i Donnerstag, 1. September 1949 4. Jahrgang / Nummer 103 rBBIBOBG tU BREISGAU Erscheinungstage: Dienstag, Donnerstag, Samstag Einzelpreis 20 Pf. / Monatsbezugspreis DM ».— einschließlich Trägerlohn, durch die Post EM 2.20 Anzeigen laut Tarif gegen Kennkartenausweis Orsan der Sozialdemokratische Partei Deutschlands land Baden i i i > Herausgegeben vom Sozialistischen Verlag Freiburg, GmbH-, Freiburg L Br., Kalser-Joseph-Str. 229, Fernruf Verbreitungsgebiet: Land Baden (Französische Tone). Geschäftsstellen und Vertretungen w allen ^ ^ Nr. 2010. Bankverbindungen: Oberrheinische Bank, Freiburg 1. Br-, Freiburger Gewerbebank, eGmbH., Orten Anzeigenpreisliste Nr 7 - Gerichtsstand Frei bürg i. Br • Scnriftleitung. Ku rt w rt». • Freiburg i. Br.; öffenti. Sparkasse Freiburg t. Br. (Städt Sparkasse). Postscheck-Konto Freiburg L Br. Nr. 0070- leitung Karl May: E. Bauermeister. - Druck: Pniversitätsdruckerei Poppen & oruuann. r reiourg i. _ Vorstand der SPD zum Wiederaufbau Deuisdilands Die Aufgaben des Bundestages Forderungen an das Westdeutsche Parlament — Das Regierüngsprogramm der SPD Dürkheim, 31.& Unter dem Vorsitz Kurt Schumachers fand in Bad Dürkheim die Tagung des SPD-Vorstandes statt. Nach einem Beferat Schumachers und eingehender Aussprache bezeichnete der Parteivorstand als Voraussetzung für das Erstehen eines gesunden deutschen Staatswesens die Durchführung eines aus 18 Punkten bestehenden Arbeitsprogrammes, in dem im einzelnen gefordert wird: 1. Überwindung der Arbeitslosigkeit durch eine Politik der Vollbeschäftigung. Dazu ist Stärkung der Kaufkraft und die Erhöhung des Reallohnes erforderlich. Abwehr weiterer Preissteigerungen, Umbau des Steuersystems durch Entlastung der kleinen Einkommen. 2. Planung und Lenkung der Kredite und Rohstoffe zur Befriedung des volkswirtschaftlichen Bedarfs. Ablehnung einer von bloßem Profitinteresse bestimmten Wirtschaftspolitik. 3. Sozialer Lastenausgleich durch Zugriff auf die Vermögen selbst und nicht nur auf die Erträgnisse der Vermögen. 4. Inangriffnahme des Wohnungsbaus unter besonderer Förderung des sozialen Wohnungsbaus durch den Bund. , 5. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Seß- haftmachung und Freizügigkeit für die Vertriebenen und Kriegsbeschädigten durch zentrale Maßnahmen. Schaffung eines Flüchtlingsministeriums. Zusätzliche Finanzhilfe an die mit Flüchtlingen überbelegten Länder. 6. Neuordnung der Sozialversicherung, de» Rentenwesens und der Versorgung der Krieg» beschädigten mit dem Ziel der Verbesserung der Leistungen und Hilfe für die Opfer der Nazi-Diktatur. 7. Mitbestimmung der Arbeitenden in den Betrieben und gleichberechtigte Einbeziehung der Gewerkschaften in die Selbstverwaltung der Wirtschaft. 8. Politische und wirtschaftliche Entmachtung des großen Eigentums und der Manager durch Sozialisierung der Grundstoff- und Schlüsselindustrien. 9. Sicherung der freien Entfaltung des gewerblichen und bäuerlichen Mittelstandes. 10. Sicherung und Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung, insbesondere durch einen den Gemeindeaufgaben gerechtwerdenden Bundesfinanzausgleich. 11. Beschränkung der alliierten Einwirkungen auf bestimmte und reine Kontrollmaßnahmen. Änderung des Ruhrstatuts. Abwehr der Demontage deutscher Friedensindustrien. 12. Einbeziehung Berlins als zwölftes Land in die Bundesrepublik. Bis dahin schnelle und wirksame Hilfe für Berlin. 13 Ablehnung der Oder-Neiße-Linie als deutsche Ostgrenze. Verbleib des Saarlandes im deutschen Staatsverband. Abwehr neuer Gebietsabtretungen. 14. Unermüdlicher Appell an die moralischen Kräfte der Welt für die Freilassung der Kriegsgefangenen und Frauen. Rückführung der Verschleppten. Kampf gegen Sklavenarbeit in jeder Form und gegen die Konzentrationslager in der sowjetischen Besatzungszone. 15. Wahrung des im Grundgesetz vorgesehenen Vorrechts des Bundestags gegenüber partikularen Gewalten und Interessen. Die Bundesgewalt muß imstande sein, die inneren und äußeren Kriegsfolgelasten gerecht zu verteilen und die Funktionen des deutschen Staates zu erfüllen. 16. Sicherung der Freiheit der Lehre, der Verkündung und der Ausübung jeder Religion und jeder Weltanschauung. Bekämpfung des Mißbrauchs kirchlicher Einrichtungen und Personen als Instrument des politischen Machtkampfes. Abwehr jedes Versuchs, die sozialen und politischen Probleme durch Entfachung eines Kulturkampfes zu vernebeln. Demokratie nur möglich auf sozialer Gerechtigkeit In einer Resolution stellt der Parteivorstand einstimmig fest, daß eine lebenskräftige Demokratie nur auf dem Fundament sozialer Gerechtigkeit erbaut werden kann. Nur so könne die deutsche Bundesrepublik ihre Aufgabe erfüllen, die deutsche Einheit geschaffen und Deutschland in ein neugeordnetes Europa eingegliedert werden. Zur Wirtschaftspolitik erklärt die SPD, das Wahlergebnis habe die Gefahr heraufbeschworen, daß die bisherige Wirtschaftspolitik fortgesetzt und die deutsche Arbeitskraft ruiniert werde. Die Spannungen zwischen den Klassen würden dadurch gesteigert und die staatsbildenden Kräfte gelähmt. Internationale Gleichberechtigung für alle Völker Der SPD-Vorstand betont weiter, daß er jegliche Art von Nationalismus ablehne und für die Gleichberechtigung aller Völker und für die Neuordnung Europas kämpfe. Deshalb werde die SPD für die Wiedervereinigung Deutschlands auf der Grundlage der persönlichen und staatsbürgerlichen Freiheit und Gleichheit in allen Besatzungszonen, „insbesondere der sowjetischen Zone'“, eintreten. Abschließend heißt es in der Resolution, daß nur durch die in den 16 Punkten formulierte Politik ein erfolgreicher Aufstieg Deutschlands möglich sei. Die Partei werde sich mit allen Kräften für ihre Durchführung einsetzen und jede andere Politik mit größter Entschiedenheit bekämpfen. Keine unbedingte Koalitionsfeindschaft Im Zusammenhang mit der Vorstandssitzung erklärte der Pressereferent der SPD, Heine, es sei abwegig, von einer Koalitionsfeindschaft Lüdemanns Nachfolger Kiel, 31.8. Nach dem Rücktritt des bisherigen Ministerpräsidenten Lüdemann hat der schleswig-holsteinische Landtag zum neuen Ministerpräsidenten den Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und stellvertretenden Ministerpräsidenten Bruno Diedw mann gewählt. Dieckmann stellte sein neues Kabinett dem Landtag vor, das gegenüber dem vorhergehenden nur unwesentliche Veränderungen aufweist. Finanzminister wurde Prof. Dr. Gühlich, Volksbildungsminister Landrat Siegel und Arbeitsminister Prof. Dr. Preller. Die übrigen Ministerien behielten ihre alte Besetzung. der SPD zu reden, doch es scheine, als wolle Dr. Adenauer auf die Mindestforderungen der SPD nicht eingehen. Die SPD aber werde nur in eine Koalition eintreten, von der sie die Überzeugung habe, daß deren Politik zum Wohle Deutschlands geführt werde. Die SPD werde auch bereits in der ersten Sitzung des Bundestages erneut die Frage der Bundeshauptstadt aufwerfen und eine namentliche Abstimmung herbeiführen. Es sei anzunehmen, daß auch weite Kreise der CDU-CSU aus Vernunftsgründen für Frankfurt eintreten dürften. Vorbereitungen für den 7. September Die feierliche Eröffnungssitzung — Adenauers Schwierigkeiten Bonn, 31. 8. Der bayerische Staatsminister Dr. Pfeiffer ist von den westdeutschen Länderchefs beauftragt worden, die Vorbereitungen für die feierliche Eröffnung des westdeutschen Bundestages am 7. September zu treffen. Zu der Eröffnung werden auch die drei Hohen Kommissare eingeladen werden. Als Ehrengäste wird Dr. Pfeiffer Vertreter der Kirchen, der Kunst und Wissenschaften zuziehen. Inzwischen stoßen Adenauers Bemühungen um die Bildung des Bürgerblocks auf weitere SchwieAdenauer einigt fidi mit Blücher Bayernpartei lehnt Regierungsteilnahme ab — Adenauer hofft auf DP Bonn, 31.8. Der CDU-Vorsitzende Adenauer führt seine Koalitionsverhandlungen unentwegt weiter. Es heißt, daß er zu einer Einigung mit den Demokraten über alle Punkte gelangt sei. Das geht auch aus einer Erklärung hervor, die der Unterhändler der FDP, Blücher, der Presse gegenüber abgegeben hat und in der er betont, er habe sich mit Adenauer völlig geeinigt. Adenauer hat jetzt die Absicht, sich mit dem Vorsitzenden der Deut-ehen Partei, Hellwege, in Verbindung zu setzen und hofft auch dort eine Einigung zu erzielen. Eine Aussprache mit dem Fraktionsvorsitzenden der Bayernpartei, Dr. Seelos, hat zu keiner Übereinstimmung geführt. Seelos erklärte, daß die Bayernpartei es ablehne, sich an einer Regierungskoalition zu beteiligen, daß sie aber bereit sei, sachlich mitzuarbeiten and die Regierung zu tolerieren, soweit dies eben möglich sei. Auch der Staatspräsident von Südbaden, Wohieb, setzt sich für die große Koalition ein und bezeichnet insbesondere die „Deutsche Partei“ als ungeeignet für eine stabile Regierungspolitik. Ebensogut hätte man auch an Herrn Loritz herantreten können. Die Auffassung über eine Regierungsbildung in der CDU-CSU sei keineswegs einheitlich. USA-Delegierfe studieren Flü&tlmgs- problem Frankfurt, 31.8. Am 7. September werden neun Parlamentarier der USA in Europa ein- treffen, um gemäß eines Kongreßbeschlusses die Flüchtlingsfrage in Westdeutschland, öster- Die Hilfe des Marfhall-Planes Über 90 Millionen Dollar Waren für die französische Zone Frankfurt, 31.8. Bis zum 15. August 1949 wurden für 90 980 000 Dollar Waren durch Marshall-Plan-Hilfe an die Länder der französischen Zone geliefert. Die Bizone erhielt Waren im Werte von 331 465 000 Dollar, teilt der neueste Lagebericht der ERP-Verwaltung mit. An Lebensmitteln allein erhielt die französische Zone Waren im Werte von 5 454 000 Dollar und die Bizone für 16 445 000 Dollar. Eine Kritik des Marshall-Planes Prof. Dr. Baade vom Institut für Weltwirtschaft an der Universität übte auf dem Verbandstag des norddeutschen Genossenschaftsverbandes Kritik am Marshall-Plan. Baade erklärte, das amerikanische Hilfsprogramm sei gewiß von größter Bedeutung gewesen und nur dwefa den Mawhaü-Fian konnte die Erhöhung des Lebensstandards in Westdeutschland erreicht werden Leider aber war es nicht möglich, auch die Ausfuhr Westdeutschlands im nötigen Umfange zu steigern. Der westdeutsche Export müßte etwa 50 Prozent des britischen erreichen, betrage aber nur ein Zehntel, wobei noch zu berücksichtigen ist, daß Westdeutschland bisher im wesentlichen Rohstoffe ausgeführt habe. Deutschland aber müsse die Ausfuhr seiner Fertigwaren steigern und das wiederum setze Investierungen ausländischen Kapitals zum Aufbau der deutschen Industrie voraus. Statt dessen würden in Westdeutschland immer noch- industrielle Produktionsstätten demontiert und im Ausland mit Hilfe der Marshall-Plan-Dollars künstliche Industrien geschaffen, wodurch der Gesamtaufbau Europas weiter «schwärt werde. reich und Italien zu studieren. Die Flüchtlingsbevölkerung Europas übe, erklärt der Kongreß, einen fortwährenden Druck auf die amerikanische Einwanderungspolitik aus und außerdem seien die Flüchtlinge infolge der ihnen gewährten Unterstützungen eine schwere Bürde für den amerikanischen Steuerzahler. Justizminister als Denunziant Berlin, 31. 8. Der ehemalige Versorgungsminister von Thüringen, Georg Grosse, ist nach einer Meldung des Berliner „Abend“ mit seiner Familie aus Weimar nach Westberlin geflüchtet. Er erklärte, daß es in Thüringen kein Ministerium gebe, das nicht mit Spitzeln der russischen Geheimpolizei durchsetzt sei; der gefährlichste Denunziant sei der Justizminister persönlich. rigkeiten. In Hamburg erklärte der Vorsitzende der rechtsstehenden „Deutschen Partei“, Hellwege, seine Partei werde sich an der Bildung der westdeutschen Regierung nur dann beteiligen, wenn sie den Regierungskurs durch Übernahme maßgeblicher Ministerien mitbestimmen und die dem deutschen Volke vor der Wahl gegebenen Versprechungen erfüllen könne. Auch die CSU hat nunmehr gegenüber Adenauer bestimmte Forderungen hinsichtlich der Besetzung der Ministerposten geltend gemacht Adenauer wollte der CSU lediglich ein Fachministerium überlassen, die Partei fordert aber jetzt auch ein politisches Ministerium. Professor Erhard erklärte über den bayerischen Rundfunk, er würde das Wirtschaftsministerium auch dann übernehmen, wenn die SPD in die Koalition einbezogen würde; allerdings würde er auch dann die „soziale Marktwirtschaft“ weiterführen. Für die Geld- und Kreditpolitik hält Erhard jetzt gewisse „planvolle Maßnahmen“ für notwendig. Aber im übrigen lehne er die von der SPD geforderte Planwirtschaft ab. i'ür Neuwahlen in Bayern München, 31. 8. Der Vorstand der FDP Bayern befaßte sich mit der politischen Situation nach den Wahlen und erklärte in einer Resolution abschließend; „Die Wahl zum Bundestag hat eindeutig gezeigt, daß hinter der bayerischen Regierung und der Regierungspartei nur noch eine Minderheit der bayerischen Bevölkerung steht. Der Landesvorstand der FDP Bayerns erwartet, daß Regierung und Regierungspartei die Folgerungen‘daraus ziehen.“ JMiemand kann aus dem Spiel auslcheiden* Rede Trumans zn den Wirtsdiaftskonferenzen Washington, 31. 8. Präsident Tromann behandelte in einer Rede die bevorstehend«» Beratungen von Vertretern der USA, Großbritanniens und Kanadas über Fragen des internationalen Zahlungsausgleiches. Truman erklärte, volles Verständnis für die Bemühungen Großbritanniens zu haben, seine wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu überwinden. Da die Gesundung der Weltwirtschaft notwendig für die Aufrechterhaltung des Weltfriedens und es unmöglich ist, eine gesunde Weltwirtschaft zu erreichen, ohne sich ständig in dieser Richtung zu bemühen, werden die USA alles tun, um die Anstrengungen anderer Länder in dieser Hinsicht zu unterstützen. „Wir können nicht einfach unsere Karten hinwerfen und aus dem Spiel ausschei- den, und ebensowenig kann dies irgendein anderes Land tun.“ Eine wirtschaftliche Isolierung der USA sei unmöglich. Sie würde die Auswertung der Atomenergie verhindern und der Wohlstand des amerikanischen Volkes würde durch sinkende Ausfuhr gefährdet. Eine große Schwierigkeit bestünde darin, daß viele Länder genötigt seien, mehr in Amerika einzukaufen, als die USA aus dem Ausland zu beziehen gezwungen seien. Außerdem sei die Nachfrage des Auslandes größer als seine Zahlungsfähigkeit. Dadurch sei der Welthandel zur Zeit stark aus dem Gleichgewicht geraten. Die USA treten für den Abschluß von Verträgen über die Senkung der Schranken ein, die den internationalen Handel behindern. Er begrüße, daß die am Marshall-Plan beteiligten Länder Beschlüsse gefaßt haben, die eine Überwindung der europäischen Schwierigkeiten erhoffen lassen und er begrüße die Absicht des Europarates in Straßbuzg, «ne Europäische Wirtschaftsunion zu schaffen. In der unvermeidlich schwierigen Übergangszeit würden die USA alles tun, um den Völkern Europas bei der Verwirklichung einer neuen Wirtschaftsorganisation behilflich zu sein. Audi Deutschlandproblem wird behandelt Neuyork, 31 8. Der Londoner Korrespondent der „Neuyork Times“ berichtet, daß bei den im September stattfindenden britisch-kanadisch-amerikanischen Besprechungen auch die Deutschlandfrage behandelt werden wird. Ferner soll über die Waffenlieferungen im Rahmen des militärischen Hilfsprogramms (MAP) sowie über eine rationelle Anwendung des Atlantikpaktes beraten werden. Revolte in Bolivien La Paz, 31.8. In der Hauptstadt La Paz und in einigen anderen Städten des Landes ist nach Mitteilungen des bolivianischen Innenministeriums eine Revolte ausgebrochen. Die Regierung hat die Generalmobilmachung verkündet nnd Truppen gegen die Rebellen eingesetzt. In La Paz konnte inzwischen wieder die Ordnung hergestellt werden. Eine Division der Regierungstruppen befindet sich auf dem Wege nach Chocha- b a m b a , dem Hauptstützpunkt der Rebellen. Regierungsflugzeuge haben den Flugplatz der Stadt mit Bomben belegt; die Rebellen hatten gedroht, von dort aus die Hauptstadt des Landes zu bombardieren. Die Bergarbeiter von C a t a v i, das schon öfter im Mittelpunkt von Aufständen stand, haben ebenfalls die Regierungstruppen angegriffen und ihnen Verluste zugefügt Auch die Stadt Santa Cruz ist in den Händen der Rebellen. t Seite 2 — Nummer 103 WasBotii Donnerstag, t. September VM 16 Forderungen Mit der Formulierung des Arbeitsprogramms nir Bonn hat die SPD ihre Stellung im kommenden Bundesparlament bezogen. Wer künftig mit der SPD in Koalitionsverhandlungen einzutreten beabsichtigt, weiß nunmehr, was die Partei verlangt. Das Dürkheimer Regierungsprogramm wird am 6. Dezember von dem Vorstand der SPD dem Parteiausschuß, der Kontrollkommission, den sozialdemokratischen Ministerpräsidenten und der Bundestagsfraktion zur Beratung und Billigung vorgelegt werden. Es besteht heute schon kein Zweifel mehr, daß diese Instanzen die Resolution tnit der gleichen Einstimmigkeit billigen werden, wie es der Vorstand in Bad Dürkheim getan hat. Die Entschließung von Dürkheim ist der grundsätzliche Standpunkt der SPD zu den Arbeiten des kommenden Bundesparlamentes. Es dürfte nicht einen unter den 16 Punkten geben, dem ein vernünftiger Mensch nicht zuzustimmen in der Lage ist. Die Forderungen für die Führung der Innen- wie der Außenpolitik sind eindeutig. Und es ist Mi der Tat schwierig zu verstehen, mit welcher Begründung eine andere Partei diese, im Interesse des gesamten Volkes liegenden programmatischen Forderungen ablehnen könnte. Und doch ist, und zwar mit ziemlicher Bestimmtheit, anzunehmen, daß Dr. Adenauer und Blücher mit einer Handbewegung über die Erklä- ' rung des SPD-Vorstandes hinweggehen werden. Sie haben sich festgelegt. Und nicht erst seit heute oder gestern. Schon Wochen vor der Wahl war bekannt, daß bestimmte Abmachungen zwischen Rechtskreisen der CDU und einflußreichen Wirtschaftsgruppen getroffen worden waren, die den Bürgerblock im voraus zum Ziele hatten. Die SPD findet sich mit dieser Tatsache ab. Sie ist keineswegs gegen eine große Koalition, aber sie ißt ebensowenig bereit, in eine Regierung einzutreten, von der sie nicht die Gewißheit hat, daß durch sie ihre minimalsten Forderungen auch erfüllt werden. Wie heute die Situation liegt, ist anzunehmen, daß die SPD die große Oppositionspartei des westdeutschen Parlamentes wird. Ob das für die Entwicklung der jungen Republik günstig oder ungünstig ist, kann im voraus niemand mit Bestimmtheit sagen. Die Meinungen über große und kleine Koalition gehen in allen Parteien auseinander, am stärksten sicherlich in der CDU und CSU, von denen man allerdings sagen kann, daß sie keine in sich geschlossene Parteien sind, sondern ganze Sammlungen von Parteien und Weltanschauungen. Auch innerhalb der Sozialdemokratie gibt es einflußreiche Politiker, die insbesondere aus außenpolitischen Erwägungen für eine entgegenkommende Haltung eintreten und die eine große Koalition der großen außenpolitischen Entscheidungen wegen für erforderlich halten. Aber alle, auch die dringendsten Befürworter der großen Koalition denken nicht daran, irgend einer bürgerlichen Gruppe eine Blankovollmacht auszustellen, mit deren Hilfe sie dann die deutsche Regierungspolitik bestimmen könnte. Alle Mitglieder der SPD fordern und verlangen von dem deutschen Parlament eine Politik, die den allgemeinen Interessen des gesamten Volkes und nicht dem Vorteil einer kleinen Gruppe von Besitzenden entspricht. Für jene im Lager der bürgerlichen Parteien, die bisher geglaubt haben, es wäre möglich, durch bloße konziliante und freundschaftliche Ermahnungen die Sozialdemokratie zu einem Eintritt in die Regierung bewegen zu können, ohne daß die Forderungen des Volkes in genau umrissener Form niedergelegt wären, ist durch die Formulierung de« 16 - Punkte - Programms Klarheit geschaffen; Wer immer geneigt, sein sollte, mit der Sozialdemokratie in Koalitionsverhandlungen einzutreten, stößt von nun ab auf dieses Programm und muß es als Regierungsprogramm anerkennen. Partifanenkrieg gegen Tito? Sabotageaktionen werden fortgesetzt — „Pulverfaß“ Balkan Washington, 31. 8. Die jugoslawische Regierung hat bei der Export-Import-Bank um einen Kredit von 25 Millionen Dollar nachgesucht. Es verlautet, dafi die USA den Kredit bewilligen werden. Die Tatsache, daß die USA und die übrigen Westmächte bereit sind, Tito finanziell und moralisch zu unterstützen, und die weitere Tatsache, daß Rußland sich bemüht, den Ring um Tito immer enger zu ziehen, beleuchtet schlagartig die gegenwärtige Situation auf dem Balkan. Wieder „das Pulverfaß Buropas“ Vor etwa 30 Jahren galt der Balkan als „das Pulverfaß Europas". Es scheint, als ob der Balkan seinen alten Ruf wieder erlangen sollte. Mindestens geben sich die Russen die größte Mühe, den Balkan erneut in den Mittelpunkt politischer Ereignisse zu stellen, die leicht zu einer kriegerischen Entladung führen können. Gegenwärtig wird Jugoslawien von einer Serie bolschewistischer Sabotageaktionen heimgesucht. Als letzte ist die größte .Erdölraffinerie in Fiume durch einen Sabotageakt vernichtet worden. Aus Albanien kamen Flugzeuge, die einen Luftangriff auf den südserbischen Flugplatz Prestina ausführten. Trotzdem ist nicht anzunehmen, daß die Sowjets es wagen werden, zum offenen Krieg gegen Tito zu schreiten. Aber Moskau kann sich andererseits nicht mit dem gegenwärtigen Zustand abfinden. Es wird nicht darauf verzichten, alles zu tun, um Titos Regime zu stürzen; aber es wird alles tun, um es im „Kalten Krieg“ zu unter höhlen. Die Bereitstellung von 15 000 „Volkspolizisten“ aus der deutschen Ostzone gegen Tito, die Massierung großer Mengen von Waffen, Munition und Menschen in Bulgarien gehören dazu. . Nach Informationen, die man in Washington aus Jugoslawien und den übrigen Balkanstaaten haben will, beabsichtigt Moskau einen Partisanenkrieg gegen Tito zu eröffnen. In Moskau sei man sich klar, daß die ganze Kominform- Herrschaft auf dem Balkan gefährdet ist, wenn .Berlin wird wieder deutfehe Hauptfach werden* Erklärungen Robertsons zur Lage in Berlin Berlin, 31.8. „Ich bin überzeugt, daß Berlin wieder zur deutschen Hauptstadt wird“, erklärte General Robertson in einer Pressekonferenz. Die neue westdeutsche Regierung müsse Berlin als die zukünftige Hauptstadt der Republik unterstützen, denn Berlin wurde nicht durch eigenes Verschulden von seinem Hinterlande abgeschnitten. Die Blockade habe Berlin weiter geschwächt, aber er freue sich, sagte Robertson, daß der Magistrat mutig und mit Initiative an seine Aufgaben herangetreten ist. Berlin braucht die Hilfe Westdeutschlands und hat auch Anspruch darauf. Es wäre wünschenswert, daß es endlich gelänge, die Teilung der Stadt in vier Zonen zu Ende zu bringen. Das Berliner Problem werde erst gelöst sein, wenn eine stabile Basis für eine politische und wirtschaftliche Existenz vorhanden ist. Ost vertriebene im Uranbergbau Dresden, 31. 8. Um Wohnraum für Arbeiterfamilien für den Uranbergbau zu schaffen, wurden bis Mitte August 328 Familien aus der Gegend von Aue zwangsweise in andere Kreise Sachsens gebracht. In die freigewordenen Wohnungen wurden aus Mecklenburg und Thüringen Ostvertriebene eingewiesen, die jetzt im Uranbergbau beschäftigt werden. „Fahnenflüchtige“ Volkspolizisten München, 31. 8. Fünf „Volkspolizisten“ sind aus der Sowjetzone nach Bayern geflohen und haben sich dort der Grenzpolizei gestellt. Sie führten Wehrmachtsgewehre, Pistolen und Munition mit sich. Die Flüchtlinge erklärten, daß sie zum Waffendienst nach Griechenland geschickt werden sollten. An einer anderen Stelle der Zonengrenze sind fünf weitere unbewaffnete Volkspolizisten übergelaufen. das 7i l Beseitigung Titos, nicht erreicht werden kann. Jito s,^c kennt die Gefahren und soll bereit sein, den Kampf aufzunehmen, und angeblich äußert er sich äußerst optimistisch über den Ausgong. Einer seiner älteren Mitarbeiter erklärte, er habe Franz Joseph, Kaiser Wilhel und Hitler verschwinden sehen und sähe ment ein, warum er nicht auch Stalin überdauern solle. Trotz diesem Optimismus ist die Lage für Tito überaus ernst, denn die amerikanische Finanzhilfe soll ja erst in Produktionsstätten um gesetzt werden, die einmal Jugoslawien so stark machen, um einem konzentrischen Angriff widerstehen zu können. In diplomatischen Kreisen erwartet man, daß die Lage auf dem Balkan Gegenstand eingehender Besprechung bei der Washingtoner Zusammenkunft der Außenminister sein wird. Neue griechische „Entscheidungsschladit“ Athen, 31. 8. Nach einer Meldung der griechischen Regierung hat eine neue „Entscheidungsschlacht im Grammes massiv begonnen“. Nach Mitteilung des Generalstabes sei es die Absicht, nunmehr die letzten kommunistischen Brückenköpfe auf griechischem Gebiet zu vernichten. Die ersten großen Erfolge werden gemeldet. Auch die griechischen Partisanen melden von der neuen Offensive, und auch sie berichten über »siege. Nach den letzten Meldungen des griechischen Generalstabes haben die Regierungstruppen die höchste Spitze des Grammos-Massivs erstürmt, wodurch sich alle wichtigen Höhen dieses Gebiets in Händen der Regierungstruppen befinden. Die Partisanen sollen sich am südwestlichen Teil des Grammos-Massivs, dicht an der albanischen Grenze, festgesetzt haben. Jetzt geht es um Kanton und Hongkong! Die USA-Behörden verlassen Kanton Washington, 31. 8. Die kommunistischen Truppen rücken weiter gegen den Süden vor und bedrohen nunmehr Kanton und Hongkong. Die amerikanischen Behörden haben beschlossen, Kanton zu verlassen, während die übrigen ausländischen Vertretungen ebenso wie die chinesische Nationalregierung vorläufig noch in Kanton verbleiben. Die kommunistischen Truppen sind bis auf 200 Kilometer vor Kanton gerückt. Der Tod des kommunistischen Führers Mao Tse-tung wird dementiert. In Kreisen des Kuomintang wird die Absetzung des nationalchinesischen Oberbefehlshabers und seine Aburteilung durch ein Kriegsgericht wegen Korruption und Unfähigkeit erwogen. Der Wunsch der nationalchinesischen Regierung, von den USA finanzielle und Waffenhilfe zu erhalten, wird von Amerika abgelehnt. Acheson unterstrich auf seiner letzten Pressekonferenz die Unmöglichkeit, Tschiang Kai- Die Zahl der Arbeitslosen ift bedenklich Zweimächfekontrollamt verlangt konstruktive Maßnahmen Frankfurt, 31. 8. Daß Zweimächtekontrollamt hat an den Verwaltungsrat der Bizone ein Schreiben gerichtet, in dem auf die bedenkliche Lage auf dem Arbeitsmarkt hingewiesen wird. Die Zahl der Arbeitslosen in der Bizone betrage 1,25 Millionen Menschen, das sind 10 Prozent aller Arbeitenden. Der Zustand sei um so bedenklicher, als die Arbeitslosigkeit sich trotz der günstigen Saison nicht gebessert habe. Das Minimum der Freiheit und der Menschenrechte Vorschläge im Enropa-Rat — Churchill wieder gesund Straßburg, 31. 8. In dem Europarat werden die Kommissionsbesprechungen fortgesetzt. Churchill, der wiederhergestellt ist, wird in wenigen Tagen in Straßburg eintreffen, um am zweiten Teil der Vollversammlung teilzunehmen. Im Ausschuß für Rechtsfragen ist der Berichterstatter der Kommission, Teitgen, beauftragt worden, eine Liste von elf Punkten aufzustellen, die als Minimum der Rechte und Grundfreiheiten betrachtet und von einem europäischen Gerichtshof garantiert werden sollen. Die Grundprinzipien beruhen auf der Charta der UN und umfassen folgende Punkte: Sicherheit der Person, Schutz vor willkürlichen Verhaftungen, Sicherheit gegen Sklaverei, Schutz vor willkürlichem Eingreifen in das Privatleben des einzelnen, Sicherheit vor jeder Belästigung, Garantie der Freiheit des Wortes und der Meinungsäußerung, Freiheit der Religion und ihrer Ausübung sowie freier Unterricht, Versammlungsfreiheit, Vereinsfreiheit, Freiheit der gewerkschaftlichen Organisation, freie Gatten wähl und das Recht der Eltern auf Erziehung der Rinder. Amerikas Sfreitkräfte 1 612 600 Mann unler Waffen Zur strafferen Zusammenfassung und Vereinheitlichung der einzelnen amerikanischen Streitkräfte Unterzeichnete Truman ein Gesetz, das eine ganze Reihe von Änderungen des „Gesetzes für nationale Sicherheit“ zur Folge hat und vor allem dem Staatssekretär für Verteidigung eine erhöhte Autorität verleiht. Bei dieser Gelegenheit erfuhr man auch, daß sich der derzeitige Aktivbestand der Streitkräite der Was madit das i/i/etter Obwohl das mitteleuropäische Hochdruckgebiet seit Dienstagnachmfttag unser Wetter maßgebend beeinflußt, scheint es doch so kräftig zu sein, die atlantischen Störungen von unserem Gebiet zunächst fem- zuhalten. Diese wandern in nordöstlicher Richtung an Island vorbei. Ihre Ausläufer gewinnen dabei gegen das Festland nur langsam an Raum. Wetteraussichten: Morgens in den Niederungen vielfach neolig, sonst trocken und überwiegend heiter bis leicht bewölkt. Am Tage warm mit Höchsttemperaturen teilweise über 2S Grad, Vereinigten Staaten auf 1612600 Offiziere und Mannschaften beläuft. Hiervon entfallen 658 000 auf das Heer, 448 500 auf die Marine. 85 000 auf die Marinetruppen und 420 200 auf die Luftwaffe. Mehr als 250 000 Offiziere und Mannschaften befinden sich zur Zeit außerhalb des amerikanischen Kontinents, und zwar vor allem in Europa und Japan. Sowjetisch-iranischer Zwischenfall Teheran, 29. 8. Der iranische Außenminister gab bekannt, daß eine sowjetische Abteilung auf einem Kraftfahrzeug, gefolgt von einer Kavallerieschwadron, auf iranisches Gebiet eingedrungen sei, elf iranische Grenzposten gefangen genommen und nach der Sowjetunion abgeführt habe Das Zweimächtekontrollamt schließt daraus, daß auch für die nächsten Monate mit einem Rückgang der Erwerbslosen nicht gerechnet werden könne. Mit der ungeheueren Aufgabe des Wiederaufbaus sei das Vorhandensein einer solchen Arbeitslosenarmee aber nicht vereinbar. Hinzu kommen die unproduktiven Ausgaben für Unterstützungen, die sonst für die Finanzierung von Wiederaufbauvorhaben verwendet werden könnten. Der Verwaltungsrat wird aufgefordert, Projekte in Angriff zu nehmen, die nicht nur die Arbeitslosenziffern reduzieren, sondern darüber hinaus einen produktiven Beitrag znm Wiederaufbau Deutschlands lei sten könnten. Das Kontrollamt werde jede geeignete Maßnahme zur Besserung der Lage unterstützen und sei zum Beispiel bereit, für die Trümmerbeseitigung erhöhte Treibstoff kontingente zu bewilligen. Besatzungs-Schadenersatz' für Betriebe Freiburg, 31.8. Das Badische Ministerium für Wirtschaft und Arbeit macht darauf aufmerksam, daß am 10. Oktober die Frist abläuft, in der die Industrie-, Energie-, Handwerks- und Verkehrsbetriebe ihre nach Einzug der Besatzung entstandenen Schäden durch Inventarlisten einzureichen haben. Nach dem genannten Zeitpunkt können neue eingehende Meldungen nicht mehr berücksichtigt werden. Wenig galante Räuberbande in Spanien „Prominente“ Opfer werden an Bäume gefesselt und ansgeplündert Barcelona, 31. 8. Sechs bewaffnete Gangster haben den spanischen Lichtspieltheaterleiter Edgar Neville, den Produktionsleiter der Londoner Oper, Peter Brock, den Lloyd-Versicherungsagenten Stewart Owen und die Marquise von Quintanar und ihre Tochter ausgeraubt, als sie mit ihrem Wagen von Costa Brava nach Barcelona zurückkehrten. Etwa 70 Kilometer nördlich von Barcelona hielten die Räuber den Wagen an, zwangen die Insassen zum Aussteigen, fesselten sie an Bäume und nahmen ihnen Geld, Schmuck und andere Wertgegenstände ab . Selbstmord in der Peterskircbe Vatikan, 31. 8. Ein 21jähriger Student aus Rom beging Selbstmord, indem er sich von der Kuppel der Peterskirche in das Innere der Kirche stürzte. Die Kirche, die daraufhin geschlossen wurde, wurde neu geweiht und steht den Gläubigen wieder offen. Zwangsarbeit für Gastfreundschaft Berlin, 31 8. Den Angehörigen der russischen Armee ist jeder private Verkehr mit deutschen Zivilisten verboten. Zum ersten Male hat das sowjetische Militärgericht in Dresden Rotarmisten und eine deutsche Familie gemeinsam verurteilt, weil sie freundschaftliche Beziehungen miteinander unterhalten hatten. Die verurteilten Rotarmisten, zwei Offiziere und ein Sergeant erhielten je achtzehn Jahre Zwangsarbeit, weil sie der deutschen. Familie in ihrem Urlaub Gesellschaft geleistet, sich aus diesem Grunde von der Truppe entfernt hatten und täglich bei den Deutschen zu Gast waren. Die deutsche Familie, der drei Söhne und eine Tochter angehören, wurde zu zwölf Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Eine eindrucksvolle Protestkundgebung Würzburg, 31. 8. Mehrere tausend Fahrzeugbesitzer erschienen m Würzburg mit Hunderten von Automobilen sowie Fahr- und Motorrädern vor dem Rathaus, um mit einem anhaltenden Klingel- und Hupkonzert gegen die Sperrung von zwei Straßen der Innenstadt für den Fährverkehr zu protestieren. schek zum Siege über die Kommunisten in China zu verhelfen. Den USA müßten dadurch in militärischer Hinsicht allzu große Verpflichtungen auferlegt werden. * Nach der Besetzung Schanghais setzen die chinesischen Kommunisten ihren Marsch nach Süden fort. Ihr Ziel ist Kanton, die größte Stadt Südchinas und der gegenwärtige Sitz der chinesischen Nationalregierung. Werden die chinesischen Kommunisten vor dem britischen Hongkong Halt machen? In dieser Hoffnung sind insbesondere in dem letzten Jahr Zehntausende von reichen und armen Chinesen in die britische Handelsmetropole Hctiangxha tVentschiu, -AAALAVA- Unruht- htrdt am Rande des chinesischen Chaos geflüchtet. Es kann gar kein Zweifel bestehen, daß die Kommunisten mehr noch als die Nationalisten die britische Kronkolonie als einen „Pfahl im Fleische“ empfinden, wenn sie auch vorübergehend bereit sein mögen, diese einzige vom Kriege noch nicht unmittelbar berührte Basis des chinesischen Außenhandels zu schonen. Großbritannien hat auf alle Fälle Verstärkungen nach Hongkong gebracht und ist fest entschlossen, dieses Vorwerk Singapors gegen einen Angriff zu verteidigen. Nach der Kapitulation der Japaner, die die Stadt 314 Jahre besetzt hielten, erlebte Hongkong, das heute von über 3 Millionen Menschen bewohnt wird, einen schnellen wirtschaftlichen Aufstieg. Heute legt sich der Schatten der heranmarschierenden kommunistischen Armeen über diese Insel des Reichtums, dieser letzten Zufluchtsstätte der chinesischen Plutokratie. Der Vormarsch dieser Armeen wird in Südost a s i e n mit besonderer Aufmerksamkeit beobachtet. Die kommunistischen Freischärler in Vietnam und Burma warten auf die Stunde, in der sie direkten Kontakt mit den chinesischen Kommunisten aufnehmen können. Eine solche Entwicklung bringt die Gefahr mit sich, daß ganz Südostasien mit seinen Rohstoff- reichiümern in den kommunistischen Strudel hineingezogen wird. Für die Länder des britischen Commonwealth und die USA stehen dabei politische und wirtschaftliche Interessen ersten Ranges auf dem Spiel! Großbritannien und die USA sind eifrig bemüht, eine kommunistische Überflutung Südostasiens zu verhindern. Todesurteile in Prag F r a g, 31.8 Der Siaatsgericbtshof in Prag hat in einem Hochverrats- und Spionageprozeß sechs Personen zum Tode und zehn weitere zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Insgesamt waren dreißig Personen angeklagt. In einem offiziellen Kommunique wird erklärt, die Hauptangeklagten hätten Spionage zugunsten einer „imperialistischen Westmacht“ getrieben. Außerdem hätten sie auf Grund der Weisungen des Spionagedienstes dieser Macht und der Befehle von seiten bestimmter tschechischer Emigranten eine Verschwörung zum Sturze des volksdemokratischen Regimes in der Tschechoslowakei vorbereitet. Donnerstag; I. gcpt e m b o r Mtf DasWoth Hummer IW — SAe I Gelenkte und kontrollierte Kredite 1 Zu den Forderungen, so schreibt die „Ge- ‘werkschaftliche Praxis“, die von den Gewerkschaften heute schon an das kommende Bundesparlament gestellt werden, gehört auch die nach einem Kreditlenkungsgesetz, das „den Einsatz der aus privaten und öffentlichen Quellen aufkommenden Kredite im Rahmen der Wirtschafts- und Investitionslenkung gewährleistet“. Wichtig ist nur, daß dieses Gesetz unter einer ganz bestimmten Zielsetzung vorgeschlagen wurde, nämlich zur Herbeiführung der Vollbeschäftigung. Kreditwesen und Arbeitsmarkt Das Kreditwesen muß, soweit ausreichende Produktionskapazitäten und freie Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, der Sparkapitalbildung vorangehen. Denn die durch Kreditausweitung ermöglichte Steigerung der Investitionstätigkeit und die anschließende allgemeine wirtschaftliche Belebung führen über höhere Erträge und Einkommen zu stärkerer und ausgleichender Sparkapitalbildung. Auf das Geld- und Kreditvolumen kann über die Zinssätze — Diskontpolitik —, aber auch durch Herauf- und Herabsetzung der Mindestreserven, die von den Geschäftsbanken bei den Zentralbanken zu halten sind, besonders wirksam, aber auch mit Hilfe der sogenannten Offenen-Markt-Politik, Einfluß genommen werden. Mit diesen Mitteln kann erreicht werden, daß sich das vorhandene Sparkapital in versärktem Umfang zu Investitdons- zwecken zur Verfügung gestellt bzw. zurückhält, können die Grenzen, innerhalb derer die einzelnen Banken Kredite hergeben und das Banksystem als Ganzes zusätzliche Kredite schaffen kann, erweitert oder eingeengt werden. Die Konjunktur läßt sich auf die Dauer nicht stabilisieren, die Vollbeschäftigung nicht aufrechterhalten, es sei denn, daß der Staat seinen Kredit einsetzt. Dann kommt es allerdings noch darauf an, ob sich die Unternehmerinitiative bereitfindet, di« angebotenen Kredite zu nehmen. Wenn der Staat investieren muß Wenn dies nicht der Fall ist — und häufig äst es nicht der Fall —, bleibt nichts anderes übrig, als daß der Staat selbst zum Investor wird, das heißt, durch öffentliche Bautätigkeit und ähnliches an die Stelle des privaten Unternehmers tritt und so von sich aus den Aufschwung herbeiführt. Diese letzte Konsequenz, die sich aus der Krisenanfälligkeit der modernen Wirtschaft ergibt, ist leider zu einer sehr gewöhnlichen Erscheinung geworden. Es ist unschwer einzusehen, wie abwegig es unter diesen Umständen ist, heute noch hinter der Wahnidee herzulaufen, das freie Spiel der Kräfte könnte einen geordneten und stetigen Ablauf des Wirtschaftslebens herbeiführen oder gar sicherstellen. Grundsätzlich kommt es immer darauf an, die Teile besonders zu fördern, deren Fortschritt für das Ganze den höchsten Nutzen bringt. Wo im einzelnen Fall anzusetzen ist, hängt von der Struktur der Volkswirtschaft und den jeweiligen Verhältnissen ab. Es ist eine Utopie, anzunehmen, daß sich die freie Unternehmerinitiative immer und von selbst den Aufgaben zuwenden wird, die im allgemeinen volkswirtschaftlichen Interesse zu bevorzugen sind. Die „Planungen" Erhards Auch die derzeitige Wirtschaftsführung weiß, daß sie sich dieser Aufgabe nicht entziehen kann. Tatsächlich wird der volkswirtschaftliche Kapitaleinsatz in der Verwaltung für Wirtschaft sorgfältig geplant, und es wird sogar versucht, die Kreditvergebung, soweit es sich um die über die Wiederaufbaubank dn die Wirtschaft eingeschleusten öffentlichen Mittel handelt, mit dieser Planung in Einklang zu bringen. Auch ein Kapitalverkehrsgesetz — besser hätte man wohl „Kapital-Lenkungsgesetz“ gesagt, aber das Wort „Lenkung“ ist heute an dieser Stelle nicht angenehm — wird seit Monaten beraten und vorbereitet. Das Kapitalverkehrsgesetz will die Emissionsfähigkeit den volkswirtschaftlichen Erfordernissen anpassen, befaßt sich also nur mit einem — wenn auch wesentlichen — Teil der notwendigen Kapitallenkung. An seine Stelle sollte ein umfassenderes Gesetz treten, das nicht nur die Inanspruchnahme des langfristigen Kapitalmarktes, sondern auch die Kreditgebarung der Banken und den Einsatz des öffentlichen Kredits unter Kontrolle stellt und koordiniert. Das Schicksal des Fachkommissionsgesetzes Unter diesem Titel nimmt „Der Badische Gewerkschaftler“ Stellung zu der Hinauszögerung der Inkraftsetzung des Fachkommissionsgesetzes, das bekanntlich am 24. September 1948 zusammen mit dem Betriebsrätegesetz und sozusagen als Ergänzung desselben vom Badischen Landtag angenommen wurde. „Der Badische Gewerkschaftler“ schreibt nun dazu: „Einige Abänderungen" Pressemeldungen besagen, daß die französische Militärregierung das Fachkommissionsgesetz mit „einigen Abänderungen“ genehmigt habe. Diese Änderungen sind aber so schwerwiegender Natur und verändern das Fach- kommissionsgesetz in einer Weise, daß von den vorgesehenen Befugnissen der Fachkommissionen nur wenig übrigbleiben wird. Das von der Arbeiterschaft verlangte und im Betriebsrätegesetz § 23 gegebene Mitbestimmungsrecht bei der Festlegung der Art und des Umfanges der Produktion, bei der Festlegung und Kontrolle des Produktionsprogrammes, bei der Leitung und Kontrolle des Warenabsatzes, weches innerhalb der paritätisch zusammengesetzten Fachkommissionen durch Beauftragte der Betriebsräte und Vertreter der Landesgewerkschaften ausgeübt werden sollte, wird auf ein Vorschlags- oder Beratungsrecht reduziert werden. Die endgültige Entscheidung soll nämlich der Wirtschaftsminister treffen. Auch die in § 22 BRG vorgesehene Rolle der Fachkommissionen als Schiedsinstanz bei Streitigkeiten wird wesentlich eingeschränkt dadurch, daß dem Wirtschaftsminister gegen diese Entscheidungen ein Vetorecht zusteht. Die „autoritäre“ Entscheidung tritt also an Stelle des vorher vorgesehenen Mitbestimmungsrechtes der Beteiligten. „Demokratische Erwägungen“ Es mutet demgegenüber etwas eigenartig an, wenn aus „demokratischen“ Erwägungen heraus verlangt wird, daß die nach § 3 des Fachkommissionsgesetzes von den Landesvereinigungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu bestellenden Mitglieder durch eine Art Urwahl gewählt werden sollen. Es würde sozusagen eine zweite Betriebsrätewahl bedeuten, und außerdem wäre es kaum möglich, auf diese Weise die einzelnen Wirtschaftszweige im richtigen Verhältnis zu berücksichtigen. Wird der Landtag die Änderungen schlucken? Ob sich die Gewerkschaften mit diesen sehr weitgehenden Einschränkungen abfinden werden, ist eine Frage, die noch nicht entschieden ist. Welche Kräfte hinter den Kulissen tätig waren, um diesen ersten Versuch, Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam an der Lösung wirtschaftlicher und Produktionsfragen gleichberechtigt arbeiten zu lassen, zum Scheitern zu bringen, wird man sich denken können. Es ist zu bezweifeln, daß der Badische Landtag, der sich mit dem „abgeänderten“ Fachkommissionsgesetz noch einmal befassen wird, ohne weiteres diese angeordneten Änderungen schlucken wird. Ein Gesetz, zustandegekommen in gemeinsamer Arbeit von Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern unter tatkräftiger Mithilfe des zuständigen Ministeriums, vom Badischen Landtag einhellig angenommen, soll nun wieder von demselben Landtag auf „Anordnung“ der Besatzungsmacht in wesentlichen Teilen geändert werden. Man muß wohl fragen: Wo bleibt da die Demokratie, zu welcher wir jetzt seit über vier Jahren erzogen werden? Trizoaale Baugewerksdiafi Karlsruhe, 31. 8. Der Kongreß der Baugewerkschaften der drei Westzonen, der am 27. und 28. August in Karlsruhe tagte, beschloß einstimmig die Verschmelzung zu der „Industrie-Gewerkschaft Bau, Steine und Erden“. Zum 1. Vorsitzenden wurde Jakob Knöß, Frankfurt, zum 2. Vorsitzenden Johannes Ferner, Hamburg, und zum 3. Vorsitzenden Paul Smura, München, gewählt. Zum Sitz der Gewerkschaft wurde Frankfurt am Main bestimmt Bei dem Kongreß trat der Wille hervor, eine starke Bauarbeiter-Organisation für das ganze Deutschland zu schaffen. Westmark auf der Leipziger Messe Wie uns die Vertrauensstelle Südbaden des Leipziger Messeamtes mitteilt, ist der Besuch der Leipziger Messe im Hinblick auf gebotene Geschäftsmöglichkeiten lohnend. Die westdeutschen Besucher können in allen Messezweigen gegen Westmark-Barzahlung oder Überweisung auf Westkonto einkaufen. Die Preise entsprechen dem Preisniveau des Westens. Magermilch ist nicht freigegeben Das Badische Ministerium der Landwirtschaft und Ernährung teilt mit: In den Kreisen der Landbevölkerung wird von unberufener Seite die Auf- fassung propagiert, daß die Bewirtschaftung der Milch aufgehoben und somit die Milcherzeuger berechtigt seien, über ihre Milch frei zu verfügen. Diese Auffassung trifft keineswegs zu. In den Ländern der französischen Zone ist auch heute noch wie in den Ländern der Bizone die Milch bewirtschaftet und unterliegt nach wie vor der Ablieferungspflicht, mit Ausnahme der Milchmengen, die nach den gesetzlichen Bestimmungen im Haushalt und Stall für die Aufzucht verwendet werden dürfen. Die anomale Witterung hat die Futtergrundlage für das Milchvieh so verschlechtert, daß ein erheblicher Rückgang ln der Milcherzeugung und damit in der Ablieferung festzustellen ist, so daß die Trinkmilchversorgung der städtischen Bevölkerung für die Wintermonate gefährdet ist. Darüber hinaus ist das tn der Milch gelieferte Fett die einzige Fettquella für die Buttererzeugung des Landes, da Zuteilungen aus anderen Ländern nicht erfolgen. Die Butterration von 250 Gramm in den kommenden Monaten kann daher nur bei guter Milchablieferung der Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden. Es trifft ferner nicht zu, daß die Magermilch freigegeben ist, vielmehr wurde lediglich den Milchzentralen genehmigt, die entrahmte Frischmilch nach der Höhe der Anlieferung ln vollem Umfange an die Verbraucherschaft abzugeben, um der Bevölkerung aut diese Weise einen Ersatz für die ln den Wintermonaten zu wenig gelieferten E-Mllchmengen zu bieten. Die örtlichen Mllchliefergenossenschaften sind somit nicht berechtigt, die Milch zu entrahmen und die Magermilch in vollem Umfange für Fütterungszwecke zurückzubehalten. Die Landbevölkerung wird daher aufgefordert, nach wie vor die anfallende Milch pflichtgmäß ab- zuliefem und nicht zu verfüttern oder das Milchfett ln Form von Rahm oder Butter zu verkaufen. Bel der weit verbreiteten Rindertuberkulose Ist der Genuß von Rahm übrigens ebenso gefährlich wie der Genuß von ungekochter Milch, da der Rahm nicht erhitzt ist Die Lieferung eines solchen Rahmes bedeutet somit die Gefährdung der Gesundheit der Bevölkerung, ganz abgesehen davon, daß der Absatz von Rahm und die Herstellung von Schlagsahne nach wie vor verboten ist. 99 . Zum ersten Mate Nord, West, Süd und Ost Start zur Deutschen Fußballmeister schaff 1949/50 am kommenden Sonntag St. Pauli in Nordoberliga in Lübeck Wenn am Sonntag die Startglocke in den deutschen Fußballoberligen ertönt, beginnt erstmalig tn allen vier Himmelsrichtungen der Kampf um die Funkte. Vierzehn Mannschaften der Ostzone nehmen nämlich in einer Qstoberliga am 4. September den Wettstreit auf. Mit vier vereinen des Landes Sachsen, je drei von Sachsen-Anhalt und Thüringen, je zwei von Mecklenburg und Brandenburg geht es um den Titel des Ostoberligameisters, den folgende Vereine umwerben: SG Dresden-Friedrichstadt, SG Meerane, ZSG Industrie Leipzig, BSG Horch Zwickau, BSG Erfurt, SG Altenburg-Nord, BSG Gera-Süd, ZSG Halle (als Titelverteidiger), SG Eintracht Stendal, BSG Dessau, BSG Babelstoerg, BSG Grube Marga, SG Wismar-Süd, SG Schwerin. Mannheims Meisterelf in Schweinfurf Der Oberliga Süd bringt man als Heimat des Deutschen Fußballmeisters VfR Mannheim regstes Interesse entgegen. Dieser muß am Sonntag in Schweinfurt gegen 05 vorsichtig sein, um keine Überraschung zu erleben. Der Club hat den BC Augsburg wohl als ersten Punktelieferanten zu Gaste. Es spielen: Schweinfurt — VfR Mannheim, Regensburg — VfB Stuttgart, FSV Frankfurt — VfB Mühlburg, Schwaben Augsburg — 1860 München, 1. FC Nürnberg — BC Augsburg, Waldhof — Eintracht Frankfurt, Bayern München — Spvg Fürth, Kickers Stuttgart und Offenbach spielfrei. Die beiden süddeutschen Kickersmannschaften tragen Privatspiele aus, da die Treffen Offenbacher Kickers gegen HSV Hamburg und Stuttgarter Kickers (im 50-Jahr-Feier-Spiel) gegen Borussia Dortmund schon seit langer Zeit vorbereitet waren. Sechs Spiele in Oberliga West Die Oberliga West gönnt dem Meister Borussia Dortmund eine Verschnaufpause zum Jubiläumsspiel mit den Kickers in Stuttgart, so daß nur sechs Spiele durchgeführt werden, denn Schalke 04 spielt ein Freundschaftsspiel bei Wormatia Worms. Es treten an: Würselen — 1. FC Köln, Vohwinkel 80 — Hamborn, Preußen Delibrück — Alemannia Aachen, RW Oberhausen — SV Duisburg, Duisburg 08 — Erkenschwick, Preußen Münster — Bielefeld. Aus der Oberliga Nord entließ man am Sonntag den HSV Hamburg zu einem Gesellschaftsspiel mit dem Südmeister Kickers Offenbach, da ja der HSV schon seinen 2:1-Sleg über Holstein Kiel am Vorsonntag erfocht. Der hartnäckige Konkurrent,des HSV, St. Pauli, reist von der Nordsee zur Ostsee, wo er ln Lübeck das Treffen nicht unterschätzen darf. Der Spielplan sieht folgende Begegnungen vor: Lübeck — St. Pauli Hamburg, Concordia Hamburg — Braunschwelg, VfB Oldenburg — VfL Osnabrück, Bremerhaven — Bremer SV, Arminia Hannover — Eimsbüttel, Harburg — Hannover 1896, Werder Bremen — Göttingen 06. Zonenliga beginnt erst am 1L September Die Zonenliga Südwest wird erst am 11. September mit ihren Meisterschaftsspielen beginnen. Während der 1. FC Kaiserslautem und Trier- Kürenz spielfrei bleiben, stehen sich dann in Gruppe Nord gegenüber: VfR Kaiserslautern — Mainz 05, Andernach —' Worms, Kirn — Neuendorf, Oppau — Pirmasens, Eintracht Trier — Phönix Ludwigshafen, Weisenau — Landau und Engere — Neustadt. Das Programm der GruppeSüd sieht am ersten Kampftag am 11. September folgende Treffen vor: VfL Konstanz — VfL Freiburg, Fortuna Freiburg — ASV VilUngen, SSV Reutlingen — SG Friedrichshafen, VfL Schwenningen — SV Kuppenheim, SC Rastatt — 18. Teilnehmer, Sportfreunde Lahr — SV Tübingen, ASV Ebingen — SV Offenburg, Eintracht Singen — Spvg Trossingen. Der 16. Platz soll am 4. September zwischen SC Baden-Baden und SV Hechingen vergeben werden. Ski Vereinigung Freiburg Die Skivereinigung Freiburg veranstaltet ln den Monaten September bis März eine Reihe von Licht- ibildervorträgen über Skilauf und Bergsteigen von namhaften Bergsteigern, um besonders bei der Jugend die Freude und Liebe zu den Bergen zu wecken. Der erste Lichtbildervortrag findet am Freitag, 2. September, um 20 Uhr, im Hörsaal 1 der Universität statt. Redner des Abends Ist der bekannte Freiburger Skiläufer und Bergsteiger Erich Kummer. Das Thema des Abends: Aus dem Tagebuch eines Bergsteigers (Matterhom, Montblanc, Großglockner, Transkaukasien). Tribergs erster Sieg in der Bezirksliga SG Triberg — SV Immendingen 3:2 (0:2) Auf dem Triberger Waldsportplatz kam es am letzten Sonntag vor einer großen Zuschauerzahl, unter der sehr guten Leistung von Schiedsrichter Hauer, Hausach, zum Auftakt der neuen Verbandsrunde zu einem jederzeit spannenden, temperamentvollen fairen Spiel, in dessen Verlauf der Neuling Triberg verbissen kämpfen mußte, um seinen starken Gegner niederzuringen. Gleich nach Anstoß zeigten beide Mannschaften zunächst im Feld ein zeitweise schönes Zusammenspiel, aber immer wieder blieb der entscheidende Erfolg versagt,'bis in der 12. Minute die Gäste durch Ihren Mittelstürmer überraschend zur 1:0-Führung kamen, und in der 17. Minute nach fehlerhafter Triberger Abwehr den Gästen zum 2:0 verhalten. Vor allem hatten die Einheimischen in der ersten Spielhälfte Pech mit ihren Aktionen, als sie izn entscheidenden Moment um einen Bruchteil zu spät an' den Bail kamen Und einige todsichere Chancen vergaben. Wie tippen wir zum kommenden Sonntag? Die am Sonntag beginnenden Punktespiele erschweren jede Voraussage von vomeherein. Punktespiele haben ihren besonderen Beiz und lassen Vergleiche mit den voraufgegangenen Freundschaftsspielen kaum zu. Wir wollen in Kenntnis der neuen Mannschaftsaufstellungen versuchen, unsere Totofreunde trotzdem zu beraten. Jahn Regensburg — VfB Stuttgart: Der Oberliga- Neuling ist auf eigenem Platz nicht zu unterschätzen und wird noch für manche Überraschung sorgeh. Trotzdem sollte dem VfB der Sieg gelingen. Eine 2 und ein X für den ersten Tip. SV Waldhof — Eintracht Frankfurt: Die Waldhöf er haben ihre Formkrise noch nicht überwunden, während Eintracht Frankfurt seine derzeitige Schlagkraft gegen den SC Wien bewies. Wir trauen den Frankfurtern einen Sieg zu. Schweinfurt —VfR Mannheim: Wenn es um Punkte geht, ist der VfR da. Die Schweinfurter, die keine nennenswerten Einkäufe machen konnten, werden die ersten Federn lassen müssen. Nürnberg — BC Augsburg: Eine klare Sache für den Club, der in diesem Jahr wieder an der Spitze sein will. FSV Frankfurt — VfB Mühlburg: Ra Frankfurt hängen die Trauben hoch. Mühlburg ist zwar in Form wie nie zuvor, wird aber höchstens einen knappen Sieg heimbringen. Wir tippen auf Unentschieden. Bayern München — Spvg Fürth: Wir geben der jweriercwstarkten 6p vg eine Chance. Die Beyern haben sich noch nicht gefunden. Wir schreiben eine 2. Schwaben Augsburg — München 1660: Die Schwaben haben noch nie verstanden, Ihren Platzvorteil auszunutzen. München wird sich die ersten Punkte nicht entgehen lassen. Stuttgarter Kickers — Borussia Dortmund: Die Borussen dürften wesentlich stärker sein und sich auf keinen Kompromiß einlassen. Wir schreiben eine 2. Offenbacher Kickers — Hamburger SV: Ein völlig offenes Spiel, das die Hessen auf eigenem Platz für sich entscheiden könnten. VfB Lübeck — St. Pauli: Die Hamburger werden sich die Gelegenheit zum ersten Punktgewinn nicht entgehen lassen, zumal der HSV seine beiden ersten Punkte bereits am vergangenen Sonntag für sich buchte. Knapp für St. Pauli. Concordia Hamburg — Eintracht Braunschwelg: Nach dem Sieg der Braunschweiger über Kaiserslautern dürften sie auch gegen Hamburg erfolgreich bleiben. SC Stuttgart — Feuerbach: Ausnahmsweise knapp für Stuttgart. Zuffenhausen — Union Bückingen: Der Platzvorteil dürfte ln diesem Treffen den Ansschlag geben. SC Ulm — Untertürkheim: Es ist kaum anzunehmen daß Neuling Ulm so stark ist, die Punkte zu behalten. Wir notieren eine 2. Fiel Glück zum kommenden Sonnte#! Nach Wiederanspiel fanden sich dann die Triberger besser und drängten unaufhaltsam gegen das gegnerische Tor, wo Tribergs Halblinker in der 57. Minute nach wunderbarer Kombination zum 2:1 verbesserte, und der Halbrechte in der 67. Minute den Ausgleich 2:2 schaffte, dem Tribergs Mittelstürmer unter großem Jubel des Publikums in der 80. Minute den Siegestreffer folgen ließ. Kreisklasse: ASV Schonach I — SG Triberg Reserve 2:2. Tribergs Reserve erkämpfte sich im ersten Verbandsspiel in Schonach gegen die dortige erste Elf ein beachtliches 2:2-Unentschieden. SV Mönchweiler I — SV Schönwald I 0:4. VfB Zähringen — SC Gundelfingen 6:2 (3:1) In Zähringen trafen am Samstagabend zwei Mannschaften aufeinander, die schon in früheren Jahren manchen harten Strauß ausfochten. Es war ein Spiel, das große Gegensätze aufwies. Gundelfingen spielte einen schönen und gefälligen Fußball und war im Strafraum am Ende seiner Kunst, während Zähringen hinten gut abriegelte, den Ball schnell und zügig nach vorn brachte und auch schießen konnte. Gundelfingen muß aus dem Spielgeschehen die notwendigen Lehren ziehen und dazu noch schneller werden, was bei dem jungen Durchschnittsalter der Mannschaft nicht schwer fallen dürfte, dann wird auch der Erfolg sich einstellen. Schiedsrichter Sauer. Freiburg, leitete zufriedenstellend. SV Möhringen I — SV Lenzkirch I 1:4 Im ersten Bezirksklassen-Verbandsspiel mußten die Punkte auswärts gehen. Möhringen fehlen eben noch die Erfahrungen dieser Klasse. Lenzkirch zeigte das reifere Spiel und der Sieg ist verdient, vielleicht zu hoch. Das wesentliche war, daß das Spiel sehr ruhig verlief und bei den Zuschauern einen sehr guten Eindruck hinterüeß. Schiedsrichter Biedermann, Villingen, verdient die Note „Sehr gut“. SV Möhringen II — SV Manenheim I 4:4 Blumberg — Neustadt 02 Den Blumberger Sportfreunden wurde nach der Sommerpause mit der Begegnung Blumberg — Neustadt ein erfreulicher Auftakt geboten. Beide Mannschaften zeigten ein schnelles, flüssiges Spiel, das trotz des torlosen Ausganges befriedigte. Wenn keine Elf zu einem Treffer kam, so ist das der guten Leistung beider Hintermannschaften zuzuschreiben. Schiedsrichter-Neniingskurse Die Kurse für Neulinge der SR.-Vgg. Oberrhein finden am 10., 17. und 24. September d. J. jeweils um 17 Uhi kn Gasthaus „Rößls* in Lörrach-Stetten statt I Haben Sie gewonnen? Der württemberglsch - badische Fußballtoto zahlt für die Spiele des vergangenen Wettbewerbs folgende Quoten: 1. Rang: 25 Gewinner mit 8 richtigen Vorhersagen je DM 2426.— 2. Rang: 823 Gewinner mit 7 richtigen Vorhersagen Je DM 73.50 3. Rang: 9096 Gewinner mit 6 richtigen Vorhersagen Je DM 6.50 Georg Meier wieder Sdtnellster Beim Karlsruher Dreiecksrennen war Georg Meier, »München, auf seiner BMW-Maschine wieder einmal der schnellste Mann. Als Sieger der 500-ccm- Klasse fuhr er mit 121 kmst Tagesbestzeit und außerdem drehte er mit 123,2 kmst auch die schnellste Runde. In der 350-ccm-Klasse hatte Siegfried Wünsche mit 116,4 kmst die beste Zeit gefahren, als ihn ein Kettenschaden zum Ausscheiden zwang. Klanker- meier-Volz wurden Doppelsieger in den Seitenwagenklassen. Überraschend setzte sich bei den Sportwagen Mölders, Offenburg, auf Veritas durch. Dis Siegerliste: 125 ccm: Döring, Wiesbaden (DKW); 3 5 0 ccm: Schnell, Karlsruhe (Spezial), 109,2 kmst; 5 0 0 c c m : Georg Meier, München (BMW), 121,0 kmst, vor Wiggerl Kraus, München (BMW), 118,3 kmst; 600 ccm Beiwagen: Kiankermeler-Volz, München (BMW), 112,4 kmst: 1200 ccm Beiwagen: Klankermeier - Volz, München (BMW), 108,0 kmst; Sportwagen bis 1500 ccm: Mölders, Offenburg auf Veritas. (ISK) Hans Stuck belegte im „Genfer-See-Preis“ auf AFN in 1.48.09 std. den vierten Platz. Sieger wurde de^ Franzose Sommer auf Simca, der di* 60 Runden (194,160 km) in 1.47.29 Std. bewältigte. (ISK) Sportfreunde Freiburg Bezirksjugendmeister In Emmendingen Ständen sich im Fußball der Kreisjugemdmeister SV Kollnau und Sportfreund* Freiburg im Spiel um den Titel als Bezirksjugendmeister gegenüber. Unter der straffen Leitung von Schiedsrichter Wagner, Emmen dingen, vermochten die Freiburger in der ersten Hälfte zu überzeugen, während die Eiztäler nach dem Wechsel die größere Ausdauer hatten. Die Freiburger wurden am Ende glücklicher Sieger und zwar mit 2:1 und konnten aus den Händen des Staffelleiters Imberg, Freiburg, einen Fußball und besondere Glückwünsche des Südbadischen Fußballverbandes mit nach Hause nehmen. Villinger Sport Am Samstag spielte die erste Mannschaft des ASV gegen Bad Kreuznach. Die Gäste gewannen das Spiel mit 21) Toren. Das Spiel am Sonntag gegen Trossingen gewann der ASV mit 3:1 Toren. Die lb-Mannschaft spielte gegen Bräunlingen 6:1, die A-Jgd spielte gegen Bräunlingen 1:0. Boxen im Waldschlößle Am Samstag gewann lm Waldschlößle die Villinger Mannschaft gegen die Vertretung von Lahr den Mannschaftsboxkampf mit 13:5 Punkten. Homberg I — Triberg 1 7:7 (Handball) In Homberg standen sich die alten Bivalen Homberg und Triberg nach 1Z4 Jahren wieder einmal gegenüber. Nach einem äußerst spannenden Treffen trennte man sich nach fairem Kampfe unentschieden. Am Sonntag, 4. September, findet das Rückspiel in Triberg statt. Homberg ist eine gern gesehen* Mannschaft in Triberg, waren doch in früheren Jahren die Handballkämpfe zwischen diesen beiden Mannschaften immer packend und spannend. Boraberg Schüler — Triberg Schüler 5:11 ASV Freibarg Am 4 September 1949 finden in Karlsruhe die Austragungen der Meisterschaften in den Rundgewichtsriegen statt. Der ASV. Abtl. Schwerathletik entsendet als einziger Verein Oberbadens seine Mannschaft in folgender Aufstellung: Josef Sack (als Riegenführer), Karl Binz, Karl Doxie, Gottfried Fischer, Max Fischer, Karl Hanser und Karl Weizmann. Der Mannschaft, die seit Wochen einem harten Training unterliegt, dürfte darum auch der Erfolg nicht aus- blelben. Zu den Übungsabenden jeden Samstag Im Ringen, Stemmen und Körpergymnastik in der Tumhall* Lessingschule, 20 Uhr, sind Gäste stets willkommen. Neuanmeldungen werden daselbst entgegengenommen. Seite 4 — Nummer 108 Donnerstag, I. September 1949 Ibasföotit Es $eht um das Kind! Eines Tages bat die Lehrerin Elisabeth H. um'gleich. Eine Mutter-und-Kindgemeinschaft — wenn i-hre Entlassung. Warum? Der Direktor sagte:! auch Erfüllung einer Liebe — wird selten zum „Ach so — natürlich — ja, dann gehen Sie! —“! echten Wir, sie bleibt ein Stück gestörter Schöp- Sie geht zum Arzt in eine fremde Stadt. Sie sitzt i fungsordnung. Der Schatten über dieser Gemein- im Wartezimmer und ihr Herz klopft laut. Sie! Schaft ohne Mann wird bleiben, solange es die zittert. „Ist Ihnen nicht gut?“ Nein, ihr ist nicht gut. Sie sieht in die Gesichter junger Frauen — „Mein Mann sieht mich mit anderen Augen an —* „Mein Mann ist jetzt so rücksichtsvoll“ — „Mein Mann freut sich — Mein Mann — Mein Mann.“ „Hört auf!“ möchte sie schreien, aber sie faltet nur die Hände in ihrem Schoß und schließt die Augen. „Die Nächste bitte!“ Der Arzt notiert: Elisabeth H., geboren 5. Juli 1918 — Schwerin — Beruf des Mannes? Offizier. Vermißt. Sie ist nicht die erste, die zu ihm kommt. Sie ist eine Frau unter Tausenden. Wozu gab ihr Gott das Leben? Was ist Leben, wenn es nicht Liebe ist? Sie klagt nicht; Sie hat nicht Pech gehabt wie tausend andere. Sie hat sich das Kind gewünscht. Später liegt sie in der Klinik. Mit sieben Frauen in einem Raum. Die anderen sind glücklich. Die anderen? Die anderen bekommen täglich Besuch und Blumen. Sie ist fremd in dieser Stadt. Nur ihre Wirtin schreibt, um ihr zu gratulieren und das Zimmer zu kündigen — Windeln auf dem Balkon in einer kleinen Stadt — Windeln auf dem Balkon einer Lehrerin, die keinem den Namen des Vaters sagt, des Vaters ihres Kindes? Die Schwester bringt das Kind. Sie hat viele Tränen zu trocknen. Die Tränen der unehelichen Mütter und die Tränen der Ehefrauen, die in die Klinik kommen, um sich ein Kind anzusehen, das ihren Mann zum Vater hat Weit mehr als die Hälfte aller unehelichen Väter leben in einer Ehe — in einer Ehe, die nicht zerbrochen ist, jedoch auch nicht in Ordnung. Gegen diese Ehe läuft ein Heer von ehelosen Frauen Sturm; ist die wirklich von Gott gesetzt? Wer sagt das? Die Natur hat jede Frau dazu bestimmt, Mutter zu werden. Hat nicht jede ein Recht auf ein Kind? Es gibt diese Rechte nicht: es gibt kein Recht auf Liebe, Glück oder andere Güter. Es geht auch gar nicht um die Rechte der Frau, des Mannes — es geht um die Kinder. Auch der verständnisvollste, gütigste Gesetzgeber, auch eine grundlegende Wandlung der Anschauungen kann dem Kinde eines nicht geben: den Vater. Die Liebe der Mutter ist etwas anderes als die des Vaters. Sie ist mehr und weniger zu- Ehe gibt. Die Ehe ist der Grundpfeiler unserer Kultur. Wer wagt, an ihr zu rütteln? Es gibt Probleme, die unlösbar sind. Ein Drittel aller unehelichen Mütter sind diesen Konflikten nicht gewachsen, stellt ein Schweizer Psychiater fest. Ein Drittel aller Mütter ohne Männer büßt ihr seelisches Gleichgewicht ein. Ein Stück nüchterner Wirklichkeit, ohne Schönfärberei, ohne romantische Verklärung. Shakespeare hat dem unehelichen Kinde ein Denkmal gesetzt. Der Schweizer Arzt tut es nicht. Seine jahrelangen Beobachtungen führten zu negativen Feststellungen. Aber er verdammt nicht. Von deutscher Seite liegt eine ähnliche Studie nicht vor. Sie würde die Veränderungen unserer moralischen Struktur beschreiben müssen. Ein Mitglied der Akademie Franxaise sprach letzthin vom moralischen Verfall des Mannes. Er sprach nicht vom moralischen Verfall der Frau. „Der Dynamismus ist heute auf seiten der Frau“, sagie er. Sie handelt und trägt die Verantwortung. Mit dem Verantwortungsgefühl des Mannes ist es nicht weit i her. Wieviele uneheliche Väter erkennen ihre Vaterschaft an? 50 Prozent. Jedes zweite Kind beginnt nach seinem ersten Schrei auf dieser Welt zu kla- f en. Das heißt: ein fremder Mann tut es an seiner tatt. Er tut es vor Gericht. Er hat vom Staate den Auftrag. Aber manchmal lernt das Kind laufen und wächst und kommt in die Schule — und klagt noch immer vor Gericht. Gott sei Dank weiß es nicht, was sich hinter verschlossenen Türen abspielt, wie mancher Meineid um seinetwillen geschworen wurde. Es weiß nicht, daß, wenn niemand die Verantwortung tragen will, der Staat sie übernimmt. Der Staat erläßt Gesetze, der Staat baut Häuser, aber — hat er ein H er z ? Das Kind ist eine Last für den Staat. Tausende von Zufalls- krndern füllen seine Heime. In einem Heim in Süddeutschland waren es dreißig. Wieviele der Mütter kümmerten sich um diese Kinder? Von den Vätern waren es' zwei. Die anderen waren nach Namen, Nation und Beruf schwer festzustellen, „Wie heißt der Vater Ihres Kindes?" „Ich weiß es nicht, 6 0 intim sind wir nicht geworden!“ Das war die Antwort einer 17jährigen. Sie setzte ihr Eine unheilige ßrüderlchaft / Von Olav S ö 1 m ü n d Im Jahre 1803 wurde in Spanien eine Brüderschaft verboten, die den Namen „Despenadores“ (Sehmerzensstiller) trug. Die Mitglieder waren nicht zahlreich. Sie kleideten sich in die Tracht der Beatos, der Frommen. In ganz Spanien waren sie anzutrefien. Ein Eid verpflichtete sie. keine Gelegenheit zu versäumen, um Zutritt zu Personen zu verlangen, die, in den letzten Zügen liegend, die letzte Ölung empfangen hatten. Unter dem Vorwände, mit den Sterbenden zu beten und diesen geistlichen Trost zu spenden, benutzten sie dann den ersten Augenblick, in dem sie mit dem Hinscheidenden allein waren, dessen Tod durch Erdrosseln, Ersticken oder sonst eine keinen Verdacht erweckende Weise zu beschleunigen. Diese „Schmer- zensstiller“ verfolgten noch eine andere Absicht, als nur den Todeskampf abzukürzen; sie wollten auch verhindern, daß der Kranke durch eine unvermutete Besserung dem Tode entging. Sie glaubten damit ein frommes Werk zu verrichten; denn der Sterbende war, nachdem er die letzte Wegzehrung erhalten hatte, ihrer Ansicht nach bereits auf dem Wege zum Himmel. Genas er jedoch unvermutet, so konnte er von neuem in Versuchung Die seltsame Libelle / Von Iwan S. Turgeniew Mir wurde die Traumvision, ich säße unter zwanzig Menschen in einem großen Raum, dessen Fenster weit geöffnet sind. Alle Lebensalter scheinen vertreten: Kinder, Jünglinge, Frauen, Greise. Ein wichtiges Problem beschäftigt uns: — die Stimmen schlagen grell und heftig aufeinander. Da kommt durchs offene Fenster ein seltsames Etwas angeflattert mit knisternden Flügelschlägen, die wirken, als reibe man trockene Hölzer gegeneinander. Es fliegt ein paarmal durch den Raum, um schließlich an einer Wand zu landen. Einer Hornisse oder einer .großen Fliege sieht es ähnlich. Alles Ist entsetzlich unschön an dem Insekt, das eine dumpfe, graue Grundfarbe auf weist: so der Rumpf, die starren, platten Flügel und behaarten Beinchen, die kampflüstern auseinandergestreckt sind. Unproportioniert groß der Kopf wie bei einer Libelle. Dazu scheinen Kopf und Füße in aufregendes Rot, wie in Blut getaucht. Ununterbrochen bewegt das seltsame Tier den Kopf hin und her, nach oben und unten, nach links und rechts und zuckt mit den Beinen. Ganz plötzlich stößt es sich ab von der Wand und fliegt mit schwirrenden Flügelschlägen durch den Raum. Dann setzt es sich wieder an die Wand mit schlimmen, furchterregenden Bewegungen und bleibt nun wie angekettet sitzen. „Jagt das Scheusal fort!“ überschreien sich die Stimmen. Alle sind von Abscheu, Furcht und Entsetzen gepackt, gestikulieren und schlagen von weitem mit Taschentüchern nach dem Untier, doch keiner wagt es, nahe heranzugehen. Fliegt das Scheusal plötzlich auf, so fahren alle augenblicks herum, wenden ihm den Rücken. Aber da ist einer, ein junger, unbekümmerter Mensch mit fahlem Antlitz, der uns alle befremdet anblickt, mit den Achseln zuckend und lächelnd begreift er doch nicht, was uns so zu bewegen vermag. Natürlich bemerkt er selber auch weder die seltsame Libelle, noch hört er deren dumpfes Flügelschwirren. Da blickt ihn das Tier plötzlich an wie eine Meduse, schwirrt auf ihn zu, kriecht über sein Gesicht und sticht ihn in die Stirn. Der junge Mann gibt einen Schmerzenslaut von sich und sinkt tot zusammen. Aber das gräßliche Insekt ist sogleich durch das offene Fenster davongeschwirrt. Nun war uns allen bewußt geworden, welchen Gast wir beherbergt hatten. (Mai 1878). (Aus dem Russischen — „Gedichte in Prosa“ [Senilia] — von Karl Kühne). fallen und sündigen, weshalb die Brüder glaubten, ihr Tun sei seelenrettend und gottwohlgefällig. Wie lange diese Brüderschaft bestanden hat, ist nicht festzustellen, sondern nur die Tatsache, daß der Ausdruck „despenar“ für Schmerzen erleichtern ein bereits seit Jahrhunderten nicht mehr gebräuchliches Wort war. Verschobenes Naturereignis Als der große Jonathan Swift, Englands größter Satiriker, Dechant zu St. Patrick war.' bemerkte er eines Tages, als er über seinem „Gulliver" saß, daß sich vor dem Pfarrhause eine große und sichtlich aufgeregte Menschenmenge gesammelt hatte. Der zur Erkundung ausgeschickte Küster kam mit der Meldung zurück, es hätte sich das Gerücht verbreitet, daß eine Sonnenfinsternis bevorstünde, und nun wollten die Leute in großer Besorgnis wissen, was ihr Seelsorger dazu sage. Swift lächelte hinterhältig und schickte den Küster mit einem Bescheid hinaus, der in folgende Ansprache gekleidet war: „Hört, Ihr Herren, und laßt Euch sagen: der Herr Dechant von St. Patrick ist dringlich mit anderen Aufgaben beschäftigt und sieht sich daher genötigt, die angekündigte Sonnenfinsternis bis morgen nachmittag um die gleiche Zeit aufzuschieben. Gott segne den König und Seine Hochwürden, den Herrn Dechanten!“ Die Menge zerstreute sich zwar respektvoll, aber brummelnd; und am nächsten Tage kamen die Leute nicht wieder- Sie hatten zwar die größte Hochachtung vor der Allmacht ihres Dechanten, aber durchaus keine Lust, sich von seinen Launen hin- und herschicken zu lassen. Karl Lerbe. Arche Noah — das größte Schiff Bekanntlich will ein gewisser Mr. Smith aus Cleveland in Amerika die Reste der Arche Noah entdecken. Er stützt sich in seinem Plan auf die Aussagen eines weiß russischen Fliegers, der 1917 auf dem Berg Ararat in Armenien Trümmer der Arche gesehen haben will. Nach den Überlieferungen war das Schiff Noahs, mit dem er samt den Seinen und den Tieren der Sintflut entkam, das größte bis zum 19. Jahrhundert gebaute Seefahrzeug. Nach den Angaben hatte die Arche eine Länge von etwa 190, eine Breite von 35 und eine Höhe von 18 Metern. Sie war, kurz gesagt, ein Schiff von mindestens 20 000 Bruttoregistertonnen. Der Bau eines solchen Kastens muß mit den technischen Mitteln der damaligen Zeit (lange vor Christi Geburt) mindestens zehn Jahre in Anspruch genommen haben. BH. „Ein Vorhang geht an!“ Dieter Stolz zeigt in seiner Erzählung eine Gruppe junger Menschen, die nach dem Zusammenbruch. mit frischem Mut daran gehen, sich eine neue Existenz und dem Kulturleben ihrer Stadt eine Bereicherung zu schaffen. All ihre Irrwege und das endliche Zusammenfinden zu wirklich gemeinsamer Arbeit schildert er in knapper, aber sehr feiner Form. Wenn auch nicht alle jungen Menschen ein Theater eröffnen können: Der Geist dieses kleinen Büchleins könnte manchen befruchten, seinerseits einen neuen Weg zu suchen, -sch. Kind in die Welt, überließ es dem Staate und ging ihrer Wege. Sie kümmerte sich um ihr Kind. Sie war selbst noch ein Kind, und niemand kümmerte sich um sie. Wer trägt die Verantwortung? Wiralletra- gensie! Im vergangenen Jahre wurden Ni den Westzonen 90140 Kinder außerehelich geboren. Jedes achte Kind hat keinen Vater. Jede achte Mutter keinen Mann. In Heidelberg kamen in der Zeit von 1945 bis jetzt 1500 uneheliche Kinder zur Welt. Ihre Väter gehörten 20 verschiedenen Nationen an. In Mannheim wurden zur gleichen Zeit 4000 vaterlose Kinder geboren, unter ihnen 110 Mulatten. Die einzelnen deutschen Länder sind prozentual sehr verschieden an der Zahl der unehelichen Geburten beteiligt. Die höchste Ziffer hat Bayern mit 13,3 Prozent und die niedrigste Nordrhein-Westfalen mit 6,5 Prozent. Im Jahre 1913 waren in einer Stadt wie Hamburg 14,6 Prozent aller Geburten außerehelich. 1946 waren es 14,9 Prozent. Diese Zahl ist in den Jahren 1947 und 1948 zurückgegan- gen. Aber die Zahl der Abtreibungen nimmt zu. Auf 100 normale Geburten kommen in Deutschland 103 Fehlgeburten. Jede fünfundzwanzigste Frau stirbt an einer Abtreibung. Jede sechste trägt dauernde gesundheitliche Schäden davon. Die Anträge auf Schwangerschaftsunterbrechung gehen bei den Ärztekammern aller Städte zu Tausenden ein Wir werden in Zukunft viele Mütterwohnheime bauen müssen. Und wir werden helfen müssen, mehr als es bisher geschah. Vater und Mutter bauen dem Kinde die Welt. Ein Kind, das nur in einer Hälfte dieser Welt lebt, braucht besonders viel Liebe. Wir können ihm nicht den Vater ersetzen, aber Liebe können wir ihm geben — viel Liebe! Stuttgarter Hochschulwoehen Wie in den Jahren 1947 und 1948 trafen sich auch n August 1949 etwa 600 Studenten aus ganz Europa is fehlte hur der Osten), um in dreiwöchiger Ge- leinschaftsarheit an der Verwirklichung eines von toethescher Denkweise durchdrungenen Studiums nd Lebens miltzuhelfen. So waren diese Wochen Igentllch eine einzige Goethefeier, aber nicht da- urch, daß man den großen Namen in zahlreichen Gedenkstunden glorifiziert hätte. Vielmehr wurde abständiges, kritisches Denken in erkenntmstneo- ätlschen Seminarkursen geübt, ausgehend von dem uche Rudolf Steiners „Grundlinien der Erkenntnis- leorie der Goetheschen Weltanschauung“. Diese bungen wurden von allen Teilnehmern mit großem iteresse und lebhaften Diskussionen mitgemacnt: Ln Beweis dafür, wie sehr die Jugend um Vertie- ing des meist nur recht oberflächlich aufgenom- lenen Wissensstoffs ringt. Im Brennpunkt aller Vorträge und Aussprachen anden einerseits das Völkerpoblem und die Be- äutung des „Landes der Mitte“ zwischen Ost und r est, andererseits die soziale Frage. In den vor- ägen wurde ein neues Menschentum angestrebt, na die kranke, wirtschaftlich und kulturell in Verdi geratene Welt wieder ins Gleichgewicht zu ringen. Ein durch richtige Erziehung toralisch einsichtig gewordener Mensch ist immer izlal, und zwar auf Grund seiner, mit Goethe gerochen, „moralischen Phantasie“, also n 1 ent urch den Zwang äußerer Gesetze. Geistige reiheit, Toleranz, d. h. Vertrauen zwischen Menr hen und Völkern, Selbstlosigkeit aus einem ineren Reichtum heraus und echte christliche Lieb« nd die Grundlagen einer wahren Gemeinschaft, i einer großartigen Bildersprache wird in Goethes Lärchen „Von der grünen Schlange“ der Weg zur erwirklichung dieses Menschheitszieles geschildert, lese» mit dem bloßen Intellekt schwer verstanü- he Märdien war das eigentliche Grundthema der LUttgarter Hochschulwoehen, und es bildete mit der urythmieaufführung, für die Joseph Gunanger PLATIN im RIO BLANCA KOMIH »bb HEKMIMI HU6EMD0RFF 7 „Also verloren!“ Malten sah, wie sich ihre Nägel ins Fleisch der Handfläche gruben. „Verloren ist ein Mensch erst, wenn sein Leben zu Ende ist Jeder kann wieder von vorn anfangen.“ • Irena Kay blickte eine Weile schweigend vor sich hin. Ihr Gesicht war wie von einer starren Maske überzogen. Doch plötzlich bewegten »ick ihre Mienen. Sie sah jetzt aus wie ein hilfloses, verzweifeltes Mädchen. „Es ist nicht allein das Geld, nein, Vater hat mehr verspekuliert als er besitzt. Können Sie das begreifen? Er hat seine Ehre verloren. Das ist für einen Mann alles, jedenfalls für einen, wie mein Vater es ist.“ Also immer noch der alte Hochmut Wenn Malten jezt etwas gesagt hätte, so wäre es bestimmt nichts Schönes gewesen. Er mußte im stillen Don Justo recht geben. Spekulation war etwas Verwerfliches. Warum versuchte der! alte Kay, sich auf diese Weise zu bereichern? Irena schien seine Gedanken erraten zu haben. .Aber einen solchen Kurssturz konnte doch niemand voraussehen. Auch mein Vater nicht. Er hatte eben auf den Namen Dalfinger vertraut Und er ist jetzt noch davon überzeugt, daß Dalfinger nicht gelogen haben kann. Hinter der Sache muß ein ganz gemeiner Schwindel stecken. Aber Sie haben recht man wird es nie beweisen können.“ „Vielleicht kann ich Ihnen helfen?“ sagte Malten langsam. Er hatte dabei nicht an Geld gedacht. Irena schien es jedoch so aufzufassen, denn ihr Gesicht wurde sofort wieder kalt und abweisend „Vielen Dank, wir haben ältere Freunde hier!“ „Verzeihen Sie, Senorita. Sie; haben mich falsch verstanden“, entgegnete Malten hastig. Seine Bereitschaft war einem inneren Impuls entsprungen. Er wußte eigentlich selber nicht, wie er dem alten Kay hätte helfen sollen. .Mein Vater wird mit Don Ventura Montez sprechen“, sage sie, indem sie sich erhob. „Ich wollte Ihnen nur noch einmal danken, daß Sie menen Vater vor einer Dummheit bewahrt haben.“ Sie reichte dem Ingenieur die Hand. Ihre Geste schien Dank und Abschied zu gleicher Zeit ausdrücken zu sollen. Ventura Montez? Diesen Namen hatte er doch heute schon einmal gehört . . . Garajo! Wer hatte ihn genannt? „Wer ist dieser Sefior?“ fragte er unwillkürlich. Irena Kay senkte den Kopf. Falten standen plötzlich auf ihrer sonst so klaren Stirn; sie schien nachdenklich geworden zu sein. „Don Ventura Montez . . .?“ Sie sagte es mehr zu sich selbst: „Ein furchtbarer Mensch.“ Ein Ausdruck der Verzweiflung lag über ihrem Gesicht. „Ein schrecklicher Kerl. Er hat mir einen Heiratsantrag gemacht.“ Auf einmal kam ihr wohl zum Bewußtsein, daß sie viel zu viel gesagt hatte. Was gingen schließlich diesen Senor Malten ihre Privatangelegenheiten an? Also nochmals herzlichen Dank! Auf Wiedersehen“, sagte sie gleichgültig. Sie wandte sich ab und ging mit leichten, elastischen Schritten durch die Halle. Dann war sie im Aufzug verschwunden. „Ventura Montez soll also helfen!“ Malten pfiff leise durch die Zähne. „Einen Heiratsantrag hat er ihr gemacht.“ Aber dann ärgerte er sich über sich selbst. Zum Kuckuck! Was lag ihm an der ganzen Sache!? Aber in seinem Innern wußte er, daß sie ihn doch berührte. Für dieses hochmütige, seltsame Mädchen empfand er sehr viel. Ventura Montez, war das nicht der Mann, der den Professor in den Urwald geschickt hatte, um die Angaben Dalfingers nachprüfen zu lassen? Figueredo hatte von ihm gesprochen. War er nicht der Hauptaktionär des Edelmetall- Syndikats? Irena Kay wollte also anscheinend diesen Heiratsantrag annehmen, nur um ihren Vater zu retten. „Schrecklich“ und „furchtbar“ hatte sie gesagt. Man sollte noch einmal mdt ihr sprechen. Erst hatte er den Alten vor einer Dummheit bewahrt, und jetzt war die Tochter im Begriff, etwas Törichtes zu tun. Wenn sie diesen Montez nicht liebte und ihn dennoch heiratete, warf sie ebenfalls ihr Leben fort Gedankenvoll erhob er sich. Er mußte jetzt hinaus an die Luft Vielleicht konnte er gleich mit zum Konsulat gehen und wegen seines Visums vorsprechen. Er rief eine Taxe. Er sah nicht, daß hinter einem Fenster des Hotels ein junges Mädchen stand und ihm nachblickte. Es war Irena Kay, und ihr Herz klopfte stürmisch. * Er hatte es sich wieder überlegt. Nein, er wollte zu Fuß gehen. Langsam schlenderte er die breite Straße hinab. An einer Straßenecke schienen sich die Menschen zu stauen. Neugierig trat Malten näher. Er befand sich vor dem Haupteingang des Verwaltungsgebäudes des Edelmetallsyndikates. Eine Menschenmenge ballte sich vor dem Eingang. Die Türen waren verschlossen und von weißuniformierten Polizisten besetzt. Die eisernen Jalousien waren heruntergelassen, aber die vielen Glasscherben auf dem Pflaster zeugten davon, daß bereits einige Fenster zerschlagen waren. Kummer und Verzweiflung waren auf den' Gesichtern der Leute, die hier standen, zu lesen. Sicher handelte es sich um Menschen, die durch den ungeheuren Kurssturz ihre Ersparnisse verloren hatten. Hier und da fing Malten ein paar Worte auf. — „Das Ganze ist ein Börsenmanöver!“ „Alles Schwindel!** „Dalfinger hat nie gelogen!“ „Die Halunken wollen uns nur um unser Geld bringen!“ Haßerfüllte Augen schauten auf das Syndikatsgebäude. Die Gesichter der Polizisten waren unbewegt. Im Grunde genommen verhielten sich die Menschen ziemlich ruhig. Wahrscheinlich waren sie alle durch die Ereignisse so gedrückt, daß niemand an Ausschreitungen dachte. Der Haß schien nur zu schwelen; aber sicher hätte ein Funke genügt, um daraus eine lodernde Flamme zu machen. Wie von einer Flut wären dann die Polizisten dort oben fortgeschwemmt worden. Aber niemand warf diesen Feuerbrand. Ein alter, weißhaariger Mann lehnte an einem wackligen Karren. Er konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. Er mochte schon viele Stunden so gestanden haben. Sein Gesicht war von unzähligen Falten durchfurcht. Was jedoch Malten so an ihm erschütterte, waren die Tränen, die unablässig über seine Wangen liefen. Christian Malten blieb vor dem Alten stehen. Sollte er ihn zu trösten versuchen? Er wußte es nicht. Jedenfalls fand er in diesem Augenblick keine Worte für ihn. Der Greis sah an ihm vorbei. Seine Lippen murmelten unaufhörlich: „Alles verloren! Alles verloren! Auf der Straße werde ich verrecken, auf der Straße!“ Immer wieder sagte er die gleichen Worte. Ja, diese Menschen hier waren die kleinen Sparer, die auf den Namen Dalfinger ihre Hoffnungen gesetzt hatten. Mitgefühl überkam Malten. Don Justo mochte in gewisser Weise recht haben; Spekulieren war verwerflich. Aber diese Menschen hatten auf eine Hoffnung gesetzt, die Dalfinger hieß. Sie sahen auch jetzt nicht in Dalfinger den Betrüger, sondern in dem Syndikat. Gab es denn wirklich keine Möglichkeit, alle die Menschen vor dem völligen Ruin zu retten, ihnen wenigstens einen Teil der Ersparnisse zu erhalten? » Standen die Dinge um das Edelmetallsyndikat tatsächlich so schlimm? Würden wirklich die Kurse morgen bis auf ein Nichts herabfallen? Malten stand gerade vor einem Telefonkiosk. Er überlegte einen Augenblick, dann trat er ein. Er blätterte im Teilnehmerverzeichnis. Suchend fuhr sein Finger die Spalten hinunter. Und dann hatte er das Gewünschte. — Juan Cicharro, Börsenmakler. — Er notierte sich Namen und Anschrift. Vielleicht konnte dieser Mann nähere Auskunft geben. (Forts, folgt.) Donnerstag, I. September 1949 - Nummer 103 — Seite 5 fmburycr Zcltccko Der Baron Franzele Heiteres am ein Freiburger Original Vor gut zwei Menschenaltern lebte er in Freiburg, der Franzele. Wem es aber einfallen Sollte, sich unter diesem Namen ein kleines, spindeldürres Männchen vorzustellen, der ist mit dieser Meinung gewaltig auf dem Holzwege. Der Franzele war ganz im Gegenteil hochgewachsen, breitschultrig und von leicht vomübergebeugter Haltung, wie dies bei Hochgewachsenen öfter der Fall ist. Sonniger Humor durchstrahlte sein ganzes Wesen, sich selbst und anderen zur Freude. Die Jungen wissen nichts mehr über ihn. Man muß schon die ganz alten Oberlindener und die ganz alten „Insulaner“, die Bewohner der „Insel“ in der - Entrümpelungsaktion Um der Bevölkerung Gelegenheit zu geben, unbrauchbare Gegenstände, die sich in den letzten Jahren angesammelt haben, zu beseitigen, wird der Städtische Fuhrpark in der nächsten Zeit eine Entrümpelungsaktion im ganzen Stadtgebiet durchführen. Neben dem Müllwagen fährt zusätzlich ein Lastkraftwagen, der die bereitgestellten Gegenstände abfährt. Die Gegenstände werden dann sortiert und, soweit sie nicht vernichtet werden müssen, dem Altmaterialhandel zugeführt. Die Abholzeiten werden in der Presse rechtzeitig bekanntgegeben. Altstadt fragen, und ihr Bescheid wird uns einen Abglanz dieser Originalgestalt vermitteln.^ Da war doch die Sache mit den Sternen, die sich in jener Nacht zutrug, da der Franzele mit seinem Spezi, einem gewissen Baron G., nach einem verlängerten Abendschoppen in irgend einer der um das Münster gelegenen Weinstuben, sich auf dem Heimweg befand. War's der hochauf ragende Schatten des Münsterturms oder der lichterbesäte Himmelsdom über ihnen, der sie auf ein Gespräch über Ewigkeit und Weltall brachte? — So genau wtußte es der Chronist auch nicht mehr. Heutzutage hätten sich die beiden aller Wahrscheinlichkeit nach über Atombomben und Weltraumfahrten unterhalten. Und der Baron G., gerade das Gegenteil vom Franzele, ein hageres, spindeldürres, aber grundgescheites Männlein, reckte sich in seiner Sternensehnsucht auf den Zehenspitzen empor und nannte ihm Namen und Entfernungen der bekanntesten Planeten von der guten, alten Mutter Erde, und schüttelte Sie gewissermaßen nur so aus dem Ärmel. Und vermeinte dabei wunders, wie er seinen nächtlichen Gefährten mit seinen tiefschürfenden Ausführungen rühren und erschüttern werde. Aber sein schmerzliches Erstaunen erscheint »ins allzu verständlich beim folgenden Einwand des Franzele: „Seil isch-der villicht garnit so schwer gsi, Seil mit dene Entfernunge, abber eins möcht-i bloß gern wisse, wie die Aseh- trokomiker die Näme vun dene Schtern rus- kluberet hännl“ — Zu einem Ausflug auf den Roßkopf brauchte der Franzele unbedingt einen kräftigen Spazierstock. In einem Stockgeschäft — der Name tut nichts zur Sache — lieh man dem stadtbekannten Original gern ein solches Exemplar. Der Ausflug fand statt, und am Nachmittag brachte der Franzele den Stock wieder ins bewußte Geschäft zurück. Nachdem der Stock von seinem Entleiher gebührend gelobt worden war, fragte der Verkäufer, ob dieser ihn denn nicht käuflich erwerben wolle. „Der Schtock isch-mer z’lang!“, war die Antwort. Oh, das mache gar nichts, da würde man unten einfach ein kleines Stück abnehmen, beeilte sich der Hermesjünger zu versichern. „Jo wisse-si“, meinte der Franzele, „der Schtock dät-i jo ganz gern kaufe welle, abber er isch-mer o b e z’lang!“ Und draußen war er. Aber drei Tage später hat, er den Spazierstock trotzdem erstanden. — Bezeichnend für Beispiele dieser Art war die Angelegenheit mit dem Globuskauf. Ein kleiner Neffe des Franzele, seines Zeichens Pennäler, sollte zur Kommunion kommen. Und dessen Herzenswunsch, einen richtigen Globus sein eigen nennen zu dürfen, wollte er erfüllen. Eines schönen Tages, kurz vor der Erstkommunion, betrat er eine große Verlagsbuchhandlung in der Stadt und verlangte einen Globus. Der Ladenmann brachte ein genz ansehnliches Stück dieser Gattung angeschleppt. Tiefsinnig betrachtete der Franzele das selten schöne Stück, um dann schließlich zu erklären, das Ding sei ihm zu groß. Gut, man brachte ihm eben einen kleineren: denn der Wille des Kunden war Anno dazumal oberstes Gesetz des Ladenpersonals. Wieder erfolgte eine längere, tiefsinnige Betrachtung des Franzele, wobei er schließlich meinte: „Wisse-si, der Globus isch jo arg nett un schön, abber er isch-mer halt doch noch z’groß!“ Und als er eine leichte Verstimmung und ein Erstaunen auf dem Gesicht des Verkäufers bemerkte, da setzte er in entschuldigendem Tone hinzu: „Wisse-si, i hätt halt gern einer, wo blos s’badisch Ländli druf isch!“. Sprach's und ließ den noch mehr erstaunten Ladenmann allein. Aber am Morgen des Kommuniontages fand der überglückliche Neffe des Franzele trotz allem auf seinem Geschenktisch einen Prachtglobus aus dem gleichen Geschäft vor. — Eines Tages soll er mit der Bahn nach Baden- Baden gefahren sein, um der Einladung eines Freundes zu folgen. Im Eisenbahnabteil kam er von ungefähr einem kleinen, würdigen alten Herrn mit weißem Barte gegenüber zu sitzen. Er musterte den Betreffenden längere Zeit und fragte ihn schließlich: „Sage-si emol, sinn-si nit der Kunschtmoler Hans Thoma?“ — Als dieser bejahend nickte, meinte der Franzele: „Ah-so! Doher die Ähnlichkeit!“ — Das war Franzele. Sein Humor war nicht laut und beifallheischend. Ganz im Gegenteil; er war still und sonnig. Das Wort: „Man merkt die Absicht, und man wird verstimmt!“ kann auf ihn nicht angewandt werden. Die Absicht, seine Mitmenschen und seine Umwelt zu erheitern, konnte man nie merken, weil sein Humor angeboren und nicht gewollt war. R. F. Weißmehl für August Auf Augustkarte, Sonder-Abschnitt Z Baden 806, erhalten sämtliche Altersgruppen je 1500 g Weiß- mefel. Gastwirtschaften erstehen neu Im letzten Kriege haben namentlich die im Stühlinger gelegenen Gasthäuser schwere Schäden erlitten, darunter auch die Gaststätte zum Paradies am Friedrich-Ebert-Platz in der Nähe der neuen Kliniken. Aus den Trümmern dieses Hauses wächst gegenwärtig ein neuer Gasthausbau empor, der bereits die Höhe des ersten Stockwerks überschritten hat. Im Rahmen des Wiederaufbaues der Stadt Freiburg hat sich die Brauerei Meyer, Riegel, entschlossen, das „Paradies“ seiner Bestimmung als Gaststätte in neuem Gewände wieder zuzuführen. — In Herdern wird die altbekannte Gaststätte zur Stadt Wien neu aufgebaut; sie ist im Rohbau bereits bis zum Dachfirst vollendet. Erleichtertes Warten Die Fahrgäste werden es als sehr angenehm empfinden, daß an der Haltestelle der Städti sehen Straßenbahn am Siegesdenkmal in Richtung Herdern zwei Bänke aufgestellt wurden, Das Warten fällt im Sitzen erfahrungsgemäß nicht so schwer wie im Stehen. Im Stehen kommt man auch leichter ins Schimpfen. Künftig werden also nur noch zufriedene und freundliche Fahrgäste in die entsprechende Bahn einsteigen. Unerwünschter Parkplatz Eine aus Herdern kommende Straßenbahn erlitt unliebsamen Aufenthalt durch ein Lastauto, das ausgerechnet die Straßenbahnschienen als Standort benutzte, um Sand für eine Baustelle abzuladen. Zum Glück wurde kein Anschluß versäumt. Das Auge des Gesetzes wacht An der Kreuzung Basler Straße Ecke Goethestraße wachen Verkehrsschutzleute aufmerksam darüber, ob die Vorschriften betreffs der Stoppstraße auch eingehalten werden. Trotzdem versuchen einige Fahrer immer wieder, gleich Gas zu geben und abzubrausen. Der nachfolgende Strafzettel wird sie über die Pflicht zur genauen Einhaltung der Verkehrsvorschriften belehren. Ungeahndete Verkehrssünden Wenn jeder Einwohner für jede Verkehrssünde, die er täglich begeht-, automatisch eine D-Mark aus seinem Portemonnaie an die Polizeibehörde berappen müßte, so käme ein beachtlicher Batzen Geld zusammen. Hand aufs Herz, wer von uns verkehrssündigt nicht mindestens einmal am Tage? Man muß sich einmal die Zeit nehmen, etwa auf ein oder zwei Kilometer die Verkehrssünden festzustellen, die so nebenbei begangen werden. Zum Beispiel flog am Samstagvormittag aus einer am Komturplatz rangierenden Straßenbahn heraus einem Radfahrer plötzlich ein gar nicht so kleines Gemüseblatt an den Kopf. Der Radfahrer zuckte natürlich zusammen und wackelte mit seinem Drahteselchen, wenn auch nur geringfügig. Aber es genügte, um auch dem hinterher fahrenden Radler einen Schrecken * einzujagen. Der geriet also gleichfalls ins Schwanken. Etwas weiter bog ohne jedes Zeichen mit einer plötzlichen, kräftigen Linkswendung des Vorderrades ein Fahrer von der rechten Seite der Fahrbahn ab und fuhr in die Tullastraße ein. Die Nachfolgenden waren nicht entzückt und sandten ihm entsprechende Verwünschungen nach, die ihn aber nicht erreichten; sonst hätte er zu Boden sinken müssen. Und dann die Kinder! Hoppla, rollt ein Ball auf die Fahrbahn. Ohne auch nur auf gegebenenfalls nahende Fahrzeuge zu achten, springen Buben und Mädel dem Spielzeug nach. Wirklich, darin sind beide Geschlechter in diesem Alter noch gleich leichtsinnig. Soll die Liste fortgesetzt werden? Es ist kaum notwendig; denn wer mit offenen Augen durch die Straßen geht, der wird leicht ihre Vervollständigung dn natura erleben. Ar. Mit guten Vorsätzen entlassen Ein Artist hatte vor über einem Jahr im Waldkircher Gefängnis eine einjährige Strafhaft Ein Warenlager im Freiburger Rathaus? Tritt man als „Uneingeweihter“ zufällig in den Raum 23 des Rathauses, so glaubt man im ersten Augenblick, ein Warenhaus vor sich ’ zu haben. Hohe Holzgestelle an den Wänden sowie Tische und Schränke stehen voll der schönsten Dinge und Gebrauchsgegenstände, die wir uns heute nur wünschen können. Erst, als ein freundlicher Beamter auf uns Zutritt und uns fragt, o b wir den Gewinn unseres Loses abholen wollten, dämmert es uns, daß im Rathaus kein Warenhaus eröffnet wurde, sondern daß wir uns in einer „Preis-Sammlung" befinden. Wie wir erfuhren, gaben die Freiburger Geschäftsleute, als Freiburger Schauspieler als „Werber“ für eine Lotterie für den Freiburger Wiederaufbau an sie herantraten, wertvolle Preise. Und 60 wie diese Spenden, von denen manches Stück über 200—300 DM wert ist, freiwillig und im Hinblick auf eine gute Sache gegeben wurden, so ist es auch jedem Freiburger anheimgestellt, für eine D-Mark ein Los zu kaufen. Für ihn winkt dann noch immer die Aussicht auf einen Gewinn, und da bei der Verteilung von etwa 2000 Gewinnen im Werte von rund 18000 DM auf 60000 Lose auch kleinere Gewinne von 1 DM bis 10 DM vertreten sind, so kommen jeden Tag oft über 25 Personen mit einer Gewinnummer ins Zimmer 23 des Ratbaitees. Most ziehen die Glücklichen strahlend mit ihrem Gewinn unterm Arm ab. Wenn aber ein Flüchtlingsehepaar einen Küchentisch mit Stühlen gewinnt, dann freuen auch wir uns. Nicht immer jedoch kommen die schönen Gegenstände in die richtigen Hände. So wird zum Beispiel eine Arbeiterfamilie (es ist auffällig, daß sehr viele Gewinner aus den einfachen Kreisen stammen) nicht gut etwas mit einer prunkvollen Glasmalerei anfangen können; und ebenso hat man bei der Verteilung schon „angst“, daß die versenkbare Nähmaschine einmal zu einer Hausfrau wandern könnte, die bereits eine eigene besitzt. Beim Gewinn von Schuhen und Kleidungsstücken sind die Freiburger Spenderfinnen, über die bereitwillig Auskunft gegeben wird, zu einem Umtausch in der betreffenden Größe bereit. Der Losverkauf selbst, der seit einigen Tagen von Studenten durchgeführt wird, nimmt in der nächsten Zeit „feste“ Formen an. das heißt, die Stadtverwaltung errichtet mit geringen Mitteln auf dem Holzmarktplatz einen kleinen Kiosk, in dem der Student, der schon in der vorigen Woche mit einer Lautsprecheranlage beim Bertholds- brunnen Aufstellung genommen hatte, den Los verkauf jetzt auch bei jeder Witterung durchführen kann. — es — verbüßt und konnte entlassen werden. Seine Vorsätze, künftig ein besseres und anständigeres Leben zu führen, schienen aber wäh*- rend der Zeit hinter Schloß und Riegel nicht gestärkt worden zu sein. Gleich am Tage seiner Entlassung wußte er sich bei zwei Frauen, die in der Kollnauer Tuchfabrik arbeiteten, gegen das Versprechen, Lebensmittel zu liefern, Tuck zu verschaffen. Kurze Zeit darauf unternahm er eine Reise nach Achdorf und bot den dortigen Bauern Kartoffeln zu dem damals niedrigen Preise von 4,50 RM an. Er wünschte aber, daß ein Drittel des Kaufpreises in Lebensmitteln bezahlt werde. Als er 40 Eier und ein schönes Stüde Speck erhalten hatte, hielt er es für ratsam, das Dorf zu verlassen und sein Glück in einem Nachbardorfe zu versuchen. Hier waren die Bauern aber schlauer, und er ging leer aus. Nach einer größeren Anzahl von Zechprellereien konnte er von der Polizei ergriffen werden. Vom Freiburger Schöffengericht wurde er zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Der klage Knecht Ein mit dem Strafgesetzbuch durch mehrere Vorstrafen vertraut gewordener landwirtschaftlicher Arbeiter überlegte sich eines Tages, wie er wieder zu Geld kommen könne. Er ging nach Furtwangen und schloß mit einem Bauern einen Vertrag ab, in dem er sich verpflichtete, gegen ein monatliches Entgelt von 60 bis 80 DM neben freier Kost und Wohnung zwei Jahre lang auf dem Hof als landwirtschaftlicher Arbeiter tätig zu sein. Bereits nach wenigen Tagen bat er aber seinen Arbeitgeber um einen kleinen Vorschuß, der ihm auch in Gestalt von 1045 DM (kaum glaublich!) gewährt wurde. Kaum hatte er das Geld in der Tasche, war er auf und davon und leistete sich ein vergnügliches Leben bei Wein, Weib und Gesang, bis das Geld restlos aufgebraucht war. Nach einigen Zechprellereien konnte er festgenommen und vor Gericht gestellt werden. Das Schöffengericht Freiburg verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahren. Südwestdeutsche Briefmarkenausstellung Die südbadischen Briefmarkensammler- und Händlerverbände, die zum hundertjährigen Gedächtnis des Erscheinens der ersten deutschen Briefmarke eine Ausstellung in Freiburg im Rotteckgymnasium vorbereiten, teilen mit, daß auch die badische Postverwaltung und die Postverwaltung der französischen Zone ihre Mitwirkung zugesagt haben. Dadurch kann weiteres interessantes Material gezeigt werden. Die Ausstellung wird zum Teil Sammlungen und Einzelstücke aufweisen, die bisher noch nicht bekannt waren, und den Besucher über die Herstellung der Briefmarken, die Hilfsmittel der Philatelisten und deren Technik sowie vieles andere unterrichten. Mit der Schau werden geographische und allgemein bildende Hinweise verbunden sein, so daß die Ausstellung auch der Jugend über die reinen Briefmarkeninteressen hinaus Kenntnisse vermitteln wird. Die Eröffnung der Ausstellung ist auf den 17, September festgelegt, Bubengespräche Ich gehe hinter einem Knäuel von Buben her, die etwa zwölf oder dreizehn Jahre alt sein mögen. Sie reden durcheinander, gestikulieren mit den Armen und Beinen und glühen vor Eifer. Was mag wohl ihr Thema sein. Ich pirsche mich näher heran. Zunächst ist wirklich alles Chaos. Aber schließlich schwingt sich einer zum Soloredner auf. Er beginnt mit dem in dem Wortschatz der Jugend gebräuchlichsten Ausdruck: „Quatsch!“ Dann fährt er nach einer kleinen, wirkungsvollen Pause fort: ,^as neueste technische Wunder sind nicht die Atombomben, sage ich euch, sondern der Ultra- Schall.“ Schon dieses Wort jagt einigen der Jungen vor Respekt eine Gänsehaut über den Rücken. Man sieht es ihnen an, denn mit ehrfürchtig aufgerissenen Augen starren sie auf den Redner. Der fährt überlegen fort: „In Amerika wird damit schon operiert. Und was das Tollste ist, es handelt sich um Operationen, bei denen die Haut des Patienten nicht ver- letzt wird“ Einer fragt: „Mit Schall, sagst du, wird das gemacht?“ — „Ja, mit Schallstärken, die fünfzigtausendmal so laut sind wie ein furchtbarer Donnerschlag.“ — „Aber das müßten wir doch bis hierher hören.“ — „Ach wo. Mäuschenstille ist es dabei.“ ’ Einige besonders herzhafte lachen. „Es ist nämlich so, daß unsere Ohren nur Schallwellen -in sehr begrenztem Umfang als Töne registrieren.“ — „Woher weißt du denn das?“ — „Das habe ich gelesen, und mein Vater hat mir’s ausdrücklich erklärt." — „Was machen die Amis denn sonst noch mit diesem lautlosen Krachapparat?“ — „Man setzt zum Beispiel Samenkörner diesen Ultraschallwellen aus und erzielt damit Rekordernten." Das imponiert den Burschen fühlbar am meisten. Kunststück, wo es sich um Essen handelt! Leider muß ich mich von ihnen trennen, denn mein Weg führt nach einer andern Richtung. Auf jeden Fall habe ich bei diesem Pirschgang etwas gelernt. Sollte der Junge diese Zeilen zufällig lesen, so mag er auf diesem Weg meinen Dank entgegennehmen. Ich habe mich nämlich inzwischen für die Sache interessiert und festgestellt, daß alles stimmt, was er seinen Kameraden erzählt hat. Ar. Die vierte Ecke wird entsdiuttet Während in monatelanger Arbeit auf drei Seiten rund um den Bertholdsbrunnen der Schutt der zerstörten Bauten weggeschafft wurde, ist man seit einigen Tagen damit beschäftigt, die letzte Ecke auf der linken Straßenseite Richtung Zähringen zu „entrümpeln“. Da auf der einen Seite bereits große Geschäftshäuser auf der frei gemachten Fläche entstehen und die andere Ecke zu einem Parkplatz glattgewalzt wurde, so darf man wohl hoffen, daß in absehbarer Zeit auf dem nun zur Ent- schuttung in Angriff genommenen Trümmerfelde größere Wohnhäuser entstehen. Eine Straße wird erneuert In Ebnet werden umfangreiche Reparaturarbeiten an der Straße vorgenommen, über die der Verkehr nach und vom Schwarzwald geht. Um Unfälle zu vermeiden, hat man zwei Stoppschilder aufgestellt, die von aufmerksamen Männern bedient werden. Hierdurch ist bestimmt schon mancher Zwischenfall verhütet worden. Dienst am Publikum ""in der Löwenstraße sind zwei mächtige Schilder als Wegweiser zu den Büro- und Verwaltungsräumen der Städtischen Bühnen angebracht worden. Auch der Weg zur Mietkasse ist nun ohne jede Schwierigkeit zu finden. Die Reparaturarbeiten an der „Lieben Hand“, in der bekanntlich die Büros und ein Teil der Werkstätten des Theaters untergebracht sind, scheinen bald ihren Abschluß zu finden. Warnung vor Taschendieben Ein Freiburger Geschäftsmann, der sein Auto für einige Minuten unabgeschlossen vor dem Portal der Hauptpost stehen ließ, vermißte bei seiner Rückkehr seine Brieftasche, die er in einer Jacke im Wagen zurückgelassen hatte. In der Brieftasche befanden sich sämtliche Papiere, aber glücklicherweise keinerlei Geld. Zusammenstöße In der Ste£an-Meier-Straße stieß ein Motorradfahrer mit einem aus der Ausfahrt einer Tankstelle kommenden Kleinkraftrad zusammen, dessen Fahrer sich beim Sturz einen Unterschenkelbruch zuzog. Der Motörradfahrer und seine Begleiterin kamen mit geringfügigen Verletzungen davon. — In der Schwarzwaldstraße stießen ein Radfahrer und der Fahrer eines Kraftrades zusammen, wobei beide stürzten und erheblich verletzt wurden. Musik und Tanz im Colombipark Der Versuch, den Colombi-Park als Kulisse für musikalische Veranstaltungen zu verwenden, hat zu einem reizenden Ergebnis geführt, in dem man das verstärkte Ballett das weite Rasenrund ausfüllen ließ. Es wurde dadurch eine Übereinstimmung von Raum, Musik und Bewegung erreicht, wie man es in dieser grazilen und beschwingten Welse nur selten erleben kann. H. H. Steinbach hatte für „les petits riens“ von Mozart und den herrlichen Kaiserwalzer von J. Strauß eine undogmatische, aufgelok- kerte, den weiten Raum sicher ausfüllende Choreographie entworfen, die den musikalischen Charakter beider Werke sehr sicher erfaßte. Der Gedanke, daß diese zierlichen, harmlosen Rasenspiele im fackel- umsäumten Rasenrund in ihrer unnachahmlichen formsicheren Haltung einmal Wirklichkeit und Lebensstil waren und nicht nur Aufführung, könnt# fast beunruhigen Im Kaiserwalzer gelang es Steinbach, die weitgeschwungene, dynamische Bewegung, die dieses Werk enthält, konstruktiv, aber mit leichter und großzügiger Hand nachzuformen. — Von Horst Schneider, dem neuverpflichteten 1. Kapellmeister, und dem Orchester hörten wir außerdem die Ouvertüren zu „Freischütz“ und „Zauberflöte“. Wenn hier auch klanglich manches verloren ging, so ließ die sehr saubere, fast jedes Instrument individuell führende Darstellung manch gute Aufführung in der kommenden Spielzeit erwarten. — S— Sozialdemo ratische Partei Achtung, Jungsozialisten! Wir treffen uns am Donnerstag, 1. September, 20 Uhr, in der Habsburgerstraße 85 zu einem Diskussionsabend. Um vollzählige Teilnahme wird ersucht Seite 6 — Nummer 103 Donnerstag, 1. September 1949 SaslBotö Lausbubereien — ernst genommen Eltern für widerrechtliche Handlungen ihrer Kinder zivilrechtlich verantwortlich Mancher Vater blickt mit Stolz auf seinen Spröß- Kng und bemerkt gelassen und vielleicht auch schmunzelnd, wenn die Mutter von neuen „Streichen“ des Sohnes klagt, daß ein „richtiger“ Bub ein Lausbub sein müsse. Er mag dabei an seine eigene Jugendzeit zurückdenken und sich seiner eigenen Lausbubereien erinnern. Wir sollten aber nicht vergessen, daß es von der harmlosen Laus- buberei bis zur „bösen Tat" oft nur ein kleiner Schritt ist und mancher Streich den Spielkameraden für ein Leben zum bedauernswerten Krüppel machen oder die Eltern des zum Streichespielen f eneigten Jungen in Not und Armut bringen kann. agtäglich können wir Kinder beim gefährlichen Spiel beobachten, und es ist oft ein Wunder, wenn zum Schluß noch alle Beteiligten unversehrt geblieben sind. Die dem Treiben der Kinder oft arglos zusehenden Eltern sollen hier aber auf die rechtlichen Folgen hingewiesen werden, die sowohl für sie als auch •für ihre Kinder aus einer Lausbuberei entstehen können. Manch einer mag dann froh sein, daß bisher alles so gut verlaufen ist, sich aber für die Zukunft vornehmen, seine Kinder stets zu überwachen. Nach unserem geltenden bürgerlichen Recht kann jedes Kind, wenn es das siebente Lebensjahr vollendet hat, für einen von ihm verursachten • Schaden zivilrechtlich zur Verantwortung gezogen werden, wenn es bei Begehung der schädigenden Handlung die zur Erkenntnis der Verantwortlichkeit erforderliche Einsicht hat. Es ist daher bei einem Jungen, der mit Steinen wirft oder geschickt mit einem „Flitzbogen“ umgeht, nicht erforderlich, daß er eine bestimmte Vorstellung von der Art seiner Verantwortung hat; es genügt vielmehr, wenn der Jugendliche erkennen kann, daß er in irgendeiner Weise, gleich wie, für die Folgen seiner Handlung einstehen muß. Handelt der Jugendliche bei seinem Spiel oder sonst im täglichen Leben fahrlässig, was meist der Fall ist, so ist es notwendig, daß der Jugendliche die Gefährlichkeit seiner Handlungsweise erkennt. Bei den so gefaßten Bestimmungen des Gesetzes wird demnach in den meisten Fällen ein über sieben Jahre altes Kind für seine Handlungen zivilrechtlich verantwortlich gemacht werden können. Diese rechtliche Haftung hat aber nur dann für den Geschädigten einen praktischen Wert, wenn das Kind eigenes Vermögen hat. Dies ist jedoch meist nicht der Fall. Dem Geschädigten kommt aber noch eine weitere gesetzliche Bestimmung zustatten, wonach Personen, die zur Führung der Aufsicht über eine andere Person verpflichtet sind (vor allem die Eltern), für den Schaden aufzukommen haben, den die von ihnen zu Beaufsichtigenden (die Kinder) einem anderen widerrechtlich zufügen. Der mit Stolz auf die Streiche seines Sohnes blickende Vater muß es also in der Regel in Kauf nehmen, daß an seinem Geldbeutel ein erheblicher Aderlaß vorgenommen wird, wenn sein Sohn beim Spiel „Jäger und Hase“ auf den „Hasen“, mit einer Armbrust geschossen, wenn er bei der Erstürmung einer Laube mit zugespitzten Pfeilen gezielt, mit einer Mundziehschleuder hantiert oder mit Knallplättchen eine „Kriegsszene“ dargestellt hat. Hat der Jugendliche bei diesen Fällen einem anderen einen Schaden zugefügt (Fenster eingeschlagen, Augenverletzung), so haftet der Aufsichtspflichtige bei Verletzung seiner Pflicht für den Schaden. Der Richter wird natürlich in jedem Einzelfalle prüfen, was unter den vorliegenden Umständen bei Berücksichtigung der Eigenart des Kindes, der wirtschaftlichen Lage (Hausfrau, Arbeiterin) und den Kräften des Aufsichtspflichtigen verständige Eltern hätten tun müssen. Die Eltern haften für die Taten ihrer Kinder nur dann nicht, wenn sie ihrer Aufsichtspflicht genügt haben oder wenn der Schaden auch bei gehöriger Aufsicht entstanden wäre. Dies haben die Eltern zu beweisen, was oft sehr schwer ist. Bei ungezogenen Kindern und bei Jugend- Kleine Stadtnachrichten Der Verband der Körperbeschädigten, Arbeitslnva- liden und Hinterbliebenen veranstaltet am 3. September, 20 Uhr, im Gasthaus zur Sonne in Littenweiler eine Versammlung für die Stadtteile Waldsee und Littenweiler. Am 4. September, 15 Uhr, findet im Gasthaus zum Zähringer Tor ein Gartenfest mit Kinderbelustigungen für die Mitglieder des Ortsverbandes Herdern mit Industriegebiet des Verbandes der Körperbeschädigten, Arbeitsinvaliden und Hinterbliebenen sowie für Gönner des Verbandes statt. Der Metzgerei-Kiosk Oskar Engler, bisher auf dem Lessingschulplatz, befindet sich jetzt wieder wie früher auf dem Münsterplatz (siehe heutiges Inserat). liehen, die zu Streichen neigen, muß eine erhöhte Aufsicht verlangt werden. Die Eltern können sich nicht damit begnügen, daß sie ihren Kindern bestimmte Handlungen verbieten wie zum Beispiel das Schießen mit gespitzten Pfeilen; sie haben auch wirklich dafür zu sorgen, daß ihr Gebot befolgt wird. Glaubt ein Vater, ein Luftgewehr oder eine Armbrust sei das geeignete Spielzeug für seinen Sprößling, so hat er ihn in der Handhabung dieser Geräte genau zu unterweisen und sein Spiel zu überwachen. Wer einen Spiritusmotor auf den Weihnachtstisch stellt, der kann nicht beruhigt im Zimmer nebenan die Zeitung lesen. Grundsätzlich müssen die Eltern damit rechnen, daß sie für widerrechtliche Handlungen ihrer Kinder zivilrechtlich belangt werden. Sie sollten sich deshalb stets ihrer Pflicht bewußt sein. gl. Straßen Verbreiterung in Bickensobi Im Hinblick auf die starke Zunahme der Kraftfahrzeuge ist die Gemeinde Bickensohl zur Zeit mit der Verbreiterung des Straßenteils beim Garten des Rebstocks beschäftigt. — In einer Bürgerversammlung, die sich mit den Abgabepflichten in Brotgetreide befaßte, nahm Bürgermeister Treffeisen eingehend zu diesem Thema Stellung. Es erregte allgemeines Befremden, daß von den Landwirten am Kaiserstuhl die gleiche Ablieferungsquote verlangt werde, wie sie für das „eigentliche“ Getreideland veranschlagt worden sei. Man vertrat die Ansicht, daß das Getreide auf dem heißen Buckel des Kaiserstuhls unmöglich den gleichen Ertrag bringen könne, wie er im Flachland erzielt werde. Weiter beabsichtigt man demnächst, im Rahmen einer Feldbegehung zur Frage der Feldbereinigung Stellung zu nehmen. — Zu einem besonderen Erlebnis wurde dem Gesangverein „Liederkranz“, Wolfach, ein Besuch in Bickensohl, wo man nach einer wunderschönen Fahrt über die Schwarzwaldhöhen den Winzerkeller gründlich besichtigte. Ihr besonderes Augenmerk widmeten die fröhlichen Wanderer dabei dem „Bickensohler“, der mit zunehmendem Alter besonders mundgerecht und begehrenswert wird. Die Herbstzeitlose blüht Auf der Fahrt nach Hinterzarten und Titisee kann man auf den Wiesen zum Teil schon die Herbstzeitlosen blühen sehen, während oben noch das Getreide vereinzelt in Garben steht und auf den Drusch wartet. Fahrplanwechsel am 2. Oktober Das Eilzugspaar Freiburg—Sigmaringen—Ulm, Ulm—Sigmaringen—Freiburg (Freiburg ab 8.15 Uhr und Freiburg an 21.1« Uhr), verkehrt bis zum Fahrplanwechsel (2. Oktober 1949). Die Verkehrszeit dieses Zugpaares war ursprünglich nur bis zum 15. September 1949 vorgesehen. Mit dem Tanz-ExpreS nach Uberlingen Zum Überlinger Trachtenitreffen am 4. September verkehrt ein Verwaltungssonderzug mit Tanz- wagen nach Uberlingen und zurück. Die Teilnehmer erhalten 50 Prozent Fahrpreisermäßigung. Abfahrt Freibur g Hbhf. etwa 5 Uhr, Ankunft in Uberlingen um 9 Uhr. — Abfahrt in Uberlingen um 19 Uhr und Eintreffen in Freiburg Kbhf. gegen 23 Uhr. — Nach Eintreffen in Überlingen besteht Gelegenheit zu einer Dampferrundfahrt nach folgenden Orten: Meersburg, Insel Mainau und Konstanz. Rückkunft in Uberlingen gegen 16 Uhr. Der Zug hält an folgenden Bahnhöfen: Freiburg- Wiehre, Freiburg-Littenweiler, Kirchzarten, Himmelreich, Hinterzarten, Titisee, Neustadt i. Schw., Löffingen, Hüfingen, Donaueschingen, Immendingen und Engen. Sämtliche Bahnhöfe nehmen Bestellungen auf Sonderzugskarten entgegen. Die genauen Verkehrszeichen des Zuges sind auf den Bahnhöfen durch Aushang bekanntgemacht. Vorschritten über den Pilzverkauf Immer wieder gehen durch die Presse und über den Rundfunk Mitteilungen über Pilzvergiftungen, denen einzelne Personen und zum Teil ganze Familien zum Opfer fallen, und immer wieder werden nachdrückliche Warnungen an alle Pilzsammler veröffentlicht. Das sicherste Mittel, Vergiftungen zu vermeiden, ist freilich eine genaue Kenntnis der Pilze, die in unseren Wäldern zu finden sind. Durch entsprechenden Unterricht in den Schulen sowie durch Ausstellungen und Führungen wird schon seit Jahren ein Kampf gegen Vergiftungen geführt; trotzdem aber ereignen sich immer wieder, zumeist durch sträflichen Leichtsinn, Unfälle. Aus diesem Grunde sah sich das Badische Ministerium des Innern veranlaßt, das Muster einer polizeilichen Vorschrift über den Verkauf von Pilzen herauszugeben. Diese Vorschrift soll von den Landrats- oder Bürgermeisterämtern (in den Städten von den Polizei- .direktionen) überall _ dort erlassen werden, wo ein Bedürfnis für eine solche Regelung besteht. Die wichtigsten Bestimmungen dieser Vorschrift sind folgende; Der Verkauf von Pilzen ist nur gewerbsmäßigen Händlern gestattet und darf nur auf Märkten und in offenen Ladengeschäften erfolgen. Wenn der Verkäufer nicht persönlich als pilzkundig bekannt ist, dann muß er für die von ihm angebotenen Pilze die Bescheinigung eines amtlich bestellten Pilzsachverständigen einholen. Wegen des raschen Verderbs dürfen Pilze bis höchstens 15 Stunden nach dem Pflük- ken verkauft werden. Aus diesem Grunde müssen die Bescheinigungen des Pilzsachverständigen auf diesen kurzen Zeitraum befristet sein. Zum öffentlichen Verkauf sind nur die wichti- sten der bekannten Pilzsorten zugelassen, und diese ailfch nur getrennt nach Sorten. Auch dürfen die einzelnen Früchte nur ganz verkauft werden. Man kann somit hoffen, daß diese polizeiliche Regelung bei gewissenhafter Beachtung mit dazu beitragen wird, Pilzvergiftungen in Zukunft nach Möglichkeit zu vermeiden. Die Verkäufer von giftigen — oder was viel häufiger vorkommt — von zu alten und deshalb verdorbenen Pilzen sind sich meist gar nicht der Gefahr bewußt, in die sie die Käufer bringen, und vergessen außerdem, daß solche Verfehlungen mit schweren Freiheits- und Geldstrafen belegt werden. * In letzter Zeit häufen sich die Fälle, daß Pilzsucher noch nicht abgemähte Wiesen betreten und Schaden verursachen. Da das Betreten aller entsprechenden Grundstücke vor beendeter Ernte verboten ist, haben diese Leute Strafe zu gewärtigen. England im Wahlkampf Dr. Ruth V. Schulze-Gävernitz eröffnete ihre Vortragsreihe in der Freiburger Universität mit einem fesselnden Einblick in den englischen Wahlkampf. Obwohl die beiden führenden englischen Parteien, die Arbeiterpartei und die Konservativen, außenpolitisch dieselben Ziele verfolgten, sei bereits ein Wahlkampf im Gange, dem hauptsächlich inner- politische Unterschiede zugrunde lägen. Auch dieser Wahlkampf beginne, ähnlich wie bei uns, durch Zettelankleben, Plakatierung, usw., wobei sich die beiden Parteien gegenseitig ihre Mißerfolge vorhielten und gleichzeitig die eigenen Vorzüge priesen. Nun gebe es aber in England hauptsächlich zwei Gruppen von Wählern, und zwar solche, die aus Tradition schon seit Generationen immer die gleiche Partei wählen, während die anderen die Vor- und Nachteile abwägen und dann erst der ihnen gerade zusagenden Partei Ihre Stimme geben. Dabei werden letztere aber nicht als Reaktionäre, sondern lediglich als „Langsamgänger“ betrachtet. Das Wahlsystem sei denkbar einfach. Nur die Partei werde beachtet, die im gesamten die meisten Stimmen erhalte, gleichgültig, ob die andere Partei in einzelnen Gebieten oder Kreisen die Mehrheit habe. Eine Koalition komme also nicht in Frage. Die Rednerin verglich dann die beiden größten Die Heimat ruft zum Wandern! Konferenz der deutschen Naturfreunde Parteien mit Parteien in Deutschland, wobei sie die derzeitige Regierungspartei, die Arbeiterpartei, der SPD gleichstellte und die Konservativen mit der CDU verglich. Allerdings, so führte sie weiter aus, hätten diese beiden Parteien in England keine verschiedenartige Einstellung zur Kirche, und in der Labour Party gebe es keinen sogenannten „klassischen Marxismus“. Diese Partei wurde um 1900 gegründet, aber praktisch gebe es einen englischen Sozialismus schon seit über 100 Jahren. Dies sei auch der Grund, warum England mit seinen sozialen Einrichtungen den anderen europäischen Völkern um eine gute Generation voraus sei. Dabei werde das Programm der Partei von Monat zu Monat auch wirklich erfüllt. Die beiden restlichen Parteien von Bedeutung fallen kaum ins Gewicht. Die Liberalen verkörpern heute nur noch eine „Creme der Gesellschaft“ während die Kommunisten auf Grund ihrer geringen Anhängerschaft keine Gefahr mehr bedeuten. Die derzeitige Regierungspartei mache zwar auch viele Fehler, und noch lange nicht sei das gesamte Volk mit ihren Maßnahmen einverstanden, aber trotzdem habe sie, besonders für das schaffende Volk, viel Gutes geleistet; und dies erkenne der Engländer auch an. Im übrigen stehe dieser auf dem Standpunkt, daß er keinen Kommunismus brauche, wenn es in seinem eigenen Land eine Partei gebe, die dabei sei, einen westlichen, wirklich demokratischen Sozialismus zu verwirklichen. —nz. Die Kleider werden wieder kürzer Das Haus der Ludwigshafener Naturfreunde, tief im Pfälzerwald bei Elmstein gelegen, nahm in den letzten Tagen eine große Konferenz der deutschen Naturfreunde auf. Es galt, die frühere Reichsgruppe Deutschland dieses internationalen wander- und Bergsteigerbundes nach seiner sinnlosen Zerschlagung im Jahre 1933 wieder aufzubauen. Schon äußerlich war die Tagung auch für den unbefangenen Beobachter interessant, da alle deutschen Dialekte, mit Ausnahme der aus der Ostzone, aufklangen. Das gab der Tagung schon im voraus einen ganz besonderen Reiz. Zehn westdeutsche Landesverbände waren vertreten Die Tagung stand unter der ebenso umsichtigen wie straffen Leitung des ersten Vorsitzenden der früheren Reichsgruppe Deutschland, Xaver Steinberger, Nürnberg. Von dort aus hat er bis zum Jahre 1933 die Arbeit und Leitung der deutschen Naturfreundebewegung gelenkt, wobei ihm ein ausgezeichneter Mitarbeiterstab auf allen Arbeitsgebieten des Bergsteigens und Wan- derns zur Seite stand, der nach erfolgter Wahl wieder tätig ist. Ein sehr beachtlicher Bericht über den Wiederaufbau der Naturfreundebewegung innerhalb der deutschen Ländergruppen seit 1945 wurde erstattet. Der Mitgliederstand konnte auf 75 000 emporgeführt werden. Bemerkenswert ist dabei der starke Zustrom von Jugendwanderern zu den N aturf reunden. Die Naturfreunde-Jugendgruppen entfalteten eine intensive Tätigkeit und wirkten in allen Kreis- und Landesjugendringen mit anderen Jugendverbänden zusammen Groß ist die Zahl der durchgeführten Zeltlager. Trotz der wirtschaftlichen Nöte unserer Zeit und stark überhöhter Eisenbahntarife war die Wandertätigkeit sehr gut. Nach langwierigen Auseinandersetzungen mit den Verwaltungsbehörden, die immer noch nicht endgültig abgeschlossen sind, wurden nahezu 200 der früher vorhandenen 350 Naturfreunde-Wander- und Ferienheime wieder ihren früheren Bestimmungen zugeführt, 250 000 Übernachtungen wurden gemeldet. Dabei dienen die Naturfreundehäuser allerorts als Jugendwander- Herbergen allen Jugendbünden. — Die Naturfreunde- Bewegung ist eine Kulturbewegung. Zahllos sind die Licht- und Filmvorträge gewesen, die selbst durch die kleinsten Ortsgruppen veranstaltet wurden. Auf dem Gebiet des Natur- und Heimatschutzes standen die Naturfreunde mit in Führung. Dieser ist nicht nur satzungsgemäße Aufgabe, sondern für alle Mitglieder eine Angelegenheit der Gesinnung. — Zur Ausbildung von Berg- und Wanderführera sowie von Skilehrera begründete der Naturfreunde- Bund eine alpine Schule auf dem Kreuzjoch-Haus bei Garmisch-Partenkirchen. Auch innerhalb der Landesverbände wurde an der Schulung von Hei- mat-Wanderführern erfolgreich gearbeitet. Für die Zukunft wird eine große Reiseorganisation den Schaffenden einen Urlaubsaufenthalt in den Mittelund Hochgebirgen und an der See ermöglichen. Die deutschen Naturfreunde haben sich neben den Mitteilungsblättern der Landesverbände nunmehr auch eine Bundeszeitschrift zugelegt. Sie trägt den Titel „Wandern und Bergsteigen“ und behandelt die deutschen Wandergebiete vom Fels bis zum Meer. Der Verband unterhält auch eine Unterstützungs- Einrichtung, die bei Berg-, Ski- und Wanderunfällen wertvolle Hilfe geleistet hat. — Es wurde beschlossen, die einzelnen deutschen Landesverbände zu einer Landesgruppe zusammenzufassen, die eine starke Einheit im Rahmen der internationalen Naturfreunde-Bewegung darstellen wird. Starken Beifall fand die Ansprache, die der Bundespräsident der österreichischen Naturfreunde, Wlnterer, an die Versammelten richtete. Die Tagung stand in Inhalt und Durchführung auf beachtlicher Höhe und gibt die Gewähr, daß die Naturfreunde-Bewegung mit frischen Kräften an die Erfüllung ihrer Aufgaben, die im Interesse aller Werktätigen liegen, herangeben wird. “Die Frau vom Morgen bis Mitternacht" war das Leitwort der großen Herbstmodeschau, die an zwei Nachmittagen und zwei Abenden im Casino-Sommergarten durchgeführt wurde. Von den mannigfachen Kleidern der verschiedensten Machart für den Vor- und Nachmittag, für Wanderungen und für Geselligkeit fielen ein sandfarbenes Wollkleid und ein grünes Sportkleid mit Plissee durch ihre aparte Linie auf. Man stellte fest, daß die neue Mode große Kragen an Kleidern und Mänteln bevorzugt, daß der Fledermausmantel mit besonderer Vorliebe getragen und das Plissee wieder dem sehr weiten Rock vorgezogen wird. Im übrigen werden Kleider wieder etwas kürzer als im Vorjahre getragen. Außerordentlichen Beifall fanden unter den verschiedenartigen Mänteln in Flausch, Kamelhaar und Pelz ein schmucker Flauschhänger und ein entzückender Trachtenmantel, und unter den Nachmittags- und Abendkleidern fiel ein türkisblaues Nachmittagskleid und ein Abendrock aus Moiree mit einer reizenden Bluse auf. Selbstverständlich wurden zu allen Kleidern und Mänteln die passenden Hüte, meist in Braun, Schwarz und Hellgrün, sowie gleichfarbige Schuhe, Taschen und Handschuhe getragen. Unter der launigen Ansage Willi Ar- 1 o w s wurde so im Laufe von zwei Stunden der erfreuliche Beweis geführt daß auch die deutsche Mode sich sehen lassen kann und sich durch Eleganz und gutes Geschmack auszeichnet. Das Casino- Orchester begleitete die Vorführungen mit dezenter Musik. Mit dem Spezialhaus für Damenmäntel Eugen K r o n i m u s war eine Anzahl namhafter Freiburger Firmen an der interessanten Schau beteiligt, deren Leitung Tedd Bergrath, Köln, hatte. — Für künftige Vorführungen dieser Art wäre die Anbringung eines erhöhten Laufstegs empfehlenswert, damit auch die Zuschauer in den letzten Reihen alles, wofür man sie gewinnen möchte (vom Scheitel bis zur Sohle), zu sehen bekommen. — rt— Hochbetrieb im Schwarzwald Der Schwarzwald ist in diesem Jahre, wie der Geschäftsführer des Badischen Fremdenverkehrsverbandes, Dr. Boos, mitteilte, das bestbesuchte Reiseziel für Urlauber in Deutschland. Seit Mitte Juli sind die Kurorte des Schwarzwaldes restlos belegt. Unter den Gästen befinden sich auch zahlreiche Ausländer, in erster Linie Amerikaner und Engländer. Die Einführung der Urlaubskarte, verstärkter Autobusverkehr nach allen Teilen des Schwarzwaldes und friedensmäßige Verpflegung haben wesentlich zu dem ungewöhnlich starken Besuch des Schwarzwaldes beigetragen. Nachdem Ende vorigen Jahres eine größere Anzahl Hotels von der Besatzung freigegeben worden ist, hat der Hochschwarzwald mit rund 20 000 Betten wieder über 60 Prozent seiner Friedenskapazität gewonnen. Ein besonderer Anziehungspunkt waren zweifellos auch die niedrigen Pensionspreise. 700 von den 865 verfügbaren Hotels und Gaststätten verlangen 5 bis 8 DM pro Tag, nur 165 mehr als 8 DM täglich. Unter den Kurbädern steht Badenweiler weit an der Spitze, während in Baden-Baden erst nach umfangreichen Erneuerungen wieder ein Kurbetrieb größeren Stils möglich sein wird. Badenweiler verzeichnet eine laufende hundertprozentige Belegung der 1250 Betteh. Unter den Gästen befinden sich fast 100 Ausländer, hauptsächlich Schweizer und Franzosen. — Die Saison im Hochschwarzwald wird sich noch bis Anfang Oktober erstrecken. Unterdessen werden schon Vorbereitungen für den Winter getroffen. In Altglashütten, Neustadt und am Feldberg entstehen neue große Sprungschanzen. 50 Jahre Männergesangverein „Frohsinn", Littenweiler Die aus Anlaß des 50 jährigen Bestehens des Männergesangvereins „Frohsinn“, Littenweiler, geplanten Festveranstaltungen werden am Samstag, 14. September. 20 Uhr, im Saale des Vinzentiushauses in Littenweiler durch ein Festkonzert, bei dem zwei Sopran- und Altsolistimmen sowie zwei Waldhornsolisten mitwirken, eingeleitet. Am Sonntag, 8.30 Uhr, folgt eine Totenehrung auf dem Friedhof in Littenweiler und um 11 Uhr ein Festbankett im „Römerhof“ mit Ehrungen verdienter Sänger durch den Bundesvorstand des Breisgauer Sängerbundes. Bei der Jubelfeier um 15 Uhr werden neben dem gast- gebenden Verein der Volkschor Freiburg und die Männergesangvereine Nägelesee, Herdern, Ebnet, Kappel und „Frohsinn“ Kirchzarten mitwirken. Ferner beteiligt sich der Musikverein Littenweiler an den im Garten stattfindenden Darbietungen. Städtische Bühnen Für September stehen auf dem Spielplan der Kammerspiele : Goethes „Vorspiel auf dem Theater“ in Verbindung mit der Erstaufführung einer Bearbeitung des Romans „Die Brücke“ von Sam Louis Rey von Thomton Wilder (9. September); Les- sings „Minna von Barnhelm“ (10. September); „Die Verschwörung“ von Walter Erich Schäfer (22. September) und eine Neuinszenierung der Goetheseben Jugendwerke „Die Geschwister“ und „Die Mitschuldigen“ (29. September); auf dem Spielplan des Casinos: „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauß (11. September), Verdis „Rigoietto" (15. September) und Emmerich Kalmans „Gräfin Mariza“ (16. Sept.). Am Donnerstag, 1. September, 20 Uhr, findet im Paulussaal das bereits angekündigte Sinfoniekonzert des Städtischen Orchesters statt, in dessen Rahmen Oberbürgermeister Dr. Hoffmann das D-dur-Klavierkonzert von Haydn spielen wird. Das erste der vorgesehenen Gastspiele bedeutender Schauspielerinnen und Schauspieler bringt am 13. September in den Kammerspielen Stefan Zweigs „Legende eines Lebens“ mit Franziska Kinz und Hermine Körner in den Hauptrollen. Weiter spielen Inge Bumba, Gertrud Steinke, Hermann Frieß, Harry Hertzsch, Gerd Martienzen und Hermann Menschcä mit. Tiengen. Als älteste Einwohnerin des Ortes feiert« Frau L. G i m b e 1 ihren 80. Geburtstag. — Das öhmd fällt in diesem Jahre schlecht aus; die Drescharbeiten sind in vollem Gange. — Der Musikverein umrahmte ein Gartenfest in Wasser. Spar- und Kreditbank Biringen In der Generalversammlung der spar- und Kreditbank Ihringen berichtete Geschäftsführer Willhauck über die Reichsmark-Schlußbilanz, die 10 Millionen überschritten hatte. Da dem Geldinstitut jederzeit volles Vertrauen entgegengebracht worden sei, habe die Spar- und Kreditbank bereits ein Jahr nach der Währungsreform wieder zu den größten Geldinstituten der landwirtschaftlichen Genossenschaften gezählt und den Anforderungen ihrer Mitglieder Rechnung tragen können. Anschließend wurde der Beitritt der Spar- und Kreditbank zu der in der Gründung begriffenen Siedlungsgemeinschaft zur Förderung des Wohnungsbaues genehmigt und der Bau einer Mühle erörtert. Ausschreibung Die Lieferung von insgesamt 12 000 Tonnen Rheinbausteinen, K'asse II b, in der Zeit vom I. Oktober bis 31. Dezember 1949 für die Rheinregulierung Straßburg/Kehl—Istein wird öffentlich ausgeschrieben. Angebotsunterlagen sind gegen Erstattung von DM 1 — bei den Wasserstraßenämtem Freiburg i. Br„ Turennes+raße 2, und Offenburg, Blumenstraße 3, erhältlich. Eröffnungstermin am 26. September 1949. Wasserstraßenamt Freiburg i. Br Öffentliche Erinnerung Zur Vermeidung kostenpflichtiger Einziehung sind zu zahlen: Am 7. September 1949: 1. Lohnsteuer für August einschließlich Kirchenlohnsteuer (8 Prozent der Lohnsteuer) und Notopfer „Beriin-Kehj“ unter Abgabe der Anmeldung. Am 10. September 1949: 2. Umsatzsteuer für August nach Maßgabe der gleichzeitig abzugebenden Voranmeldung. 8. Beförderungssteuer für den Personen- und Reisegepäckverkehr. Am 10. September 1949: 4 Börsenumsatzsteuer für August unter Abgabe der Anmeldung. Am 20. September 1949: 5. Befördert.ngssteuer für den Güterfernverkehr. Zu den in den Steuerbescheiden bczeichneten Fälligkeitsterminen: 6. Abschlußzahlungen auf die Einkommen-, Körperschafts-. Gewerbe- und Umsatzsteuer 1947. 7. Beiträge zur landw. Unfallversicherung: Höhe der Zahlung und Fälligkeit des Beitrages nach Angabe im Forderungszettel. Bei nicht rechtzeitiger Zahlung ist ein Säumniszuschlag von 5 Prozent des Rückstandes verwirkt. Die Finanzämter: Freiburg. Emmendingen, Lahr, Lörrach, Müilhelm, Neustadt, Schopfheim und Wolfach. Bach-Abschlag Der diesjährige Abschlag des Kronen-Mühienba oft es findet vom Samstag, io Sept., 13 Uhr, bis Samstag, 17. Sept. 1949, 13 Uhr, statt. Die Beteiligten werden ersucht, alle vorzunehmen- dsn Arbeiten rechtzeitig dem Tiefbauamt anzumelden. Städtisches Tiefbauamt Freiburg L Br, Donneratefr & D qMu^» Ü04B Nummer 103 — Seite 7 WmWoß 700 Mr-Kill ttr Statt Kmingen „Das Volk"/ Sonderbeilage Ixiukt das tyuU IUwzU*$ec UUsckshbiu! Heb. Mayer-Seramin Nacbf. Lebensmittel- und Sortimentsgroßhandlung Kaffee- und Teeimport Moderne Großrösterei KENZIN6EN (Breisgau) BIDEN Telefon 1133 Gebrüder ENGLER Kenzingen Telefon 1231 Zimmergeschäft Hoch- und BrUckonbau Spezialität: Treppenbau Sägewerk Bauholz nach Liste Nadel-, Buchen- und Eichen-Schnittware Dreschbetrieb Bäckerei Konditorei C a f 6 FRANK -BILHARZ Der Name bürgt für Qualität I Gastwirtschaft zum Kranz Besitzer: FRANZ SCHEIDEL Geräumige Lokalitäten Schattiger Garten Gute Küche, gepflegte Weine ff. Kronenbräu, hell und dunkel Bekannt für gute Backwaren Caffe und Konditorei Heizmann Eisenbahnstraße 110 Gematllche Feierstunden mit Lii«r-Fla«che Burrweiler Weißwein ...... 2.50 Elsässer Edelzwicker.2.70 Üdilofi Itütkelheimer.3.20 Liebfraumildi.3.80 Diirkheimer Feuerberg (rot) . . . 4.00 einet guten Tim Bohnenkaffee. 100 g 2.40 Sdiwarztee.. 50 g -.05 Cher ry-Brandy-Likör Danziger Goldwasser kakao mit \uß Mokka-Likör. 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September werden sodann die Internationalen Musiktage der Stadt Kenzingen stattfinden mit einem neuartigen, von E. L. Wittmer gestalteten künstlerischen Programm. Neben Musikvorträgen von Mark Roland (München), Dr. Willi Reich (Basel), Dr. Julius Bahle (Gaienhofen) und Professor Hugo Herrmann werden jeweils nachmittags im stilvollen Saal des Rathauses Kammerkonzerte zu hören sein. Die Abende sind den großen Konzertveranstaltungen in der Festhalle Vorbehalten. Von den Mitwirkenden seien insbesondere genannt: Das Oskar-Schmidt- Quartett, Lotte Scheib, Willi Gastrock, Professor Josef Scheib, das Südwestfunk- Orchester Studio Freiburg unter Leitung von Franz Hauck, Rudolf Arco (Meistertänzer vom Deutschen Opernhaus in Berlin) mit seiner Partnerin Ruth Peter, das Orchester des Hauses Hohner mit Rudolf Würthner und Professor Weiß. Schließlich wird der frohe Ausklang der Festwoche im Zeichen der Anhänglichkeit an altes, heimatliches Brauchtum stehen: Am Sonntag, dem 11. September 1949, wird Kenzingen Stätte der diesjährigen Zunftmeistertagung der badischen Narrenzunft sein. Musik und Tanz soll an diesem Tage Bürger und Gäste erfreuen.. Inmitten des traulichen, festlich und farbenfroh geschmückten Marktplatzes wird aus dem alten Üsenberger Brunnen goldener Wein in silbern leuchtenden Bechern aufgefangen werden. Für die auswärtigen Gäste des Festes besteht Zug- und Omnibus-Verbindung nach näherer Maßgabe des öffentlichen Plakatanschlags. Bestellungen von Eintrittskarten (Preise von DM 1.— bis 3.—) und Festbuch beim Bürgermeisteramt Kenzingen, Telefon 1102. KARL FALGER vormals HERMANN OCHSNER Nachfolger, P. MANDEL Baumaterialien u. Kohlen Kenzingen im Breisgau / Telefon Nr. 1207 Sämtl. Erzeugnisse der Zement-, Gips-, Kalk-, Ton-, Bims- und reerlnduatria Gründungsjahr 1890 XltsstsiFachgeschäftKenzingen« KARL RIST Höhen- und Gesellschaftsfahrten mit mocL Omnibus Lastwagenbetrfeb - TAXI Kenzingen > Hauptstraße 237 - Telefon 1227 Heu eröffnet! Bäckerei - Konditorei - Caf t Ritter Jahre FRANZ SCHLENKER Das Haus für gute Textilwaren Telefon 1257 Bezirkssparhasse Kenzingen GEGRONDET "854 D . Seit bald 200 Jahren des Geld Institn« Mir alle BerefsstS Pünktliche und zuverlässige Erledigung aller Geldgeschäfte Badenia Inhaber: KARL HERRMANN Möbelfabrik KENZINGEN Klein - und Einzelmöbel Eigene keramische Werkstätten Gustav Steiger •uckorackerei Buch-, Papier- und Schreibwarenhandlung Kamimgan Hauptsttaßa 194 FEIER GIRIER - Kenzingen Hauptstraße 164/65 - Telefon 1108 LafeMsaittilhinJlMi Mihtlfachgescbäfi gaganübar dam Rathau« Preiswerte, gute Qualitäten Durch Leistung bekannt in Stadt und Land *»•««* 1 »et» Kleiderstoffe - Aussteuerwaren Fertigkleidung Dienst am Kunden Franz Schwörer Inh.: E.WiOier KENZINGEN Das Fachgeschäft für Lebensmittel und Feinkost Saite 8 — Nummer 108 7&asEotö Doc»M>stag, 1. September 1949 Jjis) Nach einem Leben voll Mühe und Arbeit entschlief nach schwerer Krankheit mein lieber Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater und Bruder Adolf Ruh Friseurmeister im Alter von 72 Jahren. Freiburg i.Br., den 30.August 1949 Basier Straße 16 In tiefer Trauer: Frau Frieda Ruh geh. Strub Familie Joseph Ruh, Friseurmeister Familie Erwin Ruh, Friseurmeister Familie Hans Baumeister, Kaufmann Familie Hugo Ruh, Kaufmann und Anverwandte. Beerdigung Freitag, den 2. September, 14 Uhr. Erstes Opfer Samstag, den 3. September, 7 Uhr, in St. Johann. Gesdiältseröffnung Am L September 1949 Brot- und Feinbäckerei Atlred JAEGER Kartäuserstraße 64 Empfehle meine gute Backware Bekanntmachung Laut Verordnung der französSfchen Militärregierung Nr. 227 (verkündet im „Journal Offi- ciel“ vom 16.8.1949) sind die Ersatzkassen in der französischen Zone wieder zugelassen. Barmer Ersatzkasse Körperschaft des öffentlichen Rechts, Bezirksverwaltung Freiburg 1. Br., Schwimmbadstraße 1 Verloren Am 26. August 1949, zwischen 26.30 und 21.30 Uhr, Geldtasche mit Inhalt von Bierfahrer auf dem Weg von Waltershofen über Umkirch, Hugstetten nach Freiburg. Abzugeben gegen Belohnung von DM 300.— bei Brauerei Feierling, Freiburg Bahnhof •Restaurant Gasthaus zum Löwen KENZINGEN neu instandgesetzt Wiedereröffnung Donnerstag, 1. September t949 K. WAGENMANN Witwe Verbilligte Autofahrt der Zeitung %a$!ßo(k Mittwoch, den 7. September Bodensee-Fahrt Freiburg — Höllen tal — Donauescblngen — Radolfzell — Konstanz, mit Fähre nach Meersburg (Konstanz und Meersburg längerer Aufenthalt), Rückfahrt über Uberlingen (Pause), Stockach. Abfahrt 7.30 Uhr. Talstraße 10; Rückkehr etwa 22 Uhr. Fahrpreis DM 15.— Kartenverkauf ab sofort ln unserer H auptgeschiftsstelle Kalser-Joseph-Straße 229, und Autovermietung Rauchfuß. Talstraße 10 . Sichern Sie sich rechtzeitig Ihre Fahrkarte, da die Nachfrage groß ist. Weitere Fahrten werden rechtzeitig bekanntgegeben. 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Neue Spielzeiten: 14.15 und 16.30 Uhr — Sonntag: 10, 12 und 14 Uhr — Montag, Dienstag und Mittwoch: 14.15, 16.30, 18.45 und 21 Uhr f/armonie f l LICHTSPIELE Ab Freitag, 2. September 1949: Eia neuer deutscher Filmerfelgt Willy Fritsch — Hell Finkenzeller Käte Pontow, Erika v. Thellmann, Dorlt Kreysler in 12 Herzen fiir Charly Eine spritzige, musikalische Komödie, deren Merkmale Liebe, Lachen, Humor und Tanz sind. — Jugendfrei Täglich: 14.15, 16.30, 18.45 und 21 Uhr Sonntag auch vormittags 10 Uhr Vorverkauf täglich von 10—12 Uhr (Freikarten Samstag und Sonntag ungültig) Ab Freitag, 2. Sept., bis Donnerstag, 8. Sept. 1949: Katharine Hepburn ln einem großartigen Liebesroman des Filmes — Die Musik dreier der größten Komponisten der Welt — Eine Rollenbesetzung, in de r nur „Stars“ der Film- weit mitwirken Clara Schumanns grofle Liebe Katharine Hepburn, Paul Henreid, Robert Walker u. a. m. Neueste Wochenschau — Jugendfrei! Anfangszeiten: Montag: 14, 16.15, 18.15 und 21 Uhr Dienstag u. Mittwoch: 14, 16.15 u. 18.15 Uhr Donnerstag und Samstag: nur 14 Uhr Sonntag: nur 10 Uhr vormittags Ab Freitag, 2. Sept., bis Donnerstag, 8. Sept. 1949: Ein FHm aus der Welt der Manege — Gefahrvolle Arbeit am Trapez Zirkus Bamey Herbert Lom, Phylli« Dixey, Ronald Frankau Der ewige Zauber der Manege schwingt durch diesen aufwühlenden Film um Liebe und Leidenschaft eines Artisten-Zwillings- brüderpaares Neueste Wochenschau — Jugendfrei! Anfangszeiten: Täglich 14.15, 16.30, 18.45 u. 21 Uhr m «otMcein gaoAeo, soeben iectiggestettten V arha u b reum toräBer als an alten Fiats) Damit haben wir Kr jede modisch interessierte Fra« eine Einkaufs»tä«a geschaffen, welche der Größe und dem Anfang u n s o s o g Heuser und dem Namen als größtem SpeaM- haus ffir Decaenbeideidung in Sädbeden entspricht. lock: wotu ■mm 9jB0 EN EN 12.50 14.50 bjjjI c Mmüb. N. MOV M-- F9- Utah umL ««i ftgBdi ven 8-UP W* Wiedereröffnung HtiuimmimmiiwitiifUiiiitiiiiiiiHiiiiiiiiiiimiiiiiiimmHiu Samstag, den 3. September 1949, 9 Uhr sntmtn - das bekannte Freibur ger Fachgeschäft Seit 1887 jetzt: Schusterstraße 50 nahe dem alten Platz Dr. med. NITSCHKE Fach arzt für Augenkrankheiten Freiburg, Tivolistr. 15 von der Reise igrfiek Zahnbürsten von DM —J0 an Zahnpasta von DM —J6 an Große Auswahl ln deutschen Qualitätsfabrikaten bei BECK Badenia - Dregerle in der Unhrarsitätsttr. 6, bei« Rittern Metzgerei Oskar Engler früher: Kiosk bei der Lessingschule jetzt: Hünsterplats am Münster-Hauptportal Franz Grüble Freiburg, Konviktstr. 12 Spezialist für Renn- nnd Sporträder Sämtl. Zubehör f. Fahrräder Mdbelhalle v«r*inigt»r SchrBinanneistBr Ff«iburg, Schw»b#ntorpl«ti 5 Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küchen, Einzelmöbel, Roste, Poistermöbel, Matratzen in allen Preislagen Besichtigung lohnt sich! Der Fachmann weiß es besser! Man sagt so leichthin: Gelernt ist gelernt! Aber da steckt doch mehr drin: Eine Summe an Erfahrungen, In Jahren praktischer Arbeit erworben! Fachwissen ist noch nie «n einem Tage erworben worden, das wird immer zu beachten sein. Rufen sie den Handwerker, den geschulten Fachmann, es lohnt bestimmt! Geschäftsübergabe Ab 1. August 1949 habe ich meine Blechnerei altershalber meinem Sohn Hans Brumm übergeben. Meine langjährige Erfahrung stelle ich dem Betrieb auch weiterhin zur Verfügung, jedoch führt mein Sohn das Geschäft als alleiniger Inhaber auf eigene Rechnung. JteikUe id ituMH Blechnermeister Freiburg i. Br., Konradstr. 12 Geschäftsempfehlung Da ich vom 1. August 1949 ab die maschinell gut eingerichtete Blechnerwerkstatt von meinem Vater übernommen habe, ich auch mein Bedachungsgeschäft nach dort verlege, empfehle ich mich gleichzeitig zur Ausführung aller einschl. Dachdecker- und Baublechnerarbeiten von fachmännisch gut ausgebildeten Arbeitskräften. Mit Kostenanschlägen stehe ich für alle Arbeiten unverbindlich zur Verfügung. Haus BttuHHt. Dachdecker und Blechnermeister Werkstatt: Konradstraße 12, Wohnung: BleichestraSe 13 Robert Schwaben Dachdeckergeschäft Ausführung sämtlicher Daehdeckerarbeiten Freiburg im Breisgau, Erwinstr. 5 HELMUT MÜLLER vorm. Robert Müller, Falkensteinstr. 2 Maler geschah Freiburg I. Br. — Zasiusstraße 64 Empfehle mich für Parkettbodenpflege (Spänen, Abziehen, auch Reparaturen und Neuverlegen) JOSEF ROTH Freiburg im Breitgau — Brombergatraße 7 Ausführung sämtlicher Elektroarbeiter) Elektro-Ressel Freiburg im Breisgau, Habsburgerstr. 75 Gute Bücher sind beliebte Geschenke Si. Raden in reicher Auswahl: Erzählungen, Klassiker. Romans, belehrende Rächer Buchhandlung „Das Volk“ Freiburg l Br«, K,eiaer-Jo«eph-Str. 229 Kionen-üchtspiele leningen Herda Mayen, Hans Hell, Inge Konradi in: Rendezvous ii Salzkannueriut Ein heiteres musikalisches Lustspiel aus Österreich. Freitag, Samstag, Montag 20.30, Sonntag 17.30 und 20.30 Uhr. UnionTheater Freitag, den 2. September, bis mit Montag, den 5. Sept.: Nur vier Tage! Ein Film voller Spannung und Abenteuer! Phyllls Calvert, Stewart Granger, Patricia Roc DieMadonnader 7 Monde Das dramatische Schicksal einer Frau mit dem zweiten Ich, nach einer wahren, seltsamen Begebenheit unter dem südlichen Himmel Italiens In deutscher Sprache! Jugendfrei! Tägl. 14.15, 16.30, 18.45 U. 21 Uhr Vorverkauf täglich ab 13 Uhr (Freikarten Samstag und Sonntag ungültig)