so S. Jahrgang Siazelprela 30 Pfennig PBAPISCHE HE Samstag, 22. Juli 1950 I M A T Z E I T U N G Nummer 87 Der thüringische Versorgungsminister Dr. Heinrich Gillesson (CDU) ist, wie auf dem SED-Parteitag in Berlin bekanntgegeben wurde, von seinem Posten entfernt worden. Es wird ihm vorgeworfen, daß er die Versorgung der thüringischen Bevölkerung vernachlässigt habe. Gleichfalls wurde bekanntgegeben, daß der 2. Vorsitzende der KP in Württemberg- Baden, Hermann Nuding, aus der Partei ausgeschlossen worden ist, weil er die „Möglichkeit der Entfachung eines Friedenskampfes“ geleugnet habe. Eine Strafkammer des Ost-Berliner Landgerichts verurteilte im Köpenicker Blutwoche- Prozeß 15 Angeklagte zum Tode (10 davon flüchtig) und 13 zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe (6 flüchtig). 56 andere Angeklagte (24 flüchtig) erhielten zwischen 5 und 25 Jahren Zuchthaus. 414 Heimkehrer trafen im Juni im Lager Friedland ein. 169 von ihnen kamen — ungeachtet der sowjetischen Meldung, daß die Rückführung deutscher Kriegsgefangener abgeschlossen sei — aus der Sowjetunion. Den Zeugen Jehovas („Ernste Bibelforscher“) ist in gewissen britischen Kolonien die Einreise verboten worden. Das Verbot wurde erlassen, da die Lehren der Zeugen Jehovas „sehr schädliche Auswirkungen“ auf die Kolonie haben könnten. Das französische Parlament geht am 4. August in Ferien. Wenn die Nationalversammlung die Budgetberatungen der einzelnen Ministerien bis dahin abschließen will, wird sie in jeder Woche siebzehn Sitzungen abhalten müssen. Trotz der großen Proteststreiks Leopold kommt wieder Königstreue Christlich*Soziale haben seine Rückkehr durchgesetzt Brüssel. König Leopold III. wird nach sechsjährigem Exil nach Belgien zurückkehren. Das belgische Parlament hat am Donnerstagnachmittag das Gesetz rückgängig gemacht, das dem König die Ausübung seiner königlichen Rechte verwehrte. Auf eitlem Flugplatz bei Brüssel stehen schon ein Sonderflugzeug und eine Jägereskorte bereit, um den König einzuholen. Die Entscheidung im belgischen Parlament fiel nach achttägigen Beratungen, die mehrfach durch turbulente Szenen unterbrochen wurden. Die Königsgegner hatten verzweifelt versucht, die Aufhebung des Regentschaftsgesetzes zu verhindern. Doch haben die königstreuen Christlich-Sozialen in beiden Kammern des Parlaments die absolute Mehrheit. Bevor am Donnerstag über die Aufhebung des Regentschaftsgesetzes abgestimmt wurde, hatten die Sozialisten, die Liberalen und die Kommunisten den Sitzungssaal verlassen. Für die Aufhebung des Gesetzes wurden 198 Stimmen abgegeben. Sechs Jahre hat die Königsfrage Belgien in Atem gehalten. Seit dem Amtsantritt des Regenten Charles im September 1944 führte dieses Problem immer wieder zu ernsten Krisen. Leopold wurde vor allem zum Vorwurf gemacht, daß er am 27. Mai 1940 an der Spitze der belgischen Armee vor den deutschen Truppen bedingungslos kapituliert hatte. Der Kampf um die Rechtfertigung Leopolds tobte mehrere Jahre hindurch. Eine Wendung schien einzutreten, als Leopold sich auf Grund des knappen Abstimmungsergebnisses — 57 Prozent der belgischen Bevölkerung hatten sich für ihn aus- Truman erhält Geld und Vollmachten In aller Kürze Ab 1. August wird das Bier nun endlich billiger. Es soll in Norddeutschland ein Liter 1,18 bis 1,28 DM, in Mittel- und Südwestdeutschland etwa 1 DM und in Bayern 78 bis 80 Pf. kosten. Washington. Um den Krieg in Korea siegreich beenden zu können und die westliche Welt militärisch vor dem Kommunismus zu sichern, forderte Präsident Truman in einer Sonderbotschaft vom amerikanischen Kongreß die Bewilligung von 10 Milliarden Dollar, unbeschränkte Vollmachten’ zur Einberufung Wehrdienstpflichtiger und weitere Machtbefugnisse. Truman teilte zugleich mit, daß er Verteidigungsminister Johnson ermächtigt habe, so viel Einheiten der Nationalgarde, Reserveeinheiten und Reservisten des Heeres, der Flotte und der Luftstreitkräfte einzuberufen, wie sich als notwendig erweisen sollte. Neben diesen militärischen Maßnahmen schlug der Präsident eine Teilmobilisierung der Heimatffont vor. In seiner Botschaft an den Kongreß stellte Truman fest, der Angriff auf Südkorea lasse keinen Zweifel mehr daran, daß der Weltkommunismus vorbereitet sei, zur Eroberung unabhängiger Nationen zu bewaffneter Invasion zu schreiten. Es müsse mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß in anderen Gebieten ein Angriff mit Waffengewalt erfolgen könnte. Zustimmung ln beiden Häusern Die Kongreßbotschaft des Präsidenten, die ln beiden Häusern gleichzeitig verlesen worden ist, wurde mit Emst und Zustimmung Unsere Samstagsecke: Brief an „Das Volk u Zur Frage der Reisen ln die Schweiz schreibt uns J. F. Bräutigam aus Lörrach: „Die. bekannte 5-Grenz-DM-Affäre ist wieder einmal ein Beweis dafür, wie wenig sich die Bürokratie um den gewöhnlichen Sterblichen kümmert und wie kurzsichtig sie vorgeht. Auf der einen Seite ist endlich für den Grenzübertritt ein kleiner Fortschritt erzielt worden, auf der anderen Seite wird dieser wieder illusorisch gemacht Nur ein naiver Bürokrat kann annehmen, daß man beim heutigen Kurs in der Schweiz mit 5 DM etwas anfangen kann. Der Grenzbewohner wird sich daher „arrangieren“ müssen und auch der dümmste wird früher oder später den geeigneten Weg finden. Dabei können die Beträge, die von den Grenzbewohnern für ihre persönlichen Bedürfnisse mitgenommen werden, gar keine Rolle gpielen im Vergleich zu den Summen, die im „privaten Clearing“ gehandelt werden. Wenn das Postfach 582 in Zürich oder die Financial Corporation in Schaan die Auszahlung jedes Betrages in Deutschland offeriert, so wird doch wohl in der Schweiz der Gegenwert zur Verfügung stehen. Darüber hinaus werden die bei diesem Geschäft resultierenden Spitzen wohl kaum mittels der 5-Grenz-DM reguliert werden. Die großen Finanzleute haben ihre eigenen (Fortsetzung aut Seite 2) aufgenommen. Die demokratischen Fraktionsführer kündigten an, daß sie die notwendige Gesetzgebung in zwei Wochen durchbringen wollen. Die Republikaner, die allgemein Präsident Trumans Forderungen billigen, behalten sich jedoch in allen Einzelfragen das Recht der Kontrolle vor. 1,2 Milliarden Dollar für Militärhilfsprogramm bewilligt Washington. Unmittelbar liach der Botschaft Präsident Trumans hat der Kongreß die vorgesehene Waffenhilfe an die freien Nationen in Höhe von über 1,2 Milliarden Dollar bewilligt. Die Gesetzesvorlage über das Waffenhilfsprogramm war bereits vor einiger Zeit vom Senat angenommen worden. Sie wird jetzt dem Präsidenten zur Unterzeichnung zugeleitet. Tokio. Die amerikanischen Nachhuten haben sich am Donnerstag nach heftigen Kämpfen mit zahlenmäßig weitüberlegenen nordkoreanischen Angreifern aus Taidschon zurückgezogen. Der Fall von Taidschon, das vorübergehend Sitz der südkoreanischen Regierung und des amerikanischen Hauptquartiers war, wurde seit Tagen erwartet. Vor dem Abzug der letzten amerikanischen Truppen aus dem brennenden, rauchverhangenen Taidschon kam es noch zu blutigen Straßenkämpfen in der Stadt. Den Angreifern gelang es, Taidschon bei Einbruch der Dunkelheit am Donnerstagabend endgültig in ihren Besitz zu nehmen. Den ganzen Tag über hatten sich die amerikanischen Verteidiger in den trümmerbesäten Straßen gegen Blitzvorstöße nordkoreanischer Panzer sowie gegen Heckenschützen und vereinzelte Infanteristen, die von Norden und Nordwesten eingedrungen waren, erfolgreich zur Wehr gesetzt. Erst als am Abend zwanzig nordkoreanische Panzer im Schutz der Dunkelheit von Westen her in einem massierten Angriff in die Stadt einbrachen, zogen sich die Verteidiger zurück. Die Nordkoreaner haben am Donnerstag auch die Stadt Tschonju besetzt. Tschonju liegt 65 km südwestlich von Taidschon und 25 km südostwgrts von Iri, dem Punkt des bisher weitesten nordkoreanischen Vordringens nach Süden an der Westfront. Amerikanische Aufklärungsflugzeuge meldeten, daß eine starke, in der Hauptsache aus Panzern und Artilleriefahrzeugen bestehende nordkoreanische Kolonne beim Vorrücken in südöstlicher Richtung auf Mungjung beobachtet wurde. Diese Kolonne wolle offenbar einen Keil in den mittleren Frontabschnitt treiben. Sie wurde 70 Kilometer nordostwärts von Taidschon in schnellem Vormarsch nach Südosten beobachtet In den Kämpfen um Taidschon setzten die Amerikaner zum erstenmal neue Panzergesprochen — bereit erklärte, nach seiner Rückberufung durch das Parlament die königlichen Rechte zeitweise an den Thronerben Prinz Baudoin zu übertragen. Aber auch über diesen Vorschlag konnten sich die Parteien nicht einig werden. So mußten im Juni Neuwahlen durchgeführt werden, die den Christlich-Sozialen in beiden Häusern des Parlaments die absolute Mehrheit brachten und damit die Möglichkeit gaben, den König zurückzuholen. Man rechnet mit neuen Streiks und Demonstrationen. Verteidigung wird besprochen Fontainebleau. Die Verteidigungsminister und Generalstabschefs der fünf Westunions-Pakt- mächte sind im Hauptquartier des Verteidiln letzter Minute Nachdem durch die katastrophale Wirtschaftspolitik Adenauers der Bundesregierung die Kontrolle über die Entwicklung der wichtigsten Lebensmittelpreise völlig aus der Hand geglitten ist, droht jetzt das ganze Preisgefüge auseinander zu brechen. Von überallher wird nicht nur Erhöhung der Preise für Brot, Mehl und Teigwaren, sondern ebenso für andere wichtige Lebensmittel gemeldet, wie etwa namentlich aus Konstanz die Steigerung des Schweinefleischpreises um 29 Pfennig pro Pfund. Am Freitag hat der Bezirksvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes Südbaden unter Vorsitz des Landesvorsitzenden Reibe! eine Delegation gebildet, die sich zum Staatspräsidenten begab. Von den Verhandlungen mit der südbadischen Regierung wird es ab- hängen, welche Entwicklung bei uns die Preise für Brot, Milch und Fleisch nehmen. Wie bereits früher gemeldet, ist in vielen Teilen der Bundesrepublik die Arbeitnehmerschaft entschlossen, alle gewerkschaftlichen Kampfmittel rinzusetzen, falls nicht die Lebensmittelpreise auf ein tragbares Maß zurückgeführt werden. gungsstabes der Westunion in Fontainebleau zu Besprechungen über Verteidigungsfragen zusammengetreten. In Anbetracht der kritischen internationalen Lage, die durch den Korea- Konflikt hervorgerufen wurde, glaubt man, daß diese Konferenz die wichtigste seit Unterzeichnung des Brüsseler Paktes sein wird. abwehrwaffen ein. Sieben nordkoreanisch* Panzer, die den ersten Panzerangriff auf Taidschon durchführten, wurden sämtlich abgeschossen. Neue Offensive der Nordkoreaner Nach der Einnahme von Taidschon setzen die nordkozeanischen Truppen ihre Offensive im Westabschnitt der südkoreanischen Front fort. Heftige Kämpfe toben gegenwärtig in dem schmalen Tal östlich von Taidschon. Durch die brennende Stadt marschieren nordkoreanische Verstärkungen nach Osten. Ziel der nordkoreanischen Offensive ist die Stadt Kumschon, die 80 Kilometer südöstlich Taidschons liegt und von der wichtigen Stadt Taiku nur 50 Kilometer .entfernt ist. Nach Ansicht militärischer Beobachter ergibt sich eine neue Bedrohung Taikus durch den Vorstoß der Nordkoreaner an der Westküste. Hier wurde am Donnerstag Tschon- dschu erobert, von wo aus es eine gute Verbindung nach Taiku gibt. Tschondschu ist fast so groß wie Taidschon, das vor den Kämpfen rund 240 000 Einwohner hatte, von denen allerdings die meisten geflüchtet sind. Luftverteidigung für Westeuropa London. Der britische Verteidigungsminister Emanuel Shinwell gab im Unterhaus bekannt, daß für Nordwesteuropa efh einheitliches System der Luftverteidigung aufgebaut worden ist. Es umfaßt die Luftkontrolldienste und Jägerverbände Großbritanniens, Frankreichs, Belgiens und Hollands. Alle Verbände sind mit britischen Düsenjägern und britischem Radargerät ausgerüstet. Die norwegischen und dänischen Luftstreitkräfte sind ein zusätzlicher Teil der Luftverteidigung des Gesamtgebiete. • Das USA-Handelsministerium hat alle Exporte nach der chinesischen Volksrepublik verboten. Wilhelm Keil Der Senior der württembergischen Sozialdemokratie, Wilhelm Keil, tritt am 24. Juli in das achte Jahrzehnt seines Lebens. Ludwigsburg ist seine Wahlheimat, Stuttgart sein politischer Wirkungskreis seit vielen Jahrzehnten. In Helsa bei Kassel erblickte er das Licht der Welt. Das Drechslerhandwerk erlernte er auf elterlichen Zuspruch hin in Kassel. Wanderjahre öffneten ihm die Augen über so mancherlei, was er bis dahin nichtmatte kennen lernen. Das Sozialistengesetz hatte um diese Zeit schon seine Wirkungskraft erheblich eingebüßt. Was aber nicht mehr zu ändern war, war die Tatsache, daß das Bedürfnis der Arbeiter nach besseren Arbeitsverhältnissen nicht mehr unterdrückt werden konnte. Es war nicht leicht, den schaffenden Menschen ihre Bedürfnislosigkeit zum Bewußtsein zu bringen. Es fehlte an geistig wachen und regsamen Handwerksgesellen und zu den wenigen jungen Leuten, die das Herz auf dem richtigen Fleck hatten, zählte Wilhelm Keil. Seine Wanderfahrt durch Norddeutschland und nach London endete vorerst einmal in Mannheim, Hier erlebte er den Fall des Sozialistengesetzes und von hier aus wollte er helfen, den sozialistischen Zukunftsstaat zu bauen. Dia politische Macht im Staate zu erobern, konnte gar nicht so schwer sein, wenn nur die Arbeiterklasse sich hierfür gewinnen läßt Ja, wenn?! Damit war es eben nicht getan, daß der Knecht sein Freiheitslied des Abends in der Schenke sang. Als Wilhelm Keil arbeitslos geworden war, betätigte er sich als Propagandist für den Holzarbeiterverband, verlegte vorübergehend seinen Wohnsitz nach Stuttgart, kehrte aber wieder nach Mannheim zurück, wo er, noch immer arbeitslos, Berichte für Zeitungen zu schreiben begann. Gesichert in seiner Existenz war er erst, als er in der Mannheimer Ortskrankenkasse eine Anstellung fand. Für immer Büromensch zu sein, behagte ihm ganz und gar nicht In Wählerversammlungen fühlte er sich zu Hause, an den Meinungskämpfen innerhalb der Partei nahm er lebhaftesten Anteil, Als die Württemberger im Jahre 1895 ihr* Landtagswahl ausfochten, zog Wilhelm Keil als Wahlredner durchs Schwabenland. Hier fand er sein Ehegesponst und bald danach auch eine Anstellung in der Redaktion der „Schwäbischen Tagwacht“. Von 1896 bis 1933 gehörte er diesem Redaktionsverband an. Von hier aus begann sein politischer Aufstieg, seine aktive Anteilnahme an der parlamentarischen Arbeit, erst im württembergischen Landtag und später auch im Reichstag. Er schrieb während vieler Jahre die Parlamentsberichte für seine Zeitung und nahm zu allen wichtigen politischen Vorgängen Stellung. Es war damals noch Sitte in der Parteipresse, Stellung zu beziehen, pro oder kontra, je nachdem es im Parteiinteresse gelegen war. Von der Kritik verschont blieb auch nicht die Haltung der Parteiinstanzen, so hierzu ein Anlaß gegeben war. Weil Wilhelm Keil von der Meinungsfreiheit in seiner Zeitung reichlichen Gebrauch zu machen gewohnt war, galt er lange Zeit als der radikale Führer der Partei in Württemberg, was ihm manches Lob von August Bebel eintrug. In der praktischen parlamentarischen Arbeit war Wilhelm Keil jedoch ein Realist, ein kühler Rechner, was schließlich auch in der „Schwäbischen Tagwacht“ seinen Niederschlag fand. Als er dann gar die Zustimmung der bayerischen und badischen Sozialdemokraten zu den Budgets ihrer Länder in Schrift und Wort tolerierte, war August Bebel höchst unzufrieden. Die „Schwäbische Tagwacht“ galt Bebel als eines der angesehensten Parteiorgane, die nun aber auch linienuntreu wurde. Jetzt wurde Keil nicht mehr als Radikalist, sondern als Revisionist verschrien; selbst seine Kollegen in der Redaktion machten sich an diesem Kesseltreiben schuldig. „Was soll denn das Geschwätz über Radikalismus und Revisionismus“, sagt« Keil seinen Antipoden, „wer für das Wohl der Partei einstehen will, hat sich als einfacher Sozialdemokrat zu fühlen und sich als solcher zu bewähren.“ Siebenunddreißig Jahre steht jetzt der Jubilar aktiv in der württembergischen Politik, ebensolange ist er Mitglied des Landtages. Nach dem ersten Weltkrieg war er zwei Jahre Minister für Ernährung und Arbeit in Württemberg. Es war ein Schwabenstreich, als im Jahre 1923 die Partei aus der Regierungskoalition ausschied. Arbeitslos war Wilhelm Keil hierdurch nicht geworden. Er gehörte ja schon seit dem Jahre 1910 dem Reichstag als Mitglied an, dem er sich nunmehr mit voller Kraft zur Verfügung stellte. Im Budgetausschuß des Reichstages erwarb er sich die Sporen. Durch eisernen Fleiß erwarb er sich große Sachkenntnis in alle» budgetrechtlichen Fragen, in Zoll- und Steuer«! Sachen. Die bösen zwölf Jahre von 1933 bis 1945 verlebte Wilhelm Keil in Ludwigsburg in verständlicher Zurückgezogenheit, aber nicht ohne Fühlungnahme mit seinen alten Freunden. Als di« Franzosen im Jahre 1945 in Ludwigsburg rückten, war er schnell wieder aktiv tätig, galt es doch, die Stadt vor allzugroßem Unheil za bewahren. Und seit jener Zeit fährt er tagtag- Taidfchon gefallen Seit« 2 r— Nummer 87 BasBofi Samstag, 22. Juli 1950 lidi ■wieder nach Stuttgart „hinein“. Jetzt allerdings nickt mehr „zur Redaktion“, sondern zum Gebäude der Landesboten, um letztere zu lehren, wie man auf dem Parlamentsparkett zu laufen hat, ohne zu Fall zu kommen. „Achtzig Jahr währet nun das Leben des Jubilars, und da es Mühe und Arbeit gewesen“, möge es neck recht viele Jahre währen, damit auch die Geruhsamkeit noch den Lebensabend verschönern kann. Daß Wilhelm Keils Leben köstlich gewesen, trotz so mancherlei Sturmund Drangperioden, das läßt sich erkennen, wenn man ihm Aug in Aug gegenübersteht und man mit ihm ins Plaudern kommt Ihm von der badischen Südwestecke her zu seinem Wiegenfest aufrichtige und kameradschaftliche Glückwünsche zukommen zu lassen, ihm, dem Menschen und dem Parteigenossen, wollten wir nicht versäumt haben. AdamRemmele In diesen Tagen sagte eine Reihe von Fraktionsfreunden des Bundeswirtschaftsministers Prof. Erhard, als der sozialdemokratische Antrag auf Abberufung des Ministers einging: „Recht geschieht ihm.“ Odd Nansen, der Sohn von Frithjof Nansen, auf einem Tee-Emofang der bayrischen Staatsregierung, man könne nicht mehr von einem Flüchtlingsproblem sprechen, sondern von einer Völkerwanderung. Die ganze westliche Welt müsse aufgerufen werden, diese Probleme zu lösen. Es gehe heute nicht mehr um die Schuld, sondern um die Zukunft. der CSU- Abgeordnete Dr. Hör. lach er zur Biersteuer: „Seit den Germanen ist der Durst eine gesamtdeutsche Angelegenheit. Bier ist nicht nur Nahrungsmittel, sondern auch Gehirnbelebung.“ der neue amerikanisch« Landeskommissar für Bayern, Dr. George Shuster, auf seiner ersten Pressekonferenz in München: „In einem künftigen Krieg verläuft die vordere Linie nickt durch Europa, sondern durch Neuyork. Es wird gefährlicher sein, in der Fifth Avenue, als in München zu wohnen.“ Comenico Lioi, ein Bauer aus Catanzaro in Italien, als jetzt seine Frau zum zweiten Male Vierlinge zur Welt gebracht hatte: „Nie wieder.“ Am Tage des Adenauer-Brotes in Bonn. Die in unserer Dienstag-Ausgabe wiedergegebene Begründung des SPD-Antrages war von dem Abgeordneten Kriedemann (nicht Heinemann). Brief an »Das Volk“ (Schluß von Seite 1) .Wege und werden von Kleinigkeiten nickt berührt. Auch ohne den Segen der Behörden wird sich also jeder sowieso einriehten, wie er eben kann und das wäre weiter nickt tragisch zu nehmen. Viel schlimmer ist aber, daß die Behörden durch ihre Kleinlichkeit und Weltfremdheit eine Atmosphäre der Heuchelei s ch affen. Man hatte eigentlich gehofft, daß nach dem Hinscheiden des „Dritten Reiches“ diese dumpfe Luft endgültig überwunden sei. Aber auch heute noch wie vorher zwingen die Behörden den Grenzüberschreitenden, wenn er leben will, gegen die Anordnungen zu verstoßen. Das ist des neuen deutschen Staates unwürdig. Der Staat sollte seine Anordnungen so treffen, daß jeder Bürger die Möglichkeit hat, diese einzuhalten ohne zu krepieren. Dann fühlt sich der Bürger frei, beobachtet die Gesetze aus eigener Verantwortung und der Staat spart Kontroll- personaL Die jetzige Wirtschaft, wo einmal 5 DM, dann 4 DM, dann 9 DM, dann wieder 5 DM erlaubt sind, erinnert an kleine Kinder, die sich mit Steinchen-Spiel im Sand die Zeit vertreiben.“ Im Hintergrund Großindultrie und Kapital Die politischen Enthüllungen des dritten Erzbergerprozesses Offenbar g. Dm Offenburger Schwurgericht verurteilte den der Ermordung des ehemaligen Rei chsfln a nrminis ters Matthias Erzberger angeklagten Heinrich Schulz aus Saalfeld zu zwölf Jahren Zuchthaus wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit in Tateinheit mit Totschlag. Zwei Jahre gelten durch die Untersuchungshaft und die Anrechnung der bisherigen Internierungshaft als verbüßt. Dem Antrag des Staatsanwalts auf Aberkennung bürgerlicher Ehrenrechte entsprach das Gericht nicht, da Schulz im wesentlichen mißbraucht worden sei Der Gerichtsvorsitzende, Landgerichtspräsident Dr. Pfeifer, erklärte in der Urteilsbegründung, daß bei diesem Prozeß die Frage der sogenannten Generalprävention — der Absehrek- kung anderer — besonders stark ins Gewicht falle. Das Urteil müsse zeigen, daß die Gerichte nicht gewillt sind, derartige Fälle als Bagatelle zu betrachten und Milde walten zu lassen, wie das in der Weimarer Zeit mehrfach zum Schaden der Demokratie geschehen sei. Bei einem Vergleich mit dem Strafmaß für den zweiten Erzberger-Mörder Tillessen, der zweifellos der aktivere und klügere Täter gewesen sei, habe das Gericht eine Zuchthausstrafe von zwölf Jahren für angebracht gehalten. Im Gegensatz zur Auffassung des Staatsanwalts habe sich das Gericht nicht in der Lage gesehen, den Tatbestand der niederen Gesinnung und der Heimtücke anzunehmen. Es konnte somit nicht auf Mord, sondern nur auf vorsätzliche Tötung erkennen. Die Verteidigung gab dem Gericht davon Kenntnis, daß Schulz das Urteil annehme. Schulz habe den Tag des Urteils förmlich herbeigesehnt, um wenigstens äußerlich einen Abschluß des Falles zu erleben. Aus diesem Grunde habe er auch auf Rechtsmittel verzichtet. Ein Gnadengesuch werde voraussichtlich eingereicht werden. habe sich ferner damit gebrüstet, daß er die 100 000 Mark Abfindung von der jüdischen Haid & Neu AG. seinerzeit der NSDAP gestiftet habe. Allerdings sei Wagener, der übrigens 1948 als Kriegsverbrecher in Rom verurteilt wurde, ein großer Angeber gewesen. Schulz sagte hierzu, er habe keinen Dr. Wagener gekannt; aber daß großindustrielle und hochkäpitalistische Kreise hinter der OC. standen, sei zweifellos: Ehrhardt habe stets über „immense Gelder, insbesondere große Dollarbeträge verfügt“. Aus den Aussagen ging ferner hervor, daß engste Verbindungen der Mörderorganisation zu den Polizeipräsidenten von München, Salzburg und Budapest bestanden: alle haben für das Entkommen, für Unterkommen und Sicherheit der beiden Mörder gesorgt und sie vor dem wiederholt möglichen Zugriff der deutschen Kriminalpolizei bewahrt. Schließlich war auch die Feststellung interessant, daß Ehrhardt die beiden und andere OC-Leute bei dem Führer der Bayrischen Volkspartei Dr. Heim als Leibwache, getarnt als kaufmännische Angestellte, untergebracht hat Wenn der Hitlerputseh geglückt wäre! Die Aktivilten des „Germanenordens* Nack den Feststellungen der beiden Tillessen- Prozesse in Freiburg und Konstanz waren in der Sache selbst keine sonderlichen Überraschungen zu erwarten. Eine Art Sensation war allerdings die Rede des Verteidigers, des Rechtsanwalts Dr. Jockei, Lampertheim. Er brachte es fertig, neben seltsamen Exkursen über Demokratie den glatten politischen Mord an Erzberger in einen Totschlag umzukonstruieren. Das war freilich dem Staatsanwalt Dr. Nägele etwas zu viel an juristischer Kühnheit: er gab ihm eine so deutliche Antwort, daß wiederum der Vorsitzende, Landgerichtspräsident Dr. Pfeifer, sich zu einer höchst überflüssigen Art Rüge veranlaßt sah. Den Angeklagten Heinrich Schulz konnte man, als er verschlossen und unbewegt auf der Bank saß, für einen älteren kleinen Angestellten halten. Er war ja auch nach seiner beruflichen Herkunft nichts anderes. Glattrasiert, mit Glatze, behäbig und gut genährt, mit etwas stechenden Augen freilich, so saß er da, ein kleiner Mann, der wegen irgend einer Bagatellsache mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war, hätte man vermuten können: schwer Vorzustellen, daß dieser Angeklagte vor 30 Jahren ein politischer Fanatiker gewesen sein soll. Irgendwie glaubte man es ihm, wenn er sagte: er sei „gewohnt gewesen, als Soldat“ — „Soldatt" sagte er, gar nicht sehr sächsisch wie sonst — Befehle auszuführen. Nun, daß es gegen einen Mann in Zivil , ging, bereitete ihm einige Hemmungen. Das war eine psychologisch ungemein aufschlußreiche Bemerkung, über die man Nachdenken sollte. Die gleichgeschaltenen Organisationen Die Bedeutung des Prozesses lag, wie wiy schon bei unserer Vorschau angedeutet haben, in der möglichen Aufdeckung der Hintergründe des Mordes von Griesbach. Und das war auch der Fall. Durch diesen Prozeß wurde, was zwar dem historisch Kundigen nicht zweifelhaft war, was aber jetzt dokumentarisch geworden ist, vor allem deutlich, daß es ln jenen Jahren eine Reihe von sehr eng auch im Personalen verfilzten antidemokratischen und terroristischen Organisationen gab, an deren Spitze als Führer der noch in Österreich im Sowjetsektor lebende Korvettenkapitän Ehrhardt stand. Aus der Freikorps-Brigade Ehrhardt von 1919, der meist frühere Marine angehörte, mit ihrer nur aus ehemaligen Offizieren zusammengesetzten „Sturmkompanie“, Schulz und Tillessen, die Erzberger-Mörder, gehörten auch dazu, wurde nach Auflösung der Brigade als öffentliche politische Organisation zunächst der „Völkische Schutz- und Trutzbund“ gegründet. Neben ihm stand der sich vor allem an die Jugend wendende „Wiking- Bund“. Dahinter aber befand sich als geheime Elite die „Organisation Consul“, kurz OC. genannt, nach außen in ihrem Funktionärkreis — mit 1000 und mehr Mark Monatsgehalt — wirtschaftlich getarnt als „Bayrische Holzverwertungsgesellschaft“, mit ihrer Aktivistengruppe, ihrer Feme-Organisation: dem „Ger- manen-Orden“. Bei dieser zum politischen Mord präparierten Organisation von hundertprozentigen Leuten, auf die man sich verlassen konnte“, wie einmal im Prozeß gesagt wurde, spiegelte sich genau das wider, was in den Köpfen dieser Leute unter Freimaurerei oder dem jüdischen Bnai-Brith-Orden oder dem Jesuiten-Orden verstanden wurde: nämlich eine politische Verschwörergilde mit striktem Gehorsam, unbekannten Oberen, absoluter Schweigepflicht, mit geheimen Erkennungszeichen — Schulz erzählte einige darüber — mit der Auslosung der zum politischen Mord befohlenen, mit dem organisierten Schutz der Täter nach der Tat oder bei Weigerung mit einem ,Famegericht War Dr- Wagener, Karlsruhe, der Inspirator? Auf die Frage, ob er wisse, wer alles dem Germanen-Orden angehört habe, meinte Schulz, er vermute, daß auch Admiral Canaris Verbindung gehabt habe; auch der Heidelberger Professor Rüge — einer der radikalsten völkischen Hetzer damals — vermutete Schulz als Mitglied. Eine besondere Überraschung war es, daß am Schluß der Zeugenvernehmung sich Oberregierungsrat Welle, Oberkirch, meldete, der aussagte: Generalmajor Dr. Wagener, früher Generaldirektor bei Haid & Neu in Karlsruhe, habe ihm während des Krieges erzählt, er sei der Initiator des Erzberger-Mordes gewesen; er habe auch in Karlsruhe als erster telefonisch den Vollzug des Mordes gemeldet erhalten — gefährlich, da bereits die Leitungen überwacht worden seien. Dr. Wagener, sagte der Zeuge, habe übrigens auch erzählt, auf seinem Arbeitstisch liege die Pistole, mit der Rosa Luxemburg erschossen wurde. Wagener So enthüllte der Prozeß wesentliche Hintergründe der politischen Verhältnisse in jenen Jahren. Vielleicht hätte eine nach dieser Seite betontere Führung des Prozesses noch einiges mehr herausholen können; obwohl sich Schulz einmal als „winziges, lächerliches Werkzeug einflußreicher Leute aus der Großindustrie“ be- zeichnete. So konnte er sich allzu häufig darauf beschränken, nach dieser Seite nicht sehr wesentliche Fragen mit einem kurzem „Ja* woll!“ zu beantworten. Bezeichnend war auch die Bemerkung von Schulz, er habe gehofft, es werde nach dem Mord gegen den verhaßten Erzberger nichts Ernstliches gegen die Täter geschehen: er erwartete 1933 und eine Amnestie schon für 1923. Nicht ganz mit Unrecht übrigens: denn 1922 stand sein Führer Manfred von Killinger, der 1944 in Budapest Selbstmord beging, im gleichen Offenburg im gleichen Saal und in gleicher Sache vor den Richtern — und wurde freigesprochen, mangels Beweisen. Um dann feierlich von der späteren Offeriburger Frauenschaftsführerin nach der Urteilsverkündigung mit einem Rosenbukett beglückt zu werden. Heinrich Schulz allerdings, sein einstiges „winziges Werkzeug“ brach bei seinem Schlußwort im gleichen Saal und in der gleichen Anklagebank weinend zusammen. RGH Was macftf das Werter ? Das große Festlandhoch Ist durch andauernde« Druckfall abgebaut worden. In der entstandenen flachen Druckverteilung wird die Ausbildung von Gewittern begünstigt. Aussichten bis Sonntag ab endi Noch vielfach heiter und leicht bewölkt, warm und schwül. Bei zeitweilig starker Bewölkung zuehmend gewittrig. Etwa ab Sonntag wieder Abklingen der Gewittertätigkeit. Herausgeber: Sozialistischer Verlag Freiburg G.m.b.H. Freiburg i. Br., Kaiser-Joseph-Straße 229. Fernruf »1* Hauptschriftleitung: Alfred Oesterbeld j Verlagsleitung: E. Bauermeister Drude: Universitätsdruckerei Foppe« & Ortmann, Freiburg L Br. „Das Volk” erscheint: Dienstag, Donnerstag. Samstag. Monatsbezugspreis 2.— DM einschließlich Trägerlohnj durch die Post 2.20 DM. Bach — die Wurzeln seiner Kunst Von Albert Schweitzer Zum 200. Todestag von Johann Sebastian Bach am 28. Juli entnehmen wir der Bach-Biographie Von Professor Dr. theol., phfl. et med. Albert Schweitzer (erschienen im Verlag von Breitkopf & Härtel) die nachstehenden Ausführungen. Schweitzer, der bekannte „Urwaldarzt”, ist einer der besten Bach-Interpreten von heute. Beck gehört zu den objektiven Künstlern. Diese stehen ganz in ihrer Zeit und schaffen nur mit den Formen und Gedanken, die sie ihnen darbietet Sie üben keine Kritik an den künstlerischen Ausdrucksmitteln, die sie vor- flnden, und fühlen keine innere Nötigung, neue Bahnen zu erschließen. Ihr Leben und Erleben ist nicht der einzige Nährboden ihrer Kunst, so daß man die Wurzeln Ihrer Werke ln den Schicksalen des Schöpfers zu suchen hätte. Die künstlerische Persönlichkeit steht bei ihnen der menschlichen frei gegenüber und hat die letztere fast als etwas Zufälliges unter sich. Backs Werke wären dieselben, auch wenn sein Dasein ganz anders verlaufen wäre. Gesetzt, wir wüßten mehr von seinem Leben, als es der Fall ist, und alle Briefe, die er je geschrieben hat, wären uns überliefert, so würden wir über die innerliche Entstehung seiner Werke nicht besser unterrichtet sein als wir es sind. In dieser Hinsicht kann der größte deutsche Musiker nur mit dem größten deutschen Philosophen verglichen werden. Auch Kants Schaffen trägt den Charakter des Unpersönlichen. Er ist nur die Intelligenz, in welcher die philosophischen Ideen und Probleme der Zeit ihre Konsequenzen ziehen. Dabei bewegt er sich unbefangen in der Scholastik einer geprägt Vorgefundenen Kunstsprache, wie Bach die musikalischen Formen, die ihm die Zeit bot, unbesehen übernahm. Bei Back tritt schon äußerlich hervor, daß er rückt eine Einzel-, sondern eine Universalpersönlichkeit ist. Er hat die musikalische Entwicklung von drei oder vier Generationen miterlebt. Wenn man der Geschichte dieser Fanülle, die eine so einzigartige Stellung im deutschen Kunstleben einnimmt, nachgeht, so hat man das Gefühl, daß alles, was sich hier abspielt, auf irgendetwas Vollkommenes hinleiten muß. Man empfindet es als selbstverständlich, daß einmal ein Back kommt, in dem alle jene Bachs leben und sich selbst überleben, und in dem das Stück deutscher Musik, das diese Familie verkörpert, seinen Abschluß findet. Johann Sebastian Bach, um Kants Sprache zu reden, ist ein historisches Postulat. Auf welchem Pfade man den Gang durch die mittelalterliche Dichtung und Musik unternimmt: immer wird man zu ihm geführt. W^s das Kirchenlied vom XII. bis zum XVIII. Jahrhundert Herrliches geschaffen hat, schmückt Seine Kantaten und Passionen. Händel und die anderen lassen den kostbaren Schatz der Choralmelodien ungenützt liegen. Sie wollen von der Vergangenheit frei sein. Bach empfindet anders. Er setzt den Choral zum Fundament seines Werkes. Verfolgt man die Geschichte der Choral- harmonisierungen, so wird man wieder auf ihn geführt. Was die Meister des polyphonen Satzes, Eccard, Praetörius und die anderen, erstrebten, ist durch ihn verwirklicht. Sie hatten nur die Melodie zu harmonisieren gewußt; er, in seiner Satzweise, gibt zugleich den Text in Tönen wieder. Nicht anders steht es mit den Choralvorspielen und Choralphantasien. Pachelbel. Böhm und Buxtehude, die Meister auf diesem Gebiet, schaffen die Formen. Aber sie durch den Geist lebendig zu machen, ist ihnen nicht gegeben. Wenn die Anstrengungen auf das Ideal hin nicht umsonst sein sollen, muß ein Größerer kommen, der seine Choralphantasien zu musikalischen Dichtungen gestaltet. Aus der Motette wird unter dem Einfluß der italienischen und französischen Instrumentalmusik die Kantate. Von Schütz an, ein ganzes Jahrhundert lang, ringt das geistliche Konzert um seinen Platz und seine Freiheit in der Kirche. Man fühlt, wie diese Musik den gottesdienstlichen Boden unter den Füßen verliert. Sie drängt immer mehr aus dem Rahmen des Kultus heraus, indem sie ein selbständiges religiöses Drama sein wUl und in der Form die Ähnlichkeit mit der Oper erstrebt Das Oratorium bereitet sich vor. In dieser Zeit tritt Bach auf und schafft die bleibende Kantate. Ein Menschenalter nachher wäre es zu spät gewesen. In der Form unterscheidet sich seine Kantate nicht von den Hunderten und Hunderten, die zu seiner Zeit geschrieben wurden, um der Vergessenheit zu verfallen. Sie trägt dieselben äußerlichen Fehler an sich. Aber sie lebt durch den Geist. Aus dem sehnenden Wollen von Generationen, die nichts Bleibendes schaffen konnten, ist ein einziges Mal ein Wollen geworden, welches so groß ist wie das Ideal, das den anderen zwei Menschenalter hindurch vorschwebte, und das in allem Irren der Zelt rein durch die Größe des Gedankens triumphiert. Am Ende des XVII. Jahrhunderts begehrt das musikalische Passionsdrama Einlaß in die Kirche. Der Streit entbrennt für und wider. Bach setzt ihm ein Ende, indem er zwei Passionen schreibt, die textlich und formell von den typischen Schöpfungen jener Zeit ganz abhängig sind, die aber der Geist, der darin lebt, verklärt und aus der Vergänglichkeit zur Unvergänglichkeit erhoben hat. So ist Bach ein Ende. Es geht nichts von ihm aus; alles führt nur auf ihn hin. Die wirkliche Biographie dieses Meisters geben, heißt das Leben und das Entfalten der deutschen Kunst, die sich dann in ihm vollendet und erschöpft, darstellen und sie in ihrem Streben und Fehlen begreifen. Dieses Genie war kein Einzelgeist, sondern ein Gesamtgeist. Jahrhunderte und Generationen haben an dem Werke gearbeitet, vor dessen Größe wir ehrfürchtig stille stehen. Grimm ohne Grimm Der Dichter, der einmal — lang, lang i*t’s her! — mit einem Buch „Volk ohne Raum“ deutsche Seelen zu geopolitischer Begeisterung entfachte und solcherweise für tausend Jahre ein Vorbild deutscher Literatur wurde, ist „nach fünfjähriger innerer Emigration“ — sagt er selber — wieder an eine ausgewählte Öffentlichkeit getreten. Besagte Öffentlichkeit ereignete sich im Lippoldsberger Klosterhof an der Weser hellem Strande als Dichtertreffen. Im Hintergrund tausend Zuhörer, pro Jahr vergangenen Ruhmes also einer. Und wer las noch? Lauter Koryphäen der Reichskulturkammer des seligen Josephs: Kol- benheyer, frisch entnazifiziert, WUl Vesper, Heinrich ZUUch. Und dann dankte der Grimm ohne Grimm den Hörern und versicherte ihnen erstens, wenn die innerlich emigrierten Dichter (vor wem eigentlich emigriert?), jetzt ihre Schubladen öffnen, so werden sie Deutschland mehr bereichern als das, was die demokratischen Stümper seit Kriegsende veröffentlicht haben; zweitens daß er einen eigenen Verlag für seine Werke gründe; und drittens, daß Oswald Mosley — für solche, die es vergessen haben: der Führer der englischen Nazi —, Grimms „Erzbischofschrift“ als eines der besten Bücher erklärt habe. Und viertens ge-i stand Hans Grimm, er sei ein leidensehaft- lieber Deutscher, und wenn er kein Deutscher wäre, so könnte er nur ein Engländer sein. Ob Attlee wie Churchill darüber erfreut wären, verriet Hans Grimm nicht. Wir aber würden ihn billig abgeben, einschließlich des eigenen Verlags. Im übrigen zeigt sich wieder mal: Was Hänslein nicht lernte, lernt Hans nimmermehr. Rolf Getaa. Der 16. Weltkongreß der Ophtalmologen (Atw genärzte) ist dieser Tage in London eröffnet worden. An dem Kongreß nehmen 1300 Delegierte aus 64 Ländern teil. f 1 f Streiflichter — i mit und ohne Kritik Eben nur ein bißdien verwechselt Die Gemeinde Otigheim gibt einen Gemeinde- Anzeiger heraus. Das mag löblich sein, aber die verantwortlichen Herren von der Gemeindeverwaltung sollten dann auch genau Korrektur lesen, bevor sie ihr Blättchen an die ötigheimer Öffentlichkeit bringen. In einer Beschreibung, welchen Instanzenweg man in der Sowjetzone durchlaufen muß, um nach Westdeutschland reisen zu können, heißt es, eine Befürwortung sei nötig durch die „in Ostzonien regierende Sozialdemokratische Einheitspartei“. Nun, auch in Otigheim sollte es bekannt sein, daß es keine „Sozialdemokratische Einheitspartei“ in Ostzonien gibt. Man meint natürlich die SED, die sogenannte Sozialistische Einheitspartei der Kommunisten. War es ein Druckfehler oder ein bißchen mehr, Herr Bürgermeister und CDU- Landtagsabgeordneter Reuter? Der betrieblich verbotene Kuß Aus Amerika erfährt man, daß dort Firmen ihren Angestellten untersagen, Verabredungen vor oder nach dem Dienst miteinander zu treffen. Gemeint sind selbstverständlich Verabredungen, die zur Anbahnung oder Betätigung eines mehr als kameradschaftlichen Verhältnisses dienen. Kurz: gemeint ist die Sache, die wir auf deutsch merkwürdigerweise Rendezvous nennen. Obwohl wir dafür das schöne Wort Stelldichein haben. Nun, ein junger Angestellter hielt sich nicht an das geschäftliche Puritanertum und traf mit einer Kollegin nach dem Dienst zusammen. Sie küßten sich sogar bei dieser Gelegenheit. Als der Boß davon erfuhr, kündigte er. Wegen Vertragsbruchs. Aber das Arbeitsgericht war der Auffassung, daß Küssen nach dem Dienst nicht als Bruch eines Arbeitsvertrages zu betrachten sei. So weit ist das eine heitere Belanglosigkeit. Aber die Sache hat auch ihre politische Bedeutung. Man sagt immer, Amerika sei das Land der persönlichen Freiheit. Eis scheint indessen dort Leute zu geben, bei denen die persönliche Freiheit, sofern es um geschäftliche Dinge geht, schon dort aufhört, wo eigentlich die persönliche Freiheit überhaupt erst beginnt. Nicht so sehr beim Küssen, als nach Arbeitsschluß, damit wir uns richtig verstehen. Rolf Geha Zweimal 1000 Zu Beginn des „Tausendjährigen Reichs“ nahm noch einmal ein Philosoph das Wort und sprach von den anonymen Mächten, die da bestimmen, — „was aus dem Menschen werden kann“. In dem berühmten Band 1000 der Sammlung Göschen schildert Prof. Jaspers die „geistige Situation der Zeit“, in der der einzelne vor sich selbst in eine „anerkannte Gestalt des Tuns zum allgemeinen Besten“ flieht und somit die Freiheit eigener Entscheidung aufgibt Die eigene Dürftigkeit werde verdeckt durch den Ruf nach Sachlichkeit, die Ausdruck der Leere sei. Entscheidungslosigkeit sei zur Form des Friedens geworden, der nichts weiter wolle, als das Dasein fortsetzen. Nach dem Ende des „Tausendjährigen Reiches“ erschien jetzt die Drucksache Nr. MO des Deutschen Bundestages und führt mit Sachlichkeit den Nachweis, daß der Mensch nicht mehr darüber entscheidet, „was aus dem Menschen werden kann“. Die Gestalt des Menschen wird ersetzt durch den Begriff der „Soziallast“, von der man nur noch weiß, daß sie das „Sozialprodukt“ verringert. Soziallast aber heißt: Alter, Invalidität, Krankheit, Kriegsfolgen und Arbeitslosigkeit. Es ist eine sehr wichtige Schrift, diese Drucksache Nr. 1000 des Deutschen Bundestages. Sie heißt „Übersicht über die Finanz- und Haushaltstage des Bundes und der Länder im Rechnungsjahr 1950“. Der Verfasser ist kein Philo-1 soph —. REEMTSMA Den getreuen Freunden unserer Tabak-Tradition möchten wir 1 auf diesem Wege zur Kenntnis bringen, daß es uns endlich gelungen ist. wieder alle Voraussetzungen für die Herstellung hochqualifizierter und extrem milder Cigaretten zu erfüllen. Wir erinnern daran, daß wir von jeher Sonderleistungen anstrebten, und zwar einen bestimmten Typ, der bei aller Fülle des Aromas den Raucher niemals belastet oder ermüdet Dieses traditionelle. Ziel wurde erneut mit der Sorte OVA-Virginia erreicht, die auf der Entdeckung einer methodischen Doppelmischung der American-Blend-CigareKe beruht Wir glauben, mit dieser Mitteilung vor allem den- sehr empfindlichen Dauerrauchern eine echte Freude zu machen. , .REEMTSMA, 1H AM BURG REEMTSMA OVA VIRGINIA REEMTSMA : OMA V\RG\N\A Falsch, Herr Präses! „Sozialismus — eine soziale Gefahr“ — unter dieser Überschrift veröffentlichte die Festschrift des Katholikentages in Bochum (Katholischer Beobachter Nr. 76/49) einen Artikel des Diö- zesanpräses Dr. Aloys Stiefvater, Freiburg. Versuchen wir eine Unterhaltung mit dem Herrn Präses: Präses Stiefvater: „Der Sozialismus steht nun einmal weltanschaulich auf dem Boden des materialistischen Atheismus. Er kennt keine Religion und lehnt die ganze Welt des religiösen Lebens und Denkens ab. Nun aber ist es Tatsache, daß die Völker an der Religionslosigkeit langsam aber sicher zugrunde gehen. Indem also der Sozialismus, wenn er zur Herrschaft gelangt ist, die Religion bekämpft, die Religionslosigkeit fördert, wird er zum Totengräber jedes gesunden Volkslebens.“ Wir antworten: Es gibt Sozialisten, die Atheisten sind, und es gibt Sozialisten, die gläubige Christen sind. Der Sozialismus setzt keine bestimmte Weltanschauung voraus, weder einen Atheismus, noch einen Theismus. Nirgendwo, wo Sozialdemokraten zur Herrschaft gelangt sind, wird die Religion bekämpft. (Siehe England, Schweden, Dänemark, Norwegen.) Präses Stiefvater: „Die sozialistische Moral ist eine Nützlichkeitsmoral. Gut ist, was dem Volke nützt. Eine solche Moral führt langsam aber sicher zu einem sittlichen Niedergang des Volkes.“ Wir antworten : Das war Nazimoral: „Recht ist, was dem deutschen Volke nützt.“ Der Sozialismus erstrebt die Gemeinschaft, nicht nur die eines Volkes, sondern die Gemeinschaft alles dessen, was Menschenantlitz trägt. Präses Stiefvater: »Der Sozialismus kennt nicht die Heiligkeit 4er Ehe und deren Unlöslichkeit“ Wir antworten: Ehe und Familie sind heute weitgehend zerstört — nicht durch den Sozialismus, sondern durch den Kapitalismus. Der Sozialismus würde erst einmal eine echte Grundlage für ein Ehe- und Familienleben schaffen, weil er ihre materiellen und politischen Voraussetzungen sichert. Präses Stiefvater: „Im Grunde genommen lehnt der Sozialismus das Privateigentum ab. Die gemäßigte Richtung tut das zwar nicht so stark, doch mehr aus taktischen als aus grundsätzlichen Überlegungen.“ Wir antworten: Der Sozialismus, wie ihn insbesondere die Sozialdemokratie vertritt, lehnt nicht das Privateigentum schlechthin, sondern lediglich das Privateigentum an monopolisierten Industrien ab, wie es heute Bergbau, Eisen- und Stahlerzeugung, Großchemie und Energieerzeugung darstellen. Heute befindet sich der Sozialismus mit dieser Auffassung sogar in Gesellschaft des Heiligen Vaters. Für uns ist diese Auffassung keine taktische, sondern eine grundsätzliche, weil wir nicht den mächtigen Privatkapitalismus durch einen übermächtigen Staatskapitalismus abgelöst sehen möchten. Präses Stiefvater: „Der Sozialismus kennt nicht den Menschen in seiner Würde als Ebenbild Gottes, sondern sieht in ihm ein rein irdisches, nur für das Diesseits bestimmtes höheres Tier. Damit aber ist der Mensch entwürdigt und zugleich auch entrechtet. Er wird jetzt automatisch ein belangloses Glied im sozialen Ganzen. Der einzelne ist nichts, der Staat ist alles, und die Sklaverei beginnt.“ Wir antworten: Der Sozialismus sieht im Menschen ein Wesen, das seiner Würde gemäß erst leben kann, wenn es frei wird von Furcht und Not. Bis dahin leben viele Menschen wirklich wie ein Tier. Es blieb dem Kapitalismus Vorbehalten, der sich ja lange, zum Teil auch heute noch, allerhöchster Duldung und Förderung erfreute, den Menschen zum Tier herabzuwürdigen — zwar nicht in offizieller Lehre, aber durch die Gewalt der ausbeuterischen Verhältnisse, in die er gezwungen wurde. Ihn aus dieser Entmenschlichung zu befreien, ist das Ziel des Sozialismus. Über die endgültige Bestimmung des Menschen, über den letzten Sinn seines Lebens besitzt der Sozialismus keine Dogmatik. Präses Stiefvater: „Der sozialistische Staat ist früher oder später immer total. Er ist das Höchste auf Erden; weil es für ihn keinen Gott gibt, nimmt der Staat Gottes Stelle ein. Die Grenzen der Staatsgewalt werden niedergerissen, und der Staat wird allmächtig und darum zum Tyrann.“ Wir antworten: Der sozialistische Staat wird viel weniger ein totaler Staat als das Österreich und Italien waren und Spanien noch ist, die im engsten Einvernehmen mit der katholischen Kirche standen bzw. stehen. Wenn der sozialistische Staat die Menschen auch nicht an ein bestimmtes Dogma bindet, sondern jedem freistellt, sein Verhältnis zum höchsten Wesen zu klären, so ist er darum doch nicht ein bloßer Willkürstaat. Die obersten Prinzipien, die für die Organisation der sozialistischen Gesellschaft gelten, sind Freiheit und Würde des Menschen, • sind Gerechtigkeit und Menschlichkeit Unter diesen Prinzipien kann kein totaler Staat ent- ' stehen. Nicht für den Sozialismus, wohl aber für den Nazismus und für das Preußentum von Gottes Gnaden war der Staat das Höchste auf Erden. Präses Stiefvater: „Der Sozialismus kennt nur das Diesseits. Für ihn ist der Mensch nur da, um auf dieser ! Erde zu leben. Ein Jenseits, eine überirdische und übernatürliche Lebensaufgabe, kennt er < nicht Die Folge davon: Das Leben wird zu einem Kampf ums Dasein, zu einer wilden Jagd nach dem Glück, daraus aber entwickelt sich ein blühender Egoismus, und das ist das Ende eines jeden erträglichen Gemeinschaftslebens.“ Wir antworten: Der Sozialismus kümmert sich zwar um das Diesseits, aber zu sagen, er kenne nur das Diesseits, ist mindestens eine Verkennung. Diesen Schluß daraus zu ziehen, daß der Sozialismus eine Weltordnung erstrebt, in der Freiheit und Gerechtigkeit verwirklicht sind und nicht nur gepredigt werden, ist eine unberechtigte Verallgemeinerung. Es ist nicht einmal logisch. Es gibt heute bereits eine große Zahl Katholiken, die den Kampf für die sozialistische Ordnung in den Reihen der Sozialdemokratie führen, und die das nicht nur für vereinbar mit ihrem christlichen Gewissen halten, sondern es gerade als eine Verpflichtung aus ihrem Gewissen betrachten. Nun gar noch zu behaupten, daß blühender Egoismus sich aus einer solch gemeinschaftsverpflichtenden Bewegung, wie sie der Sozialismus darstellt, erwächst, ist mehr, als man selbst von einem Präses erwarten dürfte. Zumindest müßte der Herr Präses Stiefvater ein Wort darüber verlieren, woraus denn der heute herrschende wilde „blühende Egoismus“ erwachsen ist. Gewiß nicht aus dem Garten des Sozialismus. Nicht der Sozialismus ist eine Gefahr, Herr Präses, der Kapitalismus ist es und diese Art von öffentlicher Irreführung, wie sie von Ihnen in diesem Artikel betrieben wird. Paulus unter den Juden Die Volksschauspiele Otigheim planen für Mitte August eine Aufführung von Franz Wer* fels „Paulus unter den Juden“ als Abendvor» Stellung. Für die Darstellung sind Mitglieder des Badischen Staatstheaters Karlsruhe ver» pflichtet worden. Säte 4 — Nkunmea* 87 Samstag, 22. Juli I960 ßaslßoß Auf der Flucht vor der Hitze Mit der Schwebebahn auf den Scfaauinsland Die sengende Juliglut, die sich schon im Früh- | fassung kommen, daß hier eine mustergültige, sommer bemerkbar nfechte, drückt bleiern auf alle Lebewesen. Mensch und Tier sehnen sich nach Kühlung. Den Freiburgern sind mehr Möglichkeiten geboten, von der unerträglichen Hitze in eine kühle Temperatur zu flüchten, als es den Bewohnern anderer Großstädte möglich ist. Im lauwarmen Wasser der Freibäder Frei- burgs geht die Abkühlung nicht immer nach Wunsch vonstatten. Wirksamere natürliche Kühler hat Freiburg aber im „Höllentäler“ und im Freiburger Hausberge, wie der Schauinsland von der Werbung für den Fremdenverkehr gern genannt wird. Um diese zwei natürlichen Kühler wird Freiburg in der heißen Jahreszeit von manchen Großstädten beneidet. Im Winter ist der „Höllentäler“ gefürchtet, aber in der Hitzeperiode, wenn er seine kühlen Luftmassen vom Feldberg her durchs Höllental in die Stadt Freiburg bläst, wird er als willkommener Gast begrüßt. Der Kühler vom Schauinsland hat keine so große Fern Wirkung; seine erfrischende Wirkung verspürt man am besten auf der Höhe, und diese ist ja heute mit der Schwebebahn leicht erreichbar. Sie führt denn auch gegenwärtig viele Kühlung suchenden Menschen von der Talstation zur Bergstation, von wo der 1300 m hohe Gipfel des Schauinsland bald erreicht ist. Dort oben fächeln stets kühle Winde aus allen Richtungen, und brennt die Julisonne auch hier zu heiß, so bietet der nahe Wald wohltuenden Schatten. Den Wald suchen auch Viehherden aus Badens höchstgelegener Gemeinde Hofsgrand auf. Den Hofsgrunder Kühen, Kälbern, Schafen und Geißen schmecken die Waldgräser und junge Heidelbeerstadeli besser als das spärliche Weidegras an den sonnigen Halden. Die weidenden Herden und das Geläute der Viehglocken erhöhen zudem die Romantik des Landschaftsbildes; die oben rastenden Wanderer sind entzückt über das alpine Leben auf Freiburgs Hausberg. Neulich war im „Volk“ zu lesen, bei einer Überprüfung der Schwebebahnanlagen sei festgestellt worden, daß die Tragseile, die seit 20 Jahren im Gebrauch seien, keinerlei Spuren einer stärkeren Abnutzung zeigten. Das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste ist so erneut gestärkt worden. Das Gefühl des Wohlgeborgenseins in der Kabine wird auch dadurch nicht beeinträchtigt, daß beim Uber fahren der Eisenstützen ein kaum spürbares Sacken der Kabine bemerkbar ist. Lenkt der Fahrgast seine Blicke einmal ab von den unvergleichlich wechselvollen Landschaftsbildern, die in seine Sicht kommen, und überprüft er, auch als Laie, die Konstruktion aller zum Betrieb gehörenden Einrichtungen, sei es bei den eisernen Stützen, sei es auf der Zwischenstation oder auf den Ausgangs- und Endstationen, so wird er unbedingt zu der Aufsolide technische Leistung vorliegt, die das Menschenmögliche zur Sicherheit des Fährbetriebes aufgewendet hat. Es ist das bleibende Verdienst des früheren Oberbürgermeisters Dr. Bender, vor allem aber des Opfers des Nationalsozialismus, Bürgermeisters Hölzl, daß die Schwebebahn in solider Bauart ausgeführt wurde. Sie stellt unbedingt ein Wunderwerk der Technik dar. Bei dieser Gelegenheit seien einige Erinnerungen aus der Vorgeschichte der Schauinsland- bahn aufgefrischt. Das Projekt einer Schauins- landbahn bzw. einer Verbindungsbahn mit dem industriereichen Wiesental stand schon auf dem Programm des immer großzügigen Oberbürgermeisters Dr. Otto Winterer. Gutachten wurden eingeholt und — o goldene Zeit! — sogar ein Durchstich des Feldbergs erwogen, worüber hervorragende Fachleute bereits Kostenvoranschläge und Pläne bis ins kleinste Detail ausgearbeitet hatten. Die öffentliche Meinung war geteilt, und die Ausführung eines Projektes unterblieb. In diesem Falle erwies sich die Zerredung der Projekte im Stadtparlament, in den Zeitungen und in der Öffentlichkeit als vorteilhaft. Der Bau einer Bahn unterblieb, und es brach dann der erste Weltkrieg aus. Ein städtischer Ausschuß, dem unser verstorbener Genosse Dr. Engler angehörte, hatte die Projekte studiert und Vorschläge ausgearbeitet. Er schlug vor, eine Schmalspurbahn zu erbauen; diese Schienenbahn sollte vom Freiburger Hauptbahnhof aus über das Hexental, Gerstenhalm, Gießhübel, Schauinsland-Halde, Notschrei bis Todtnau geführt werden. In Todtnau sollte der Anschluß an das Bähnle Todtnau — Zell gewonnen werden. Die Zell-Todtnauer Bahn gehörte dem großkapitalistischen Stinnes-Kon- zern, der dann bei der geplanten Gesellschaftsbildung glaubte, seinen Defizitbetrieb an diese neue Gesellschaft abschieben und die Stadt Freiburg zudem noch als melkende Kuh benützen zu können. Doch die Finanzleute der Stadt waren keine finanzpolitischen Waisenknaben; sie durchschauten die gerissenen Stin- nes-Finanziers. Wie die Erbauung der Bahn unterblieb auch die Gründung der Gesellschaft. Ende der 20er Jahre kam es dann zur Erbauung der jetzigen Schwebebahn auf den Schauinsland. Der Autoverkehr vermittelt heute die Verbindung mit dem Wiesental. Man spricht jetzt von einer Erhöhung der Fahrpreise auf der Schwebebahn. Wenn sich eine Preiserhöhung nicht umgehen läßt, dann sollten namentlich in der heißen Jahreszeit billige Tage eingeschaltet werden, um es so auch den schaffenden, minderbemittelten Menschen zu ermöglichen, sich im Windflügel Schauinsland abkühlen und erfrischen zu lassen. Das Stadttheater hat ja auch billige Volksvorstellungen. R. Z. Erfolgreiche Großrazzia nach „verlorenen“ Kindern Vier der als vermißt gemeldeten Kinder in Süddeutschland sind bei der großen Fahndungsaktion der Polizei gefunden worden. In den Ländern Württemberg-Baden, Südwürttemberg- Hohenzollern, Südbaden, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz haben sich nach vorläufigen Schätzungen der Polizei rund 30 000 Polizeibeamte an der Aktion beteiligt. Dabei konnte von der städtischen Polizei in Ulm bei einer Fahrzeugkontrolle ein Jugendlicher aus Berlin, Rudolf Böttger, gestellt werden, der ursprünglich nicht als vermißt gemeldet worden war. Die Direktion der württembergischen Landespolizei vermutet, daß auch die sechs noch nicht gefundenen Jugendlichen nicht einem Verbrechen zum Opfer gefallen sind, nachdem bei den jetzt auf gefundenen Ausreißern festgestellt werden konnte, daß sie sich ohne äußeren Zwang von zu Hause entfernten. Der I4jährige Wolfgang Brenner aus Stuttgart hielt sich in einem Fürsorgeheim in Oberrimsingen bei Freiburg auf. Der 11jährige Dieter Speidel aus Reutlingen-Betzingen wurde in Markdorf am Bodensee gefunden. Die 14jährige Helga Rau aus Ulm-Wieblingen hatte sich bei Flüchtlingen aufgehalten, während sich der 15jährige Wilhelm Heinrich Schreckenberger aus Weinheim in Mannheim herumtrieb. Erweiterung der Grenzzonen Die bei der Tagung der ständigen gemisch- ten Kommission für den badisch-schweizeri- sehen Grenzverkehr am 13. und 14. Juli in Freiburg von den deutschen Vertretern mit Unterstützung der französischen Behörden vorgeschlagenen Erweiterung der Grenzzone tritt wie dpa amtlich erfährt, bereits am 1. August in Kraft. Die Grenzzone auf deutscher Seite umfaßt von diesem Zeitpunkt ab die Kreise Freiburg-Stadt, Freiburd-Land, Müllheim, Lörrach, Neustadt, Säckingen, Waldshut, Do- naueschingen, Konstanz, Stockach, Überlingen, Ravensburg, Tettnang, Wangen und Lindau. In die schweizerische Grenzzone sind einbegriffen die Kantone Basel-Stadt, Baselland, Kanton Solothurn mit Ausnahme der Bezirke Solothurn-Lenberg-Buchegg und Kriegsstetten, Kanton Aargau mit Ausnahme des Bezirks Muri, vom Kanton Zürich nur die Bezirke Dielsdorf, Bülach, Andelfingen und Winterthur, Kanton Schaffhausen, Kanton Thurgau und aus dem Kanton St. Gallen die Bezirke Wil, Untertoggenburg, Gossau, St. Gallen, Rorschach sowie Unterrheintal. Weitere Zollämter geöffnet Im Rahmen der Grenzerleichteiungen, die von der ständigen gemischten Kommission für den Grenzverkehr zwischen der Schweiz und dem französischen Besatzungsgebiet beschlossen wurden, sind eine Reihe weiterer Zollämter für den großen Reiseverkehr geöffnet worden. Es handelt sich im Eisenbahnverkehr um die Zollämter Bahnhof Rielasingen (Bahnhof Ramsen), Bahnhof Gottmadingen (Bahnhof Tayngen), Bahnhof Waldshut, Bahnhof Konstanz und Bahnhof Jestetten. Im Straßenverkehr um die Zollämter Rotteln und Kaiserstuhl, Rheinheim-Zurzach. Lottstetten- Rafz, Altenburg-Rheinau, Grenzacherhorn—Grenzacher Straße, Konstanz (Emmishofertor) und im Schiffsverkehr um die Zollämter Konstanz (Hafen), Meersburg, Überlingen, Radolfzell und Lindau (Hafen). Bei den Zollämtern Konsttnz (Hafen), Meersburg, Überlingen und Radolfzell ist der Zeitpunkt der Eröffnung aus organisatorischen Gründen noch dem gegenseitigen Einvernehmen der örtlich zuständigen Zollbehörden der beiden Staaten Vorbehalten. Der im Rahmen der Großfahndung im Chri- stophorusheim in Oberrimsingen bei Freiburg aufgefundene 14jährige Wolfgang Brenner, der seit dem 15. Juni vermißt ist, hatte keine Ausweispapiere bei sich. Im Heim hatte er angegeben, Manfred Engler zu heißen, aus Thüringen zu stammen und beide Eltern verloren zu haben. Seine genaue Identität wurde dadurch festgestellt, daß der Leiter des Heimes bei einem Besuch in Freiburg auf dem Hauptbahnhof das Fahndungsblatt mit den Fotos der zehn vermißten Kinder betrachtete und darauf den in seinem Heim befindlichen „Manfred“ erkannte. Vor der Rückkehr nach Oberrimsingen verständigte er die Polizei. Aus dem Südwesten Sigmaringen. Ein Sportangler aus Erringen konnte dieser Tage in einem Altwasser der Donau einen 16 Pfund schweren Hecht von 92 cm Länge fangen. Die Bergung des prächtigen Fisches dauerte 30 Minuten. Der glückliche Petri-Jünger hatte bereits 1942 im gleichen Altwasser einen 17pfündigen Hecht erbeutet, der über einen Meter lang war. Biberach. Ein sechsjähriger Junge aus Weihungszell wurde von einem jungen Farren, der aus seiner umzäunten Weide ausgebrochen war, niedergestoßen. Dem Knaben wurde der Brustkorb eingedrückt, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Basel. Im Alter von 103 Jahren starb nach kurzer Krankheit die älteste Einwohnerin Basels, die Witwe Maria Klingler. Die Verstorbene hat ein Alter erreicht, das in der Stadtgeschichte vordem nicht verzeichnet wurde. Ins Notizbuch Am 14. August findet im Paulussaal in Freiburg die Hauptversammlung des Verbandes badischer Gemeinden sowie die Gründungsversammlung des Vereins badischer Bürgermeister statt. Tagungsteilnehmern, die schon früher in Freiburg eintreffen, wird ein reichhaltiges Programm kultureller Art geboten. Das vom Badischen Landtag im Mai verabschiedete Landesgesetz über die Vereinfächung der politischen Säuberung ist im Badischen Gesetz- und Verordnungsblatt vom 19. Juli veröffentlicht worden. Das Gesetz tritt am 1. August in Kraft. Das Amtsgericht Breisach, das gegenwärtig Zweiggericht des Amtsgerichts Freiburg ist, wird mit Wirkung vom 1. November wieder selbständiges Amtsgericht. Vom 5. bis 8. August findet in Speyer eine Delegiertentagung des Zertralverbandes des deutschen Bäckerhandwerks statt, zu der rund 500 Bäcker aus dem Bundesgebiet erwartet werden. Das Südwestfunk-Studio Tübingen ist mit einer Feier im Adolf-Schlatter-Haus in Betrieb genommen worden. Die Brotpreise Die Versorgung mit Brot ist der Regierung völlig aus der Hand geglitten. In jedem Land der Bundesrepublik wird die Preisregulierung nach eigenem Gutdünken gehandhabt. In verschiedenen Ländern wird jede Erhöhung des Brotpreises durch die Preisbehörde geahndet. Uber die Entwicklung in Baden geben wir, ohne eine Stellung dazu zu nehmen, folgende Erklärung des badischen Bäckergewerbes Nach den verschiedenen sich widersprechenden Äußerungen der Bundesregierung ist eine Erhöhung der Brotpreise für Weizenmischbrot und Weißbrot von 4 bzw. 5 Pf. pro Kilo notwendig geworden. Die Erhöhung bewirkt bei einem Tagesverbrauch von 200 Gramm Weizenbrot, eine monatliche Mehrausgabe von 30 Pf. pro Kopf. DerbisherigePreisfür Roggenbrot und Roggenmischbrot wird nicht erhöht. Die Änderung der Weizenbrotpreise ist auf folgende Ursachen zurückzuführen: 1. Die Bundesregierung hat mit Wirkung vom 1. Juli 1950 die Getreidepreise erhöht und die Subventionen in bisherigem Umfang gestrichen. 2. Das Mühlengewerbe berechnet auf Grund der erhöhten Brotgetreidepreise ab Juli den Bäckereien einen höheren Mehlpreis, der zwischen 5 bis 8 Pfg. pro Kilo beträgt. 3. Drei Wochen hindurch haben die Bäckereien trotz des Mehlpreisaufschlages stillgehalten, ihre Mehlbestände zum alten Preis verarbeitet oder verkauft, ohne die Preise und die Qualität des Brotes zu ändern. Viele Betriebe mußten bereits seit vergangener Woche Mehl zu den erhöhten Preisen einkaufen, weil die Mehlbestände aufgebraucht waren. Berichte, nach denen die Bäckereien auf Wochen hinaus noch mit billigem Mehl versorgt wären, stimmen nicht. Die Backbetriebe haben weder die Geldmittel noch die geeigneten Räume für eine große Lagerhaltung. 4. Nach Verbrauch der Mehlbestände und Ankauf teuren Meines sind die Bäckereien gezwungen, die Erhöhung des Mehlpreises in den Brotpreis einzukalkulieren. 5. Den neuen Brotpreisen liegt eine niedrigere Rohverdienstspanne zugrunde, aus der die gestiegenen Unkosten, die erhöhten Brennstoffkosten, die Löhne und Steuern zu bestreiten sind. Die tatsächliche Mehlpreiserhöhung wurde nicht voll berücksichtigt. 6. Die geltenden Brutto-Backlohnspan- n e n wurden von den Preisbehörden der Länderregierungen festgesetzt und liegen erheblich unter den Normalkalkulationen des Backgewerbes. Bei Festlegung der genehmigten Spannen war die Verbraucherschaft durch die Gewerkschaften beteiligt. Eine weitere Kürzung dieser Spannen ist nicht mehr möglich. 7. Wir bitten die Bevölkerung, zum Bäckerhandwerk wie in den vergangenen schweren Notzeiten, so auch heute, für unsere Maßnahmen Verständnis zu haben. Der Bäcker selbst wünscht keinen hohen Brotpreis, weil nur ein möglichst niedriger Preis einen hohen Brotverzehr bedeutet. 8. Das Bäckergewerbe lehnt es ab, einseitig zum Lastenträger politischer Preisbildungsoperationen gemacht zu werden und weist den unberechtigten Vorwurf willkürlicher Preiserhöhungen entschieden zurück. Saulgau. Die bisherige Künstlervereinigung „Oberschwäbische Sezession“ hat sich auf das gesamte Bodenseegebiet ausgedehnt und die Bezeichnung „Sezession Oberschwaben-Bodensee“ angenommen. Sie wird sich in einer ersten Ausstellung in der „Fähre“ in Saulgau vom 30. Juli bis 15. August vorstellen. Hengst Maestoso üustria Liebesgeschichte zweier Menschen und eines edlen Pferdes 28 Von Atthur-Heinz Lehmann Auf der Heimfahrt haben wir dann gleich den ganzen Plan fürs künftige Leben entworfen. Eine Lipizzanerzucht wollen wir aufmachen, ich werd’ schauen, daß wir vom Esterhazy noch eine Stute bekommen können, oder daß wir auf der Versteigerung in Bäbolna Glück haben und ein gutes Roß erwischen. Der Majestätische und die Deflorata sind doch noch rechte Kinder gewesen mit ihren vier Jahren, mit denen ist noch keine Pferdefamilie zu gründen gewesen. Und dann hast du von uns angefangen, Unheiliger Georg, ob wir nicht selber eine Familie gründen wollen. Sehr gefreut hat mich das, bloß ich hab net 'glaubt, daß ich mich noch glücklicher fühlen kann, wann ich deine Frau bin, auf dem Papier unterschrieben und mit Stampiglien versehen. Weißt, Unheiliger Georg, hab ich dir gesagt, wann’s so weit is, daß i an Namen brauch’ für a Kind, nachher gibst ihm deinen und mir gibst ihn aa, gelt? Aber ’s is ja anders komm’n, geh’, sei net traurig, Unheiliger Georg, die vierbeinigen Kinder san uns gottlob ’blieb’n!“ Die Ungarische schweigt, und ich rieht’ ihr das Kinn hoch, damit sie mich anschaut. „Für a Glück muß ma immer zahl’n, Marika, ungarische“, sag ich. „G’schenkt kriegt ma nix. Mir ham a Glück mit uns und mit die Rösser, das is so viel, daß halt der Herrgott gemeint hat, wir würden übermütig, wann er uns noch a Kinderglück herschenkt.“ Die Ungarische nimmt meine Hand und legt Ihre Lippen darauf. „A unheiliger Georg bist“, sagt sie, „und reden kannst wie a Heiliger. I bin schon net unzufrieden. — Geh', erzähl weiter!“ „Unsere zwei Lipizzaner Rösser sind in die Herde gekommen, unzertrennlich sind sie gewesen, der Pferdebub und das Pferdemädl, immer haben sie nebeneinander geweidet, und wenn einer von den Braunen oder Rappen ihnen was gewollt hat, nachher haben sie sich gemeinsam verteidigt. Die Deflorata hat hintenaus gekeilt, und der Majestätische ist hochaufgerichtet auf den Feind losgegangen. Aber schließlich hat die Herrlichkeit auf der Pußta ein Ende nehmen müssen. Je edler das Roß, desto härter die Schule. Eines Tages hat der Janos den Majestätischen hereinbringen müssen ins Gut, und dann haben wir versucht, ihn zu satteln. Der Janos hat ihn gehalten, du hast ihm gut zugeredet, daß ihm nichts geschehen soll und ich hab ihm ganz behutsam den Sattel hinter den Widerrist gelegt, Ganz geheuer ist dem Majestätischen nicht gewesen, aber weil ihm doch noch nie von Menschenhand Böses zugefügt worden ist, hat er bloß so ein sonderbares Gefühl wie unsereiner, wenn er sich beim Zahndoktor auf den Stuhl setzen muß. Dann hab ich ihm die Gurte ganz sacht angezogen, nur so, daß der Sattel eben hält. Den Zaum hat er gekannt vom Halter her, bloß das Mundstück, die dicke Trense, ist ihm fremd gewesen. Aber er hat willig das Maul aufgesperrt und sich das kalte Eisen hineinschieben lassen. Eh’ er’s sich versehen hat, ist er gezäumt und gesattelt gewesen, und ich hab ihn an die Longe genommen und rund um mich herumlaufen lassen. Du hast die lange Peitsche geführt und gesorgt, daß der Majestätische immer auf dem Hufschlag bleibt, und schon am ersten Tag ist es einigermaßen gegangen mit ihm. Bloß manchmal hat ihn der Übermut gepackt, da ist er plötzlich gesprungen, hat versucht, mit mir an der Longe Tauziehen zu machen, und ganz unmajestätisch gegen den Sattel gebockt. Pfui, Majestätischer! hast du dann gerufen, und da hat er sich, was geschämt und ist wieder sittsam gegangen, so daß ich ihm nachher hab sagen können, daß er’s brav gemacht hat. Es hat nicht viel Mühe gekostet mit ihm, der Majestätische ist gewissermaßen schon vom Hengst geritten gewesen, er ist schön mit der Nase ein wenig vor der Senkrechten gegangen, und wir haben keine Hilfszügel gebraucht. Bloß einen Kappzaum haben wir uns aus Budapest schicken lassen, damit ich ihn nicht einmal aus Ungeschick hart im Maul reiße, wenn er an der Longe geht. Eines Tages hast du gesagt, daß ich ihn reiten soll, stark genug ist er gewesen und vertraut mit allem, was so beim Roß zum Reiten gehört. Ja, und da haben wir es also gewagt. Du hast ihn gehalten, und der Janos hat mich in den Sattel gehoben. Ganz leise und tastend wie einer, der sich im Dunklen just auf was setzen will, von dem er glaubt, daß es ein Stuhl ist, ein wackliger, hab ich mich in den Sattel niedergelassen. Und dann sind wir auf alles gefaßt gewesen. Aber der Majestätische steht ganz ruhig. Ich klopf’ ihm den Hals und sag: ,Sixt es, das wäre überstanden! Brav bist, Majestätischer!’ Er hat geschnauft, und damit er in guter Stimmung bleiben soll, hast du ihm einen Zucker geben wollen, den ersten Zucker seines Lebens. Das ist ihm sehr fremd im Geschmack gewesen, aber du hast ihm das Stück mit Engelsgeduld ins Maul zurückgegeben, so oft er’s hinausgeschoben hat. Mittlerweile ist der Zucker gelöst gewesen, und auf einmal merk ich, wie der Majestätische Luft holt. Ich nehme die Zügel an, und da speit er dem guten Janos doch den ganzen Zuckersaft ins Gesicht, daß dem gleich die Augen und der Schnauzbart verpickt sind. Und dann geht er ab mit mir, der Majestätische, in tollen Sprüngen, daß ich mich in die Bügel stellen muß. damit ich ihm nicht ins Kreuz falle. Du wirst an der Longe mitgezerrt, und schließlich ist es ein Glück, daß der Karabinerhaken aus dem Kappzaumring springt. Wir zwei gehen zum Tor hinaus und heidi! in die Pußta hinein. Jetzt bockt er nicht mehr, sondern geht seinen schnellsten Galopp, den er kann. Auf keinen Zügel, auf keinen Schenkel spricht er an. Es läßt sich nicht leugnen, der Majestätische hat den Kopf verloren, er geht durch. Aber ich hab Zeit, von mir aus soll er laufen bis ans Ende der Welt, nachher wird er schon müde sein, doch dann muß er wieder heim, und zwar so schnell, wie er vorher davongegangen ist. Dann wird ihm der Geschmack am Durchgehen schon wegbleiben. Nach einer Zeit findet er sich auch wieder und besinnt sich darauf, daß es ein Unfug ist, so die guten Kräfte zu vergeuden, Sie werden auch allmählich knapp, die guten Kräfte, die Sprünge werden kürzer, er galoppiert bloß noch hinten, vom trabt er schon, und schließlich bleibt er stehen und schüttelt den Kopf. A rechter Depp bist, Majestätischer!’, sag ich zu ihm und klopf ihm den Hals. Er versucht, sich nach mir umzuschauen, mich hatte er wohl in seiner Kopflosigkeit ganz vergessen, nur das Gewicht ist ihm ungewohnt gewesen und der Zucker. Aber lange laß ich ihm nicht Zeit zum Verschnaufen, bis jetzt ist er selber gelaufen, nun will ich heimreiten. Und so muß er antraben, wie er es an der Longe gelernt hat, und damit es ihm leichter wird, lasse ich ihn bald galoppieren. Aber schon will er wieder stehenbleiben und wird kürzer, doch da drücken ihn meine Schenkel wieder vorwärts, und allmählich geht ihm wohl ein Licht auf, daß ihn die Schenkel unterstützen und nicht ärgern wollen. Müde wie er ist, lümmelt er sich aufs Gebiß und sucht sich dort ein fünftes Bein. Aber weil ich in der Hand nachgebe und ihn leise wieder annehme, kommt er ganz von selber leicht an den Zügel und fängt an, auf dem Gebiß zu kauen. Und damit er merkt, daß er’s gut gemacht hat, sitz ich ab und geh mit ihm die halbe Stunde zu Fuß in den Gutshof zurück. Du, Ungarische, hast am Tor hinter uns hergeschaut, und wie wir wohlbehalten daherkommen, lachst du, weil' dir ein Stein vom Herzen fällt. Und dann gibst ihm noch ein; Stück Zucker, weil du sehen willst, ob er nicht etwa sauer geworden ist und lebensmüde, und der Majestätische nimmt es willig und kaut. (Fortsetzung folgt.) t Samstag, 22. Juü 1950 Nummer 87 — Seite 5 WasTßoß Erfreuliche Halbzeit*Bilanz 1950: 15 Nadtkriegs-Rekorde wurden gestürzt Zehn deutsche Leichtathleten and drei Staffeln haben Weltklasse-Format 15 Nachkriegs-Bestieistungen gestürzt, sieben Männer und drei Frauen mit Weltklasse-Format, ferner noch 15 Männer und 9 Frauen mit Europaklasse- Format -— das ist in groben Zügen die Bilanz der deutschen Leiehtatkletik vierzehn Tage vor den Titelkämpfen in Stuttgart. Intern ist die Lage so, daß der Süd^n zur Zeit stärker ist als der Westen und Norden, während die Frauen von West und Süd sich annähernd die Waage halten. Zur absoluten Weltklasse gehören: 800 m: Cleve, Krefeld (1.51.4), Ulzheimer, Frankfurt (1.51.6); 5000 m: Schade, Barmen (14.22.8); Hammerwurf: Storch, Fulda (58.68 m), Wolf, Karlsruhe (57.41 m); Gehen: Lüttge, Braunschwelg (50 m); Marathonlauf: Bürk- lem, Stuttgart (2.32.53 Std.); 4X 100-m-Nationalstaffel (ca. 40,7); 4X400-m-Nationalstaffel: (ca. 3 . 12 . 0 ). Frauen: 4Xl00-m-Nationalstaffel (ca. 47.5); 80-m- Htirden: Sander-Domagalla, Dinslaken (11.7); Weitsprung: Hofknecht, Bayreuth (5,91 m); Speerwerfen: Müller, Koblenz (46,69 m). In Europa haben überdies folgende Athleten eine sehr gute Chance: 200 m: Zandt, Stuttgart (21.7), Haas, Nürnberg (21.8); 400 m: Geister, Krefeld (47.6), Huppertz, Koblenz (48.0), Haas, Nürnberg (48.5); 800 m: Steines, Koblenz (1.52.2); 10 000 m: Eitel, Eßlingen (wenn gesund); 400-m-Hürden: Huppertz, Koblenz, Kohlhoff, Koblenz (54.4); 3000 m Hindernis: Dompert, Stuttgart (9.29 0 ); Marathonlauf: Weber, Berlin (unter 2.40.00); Weitsprung: Luther, München (7,44 m); Diskus: Hipp. Balingen. (47.79 m); Zehnkampf: Hipp, Balingen, Luther, München. Frauen: 100 m: Petersen, Bremen (12.3); 80-m- Hürden: Seonbuchner, Nürnberg (11.9); Weitsprung: Stumpf, Bremen (5,70 m); Hochsprung: von Buch- holtz, Stuttgart ( 1,59 m), Beikelmann, Opladen (I 59 m); Diskus: Sonneck-Uthke, Köln (41,86 m); Speer: Maier, Stuttgart (44,42 m); Fünfkampf: Stumpf. Bremen, Domagalla, Dinslaken. 1950 wurden folgende Nachkriegs —Bestleistungen gestürzt: 400 m: Geister, Krefeld 47.6 (bisher 47.8); 1500 m: Lamers, Oberhausen 3.54.2 (3.54.4); 3000 m: Schade, Barmen 8.23.1 (8.31.2); 5000 m: Schade, Barmen 14 . 22.8 (14.37.8); 110-m-Hürden: Becker, Bremen 14.9 (15.0); 3000 m Hindernis: Dompert, Stuttgart 9.29.0 (9.30.0); Marathonlauf: Bürklein, Stuttgart 2.32.53 Std. ( 2 . 38.43 Std.); 50-km-Gehen: Kühler 4.45.16 Std. (4.54.02 Std.); 4X100 m: TSV 1860 München 41.6 (41.8); 4X400 m: Rot- Weiß Koblenz 3.18.0 (3.30.0); 3X1000 m: Werder, Bremen 7.33.4 (7.34.4); Dreisprung: Hoppenrath, Krefeld 14,49 m (14,44 m ); Stabhochsprung: Stührk, München 4,00 m (3,96 m); Hammerwerfen: Storch, Fulda 58,68 m (57,61 m); Speer (Frauen): Müller, Koblenz 46.69 m (45,79 m). Da die Leichtathletiksaison erst an Halbzeit angelangt ist und die Deutschen Meisterschaften vom 4. bis 6. August in Stuttgart vor der Tür stehen, kann man damit rechnen, daß obige Nachkriegsrekordliste noch erheblich korrigiert wird. Die ersten Meldungen zur Deutschland- Rundfahrt Nach der Verlegung der Deutschland-Rundfahrt auf den 12. bis 31. August und der Genehmigung zur internationalen Besetzung gingen aus dem Ausland derart viele Anfragen ein, daß man den Kreis der evtl, zu verpflichtenden Fahrer schon näher umschreiben kann. Von Belgien sind vorgesehen die Fahrer Kete- leer, Ward Peeters oder der frühere Weltmeister Marcel Kint. Für Frankreich stehen Caffi, Desquesne und der Rundfahrtspezialist Fachleitner in der engeren Wahl, während von Italien Ronconi, der Dritte bei der „Tour de Suisse“, teilnehmen wird und wahrscheinlich noch Rossi oder Peverelii in Betracht kommen. Die Schweiz hat folgende vier Fahrer nominiert: Roger Äschlimann, Max Meier, Hans Schütz und Hans Sommer. Holland wird Henk Lakeman. den Sieger der diesjährigen Holland-Rundfahrt entsenden, außerdem den früheren Amateur-Weltmeister Cor Pelle- naers und Vinken. Auch der Sohn des Sechstage- Königs Piet van Kempen ist mit in die engere Wahl gezogen. Für Österreich sollte Valenta teilnehmen, doch wird dieser die Farben seines Landes bei der Weltmeisterschaft vertreten müssen. Sieben Nationen am Scbauinsland Die soeben abgeschlossene Starterliste zum „Großen Bergpreis Freiburg-Schauinsland“, dem ersten deutschen Nachkriegsrennen mit internationaler Besetzung in den Wagenkonkurrenzen, verheißt für den 6. August auf Deutschlands schönster und schwierigster Paßstraße ein rennsportliches Großereignis von Format. Der „Allgemeine Deutsche Automobil-Club“, München, der mit der Durchführung des Rennens den „Badischen Automobil-Club“, Freiburg, beauftragt hat, bestätigte über 160 Nennungen für die einzelnen Läufe. Hiervon entfallen alleiin 88 auf die Sport- und Rennwagenklassen, in denen Fahrer von sieben Nationen — Belgien, Frankreich, Großbritannien. Italien, der Schweiz, USA und Deutschland — zur Stelle sind. Anschluß an Internationalen Tumverband verpaßt (ISK) Im Rahmen der Turner-Weltmeisterschaften tagte der Internationale Turnverband (FIG), wobei Japan und das Saarland vorläufig in die Weltorganisation der Turner aufgenommen wurden. Von deutscher Seite lag ein entsprechender Antrag nicht vor. Der DAT hatte schon vor einiger Zeit beschlossen, von sich aus nichts zu tun, um einen Eintritt in den Internationalen Verband zu erreichen. Wie es damals hieß, „sei die Stimmung für die deutschen Turner im Internationalen Turnverband zur Zeit nicht gut* 4 . v Diese konservative Haltung der DAT wird in weiten Kreisen nicht verstanden. So schlecht kann die Stimmung nicht gewesen sein, denn es wurden auch Japan und die Saarländer, wenn auch mit Vorbehalten, aufgenommen. Die Deutschen wären nicht mit leeren Händen in die große Turnerfamilie zurückgekehrt. So wie wir die Elite der Turner brauchen, so kann auch sie von unseren Leistungsturnern profitieren. Bei den mehr als freundnachbarlichen Beziehungen zur Schweiz und Finnland hätte ein Fünfter Meisterschaftslauf der Motorräder Favoriten müssen hart Kämpfen Erstmalig nach dem Krieg wird ein Meisterschaftslauf für Motorräder am Sonntag in der Sowjetzone gefahren. Der Schleizer Dreieckskurs (eine Runde gleich 7,770 Kilometer) sieht alle west- und ostdeutschen Rennfahrer am Start. Mit großer Spannung erwartet auch der internationale Sport den Ablauf dieses Ereignisses, das erstmalig im Rahmen einer gesamtdeutschen Meisterschaft abrollt. Das Schleizer Rennen bietet Gelegenheit, der motorsportfreudigen Bevölkerung der Sowjetzone die deutschen Motorradspitzenfahrer vorzustellen. Die Strecke ist den meisten Fahrern aus der Vorkriegszeit bekannt. In der Klasse bis 125 ccm führt nach den bisherigen vier Meisterschaftsläufen (Eilenriede, Hockenheim, Nürburgring und Schottern) der talentierte P. H. Ried aus Königswinter mit nur einem Punkt Vorsprung vor dem erstmalig in dieser Klasse mitwirkenden H. P. Müller (Bielefeld). Es folgen Ellmann (Chemnitz), eine Neuentdeckung aus der Sowjetzone, Dietrich, Hofmann und Felgenmeier. — In der 250- ccm-Klasse gab es bisher große Überraschungen durch Siege von Thorn/Prikker und Gablenz auf italienischen Viertakt-Saugmotorenmaschinen, die die Kompressor-DKWs von Daiker und Müller auf die Plätze verwiesen. Der Punktabstand von Thorn/Prikker auf Moto-Guzzi gegenüber Daiker ist mit sieben Punkten sehr groß zu nennen. Heiner Fleischmann hat in der Klasse bis 350 ccm mit einem Punkt Vorsprung vor dem Göttinger Knees die Führung übernommen. Mit Abstand folgen der Vorjahresmeister Wünsche und Schnell. — In der Halbliterklasse ist noch keine Entscheidung gefallen, doch gab es bisher einen eindeutigen Erfolg der beiden Kompressor-BMWs von Georg Meier und Wiggerl Kraus, die seit dem Eifelrennen an der Spitze liegen. Fleischmann will in Schleiz den beiden BMW-Fahrern ein Schnippchen schlagen und nach den Mißerfolgen vom Nürburgring und von Schotten diesmal das letzte aus sich herausholen. — Bei den Gespannen bis 600 ccm dürften Böhm/Fuchs von Klankenmeier/Wolz nicht mehr einzuholen sein. — In der schweren Klasse bis 1200 ccm haben sich Seppenhauser/Wenzhofer die größte Überlegenheit der bisherigen Meisterschaftsläufe durch ihre eindeutig überlegene BMW-Mascfaine sichern können. Erst mit neun Punkten Abstand folgen Schäfer/Höller und Müller/Rührschneck. Im August folgt der sechste Meisterschaftslauf auf der berühmten Strecke von Hohenstein/Ernstthal (bekannt durch die großen Preise von Europa) ebenfalls in der Sowjetzone. Der siebente Lauf wird auf dem Hamburger Stadtparkkurs gefahren, der achte und letzte Lauf in Nürnberg. Finnen turnen sich in deutsche Herzen „Wir sind gerne zu Euch gekommen und würden uns herzlichst freuen, wenn wir Euch möglichst bald bei uns willkommen heißen dürften“, erklärte der finnische Mannschaftsführer anläßlich der deutschfinnischen Begegnung in München-Gladbach. Die Finnen, die auf der Rückreise von Basel zu einem Schauturnen mit der deutschen Nationalriege antraten, hatten von vier vorangegangenen offiziellen Länderkämpfen einen gewonnen (1935 in Helsinki). Die Söhne Suomis traten mit Viskari, Numminen, Lempinen, Seeste, Hautamaeki, Rove und dem «jährigen Weltmeister (1931) Dr. Savolainen an und forderten die deutschen Vertreter Gauch, Bantz, Fren- ger, Oberwien, Dickhut, Stangl, Jakob Kiefer und Alfred SChwarzmann zu höchstem Einsatz heraus. Der Gesamteindruck war der, daß die Finnen etwas besser waren. Am Seitpferd blieb jeder der Deutschen einmal hängen, die Finnen turnten hier weniger schwierige Übungen, aber peinlich sauber. Auch an den Ringen verblüfften die Finnen, vielfach mit Schwüngen, aber beim Durchturnen der Übungen blieben die Ringe ruhig hängen. In den Freiübungen zeigten sich beide Mannschaften etwa gleichwertig. Auf deutscher Seite überragte Adalbert Dickhut mit seinem Spagat. Am Barren und Reck waren die Deutschen besser. Kiefers phantastische Barrenübung hätte auch in Basel ihren Eindruck nicht verfehlen können. Am Reck überragten Schwarzmann, Stangl, Dickhut und Frenger. Heute treffen die Finnen in Berlin auf die komplette deutsche Kunstturnriege. deutsches Aufnahmegesuch sicherlich mit wohlwollender Unterstützung rechnen können. Wie war es denn im Tennis? Auch hier sprach sich der Internationale Verband für die Rückkehr der Deutschen aus. Bei einigermaßen Initiative seitens der DAT hätte dieses Ziel auch von den Turnern erreicht werden können. Allmählich brechen auch die Widerstände in den internationalen Sportverbänden, denn Jugend drängt zur Jugend. War das wirklich so schlimm? Das Auftreten deutscher Turner am Rande des Weltmeisterschaftsprogramms in Basel schildert der „Düsseldorfer Mittag“ wie folgt: „Die Zuschauer waren im Abströmen, als Alfred Schwarzmann Jackett und Schuhe auszog, ans Reck sprang, drei Riesenfolgen drehte und mit einem Salto vorwärts und einer ganzen Drehung abging. Es sammelten sich sofort Hunderte von Menschen um dieses Reck, die Wochenschau kam und bat Schwarzmann, diesen Abgang zu wiederholen. Es waren auch sofort Wertungstafeln da, und einige Schweizer Buben hielten sofort die „Zehn“ in die Höhe, als er seinen wunderbaren Abgang wiederholte und auch noch seinen berühmten hohen Hecht nach der Kammgriff-Riesenfelge zeigte. Man erlebte die enthusiastischen Äußerungen der Schweizer rings um das Reck, und die begeisterten Rufe nach Wiederholung und nach dem Turnen auch einiger anderer Mitglieder der deutschen Mannschaft, von denen aber nur zwei ebenfalls ans Gerät gingen. Und am nächsten Tag mußten wir dann lesen und auf der Pressetribüne hören, daß wir uns damit alle Aussichten verdorben hätten, in den nächsten Jahren in den Internationalen Turn verband aufgenommen zu werden.* Sollte es aber wirklich so weit kommen, daß Deutschland deswegen weiter ausgeschaltet wird, dann muß man sich bei uns überlegen, ob die Mitgliedschaft in dieser internationalen Organisation wirklich ein so erstrebenswertes Ziel ist. Boxen in Lörrach Zu den Kämpfen am heutigen Abend gegen Blau- Weiß Lahr wird auch der ASV Freiburg einig© Kämpfer in den Ring klettern lassen. In der Schülerklasse kämpft zum ersten Male der kleine Maier mit 36 kg. In der Jugendklasse lm Halbschwergewicht steht Riegert im Ring. Im Bantamgewicht kämpft Zäpfel, Lörrach, gegen Bückel, Lahr. Nicht die Technik, sondern das größere Stehvermög«! dürfte hier ausschlaggebend sein. — Im Federgewicht hat Schäfer, Lörrach, gegen seinen Lahrer Gegner gute Aussichten. — Scheffel, Lörrach, wird gegen Harter, Freiburg, seine Härte ausspielen müssen, um zu einem Erfolg zu kommen. Der Leichtgewichtler Gerstner. Lörrach, dürfte Eichner, Lahr, ein schönes und schnelles Gefecht liefern. — Gottstein, Lörrach, wird mit seiner Intelligenz dem Freiburger Schneider eine schwere Aufgabe stellen. Biedermann, der im Weltergewicht die Lörracher Farben vertritt, wird gegen Jörger, Freiburg, alles aufbieten müssen, um diesen stark angreifenden Kämpfer in Schach halten zu können. — Im Halbschwergewicht kämpft erstmals Malzacher gegen Lahr und man dürfte gespannt sein, wie sich Malzacher nach seinem guten Aufbautraining zeigen wird. Denksport 2 START jS 5 Minuten Kopfzerbrechen Zwei Radfahrer starten in einer 1200 m langen kreisrunden Rennbahn gleichzeitig nach entgegengesetzten Richtungen. In der gleichen Zeit, in der der eine Radfahrer 300 m bewältigt, schafft der andere 400 m. Nach der wievielten Runde treffen sie gleichzeitig am Start wieder zusammen? Welche Strecke hat jeder von den beiden zurückgelegt? Großereignis für Donaueschingen Das Aschenbahnrennen am 23. Juli steht vor der Türe. 24 beste süddeutsche Amateurfahrer wie Gebrüder Deibler, Gänßler, Augsburg; Spiegler, München; Martin, Stuttgart; Brendle, Karlsruhe; Sütten* lin und Wißler, Freiburg; Borgschulte und Hummelmann, Singen, beteiligen sich am Rennen. Beim Verbandsjugendfahren beteiligt sich der Badische Jugendmeister Ehret. Als Einlage werden zwölf Fahrer der Stadt und des Landkreises Donaueschingen in zehn Runden ihr Können zeigen. Vor dem großen Mannschaftsrennen nach 6-Tage-Art werden einige Damen der Donau- eschilnger Damenschneider-Innung das Neueste auf dem Gebiet der Damenmode (Sportmode) zeigen. Für die am Sonntag eintreffenden Rennfahrer ist im Gasthaus zum Bären ein Rennbüro eingerichtet. Die von auswärts kommenden Radfahrvereine stellen sich gegen 13 Uhr beim Gasthaus zum Rößle. Mühlenstraße, zu einem Umzug auf, der sich, geleitet von der Stadtkapelle, zum Stadion bewegt. Um 14 Uhr beginnen die Veranstaltungen mit einem Eröffnungsfahren. Dann folgt das Fliegerhauptfahl en um den Ehrenpreis der Stadt Donaueschingen. Anschließend starten die Verbandsjugendfahrer um den Ehrenpreis des Erbprinzen zu Fürstenberg und die Jugendfahrer des Kreises Donaueschingen um den Preis des Prinzen Fritzi zu Fürstenberg. Anschließend beginnt dann das große Mannschaftsrennen nach 6-Tage-Art über 190 Runden um den Ehrenpreis des Prinzen Max zu Fürstenberg. Die Preisverteilung findet sofort nach dem Rennen im Stadion statt. Sämtliche Preise werden ab heute im Sporthaus TEKA ausgestellt. Durch eine Lautsprecheranlage der Firma Radio-Heizmann wird alles Interessante und Wissenswerte laufend durchgegeben. Anschließend an die Renn Veranstaltung findet im Hotel „Schützen" die Gründungsversammlung des Radsportvereins Donaueschingen statt verbunden mit Vorführung im Saalkunstfahren. Anschließend ist Tanz. Der Eintritt zu der Gesamtveranstaltung im „Schützen“ ist frei. Es wird gebeten, das gleichzeitig erscheinende Inserat zu beachten. Erster französischer Etappensteg Nach bitteren Enttäuschungen für die Franzosen gelang erstmalig in der diesjährigen Tour de France dem französichen Fahrer Lauredi (National-Team) ein Etappensieg. Sofort nach dem Start in St. Brieuc übernahm der Luxemburger Goldschmidt die Spitze des geschlossen fahrenden Feldes und setzte sich nach 35 km zusammen mit zwei Italienern vom Gros ab. Bei der verpflegungspause nach 142 km in Bain de Bretagne hatte sich Lauredi ebenfalls vom Feld gelöst und zur Spitze aufgeschlossen. Hervorragend fuhr auch Gauthier vom Südost-Team, der nunmehr nach der siebten Etappe mit 49.52.30 Stunden im Gesamtklassement wieder die Führung übernahm. Radio München Samstag, 22. Juli Das Rundfunkprogramm der Woche SiiiiiNHiiMtsiiiiiiiHiHiimiiiHimiiiiiiimuiiiiiiiitiiiiiiiimiiiiiiiiiiifuimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiimiiiiiiiiiiauHuiiaiiiiiiiHuitiiiMiiiiittiiiiHiiiiiiiiiiHiiiifHiiitHiiiiiiiimiiiiiHtiiiiHiiiiiimiiiiiiiiiiiimis 18.30 Volksmusik 19.00 Die Stimme Amerikas 20.30 Kabarett am Wodienend 22.25 Aus Filmen und Operetten 0.05 Wir bitten zum Tanz Sonntag, 23. Juli 17.00 Sinfoniekonzert 18.00 Sport und Musik 19.30 Das kleine Lied 20.05 Im Zauber schöner Melodien ; 22.30 Kapellen aus aller Welt 0.05 Tanzmusik Montag, 24. Juli 20.00 Sinfoniekonzert - 22.10 Das Rundfunk-Tanzorchester i 23.00 So ist die Zeit... : 23.30 Eigensinnige Geiger — : verrückte Kapellen j 0.05 Mitternacht in München \ Dienstag, 25. Juli j 19.00 Die Stimme Amerikas \ 20.05 Bunte Weisen • 21.15 Die tönende Leinwand - 22.10 Unterhaltungskonzert : 23.00 Nachtstudio ■ 0.05 Nachtkonzert : Mittwoch, 26. Juli : 18.15 Musik zum Feierabend 19.00 Die Stimme Amerikas 20.00 Ein Sommernachtstraum 22.10 Aus Filmen und Operetten 23.30 Musik aus London 0.05 Mitternacht in München Donnerstag, 27. Juli 17.10 Nach der Arbeit 18.30 Blich auf Europa: Salzburg 19.00 Don Giovanni 23.15 Artur Schanze und sein Streichorchester 0.05 Nachtkonzert Freitag, 28. Juli 18.15 Musik zum Feierabend 20.00 Johann Sebastian Bach 22.10 Franz Deuber 23.05 Musik aus Hamburg 0.05 Mitternacht in München Samstag, 22. Juli 5.06 Frühmusik 6.10 Morgenkonzert 7.30 Musik am Morgen 8.40 Musikalisches Intermezzo 9.00 Für die Schuljugend 11.00 Froher Klang am Vormittag 12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 14.30 Frohes Wochenend 15.15 Opemmelodien 16.00 Unser Samstagnachmittag 17.15 Sang und Klang im Volkston 18.00 Theaterrundschau 18.30 Musik zum Feierabend 19.15 Zeitfunk am Wochenend 20.00 Wir erfüllen Hörerwünsche 22.30 Der SWF bittet zum Tanz 0.10 Der SWF bittet zum Tanz Sonntag, 23. Juli 7.00 Nachrichten 7.30 Morgenkonzert 8.45 Evangelische Morgenfeier 9.15 Das Unvergängliche 10.00 Katholische Morgenfeier 11.00 Musik zum Sonntagvormittag 12.00 Zwölfuhrläuten 13.30 Operettenmelodien 14.15 Frohe Melodien 15.00 Kinderfunk 15.30 Jedem das Seine! 16.30 Stimme der Heimat 17.00 SWF-Unterhaltungsorchester 18.15 Die Sportreportage üdwestfunk 19.20 20.00 22.15 23.00 23.30 5.00 6.10 7.30 8.40 11.00 12.20 13.15 14.00 15.30 16.30 17.20 18.30 20.00 21.00 22.30 23.15 5.00 6.10 7.30 8.40 9.00 11.00 Deutsche Volkslieder Werke von Giuseppe Verdi Sport und Musik Nachtgespräch „Im Rhythmus der Freude 4 * Montag, 24. Juli Frühmusik Morgenkonzert Musik am Morgen Musikalisches Intermezzo Froher Klang am Vormittag Mittagskonzert Musik nach Tisch Für die Schuljugend Musik am Nachmittag I Musik am Nachmittag II Solistenkonzert Musik zum Feierabend Musik für Dich! Aus der Welt der klassischen Operette Klaviermusik Moderne Unterhaltungsmusik Dienstag, 25. Juü Frühmusik Morgenkonzert Musik am Morgen Musikalisches Intermezzo Für die Schuljugend Froher Klang am Vormittag 12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 14.00 Wir jungen Menschen 15.30 Johann Sebastian Bach 16.30 Sang und Klang im Volkston 17.15 Musik zur Unterhaltung 18.00 Kinderlieder 18.20 Die Parteien sprechen 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Operettenkonzert 20.45 „Aus der Traum“ 22.30 Musik der Welt 23.25 Jazz 1950! Mittwoch, 26. Juli 5.00 Frühmusik 6.10 Morgenkonzert 7.30 Musik am Morgen 8.40 Musikalisches Intermezzo 11.00 Froher Klang am Vormittag 12.20 Mittagskonzert 13.15 Musik nach Tisch 15.30 Musikalische Teestunde I 16.00 Stimme der Heimat 16.30 Musikalische Teestunde N 17.15 Kammermusik 18.00 Plauderei und Kurzweil 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Scheinwerfer auf! 21.00 Johann Sebastian Bach 23.15 Tanzmusik 0.10 Swing-Serenade Donnerstag, 27. Juli 5.00 Frühmusik 6.10 Morgenkonzert 7.30 Musik am Morgen 8.40 Musikalisches Intermezzo 9.00 Für die Schuljugend 11.00 Froher Klang am Vormittag 12.20 Mittagskonzert 13.15 «Hallo Baden-Baden r 14.00 Kinderliedersingen 15.36 Nachwuchs stellt sich vor 17.15 SWF-Unterhaltungsorchester 18.00 Für den Heimatfreund 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Ein Tanzabend im SWF 21.00 Sendung d. Gewerkschaften 21.10 „Offenbachiaden 44 22.30 Die großen Meister 23.35 Für Kenner und Liebhaber Freitag, 28. Juli 5.00 Frühmusik 6.10 Morgenkonzert 7.30 Musik am Morgen 9.06 Für die Hausfrau 11.00 Froher Klang am Vormittag 12.20 Mittagskonzert 14.00 Für die Schuljugend 15.30 Musik zur Teestunde 17.15 Das Schlager-Intermezzo 18.30 Musik zum Feierabend 20.00 Johann Sebastian Bach 22.30 Im Dreivierteltakt! 23.20 Musik zur Nacht Radio Stuttgart Samstag, 22. Juli 17.00 Zum Fünfuhrtee 18.00 Mensch und Arbeit 19.00 Die Stimme Amerikas 20.00 Von Joseph Lanner bis Robert Stolz 20.45 Amerikanischer Humor 22.00 Schöne Stimmen 23.00 Tanzmusik 23.50 Um Mitternacht Sonntag, 23. Juli 15.00 Ein bunter Nachmittag 17.00 „Flüchtlinge“ 17.45 Arturo Toseanini 19.30 Der Sport am Sonntag 20.05 Der arme Jonathan 22.00 Joseph Haydn 22.20 Im Rhythmus der Freude 24.00 Tanzmusik aus aller Welt Montag, 24. Juli 17.00 Konzertstunde ' 18.00 Zeitfunk 20.00 Fröhlich fängt die Woche an 21.00 Europas gemeinsame Kultur 21.15 Pußtaklänge 22.00 Zeitgenössische Musik 23.15 Liederstunde Dienstag, 25. Juli 18.00 Mensch und Arbeit 18.15 Klänge der Heimat 19.00 Die Stimme Amerikas 20.00 22.00 22.45 23.15 17.15 18.15 20.00 20.50 22.00 23.00 0.05 17.10 18.00 Aus Konzert und Oper Die Rundfunk-Tanzkapelle Wir nehmen Maß Abends in der Taverne... Mittwoch, 3t. Juli Volksweisen im Jahreslauf Musik zum Feierabend „Die kühne Operation“ Unter bunten Lampions Tanzmusik Johannes Brahms Jazz im Funk Donnerstag, 27. Hausmusik Zeitfunk Juli 19.00 Die Stimme Amerikas 20.00 Frohes Raten — gute Taten 20.45 Die blaue Stunde 22.00 Kurt Kluge 22.45 Beliebte Tanzkapellen Freitag, 28. Juli 17.00 Froh und heiter 18.00 Frauenfunk 18.15 Musik zum Feierabend 19.00 Die Stimme Amerikas 19.38 Im Namen des Gesetzes 20.00 Johann Sebastian Bach 22.15 „Sommerlied* 23.00 »Die Kunst der Fuge* Radio Hamburg Samstag, 22. Juli ! 18.30 Volksmusik ! 20.00 Bummel am Abend i 22.15 Sinfoniekonzert ! 22.50 Tanz am Wochenende | 0.05 Berlin am Mikrophon ! 1.00 Duke Ellington Sonntag, 23. Jüli : 15.30 Was ihr wollt I 17.00 Die Sportreportage i 18.00 Bach-Fest 1950 ; 20.00 Guidetta ; 22.30 Im Rhythmus der Freude 0.05 Berlin am Mikrophon Montag, 24. Juli 18.00 Leicht und beschwingt 20.00 Bach-Fest 1950 22.15 Im Dienst von Scotland Yard 22.45 Tanz u. Unterhaltungsmusik 23.15 Duke Ellington 0.05 Berlin am Mikrophon Dienstag, 25. Juli 19.00 Zeitgeschehen 20.00 Unterhaltung am Abend 22.15 Wilhelmshaven 22.45 Drei Walzer von Strauß 23.15 Von neuer Musik 0.05 Berlin am Mikrophon Mittwoch, 26. Juli 18.30 Melodische Rhythmen 19.00 Zeitgeschehen 20.00 Der NWDR bittet zum Tanz 22.15 Politisches Forum 23.15 Nachtprogramm 0-05 Berlin am Mikrophon Donnerstag, 27. Juli 17.00 Klaviermusik 18.00 Zwischen sechs und sieben 19.00 Don Giovanni 23.00 Nachtprogramm 0.05 Berlin am Mikrophon Freitag, 28. Juli 18.00 Und jetzt Ist Feierabend 19.00 Zeitgeschehen 20.00 Johann Sebastian Bach 22.20 Vollendeter Tag 23.00 Nachtprogramm 0.05 Berlin am Mikrophon Alle Neuheiten in Heim-, Reise-, Auto-Radio Schallplatten u. Zubehör in ■-eicher Auswahl nur vom großen Fachgeschäft Radio-Lauber Freiburg. Kronenstr. 14, Tel. 3916 Radio-Reparaturen — Antennenbau n)aj ÖMnJtt c!m (J-jwjjl Was gibt es im Garten zu tun? Kleiner Arbeitskalender im Juli Wenn auch im Juli bereits die Hauptzeit des Säens und Pflanzens vorüber ist, nimmt die Pflege und der Unterhalt des Gärtchens hinterm Haus umsomehr Zeit in Anspruch. Der Juli ist einer der arbeitsreichsten Monate. Regelmäßiges, ausgiebiges Gießen ist unbedingte Pflicht. Trotzdem muß immer noch gesät und gepflanzt werden, damit keine Ecke des mit so viel Mühe hergerichteten Gartens ungenützt bleibt. Sobald ein Beet abgeräumt ist, wird es gemäß dem vorher aufgestellten Bepflanzungsplan neu bestellt. ® ® e n können wir Jetzt noch Krautstiele fzum Überwintern), Endivien, Fenchel und Kopfsalat Hier ist wie bei den Kriecherbsen bis Mitte Juli die günstigste Zeit. Pflanzen müssen wir jetzt die späten Kohlrabi und den letzten Lauch. Lockern, hacken und gießen wie bisher. Vor allem regelmäßig morgens und abends tüchtig Wasser geben Auch das Ausbrechen und Heften der Tomaten wollen wir nicht versäumen Die köstliche Frucht lohnt es uns mit reichem Ertrag. Für sie ist die augenblickliche hochsommerliche Hitze die beste Zeit zur Reife, vorausgesetzt, daß die Pflanzen genügend Wasser bekommen. Und nun zur Ernte. Hier sind es die Zwischenkulturen, die unverzüglich abgeerntet werden müssen, damit sie nicht die Hauptkulturen in der Entwicklung behindern. Nach der Ernte der Zwischenbeete gründliches Lockern nicht vergessen. Trotz der vielen Arbeit im kleinen Garten ist und bleibt er eine der großen Freuden eines emteschweren Sommers Er gibt uns Erholung und Entspannung von der Jagenden Hast des Alltages Unser kleiner Garten hinterm Haus lohnt uns hundertfach die an ihn gewandte Mühe Wenn Im Winter die Gläser mit Eingemachtem aus „unserem" Garten auf Mutters Schrank stehen, ist das Wasserschleppen das Jäten und Hacken auf dem Stückchen eigenen Grünland nicht umsonst gewesen. Kommst Du am Wodienende mit - Sabine? Zwei junge Menschenkinder wollen allein und fröhlidi sein Freitagabend: „Hallo, Sabine, es ist schön, daß wir uns treffen! Komm, ich geh’ ein Stück mit dir zusammen. Sag einmal, hättest du nicht Lust, morgen zum Wochenende mit mir hinauszufahren? Bald wären wir mit dem Motorrad oben in den Waldbergen, wo wir recht still und zufrieden unser kleines Zeithaus bauen könnten. Was denkst du darüber?" — „Es ist eine wunderbare Idee von dir, Thomas! Ich brauche nicht nachzudenken. Gern möchte Ich mit dir kommen und da droben sitzen, wo der Wald steht, das Bächlein durch die Bergwiese rieselt und kein Mensch hu sehen ist. Aber — ob Mutti einverstanden sein wird? Du kennst sie doch Es gehört sich nicht, sagt sie, mit einem Jungen Mann über Nacht fortzugehen und zu zelten Und vor allem, was würden die anderen Leute dazu sagen, wenn sie schon ja sagte.. — Je, lieber Thomas, komm mit hinauf zu uns, wir wollen gemeinsam fragen und bitten.“ Diese kleine Szene ist nichts Besonderes und auch nicht erfunden. Über den Ausgang wollen wir nicht berichten; aber wir wollen doch einmal darüber nachdenken, ob es denn richtig ist, wenn wii Mütter heute noch mit alten Maßstäben messen und an den „alten guten Sitten“ festhalten. Ein Für und ein Wider kann in die Waagschale geworfen werden und darüber läßt sich hin und her debattieren. Einfacher ist die Lösung des Problems, wenn man sich vergegenwärtigt in welchen Jahren unsere Kinder ihre Kindheitstage verlebten und was ihnen wohl früher oder später bevorstehen kann. Die jungen Menschen von heute kennen den Kampf ums Dasein und wissen genau um die Verwirklichung ihrer romantischen Pläne, die sie nun auch einmal gern machen. Sie kennen die vielen Nöte, die sich einer ehelichen Gemeinschaft entgegenstellen. Geld- und Wohn- raummangel lassen den Weg dazu einen langen und oft recht schwierigen werden. Trotzdem wird gearbeitet, gehofft und ge- Eine kleine Bügel-Lektion Einen Herrenanzug wirklich gut zu bügeln, will gelernt sein Es ist zu beachten, daß das Bügelbrett nicht zu weich sein darf, und daß der Stoff des Anzugs niemals mit dem Eisen in direkte Berührung kommt. Je gröber ein Stoff ist. um so feuchter kann das aufgelegte Tuch sein, das niemals ganz trocken werden darf, da sonst Glanzstellen entstehen würden. Die Beinkleider legt man auf das Brett, klappt sie der Länge nach auseinander und bügelt erst an jedem Bein die inneren Teile. Dann werden die Knie mit kreisenden Bewegungen geglättet. Jetzt erst wird das Eisen der Bügelfalte nach vorn und hinten über die Beinkleider geführt. Für den Rock braucht man ein strammes rundes Kissen, wie es die Schneider verwenden. Darauf werden Schultern. Revers und Kragen bearbeitet. Alle diese Teile werden weniger gebügelt als gedämpft, das erfordert einige Geschicklichkeit. Zu beachten ist, daß der Anzug erst in den Schrank kommen darf, wenn er vollkommen trocken ist. plant und ein bißchen geträumt. Wollen wir ihnen dann nicht die kleine Sonntagsfreude schenken? Die Beiden werden mit fröhlichen Augen ein Dankeschön srgen und das Vertrauen auch zu chten wissen. Sie werden hinausfahren, zeit«, und ihr kleines Reich für ein paar Stunden bauen. Sie werden fröhlich sein und pl? idern über Dinge, die ihr Herz bewegt und dabei Kraft und Mut finden, den *' T eg ir die doch recht ungewisse Zukunft weiter mit Hoffnung zu gehen. — Michaela Das Spiel mit dem Reifen Kleine Urlaubsgymnastik In der ersten Lektion unserer Urlaubs- Gymnastikstunde turnten wir mit dem großen Ball Heute nehmen wir einen einfachen Reifen, wir wir ihn als Kinder zum Spiel hatten Drei kleine Übungen ohne besondere „Kunststücke" werden uns lockern und elastisd machen: Sie laufen und rollen einen Reifen neben sich her, möglichst gerade. Sie wechseln beim Rolle des Reifens die Seiten, d. h. Sie stoßen ihn abwechselnd einmal mit der rechten und linken Hand. Das Wechseln kann vor und hinter dem Reifen geschehen. Den Reifen rollen und während des Rollens. wenn die Geschwindigkeit nachläßt, schnell hindurchkriechen. Sie müssen sich dazu ganz klein zusammenducken. Was werden die Leute dazu sagen? Lebe dein eigenes Leben — Laß doch die andern reden Wer sind eigentlich diese „Leute“, vor deren schnellgefälltem Urteil die Welt zittert? Die Leute sind wir alle, du und ich. Zugegeben, in gewissem Sinn gehen uns „die Leute“ tatsächlich etwas an, nämlich insofern es sich darum handelt, daß wir in unserer Lebensführung die zum Schutze der Allgemeinheit geschaffenen Gesetze nicht verletzen. Aber außerhalb dieses Rahmens sollte es uns ziemlich kühl lassen, was Frau Meier aus dem ersten Stockwerk, Tante Frieda, die Portiersfrau oder der Krämer an der Ecke von uns denken und über uns „sagen“. Trotzdem richten wir oft unser ganzes Leben, Denken. Fühlen, Trachten und Handeln danach ein, diesen Leuten zu gefallen, wenn auch unser eigenes Glück darüber in die Brüche gehen sollte. Da muß Frau Müller eine ganze Zimmerflucht haben, zu deren Instandhaltung zahlreiches Personal erforderlich ist, sie muß in jeder Saison fünf neue Kleider bekommen, sie muß eine kostspielige Sommerreise machen, wiewohl ihr Gatte in seinem Geschäft große Verluste hatte, die solchen Luxus eigentlich verbieten. Aber sie muß. Frei von Angst und frei von Lüge Warum lügen wir? — Soll man Kinder, die lügen, bestrafen? Dies über alles:.Sei selber treu, Und daraus folgt, so wie die Nacht dem Tage, Du kannst nicht falsch sein gegen irgendwer!. Leb wohl! Mein Segen fördere dies in Dir. Hamlet Ich kannte einen jungen Mann, der sich diese herrlichen Worte aus Hamlet zum Wahrspruch erkoren hatte. Heute ist er eine enttäuschte, verbitterte Natur, meidet die Menschen, bat sich vollkommen abgeschlossen und ist ein richtiger Zyniker geworden. Sein Drang, ein wahrhaftiges Leben zu führen, immer Und überall die Wahrheit zu sagen, oder das, was er als Wahrheit erkannte, hatte ihm nichts als Schwierigkeiten, Mißerfolge im Beruf, den Verlust seiner Freunde und endlich gänzliche Vereinsamung gebracht. Kann man wirklich nicht ohne Lüge durchs Leben kommen? Kann sich eine Lüge als Notwendigkeit erweisen? W«nn soll man die Wahrheit sagen, wann darf man lügen? Alle diese Fragen bewegen viele Menschen, die ihr Lebet, ernst nehmen und es sich nicht einfach bequem machen wollen. Nehmen wir zuerst ein Beispiel einer erlaubten, ja sogar nötigen „Lüge“ Eines Nachts wurden die Pflegerinnen eines Kinderspitals von einem drohenden Luftangriff auf ein in der Nähe liegendes Objekt in Kenntnis gesetzt. Die Schwestern sagen den Kindern: „Heut Nacht gibts in der Nähe ein großes, wunderbares Feuerwerk. Ihr könnt es aber nicht mit ansehen, dafür dürft ihr es aber hören!" Als das Bombardement los ging, blieben die Schwestern bei den Kindern, unterdrückten ihre eigene Angst und lachten und scherzten Ohne diese Lüge hätten die Kinder vidieicht einen seelischen Schaden für da* ganze Leben davongetragen Andererseits ist es ln der Kindererziehung ein wichtiger Grundsatz, die Kinder niemals zu belügen, es sei denn wirklich zu ihrem Besten, wie in dem eben geschilderten Beispiel. — Die folgende Geschichte zeigt genau, wie man es nicht machen soll. Papa und Mama gehen oft ins Kino. Jedesmal, wenn Hansi allein zu Hause bleiben soll, gibt es einen furchtbaren Krach und ein Theater. Eines Abends sagen die Eltern: „So Hansi, heute abend gehen wir nicht fort, nun wirst du aber auch dafür sofort ruhig einschlafen.“ Natürlich gehen die Eltern doch. Zufällig fällt die Haustüre mit großem Krach ins Schloß. Hansi hört es, brüllt und springt ans Fenster. Dann sagte er: „So, da gehen die zwei größten Lügner, die ich kenne — und von mir verlangen sie immer, daß ich die Wahrheit saget“ Wie man durch voreiliges und falsches Strafen die Kinder direkt zum Lügen erziehen kann, zeigt das folgende Beispiel: Mar- grit kommt zu spät aus der Schule. „Wo warst du nun wieder?“ trägt die erboste Mutter. „Bei Hede, sie hat mir ihre neue Puppe gezeigt“, antwortete das Kind wahrheitsgemäß und erhält sofort eine Ohrfeige. „Ich will dich lehren, noch einmal so spät nach Hause zu kommen!" Das nächste Mal sagt Margrit einfach: „Wir mußten noch länger bleiben, um Strafaufgaben zu machen!“ Darauf sagte die Mutter nichts. Die ungerechte, unüberlegte Ohrfeige hatte das Kind zur Lügnerin gemacht. Hier wird also gelogen aus Angst; oft aber lügen Kinder auch einfach, weil sie in einer anderen Vorstellungswelt leben als wir Erwachsene. Das Kind sieht noch nicht die exakten Tatsac wie wir — es lebt in einer viel freieren, phantasievolleren Welt Viele einsame Kinder .ügen aber auch, weil sie sich dadurch in den Mittelpunkt der Handlung stellen kennen. Klein-Rudi hat seiner Mutter die Armbanduhr versteckt, agt aber, er habe sie ins Wasser geworfen. Darauf große, stundenlange Aufregung. lies dreht sich um den Kleinen — bis er die versteckte Uhr endlich hervorholt — nachdem sich einmal die ganze Familie richtig mit ihm befassen mußte. Darum muß man immer wieder Versucher die Vorstellungswelt der Kinder zu begreifen Fühlt man sich da richtig ein, eröffnen sich auch viele neue Per spe tiven "t die Lügen der Erwachsene- und ihre lekämpfung. Angst ist die häufigste Ursache der Lüge, da um ist die Bekämpfung, die Ergründung ihrer Quellen ebenso wichtig wie die Bekämpfung ihrer selbst. Wer sein Leben frei von Angst lebt, der wird es auch weitgehend frei von der Lüge machen können. Die Folge davon sind schwere Zerwürfnisse mit ihrem Mann. Dabei macht sich Frau Müller gar nicht so besonders viel aus dem ganzen Aufwand, sie würde sich gern einschränken — aber was würden ihre Freundinnen Ella und Olga dazu sagen? Und gar die reiche Frau Huber? Nein, das wäre schrecklich. Da verzichtet sie lieber auf das Glück und den Frieden ihres Heimes, als auf das Ansehen, das sie bei diesen, ihr im Grunde fernstehenden, Damen genießt. Hans und Helene sind seit einem Jahr verlobt. Während dieses Jahres ist Helene langsam zu der Überzeugung gekommen, daß sie beide eigentlich gar nicht zueinander passen. Das Naheliegende wäre nun, einander freundschaftlich die Hand zu schütteln und friedlich auseinanderzugehen, indem man sich gegenseitig eingesteht: wir haben uns geirrt, es tut uns leid, aber wir sind froh, daß wir es noch rechtzeitig bemerkt haben. Ja, wenn die „Leute“ nicht wären: Onkel Franz, Tante Anna, die Familie von gegenüber, die Köchin, die Schneiderin, die Modistin. Man zieht es vor, sich offenen Auges in jahrelanges seelisches Elend zu begeben, als daß man den Mut aufbrächte, allen diesen Leuten für einen Tag oder längstens eine Woche Gesprächsstoff zu liefern. Laß sie doch reden! „Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann“ — sagt ein altes Sprichwort. Darum lieber im eigenen kleinen Kreis der gleichgültigen „Leute* gefallen wollen, was ja letzten Endes Das praktische „Gehackte“ Wieviele gute Dinge können Sie aus gehacktem Fleisch herstellen. wenn Sie die richtige Mischung kennen! Das preiswerte Fleisch kann Ihnen sehr oft kostspielige Fleischstücke ersetzen und sowohl für den Alltag als auch für das Sonntagsessen als kräftiges Gericht dienen. Gehen Sie nur die Rezepte durch, und Sie werden über die Verwendungsmöglichkeit erstaunt sein. Bratklöße in Rahmsaüce Vermischen Sie 300 g Rindergehacktes mit 200 g gehacktem Schweinefleisch, einem in Wasser geweichten, gut ausgedrückten, zu Brei gerührten Brötchen, fünf gehackten, gewässerten Sardellen, einem Eßlöffel gehackter Petersilie, Salz, Pfeffer, zwei verschlagenen Eiern, zu einem festen Teig, aus dem Sie runde Klöße formen. Sie drehen die Klöße durch Mehl und braten Sie mit Zwiebelwürfeln in reichlich heißer Butter hellbraun. Gießen Sie eine Tasse Rahm dazu und geben Sie 100 g halbierte Champignons bei, sowie etwas Salz und Paprika. Die Klöße sollen in dieser Sauce, auf kleiner Flamme, noch zehn Minuten kochen und werden dann ln der Sauce serviert. Fachierte Kalbsschnitzel 500 g zartes Kalbfleisch geben Sie mit einem geweichten, gut ausgedrückten Brötchen, etwas zerschnittener Petersilie 100 g Champignons durch die Maschine. Sie würzen mit Salz, Pfeffer, wenig geriebenem Ingwer und mischen ein Ei unter die Masse. Formen Sie kleine, längliche, nicht zu dünne Schnitzel daraus {mit bemehlten Händen) und braten Sie die Schnitzel in heißer Kochbutter zu schöner Farbe aus; den Pfannenfond kochen Sie mit etwas herbem Südwein ab und geben ein Stückchen frische Butter bei. Geben Sie die Sauce über das Fleisch. doch nur ein Beweis für die eigene Eitelkeit ist, die es sich an der Anerkennung der nächststehenden Menschen i-icht genügen lassen will, sondern Zustimmung und Bravorufe der ganzen Menschheit heischt. Zudem ist die Meinung der Leute nur etwas sehr Relatives. Dinge, die noch vor fünfzig Jahren helles Entsetzen hervorriefen, sind heute alltägliche Selbstverständlichkeiten geworden, und über unsere gegenwärtigen Sorgen werden unsere Enkel vielleicht lachen. Um nnd über Handschuhe Kleine Kulturgeschichte der „Fingerlinge“ - Von der Eisenfaust zum Goldleder Den Handschuh kannte man bereits im alten Ägypten und Persien, später auch bei den Griechen. Man trug ihn zuerst nur als Schutz für die Hände bei der Gartenarbeit, später sogar bei Tisch. Vor dem 8. Jahrhundert wurden von den Germanen Fäustlinge getragen, die im 8. und 9. Jahrhundert den sogenannten Fingerlingen wichen. Diese Fingerlinge wurden mit schönen Stickereien verziert. Im Mittelalter trug man zu Jagd- und Kriegsausrüstungen lederne oder gegliederte Eisenhandschuhe. Erst seit dem 13. Jahrhundert ist der Handschuh auch ein unentbehrliches Stück ■§unpiai>fu8uiea osp Großen Luxus trieb man im 16. und 17. Jahrhundert mit dem Handschuh, der in den verschiedensten Formen und aus den verschiedensten Materialien gefertigt wurde. Als um 1700 der dreiviertellange Arme] modern wurde, reichten die Handschuhe bis zum Ellenbogen. Eitle Damen trugen auch des nachts Handschuhe im Bett, um ihre Hände weiß und zart zu erhalten. Ausgangs des 18. Jahrhunderts ist der Handschuh wieder kurz, streng und schmucklos. Me eigentliche Bestimmung des Handschuhs war wohl zunächst, che Hand vor Nässe und Kälte zu schützen. Aber wie es mit allen modischen Dingen geht, trug man ihn dann nicht nur zu diesem Zweck, sondern auch aus leichten Geweben im Sommer. Im 19. Jahrhundert nahm die HansefauMndustrie einen Aufschwung, denn vom schlichten Sporthandschuh Ms zum eleganten Luxushandschuh werden alle Variationen gebraucht. Der Handschuh ist nun seit langem ein modisches Beiwerk der Damenkleidung geworden, auf dessen harmonische Übereinstimmung mit dem übrigen Anzug großer Wert gelegt wird. Für Straße und Sport ist der kurze Handschuh mit nur angedeuteter Stulpe beliebt und zweckmäßig. Meistens ist er ganz schlicht gehalten oft aber auch aus zweifarbigem Leder in aparten Farbzusammenstellungen. Kleine Verzierungen sind erlaubt Sie zeigen sich in feinen Steppereien und Riemenflechterei. Der Sporthandschuh aus Schweinsleder in Verbindung mit einem porösen Gewebe ist eine praktische Errungenschaft. Zum Nachmittag werden die Verzierungen des Handschuhs etwas reicher. Das Material ist zartes geschmeidiges Leder, Samt und zum Sommer Seide und Filetgewebe. Der Handschuh für den Abend ist fast ein Kapitel für sich. Lange Handschuhe aus Goldoder Silberleder sind ein festliches Attribut des eleganten Abendkleides. Spitzen, feinmaschiger Tüll mit aparten Samtapplikationen oder gekurbelten und gestickten Motiven lassen den Abendhandschuh zu einer Kostbarkeit werden. Vielen Frauen, die etwas Geschick haben. wird es vielleicht Freude machen. einmal ein Paar Handschuhe selbst anzufertigen, kann ihn nähen, stricken oder häkeln wenn man ganz geschickt ist, auch filieren Samstag, «. Juli 1950 Nummer 87 — Seite 7 ftasßofö Freiburg — Breisgau Schuster, bleib bei deinem Leisten! Elin harter Bissen für die Stadt Freiburg Zwischen Au und Horben, an dom sogenann-l kaufsmöglichkeiten in früherem Umfange wie- ten „Selzensträßle“, liegt die städtische Fisch- j der geben werden, zuchtanstalt Selzenhof. Der Besitzer, ein schwel zerischer Staatsangehöriger, hat sie 1947 für 10 Jahre an die Stadtverwaltung Freiburg ver pachtet. Die Pacht ist erst 1957 abgelaufen, aber die Stadtverwaltung trägt sich mit dem bestimmten Gedanken, die Anstalt baldmöglichst abzustoßen oder, falls &ies nicht möglich sein sollte, den Betrieb stillzulegen. Der Grund der Absicht, die Anstalt aufzugeben, liegt in der Unrentabilität des Betriebes. In den vergangenen Jahren hat sich ein durchschnittliches Defizit von etwa 11000 DM pro Jahr ergeben. Was sind die Gründe, die die Fischzuchtanstalt zu einem VerlustgescMft für die Stadt werden ließen? Im Voraus sei’gesagt, daß die fachliche Qualität des aus Bayern herbeigeholten Fischzuchtmeisters außer Frage steht Der geschäftliche Niedergang der Anstalt, übrigens des ältestens Zuchtbetriebes dieser Art in Baden, ist in den betriebstechnischen und betriebswirtschaftlichen Verhältnissen und der Entwicklung der Konjunktur begründet. Bevor der Betrieb von der Stadtverwaltung übernommen wurde, lagen die Weiher jahrelang leer und mußten erst wieder entschlammt und ausgebessert werden. Die Brut- und Futterbereitungseinrichtungen mußten erst wieder betriebsfertig gemacht werden, entsprechen aber heute noch nicht den Erfordernissen eines modernen Zuchtbetriebes. Die Wasserzufuhr, wohl eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen derartigen Betrieb, ist primitiv. Die Dämme, die notwendig sind, um das Wasser in die tiefer gelegenen Weiher zu leiten, sind nicht massiv gebaut, und es kommt bei plötzlich starkem Wassergang immer wieder vor, daß sie reißen und die Wasserzufuhr unterbrechen. Die Fische brauchen jedoch laufend Frischwasser und gehen bei einer Unterbrechung in kürzester Zeit ein. Die Wasserleistung des die Anstalt speisenden Selzenbachs ist nur in wasserreichen Zeiten (Regen, Schneeschmelze) befriedigend. In trockenen Zeiten besteht dauernd die Gefahr, daß das Wasser nicht ausreicht. Was die Anstalt früher einmal rentabel gemacht hatte, war der Verkauf der Brut und besonders der Lachsbrut, die nach Holland verkauft wurde. Heute Sind die Beziehungen zu dem holländischen Partner noch nicht wieder hergestellt; und es ist fraglich, ob sich diese Ver- Unter diesen Umständen ist es verständlich, wenn die Stadtverwaltung danach trachtet, den Betrieb vor Ablauf des Pachtvertrages aufzugeben. Aber das „Aufgeben“ scheint schwerer zu sein als das damalige „Übernehmen“. Der Versuch, für die restlichen sieben Jahre einen Unterpächter zu finden, scheiterte am Mangel von Interessenten. (Bei diesem Sachverhalt wahrlich kein Wunder!) So bleiben der Stadt zwei Möglichkeiten, den Betrieb aufzugeben. Entweder Pächter und Verpächter treten unter siebenfacher Leistung der jährlichen Pachtsumme durch den Pächter vom Vertrag zurück; dies wären 21 000 DM. Eine solche Lösung wäre unter den gegebenen Verhältnissen wohl das günstigste. Oder .aber der Verpächter tritt vom Vertrage nicht zurück. In diesem Falle könnte die Stadt zwar die Weiher ausfischen, Brut und Speisefische verkaufen und den Betrieb brach liegen lassen, aber dann müßte neben der jährlichen Pacht von 3000 DM die Anstalt in den restlichen sieben Jahren betriebsfertig erhalten werden, und dabei käme man wahrscheinlich wieder an den eingangs erwähnten Defizitbetrag heran. Die Dinge liegen für die Stadt nicht günstig, von welcher Seite man sie auch betrachten mag. Man wird jedoch die Frage aufwerfen müssen, ob nicht eine solche Entwicklung vorauszusehen war. Die öffentliche Hand hat eine ganz besondere Verpflichtung, bei Errichtung von Betrieben vorsichtig zu sein, da die Betriebsmittel öffentliche Gelder sind. So, wie die Dinge gelegen haben, konnte doch niemals damit gerechnet werden, mit einer solchen Anstalt im Laufe von zehn Jahren ein Geschäft zu machen. Ein öffentliches Interesse an der Übernahme hat nie bestanden. Ernährungspolitische Momente konnten damals auch nicht mitgespielt haben. Die Produktionsmöglichkeiten sind verhältnismäßig gering, und die Fischzuchtanstalt Selzenhof hatte, vom emährungsmäßigen Standpunkte aus gesehen, für die Versorgung der Stadt Freiburg nie die geringste Bedeutung. Es wird schwer sein, die Beweggründe zu erforschen, die zur Übernahme der Fischzucht in städtische Regie geführt haben. Zu wünschen aber wäre, daß dieser Reinfall die Stadtverwaltung veranlassen würde, bei Unternehmen, für die kein öffentliches Interesse besteht, künftig vorsichtiger zu sein. Der Steuerzahler jedenfalls hat ein Recht, dies zu verlangen. k. a. s. Der Todessturz in den Schloßbergstollen Am Dienstag gegen 15.30 Uhr stürzte, wie bereits berichtet, ein 44jähriger Mann in den Luftschacht des Schloßbergstollens und verunglückte hierbei tödlich. Bei dem Toten handelt es sich um den am 5. Mai 1906 in Saarbrücken geborenen und dort wohnhaft gewesenen ehemaligen Bankbeamten Johann Lellig. Während seines kurzen Aufenthaltes in Freiburg lernte er ein aus Wuppertal-Barmen stammendes 20jähriges Mädchen kennen und machte mit ihm einen Spaziergang auf den Schloßberg. Aus noch nicht bekannten Gründen überstieg Lellig einen (allerdings niedergetretenen) Stacheldrahtzaun und kroch auf allen Vieren durch den Eingang eines in der Nähe des „Milchhäusles“ liegenden Luftschutzbunkers. Da der Eingang völlig offen war, stürzte Lellig den unmittelbar an den Eingang grenzenden 25 Meter tiefen zerklüfteten Luftschacht hinunter. Da das Recken des Mädchens nicht erwidert wurde, verständigte es die Beamten des Polizeireviers an der Burgstraße. Ein Bergungstrupp der Feuerwehr barg dann die Leiche Lelligs. Angesichts der geschilderten Tatsachen erscheint ein Verbrechen unwahrscheinlich. Das Mädchen ist wieder nach Wuppertal-Barmen abgereist und wird dort, wie uns die Freiburger Kriminalpolizei mitteilt, vernommen werden. Inzwischen wurde der Eingang des Bunkers durch eine Drahttür verschlossen: eine Maßnahme, die schon längst hätte geschehen müssen. Vom Städtischen Gartenamt wurde uns erklärt, daß ein Stacheldraht um den Bunker angebracht gewesen sei. Das erscheint uns jedoch unzureichend, da auch ein Kind den Zaun bei seiner geringen Höhe jederzeit hätte übersteigen können. Wäre Lellig von niemandem bemerkt, abgestürzt, so hätte er vermutlich für die nächsten drei Monate als vermißt gegolten, da der Luftschacht nur einmal im Vierteljahr überprüft wird. Za. Wandlung „Das sind unsere beiden Australier!“ Der Lagervorsitzende wies auf die beiden hochgewachsenen Burschen hin, die im Schatten einiger Bäume am Rande des Zeltlagers auf der Ottilienwiese Tischtennis spielten. Ich hätte sie ohne weiteres für Deutsche gehalten. „Nineteen — Five“, sagte der eine von ihnen und hob die ZelluloidkugÄ auf. Dann begrüßten wir uns. Zu meinem Leidwesen verstand ich sie sehr schlecht. Sie sprachen ein stark amerikanisch gefärbtes Englisch und waren in Sydney daheim. Im Schatten eines Zeltes versuchte ich mit meinen kümmerlichen Englischkenntnissen ehi Gespräch in Gang zu bringen. Ich fragte sie nach ihren ersten Eindrücken in Deutschland. Der eine war während des Krieges bei der Royal Air Forces gewesen und hatte deutsche Städte bombardiert. Er erzählte das ganz ruhig, ohne Ironie und Pose, mit einem leichten Anflug von Scham. Ich sagte nichts und dachte an meine Heimatstadt Köln. Dann fragte ich: „Also Gelegne?“ — Er nickte nur und schaute mir mit einem fremden und doch vertrauten Blick in die Augen. Wir hatten mehr gefühlt als verstanden. Ich gab ihm zu verstehen, daß ich auch Soldat gewesen sei, und wir lachten beide verleg«!. Keine Phrase, keine wohlgesetzten Gedanken und Worte zerstörten das Fluidum dieses Augenblicks. Nach einigem belanglosen Ausfragen verabschiedete ich mich von ihnen. Sie hatten vor, Frankreich, die Schweiz und Spanien zu besuchen — per Autostop. Übrigens sprachen und verstanden beide kein Wort Deutsch. J. W. Neuer Feuerwehr-Kommandant Neuer Kommandant der Freiburger Freiwilligen Feuerwehr wurde der 1905 geborene Malermeister Wilhelm E s c h 1 e, ein alter Freiburger, der seit dem 1. April 1928 bei der Freiwilligen Feuerwehr tätig ist Vorbildliche Betriebsverbundenheit Es verdient besondere Anerkennung, daß das Städtische Orchester trotz der bereits am 17. Juli begonnenen Theaterferien noch zwei Tage tätig war, um die Aufführung der „Schöpfung* mit dem Freiburger Badichor zu ermöglichen. Auf diese Weise wurde der Stadt ein namhafter Betrag zugeführt, der der Verminderung des Theaterdefizits dienen soll. Die Bluttat von Zarten vor Gericht Von Woche zu Woche Häuser, in denen kein Kinderlachen wohnt, erscheinen uns leer und 'tot; und auch die Höfe, über die niemals ein kräftiges Wort aus Buben- oder Mädelmund hinwegschallt, lassen etwas vermissen, was nun einmal dazu gehört. Aber auch dem kinderfreundlichsten Erwachsenen kann es einmal zuviel werden, wenn er nach anstrengender Tagesarbeit seinen wohlverdienten Feierabend auf dem Balkon genießen möchte, und dabei bis zum Dunkelwerden und zum Teil noch darüber hinaus von einem Geschrei umbrandet wird, daß ihm die Freude an der abendlichen Erholungspause gründlich vergeht, und sein schönes Abendprogramm völlig über den Haufen geworfen wird. Gesunde Kinder sollen herumtollen; das ist gar keine Frage. Aber muß das ausgerechnet immer dort geschehen, wo die Erwachsenen ihre ebenso notwendige Entspannung suchen? Natürlich gibt es Paragraphen, mit denen man das Übermaß an Geräuschentwicklung eindämmen könnte; aber wenn man sich ihrer bedienen würde, so hätte man todsicher alle Väter und Mütter dieser mit beneidenswerten Stimmbändern ausgerüsteten Buben und Mädel gegen sich. Es bleibt also nur der Weg, daß gerade im Hinblick auf die gegenwärtige starke Bautätigkeit in Freiburg alles versucht wird, um den Kindern außerhalb der Höfe, die ja in erster Linie auch anderen Zwecken — vor allem im Dienste der Hausfrauen — dienen, Plätze zu geben, auf denen sie ein Indianergeheul größter Lautstärke anstimmen können, ohne irgend jemandem zur Last zu fallen. Fast in allen Stadtteilen gibt es Flächen, die man ohne große Kosten für diesen Zweck herrichten könnte, auch wenn man dabei mit den auf solchen Flächen vorhandenen Dingen gelegentlich ein wenig zusammenrük- ken müßte. Die abgehetzten Großstädter jedenfalls würden für eine solche Nervenentlastung dankbar sein, und das Peterle und das Mariele wären gewiß auch nicht böse, wenn man sie solcherart der Gefahr enthöbe, den kunstgerecht gezielten Fußball nicht im Tor, sondern nach siegreichem Durchbruch durch ein fremdes Kellerfenster mitten in den Vorräten einer ständig übelgelaunten Nachbarin landen zu lassen. R. B. vor sich, so muß man sich ganz auf seine unberechenbaren Bewegungen einstellen. An jeder Straßenecke kann plötzlich solch ein Zweirädler auftauchen und den Yierrädler zwingen, sich im Tempo zu mäßigen. Was tut unser Amerikaner? Er flucht. Er flucht jetzt schon ein halbes Jahr lang; denn so lange ist er wenigstens schon hier. Er kann sich so schnell nicht daran gewöhnen. Die Radfahrer sind ihm unheimlich. Manchmal muß er nach Frankfurt oder München mit seinem Wagen. Da ist die Autobahn, und dort haben die Radler nichts zu suchen. Unserem Amerikaner bedeutet eine solche Fahrt immer eine Erholung, auch wenn er dann die Nadel des Tachometers auf 120 spielen läßt. Vielleicht gerade deshalb. J. W. Man entsinnt sich gewiß noch des allgemeinen Abscheus, den die Mitte Dezember 1949 erschienene Meldung auslöste, daß der 48jährige Besitzer des bäuerlichen Anwesens „Di- schenhof“ in Zarten, WilhÖlm Gremmelspacher, im Jähzorn seinen alten Dienstknecht durch Schläge mit einer dreizinkigen Heugabel so furchtbar zugerichtet hatte, daß der Mißhandelte nach einer Woche in Freiburg starb. Mit welcher Wucht der von der Staatsanwaltschaft wegen vorsätzlicher Tötung angeklagte Gremmelspacher zugeschlagen hatte, ergab die Untersuchung in der Klinik, in der 14 klaffende Wunden am Kopfe des Opfers festgestellt wurden. In der Schwurgerichtsverhandlung beantwortete der Beschuldigte die wiederholte Frage des Schwurgerichtsvorsitzenden, des Landgerichtspräsidenten Matt, warum er so bestialisch gehandelt habe, immer wieder mit den Worten: „Ich hab’ mir nix dabei denkt!“ In der Verhandlung stellte sich heraus, daß zwischen dem Angeklagten und seinem Knecht seit Jahren Zwistigkeiten herrschten, die einmal bei Feldarbeiten in eine Schlägerei ausarteten. Staatsanwalt Denz beantragte sechs Jahre Zuchthaus für Gremmelspacher, da er des Totschlags schuldig sei. Im Gegensatz hierzu glaubte das Gericht nicht an eine un- Im Spiegel der Kritik „Die Schöpfung“ • zweck“ bezeichnete: seine Orgelwerke und seine »Prk !!i L nB t e „ r Ä n rt ,!ÄL- 8 Dle U * e Verstauung der Bachstunden der Musik- vrn r Rin ei A?, f w/hrf,^ü? hochschule war ausschließlich dieser Werkgattung großen Auffühnmeen gewidmet. Die Kantate „Ich habe genug“, eine Solokantate für eine Baßstimme, Oboe, Streicher und Ganze 15 Fahrräder sah ein Ausländer während eines Monats in einer amerikanischen Großstadt. Sie fielen überhaupt nicht auf unter den Tausenden von Autos, in denen der Amerikaner quasi sein Leben verbringt. In Freiburg gibt es verständlicherweise wenig Amerikaner, dafür aber um so mehr Fahrräder. Steht man mittags am Werthmannplatz, dann kann man sich von ihrer Menge bedrängen lassen. Ganz Freiburg scheint die Pedale zu treten, vor allem das junge. Für unseren Amerikaner — es handelt sich um einen bestimmten, aber ungenannten — ist das Verhältnis Fahrrad ** Auto hierzulande also genau umgekehrt. Ist er Autofahrer, dann fühlt er sich von der erdrückenden Menge der Radler geradezu bedroht und eingeengt. Hat man einen von ihnen großen Aufführungen Händelscher Oratorien. Damit ist auch die stilgeschichtliche Stellung der „Schöpfung“ gekennzeichnet: Elemente der hochbarocken Kantaten- und Kammermusik sind mit dem klassischen Stil der Wiener Schule in einzigartiger Weise verschmolzen. Die Wirkung dieses Werkes war schon damals unvergleichlich. Und bis heute hat diese besinnlich-heitere, wunderbar gelöste und in ihrem Innersten tief fromme Musik ihre Macht nicht verloren. Sie vermag uns mit einer Ruhe und Gelassenheit zu erfüllen, deren wir heute mehr denn je bedürfen. Wir können wohl sagen, daß der Freiburger Bach- Chor mit seiner herrlichen Aufführung den unüber sehbaren Scharen, die von der erhabenen Weite und Größe des Münsterplatzes aufgenommen wurden, ein für lange unvergeßliches Erlebnis geschenkt hat. Theo Egel hat mit seinem Chor das Werk bis in letzte Feinheiten erarbeitet. Die einzelnen Stimmgruppen verfügen über vorzügliches Material: ein ausgewogenes Verhältnis zueinander gewährleistet einen einheitlichen und abgerundeten Chorklang. Nicht zuletzt Ist auch durch deutliche und klare Aussprache immer eine erfreuliche Durchsichtigkeit erreicht. Auch das verstärkte Städtische Orchester musizierte mit einer duftigen und überlegenen Leichtigkeit. Von den Solisten hatten sich besonders Gertrud Birmele, Leipzig (Sopran), und Hermann Schey, Amsterdam (Baß), vorbildlich in die Weit dieser Musik eingelebt. Die lockere und in allen Lagen mühelos beherrschte Sopranstimme verband sich auch in den Duetten des dritten Teils sehr organisch mit der ausgezeichnet profilierten und klangvollen Baßstimme. Wolfgang Windgassen, Stuttgart (Tenor), dagegen scheint diese musikalische Stilwelt in ihrer schlichten Einfachheit weniger zu liegen. Auch seine prächtige und große Stimme konnte mit einigen offensichtlichen Ungenauigkeiten und opernhaften Eigenheiten nicht Immer versöhnen. Theo Egel hatte den großen Apparat dieser Massenaufführung immer fest in der Hand und überwand mit dem Geschick und der Geistesgegenwart des souveränen Dirigenten auch einige unwesentliche Klippen. Der Wunsch nach einer Wiederholung dieser Aufführung mag sicherlich an diesem Abend die Mehrzahl des dankbaren Publikums erfüllt haben. -w- Freiburger Bachstunden So sehr wir uns heute um das Werk von Job. Seb. Bach bemühen, so darf doch nicht übersehen werden, daß wir im allgemeinen eine ziemlich einseitige Auswahl treffen. Bei den Gepflogenheiten unseres heutigen Musiklebens läßt sich dies jedoch kaum vermeiden. Wir hören immer wieder Werke konzertanter und solistischer Kammermusiker und können sie in der Tat nicht genug hören, um ihren ganzen Gehalt zu begreifen. Nur noch am Rande aber steht für uns die Musik, die Bach als seinen „eigentlichen End-' bedingte Tötungsabsidit, sondern nahm Körperverletzung mit Todesfolge an. Man war sich aber darin einig, daß das brutale Losschlagen auf einen Körperlich hinfälligen Mann, der dem Anwesen ein Vierteljahrhundert treu gedient habe, eine harte Sühne verdiene. Das Urteil lautete auf fünf Jahre Zuchthaus, von denen sieben Monate Untersuchungshaft abgehen, und auf drei Jahre Ehrverlust. Eifersuchtstat vor dem Schwurgericht Am Montag, 24. Juli, verhandelt das Schwurgericht Freiburg gegen die geschiedene Frau H. Neumann geh. Geilere, die am 3. Dezember 1949 die Witwe Helene Armbrusten aus Eifersucht durch mehrere Messerstiche in Höllstein tötete. Die Täterin, die ihre Schuld nach anfänglicher Verschleierung des Sachverhalts zugegeben hatte, war nach ihrer Festnahme längere Zeit zur Beobachtung ihres Geisteszustandes in der Psychiatrischen Klinik in Freiburg untergebracht, woraus die lange Dauer der Voruntersuchung zu erklären ist. An der Verhandlung werden elf Zeugen und zwei Sachverständige teilnehmen. Noch einmal mildernde Umstände Trotz ihrer im juristischen Sinne wenig erfreulichen Vergangenheit ließ sich die 27jährige Maria H. vor kurzem wieder verleiten, eine fremde Armbanduhr mitzunehmen. Obwohl die Anklage auf Rückfalldiebstahl lautete, billigte ihr der Richter mildernde Umstände zu und verurteilte sie nur zu fünf Monaten Gefängnis. Ein neuer Fahrradtyp Der bekannte Freiburger Erfinder, Oberingenieur Zaschka hat ein neuartiges Versuchsrad konstruiert, dessen Unterbau aus einem kräftig gebauten Kindertrettroller mit zwei kleinen luftbereiften 14zölligen Rädern besteht. Der Roller kann durch besondere Vorrichtungen im Handumdrehen in ein Kinderfahrrad und in ein Fahrrad für eine erwachsene Person umgewandelt werden. Das für den Stadtverkehr gedachte Fahrrad kann im Sitzen und im Stehen gefahren werden. Generalbaß, fand in Fritz Harlan einen Gestalter, der hohe Musikalität mit einer angenehmen Stimme und sorgfältiger technischer Erarbeitung vereinigt. Friedrich Plath, Heidelberg, spielte wieder mit seiner unvergleichlichen Klangkultur den Oboenpart. In der Kantate „Liebster Jesu, mein Verlangen“ sang Margarete von Winterfeld die Sopranpartie mit der ihr eigenen erfüllten Innerlichkeit. Orchester und kleiner Chor von Studierenden der Musikhochschule, deren Leitung in den erfahrenen Händen Walter Krafts lag, vervollständigten das Ensemble. — Außerdem standen drei Orgelwerke auf dem Programm: . Präludium und Fuge ln A-dur, der Orgelchoral ... 1 ,„,»»»,IIICIC«»»,»,»»»»»>»» „Schmücke dich, o Hebe Seele“ und Präludium und = Fuge in h-moll. Walter Kraft musizierte im ganzen = Fvocltffffifo# sehr zuchtvoll und bevorzugte helle, durchzuhörende s rfeilW'g** - urouiu« Register. — Wir glauben, daß dieser Einblick in das 5 Inli eigentliche Wesen Bachs ganz besondere Kraft und £ “ , ... „ Freude zu schenken vermochte. — w — £ Friedrichsbau: 2. stoch, 20.15 Uhr, Vorfun- r rung des Film-Clubs: „Farrebique“. Eurhythmlsche Kunst £ Man muß wohl Anthroposoph sein, wenn man den £ An a * ,en Tagen . Sinngehalt eurhythmischer Darstellung dichterischer £ Au gustinermuseum: Kostbares Kunstnana- und musikalischer Kunstwerke nachvollziehen will. £ werk aus fünf Jahrhunderten. Auf den uneingeweihten Musiker wirkt die eurhyth- = Casino-Klubräume: Kunstausstellung, mische Gestaltung Bachscher und Beethovenscher| Prometheushalle der Universtäts Musik zumindest befremdlich, wenn nicht gar pein-§ Ausstellung von Kinderzeichnungen aus 22 Ländern, lieh. Er vermag nicht 'einzusehen, warum man ab- = Kunstverein Talstraße 12a: Kollektivausstel- solute Musik durch symbolhafte Bewegungen ver- = lung Otto Dix. mittein muß, wenn sie doch im Hören eigentlich alles £ Friedrichsbau, 2. Stock: Ausstellung großer offenbart, was an eigenständig musikalischem Ge- £ Meister der Malerei in Reproduktionen, halt ln ihr steckt. Was über das Verstehen im Hör- £ Colombipark, 21 Uhr: Romantischer Ballettbaren hinausgeht, bleibt Immer der Gefahr subjek- £ abend tlver, zufälliger und unverbindlicher Deutung aus-- British Information Centre, 15, 17.30, gesetzt. Hier, wo man nicht aus der Musik heraus, £ und 20 Uhr (außer Mittwo chund Donnerstag, 20 Uhr)j sondern in sie hinein interpretierte, erlag man offen- £ Dokumentarfilme „Unsere Zelt Nr. 26“, „Deines Kin- bar dieser Gefahr. — Das Eurhythmlsche Konserva- s des Schlaf“, „Geschichte der UNO“. „Entfesselte El»- torium Köngen a. Neckar tanzte unter der Leitung - mente*. Else K links neben Bach und Beethoven Dichtungen £ _ t _ . __ von Goethe, Morgenstern, Steiner und Steffen. Am s „ 1 £ e a 1 * r • 2f sm ? : . ”P er Spielteufel _ besten verbanden sich Bewegungsspiel, symbolische - s^EürlSlshau^ -Der Ochsenkrieg — Harmonie: Lichteffekte und Musik bei der Goethe-Vertonung = Siegel Göttes — Kandelhof. „Bosambo — Die Nur- durefa Leopold von der Pals, einer Musik, die - ohne-bei: „Eine Frau fürs Leben“ - Union: „Unter heißem eigentliche gewichtige musikalische Subtanz — auf = Himmel — Zentral. „Mord ln Rio . eine Stütze von außen her angewiesen ist. Rezitatio- = _ nen und Ansage hatten etwas von der hochpathe- 2 tischen Feierlichkeit kultischer Handlungen, die sich 2 schlecht mit Klavierklang und Beifallklatschen mischte. 2 Die musikalische Untermalung erhob sich in der 2 Leist un g des Violinkonzertes in E-durf Am Donnerstag, 27. Juli, 28 Uhr, findet im Harmonie- von Bach über dilettantisches Niveau. z «aai GrfinwSidprstrßBF #fne Ein begeistertes Publikum, das durchaus den Granwälderstraße, eine druck einer geschlossenen Gemeinde machte, spen- £ Mitgliederversammlung dete Blumen und erzwang sich Zugaben, womit er- £ statt. Genosse Luft spricht Aber die außenpolitisch« wiesen ist, daß der Rezensent mit seinen kritischen £ Lage. In Anbetracht der bedeutsamen Ereignisse auf Einwänden ziemlich allein stand. -hek- " diesem Gebiet erwarten wir einen vollzähligen Besuch. Sozialdemokratische Partei Ortsverein Freiburg Seite 8— Nummer 87 Samstag, 22. Juli 1990 ZtesZSoOt Das Flüchtlingsproblem im Vordergründe Bürgermeisterversammlimg des Kreises Freibnrg in Kirchzarten Die Bürgermeister und Ratschreiber des allerdings nur, wenn diese letzte Voraussetzung Landkreises Freiburg tagten unter dem Vorsitz erfüllt ist). Die Landeskreditanstalt- bewilligt t *• oj.ai.i_ > ■ - ' die Darlehen, wenn die Gemeinde die Ausfall- des Landrat Schühly in Kirchzarten. Forstrat Barth vom Kreisjagdamt Freiburg sprach über das Landesjagdgesetz und seine Ausführungsverordnung und ging besonders auf die Probleme ein, die sich aus dem nur schwer zu bekämpfenden Überhandnehmen der Wildschweine ergeben. Von den 80 000 bis 90 000 Hektar Jagden sind heute wieder 25 000 Hektar den Gemeinden zurückgegeben worden. Der Rest bleibt zunächst französisches Jagdgebiet. Für die Gemeinden besteht nun die Aufgabe, die zurückerhaltenen Jagden wieder zu verpachten, um sowohl die Pachtsumme zu bekommen als auch die Gewähr zu haben, daß der Wildstand auf einer für Land- und Forstwirtschaft angemessenen Höhe gehalten und die Wildschweinplage wirksam bekämpft wird. Tragen die Pächter dem nicht genügend Rechnung, so kann unter Hinweis auf § 49 des Jagdgesetzes dadurch ein Druck auf sie ausgeübt werden, daß man ihnen mit der Abhaltung von Polizeijagden auf ihre Kosten droht. Es ist geplant, den durch die Sauen angerichteten Schaden aus einer Ausgleichskasse zu ersetzen, in die der Staat, die Verpächter und die Pächter einschießen sollen. Man denkt daran, die Pächter mit 20 Pfennigen pro Hektar zu belasten, während die Gemeinden 90 Prozent der Pachts- Summe für diesen Zweck bereitstellen sollen, um allen zu helfen, die unverschuldet geschädigt worden sind. Von der französischen Jagdverwaltung sollen 30 Pfennig pro Hektar aufgebracht werden, worin allerdings der „Pachtpreis“ eingeschlossen ist. Dieser Vorschlag fand nicht die Zustimmung der Versammlung, da die 90prozentige Belastung als zu hoch angesehen wurde. Wegen der Tatsache, daß die badischen Jagden heute bei den Schweizern beliebt sind, gingen die Meinungen darüber auseinander, ob die hohe Pachtsumme, die sie zu zahlen bereit sind, den Nachteil aufwiegt, daß sie wegen der räumlichen Entfernung sich nicht richtig um die Bekämpfung der Wildschweinplage kümmern können. Einen breiten Raum nahm die Behandlung des Flüchtlingsproblems und des Bauwesens in Anspruch: zwei Fragen, die eng miteinander Zusammenhängen. Landrat Schühly wies eindringlich darauf hin, daß der letzte freie Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt werden müsse. Erst wenn man mit gutem Gewissen sagen könne, es gebe keine freien Zimmer mehr, habe die Regierung eine Handhabe, dem Bunde gegenüber auf die Unmöglichkeit eines weiteren Zustroms hinzuweisen. Es soll eine Kommission eingesetzt werden, die die Verhältnisse in den einzelnen Gemeinden prüft. Wichtig sind besonders die stadtnahen Ortschaften, da Freiburg vielen Flüchtlingen Arbeit bietet. Es besteht aber eine Grenze der Aufnahmefähigkeit, und außerdem bedeutet die Unterbringung in einzelnen Zimmern immer nur eine vorübergehende Lösung. Daher muß die Bautätigkeit mit allen Mitteln intensiviert werden; denn neben den Flüchtlingen warten viele junge Ehepaare auf einen eigenen Herd in einer eigenen Wohnung. Die Gemeinden sollen von der Möglichkeit Gebrauch machen, daß sie Darlehen bis zu 6000 DM für Flüchtlingsbauvorhaben selbst auf nehmen oder vermitteln können (bzw. für den Wohnungsbau, durch den dann indirekt Wohnraum für die Flüchtlinge freigestellt wird, bürgschaft übernimmt. Der Mangel an Baugelände kann oft durch Anwendung des Aufbaugesetzes behoben werden, das die Möglichkeit schafft, durch zwangsweise Schließung von Baulücken neues Gelände zu erschließen. In der Aussprache ergab sich, daß es nicht so einfach ist, die Unterlagen, die für die Genehmigung des Darlehens erforderlich sind, lückenlos einzureichen, da keine volle Klarheit bei den Bürgermeistern darüber herrsche, was alles anzugeben ist. — Anschließend erläuterte der Vertreter der Waldbrandversicherung den Schutz, der durch die Versicherung gewährt würde, in allen Einzelheiten. Nachmittags führte der Bürgermeister von Kirchzarten, Dr. Gremmelsbacher, die Versammlungsteilnehmer durch die neu entstehende Siedlung und konnte mit berechtigtem Stolz auf das hin- weisen, was an dieser Stelle erreicht worden ist. In wunderschöner Lage werden hier 26 Häuser auf gemeindeeigenem Gelände von einer Siedlungsgenossenschaft errichtet. Die Baufluchten sind bewußt variiert, um keine Eintönigkeit der Anlage aufkommen zu lassen, die leider für viele Siedlungen typisch ist. Die Miete beträgt 45 DM für das größere und 42 DM für das kleinere Halbhaus. Nach drei Jahren kann das Eigentum erworben werden. — Der hier geführte Beweis, wohin Tatkraft und Organisationstalent führen können, war der anschauliche Abschluß der Bürgermeisterversammlung. Die große Schwierigkeit der restlosen Finanzierung solcher Bauvorhaben, auf die der Kirchzartener Bürgermeister eindringlich hinwies, wird aber nach wie vor der Hemmschuh für ähnliche Projekte in anderen Gemeinden sein. P. M. Alle Achtung, meine Damen! Wir glaubten uns in die große AussteUung eines Modeateliers versetzt, als wir die Arbeiten der Hauswirtschaftlichen Berufsschule Freiburg besichtigten. Die Handarbeiten der Jahresklassen dieser Schule wiesen eine derart gute Gesamtnote auf, daß man nicht zögern sollte, die angefertigten Stücke einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wenn auch die Handarbeitslehrerinnen oft ihre liebe Mühe hatten, den Schülerinnen die erforderlichen Grundkenntnisse im Nähen und Strichen beizubringen, so beweisen die Ausstellungsobjekte doch, daß sich ihre Mühe gelohnt hat. Die Werkproben umfaßten Stopfen, den MaschenstiCh, Nähen, Fliehen und weitere Arbeiten, die unbedingte Voraussetzung zu Erfolgen in der Handarbeitslehre sind. In drei Schulräumen der Adelhauserschule haben die Mädchen ihre kunstvollen Arbeiten ausgestellt. Eigene Entwürfe und die Teilverwendung abgetragener Kleiderstoffe bewiesen die Geschicklichkeit und den Geschmack der Schülerinnen. Sie erfüllten, was ihnen auf gegeben wurde: zur Freude ihrer Direktorin, Frau A. Kling, ihrer Lehrerinnen und zu ihrer eigenen. Das Leben wird den Schülerinnen und künftigen Hausfrauen Gelegenheit genug geben, das Gelernte zu verwerten. G. Z. Ein Abend für Hermann Schweizer Der Bund für Heimat- und Volksleben, Freiburg, gedachte des am 27. November 1944 ums Lebens gekommenen Justizrats Hermann Schweizer. Als Mensch, Bücher- und Kunstsammler hat sich dieser in Freiburg viele Freunde erworben. Antiquar Fritz Reiser, ein persönlicher Bekannter des Verstorbenen, ließ vor den zahlreich erschienenen Heimatfreunden das Lebensbild Schweizers erstehen, der in jeder Hinsicht ein Vorbild gewesen sei. Am 2. Juni 1878 in der Eisenbahnstraße 10 als Sohn des Kunsthändlers Schweizer geboren, bes rchte er nach dem Gymnasium die Universität. Zusammen mit Karl Ludwig Diehl bildete er sich neben seinem Berufe auch als begeisterter Freund der Schauspielkunst aus. Bei den Goethe- und Dante-Feiern der Stadt Freiburg übernahm Schweizer stets die tragenden Rollen. Als Vorstand des Städt. Grundbuchamtes wurde er nicht nur seinen Untergebenen, sondern darüber hinaus weiten Kreisen durch seine soziale Einstellung bekannt. Selbst genügsam und bescheiden, hatte er ein offenes Herz und eine gebende Hand für die Minderbemittelten. Als Sammler von über 2000 Bänden deutscher Literatur in Erstausgaben und als Besitzer zahlreicher Schriften und Bilder, u. a. auch der großen Gesamtansicht von Freiburg (von Frommei, 1850), schuf er sich einen besonderen Namen. G. Z. Bereitschaftsdienst am Sonntag Xrzte (verfügbar, soweit Hausarzt nicht erreichbar): Dr. Karl Denz, Uracbstr. 47 (Telefon über 2116), Dr. Ahrem, Talstr. la (Tel. 3300), Dr. Gillmann, Jacobi- straße 58 (2336), Frau Dr. Moser. Tennenbacher Straße 40 (Telefon 3422). Zahnärzte: Zahnklinik Günterstal, Torplatz 1 (Tel. 2583), von 10 bis 12 Uhr; außerhalb dieser Zeit: Dr. Dr. Rolf Krebs, Lorettostraße 38 (Telefon 3243). Dentisten; Johannes Berger, Kaiser-Joseph-Str. 227 (Telefon 3717). Apotheken: Dreisam-Apotheke, Günterstalstraße 5, und Zähringer-Apotheke, Tennenbacher Straße 5. 90. Geburtstag des ältesten Feuerwehrmannes Fuhrhalter Fritz Gimbel, Hummelstraße, feiert heute sein 90. Wiegenfest. Sechs Jahrzehnte hat er bei der Freiw. Feuerwehr treue Dienste geleistet. Igi Aufträge des Verwaltungsrats der Freiw. Feuerwehr überbrachte Herr Glasermeister Bernhard dem verdienten Jubilar die besten Glückwünsche, denen wir uns ebenso herzlich anschließen. Freiburger Stadtnacbricfaten Die Ausstellung internationaler Kinderzeichnungen in der Prometheushalle der Universität wurde bis einschließlich 30. Juli verlängert, nachdem sie bls1 ®“? von über 2900 Interessenten besucht worden ist. Öffnungszeiten: werktags von 10 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 13 Uhr. Die Außenstelle Freiburg der Gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft des Hilfswerks der evangelischen Kirchen in Deutschland, Moltkestraße 30. bittet Bewerber für die Reihenhaus-Eigenheime der Flucht- lingssiediung Freiburg, Rosbaumweg-Falkenbergerstraße, ihre Flüchtlingspaßnummer bis zum 29. Juli in der Moltkestraße 30 abzugeben. Die „Erznarren“ der Stadt Freiburg — die Fleckle- häs — laden alle Freiburger Kinder, aber nur in Be- gleitung von Erwachsenen, zu ihrem eintrittsfreien Kinderfest am 23. Juli, im Gasthaus „Zum Stahl“, Kartäuserstraße, ein. Nur pünktliches Erscheinen sichert den Kindern den Empfang der ihnen zugedachten Überraschungen. Der Vorstand d«s Freiburger Münsterbauvereins wählte für den vor einem Jahre verstorbenen Landeskonservator, Universitätsprofessor Dr. Josef Sauer, den Verleger Dr. jur. Theophil Herder-Dorn- eich zum ersten Vorsitzenden. Er ist mit den Bestrebungen des Vereins seit 1933 eng verbunden und bietet die Gewähr, daß das Verständnis für die Arbeit des Vereins unter seiner Leitung in der Einwohnerschaft immer mehr gefestigt wird. Am 26. Juli feiern Reichsbahnsekretär i. R. Fridolin Lang und Frau Kunigunde geh. Hensler ihre goldene Hochzeit. Wandeningen am Sonntag „Die Naturfreunde“ wandern nach dem Kybfelsen, Schlacker und Kappel. Treffpunkt 13 Uhr Endstation Günterstal. Gehzeit vier Stunden. Wanderwart: Freudenberg. Die Jugendgruppe unternimmt eine Klettertour in das Höllental. Abfahrt mit Rädern 7 Uhr beim Gasthaus „Zum Schiff“. Die Wanderung der Kinder- gruppe führt nach dem Lehener Bergle. Treffzeit 13 Uhr bei der Ochsenbrücke, Haslacher Straße. Die Tageswanderung des Schwarzwaldvereins er* streckt sich auf Ebnet, Streckereck, St. Peter, Lindenberg, Kirchzarten. Treffpunkt 7 Uhr Straßenbahnhaltestelle Steinackerstraße. Gehzeit sechs Stunden. — Anmeldungen für die Wanderung nach dem Herzo- genhorn am 3. Juli (Omnibusfahrt) bis spatesten« 25. Juli erbeten. Rechnungen pünktlich bezahlen T Die Handwerkskammer Freiburg wendet sich mit der dringenden Bitte an die Einwohnerschaft, die Handwerkerrechnungen pünktlicher als bisher zu bezahlen. Wenn auch manche Kritik der Kundschaft, die sich gegen unpünktliche Lieferung und zu hohe Rechnungen wende, zum Teil berechtigt sein möge, so habe doch der Kunde andererseits manche Möglichkeit, sich gegen derartige Mißhelligkeiten von Handwerkerseite zu schützen. Gerechterweise aber müsse auch einmal darauf hingewiesen werden, daß der Handwerker ebenfalls Ursache habe, die Kundschaft in diesem und jenem Punkte zu kritisieren. Die langen Reihen fertiggestellter Schuhe, Kleider, Pelze, Uhren und vieler anderer Reparaturen und Neuanfertigungen, die in den Werkstätten der Handwerker auf ihre Abholung warteten, kündeten deutlich von der Unzuverlässigkeit und Rücksichtslosigkeit vieler Kunden. Noch unerfreulicher aber seien die ständig Ein Werk vorbildlicher Gemeinschaftsarbeit Die neue Freiburger Feuerwehr zentrale am Rotteckplatz Neben einem großen Teil der Freiburger Wohnhäuser fiel auch die frühere Feuerwehrzentrale am Rotteckplatz der Bombennacht des 27. November 1944 fast ganz zum Opfer. Das Richtfest der Freiburger Feuerwehr in der aus den Ruinen neuerstandenen Feuerwehrzentrale gab jedoch wieder einmal beredtes Zeugnis von der Schaffenskraft und dem nimmermüden Fleiß, die aus Ruinen wieder neues Leben erstehen ließen. Daß diese Großtat verwirklicht werden konnte, ist hauptsächlich den Angehörigen der Feuer- zu verdanken, die nicht nur durch Trümmerbeseitigung, sondern auch durch tatkräftige handwerkliche Mitarbeit dazu beitrugen, das neue Heim der Feuerwehrzentrale weit unter dem Kostenvoranschlag zu errichten. Nichts gelernt und alles vergessen! Fin Kapitel über Mieter und Hausbesitzer Die ungleichmäßige Verteilung der irdischen Güter bringt es mit sich, daß auch bei der Wohnraumibenutzung die Gegensätze zwischen Hausbesitzer und Mieter oft hart aufeinanderprallen. Schuldige an solchen unerfreulichen Auseinandersetzungen gibt es auf beiden Seiten. Man kennt sozial gesinnte Hausbesitzer und asoziale Mieter — und umgekehrt. Die Jahre Luftschutzkellergemeinschaft haben manche Hausfeindschaft gemildert; sie ließen die Menschen notgedrungen näher zusammenrücken. Es sind sogar zwischen streitenden Parteien echte Freundschaften entstanden. In der Hauptsache geschah dies dort, wo die Hausbesitzer und Mieter gleichermaßen Opfer der Bombennächte wurden. Andererseits kann man die Beobachtung machen, daß manche, die es dem Schicksal danken müßten, daß ihr Besitz erhalten blieb, die gemeinsam verlebten Schreckensstunden längst vergessen haben und heute wieder gegenüber ihren Mietern den rücksichtslosesten Herr-im-Haus-Standpunkt herauszukehren belieben. Zu diesen Leuten gehört ein Hausbesitzer in der Jacobistraße, der ein zweites Haus in der Immentalstraße sein eigen nennt. Aus der „mageren Lohntüte“ hat er sich, wie er behauptet, diesen Besitz in den Jahren 1934 und 1938 erworben. Die seit Jahren geleistete unversteuerte Schwarzarbeit mag allerdings beim Erwerb und bei der Abzahlung eine ausschlaggebende Rolle gespielt haben. Zunächst beglückte er seine Mieter mit einem 10- bis 15pro- zentigen Mietpreisaufschlag, obwohl es sich um Althäuser handelt, bei denen die Mieten heute noch gesetzlich festgelegt sind. Unter der neuen Herrschaft begann für die Mieter, namentlich für alleinstehende Frauen (darunter Kriegs- und Sozialrentner), eine Zeit unerträglichster Schikanen. Wenn dieser Herr den Mietern die Luft abstellen könnte, würde er eg mit Vergnügen tun. Verschiedene Mietparteien mußten bei ihrem Auszug die Hilfe der Polizei in Anspruch nehmen, weil der Hausbesitzer immer im letzten Augenblick unberechtigte Forderungen an Geld und Wohngut geltend machte. Neuerdings hat dieser „edle“ Zeitgenosse einem Teil seiner Mieter wiederum eine etwa lOprozentige Mietpreiserhöhung zudiktiert mit der Begründung, er müsse für den Lastenausgleich Vorsorge treffen. Hier kann man nur von nacktestem Mietpreiswucher sprechen. Dem Manne, der als Betriebsratsvorsitzender einer angesehenen Freiburger Firma die Verpflichtung hätte, der sozialen Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen, wäre sehr zu empfehlen, die Dinge nicht auf die Spitze zu treiben; denn die Demokratie ist schließlich kein Tummelplatz für wirtschaftliche Freibeuter. E.Sch. Hier hat die Feuerwehr wieder einmal gezeigt, daß sie es nicht nur versteht, Hab und Gut der Freiburger Einwohner bei Bränden vor der Vernichtung zu bewahren, sondern auch mit zäher Ausdauer die frühere Zentrale wiederzuerrichten. Wohl waren die Räume für die Unterbringung der Motorspritze und Geräte teilweise erhalten, doch galt es schon dort, alle Kräfte mobil zu machen, um sie wieder so auszubauen, daß sie allen Anforderungen genügen konnten. Vor allem aber galt es, die Zentrale wiederzuerstellen, um die alte Schlagkraft und Einsatzfähigkeit der Wehr zu gewährleisten. Auf den Ruinen eines früher zum Gesund Wasserwerk gehörenden Gebäudes wurde unter der Oberleitung des Oberbaurats Lindenberg vom Städtischen Hochbauamt und unter der Bauleitung des Architekten Leiber dank der Mitarbeit der Wehrmänner selbst, unter geringstem Kostenaufwand, ein Bau geschaffen, der im Erdgeschoß einen geräumigen Unterkuqftsraum für die Mannschaft und im ersten Stock zwei Räume für Verwaltung und Handwerker birgt. Auch der Anbau eines eingeschossigen Gebäudes mit Schlosserei steht kurz vor der Vollendung. Dem Richtfest, das durch flotte Darbietungen der Feuerwehrkapelle und ihres Quartetts verschönt wurde, wohnten neben den Bürgermeistern Schieler und Dr. Brandei sowie einer Reihe von Stadträten auch der Dezernent des Feuerlöschwesens im Innenministerium, Ministerialrat Leiser, bei Dieser zollte ebenso wie Bürgermeister Dr. Brandei und Oberbaurat Lindenberg der Mitarbeit der Feuerwehrleute beim Wiederaufbau der Feuerwehrzentrale volle Anerkennung, der sich der Kommandant der Berufsfeuerwehr, Branddirektor Schwarz, anschloß. Ministerialrat Leiser versprach, daß die Sorgen und Bedürfnisse der Feuerwehr stets größtes Verständnis beim Ministerium finden würden, daß er auch dafür sorgen werde, daß auch im Volke die hohe Ethik des Feuerwehrdienstes anerkannt werde. Er äußerte den Wunsch, daß es der Freiburger Feuerwehr vergönnt sei, in dem neuerstandenen Gebäude den Dienst am Nächsten künftig in einer Zeit wirklichen Friedens erfüllen zu können. Das ist auch unser herzlicher Wunsch. G. B. Leser schreiben an „Das Volk“ (Jeder Leserbeitrag stellt die pers önliche Meinung des Verfassers dar) Klagelied ans der Schwarzwaldstraße Der Verfasser des Stoßseufzers über die unerfreulichen Zeitgenossen in Herdem in der Plauderei „Von Woche zu Woche“ in der Ausgabe vom 8. Juli möge sich damit trösten, daß es in anderen Stadtteilen Freiburgs zum Teil noch schlimmer mit der Rücksichtslosigkeit des lieben Nächsten ist. In der unteren Schwarzwaldstraße jedenfalls haben wir bereits um 4 Uhr früh tagtäglich das Gerassel von oft zu zweien und dreien aneinandergekoppelter Lastwagen zu ertragen. Ferner treten mit nicht geringerer Lautstärke Milch- und Bierwagen, Personenkraftwagen und Krafträder auf den Plan. Wenn man Glück hat, kann man so gegen 2 Uhr nachts Einschlafen, aber um 4 Uhr geht dann, wie schon erwähnt, das Gerassel von neuem los. Vor allem in der letzten Zeit tobten junge Leute auf ihren Motorrädern wie Halbwahnsinnige mit unbeschreiblichem Lärm bis in den Morgen hinein herum, so daß überhaupt kein Mensch mehr an Schlaf denken konnte. An eine Mittagsruhe ist natürlich gleichfalls nicht zu denken, und die unglücklichen Bewohner der Schwarzwaldstraße empfinden es geradezu als Hohn, wenn sie im Rundfunk die Bitte hören, den Apparat auf Zimmerlautstärke einzustellen. Ob ihnen von behördlicher Seite jemals geholfen wird? Die lärmgequälten Anwohner haben diese Hoffnung längst auf gegeben! ' w. F. Alterszulage der 65jährigen Kriegsversehrten Wo bleibt die schon seit langem in Aussicht gestellte Wiedereinführung der Alterszulage für die über 65jährigen Kriegsversehrten? Obgleich der Betrag nur klein ist, spielt er doch bei den in den meisten Fällen sehr bescheidenen Kriegsversehrtenrenten heute in Anbetracht der hohen Lebensmittelpreise eine Rolle. Es will dem Volke nicht in den Sinn, daß für die Kriegsversehrten die Mittel nicht aufgebracht werden, um ihnen ein menschenwürdiges Dasein zu bieten, während für den Ausbau der vorläufigen Bundeshauptstadt Unsummen verausgabt sind und der erste Beamte des Staates und die Minister neben ihren hohen Gehältern noch doppelt so hohe Repräsentationsgelder bekommen, dazu steuerfrei: Summen, die dem Staatshaushalt abgehen und mit denen in irgendwelcher Weise wieder die Allgemeinheit belastet wird. Sollte es für ein so armes Volk in unserer Lage nicht die vornehmste Repräsentation sein, seinen sozialen Ver- pfllchungen nachzukommen, von denen die Wiederaus- zahlung der Alterszulagen an die Kriegsversehrten eine der bescheidensten wäre? A. S. Die armen Fußgänger! Trotz aller Vorstellungen schreitet die Polizei noch immer nicht energisch genug gegen die mitunter geradezu unglaublich leichtsinnige Fahrweise namentlich der Motorradfahrer ein, unter der in erster Linie der schutzlose Fußgänger leidet. Die Polizei straft zwar Bäuerinnen, die an ihrem Rade ein Kärrele mit einem Strick statt einer Kette befestigen, aber sie scheint nichts dagegen zu haben, daß beispielsweise in der Mercy- und Stefanienstraße Reparaturwerkstätten Proberasen — anders kann man es beim besten Willen nicht bezeichnen — mit Motorrädern unternehmen. B. v. U.-St. steigenden Außenstände der Handwerksbetrieb«, die im Hinblick auf die rund 900 000 Handwerksbetriebe in Westdeutschland vom Deutschen Handwerksinstitut München, auf über eine Milliarde DM geschätzt würden. Wohl werde mancher Handwerker sich künftig noch einiges an Höflichkeit, Pünktlichkeit und Ordnungssinn aneignen müssen, um sich seinen Kundenkreis zu erhalten und seine Existenz zu sichern; doch dürfe er auch vom Kunden Höflichkeit und ein Entgegenkommen erwarten, das sich namentlich in einer ordnungsgemäßen Bezahlung der Rechnungen ausprägen müsse. Razzia auf Verkehrssünder Es ist gut, daß das „Versteckspielen“ der Polizei jetzt einmal im Stadtrat zur Sprache kam. Hierzu noch ein kleines Beispiel: Vor einiger Zeit hatten Polizisten auf verkehrssündige Studenten in der Nähe der Universität eine Razzia durchgeführt. Es hagelte „kostenpflichtige Verwarnungen“. Dabei waren auch solche für Radfahrer, die nebeneinander fuhren. Zugegeben, das ist ein Verkehrsübel. Die Liebe von jungen Leuten muß auch nicht unbedingt so weit gehen, daß sie Hand in Hand auf dem Fahrrad durch Freiburgs belebteste Verkehrsstraßen fahren. Aber erstaunlich ist, daß die Polizei nur zuweilen Anstoß an solchen Verkehrssünden zu nehmen scheint. In der Karlstraße wimmelt es nämlich jeden Morgen um 8 Uhr herum von unvorschriftsmäßig Fahrenden aller Fahrzeugarten. Und tatsächlich waren eines Morgens auch zwei Polizisten da. Aber sie unterhielten sich miteinander und ließen Verkehrssünder Verkehrssünder sein. E. A. Blick in den Bezirk Lahr Wieder Arbeiterwohlfahrtskinder auf dem Langenhard Als im letzten Spätjahr die Solinger Gemeinschaftsschulen von der Höhe des Langenhards schieden, ist es recht still geworden, droben im „Weiler ob dem Wald“. Die „Villa Bärenfett“ lag verwaist am Berghang. In der „Eulenklause“ und im „Spatzennest“ standen wohl noch die allerliebsten niedlichen Bettchen — doch die Kinder fehlten, alle die vielen, lieben Kinderstimmen, die mit ihrem Jubel und ihren Liedern viele Monate hindurch den Langenhard belebt hatten. Seit letzten Montag aber vernimmt man wieder die fröhlichen Kinderlaute. Wohl sind erst 25 Kinder da, darunter 10 Kölner „Jungs“. Das Anwesen ist für die kommenden Wochen ausschließlich als Erholungsheim gedacht. Heimleiterin ist Fräulein Hilde Friedrich. Für Speise und Trank sorgt Mutter Geßler. Am meisten begeistert sind die Großstadtkinder, die erstmals den Schwarzwald sehen und .«rieben dürfen, unsere Berge und Wälder mit ihrer so beruhigenden Stille. So wird der Aufenthalt auf dem Langenhard den Kindern ein Erlebnis, das ihnen zeitlebens in Erinnerung bleiben wird. Die Fohlenweide ist eingerichtet. Auf dem Langenhard konnte nach vielen Bemühungen die Fohlenweide eingerichtet werden. Sie wurde vom Weidefachmann Merk aus Do- nauesehingen angelegt und umfaßt Koppel, Brunnen und Stall. Die vorhandene Ausbaufähigkeit der Weide eröffnet dieser für die nächsten Jahre gewiß gute Möglichkeiten. Einem Motorradunfall fiel ein hiesiger Einwohner kurz vor dem Ortseingang, von Lahr kommend, aus bisher ungeklärten Ursachen zum Opfer. Der Verunglückte befindet sich in ernstem Zustand im Bezirkskrankenhaus in Lahr. Seinen 84. Geburtstag feierte Friedrich Götz. Vor einigen Jahren hat der Jubilar noch sehr tatkräftig auf seinem Handwerk als Maurer gearbeitet. Ottenheim. Der verunglückte Landwirt Wilhelm Stolz ist im Krankenhaus in Lahr seinen Verletzungen erlegen. Eine Rückenmarkverletzung setzte seinem Leben ein Ende. Seinen beiden Söhnen wendet sich allgemeine Teilnahme zu, um so mehr, als erst vor acht Monaten ihre Mutter einer schweren Krankheit erlag. Samstag, LS. Juli 1950 TiasTBoth Nummer 87 — Seite • Emmendingen * Kaiserstuhl * Elztal Haltlose Gerüchte „Dreckwasser“ erweist sich als völlig einwandfrei Ein übles Gerücht verbreitete sich dieser Tage in der Stadt: bei einer unvermuteten Wasserprobe im Freibad sei eine starke Verunreinigung des Badewassers festgestellt Worden; bald hieß es gar, die Verunreinigung sei so stark, daß der Ausdrude „Brühe“ — Dreckwasser noch viel zu gut sei. Die Folge davon war, daß überängstliche Gemüter, jedem der es hören wollte, abrieten, dort zu baden. Eine Anfrage beim Leiter des Städt. Tiefbauamtes, Baurat Wagner, überzeugte uns jedoch bald vom Gegenteil dieser Behauptungen. Sogar schriftlich hatte die Chemische Fabrik Pe- tunia in Grötzingen bei Karlsruhe, die mit der Überwachung der verschiedenen Badeanstalten beauftragt ist, bestätigt, daß bei dem unangemeldeten Kontrollbesuch das Badewasser vollkommen klar angetroffen wurde. Die Prüfungen auf Petunia-Gehalt und Chlor ergaben die vorgeschriebenen Mengen. Den Badegästen ist somit die Gewähr gegeben, daß sie in einem hygienisch vollkommen einwandfreien Wasser baden. Ein besonderes Lob wurde bei dieser Prüfung Bademeister Brüchle ausgestellt, der dem Bad große Sorgfalt angedeihen läßt, was besonders wichtig ist, da die Freibäder vielen Menschen Erholung und Entspannung bieten. Die Reinigung des Wassers erfolgt durch eine „Petunia-Wasserreinigungsanlage", wie in allen modernen Freibädern des In- und Auslandes. Dem Rohwasser (Grundwasser), das in einen etwa 70 cbm fassenden unterirdischen Behälter gepumpt wird, werden Petunia-Präparate (chemische unschädliche Mittel) zugesetzt. Diese machen das Wasser in kurzer Zeit, immun gegen Algenwachstum. Mit Hilfe einer Umwälzpumpe wird dann dieses petunisierte Wasser über das Filter der Wasserreinigungsanlage in die Badebecken gedrückt. Zur Entkeimung und Beseitigung der organischen, fäulnisfähigen Schmutzstoffe, die von den Badenden eingeschleppt werden, wird dem Badewasser während seiner Umwälzung über die Wasserreinigungsanlage eine ärztlich vorgeschriebene Menge Chlor zugesetzt. Die Chlorzugabe ist im Gegensatz zu manchen Hallenbädern weder durch Geruch noch durch Geschmack wahrnehmbar. Sie wird so abgestimmt, daß der Gehalt im abfließenden Wasser noch etwa 0,1 Milligramm je Liter beträgt. Die Beseitigung der von den Badegästen eingeschleppten Sehmutzstoffe, wird durch die Umwälzung des Beckenwassers über die Wasserreinigungsanlage vorgenommen. Somit hat der Badende jederzeit reines Wasser; irgendwelche Bedenken hygienischer Art sind überflüssig. ch. Siidbadische Schwimm-Meisterschaften Heute, 18 Uhr, beginnen im Schwimmbad die Wettkämpfe um die Südbadischen Schwimm- und Springmeisterschaften. Um 21 Uhr findet in der Goethehalle ein Begrüßungsabend der Teilnehmer durch den gastgebenden Verein statt. Die Siegerehrung wird am morgigen Sonntag nach den Wettkämpfen im Bad vorgenommen. Als Abschluß ist am Sonntag, 20 Uhr, ein kameradschaftliches Beisammensein in der Goethehalle vorgesehen. Sexau. Die Radsportveranstaltung, die anläßlich der Wiedergründung einer Ortsgruppe der „Solidarität“ stattfindet, wird von Gausportleiter A. Storz geleitet. lieh die Verbundenheit zwischen den Musikern und dem Dirigenten, die ihre Wirkung auf die Zuhörer nicht verfehlt, und die besonders bei anspruchsvollen Konzertstücken gut zum Ausdruck kommt. Selbstmord — danebengegangen Einigen Aufruhr verursachte kürzlich ein Liebespärchen, das beschlossen hatte, in Prech- tal gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Die Abschiedsbriefe aber, in denen der genaue Zeitpunkt und Ort des Selbstmordes angegeben war, waren zu früh geschrieben, so daß die Verwandten noch die Kriminalpolizei verständigen konnten, die sich sofort auf die Suche machte. Das Paar, ein noch lediger Mann mittleren Alters, der sich als Tierarzt ausgegeben hatte, und eine verheiratete Frau, blieben am Leben. Die Gifteinspritzung, die der falsche Tierarzt seiner Geliebten gemacht hatte, war nicht stark genug; die Dosis, die er für sich zubereitet hatte, hätte genügt, doch traf er bei der Einspritzung nicht die Ader. Der rechtmäßige Ehemann holte seine ungetreue Gattin wieder heim, während sich der selbstmordsüchtige Geliebte wegen Führung falscher Titel zu verantworten haben wird. Ottoschwanden. Die ledige L. B. wurde am vergangenen Samstag in das Emmendinger Krankenhaus mit Vergiftungserscheinungen eingeliefert, wo sie bereits am Sonntag verstorben ist. Es wurde festgestellt, daß sie an scheinend in selbstmörderischer Absicht Giftspritzmittel eingenommen hatte. Als Grund zur Tat wird seelische Depression angenommen Kollnau. Dieser Tage wurden in Heidelberg die neuen Glocken für die Pfarrkirche, für die Blasius-Kapelle und die Kapelle im Kohlenbach gegossen. Eine Vertretung der Gemeinde, an der Spitze Bürgermeister Schindler, wohnte dem Guß bei. Die Glockenweihe ist für den 6. August vorgesehen. Kollnau. In der vergangenen Woche hatte ein großer Teil unserer Schüler der Volksschule schöne Ausflugstage erlebt. Die 8. Klasse fuhr mit dem Omnibus an den Bodensee, während die Schüler der 3. und 4. Klasse eine Omnibus fahrt durch das Höllental nach Titisee und St. Peter unternommen hatten. Die anderen Klassen fuhren nach Triberg, in das Feldberggebiet und in das Wiesental. Die glücklichen Kinder waren von diesen schönen Ausfahrten begeistert und beeindruckt. Neue Schlachthausgebühren für Waldkirch Stadtrat vertagt Festlegung von Siedlungsgelände Die für die öffentliche Stadtratsitzung am Schweine 4.50 DM, Kälber 2.50 DM, Schafe oder Mittwoch vorgesehene Festlegung von Siedlungsgelände wurde vertagt; eine Begehung des in Aussicht genommenen Geländes in den nächsten Tagen soll Unklarheiten beseitigen. Weiter wurde ein Beschluß über Erwerb der kollektiven Mitgliedschaft, die von der „Gesellschaft für übernationale Zusammenarbeit“ angeregt wurde und der namhafte Persönlichkeiten unseres öffentlichen Lebens angehören, gleichfalls ausgesetzt. Stadtrat Reiser (SPD) legte Wert auf vorherige Einsichtnahme in die Statuten und bedauerte, daß die Bestrebungen der Europa-Union, mit welcher die „Gesellschaft“ weitgehend koordiniert zu sein scheint, gegenwärtig die Einbeziehung ost- und südosteuropäischer Staaten noch nicht einschließen könne. Bürgermeister Prestel und Stadtrat Wirth (CDU) betonten, daß Namen wie Walter Dircks auf der Gründungsurkunde für eine gute Sache zeugten und empfahlen Annahme der Mitgliedschaft. — Durch eine steigende Tendenz hat die Handelsschule jetzt fast die doppelte Schülerzahl gegenüber dem Jahre 1939. — Einer Erfassung der Waldkircher Haushaltungen für ein Adreßbuch stimmte der Stadtrat zu, wenn der Herausgeber den Namen des Verzeichnisses von „Adreßbuch der Kreisstadt Emmendingen“ in „Adreßbuch für die Städte des Kreises Emmen- dingen“ ändert. — Ein Gesuch des Verkehrs- p Unternehmens Hergarten um Genehmigung der ; berg, Schönau, Zirnispaß, Badenweiler, Müll- T71T — J .L i.. ^ -.1 — Ji . . u J nj—.« O T n PlivAnciaiiAw A«i<1a 4 nl» »Ln« Ziegen 2 DM, Lämmer oder Zicklein 0.50 DM. Fleischbeschau (je kg): bei eingeführtem Fleisch 0.04 DM; Ausstellung von Bescheinigungen 0.20 DM. Benützung der Freibank: ein Stück Großvieh 5 DM, ein Stück Kleinvieh und bei Notschlachtungen des Ortsviehversicherungsvereins 2 DM. Benützung des Schlachthausstalles (pro Tag und Stück): Großvieh 0.50 DM, Kleinvieh 0.30 DM. Benützung der Schlachthauswaage: ein Stück Großvieh, für Lebend- und Schlachtgewicht 0.50 DM, ein Stück Kleinvieh, für Lebend- und Schlachtgewicht 0.30 DM. Die Gebühren wurden mit Erlaß des Badischen Ministeriums der Wirtschaft und Arbeit — Preisbildungsstelle — vom 7. Juli 1950 genehmigt. Die bisherige Gebührenfestsetzung tritt außer Kraft Sommernachtskonzert Heute, 20.30 Uhr, veranstaltet die Stadtmusik im Garten des Gasthauses zur Arche in Waldkirch ein großes Sommernachtskonzert, wozu die Bevölkerung herzlich eingeladen ist. Waldkirch. Am Sonntag, 23. Juli, unternimmt der „Volkschpr Sängerbund“ mit drei Omnibussen seinen längst geplanten Ausflug über Glottertal, St. Märgen, Turner, Titisee, FeldBeliebte Stadtgartenkonaerte Die Abendkonzerte in den städtischen Anlagen in Emmendingen erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Dies bewies erneut die Besucherzahl, die sich zum Konzert der Stadtmusik einfand, trotzdem die Kette der Veranstaltungen zur Zeit nicht abreißt. Unter Leitung von Musikdirektor Lühmann verbessert die Ka- Einrichtung eines Stadt- und Straßenverkehrs mit 90-Minuten-Abstand wird befürwortend weitergeleitet. — Weiterhin hatte sich der Stadtrat mit einem Einspruch der Metzger gegen das Auftreten auswärtiger Fleisch- und Wurstwarenhändler auf dem Waldkircher Wochenmarkt zu beschäftigen. Im Grundsatz war man sich darüber einig, daß Händler, die nicht im Besitz der einschlägigen Gewerbezeugnisse sind, zurückzuweisen seien. Im anderen Falle kommt dieser Frage aber eine weitgehende Bedeutung zu. Sie soll darum vor der Abstimmung mit den zuständigen behördlichen Instanzen eingehend erörtert werden. Abschließend genehmigte der Stadtrat ein stimmig die neue Satzung über die Schlachthausgebühren der Stadt Waldkirch. Die neuen Preise betragen: Schlachtungen und Fleisch- bzw. Trichinen- beschau (je Tier): Ochsen und Farren 9 DM, heim. In Ehrenstetten findet ein gemütliches Beisammensein statt. Abfahrt pünktlich um 5.30 Uhr am Gasthaus zum Jägerhäusle. Emmendinger Stadtnachrichten Folgende hochbetagten Einwohner feiern Gri>urt|* tag: im 22. Juli: Jakob Bührer, Neubronnstraße 15b. den 80., und Berta Huber geb. Lapp, Gartenstraße l, den 72., am 23. Juli: Christian Schillinge!- , Blzstr. 2«. den 78. und Emilie Enz geb. Schlenker, Karh-Friea rich-Straße 31, den 78. Herzlichen Glückwunsch. Die Eheleute Otto Wiedemann, Oberlehrer a. D., Lammstraße, feiern heute das seltene Fest der „Diamantenen Hochzeit“. Neben Glückwünschen der staatlichen und kommunalen Behörden war es besonders der Männerchor der „Sängervereinigung“ .der ihren ehemaligen, langjährigen Sänger und heutiges Ehrenmitglied mit einem Ständchen ehrte. Der in Köndringen geborene Jubilar wirkte lange Jahre an der dortigen Volksschule. Der Vorstand der Säng6c- vereinigung, Haberstroh, sprach dem heute OOjähri- gen, ältesten Sänger Badens — seine Ehefrau ist 83 Jahre alt — die Glückwünsche des Vereins aus und überreichte ihm ein kleines Geschenk. Im Alter von 75 Jahren verstarb Otto Zimmermann. Lammstraße 26, der -allseits hochgeachtete Senior und Gründer des heutigen Schuhwarengeschäftes Zimmermann am Tor. Die „Sängervereinigung“ und die „Sängerrunde Hochberg“ beteiligen sich morgen an dem aus Anlaß des 90jährigen Jubiläums stattflndenden Gartenfest des Gesangvereins Teningen. Das Kreisrequisitionsamt teilt mit, daß auf Grund der Freigabe von Wohnungen in Waldkirch durch die Besatzungsmacht, Einrichtungsgegenstände (Bettstellen mit und ohne Matratzen, Kinderbetten, Tische, Stühle, Schränke, Schreibtische, Sessel usw.) zurückgegeben wurden, deren Eigentümer nicht ermittelt werden konnten. Wer Ansprüche geltend machen will, kann dies beim Wohnungsamt (Altes Schloß) schriftlich einreichen. Eigentumsrechte können durch Besichtigung der Gegenstände geltend gemacht werden. Die Bürgermeister des Landkreises kommen am nächsten Dienstag In Emmendingen zusammen, um die Verteilung des nächsten Flüchtlingstransportes vorzunehmen. Daneben werden verwaltungstechnische Fragen behandelt. Anläßlich des 200. Todestages von Joh. Seb. Bach flndet am 23. Juli, 20 Uhr, in der evangelischen Stadtkirche eine musikalische Feierstunde statt. Neben Orgelwerken, die' von Prof. Wilh. Krauß, Karlsruhe, gespielt werden, verzeichnet das Programm auch Sonatensätze für Violine (Lilli Weißer-Ritschl) sowie vier- und fünfstim mige Chorsätze, die der Jugendsingkreis (Leitung: Isolde Kölsch) darbieten wird. Die vorgesehene Zweitagesfahrt der Naturfreunde zum „Kieferhäusle“ ßndet nicht statt. Dafür wurde eine Tagesfahrt zum Rohrhardsberg festgelegt. Abfahrt mit Fahrrädern am Sonntag, 4 Uhr. Der Schwarzwaldverein unternimmt am 23. Juli eine Halbtageswanderung durch die Allmend nach Nimburg-Bottingen. Abmarsch 13.30 Uhr beim Bahnhof. Alle Heimatvertriebenen werden zu der am 23. Juli, 16 Uhr, lm „Löwensaal“ stattflndenden Gründungsversammlung einer Ortsgemeinschaft eingeladen. — Das Zentraltheater spielt über das Wochenende den Film „Die Königskinder“. Die Ortsgruppe des Radfahrbundes „Solidarität* beteiligt sich beim Radsportfest in Sexau. Abfahrt der Teilnehmer pünktlich um 12.30 Uhr beim „Rebstock“. * Gottesdienste 23. Juli: Stadtkirche: 8.30 Uhr Christenlehre der Christuspfarrei, 9.30 Uhr Gottesdienst (Sehmitthenner), ll Uhr Kindergottesdienst, 20 Uhr Bach-Feierstunde. Anstaltskirche: 8.45 Uhr Gottesdienst. Kollmarsreute: 10 Uhr Gottesdienst (Heim). 24. Juli: 20.30 Uhr in Emmendingen Männerkreis. Gutach. Unter großen Anteilnahme der Bevölkerung wurde der an den Folgen eines Sc'-Taganfalls verstorbene Schmied Wilhelm Bt .a zu Grabe getragen. Am Grabe sang der Männerchor seinem langjährigen, treuen Sänger einige Grablieder zum Abschied. pelle laufend ihren Ausbildungsstand. Erstaun -1 Kühe und Rinder 7.50 DM, Pfende 7 DM, Noch einmal gut davongekommen Streiflichter aus dem Waldkircher Gerichtssaal Ein erschütterndes Beispiel von der moralischen Haltlosigkeit eines Teiles unserer Jugend zeigte der Fall des noch nicht 17 Jahre alten H. E. aus Waldkirch, der am Mittwoch zur Verhandlung vor dem Amtsgericht in Waldkirch gelangte. Die häuslichen Verhältnisse hatten dem jungen Menschen, der wegen einer schweren sittlichen Verfehlung an einem minderjährigen Mädchen auf der Anklagebank saß, keinen Halt geben können. Andere Umstände, wohl nicht zuletzt die fragwürdigen Film- erzeugni&se, mit denen wir in letzter Zeit förmlich überschwemmt werden und zu deren regelmäßigen Besuchern E. gehörte, ließen ihn auf die abschüssige Bahn sittlicher Verwahrlosung geraten. Im Interesse des Jungen, in dem zweifellos noch ein guter Kern stecht — er hatte sich selbst der Gendarmerie gestellt und ein umfassendes Geständnis abgelegt — kann man nur hoffen, daß er auch die Kraft zur inneren Umkehr findet und die Chance, welche ihm das Gericht gab, nicht sinnlos werden läßt. Der Staatsanwalt war dem Angeklagten zugleich ein guter Verteidiger, der in seinem Plädoyer nicht versäumte, alle positiven Momente herauszustellen. Mit der Begründung, daß das Jugendgefängnis für das spätere Leben des Jungen eine schwere Belastung bedeute, ein Aufenthalt den Angeklagten dort mit Gleichgesinnten und schlechteren Menschen zusammenführe, beantragte er 3 Wochen Jugendarrest mit anschließender Überführung in die öffentliche Erziehung. Das Gericht entsprach diesem Antrag. In der Begründung sagte der Vorsitzende, daß derartige Entgleisungen nur möglich seien, wenn man die Stellen, die den sittlichen Halt vermitteln, als überflüssig ansieht und — wie es der Angeklagte tat — lächerlich macht. „Schuster, bleib’ bei deinem Leisten“, müßte man zu Vater und Sohn B. aus Oberwinden Sagen, die gegen einen Strafbefehl von je j 20 DM wegen unerlaubter Ausübung eines Gewerbes Einspruch erhoben und sich deshalb vor dem Richter zu verantworten hatten. Beide hatten sich in einem improvisierten Friseursalon als Figaros betätigt und ihre Kundschaft zu ermäßigten Preisen bedient, obwohl der Vater Schneider ist und sein Sohn sich erst in der Friseurlehre befindet. Der Richter stellte sich vor das ordentliche und angemeldete Handwerk, das seine Existenz gegen derartige Schwarzarbeit verteidigen müsse, und bestätigte das erste Urteil. Es war für das Gericht nicht leicht, die Motive zu klären, welche die Angeklagten Frau F. aus Kenzingen und ihren Untermieter G. am 28. April d. J. bewogen hatten, ein vierjähriges Kind von seiner Pflegestelle in Waldkirch zu entführen und in den gemeinsamen Haushalt in Kenzingen zu bringen. Man glaubte der Darstellung, aus mütterlichen Gefühlen und Anhänglichkeit gehandelt zu haben, konnte aber eine derart eigenmächtige Handlungsweise nicht ungesühnt lassen. Der Richter betonte, daß sonst kein Kind auf der Straße mehr sicher wäre. Die Verhandlung offenbarte das bedauernswerte Schicksal eines „Besatzungskindes“, das unter wechselnden materiellen Bedingungen von einer Pflegestelle in die andere wandert und Elternliebe niemals kennenlernt. Moralische Hauptangeklagte aber ist die in Teningen wohnhafte 36jährige Mutter, die von dem Schicksal ihres lieblos herumgestoßenen Kindes unbeeindruckt, auf der Zeugenbank saß. Neuanmeldungen für das Progymnasium Die Neuanmeldungen der Sextaner für das Schuljahr 1950/51 des Progymnasiums Waldkirch werden am Montag von 8 bis 12 Uhr im Direktionszimmer entgegengenommen. Hierzu müssen die Geburtsurkunde (Familienbuch), der Impfschein und das letzte Schulzeugnis mitgebracht werden. Die schriftliche Prüfung findet in allen Gymnasien und Progymnasien am 25. Juli, vormittags, statt. SANE11A in der neuen Packung Sie wissen aus eigener Erfahrung: Je frischer ein Nahrungsmittel ist, um so besser schmeckt es. Sanella — aus reinen, natürlichen Fetten täglich frisch bereitet — ist Deutschlands meistgekaufte Margarine. An jedem Wochentag kaufen Millionen Hausfrauen Sanella ein. Dank dieser großen Nachfrage gelangt Sanella stets besonders schnell — und damit auch besonders-frisch — in Ihre Hand! Überzeugen Sie tich selbst davon, wie vorzüglich frische Sanella schmeckt: Machen Sie gleich nacl» dem Einkauf eine Kostprobe—an»; besten auf einer Scheibe - - TSft 4 Seite 10 — Nummer 8t tkßT3otil Samstag, 22. Juli 1950 Hinaus ins feindliche Leben Festliche Schulentlassung Bis auf den letzten Platz war die „Krone“ gefüllt, als die Volksschule ihre Schulentlassungsfeier abhielt. Die Durchführung der Feier lag in den Händen von Hauptlehrer Richard Schaudt, der mit dem auserlesenen Programm bewies, daß die Landjugend keinesfalls hinter den Leistungen, die in Stadtschulen erreicht werden, zurücksteht; vielmehr, daß die Qualität der Lehrkräfte mit von ausschlaggebender Bedeutung ist. Die gepflegte Gesangs- und Vortragskunst der Schüler — alte und neue Weisen sowie Gedichte unserer großen Dichter — hatte großstädtisches Format. Reicher Beifall belohnte die Darbietungen, die mit einem heiteren Jungenspiel „Die sieben Prahlhänse“ ihr Ende fanden. Die Leistungen und das Können der Schüler würdigte Bürgermeister Reinbold, Freiamt, in einer kurzen Ansprache, mit der er gleichzeitig dem Schulleiter, Hauptlehrer Schaudt, den Dank für seine Arbeit aussprach. ... Mundingen Auch in Mundingen wurde die Schulentlassung festlich begangen. Im Anschluß an den Gottesdienst fand die Eröffnung der Handarbeitsausstellung statt. Sie bezeugte sowohl das Können der Handarbeitslehrerin, Fräulein Rizi, als auch den Fleiß und die Geschicklichkeit der Schülerinnen. Zu der Schulentlassungsfeier am Nachmittag, die fast drei Stunden dauerte, war Kreisschulrat Kämmerer erschienen. In Vorträgen, Liedsätzen, Berichten und dem fröhlichen Erntespiel „Der Wunschring“ zeigten die Schüler Proben ihres Könnens. Bürgermeister Nattermann ermahnte die Entlassenen, ihre Kenntnisse nunmehr im Leben zu verwenden. Die Schüler ihrerseits dankten ihren Lehrern, und Pfarrer Schlabach für die gehabte Mühe und Arbeit. Mit einem gemeinsamen Lied schloß die eindrucksvolle Feierstunde. ...und Herbolzheim Aus Anlaß des Ausscheidens von 60 Schülerinnen und Schülern hatte die Lehrerschaft der Herbolzheimer Volkschule zu einer schlichten Abschiedsfeier in der Festhalle geladen. Kreisschulrat Kämmerer, Rektor Duffner, Hauptlehrer Briem und Bürgermeister Jäger gaben den Jugendlichen in eindringlichen Worten das Geleit für ihr ferneres Leben und richteten in Freiam t-Mußbach... gleichzeitig einen Appell an die Elternschaft, die in der Schule begonnene Erziehungsarbeit auch nach dem Ausscheiden verantwortungsbewußt fortzusetzen. Zahlreiche Vorträge und Lieder gaben der Feierstunde einen würdigen Rahmen. Vor einigen lagen unternahmen Ornithologen der Vogelwarte Radolfzell gemeinsam mit ihrem ornithologischen Mitarbeiter für den Kaiserstuhl eine Exkursion in das landschaftliche Idyll des sonnigen Berglandes. Begleitet von dem melancholischen Flöten der Heidelerche, die in den zunehmenden Mondnächten die ganze Nacht hindurch ihr Liebeslied flötet, ging es hinauf zum Buchenwald bei Oberrotweil, wo man die Stimmen der Nachtigall, Walddrossel, Pirol, Schwarzspecht und der Rotkehlchen hören konnte. Besondere Aufmerksamkeit widmete man dem Gekicher der Wildtauben, doch die Hoffnung trog, das Vorkommen der ostasiatiischen Türkentaube konnte nicht konstatiert werden. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß diese Wildtaube unser Gebiet bereits betreten hat. Eventuelle Beobachtungen wolle man bitte melden. Während im vergangenen Jahr nicht eine einzige Uferschwalbe bemerkt wurde, konnten dieses Jahr zahlreiche kleine, rußgrau gefärbte Vögelchen an den Lößwänden bei Oberrotweil in einer Kiesgrube und in den Hohlwegen mit südlicher Lage beobachtet werden. Seltsam und doch höchst interessant ist die Tätigkeit dieser Schwalbe beim Nestbau. Denn nicht in Busch und Baum nistet der kleine Vogel, sondern im Erdreich gräbt er sich eine Niströhre, armlang, zuweilen noch länger, die am hintersten Ende backofenartig erweitert ist und als Kinderstube dient. Das losgehackte Erdreich tragen die Vögel von ihrer Brutstätte fort. Feinde haben diese Vögelchen sehr viele, man darf bei den „bösen Buben“ beginnen, der Sperber und der Baumfalk stellen ihnen nach und nicht selten wird die Brut das Opfer des Mauswiesels. Während sich die Vogelwarten nur mit rein Kenzingen. Am morgigen Sonntag zeigt der bekannte Schwarzwaldmaler Johann Papa, Schönwald, im Bürgersaal eine Rahe seiner Ölgemälde. Der Maler errang erst kürzlich in Waldkirch und Emmendingen mit seinen Bildern einen schönen Erfolg. Die Ausstellung ist bis 22 Uhr geöffnet. — Anläßlich seines 74. Geburtstages brachte die „Eintracht“ ihrem Ehrenmitglied Gustav Beck ein Ständchen. wissenschaftlichen Fragen der Vogelwelt befassen und ihre Wissenschaft in umfangreichem Maße auf die Beobachtungen ihrer im ganzen Land, ja, in der ganzen Welt, verteilten Mitarbeiter gründen, hat der hiesige Mitarbeiter sein Augenmerk auf den Vogelschutz gelenkt. Denn es hat keinen Zweck, Beobachtungen anzustellen, wenn die Gefahr besteht, daß der Vogelbestand beunruhigt und vernichtet wird. Dank der aufklärenden Hinweise durch die Volksschullehrer ist den Kindern die Freude an Naturschönem und der Vogelwelt geweckt und vertieft worden. So erklärt es sich, daß dieses Jahr keine Beschwerden eingelaufen sind. An den Badbergen (Oberbergen) wandte man die Aufmerksamkeit nebenher auch der exotischen Bodenvegetation zu. Auf dem Höhenrücken entlang ging es nach Schelingen, das wegen seines Niobvorkommens noch Bedeutung erlangen dürfte. Die Einwohner bedauern es sehr, daß der Abbau noch nicht aufgenommen wurde, der so manchem Beschäftigung und Brot bringen könnte —, ornithologisch war hier außer Feldspatzen nichts Besonderes zu sehen. An der Limburg, die botanisch noch Neues brachte, fand .die Wanderung ihr Ende. Abschließend wurde noch angeregt, in den kommenden Wintermonaten mit Lichtbildervorträgen die Schüler zu erfreuen. M. H. Bahiingen. Zum letzten Male hatten die zur Entlassung stehenden Schüler und Schülerinnen an einem gemeinsamen Ausflug teilgenommen, bevor sie dieser Tage in einer kleinen Feierstunde einen Schlußstrich unter ihren ersten Lebensabschnitt setzten. Die Erzieher gaben ihnen ermahnende Wort mit auf den Weg. Neue Apotheke in Teningen Heute eröffnet die neuerrichtete Apotheke in der Grünlestraße 2 und nimmt damit offiziell den Betrieb auf. Ein Tag- und Nachtdienst wird eingerichtet. Die Konzession wurde dem Apotheker Franz Frank, Lahr, erteilt, der schon verschiedene Apotheken in Baden und Schlesien geführt hat und damit die nötige Erfahrung für einen , derartigen Betrieb mitbringt. Die Apotheke ist bei allen Krankenkassen zugelassen. Mit Erteilung der Konzession wurde einem Bedürfnis der wiederaufstrebenden Industriegemeinde und der Nachbargemeinden sowie einem seit längerer Zeit gehegten Plan entsprochen. Der Neubau — Eigentümer ist Bauunternehmer Gustav Heß, Teningen — umfaßt neben den Räumen der Apotheke, die allen hygienischen, technischen und polizeilichen Anforderungen und Vorschriften entsprechen, auch zwei schön ausgestattete Wohnungen in den oberen Stockwerken. Das Haus, das zusammen mit dem daneben liegenden Cafe das Bild beim Ortseingang vorteilhaft ausschmückt, wurde in einer Rekordzeit von vier Monaten erstellt. Damit haben auch die beteiligten Handwerker (siehe Inseratenteil) ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Sommernachtsfest in Breisack Das Sommernachtsfest des Männergesangvereins Breisach war ein großer Erfolg. Trotz der drehenden Wolken stiegen gegen Abend Hunderte aus Breisach und Umgebung den Schloßberg hinauf. Es wurde ein reichhaltiges Programm geboten, das 'Gesangs- und Mußik- vorträge des Männergesangvereins, der Stadtkapelle und des Handharmonikaklubs Breisach, humoristische Einlagen der Brüder Pieper und Darbietungen kleiner Tänzerinnen umfaßte. Viel Spaß machte den Zuschauern der „Mondscheinwalzer“. — Der Himmel hatte ein Einsehen und öffnete seine Schleußen erst gegen Ende der Veranstaltung. — Am Sonntag, 23. Juli, 20.30 Uhr, findet wieder eine Tanzveranstaltung auf dem Schloßberg statt, zu der der Männergesangverein herzlich einladet. Endingen. Der Sportverein plant anläßlich seines 30jährigen Bestehens die Durchführung eines großen Pokaltumiers, das zu Beginn der neuen Spielsaison stattfinden soll. Amoltern. Die Religionsprüfung, bei der die Stiftungsräte und Gemeindevertreter anwesend waren, hatte ein gutes Ergebnis. Vergebliche Ausschau nach der Türkentaube Ornithologen der Vogelwarte Radolfzell am Kaiser Stuhl Teningen hat feine Apotheke Franz Heer Malermeister Hindenburgstraße • Ausführung sämtlicher Maler- und Tapezierarbeiten Chr. Scheuermann Wwe. Blechnerei und Installation Ausführung sämtlicher Blechner- und Installationsarbeiten Hans- und Küchengeräte, Herde, Öfen, Waschkessel in allen Preislagen A. Henninger Glasermeister — Bahiingen a. K. Telefon: Eichstetten 244 Ausführung sämtlicher Glaserarbeiten und Schaufensteranlagen Emil Menton Zimmermeister Telefon: Emmendingen 471 Ausführung sämtlicher Zimmerarbeiten Ban von Treppen aller Art Breisgau-flpotheke, Teningen iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiuHiiiiim Eröffnung der neuerrichteten Apotheke, Grünlestraße 2 am Samstag, dem 22. Juli 1950 Franz Frank, Apotheker Erika Frank, Apothekerin Geöffnet: wochentags 8-12 und 14-19 Uhr, jeden dritten Sonntag von 11-12 Uhr GUSTAV HESS BAUUNTERNEHMUNG Euiiäim tatscktckk.: brimkd 390M Fntai L hnpi *. 26 K Scodümk.lahrl|riallii.aL Fort 300 tat EamaiiNa TENINGEN HOLZWARENFABRIKATION KONDRINGERSTR. 3 August Weiler & Sohn Werkstätte für Möbel- und Innenausbau Reichhaltiges Lager in preiswerten Möbeln. Ausstellungsraum im Gasthaus zum „Ochsen“ Telefon: Emmendingen 346 Albert Fischer Malermeister Ausführung von Malerarbeiten aller Art Ludwig Hess Schlossermeister Goethestraße — Telefon 547 Stahlbau, Eisenkonstruktionen Bauschlosserei Felix Siegel Gipsergeschäft — Karlstraße 12 Ausführung sämtlicher Innen- und Außenputzarbeiten an Neu- und Umbauten Stuck- und Rabitzarbeiten Planung und Leitung Hugo Duttlinger Architekt Köndringer Straße — Telefon 509 «I FRANZ MILLION Polster- und Dekorations-Werkstätte Emmendingen, Hochburger Straße 12, Telefon 488 Ausführung von Linoleum- und Dekorationsarbeit Fritz Höfflin Schreinermeister Bau- und Möbelschreinerei Innenausbau Breisacher Straße Telefon: Emmendingen 691 Samstag, 22. Juli 1950 Pasüttä Nummer 87 Sette- H Am Dienstagvopnittag natu» Gott ungurn unvergeßlichen, für sorgenden Vater, Schwiegervater und Onkel Otto Zimmermann Kaufmann nach langem, mit großer seelischer Kraft und immer gleiehblelbender christlicher Geduld ertragenem Leiden Jm Alter von 75 Jahren zu sich in die Ewigkeit. Sein . Leben war Liebe für die Seinen, Liebe für sein Lebenswerk. Emmendingen, den 20. Juli 1950 Am Tor Die dankbaren Kinder: Mathilde Zimmermann Albert Zimmermann Anna Zimmermann Ludwig Zimmermann und Familie Ol« 8«i*et*ung lang in der Stille statt. Überführungen AllsMhlllMll Smglogtt F. Müller Freiburg im Breisgau Bleichestr. 3—5, Telefon 3581 1,8 Liter, zu verkaufen. Emmendingen — Telefon 302. FAHRBADER gut, leichtlaufend u. preiswert kauft man bei ANTON FREY Lahr LB. 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Leistungsbeschriebe werden ab Montag, 24. Juli 1950, im Baubüro der Siedlungsgesellschaft Freiburg GmbH., Schusterstraße 19, ausgegeben. Angebotsabgabe und Eröffnung am Montag, 31. Juli 1950, zu den ln den Verzeichnissen angegebenen Zelten. GmbH., Baubüro: Schusterstraße 19 Schuhmacherei V m n A Freiburg LBreisgau W . gM UW AD Herrenstraße 56 UW WW MW Sämtliche RspsrsTuren rssth. gut and preiswert Speglelitftt: Krepp- und Lnkleinsohlen Sämtliche Gummischuhreparaturen Längen und Welten von Schuhen Amtliche Bekanntmachungen Bachabschlag Der Abschlag des Gewerbebaches nördlich der Dreisam findet statt: vom Samstag, 5. August, 18.00 Uhr, bis Samstag, 12. August 1950, 18.00 Uhr. Die Beteiligten werden ersucht, alle während de* Baehabschlags vorzunehmenden Arbeiten dem Tiefbauamt. rechtzeitig mitzuteilen. Freiburg, den 20. Juli 1950 Städtisches Tiefbauamt tb»m Heues fit dU! 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