I ■lnzalpr eit 20 Pfennig SODBADISCHE HEIMATZEITUNG 5. Jahrgang Dienstag, 25. Juli 1950 Nummer 88 In aller Kürze Preisverhandlttttgen ergebnislos Sie „repräsentier en“ Streik angedroht Forderungen von 13 badischen Gewerkschaftsverbänden Die in unserer Samstag-Ausgabe angekündig ten Verhandlungen der badischen Gewerkschaften mit der Staatsregierung über die Lebensmittelpreise sind ergebnislos verlaufen. Es ist daher zu folgendem Beschluß des Deutschen Gewerkschafts-Bundes, Bezirksstelle Baden, gekommen: Sollten die Forderungen der Gewerkschaften in Baden bis Dienstag, 25. Juli, 12 Uhr, nicht erfüllt sein, werden die Betriebe am Mittwoch, dem 26. Juli, um 15 Uhr, aus Protest gegen die Preissteigerungen stillgelegt. Die Gewerkschaften behalten sich, falls notwendig, weitere Maßnahmen vor. Politisch Der Präsident des Bundestages, Dr. Erich Köhler, hat einen Nervenzusammenbruch erlitten. Es werden Erwägungen über seinen Nachfolger angestellt Der ehemalige kanadische Ministerpräsident William Lyon Mackenzie King ist am Samstag auf seinem Sommersitz in Kingsmere bei Ottawa im Alter von 75 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Der ehemalige japanische Außenminister Schigenori Togo, der wegen Kriegsverbrecher: zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt worden war, ist am Sonntag an den Folgen einer Gallenblasen- und Herzerkrankung im Alter von 68 Jahren gestorben. Die Vereinigten Staaten werden 40 Milli arden Dollar (über 160 Milliarden DM) in dem am 1. Juli begonnenen neuen Haushaltsjahr für militärische Zwecke ausgeben. In Bolivien wurde eine von der rechtsradikalen Falange-Partei unter Führung von Hauptmann Juan Tones angezettelte Militärrevolte niedergeschlagen. Wirtschaftlich Bei der Bewilligung von Baudarlehen aus Soforthilfemitteln sollen Geschädigte im Sinne des Soforthilfegesetzes unbedingt bevorzugt werden. Die Forderungen des DGB sind: 1. daß das Brot in der seitherigen Qualität zum alten Preis verkauft wird; 2. daß jede Preiserhöhung bei den Fleisch- und Wurstwaren unterbleibt. Bereits erfolgte Preiserhöhungen sind sofort rückgängig zu machen; 3. daß der Preis für Vollmilch von DM —.38 auf DM —.37 das Liter reduziert wird; 4. daß die Preise für Mehl, Teigwaren und andere lebenswichtige Konsumgüter nicht erhöht werden dürfen. Soweit Preiserhöhungen vorgenommen wurden, sind die Preise auf den alten Stand zurückzuführen. Die Regierung wird aufgefordert, sofort die nötigen Maßnahmen zu treffen, daß die beim Großhandel liegende Ware an den Einzelhandel ausgegeben wird. — Der Beschluß ist von 13 Gewerkschaftsverbänden unterschrieben. Das „Arme-Leute-ßrot" In der nordindischen Stadt Lucknow ist die erste staatliche Fabrik für Präzisionsinstrumente eröffnet worden. Sie wird von acht deutschen Technikern und einem Schweizer geleitet. Kulturell In London erzielte ein bisher unbekanntes Rembrandt-Bild, „Die Flucht nach Ägypten“, auf einer Auktion 10 000 Pfund Sterling (rund 117 000 DM). Es hatte bisher unerkannt in einem englischen Landhaus gehangen. Der Vorstand des Freiburger Münsterbau- Vereins hat Dr. Theophil Herder-Dornekh zu seinem Präsidenten gewählt. Die in diesen Tagen beginnenden Salzburger Festspiele sind bereits fast ausverkauft Österreich erhofft daraus einen Gewinn von über 4,5 Millionen Schillingen, zum größten Teil in Devisen, zu erzielen. Auch das geschah... Ein Gewittersturm mit anschließendem Hagelwetter mit hühnereigroßen Hagelklumpen verwüstete die französische Stadt Cambrai. Vier Personen wurden getötet, ein Dutzend verletzt, Dächer abgedeckt Telegrafenstangen und Bäume umgelegt Mit Tränengasbomben versuchten Angehörige der kommunistischen FDJ eine Festveranstaltung der sozialdemokratischen „Falken“, die mit ausländischen Gästen in der Düsseldorfer , Tannenhof Siedlung stattfand, zu verhindern. Ein Täter wurde 1 verhaftet Ein mit 32 Schweinen beladener Lastzug der Bundesbahn kam in der Nähe Gießens ins Schleudern und fiel um. 29 überlebende Schweine machten sich sofort selbständig. Bei heftigem Gewitter versuchten Fahrer und Gendarmerie die auf den Feldern herumlaufenden Passagiere wieder einzufangen. Die Bundesregierung versucht, das Brotpreis- Problem mit einem faulen Kompromiß zu lösen. In einer Regierungserklärung vor dem Bundestag wiederholte sie die Ankündigung des sogenannten Konsumbrotes, das künftig als einzige Brotsorte zum alten Preis verkauft werden soll. Nicht mit Unrecht hat dieses Brot sofort nach seiner Geburt den Namen „Kompromiß“- Brot erhalten. Die SPD hat sich klar und deutlich gegen diese Regierungserklärung ausgesprochen und gefordert, daß die Bundesregierung den vom Bundestag am 14. Juli gefaßten Beschluß zur Durchführung der bisherigen Getreidesubventionen verwirkliche. Der Vorstand des DGB hat ebenfalls zu der neuen Lage Stellung genommen und das Blüchersche Konsumbrot als „Arme-Leute-Brot“ abgelehnt. Auch der DGB fordert Fortführung der Subventionen für alle Getreidesorten und Beibehaltung der Preise für sämtliche Brotarten. Erneut ist aus der Erklärung der Regierung klar geworden, daß die Bundesregierung nicht gewillt ist, das Versprechen zu halten, das Adenauer wiederholt der Bevölkerung und insbesondere den Gewerkschaften gegeben hat Für einen europäifchen ßundespakt Bonn. Gemeinsam legten die SPD, CDU, FDP, DP, BP und das Zentrum dem Bundestag folgende Entschließung vor: „In Überzeugung, daß die gegenwärtige Zersplitterung Europas in souveräne Einzelstaaten die europäischen Völker von Tag zu Tag mehr in Elend und Unfreiheit führen muß, tritt der in freien Wahlen berufene Bundestag der Bundesrepublik in Deutschland für einen europäischen Bundespakt ein, wie ihn die Präambel und der Artikel 24 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland vorsehen. Dieser europäische Bundespakt soll 1. eine übernationale Bundesgewalt schaffen, die sich auf allgemeine, unmittelbare und freie Wahlen gründet und über gesetzge bende, ausübende und richterliche Kompetenzen verfügt; 2. diese Gewalt mit allen Befugnissen ausstatten, die erforderlich sind, um a) die wirtschaftliche Einheit Europas auf der Grundlage sozialer Gerechtigkeit herbeizuführen, Leopolds erfte Enttäuschung Brüssel. König Leopold von Belgien kehrte am Samstagmorgen aus fast sechsjähriger Verbannung auf seinen Thron zurück. In einem belgischen Dakota-Militärflugzeug war er aus Genf abgeholt worden und landete auf einem Militärflugplatz bei Brüssel. Unmittelbar danach setzte eine zweite Dakota-Maschine mit dem neunzehnjährigen Kronprinzen Baudouin auf dem Flugplatz auf. Der König wurde, als er in belgischer Generalleutnantsuniform dem Flugzeug entstiefe, von dem neuen Hofmarschall, Fürst Amaury de Merod, begrüßt. Als zum Willkommen die belgische Nationalhymne gespielt wurde, gingen ihre Klänge in dem Heulen der Düsenjägerformation unter, die über dem Flugplatz kreiste. Prinzessin Lilian de Rethy, Leopolds zweite Gattin, kam nicht. Sie bleibt, soweit bekannt ist, mindestens noch einen Monat in Genf. Prinzessin de Rethy erwartet im nächsten Jahr ein Kind. Naeh der kurzen Begrüßungszeremonie auf dem Flugplatz begab sich Leopold mit seiner Begleitung nach dem königlichen Schloß in Laeken bei Brüssel. Der zurückgekehrte, vielumstrittene König bekam aber sehr schnell zu spüren, daß er mit einer sehr starken Opposition zu rechnen haben wird. An einer Kron- ratssitzung, die nach Schloß Laeken einberufen wurde — die erste seit 1919 — nahmen die liberalen und sozialistischen Staatsräte nicht teil. Die sozialistischen Staatsräte, unter ihnen Spaak, teilten Ministerpräsident Duvieusart ihren Rücktritt mit und erklärten, daß sie Leopold nicht mehr als König von Belgien anerkennen. Die liberalen Staatsräte verließen Schloß Laeken mit der Begründung, nicht als Statisten auftreten zu wollen. Bei einer Demonstration erklärte der ehemalige Ministerpräsident Spaak mit bewegter Stimme: „Wir sind gegen König Leopold, weil er nicht mehr König der Belgier ist. Wir werden den Kampf fortsetzen. Er wird schwer und lang sein, aber schließlich werden wir siegen.“ Der belgische Allgemeine Gewerkschaftsbund kündigte an, daß die Gewerkschaftler den vor der Volksabstimmung gegen die Rückkehr des Königs aufgenommenen Kampf nunmehr zum Widerstand machen werden. Im gegebenen Augenblick würden entsprechende Aktionen ausgelöst werden. Autoversicherimg teurer Bonn. Der Preisrat der Bundesregierung beschloß, die Versicherungsprämien für Vollkaskoversicherung von Kraftfahrzeugen um 75 Prozent und für die gesetzliche Haftpflichtversicherung um 46 Prozent zu erhöhen. Die Unfallversicherungsprämien bleiben unverändert Die Prämien für die Teilkaskoversicherung gegen Feuer und Diebstahl werden dagegen wieder auf den alten Stand vor 1949 zurückgeführt. Das bedeutet, daß die 1949 eingeführte 20prozentige Erhöhung dieser Prämien in Zukunft wegfallen wird. Eine entsprechende Anordnung des Bundeswirtsöhafts- ministers wird in den nächsten Tagen unterzeichnet. Die Prämienerhöhung wird mit Wirkung vom 1. August in Kraft treten. b) eine gemeinsame europäische Außenpolitik zu ermöglichen, die dem Frieden in der Welt dient, c) die Gleichheit der Rechte aller europäischen Völker herzustellen und weiterhin zu sichern, d) die Grundrechte und menschlichen Freiheiten der europäischen Bürger zu garantieren und unter Rechtsschutz zu stellen.“ Europa als Einheit Von Fritz E r 1 e r, MdB Der „Deutsche Rat der Europäischen Bewegung“ hat in Frankfurt am Main die Forderung nach einem europäischen Bundespakt erhoben. Sämtliche Fraktionen des Bundestages mit Ausnahme der Kommunisten und der extremen Rechten haben sich j etzt mit einem gemeinsamen Antrag diese Forderung zu eigen gemacht. Es ist kein Zweifel daran, daß der Bundestag zugleich -mit der Wahl der Delegierten nach Straßburg die Forderung mit überwältigender Mehrheit gutheißen wird. Die Straßburger Versammlung diskutiert. Ihrer realen Wirksamkeit sind aber sehr enge Grenzen gesetzt. Europa wird nicht zur Einheit kommen, wenn es den langsamen und mühseligen Weg übereinstimmender Beschlüsse sämtlicher europäischen Regierungen gehen muß. Was not tut, ist ein Zusammenschluß der europäischen Völker zu einem echten Bundesstaat, wie ihn unser Bundesgesetz bereits vorsieht. Zu einem echten Staat gehört ein freigewähltes Parlament, dessen Abgeordnete direkt vom europäischen Staatsvolk und nicht von nationalen Parlamenten oder Regierungen entsandt werden. Diesem Parlament muß eine gesamteuropäische Regierung verantwortlich sein. Zwischen der Regierung und dem Parlament darf es keine nationalen Zwischenglieder geben. Die Regierung muß echte Befugnisse haben. Sie muß die Beschlüsse des Parlaments, soweit der abzuschließende Bundespakt die Zuständigkeit der europäischen Bundesregierung begründet, auch durchführen können. Schließlich muß der kommende Staat auch einen europäischen Gerichtshof haben, den jeder Bürger anrufen kann, wenn er von seiner Regierung in seinen Freiheitsrechten verletzt wird. Die europäische Bundesgewalt muß die wirtschaftliche Einheit Europas hersteilen und dabei den Lebensstandard des höchstentwickelten Landes zum Vorbild nehmen. Nur eine gemeinsame europäische Außenpolitik wird die Kraft aller europäischen Völker in die Waagschale für den Frieden werfen können. Vor allem aber werden in diesem Staat alle europäischen Völker vollkommen gleichberechtigt sein müssen, auch gerade das deutsche. Oe — Zu Fünfen oder zu Achten hausen Flüchtlinge in einem schäbigen Zimmer und dann haben sie noch Glück gegenüber jenen Ausgebombten, die in Kellerlöchern oder Baracken vegetieren. Dieses Schicksal ist so allgemein, daß man kaum noch ein Wort darüber verliert. Und die Not der vielen Arbeitslosen, schlechtbezahlten Arbeiter und Angestellten, der kleinen am Rande des Zusammenbruchs lebenden Gewerbetreibenden, kurz der meisten Menschen in der Deutschen Bundesrepublik, ist ebenfalls so allgemein, daß kaum noch ein Hahn danach kräht. Aber der Staat, in dem all diese Menschen wohnen, hat eine lange Reihe von kleineren und größeren Oberhäuptern. Diese Oberhäupter repräsentieren, wie sie meinen, den Staat. Sie meinen sogar, sie müßten ihn besonders glänzend repräsentieren, und wissen offenbar überhaupt nicht, daß ihre einzige Pflicht in dieser Hinsicht ist, das Elend und die Armut unseres Volkes nach dem verlorenen Hitlerkrieg zu repräsentieren. Daß in Bonn — weniger beim Bundeshaus, das für die Abgeordneten zum Teil in einer Art von praktischer Sparsamkeit gehalten ist — sondern bei den Regierungsstellen ein unerhörter Luxus getrieben wird, wird jetzt einmal wieder deutlich durch die kaum glaubliche Übersteigerung der Voranschläge für die Bundesbauten. Der Bundeskanzler braucht natürlich einen „Sitz“. Dem derzeitigen „Reichtum“ der Mehrheit der deutschen Staatsangehörigen würde eine geräumige Baracke als Sitz des Bundeskanzlers durchaus entsprechen; sie würde auch der Bedeutung des besiegten Deutschlands in der Außenpolitik angemessen sein. Der Bundeskanzler meint jedoch, er müsse die Bundesrepublik „glanzvoll repräsentieren“. Anfangs hatte er in Bonn das Museum König zu seinem Sitz erkoren, aber nach wenigen Tagen wieder verlassen. „Gesundheitliche Gründe“ ließen ihn das sonnigere Palais Schaumburg vorziehen, und dieses Kanzlerpalais wurde in Eile und Nachtarbeit derart luxuriös umgebaut, daß die Baukosten von anfangs 180 000 auf über 800 000 Marie gestiegen sind. Offensichtlich angeregt durch den „größten Architekten aller Zeiten“, Herrn Hitler, der seinerzeit in einem höchstpersönlichen Artikel im „Reich“ darlegte, die Reichskanzlei müsse seinen Wünschen entsprechend vollkommen neu gebaut werden, da die bisherigen Räume „höchstens für einen Tabakgroßhändler gut genug“ wären — hat sich Dr. Adenauer für das Palais Schauenburg die teuersten Möbel vorführen lassen. Sogar die Türen mußten erst zur Probe gezeigt werden, wobei man sich bei einem Preis von 2400 DM für eine einzige Tür keine grauen Haare wachsen ließ. Man bedenke 2400 DM für eine einzige Tür! Während für die gleiche Summe eine Unterkunft für eine vielköpfige ausgebombte Familie hätte hergestellt werden können. Die Teppiche mußten unbedingt Perserteppiche sein und mit den Gardinen hat der Kanzler besonders schwere Sorgen gehabt, bis sie seinen Geschmack befriedigten. Daß der Garten nebst Tennisplatz 120 000 DM kostet, spielt schon keine große Rolle mehr. Wir wollen hier nicht auf weitere Einzelheiten dieser unsinnigen Repräsentation für ein verarmtes Volk eingehen. Wir wollen nur am Rande vermerken, daß auch die 15 000 DM, die die Unterbringung von Frau Heuß bei dem Staatsbesuch ihres Gatten in Südbaden ger Tragödie in Briefen Heta Fischer Hannover-Kirchrode Oppenbornstraße 4 den IS. Juli 1950 Betrifft: Verhaftung des Bundestagsabgeordneten uAd ehemaligen 2. Vorsitzenden der KPD Kurt Müller. Sehr geehrte Redaktion! Ich bin die Lebensgefährtin des Mitgliedes des Bundestages Kurt Müller und als solche in erster Linie verpflichtet, für seine Rechte zu kämpfen. Ich habe seit dem Verschwinden Kurt Müllers am 22. März 1950, also seit vier Monaten, geschwiegen. Ich kann nicht länger schweigen, weil ich mich nicht mitschuldig machen will an dem gegen ihn verübten Verbrechen. Ich habe die in Bonn akkreditierten Pressevertreter gebeten, mir am 20. Juli 1950 eine Gelegenheit zu geben, mich zu äußern und ihnen das Material zu übergeben, das ich ebenfalls anliegend beifüge. Ich möchte auch Sie bitten, das Ihrige dazu beizutragen, die breite Öffentlichkeit ausreichend zu informieren und mir bei meiner Aufgabe zu helfen. Hochachtungsvoll! Heta Fischer Lesen Sie auf Seite 2 den interessanten Briefwechsel Heta Fischer — Max Reimann, and Sie werden sich Ihre Gedanken machen zn dem seinerzeit berichteten und im Bundestag behandelten sensationellen Verschwinden KPD« Müllers. ( Seite 2 — Nummer 88 Dienstag, 25. Juli 1950 _ DasTBoft kostet hatte, da besonders extravagante Wünsche erfüllt werden mußten, einer sozialeren Verwendung hätten zugeführt werden können. Wir bedauern diese Staatsbesuchskosten um so mehr, als sich Bundespräsident Professor Heuß in seiner schlichten und einfachen Art sonst sehr wohl die Sympathien der Bevölkerung zu verschaffen weiß. Vermutlich glaubt im übrigen Dr. Adenauer besonders sparsam zu wirtschaften. So hat er, bevor er zu seinem Erholungsurlaub in die Schweiz fuhr, einen Beamten voraus geschickt, um mit dem Hotelier über den Preis zu verhandeln. Er soll sehr stolz darauf sein, daß die Kosten für sein Schweizer Appartement sogar niedriger sind, als die des ebenfalls in der Schweiz weilenden Staatspräsidenten von Israel, Dr. Chaim Weizmann. Ganz amüsant ist, daß vom Zonenausschuß der CDU in seinem Informationsdienst erklärt wird, die Bauten in Bonn wären gar nicht zu icuer. Es sei wohl möglich, daß manche Ansätze für den Ausbau der Regierungsgebäude im Anfang zu niedrig bemessen worden seien; aber in Frankfurt wäre man auch nicht um diese Fehler herumgekommen. In.diesem Augenblick geht es um die Ver- teuenuig aller Lebensmittel. Brot, Fleisch und vieles andere ist im raschen Anstieg. Stillschweigend sind fast über Nacht die Preise auf den Speisekarten der Gaststätten nach oben gesprungen; für ein Schweinekottelet. das man sich im Gasthaus servieren läßt, werden dort, wo es früher 2 DM gekostet hat, jetzt 2.50 DM verlangt. So ist es überall auf dem Gebiet der Lebensmittelversorgung. In diesem Augenblick ist es also geradezu erschütternd, wenn derartige Zahlen über die Verschwendung der Regierungsvertreter in Bonn bekannt werden. Sehr wohl, Herr Adenauer, wir verlangen, daß Sie das Volk.repräsentieren: nämlich die Armut und das Elend unseres Volkes! Tragödie in Briefen / Eine Randbemerkung von Heta Fischer genügt als Kommentar Unaufhaltsames Vordringen der Nordkoreaner Tokio. Die nordkoreanischen Truppen sind am Sonntag an der koreanischen Westküste weiter nach Süden vorgestoßen. Sie haben jetzt etwa zwei Drittel Südkorea.s besetzt. Im Ge-1 biet von Taidschon erwartet man den Beginn einer neuen nordkoreanischen Offensive. Die im Westen vordringenden nordkoreanischen Truppen sollen nur noch etwa sechzig Kilo-, meter von der Südküste Koreas entfernt sein.' Sie haben am Sonntag den wichtigen Eisen- j bahnknotenpunkt Namwon erobert, der etwa' 110 Kilometer südlich von Taidschon liegt, und stoßen jetzt auf die Hafenstadt Josu vor. In militärischen Kreisen vermutet man, daß die Nordkoreaner in dem flachen Land im Südwesten der Halbinsel ohne größere Widerstände bis zur Küste vorstoßen werden. Die Nordkoreaner versuchen jetzt offenbar, durch eine weitausgreifende Flankenbewegung die amerikanischen Hauptstellungen zu umgehen und die Stadt Jongdong an der Straße Taidschon—Taigu von Norden und Süden anzugreifen. Ein Stoßkeil soll etwa 25 Kilometer nordöstlich Taidschons stehen. Der andere hat 30 Kilometer südlich Taidschons die Stadt Kumsan genommen. Die letzten Meldungen besagen, daß die im Westen Südkoreas verstoßenden nordkoreanischen Streitkräfte am Montag Kwangdschu erobert haben. Kwangdschu liegt etwa 140 Kilometer südwestlich von Taidschon und ist nur gut 60 Kilometer von der Süd- und Westküste des Landes entfernt. Mit der Eroberung! Kwangdschus haben die Nordkoreaner ihren! bisher weitesten Vorstoß nach Süden gemacht. Kwangdschu .ist eine der wichtigsten Städte j im Süden der koreanischen Halbinsel. Militärische Beobachter vertreten die Auffassung, daß durch die Eroberung dieser Stadt durch nordkoreanische Truppen die drei südwestkoreanischen Häfen Kunsan (am Gelben Meer), Mökpo und Josu endgültig für eine Landung amerikanischer Truppen ausfallen. Heta Fischer Hannover, den 19. Juli 1950 Oppenbomstraße 5 An den Bundestagsabgeordneten Max Belraann Frankfurt/Main. Am 22. März d. J., morgens früh um 4 Uhr, wurde der Bundestagsabgeordnete der KPD und 2. Vorsitzende der Kommunistischen Partei Deutschlands, Kurt Müller, durch den für solche Zwecke üblichen Apparat der KPD aus seiner Wohnung in Hannover-Kirchrode, Oppenbornstraße 5, abgeholt mit dem Bemerken, es handle sich um eine der gewöhnlichen Reisen zwecks Besprechung aktueller politischer Fragen in Berlin. Bis zu diesem Zeitpunkt waren sämtliche der Anklagen und Anschuldigungen, die später in Ihrem Referat auf der Sitzung des Parteivorstandes der KPD am 10. Mai 1950 gegen Kurt Müller in Abwesenheit desselben erhoben wurden, ihm völlig unbekannt, und ebenso hatte er keine Kenntnis von irgendwelchen Vorwürfen, die ihm etwa von Personen oder Behörden in der „Deutschen demokratischen Republik“ gemacht wurden. Ich bin der Meinung, daß nichts die Hinterhältigkeit und Vorsätzlichkeit des Vorgehens gegen Müller mehr beweist als diese Tatsache. Wenige Tage vor der Reise Kurt Müllers waren Sie selbst in Berlin, wo Sie mit Ulbricht u. a. Besprechungen hatten, die den Zweck verfolgten, den ahnungslosen Bundestagsabgeordneten Kurt Müller in die Ostzone zu locken, um ihn dort zu liquidieren. Das gaben Sie mir selbst in unserer Unterredung am 23. Mai 1950 in Frankfurt zu verstehen, wo Sie mir auch unumwunden erklärten, daß Sie persönlich maßgebenden Einfluß auf die Verhaftung Kurt Müllers genommen hätten. Somit fällt Ihnen die volle Verantwortung für das Schicksal Kurt Müllers zu. Seit dem 22. März d. J. haben weder ich, als seine Lebensgefährtin und Mutter seines Kindes, noch seine 70jährige Mutter irgendein Lebenszeichen von ihm erhalten. Es ist daraus nur zu schließen, daß seine Verhaftung bereits am 22. März d. J. erfolgte und daß ihm seitdem jegliche Möglichkeiten des Kontaktes mittelbar und unmittelbar genommen wurden. Am 8. Mai dieses Jahres wurde ich unter Ifprspiegelung der Möglichkeit, Kurt Müller sprechen zu können, ebenfalls nach Berlin gelockt und dort in einer Form behandelt, die nur die Schlußfolgerung zuläßf, daß ich während der Zeit der öffentlichen Diffamierung K. Müllers von Westdeutschland ferngehalten werden sollte und die in mir den Verdacht aufkommen ließ, daß auch meine Verhaftung beabsichtigt sei, zum mindesten aber meine Festhaltung in der Ostzone. Am 12. Mai d- J. wurde mir nach sieben wöchigen vergeblichen Bemühungen, mit Kurt Müller in Kontakt zu kommen, ohne Angabe der Gründe und seines Aufenthaltsortes, seine Verhaftung mitgeteilt. Ich betone ausdrücklich, daß es mir bei meinen bisherigen Bemühungen sowie auch bei allen zukünftigen nicht um die Verfolgung irgendwelcher politischer Ziele, sondern ausschließlich um die Verteidigung meiner primitivsten Rechte als Frau und Mutter und um die Durchsetzung der bescheidensten Menschenrechte für meinen Lebensgefährten Kurt Müller geht. Es kommt noch hinzu, daß Kurt Müller seit frühester Jugend seine ganze Kraft ohne Rücksicht auf seine Person und irgendwelche Opfer der Arbeiterbewegung gewidmet hat und elf Jahre in Zuchthäusern und Konzentrationslagern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zubrachte. Er hat in diesen elf Jahren einen von allen seinen Kameraden bestätigte vorbildliche Haltung gezeigt. Er hat unerschrocken zu seiner Sache gestanden. Jetzt aber werden diesem Manne gegenüber Mittel und Methoden angewendet, gegen die alle anständigen Menschen während der Zeit der nationalsozialistischen Verfolgung schärfstens gekämpft haben. Trotz aller meiner Bemühungen bei Ihnen und bei anderen Stellen bin ich bis heute nicht in den Besitz der geringsten konkreten Unterlagen über irgendwelche Verfehlungen Kurt Müllers gelangt, wie ich auch bis heute in keiner Weise befragt wurde. Der enge Kontakt, den ich mit ihm in den letzten Jahren gehabt habe, gestattet mir die Feststellung, daß alle die in Ihrem Referat angeführten Behauptungen entweder auf Verdrehungen beruhen oder völlig unwahr sind. Auf meine verschiedenen Schreiben an Sie, in denen ich Sie an verschiedene Versprechen erinnerte, in denen ich Sie um die Beschaffung der für den Unterhalt meines Kindes notwendigen Unterlagen bat, in denen ich um die Vermittlung einer Besuchserlaubnis bei Kurt Müller nachsuchte, blieben unbeantwortet oder waren hinhaltend. Auf meine Schreiben an das Ministerium für Staatssicherheit in der „Deutschen demokratischen Republik“, in denen ich ebenfalls eine Sprecherlaubnis erbat, und auf ein gleiches Schreiben an den Präsidenten der „Deutschen demokratischen Republik“, Wilhelm Pieck, erhielt ich bisher ebenfalls keine Antwort. Ich kann daraus nur die Schlußfolgerung ziehen, daß man hier einen Menschen zugrunde richten will, der sein ganzes bisheriges Leben Bundesregierung begrüßt Schumacher-Vorrdilag Was macht das Wetter ? Nach dem Einbruch der kühlen Meeresluft am Sonntag hat sich ein Ausläufer des Azorenhochs bis nach Süädeutschland vorgeschoben und zunehmend wieder Wetterbesserung gebracht. Die anhaltende starke westliche Höhenströmung läßt Jedoch auf das Übergreifen neuer Störungen aus dem Kontinent, etwa zur Wochenmitte, schließen. Wetteraussichten: Zunächst meist heiter, trocken und wieder zunehmende Erwärmung. Etwa ab Wochen- mitte erneut auflebende Gewitterneigung. Bonn. Die Bundesregierung begrüßt den Vorschlag des SPD-Vorsitzenden Dr. Schumacher, eine einheitliche politische' Aktion für die Bevölkerung der Sowjetzone zu unternehmen. Sie hat den Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, Jakob Kaiser, beauftragt, Verhandlungen über die von Dr. Schumacher angeschnittenen Fragen mit den verfassunggebenden Körperschaften des Bundes aufzunehmen. Ein Regierungssprecher erklärt, daß die Auffassung Dr. Schumachers sich mit den Vorstellungen der Bundesregierung über gesamtdeutsche Wahlen decke. Der Sprecher kündigte in Kürze neue Schritte der .Bundesregierung in Richtung auf eine gesamtdeutsche Aktion an. * In dem Brief von Dr. Schumacher an den Bundeskanzler war Stellung genommen zu den am 15. Oktober in der Ostzone vorgesehenen Wahlen. Im Zusammenhang damit hat Dr. Schumacher vor geschlagen: 1. unverzüglich durch eine vor dem Bundestag abzugebende Erklärung der Bundesregierung die Illeglmität dieser angeblichen Wahlen öffentlich vor dem gesamten deutschen Volke und aller Welt festzustellen. Es wäre dabei zu unterstreichen daß es sich nicht um einen Akt freier Wahlen, sondern um einen einseitigen Gewaltakt handelt, der mit den Mitteln des Terrors, der Lüge und der Fälschung durchgeführt wird, 2. bei den alliierten Hohen Kommissaren Schritte zu unternehmen, um die Außenministerkonferenz davon in Kenntnis zu setzen, daß die Bundesregierung die Anberaumung allgemeiner, gleicher, geheimer und direkter Wahlen zu einer gesamtdeutschen Nationalversammlung und die Gewährleistung ihrer freien Durchführung durch die vier Besatzungsmächte im gegenwärtigen Zeitpunkt wünscht 3. alles in den Kräften der Bundesregierung stehende zu tun, um die größtmögliche Aufklärung der Bevölkerung der sowjetischen Besatzungszone und der Bundesrepublik über die Bedeutung und den Charakter dieser angeblichen Wahlen zu sichern. Feitenhansl als Neofaschist verurteilt München. Der 28jährige Gründer und 1. Vorsitzende der Vaterländischen Union, Karl Feitenhansl, wurde von einer Berufungskammer in München in die Gruppe der Belasteten eingestuft. Gleichzeitig wurde er für einen Monat in ein Arbeitslager eingewiesen und zu einer einmaligen Sühnezahlung von 50 Mark verurteilt. Als Belastetem ist ihm jede politische Tätigkeit verboten und das passive Wahlrecht entzogen. In der Begründung des Spruchs heißt es, die Kammer sehe die Anklage wegen neofaschistischer Umtriebe als erwiesen an. Feitenhansl habe durch die Verbreitung nationalsozialistischer Ideen den*Aufbau eines gesunden demokratischen Staates in Deutschland erheblich gefährdet. nur in den Dienst der Arbeiterklasse gestellt hat, ohne ihm die geringsten Möglichkeiten einer ordentlichen Verteidigung, der Rechtfertigung zu geben und den man seiner einfachsten Grundrechte beraubt. Die Tatsache, daß Kurt Müller bisher jede Möglichkeit genommen wurde, mit mir und seiner Mutter in Verbindung zu treten und die Zukunft se'nes Kindes sicherzustellen, ist der schlüssige Beweis dafür, daß die vom 6. Mai 1950 datierten Vollmachten und Erklärungen gegenüber der Oberpostdirektion Hannover und der Geschäftsstelle des Bundestages in Bonn unter Zwang erpreßt wurden und keinesfalls seiner freiwilligen Willensgebung entsprechen. Seit dem spurlosen Verschwinden des Bun- cfestagsabgeordneten Kurt Müller sind nunmehr vier Monate vergangen. Ich habe mir während dieser langen Zeit die allergrößte Zu» rückhaltung auferlegt, weil ich nicht imstand* war, an ein solches Unrecht zu glauben. Die letzten Pressemeldungen über die Mißhandlungen, denen Kurt Müller ausgesetzt ist, zeigen mir, daß nur ein Appell an das Gewissen der Öffentlichkeit seine Lage verbessern kann. Wenn ich nun gezwungen bin, mich als Frau und Mutter an die breitere Öffentlichkeit zu wenden und an sie zu appellieren, alles zu tun, dieses Unrecht zu verhindern, so tragen ausschließlich Sie und die anderen Instanzen, die diese'Verbrechen veranlaßten, die Verantwortung. ' gez. Heta Fischer. Heta Fischer Hannover, 27. 5. 50 Oppenbomstr. 5 Einschreiben An das Ministerium für Staatssicherheit über das Innenministerium der Deutschen Demokratischen Republik Berlin Sowjetischer Sektor Betrifft: Kurt Müller. Laut Meldung im Zentralorgan der SED „Neues Deutschland“ vom 13. Mai 1950 und der mir am 12. Mai 1950 übermittelten Erklärung, wurde das bisherige Mitglied des Parteivorstandes, Kurt Müller, vom Ministerium für Staatssicherheit verhaftet. Da ich als seine Verlobte und Mutter seines Kindes ganz dringende persönliche Fragen mit ihm regeln muß, bitte ich um baldige Sprecherlaubnis. Es handelt sich u. a. um die Eheschließung von Kurt Müller und mir, sowie um die Versorgung seines Kindes in Verbindung mit seiner Rente. Außerdem müßte Kurt Müller dem Kreissonderhilfsausschuß Stadtkreis Hannover unter dem Aktenzeichen Nr. H. StH. 769 M und unter Bezug auf die Mitteilung vom 25. April 1950 mitteilen, daß er die ihm zuerkannte Haftentschädigungssumme anerkennt und die Auszahlung zu dem ihm genehmen Zweck verfügt. Ich bitte, mein Ersuchen nicht abschlägig zu bescheiden und mir. baldigst Nachricht zukommen zu lassen. gez. Heta Fischer. KPD Die sozialistische Volkspartei Deutschlands Parteivorstand . . Abteilung Partei-Kontroll-Kommissioj» An Genossin Heta Fischer, Hannover Frankfurt am Main Gutleutstraße 8—12 Telefon-Sammelnummer 3 30 47 und 3 31 47 Ob/St. 6. 6. 50 Werte Genossin! Wir bestätigen den Eingang Deines Schreiens vom 31. Mai 1950. Im Aufträge des Genossen Max Reimann teilen wir Dir mit, daß wir in nächster Zeit eine Aussprache mit Dir durchführen werden. Den Zeitpunkt hierfür geben wir Dir noch bekannt. Mit sozialistischem Gruß! ■ i. A. gez. Unterschrift Bemerkung: Die oben erwähnte Aussprache fand trotz telephonischer Anmahnung nicht statt. gez. H. F. Auflösung unserer Denksportaufgabe vom Sonntag Wenn der eine Radfahrer drei Runden zurückgelegt hat und der andere vier Runden, treffen sich beide gleichzeitig am Start. Der erste Radfahrer hat eins Strecke von 3000 m zurückgelegt, der zweite 4800 m. Der Menfch als Mittelpunkt Von Minister a. D. Adam Remmele Im Rahmen der Konsumgenossenschaftlichen Tagungen in Hamburg schilderte Dr. Adam Remmele ln der Konferenz der Frauengilde des Zentralverbandes deutscher Konsumgenossenschaften den „Menschen als Mittelpunkt genossenschaftlicher Bestrebungen“. Seinem Referat entnehmen wir folgende Darlegungen: ... So bekennen wir uns in der genossenschaftlichen Wirtschaft zu den von den Roch- daler Pionieren aufgestellten Prinzipien auf parteipolitische und konfessionelle Neutralität demokratische Verwaltung, beschränkte Kapitalverzinsung, Rückvergütung nach Maßgabe der Benützung der genossenschaftlichen Einrichtungen. Die Genossenschaft ist und bleibt ihrem Wesen nach eine Wirtschaftsform für sich: sie ist nicht das Produkt des Kapitalismus oder des Sozialismus, ihr Ursprung geht ja viel weiter zurück als alle kapitalistischen und sozialistischen Wirtschaftsplanungen von Vergangenheit und Gegenwart. Nicht des Verdienens wegen am Verbraucher, sondern des Dienens wegen für dessen häusliches Wohl hat sich eine Vielzahl von' Menschen in aller Welt unter Ablehnung des Prinzips der Herrschaft zusammengetan, um die gemeinsame Kraft in der genossenschaftlichen Selbsthilfe einzusetzen. Ihr Tun beruht auf Freiheit und Freiwilligkeit. Wer nicht mittun will, kann wegbleiben oder sich zurückziehen. Alle Wirtschaftssysteme sind einem ewigen Wandel unterworfen, auch in den Genossenschaften macht dieser Wandel keinen Halt. Wir haben uns dem wechselnden Rhythmus der evolutionären Entwicklung anzuoassen, wobei sich an der Eigenart der Genossenschaft nichts ändert. Schon Wolfgang Goethe hat dem unausweichlichen Wandlungsprozeß in allem Wirtschaftsgeschehen ins Auge geschaut, als er schrieb: „Der Kampf des Alten. Bestehenden, Beharrenden mit Entwicklung Aus- und Umbildung Ist Immer derselbe. Aus aller Ordnung entsteht zuletzt Pedanterie. Um diese loszuwerden, zerstöre: man Jene, und es geht eine Zelt hin, bis man gewahr wird, daß man wieder Ordnung machen müsse. Klassizismus und Romantizismus, Innungszwang und Gewerbefreiheit, Festhalten und Zersplittern des Grundbodens — es ist immer derselbe Konflikt, der zuletzt wieder einen neuen erzeugt. Der größte Verstand der Regierenden wäre daher, diesen Kampf zu mäßigen, daß es ohne Untergang der einen Seite sich ins Gleiche stellte. Dies Ist aber den Menschen nicht gegeben, und Gott scheint es auch nicht zu wollen.". Diese Einsicht ist natürlich nicht gegeben, solange die Menschen ihre Wirtschaftsordnung von einem Extrem ins andere steuern, von der individualistischen zur kollektivistischen und umgekehrt und solange für die Durchsetzung ihres Vorhabens die Gewalt vor das Recht setzen. Wohl aber ist die Genossenschaft imstande, die Probleme der Wirtschaft wie 1 der menschlichen Gesellschaft zu lösen. Genossenschaftliches Rechtsstreben kennt keine Gewaltanwendung und dient somit der Erhaltung des Völkerfriedens. Das Problem hierbei bleibt allerdings die geistige Haltung der Volksmassen. Diese haben niemals gewußt und wissen es auch heute noch nicht, wie gewaltig der Fortschritt ist vom primitiven Urmenschen zum Übermensch von heute, der in seinem himmelstürmenden Selbstbewußtsein und mit seinen technischen Errungenschaften und geheimnisvollen Kräften die ganze zivilisierte Weit als sein Objekt betrachtet, der gewollt und ungewollt Kulturrevolutionen inaugiert, die das Verhältnis von Mensch zu Mensch immer wieder umstülpen, so daß das Leben der menschlichen Gesellschaft einem Höllentanz gleicht. Für die werktätige Menschheit Frieden zu schaffen, ist er nicht imstande, von seiner Siegerstellung aus maßt er sich an, zu diktieren, was als Glück, was als Freiheit und als Demokratie empfunden werden darf. So steht es nicht erst seit heute und gestern. In seiner großen Seelennot schrieb der große Schweizer Patriot Heinrich Pestalozzi nach dem Zusammenbruch der Napoleonischen Herrschaft 1814/15 in einem Aufruf: „Wir sind gewarnt, wie die Menschheit selten gewarnt worden ist. Tausend blutende Wunden rufen uns auf eine Weise zu, wie sie in Reihen von Jahrhunderten der Welt nie zugerufen haben: Es ist dringend, daß wir uns einmal über die Quelle der gesellschaftlichen Verirrungen erheben und einmal der Veredlung unserer Natur selber die Mittel gegen alle die leiden und alles das Elend suchen, gegen die wir ... gemeinsam nicht als erschrockene Schwächlinge, sondern als Männer auftreten sollten, die Ihre Nachwelt ihre Kinder und das Menschengeschlecht mit Emst und Würde ins Auge fassen, und Ihm mit menschlichem Mut und mit der Überzeugung entgegenwirken, daß die Leiden, denen wir ausgesetzt waren so wenig überstanden sind, als die Irrtümer und Schwächen, durch die wir sie uns zugezogen haben. ... Laßt uns Menschen werden, damit wir nicht, ... In welcher Form es auch geschehe, versinken.“ Was Pestalozzi von seinen Zeitgenossen forderte war, jeder sollte mithelfen, die Quelle von Furcht und Not zum versiegen zu bringen. Der genossenschaftlich organisierten Selbsthilfe war er zugetan. Bei der Gründung se'nes Kinderheims Neuhof tat er den Ausspruch: „Ich habe ein großes Haus, die verlassenen Kinder haben keines. Mir fehlen die Hände, die Felder zu bestellen, und ihnen mangelt die Arbeit. Was gilt’s, »wenn wir Armen uns zusammen tun. sind wir reich.* Selbst den schwachen, noch jungen Menschen wollte Pestalozzi in den Mittelpunkt der Wirtschaft gestellt wissen, damit er Hilfe fände und die menschliche Solidarität den Sieg erringe über Grausamkeit und Herrschsucht, wohl eingedenk des schönsten Lohnes, für den der Vers geschrieben ist: „Das wahre Glück wird dem allein zuteil. Der selbstlos der Menschheit dient Und furchtlos für ihre Ideale kämpft.“ In der Tat: Wir sind gewarnt! Sollte nicht aus der Solidarität des Leidens heraus, die wir in zwei Weltkriegen furchtbar hart kennenge- lemt haben, nicht auch eine Solidarität der Besinnung, 4er Einkehr und der genossenschaftlichen Zusammenarbeit erwachsen können? Herausgeber. Sozialistische! Verlag Freiburg G m b.H. Freiburg t Br., Kaiser-Joseph-Straße 2*9. Fernruf 2919 Hauptschriftleitung: Alfred Oesterheld Verlagsleitung: E Bauermeister Druck Universitätsdruckerel Poppen 4 Ortmann, Freiburg 1 Br „Das Volk“ erscheint: Dienstag, Donnerstag Samstag. Monatsbezugspreis 2 — DM einschließlich Trägerlobh; durch die Post 2.20 DM. Dienstag, 81 Juli 1950 Nummer 86 — Seite 8 VarDaK Seehaasen stellten die besten Sdtwimmer Gute Leistungen bei den südbadischen Schwimm*Meisterschaften — Auch in anderen westdeutschen Ländern Vorjahresleistungen zum Teil erheblich unterboten Sechs westdeutsche Städte (Berlin, Oberhausen, Ham J 3u fg und Emmendingen) standen über das Wochenende im Zeichen der Landes- Scnwimm-Meisterschaften, die im Hinblick auf die am kommenden Wochenende in Göttingen stattfln- denden deutschen Meisterschaften besondere Bedeu- erlangten. Überall wurden trotz ungünstiger Witterung ausgezeichnete Zeiten erzielt, wobei die Vorjahresleistungen zum Teil erheblich verbessert werden konnten. . In Oberhausen holte sich Vera Schaf er kordt gleich drei Titel (100 m Rücken, 100 m Kraul 1.11.0, 400 m Krau) 5.51.4). Die 200-m-Bruststaffel der Männer gewann Gladbeck 13 in der guten Zeit von 12.09>.4, während Dr. Bornhaupts (Poseidon Koblenz) 100-m-Kraul- zeit von 1.01.9 als ausgezeichnet angesprochen werden kann. Der Vogel aber schoß in Bremerhaven der 21jahrige Kühnei ab, der sich gleich viermal in die Meisterliste eintragen konnte und außerdem an zwei Staffelerfolgen wesentlichen Anteil hatte. Er gewann u. a. die 200 m Kraul (2.20.4), 100 m Brust (1.17.3) und 100 m Rücken (1.13.8). Samstags alle Männertitel nach Konstanz Zu den südbadischen Titelkämpfen waren 245 Meldungen eingegangen, von denen nur 5 Prozent nicht am Start erschienen. Auch hier wurden in fast allen Disziplinen die Leistungen des Vorjahres verbessert. Die einzelnen Wettbewerbe wurden in zwei Klassen eingeteilt (mit und ohne Winterbad) und waren in der modernen Strandbadanlage mit ihren 6 Bahnen von dem ausrichtenden Verein, dem Tumerbund Emmendingen, ausgezeichnet organisiert. Bei den Vereinen mit Winterbad starteten u. a. die Schwimmer von VfL Konstanz als Titelverteidiger, FC Freiburg, SSV Freiburg und FTSC. Hierbei, schnitten die Vertreter des. VfL Konstanz abermals erfolgreich ab und konnten — zumindest am Samstag — die meisten Titel gewinnen. Bei den Vereinen ohne Winterbad war Rastatt und Lörrach am erfolgreichsten. Den ersten Titel holte sich Dannecker (Konstanz), der Vorjahressieger über 200 m Kraul vor seinem Klubkameraden Wolf, während im 100 m Rücken Wachtel (Konstanz) erfolgreich war. Ebenso konnte im 200-m-Brustschwimmen Summ den Titel an den See entführen. Den einzigsten Sieg für Freiburg erkämpfte sich über 200 m Brust der Damen Ruth Wetzel, die die Titel Verteidigerin aus Konstanz, Maria Kempter, schlagen konnte. Dafür gingen die restlichen zwei Staffeln des Samstags wiederum an Konstanz. Sonntag: schlechtes Wetter — gute Leistungen Das schlechte Wetter am Sonntag beeinflußte nur teilweise die rassigen Kämpfe und guten Leistungen. Das schnellste und spannendste Rennen, die 100-m- Kraul, entschied erwartungsgemäß der Konstanzer Wachtel für sich, der in der ausgezeichneten Zeit von 1.06.7 Minuten siegte. Zweiter wurde mit 1.09.0 sein Klubkamerad Dannecker, der sich nur knapp gegen App (FFC) durchsetzen konnte. Weitere Konstanzer Siege ergab es in der 4X100-m-Rückenstaffel und in der 3Xl00-m-Lagenstaffel. Den einzigsten Freiburger Sieg gab es bei den Damen in der 3X 100-m-Lagen- staffel, die der SSV für sich entschied. Die ausgezeichnete junge Freiburgerin Füßlin (SSV) konnte sich über 100 m Kraul gegen die Konstanzerin Hörtner nicht durchsetzen, die das Rennen in 1.25.2 Minuten gewann. Auch das Kunstspringen wurde bei den Herren sowohl als auch bei den Damen eine Beute der Gäste vom See. Favoriten ausgeschieden In einem außer Konkurrenz ausgetragenen Wasserballspiel siegte die Sieben des FFC klar mit 11:2 Toren gegen den VfL Konstanz. Bei der Jugend wäre besonders noch die ausgezeichnete Kraulzeit des Rastatters Emmert über 200 Meter mit 2.39.9 hervorzuheben, die .ihm bei den Männern den zweiten und in der A-Klasse noch den vierten Platz gesichert hätte. i Eine kleine Enttäuschung gab es in der 4 X 100 -m- Bruststaffel der Männer, bei der die gleichzeitig im Ziel angekommenen Staffeln des FFC und VfL Konstanz wegen falscher Wende (FFC) und wegen Frühstart (VfL) disqualifiziert wurden, so daß der SSVF mit 6.03.0 Minuten Sieger wurde. Die Ergebnisse im einzelnen: Vereine mit Winterbad Männer 200 m Kraul: 1. Dannecker, VfL Konstanz, 2.38.9. 2. Wolf, VfL Konstanz, 2.43.6. 3. Gühr, FFC, 2.51.6. 100 m Rücken: 1. Wachtel, VfL Konstanz, 1.20.3. 2. Walter, SSVF, 1.24.4. 3. Meyerin, BW Lörrach, 1.29.6. 200 m Brust: 1. Summ, VfL Konstanz, 3.04.0. 2. Diet- sche, FFC, 3.05.1. 3. Drexler, SSVF, 3.29.0. 4X100 m Kraul: 1. VfL Konstanz, 4.39.9. 2. FFC I, 4.48.6. 3. FFC n, 5.13.4. 400 m Kraul: 1. Dannecker, VfL Konstanz, 6.05.9. 2. Wolf, VfL Konstanz, 6.06.9. 3. Gühr, FFC, 6.19.4. 4X100 m Brust: 1. SSVF I, 6.03.0. 2. FFC II, 6.13.4. 3. SSVF II. 6.29.1. Damen 200 m Brust: 1. Wetzel, SSVF. 3.36.6. 2. Kempter, VfL Konstanz, 3.48.0. 4X100 m Kraul: 1. VfL Konstanz, 6.20.8. 2. SSVF, 7.16.5. 4X100 m Brust: 1. VfL Konstanz, 6.53.3. 2. SSVF I, 7.00.9. 100 m Rücken: 1. Schwaller, SSVF, 1.42.0. 2. Müller, VfL Konstanz, 1.43.4. 100 m Brust: 1. Wetzel, SSVF, 1.35.6. 2. Diemer, VfL Konstanz, 1.40.7. 3. Kempter, VfL Konstanz, 1.47.5. 3X100 m Lagen: 1. SSVF, 4.47.0. 2. VfL Konstanz, 4.48.5. 3. FFC, 5.51.3. 100 m Kraul: 1. Hörnter, VfL Konstanz, 1.25.2- 2. Füßlin, SSVF, 1.25.1. Jugend, männlich: 100 m Brust, 1. Eberhardt, SSVF, 1.28.4. 2. Röder, FFC, 1.28.9, 200 m Kraul: 1. Riede, FFC, 3.11.6. 2. Cempirek, FFC, 3.21.4. 100 m Rücken:. 1. Drähnle, FFC, 1.30.8. 2. Kray, FFC, 1.37.6. 100 m Kraul: 1. Riede, FFC, 1.16.7. 2. Stoffel, FFC, 1.18.5. Jugend weiblich: 100 m Kraul: 1. Traber, VfL Konstanz, 1.32.2. 2. Herth, VfL Konstanz, 1.35.2. 100 m Brust: 1. Kunzmann. VfL Konstanz, 1.37.6. 2. Vögele, FFC, 1.45.2. Vereine ohne Winterbad Herren: 200 m Kraul: 1. Adler, TV Rastatt, 2.43.4. 2. Hellmuth, TV Rastatt, 2.56.3. 3. Straß, RW Lörrach, 3.05.4. 200 m Brust: 1. Corduan, RW Lörrach, 3.17.0. 2. Weßbächer, TV Rastatt, 3.24.1. 3. Hellmuth, TV Rastatt, 3.24.6. 4X100 m Kraul: 1. TV Rastatt, 5.04.7. 2. RW Lörrach I, 5.29.2. 3. RW Lörrach H, 6.12.6. 400 m Kraul: 1. Adler, Rastatt, 6.10.6. 4X100 m Brust: 1. Lörrach I, 6.25.2. 2. SV Gaggenau I, 6.26.9. 3. TB Emmendingen, 6.30.9. 100 m Kraul: L Hellmuth, Rastatt, 1.12.3. 2. Straß, Lörrach, 1.12.6. 3. Adler, Rastatt, 1.13.4. 100 m Brust: L Corduan, Lörrach, 1.28.4. 2. Bremer, Gaggenau, 1.28.4. 3. Weßbächer, Rastatt, 1.32.0. 4X100 m Rücken: 1. Lörrach, 6.52.4. 3X100 m Lagen: 1. Lörrach I, 4.16.6. 2. Lörrach H, 4.59.6. Jugend: 100 m Brust: 1. Heini, Rastatt, 1.30.8. 200 m Kraul: l. Emmert, Rastatt, 2.53.9. 100 m Kraul: 1. Emmert, Rastatt, 1.16.3. Damen: 200 m Brust: 1. Graf, Emmendingen, 3.42.4. 2. Klöp- fer, Gaggenau, 4.01.1. 4X100 m Brust: 1. Gaggenau, 7.48.5. 100 m Kraul: 1. Heck, Königsfeld, 1.39.1. 100 m Brust: 1. Graf, Emmendingen, 1.41.6. 2. Knöller, Gaggenau, 1.50.4. Jugend: 100 m Brust: L Dürrschnabel, Singen, 1.37.1. Kunstspringen mit Winterbad Herren: 1. Auberle, VfL Konstanz, 120,32 Punkte. 2. Stellrecht, SSVF, 103,27 P. 3. Gräf, SSVF, 97,51 P. Damen: 1. Mayer, Konstanz, 74,89 P. 2. Balss, SSVF 57,43 Punkte. Ohne Winterbad Herren: 1. Karg, Rastatt, 86,21 P. 2. Herrn, Rastatt, 42,92 Punkte. Handball-Sdilußtabellen Der südbadische Handball-Verband gibt zum Abschluß der Verbandsspiele der Bezirks- und Kreis- klasse Freiburg folgende Schlußtabellen be k a nnt ; Deutsche Turner wieder Weltklasse Deutsch-finnischer Turnwettkampf vor 12 000 Zuschauern in Berlin Zu einem eindrucksvollen turnerischen Erlebnis wurde am Samstag vor 12 000 Zuschauern in der Berliner Waldbüime der Turnvergleichskampf Finnland- Deutschland. Eine Punktwertung fand nicht statt, so daß die ausschließlich geturnten Kürübungen an Barren, Pferd, an den Ringen, im Bodenturnen und am Reck ohne Rücksicht auf eine etwaige Punktminderung geturnt werden konnten. Bei einer inoffiziellen Wertung der Leistungen würde die finnische Mannschaft mit einem leichten Vorteil abschneiden. Die mannschaftliche Ausgeglichenheit wirkte sich vor allem bei den Leistungen am Pferd und im Bodenturnen aus. Die Stärke der deutschen Kunsttumriege lag im Reckturnen und beim Barren. An den Ringen zeigten die Finnen leichte Vorteile. Dieser Vergleichskampf zeigt indessen, daß die besten deutschen Kunstturner durchaus in der Lage sind, ihren früheren internationalen Rang wieder einzunehmen. Von den finnischen Gästen imponierte besonders der 42jährige Olympiasieger und Weltmeister Heiki Savo- lainen, der sämtliche fünf Übungen turnte und Schwierigkeit gepaart mit kraftvoller Beherrschung offenbarte. Fehlerlos waren sein Turnen an den stehenden Ringen und sein Bodenturnen, das sich vor allem durch schwierige Übergänge auszeichnete. Auch das Reck wurde zu einer Offenbarung einer wirklichen Beherrschung des Körpers. Weiter war das Recktumen von Aaltonen und von Olavi Rove hervorzuheben. Auf deutscher Seite zeichneten sich Olympiasieger Alfred Schwarzmann. Inno Stangl und Jakob Kiefer aus. Fehler unterliefen Erich Wied am Pferd, bei dem, insgesamt gesehen, die Finnen den größten Vorsprung herausgeholt hätten. Mit besonderem Beifall wurde als Einlage ein Kürturnen des bekannten Kielers Rudi Gauch begrüßt, der das vertraute Turnen an den schwingenden Ringen und seinen berühmten Abgang mit dem doppelten Salto zeigte. Eine inoffizielle Wertung für die jeweils sechs besten firner beider Mannschaften von sachverständiger Seite kam zu folgendem Ergebnis: Deutschland: Barren: 54,9 Punkte, Pferd: 50,8 P., Ringe: 54 P., Bodenturnen: 55 P-, Reck: 58 P. Finnland: Barren: 52,5 Punkte, Pferd: 54,8 P„ Ringe: 57,6 P., Bodenturnen: 56 P-, Reck: 56 P. Ein noch nicht geborenes Kind Tagung der südbadischen Fußballer in Villingen — Verbandsvorstand wiedergewählt — Noch keine Entscheidung in der Spielsystemfrage nen, dann strebe man eine Amateurliga Südbaden- Südwürttemberg an, die also den Raum der bisherigen Zonenliga umfassen würde. Der Südbadische Fußballverband wolle auch bei den Amateuren einen möglichst hohen Spielstand und setze sich daher — soweit es in seiner Macht steht — .für einen Zusammenschluß mit Nordbaden ein. Nach diesen Ausführungen ging Prof. Dr. Glaser auf die allgemeine Arbeit des Verbandes ein, er gab einen kurzen Rückblick über die vergangene Spielzeit und erinnerte daran, daß im vergangenen Herbst der deutsche Sport seine Angelegenheiten wieder in eigene Regie übernehmen konnte. Prof. Dr. Glaser erkannte die gute Zusammenarbeit mit der Besatzungsmacht dankbar an, er vergaß auch nicht, herzliche Dankesworte an die Schweizer Vertreter in der FIFA zu richten, die sich für die internationale Anerkennung des deutschen Fußballsports beim Kongreß in Rio so tatkräftig eingesetzt hatten. Er verlas eine mit großem Beifall aufgenommene Dankadresse, die an die Schweizer abgeschickt werden soll. Die Tätigkeitsberichte der einzelnen Mitglieder des Verbandsvorstandes rundeten das Bild einer großen Arbeitsleistung ab, die im vergangenen Jahre zu bewältigen war. Trotzdem für manchen Verein der eine oder andere Wunsch unerfüllbar geblieben ist, gab es für den Verbandsvorstand einstimmige Entlastung. Das Vertrauensvotum brachte aber noch eine Steigerung, als nach Abschluß der Wahlen bekannt wurde, daß der gesamte Verbandsvorstand wiedergewählt worden war. Er setzt sich wie folgt zusammen: 1. Vorsitzender: Professor Dr. Glaser, Freiburg: 2. Vorsitzender: Bader. Konstanz; 3. Vorsitzender: Vögtle, Lahr: Schatzmeister: Köbele, Freiburg; Jugendausschuß: Zorn, Freiburg; Schiedsrichterausschuß: Linder, Lörrach; Verbandsgericht: Vogel, Offenburg; Spielausschuß: Knecht, Villingen. Zu Kas- senprüfem wurden die Herren Hanser und Weiß, beide Freiburgi bestimmt. Es darf noch erwähnt werden, daß der Kassenführung des Verbandes, sowohl nach der rechnerischen wie nach der sachlichen Seite, von seiten der Kassenprüfer höchste Anerkennung gezollt wurde. Den nächstjährigen Verbandstag wollte Rot-Weiß Lörrach ausrichten. Im Laufe der Villinger Zusammenkunft bat aber der Vorstand des wiedererstandenen FV Kehl, im nächsten Jahre nach der nunmehr zu einem Teil wieder der deutschen Bevölkerung zur Verfügung stehenden Stadt am Rhein zu kommen. Obwohl erst im vergangenen Jahr der Verbandstag im Bezirk Offenburg stattgefunden hat, verzichtete Lörrach auf seinen Antrag, so daß es der Versamm- Während die Stadt Villingen am Sonntag ganz im Zeichen des Handwerkertages stand, hatten sich abseits vom großen Getriebe die Vertreter der südbadischen Fußballvereine im „Waldschlößle“ zu ihrem diesjährigen Verbandstag versammelt. Wie in jedem Jahre, so waren auch diesmal wieder die Stunden mit den Wünschen und Sorgen der Vereine ausgefüllt; allenthalben hatte man aber gerade von diesem Verbandstag eine Entscheidung in der Spielsystemfrage — soweit es die 1. Amateurliga betrifft — erwartet. Aber in dieser Hinsicht blieben die Vereinsvertreter in der gleichen Ungewißheit, in der sie nach Villingen gekommen waren. Der 1. Vorsitzende, Professor Dr. Glaser, berührte diesen Punkt gleich zu Beginn seiner allgemeinen Ausführungen. Südbaden, so erklärte ei, hatte eine Vereinigung mit Nordbaden angestrebt. Nach dem bisherigen Verhandlungsverlauf konnte man auch den Eindruck gewinnen, daß eine sportliche Wiedervereinigung des durch eine politische Grenze getrennten Landes möglich sei. Aber ganz plötzlich hätten nun einige unterbadische Vereine, vornehmlich aus der Mannheimer Gegend, Bedenken wegen der zu weiten Reisen bekommen und ein Zusammengehen mit Südbaden abgelehnt. Die Spielsystemkommission des Süddeutschen Fußballverbandes wird sich nun auf ihrer nächsten Tagung am kommenden Samstag und Sonntag noch einmal mit dieser Frage beschäftigen. Sollte ein Zusammengehen mit Nordbaden nicht verwirklicht werden kön- Der Vorsitzende des finnischen Tumerverbandes, Vaeinoe Lahtinen, sprach nach dem Schluß des Schauturnens im Namen seiner Mannschaft den Dank für die herzliche Gastfreundschaft aus, die allen in Berlin gezeigt worden war. „Wir werden diese Tage nicht vergessen und immer gern wiederkommen“, sagte er. „Dieser Tumwettkampf möge allen gezeigt haben, daß wir uns verstehen und eine enge und herzliche Verbundenheit zwischen uns und den deutschen Turnern herrscht.“ Deutsche Kunstturner sind zu einem „internationalen Korso“ im Mai nächsten Jahres nach Florenz eingeladen worden. Dort werden sich die besten Turner der Welt in Wettkämpfen und Schauturnen vorstellen. Vertreter des italienischen Turnverbandes brachten Außer Konkurrenz: Bezirksklasse FFC H 18 15 1 2 165:67 31 ASV I 18 11 2 5 126:93 24 FT/SC n 18 *0 3 5 142:101 23 Neustadt I 18 7 5 6 106:121 13 Zähringen H 18 8 2 8 151:134 18 Blau-Weiß I 18 6 5 7 102:128 17 Kollnau I 18 7 2 9 88:106 16 St. Georgen I 18 5 2 11 114:139 12 Müllheim I 18 4 4 10 111:163 12 Waldkirch I 18 4 0 14 96:141 8 In Konkurrenz: ASV I 12 8 2 2 101:56 18 Neustadt I 12 6 4 2 80:71 16 Blau-Weiß I 12 5 4 3 72:68 14 Müllheim I 12 4 2 6 87:91 10 Kollnau I 12 4 2 6 86:72 10 Waldkirch I 12 4 0 8 70:82 8 St. Georgen I 12 4 0 Kreisklasse 8 76:97 8 Staffel Nord: FFC m 12 11 1 0 116:57 23 Endingen I 12 7 2 3 55:46 16 Teningen H 12 8 0 4 84:73 16 Herbolzheim II 12 7 0 5 40:62 14 Emmendingen H 12 3 0 9 37:44 6 S St. Georgen II 12 2 1 9 50:92 Köndringen H 12 r 0 10 23:31 4 Stalfel Süd: FFC IV (AH) 14 14 9 0 162:30 28 FT/SC in 14 8 0 6 95:89 16 ASV II 14 8 0 6 82:80 iß Krozingen I 14 7 1 6 55:65 15 Breisach I 14 7 0 7 72:73 14 Neustadt II 14 6 0 8 68:75 12 Müllhelm H 14 4 2 8 59:102 10 Blau-Weiß II 14 9 1 13 15:88 1 Das Entscheidungsspiel der beiden Staffelsieger hat FFC IV mit 14:7 Toren gewonnen, somit ist ffc iv (AH) Meister der Kreisklasse. Ferner wurden folgende weitere Meister ermittelt: A-Jugend, Staffel Nord: TuS Oberhausen, A-Jugend, Staffel Süd: FT/SC, Bezirksklasse Frauen: FFC. Kreisklasse Frauen: TV Kollnau-Gutach. Worms and Grenchen in Laufenburg Durch die Einmütigkeit und Weitsicht der Laufenburger Stadträte wird die Stadt eine nach modernsten Gesichtspunkten angelegte Sportplatzanlage erhalten, um die sie mancher große Verein beneiden dürfte. Laufenburg darf mit Recht stolz auf die in schwerster Zeit geschaffene Erholungsstätte der Jugend sein. Der zweite Bauabschnitt ist nahezu abgeschlossen, und bereits heute erweckt die Anlage einen imposanten Eindruck. Neben diesem Geschenk für das gesamte Hochrheingebiet ist es dem rührigen Verein nach längeren Verhandlungen nunmehr gelungen, zur Platzeinweihung am 20. August den Tabellenzweiten der Oberliga Südwest, Wormatia Worms und den FC Grenchen (Schweizer Nationalliga ) zu verpflichten. Die Begegnung dieser beiden Mannschaften verspricht weit über den Rahmen de* Oberrheins hinaus ein bedeutsames Ereignis zu werden. Freiluft-Boxveranstaltung in Lörrach Bei einer Box-Freiluftveranstaltung am Samstag in Lörrach wurden folgende Ergebnisse erzielt: Bantam: Zämpel, Lörrach, Punktsieger über Staudinger, Rheinfelden. Feder: Harter, Freiburg, K.o.-Sieger (1. Runde) über Scheffel, Lörrach. Leicht: Gerst- ner, Lörrach, gegen Ströling, Rheinfelden, unentschieden; Gottstein, Lörrach, Punktsieger über Haß, Lahr. Weiter: Jörger, Freiburg, K.o.-Sieger (1. Runde) über Biedermann, Lörrach; Koob, Lörrach, K.o.-Sieger (3. Runde) über Boldt, Lahr. Halbschwer: Maltzacher, Lörrach, Sieger durch Disqualifikation von Franz, Lahr; Huber, Freiburg, Punktsieger über Zöllnitz, Rheinfelden. in Basel zum Ausdruck, daß man in Italien auf das I lung nicht schwer fiel, einstimmig die Stadt Kehl zum Erscheinen der deutschen Turner großen Wert lege. I Tagungsort des kommenden Jahres zu bestimmen. Walter Lohmann gewann den „Europapreis“ Weltmeister Andersen im Fliegeromnium Zweiter Bei den internationalen Steherrennen in Köln war Fahrt wieder zurück und siegte sicher vor seinen man auf das Debüt des neuen Stundenweltrekordinhabers Jose Meiffret, Nizza, besonders gespannt. Der 33jährige Franzose, der erst vor wenigen Wodien auf dem Grenzlandring den Rekord seines Landsmannes Paillard hinter Motoren von 96,480 km auf 104,875 km in der Stunde geschraubt und die Radsportwelt mit dieser hervorragenden Leistung in Erstaunen gesetzt hatte, mußte auf dem Müngersdorfer Zementoval die Erfahrung machen, daß zwischen Bahn und Straße ein großer Unterschied beseht. Er ve^moch :e sich angesichts der starken Konkurrenz von Lohmann, Bochum, Besson, Schweiz, Schorn, Köln, und Martino, Italien, nicht so zur Geltung zu bringen, wie man es von ihm erwartet hatte. Dramatisch und erbittert verlief dieser 60-Minuten- Kampf um den „Europapreis“. Nachdem Walter Lohmann vorübergebend an Besson die Führung abtreten mußte, eroberte er sie sich in einer rasanten 250000 erlebten packende Rennen Motorrad-Meisterschaften in Schleiz ein voller Erfolg Das Schleizer Dreiecksrennen, der fünfte Lauf um die deutsche Motorradstraßenmeisterschaft und zugleich der erste Meisterschaftslauf, der auf dem Boden der Sowjetzone gestartet wurde, war ein großes sportliches Ereignis und ein voller Erfolg. Obwohl in der Nacht zum Sonntag über ganz Mitteldeutschland und auch über das thüringische Gebiet schwere Gewitter niedergingen, strömten die Menschenmassen in unübersehbaren Scharen nach Schleiz. Als das Rennen um 9 Uhr begann, waren es rund 250 000 Sportbegeisterte, die den 7,770 Kilometer langen Kurs umsäumten. In allen sechs Rennen gab es herrliche Kämpfe und sportliche Spitzenleistungen, wie sie seit der Wiedergeburt des Motorsports in der Sowjetzone noch nicht wieder da waren Ergebnisse der einzelnen Klassen: Bis 125 ccm - 77,7 km: 1. H. P. Müller, Bielefeld (DKW). m. K., 51.08.9 Min., gleich 91,15 stkm. 2. Kluge, Ingolstadt (DKW), m. K., 51.09 Min. 3. Dietrich, Frankfurt/Main (Puch), 52.26.5 Min. Schnellste Runde Müller, Bielefeld, 93.49 stkm. Bis 256 ccm — 77,7 km: 1 Kluge, Ingolstadt (DKW), mit Ladepumpe, 55 55.5 gleich 108,37 stkm. 2. (Erster Saugmotor) Gablenz, Karlsruhe, (Moto-Parilla) 56.11.8. 3. (Zweiter Kompressor) H. P. Müller, Bielefeld (DKW), m. K 59.11.2. Schnellste Runde Gablenz mit 111,66 stkm. Seitenwagen bis 666 ccm: 1. Böhm/Fuchs, Neckarsulm (NSU), m. K., 43.05.9, gleich 108,17 stkm. 2 Klan- kermeier/Wolz. München, m. K.. 53.40. 3. (Erster Saugmotor) Ewersberger/Straus, Nürnberg (BMW), 46.06. Schnellste Runde Böhm/Fuchs mit 110,36 stkm. Bis 356 ccm: 1. Siegfried Wünsche, Ingolstadt (DKW), m. K., 53,45, gleich 112,76 stkm. 2. (Erster Saugmotor) Knees, Göttingen (AJS), 54.50.3. 3. Fleischmann, Amberg (NSU), m. K., 55.19.1. Schnellste Runde Fleischmann mit 117,78 stkm. Seitenwagen über 606 ccm: 1. Kraus/Hüser, München (BMW), 48.29.7, gleich 96,13 stkm. 2. Seppenhau- ser/Wenzhofer, München (BMW), 49.23.7. 3. Hankel/ Trinkhaus, Berlin .BMW). 50.43.1. Schnellste Runde Kraus/Hüser mit 100,80 stkm. Bis 506 ccm: 1. Georg Meier, München (BMW), m. K., 54.29.1, gleich 111,23 stkm. 2. Heiner Fleischmann, Neckarsulm (NSU), m. K., 55.17.6. 3. Kraus, München (BMW), m. K.. 58.34.5 stkm. Die vom Allgemeinen Deutschen Automobil-Club e. V.» Gau Hessen, für den 30. Juli 1950 auf dem Schottenring ausgeschriebene 6-Stunden-Dauerprüfung für Sport- und Tourenwagen ist, vorbehaltlich der Genehmigung der ONS, auf den 24. September 1950 verlegt worden. Diese 6-Stunden-Fahrt kommt nun als Veranstaltung des ADAC-Gesamtclubs auf dem Nürburgring zur Durchführung. Die Bayerische Sportakademie zur Zeit noch München-Laim, Lutzstraße 68, nimmt zum Wintersemester 1950/51 (Beginn 2. t November 1950) Bewerber für die Ausbildung zum' freiberuflichen Sportlehrer(-in) auf. Ausbildugsdauer vier und sechs Semester. Ausbildungsort: Bayerische Sportakademie, Sportschule des Bayerischen Landessportverbandes, Neugrünwald. schärfsten Rivalen Besson und Schorn. Besonderes Interesse fand die Kraftprobe zwischen der deutschen Spitzenklasse und dem Weltmeister im Verfolgungsfahren, „Kokken“ Andersen, Dänemark. Während der Däne im 800-Meter-Lauf und im Rekordfahren Über 400 Meter den deutschen Fahrern den Vortritt lassen mußte, war er seinen Gegnern auf seinem Spezialgebiet, dem Verfolgungsfahren, turmhoch überlegen. Lediglich Holzmann, Frankfurt, vermochte noch mit ihm Schritt zu halten. Sieger dieses FUegeromniums wurde Potzernheim, Hamburg, vor Andersen und dem Deutschen Meister Willi Trost. Ergebnisse: 1. Lohmann 66,400 km; 2. Besson, 50 m zurück: 3. Schorn, 70 m zurück: der Franzose Meiffret wurde sechster, 3000 m zurück. Gesamtergebnis des Fliegeromniums: 1. Potzernheim, Hamburg, 13 Punkte; 2. Andersen, Dänemark, 9 Punkte; 3. Westerhold, Köln, 8 Punkte; 5. Holzmann, Frankfurt, 6 Punkte. Tour de France Dussault gewann die Etappe im Alleingang Die zehnte Etappe der „Tour de France“ führte die Fahrer am Sonntag von Bordeaux zu dem 202 km entfernten Pau im Südwestzipfel Frankreichs. Hier fand am Montag der zweite Ruhetag statt, ehe es am Dienstag auf der Etappe Pau—St. Gaudens (230 km) in die Pyrenäen geht. Das Rennen tritt damit in sein erstes entscheidendes Stadium, denn hier erwartet man den Angriff der sich bisher im Mittelfeld haltenden Asse Bartali, Magni, Lambertini (alle Italien), Bobet, Robic (beide Frankreich) sowie Lambrecht (Belgien), Goldschmidt (Luxemburg) und Kübler (Schweiz). Dussault (Mittel/Südwest) beendete die Sonntagsetappe im Alleingang mit 5.28.59 Stunden vor Prouget (Mittel/Südwest) mit 5.37.45 Stunden, Diederich (Luxemburg) mit der gleichen Zeit und Leoni (italienischer Nachwuchs) mit 5.40.08 Stunden. Auf den weiteren Plätzen folgten Sciardis (Südost), Kübler (Schweiz), Pasotti (italienischer Nachwuchs), Ok- kers (Belgien) und Forlini (Paris) sowie das Gros mit Bobet, Robic, Gauthier, Magni, Bartali, Lambertini, Lambrecht und Goldschmidt (alle mit der gleichen Zeit wie Leoni). In der Gesamtwertung blieb Gauthier nach wie vor mit 65.43.27 Stunden Träger des „gelben Trikots“ mit fast zehn Minuten Vorsprung vor Re- dolfi (65.52.47), Goldschmidt (65.54.02), Brambilla (65.54.50), Kübler (65.54.51) und Magni (65.54.54) Std. Lambrecht ist achter, Schotte neunter, Ockers elfter und Bobet fünfzehnter der Gesamtwertung, während sich Bartali, Robic und Lambertini nicht unter den ersten fünfzehn befinden. Nationenwertung der „Tour de France“ Die Nationenwertung der „Tour de France“ ergibt nach der zehnten Etappe am Sonntag folgendes Bild: L Südost (Gauthier, Brambilla. Rolland) 197.42.18 Std. 2. Ile de France (Redolfi, Bauvin, Piot) 197.51.34 Std. 3. Belgien (Couvreur, Lambrecht, Schotte) 197.51.42 Std. 4. Italien (Magni, Pedroni, Bartali) 197.53.49 Std. 5. Frankreich (Geminiani, Bobet, Lauredl) 197.56.27 Stunden 6. Luxemburg (Goldschmidt, Kirchen, Diederich) 197.58.37 Stunden 7. Mittelsüdwest (Meunier, ’Cogan, Dussault) 198.14.30 Stunden 8. Belgischer Adler (Demulder, Storms, Verschueren) 198.15.14 Stunden 9. Italienischer Nachwuchs (Bresci, Pasotti, Leoni) 198.17.26 Stunden 10. Westfrankreich (Sciardis, Robic, Chupin) 198.21.38 Stunden. SV Niederbühl Pokalsieger FFC: Baas, Ries, Weiser, Willi, Ziemann, Ihl, Maier, Gesthuysen, Kindler, Ziegenhagen, Laule. Niederbühl: Collet I, Kiefer, Geng, A Collet II» E. Scharer, Herrmann, L. Scharer, Kiefer, Himmelstein, H. Scharer, Schiff. Die Handball-Elf des FC Freiburg unterlag in Offenburg der einsatzfreudigeren, technisch überlegenen und schnelleren Mannschaft des SV Niederbühl im Endspiel um den Südbadischen Handballpokal. Der FFC-Sturm fand nicht die nötige Unterstützung der Läuferreihe. Er stieß auf eine starke Abwehr mit dem ausgezeichneten Schlußmann Collet I. Die Mannen um Gesthuysen enttäuschten auch durch ein zu überhastetes und oft zu engmaschiges Spiel. Der FFC hatte Anspiel, startete einen schnellen Durchbruch, aber der krönende Wurf Laules ging über das Tor. Niederbühls Linksaußen konnte im Gegenzug nur die Latte treffen. In der 5. Minute spurtete Maier im Alleingang ud erzielte den ersten Treffer. Eine Minute später glich Ziegenhagen aus. Durch Kiefer zog Niederbühl auf 3:1 davon. Laule verminderte in der 16. Minute auf 2:3. Kiefer und Schiff erhöhten um weitere zwei Tore. Eine Prachtparade von Baas verhinderte eine sichere Chance. Laule schoß das 3. Tor für den FFC, der in der Folgezeit jedoch nicht verhindern konnte, daß Niederbühl das 7 3 erkämpfte. Kurz vor Halbzeit verringerte Ziemann auf 4:7. Nach Wiederanpfiff begann ein Kesseltreiben auf das Tor des FFC. Niederbühls Stürmer schossen aus allen Lagen und erzielten einen Stand von 11:4 Toren bereits bis zur 52. Minute Ziemann (2), Laule und Maier (je 1 Tor) konnten zwar das Endergebnis auf 11:8 verbessern, an dem Sieg der Niederbühler war jedoch nichts mehr zu ändern. Schiedsrichter Kabitzke, Lahr, leitete aufmerksam und sicher. Zuschauer: 400. G. Za. Lörrach errang den Handball-Jugendpokal Lörrach — Hofweier 5:4 (3:3) Beide Mannschaften lieferten sich im Endspiel um den südbadischen Handball-Jugendpokal ein sehr schönes und ausgeglichenes Treffen. Die Elf aus Hofweier war ihrem Gastgeber über die gesamte Spielzeit im Mittelfeld ebenbürtig, dagegen hatte Lörrach den durchschlagskräftigeren Sturm, der für den Erfolg verantwortlich zeichnete. Hofweier wehrte sich knappen Vorsprung der Lörracher Elf und war über die schließliche Niederlage äußerst betrübt, so daß bis zur letzten Minute mit aller Macht gegen den einige Spieler mit Tränen in den Augen den Platz verließen. Basel wurde knapp geschlagen Mit einer kombinierten Mannschaft weilte der Tennis-Club Lörrach in Basel und besiegte in einem Freundschaftstreffen den dortigen Geigy-Tennisclub knapp mit 8:7 Punkten. Sämtliche Kämpfe nahmen einen sehr schönen Verlauf, wobei man bei den Baslern eine klare Formverbesserung gegenüber dem vergangenen Jahre feststellen konnte. Lediglich das ausgeglichenere Können der Lörracher Mannschaft sicherte dieser den Sieg. Seite 4 -i- Nummer 88 fksTSotk Dienstag, 25. Juli 199# »Laiser* Separatismus Ein wenig versteckt, aber doch gar nicht so leise taucht in Baden ein befremdlicher Separatismus auf, zu dessen Sprecher sich Dr. Lais, der Wirtschaftsminister, macht. Der südbadische Wirtschaftsminister, dessen Propagandaschrift für Altbaden mit ihren* wirtschaftlich vielfach schiefen Darstellungen schon vergessen ist, hat sich nicht gescheut, auf einer Kundgebung in Konstanz zu fragen, ob es nicht besser wäre, unsere Wirtschaft mit Elsaß-Lothringen zu verklammern, als über die Schwarzwald-Barriere hinweg mit Württemberg. Er meinte, im kommenden Europa solle die natürliche Wirtschaftseinheit des Oberrheintales nicht durch Vorwegnahme des Südweststaates zerrissen werden. Baden und das Elsaß seien dezentralisierte Länder, dagegen sei Württemberg zentralistisch organisiert. In einem vereinten Europa werde es daher für das wiederhergestellte Baden natürlicher sein, sich nach Westen zu orientieren als nach Osten. Was bedeutet das? Doch nichts anderes als einen Separatismus, der sich gegen die Bundesrepublik -richtet. Es ist daher ganz in der Ordnung, daß bei der Bundesregierung in Bonn eine Interpellation zu diesen separatistischen Tendenzen eines deutschen Länderministers eingereicht wurde. Sie ist unterzeichnet von den Abgeordneten Prof. Dt. Schmid, Frau Mayer-Laule, Frau Schanzen- baqh, Dr. Veit, Fritz Maier, Herbig, Matzner. Übrigens wiederholte der badische Oberlandesgerichtspräsident Dr. Paul Zürcher auf einer internen Versammlung der Altbadener in Mannheim die Äußerungen von Dr. Lais, daß sich Baden linksrheinisch orientieren müsse. 80 Jahre Eisenbahn Immendingen—Tuttlingen Am 26. Juli 1870, vor jetzt 80 Jahren, ist die 10,1 Kilometer lange, auch heute noch eingleisige Hauptbahn Immendingen—Tuttlingen dem öffentlichen Verkehr übergeben worden. Dies war insofern von besonderer Bedeutung, als damit die auch heute noch wichtigste Eisenbahnverbindung zwischen Baden (Schwarzwaldbahn Offenburg—Immendingen—Konstanz) und Württemberg im Süden unseres Landes hergestellt war. Bis zur Eröffnung der Verbindungsbahn Tuttlingen—Hattingen im Jahre 1934 führte der ganze Schnellzugverkehr von Berlin über Stuttgart in die Schweiz und nach Italien über die Strecke Tuttlingen—Immendingen, die dadurch internationale Bedeutung hatte. Als Teilstrecke der Donaubahn, heute ihre Hauptbedeutung zur Vermittlung des Verkehrs zwischen Freiburg und Ulm-München, ist sie dagegen erst wichtig geworden, als 1890 die Strecke Tuttlingen — Sigmaringen eröffnet wurde. Der Bau der Strecke Immendingen- Aus dem Südwesten Rastatt. Bei der Eröffnung der wiederaufgebauten Schalterhalle der Bezirkssparkasse Rastatt wurde für den noch nicht geborenen 17 000. Einwohner Rastatts ein Sparkonto mit einer Einlage von 100 DM eröffnet. Das Sparkassenbuch sollen die Eltern des kommenden Kindes zur Verwahrung erhalten. Immenstaad. Die Getreideernte im Bodenseegebiet ist auf Grund des schönen Wetters in diesem Jahr drei Wochen früher als gewöhnlich eingebracht worden. Der Ertrag ist zufriedenstellend, obwohl an verschiedenen Orten durch Spatzenfraß stärkerer Schaden entstanden ist. Friedridtshafen. Als Ersatz für die während des Krieges zerstörte Jugendherberge ist in Friedrichshafen ein Touristenheim eröffnet worden. In der neuen Wandererunterkunft können bis zu 70 Personen in Schlafsälen mit 14 bis 16 Lagerstätten untergebracht werden. Tuttlingen erfolgte auf Grund des am 18. Februar 1865 mit Württemberg abgeschlossenen Staatsvertrags, obwohl ihr weitaus größter ?ell (9,1 Kilometer) mit der einzigen Zwischenstation Möhringen bereits auf badischem Boden liegt, ganz durch Württemberg, das daher von Anfang an auch den gesamten Betrieb bis Immendingen durchführte. Erfolgreiche Höhenlandwirtschaft Die badische Arbeitsgemeinschaft für Höhenlandwirtschaft veranstaltete eine Besichtigung von Zucht- und Saatgutvermehrungsbetrieben im Höhengebiet der Kreise Donaueschingen, Villingen, Neustadt und Waldshut, an der etwa 50 leitende Persönlichkeiten von landwirtschaftlichen Genossenschaften, Handelsfirmen, Behörden und Forschungsinstituten aus Baden, Württemberg, Frankreich und der Schweiz teil- nahmen. Prof. Dr. Josef Knoll, Donaueschingen, gab einen Aufriß der geologischen, klimatischen und wachstumsmäßigen Bedingungen der Landwirtschaft im badischen Höhengebiet im Anschluß an die Besichtigung der Einrichtungen des Instituts für Höhenlandwirtschaft auf dem Wartenberg. Pflanzkartoffeln, Gersten- und Roggenbestände im Raum von Furtwangen, St. Margen, Höchenschwand und Amrigschwand (Kreis Waldshut) gaben Einblick in die Möglichkeit bodenständiger Saatgutvermehrung auf Höhen zwischen 800 und 1000 Metern, die bisher für Kulturpflanzen als undiskutabel galten. Das zweitägige Zusammensein diente gleichzeitig dazu, dem Saatgut aus dem badischen Höhengebiet neue Interessenten diesseits und jenseits der Grenzen, vor allem im Elsaß und in der Schweiz, zu erschließen. Welchen Wein bevorzugen Sie? Bei einer im Bundesgebiet durchgeführten Repräsentativerhebung der deutschen Weinwerbung, Oppenheim, über die Geschmacksrichtung der Verbraucher in bezug auf Weine sprachen sich 60 Prozent der Befragten zugunsten des deutschen Weines und nur 9 Prozent für Auslands wein aus. 30,4 Prozent der Befragten äußerten keine Meinung, da sie praktisch keine Weintrinker sind. Innerhalb der verschiedenen Altersschichten wurde Auslandswein am meisten von den Jahrgängen zwischen 16 und 30 Jahren bevorzugt, während die Beliebtheit des deutschen Weines mit zunehmendem Alter immer deutlicher zum Ausdruck kam. Jedoch ist der deutsche Wein in allen Altersgruppen am beliebtesten. Bei der Erhebung ergab sich ferner, daß 21,7 Prozent der Befragten ihren letzten Wein im Ladengeschäft gekauft, 20,2 Prozent ihn in einer Gaststätte und 10,8 Prozent beim Versandhandel oder Erzeuger bezogen hatten, während die übrigen seit längerer Zeit keinen Wein mehr gekauft hatten. Ins Notizbueh In der 4. Klasse der 7. Süddeutschen Klassenlotterie wurden folgende größere Gewinne gezogen: Ein Gewinn zu 30 000 DM auf die Nr. 112 745: zwei Gewinne zu je 10 000 DM auf die Nrn. 80 739 und 135 890; vier Gewinne zu je 5000 DM auf die Nm. 22 265, 39 457, 75 98 und 89 431. Anläßlich der Bregenzer Festspiele, die dieser Tage begonnen haben und bis 13. August dauern, sind Einreiseerleichterungen für Deutsche nach Österreich in Geltung. Benötigt wird eine Einladung zu den Festspielen, die bei den westdeutschen Industrie- und Handelskammern und der Lindauer Handelskammer erhältlich ist. Das gleiche gilt für die Export- und Musterschau Dornbirn, die vom 29. Juli bis 7. August dauert Verschlechterung des Lehrstellenmarktes Große Sorge bereitet dem Lehrstellenmarkt schon seit Jahren die Unterbringung der lehr- steUensuchenden Jugendlichen, da fast im ganzen Gebiet großer Mangel an Lehrstellen besteht. In Südbaden waren bis Ende Juni, wie aus dem neuesten Monatsbericht des Arbeitsamtes hervorgeht, die Entlassungsschüler des Jahrgangs 1949, soweit sie eine Lehrstelle suchten, bis auf 670 männliche und 634 weibliche Jugendliche untergebracht. Die jetzt noch vorgemerkten Lehrstellensuchenden sind zum großen Teil wenig geeignet oder beharren hartnäckig auf einem augenblicklich unerfüllbaren Berufswunsch. Bei manchen scheitert die Vermittlung an der ungünstigen Wohnlage, bei Flüchtlingen vielfach auch an der mangelhaften Schulbildung. Die Statistik weist erstmalig auch die Lehrstellensuchenden des Schulentlassungsjahrgangs 1950 aus, für die sich die Aussichten wenig günstig darstellen. Es wurden bis jetzt insgesamt 5303 männliche und 2816 weiblicke Jugendliche gezählt. Ende Juni waren bei den Arbeits- Badischer Handwerkertag in Villingen Die Entscheidungen, vor denen das deutsche Handwerk noch in diesem Jahr steht, gaben auch dem Badischen Handwerkertag 1950 in der alten, in ihrem äußeren Bild noch heute von stolzer Handwerkertradition zeugenden Stadt Villingen sein Gesicht und seine Bedeutung. Auf einem Festbankett am Samstagabend sprach der Heimatschriftsteller Otto Ernst Sut- ter über das „Handwerkliche Menschentum“, während Staatspräsident Wohieb die besonderen ethischen Werte, die sich aus dem Zunftwesen früherer Jahrhunderte bis in die handwerkliche Selbstverwaltung unserer Tage erhalten haben, in einer Kundgebung des badischen Handwerks am Sonntagmorgen würdigte. Der Staatspräsident bezeichnet« die Entwicklung in der jüngsten Zeit als zufriedenstellend, doch werde mit den beruflichen Vertretungen auch die badische Regierung Eingriffen von außen entgegenarbeiten, die dem Handwerk ihre alten und festgefügten Versprechen, das Handwerk in dieser Frage zu der Gewerbefreiheit werde nicht nachgegeben werden. Es dürfe keinerlei Unordnung im wirtschaftlichen Leben aufkommen und daher dürfe auch nicht auf die vom Handwerk verteidigte Forderung des großen Befähigungsnachweises freiwillig verzichtet werden. Dem Versprechen, das Handherk in dieser Frage zu unterstützen, stellte der Staatspräsident aber die Pflicht des Handwerkerstandes gegenüber, der Jugend mehr Verständnis entgegenzubringen und ihr die notwendigen Lehrstellen zu geben, wenn der Staat nicht zu dem Ausweg gezwungen werden solle, für die Ausbildung eines qualifizierten Handwerkernachwuchses staatliche Lehrwerkstätten einzurichten. Eine Mahnung, mit fundierten Kalkulationen wirtschaftliche Sicherheit und verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen und über dem berechtigten Anspruch auf eine menschenwürdige Existenz auch die Gesellen nicht zu vergessen, richtete der Präsident der Handwerkskammer Konstanz, Zimmermeister Fischer, an die badischen Handwerker. Der Vorsitzende der Vereinigung westdeutscher Handwerkskammern, Präsident Hockelmann aus Augsburg, wandte sich ebenfalls mit Nachdruck gegen eine uneingeschränkte für die deutschen Verhältnisse nicht passende Gewerbefreiheit und legte mit einigen Zahlen die Bedeutung des deutschen Handwerks dar. 900 000 Handwerksbetriele im Bundesgebiet mit 3,5 Millionen Beschäftigten hätten im vergangenen Jahr über 20 Milliarden Mark umgesetzt. Zwei Drittel aller gewerblichen Lehrlinge, nämlich 500 000, würden in Werkstätten des Handwerks ausgebildet, und über 170 000 Gesellen- und 45 000 Meisterprüfungen im Jahre 1949 zeigten die Bedeutung, die auch der Nachwuchs den Befähigungsnachweisen immer noch beimesse. Das Handwerk brauche aber Kredite. Es sei widerwillig heute vielfach der Kreditgeber seiner Auftraggeber geworden und besonders die öffentlichen Auftraggeber erwiesen sich als äußerst zögernd in ihren Zahlungen. Soziale Probleme kenne das Handwerk kaum. Der Geselle von heute in den meist kleinen Betrieben sei der Meister von morgen und in den Ver- waltungskörpem des Handwerks daher schon längst zu Wort gekommen. Am Nachmittag gaben die ViUinger Innungen dem Badischen Handwerkertag mit einem großen, allen Berufen gerecht werdenden Festzug einen imposanten äußeren Abschluß. ändern 6620 männliche und 3777 weibliche Lehrstellensuchende vorgemerkt. Dieser Nachfrage stehen augenblicklich nur 936 Lehrstellen für männliche und 143 für weibliche Bewerber zur Verfügung. Das Angebot liegt bei den Jun- gens etwa 50 Prozent und bei den Mädchen rund 25 Prozent unter dem im gleichen Zeitpunkt des Vorjahres bei etwa gleicher Nachfrage. Trotz verschiedener Werbemaßnahemn geht die Meldung von Lehrstellen bei den Arbeitsämtern nur zögernd ein. 'Zurückhaltend ist vor allem das Handewrk, das offenbar auf staatliche Maßnahmen — Steuererleichterung, Kredithilfe, Senkung der Erziehungsbeihilfen, Änderung der Urlaubsbestimmungen usw. — wartet. Einigermaßen zufriedenstellend ist der Lehrstellenmarkt lediglich in den kaufmännischen Berufen. Wenn auch eine zuverlässige Beurteilung der Situation auf dem Lehrstellenmarkt vor September nicht möglich sein wird, so ist bereits heute schon gewiß, daß die Unterbringung der in diesem Jahr zu entlassenden Schüler aus verschiedenen Gründen auf wesentlich größere Schwierigkeiten stoßen wird als im letzten Jahr. Das Landesarbeitsamt meint, daß die Jugend sich dieser Lage durchaus bewußt und bereit sei, ihr Rechnung zu tragen. Ihre Wünsche seien längst nicht mehr so hartnäckig auf einige wenige Modeberufe gerichtet wie früher. Für die Bauberufe zum Beispiel bestehe viel Neigung. Im Kinderwagen zum Amtsgericht Ein Untersuchungsgefangener, der in dem schwäbischen Städtchen Tuttlingen wegen Zechprellerei festgenommen worden war, weigerte sich dieser Tage hartnäckig, den Weg vom Gefängnis zur Verhandlung im Amtsgericht zu Fuß zu machen. Infolgedessen wurde er kurzerhand in einen Kinderwagen gesetzt und auf diese ungewöhnliche Weise zum Amtsgericht und von dort zurückbefördert. Das von einem Polizeibeamten geschobene Gefährt mit seinem erwachsenen Inhal^erregte bei der Bevölkerung Aufsehen und Heiterkeit. Hilfsmaßnahmen für Heimkehrer Das Landesarbeitsamt Baden weist darauf hin, daß das unlängst verkündete Bundesgesetz über Hilfsmaßnahmen für Heimkehrer besondere Vergünstigungen in bezug von Arbeitslosenunterstützung für arbeitslose Heimkehrer geschaffen hat. Allen Heimkehrern, die seit dem I. April dieses Jahres oder später Arbeitslosenunterstützung oder Arbeitslosenfürsorgeunterstützung bezogen haben oder noch beziehen, wird empfohlen, bei den Arbeitsämtern oder den Zahlstellen an dem Jeweiligen Zahltag vorzusprechen. Auch für die Empfänger von Arbeitslosenfürsorgeunterstützung wurde eine Erleichterung geschaffen, wenn sich unter den Angehörigen des Unterstützungsempfängers ein Heimkehrer befindet, dessen Arbeitseinkommen in einer Zeit nach dem 1. April 1950 auf die Unterstützung angerechnet wurde. Auch in diesen Fällen empfiehlt sich die Vorsprache des Empfängers von Arbeitslosenfürsorgeunterstützung beim Arbeitsamt oder der Zahlstelle. Hengst Maestoso Austria Liebesgeschichte zweier Menschen und eines edlen Pferdes 29 Von Arthur-Heinz Lehmann Wahrscheinlich meint er, daß Zucker zur Reiterei gehört, er wird halt Geschmack dran finden wie ein junger Mann am Rauchen. Leider hat er sich so an den Zucker gewöhnt, daß er jetzt jeden ganz unmajestätisch darum anbettelt. Freilich ist ihm das Reiten in den nächsten Tagen sauer geworden, denn da ging’s nicht mehr hinaus auf die Pußta, sondern immer rundum auf dem Sandplatz im Gutshof. Damit er nicht wieder Gelüste bekommen sollte, durchzugehen oder sich seiner lieben Last zu entledigen, hat der Janos immer die Longe gehalten, und mit der Zeit ist der Majestätische das zuverlässigste Reitpferd geworden, das sich einer wünschen kann. Empfindlich ist er freilich gewesen, leicht gekränkt, und ich habe selber lernen müssen, 'mit ihm umzugehen. Einen Schlag mit der Gerte hat er nicht mehr vergessen wollen, als ich ihm damit die nötige Aufmerksamkeit abgezwungen habe. Er hat sich nicht gewehrt gegen mich, hat nicht gebockt, sondern mich gleichsam mit Verachtung gestraft. Mit dir, Ungarische, freilich, hat er’s gehalten, dir hat er mit dem samtweichen Maul die* Wange gestreichelt, über mich hat er hin- weggesen, als ob ich sein Reitknecht wär. Aber lang ist das nicht gegangen, Wenn wir hinausgeritten sind in die Pußta und bei den Rinderhirten über Nacht geblieben sind, da ist er neben mir gelegen und hat midi morgens in der vertrauten Weise geweckt. Deflorata ist um diese Zeit im Gig gegangen und hat mit zierlichem Kniebug die Beine gesetzt. Sie hat auch schon verliebt getan zum Majestätischen, aber der hat noch nicht gewußt, daß er ein Hengst ist, der reine Tor. Einmal ist Ferencz, der früher in der spanischen Reitschule in Wien gewesen ist, aus Budapest herübergekommen. Und wie er den Majestätischen geritten hat, meint er, den sollten wir doch als Schulpferd ausbilden lassen. Wenn der Leopold den Majestätischen in die Schule nehmen würde, nachher könnte ich mein eignes Pferd nicht wiedererkennen. Zu leicht tät ich ihm die Arbeit machen, meint Ferencz, bei mir würde er nicht weiterkommen, jedenfalls kein Künstler werden. ,Gut’, sag ich, ,laß’ ma’n halt studier’n!’ Schlecht hat er mir das gedankt, der Majestätischei Der Ferencs sagt zu mir, ich soll auf- sitzen und der Janos soll mit der Peitsche knallen, damit dem Majestätischen das Blut stärker durcheinanderkommt, dann soll ich einmal sehen, was für ein Pferd ich zwischen den Scheiflceln habe, da wird er von allein, vor lauter Aufregung, spanischen Tritt gehen. Leider hat sich der gute Janos in der Länge der Peitschenschnur geirrt. Er knallt und brennt dem Majestätischen aus Versehen eins hinten- auf. Der steigt und bockt, und langsam such ich mir ein Büschel Mähnenhaar zusammen zum Festhalten, damit ich ihn nicht im Maul reiße. Und aus den Bügeln tret ich auch heraus. Der Ferencz springt zu und will den Majestätischen beim Zügel fassen, der stemmt die Vorderbeine ein, daß ich ihm auf den Hals rutsch, aber im gleichen Augenblick tut er einen Satz auf den Ferencz zu. Ich bekomm einen Ruck nach rückwärts, gleit aus dem Sattel, schlag erst mit der Hinterhand auf und nachher mit dem Schädel, und da ist’s, als ob mir einer im Hirn das Licht ausdreht Nachher hab ich mich auf einem Woüach unter dem alten Baum auf dem Hof liegend klatschnaß bis zur Brust vorgefunden. Den ersten Blick tu ich in deine Augen, Ungarische, und da läßt es sich leicht lächeln, wenn einem auch der ganze Knochenbau brummt. Den Woi- lach hast du mir geholt und mich schön draufgelegt, zwei Kübel Wasser hat mir der Ferencz über Schädel und Brust gegossen, damit ich wieder auf wachen soll. Geradezu rührend besorgt seid’s um mich gewesenl“ „Spott du nur!“ sagt da die Ungarische. „A Angst hab 1 um dich ausg’standen! Wie du auf- g’schlagen bist, nachher hab i gefürchtet, daß es nimmer gut werden kann. Lieber Gott, hab i mir denkt, grad’ hast ihn mir gegeben, da nimmst mir ihn schon wieder! Laß ihn net hin sein!“ Da schämt sich die Ungarische, daß sie sich so tief hat ins Herz hineinschauen lassen und sagt: „Aber bittschön, erzähl’ weiter!“ „Ja, das Haarbüschel aus der Mähne vom Majestätischen hab ich noch in der Hand gehabt, und nachher bin ich hochkraxelt. ,Du’, sag ich, ,i moan, i hab mir die ganze Kruppen verbogen!’ Da hast mich gleich ins Bett schicken wollen, aber ich hab erst zum Majestätischen gehen müssen, damit er weiß, daß zwischen uns keine Feindschaft ist. Ich glaub, es hat ihn selber gejammert, wie ich dahergehinkt gekommen bin, und er ist mir mit dem Maul über die Wange gefahren und hat sich den Kopf an meinem Ärmel gerieben. Der Ferencz freilich hat gemeint, daß er den Zug nach Budapest noch haben muß, und der Janos, der geschworen hat, daß er sich gehängt haben würde, wenn der Herr Leitnant beim Teifl gewesen wär, hat gleich anspannen müssen. Nachher haben wir uns meine Kruppe beschaut. Ein Bluterguß ist mir da im Kreuz gesessen, so groß wie ein KuchenteUer. Und wie du hast massieren wollen, hat es sich noch herausgestellt, daß er verschiebbar ist. Du hast auch noch gelacht, einfach herzlos gelacht, Ungarische.“ „Bloß damit du wieder an Lebensmut kriegen sollst. Hast nämlich net schlecht gestöhnt, wie i dir drankomm’n bin!“ „A Mordsgaudi hast ghabt, daß die G’schwulst sich so schön hat schieben lassen! — Und dann hast am gleichen Tag noch dem Leopold geschrieben, ob wir den Majestätischen zu ihm in die Schul’ schicken können. Lang hat es gedauert, bis er geantwortet hat Wir können ihn also bringen. Well er ein Lipizzaner ist, darf er sogar in die Spanische Reitschule gehen. Und wir sollen bald kommen, er möcht wieder amal mit uns zum Heurigen gehen. Aber so einfach ist das nicht gegangen mit dem Fortkommen, da hat der Janos erst genau unterrichtet werden müssen, was er alles für Pflichten hat als Gutsverwalter, und du hast gemeint, wenn ihm noch eine Frau dabei helfen könnte, nachher wäris leichter. Der Janos hat gesagt, da wäre Rat zu schaffen, es hätte ihn da gerade wieder in Kecskemät ein Mädchen angelacht, das er gut kennt. Wenn es gut einschlägt, will er’s heiraten, aber erst muß er sehen, was das Mädchen wert ist bei der Arbeit und sonst auch. Das Mädchen hat er gleich am nächsten Morgen gehdLt, und du hast mit ihr gesprochen und gemeint, die könnte schon richtig zum Janos passen. Also sind wir beruhigt abgereist. Wie der Istvan, der Knecht, den Majestätischen hinausgeführt hat, ist er am Laufstall vorbeigekommen. Da hat Deflorata hinausgeschaut und ihm dunkeltönig nachgewiehert. Aber der Majestätische hat ihr keine Antwort gegeben...“ „So san s’ halt, die Mannsbilder,“ sagt die Ungarische. „Wann die nur fortkönnen, nachher vergessen s’ auf alles!“ „Da hätt’ ma wieder ja an wunderbaren Satz als Abschluß, Ungarische!“ meine ich und gähne. „Wannst an Schlaf hast, nachher gemma, gemma!“ sagt sie. Oben in der Kammer brennt das Licht am Plafond nicht, weil ich die Birne zur Vorsicht herausgeschraubt habe. Ich meine, daß wir eben im Dunkeln schlafen gehen werden, die Leuchter auf den Nachtkasteln brennen nämlich auch nicht. Aber die Ungarische besteht darauf, daß Licht brennen muß, es wäre eben eine verlotterte JunggeseUenwirtschaft bei mir, und eh’ ich’s hindern kann, kraxelt sie hinauf auf die Betten und dreht die Birne hinein. Gleich sieht sie natürlich das Taferl mit dem unfrommen Spruch drauf. (Fortsetzung folgt.) DIE AUSLESE Die Postkutsche von Beaucaire Von Alphonse Daudet Die beiden bekanntesten Werke, mit denen sich der französische Romanschrift- steiler Alphonse Daudet seinen Platz in der Weltliteratur eroberte, sind die „Briefe aus meiner Mühle“, ein Jugendwerk. und der Roman „Tartarin von Tarascon“ Daudet ist der Dichter der Provence und einer der besten Künder dieser reizvollen Landschaft. Es war am Tag meiner Ankunft in der Mühle. Ich hatte die Postkutsche von Beaucaire bestiegen, einen alten Rumpelkasten, der unendlich gemütlich durch die Landschaft bummelte Den Fahrer ungerechnet, saßen wir zu fünfen auf dem Oberdeck Der erste war ein Feldhüter aus Camargue. ein kleiner, untersetzter Mann, der große, blutunterlaufene Augen und silberne Ringe im Ohr hatte. Außerdem waren da zwei Leute aus Beaucaire, ein Bäcker mit seinem Gesellen. Dazu auf dem Vordersitz neben dem Kutscher eine gewaltige Schildmütze aus Kaninchenfell, die kaum ein Wort sprach und traurig die Straße entlang blickte. Alle diese Leute kannten sich und sprachen ungeniert über ihre Angelegenheiten Die zwei Leute aus Beaucaire wollten sich um der Heiligen Jungfrau willen ah die Kehle fahren. Der Bäcker gehörte nämlich zu einer Pfarrei, die der Madonna geweiht war. welche die Provencalen die .Gute Mutter“ nennen; sein Geselle sang im Chor einer neuen Kirche, welche der Unbefleckten Empfängnis geweiht war Der Streit, den die beiden austrugen, war ergötzlich anzuhören; es fehlte, um sich auf den Hafenplatz von Neapel versetzt zu glauben, nur. daß die Messer gezückt wurden. Das schöne theologische Kampfgespräch würde schließlich auch in dieser Richtung geendet haben, wenn nicht der Kutscher dazwischen getreten wäre Während sich die Streitenden beruhigten, fühlte der Rächer, der in Aufregung geraten war. das Verlangen, den Rest seines Eifers an den Mann zu bringen Er wandte sich der Schirmmütze zu. die schweigend und traurig in der Ecke saß, und sagte spöttisch; „Und wie stets mit deiner Frau. Meister Scherenschleifer? Mit welcher Pfarrei hält sie es?“ In der Frage versteckte sich offenbar etwas Komisches, denn die ganze Postkutsche brach in schallendes Gelächter aus. Der Scherenschleifer aber lachte nicht. Während er tat, als ob er nichts hörte, wandte sich der Bäcker an mich; „Sie kennen wahrscheinlich seine Frau nicht Monsieur. Das ist ein drolliges Pfarrkind. das kann ich Ihnen sagen.“ Das Gelächter verdoppelte sich, der Scherenschleifer aber rührte sich nicht: er sagte nur leise, ohne den Kopf zu heben: „Schweig 4 . Bäcker!“ Der teufliche Bäcker hatte Jedoch keine Lust, zu schweigen, und fing erst recht an: „Der arme Kamerad ist nicht zu beklagen, solch eine Frau zu haben. Das ist eine, mit der man keinen Augenblick Langeweile hat. Denken Sie sich, Monsieur: alle sechs Monate läßt sich die Schöne von einem Galan entführen und hat. wenn sie wiederkommt, immer etwas zu erzählen. Es i*t ein drolliger Haushalt. Sie sind noch nicht ein Jahr verheiratet — piff paff, da brennt die Frau mit einem Schokoladenhändler nach Spanien durch. Der Mann ist allein zu Hause, heult and trinkt und beträgt sich wie närrisch. Nach einiger Zeit kommt die Schöne ins Land zurück und sie haben sich in aller Ruhe wieder vertragen. Nach dem Spanier kam sin Offizier, dann eta Rhoneschiffer, dann tztn Musiker, dann — was weiß ich. Das Beete an der Geschichte ist, daß sich dts gleiche Komödie jedesmal wiederholte: die Frau brennt durch, der Mann beult; sie kommt zurück, und er tröstet sich ...“ „Das ist wirklich ein Mann, der Geduld hat. Man muß allerdings zugeben, daß die kleine Scherenschleiferin verdammt hübsch ist; sie ist ein wahrer Bissen für einen Kardinal, lebhaft, zierlich und gut gebaut und nußbraune Augen, welche die Männer bezaubern.“ „O schweig“, Bäcker, ich ersuche dich drum!“ bat der Scherenschleifer noch einmal mit herzzerreißendem Ausdruck der Stimme. Ich faßte mir ein Herz und redete sie an: „Willst du Spazierengehen. Lisei?“ Sie sah mich aus ihren schwarzen Augen mißtrauisch an und wiederholte gedehnt: „Spazieren? Ach du — du bist g’scheit!“ „Wohin willst du denn?“ „Zum Ellenkramer!“ „Willst dir ein neues Kleid kaufen?“ Sie lachte laut auf: „Geh', laß’ mf aus! Nein, nur so Fetzeln zu G’wandl für die Pupp’n. Es kost’ immer nit viel.“ Mir fuhr ein glücklicher Gedanke durch den Kopf. Ein Onkel von mir hatte damals am Markt eine Ellenwarenhandlung, sein alter Ladendiener war mein Freund. „Komm’ mit mir. Lisei“, sagte ich. „es soll dich gar nichts kosten!“ „Meinst?“, fragte sie. Da liefen wir beide schon nach dem Markt und in das Haus des Onkels. Der alte Gabriel stand wie immer in seinem pfeffer- und salzfarbenen Rock hinterm Ladentisch, und als ich ihm unser Anliegen vorgetragen hatte, legte er gutmütig einen Haufen Reste auf den Tisch. „Schau, das hübsch* Brinnrott“ sagte Lisei und sah begehrlich ein Stückchen französischen Kattuns an. In diesem Augenblick hielt die Postkutsche. Wir waren an dem Gut Angloree angekommen, wo die Leute aus Beaucaire abstiegen. Ich ließ sie gerne geben — So ein Spaßvogel von Bäcker! Er war schon im Hofe des Gutes, als ich ihn noch lachen hörte Der Scherenschleifer aber sagte mit dumpfer Stimme zu mir: .Leben Sie mich gut an. Freund! Wenn Sie an einem der nächsten Tage erfahren, daß es in Beaucaire ein Unglück gegeben hat, so werden Sie den kennen, der es veranlaßt hat!“ Ein erloschenes, trauriges Gesicht mit kleinen, glanzlosen Augen sah mich an. In diesen Augen standen Tränen in der Stimme aber lag Haß Haß ist der Zorn der Schwachen. Wenn ich die Scherenschleiferin wäre, würde ich mich in acht nehmen. „Kannst es brauchen?“ fragte Gabriel. Und ob sie es brauchen konnte! Der Ritter Siegfried sollte ja auf den Abend noch eine neue Weste geschneidert bekommen. „Da gehören aber auch Tressen dazu“, meinte der Alte und brachte allerhand Endchen von Gold- und Silberflittem. Bald kamen noch grüne und gelbe Seidenläppchen und Bänder, endlich ein ziemlich großes Stück braunen Plüsches. „Nimms nur, Kind!“ sagte Gabriel. „Das gibt ein Tierfell für eure Genoveva!“ Damit packte er die ganze Herrlichkeit zw- sammen und legte sie der Kleinen ln den Arm. < „Und es koeft nix?“ fragte sie beklommen. Nein, es kostete nichts. Ihre Augen leuchteten. „Schön’ Dank, guter Mann! Ach, wie wird der Vater schauen!“ Hand in Hand, Lisei mit ihrem Päckchen unterm Arm, verließen wir den Laden. Als wir in die Nähe unserer Wohnung kamen, ließ sie mich los und rannte über die Straße, daß Ihr die schwarzen Flechten in den Nacken flogen. Nach dem Mittagessen stand ich vor unserer Haustüre und erwog unter Herzklopfen das Wagnis, meinen Vater um das Eintrittsgeld $zaeioHS £ian dot a k al Die Kunst, Glück zu haben Es gibt Regeln für das Glück; denn für den Klugen ist nicht alles Zufall Die Bemühung kann dem Glück nachhelfen Einige begnügen sich damit, sich wohlgemut an das Tor der Glücksgöttin zu stellen und zu erwarten, daß sie öffne. Andere schon besser, streben vorwärts und machen ihre kluge Kühnheit geltend, damit sie auf den Flügeln ihres Viertes und ihrer Tapferkeit, die Göttin erreichen und ihre Gunst gewinnen mögen Jedoch, richtig philosophiert, gibt es keinen anderen Weg als den der Tugend und Umsicht, indem jeder gerade soviel Glück und soviel Unglück hat, als Klugheit oder Unklugheit. Fleiß und Talent Ohne beide ist man nie ausgezeichnet, Jedoch im höchsten Grade, wenn man sie in sich vereint. Mit dem Fleiße bringt ein mittelmäßiger Kopf es weiter, als ein überlegener ohne denselben. Die Arbeit ist der Preis, für den man den Ruhm erkauft: was wenig kostet ist wenig wert. Sogar für die höchsten Ämter hat es einigen nur an Fleiß gefehlt; nur selten ließ das Talent sie im Stich: Daß man lieber auf einem hohen Posten mittelmäßig, als auf einem niedrigen ausgezeichnet ist, hat die Entschuldigung eines hohen Sinnes für sich; hingegen, daß man sich begnügt, auf dem untersten Posten mittelmäßig zu sein, während man auf dem obersten ausgezeichnet sein könnte, hat sie nicht. Also sind Natur und Kunst erfordert, und der Fleiß drückt ihnen das Siegel auf. Warten können* Es beweist ein großes Herz mit Reichtum an Geduld, wenn man nie in eiliger Hitze, nie leidenschaftlich ist. Erst sei man Herr über sich, so wird man es nachher über andere sein. Nur durch die weiten Räume der Zeit gelangt man zum Mittelpunkte der Gelegenheit. Weise Zurückhaltung bringt die richtigen, lange geheim zu haltenden Beschlüsse zur Reife. Die Krücke der Zeit richtet mehr aus als die eiserne Keule des Herkules Gott selbst züchtigt nicht mit dem Knittel, sondern mit der Zeit. Philipp II von Spanien soll einmal gesagt haben: „Die Zeit und ich nehmen es mit zwei andern auf." Das Glück selbst krönt das Warten durch die Größe des Lohns. Ober das Nachdenken Weil sie nicht denken, gehen alle Dununköpfe zugrunde: sie sehen in den Dingen nie auch nur die Hälfte von dem, was da ist; und da sie sich so wenig anstrengen, daß sie nicht einmal ihren eigenen Schaden oder Vorteil begreifen, legen sie großen Wert auf das, woran wenig, und geringen auf das, woran viel gelegen, stets verkehrt abwägend. Viele verlieren den Verstand deshalb nicht, weil sie keinen haben. Es gibt Sachen, di? man mit der ganzen Anstrengung seines Geistes untersuchen und nachher in der Tiefe desselben aufbewahren soll Der Kluge denkt über alles nach, wiewohl mit Unterschied: er vertieft sich da, wo er Grund und Widerstand findet, und denkt bisweilen, daß noch mehr da ist, als er denkt: dergestalt reicht sein Nachdenken ebenso weit, als seine Besorgnis. zur Vorstellung der Puppenspieler anzugehen, das einen Doppelschilling betragen sollte. Da kam das Lisei über die Straße zu mir hergeflogen „Der Vater echickt’s“ sagte säe. und ehe ich mich’* versah, war sie wieder fort, und ich hielt in meiner Hand eine rote Karte, auf der mit großen Buchstaben stand: Erster Platz! 1 Als ich aufblickte, winkte tob drüben der kleine, schwarze Mann herüber. Was mußten das für nette Leute sein, diese Puppenspieler! Heute abend also, sagte kh zu mir, heute abend — und erster Platz! ^vLtvS^ bringt - > rcr Das Puppenspieler-Kind / v°» Theodor st,™ Die Frucht der Sünde / a*«. ■**»*«. Der Kollegienassessor Migujew macht» seinen Abendspaziergang; er blieb an einer l'elegraphenstange stehen und seufzte tief. Eine Woche zuvor hatte ihm, als er von seinen» Abendspaziergang helmkam, an dieser Stelle sein früheres Stubenmädchen Agnija aufgelauert und ihm wütend zugeschrieen: „Na warte nur! Ith werde dir eine Suppe einbrocken, damit du weißt, was es heißt, unschuldige Mädchen zu verführ«»! Und den Säugling liefere ich dir ab, und ich gehe zu Gericht und ich erzähle altes deiner Frau . . .* Und sie hatte verlangt, daß er auf der Bank fünftausend Rubel auf Ihren Namen hinterlegen müsse. Migujew dachte daran, seufzte tief und bereute wieder in tiefer Zerknirschung die Verführung eines Augenblicks, die ihm so viel Sorgen und Qual gebracht hatte. Als er bei seinem Landhaus war, setzte sich Migujew auf die kleine Treppe, um zu verschnaufen. Auf der Straße und in der Umgebung der Landhäuser war kein Mensch zu sehen, die alten VAlenbewohner hatten sich schon schlafen gelegt und die jungen gingen im Wäldchen spazieren. Migujew suchte in beiden Taschen nach einem Zündholz, um sich eine Zigarette anzuzünden; dabei stieß er mit dem Ellbogen an etwas”Weiches; gedankenlos schaute er unter seinen rechten EIllenbogen — und plötzlich verzerrte sich sein Gesicht in solchem Entsetzen, als hätte er neben sich eine Schlange erblickt. Auf der Treppe, unmittelbar an der Tür, lag ein Bündel Irgendetwas Längliches war in etwas eingewickelt, das sich beim Betasten wie eine kleine Steppdecke anfühlte. Ein Zipfe] des Bündels war halb offen, und als der Kollegienassessor hineingriff, fühlte er etwas Warmes, Feuchtes. Entsetzt sprang er auf und blickte um, wie ein Verbrecher, der vor der Polizei davonteufen will . . . ihn tatsächlich abgeliefert!“ zischte er durch che Zähne und ballte die Fäuste, „da liegt sie, die Frucht der Sünde! Ach du mein Herrgott!“, er erstarrte vor Schrecken, Wut und Scham . . . Was »oll er Jetzt tun? Was wird seine Frau sagen, wenn säe das erfährt? Was werden seine Kollegen sagen? Seine Exzellenz wird ihm-^icher auf den Bauch klopfen, vor Lachen platzen und sagen? Gratuliere ... he he he ... ja, ja, Alter schützt vor Torheit nicht, sind ja ein rechter Schelm, Semjön Erastowitsch!“ Das ganze Villenviertel wird jetzt sein Geheimnis erfahren . . . Ober Findelkinder schreibt man in allen Zeitungen und so wird der friedliche Name Migujew in ganz Rußland berüchtigt werden. Das Mittelfenster des Landhauses stand offen und man konnte deutlich hör«», wie Anna Philippowna, die Frau Migujews, den Tisch zum Abendessen deckte; auf dem Hofe dicht beim Tor klimperte der Hausknecht Jer- molai auf seiner Balalaika . . . Jetzt brauchte nur noch der Säugling aufzuwachen und loszuplärren, und das Geheimnis war entdeckt. Migujew fühlte dunkel den Drang, sich zu beeilen. „Rasch, rasch“, murmelte er. „Noch diese Minute, so lang es keiner sieht. Ich werde ihn irgendwo hintragen, auf eine fremde Treppe legen . . Migujew ergriff mit einer Hand das Bündel und ging leise, Schritt vor Schritt, um nicht verdächtig auszusehen, auf der Straße dahin. „Wohin mit ihm? Aha, ich habs, ich werde ihn zum Landhaus des Kaufmanns Mjelkin tragen ... die Kaufleute sind reiche, mitleidige Leute, sie werden vielleicht noch danke schön sagen und für seine Erziehung sorgen.“ Und Migujew beschloß, den Säugling unbedingt zu Mj elkin zu bringen, obwohl die Villa des Kaufmanns an der letzten Straße des Villenviertels dicht beim Fluß lag. »Hat watend Während Migujew über die enge menschenleere Kreuzung an den langen Zäunen entlang ging, unter den dichten dunklen Schatten der Linden, kam es ihm plötzlich vor. als ob er im Begriffe stehe, etwas äußerst Grausames und Verbrecherisches zu tun Auf dem ganzen Weg zum Landhaus Mjelkins gingen ihm eine Menge sozialer Fragen durch den Kopf und in der Brust schlug ihm das Gewissen. „Wäre ich ein ehrlicher anständiger Mensch“, dachte er, „so würde ich auf alles spucken, würde mit diesem Säugling vor Anna Philippowna hintreten, vor ihr auf die Knie fallen und sagen; „Verzeih, ich bin ein Sünder, wir haben keine Kinderchen . . . ziehen wir ihn auf!“ Br kam zur Villa Mjelkins und blieb unschlüssig stehen... Sr malte sich aus. wie er daheim im Salon sitzt und neben Ihm zappelt sein Bübchen . . . Mit den Gewissensbissen überflutet ihn ein zärtliches, warmes, trauriges Gefühl . . . Der Kollegienassessor legte den Säugling vorsichtig auf die Stufen der Terrasse und winkte mit der Hand. Er trat einen Schritt zurück — aber plötzlich räusperte er sich entschlossen und sagte: „Ach, mag kommen was will! Will auf alles spucken! Nehme ihn mit! Mögen die Leute sagen was sie wollen!“ Migujew packte den Säugling und stapfte eilig zurück. Weinend, ersterbend vor Angst und Scham, aber voll Hoffnung und unbestimmtem Entzücken, lief er zu seiner Villa, trat vor seine Frau und fiel auf die Knie „Anna Philippowna!“ sagte er schluchzend und legte den Säugling auf den Fußboden . „ „sei gnädig, sag ein Wort ... ich habe gesündigt! Das ist mein Kind ... Du erinnerst dich an Agnjuschka, na ja . . . habe gemein gehandelt . . .“ Kopflos vor Scham und Angst wartete er ihre Antwort nicht ab, sprang auf und rannte wie gepeitscht ins Freie . . . Der Hausknecht Jermolai ging mit seiner Balalaika vorüber, starrte ihn an und zuckte mit den Achseln . . . Nach ein«“ Minute ging er wieder vorüber und zuckte mit den Achseln. „Das Ist eine nette Geschichte, halten zu Gnaden . . .“ murmelte er lachend. „Kommt zu 'ing vorhin ein dummes Weib, die Wäscherin Airgin ja Das dumme Weib legt sein Bänd draußen auf die Treppe und — hast du nicht gesehen!. . . währepd sie bei mir sitzt, kommt einer und trägt das Kind davon . . . eine nette Geschichte!“ „Was? Was sagst du?“ brüllte Mgujsw ans voller Kehle. Jermolai. der sich die Wut seines Herrn a»*f seine Art auslegte, kr atz te sich im Nacken und „Verzeihen Sie, Semjon Erastytech*, sagte er, „aber das Leben hier auf dem Lande . . . ohne das gehts eben nicht . . . ohne Weib Cur, -heißt das.“ Mit einem Blick in die weit aufgerissen«», wütend glotzenden Augen seines Herrn, räusperte er sich schuldbewußt und fu hr fort: „Ich weiß schon, es ist Sünde, aber was »oll man machen ... Sie haben verboten, fremde Weiber auf den Hof zu lassen, ganz recht, aber wo soll man eigene Weiber hernehmen? Früher, als noch die Agnjuschka bei uns war, habe ich keine fremden herein gelassen, wefl ich da meine eigene hatte . . . aber jetzt - . . sehen Sie doch bitte selbst . . . kommt man ohne fremde halt nicht aus . . . Aber mit Agnjuschka, ganz bestimmt, gab es keine Üa- ordnung, denn da . „Scher dich zum Teufel, du Lump!“ brüllte ihn Migujew an; er stampfte mit den Füße» und lief ins Zimmer zurück. Anna Philippowna saß erstaunt und erzürnt noch auf demselben Fleck und starrte mit verweinten Augen den Säugling an „Na. na “ murmelte Misuiew bleich, de» Mund zu einem Lächeln verziehend hat» ja nur Spaß gemacht er ist nicht von mir ..„ er ... er ... er gehört der Wäscherin Aksinja . . . Ich . . „ ich heb ja nur Spaß gemacht . . . Trag ihn zum Hausknecht. 8 45 Sflite 6 — Kummer 88 Dienstag, 25. Juli 1950 Freiburg — Breisgau 9000 km Tagesleistung auf allen Strecken Die Freiburger Straßenbahn gestern, heute und morgen Haben Sie schon gewußt, daß im Jahre 1948 täglich 77 519 Personen mit der Straßenbahn fuhren? Das würde also heißen, daß drei Viertel unserer' gesamten Bevölkerung (1948: 105 000 Einwohner) täglich einmal die Straßenbahn benutzte, 1928 waren es nur 32 713 Personen pro Tag. In einem Jahre machte die Beförderungszahl 11449 972 Personen aus, die sozusagen durch ‘die Hände der 245 Schaffner und Wagenführer gingen (uneingerechnet die etwa 200 Mann vom Werkstättenpersonal). Um diese Menschenmenge zu befinden, deren Zahl nach der Währungsreform etwas abgenommen hat, stehen der Städtischen Straßenbahn heute 55 Motorwagen zur Verfügung, von denen die ersten 35 den Baujahren 1900 bis 1910 angehören. Die letzten vier neuen Motorwagen wurden 1927 angeschafft, die . letzten Beiwagen, von denen heute 20 vorhanden sind, nicht viel später. Die meisten Straßenbahnwagen haben also das sehr beachtliche Alter von fast 50 Jahren erreicht und stammen aus einer Zeit, in der Freiburg noch keine 70 000 Köpfe zählte und dementsprechend einen viel geringeren Verkehr hatte. Allerdings wuchs seit 1928 der Fuhrpark an Omnibussen von 5 auf heute 15 (und 7 Anhänger), deren Fahrstrecke von rund 16 Kilometer hinter derjenigen der Straßenbahn von 19,4 Kilometer nicht mehr viel zurücksteht. — An einem Tage fahren unsere guten alten Straßenbahnen rund 9000 Kilometer auf sämtlichen Strecken hin und her, und diese Zahl, auf ein ganzes Jahr umgerechnet, bedeutet, daß man z. B. 1948 auf die beachtliche Zahl von 1 643 935 abgeleistete Wagenkilometer kam. Seit einigen Jahren ist die Straßenbahn erfreulicherweise kein Defizitunternehmen mehr, sondern sie finanziert sich vollkommen selbst, d. h. sie erhält zur Betriebsführung keine städtischen Zuschüsse mehr. 1949 konnte sie sogar zusammen mit dem Elektrizitäts- und Gaswerk eine Konzessionsabgabe von 1620 320 DM an die Stadt abf(ihren; im Haushaltsplan 1950 sind 1 739 480 DM vorgesehen, die an die Stadt bezahlt werden müssen. Da die Straßenbahn in den letzten 20 Jahren so gut wie überhaupt nicht erneuert wurde und deshalb mit dem veralteten und für den heutigen Verkehr zu kleinen Wagentypen und infolge des zum Teil schlechten Schienenmaterials einfach nicht mehr den stetigwachsendenVerkehr bewältigen kann, so mußten in diesem Jahre erhebliche Neuanschaffungen gemacht werden, die den Stadtsäckel erheblich belasteten. Im außerordentlichen Haushalt 1950 wurden deshalb 1 767 250 DM zur Erneuerung und Ergänzung der Straßenbahn vorgesehen (und die große Konzessionsabgabe ist schon verschwunden). Den großen Aufwand, den die Straßenbahn in den nächsten Jahren erfordert, bis sie wieder auf „Draht“ ist, wird jeder Einwohner als notwendig einsehen müssen. In kurzer Zeit werden sich zu den sieben Anhängern, die bereits in Betrieb sind und bei denen die alten Karosserien umgebaut Hürden, noch drei weitere gesellen. (Kostenpunkt: 22 000 DM pro Anhänger.) Den ganz neuen Beiwagen werden in diesem Jahre noch vier weitere folgen (für je 36 000 DM). Ferner war es notwendig, neue Motorwagen zu bestellen, von denen elf Stück auf 880 00 DM kommen werden. Die Vergrößerung des Wagenparks, der außerdem erheblich durch den Krieg gelitten hatte, machte den Bau einer neuen Straßenbahnhalle notwendig, die 717 000 DM verschluckte. Weiter verschlechterte sich der Unterbau der Straßenbahn an verschiedenen Stellen, besonders an Kurven und Weichen, von Jahr zu Jahr, und so wird in der nächsten Zeit die Schienenstrecke vom Bertholdsbrunnen bis zur Schwabentorbrficke neu gelegt werden müssen. Auch bei den Omnibussen waren dringende Neuanschaffungen notwendig, um dem Vorortsverkehr endlich gewachsen zu sein. Aus all diesen Angaben geht hervor, daß man bei der Straßenbahn unermüdlich gearbeitet hat. Im nächsten Winter werden die Berufstätigen nicht mehr über die in ungenügender Zahl eingesetzten Wagen und über Unpünktlichkeit zu klagen haben. Im Hinblick auf die Finanzen der Straßenbahn machte sich die Neuanschaffung von Fahrrädern besonders bemerkbar. Übrigens fahren alle Kriegsbeschädigten frei auf der Straßenbahn. Hinzu kommt noch eine nicht geringe Anzahl männlicher Besatzungsangehörigen, die (wie in nicht sehr vielen anderen Städten) tagtäglich kostenlos durch Freiburg fahren. G. G. Coburger Stadtrat als Gast in Freibnrg Im Mittelpunkt der am Dienstag, 25. Juli, 15 Uhr, in der Aula des Rathauses stattfindenden öffentlichen Stadtratssitzung stehen die Entwicklung der Wohnungsfrage in Freiburg und der allgemeine Wiederaufbau. An der Sitzung wird auch der Coburger Stadtrat als Zuhörer teilnehmen. Begrüßenswerte Anordnung In allen Straßenbahnwagen befinden sich jetzt Hinweise, durch die das Publikum gebeten wird, die Eckplätze für Schwerkriegsbeschädigte frei zu halten. Es wird allerdings, wie der Von der Anklage der Brandstiftung frei gesprochen Augenschein lehrt, einige Zeit dauern, bis alle Fahrgäste sich nach dieser neuen Anordnung richten werden. Semesterschluß am 31. Juli Die Vorlesungen des Sommersemesters der Universität Freiburg werden am 31. Juli beendet. Das Wintersemester 1950/51 beginnt Anfang November. Zitronenpreise klettern weiter Auf dem Samstag-Wochenmarkt wurden für eine Zitrone bereits 30 Pfennige verlangt. Wenn das so weiter geht, werden sich die minderbemittelten Kreise bald keine dieser für die Volksgesundheit so wichtigen Früchte mehr leisten können. Zu knapp überholt Wie gefährlich es ist, ein Fahrzeug zu knapp zu überholen, erfuhr ein Kraftradfahrer, der in der Zähringer Straße einen anfahrenden und dabei etwas links ausbiegenden Pkw so knapp überholte, daß er einen Kotflügel des Kraftwagens abriß und selbst am rechten Oberschenkel Riß- und Schnittwunden erlitt. Immer wieder die Kinder! In der Eschholzstraße sprang ein achtjähriges Mädchen plötzlich vom Gehweg auf den Radfahrweg, wo es von einem Radfahrer umgerissen und am Kopf verletzt wurde. Freiburger Ferkelmarkt Auf dem Freiburger .Ferkelmarkt waren 269 Ferkel und Läufer aufgetrieben. Die Preise betrugen für Klasse 1 30 bis 40 DM, Klasse 2 41 bis 55 DM und Klasse 3 56 bis 80 DM. Der Marktverlauf war ruhig, 50 Prozent des Auftriebs konnten verkauft werden. Heiße Köpfe Am Eingang zum Colombipark hatten zwei „etwas miteinander“. Ein Jüngling redete mit hochrotem Kopf auf eine noch junge Frau ein und versuchte sie von irgend etwas zu überzeugen, von dem diese eine andere Meinung hatte. Die Frau bot eine Anzahl nichtkirchlicher Schriften an, und das paßte dem Jungen offenbar nicht. So kam eine Diskussion über religiöse Probleme zustande, die eines besseren Forums würdig gewesen wäre. Die Menge stand dabei, teils interessiert, teils belustigt, teils ablehnend, wobei es an bösen Bemerkungen nicht fehlte. Auch eine in der Nähe sitzende Blumenfrau schimpfte heftig, weil ihr durch den theoretischen Disput die Kundschaft vertrieben wurde. Der Junge übrigens — viel zu jung, um schon Erfahrungen haben zu können — schien durch eine gute, zweckdienliche Schule gegangen zu sein; denn er zerredete mit einer ans Agitatorische grenzenden Gewandtheit alle Argumente seiner Gegnerin. Waren diese aber doch zu stichhaltig, dann wurden sie von ihm ins Lächerliche gezogen, wobei ihm einige andere Jungen mit kurzen schwarzen „Riebelesamthosen“ eifrig sekundierten: mit einem Fanatismus, dem wir irgendwann schon einmal in Deutschland begegnet zu sein glauben. Nur war damals die Marschrichtung eine andere. Plötzlich aber fegte ein Gewittersturm daher und trieb die ganze Versammlung wie Spreu in alle Winde. Nur die alte Blumenfrau harrte gottergeben auf ihrem Schemelchen aus und wartete auf einen Käufer. -ost- 2000 Hunde bellen in Freiburg Wußten Sie schon, daß Freiburg-St. Georgen auf Grund eines Vertrages aus dem Jahre 1938 das Recht hat, die dort übliche Hundesteuer bis 1953 zu zahlen, während in der Stadt Freiburg und den übrigen Vororten der Normalsatz für den ersten Hund 60 DM beträgt? St. Georgen besitzt 218 Hunde, für die eine Steuervergünstigung besteht, während in der Stadt Freiburg einschließlich der übrigen Vororte im Steuerjahr ' 1950 bis zum 1. Juli 1781 Hunde in die Steuerliste eingetragen waren. Das gesamte Stadtgebiet zählt 1999 Hunde; im Vorjahre wurden 2342 und im Jahre 1948 2122 Hunde versteuert Die Hunde der Besatzungsangehörigen sind in diesen Zahlen nicht enthalten. Ist es im übrigen bei der Höhe der Hundesteuer verwunderlich, daß man im Vorjahre 328 Hundehalter beiderlei Geschlechts in Freiburg ermittelte, die die Steuer auf ihre Art einzusparen gedachten? Immerhin hielt sich die Stadt an diesen Sündern dadurch schadlos, daß sie ihnen außer dem hinterzogenen Steuersatz noch empfindliche Ordnungsstrafen aufbrummte. — Sollte es sich dann noch erreichen lassen, daß die glücklichen oder unglücklichen Hundebesitzer ihre Tiere so abrichten, daß sie die dem öffentlichen Verkehr dienenden Straßen künftig etwas weniger „dekorieren“ als bisher, so wird ihnen die Einwohnerschaft hierfür gewiß von Herzen dankbar sein. Fragen des Güter- und Personenverkehrs Am 26. Juli, 16 Uhr, veranstaltet die Industrie- und Handelskammer Freiburg im Hörsaal 32 der Universität einen Vortragsnachmittag, auf dem die Verkehrsreferenten der Industrie- und Handelskammern Essen und Mannheim über aktuelle Fragen des Güterund Personenverkehrs sprechen werden. Volkshochschule Freibnrg Die Volkshochschule veranstaltet eine Omnibusfahrt nach Tauberbischofsheim, Rothenburg o. T. und in den Spessart mit Führungen vom 30. August bis zum 2. September. Nähere Auskunft im Sekretariat der Volkshochschule, Universität, Zimmer 66, von 18 bis 20 Uhr. — Als Einführung hält Prof. Metz am Mittwoch, 26. Juli, 20.15 Uhr, im Hörsaal 1 der Universität einen Vortrag über „Das Tauberland von Rothenburg bis Wertheim“. Das erstmalig für alle Hörer und Dozenten veranstaltete Schlußfest am Waldsee verlief sehr stimmungsvoll und wurde durch Darbietungen des Tanzpaares Isa Ullrich und Hans Wolf-Schien vom Stadttheater Freiburg und einiger Hörer verschönt. Stadttheater Freiburg Bis zum 30. Juli findet täglich um 21 Uhr im festlich beleuchteten Colombipark der mit großem Beifall aufgenommene romantische Ballettabend mit den Tanzwerken „Die grünen Hosen“ von Horst Schneider und „Dornröschen“ von Tschaikowsky statt. Nach Schluß der Vorstellungen (22.30 Uhr) verkehren die Straßenbahnen nach allen Richtungen. Englische Volkslieder Der neugegründete englische Chor der Universität Freiburg wird am Dienstag, 25. Juli, 20 Uhr, im Hörsaal 56 englische Volkslieder singen. Herzlichen Glückwunsch! In Teningen bei Emmendingen ertönte in der Nacht zum 26. Februar Feueralarm; eine in der Gartenstraße gelegene, von vier Familien bewohnte Baracke brannte bis auf den Grund nieder. Zu den Mitbewohnern der vom Feuer vernichteten Baracke gehörte der Markthändler Albert Bos und seine Ehefrau Elisabeth. Beide wurden im März unter dem Verdacht der vorsätzlichen Brandstiftung verhaftet. Sie hatten sich nun vor dem Schwurgericht Freiburg zu verantworten. Die Anklage lautete auf gemeinsame Brandstiftung und Absicht des Versicherungsbetrugs. Das Ehepaar bestritt jede Schuld und gab an, etwa vier Stunden vor Ausbruch des Brandes ihr Heim in Teningen mit dem Lieferwagen verlassen zu haben, um sich zu dem Jahrmarkt nach Lenzkirch zu begeben. Seine Habe einschließlich der' Marktware hatte Bos im Dezember 1940 mit 17 000 DM in die Feuerversicherung aufnehmen lassen. Auffallend war, daß Bos in den dem Brand vorausgegangenen Tagen und Wochen einen Teil seiner Wohnungseinrichtung nebst einer Schreibmaschine bei Bekannten in Verwahrung gab. Nach seiner Angabe ist dies geschehen, um vor einem Diebstahl seines Eigentums gesichert zu sein. Belastend waren weiter verschiedene Zeugenaussagen von Frauen, wonach ihnen Frau Bos gesprächsweise anvertraut habe, ihr Mann werde die Baracke anzünden. Bei einer Untersuchung bei einer als Zeugin vernommenen Frau habe sie hinzugefügt, sie würden mit dem von der Versicherung ausbezahlten Betrag ein eigenes Häuschen bauen. Musik im Jugendbildungswerk Sinn und Ziel der Arbeitsgemeinschaft für Musik im Jugendbildungswerk ist, berufstätigen jungen Menschen, denen Musik noch etwas mehr bedeutet als oberflächliche Unterhaltung, die Möglichkeit zu bieten, unabhängig von finanziellen Mitteln ihre Fertigkeiten auszubilden. Darüber hinaus sollen sie im gemeinsamen Musizieren immer wieder neue Anregun- den erhalten. Wer einmal erlebt hat. welch beglückender Mittelpunkt in einer Familien- und Hausgemeinschaft das gesellige Musizieren zu sein vermag, der kann nur mit Freude und Wohlwollen die vom Jugendbildungswerk in Angrilt genommene Arbeit verfolgen. Vor Beginn einer längeren Ferienpause hörte man ein öffentliches Konzer. Werken der Barockzeit und der frühen Klassik. Das erfreulich starke Orchester musizierte unter der sachkundigen Leitung Franz Goldschmidts. Es ist selbstverständlich, daß hier nicht Maßstäbe einer anspruchsvollen Konzertkritik angelegt werden dürfen. Aber die Spieler aller Altersschichten waren mit allen Kräften dabei; und das ist zunächst das Entscheidende. Sehr munter und I frisch wurde etwa das Konzert für zwei Altblock- | flöten, Streicher und Cembalo von G. Pb. Telemann gespielt, wenn auch die beiden Solisten mit der i Orchester- und Cembalostimmung bisweilen auf | Kriegsfuß standen. Eine recht beachtliche Leistung j war auch das abschließende Cellokonzert von Haydn, ; bei dem Orchester und Solist (J. Bernauer) ihr Bestes j gaben. — Es wäre zu begrüßen, wenn sich diese Spiel- ! gemeinschaft auch einmal einiger Werke zeitgenössi- j scher Spielmusik annehmen würde. -w- I Die angeklagte t au Bos bezeichnet« die Aussagen als unwal... Der Anklagevertreter hielt die Schuld der Eheleute auf Grund der Indizienbeweise für nachgewiesen und beantragte gegen den Ehemann dreieinhalb Jahre Zuchthaus, gegen die Frau zwei Jahre Gefängnis. Nach längerer Beratung verkündete der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Lienhart, das bei beiden Angeklagten mangels schlüssiger Beweise auf Freispruch lautende Urteil. In der Urteilsbegründung wurde ausgeführt, daß das Gericht das Vorliegen starker Verdachtsgründe nicht verkenne, doch' würden diese zu einer Verurteilung nicht ausreichen. Von» Winde zerzaust Am Samstagnachmittag wurde in einem der hinteren Hausgärten in der Dreisamstraße, dicht bei der Schwabentorbrücke, uer Stamm einer hochragenden Pappel vom Sturme in einer Höhe von sechs bis acht Metern völlig geknickt und auseinandergerissen. Der Tod im Justizgebäude Am vergangenen Freitagvormittag erlag Frau Marie Schmidt aus Biringen a. K., während sie wartend auf einer Bank im Justizgebäude saß, einem Herzschlag. Die so rasch aus dem Leben geschiedene Frau sollte in einem Sühnetermin als Zeugin vegpiommen werden. Film der kleinen Leute „Eine Frau fürs Leben“ Der deutsche Film hat immer eine Scheu davor gehabt, in den Alltag der kleinen Leute einzudringen. Die verschrobensten Romanfiguren waren ihm meist lieber als Menschen von Fleisch und Blut, und so wirkte Hans Falladas „Kleiner Mann, was nun?“ geradezu als ein Fanal inmitten des abgehalfterten Klüngels halbseidener Komtessen und verkrachter Barone. Jener Fi’rn aber blieb leider nur ein Funke im Dunkel der allgemeinen Courths-Mahlerei und des falschen Heroismus; nur ganz vereinzelt wurden die Leiden und Freuden junger Menschen, die nichts als den ehrlichen Willen, sich ihr Leben klar und sauber aufzubauen, besitzen, vor das Objektiv der Filmkamera gebracht. Um so erfreulicher ist es, daß endlich wieder einmal ein Film dieser Art gezeigt wird, der viel Verwandtes mit dem unvergeßlichen französischen Film „Zwei in Paris“ („Antoine und Antoinette“) hat, ln seinen Konturen freilich wesentlich weicher gehalten ist. Es gibt nicht sehr viele deutsche Filme, in denen das ehrliche Bemühen, die Krise einer ohne alle äußeren Güter begonnenen jungen Ehe menschlich zu zeichnen, so sehr spürbar wird wie in diesem Werke, das in einer Zeit entstand, in der man in Deutschland der Menschlichkeit das Grab schaufelte. Jedes Wort über den Inhalt dieses im schönsten Sinne rührenden Films würde ein Zuviel sein, das nur den Zauber des Ganzen zerstören könnte. Begleichend, wie Rolf Hansen den Zuschauer von fiild zu Bild mehr in das Leben der beiden jungen Menschen hineinführt und wie er sich zum Anwalt der tapferen kleinen Frau macht, die sehr viel durchmachen muß, bis das Glück Ihrer Ehe endlich gesichert ist. Ilse Werner ist diese Frau, und es ist erstaunlich, wie der großartige Regisseur diese meist in recht belanglosen und oberflächlichen Rollen eingesetzte Darstellerin verwandelt hat. Endlich spürt man bei ihr das Herz, das sie dem Publikum so oft schuldig bleiben mußte, und man begegnet zugleich noch einmal dem liebenswerten großen Jungen Rudi Godden, hinter dessen flinkem Berliner Mundwerk sich solch ein grundanständiger, warmherziger Mensch verbarg. Daß er und der in seinem Fach unerreicht gebliebene Will Dohm — in einer herrlichen Parodie auf ein .Ekel“ — noch einmal ins Diesseits (der Leinwand) •'.urückgeholt wurden, ist das besondere Geschenk dieses bezaubernden, meisterhaft photographierten Films, an dem reife Menschen ihre ungetrübte Freude haben werden. (Die Kurbel). B. B. „Das Siegel Gottes* (österreichisch). Nach den mehr oder weniger großen Enttäuschungen, die man bei Filmen mit religiösen Themen in der letzten Zeit erlebte, freut man sich, hier einem Werke zu begegnen, in dem sehr ernsthaft um das literarische Vorbild in all seiner packenden Menschlichkeit gerungen wird. Die ihre besten Wirkungen aus dem Zusammenklang von Mensch und Landschaft gewinnende Spielleitung Alfred Stögers ist zwar nicht Immer von einem gerade bei einem solchen Thema unangebrachten Pathos frei, aber sie hält im ganzen doch eine klare Linie inne, die noch stärkere Wirkungen hervorgerufen hätte, wenn das Drehbuch nicht so verschachtelt angelegt worden wäre. Mit Josef Meinrad, dessen Pater Clemens Wärme und Güte atmet, und mit Robert lindner als dem von seinem Gewissen Gehetzten hatten die österreichischen Bühnen zwei ihrer besten Darsteller eingesetzt. — Immerhin sollte man Filme mit so hoher Verpflichtung nicht am laufenden Band zeigen. Das Religiöse verträgt nun einmal keine Serie. (Harmonie). „Der Spielteufel“ (englisch). Glynis Johns spielt ein junges Mädchen, das einen jungen Mann, der sein Gesamteinkommen am Spieltisch bezieht, auf den rechten Weg bringen möchte. Einer anderen hätte man das tugendsame Engelein, das ohne Fehl durch den Sündenpfuhl der Handlung wandelt, wohl kaum geglaubt, aber diese ebenso reizende und originelle wie begabte junge Engländerin ist mit soviel schönem Ernst bei der Sache, daß man ihr gern Gefolgschaft leistet und nur wünschte, ihr wieder einmal in einer so erfreulichen Rolle wie in dem Korda-Film „Ein idealer Gatte“ zu begegnen. (Casino). „Mord inRio" (argentinisch). Bemerkenswerter als die immerhin recht spannende, wenn auch teilweise allzu realistisch gestaltete Handlung ist die Bekanntschaft mit Amelia Bence und Pedro Lopez Lagar, die ihre wenig sympathischen Rollen mit südländischem Temperament verkörpern. Beachtlich, wie es der ziemlich unbedenklichen Spielleitung gelingt, eines der abstoßendsten und für unreife Menschen gefährlichsten Themen, die wir bislang sahen, so eindringlich weiterzuführen, daß das Interesse des Publikums bis zum Schluß nicht einen Augenblick nach läßt. (Zentral). „Bosgmbo“ (englisch). Nach all der aufgeblähten Pseudoromantik vieler sogenannter Abenteuerfilme bedeutet dieser von Zoltan Korda mit imponierender Sachlichkeit und Milieuechtheit inszenierte i Streifen beinahe so etwas wie eine Offenbarung. Man i hat das Empfinden, hier wirklich der Dämonie des: Schwarzen Erdteils zu begegnen, und begrüßt die Ge-: legenheit, den berühmten amerikanischen Negersän-: ger Paul Robeaon in einer Rolle kennenzulernen, in i der er sich mit der von ihm darzustellenden Gestalt; eines englandtreuen Häuptlings völlig deckt. Auch; die hervorragenden Naturaufnahmen machen den: Film zu einem besonderen Ereignis. (Kandelhof). R.B.; Am 25. Juli feiern Karl Kotterer und Frau Albertine geb. Kirner, vom Waldcafe St. Barbara bei Littenweiler im Kreise ihrer Kinder sowie zahlreicher Enkel und Urenkel ihre goldene Hochzeit. — Am 26. Juli wird Hauptlehrer a. D. Karl Stern, Littenweiler, Sonnenbergstr. 25, bei bester Gesundheit 75 Jahre alt. Aus dem Elsaß stammend, wurde er 1923 in den badischen Schuldienst übernommen. Seit seiner Pensionierung im Jahre 1935 widmet er seine reichen pädagogischen Erfahrungen der Unterweisung der Schüler und Schülerinnen des Freiburger Lehrinstituts Dr. Hoerth und Frau; er ist damit insgesamt 55 Jahre als Lehrer tätig. aiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiniiiiiuiiiiiiiiiiimiiimn Freiburger Vorsdiau | Dienstag, 25. Juli £ Hörsaal 6 der Universität, 18 Uhr: „Wie finde ich £die Wahrheit? — Erkenntnis und Notwendigkeit in £ der sozialen Ethik“ (Prof. Dr. Hungerland, Piedmont/ - California, USA). | Mittwoch, 26. Juli | Augustinermuseum, 18 Uhr: Besichtigung s des Kreuzigungsaltars des Hausbuchmeisters. £ Hörsaal 1 der Universität (Volkshochschule), = 20.15 Uhr; „Das Tauberland von Rothenburg bis Wert- £ heim“ (Prof. Metz) mit Lichtbildern. £ Maria-Hilf-Saal. 20 Uhr: „Weh' dem, der | lügt!“ (Wiederholung). | An allen Tagen £ Augustinermuseum: Kostbares Kunsthand- £ werk aus fünf Jahrhunderten. I Casino-Klubräume: Kunstausstellung. £ Prometheush a 11e der Unlverstät: £ Ausstellung von Kinderzeichnungen aus 22 Ländern. £ Kunstverein, Talstraße 12a: Kollektivausstei- E lung Otto Dix. § Friedrichsbau, 2. Stock: Ausstellung großer 5 Meister der Malerei in Reproduktionen. E Colombipark, 21 Uhr: Romantischer Baliett- 5 abend. | British Information Centre, 15, 17.30 = und 20 Uhr (außer Donnerstag, 20 Uhr): Kulturfilme = „Unsere Zeit Nr 26“, „Trinity Haus“, „Entfesselte E Elemente“, „Country Town“. = Filmtheater: Casino: „Wenn Frauen träumen“ = — Friedrichsbau: „Regine“ — Harmonie: „Intimitäten“ E — Kandelhof: „Bergführer Lorenz“ — Die Kurbel: E „Eine Frau fürs Leben“ — Union: „Liebe, Männer und E Harpunen“ — Zentral: „Eines Tages .. Sozialdemokratische Partei Ortsverein Freiburg Am Donnerstag, 27. Juli, 2 » Uhr, findet im Harmonie« ; saal, Grünwäldterstraße, eine Mitgliederversammlung : statt. Genosse Luft spricht über die außenpolitische Lage. In Anbetracht der bedeutsamen Ereignisse auf diesem Gebiet erwarten wir einen vollzähligen Besuch« Jungsozialistengruppe Freibnrg Unsere Mittwochs-Diskussionsabende fallen vorläufig aus. Ihr Wiederbeginn wird in der Zeituna äa- gekündigt. Dienstag, 25. JuH 1930 Nummer 88 — Seite 7 BaslBoOt Emmendingen» Kaiserstuhl • Elztal Autobus verkehr oder Eisenbahn? Der Emmendinger Stadtrat gegen Sonderrechte der Bundesbahn Erneut ist die Bundesbahn in das Blickfeld von einem sozialen Wohnungsbau sein- es wäre __•• i.i »x». __ . i . ... __ . _ * der Öffentlichkeit gerückt. Dieses Mal handelt es Sich um die Privilegien der Bahn, die einen schienengleichen Autobusverkehr nickt zulassen. Es sei ein Unding, so argumentierte der Stadtrat Emmendingens, wenn sich die Bahn hier Rechte sichere, obwohl sie überhaupt nickt in der Lage sei, den Verkehr im Kreisgebiet den Notwendigkeiten anzupassen. Streitobjekt ist die. Autobuslinie aus dem westlicken Kreisgebiet nach Emmendingen, die von der dortigen Bevölkerung sehr gefragt ist. Die Bahn gestattet jedoch nur eine Personenbeförderung von Wyhl bis Riegel; hier sollen die Leute umsteigen und die Bahn benützen. Selbst nachdem die Autobuslinie über Bahlingen—Teningen verlegt wurde, erhob die Bundesbahnverwaltung Einspruch. Mit Recht setzt sich die an der bequemen Autobuslinie interessierte Bevölkerung zur Wehr, da sie, wenn der Autobus nur bis Riegel Personen befördern darf, keine gute Verbindung in die Kreisstadt hat. Da der gesamte Landkreis ein Interesse an einer befriedigenden Lösung dieser Streitfrage hat, soll ein entsprechender Antrag auf Genehmigung dieser Autobuslinie aus dem westlichen Kreisgebiet über das Landratsamt an die Bundesbahndirektion Karlsruhe eingereicht werden. Zu einem vorliegenden Gesuch der Naturfreunde, die um Bereitstellung eines Raumes für ihre Heimabende nachsuchen, teilte der Bürgermeister mit, daß voraussichtlich in den nächsten Wochen endlich das Jugendheim in der Steinstraße benutzbar gemacht werden könne. Bis zur Fertigstellung wird den Naturfreunden ein Raum in der Karl-Friedrich-Schule zur Verfügung gestellt. Verschiedene Einsprüche gegen Entscheidungen der Wohnungskommission wurden zurückgewiesen Der Beitritt zur Gesellschaft für übernationale Zusammenarbeit — es tauchte hierbei die Frage auf, wieviel übernationale Verbände heute bereits bestehen — wurde abgelehnt. Stadtrat Vetter (SPD) kritisierte die hohen Mietpreise, die in dem Neubau der Emmendinger Gemeinnützigen Baugenossenschaft gefordert werden; eine Zweizimmerwohnung koste bis zu 58 DM. Er forderte Einsichtnahme des Stadtrates in den Finanzierungsplan, nachdem die Mittel für diesen Bau zu einem Drittel von der Stadt und zu einem weiteren Drittel aus öffentlichen Geldern zur Verfügung gestellt worden seien. Keineswegs könne hier die Rede besser gewesen, wenn die Stadt sich selbst zum Träger eines sozialen Wohnungsbauprogramms gemacht hätte, wie dies auch von der SPD- Fraktion beantragt worden sei. Die Arbeiterfamilien mit mehreren Verdienern, die solche Mieten bezahlen könnten, seien nicht so zahlreich. Alle anderen würden so gezwungen, auch weiterhin in teilweise unwürdigen Wohnungen zu hausen. Niemals hätte er seine Zustimmung zu diesem Bauprojekt gegeben, wenn bei der Planung nickt ausdrücklich versichert worden wäre, daß die Mieten nicht über 45 DM liegen würden. Bürgermeister Faller wies darauf hin, daß es unmöglich gewesen sei, billigere Mietsätze zu schaffen, da die Landeskreditanstalt, die unrentablen Kosten für diesen Bau zu niedrig angesetzt höbe; er wolle jedoch bemüht sein, eine Änderung herbeizuführen, damit die Mieten noch gesenkt werden könnten. Die Debatte zeigte, daß die Kommunalpolitiker nicht nur daran denken müssen, den Wohnungsuchenden eine Wohnung zu beschaffen, sondern auch daran, daß der Mann mit dem kleinen Einkommen auf eine Wohnung hofft, die seinen Einkommensverhältnissen und seiner Familiengröße Rechnung trägt Herbolzheim. Die geplante Lehr- und Besichtigungsfahrt an den Kaiserstuhl, die wegen der bevorstehenden Rebumlegung angeregt worden war, soll nunmehr am 30. Juli stattfinden. Anmeldungen werden auf dem Rathaus entgegengenommen. Die Wasserversorgung gesichert Endingens Haushaltsplan wurde verabschiedet Nach mehreren langwierigen Sitzungen gelang es endlich in der letzten Woche den Haushaltplan für das Recknungsjahr 1950/51 zu verabschieden. Der ordentliche Haushaltplan ist mit 421 545 DM in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen, der außerordentliche Haushalt schließt mit 88 650 DM ab. Bei den Einzelberatungen zeigte Lick, daß die Verwaltungs- und Kassengeschäfte der Stadt sich verdoppelt haben. Während der Aufwand 1948 noch 310 OOff DM betrug, steigt ei im neuen Haushaltjahr auf 840 000 DM an. Das bedingt eine erhebliche Mehrarbeit für das vorhandene Personal. Die Wasser-, Gas- und Stromversorgungsanlagen haben sich auch weiterhin günstig entwickelt. Trotzdem das Pumpwerk etwa 74 000 DM erforderlich machte, konnten die Kosten zum weitaus größten Teil aus dem ordentlichen Haushalt bestritten werden. Mit dem neuen Pumpwerk ist die Wasserversorgung Endingens gesichert. Im außerordentlichen Haushaltsplan wurden Mittel bereitgestellt für die Modernisierung und Verbesserung des Gaswerkes, sowie für den weiteren Ausbau der Transformatorenanlage, um den erhöhten Strombedarf decken zu können. Der Wald brachte für den vergangenen Holzhieb einen Minderertrag von 7 700 DM, da weniger Holz geschlagen werden konnte. Für den Wohnungsausbau in städtischen Häusern sollen im neuen Haushaltjahr 16 500 DM Verwendung finden. De Straßenbeleuchtung, die bereits verbessert wurde, soll noch weiter auf Großer Tag für den TB Emmendingen Fahnenschmuck und Uransparente in den Straßen Emmendingens ließen erkennen, daß die Stadt es als Ehre betrachtete, die südbadi- schen Schwimm- und Springmeisterschaften in ihren Mauern durchführen zu können. Auch die Bevölkerung nahm an diesem Ereignis regen Anteil. Bereits am Samstagabend hatten sich zahlreiche Zuschauer im Strandbad eingefunden, das am Sonntagnachmittag trotz des schlechten Wetters dicht besetzt war. Die Teilnehmer an den Meisterschaftskämpfen trafen sich am Samstag zu einem Begrüßungs abend in der Goethehalle. Der Ehrenvorsitzende des Südbadischen Schwimmverbandes, J. Aven- marg, Emmendingen, konnte neben dem Vorsitzenden, W. Zeh, und dem Landesschwimm- waH des Turnerbundes Baden auch Stadtrat Stelz als Vertreter der Stadt willkommen heißen, der im Auftrag des Bürgermeisters die Freude der Stadtverwaltung über das Zustandekommen der Meisterschaften in Emmendingen zum Ausdruck brachte. Der Schwimmwart des Südbadischen Schwimmverbandes, Schuoven, Konstanz, stellte die erfreuliche Tatsache fest, daß der Schwimmsport im Verlaufe des letzten Jahres einen erheblichen Aufschwung genommen habe. Während im vergangenen Jahr nur etwa 150 Einzelkampfmeldungen Vorlagen, war die Zahl diesmal auf etwa 247 Einzel- und etwa 45 Staffelmeldungen angestiegen. Er sprach im Namen des Schwimmverbandes dem Tumerbund Emmendingen den Dank für die tadellose Ausrichtung der Veranstaltung aus. Ehrenvorsitzender Avenmarg ergriff in seinem Schlußwort die Gelegenheit, der Stadt- Achtung, Freiburger Einzelhandelsangestellte! In einer Kundgebung der Deutschen Angestelltenschaft am Mittwoch, 28. Juli, 20.15 Uhr, im Heimatsaal der Harmonie, wird vpr den Freiburger Angestellten des Einzelhandels das aktuelle Thema „Der freie Samstagnachmittag auch für die Einzelhandelsangestellten* erörtert werden. Verwaltung zu danken für das großzügige Entgegenkommen, ohne das die Veranstaltung nicht hätte durchgeführt werden können. Leider treffe man diese Großzügigkeit nicht in allen Städten. Der Abend war umrahmt von Musikstücken und Bariton-Solos von Wilhelm Jakob. Nach den Wettkämpfen am Sonntag (siehe Sportteil — die Erfolge des TB Emmendingen werden in der nächsten Ausgabe noch besonders gewürdigt) fand im Schwimmbad eine Siegerehrung statt. Ein kameradschaftliches Beisammensein beschloß den für Emmendingen besonders denkwürdigen Tag-' Dank der umfangreichen Vorbereitungen, die die Leitung des Turnerbundes Emmendingen getroffen hatte, verliefen die Wettkämpfe und die gesamte Organisation reibungslos. Mit Recht kann der TB Emmendingen stolz sein auf seinen Erfolg. Stadel turnt in Köndringen Der am 29. und 30. Juli in Köndringen stattfindende Lehrgang der Turner wird in Verbindung mit einem Schauturnen der Breisgau- kunsttumriege durchgeführt. Der Arbeitsplan des Lehrgangs sieht die Schulung der Turnwarte des Kreises, Schulung der Breisgauriege, der Nachwuchsturner des Breisgauer Turngaues und der Kampfrichter des Kreises Emmendingen vor. Auf das große Schauturnen in der Winzerhalle am 29. Juli, 20.30 Uhr, das die Breisgauriege, verstärkt durch die Olympiasieger Willy Stadel, Konstanz, und Franz Beckert, Neustadt, veranstaltet, wird heute bereits hingewiesen. Im Rahmenprogramm zeigen die Emmendinger Turnerinnen ihr Können. Es wird erwartet, daß die Vereine der näheren Umgebung zahlreich vertreten sind. 43 Gas- und sechs elektrische Beleuchtungskörper ausgebaut werden. Die Stadt bemüht sich, die Siedlungsvorhaben zu fördern; die Erweiterung des Ortsbebauungsplanes ist vorgesehen. Die „Neue Heimat hat die Errichtung von 19 Siedlungshäusern und vier Bauernhöfen vorgesehen. Ein Teil der Vorhaben soll noch dieses Jahr begonnen werden. Ein größeres städtisches Wohnungsbauprojekt mit sechs Zweizimmerwohnungen mußte leider infolge Fehlens von Finanzierungsmöglichkeiten zurückgestellt werden. Dem von der SPD-Fraktion gemachten Vorschlag, auf hauptamtliche Anstellung des Bürgermeisters, was insbesondere auch für die Stadtgemeinde von Vorteil wäre, stimmten die anderen Fraktionen noch nicht zu. Die Klärung dieser Frage bleibt einer weiteren Sitzung Vorbehalten. Stadtrat Heß (SPD) stellte auch den Antrag, daß im Haushalt bereits die Erhöhung der Kreisumlage vorgesehen werden sollte. Besondere Sorgfalt wendet sich im neuen Haushaltjahr der neuzeitlichen Rebver- edelungsanlage und dem Reb-Muttergarten zu. Es ist vorgesehen, die Rebveredelungsanlage noch entsprechend zu erweitern, um die Qualitätserzeugung in vermehrtem Umfang zu fördern. Mit einer Rebanbaufläche von 227 ha ist Endingen die zweitgrößte Weinbaugemeinde in Baden. Wenn es gelingt, den Rebbau auf eine neuzeitliche und gesunde Grundlage zu bringen, dann wird dies ein Ansatz zu einer neuen Blüte der gesamten heimischen Wirtschaft sein. Nimburg. De Mutter des derzeitigen Bürgermeisters Baumann zog sich beim Umkippen eines schwerbeladenen Erntewagens, auf dem die 80jährige Frau auf der Heimfahrt vom Felde gesessen war, schwere Verletzungen zu, an deren Folgen sie am letzten Donnerstag im Krankenhaus in Freiburg verstorben ist. Oberhäusern Nachdem dieser Tage beim Reinigungsgitter des Elektrizitätswerkes in der Elz eine große Menge toter Fische angeschwemmt wurde, wird eine Untersuchungskommission diesem Fischsterben nackgehen. Es wird vermutet, daß die Ursachen in den Abwässern der verschiedenen Industrien zu suchen sind. Emmendinger Stadtnachrichten Folgende hochbetagten Einwohner feiern V ehu rte- tag: am 25. JuU: Bäckermeister Wilhelm Hertmann, Markgrafenstraße 57, 74 Jahre; am 26. JuU: La na wirr Peter Brutscher, Theodor-Ludwig-Straße 4, 71. Janre, und Frau Marie Zipse geb. Bührer, Lammstraue, 70 Jahre. Herzlichen Glückwunsch! . Die Schulentlassungsfeier der Volksschulen anaei am 27. JuU, 9 Uhr. ln der Aula der Karl-Friedrieh- schule statt, vorher nehmen die Schüler an einem Schulgottesdienst ln den beiden Stadtkirchen teil. „Eine Fahrt zum schwäbischen Barock“ lautet aas Thema eines LlchtbUdervortrages, den Stadtpfarrer Maler am Freitag, 28. JuU, 20.30 Uhr, ln der Aula der Karl-Friedrich-Schule halten wird. Der Vortrag ist ein Nacherleben der zweitägigen Fahrt,die das Volksbildungswerk Im Rahmen des Sommerprogramms ln der vergangenen Woche unternahm. Das Gymnasium lädt die Eltern der Schüler zu der am kommenden Freitag, 9 Uhr,. stattfindenden Abschlußfeier (Entlassung der Abiturienten) ein. Die Monatsversammlung der Naturfreundesektion findet am 28. JuU 20.15 Uhr, lm „Hirschen“ statt. Dieser Tage wurde ein 36Jähriger Mann aus Emmendingen festgenommen, der lm alten Friedhof an einem 13jährigen Schüler unzüchtige Handlungen vornehm. Den ahnungslosen Knaben hatte er durch Versprechungen von Geld mitgelockt. — Die Gendarmerie ermittelte kürzlich auch den aus Denzlingen stammenden Täter, der ln der Abortanlage am Bahnhof wegen Erregung von öffentlichem Ärgernis unangenehm aufgefallen war. Das Zentral-Theater spielt von Dienstag bis Donnerstag den spannenden Film „Die Lady von Shanghai“. Anläßlich des seltenen Festes der diamantenen Hochzeit, das die Eheleute Otto Wiedemann und Frau Marie geb. Lotterhos, Lammstraße 20. am Wochenende feiern konnten, stellten sich viele Gratulanten ein. Landrat Oswald und Bürgermeister Faller über- Sozialdemokratische Partei Landtagsabgeordneter Matt snricbt Am 29. Juli, 20.30 Uhr, in Teningen, Gasthaus „Adler“; am 30. Juli, 15 Uhr, in Weisweil, Gasthaus „Kanone“; am 30. Juli, 20 Uhr. in Bahlingen, Gasthaus „Hecht“. reichten ein Glückwunschschreiben und Geschenk des Staatspräsidenten. Der lm 90. Lebensjahr stehende Jubilar freute sich über die Glückwünsche, insbesondere über das Ständchen der Sängevereinigung. Zu Ehren des Jubelpaares sang der Männergesangverein, die Chöre „Festgesang“ von Kluck, „Abendrot“ voh Schubert-Moldenhauer. „Hoch, Hoch“ von Chormeister Otto Schaudt und „Hüttehen so traut“ von Jung. Waldkirch. Am Mittwoch, 26. JuU. findet um 20 Uhr in der Kneippanstalt eine kurze Besprechung des Ortsvereins Waldkirch des Badischen Roten Kreuzes statt. Kurzmeldungen aus Elz ach Der Vieh-, Schweine- und Taubenmarkt brachte im Gegensatz zu dem vergangenen sehr viel Leben ins Städtchen. Infolge des großen Angebots gingen die Ferkelpreise allerdings etwas zurück. — Der Männerchor Eizack gab im Gasthaus zum Jägerhaus einen wohlgelungenen Liederabend. — Das seltene Fest der diamantenen Hochzeit konnte vergangene Woche das Ehepaar Karl Merkle feiern, das seit der Evakuierung aus Mannheim hier eine neue Heimat fand. — Im Siedlungsgebiet Egelesee sind bis jetzt neun Häuser und ein Doppelwohnhaus fertiggestellt. Weiter ist geplant, Doppelsiedlungen für Flüchtlinge, die ein Arbeitseinkommen haben, zu erstellen. — An der Volksschule gelangen 18 Knaben und 11 Mädchen zur Entlassung, denen größtenteils bereits eine Arbeitsstelle vermittelt werden konnte. Von diesen 29 Entlaßkindern hatten 19 an der freiwilligen Abschlußprüfung mit gutem.Erfolg teilgenommen. — Von den 30 Anwärtern zur Gesellenprüfung an der hiesigen Gewerbeschule haben 29 den Anforderungen entsprochen Stadt und Landkreis Lahr 700000Anträge und 500000 ungeklärte Fälle Seit mehreren Tagen führt der VdK in allen größeren Gemeinden des Kreises Lahr große Aufklärungs- und Werbeversammlungen durch. Die Versammlung in Lahr selbst fand am Samstagabend im „Falken“ statt und war sehr gut besucht. Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Kälble, behandelte in einem fast zweistündigen Referat die wichtigsten Versorgungsprobleme der Kriegsopfer. ' Bei einer bundeseinheitUchen Regelung komme es für die Kriegsopfer Südbadens darauf an, ihre im Verhältnis zu den anderen Ländern gute Versorgung zu erhalten bzw. zu verbessern und im künftigen Bundesgesetz zu verankern. De Forderungen des Verbandes seien berechtigt und keineswegs übertrieben. Den Kriegerwitwen müsse ebenfalls eine ausreichende Versorgung gewährt werden. Zur heutigen Versorgungslage sagte der Redner, daß über 700 000 erstmalige Anträge der Erledigung harrten und weitere 500 000 Fälle noch geklärt werden müßten. Der Verband müsse jetzt, solange das neue Gesetz vorbereitet werde, seine Forderungen durchzusetzen versuchen, denn wenn der Entwurf vor den Bundestag komme, sei es zu spät Es wurde im Verlauf der Versammlung eine Resolution abgefaßt, in der der Bundesvorstand gebeten wird, beim Bundesrat dahin zu wirken, daß die vorläufigen Beschlüsse über das neue Versorgungsgesetz bekanntgegeben werden. Wie der Vorsitzende noch mitteilte, wird am kommenden Sonntag die Ortsgruppe von Wolf ach nach Lahr kommen. Vergebung von Bauaufträgen In der nichtöffentlichen Stadtratssitzung vom 11. Juli 1960 wurden die Erd-, Betern-, Maurer-, Zimmer- und Dachdeckerarbeiten zum Neubau der Zuchtviehmarktanlage im Stadtteil Dinglingen (II. Bauabschnitt) vergeben. Ferner erfolgte die Vergebung der Malerarbeiten in der Friedrichschule, im Schlachthof und der Gehwegarbeiten vor dem Postgebäude in der Luisenstraße. Den Abschluß bildete die Vergebung der Gipserarbeiten im alten Gymnasium. Ein Wort herzlichen Dankes sei dem Kreisausschuß JLahr und seinem Sachbearbeiter Delfosse hiermit ausgesprochen, denn wie oft stöhnten wir und unsere Fahrzeuge über den schlechten Zustand der Straße Nonnenweier—Allmannsweier. Heute macht es wieder Freude, die Straße zu benützen. Der Höllentrawn Ein 23jähriger Arbeiter in Altdorf bei Lahr träumte, er sei in der Hölle und sprang aus dem Bett. Es war aber auch höchste Zeit, das Bett stand nämlich in Flammen. Er war mit einer brennenden Zigarette eingeschlafen. Ausstellung in der Kreisdelegation Bis 2. August werden auf der französischen Seite in der Eingangshalle der Kreisdelegation, Aufnahmen des Sees von Annecy und der an seinen Ufern hegenden Städte und Dörfer gezeigt. Zur gleichen Zeit stellt der Lahrer Male» Bruno Ludewig, Lahr, Aquarellbdlder mit Motiven aus dem Berchtesgadener Land aus. Geburtstagskinder in Dörlinbach Am letzten Samstag konnte unser Mitbürger Josef Ketterer in körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische im Kreise seiner Kinder und Enkelkinder sein 80. Lebensjahr vollenden. Den 74. Geburtstag kann ebenfalls bei guter Gesundheit Schneidermeister Wilhelm Rothweiler begehen. Sein Sohn, Schneidermeister Mathias Rothweiler, ist immer noch lm Osten vermißt Dieser Tage konnte Roman Weber, Neudorf, seinen 75. Geburtstag feiern. Großes Turnsporllest der höheren Schulen Bei strahlendem Wetter trugen die Schüler und Schülerinnen des Max-Planck-Gymnasiums, Scheffel-Gymnasiums, Pädagogiums, der Höheren Handelsschule Lahr sowie des Gymnasiums Ettenheim in allen Turnsportarten Wettkämpfe aus. Die Veranstaltungen, welche durchweg gut besucht waren, zeigten, mit welcher Liebe und Begeisterung sämtliche Teilnehmer „dabei“ waren. Nachstehend veröffentlichen wir die Siegerliste des Schulsportfestes 1950: Spiele : Völkerball; Max-Planck-Gymn. — Schef- fel-Gymn. 2:0; Max-Planck-Gymn. — Gymn. Ettenheim 1:2. Fußball-Unterstufe: Max-Planck-Gymn. — Scheffel-Gymn. 1:0; Max-Planck-Gymn. — Gymn. Ettenheim 0:1. Mädchen-Handball: Pädagogium — Max- Planck-Gymn. 1:1. Fußball-Oberstufe: Höhere Handelsschule — Max-Planck-Gymn. 0:1; Scheffel-Gymn. — Gymn. Ettenheim 1:0; Scheffel-Gymn. — Max- Planck-Gymn. 2:1. Staffeln: 4X100 m: I. Scheffel-Gymnasium 48.1; 2. Max-Planck-Gymn. 48.3; 4X60 m: 1. Max-Planck- Gymn. 29.0; 2. Max-Planck-Gymn. 30.4; 4X75 m Mädch. 1. Pädagogium 43.0; 2 . Max-Planck-Gymnaslum 43.2; 3X1000 m: 1. Max-Planck-Gymn. 9.06: 2. Höhere Handelsschule 9.29. Mehrkämpfe: Schüler — Oberstufe (Fünfkampf): 1. Schwendemann, Max-Planck-Gymn. 43 Punkte; 2 . Sutter, Max-Planck-Gymn., 42 P. Mittelstufe (Vierkampf): 1. Scholl, Max-Planck-Gymn. 43 P., 2. Ackermann, Max-Planck-Gymn. 37 P.; Unterstufe (Dreikampf): 1. Schlageter, Max-Planck-Gymn. 33 Punkte; 2 Krelblch, Scheffel-Gymn 29 Punkte. Beste Mehrkämpfer, Scheffel-Gymn. (Oberstufe, Fünfkampf): 1. Kopp 39 P., 2 Naudascher 39 Punkte. Mittelstufe (Vierkampf): 1. Vögeding 31 P., 2. Bauer 31 P. Unterstufe (Dreikampf): 1. Krelblch 29 punkte, 2. Tauchert 29 P. Gymn. Ettenheim: 1. Lennweit 29 P., 2. Wäldele 22 Punkte. Pädagogium, Oberstufe (Dreikampf, Mädchen): 1. Förg 70 P., ifc Wolf 56 P. Gymn. Ettenheim, Unterstufe (Dreikampf): 1. Wäldele 67 P-, 2. Müller 65 Max-Planck-Gymn., Oberstufe (Dreikampf): 1. Wiegand 79 P., 2. Dages 73 p., Unterstufe (Dreikampf): 1. Zimmerer 67 P., 2. Hoppe 67 P. Mehrkämpferinnen aller Schulen: Oberstufe: 1. Wiegand 79 P., 2. Dages 73 p., beide Max-Planck-Gymn. Unterstufe: Wäldele, Gymn. Ettenheim, Zimmerer, Max-Planck-Gymn. Einzelkämpfer, 19 bis 14 Jahre, 60-m-Lauf (Buben)* 1. Spannagel, Max-Planck-Gymn. 8.5, 2. Simon, Gymn. Ettenheim 8.6. 60-m-Lauf (Mädchen): l. Müller, Gymn. Ettenheim 9.1, 2. Wolf, Max-Planck-Gymn. 9.3. 75-m- l.auf (Mädchen: 1. Förg, Pädagogium, 11.4, 2. Gollmer, Max-Planck-Gymn., 11.5. 100-m-Lauf (Buben): Uber 18 Jahre: l. Kopp, Scheffel-Gymnasium, 12.0, B-Jugends 1. Tröndle, Gymn. Ettenheim, 12.2, 2. Brunn, Scheffel- Gymn., 12.3, A-Jugend: 1. Scholl, Max-Planck-Gymn., 12.2, 2. Bucherer, Max-Planck-Gymn., 13. 1000-m-Lauf: Über 18 J. (Buben): I. Sutter, 2.55, 2. Gantert, 2.57, beide Max-Planck-Gymn. 1000 m B-Jugend: 1. Leicht, 3.01, 2. Zanger, 3.03, beide Max-Planck-Gymn. Einzelkämpfe (Schüler) Hochsprung: Uber 18 Jahre: Naudascher, Scheffel-Gymn., 1,44 m, B-Jugend: Scholl, Max-Planck-Gymn., 1,44 m. Weitsprung: Über 18 J.l I. Kopp Scheffel-Gymn., 5,46 m, 2. Gantert, Max- Planck-Gymnasium, 5,44 m, B-Jugend: 1. klähr, Max- Planck-Gymnasium, 5,72 m, A-Jugend: 1. Scholl, Max- Planck-Gymn., 5,41 m, Schüler: 1. Rünzi, Gymn. Ettenheim, 4,37 m, 2. von Benin, Gymn. Ettenheim, 4,32 m. Speerwerfen: Über 18 Jahre: 1. Schwendemann, Max- Planck-Gymn. 44,35 m, 2. Sutter, Max-Planck-Gymn., 42,90 m, A-Jugend: 1. Ackermann, Max-Planck-Gymn^ 36,18 m, 2. Zanger, Max-Planck-Gymn., 34,99 m., Kugelstoßen: Über 18 Jahre: 1. Schwendemann, Max-Planck- Gymn., 8,97 m, B-Jugend: l. Schwören, Gymn. Ettenheim, 10,30 m, 2 Ackermann, Max-Planck-Gymn., 10,05 m. Einzelkämpfer (Mädchen): Hochsprung: Förg, Päd* agogium, 1,19 m, Ibach, Pädagogium, 1,19 m, Weitsprung: 1. Förg, Pädagogium, 4,21 m, 2. Wiegand, Max- Planck-Gymn 4,17 m, Kugelstoßen: 1. Dages, Max- Planck-Gymn., 8,16 m, 2. Seeger, Pädagogium, 7,71 m, SchlagbaUweltwurf (Jugend): 1 . Jung, Max-plandH Gymn., 55 m, 2. Dages, Max-Planck-Gymn., 45 m, _j k t Seite 8 — JBadßoB Dienetag, 2U Juli 1950 Amtliche Bekanntmachungen Handelsregister — Veränderungen HR. A Bd. n OZ. 45: Firma Robert Strohm K. G. Zigarrenfabrik in' Denzlingen. Der persönlich haftende Gesellschafter Robert Strohm, Kaufmann in Denzlingen, ist am 21. November 1948 gestorben. Gemäß S 7 des Gesellschaftsvertrages vom 20. Mai 1948 ist die Witwe Emmy Strohm geborene Münch in die Rechte des verstorbenen Robert Strohm als persönlich haftende Gesellschafterin der Firma eingetreten. Xmmendingen, den 22. Juni 1950 Badisches Amtsgericht f^deserklärang Der Verschollene Max Weil, Kaufmann, geb. am 17. Dezember 1878 in Emmendingen, zuletzt wohnhaft itr Emmendingen, wird gemäß $ 4 Abs. 2 des Gesetzes über die Verschollenheit, die Todeserklärung und die Feststellung der Todeszeit vom 4. Juli 1939 (RGBl. I S. 1186) für tot erklärt. Als Zeitpunkt des Todes wird der 13. Mai 1941, 24 Uhr, festgestellt. Die Gerichtskosten bleiben außer Ansatz. Die ■ notwendigen Auslagen und die Kosten des Antragstellers fallen dem Nachlaß zur Last. Emmendingen, den 14. Juli 1950 Badisches Amtsgericht * Todeserklärung Die Verschollene Lina Weil, geb. May, Ehefrau des Kaufmanns Max Weil, geb. am 9. August 1896 in Friedberg, zuletzt wohnhaft in Emmendingen, wird gemäß § 4 Abs. 2 des Gesetzes über die Verschollenheit, die Todeserklärung und die Feststellung der Todeszeit vom 4. Juli 1939 (RGBl. I S. 1186) für tot erklärt. Als Zeitpunkt des Todes wird der 13. Mai 1941, 24 Uhr, festgestellt. Die Gerichtsgebühren bleiben außer Ansatz. Die notwendigen Auslagen des Gerichts und die Kosten des Antragstellers fallen 'dem: Nachlaß zur Last. Emmendingen, den 14. Juli 1950 Badisches Amtsgericht Todeserklärung Die Verschollene Maria Weil, ledig, geb. am 3. November 1914 in Emmendingen, zuletzt wohnhaft in Emmendingen, wird gemäß § 4 Abs. 2 des Gesetzes über die Verschollenheit, die Todeserklärung und die Feststellung der Todeszeit vom 4. Juli 1939 (RGBl. I S. 1186) für tot erklärt. Als Zeitpunkt des Todes wird der 2. Mai 1941, 24 Uhr, festgestellt. Die Gerichtskosten bleiben außer Ansatz. Die notwendigen Auslagen des Gerichts und Kosten des Antragstellers fallen dem Nachlaß zur Last. Emmendingen, den 14. Juli 1950 Badisches Amtsgericht Schwimmbad Stegermatt am Mittwoch und Donnerstag diese Woche geschlossen. Offenburg, den 24. Juli 1950 Oberbürgermeister Fahrplanänderungen im Kraftomnibus-Vorortverkehr und im Obus-Schnellverkehr Am Montag, dem 24. Juli 1950, treten im KOM-Vor- ortlinienverkehr und im Obus-Schnellverkehr geringfügige Fahrplanänderungen in Kraft. Die nunmehrigen Fahrzeiten bitten wir aus den ausgehängten Fahrplänen zu ersehen. Deckblätter, zum Einlegen in die Taschenfahrpläne, sind in unserer Geschäftsstelle, Lichtentaler Straße 1, frei erhältlich. Der Obus- sc hnellwagen verkehrt nur mehr werktags in den Mittagsstunden; Fahrplan: Leopoldsplatz ab 12.05 12.35 13.05 13.35 Bhf. Baden-Oos ab 12.20 12.56 13.20 12.50 Baden-Baden, den 20. Juli 1950 Stadtwerke Baden-Baden. Prof. Dr. Carl Schilling Facharzt für innere Krankheiten Freiburg i. Br., Stadtstr. 9 verreist bis 13. August Zugelaufen ein Wolfshund. Abzuholen gegen Einrückungsgebühr in Oberhausen, Haus 247. Armbanduhr auf dem Wachenmarkt gefunden. Frau N u t s c h , Freiburg i. Br. Falkensteinstraße 7, L inmnoi Freitag, den 28. Juli 1950 vormittags 8 Uhr (beim Schlachthaus) 219. Versteigerung Mittwoch, 26. Juli 1950, 14.30 Uhr, gegen bar und 10 Prozent Aufgeld in meinen Räumen Idl Grün 10 (k-te Wilbelmttraae) u. a. Kristallgläser, Vasen, Hausrat, Bücher, Stil-Speisezimme!r, 2 eieg. Klubmöbelgarnituren b. a. Sofa u. 2 Sessel, nußb. Aufsatzmöbel u. Schreibkommode i. holländ. Barockstil, 4 mod. Stil- Couchtische, 2 Biedermeier-Sofa, 2 Stilsessel m. Geflecht, 4 Pol- ^terstühle i. Barockstil, kl. Stilkommode, Stäl-Backensessel, Pan- dermabrücke, Perserläufer, Perserteppich, 2 antike Sumak-Tep- piche, deutsche Teppiche, Diplo- maten-Schreibtisch. 2 Led.-Klubsessel, 2 Aufbau-Büeherschränk- chen, 2 Schlafzimmer, weiß. Bett m. Patent-Rost u. 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