botschafter Harri- man den Vorschlag gemacht haben, auf das bisherige Recht der USA zu verzichten, von den europäischen Ländern, die an andere Länder im Rahmen des Marshall-Planes Kredite eröffnen, diese Kredite in Gold oder Dollar zu Blockade der chmefifchen Häfen ift „illegal' Noten der Alliierten an die nationalchinesisdie Regierung Washington, 1. 7. Der Außenminister gab auf seiner Pressekonferenz bekannt, es habe die amerikanische Regierung der nationalchinesischen Regierung ln einer Note mitgeteilt, daß sie die Blockade der kommunistisch Besetzten Häfen an der chinesischen Küste als Illegal betrachte. Die Note sei der chinesischen Regierung lediglich übermittelt worden, weil die USA die Rechte der amerikanischen Staatsbürger schützen wolle. Die Blockade könne nicht effektiv werden. Das aber müsse sie, um legal sein zu können. Acheson teilte weiter mit, daß die englische und die französische Regierung den gleichen Standpunkt wie die amerikanische einnehmen. Schanghai ans der Luft bombardiert Inzwischen gehen die Kämpfe der kommunistischen gegen die national-chinesischen Truppen unentwegt weiter. Die national-chinesischen Luftstreitkräfte haben Schanghai angegriffen und mit viermotorigen Bombern schwere Schäden und erhebliche Verluste unter der Bevölkerung verursacht. Nach dem ersten Bombenangriff sollen 100 Todesopfer zu beklagen sein. Der Sprecher der chinesischen Nationalregierung bestätigte die Absicht Tschiang Kai- scheks, demnächst nach Kanton zu kommen. Einen genauen Termin für das Eintreffen des Marschalls konnte er allerdings nicht nennen. Tschiang Kai-schek steht inzwischen auf Formosa in fortgesetzten Unterredungen und Verhandlungen mit den. Abgesandten der Regierung, des Generalstabes und der Kuomintang. Zwei Millionen Staatenlofe Lake Succes, I. 7. Der UN-Generalsekretär wird dem am 5. Juli in Genf zusammen tretenden Wirtschafts- und Sozialrat der UN verschiedene geeignete Maßnahmen zhr Lösung der Fragen vorlegen, die im Hinblick auf die Zahl von zwei Millionen Staatenlosen einer Regelung bedürfen. verrechnen. Die USA wollen den Engländern entgegenkommen und die Umtauschbarkeit dieser Kredite in europäische Währungen gestatten. Sollte es möglich sein, diese Hauptschwierigkeit irr. Kampf zwischen Dollar und Pfund zu überwinden, dann bliebe noch der englisch-belgische Gegensatz. Belgien hat einen Überschuß aus seiner Handelsbilanz. Dieser Überschuß besteht zum größten Teil aus Sterling-Guthaben, die bisher von den Belgiern ln Dollar umgerechnet werden konnten Spaak, der zurückgetretene Premierminister Belgiens ' soll vorgeschlagen haben, für das Jahr 1949/50 auf die Umtauschbarkeit in Dollar zu verzichten und Belgiens Bereitschaft erklärt haben, einen Weg zu finden, der das Risiko der Gold- und Dollarverluste für Großbritannien und andere Länder begrenzt, aber doch zugleich eine freiere Gestaltung des intereuropäischen Zahlungsverkehrs ermöglicht. Die ersten Beratungen der Minister sollen nicht sehr erfolgversprechend gewesen sein. Wenngleich Inhalt und Form der Beratungen in erster Linie den Finanzfachmann angehen, wird doch der Ausgang dieser Konferenz von außerordentlich großer Bedeutung für die westeuropäische Wirtschaft sein. Eine Einigung erzielt Paris, 1. 7. Bel den Beratungen der Marshall-Plan-Länder über das Intereuropäische Zahlungsabkommen konnte eine Einigung erreicht werden. Die Minister haben bis Freitagmorgen, 3 Uhr, getagt und ein Übereinkommen erzielt. Die Einzelheiten sollen durch die Sachbearbeiter festgelegt werden, und im August werden sich die Minister neuerlich zu einer Sitzung treffen. Generalltreik in Londoner Häfen London, 1. 7. Das Streikkomitee der Hafenarbeiter hat zum Generalstreik aufgefordert, obwohl die Gewerkschaften noch immer gegen den Streik sind. Anlaß für die neue Verschärfung des Konflikts Ist der Beschluß der Unternehmer, die Hafenanlagen für die Arbeiter zu sperren, die sich zwar entsprechend den Aufrufen der Gewerkschaften bereit erklärt hatten, die Arbeit in den Docks wiederaufzunehmen, aber die Entladung einiger kanadischer Schiffe verweigern, da sie dies als Streikbrecherarbeit ablehnen. Bis gestern waren etwa 90 Schiffe blockiert. Gemeinfchaft „unabhängiger Deutscher" Raritätenkabinett der Hitlertreuen Freiburg, 1. 7. Aus Bonn kommt die Meldung, daß sich kürzlich In Bad Godesberg unter der Führung" des sattsam bekannten Joachim von Ostau eine Gemeinschaft „unabhängiger Deut- ■ scher“ gebildet hat, die in einem Aufruf „an alle Deutsche“ eine Neuauflage des „Deutschen Reiches in seinen historischen Grenzen“ fordert, allen politischen Parteien den Kampf ansagt und der „anonymen Diktatur der Parteibüros das Recht der freien Willensentscheidung“ gegenüberstellt. Aber nicht dieses Programm ist das Interessante an diesem Vorgang, sondern die Persönlichkeiten, die sich in dieser „Gemeinschaft“ zusammengefunden haben, um die Möglichkeit zu erörtern, Abgeordnete für das künftige Bundesparlament zu entsenden. Da werden neben Schacht, Generalfeldmarschall Sperrle, ein weiteres Dutzend hoher Generale und Offiziere neben Industriellen und Dr. Eckener ge- SED-Selbmann von Weftzonenwirtfchaft fehr beeindruckt „Idi kann versickern, daß die Nachrichten über den Wohlstand in den Westzonen wahr sind“ Berlin, 1. 7. Der 2. Vorsitzende der Deutschen Wirtschaftskommission der Ostzone (DWK), Selbmann (SED), stellte vor der Wirtschaftskommission in Berlin fest, daß die Bevölkerung der Westzonen durch den Marshall-Plan „ein geordnetes und geregeltes Lebensniveau“ erhalten habe. Uber seine kürzliche Reise durch Westdeutschland sagte Selbmann, er sei „sehr beeindruckt von dem Gang der Wirtschaft im Westen. Auf keinem Gebiet sei Rohstoffknappheit festzustellen.“ Er unterstrich, daß auch das Verhältnis der westlichen Besatzungsmächte zu der Bevölkerung ein viel besseres sei als in der Ostzone. Selbmann erklärte: „Ich kann Ihnen versichern und bestätigen, daß die verbreiteten Nachrichten über den Wohlstand in den Westzonen tatsächlich wahr sind.“ Er forderte die sowjetische Militäradministration auf, der Wirtschaftskommission etwas mehr freie Hand zu lassen und die Entnahmen aus der laufenden Produktion zu kürzen. Für die SMA antwortete Major Rudnlk, daß er den Schilderungen Selbmanns mit Interesse gefolgt sei und stellte fest, die SMA stimme mit der Forderung Selbmanns überein, den Lebensstandard der Ostzonen-Bevölkerung dem der Bewohner der Westzonen anzugleichen. Keine Volksbefragung in Bayern München, 1. 7. Die amerikanische Militärregierung für Bayern hat eine Volksabstimmung über das Grundgesetz in Bayern abgelehnt, da die zur Volksabstimmung vorgeschlagenen Fragen bereits von zuständiger Stelle entschieden worden seien. Vom 49. in den 50. Staat der USA Stuttgart, 1. 7. Em Vertreter des technischen Personals der englischen Post, E. Pewer, berichtete auf dem Kongreß der westdeutschen Post- gewerkschaffler, er habe bei seiner Ankunft auf dem Frankfurter Rhein-Main-Flughafen den Eindruck gehabt, in North-Carolina gelandet zu sein, so wimmele es in Frankfurt von Amerikanern. Seine Täuschung käme wohl daher, daß er vom 49. Staat der USA (England) in den 50. Staat geflogen sei. Heimkehrer ans Rußland Ulm, 1.7. Im Uimer Durchgangslager Kienlesberg ist ein Transport mit 298 Heimkehrern aus der Sowjetunion eingetroffen. Der größte Teil von ihnen, 226 Mann, sind in der französischen Zone ansässig. Schachts Vorträge verboten Göttingen, 1. 7. Auf Befehl des Gouverneurs für Niedersachsen sind die beiden geplanten öffentlichen Vorträge Schachts ln Göttingen verboten worden. nennt. Kurz: ein Raritätenkabinett früherer Generäle und anrüchiger Politiker. Besonders Interessant Ist, daß bei der Gründung dieser „Gemeinschaft unabhängiger Deutscher“ der General a. D. Ernst Remer in der Öffentlichkeit erschienen ist, der bekanntlich als Kommandeur des Berliner Wachbataillons den Aufstand des 20. Juli gegen Hitler blutig niederschlug. Kaum fünf Jahre sind vergangen und schon kann ein Mann, durch dessen Schuld Tausende von Hitlergegnern, darunter seine „Kameraden“, seinerzeit hingerichtet wurden, der für seine Verdienste um die Erhaltung der Hitlerdiktatur zum Oberst und dann zum General befördert wurde, öffentlich als „unabhängiger Deutscher" auftreten und den Start ins politische Leben riskieren kann. Grotesk ist, daß ausgerechnet diese Figuren, die während der Hitlerdiktatur ihre Abhängigkeit bewiesen haben, sich heute als „unabhängige Deutsche“ proklamieren und gar als Kandidaten für das westdeutsche Parlament auftreten wollen. Was aber die Groteske dieses Vorganges vollkommen macht, ist die Tatsache, daß nach einem Bericht des „Telegraf" dipse „ungebundene Sammlungsbewegung“ auf die Initiative von CDU- Kreisen zurückgehe, und daß das Godesberger Raritätenkabinett von dem CDU- Vorsitzenden Dr. Krause in Hannover zusammengestellt worden sein soll. Ob er den partelofflzlellen Auftrag hatte, die Reste der ehemaligen hitlertreuen Wehrmacht und sonstigen Größen für das Bundesparlament salonfähig zu machen, schreibt der „Telegraf“, konnte bisher noch nicht festgestellt werden. SPD-Zeitungen in Württemberg-Baden Stuttgart, 1. 7. In Stuttgart, Mannheim und Heilbronn werden ab X. August politische Tageszeitungen der SPD herausgegeben, wie sie bereits ln der britischen Zone erscheinen. In Stuttgart kommt die „Württembergische Abendzeitung“ heraus, in Mannheim die „Badisch-Pfälzische Abendzeitung“ und in Heilbronn „Das Neckarecho“. Chefredakteur der Stuttgarter SPD-Zeitung wird Ernst Paul. Polizei und Militär greift in tfchechifchen Kirchenkonflikt ein Prag, I. 7. Die kirchenpolltische Lage In der Tschechoslowakei hat sich so weit zngespitzt, daß es zu Zusammenstößen auf dem Lande zwischen Bauern und Polizei gekommen ist. In den verschiedenen Landkreisen ist da s Stand- recht verhängt worden. Der Erzbischof von Prag, Beran, soll sich entschlossen haben, das erzbischöfliche Palais nicht mehr zu verlassen, weil Ihm durch die Regierung mitgeteilt worden ist, er könne sich frei bewegen, aber man werde ihm „einen Schutz beigeben, um unfreundliche Handlungen gegen Ihn zu verhindern“. Der Erzbischof betrachtet einen solchen „Schutz“ als polizeiliche Überwachung und wird deshalb seinen Palast überhaupt nicht mehr verlassen. Besondere Unruhe herrscht unter der slowakischen Bevölkerung gegenüber der kirchenfeindlichen Politik der Regierung. Die Bauern haben Vorkehrungen zum Schutz ihrer Priester getroffen. Als infolge eines Verbots der Regierung der letzte Hirtenbrief in den slowakischen Kirchen nicht mehr verlesen werden durfte, glaubten die Bauern, ihre Priester sollten verhaftet werden. Sie bewaffneten sich mit Jagdgewehren und rotteten sich vor den Pfarreien zusammen, um die Priester zu schützen. Es wird berichtet, daß verschiedentlich Polizeikräfte und Militärabteilungen eingesetzt werden mußten. Die Polizei ist verstärkt worden, und jedem slowakischen Polizisten wird ein tschechischer beigegeben. 18 Monate Zuchthaus für Vitianu Winterthur, 1. 7. Das schweizerische Bundesstrafgericht verkündete das Urteil gegen den Rumänen Vitianu. Der Angeklagte wurde wegen Wucher, der Einrichtung eines Wirtschaftsnachrichtendienstes und wegen Korruption zu lg Monaten Zuchthaus und 15 Jahren Landesverweis verurteilt. Vitianu wurde dagegen von den Anklagepunkten verbotener Handlungen zugunsten einer fremden Macht, der Übermittlung politischer Nachrichten, der Erpressung und falscher Anschuldigung freigesprochen. Sonderrechte für australische Regierung Sydney, 1.7. In Australien sind die Bergarbeiter in den Generalstreik eingetreten. Das Wirtschaftsleben des Landes wird dadurch erheblich beeinträchtigt. Um die Klagen der Bergarbeiter auf ihre Berechtigung nachprufen zu können, wird die La- bour-Regierung beim Parlament Sondervollmachten einholen, wodurch sie das Recht erhält, folgende Maßnahmen beschließen zu können: Dienstverpflichtung von Männern und Frauen zu Arbeiten im Öffentlichen Interesse; Kontrolle der gesamten Produktion und Vorräte der meisten Rohstoffe und sämtlicher Bedarfsgüter; Kontrolle und Benutzung aller Transportunternehmen und Transportmittel sowie Hausdurchsuchungen in sämtlichen Handelsund Industrieunternehmungen. Australische Regierung sperrt Streikfonds London, 1. 7. Nach Meldungen des australischen Rundfunks verlangt der australische Justizminister Dr. Evatt vom Parlament die Annahme eines Gesetzentwurfes zur Blok- kierung des Streikfonds der Bergarbeiter, die vor einigen Tagen in den Generalstreik getreten sind. Evatt erklärte, der Bergarbeiterstreik schade den Interessen der Nation und die Benutzung des Streikfonds zur Unterstützung von Streikenden müsse daher für un-- gesetzlich erklärt werden. Der Gesetzentwurf verlangt die Bestrafung aller Organisationen, die den Streik unterstützen, mit Geldbußen in Höhe von tausend Pfund und aller Personen, die sich an dem Streik beteiligen, mit sechs Monaten Gefängnis. Es wird angenommen, daß das Parlament dem Gesetzentwurf zustimmen wird. Bildung des Landeswahlansschnsses Das Badische Innenministerium teilt mit: Gemäß § 3 der Wahlordnung für die Wahl zum ersten Bundestag vom 17. Juni 1949 werden die nachstehend aufgeführten Personen als Beisitzer bzw, Stellvertreter in den Landeswahlausschuß berufen Beisitzer dei CDU; Adolf Isele, Freiburg, Erbprinzenstraße 3. Stellvertreter: Artur Riesterer, Freiburg, Erbprinzenstraße 3. Beisitzer der SPD" Dr Walter Gotthard, Freiburg, Stadtstraße 28. Stellvertreter: Dr. Alfred Riemensperger, Freiburg, Blasiusstr. 16. Beisitzer der FDP: Wolf, Lahr, Burghelmer Straße 14. Stellvertreter: Mischler, Freiburg Sch war zwald Straße 71. Beisitzer der K P: Jakob Treffeisen, Freiburg, Steinackerstraße 2. Stellvertreter: Harry Dobberkau, Freiburg, Flaunserstraße 16. Beisitzer der „Sammlung zur Tat“: Karl Steinfeld. Villingen, Kirnacker Straße 18 Stellvertreter - Max Krey, Villingen, Herdstraße 75. Nachlieferung von Weißmehl Freiburg, 1. 7. Für den Monat Mai werden jetzt an alle Altersgruppen der Normalverbraucher, Teilselbstversorger in Fleisch und Butter und Inhaber von Selbstversorger-Brotkarten 1500 g Weißmehl der Type 1050 nachgelieiert. An Stelle de» Mehls können auch 2000 g Weißbrot bezogen werden. Der Aufruf, erfolgt durch die Ernährungsämter entsprechend den lokalen Anlieferungen auf Abschnitte der J u n i - K a r t e. Die Abschnitte ..Brot A und B“ der Mai karten (126. Zuteilunge- periode) brauchen nicht mehr aufbewahrt zu werden. Die neuen Volkswagen-Modelle werden auf einer Sonderschau in Freiburg, Schwarzwaldstraße (Meßplatz) nur vom 1. bis 4. Juli 1949, nicht wie angezeigt vom 1. bis 7. Juli ausgestellt. Was mathl das Wetter ' Durch großräumigen Druckanstieg Ober dem gesamten Ostatlantik und Westeuropa hat das groß* westeuropäische Hochdruckgebiet abermals eine wesentliche Kräftigung erfahren, während die 810- rungstätigkeit auf die östlichen Gebiete des Kontinents sowie den West- und Nordatlantik be- ] schränkt bleibt. Damit hält der überwiegend i trockene, sommerliche Witterungscharakter auch weiterhin an. Wetteraussichten: überwiegend heiter oder nur leicht bewölkt und trocken, weiterhin sommerlich warm Höchsttemperaturen ln den Niederungen 25 bis 30 Grad. Hecht milde Nächte, schwache Winde aus nördlicher Richtung. Samstag, S. Jul! «W Hummer 1t — Seite - BasBoß Wohnungselend trotz Baustoffen und Arbeitskräften? Der soziale Wohnungsbau ist erste Pflicht! Erfolgreich Bilanz der englischen Kohlenindustrie Förderleistung und Export erheblich gestiegen — 1948 wurde Gewinn erzielt Wohnungsbau ist die Sozial- und Kulturtat der Gegenwart und deshalb eine Hauptforderung der SPD. Inwieweit ein ausschlaggebender Einfluß auf die Realisierung dieser Forderung ausgeübt werden kann, wird durch die Wahl zum Bundestag entschieden werden. Unbestreitbare Tatsache ist, daß in den mehr oder minder sozialistisch regierten Ländern, wie: Schweden, Dänemark, Norwegen, Finnland und England der soziale Wohnungsbau zum Wohle der breiten Masse einen hervorragenden Platz einnimmt. Die Bedeutung, die dem sozialen Wohnungsbau in Deutschland unter dem Einfluß der SPD bereits nach dem ersten Weltkrieg zugesprochen worden war, wird heute weit überragt von den Erfordernissen, die infolge des zweiten Weltkrieges und seiner riesigen J&rstörungen auftreten. Notwendig — und wie von der SPD gefordert — ist eine planmäßige Politik der Bauwirtschaft, Bautechnik und Baufinanzierung. Es wird nunmehr vor allem darauf ankommen, die nötige politische Macht zu erkämpfen. Ah Stelle des Denkens in „Rendite“, der Ausrichtung nach privatkapitalistischen Gewinngesichtspurfeten, muß ein anderes volkswirtschaftlichen Denken Platz greifen, wenn schon die Baustoffe produziert werden können, und diese ebenso wie die Arbeitskräfte vorhanden sind, muß auch die Finanzierung — ein rein politisch-technisches Problem — gilöst werden können und müssen! Das Volk wird mit Recht nie verstehen, wenn trotz der vorhandenen Güter und Arbeitskräfte, die zum Teil brach liegen, große Teile der Bevölkerung (ohne Aussicht auf eine baldige Abhilfe) in Kellerwohnungen, in Trümmern, hi überbelegten Wohnungen eingepfercht und. menschenunwürdig weitervegetieren sollen. Ein Versagen bei der Lösung dieser größten der Nach- kriegsprobleme birgt eine tödliche Gefahr für den neu aufzubauenden Bundesstaat in sich und verhindert.darüber hinaus die Befriedung Europas. Die am 2. Juli in Freiburg stattfindende Tagung des Bau- und Wiederaufbauausschusses der SPD Südbadens wird die elementaren Aufgaben, die dem heutigen Bauwesen gestellt sind, zu erörtern haben und an ihrer Lösung Mitarbeiten. E. F. K., Arch. Internationaler Genossenschaftstag Hamburg, 1. 7. Zum Qfl. Internationalen Genos- sensefoaftstag am 2. Juli hat der Internationale Genossenschaftsbund einen Aufruf erlassen, in dem es u. a. heißt: Im Namen der genossenschaftlichen Organisationen in den fünf Erdteilen, die eich das Ziel gesetzt haben, eine freie Gemeinwirtschaft zu errichten, um den Lebensstandard und die soziale Lage der breiten Massen in allen Ländern zu heben, ruft der IGB die Genossenschafter der Welt auf zu einem Bekenntnis zu den Idealen der freien und freiwilligen Genossenschaftsbewegung. Er ist überzeugt, daß der wirtschaftliche Nationalismus, der sich als eine gefährliche Brutstätte des Krieges erwiesen hat, durch wirtschaftliche Zusammenarbeit aller Nationen ersetzt werden muß. Eine solche Zusammenarbeit wird allen Völkern den freien Zugang zu den Reichtümem dieser Erde und einen Anspruch auf deren gerechte Verteilung sichern. Der Internationale Genossenschaftsbund erklärt, daß eine genossenschaftliche Ordnung der sicherste Weg ist, den Frieden zu sichern. Die genossenschaftlichen Ideale der Gerechtigkeit, der Freiheit für alle und das unablässige Streben nach wirtschaftlichem und sozialem Fortschritt durch die Macht des freiwilligen Zusammenschlusses überwinden Ausbeutung, Unterdrückung und Nationalismus. Nachdem die Menschheit durch Faschismus und Nationalismus noch einmal in einen W e 11 k r i e g gestürzt worden ist, sollte die Menschheit reif sein, für den Gedanken, daß es nur einen wahren Weg zur Lösung internationaler Fragen gibt: Zusammenarbeit im genossenschaftlichen Geiste. Grüne 50-DM-Sdieine anfgernfen Frankfurt, I. Juli. Die Bank Deutscher Länder hat die Banknoten zu 50 DM der graugrünen Ausgabe zum 31. Juli 1949 aufgerufen. Von, diesen Banknoten ist nur ein sehr geringer Betrag in Umlauf gesetzt worden. Die aufgerufenen Banknoten verlieren mit dem Ablauf des 31. Juli ihre Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel, sie werden aber von den Landeszentralbanken bis zum 31. Okt. umgetauscht. Die Bilanz, die der National Coal Board (NCB) soeben über das zweite Geschäftsjahr der im Rahmen des englischen Sozialisierungsprogram- mes verstaatlichten Kohlenindustrie Englands vorgelegt hat, zeigt ein wesentlich freundlicheres Bild als die Bilanz des Vorjahres und läßt erkennen, daß im Jahre 1948 von der Leitung der englischen Bergwerke erfolgreiche Arbeit geleistet wurde. Schloß die Bilanz des Vorjahres mit einem Defizit von nahezu 23/4 Millionen Pfund Sterling ab, so ergab sich 1948 ein Gewinn von 1/4 Millionen Pfund, wobei zu beachten ist, daß nebenbei noch erhebliche Summen für Zinsen an die früheren Besitzer der Bergwerke bezahlt wurden. Auch die Förderleistung ist erheblich gestiegen. Insgesamt wurden 10,4 Millionen Tonnen Kohle mehr gefördert als 1947; das bedeutet eine Steigerung von rund 5H Prozent. Als weiteren Aktivposten konnte Lord Hynd- ley, der Präsident des NCB, den erhöhten Kohle-Export Englands im abgelaufenen Geschäftsjahr anführen. Zwar wurde die Höhe des Vorkriegs-Rekords noch nicht erreicht, mit einer Exportzunahme von 16 Millionen Tonnen wurde jedock ein beachtlicher Fortschritt erzielt. Besonders beachtlich aber erscheint, daß die Förderleistung des einzelnen Bergarbeiters beträchtlich zugenommen hat. Der NCB glaubt, Finanzausgleich und Ethik Sozialdemokraten stellten die Interessen des Ganzen über die des eigenen Landes Der Finanzausgleich zwischen den „armen“ und „reichen“ Ländern der Doppelzone, seit Jahren ein Schmerzenskind nachkriegsdeutscher Zusammenarbeit, ist nun unter Dach und Fach. Unter der Bezeichnung „Vorläufige Regelung der Kriegsfolgelasten“ wird, wie der nieder- sächsische Finanzminister Strickrodt erleichtert feststellt, zwischen die „reichen“ Länder Hamburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Württemberg-Baden und die „armen“ Länder Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bayern eine „Manövriermasse“ von 500 Millionen Mark geschoben, von denen Kiel 220 Millionen, Hannover 180 Millionen und München 100 Millionen erhalten. Daß die Vertreter der armen Länder für den Finanzausgleich gestimmt haben, ist nicht verwunderlich; sofern man selber egoistisch veranlagt ist, wird man auch den „Gebenden“ nachfühlen, daß sie gegen diese Regelung gestimmt haben. Die „Armen“ wären aber in der Minderheit und der Finanzausgleich ein schöner Traum geblieben, hätten sich nicht unter den „Reichen“ einige gefunden, die sich von einer höheren Einsicht leiten ließen. Das war der Vertreter von Bremen, das war weiter der hessische Ministerpräsident und schließlich der Wirtschaftsmindster von Württemberg-Baden, Veith. Finanzminister Strickrodt sieht in der Haltung jener, die für den Ausgleich gestimmt haben, obwohl sie zahlen müssen, ein hohes sittliches Moment. Dr. Strickrodt hat aber übersehen, oder zumindest vergessen zu erwähnen, daß es sozial-demokratische Mitglieder des Länderrats waren, die die Interessen des Ganzen über die gewiß nicht unverstandenen Interessen des eigenen Landes zu stellen wußten und damit den Finanzausgleich retteten. Der Unterschied in der Haltung der sozialdemokratischen und der christlich-demokratischen Mitglieder des Länderrats wird besonders ersichtlich, wenn man die Länder Hessen und Württemberg-Baden betrachtet. Die Finanzminister beider Länder gehören der CDU an, beide haben gegen den Ausgleich gestimmt, während ihre sozialdemokratischen Landsmänner das Gegenteil taten. Man kann aus dieser Haltung viele Schlüsse ziehen; unter anderem auch den, daß man auf sozialdemokratischer Seite den Sinn des Bibelwortes begriffen hat, daß Geben seliger ist denn Nehmen. Die christlich-demokratischen Abgeordneten des Länderrats haben nur die Vorteile des Nehmens erkannt. daß die Hälfte der Mehrförderung darauf zurückzuführen ist. Drei Millionen der insgesamt 10,4 ‘Millionen Tonnen Mehrförderung Werde» der Zunahme der Bergarbeiter zu geschrieben, deren Zahl sich um rund 8000 erhöhte, der Rest auf die Verbesserung der Arbeitsverhäft- nisse und der Modernisierung der einzelne» Gruben. Diese Verbesserung der technischen Einrichtungen, die sofort nach der Verstaatlichung der Kohlenindustrie nach einem großangeflegte» Plan in'Angriff genommen wurde, soll noch bis Ende dieses Jahres abgeschlossen werden. Die Produktionskosten sind — sie betrugen ii» Jahre 1948 4 s, 3 d pro Tonne — nach Ansicht Lord Hyndleys immer noch zu hoch. Ihrer Senkung gilt das Hauptaugenmerk des NCB für das nächste Jahr. Noch keine Genehmigung für Soforthilfe Frankfurt, 1. 7. Die Miliiärgouverneure haben bisher trotz wiederholter Rückfragen dem vom Wirtscbaltsrat verabschiedeten Soforthillegesetz noch nicht zugestimmt und konnten eine Stellungnahme noch nicht in Aussicht stellen. Dadurch wird der vorgesehene Zahlungstermin am I. August voraussichtlich nicht eingehalten werde« können. Zwischenergebnis der Reichsb ah n im l eih« Frankfurt, 1. 7. Aus kleinen und kleinsten Beträgen sind bis 30. Juni etwa 55 bis 60 Millionen DK^ fiir die Reichsbahnarfeihe gezeichnet worden. Das Interesse und die Zeichnungstätigkeit hat in den letzten Tagen deutlich zugenommen. Außerdem stehen erfolgreiche Verhandlungen mit verschiedenen Stellen über die Unterbringung größerer Beträge (über 200 Milt. DM) vor aem Abschluß, Nach dem letzten Stand des Zeichnungsverjaufs ist daher mit einem Mindestergebnis der Reichsbahnanleihe von reichlich 250 Millionen DM zu rechnen. Neue Wanderpersonalkarfen Frelbnrg, l. 7. Wie das Badische Ministerium .Sag Landwirtschaft und Ernährung teilt mit: Im Hugo der Angleichung der Lebensmittelverteilung an (86 Bizone werden die bisherigen WanderpersoasU karten für ambulante Gewerbetreibende, ArtSte^ usw. mit dem Jual 1949 ungültig. Versorgungsberechtigte dieser Art wenden sich am besten unter Vorlage ihrer bisherigen Karte sofort an das nächste Emährungsamt, das ihnen über die Bestimmungen zur Erlangung der neuen Karte Auskunft gibt. Pflege- und Gefäbrdeienzulagekarie Frelbnrg, 1. 7. Dag Badische Ministerium Landwirtschaft und Ernährung mitteilt, wird für die Bezieher von Pflege- und GefährdetenzulagO, das heißt das Personal von Krankenhäusern, freiberuflich tätige Krankenschwestern, Hebammen usw.* für Juni, Juli und August Je eine besondere Lebens- mittelzulagekarte ausgegeben. Die Karte hat nur im Lande Baden tr französische Zone — Gültigkeit, und ihre Abschnitte sind von den Einzelhandelsgeschäften und Gaststätten bis zum 30. September anzunehmen. Das Programm am Wodienende Aufstiegsspiele Zonenliga Nord: ASV Landau — VfB Kim, Spvg. Ingelheim — FV Engers. Oberliga west: VfL Witten — Spvg Herten. Wasserbau Kämpfe um die südbadische Wasserfoallmeister- schaft in Singen unter Teilnahme von: VfL Kon- Ktnz, Rot-Weiß Lörrach, SV Säckingen, Fortuna Preiburg und SSC Freiburg. Adtem Halbzeitmeister In den Aufstiegsspielen zur Fußball-Landealiga Südbaden konnte der SV Achern, Meister des: Bezlrses Baden-Baden, alle Spiele ungeschlagen beenden und sich somit die Halbzeitmeisterschaft sichern. Die Riifkrunde der Aufstiegsspiele beginnt mit Ablauf der Sommersperre am 31. Juli. Morgen in Köln Dm Wiederholungsspiel zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Borussia Dortmund wird am morgigen Sonntag um 17Uhr Sn Kölner Stadion stattflnden. Auch der 3. Platz wird ausgespielt Nach einem Beschluß des DFA-spielaua- ■ chusses wird auch der dritte Platz in der Deutschen Fußballmeisterschaft ausgespielt werden. Am 9. Juli wird in Koblenz der Verlierer aus der morgigen Begegnung 1. FC Kaiserslautem jagen Bprussia Dortmund auf die Offenbacher Kickers treffen. DFB-Festakt In Stuttgart Das diesjährige Fußball-Endspiel wird in der Geschichte des Deutschen Fußballsportes eine besondere Stellung einnehmen, wird doch bei dieser Gelegenheit der Deutsche Fußball-Bund wiedergegründet. Beim feierlichen Akt im Württem- bergischen Staatstheater am Vormittag des Endspieltages wird Ministerpräsident Reinhold Maier die Festrede halten. Darüber hinaus würdigen führende Persönlichkeiten des deutschen Sports die Wiedergeburt des größten deutschen Sportverbandes. Wie bedeutend die Schaffung des DFB ist, geht daraus hervor, daß man auch im Auslande lebhaften Anteil daran nimmt. Neben unseren Schweizer Freunden hat auch der Generalsekretär des englischen Verbandes, Sir Stanley Sous, sein Kommen zugesagt, um mit dem DFB Einzelheiten Ober den internationalen Sportverkehr zu besprechen. Ober den Verbleib der alten Viktoria wird neuerdings bekannt, daß sie möglicherweise beim Stuttgarter Endspiel durch zwei Mitglieder des letzten deutschen Fußballmeisters, Dresdener Sportclub, überreicht wird. Außerdem ist der Plan vorhanden, die Trophäe anläßlich eines Zusammentreffens des Deutschen »Meisters mit dem Ostzonen- «neister ZSG Halle am 28. August in Chemnitz auszuhändigen. Südbadische Leichtathletik-Meisterschaften verschoben Im Hinblick auf das Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft hat der südbadische Leicht- gthletüfveahand die südbadischen Meister- snhajten, die am 9. und 10. Juli stattflnden sollten, «cf den 16. und 17. Juh verschoben. Die J'ugendmeisterschaften wurden auf den 23. und 24. Juli verschoben und kommen in ÄF|#ä3Ww*n die Meierte schäften der französischen Zone an einem noch zu bestimmenden Ort in der Pfalz durchgeführt. Rekordquoten beim bayrischen Toto Vor der Fußballsommerpause konnte der bayrische Fußball-Toto im 41. Wettbewerb am vergangenen Sonntag folgende Quoten ausbezahlen: 1. Rang 2 Gewinner mit Je DM 86 462— 2. Rang 69 Gewinner mit Je DM 2 505.— 3. Rang 1356 Gewinner mit je DM 127.50 Schwimm-Meisterschaften in Freiburg Am Sonntag wurden im Freiburger Marienbad die Bezirksmeisterschatten im Schwimmen unter Beteiligung von zirka 120 Schwimmern und Schwimmerinnen durchgeführt. Die Kämpfe brachten zum Teil schöne Leistungen, und die Fortunen konnten sich die weitaus größte Beute an Siegen sichern. Überraschend gut schnitten aber die Jugendschwimmer des SSCF ab und berechtigen somit zu den besten Hoffnungen. Die wichtigsten Ergebnisse: Männer: 100 m Kraul: Schoppmeier, FF, 1.13.4 Min. 300 m Kraul: Gühr, FF, 2.51.6 Min. 400 m Kraul: Schoppmeier, FF, 6.23.8 Min. 100 m Brust: Bleck, FF, 1.21.4 Min. 200 m Brust: Dietsche, FF, 3.11.1 Min. 100 m Rücken: Walther, SSCF, 1.20.9 Min. 4X100 m Brust: 19. Hanauer Kampfspiele Vor dem Kriege waren die Hanauer Kampfspiele in Freistett ein beachtliches Sportereignis, bei dem sich die Jugend aus Stadt und Land alljährlich ein Stelldichein zum Kampf auf dem grünen Rasen gab. Spitzenkönner aus Karlsruhe, Mannheim, Eßlingen, Freiburg, Offenburg und anderen Orten lieferten sich heiße Kämpfe. An diese Tradition will nun der Sportverein Frei- stet: wieder anknüpfen und lädt die Jugend und alle Freunde der Leichtathletik ein, am 3. Juli zu den 19. Hanauer Kampfspielen nach Freistatt am Rhein zu kommen. Ausgeschrieben sind Wettkämpfe in allen Disziplinen für Jugend A und B, für Männer (Allgemeine und Sonderklasse), für Mädchen A und B sowie für Frauen. Die Sieger erhalten Plaketten und Diplome, die Staffelsieger Ehren- und Wanderpreise. Schwerathletik-Kreisfest Unter Teilnahme der Vereine Lahr, Kuhbach, Emmendingen, Waldkinch, St. Georgen, Sportfreunde Freiburg, ASV Freiburg führt der gastgebende Verein Blau-Weiß Freiburg am kommenden Wochenende auf dem Sportplatz an der Sehen- kendorfstraße ein Kreisfest im Ringen, Stemmen und Leichtathletik durch. Die Kämpfe beginnen am Samstag um 16 Uhr und am Sonntag um 8 Uhr. Bewachter Parkplatz steht zur Verfügung. Blau-Weiß Kreismeister im Ringen Mit einer großen Überraschung beendeten die beiden an der Spitze der Tabelle stehenden Ringermannschaften von Lahr und Blau-Weiß Freiburg die Kämpfe um die Kreismeisterschaft. Der Tabellenführer Lahr trat gegen den Tabellenletzten Sportfreunde Freiburg an und unterlag überraschend mit 5:3. Durch diesen Sieg leisteten die Freiburger Sportfreunde der Haslachei Mannschaft Schrittmacherdienste, die mit einem Sieg mit dem gleichen Resultat die Emmendinger Mannschaft schlug und damit mit einem Punkt Vorsprung Kreismeister wurde. Somit stehen ln allen Kreisen die besten Mannschaften fest, die sich in nächster Zeit an den Kämpfen um die Südbadische Meisterschaft beteiligen. Es sind dies: Kreis Oberrhein: Sportverein Inzllngen, $reis Schwarzwald: Hornberg und Konstanz, Kreis Freiburg: Blau-Weiß Freiburg und Lahr. In einem weiteren Kampf standen sich ln der Lessingschule die beiden Mannschaften ASV Freiburg upd Athletikverein Waldkirch gegenüber. Die interessanten Kämpfe, die mit einem 8:2-Sleg der ASV-Staffel endeten, nahmen folgenden Verlauf: Fliegengewicht: Weber, Freiburg, besiegte Nitz, Waldkirch, nach 2% Min, Bantamgewicht: Beck, Freiburg — Haberstroh, W. Nach 4 Minuten wurde Beck Sieger. Federgewicht: Keller, Freiburg, verlor nach 7 Min. gegen Fränki, W., durch Selbstwurf. Leichtgewicht: Fischer, Freiburg, besiegte Eckert, W„ nach einer halben Minute. Weltergewicht: Engter, Freiburg, besiegte Rieder, W , nach hartem Kampf. Mittelgewicht: Birkenmaler, Freiburg, verlor nach 7 Minuten gegen Fränki durch Selbstwurf. Halbschwergewicht: Zeller, Freiburg, siegte kampflos. Schwergewicht: Waizmann, Freiburg, siegte nach 6 Min. gegen Stratz, Waldkirch. Kreismeisterschaften der Schwerathleten In Inzllngen werden am 16. Juli die Kreis- meisters chatten der Schwerathleten durchgeführt werden. Bisher haben zu diesen ersten Meisterschaften 150 Schwerathleten ihre Meldung abgegeben, so daß mit einer ausgezeichneten Beteiligung zu rechnen ist. Neben den Einzelmeisterschaften im Gewichtheben, Ringen und Rasen- Dreikampf kommt noch die Meisterschaft im Mannschafts-Tauziehen zur Durchführung. In Verbindung mit den Kreismeisterschaften geben sich die alten Athleten des Oberrheins ein Stelldichein, auch aus der benachbarten Schweiz wurden Zusagen gemacht. FF, 6.09.8 Min. 3X100 m Lagen: FF (1. Mannschaft) 4.20.5 Minuten. Jugend I: loo m Kraul: Brücket, FF, 1.39.1 Min. 100 m Brust: Eberhard, SSCF, 1.32.5 Min. 200 m Brust: Hasler, SSCF. 3.26.9 Minuten. Jugend II: 50 m Brust: Stoffel, FF, 41.1 Sek. 50 m Rüche*) Hauser, SSCF, 44.0 Sek. 50 m Kraul: Dränle, FF, 36.3 Sek. 4X100 m Brust: SSCF, 6.33.4 Min. Frauen: 160 m Kraul: Daiber. SSCF, 1.25.3 Min. 100 m Brust: Bleck, FF, 1.40.0 Min. Jugend: 100 m Krault Reinecke, FF, 1.37.5 Min. 50 m Kraul: Füßlin, SSCF* 42.4 Sek. 100 m Rücken: Lederer, FF, 1.47.1 Min. Zeller Handballer erfolgreich Am Sonntag kam die Männer- und Frauenbandballabteilung des Sportvereins Walds but zun* Rückspiel der am Pfingstmontag ausgetragenen Freundschaftsspiele nach Zell. Beide Spiele wurde«* in flottem Tempo ausgetragen und von den Gastgebern gewonnen- (Männer 7:8, Frauen 4:2). Damit konnten die Zeller mit etwas Glück die ln Waidshot erlittenen Niederlagen ausgleichen. Schiedsrichter-Sitzung Am Sonntag, 3. Juli, um 10 Uhr, fi ndet ta Haut n g e n , Gasthaus zum Kranz, «me StÜHed*- richtersitzung statt. Es wird erwartet, daß sämtliche Schiedsrichter erscheinen. Vom Tischtennis Bei den ln Herbolzheim durchgeführten Stadtffieiiterschaiten gab es nach flotten Spielen folgende Ergebnisse: Vorspiele: Männer: l. W. Hügiln, 4. Kunzer* Frauen: 1. W. Knoblich, 2. L. Knoblich. Juniorem 1. P. HügUn, 2. Lehmann. Jedermannsklasse: 1. Dufner, 2. Maurer. Im Endspiel standen sich P. HügUn u»d W. Hüglin gegenüber. Mit einem 3:l-sieg kennte W. Hüglin die stadtmannsäiaft gewinnen. * Morgen, 3 . Juli, werden in der Turnhalle i* Donaueschingen die Elnzelmelster* schäften Im Tischtennis durdhgefübrt, wen* Jeder Einwohner des Kreises Donaueschingen teils nahmeberechtigt ist. Beginn der Meisterschafts- kämpfe vormittags 8.30 Uhr Vorturner- und Turnwarteversammlung Am Sonntag, 3. Juli, vormittags I Uhr. fladrt ho Jahnhaus in Freiburg-Zähringen «Ine lotete Vortumstunde für das bevorstehende Gauturnen in Lahr statt Jede Tumabteiiung der Bezirke: Müllheim, Neustadt, Emmendingen. Waldkirch, Breisach und Freiburg muß mit Turn warte» und Vorturnern vertreten sein. Gleichzeitig textet dabet eine Kampfrichterschulung statt. Boxen in Freiburg Nach längerer Unterbrechung tritt der Freiburger Boxsport erstmals wieder an die Öffentlichkeit und wird das Publikum mit einem Kampfabend im ASV-Stadion überraschen. Als Gegner zum ersten Mannschaftskampf wurde die Boxstaffel Lahr verpflichtet, und man darf auf das Abschneiden der Freiburger Boxer gespannt sein. Die Veranstaltung findet am Samstag, 2. Juli, um 20 Uhr im ASV-Stadion (Haltestelle Römerhof) statt. Sommerspielmelsterschaften Io Breisach Zu den am 10. Juli in Breisach stattfindenden Sommerspielmelsterschaften des Turngaues Breisgau sind von den teilnehmenden Mannschaften umgehend Meldungen an Franz Braun, Breisach a. Rh., Eisenbahnstraße 167, einzusenden. Zum ersten Mate seit der Nachkriegszeit wieder durchgeführt, werden die Spiele ln Breisach zu bestätigen haben, daß der Leistungsstand der Mannschaften den Anschluß an die Spielstärke der Yor- kriegsjahre erreich hat Besonders ia der Motette' kiasse werden wieder Gegner von beachtlicher Spielstärke wie VfL Freiburg, Seelbacb und Reichenbach aufeinander treffen. Doch sollte hier der Mannschaft des VfL Freiburg, die sich aus Spielern der früheren Meistermannschaft der Freiburger Turnerschaft zusammenaetzt, der Sieg kaum zu nehmen sein. Fortuna gewann Beim Lokaiderby zwischen den beiden Freit Zcmenltga vereinen Fortuna «ui« VfL k der Südzonenmeister nach ein«» «albasOstend w» 1:1 in einem ausgeglichenen Treffe« in den letzte» 15 Minuten durch Tore von Kopp und L1 e c h ty einen S:l-Sieg erringen Bericht folgt In der nächsten Ausgabe. Seit? 4 — Nummer W Samstag, 8. r JuM N49 Die Teerjacke/ Von Walter Anatole Per sieh Ida Klüten wai die Tochter de* PUlnnen- hökers Klüten und rcoon darum kein begehrte« Mädchen. Wer wuilte denn mit einer Deern aus einem Trödltrladen etwa* zu tun haben? Obendrein wai Ida, Oe«,ein von Sommersprossen verunschönt, und ihr Haar war rot, und von Gestalt war sie ein buchen zu gedrungen und pummelig. „ida Klüten!" «et.Hern die Jungs hinter Ihr her, .verbüke,«» du deine Sommersprossen Stück fü, Stück für n Groschen?“ Dann konnte sie wild werden vor Zorn. Zuweilen schlug s.e zu Aber Mädelbände sind nicht hart genug. Der schlimm»te von allen war Peter Brö- dersen ein Bengel, dem, als er allmählich lange Hosen trug, die Mädels geradezu nach* liefen ida Klüten hatte ihn groß angesehen als er zum erstenmal am Hafen aufgetaucht war, und es war auch etwas in Ihr« Träume geschossen, das sie tief in sich verkapselt hatte Na, und dann kam es zu der Geschichte auf dem Tanzboden. Ida war ein ganz ansehnliches Mädchen geworden wären nicht dte Sommersprossen gewesen — mancher hätte das rote Haar vielleicht schön gefunden. An dem Abend — Peter Brödersen betrat eben mit Siegermiene den Saal — rief der Tanzmeister: „Damenwahl!" und Ida ging, als ritte sie der Teufel, auf Peter Brödersen zu und machte einen Knicks: „Darf ich bitten?“ Das ungeschriebene Gesetz des Tanzbodens verlangt, daß jeder Tänzer jeder Dame bei der Damenwahl auf das Parke't zu folgen hat Peter Brödersen aber war ein FlegeL „Mit Trödeldeeihs tanz ich nicht!“ sagte er, und damit war Ida bis auf die Knochen blamiert. Viele hatten es gehört und laut gelacht Gin Seemann kann in der bunten Welt rund um den Hafen auf manche Klippe auflaufen, wenn es 'auch nicht immer gleich ein ganzer Schiffbruch wird. So kam Peter Brödersen in der Nacht, als er an Bord gehen mußte, in die Klemme Er war betrunken und konnte die Zeche nicht zahlen Der Wirt Kleidopp zog ihm einfach die Teerjacke aus und puffte Um raus auf die Straße, ein paar Kumpane sdhipperten mit Peter los und brachten ihn in Hemdsärmeln wohlbehalten an Bord. In Hemdsärmeln - für die große Winterreise! Am Vormittag erschien Kleidopp in Klütens Trödelladen mit der Teerjacke. Klüten war nicht da Kleidopp verlangte elf Mark siebzig, genau die schuldige Zeche, und Ida sah das Namensschild in der Jache mit Peter Bröder- sens Namen. Sie nahm das Geld aus der Kasse. Als Kleidopp gegangen war, lief sie zum Hafen runter. Die „Elfriede Petersen“, Peters Schiff, hatte schon klar gemacht und kam mit flauem Wind ganz langsam herangeschwommen Ida Klüten lief, so schnell sie konnte, nach der Brücke' den laten du Boote. Sie löste eines von de, Kette. Mit sicheren Schlägen ruderte sie dem Fahrwasser zu, und als das große Segelschiff sich näherte, winkte sie und schrie durch die hohlen Hände immer wieder einen Namen. Verstört, in Hemdsärmeln, kam Peter Brödersen an die Schanz. „Die Teerjacke!“ schrie Ida. „Ich habe siel“ Peter warf eine Leine herunter; Ida hätte sie greifen und die Jacke daranbtaden können, Ida lachte. „Mit einem Kerl in Hemdsärmeln rede ich. nicht!“ Sie wickelte die Jacke um einen Stein, verschnürte das Paket mit einem Ende Band und warf es tos Wasser, wo es abbuddelte. Da stand Peter Brödersen nun hoch an Bord und 1 fror, und er wurde von den Matrosen ausgelacht, — wie Ida Klüten auf dem Tanzboden ausgelacht worden war. Doch das dauerte- nicht lange. Eine der neuen kleinen Dampf- pinassen wollte dem schwerfälligen Segler ausweichen, kreuzte um seinen Bug und kamt pfeilschnell auf das Ruderboot zu, das es zu spät sichtefe. Es zerbarst wie Zunder, ein paarmal sah man noch Idas Arme nach oben greifen; dann hatte die Strömung sie weggerissen Alle Rettungsmanöver waren vergebens. Mit ihrer Rache ging auch Ida Klüten unter. — Die Winterstürme waren hart Peter Brödersen kam mit einer schweren Lungenentzündung zurück, und als er die überwunden hatte, war er für die Seefahrt ungeeignet. Er hat sein Leben als Karrenschieber beendet Aber um Klütens Trödelladen machte er immer einen großen Bogen . . < Das ftarke Gefchlecht find - die Frauen! Die Wissenschaft besiegt ein Vorurteil Uber das Fortbestehen der Nation Wir sagen: Alle Menschen sollen Brüder sein, und diejenigen stehen uni zunächst, die mit uns dieselben Ideen haben und dieselben Bestrebungen teilen; denen helfen wir, und diese unterstützen wir zuerst, so gut wir können. Damit ist aber nicht gesagt, daß das Vaterland oder die verschiedenen Vaterländer in einem allgemeinen Tohuwabohu untergehen müßten. Nein wenn einmal die Internationale Völkerverbrüderung vorhanden sein wird, so ist die Nation damit noch nicht aufgehoben. Wenn einmal diese Völkerverbrüderung aller Kulturländer Europas zur Tat und Wahrheit geworden ist, an der wir das Eifrigste Mitarbeiten. die dann auch den allgemeinen Frieden zur notwendigen Folge haben wird, werden die Nationen und die nationalen Verbände nach wie vor bestehen — es wäre e'ne Beiei- d^une. wollte ich annehmen. Sie wüßten die Gründe dafür nicht... August Bebel. Goethe und Der Tausendmarksthein „Goethe“ setzt sidh ln lauter Groschen und Pfennigstücke um, und so kommt Goe! he zj jedermann, auch zum Fleischer- und Bäckermeister, zum Kohlenhauer im Schacht und cum Melker Im Kuhstall. Ich meine nicht etwa „Hermann und Dorothea - und „Götz *. die Balladen und die* und da*, sondern auch »eine Naturphilosophie seine .Urworte Oiphisch“, und Uh meine das wahrhaftig ernsthaft genug. Diese kleine Anekdote mit dm Zweiten Teil des „Faust“ hai sich in Berlin wirklich zugetragen und ist rieht etwa erfunden; sie darf aber auch erfunden sein, weil sie in ihren Möglichkeiten wahr ist. ,,8'e lesen .Faust' 2. Teil?“ fragt der Mann überrascht die Ge müsefrau „Verstehen Sie das denn auch?“ — „Wieso — verstehen? Das ist doch schön!“ Aber anders noch wer sich an Goethes Naturphilosophie. am Tasso oder den Wahlverwandtschaften begeistert, wer sie innerst m sich aufnimmt stiehlt das Aufgenommene auch wieder aus. Jeder wirkliche Leser ist ja auch, schöpferisch, auch Dichter, Künstler Ob er Kunstwerke schafft, Ist belanglos Ob er als Lehrer oder Vater oder Sohn oder Tochter Geliebte ob al? Pastor ode» Rechtsanwalt . Immer gibt er den Goethe seines Herzens unbewußt weiter in allem was er re-'et oder tut Bo war es seit Jahrzehnten, seit mehr als einem Jahrhundert «chem. Die „kleinen, zarten Frauen" sind gar nicht so zart und schwach, wie wir es uns immer eingebildet haben. Biologisch gesehen sind sie sogar das stärkere Geschlecht, allen Protesten der Männerwelt entgegen. Das läßt sich beweisen. Das Märchen vom „schwachen Geschlecht“ ist eine der großartigsten Erfindungen der Frau, die mehr Sexualhormon, mehr Kalzium und Stickstoff, mehr Vitamine und weiße Blutkörperchen besitzt als der Mann. In den ersten Jahren des Lebens sterben mehr Knaben als Mädchen; die Mädchen sind also weniger anfällig gegen Kinderkrankheiten, sie sind zäher, find während heute das Durchschnittsalter für Männer bei 60,8 Jahren liegt, werden die Frauen durchschnittlich 63,3 Jahre alt. Frauen leben also länger als die Männer, das heißt, sie sind kräftiger und zäher als das männliche Geschlecht. ln Amerika hat der Leiter einer Klinik 800 000 Familien statistisch untersucht und be- jedermann Goethe wird mittelbar verkündet Immerfort und wieder. Sein Tausendmarkschein kommt in brauchbarer Münze Tag um Tag ins Volk Und übrigens «-er würde Goethe verstehen, wenn er nicht Selbst die Weisheit Goethes (auch ohne Goethe schon) erfahren hätte?! Wir sind alle mitschaffend, im währenden Wechsel Wenn eine große Dichtung und eine groß» Philosophie, und seien sie noch so schwer zugänglich, aus dem Volke, aus der Menschheit, au» der innersten im wahrsten Sinne sozialen Verbundenheit hervorgegangen ist, dann gehen ihre inneren Werte auch wieder Ins Volk und in die Menschheit, ins ewig strömende, ins ewig sich erneuernde Leben zurück. Je menr aber dies alles naturhaft geschieht um so mehr geht aus diesem Geschehen Kultur hervor. ' Und zu guter Letzt: der Berliner Gemüse-, frau genügte es, den „Faust“ als schön zu empfinden. Ob sie alles verstand, das quälte sie gar nicht. Goethe hat es auch nicht gequält, daß er selbst nicht alles, was er in den „Faust“ hineingedichtet hat verstand. Es gibt manches unverstandene Wort allertiefster Wahrhaftigkeit, das die Urheber des Wortes auch nicht begründen können. Auch die Menschheit horcht dauernd und immer ins Geheimnis alles Lebens .. , und also mag sie auch tos Geheimnis Goethes horchen, ohne sein letztes Wort zu verstehen Erich Bockemühl wiesen, daß die Frauen das stärkere Geschlecht sind. In allen Krankheitsfällen haben sie sich den Männern überlegen gezeigt. Sie sind viel widerstandsfähiger und zäher, so daß die Männerwelt schon längst ausgestorben wäre, würde uns die Natur nicht mehr Knaben gebären als Mädchen. Sind die Frauen nicht auch klüger? Man muß diese Frage, vorsichtig ausgedrückt, beinahe bejahen. Unmittelbaren Lebensfragen stehen die Frauen gewappneter, entschlossener gegenüber. Sie sind unproblematischer als die Männer, treffen ihre Entscheidungen impulsiv, „aus dem Herzen heraus“, während der Mann — nicht immer zu seinem Vorteil — meist den Umweg über die verstandesmäßige Überlegung wählt. Die Frauen sind zwar — behaupten cHe Männer — auf der Straße im Verkehrstrubel recht leichtsinnig, aber die Statistik beweist, daß viel weniger Frauen überfahren werden als Männer. Die älteren Frauen, die heute vielfach verarmt sind, schlagen sich eher durchs Leben als gleichaltrige Männer, die beruflich zu einseitig sind. Frauen stad viel anpassungsfähiger und wendiger. Jetzt genügt es aber, werden die Männer sagen. Zu ihrer Besänftigung sei erwähnt, daß die Frauen immer noch als das „ungeniale unproduktive Geschlecht“ gelten. Im Pantheon der Berühmtheiten sind die Frauen nur mit vier bis fünf Prozent vertreten, unter den Heiligen und Märtyrern mit 15 Prozent. Die Frauenwelt hat bisher kein Drama und keinen Dramatiker hervorgebracht, keine Angelika Kaufmann und Rosa Bonheur reichen an Rembrandt und Dürer heran und keine Cha- minade an Bach und Beethoven. Anders ist es in der Staatskunst, wo sie den Männern nicht selten ebenbürtig waren. Elisabeth, Viktoria, Maria Theresia, Katharina die Große und viele andere Frauen haben überraschende Führereigenschaften bewiesen. Die Männer hingegen sind verträumter, unpraktischer, wissenschaftlicher und — genialer. Aber sie liefern der Welt auch mehr Geisteskranke, mehr Verbrecher, mehr Selbstmörder und ganze Heere kriegsbegeisterter Narren. Glaubt nicht mehr an das Märchen vom „schwachen Geschlecht', wenn die Frauen auch raffiniert genug sind, uns nicht über sich selbst aufzuklären. Universum. Auf nach Rapa-i Mitglieder einer amerikanischen Expedition haben entdeckt, daß auf der kleinen Insei Rapa in der Südsee siebenmal mehr Mädchen als Männer leben. Ein Expeditionsteilnehmer wurde von den Mädchen von Rapa entführt, jedoch von seinen Kameraden wieder befreit. Der Gedanke Endlich hast du den Gedanken, Der dir längst schon kommen sollte. Hinter Gittern, hinter Schranken Liegt er, weil er herrisch tollte. Soll er in die Welt spazieren, Mußt du ihn zuvor dressieren. Dort erweitert, hier beschnitten, Wird er so zurechtgebogen. Lange hat efs nicht gelitten. Bald ist er davongeflogen. Ehrliche Gedanken eben Können nur in Freiheit • lebe». Fridolin W obk-e Der Sonntagsausflug Von Hasse Zetterström Der Briefträger Aage Nordlund war ein leidenschaftlicher Marschierer. Jede freie Stunde nutzte er aus, um mit seinem fünfzehnjährigen Sohn Birger hinaus tos Grüne zu wandern. Wer den ganzen Tag über von einem Hause zum andern laufen muß, sehnt sich nach Ausgleich. Das sieht jeder ein. Vergangenen Sonntag zog es 8m nach Hagsted. Das sind achtundzwanzig Kilometer —? einfach. Für geübte Fußgänger eine Kleinigkeit. Aber der Himmel machte den Sonntag#* ausflug zuschanden. Es regnete wie mit Kübeln. — Der junge Nordlund freute sich über diese Wendung der Dinge. Doch er freute sich zu früh. „Müßiggang ist aller Laster Anfang“ sagte der Briefträger. „Wir wandern zu Hause!“ Sie packten den Rucksack. Dann marschierten sie los. Immer hübsch freiweg um den Wohnzimmertisch herum. Den Rucksack trug der Sohn. Nach zwei Stunden wandte sich der Aäte zum Jungen um und sprach: „Schöne Gegend, das. Hier wollen wir rasten.“ Sie setzten sich neben den Ofen, und Birger holte das Essen aus dem Kucksäck» Als sie bei den Eiern angelangt waren, entdeckten sie, daß sie das Salz vergessen hatten. „Ohne Salz kann der Mensch nicht leben“ sagte der Briefträger. „Lauf nach Hause, mein Sohn, und hole, was du vergessen hast!“ Der junge Nordlund erhob sich und ging zum Büfett, um die Salzbüchse zu holen. „Halt, Freundchen!“ protestierte der Vater. „Ich habe dir gesagt, du sollst nach Hause laufen .. Also mußte der Sohn zwei Stunden lang zurücklaufen. Der Ake lag unterdessen neben dem Kohlenkasten und las die Sonntagszeitung. Als der Junge nach vier Stunden wiederkam, setzten sie ihr Picknick fort. Sie rasteten noch eine Weile. Dann sagte der Alte: „Mir ist jede Lust zum Wandern vergangen. Wir wollen wieder nach Hause gehen. Wenn wir uns beeilen, können wir zum Nachmittagskaffee zurück sein.“ „Weißt du was“, sagte der Sohn, „ich bleibe da und gehe esst morgen heim!“ Was er auch tat Obe) Eine halbe Million ohne Vater Unsegen und Verwirrung des Krieges werden deutlich aus der einfachen statistischen Feststellung, daß die Zahl der vaterlosen Kinder in Europa zur Zeit etwa eine halbe Million beträgt. Das sind nicht etwa Kinder, denen der Krieg den Vater genommen hat — deren Zahl liegt wahrscheinlich noch um eia Vielfaches höher —, sondern das sind Kinder, denen der Name ihres Vaters überhaupt une bekannt bleiben wird. In Deutschland allein beziffert man die Zahl der Kinder, als deren Väter ausländische Arbeiter, Kriegsgefangene, verschleppte Personen und Besatzungsangehörige genannt werden, auf 200 000 — zweihunderttausend schwere Menschenschicksale. Nicht in allen Fällen wird man dabei von Schuldlosigkeit der Mütter sprechen können, stets aber von der der Kinder und ebenso in sehr vielen Fällen von schweren Schicksalsschlägen, enttäuschten Hoffnungen und bitterster Nofc Keine Rücksendung von Manuskripten ohne Rückporto! kes hM Hßs'wt Krim durch die Bahnhofstruße Auf dei Place D irc.v überholte ihn Nicolas Moreau ohne ein Zei Chen des Erkennen* und bo* re-hts in dte Rue de Is LibertA ein Frobish“r folgte ihm nvt wachsender Entmutigung Es wai natürlich Wahnsinn, anzunehmen, daß m*n Hantul r« lecht hintergehen könnte Das Auto war bestimmt längst an «halten worden Zweife'los befand sich Ann Upcott bereits hinter Schloß und Rie?el' Wie waren H-nand« letzte Vorle gewesen? „ich muß rasch handeln!“ Moreau bog tn den Boulevard SAvi’nA ein kehrte dann zum Bahnhofplatz zurück und schlüpfte In eins der kleinen in diesem V eriel so zahlreichen Gasthäuser Die Halle war menschenleer. eine schmale steile Stiege führte In die oberen Geschosse Gefolgt von Frob'toer Stieg Moreau hinauf und öffnete eine Tür Frobisher sah einen kleinen unsauberen W hn raum Die Fenster standen offen, aber die l.ä den waren geschlossen E'ne einzige Hängelampe leuchtete aus der M tte des Zimmers herab. An einem Tisch unter dieser lampe saß Hanaud und studierte einen Stadtplan, ier in roter Tinte seltsame Zeichen aufwies Eine Art Ring ln der Form eines Tennisschlägers tone Griff wai darauf zu erkennen und eine unregelmäßige Linie teilte den Reifen in zwei ungleiche Halbkreise. Nach einer Weile blickte Ha-aud auf ..Haben Sie gewußt, mein Freund“, fragte er J m sehr ernst, „daß Ann Upcott heute abend zu Marbm? !,e Vays Maskenball gegangen ist?“ Frobisher war überrascht. „Ich sehe. S'e haben es nicht gewußt“, fuhr Hanaud fort Er nahm seine Feder und machte am Rand des Reifens in der Nähe des unteren einen roten Fleck. Jim erholte sich von seiner Überraschung. Madame I-e Vays Ball war also der verabredete Aus—’rv’eounkt Der Plan war nicht einmal so schlecht erdacht, wenn Ann nur unbemerkt auf den Rail hatte gehen können. Maskiert und verkleidet inmitten einer Menge «leichfa'I* vermieteter Leute, in einem Haus rn't eroßem Garten, der in dieser heißen Nacht sicher offen und nur von wenigen Lampen schweb erleu-htet war. hatte sie die größte Chance zur Flucht. Aber diese Chance war ■=chon verloren denn Hanaud legte seine Feder hin und sa°te bedeutungsvoll: . D'e Wasserrose! Diese liebliche Wasserrose, m»!n Freund, wird heute nacht nicht vergnügt tanzen.“ Zwanzigstes Kapitel Ein Stadtplan und die Perlenschnur Hanaud schob den Plan über den Tisch hin weg Jim Frobishei zu „Was halten Sie davon?“ fragte er und Jim zog einen Sessel heran, um ihn zu betrachten. Er sah zunächst, daß es eine Karte in großem Maßstab von Dijon und Umgebung war; die Stadt selbst lag am unteren Ende des roten Reifens und bildete den Griffansatz des Tennisschlägers. Der rote Reifen schien eine Fahrt zu bezeichnen, die jemand von Dijon aus ziemlich weit durch die Gegend und wieder zurück zur Stadt unternimmt. Aber es gab noch mehr zu sehen darin. Die Zickzacklinie darin zum Beispiel, die von dem oberen Ende des Reifens zum Griffansatz, das heißt nach Dijon, führte; und am linken Rand des Reifens, gerade außerhalb von Dijon, das kleine viereckige rote Zeichen, das Hanaud eben gemacht hatte. Bei diesem Viereck las er eine Zeitangabe: „Elf Uhr vormittags." Er verfolgte die rote Kurve mit den Augen und dort, wo die Teilungslinie den Reifen berührte, stand eine zweite Zeitangabe. Hier las Frobisher: „Elf Uhr vierzig." Erstaunt blickte Jim zu Hanaud auf. „Großer Gott!" rief er und beugte sich wieder über den Plan. Der Punkt, an dem die Teilungslinie abzweigte, befand sich in einem Tal; und nun sah er auch den Namen: Val Terzon. Kurz vor elf hatte Betty den Wagen außerhalb von Dijon gegenüber einem Park mit einem großen Haus im Hintergrund angehalten und Jim gebeten den Riemen des Werkzeugkastens fester anzuziehen. Um Punkt elf waren sie weitergefahren Betty hatte die genaue Zeit festgestellt. An der Stelle, wo eine Nebenstraße nach Dijon zurückführt, am oberen Ende des Reifens, wäret:- sie genau um elf Uhr vierzig stehengeblieben. „Das ist ja eine Karte des Ausflugs, den wir heute gemacht haben“, rief er aus. „Man ist uns also gefolgt?“ Er entsann sieb plötzlich des zweiten Motor“ radfahrers hinter ihnen, der neben ihrem Wagen angehalten hatte, um sich in das Gespräch zu mengen. „Der Motorradfahrer?“ fragte er wieder, erhielt jedoch keine Antwort. Aber der Motorradfahrer war ihnen nicht den ganzen Weg gefolgt. Auf dem Heimweg hatten sie in dem Gasthausgarten zu Mittag gegessen. Da war von dem Mann nichts zu sehen gewesen Jim blickte wieder auf die Karte. Er folgte der roten Linie, angefangen vom Kreuzungspunkt der beiden Straßen, dann die Talkurve entlang bis zu der Ecke, wo die große Staatsstraße nach Paris sie schneidet. Dort hatten sie zu Mittag gegessen und waren dann auf der Staatsstraße nach Dijon zurückgekehrt. Die rote Linie dagegen führte auf einer längeren und offensichtlich .weniger befahrenen Straße zurück. „Ich kann mir nicht verstellen, warum Sie uns heute vormittag verfolgen ließen,. Monsieur Hanaud“. rief er einigermaßen hitzig. „Aber eins kann ich Ihnen sagen: Die Jagd war nicht sehr erfolgreich, denn wir sind nicht auf diesem Weg zurückgefahren.“ „Ich habe keine Ahnung, wie Sie zurückgefahren sind“ antwortete Hanaud gelassen. „Die Linie auf dieser Seite des Kreises hat mit Ihnen nicht das geringste zu tun, wie Sie durch einen Blick auf die Zeitangaben fest stellen können.“ (Fortsetzung folgt.) MM «49 Nummer *Ht — Seife 5 Ein Märchen aus dem Orient Von Wolfgang Pfeiffer Der Leser dieser Geschichte wird höfiicfast , hatte er erhebliche Mengen an Speeren und gebeten, keine unpassenden vergleiche anzustellen. Es bandelt sich wirklich nur um ] ein Märchen. Gott sei dank ist heute BO etwas längst überstanden. Es war eben nur einmal . . . Es war einmal ein Mann mit dem Namen Abdullah ben Kyriazi, der kehrte gerade aus einem langen und furchtbaren Kriege zurück, welcher das ganze Morgenland durchtobt hatte, Viele Städte und Dörfer lagen in Schutt und Asche, unzählige Moscheen waren in Flammen aufgegangen, und mancher Harem hatte sich entvölkert, weil seine Bewohnerinnen es in der allgemeinen Unordnung vorgezogen hatten, mit fremden Soldaten davonzuziehen. So .konnten sie doch wenigstens einmal nach Herzenslust Zigaretten rauchen und ihre schönen Beine und ihr - hennagefärbtes Haar in der Öffentlichkeit zeigen — wenn diese auch ob des unziemlichen Benehmens der Haremsdamen widerlich die Nase rümpfte. Abdullah ben Kyriazi hatte den Krieg als Oberzahlmeister bei den Janitscharen gut überstanden und seiner Lieblingsfrau viele Pakete mit Butter und Kleiderstoffen nach Hause schicken können. Leider war sein Haus, in dem er zuletzt eine Filiale von Kaisers Kaffeegeschäft betrieben hatte, noch ganz zum Schluß durch einen Volltreffer einer feindlichen 21-cm-Wurfschleuder zerstört worden, — und so fand er Fatme, als er erwartungsfroh durch die Straßen seiner Heimatstadt Buxtehupopel eilte, in Tränen vor den Trümmern ihrer gemeinsamen Habe hocken. „Weine nicht, lieblichste Blume des Morgenlandes!" tröstete er sie. „So Allah will, werderi wir alles wieder aufbauen.“ Gesagt, getan. Schon am nächsten Morgen ging er zu Soliman ben Zement!, dem Stadtrat für Wiederaufbau. „Beim Barte des Propheten — Unmögliches verlangst du von mir!“ rief der aus, als Abdullah sein Anliegen vorgetragen hatte. „Und bevor du nicht diese 17 Pergamente ausgefüllt hast, ist schon gar nichts zu machen. Und nun hinaus! In neun Jahren kommst du mit Allahs Hilfe vielleicht dran!“ Doch welch ein Wunder! — schon drei Wochen später sahen die erstaunten Nachbarn die ersten Maurer an Abdullahs Haus arbeiten. Aber nur seine beiden besten Freunde erfuhren beim nächsten Samstagskat, wie er das fertigbekommen hatte. „Wozu beim Propheten hatte ich wohl 400 Dosen Margarine aus dem Regimentstroß sichergestellt!“ Die Freunde schnappten nach Luft, und Abdullah holte Ihnen erst mal in einem saftigen Grand mit Vieren etliche Piaster aus der Tasche. Inzwischen hatte er sich auch beruflich verbessert. Er handelte nämlich jetzt mit Kunstgewerbe: Aus ehemaligen Armeebeständen Pfeilen aufgekauft, die er durch eine armenische Sklavin zersägen und mit Pelikantusche bemalen ließ, um sie dann als künstlerische Spazierstöcke und Zahnstocher im Basar zu verkaufen. Sein Wohlstand hob sich dabei zusehends, und Fatme, seine Lieblingsfrau konnte auf dem schwarzen Markt monatlich an die 800 Piaster allein für Schokolade ausgeben. Auch das Haus war nun fertig geworden. Fünf Zimmer mit Küche, Kachelbad und Speisekammer! Die Gerüchte darüber drangen schließlich sogar bis zu Bakschisch Aga, dem Leiter des Bezirkswohnungsamtes. „Na warte“ knurrte der in seinen in Ehren ergrauten Bart, „diesem Sohn einer Hündin werde ich ein paar Untermieter ins Haus setzen, die sich ge waschen haben.“ Abdullah lag gerade auf dem Diwan und hörte den Einuhmachrichtendienst, als der Aga hereinschob „Wie kannst du schmutziger Wucherer es wagen, dieses ganze Haus allein zu bewohnen? Bei Allah — ab morgen wird das anders!!“ „Salem aleikum, ehrwürdiger Aga!“ begrüßte ihn Abdullah; denn er war ein Mann von Welt und hatte sogar Tanzstunde gehabt „Wollt ihr nicht erst mit mir zu Mittag spei sen? Fatme hat gerade heute Eierkuchen in Speck gebraten, und das ist ihre Spezialität. Hinterher nehmen wir noch ein Likörchen und eine gute Sumatra, — und dann können wir ja auch das Geschäftliche besprechen, nicht wahr, lieber Aga?“ Am nächsten Tage konnten die Nachbarn auf einem Zettel an der Haustür Abdullahs lesen daß drei Räume seines Hauses für Geschäftszwecke dienten, mit Genehmigung des osma- nischen Wohnungsamtes Nr. 37. Zwar erhielt eine Woche darauf der Leserbriefkasten der „Buxtehupopeler Volksstimme“ deswegen noch zwei empörte Zuschriften; doch schließlich wuchs Gras über die Sache. „Er steht eben mit dem Scheitan im Bunde“, sagten die Nachbarn achselzuckend und rück ten noch ein wenig enger zusammen; denn es war wieder einmal ein neuer Flüchtlings transport angekommen.-- Wie groß ist der Wortschatz eines Menschen? • Bei wilden Völkern ist der Wortschatz am niedrigsten und kann nur 300 Wörter betragen. Ein ungebildeter Europäer wird auf ungefähr das Zehnfache dieser angegebenen Zahl geschätzt. Ein Gebildeter verfügt über 5000 bis 10 000 Wörter. Goethe besaß einen Wortschatz von 20 000, Shakespeare, einer der wortreichsten Menschen überhaupt, verfügte über 24 000 Wörter. Natürlich sind diese Zahlen nur annähernd zu errechnen, aber sie geben doch ein ungefähres Bild über unsere Möglichkeiten des Sich-zu-verstehen-gebens, sei es unserer Mitwelt, oder, wenn wir es in unsterblichen Worten sagen können, der Nachwelt gegenüber! -dph- Die Schlafzeiten des Menschen Für die Schlafzeiten der Kinder gibt es ganz bestimmte Regeln, die nach Möglichkeit eingehalten werden sollen. Die Neugeborenen sollen in den ersten sechs Monaten 24 Stunden schlafen, abgesehen von den Essenspausen. Vom siebten bis neunten Monat sollen sie 20 Stunden täglich schlafen und in den letzten drei Monaten des ersten Jahres etwa 18 Stunden täglich. Zwei- bis fünfjährige Kinder schlafen täglich 14 Stunden, sechs- bis neunjährige 12 Stunden, neun- bis fünfzehnjährige zehn Stunden, zwischen 15 und 18 Jahren braucht man noch acht bis neun Stunden, später dann sieben bis acht Stunden. Mit zunehmendem Alter braucht man weniger Schlaf, und wenn man 65 bis 70 Jahre alt ist, kommt man oft mit drei bis vier Stunden Schlaf aus. -dph- Vertrauen Zu Robert Koch kam, als er noch Kreis- physikus war, eine Bauersfrau und klagte darüber, daß sie keine Kinder bekäme. Koch untersuchte sie und meinte dann, er könne ihr wohl helfen, aber sie müsse Vertrauen zu ihm haben. Die gute Frau schaute ihn verschämt zweifelnd an und sagte: „Gern, Herr Doktor, aber mein Mann ist so schrecklich eifersüchtig.“ pf. Liebe im Volksmund In der Liebe ist der Doktor ein Esel. Man schläft nicht nur bei seiner Frau; man schwatzt auch mit ihr“, sagte Meister Gott- friedchen. etwas mag das Heiraten wohl meine»? Spinnen, gebären und weinen. Geschminkte Frauen und geschäfelter Himmel sind nicht von langer Dauer. Ein Mädchen, das jätet, ist besser als ein Mädchen, das betet. Liebe macht blind, aber die Ehe gibt da» Gesicht wieder * Die Hausfrau darf nicht sein eine AusfraiL Die erste Frau von Gott, die zweite vom Menschen, die dritte vom Teufel. (polnisch) Wir hatten einander gerne und lauschten heimlich versteckt als wie zwei Mandelkerne von einer Schale bedeckt. (arabisch) Mitgeteilt von Horst von FaLkenborst. Das Problem der „anderen* Ein brennendes Eheproblem, wiedergegeben von Lotte Lensdian Die füße Sache / Von Ku rt H e y n be k-e Heinrich ist aus Thüringen gekommen und hat auf dem Brandnerhof Arbeit gefunden. Er Ist ein braver anstelliger Bursch, Brandners schenken ihm Vertrauen und manchmal darf er mit dem Motorrad in die Stadt fahren um Besorgungen zu machen. Zuletzt zu Frau Köhler. Frau Köhlers Tochter Mariele muß auf den Auenhof, und der Auenhof liegt auf dem Wege zum Brandnerhof. Frau Köhler sieht die Gelegenheit. „Sie fahre doch am Auenhof vorbei welle Sie nit s’ Mariele mitnemme?“ Das Mariele steht gleich dabei, blitzsauber, höchstens achtzehn, Heinrich reißt die Augen auf angesichts so ansprechenden Aussehens und alle Unterschiede zwischen Nord und Süd vergehen in einer warmen Blutwelle, die ihn vom Herzen her überspült. Das Mariele nickt freundlich und gibt ihm die Hand. Die Frau Köhler verschwindet und läßt die jungen Leute allein. „Welle Sie e Gutsili?“ fragt Mariele und .versenkt die Finger in ihrer Handtasche. Ein Gutsili? Heinrich wird rot und will etwas sagen, aber er kann nicht so schnell in Worte bringen, was ihn bewegt. Das Wort „Gutsili“ hat ihn verwirrt. Er weiß nicht, was ein Gutsili ist. Und so schweigt er und bedeutet dem Mariele, es möge auf dem Rücksitz Platz nehmen. Mariele zieht etwas enttäuscht die Hand aus der Tasche, steckt sich etwas in den Mund und steigt auf. Heinrich gibt Gas und fährt los. Gutsili! Auf der Fahrt bewegt Heinrich die Rätselfrage: Was ist ein Gutsili? Es kommt von Gut-sein, ganz zweifellos. Von Einander- gut-sein sicherlich! Und wenn man sich gut Ist, dann... nun ja, überlegt er, dann gibt man sich einen Kuß Dieses Wort ist wahrscheinlich eine eigene landläufige Sprachform. Heinrich hat schon etwas vom rheinischen Butz, vom oberbayerischen Busserl gehört, das Wort „Gutsili“ scheint ihm viel verständlicher und von der Sprache her auch umwegloser. Heinrichs Gedanken sind so geschwind vne der Weg, den er durchmißt. Selbigem oder Selbiger bin ich gut, also gibt es ein Gutsili! Klar! — Und sicher, denkt er, ist es hierzu- ländle üblich, einfach eine Neigung zu zeigen; „Welle Sie e Gutsili?“ Wie schade, daß Mariele hinter ihm sitzt. Er hätte ihr bei der sausenden Fahrt lieber tos Auge geschaut, als ihr den Rücken zugekehrt. Droben vor dem Auenhof setzt er das Ma- liele ab. Sie lächelt dankbar wie ein Sonnenstrahl und wiegt sich wie eine Blume im Wind, dankt wie eine Fürstin und entschwindet. Das geht so schnell, daß der bedächtige Heinrich |hr nur noch mit offenem Munde nachstarren |ann, weil er. auf dem Boote seiner Träume hoffnungsvoll schaukelnd, gemeint hatte, er Könnte das Gutsili nun doch noch bekommen Aber ate er langsam zum Brandnerhof hinauffährt, kommen ihm wieder Zweifel. Es gibt natürlich Liebe auf den ersten Blick, aber daß der erste Blick gleich durch ein Kußangebot unterstützt wird, erscheint ihm selbst für die südliche Zone unwahrscheinlich. Solche Überlegungen reißen Ihn fürchterlich hin und her, und er muß versuchen, sein inneres Gleichgewicht um jeden Preis wiederherzustellen. Und so fragt er denn die Bäuerin: „Frau Raufer, was ist ein Gutsili?“ „Ein Gutsili? Ein Bonbon!“ erwidert die Bäuerin, „Ein Bonbon!“ Da schnappt die Spannung zwischen Nord und Süd zurück, das Mißverständnis platzt wie ein Kinderballon, und die Welt des jungen Heinrich wird farblos und verliert den romantischen Schimmer, der sie eben noch begnadet hat. Und doch handelt es sich in beiden Fällen um süße Sachen. Und wenn Heinrich noch einmal gefragt wird: „Welle Sie e Gutsili?“ wird er dieses süße Angebot als den ersten Schritt auf dem mitunter etwas längeren Wege zu einem Mädchenherzen ansehen, um so mehr, als dieser Weg ja mit vielen süßen Dingen gepflastert ist. Wie ein SOS-Ruf hallt es durch unsere lärmende, nervöse Zelt: Ehe in Gefahr! Bindungen, die Jahre hindurch in glücklicher Gemeinschaft bestanden, sind schwersten Erschütterungen ausgesetzt, wanken, zerbrechen schließlich. Was einst unter Orgelklang und feierlichem Versprechen begann, endet vor dem Gericht. Wer ist schuld, daß die Fieberkurve der Ehescheidungen ständig steigt? Wer wirft den ersten Stein? Die geschiedene Frau „Wer schuld ist? Die andere natürlich!“ bricht es aus ihrem zerquälten Herzen. „Diese andere, neue, fremde, die sich in unser Leben drängte und die etwas ganz Unerklärliches in meinem Mann wachgerufen hat. Langsam hat die Entfremdung zwischen uns begonnen, ich fühlte, wie er mir immer mehr entglitt. Erst durch sie wurde unsere Ehe unglücklich, und allmählich hat sich ein Abgrund zwischen uns aufgetan. Ich war verzweifelt, wollt's nicht fassen, daß eine Frau so grausam, so mitleidslos sein konnte und mir den Mann, den ich lieb hatte, mit dem ich aufgebaut und all die schweren Kriegsjahre durchgestanden hatte, einfach wegnahm. Ich hab’ gekämpft, mich gewehrt gegen sie — vergebens, sie war jünger, hat ihn ganz und gar in ihre Netze gezogen, aber wenn sie für die Qualen einmal bezahlen muß, die sie mir bereitet hat, dann ist sie gestraft— fürs ganze Leben . . .** Der geschiedene Mann „Ja, es stimmt, unsere Ehe war ungetrübt, bis meine jetzige Frau in mein Leben trat. Ich kann heut' nicht mehr sagen, wie alles kam. Wir arbeiteten zusammen. Da war plötzlich außer meiner Frau ein Mensch, ein Kamerad, der mich auch in meinem Schaffen verstand. Ich bin Innenarchitekt. Sie kam als Zeichnerin in unseren Betrieb, hatte unerhörte künstlerische Ideen, riß mich durch ihre Art einfach mit, der alte Schwung, der mir unter der Last vergangener Jahre fast abhanden gekommen, war wieder da. Sie kam aus Wien, hatte Heim und Eltern verloren, ihr Verlobter war gefallen. Eines Abends führte ich sie bei mir daheim ein, hoffte, auch meine Frau würde sich kameradschaftlich mit ihr verstehen. Im Anfang gelang es ihr, aber allmählich war eine Welle von Mißtrauen um uns, es gab heftige Auseinandersetzungen, Verdächtigungen, ganz ungerechtfertigte, da mir beide Frauen für ein frivoles Spiel viel zu wertvoll waren. Aber meine Frau schien in ihrer Eifersucht die klare Sicht verloren zu haben, und so ge- Das abfolute Kunftwerk / Von Rolf Kipphan. „Du hast die Wahl zwischen Hknmel und Hölle“, sagte Gott zum Dichter. „Entscheide dich!“ „Schenke mir die Wonne des Paradieses“ sagte dieser. „Gib mir die Kraft, ein Kunstwerk zu schaffen, das vom Hauch des Ewigen umwittert ist. Eine Dichtung, die unvergänglich wie die Ewigkeit ist und unvollendet wie sie.“ Da lächelte Gott und schenkte ihm gnädig Gewährung. Der Sturm des Geistes kam über den Dichter, und er schuf ein Werk von vollendeter Harmonie, in dem alles war, was je eines Menschen Zunge auszusprechen vermochte und das alles in sich trug, was jemals noch ausgesprochen werden konnte. Er schuf das absolute, nicht mehr zu überbietende, das vollkommene Kunstwerk. Als er es der Menschheit übergab, stockte dieser der Atem. Alles, was bisher war, verschwand vor der Größe dieses Werkes, und jeder wußte, daß es niemals möglich sein würde, es zu übertreffen. Und der Dichter war glücklich, als er erkannte, daß es sein Werk war, das alles überstrahlte und das ihm von überall her entgegenleuchtete. Es war ein Augenblick deä vollkommenen Glücks für den Dichter und für die Menschen. Aber es war nur ein Augenblick. Denn mit stand die Zeit nicht still und der Dichter begann, sich nach neuen Aufgaben umzusehen. Aber es waren keine mehr da. Es blieb ihm. da sein Werk unübertrefflich war, nur noch möglich, es immer wieder zu wiederholen oder aber Werke zu schaffen, von denen er wußte, daß sie das erste niemals erreichen konnten. Und was für ihn galt, das galt auch für alle Dichter und alle Dichtkunst der Erde. Der große Garten war ausgedörrt, als er die eine, kostbare Blüte der absoluten Dichtung hervorgebracht hatte, vor der alles andere in seiner irdischen Nichtigkeit unvollkommen blieb. Und der Dichter verstummte. „Bist du nun glücklich?“, fragte Gott, da er ihn wieder traf. „Ich habe das Paradies gewählt“, sagte der Dichter, „aber ich vermag es nicht zu ertragen. Gib mir lieber die Hölle der ewigen Unvollkommenheit zurück, daß ich danach strebe, sie zu vervollkommnen, auch wenn ich weiß, daß ich das Ziel nie erreichen werde.“ Und wieder lächelte Gott. „Es war nicht das Paradies, das du gewählt hattest“, sagte er dann. „Kein Mensch kann das Vollkommene ertragen. Aber im Wissen um die eigene Unvollkommenheit und im Streben nach dem Höheren — da liegt das, was ihr Menschen allein als Glück bezeichnet Ich habe den Mcnrrlicn den Weg gegeben, das Ziel selbst der Erreichung des absoluten Kunstwerkes liegt nicht mehr im Irdischen.“ schah es, daß sie mich durch ihr Verhalten förmlich in die Arme der .anderen' trieb. Schuld? Mein Gott, schuld haben wir wohl alle drei, ich konnte nicht mehr zurück, und so ist es wie ein Unwetter über uns hinweggegangen. Nach meiner Scheidung habe ich mir mit meiner zweiten Frau ein eigenes Atelier eingerichtet, wir arbeiten weiter gemeinsam und haben genügend Aufträge. Selbstverständlich sorge ich für meine geschiedene Frau i . . ' Die andere: „Sie werden mir wohl von Anfang ah mit Antipathie begegnen, weil Sie in mir eine Frau sehen, die skrupellos eine Ehe zerstörte. Doch glauben Sie mir, ich habe das nicht gewollt! Die Ehe des Mannes, der mich als Künstler fesselte, war mir unantastbar. Aber ich weiß nicht, ob Sie das kennen: immer allein sein in der Einsamkeit möblierter vier Wände, die Erinnerung an alles, was ich verlor, kein Mensch um mich, kein Herz, das zu mir gehörte. Ich fürchtete die Abende, die Sonntage, und so schloff ich mich unbewußt enger an den Mann, mit dem ich zusammenarbeitete, doch eines Tages machte ich die Entdeckung, daß mir dieser Mensch unendlich viel bedeutete. Ich verbarg es, es durfte nicht sein; er war gebunden, gehörte einer anderen Frau. Doch irgendetwas mußte geschehen sein zwischen den Eheleuten, vielleicht durch meine Schuld, ich war in etwas Unnennbares verstrickt, aus dem es kein Entrinnen mehr gab. Das Schicksal nahm seinen Lauf, und als ich fühlte, daß sein Herz mir entgegenschlug, hatte ich nicht mehr die Kraft, mich gegen diese Liebe zu wehren. Seine Ehe nahm ein unglückliches Ende . . .“ Die Rechtsanwältin: „Das alte Lied“ — aus dem Antlitz der Erfahrenen sprach das Wissen um menschliche Bitternis, — „das Problem der plötzlich auftauchenden Dritten, die die Ehe ernsthaft gefährdet. Aber wen müssen wir anklagen, daß dies in heutiger Zeit so verhängnisvoll oft geschieht. In erster Linie den Krieg, das wahnwitzige Morden, das uns diesen erschütternden Frauenüberschuß zurückließ. Wäre nicht fast eine ganze Generation draußen sinnlos verblutet, so gäbe es heute nicht Tausende vereinsamter Frauen. Dann hätte auf die .andere’ abends ein Mensch gewartet, der für sie die Erfüllung gewesen wäre: und namenloses Leid wäre damit der verheiratetem Frau erspart geblieben. Denn nur, wer es selbst erlebt, weiß, was es heißt, einen Menschen, den man einmal liebte, an das Leben zu verlieren. Und doch muß eine Ehe in solchem Falle nicht unbedingt tragisch enden. Gibt es seitens der Ehefrau zwischen hartem Verurteilen, Haß gegen die .andere' und der letzten, bitteren Konsequenz nicht doch einen Kompromiß? Ich glaube, Frauenklugheit und Diplomatie sind auf dem Kampffelde der Rivalität Waffen von nicht zu unterschätzender Bedeutung! Wenn sie nun, selbst, wenn sich ihr ganzer Stolz dagegen aufbäumt, dieser vereinsamten Mitschwester Gerechtigkeit widerfahren ließe; ihr, die vielleicht ein Leben lang allein bleiben muß und deren natürliches Recht auf Zärtlichkeit und Verstehen sie leider Irrwege gehen ließ, dann hätte sie ihre größte, seelische Kraftprobe bestanden. Wenn sie es fertigbekäme, der Gefahr lächelnd zu begegnen, und darüber hinaus — liebenswert zu bleiben, dann würde der Mann nach seinen Entdeckerfahrten, wenn das Reisefieber vorüber ist, zu ihr zurückkehren. Denn die Praxis hat gezeigt, daß die tolerante n Ehefrauen die Stärkeren blieben, und daß die Bindung an Familie und Heim den Sieg über Unruhe, Versuchung und die bunten Lok- kungen des Lebens davontrug. Aber damit ist das rein menschliche Problem hier nicht gelöst. Und darum müssen wir neben dem SOS-Ruf ,Ehe in Gefahr' noch eindringlicher, noch leidenschaftlicher den Notruf in die Welt hinaussenden: , Gebt uns endlich den bleibenden Frieden! Stellt für dich kommenden Generationen das zahlenmäßig« Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern wieder her; nur S o können unzähligen Menschen nn""abni"<- und all die furchtbaren Verkettungen und Konflikte, in die sie immer von neuem geraten, erspart werden!“ Seite 8 — Nummer 77 — Samstag, S. Juli 1949 Ein gutes Beispiel wird gegeben Preissenkung durch schnelleres Bauen Am Komturplate kann man jetzt den Bau einer neuen Straßenbahnhalle beobachten. Erst - vierzehn Tage sind es her, seit das Fundament gegraben und betoniert wurde, und heute steht schon eine ungefähr 90 Meter lange und sechs Meter hohe Umfassungsmauer. Morgen mögen es weitere 40 Quadratmeter sein, die aus dem Boden sprießen; denn in 56 Tagen soll die ganze Halle, die 50 Straßenbahnwagen aufnehmen soll und die außerdem eine große Werkstatt, eine Küche, und Aufenthalts- und Duschräume für die Straßenbahner erhalten soll, im Rohbau errichtet sein. Zu dieser Halle wird in Freiburg erstmalig die seit zwei Jahren in vielen Städten (Hamburg, Mannheim, Stuttgart usw.) mit großem Erfolg erprobte Schüttbeton-Bauweise in Drahtgitterschalung angewendet, ein Verfahren, das von der Technischen Hochschule in Stuttgart unter Prof. Graf und Prof. Leonhard entwickelt wurde. Die Vorteile dieser Bauweise, die bis jetzt meist beim Siedlungsbau Verwendung fand, gegenüber dem Badesteinbau oder der Betonbauweise mit Holzschalung sind auch bereits in Freiburg ersichtlich. Heute ist eine Preissenkung im ganzen Bauwesen, besonders aber beim Wohnungsbau, dringend erforderlich. Mit der Schüttbeton- Bauweise, zu der Trümmer-(Ziegel)Splitt von 0 bis 25 Millimeter zusammen mit Zement im Verhältnis von zehn zu eins verwendet werden, können in zwei Tagen mindestens 40 Quadratmeter Mauer errichtet werden: eine Zeit, in die man auch Ein- und Ausschalung rechnet. Bei einem Siedlungshaus macht die Zeiteinsparung für den Rohbau gegenüber dem Ziegelbau 30 bis 40 Prozent aus. Wenn man dies auf Stundenlöhne und Materialeinsparung umrechnet, bedeutet das eine beträchtliche. Geldeinsparung. Dazu kommt noch, daß für das Aufstellen und Entschalen der Drahtgittergeflechte Hilfsarbeiter zur Arbeitsleistung herangezogen werden können, da diese Arbeit keinerlei Fachausbildung erfordert. Zur Schüttbeton-Bauweise werden nur 10 Prozent Facharbeiter benötigt, im Gegensatz zur sonstigen Hochbauweise, bei der mindestens 80 Prozent der Arbeitskräfte gelernte Maurer, Zimmerer usw. sein müssen. So kann diese Bauweise eine Aushilfelösung im Falle einer steigenden Ziffer von Arbeitslosen bedeuten. Die Arbeiter werden jetzt noch im Stundenlohn bezahlt; nach längerer Einarbeitung will man auch hier zur Akkordarbeit übergehen. Die Drahttafeln selbst, die für jedes beliebige Haus zusammengesetzt werden können, sind für den Arbeiter sehr leicht zu handhaben. Sie sind achtzig- bis, hundertmal verwendungsfähig: wieder ein großer Vorteil, wenn man weiß, daß Holzschalungen nur bis fünfmal gebraucht werden können. Die Isolier- und 38 Zentimeter starken Backsteinwand. Die Putzstärke beträgt hier 1,5 Zentimeter im Gegensatz zur gewöhnlichen Putzstärke eines Badssteinbaus von drei Zentimetern. Diese neue und schon vielfach erprobte Bauweise, die bis jetzt von der Süddeutschen Baugesellschaft für unseren Bezirk erworben 5 wurde, steht heute (mit der einen Ausnahme der Bauweise von Ziegelplatten ohne Außenverputz) ohne Konkurrenz auf dem Wiederaufbauplan. Hoffentlich wird man sie nach der Errichtung der Straßenbahnhalle — der ersten Halle, die in Deutschland auf diese Weise erbaut wurde — in Freiburg weiter beibehalten, da sie durch die große Kosteneinsparung eine gegebene Möglichkeit zur Herstellung von Siedlungshäusern und Wohnblocks bedeuten dürfte. Sdiränkt den Wasserverbrauch ein! Bei dem gegenwärtigen außerordentlich hohen Wasserverbrauch besteht die Gefahr, daß die Wasserhochbehälter leer werden und in den Tagesstunden zeitweise kein Trinkwasser mehr vorhanden ist. Die Bevölkerung wird darauf hingewiesen, daß das Offenhalten von Zapfstellen, das Abkühlen von Speisen und Getränken mit fließendem Trinkwasser und das Spritzen mit Schläuchen in den Gärten verboten ist. Allerlei Bademöglichkeiten Für die Badefreunde stehen zur Zeit sieben Volksbäder in verschiedenen Stadtteilen zur Verfügung, außerdem das S t a d t b a d, das werktäglich von 9—13 und von 15—20 Uhr geöffnet ist. Im Stadtbad sind über den Wannen Duschen angebracht, die, um Überschwemmungen in den Badezellen zu verhüten, nur mit einem entsprechend schwachen Wasserstrahl eingestellt werden können. Die früher angebrachten Handduschen haben sich nicht bewährt und wurden deshalb wieder entfernt. Und wieder blühen die Linden . . . In verschiedenen Stadtteilen gibt es Lindenalleen, deren Bäume gerade in diesen Tagen in voller Blüte stehen, jeder hebt beim Durcheilen einer solchen Straße schnuppernd die blase, um für einige Augenblicke den aromatisch-süßen Duft der vielen tausend Blütchen einzuatmen. Aber wenn Sie meinen, Ihren Vorrat an Lindenblütentee sich auf eigene Faust beschaffen zu können, dann denken Sie bitte daran, daß für die Allgemeinheit das Pflücken dieser für die Bienen und für medizinische Zwecke äußeret wertvollen Blüten bei Strafe verboten ist. Klein, aber gefährlich! Im Naturkundemuseum in der Gerberau ist gegenwärtig in einer Sonderschau allerhand schädliches Getier von meist kleinem Format zu sehen, und man kann nur jedem den Besuch dieser Ausstellung empfehlen. „Wenn man drin war, merkt man erst, was man alles nicht weiß und kennt,“ sagte mir ein Besucher. Im übrigen ist es auch reizvoll, in den anliegenden Räumen einen Blick auf die versammelten, präparierten und ausgestopften Tiere zu werfen. Vom Elch über die großen Raubkatzen bis zu den zahmen Rehen und den gefräßigen Wildschweinen ist alles mögliche Animalische vertreten. Wer aufmerksam hinsieht, der wird unter anderem feststellen können, daß das Chamäleon ein Tier ist und nicht ein Mensch, der sich seiner Umgebung vorbildlich anzupassen weiß; oder besser ausgedrückt: daß wir Menschen uns diese Bezeichnung für unsere entsprechend begabten Artgenossen aus der Echsenwelt ausgeborgt haben. Sehr eindrucksvoll sind auch die Menschenaffen — ebenso die Besucher, die davorstehen. Na ja, es wird auch von niemandem behauptet, daß mit dem ersten Menschen auch der letzte Affe ausgestorben sei. Wie realistisch manche Jungen heute eingestellt sind, bewies mir der Ausspruch eines Buben, der vor dem großen Elch stand und ihn eine Zeitlang bestaunte, um dann vor sich hin zu knurren: „Mensch, wenn man den schwarzschlachten könnte!“ E-r. Im Kampf mit den Elementen 17 000 Lehrgangsteilnehmer wollen geschält sein Seit Juli 1946 besteht in Freiburg-Günterstal die Badische Landesfeuerwehrschule, die, aus dem Nichts aufgebaut, heute bereits auf eine reichhaltige und erfolgreiche Tätigkeit zurückblickt. Unter der verantwortlichen Leitung des Schulleiters Gißler wurden etwa 2000 Lehrgangsteilnehmer, darunter etwa 700 Maschinisten. in freiwilligen Kursen ausgebildet. Und doch harrt der Schule noch eine gewaltige Aufgabe; denn nicht weniger als 17 000 südbadische Feuerwehrmänner sollen in lOtägigen Kursen ihr Wissen und Können vervollständigen, um im Ernstfälle Leben und Gut der Bevölkerung mit größtmöglichem Erfolg zu schützen. Anläßlich eines kurzen Besuches konnten Wärmefähigkeit sowie die Schalldichte einer I wir uns von der umfassenden Ausbildung, von Solchen porösen Schüttbetonmauer von 25 Zenti- der Einsatzfreudigkeit und Kameradschaft der meter Dicke entspricht der Wirkung einer I Lehrgangsteilnehmer überzeugen. Neben prak- Jeder kehre vor seiner Tür! Baldiger Einsatz von Sprengwagen — Weg mit den Mülleimern von den Straßen! Mit den heißen Sommertagen, die jetzt endlich auf die lange Regenperiode folgten, ist eine neue Plage in unserer Stadt aufgetaucht: eine überhöhte Staubwirkung. In einer großen Stadt wie Freiburg, die zudem im Stadtinnem keine größeren Grünflächen besitzt, wurde die Staubbildung schon von jeher begünstigt, aber vor dem Kriege von der Stadtverwaltung mit den modernsten Mitteln bekämpft. Besonders heute, wo in Freiburg allenthalben Trümmerfelder klaffen und ganze Straßenzüge in Schutt liegen, verschlägt fei der großen Sommerhitze der Staub den Menschen oft bald den Atem, und es legen sich die Staubteilchen auf die vielfach ausgestellten Lebensmittel. Die großen Straßenreinigungswagen, die hier allein Abhilfe bringen könnten, wurden znm größten Teil fei der Zerstörung des Fuhrparkes vernichtet. Bis die beiden übriggebliefenen Reinigungsmaschinen, die mit ihrem kühlen Wasserstrahl über eine ganze Straßenbreite den gröbsten Staub aufkehren können, wieder voll einsatzfähig sind, werden kleinere Sprengwagen eingesetzt, die aber in ihrer Wirkung nicht an jene heranreichen. Die Stadtverwaltung ist sehr daran interessiert, sobald als möglich auch in dieser Hinsicht die Freiburger wieder zufriedenzustellen. ”Aber die Bevölkerung selbst kann mit dazu beitragen, daß Sauberkeit in unserer Stadt herrscht. In den Jahren nach dem Zusammenbruch ging oft alles drunter und drüber, und wenige achteten auf „Kleinigkeiten“ wie Straßenreinigung usw. Heute, nachdem die größte Notzeit vorbei ist. muß auch auf diesem Gebiete wieder Ordnung einkehren. Laut polizeilicher Vorschrift soll jeder Hausbewohner zu bestimmten Zeiten den angrenzenden Gehweg säubern. Da man aber nicht den Bewohnern der oberen Stockwerke zumuten will, den auf dem Bürgersteig zusammengefegten Schmutz in ihre Mülleimer zu befördern, so ist man in der Stadtverwaltung übereingekommen, daß Sand und Staub des Gehweges in kleinen Haufen in den Straßengraben zu kehren sind, von wo sie von der Straßenreinigung mitgenommen werden. Dafei ist sehr darauf zu achten, daß die Rinneselbst freibleibt. Bei der Müllabfuhr, die jetzt wieder zweimal in der Woche durchgeführt wird und deren Abholtage jedem Haushaltungsvorstand aus Zeitungsmeldungen bekannt sein werden, ist darauf zu achten, daß die Mülleimer nicht übermäßig lange vorher an der Straße stehen und der Sonne ausgesetzt sind und auch nicht stundenlang nach der Leerung gefährliche Verkehrshindernisse bilden Unförmige Kisten und schwere Kasten, die vielleicht noch mit Bau- oder Trümmerschutt gefüllt sind, brauchen von den Müllwagen nicht entleert oder mitgenommen zu werden. Eine besondere Mahnung ergeht noch an die Eltern, auch ihre Sprößlinge anzuhalten, etwas auf Sauberkeit und Ordnung auf öffentlichen Straßen und Plätzen zu achten. In manchen Gegenden hat die Manie der Kriegsbemalung der Straßen in erschreckender Weise überhandgenommen. Auf anderen Straßen freuen sich besonders die Radfahrer über die Scherfen von planlos zerschlagenen Bierflaschen oder sonstigen Gläsern. Wenn jeder den „Dreck vor seiner eigenen Tür fegt“ und auch sonst etwas auf diese „kleinen Dinge“ des Alltags achtet, wird Freiburg vielleicht bald wieder in fern alten Rufe stehen, zu den gepflegtesten Städten Deutschlands zu gehören. G. G. tischer Geräteausbildung werden die Schüler die hauptsächlich aus den südbadischen Dörfern der näheren und weiteren Umgebung gekommen waren, in theoretischen Unterrichtsstunden mit der Arbeitsweise fast sämtlicher im Feuer lösch- und Lebensrettungs wesen gebräuchlichen Maschinen und Apparate bekanntgemacht. Gebäudekunde und Großeinsatzübungen am Sandkasten vervollständigen die Ausbildung die uns in Anbetracht der zur Verfügung stehenden Zeit beinahe etwas zu reichhaltig erschien Vom einfachen Naßlöscher bis zum Tetralöscher, von der Gasmaske bis zum Pulmotor blieb ihnen kein Gerät verborgen, und mit be- sonderm Eifer waren sie bei den praktischen Feueflöschübungen, zu deren Gelingen ein reibungsloses Eingespieltsein der einzelnen Gruppen erforderlich ist. Jeder Griff und jeder Handschlag muß hier erlernt und geübt sein und im Schlaf ausgeführt werden können. Dies wird gerade beim Anschließen und Verlegen der B- und C-Schläuche besonders augenscheinlich; hier geht es darum, so schnell wie nur irgend möglich Wasser im Strahlrohr zu haben. Genaueste Geräte und Materialkenntnis sind hierbei die ersten Voraussetzungen. Mit Begeisterung und geradezu sportlichem Einsatz erledigen die Teilnehmer ihr Pensum, und nach Abschluß des Kursus, dem eine Prüfung durch den Schulleiter und eine Prüfungskommission, die aus den Rreisbrand- meistem von Lörrach, Bühl und Baden-Baden besteht, vorangeht, werden die Schüler als Gruppenführer oder Maschinisten wieder in ihre Heimatorte entlassen. Hier^sind sie dann in der Lage, ihren Wehren wertvolles Wissen zu vermitteln und der Bevölkerung im Ernstfälle tatkräftig und erfolgreich zur Seite zu stehen. O. St. „Die schöne Müllerin" von Schubert Tm Rahmen der Konzerte auf alten Instrumenten wurde der berühmte „Müller-Lieder“-Zyklus von Schubert durch Hans Heinrich Hagen und Prof. Fritz Neumeyer an einem Tafel-Klavier aus der Schubertzeit aufgeführt. Auch dieses Werk hört man, ähnlich wie die Mozartsonaten, auf eine neue Weise. Wieder waren es vor allem die wunderbar profilierten Bässe, die gerade in diesem Zyklus und seinen meist in den tiefen Lagen ruhenden Begleitflguren viel plastischer und sprechender hervortreten konnten als innerhalb des uniformen Klanges des modernen Eisen-Flügels. Es kam hinzu, dafi Prof. Neumeyer durch ein fast pedalloses Spiel die Begleitung des Textes in einer mehr vom rhythmischen als vom klanglichen Bewegungsablauf bestimmten Spielwelse empfindet und dadurch bei einigen Liedern ganz neue klangliche Eindrücke vermittelte. H. H. H a g e n hatte sich im Ausdruck, im Stil und in der Tonstärke bewußt, und man darf sagen vorbildlich, auf den Klang seines neuen „Begleiters“ umgestellt. Man braucht nicht hinzuzufügen, daß hinter diesem neuen „häuslichen“ Klang mehr steht als das Instrument, nämlich eine bestimmte Einstellung zur Hausmusik der Romantik, die einen ihr entsprechenden, vom Sänger meisterhaft beherrschten Stil verlangt. Hägens Vortragsweise ist schlicht und dennoch erfüllt von dem persönlichen Erleben, das das Natur- und Menschen-Erleben dieser darin typischen, wenn auch nicht allzu bedeutenden romantischen Dichtung auszeichnet. Wie oft hat man diese Lieder selbst musiziert oder gehört, und wie selten wurde die inhaltliche Linie und das Ende so plastisch und ergreifend sichtbar, und wie selten haben diese einfachen Verse ihren tiefen, ewigen Sinn enthüllt! Es wäre verfehlt, auf einige besonders gut gelungene Lieder einzugehen, weil der Zyklus vom Hörer als „Ganzes“ aufgenommen werden soll und weil aus der Darstellung des Sängers deutlich wurde, wie sehr er selbst sich darum bemüht hatte. Daß es ihm gelang, verdankt er seinen großen künstlerischen Fähigkeiten und seinem Stilverständnis. — Die beiden Künstler nahmen begeisterten Beifall entgegen. Das harmonische Musizieren hat Jeden Zuhörer dem Verständnis für Schubert und das deutsche romantische Lied einen großen Schritt nähergebracht. —g— „Naturfreunde“ am brennenden Holzstofi An der Sonnenwendfeier der „Naturfreunde“ auf dem Otten nahmen etwa 200 junge „Naturfreunde“ teil. Weit loderten die Flammen des mächtigen Holzstoßes ins Land hinaus, und voller Freude faßten sich Burschen und Mädel bei den Händen und bewegten sich singend und tanzend um das Feuer herum. Nachdem Wanderfreund G ö t z mitreißend über die Bedeutung der Sonnenwende gesprochen hatte und das Feuer erloschen war, begaben sich die müden Wanderer zum behaglichen Breitnauer Haus oder wurden, sofern sie dort nicht mehr aufgenommen werden konnten, bet freundlichen Bauern im Heu untergebracht. Mit der Sonnenwendfeier war am Sonntag eine wirkliche Feierstunde für die alten Wanderfreunde beim Naturfreundehaus Breltnau verbunden. Mit besonderer v^eude nahmen sie das Spiel und den Gesang der Jugend- und Kindergruppe auf, die Ihr Bestes für die alten „Naturfreunde“ und teilweise Mitbegründer der Sektion Freiburg gaben. Zwischendurch ließ die Musikgruppe ihre frohen Weisen erklingen, und alle zusammen bildeten ein harmonisches Ganzes inmitten des Waldes und der blühenden Wiesen in Sonne und Wind. Bei dieser Gelegenheit schilderte Wanderfreund Heim, ein Mitbegründer des Vereins, den harten Kampf und sich endlich doch vollziehenden Aufstieg der Naturfreundebewegung bis zur Gegenwart: die Geschichte der Arbeiterbewegung schlechthin. Die Erwerbung und Erstellung des Freiburger Hauses erforderte von den Wanderfreunden große materielle und ideelle Opfer, doch sie wurden nicht gescheut, und nun sollen die Jungen weiterbauen und ihrem Idealismus treu bleiben. Nachdem Wanderfreund Götz eine stattliche Anzahl von Wanderfreunden für 25jährige treue Mitgliedschaft mit der silberumrandeten Naturfreundenadel ausgezeichnet hatte, wurde die Feierstunde mit dem zu einem mächtigen Chore anschwellenden Liede „Brüder zur Sonne, zur Freiheit“ eindrucksvoll beendet. K. S. Kleiner „offener“ Brief Lieber Teilhaber! Daß Du seit einiger Zeit meine von mir abonnierte Zeitung liest, bevor ich sie zu Gesicht bekommen habe, weiß ich schon lange. Ich hätte Dir ja einen Streich spielen und dem Boten sagen können, er solle doch das „Volk“ so tief in den Postkasten vor der Haustür stechen, daß man sogar mit so schlanken Fingern wie mit den Deinen jeglichen Angeld versuch als erfolglos aufgeben muß. Aber ich nehme an, Du suchst politische Aufklärung und bist Kaufmann genug, um nur für das bezahlen zu wollen, was Du auch nicht im entferntesten als „idealistisch“ ansprechen kannst. Ja, das ist mit der Politik nun mal so eine Sache: sie ist realistisch mit stark idealistischem Hintergrund. Ich schlage Dir deshaHj vor, daß wir ab ultimo den Preis für das Abonnement teilen. Ich würde Dich gern „diesbezüglich“ ohne jegliche Unkosten weiterversorgen; aber ich kann es nicht mehr. Ich verliere nämlich meine Stellung. Und durch meinen Vorschlag wäre uns beiden geholfen. Ich könnte auf diese Art die Zeitung weiter abonnieren, und Du brauchtest nicht immer za fürchten, daß ich Dich doch einmal erwische und Dir dann den Kümmel noch nachträglich für die ganze zurückliegende Zeit reife. Übrigens, wenn Du wieder etwas auszurechnen hast, so benutze dazu nicht die von mir noch nicht gelesene Nummer. Es ist so schwierig zu entziffern, was unter Deinen Tintenklecksen steht. Überlege Dir mal meinen Vorschlag und laß mich Deine Ansicht wissen. Ich bin sicher, auf diesem von mir gewählten Wege kommt Dir der Brief am schnellsten zu Gesicht. Freundlichst! Gustav Kicher. Bei 30 Grad im Wintermantel! Ja, im Ernst: ich habe sie an einem der letzten Nachmittage bei brütender Sommerhitze auf der Sonnhalde in Wintermänteln gesehen. Zwei Damen waren es — sogar zwei hübsche. Ich traute meinen Augen nicht. Alle Welt hatte ausgezogen, was auszuziehen war, ohne daß Sitte und Anstand verletzt wurden. Aber die beiden Schönen waren absolut winterlich angetan. Ich glaubte zuerst an unangenehme Folgen eines Sonnenstiches oder dergleichen. Jedoch sie plauderten und liefen auf und ab: ihr Benehmen war ganz normal. Was sollte ich davon halten? Einem anderen Herrn schien die Sache auch so ungeheuerlich vorzukommen wie mir. Er photographierte nämlich sogar die beiden weiblichen Wesen. Und als er sie auf den Film gebannt hatte, da wurden ihnen aus einem fe- reitstehenden Auto andere herbstliche und winterliche Kleidungsstücke gereicht, und darin photographierte sie der Herr wieder. Und dann kam ich endlich dahinter, daß es sich um Reklameaufnahmen für eine Freiburger Konfektionsfirma handelte. Jawohl, und wenn Sie vor Neid erblassen, liebe Leserinnen, auf diese Art und Weise habe ich die ersten Muster einer Kollektion für die Sonderschau „Herbst und Winter“ gesehen. Im Vertrauen gesagt: man trägt ... Aber nein, das würde zu weit führen! -da- Fleisch für Juli Von 1 bis « Jahre: Karten Nr. 14, 14 B, 24, 24 B; Absehn. Fleisch 4. 5, 6, 7, 8, 9 je 125 g Über 6 Jahre: Karten Nr. 11, 11 B, 21, 21 B 5 Kleinabschnitte A je 25 g 5 Kleinabschnitte B je 25 g Abschnitt Fleisch 5, 6, 7, 8 je 125 g Schwerarbeiter: TS-Karte Nr. 83 Abschn. Fleisch 1 - 125 g MS-Karte Nr 64 Abschn. Fleisch 1, 2 je 125 g S-Karte Nr. 62 Abschn. Fleisch 1, 2, 3 Je 125 g Sst-Karte Nr. 63 Abschn. Fleisch 1, 2, 3, 4, 5 Je 125 g Mütterkarte Nr. 70: Abschn. 11, 12. 23 je 250 g Weißmehl und Olivenöl Weißmehl für Juni: Säuglinge bis zu 1 Jahr auf Abschn. „Nährmittel" 13, 23, 25 je 250 g (an Stellä von Nährmitteln). — Olivenöl für Juni: Über 6 Jahre auf Abschn. „Fett O“ — 100 g. Touristenverein „Die Naturfreunde“ Sonntag, 3. Juli, Wanderung Günterstal—Kyburg— Langackem — Horben — Gerstenhalm — Au. Gehzei£ 4 bis 5 Stunden. Treffpunkt 8 Uhr Endstation Günterstal mit Wanderwart Hans Blttighofer. Mit Prof Dr. Kirchheimer machen wir am Mittwoch, 6. Juli, 20 Uhr, einen Gang durch den Botanischen Garten. Wir erwarten eine zahlreiche Beteiligung. Gäste willkommen. Bereitschaftsdienst am Sonntag Arzte: Dr. Martin, prakt. Arzt, schlllerstr. 8 (Telefon 2253): Dr Austen, prakt. Arzt, im wolfswinkel 28f Dr. Siegfried Werner, Facharzt für Kinderkrankheiten, Lerchenstraße 17 (Tel. 2050). Zahnärzte: Univ.-Zahnklinik Günterstal, Torplatz | (Tel. 2533) von 10 bis 12 Uhr; außerhalb dieser Zelts Dr. Karl Freiberg, Eschholzstraße 50. Dentisten: Jbsef Engel, Reichsgrafenstraße 17. Apotheken: Berthold-Apotheke, Kaiser-Joseph- Straße 260. Garagen: H. Hunzinger, Tullastraße 51. Tankstellen: Albert Rauchfuß, Talstraße 10. Sozialdemokratische Partei Kreis Freibnrg Am Sonntag 3. Juli, 9 Uhr, findet im Gasthaus zum Bankepeter, Schwarzwaldstraße 95 eine Wahlkreiskonferenz statt. Tagesordnung 1. Organisatorische Vorbereitung des Wahlkampfes. 2. Aufstellung und Wahl des Kandidaten für den Bundestag 3. Verschiedenes. Unbedingtes Erscheinen der Delegierten i^t Pflicht. Wir erwarten, daß jeder Ortsverein vertreten ist Ortsverein Freiburg Für den am 9 und 10. Juli in Freiburg tagenden Parteiausschuß bitten wir die Genossinnen und Genossen um Bereitstellung von Nachtquartieren. Meldungen umgehend erbeten an das Parteisekretariat, Habsburgerstraße 85, oder an den Gen. Seeh, Freiau 25. Samstag, f. JuH 1949 WumiYw 77 — Seite 7 Bedeutung des Banwesens in Breisach DJe Stadt Breisach hat es seit Generationen auf Grund ihrer Bedeutung in baulicher Be- zfebung immer für notwendig erachtet, alle Baulichen Fragen durch einen Stadtbaumeister bearbeiten zu lassen. Solange die anfallenden Arbeiten einen geringen Umfang hatten, konnte das Gebiet jeweils von einem ortsansässigen Architekten nebenberuflich zum Wohle der Stadt erledigt werden. Die heutige Situation ist jedoch eine gndere; denn die* HSprozentige Zerstörung der' Stadt wirft eine derartige Menge von Baufragen und damit zusammenhängenden Problemen auf (sei es das Wohnungswesen, Durchführung des Stadtplanes, Bearbeitung des Ortserweiterungsplanes, Feldbereinigung usw.), daß die Stadtverwaltung sich entschlossen hat, ab Juli 1949 einen hauptamtlich beschäftigten Bautechniker einzustellen. Dadurch wird es möglich sein, die gesamten Aufgabengebiete im Interesse der Einwohnerschaft und des vielseitigen Wiederaufbaues der historischen Stadt zu bearbeiten, ohne daß auf Grund der bisherigen finanziellen Opfer weitere nennenswerte Belastungen entstehen. Breisach. Der Unterausschuß der Gewerkschaften Breisach hält am Sonntag, 3. Juli, 14 Uhr, im Ar- beiterwohlfahrtsheim «eineGeneralversammlung ab. Jagerpfad wieder ganz passierbar Mitte September 1948 waren die Ausbesserung«- arbeiten am Jägerpfad durch das Höllental von seinem Ausgangspunkt Himmelreich bis nach Posthalde abgeschlossen; der Pfad konnte auf dieser Teilstrecke vom Herbst an wieder begangen werden. Jetzt sind nun die Instandsetzungsarbeiten von Posthalde bis zum Löffeltal vollendet; der Jägerpfad kann also auf der ganzen Strecke wieder benutzt werden. Wenn auch Mitglieder des Schwarzwaldvereins an Samstagnachmittagen bei den Ausbesserungen tatkräftig mithalfen, so erforderte die Wiederherstellung, namentlich die Erneuerung von drei Brtfcken, doch beträchtliche 'Ausgaben. Alle Freunde des Schwarzwaldvereins sowie die Anwohner und Touristen werden dankbar dafür sein, den staubfreien Jägerpfad nunmehr Ungehindert wieder begehen zu können. H. St. Prof. Butenandt las ln Freiburg Zum Gedenken an den Todestag Ludwig Aschoffs fand im Rahmen der Freiburger Medizinischen Gesellschaft eine Vorlesung statt, die den Namen des großen Arztes und Menschen trug. Diesmal war es Prof. Dr. Adolf Butenandt als Gast, der die traditionelle Vorlesung hielt; sein bekannter Name hatte den Hörsaal in einen beinahe beängstigenden Zustand der Fülle versetzt. Butenandt Ist besonders durch sehne Arbeiten über die Sexualhormone weit über die Grenzen Deutschlands hinaus als hervorragender Wissenschaftler bekannt geworden: eine Tatsache, der durch die Verleihung des Nobelpreises 1939 sichtbarer Ausdruck verliehen wurde. Unter begeistertem Beifall des ganzen Auditoriums dankte Professor Pr. Franz Büchner als erster Vorsitzender der Medizinischen Gesellschaft dem Tübinger Gast dafür, daß er der Fülle lockender Angebote aus dem Auslande sich in Zeiten der Not der deutschen Wissenschaft erhalten habe. Prof Butenandt hatte sich die „Biochemischen Untersuchungen zur Wirkungsweise der Erbfaktoren“ aus seiner Arbeit zum Thema erwählt. Er verknüpfte seine Ausführungen mit der Erinnerung an Casino-Lichtspiele Am Sonntag, 3. Juli, finden Vorstellungen um H, 12, 14.15 und 16.30 Uhr statt. die erste persönliche Begegnung mit Ludwig Aschoff. Es ist hier auch nicht andeutungsweise möglich, näher auf die Ausführungen des Tübinger Gaste» einzugehen. Nicht unerwähnt aber darf die Art bleiben, in der der Werdegang einer wissenschaftlichen Arbeit Wer dargeboten wurde. An diesem Einzelbeispiel einer biochemischen Forschung wurde das Wesen wissenschaftlichen Denkens und Handelns fühlbar gemacht. Das vielfältige Wechselspiel von Experiment und Hypothese die bestrickende Logik einer exakten Beweisführung, die weiten Möglichkeiten, die in einem kleinen Einzelfund beschlossen sein können, und die verpflichtende Gemeinschaft der Forscher über die nationalen Grenzen hinaus — all dies ließen die Worte Prof. Butenandts in einer Weise lebendig werden, die auch den nur interessierten Laien tief beeindrucken mußte. Der Vortragende machte es seinen Hörern leicht, einen Weg zu begehen, der ln jahrzehntelanger mühsamer Forschungsarbeit erst als Pfad hatte erschlossen werden müssen. Es geschah mit einer Klarheit, die die Freiburger Professoren auf eine Aussprache gern verzichten ließ. Neben der berufenen Darstellung elnea der akutesten Forschungszweige unserer Zeit war es wohl - vor allem auch das beglückende Er- lebnia einer großen Persönlichkeit, das den Beifall sich weit über das Mail rein förmlicher Ksnventtosi erheben ließ. G. R. Ein Ausspracheabend der Jagend Das Jugendbildungswerk Freiburg-Stadt and -Land veranstaltet am Samstag, 2. Juli, 20 Uhr, Im Hörsaal t der Universität einen Ausspracheabend für die Mitglieder des Jugendbildungswerks und ihre Eltern, sowie für alle Interessenten und Förderer dieser Einrichtung. Bei dieser Gelegenheit wird der Kreisjugendbeauftragte, Viktor Koch, über die bisnerlge Tätigkeit des Jugendbildungswerks ln der Stadt und im Landkreise Freiburg berichten, und auch die verschiedenen Dozentinnen und Dozenten der einzelnen Arbeitsgemeinschaften werden Ihre Erfahrungen zum Nutzen aller bekanntgeben. Die Hauptaufgabe des Abends aber besteht darin, daß die Mitglieder, also die Jugendlichen selbst, sowie deren Eltern und Angehörige eine freimütige Kritik an der bisherigen Arbeit des Jugendbildungswerks üben. Für alle durchführbaren Vorschläge und Anregungen wird man besonders dankbar sein und sich bemühen, auch praktischen Gebrauch davon zu machen. Den musikalischen Rahmen wird das von Herrn Gold- schmidt geleitete Orchester des Jugendbildungswerks bieten. Der Vater des unehelichen Kindes Seine Unterhaltspflicht and seine Stellung im Prozeß Die Feststellung der Vaterschaft nach der Geburt eines unehelichen Kindes dient in erster Linie dazu, die Unterhaltspflicht des nach dem Gesetz mit dem Kinde rechtlich als nicht verwandt geltenden Vaters festzulegen und dem Kinde die Möglichkeit zu geben, jederzeit im Hinblick auf das Vermögen des Vaters die Zwangsvollstreckung zu betreiben. Diese Unterhaltspflicht des Erzeugers hebt sich in unserem heutigen Rechte von den Verpflichtungen unterhaltspflichtiger Verwandter (wie z. B. "der des Großvaters beim Tode des Vaters dem Enkel gegenüber) deutlich ab und ist, da das uneheliche Kind all die Vorteile des ehelichen wie z. B. das Erbrecht dem Vater gegenüber nicht hat, schärfer durchgeführt. Während sonst der Unterhaltsberechtigte vom Verpflichteten nur dann Unterhalt verlangen kann, wenn er bedürftig und der Verpflichtete leistungsfähig ist trifft diese Regelung beim unehelichen Kinde nicht zu. Es kann, selbst wenn es sich in den besten Vermögensverhältnissen befindet (z B. als Erbe der verstorbenen Mutter) vom Vater eine den allgemeinen Lebensverhältnissen der Mutter entsprechende vierteljährlich Im voraus zu entrichtende Geldrente verlangen, auch wenn der Vater ln den schwierigsten finanziellen Verhältnissen lebt. Im allgemeinen wird heute dem Vater eine monatliche Zahlung von 30 bis 35 DM auferlegt. Der Vater hat diese ordentliche Untsrhaltsverpflieh- tung von der Geburt des Kindes bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres zu tragen. Kann sich das Kind denn infolge geistiger oder körperlicher Gebrechen nicht selbst unterhalten, so bleibt der Vater aber nur wenn er dann noch leistungsfähig ist, weiter verpflichtet. Im Gegensatz zu anderen Unterhaltsverpflichtungen kann hier das Kind auch den Unterhalt für die Vergangenheit verlangen. Hat die Mutter selbst oder ein unterhaltsverpflichteter mütterlicher Verwandter dem Kinde den Unterhalt gewährt, so können diese vom Vater auch noch nachträglich den Geldbetrag verlangen, den dieser dem Kinde hätte bezahlen müssen Auch nach dem Tode des Vaters erlischt der Unterhaltsanspruch des Kindes nicht; es kann sich nun an die Erben des Vaters halten. Mancher Vater nimmt aus diesen Gründen (z. T. aus einer verantwortungslosen Einstellung heraus) eine so schwerwiegende Verpflichtung nicht freiwillig auf sich, sondern versucht, sich der Cnterhalteverpflkhtang *» entziehen. Er läßt es auf einer Prozeß ankpmmen! Aber hier hat es der Gesetzgeber dem widerstreitenden Vater sehr schwer gemacht und das klagende Kind (mit Recht) weit günstiger gestellt In einem Prozeß braucht da» Kind zur Klage- begründung weiter nichts zu behaupten, als daß der Beklagte in der gesetzlichen Empfängniszelt — das ist vom 181. bis zum 302. Tage vor der Geburt des Kindes — mit der Mutter verkehrt habe. Steht dieses fest, so wird vermutet, daß der Beklagte Vater des Kindes sei Der Beklagte kann sich Jetzt nur noch nach zwei Richtungen hin verteidigen; er kann einmal Nachweisen, daß es offenbar unmöglich ist, daß die Kindesmutter das Kind von ihm empfangen habe (weil sie bereits schwanger war), oder daß die Mutter während der gesetzlichen Empfängniszeit außer mit ihm noch mH anderen Männern verkehrt habe. Diese Tatsachen kann er aber nicht nur behaupten, sondern er muß sie auch beweisen, was im letzteren Falle nur in den seltensten Fällen möglich ist. Anden* Einwendungen kann er nicht erheben- er kann vor allem nicht behaupten, er habe wohl mit der Mutter verkehrt, zu einer Befruchtung könne es aber nicht gekommen sein In vielen Fällen wird der Beklagte ein Blutgruppengutach- ten beantragen In einem solchen kann aber nicht festgestellt werden, wer der Vater ist: man kann nur Nachweisen, daß der Beklagte eventuell nicht Vater sein kann. Der Beklagte hat also im Prozeß eine sehr schwache Stellung, und das Kind wird meist Aussicht auf Erfolg haben gl- Kleine SUamammaate:» Die Vsrsamnuung des raenve oanaes „Südbadische üimsuoe Miusuer" finoei am a. auil ln der „Harmonie" steil. Die Ausst e llung Markgräfler Künstler, Hochmeiater- straue 2, ist jewena sonntags von S bis 13 Unr geöffnet. Am 2. Juli, 3t unr, veranstalten der 2. Löscbzug der ä retwilligen Feuerwehr Fre»urg und die Feuer- wehritapelle unter der letztmaligen Leitung Josef Reißers ein SommernaebtsiesI mit Konzert und Tanz am Waldsee. Der Schwarzwaldverein macht am 3. Juli eine Tageswanderung: f Feidbergturm — Feldsee —.Hinterzarten. Gebzelt: s Stunden. Wanderfübrung: Hellstem und N. Schmidt. Die Pauluskantorei veranstaltet am 3. Juli, SS Uhr, im Casino eine Geistige Abendmusilt mit Bachkantate, einem doppelcbörigen Werk von ■ Schütz und Orgelwerken von Bach. Am 4. Juli, 30.30 Uhr, spricht Ministerialrat und Landtagsabgeordneter Fritz Maler in einer öffentlichen Veranstaltung der Europa-Union ln der Gastwirtschaft „Grüner Baum", Lorettostraße, über „Europa und der deutsche Arbeiter". Am 4. Juli, 20 Uhr, spricht Dr. Albert Reps Im Kaufhaussaal über „Homunkulus", am 5. Juli, 20 Uhr, am gleichen Ort über „Helena“. Am i. Juli, ls Uhr, hält Im Hörsaal 1 der Universität Prot Jaques D r o z, Clermont-Ferrand, einen Gastvortrag über „Historische Grundlagen des Rheinlandproblems". Am *. Juli. 20.1* Uhr, Mit Prof. S. A. Math er auf Veranlassung der Volkshochschule im Hörsaal 1 der Universität einen Lichtbildervortrag über „Der heilige Berg Athos". Am 2. Juli feiert Milchhändler Bernhard Bau, Grünwälderstraße 2», einer der ältesten Berufsangehörigen, der sein Geschäft seit *0 Jahren betreibt, seinen 77. Geburtstag. Am 4. Juli wird Fabrikdirektor Otto S k r e b b a SS Jahre alt. Er kam bereits als «jähriger nach Freiburg und gründete 1001 die Büroeinrichtungsfabrikea Fortschritt, die er bis 1921 als Direktor leitete. Er hat zahlreiche Erfindungen durchgeführt und arbeitet noch heute an neuen Erfindungen. Öffentliche Erinnerung Zur Vermeidung kostenpflichtiger Einziehung sind *» zahlen: am l joH lMtt 1 Lohnsteuer für Juni einschließlich Kirchenloha» Steuer (8 Prozent der Lohnsteuer) unter Abgabe der Anmeldung: am u. Juli 1942: 2 Umsatzsteuer für Juni nach Maßgabe der gleith- zeitig abzugebenden Voranmeldung Die nichtbuchführenden Land- und Forstwirte haben die auf Grund der Richtsätze festgesetzten vierteljährlichen Umsstzsteuervorauszahlungen zu leisten; 2 Einkommensteuer (einschließlich 8 Prozent Kirchensteuer) sowie Körperschaftsteuer. Vorauszahlung für das zweite Viertel 1949 nach Maßgabe der für das sbgslaufene Vierteljahr abzugebenden Erklärung. Die Pflichtigen mit einem Jahreseinkommen von 4000 DM und weniger, die einen Vorauszahlungsbescheid für die Zeit ab 21 Juni 194* erhalten haben zahlen die in ihm festgesetzte Vorauszahlung, sofern sie den Steuerbescheid für 1947 noch nicht erhalten haben; gepäckverkehr: am 4oM . lt4tl 4. Beförderungssteuer für den Personen- und Reise- S Börsenumsatzsteuer für den Monat Juni bzw für das zweite Vierteljahr 1949 und Abgabe der Anmeldung; am 2». Juli 1949: 0 Beförderungssteuer für den Güterfernverkehr: Za den In des gteaerbeschelden bezeichneten Fälligkeitsterminen. 7 Abschlußzahlung auf die Einkommen-, Körperschaft-. Gewerbe- und Umsatzsteuer 1947; (. Die nichtbuchführenden Land- und Forstwirt* zahlen — außer der unter 3. aufgeführten Richtzahl — Umsatzsteuer — den vierfachen festgesetzt«» Vierteljahresbetrag der Umsatzsteuer aus Weinumsätzen, und ferner die Umsatzsteuer aus Ihren sonstigen land- und forstwirtschaftlichen Sonderumsätzen für das dritte und vierte Kalendervierteljahr 194* Bei nicht rechtzeitiger Zahlung Ist ein Säumnl»- Zuschlag von * Prozent des Rückstandes verwirkt. Die Finanzämter: Frei borg, Emmeudlngen, Lahr. Lörrach, MtUlheim, • Neustadt. Schnpfhefm und Wnlfach 1 JUaslßoÖi Kleinanzeigen Offene «eilen Einstellungen Ob. znständ Arbeitsamt Bilanzsich. 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Wir bitten dringend, im Interesse der Allgemeinheit mit dem knappen Trinkwasser sparsam um zugehen. Stadtwerke Freiburg — Gas- und Wasserwerk « MWM IIIIIIIIIIMIIIIIlIHHIIIIItllllllllllllllllflltlllllltlllllllllllHIIItlllllllllll mit guten Beziehungen zur Kundschaft Südbadens gesucht Daimler-Benz Aktiengesellschaft Niederlassung Freiburg Industriegelände Krozingen Eine Lagerhalle (458 qm Fläche) und ein Depotgebäude (98 qm Fläche) in Bad Krozingen zu vermieten. Angebote erbeten an Spezialbauamt für das franz. Militärbauwesen Freiburg i. Br. Maria-Theresia-Straße 10 Telefon 9092 Ein großer Transport erstklass. hochträchtiger Kühe und Kalbinnen eingetroffen. Viehhand ung Julius Giinzburger Freibarg i. Br. Büro Schlachthof Stallung 58e + Wollen Sie Is M Schwerhöriger wieder besser hören? dann lade Ich Sie und alle Ärzte ein, meine in Freiburg, Hotel Seimen, Montag, 4. Juli, von 9—15 Uhr und Dienstag, 5. Juli, von 9—15 Uhr Emmendtngen, Gasth.3Linden, Mittwoch, 6. 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Winter Werke und Gesänge von Frescobaldi, Schütz, Bach, Händel und Reger / Programme abends am Hauptportal des Münsters StädtBühnen Freiburg i.ßr. tHHiimiwiiiuiiiiiMiiiiiiiiiiumuiiiimiiumiiiiiiiiuuuiiiiiiiiuiiii Freitag, I„ und Samstag, 2. Juli 1949: auf dem Milnsterplatz Jedermann Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes erneuert von Hugo von Hofmannsthal Inszenierung: Franz Everth Es spielen: Claus Clausen (Jedermann), Ewald Allner (Tod), Friedrich v. Bülow (Teufel), Käthe Gothe (Mutter), Karl Vetter (Guter Gesell), Ursula Volkmar (Buhlschaft), Hermann Frye (dicker Vetter), Georg Oschmann (dünner Vetter), Christine Mylius (Werke), Ruth Baldor (Glaube), Kurt Heinz Welke (Mammon), Lothar Bührlng (armer Nachbar), Theo Martin (Schuldknecht), Henny Schneider-Wenzel (Schuldknechts Weib) u.a. Beginn: 21.15 Uhr Ende: 22.45 Uhr Wiederholungen sind vorgesehen für den «., 8„ 9, 1«„ 13., 1«, und 17. JnU Karten zum Preise von DM 1.—, 2.— und 3.— beim Schwarzwald-Reisebüro, im Musikhaus Ruckmich und eine Stunde vor Vorstellungsbeginn an der Abendkasse auf dem Münsterplatz S T ADT’SCHE BÜHNEN Spielplan für die Zeit vom 2. bis U. Juli 1949 (Bitte ausscliheiden) CASINO: Sa 2,7. 20.09—22.30 Frau Luna So 3. 7. 20.00—22.45 In neuer Inszenierung! Rigoletto Di 5.7. 30.15—22.15 Konzert des städt. Orchesters im Colombi-Park (siehe Sonderplakat) DO 7.7. 20.00—22.30 Zum letzten Male! Der Mond — Joan v. Zarissa Fr t. 7. 20.00—22.30 Frau Luna Sa 9 7. 20.00—22.45 Rigoletto So W. 7. : 1.00—23.00 Zum letzten Malet Im weißen Rößl KAMMERSPIEL HAUS: Sa 30 Di Ml 2.7. 21.15—22 45 Auf dem Münsterplatz: „Jedermann“ (s. Sonderplak.) 2. 7. 20.30—22.15 Zum letzten Male! Kl. Preise Pantomimisches Kabarett „Haltestelle ..." 5.7. 20.00—22.00 Tanzabend Bert Norbert I. 7. 21.15—22.45 Auf dem Münsterplatz: .Jedermann“ (s. Sonderplak.) Do 7.7. 20.00—22.30 Seit Adam und Eva Ir tt. 21.15—22.45 Auf dem Münsterplatz: .Jedermann“ (s Sonderplak.) Sa >. 7. 21.15—22.45 Auf dem Münsterplatz: „Jedermann“ (s. So'nderplak.) So 1«. 7- 21.15—22.45 Auf dem Münsterplatz: .Jedermann“ (s Sonderplak.) Inhaber von Hafbdützendhefter, werden darauf hingewiesen, daß Karten der Halbdutzendhefte nur bis'einschließlich 17. Juli gültig sind. Halbdutzendkarten können für die „Jedermann“- Vorstellungen auf .dem ‘Münsterp’atz eingelöst werden.