so 5. Jahrgang Slasalprtll M Pfennig D B A D I S C H~E HE IMATZEITUNd Donnerstag, 10. August 1950 Kummer 85 Flüihttinffsminister besucht Baden Umfiedlung wird erfüllt Vom Flüchtlingskontingent von 48000 bereits 30000 übernommen Freibarg. Auf einer Pressekonferenz gab Bundes flüchtlingsminister Dr. Hans Lnka- schek bekannt, daß die Umsiedlung von Flüchtlingen nach Baden im Einverständnis mit den badischen Behörden fortgesetzt werde. Das für 1950 vorgesehene Kontingent von 48 000 Umsiedlern, von denen fast 30 000 bereits übernommen seien, werde erfüllt werden. In aller Kürze Politisch Die amerikanischen Verteidigungsbehörden beschäftigen sich mit Plänen für die Verstärkung der in Westeuropa stationierten amerikanischen Truppen. Frankreich will in den nächsten drei Jahren 15 neue vollausgerüstete Divisionen aufstellen und für seine Verteidigung rund 25 Milliarden DM ausgeben. Prinz Hubertus zu Löwenstein verhandelt mit führenden Persönlichkeiten des Bloches der Heiroatvertriebenen und Entrechteten (BHE) in Hannover über einen Beitritt seiner „Deutschen Aktion*. Das Handelsabkommen zwischen dem Bundesgebiet und der Sowjetzone ist nach wochenlangen Verhandlungen bis zum 30. September verlängert worden. Sonderbares in der Natur Scharen von Taranteln machen in Mittelitalien bei Grosseto die Gegend unsicher. Man nimmt an, daß die Hitze sie aus ihren Verstek- ken treibt. Im Norden der kanadischen Provinz Quebec, in der Nähe der Hudson-Straße, wurde der größte bisher bekannte Meteorkrater entdeckt Er hat einen Durchmesser von 4 bis 5 Kilometer und ist 150 Meter tiesf. Eine Zählung der Gemsen hat ergeben, daß das Gamswild in Bayern von 22 400 Stüde im Jahre 1936 auf 9800 Exemplare zusammengeschrumpft ist. Davon sind 650 für den Abschuß freigegeben. Paris bestaunt zur Zeit das zwei Monate alte Siamesische Kalb Oskar, das zwei Gehirne, drei Augen, vier Hörner, zwei Nasen und zwei hungrige Mäuler hat In der Provinz Bilbao wurden 900 Hunde erschossen, da die Tollwut ausgebrochen ist Auch das geschah... Stuttgart ist Halbmillionenstadt geworden. Am Dienstag wurde ihr 500 000. Einwohner geboren. In Essen ermordete ein Metzgermeister seine Frau und drei Kinder und nahm sich selbst das Leben. Bei Dijon wurden zwei Deutsche, der 20jährige Pint und der 22jährige Rudolf Bodinger, die in die Fremdenlegion wollten, verhaftet. Sie hatten einen französischen Motorradfahrer ermordet und ausgeplündert Kulturelles • Kreisdekan Prof. Otto Hof wurde zum Ehrendoktor der Freiburger theologischen Fakultät ernannt Bei Ausgrabungen bei der St Peters-Basilika sind Spuren von Kaiser Neros Zirkus entdeckt worden. In München wurde zum 135. Geburtstag des Grafen Schack die bekannte Schack-Gemälde- Galerie wieder eröffnet Tokio. Das wichtige amerikanische Nachschubzentrum Taiku, das gleichzeitig Sitz der südkoreanischen Regierung ist wurde am Dienstag durch zwei über den Naktong-Fluß vorgedrungene nordkoreanische Stoßkeile ernsthaft bedroht Etwa 25 000 Mann nordkoreanischer Truppen haben den Naktong an mehreren Stellen überschritten und zu einer Zangenbewegung auf Taiku angesetzt. Am Dienstagnachmittag standen die Spitzen der beiden nordkoreanischen Angriffskolonnen etwa 20 Kilometer nordwestlich und südwestlich von Taiku. Nach Ansicht militärischer Beobachter besteht die Gefahr, daß die ganze Nordfront der UNO-Truppen zusammenbricht. Im Mittelabschnitt und im äußersten Nordosten des Brückenkopfes gibt es in der Front der UNO-Truppen anscheinend völlig imverteidigte Lücken. Die amerikanischen Offensivtruppen im Südabschnitt konnten wieder einige Bodengewinne erzielen. Sie sind jedoch in Gefahr, von den Nordkoreanem abgeschnitten zu werden, wenn es diesen gelingt, aus einem ihrer Brückenköpfe ostwärts des Naktong nach Süden durchzubrechen. Die Amerikaner stehen somit bei ihrem Vorgehen im Südabschnitt nicht nur frontal einem verbissen kämpfenden Gegner gegenüber, sondern müssen darüber hinaus mit der Gefahr eines Einbruchs in ihre rechte Flanke von Norden her rechnen. Der nordkoreanische Brückenkopf, von dem aus die vorgehenden Amerikaner am stärksten gefährdet sind, ist bereits vor einigen Tagen nach einem ersten gelungenen Übersetzversuch der Nordkoreaner in der Gegend von Pupongni gebildet und inzwischen beträchtlich verstärkt worden. An dieser Stelle biegt dar Naktong nach seinem allgemeinen Verlauf in südlicher Richtung nach Osten aus. Die Entfernung zwischen den im Süden angreifenden Amerikanern Das Umsiedlungstempo könne sich allerdings vielleicht ändern. Es müsse zugegeben werden, daß ein Land von den Größenverhältnissen und der wirtschaftlichen Struktur Badens jährlich nicht mehr als 50 000 Flüchtlinge aufnehmen könne, sofern nicht neue Industrien in großer Zahl errichtet werden. Wie der Minister weiter mitteilte, hat er am Montag mit der Regierung von Württemberg- Hohenzollern und jetzt mit der badischen Regierung vereinbart, daß je eine gemischte Studienkommission der beiden Länder und der Bundesregierung gebildet werden, die sich mit der Planung und Koordinierung der Umsiedlung nach Südwürttemberg bzw. Baden befassen sollen. Die allgemeinen Flüchtlings- und Umsiedlungsfragen in Westdeutschland könnten nur durch engste Zusammenarbeit der Länder mit der Bundesregierung gelöst werden, betonte Dr. Lukaschek. Wie vorgesehen, würde in diesem Jahr für 300 000 Heimatvertriebene durch die innerdeutsche Umsiedlung wieder eine Existenz geschaffen werden. Die Forderung des Bundestages, an Stelle der vorgesehenen 300 000 Heimatvertriebenen im kommenden Jahr 600 000 umzusiedeln, mache das Umsiedlungsprogramm jedoch schwierig. Das Flüchtlingsproblem könne nicht schematisch dadurch gelöst worunter lautem Beifall der Versammlung forderte der sozialistische französische Delegierte Andre Philip für die Versammlung „wirkliche Autorität“. Philip verlangte angesichts der Aggressionsgefahr aus dem Osten die Schaffung einer europäischen Armee, die durch Erhebung europäischer Steuern finanziert werden müsse. Der Fall Korea dürfe sich in Westeuropa nicht wiederholen. „Wir sind es satt“, so rief er aus, „erst nach einer Invasion befreit zu werden.“ Die heutigen Probleme weltweiten Umfangs aber könnten nicht von nationalen Parlamenten gelöst werden. Nur die Straßburger Versammlung sei imstande, Fragen europäischen Aus- den, daß man die Heimatvertriebenen von einem Massenlager ins andere bringe. Seine Lösung sei mit der wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Entwicklung der Bundesrepublik und auch der internationalen Lage eng verknüpft Wenn es z. B. gelinge, den Export von 10 auf 15 Milliarden DM zu steigern, werde die Unterbringung der Flüchtlinge wesentlich erleichtert werden. Wirtschaftliche Erschütterungen infolge politischer Spannungen hätten auf die Unterbringung der Vertriebenen ungünstige Auswirkungen. Es hänge also sehr viel von der politischen und wirtschaftlichen Erstarkung der Bundesrepublik ab. Abgesehen davon, stelle sich überhaupt die Frage, ob und wann das Problem allein durch deutsche Initiative lösbar sei. Er persönlich halte die Hilfe des Auslands für unumgänglich. Sie werde jedoch wahrscheinlich erst dann kommen, wenn die Überzeugung bestehe, daß Deutschland von sich aus wirklich das Mögliche geleistet habe. Die Unterbringung der etwa 80 000 in Deutschland verbleibenden verschleppten Personen erschwere die Lösung des Flüchtlingsproblems, erklärte der Bundesminister weiter. Unbekannt sei, wieviele Menschen noch aus der Tschechoslowakei, Polen und aus der Ostzone aufgenommen werden müssen. Völkerwanderung Oe — Man täte gut, sich mit dem Wort „Völkerwanderung“ zu befreunden, vor allem die Politiker, die sich mit den sozialen und wirtschaftlichen Problemen auseinanderzusetzen haben. Die Überflutung des westlichen Deutschlands mit Flüchtlingen ist nicht nur eine Folgeerscheinung des Krieges, die man mit einigen Hilfsmaßnahmen abzutun glauben kann. Jedermann muß sich darüber klar werden, daß hier unser Jahrhundert eine Völkerwanderung allergrößten Stiles heraufbeschworen hat, die das politische und wirtschaftliche Leben umschichtet. Man kann sie schicksalhaft nennen; denn sie wird ohne Zweifel die bevölkerungsmäßige, soziale und auch kulturelle Entwicklung der westdeutschen Länder für alle Zukunft beeinflussen. Unabhängig davon, welche sozialen Hilfsmaßnahmen und welche Art von Lastenausgleich die nächste Zukunft bringen wird — und bringen muß, wenn nicht schwerste innerpolitische Erschütterungen kommen sollen —, müssen wir uns darüber klar sein, daß Verteilung, Eingliederung und Vermischung der Zugewanderten, also jener vielen Einzelglieder der großen Völkerwanderung, die sich von Osten nach dem Westen vollzogen hat, in wenigen Jahrzehnten ein in gewissem Sinn neues Geschlecht heranwachsen läßt. Oder glaubt jemand im Ernst, die Zuwanderung von zehn Millionen Menschen, die die Zahl der Einwohner der Bundesrepublik auf über 50 Millionen gebracht hat, werde ohne ernste Folgen bleiben? Die politische Bedeutung Hierbei interessiert uns im Augenblick neben den vielen sonstigen wichtigen Einflußfaktoren besonders die politische Bedeutung dieser Völkerwanderung. Wir sehen, daß sich in den letzten Monaten eine steigende politische Aktivität der Heimatvertriebenen entwickelt. Bei den Wahlen in Schleswig-Holstein hat es sich deutlich gezeigt, daß sich aus Entrechteten und Heimatvertriebenen eine selbständige politische Partei mit einer überraschend hohen Zahl von Sitzen im Landtag gebildet hat. Aufmerksame Beobachter werden auch die Stimmung bei den Hunderttausenden kennengelernt haben, die sich zum letzten Wochenende bei den großen Kundgebungen in vielen Städten zusammengefunden hatten. All diese Menschen zählen sich zu den eigentlichen Opfern des Krieges, vor allem wenn sie den schnell wieder aufgebauten Wohlstand des Unternehmertums sehen, und auf der anderen Seite in scharfer Konkurrenz mit den einheimischen kleinen Arbeitnehmern und Arbeitsuchenden aller Art um das bißchen täglich Brot kämpfen müssen. In solchen Augenblicken gibt es keine Politik auf lange Sicht, sondern nur die Forderung nach schnellster Beseitigung ihres Elends. Wir befragten Dr. Lukaschek Hier liegt der Angelpunkt für die politischen Parteien. Wir befragten hierüber den Bun- desflüchtlingsminister gelegentlich einer Konferenz. Herr Dr. Lukaschek hatte dieser Tage dem Südwesten seinen Besuch abgestattet; am Montag hatte er in Tübingen mit der Regierung verhandelt, am Dienstag in Freiburg. Dr. Lukaschek, ein gepflegter Herr von 65 Jahren, mit Spitzbart und freundlichem Lächeln, dem man vielleicht für den Posten eines Dirigenten dieser schicksalhaften Völkerwanderung etwas mehr Temperament und Durchschlagskraft im Kreise seiner Regierungskollegen wünschen möchte, hatte zu dem gefragten Punkt eine sehr vernünftige Ansicht, die auch wir teilen. Er meint nämlich, eine politische Absonderung wie in Schleswig-Holstein läge nicht im Interesse der Heimatvertriebenen. Im Bundestag sind von den 402 Abgeordneten 62 Vertreter der Heimatvertriebenen, die sich auf alle großen Parteien verteilen. Keine dieser politischen Parteien kann daher im Bundestag irgendwelche Maßnahmen gegen die Heimatvertriebenen vorzuschlagen wagen. Sie würden sich sofort dem „Nein“ der Heimatvertriebenen in ihren eigenen Reihen aussetzen. Demgegenüber wäre eine eigene politische Vertretung der Heimatvertriebenen im Parlament viel weniger wirkungsvoll. Diesen Gedankengängen ist durchaus beizustimmen. Fis ist ein einfaches Rechenexempel, wieviel eigene Abgeordnete die Heimatvertriebenen als Delegierte ihrer eigenen Partei im besten Fall aufstellen könnten, und eine weitere einfache Folgerung, daß diese Vertretung im Bundestag niemals eine Forderung zugunsten der Flüchtlinge durchsetzen könnte, ohne die Mitwirkung anderer Parteien. Gegenwartsprobleme vordringlich Aber nicht nur diese Seite ist zu berücksichtigen. Vielmehr muß die verständliche Mentalität der Heimatvertriebenen beachtet werden, die von einer eigenen Partei kurzfristige Lösungen der dringendsten Probleme verlangen. Für eine langfristige Politik können daher nur politische Parteien sorgen, und für eine grundsätzliche Reform des sozialen Lebens na- Schwere Schläge auf den Korea-Brückenkopf Echtes europäifches Parlament gefordert Straßburg. Die erste Arbeitstagung der Beratenden Versammlung des Europa-Rates stand im Zeichen der Kritik an der Haltung des Ministerausschusses, der sich immer noch weigert, der Beratenden Versammlung entscheidende Befugnisse zuznbilligen und ihr so die Möglichkeit nimmt, ein echtes europäisches Parlament zu werden. und dem äußersten Vorsprung des nordkoreanischen Brückenkopfes beträgt zur Zeit weniger als zwanzig Kilometer. Fünf amerikanische Kriegsschiffe beschossen am Montag die Stadt Tantschon, die etwa 200 Kilometer nördlich des 38. Breitengrades liegt. Nordkoreanische Truppenkonzentrationen und Artilleriestellungen nördlich von Jong- dok wurden ebenfalls von alliierten Kriegsschiffen unter Feuer genommen. An der koreanischen Westküste beschossen britische, holländische und südkoreanische Kriegsschiffe militärische Ziele bei Intschon. Schacht macht wieder von lieh reden München. Eine Beleidigungsklage des ehemaligen Reichsbankpräsidenten und Reichswirtschaftsministers Dr. Hjalmar Schacht und seiner Frau Manzi gegen den Präsidenten des Landesentschädigungsamtes Bayern, Dr. Philipp Auerbach, endete am ersten Verhandlungstag mit der Erklärung der Anwälte Auerbachs, sie müßten den Richter wegen Befangenheit ablehnen. Der Klage liegt folgender Tatbestand zugrunde: die Münchner „Abendzeitung“ hatte im Februar über den Münchner Presseball berichtet und dabei unter „prominenten Gästen“ auch Frau Schacht erwähnt. Zu diesem Bericht schrieb Dr. Auerbach dem Chefredakteur: „Ich glaube, daß hier der. .Abendzeitung 1 ' ein grober, zumindest ein formeller Fehler unterlaufen ist, indem man die Frau des früheren Kriegsverbrechers Schacht heute noch als die Gattin des ehemaligen Reichswirtschaftsministers Dr. Hjalmar Schacht bezeichnet“. Das Ehepaar Schacht hatte daraufhin Klage maßes zu entscheiden. Der Ministerausschuß habe der heutigen Weltlage nicht Rechnung getragen. Gefährlicher noch als die sowjetischen Waffen bezeichnete Philip die Verelendung Europas. Ihrer werde sich die Sowjetunion bedienen, um zu erreichen, was sie vielleicht militärisch nicht erreichen könne. Als schwerste Probleme nannte Philip die deutsche Flüchtlingsfrage und die italienische Arbeitslosigkeit. Eine deutsche Armee lehnte Philip ab, da sie eine Gefahr für die Geburt einer deutschen Demokratie sein würde. Erst wenn es eine europäische Armee gäbe, gäbe es auch in dieser Frage keine nationalen Probleme mehr. Auch die folgenden Redner brachten ihre Enttäuschung über die Haltung des Ministerausschusses zum Ausdruck. Vordem hatte der britische Labour-Delegierte Callaghan gegen die Behauptung Stellung genommen, daß Großbritannien sich hinter den Kanal zurückziehen und damit aus der europäischen Zusammenarbeit ausscheiden wolle. • Am Tag zuvor war vor überfüllten Zuschauer- und Pressetribünen im neuen Europahaus die zweite Sitzungsperiode der Beratenden Versammlung des Europa-Rates eröffnet worden. Die 125 Delegierten aus 15 europäischen Ländern, unter ihnen zum erstenmal Vertreter der Bundesrepublik, wählten erneut den belgischen Sozialistenführer Paul Henri Spaak zu ihrem Präsidenten. wegen unrichtigen Behauptungen, die einer Verächtlichmachung dienten, und Beleidigung erhoben. Es verweist darauf, daß der Internationale Militärgerichtshof in Nürnberg Dr. Schacht freigesprochen hat. Die Verteidiger Auerbachs stellten in der Verhandlung den Antrag, den Termin abzusetzen und das Erscheinen der Kläger zu einem neuen Termin anzuordnen. Amtsgerichtsrat Karl PoUner lehnte den Antrag ab. Auch der zweite Antrag der Verteidigung, die Verhandlung bis zur Entscheidung in Schachts Entnazifizierungsverfahren auszusetzen, wurde nicht gebilligt. Nachdem über das Beweisangebot — den ehemaligen Reichskanzler Dr. Heinrich Brüning, den ehemaligen Vorsitzenden der Demokratischen Partei, Otto Nuschke, den Alterspräsidenten des Bundestages, Paul Löhe, und den früheren Ministerpräsidenten von Preußen, Franz Seve- ring, als Zeugen zu laden — nicht entschieden wurde, lehnten die Anwälte Auerbachs den Richter wegen Befangenheit ab. Seite 2 — Nummer 95 Donnerstag, 10. August 1950 EasTSoOt Sie wollen die öffentliche Meinung kaufen Großes Aufsehen hatte vor einiger Zeit unsere Veröffentlichung eines Untemehmerbrie- fes bewirkt Es war das Rundschreiben des Fachverbandes der Nährmittelindustrie, in dem die bayrischen Industriellen zu einer Umlage aufgefordert wurden, um einen Fonds zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung zu bilden. Jetzt greift der Deutsche Gewerkschaftsbund das Thema der Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch privatkapitalistisch interessierte Kreise auf. Er verweist auch auf ein Rundschreiben des Verbandes der nordbayrischen Textilindustrie. In diesem werden die Industriellen veranlaßt, Spenden für die Hochschule für Politik in München zu stiften, um eine für das Unternehmertum günstige Besetzung des Kuratoriums der Hochschule zu sichern. Überhaupt sammelt — wie der DGB festgestellt hat — die Unternehmerschaft Kopfgelder, um mit diesen Mitteln, die den Betrieben und der Arbeitnehmerschaft entlegen werden, einen Agitationsfeldzug gegen die Arbeitnehmerschaft und ihre Gewerkschaften zu führen. Zu welchen Ergebnissen die Verleumdungskampagne der Unternehmerschaft führt, ist daraus ersichtlich, daß eine Wochenzeitung sich dazu verstieg, die Gewerkschaften, deren demokratische Einstellung von keinem objektiven Beobachter bezweifelt wird, als Schrittmacher des Kreml zu bezeichnen. Das Untemehmer- blatt „Industriekurier“ und die Wochenzeitung „Rheinischer Merkur“ zeichnen sich bei der Diffamierung der Gewerkschaften besonders aus. An verschiedenen Zeitungen wurden von der Unternehmerschaft versteckte Geldzuwendungen gemacht, indem halbe Anzeigenseiten mit einem die Mitbestimmung diffamierenden Text vergeben wurden. Es sind Versuche von Unternehmervertretern bekannt geworden, führende Publizisten wegen ihrer objektiven Einstellung zu den Gewerkschaften unter Druck zu setzen. Die DGB-Pressestelle erinnert in diesem Zusammenhang daran, daß die Unternehmer bereits in den zwanziger Jahren einen Fonds bildeten, aus dem u. a. Streikbrecher und eine gewerkschaftsfeindliche Propaganda finanziert wurden. Kurz vor 1933 wurde dann der gesamte Fonds in Höhe von mehreren Millionen Reichsmark an Hitler übergeben. Diese Unternehmer wollen die Aufrechterhaltung der alten kapitalistischen Wirtschaftsordnung und sind vielleicht bereit, einige soziale Zugeständnisse zu machen. Keinesfalls aber wollen sie eine Neuordnung der Wirtschaft. Zu den Vorwürfen des DGB hat sich in aller Eile der Bundesverband der deutschen Industrie geäußert. Seiner längeren, kurz vor Redaktionsschluß eingegangenen Erklärung entnehmen wir, daß der IndustrieUenverband die Behauptung über einen mit großen Geldmitteln finanzierten Agitationsfeldzug der Unternehmer gegen das Mitbestimmungsrecht als unsachlich zurückweist. Der Bundesverband meint, auch die Gewerkschaften brächten Gelder für die gewerkschaftlichen Publikationen auf. Aber zwischen Publikationen und getarnter Beeinflussung der öffentlichen Meinung dürfte ein ebenso großer Unterschied sein, wie zwischen den Zielen, die die beiden Seiten verfolgen: Anhäufung von Kapitalien auf der einen Seite vermittels uneingeschränkter Verfügungsgewalt über die Betriebe und auf der anderen Seite sozialer und politischer Ausgleich durch Mitwirkung des Arbeitnehmers, In diesen Tagen sagte Vizekanzler Franz Blücher, die Meldung einer ausländischen Nachrichtenagentur, führende Männer der Bundesregierung hätten alliierten Stellen den schnellen Aufbau einer deutschen Armee zugesagt, sei unrichtig. GeorgeBernardShawan seinem 94. Geburtstag, die Vereinten Nationen führten einen Krieg gegen Nordkorea, der nichts als eine durchsichtige Verhüllung eines Krieges gegen die Sowjetunion sei; diesen Krieg bezeichneten sie als einen Kampf gegen den Kommunismus. Dr. Hugo Eckener an seinem 82. Geburtstag: „Den Gedanken, daß das Luftschiff je wieder einmal als Verkehrsmittel eine Rolle spielen werde, habe ich aufgegeben.“ ein Sprecher der amerikanischen Besatzungsmacht, die Behauptung der Ost-Berliner Presse, amerikanische Flugzeuge hätten in der Nähe von Dessau Brandbomben auf Weizenfelder geworfen, sei völlig blödsinnig. ein junger Engländer, der mit sÄ- nem Kameraden nach zweijähriger Seefahrt mit einer zwölf Meter langen Yacht in Miami (Florida) eintrafen: „Wir wollen uns die Welt ansehen, solange sie noch in einem einzigen Stück besteht“. Nächstens durchfahren sie den Panamakanal. „Nebengeräufche" Unser Leitartikel vom vorigen Samstag, der sich unter dem Titel „Nebengeräusche“ mit dem Südwestfunk befaßte, hat wegen der aufgezeigten Gefahr einer bedenklichen politischen Einflußnahme auf die Sendungen lebhaftes Echo gefunden. Dr. Klaus Peter Schulz, der künftig nur noch als „Mitarbeiter“ beim Südwestfunk tätig sein wird, schildert im folgenden selbst diesen „Fall“, wobei im großen und ganzen unsere vorigen Ausführungen ihre Bestätigung finden. „Die erste Initiative zur Auflösung meines Vertragsverhältnisses mit dem Südwestfunk ging von mir aus. Ich sah mich zu diesem Schritt gezwungen, well der Rögele-Kommentar, dessen Sendung an dem fragKein Separatismus Freiburg. Staatspräsident Wohieb hat auf die sozialdemokratische Interpellation, in der Aufklärung über die Konstanzer Rede des badischen Wirtschaftsministers Dr. Lais gefordert wurde, jetzt geantwortet Er meint, aus dem Originaltext der Rede könne man nicht folgern, die damaligen Äußerungen von Dr. Lais seien auf eine wirtschaftliche Separation von Teilen des Bundesgebietes gerichtet. Es ist erfreulich, daß vom Staatspräsidenten versichert wird, in seinem Kabinett bestünden keinerlei separatistische Neigungen. Dann hätte aber der Wirtschaftsminister die Formulierungen in seiner Konstanzer Rede mit größerem Bedacht wählen müssen. In diesem Augenblick, in dem sich der Abstimmungskampf um die Frage des Südweststaates entwickelt, können derartige Andeutungen, wie sie Dr. Lais gemacht hat — auch wenn sie anders gemeint waren —, zu unabsehbaren politischen Rückwirkungen führen, nicht zuletzt übrigens auch bei unserm württembergischen Nachbarn. Es wäre wohl wünschenswert gewesen, wenn die Regierung von sich aus, als ihr klar geworden sein mußte, daß die Konstanzer Rede verschiedentlich eine mißverstandene Aufnahme gefunden hatte, eine Klarstellung veranlaßt hätte. So aber mußte es erst zu der parlamentarischen Anfrage kommen, die insofern .ihren Zweck erfüllt haben dürfte, als der Staatspräsident nunmehr die damaligen Äußerungen von Dr. Lais, die manchen Ohren als Separatismus klangen, entkräftet hat. Sozialdemokratilcher Minifterpräfident bleibt Kiel. Der erste Vorstoß der im Deutschen Wahlblock zusammengeschlossenen Parteien CDU, FDP und DP gegen die sozialdemokratische Regierung in Schleswig-Holstein ist gescheitert. Ein Mißtrauensantrag gegen den sozialdemokratischen Regierungschef, Ministerpräsident Bruno Diekmann, wurde in namentlicher Abstimmung abgelehnt. Von den anwesenden 68 Landtagsabgeordneten stimmten 34 (SPD und BHE) gegen den Antrag, 31 (Wahlblock) dafür und drei (SSW) enthielten sich der Stimme. Die Ablehnung des Mißtrauensantrages gegen Diekmann war nach der vorausgegangenen Wahl des Landtagspräsidenten zu erwarten. Schon hierbei konnte der Deutsche Wahlblock sich nicht durchsetzen. Der bisherige Landtagspräsident Karl Ratz (SPD) wurde mit 37 der 68 Stimmen in geheimer Abstimmung wiedergewählt. Der Gegenkandidat des Deutschen Wahlblocks Dr. Walter Böttcher erhielt 28 Stimmen und wurde erster Stellvertreter. Zweiter Vizepräsident des neuen Landtags wurde der BHE-Abgeordnete Hans von Herwarth. lieben 7. Juni von mir zurückgestellt worden war, auf Anweisung der Betriebsleitung doch noch ins Programm einbezogen wurde. Diese Maßnahme ließ nucn eine Gefährdung der politischen Unabhängigkeit des Südwestfunks und einen grundlegenden Kurswechsel der politischen Sendungen befürchten. Eine kurz danach stattflndende Rücksprache mit dem Programmdirektor, der am 7. Juni in Paris weilte, überzeugte mich durch eine erschöpfende Aufklärung aller Hintergründe, daß meine Befürchtungen in bezug auf den Rögele-Kommentar nicht berechtigt waren. Eine unglückselige Verknüpfung ungünstiger Umstände und Zufälle hat vielmehr zu taktischen Fehlern aller Beteiligten geführt, von denen auch ich mich nicht ausnehmen kann. Ich erklärte daraufhin, daß meine Bedenken entfielen, meinen Vertrag weiter zu erfüllen und zog zunächst mündlich, später schriftlich meine an den Intendanten gerichteten Schreiben zurück, in denen ich die Auflösung meines Vertrages Die’ Betriebsleitung des Südwestfunks wollte nun allerdings ihrerseits auf meinen Vorschlag nicht em- gehen. Sie bot mir die Umwandlung meines Vertrages in ein Mitarbeiterverhältnis an, lehnte es jedoch ab, mich als Abteilungsleiter weiter zu beschäftigen, da infolge der Zwischenfälle am 7. Juni eine Vertrauensbeziehung des Intendanten zu mir als Abteilungsleiter nicht mehr gegeben sei. Da ich die von der Betriebsleitung des Südwestfunks vorgebrachten Gründe nicht für ausreichend hielt, um midi gegen meinen Willen zur Aufgabe meiner Position zu veranlassen, habe ich in sechswöchigen Verhandlungen konsequent meine Zustimmung zu der mir vorgeschlagenen Lösung verweigert. Es trifft zu, daß für den Fall meiner endgültigen Weigerung, ein Mitarbeiterverhältnis zu akzeptieren, mehrfach von fristloser Kündigung gesprochen wurde. .Auch dieser Umstand hätte mich nicht nachgiebiger gemacht, wären nicht meine pew- tisehen Freunde im Verwaltungsrat des Südwestfunks mit dem Appell an mich herangetreten, ich müsse aus sozialistischem Verantwortungs- und Pflichtgefühl auf das Angebot des Südwestfunks eingehen, damit meine Stimme als regelmäßiger Kommentator weiter gehört werde. Die beiden Mitglieder des Verwaltungsrates handelten dabei, wie sich nachträglich herausstellte, in Übereinstimmung mit dem Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes und dem Partelvor- stand der SPD. Daraufhin habe ich mich diesem Appell, unter Hintansetzung aller persönlichen Momente, nicht entziehen wollen. Bei dem, im Leitartikel des „Volk* erwähnten Urlaub handelt es sich tatsächlich um meinen tariflichen Jahresurlaub, dessen Termin auf diese Zeit gelegt wurde, weil mein Partner des deutsch-französischen Gesprächs, Pascal Copeau, ebenfalls Jetzt ln Urlaub gegangen ist.“ _ Ufas macht das Wetter? Während sich das neue atlantische Sturmtief 1» Raum zwischen Schottland und Island verlagern wird* dürfte sein Ausläufer zur Zeit westlich von Spanien über Frankreich hinweg nordostwärts Vordringen und bei uns ab Donnerstag die Gewitterneigung erneut aufleben lassen. Wetteraussichten: Nach überwiegend heiterem und sehr warmem Wetter erneut zeitweilig Schauer und Gewitterneigung mit nachfolgendem Temperaturrückgang. Laienspiel als Ausdruck unserer Zeit ttirtiefa überhaupt nur die Sozialdemokratisch« Partei. Das enthebt jedoch gerade die sozialistische Partei nicht der Aufgabe, sich für die Lösung der dringenden Gegenwartsprobleme der .Flüchtlinge einzusetzen. Hier muß noch viel geschehen. Die Heimatvertriebenen selbst haben in der „Charta“, die auf den Kundgebungen vom vorigen Sonntag bekanntgegeben wurde, ihre Grundsätze zum Ausdruck ge- bracht. Man wird zugeben müssen, daß diese Grundsätze würdig und vernünftig sind. Es wird auf Rache und Vergeltung verzichtet. Es soll die Schaffung eines geeinten Europas gefordert werden. Man will am Wiederaufbau hart mitarbeiten, solange das Recht auf die Heimat, aus der die Flüchtlinge vertrieben wurden, nicht verwirklicht werden kann, wol- S * e * n neuen geläuterten Formen brüderlichen Zusammenlebens mit den Einheimischen schaffen und wirken. Die parteipolitische Aufgabe Viele von den Flüchtlingen haben es im Westen zu guten Stellungen gebracht Das darf nicht verschwiegen werden; es soll auch nicht verschwiegen werden, daß nicht alle Einheimischen nicht so ausreichend in Lohn und Brot stehen wie es bei manchem Zugewanderten der Fall i s t. Allein schon aus dieser Tatsache ergibt sich, daß eigene Flüchtlingsparteien von Geburt an den Keim ihrer Auflösung in sich tragen. Je mehr Flüchtlinge in den Wirtschaftsprozeß wieder eingegliedert werden, desto geringer wird der Mitgliederbestand einer Flüchtlingspartei. Die Eingegliederten lösen sich innerlich sehr schnell von denen, die noch draußen stehen. Auch ist zu berücksichtigen, daß Ältere unter den Heimatvertriebenen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ihren natürlichen Lebenslauf beenden werden. Mit anderen Worten, die schweren Gegenwartssorgen werden sich im Laufe der Zeit verringern und die Hauptproblematik der großen Völkerwanderung der Nachkriegszeit wird sich ■in vielleicht zehn bis fünfzehn Jahren doch wesentlich gemildert haben. Aber natürlich leben wir nicht in der Zukunft, sondern in der Gegenwart. Und in dieser Gegenwart kann nur unsere sozialistische Partei die entscheidenden Wendungen für die Lage der Flüchtlinge herbeiführen. Was jetzt im Augenblick von der SPD getan und gefordert wird für den gerechten Ausgleich zwischen den Heimatvertriebenen und überhaupt denjenigen, die die Opfer des Krieges geworden sind, und andererseits denen, die durch Glück oder Geschick ihren Besitz über die Katastrophenzeit hinweggerettet haben und sogar neue Vermögen erwerben konnten — von diesem politischen Befähigungsnachweis unserer Partei wird auch die künftige parteipolitische Einstellung der nächsten Generation abhängen, die — wie gesagt — manche neue Wesenszüge nach dieser großen Völkerwanderung aufweisen . wird. ; Wieder vertagt Nenyork. Im Sicherheitsrat kam es zu einem erneuten Zusammenstoß zwischen dem USA- Delegierten Warren Austin und dem sowjetischen Vorsitzenden Malik. Nach vierstündiger fruchtloser Verfahrensdebatte stellte der USA- Vertreter der Sowjetunion eine Frist von zwei Tagen, von der bisher geübten Obstruktions- taktik abzugehen und den Rat wieder arbeitsfähig zu machen. Warren Austin forderte zu diesem Zweck eine Vertagung bis Donnerstag, damit der Sowjetdelegierte sich aus Moskau Instruktionen holen könne, die dem Sicherheitsrat die Fortführung seiner Aufgaben gestatten würden. Die Abstimmung über den amerikanischen Antrag erfolgte unmittelbar nach der Versicherung Austins, die übrigen Ratsmitglieder würden miteinander beraten, um zu entscheiden, „welche Schritte unternommen werden können, um die Autorität des Sicherheitsrats zur Geltung zu bringen“. Neun Delegierte stimmten für die Vertagung. In Freiburg trafen sich zum ersten Male führende Männer, Autoren, Spielleiter, Verleger und Laienspieler, aus ganz Deutschland, auf Veranlassung der Arbeitsgemeinschaft für das deutsche katholische Laienspiel. Gleich nach dem Kriege hatten Laienspielberatungsstellen an einzelnen Orten Deutschlands die Arbeit wieder aufgenommen, die viele Jahre hindurch hatte stilliegen müssen. Den Zusammenschluß fand man jedoch erst 1946. Man freute sich deshalb, in Freiburg ein Treffen veranstalten zu können, an dem namhafte Vertreter Deutschlands und des Auslands (Frankreich, Schweiz, Holland) teilnahmen. Dr. Erich Reisch, Freiburg, hielt das einleitende Referat, - das Wesen und Aufgabe des christlichen Laienspiels grundlegend umriß. Mit dem Theater habe das Laienspiel nichts zu tun. Es ermögliche dem Spieler vielmehr in seiner „unwirklichen Art Mensch zu sein“. Das Laienspiel wolle auf den Mitspielenden selbst einwirken. Hier zeige die große menschengemeinschaftliche Aufgabe des Laienspiels eine wahre soziale Aufgabe; denn das Miteinander und Nebeneinander der Menschen werde vielleicht nirgends so rein sichtbar wie beim Spiel. Jeder Mensch — auch die Erwachsenen — könne spielen, singen und dichten. Nur hätten leider die „vernünftigen“ Menschen unserer Zeit dies verlernt Das Ziel des Laienspiels sei deshalb nicht, Spielscharen hervorzubringen, sondern allen zum Spielen und Mitmachen den. Weg zu ebnen. Referate, Aufführungen und Aussprachen bildeten die eigentliche Arbeit der Teilnehmer. Besonders wertvoll war die direkte Fühlungnahme mit dem Ausland; denn in jedem Land hat das Laienspiel sein eigenes Gesicht Edmund Johannes Lutz berichtete über das Laienspiel in Amerika. Dort ist die Freude am Spielen viel urtümlicher als hei un* Europäern. Die amerikanischen Kinder sind in bezaubernder Weise Meister des Stegreifspiels, und die Kritik aus den eigenen Reihen ist oft so treffend und glücklich, daß der Leiter kaum lenken oder gar Einhalt gebieten muß. Vom Laienspiel in Frankreich entwarf Henry Brochet ein bekannter Führender der christlichen Spielbewegung in Frankreich von Henry Ghäon her, ein ausgezeichnetes, plastisches Bild. Dort will das Spiel wahre und reinste Verkündung sein. Die Aufführung von Paul Claudels „Kreuzweg“ — eigentlich einem betrachtendem Gebet, das aber gespielt werden kann, weil es in sich dramatisch ist —, zeigte, mi^ welchem Ernst und welcher Kraft es diesen Franzosen gelingt, ihre Aufgabe zu erfüllen. Rudolf Mirbt (der als evangelischer Gast als „das Gewissen des deutschen Laienspiels“ begrüßt wurde, das immer dann den Finger hebe, wenn das deutsche Laienspiel falsche Wege gehen wolle), legte die große Aufgabe des deutschen Spiels dar, die Möglichkeit gebe, in dieser indirekten Weise „seine Gebärde“ zu finden, seinen Platz und seinen Weg im Leben und in der Welt Im Spiel lerne der Spielende sich, sein Wesen und seine Möglichkeiten kennen .und dabei in einer Gemeinschaft, also nicht als Einzelwesen. Es gehe nicht darum, einem Publikum etwas zu bieten. Wahres Spiel könne nur den Kreis der Zuschauergemeinschaft mitgehen und mitmachen lassen. Die Aufführungen verschiedener deutscher Gruppen boten einen guten Grund zur Diskussion der Möglichkeiten des Laienspiels und für Verirrungen. Das Spiel der Regensburger Pius-Spielgemeinde („Die Feier“ von Eichendorff) wurde sogar unterbrochen, weil es von diesen Gesichtspunkten aus nichts mehr mit {«aienspiel zu tun batte. Die Spieler waren hier in eine Theaterwelt hineingestellt, der sie als Laien nicht gewachsen sind. Diese Unwahrheit — das Stück hätte auch wahr gespielt werden können — verzerrte das Spiel zur Grimasse. Das Spiel der Stuttgarter Diözesanspielschar (Leitung: Pfarrer Mayerhausen) hatte auch etwas von diesem vom Theater entliehenen, für Laien unechten Gebärden, obwohl das Spiel („Ihr werdet sein wie Gott“ von Armand Payot) und der Ernst, der zu spüren war, Eindruck machte. — Die Bonner Spielschar bot ein Stück des anwesenden Franzosen Henry Brochet in einer Übersetzung: „Der Geizhals, der Soldat, der Stiefel und der Erzteufel“. Die Spieler wurden dieser Geschichte (aus einem Märchen von Grimm: „Der Grabhügel“) mit ihrem Humor und ihrer Ironie gerecht. Eine letzte Leichtigkeit, die dieses Spiel vielleicht fordert, kann wohl nur den Franzosen gelingen. Der Versuch des jungen Freiburgers Anton Zink „Die Probe Jobs“ (Christopherus-Spielschar, Freiburg, Leitung Jupp Vlatten) traf eine andere, sicherlich typisch deutsche Seite: die Problematik. Die Spieler waren so überzeugend und eingefangen vom Ganzen, daß die ernste Aussprache, die sogleich folgte, von der Beurteilung des Spielens gleich zum Stück selbst übergehen konnte. Mit Schärfe weiß der Autor das Morsche der Zeit darzustellen — und es ist eine Übereinstimmung mit dem Innern, wenn äußerlich im Spiel die Kulissen Umfallen. Die Aussprache ließ zwei Meinungen erkennen: während die Jüngeren sich oft enthusiastisch zum Stück und aller Problematik bekannten, wiesen die Älteren auf eine Gefahr hin: Desillusionierung sei kein Aufbau. Nur ein intellektuelles Publikum könne verstehen, was hier und wie es gemeint sei. — Daß eine solche Aussprache daraus wurde, spricht nur für das Stück, das gespielte Diskussion ist und jeden zwingt, mitzufragen und mit sich zu entscheiden. Alles Zerbrechen der hartgewordenen Schale der Konvention will hier nur den eigentlichen Kern des Wesens sichtbar machen. ' i H-t Kompromißvorschlag Ein oft durchgefallener Theaterdichter kam eines Tages zum älteren Dumas: „Sie müssen mir helfen! Ich brauche sofort 300 Franken! Kriege ich die nicht, bin ich genötigt, mich mit Frau und Kind zu töten!“ Dumas durchsuchte sämtliche Taschen, brachte aber nur 200 Franken zum Vorschein. „Das genügt nicht“, rief der Hilfesuchende, „300 Franken, oder ich und meine Familie sind verloren!'*- „Nun“, erwiderte Dumas, „Ae wollen für drei Personen 300 Franken haben. Diese 200 würden demnach für Ihre Frau und für Ihr Kind genügen. So nehmen Sie doch das Geld, und bringen Sie nur sich selbst um!“ B R. Robert Speaight sagte zu Bernhard Shaw: „Die Einbildung ist das Falschgeld der Verdienste.“ „Ohne Zweifel“, erwiderte Bernhard Shaw, „aber in diesem Fall ist das Falschgeld zur offiziellen Währung erhoben worden.“ In Gegenwart Emil Ludwigs wurde der Ausspruch zitiert: „Die Laster treten bei uns ein, ohne anzuklopfen.“ — „Richtig“, sagte Ludwig, „und dann verstecken sie sich in unseren Vergnügungen des Alltags.“ Die seit Jahrzehnten erhobene Forderung nach einer laufenden medizinisch-psychologischen Untersuchung aller Politiker und führenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens erneuerte der Vorsitzende der österreichischen Gesellschaft für Psychohygiene, Professor Dr. Stransky. Herausgeber: Sozialistischer Verlag Freiburg G.m.b.H. Freiburg 1. Br., Kaiser-Joseph-Straße 229, Fernruf J819 Hauptschriltleitung: Alfred Oesterbeld Verlagsleitung: E. Bauermeister Druck: Universitätsdruckerei Poppen & Ortmann, Freiburg L Br. „Das Volk* erscheint: Dienstag, Donnerstag. Samstag. Monatsbezugspreis 2.— DM einschließlich Trägerlotaaj durch die Post L20 DM. / I Donnerstag, 10. August 1950 Nummer 95 — Seite 3 BasTBoM Der Mann, der die Kalender abreißt Da komme ich in das Zimmer des Bundeskanzlers und gehe zum Schreibtisch, da sieht er (der Bundeskanz er, nicht der Schreibtisch) mich groß an und fragt: „Wer sind Sie. Was wollen Sie?“ „Ich bin“, flüstere ich, „der Oberinspektor Donnerbesen und will nur Ihren Kalender abreißen. Bitte lassen Sie sich doch durch mich nicht stören.“ Er sieht mich mißtrauisch an, als wollte er sagen: „Sie sind wohl jede geworden? Es kann doch nit jeder bei mir erein und eraus und dat Kalender abreiße!“ Der Bundeskanzler drückt unwillig auf seinen Klingelknopf, und man weiß ja, wenn ein deutscher Bundeskanzler auf einen Knopf drückt, dann rührt sich sofort — nix. Und so geschah es auch. „Bis auf morgen, Herr Bundeskanzler“, sage ich, verneige mich und gehe ein Haus weiter. Zum Finanzministerium. Gehe, auf Zehenspitzen in das Arbeitszimmer des Ministers. Dieser ruft: „Wer san denn Sie? Ja, was ist nachha jetzt dös?“ „Ich bin“, flüstere ich, „der Oberinspektor Donnerbesen und will nur Ihren Kalender abreißen. Bitte lassen Sie sich doch durch mich nicht stören.“ Tu auch hier meine bescheidene Pflicht und verlasse den Raum aufs diskreteste, während d§r Herr Minister hinterhermurmelt: „Ja, Himmikreuz, bal i jatz wüßt, ob dersel mi derbledkat, der Batzi, der ganz ausgeschämte —.“ Inzwischen geh ich noch ein Haus weiter. Zum Bundestagspräsidenten. Dieser legt gleich los: „Was fällt Ihnen denn ein, wie? Oder was? Ich schließe Sie für zehn Tage vom Bundestag aus. Klar?“ „Ich bin“, flüstere ich, „gar kein Emdebee (MdB), sondern Oberinspektor Donnerbesen und will nur Ihren Kalender abreißen. Bitte lassen Sie sich doch durch mich nicht stören.“ „Ah“, antwortet jener erfreut, „der Donnerbesen sind Sie? Mann, hören Sie mal, da kommen aber Beschwerden über Sie — hier, ganze Stöße häufen sich. Sie sind so nachlässig.“ „Entschuldigen Sie“, sage ich, „aber das laß ich mir nicht nachsagen. Ich bin dauernd auf den Beinen. Nächst dem Herrn Bundesjustizminister ist wohl keiner so selten in seinem Büro, wie ich es bin, Herr Präsident. Aber Sie müssen doch verstehen: Zuerst muß ich alle die alliierten Kalender abreißen. Dann ist’s schon fast Mittag. Und dann haben wir über vierhundert Abgeordnete, von denen erfreulicherweise ein Drittel nie da ist. Aber dennoch — dazu die Ministerien, Dienststellen und dergleichen. Ich schaff’s einfach allein nicht mehr, Herr Bundestagspräsident. Sie sehen selbst, was dabei herauskommt: Ein Teil der deutschen Herren bleibt natürlich zurück, lebt im Ewig-Gestrigen — der Schaden ist groß. Man sieht’s immer wieder. Aber was kann man da machen?“ . „Wir werden“, sagt der Bundestagspräsident gütig, „eben noch ein paar Kalenderabreißer einstellen. Ich befördere Sie hiermit zum Amtmann, Herr Donnerbesen.“ „Untertänigsten Dank“, sage ich. „Und von den neu einzustellenden Kräften könnte ich dann wohl eine für mich ganz privat haben?“ „Privat? Nanu? Wieso denn dieses?“ „Ja, Herr Präsident, wer soll denn sonst in meinem Büro den Kalender abreißen? Sie werden doch nicht etwa verlangen, daß ich höchstselbst — ? Wir Deutschen fürchten nur, daß wir einen Handgriff mal selbst tun müßten — und sonst nichts auf der Welt. Übrigens: Es könnte für meinen privaten Eigenbedarf auch eine kleine, niedlich-entzückende Kalender-Ab- und Ausreißerin sein, Herr Präsident, hihihihi! Und jetzt lassen Sie sich doch bitte durch mich nicht stören.“ Günther Kurz Die Rechtsstellung des unehelichen Kindes Zu unserer Meldung: „Wie der Caritasverband das uneheliche Kind sieht“ erhalten wir folgende Zuschrift: Es berührt eigentümlich, daß gerade der Caritasverband zu den Bestrebungen, dem unehelichen Kind auch im Verhältnis zu seinem Vater die rechtliche Stellung eines ehelichen Kindes zu geben, einen ablehnenden Standpunkt einnimmt. Schon Jesus Christus hat gesagt: „Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihrer nicht, denn ihrer ist das Himmelreich“. Es steht nicht geschrieben, daß Christus hierbei einen Unterschied zwischen ehelichen und unehelichen Kindern gemacht hat. Im Grundgesetz der Bundesrepublik, Artikel 6 Ziffer 5 wird gesagt: Den unehelichen Kindern sind durch die Gesetzgebung die gleichen Bedingungen für ihre leibliche und seelische Entwicklung und ihre Stellung in der Gesellschaft zu schaffen, wie den ehelichen Kindern. Nach dem Bürgerlichen Recht hat das uneheliche Kind gegen den außerehelichen Vater Anspruch auf Alimentation, aber nur nach dem Stand der Mutter, nicht des Vaters. Darüber hinaus ist es dringend notwendig, dem unehelichen Kind ein Erbrecht gegen seinen Erzeuger gesetzlich zu gewährleisten. Wenn dem unehelichen Kind ein Erbrecht gegen seinen Erzeuger zugestanden wird und womöglich das Recht zustehen würde, dessen Namen zu führen, dann würden nach meiner Überzeugung weniger uneheliche Kinder erzeugt werden, als bisher. Das sittliche und moralische Gewissen mancher Männer würde im guten Sinne beeinflußt werden und sie würden sich vor ihrem Tun überlegen, ob sie nicht lieber ehel'che, anstatt uneheliche Kinder erzeugen würden Das uneheliche Kind mußte bislang manche Nachteile in der Gesellschaft in Kauf nehmen, weil nach herkömmlicher Ansicht dasselbe n cht als vollwertig angesehen wurde. Ganz abgesehen davon, daß ihm die elterliche Liebe und Erziehung fehlt, die dem ehelichen Kind zukommt. In manchen Fällen wird das uneheliche Kind mit seinen Unterhaltsansprüchen abgewiesen, weil in der Empfängniszeit zwei oder mehrere Erzeuger der Kindesmutter beigewohnt haben. Die Gesetzgebung ist dahin zu erweitern, daß jeder, der in der Empfängniszeit beigewohnt hat, unterhaltspflichtig ist In Schweden besteht eine diesbezügliche gesetzliche Regelung. Auch in Deutschland ist es dringend erforderlich, dem unehelichen Kind die gleiche Rechtsstellung zu geben, wie dem unehelichen, wenn es schon die Sorge, die Liebe und den Schutz eines Vaters entbehren muß, denn letzten Endes ist das Kind nicht schuld daran, daß es da ist Ph.M. DiskulTion um SteriliOerung Berlin. Das West-Berliner Gesundheitsamt hat den Antrag eines Bezirksgesundheitsamtes abgelehnt ein 22jähriges Mädchen wegen angeborenen Schwachsinns, epileptischer Anfälle und starker sexualer Triebhaftigkeit durch einen operativen Eingriff unfruchtbar zu machen. Als Grund wurde angegeben, daß gesetzliche Handhaben für ein solches Vorgehen nicht vorhanden sind. Das Bezirksgesundheitsamt hatte in seinem Antrag ausgeführt, daß die Triebhaftigkeit und die wahllosen Männerbekanntschaften des Mädchens Kinder befürchten ließen, die mit der Krankheit der Mutter behaftet sein würden. Gegen diesen Antrag hatte der Verband der Sterilisierten und Gegner der Sterilisation verschiedentlich scharf protestiert und gedroht, den Arzt, der den geplanten Eingriff vornimmt, zu verklagen. Dieser Vorgang hat die Gesundheitsverwaltung veranlaßt, über die freiwillige Sterilisation mit Vertretern der evangelischen und katholischen Kirche und der jüdischen Religionsgemeinschaft zu sprechen. Von katholischer Seite wurde die Sterilisation mit dem Hinweis abgelehnt, daß Erkrankte ja in Verwahrung genommen werden könnten, falls durch sie Schäden für die Allgemeinheit drohen. Die übrigen Kirchenvertreter verwiesen auf das Fehlen einer gesetzlichen Handhabe und hielten eine sorgfältige Prüfung der Angelegenheit für erforderlich. Im Landesgesundheitsamt wird angeführt, daß in den skandinavischen Ländern und in den Vereinigten Staaten eine freiwillige Sterilisierung möglich ist. Im Laufe der bisherigen Diskussionen sind auch Zweifel darüber entstanden, ob das Kon- trollratsgesetz Nr. 2, das das Gesetz mit natio- 360 Silben und 487 Anschläge Hamburg. Mit 360 Silben und 487 Anschlägen in der Minute wurden auf dem 16. Deutschen Stenographentag in Hamburg die deutschen Meisterleistungen in Kurzschrift und Maschinenschreiben ermittelt. Deutsche Meisterin auf der Schreibmaschine wurde Lore Alt aus Stuttgart. Eine hervorragende Leistung vollbrachte der blinde einarmige Gerhard Rabe aus Duisburg mit 256 Anschlägen. Deutscher Meister in der Einheitskurzschrift wurde Hans Koop aus Hannover mit 360 Silben. Er stenographierte in drei Fremdsprachen. An den Wettbewerben hatten sich rund 2000 Stenographen beteiligt, unter ihnen Kurzschriftler aus England, Dänemark, Holland, Österreich, Schweden und der Schweiz. nalsozialistischem Gedankengut außer Kraft setzt, auch das Sterilisierungsgesetz von 1938 in seinem vollen Inhalt beseitigt hat. Die medizinischen Gesichtspunkte dieses Gesetzes waren bereits in einem Referentenentwurf vor 1932 niedergelegt worden. Man hält es für denkbar, daß die Sterilisierungsbestimmungen jenes Gesetzes noch geltendes Recht sind, soweit sie den freiwilligen Entschluß des Erkrankten oder seines gesetzlichen Vertreters zur Sterilisation voraussetzen. Zugleich wird daran erinnert, daß die Gesundheitsminister der Bundesländer den ganzen Fragenkomplex bereits einem besonderen Ausschuß vorgelegt haben. Jetzt wird auf den Zahn gefühlt Kickers Offenbach prüft Singen — Konstanz auf bekanntem Platz — Freiburger FC mit Gewinnchance Nachdem der Süddeutsche Fußballverband seine Verhandlungen mit den Totogesellschaften noch nicht zum Abschluß gebracht hat, gab er am Sonntag nur die Termine für den ersten Spieltag der Oberliga und der zweiten Liga am 20. August heraus: Oberliga Samstag Waldhof — VfB Stuttgart Sonntag SV Darmstadt — VfR Mannheim VfB Mühlburg — FSV Frankfurt Spvg Fürth — Schweinfurt 05 BC Augsbyrg — Bayern München 1860 München — Schwaben Augsburg FC Singen — Kickers Offenbach VfL Neckarau — 1. FC Nürnberg Eintracht Frankfurt — SSV Reutlingen 2. Liga Stuttgarter Kickers — Hessen Kassel FC Freiburg — ASV Cham 1. FC Pforzheim — Wacker München Viktoria AsChaffenburg — Bayern Hof SV Wiesbaden — 1. FC Bamberg SV Tübingen — VfL Konstanz Jahn Regensburg — TSG Ulm 46 TSV Straubing — SG Arheilgen Union Böchingen — ASV Durlach Südbadischer Fußballpokal Für die vierte Hauptrunde um den Fußballpokal von Südbaden haben sich nach den Spielen vom Sonntag folgende Mannschaften qualifiziert: FV Lahr gegen VfL Konstanz, ASV Freiburg oder Freiburger FC gegen FTSC Freiburg; der FC Villingen hat Freilos. Grenzlandpokalspiele Im Lager der Fußballer der Sportgemeinschaft Grenzach rüstet man eifrig auf das vom 12. bis 14. August statfflndende Grenzlandpokalturnier. Schon wochenlang wird an der Herrichtung der Platzanlage fleißig gearbeitet. Dank der Unterstützung der Firma Hoffman-La Roche sind die Arbeiten nahezu abgeschlossen. Die am Grenzlandpokalturnier teilnehmen- Vereine, Ciba Basel, Haltingen, Friedlingen, Wyhlen und Grenzach werden ihre Spiele auf dem bestens instandgesetzen Platze durchführen können. FC Singen — SC Sparta Schaffhausen 4:1 (3:1) Zum Auftakt der neuen Spielsaison empfing der neue Oberligist vom Hohentwiel am Sonntag die Sparta-Elf aus Schaffhausen. Obwohl die Gäste in stärkster Besetzung antraten, konnten sie nur in der ersten Halbzeit der Mannschaft von 04 einigermaßen standhalten, die trotzdem mit 3:1 sicher in Führung lag. Nach Seitenwechsel war Singen überlegen, konnte jedoch — zu engmaschig spielend — kurz vor Spielende nur noch einen Treffer erzielen. SV Schopfheim — Graßhoppers Zürich 2:7 (1:2) Im Rahmen der Eröffnung der Festwoche zur 700- Jahr-Feier der Stadt Schopfheim spielte der südbadische Landesligist SV Schopfheim gegen den bekannten Schweizer Nationalliga-Club Graßhoppers Zürich. Vor 2500 Zuschauern erreichten die Gäste nach flottem, kampfbetontem Spiel bei einem Halbzeitstand von 2:1 einen klaren 7:2-Sieg über die Gastgeber. 99 Deutschland-Rundfahrt“ als Radsportwerbung 5 Millionen jubeln 60 Rundfährern zu (ISK) „Diesmal mache ich nicht wieder den traditionellen Zweiten in der Deutschland-Rundfahrt“, erklärte uns Straßen- und Stehermeister Erich Bautz. Dortmund, als Wir ihn als As von Patria-WKC beim Straßentraining erwischen. „Meine Form ist gut, ich werde mich nicht unter Wert verkaufen!“ Bekanntlich war Bautz 1947 im „Grünen Band vom Rhein“ Erster vor Diederichs, 1948 Zweiter hinter Hilbert. Frankenthal, und 1949 wieder Zweiter hinter Harry Saager, Bad Reichenhall. Erich Bautz fehlt nur noch ein großer Rundfahrtsieg in seiner „Ehrenliste“. Ob es ihm nun 1950 unter 60 Fahrern glücken sollte, ausgerechnet wo zum ersten Male wieder internationale Könner aus Belgien, Frankreich, Italien. Holland und der Schweiz teilnehmen? 3800 Kilometer über 1300-Meter-Berge sind schwer Weit über fünf Millionen werden es wieder sein, die Deutschlands Straßen auf der Rundfahrt Tag für Tag vom 12. zum 31. August (mit Start und Ziel von Hannover aus) umsäumen. Nur sekundenschnell wird eine bunte 60-Fahrer-Kette vorüberhuschen. Aber das ganze Fluidum solch einer „Deutschland-Tour“ mit Troß und Industriemesse muß man doch mal erlebt haben. Mit 17 Etappen und 3800 Kilometer stellt das diesjährige Rennen die zweitlängste Rundfahrt dar. Die bisherigen Sieger: 1937: 12 Etappen 3000 km Sieger: Otto Weckerling, Magdeburg 1938: 15 Etappen 3770 km Sieger: Hermann Schild, Chemnitz 1939: 20 Etappen 5013 km Sieger: G. Umbenhauer, Nürnberg 1948: 11 Etappen 1500 km Sieger: Philipp Hilbert, Frankenthal 1949: 13 Etappen 2800 km Sieger: Harry Saager, Bad Reichenhall. Ein gutes Omen für den Kampf der 44 deutschen Fahrer gegen die 16 Ausländer war der zweite Platz, den Müller Schwenningen, in seinem letzten Probegalopp, beim Profikriterium in Oftringen (Schweiz) hinter dem Schweizer Kamber errang. Bei Höhenunterschieden von 200 auf 700 Meter zwischen Orten und Bergen von 1284 Meter wie der „Schauinsland“ und 1232 Meter wie der Feldberg können die deutschen Fahrer nun zeigen, was sie bei der Schweizer Tour gelernt haben. Eines wissen sie: die Trauben hängen hoch in der Konkurrenz mit den Fahrern anderer Nationen. Vor allem auf Harry Saager, den Vorjahressieger, werden alle ein wachsames Auge haben. Nur drei Ruhetage in 20 Tagen Es wird getreten und immer wieder getreten, krumm der Buchei, wirbelnd die Beine, rundum um Deutschland nach folgenden Etappen: 12 8.: Start Hannover nach Bielefeld; 13. 8.: Bielefeld—Bocholt 215,6 km; 14. 8.: Bocholt—Aachen 214,7 km; 15. 8.: Aachen—Gießen 276 6 km; 16. 8.: Ruhetag in Gießen; 17. 8.: Gießen—Zweibrüchen 248,5 km: 18. 8 : Zweibrüchen—Stuttgart 200,5 km; 19. 8.: Stuttgart—Karlsruhe—Durlach 213,1 km; 20. 8.: Karlsruhe—Waldshut über Schauinsland und Feldberg 242,2 km; 21. 8.: Ruhetag in Waldshut; 22. 8.: Waldshut—Konstanz 181,8 km; 23 8.: Konstanz—Augsburg, ein Teil der Strecke Trajektschiff über den Bodensee, 269 9 km; 24. 8.: Augsburg—Bad Reichenhall 293 3 km; 25. 8.: Bad Reichenhall—Regensburg 217,4 km; 26. 8.: Regensburg—Nürnberg (zweiter Teil mit Einzelstarts) 103,4 km; 27. 8.: Nürnberg—Schweinfurt 221,8 km; 28. 8.: Ruhetag m Schweinfurt: 29. 8 : Schweinfurt—Kassel 216,8 km; 30 8.: Kassel—Einbeck 228 km; 31. 8.: Schluß: 17. Etappe: Einbeck—Hannover 163,7 km. Wieviel von 60 werden nach 3800 km das Ziel am Maschsee in Hannover erreichen? Die Ganmeister im Straßenrennen Am Sonntag ermittelte der Gau 23 des Arbeiter- Rad- und Kraftfahrerbundes „Solidarität“ in Villingen seine Gaumeister im Straßenrennen und Langsamfahren. Der zweite Bezirk (Kreis Emmendingen) stellte in sämtlichen Klassen die Sieger. Insgesamt waren etwa 36 Fahrer am Start. zweiten Platz belegte Eduard Seiler, Lahr, gefolgt von Kurt Graf, Kenzingen, Otto Scheer, Herbolzheim, und Eugen Schlenker, St. Georgen (Schw.). In der Jugendklasse (36 Kilometer) errang Walter Sturz, Emmendingen, mit der Bestzeit von 51 Minuten den Titel, vor Heinz Hug, Emmendingen, und Kurt Läufer, Herbolzheim. In der Altersklasse (36 Kilometer) belegte Josef Steegmüller. Herbolzheim, mit 51.03 Minuten den ersten Platz; Zweiter wurde Erwin Schlenker, Villingen. Bei den Schülern (14 bis 16 Jahre) über 15 Kilometer wurde Heinz Böcherer mit 27 Minuten Sieger, gefolgt von Albert Boeder, Villingen, und Konrad Fleig, Villingen. — Im 100-Meter-Langsamfah- r e n wurde Erwin Schlenker, Villingen, in der fast unglaublichen Zeit von 56.22 Minuten Gaumeister. Schlenker war bereits einmal Bundesmeister im Langsamfahren. Den zweiten Platz belegte Christian Bö- singer, St. Georgen (Schw.) mit 7.30 Minuten. Die ersten fünf Sieger der Hauptklasse und jeweils die beiden Ersten der anderen Klassen gehen am 10. September in Hersfeld zur Austragung der Bundesmeisterschaften an den Start. Heinz Müller Zweiter beim Profikriterium in der Schweiz Heinz Müller, Schwenningen, belegte unter 27 Fahrern beim Proflkriterlum in oftringen (Schweiz) hinter dem Sieger Eugen Kamber. Zürich, mit 18 Punkten den zweiten Platz. Matthias Pfannenmüller, Nürnberg, wurde neunter. Müller fuhr ein hervorragendes Rennen. (Stundenmittel etwa 39 Kilometer.) Handball in Trfberg TV 1860 Triberg — SV Sädringen 14:11 (7:6) Zu einem Freundschaftsspiel hatte am vergangenen Sonntag die Handballelf Triberg den Bezirksmeister der Gruppe Oberrhein, SV Sädringen, zu Gast. Die Gäste stellten eine schnelle, auf allen Plätzen gut besetzte Mannschaft. Bis zur Pause lag Triberg knapp mit 7:6 in Führung. Nach dem Wechsel erspielten sich die Gastgeber eine leichte Überlegenheit, die schließlich zum 14:ll-sieg führte. Beide Torsteher holten sich öfters Sonderbeifall. Der Sportfunk meldet Grenzach gewann ein Handballfreundschaftsspiel gegen den TV Birsfelden (Schweiz) mit 11:10. Der Maserati-Fahrer Paul Pietsch (Freiburg) wurde auf Grund seiner ausgezeichneten Trainingsergebnisse und seiner Bestzeit in den Wagenklassen beim „Großen Bergpreis“ auf der Schaumslandstrecke zum „Großen Preis von Italien 1950“ eingeladen. Den Vorkampf um die südbadische Mannschaftsmeisterschaft im Gewichtheben gewann Rot-Weiß Lörrach „egen den SC Singen mit 3600 Pfund gegen 3255 Pfund. Für den 2. und 3. September ist ein Länderkampf im Schwimmen zwischen England und Deutschland in Oberhausen vorgesehen. Das Programm umfaßt bei den Männern und Frauen das gesamte olympische Programm. Tennis TC Lörrach schlug Staufen knapp Mit einer überraschend starken Mannschaft stellte sich der TC Staufen am Sonntag in Lörrach vor. Die Lörracher, bei denen allerdings nur Maser und Kocht aus der ersten Garnitur zur Stelle waren, landeten schließlich einen knappen 8:7-Erfolg. Die Punkte ftjr Lörrach holten Maser, Koch, Külby, Dr. Fünfer im Herren-Einzel, Maser/Koch im Herren-Doppel, Frl. Muser im Damen-Einzel und die Gemischten Doppel Frl H. Külby/Koch und Frl. Muser/Külby. — Am kommenden Samstag wird die Lörracher Mannschaft einer Einladung des TC Schaffhauser Rheinweg Basel Folge leisten. Die Lörracher werden versuchen, dort für die kürzlich erlittene 8:14-Niederlage Revanche zu nehmen. W. K. Ferdi Kübler gewann die Tour Phantast, Nervenbündel, Fahrer ohne Ausdauer und Moral — so hatten viele Experten den Schweizer Kübler vor seinem großen Rennen in der „Tour de France“ bezeichnet. Und nicht ganz zu Unrecht! Denn der 31jährige Adliswieler, einer der kühnsten Bergabfahrer der Welt, war früher nie ein Mann der Beständigkeit. 1947 mußte er in der „Tour“ nach der siebten Etappe eliminiert werden und 1949 steckte er auf der 18. Etappe von selbst auf Dieses Jahr aber lernte die Welt einen ganz anderen Kübler kennen. Er schien alle Untugenden abgelegt zu haben. Er fuhr taktisch so klug und beherrscht, daß ihm aus Tausenden von Telegrammen und Briefen die Sympathien der Radsportfans entgegenschlugen. So gewann er in souveräner Weise die 37. Tour vor dem 30jährigen Belgier Ockers und dem 25jährigen Franzosen Bobet. Zehntausende im Pariser Prinzenpark umjubelten. Ferdi, nachdem sie zuerst den Etappensieg ihre Landsmannes Baffaert auf der 314 km langen Schlußstrecke von Dijon nach Paris in 9.36.12 Std. gefeiert hatten. Während Bobet, der Liebling Frankreichs, von seiner jungen Frau stürmisch umarmt wurde, sprach Kübler seine ersten freudigen Worte über das Rundfunkmikrophon an seine Frau und sein Kind. „Ich bin riesig glücklich. Ich hab's geschafft.“ Endergebnis: Kübler, Schweiz, in 145 Stunden 36 Minuten 35 Sekunden für 4832 km; 2. Ockers, Belgien, 9.30 Minuten' zurück; 3. Bobet, Frankreich, 23.19 Min. zurück; 4. Gemihiani, Frankreich, 31.14 Min. zurück; 5. Kirchen, Luxemburg, 34.21 Min. zurück. Schnelle Hirsche „rohren* int Solitude-Wildparh Solitude-Rennen diesmal auch Meisterscfaaftslauf für Wagenfahrer Als vor Jahresfrist die motorfreudigen Schwaben das Solitude-Rennen wieder auf die Beine stellten und es mit 300 000 Zuschauern zur erfolgreichsten Motorsportveranstaltung des Jahres machten, wurde die eiste Etappe zurückgelegt auf dem Weg zum Ziel, das die Solitude gleichrangig neben dem Nürburgring sieht. Die Pläne hinsichtlich einer internationalen Besetzung der Wagenrennen ließen sich für dieses Jahr bedauerlicherweise nicht verwirklichen. Als Pflästerchen dafür ist die Zusage der OMK aufzufassen, daß der Große Motorradpreis von Deutschland im nächsten Jahr auf der Solitude ausgefahren werden soll. Aus diesem Grunde soll das Solitude-Rennen schon in diesem Jahr zu einer Musterveranstaltung werden. Neuerdings eine halbe Million Investiert Weitere 500 000 DM wurden aufgewendet, um die Strecke zu verbessern. Bei einer durchschnittlichen Breite von 7,5 Meter (in den Kurven 10 Meter) ist die Solitude auch den Anforderungen für Wagenrennen gewachsen. Die Poste, die wie aus dem Ei gepellt sich jetzt den Teilnehmern und Zuschauern präsentiert, soll unmittelbar nach dem Rennen weiter ausgebaut werden. Die Strecke mißt jetzt genau HF Kilometer. 25 Links- und 15 Rechtskurven, ein Höhenunterschied von 125 Meter, der Steilstich zum Frauenkreuz hinauf, die Abfahrt zum Dreispitz, die 600 Meter lange Gerade und die langgezogene Schlängellinie durch das Mahdental sind so richtig nach dem Geschmack der Rennfahrerelite. Wieder das Lied von den elf kleinen Negerlein.. .7 Im vergangenen Jahr naben die Wagenrennen enttäuscht. Zynische Zuschauer pfiffen das Lied von den elf kleiner Negerlein, als einer nach dem anderen unserer Wagenfahrer ausblieb. Diesmal geht es über eine Distanz von 115 Kilometer! Hoffentlich halten die Renner auch das, was sich Hermann Lang, von Brauch!tsch Hans Stuck usw. versprechen. In der Meisterschaft führt in der schweren Klasse der Sportin der Hauptklasse über 60 Kilometer siegte und Rennwagen der Nürnberger Fritz Rieß, der Toni Günther Groß, Emmendingen, mit 98.15 Minuten. Den I Ulmen und Karl Kling, den seitherigen Matadoren von Veritas, in diesem Jahre den Rang abzulaufen scheint. Was sagt die Wertungsskala? bis 1100 ccm W. Glöckler, Frankfurt, 12 Punkte; v. Falkenhausen, München, 8 P.; G. Vollmer, Kettwig, und J. Kunzer, Velden, je 3 P.; R. Trenkel, Bündheim, und v. Haustein, Calenberg, je 2 P.; Polensky, Karlsruhe, und Dübbers. Düsseldorf, je 1 Punkt. bis 1500 ccm Paul Pietsch, Neustadt, und Kathrein, Lorsbach je 6 Punkte; H. Glöckler, Frankfurt, und E. Troeltsch, Freiburg, je 4 P.; E. Ring, Berlin, und W. spindler, Rottweil, je 3 Punkte. bis 2000 ccm Rieß, Nürnberg, 12 P.; Helfrich, Mannheim, 6 p.: Krakau, Peine, und Niedermayr, Berlin, je 4 Punkte; Adolf, Stollberg, und Ulmen, Düsseldorf, je 2 Punkte; Assenheimer, Heilbronn, 1 Punkt. Formel H Rieß, Nürnberg, 12 P.; Ulmen, Düsseldorf, 1 P.* Gomann, Remscheid. 3 Punkte. Formel I keine Wertung. Rennwagen Formel in Komossa, Recklinghausen, und Polensky, Karlsruhe, je 6 Punkte; Lehder, Neuisenburg, Kreuzer, München, und Deutz, Lüdenscheid, je 4 P.; G. Vollmer, Kettwig, und Glunz, Lüdenscheid, je 3 P.; G. Schlüter, Wanne- Eikel, und W. Schlüter, Essen, je 1 Punkt. Das ewige Duell Meier — Fleischmann Die Elite der Motorradfahrer gibt sich auf der Solitude selbstverständlich ein Stelldichein. BMW mit Meier, Zeller, Klankermeier. Kraus, Meier jr., NSU mit Fleischmann und Böhm/Fuchs, die Ingolstädter DKW-Leute mit Ewald Kluge Siegfried wünsche, H P. Müller usw. Das ewige Duell Meier — Fleischmann auf den Halbliter-Kompressormaschinen wird ebenso mit Spannung erwartet, wie der Start des Ex-Europameisters Ewald Kluge, der in den kleinen Klassen als Hecht im Karpfenteich wirkt. Belte 4 — Nummer M Donnerstag, 10. August 1950 tktslßofft Für eine Milliarde Holzabfälle aus Neustaat t. Scbw. wird uns geschrieben: Nach der Statistik werden im Bundesgebie bei der Durchhaltung des sozialen Wohnbauprogramms und der angestrebten Vollbeschäftigung jährlich über 30 Millionen Festmetei Holz verarbeitet. Bis zum fertigen Brett, Balken oder Möbelstück fallen davon etwa 40 Prozent Spreißeln, Späne und Sägemehl an. Wertmäßig betrachtet geht jährlich von dem Hob eine Menge von rund einer Million DM verloren. Diese Tatsache hat bereits seit Jahrzehntes die deutsche Holzwirtschaft bewogen, Verfahren zu entwickeln, um den umfangreichen Abfall durch Verpressen zu Platten, Balken und Formstücken auszunützen. Es ist nicht leicht, maschinenfallende Späne usw. in einem billigen und einfachen Verfahren zu sogenannten Homogenhölzern umzuwandeln Die bisher durchgeführten Versuche durch Zerfaserung und Aufschließung der Holzabfälle im Naßverfahren erfordern in der Großfabrikation sehr hohe Investierungskosten, die gegenwärtig nicht aufgebracht werden können. Für Südbaden, dessen fast einziger Wirtschaftsreichtum das Holz ist, besitzt das Problem ein besonderes Interesse. Es sind auch in unserer Gegend entsprechende Versuche unternommen worden. In Neustadt im Schwarzwald hatte sich ein Flüchtlingsbetrieb zum Ziel gesetzt, Platten, Riemenscheiben, WC-Sitze und andere Formteile aus Holzspäne zu verpressen. Leider hatte der Betrieb zu wenig Kapital zur Verfügung, um die erforderlichen Maschinen zu beschaffen. Das südbadische Wirtschaftsministerium hat einen Kreditantrag als Flüchtlingshilfe abgelehnt, obwohl 30 bis 40 Personen hier hätten beschäftigt werden können. Nach wie vor aber bleiben die Aufgaben bestehen, die hierzulande reichlichen Holzabfälle zu verarbeiten und Betriebe zur erwerbsmäßigen Beschäftigung der immer zahlreicher eintreffenden Flüchtlinge zu errichten. Das Bundes Wirtschaftsministerium in Bonn läßt die Angelegenheit durch seine Bauabteilung weiter verfolgen und auch der Ausschuß für soziales Bauen der SPD in Hannover hat sieh ihrer angenommen. lieh für diese Entwicklung aufgeopfert hat, nicht einfach in die Wüste schicken, weil seine mit unzulänglichen Mitteln unternommenen Versuche nicht gleich zu einem vollen Erfolg führten. Sollte dieser Mann vielleicht deswegen abgehalftert worden sein, weil er Mitglied der SPD ist? Verband der badischen Architekten gegründet Die südbadischen Architekten haben sich in einer Beratung in Freiburg mit der Haltung der Landesregierung beschäftigt, die der Architektenschaft bisher keine Berufsvertretung in Form einer Kammer zugestanden hat. Von den badischen Architekten wurden die Gründe für die Ablehnung einer Architektenkammer nicht anerkannt. Im Interesse einer Zusammenarbeit mit der Regierung im Rahmen des Wiederaufbaus haben sie daher einen „Verband der badischen Architekten“ als Berufsvertretung gegründet. In den Vorstand wurden Regierungsbaumeister Debes und Dipl.-Ing. Giese, Freiburg, gewählt. Als vordringlichste Aufgabe sieht der Verband die Mitarbeit an dem Zustandekommen des Architektengesetzes an, in dem das Recht Paßämter haben Seit der Schließung der Grenzen im Jahre 1939 war die Schweiz für die deutsche Bevölkerung praktisch verschlossen. Dies wurde vor allem für die im Grenzgebiet lebenden Menschen hart empfunden, denn seit Jahrhunderten bestehen wirtschaftliche und verwandtschaftliche Wechselbeziehungen zur benachbarten Eidgenossenschaft, vor allem aber nach der Handels- und Kulturmetropole Basel. Es ist begreiflich, daß nunmehr die am 1. August in Kraft getretenen Paßerleichterungen ein sprunghaftes Ansteigen des kleinen Grenzverkehrs zwischen Deutschland und der Schweiz bewirkt haben. Bis jetzt liegen bei den zuständigen Paßämtem der drei Grenzkreise Lörrach, Säckingen, Waldshut weit über 50 000 Anträge auf Ausstellung zur Führung der Berufsbezeichnung „Architekt“ von der Überprüfung durch einen staatlichen Ausschuß abhängig gemacht wird. Hierdurch soll verhindert werden, daß sich jedermann ohne Nachweis der notwendigen Kenntnisse und Erfahrungen als Architekt betätigen kann. Ein entsprechendes Gesetz ist von den Wiederaufbauministern der Bundesländer entworfen und den Ländern zur Vorlage in den | Landtagen empfohlen worden. Fest der blauen Königin Das Buhler Zwetschgenfest, seit Wochen in ganz Westdeutschland propagiert, hatte einen ungeahnten Erfolg. In der festlich geschmückten mittelbadischen Frühobst-Metropole waren am Sonntag etwa 25 000 Menschen zusammengekommen, um das Fest der „Blauen Königin“ zu begehen. Mit einem Fackelzug und einem Bankett wurde das Fest am Sonntagabend eröffnet. Böllerschüsse und das Geläut sämtlicher Glocken bildeten am Sonntag den Auftakt zu den Feierlichkeiten. Der über 60 Nummern zählende Festzug mit der „Zwetschgenkönigin“ als Mittelpunkt bestand aus historischen und landschaftlichen Gruppen und Wagen und vielen allegorischen Darstellungen, die aus dem Leben und der Arbeit der Wein- und Obstbauern gegriffen waren. Mit einem großen Feuerwerk fand der festliche Sonntag in Bühl sein Ende. Hochkonjunktur von Dauerbewilligungen zur Einreise in die erheblich erweiterte Schweizer Grenzzone vor. Allein beim Landratsamt Lörrach wurden bis 4. August über 10 000 Anträge bearbeitet. Mit dem Eingang von weiteren 20 000 wird gerechnet. Auch bei den Schweizer Grenzbehörden, die jeden deutschen Antrag einzeln überprüfen und an die deutschen Paßstellen zurücksenden, herrscht in diesen Tagen ein bisher nicht erlebter Hochbetrieb. Dennoch geht die Bearbeitung der Anträge rasch vonstatten. Die verstärkte Einreise aus Deutschland wird in erster Linie Basel spüren, das schon vor den beiden Weltkriegen wirtschaftlicher und kultureller Anziehungspunkt für das südbadische Grenzgebiet war. uie Interessengemeinschaft der Heimatv triebenen in Baden hatte im vorigen Jahr i Aufforderung der Marshall-Plan-Verwalti hin umfassende Vorschläge zur Schaffung \ Flüchtlingsindustrien im Schwarzwald zu \ terbreiten, ein großzügiges Projekt eingereic um mit Hilfe der vorhandenen Holzabfälle etwa tausend Menschen Arbeit zu beschaff Der Vorschlag, für den die Amerikaner grol Interesse bezeigten, ist aber von den deutscl Behörden unbegreiflicher Weise gar nicht 1 arbeitet worden. Man sollte zumindest die: Gedankengängen von seiten der Bundesreg rung einmal näher treten und einen verdiem Pionier auf diesem Gebiete, der sich wirtscha Sozialwerk für Wohnung und Hausrat Bei einem Gang durch die Freiburger Wohn- Bau-Ausstellung stellt man fest, daß die Einrichtungsindustrie heute Wege beschreitet, die sich den veränderten Wohnverhältnissen anpassen und für die Zukunft richtungweisend sein können. Man verzichtete bewußt auf Althergebrachtes und schuf Möbel und Einrichtungsgegenstände, die durch ihre einfache, aber trotzdem geschmackvolle Ausführung und vor allem durch ihre vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten verblüffen. „Wohnkultur“ ist für einen großen Teil des deutschen Volkes zu einer mathematischen Formel mit drei Unbekannten geworden, deren Lösung bisher unmöglich erschien. Sozialpolitiker, Wirtschaftler und namentlich Architekten haben sich deshalb zusammengetan und eine gemeinnützige Gesellschaft in Verbindung mit der Arbeiterwohlfahrt und den Siedlungsverbänden der beiden christlichen Kirchen gegründet, die sich unter dem Namen „Sozialwerk für Wohnung und Hausrat“ die Lösung dieser Frage zur Aufgabe gemacht hat. Doppelt verheiratet Daß ein Ehepaar wegen Bigamie (Doppelehe) auf der Anklagebank sitzt, darf wohl als Seltsamkeit angesehen werden. Der 36jährige B. aus Bischofshagen (Westfalen) ließ seine Frau mit den vier Kindern einfach im Stich und verheiratete sich unter einem falscher; Namen in Gelsenkirchen mit der mitangeklagten Elfriede, einer 32jährigen geschiedenen Frau. Sie tappte in die Ehe hinein, obschon sie wußte, daß B. bereits verheiratet war. Zur Begründung seiner Flucht aus der ersten Ehe gibt B. an, er habe es bei der Frau, die unordentlich, unreinlich und zänkisch sei, nicht mehr ausgehalten. Mit der neugebackenen Frau auf die Wanderschaft gehend, spielte sich B. in der Tarnung des falschen Namens überall, hauptsächlich in Flüchtlingslagern, als Ostflüchtling auf und heimste unbedenklich die für wirkliche Flüchtlinge vorgesehenen Unterstützungen und Zuwendungen ein. Einen mehrwöchigen Aufenthalt in Neustadt im Schwarzwald nützte er zu einem betrügerischen Handel mit einem Radioapparat aus. Zuletzt landete das illegitime Pärchen in einem Landort des Kreises Lörrach. Von dort wurden sie vor das Schöffengericht Freiburg zitiert, wo man B. als besonders verwerflich anrechnete, daß er sich die Rolle eines Ostflüchtlings angemaßt hat. Gegen ihn er- > kannte man auf ein Jahr zwei Monate Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust; die weibliche Mitbeschuldigte wurde zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Die Ausstellung zeigt, daß unter bewußtem Verzicht auf die bisher üblichen Primitivitätslösungen in den Nachkriegsjahren schon allerhand geleistet wurde. Unter Verwendung neuer Materialien und Konstruktionen sind Möbel geschaffen worden, die einfach, aber gediegen und geschmackvoll sind und die zu erschwinglichen Preisen hergestellt werden können. Bei der Besichtigung des völlig mit WK-Sozialwerk-Mö- beln eingerichteten, in sieben Wochen fertiggestellten Doppelwohnhauses „Trautwein“ wird sich wohl mancher Besucher die Frage vorlegen, ob er sich jemals ein Heim so gemütlich werde einrichten können. Beim Vergleich der Preise mit den bisher üblichen aber wird doch mancher die Erfüllung seiner Wünsche nicht mehr für unmöglich halten; ein Beweis dafür, daß sich das „Sozialwerk für Wohnung und Hausrat“ auf dem richtigen Weg befindet. O. S. Aus dem Südwesten Freibnrg. Die Eisenbahnstrecke zwischen Basel und Freiburg wird gegenwärtig in ihrer Gesamtlänge von rund 60 Kilometern auf elektrischen Betrieb umgestellt. Die Bundesbahn beabsichtigt, die ganze Strecke bis Mannheim so bald wie möglich zu elektrifizieren. Man legt bei der Bundesbahn besonderen Wert darauf, die meistbefahrene Nord-Süd-Verbindung so modern wie möglich zu gestalten. Heidelberg. Der „erfolgreichste Einbrecher Heidelbergs“, ein 29jähriger Schreiner, wurde dieser Tage von einem amerikanischen Gericht zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte gestand 115 Einbrüche in amerikanischen Wohnungen ein. Lindau. In Sonderzügen aus Frankfurt, Stuttgart, München, Augsburg und in drei Sonderschiffen aus der Schweiz kamen über das Wochenende zum Besuch des Seenachtfestes über 40 000 Besucher in die Inselstadt Lindau. Lindau. Seit Anfang der Woche ist die Bodenseestadt Lindau zu einer Filmstadt geworden. Die Junge Filmunion, Hamburg, dreht hier nach dem Titel „Karneval in Nizza“ Szenen zu ihrem Film „Inspiration“, der Ende August herauskommen soll. Zahlreiche Straßen und Plätze der Inselstadt wurden entsprechend „umgebaut“. An den Aufnahmen in Lindau nehmen Viktor de Kowa, Brigitte Homey und Fita Benk- hoff teil. Ins Notizbuch Das Gesetz des Wirtschaftsrates des Vereinigten Wirtschaftsgebietes vom 22. August 1949 bestimmt, daß Verfolgten des Nationalsozialismus die in der Sozialversicherung entstandenen Nachteile wieder gutgemacht werden. Zur Durchführung des Gesetzes sind nun Richtlinien erlassen worden, die bei allen Bürgermeisterämtern zur Einsicht durch die Berechtigten ausliegen. Der Bund „Deutscher Föderalisten“ veranstaltet am 26. und 27. August in Konstanz ein» Arbeitstagung „Deutscher und Europäischer Föderalismus“. Unter der Teilnahme vieler prominenter [Vertreter der Europa-Bewegung und Mitgliedern der Europäischen Beratenden Versammlung in Straßburg findet in Baden-Baden am 14. August eine große Kundgebung der Europa- Union statt. U. a. werden der Führer der italienischen Delegation in Straßburg, Enzo Giacchero, der holländische Delegationsführer Serrarens und der Zentralsekretär der Europa- Union in der Schweiz, Dr. Steffan, zum Europa- Thema sprechen. Eine „Notgemeinschaft ehemals berufsmäßiger Wehrmachtsangehöriger und ihrer Hinterbliebenen“ für das Land Baden ist dieser Tage in Baden-Baden unter dem Vorsitz des Generals der Artillerie a. D. Hans Behlendorf, Baden-Baden, gegründet worden. Der Süddeutsche Rundfunk bringt künftig jeden Montag um 21.50 Uhr eine Betrachtung zur militärisch-politischen Lage in Asien, Europa und Amerika. Verfasser der Kommentare ist Dr. Robert KnauS. Im Rathaus vonWaldkireh wird am 12. August anläßlich der Feier des 650jährigen Bestehens der Stadt Waldkirch eine Heimatausstellung eröffnet. Der Stadt sind im Jahre 1300 nach dem Vorbild der Stadt Freiburg die Stadtrechte verliehen worden. Berichtigung n unserem Artikel: „Ein Vorschlag zum Lasten» igleich“, der in Nr. 92 „Das Volk“ erschienen ist, : sich ein sinnentstellender Fehler eingeschlichen. r bitten im zweiten Abschnitt zu lesen: Sie hätten einen Anspruch auf Erstattung ihrer täden, und zwar bis zu der Höhe, die das Ver- gen der Nichtgeschädigten nach der erfolgten Ab- >e zum Lastenausgleich noch aufweise. Wenn also e 25prozentige Vermögensabgabe zum Lastenaus- ich ausreiche, die Schäden zu 75 Prozent zu decken, müsse den einzelnen Flüchtlingen oder Ausge- nbten ihr erlittener Sachschaden in Höhe von Prnzpnt ersetzt bzw. ausbezahlt werden .. Hengst Maestoso Austria Liebesgeschichte zweier Menschen und eines edlen Pferdes 35 Von Arthur-Heins Lehmann Ein Wunder ist wirklich geschehen für diese beiden einfachen, guten Menschen, und so stark rührt es ihnen die Herzen, daß sie gar nicht ans Helfen denken, sondern immer nur schauen auf die junge Frau, die sie kennen und die ihnen so unirdisch schwach zulächelt. Und in dem Woilach, der dem Sitz des Wagens als Polster gedient hat, liegt ein schreiendes Kind. .Heiliger Stefan 1‘ sagen die beiden Hirten wie aus einem Munde, und die junge Mutter bittet, daß sie helfen mögen. Einer reitet wie der Sturmwind zum Gut, damit er einen Wagen holt. Und als der Wagen kommt mit den Gäulen, denen die Lungen fliegen und die Schweißflocken wie Schnee im Fell sitzen, da steigt der vom Bock, um derentwillen dies alles geschehen ist. Gestern nacht ist er zurückgekommen, zur rechten Zeit hat es sich gefügt. Dann ist diese junge Familie, geführt von Gottes Hand und gezogen von zwei guten Pferden, behutsam zum Gut gefahren, zwiefach ist sie eingezogen, die junge Frau, als Mutter und als Herrin. Die Pferdehirten aber haben dem Wunder ein sichtbares Zeichen setzen wollen, und der Gutsherr hat just an der Stelle, da ihm unter den Pferden ein Kind geboren wurde, einen schönen Bildstock errichten lassen. Es ist ein Mosaik gewesen, das die Madonna dargestellt hat, wie sie das Kind im Arm hält und die Pferde ihr zu den Seiten stehen. Ein festes Dach wider das Wetter ist über dem Mosaik gewesen und unten am Pfahl ein irdenes Gefäß, in das die Pferdehirten Pußtagras gesteckt haben, das sie Waisenmädchenhaar nennen, so fein und seidig und rein ist es in seinen weißen Blütenständen. Wer immer vorübergeritten ist, hat der Madonna der Pferde erwiesen, was ihr an Ehre und Liebe gebührt, und es sind auch welche eigens gekommen zu ihr, Männer, die Segen für die Pferde erbaten, und Mütter, die sich Zuversicht holen wollten für ihre Kinder, mit denen es immer Sorgen gibt. Und rundum haben die Stuten geweidet, die trächtigen und die mit den Fohlen. In der bösen Zeit nach dem großen Krieg, da in Ungarn das Recht und der Glaube an Gott unter der brutalen Gewalt vernichtet werden sollten, haben sie die Herden forttreiben und das Bildnis von der Madonna der Pferde zerstören wollen, aber da haben die Stuten, die längst nicht mehr die gleichen gewesen sind wie ehedem, wieder einen wehrhaften Ring gebildet, und das Raubgesindel, das seiner eigenen Reitgäule nicht sicher gewesen ist, hat abziehen müssen. Und die Madonna der Pferde steht nun in alle Ewigkeit in der Pußta.“ Das wäre eine sehr schöne Legende sagt der Pfarrer, und sie müßte einmal aufgeschrieben werden. Dazu möcht er schon die Bilder malen, meint der Lols. Die Mirl schaut vor sich hin und sagt nichts. Ich blicke der Ungarischen in die Augen, denn sie weiß, was an dieser Legende von der Madonna der Pferde fehlt. Sie hat nicht erzählt, daß das Kind ein Mädchen gewesen ist und daß man es Marika getauft hat. Davon wissen nur sie, ich und der Janos, seit sie gegangen sind, die Mutter bald darauf, da die kleine Marika das Leben hatte, und der Vater, den sie erschossen haben in der Anarchie. Der Pfarrer muß schon seine Freude an uns haben, wie wir dasitzen, seine vier Heiden, und nichts mehr reden wollen, damit sie nur bleibt, die gute Stimmung der Stunde, die langsam in den frühen Abend hinein verklingt, in der die Sonne hinter den Bergen untergeht und die Vögel einhalten mit Singen und es ganz still ist, daß ich mein eigenes Herz hören kann und der Ungarischen ihres, das mir gehört. Und alle sind von guten Gedanken bewegt, wir und die Freunde. Der Majestätische drängt seinen Kopf zwischen unsere Schultern, er scharmutziert erst mit der Ungarischen, aber dann langt er doch mit gestrecktem Hals zum Tisch, wo das süße Backwerk in der Schale liegt. Wir lächeln darüber, einer schaut den anderen an. Es geht auf den Abend, und da lieben es Gottes schönste Wesen, die Pferde und die Menschen, an ein Nachtmahl zu denken. Die Erde hat uns wieder, aber die Erde ist gut, denn über ihr ist der Himmel. Ich muß die Ungarische ein wenig betrügen, damit sie nicht drängt, daß wir abreisen auf ihr Gut. Die Haxn ist zwar wieder heil, aber ich hinke noch immer darauf, jeden Tag muß ich mir größere Mühe geben, damit es mir glaubhaft gelingt. Ich möchte noch dabei sein, wie der neue Sankt Georg in der Kirche aufgestellt wird, aber die Ungarische meint, es wäre besser, wenn wir dem Lois ruhig die Ehre allein gönnten. Sie scheint’s ein wenig zu bereuen, daß sie sich auf dem prächtigen Holzstandbild mit hat verewigen lassen, an dem der Lois jetzt die vorletzten Pinselstriche tut, damit alles schön bunt wird, wie es die farbenfrohen Gemüter hier lieben. Sie will also reisen, sobald mein Knöchel gut ist, und wir sollen mitkommen, ich im Enzian, und der Majestätische muß halt mit der Eisenbahn fahren. „’s is no’ z’früh, Ungarische!“ sag ich, weil wir sonst immer erst gegen den Herbst zu ihr reisen. „Und nachher mei’ Haxn, i spür’ a jed’s Wetter drin!“ Mit dem Wetter bin ich ’reingefallen, so daß ich nur noch sehr schleierhafte Voraussagen mache. Ich hab gesagt, daß es zerrt und es wird einen Regen geben, nachher hat sich acht Tage kein dunkles Wölkchen blicken lassen, doch es hat zum Glück ein paarmal gedonnert, daß die Ungarische trotzdem meiner Haxn einen guten Glauben hat schenken müssen. Leider ist gleich drauf der Lois gekommen und hat gefragt, ob ich nicht mit will zum Kegeln beim Ochsenwirt, die Bauern täten schon mächtig in die Vollen gehen. Ob wir nichts hätten pumpern hören? Seit dem Tag hab ich keine Freude mehr an der Haxn. Gestern ermahnt mich die Ungarische, ich soll nicht aufs Hinken vergessen, wenn ich meine, daß sie nicht hinschaut! Und dann hat sie wie- . der von der Kapriole angefangen, die wir noch schuldig sind. Weil es nicht anders gegangen ist, habe ich mich redlich mit dem Majestätischen bemüht, aber wir haben nichts zusammengebracht, und die Ungarische hat dazu sehr deutlich geschwiegen. Am Abend endlich hab i ich’s nicht mehr aushalten können und gesagt, daß es ein Schwindel gewesen Ist, ein niederträchtiger, das mit der Kapriole, und daß es also die Roßäpfel gewesen sind und ich es für die reinste Schande gehalten hab, wenn ein Reiter einen so ungebührlichen Unfall erleidet. Ganz genau hab ich alles erzählen müssen, und die Ungarische hat erst gelacht, aber nachher hat sie mir ganz vorwurfsvoll gesagt: „Schämst di net, unheiliger Georg? ▲ so ■ Lug!“ „Ja, ja,“ sag ich. „Ich bereu eh schon ganz tief!“ „Sollst do wissen, daß i immer komm, ob du vom Roß fällst oder von dein’ eignen Haxn ln den Roßdreck!“ hält mir die Ungarische mütterlich zürnend entgegen. „Hast no an Schwindel? Sag ihn gleich, wamma grad’ dabei san!“ „Naa,“ sag ich, „i wüßt momentan wirklich nix.“ „Wann dir aber doch was einfallt, nachher sagst ma’s, ja? Hast am End’ selber mei’ Alpinum abg’fressen? Kannsfs beschwören, daß es der Majestätische war?“ „Des kann i, Ungarische!“ verslcher ich mit Nachdruck. „Weißt’s eh, daß i nix vom Vegetarischen halt und mehr so für Fleischeslust bin oder, worauf der Pfarrer immer schimpf, daß die Bauern z’viel fressen!“ Wie ich von der Fleischeslust geredet hab, hat die Ungarische gleich funkelnde Augen gehabt, weil sie halt so Scherze nicht ausstehn mag bei mir, deshalb bin ich gleich abgebogen. „Himmiherrgottsakra, Ungarische!“ ruf ich plötzlich. „Mir fallt do was ein! Aber 's is kaa Lug, mehr a Unterschlagung!“ „Jessas, unheiliger Georg! Wieviel Is «■ denn?“ „Naa, kaa Geld! Es war* mehr a Briaff" ■So gibst ihn halt jetzt her)“ (Forts. IdEtch ( ) >» — Nummer SS DsNsök Donnerstag, 10. August 1958 Preiburg — Breisgau Tausend Einwohner — eine Plakatsäule Das Straßenbild darf nicht verschandelt werden Audi die Plakatsäule gehört zur Visitenkarte einer Stadt. Wenige Blicke genügen, um festzustellen, was sich auf kulturellem Gebiet und im sonstigen Leben der Stadt oder der Landgemeinde ereignet. Darüber hinaus sprechen die Plakate der Firmen zu den Passanten, Und das graphische Gewerbe, an kunstvollen Plakatentwürfen beteiligt, bietet dem Betrachter der Plakatsäule Einblick in sein Schaffen. Schließlich erfüllt die Plakatsäule mitunter auch die Aufgabe, ein Stelldichein zu vermitteln: heute nicht weniger als in früheren Zeiten. Gegenwärtig folgen die Plakate einander wie die Tropfen eines Platzregens. Nicht immer geht es dabei nach den Wünschen der verschiedenen Veranstalter oder Firmen. Die Anzahl der Plakatsäulen ist abhängig von der Einwohnerzahl eines Ortes. Auf je 1000 Einwohner kommt eine Plakatsäule: eine Bestimmung des Fachverbandes Außenwerbung, der für das Plakatie- rungswesen in der gesamten Bundesrepublik verantwortlich ist Mithin besitzt Freiburg über 100 Plakatsäulen bzw. Anschlagtafeln. Welchen Umfang das sogenannte „wilde" Plakatleben in einer Stadt annehmen kann, ist unschwer festzustellen. Es erscheint daher verständlich, daß Straßenbild und ortspolizeiliche Vorschrift im Plakatierungswesen eine wichtige Rolle spielen. Lose herabhängende Plakate sind keine Empfehlung. Nur wenn Gefahr im Verzüge ist, haben Stadtverwaltung und Polizeibehörde das Recht, Plakate an Häusern und Mauern anzuschlagen. Plakate, die innerhalb der Geschäfte ausgehängt Werden, und Hinweise, die im Interesse e ; nes Grundstücksoder Hauseigentümers liegen, sind ebenfalls statthaft. Besonders streng wird das Recht zum Anbringen von Transparenten gehandhabt, da diese schon häufiger der Anlaß zu ernsteren Unfällen waren. Eine Anschlagtafel im Kleinformat veranschaulichte uns auf dem Städtischen Verkehrsamt die Organisation des Freiburger Plakatwesens. Ob wir freilich in Freiburg eines Tages auch einmal solche Firmen-Plakatsäulen erhalten werden, wie sie heute bereits in einigen Großstädten Europas anzutreffen sind, nämlich Plakatsäulen mit Normaluhr und eingebautem Münzfernsprecher, ist einigermaßen zweifelhaft. G. Z. 722 Verkehrsunfälle bis Ende Juli In ihrer neuesten Unfallübersicht stellt die Schutzpolizei fest, daß sich in den ersten sieben Monaten dieses Jahres 722 Verkehrsunfälle gegenüber 367 im gleichen Zeitraum des Vorjahres ereignet haben. Das ist fast ebensoviel wie im ganzen Jahre 1949, das 779 Verkehrsunfälle aufwies. Die Zunahme der Unfälle beträgt also nach wie vor rund 100 Prozent. Der erste Jahresjagdsdhein An der vom Badischen Jägerverein im Einvernehmen mit dem Kreisjagdamt Freiburg zur Erlangung des ersten Jahresjagdscheins veranstalteten ersten Jägerprüfung nahmen 30 Prüflinge teil; sie bestanden die Jägerprüfung ausnahmslos mit gutem Erfolg und erhielten ihre Prüfungszeugnisse. Eine Patentschriftenaiislegestelle Beim Landesgewerbeamt Freiburg, Elsässer Straße 2, befindet sich eine Patentschriftenaus- legestelle, in der alle angemeldeten in- und ausländischen Patent- und Warenzeichenschriften eingesehen werden können. Das kommt davon! Bei der Abfahrt vom Schauinslandrennen überholte ein 19jähriger Radfahrer in der Schauinslandstraße einen Lkw und schnitt ihn in der Fahrbahn. Er wurde von dem Lastkraftwagen erfaßt und geriet unter das Fahrzeug. Erst nach dem Hochheben des Wagens konnte der erheblich verletzte leichtsinnige Radfahrer aus seiner gefährlichen Lage befreit werden. Audi das war nicht nötig An der Kreuzung der Friedrich- und Katharinenstraße stießen zwei Personenkraftwagen zusammen, weil einer der Fahrer das Vorfahrtsrecht nicht beachtet hatte. Infolge des Anpralls fiel ein Pkw um, und sein Fahrer wurde ver- 1 letzt. Beide Fahrzeuge wurden schwer beschädigt; man schätzt den Schaden auf annähernd 4000 DM Einen Automaten ausgeplündert Nachts wurden die Einlagen eines Warenautomaten Ecke Basler und Schwimmbadstraße gestohlen. Man vermutet, daß. der Automat mit einem Nachschlüssel geöffnet wurde. Sdinell gefaßt Die Kriminalpolizei nahm zwei Strolche fest, die tags zuvor im „Hexenwegle“, dem Pfade zwischen Schwabentor- und Kartäuserstraße eine 76jährige Frau mißhandelt und ihrer Handtasche mit einem Barbetrage von nur 2 DM beraubt hatten. Die beiden Burschen sind 16 bzw. 19 Jahre alt. Verdiente Abfuhr Vor einigen Nächten hielten zwei jüngere Männer in dem Verbindungswege zwischen Schwabentorbrücke und der Oberau einen älteren Mann an und verlangten von ihm die Herausgabe seiner Barschaft. Statt dessen aber verabreichte der Überfallene den beiden Row- dies eine gehörige Tracht Prügel, so daß sie die Lust verloren, sich weiter als Straßenräuber aufzuführen. Auf der schiefen Ebene Im Gegensatz zu vielen anderen, die glücklich wären, wieder Arbeit zu bekommen, war es dem 41jährigen O. H. trotz verschiedener Vorstrafen gelungen, bei einer Freiburger Firma Vorbildliche soziale Einrichtung Erfreulicher Auftakt zu einer Arbeitstagung Zu den sozialen Einrichtungen, die dem arbeitenden Menschen seit Jahrzehnten nützlich waren, gehört auch die Hamburger Kranken- und Sterbekasse (die einstige Tischlerkrankenkasse). Sie ist ein Werk der Selbsthilfe in kranken Tagen und beim Eintreten eines Todesfalles, Ereignissen, die im Haushalt der Werktätigen immer eine schwere Belastung bedeuten. Die Kasse wurde 1876 gegründet, kann also demnächst auf eine 75jährige segensreiche Tätigkeit zurückblicken. Die Zahlstelle Freiburg, immer ein kräftiger Zweig der Kasse, besteht seit 1883. Fünf Mitglieder blicken auf eine über 50jährige Zugehörigkeit zurück, darunter der vieljährige Einzieher Emil Fortwäng- ler, der seit 52 Jahren der Kasse angehört und immer noch mit Idealismus für sie arbeitet und wirbt. 1914 fand eine Generalversammlung der Hamburger Kranken- und Sterbekasse in Freiburg statt: in einer Zeit, in der das geschichtliche Verhänignis seinen Anfang nahm. Die Kasse büßte viele aufrechte Mitglieder ein und erlebte dann nach dem Zusammenbruch bis 1931/32 einen neuen Aufschwung. Die große Wirtschaftskrise und die Ereignisse nach 1933 machten sich ebenfalls nachteilig bemerkbar. Eine umsichtige Geschäftsführung und gute Leistungen sicherten aber der Kasse die Treue der alten Mitglieder, so daß heute wieder ein sehr ansehnlicher Stamm zu verzeichnen ist. Allerdings sollte sich die Jugend etwas mehr um derartige soziale Einrichtungen kümmern; denn auch sie wird nach ihrer Selbstän- digmachung im Beruf und in der Familie die Hilfe einer guten Kasse benötigen. Auf einem schlichten Empfangsabend zur Generalversammlung 1950 brachten der Vorsitzende Fritz „Gehn wir mal zu Hagenbeckl“ Drei Stunden, die wie im Fluge vergehen Man muß die Gesichtsakrobatik und das I marsch der von Rudolf Jurkschat glänzend hinterhältige Grinsen Nicos, eines der Haupt- | dressierten Kamele, Wasserbüffel, Zebus, La- spaßmacher dieses dreistündigen Programms gesehen haben, um zu begreifen, daß am Eröffnungsabend minutenlang orkanartiges Gelächter das Riesenzelt erfüllte. Es ist die schon berühmt gewordene und erst vor kurzem durch den Äther gefunkte Szene, in der Nico, Alberto und Benno sich mit Hilfe einer Serie von Was- sereimem und anderer Scherze gegenseitig hinters Licht zu führen suchen: eine Spitzenleistung ursprünglicher Clownerie, die, wo sie auch immer gezeigt wurde, die Menschen Tränen lachen und außer Rand und Band geraten ließ. In nächster Nachbarschaft dieser köstlichen Witzbolde, mit deren Verpflichtung sich die Hagenbecks einen ihrer besten Trümpfe gesichert haben, tummeln sich drei Lorandos mit verblüffender Geschicklichkeit und unerschöpflichem Humor auf ihrem Drahtseil und einer „Wundertreppe“, die ein gewöhnlicher Sterblicher nur mit etlichen Knochenbrüchen passieren würde. Den artistischen Höhepunkt des Programms aber bilden Les Zemganno mit ihrer ganz hervorragenden, in dieser Art gewiß konkurrenzlosen Luftnummer, die ihren besonderen Reiz dadurch erhält, daß sie minutenlang im verdunkelten Raum durchgeführt wird. In diesen Minuten, in denen man die wie Libellen unter der Zirkuskuppel hin- und herschwirrenden vier Menschen nur an ihren leuchtenden Kostümen erkennt, könnte man eine Stecknadel zu Boden fallen hören. Elida Karolys ebenso gelungener Trapezakt über dem Tigerkäflg, die chinesische Truppe — Könner von hohem Rang — mit der berühmten Tellerrotation auf Bambusstäben und anderen Spezialitäten aus dem Reich der Mitte, die drei Houcs mit ihrem eleganten Keulenspiel sowie Gabriele und Toledo, erstklassige Handvoltigeure, vervollständigen den artistischen Teil des vielseitigen Programms. Seine eigentliche Visitenkarte aber gibt Ha- genbeck mit einer Reihe vollendeter Tiemum- znern ab, die seit Jahrzehnten seine Stärke sind. Man bewundert die prachtvolle Königstigergruppe mit ihrem erfahrenen Dompteur Rudolf Matthias, und die von Direktor Erich Hagenbeck zu den geschicktesten Jongleuren der Tierwelt erzogenen possierlichen Seelöwen. Man folgt mit dem gleichen Interesse dem Aufmas und anderer stattlicher Exoten, und hat seinen Spaß an den von Fred Enders umsichtig vorgeführten tanzenden und musizierenden Elefanten. Und dann vor allem das herrliche Pferdematerial, das in immer neuen Varianten und mit Leistungen, die sich sehen lassen können, dargeboten wird. Man sieht eine Hohe Schule mit allem Drum und Dran, Koßmayer« bildschöne Pferderevue und die brillante Stehendreiterei der Fontner-Truppe, die mit Bravourleistungen am galoppierenden Pferde aufwartet. Alles in allem: eine Bunte Platte, die groß Grämlich, das seit *40 Jahren amtierende Vorstandsmitglied Herth und Bürgermeister Schieler als vieljähriges Mitglied der Kasse die Notwendigkeit einer intensiven Mitgliederwerbung in der jüngeren Generation überzeugend zum Ausdruck. Bürgermeister Schieler vor allem wies an Hand von Beispielen nach, wie sehr die werktätige Bevölkerung in Tagen der Not, infolge von Krankheit und Todesfall des Schutzes solcher sozialen Einrichtungen bedarf, um nicht im Elend zu versinken. Er wünschte der Tagung der Hamburger Kranken- und Sterbekasse einen guten Verlauf. Die Freiburger Ortsverwaltung hat den zur Generalversammlung erschienenen Delegierten und Hauptvorstandsmitgliedern einen gemütlichen Abend bereitet, den Herr Beck durch schöne Liedgaben, Herr Eggert durch humoristische Darbietungen und die Kapelle Schweizer durch einen Kranz flotter Melodien verschönten. Die ernste Arbeit, die in dreitägiger Beratung zu leisten sein wird, möge nun zum Nutzen der Mitglieder und der Kasse ausschlagen! E. Sch. » Tinte gegen Schminke Wie wir erfahren, ist in Anlehnung an die früher so populären Fußballspiele zwischen Presse und Bühne für Anfang September ein Großkampf „Tinte gegen Schminke“ geplant Die ersten Verhandlungen zwischen der Intendanz der Städtischen Bühnen und der Vereinigung Freiburger Sportjournalisten sind schon abgeschlossen. Während die Presse sämtliche verfügbaren „spitzen Federn“ einsetzen wird, sind von der Bühne einige Stars in scharfem Training. Wie verlautet, sollen u. a. bekannte Kräfte wie Schiwek, Hruschka, Lehmann und Koschnitzke die Bühnenfarben vertreten. Der Anstoß soll von einer beliebten Weiblichen Kraft des Ensembles ausgeführt werden. Weiter hörten wir, daß das Orchester der Städtischen Bühnen und das Ballett im Rahmen des Spiels „Tinte gegen Schminke“ dem Publikum auf dem Platz einige Zugaben bieten wird. Wir werden noch auf dieses außergewöhnliche Fußballspiel zurückkommen. die Stelle eines Buchhalters zu erhalten. Doch bereits nach kurzer Zeit geriet H. wieder auf die schiefe Ebene und veruntreute vom Herbst 1948 bis zum Februar 1950 annähernd 4000 DM. Da sich der Betrüger hierbei raffinierter Fälschungen bediente, so kam man ihm leider erst ziemlich Spät auf die Spur. Das Schöffengericht verurteilte den im ganzen geständigen Angeklagten wegen fortgesetzter Untreue, Unterschlagung und Urkundenfälschung sowie wegen Rückfallbetrugs zu 2 Ys Jahren Gefängnis und zu 900 DM Geldstrafe, Die Geldbuße und zwei Monate gelten durch die Untersuchungshaft für abgegolten. Mahnung znr Sauberkeit Seit einiger Zeit sammeln an den Sonn- und Feiertagen Männer mit Hilfe von Greifzangen auf den Straßen und Plätzen die dort herumliegenden Papierschnitzel und sonstige Abfälle. Die Tatsache, daß hierbei jeder der vier Männer drei volle Säcke „erntet“, beweist zur Genüge, wie wenig die Einwohnerschaft die schon oft an sie gerichtete Mahnung zur Sauberkeit bislang beherzigt hat. Die durch die genannte Sonderarbeit verursachten Ausgaben könnten vermieden werden, wenn hier endlich eine Besserung einträte. Freiburger Ferkelmarkt Es waren 352 Ferkel und 14 Läufer aufgetrieben, von denen zwei Drittel verkauft wurden. Die Preise betrugen in der ersten Klasse 35 bis 45 DM, ln der zweiten 36 bis 55 DM und in der dritten 56 bis 70 DM. Freiburger Stadtnachrichten Am 11. August, 20 Uhr, hält der Radfahrerverein „Wanderer“ im Vereinsheim „Zur lieben Hand“ seine Monatsversammlung ab. Am 12. August, 20 Uhr, findet in den Wirtschaftsräumen des Gewerkschaftshauses eine wichtige Versammlung der Gewerkschaft Holz statt. Am 10. August wird Heinrich Leister, Rotlaub- strafie 16, 85 Jahre alt, und am 11. August vollendet Obertelegraphensekretär a. D. Hans Freund, Sautierstraße 27, sein 87. Lebensjahr. Von Freizeit und Freiheit Vor der Freiburger Universität thronen seit jeher zwei Metallkolosse: Aristoteles und Homer als Symbole des Geistes, der im Innern des Gebäudes herrschen soll. Zu Füßen der Bronzegestalten hocken zu jeder Tageszeit Studenten, die eine Freistunde haben, unbekümmert darum, daß Aristoteles von der Lektüre seines auf dem Schoße ausgebreiteten Skriptums abgelenkt werden oder Homer seine Leier nicht mehr spielen könnte, da ihm eine fröhliche Philologin auf dem Knie hockt und ihr Vesperbrot futtert. In bunter Reihenfolge kauern die jungen Geistbeflissenen um die beiden Alten vor der Eingangstür zum Hauptgebäude, plaudern, lachen oder lesen. Zu ihren Füßen herrscht ein -reges Kommen und Gehen; Fahrräder, Motorräder und -roller bilden einen wüsten Haufen, dessen Volumen sich ständig ändert. Auf der Straße tippeln eilfertige Hausfrauen, beladen mit vollen Taschen und Netzen, laufen ältere Herren mit abgenützten Aktenmappen unter dem Arm, schieben Lehrlinge Handkarren voller Farbtöpfe und Leitern und rasen Radfahrer mit und ohne Anhänger ihren Geschäften nach. Ab und zu wirft jemand einen empörten Blick auf die „akademischen Nichtstuer“, die da oben hocken und in die Sonne schauen, wozu man selbst als geplagte Hausfrau oder Familienvater, Lehrling oder Meister niemals die Zeit fände- Daß sowas heutzutage noch geduldet und klein, jung und alt in gleichem Maße mun- i wird! (Und irgendwo taucht eine Erinnerung an det. Man kann also nur jedem, der vollendete eine Zeit auf, in der man „von oben her“ die Zirkuskunst genießen will und die Tiere liebt, Faulen einer „nutzbringenden“ Beschäftigung empfehlen, die Parole des Schlußmarsches der ausgezeichneten Kapelle Karl Räder zu beherzigen: „Gehn wir mal zu Hagenbeck!" R. B. zuwies: in Rüstungsfabriken, Flakbatterien oder zumindest beim Arbeitsdient.) Man macht sich seine Gedanken. über die reichlich bemessenen Im Spiegel der Kritik Dresdner Mourtchor Das Oratorium „Das Lebensbuch Gottes“ von Joseph Haas (geb. 1878) nach Texten von Angelus Silesius behandelt ln drei Tellen die Menschwerdung, die Passion und die Verklärung Jesu Christi. Die Musik zeichnet die innige und tiefe Frömmigkeit der Texte mit einfachen und schlichten Mitteln nach. Joseph Haas ist ln vielem noch seinem Lehrer Max Reger verpflichtet, verwendet aber anderseits auch alte Stilelemente neben echt romantischer Lyrik und modernen Klangwirkungen. Zeigt so sein musikalischer Stil zwar keine einheitliche Prägung, so muß doch die besinnliche Heiterkeit seines Musizierens als eine durchaus personale Eigenart gesehen werden. — Das Werk Hegt ln zwei Originalfassungen vor. Der Dresdner Mozartchor unter der Leitung Werner Schildes führte die selten zu hörende Fassung für Frauenchor, Soli und Orgel auf. Der kleine Chor (16 Sängerinnen) verfügt über klare, belle Stimmen, die sich klanglich Immer sehr gut vereinigten. Die Solistinnen (Ursula Haas, Edith Greza und Waltraut Passlg), alle Mitglieder des Chores, fügten sich gerade durch ihre nicht allzu großen, aber angenehmen Stimmen besonders gut ln den Gesamtcharakter des Werkes ein. An der Orgel wirkte Dr. Wilhelm Mohr, Falkenstein (Taunus), der zwar mit dem Chor bisweilen geringfügig differierte, aber durch sein transparentes Spiel mit zu dem guten Erfolge der Aufführung beitrug. Der aus der Sowjetzone geflüchtete Dresdner Mozartchor hatte ln der Tat einen besseren Besuch verGeldbeutel, „von dene ihre“ Väter, deren Zöglinge es offenbar „nicht nötig haben“, zu arbeiten. Ein paar Straßen weiter gähnt ein frisches Loch. Städtische Arbeiter suchen eine schadhafte Stelle des Kanalisationsrohrs oder des Telefonkabels. Das Loch ist umgeben von rotweiß angestrichenen Holzgittern, damit jeder weiß: Obacht geben, Straßenarbeiten! Die Männer stehen bis zur Brust in dem Loch und schaufeln Material heraus; ihre schwitzenden Oberkörper glänzen in der Sonne. Es ist eben ein Loch, wie man es in einer Großstadt alle Tage irgendwo finden kann, noch dazu einer zerbombten. Dennoch hat es etwas unerklärlich Anziehendes. Hier staut sich die Menschenmenge und schaut in das Loch. Die Hausfrauen vergessen ihre Geschäftigkeit, die Aktenmappenmänner ihr Büro und die Gesellen ihre Handkarren; sie stehen und schauen ins Loch. Oder sie schauen dem Bagger nach, der ein paar Ecken weiter Trümmer wegräumt, um woanders Trümmer wieder aufzutürmen. Die Leute sind gefesselt; eie folgen zum hundertstenmal mit den Augen dem greifenden Maul des Baggers und finden die Trümmer, an denen sie seit fünf Jahren achtlos Vorbeigehen, ungemein interessant. Sie warten vielleicht auf sensationelle Ausgrabungen, kurzum: auf einmal haben sie alle Zeit — zum Warten, zum Schauen und zum Schwätzen. Einige Studenten, die in der viertelstündigen Pause von einer Klinik oder einem Institut in Herdern zur Universität eilen müssen, steigen fluchend vom Rad, um sich durch die Menschenansammlung hindurchzuwinden. „Die haben’s wohl nicht eilig“, sagen sie oder fluchen ein bißchen unsalonfähig. Und die Moral von der Geschieht’? Am besten kehre jeder vor seiner eigenen Tür! Teile jeder seinen Tag ein, wie er will, und lasse die anderen dasselbe tun! Freiheit ist schließlich nicht nur das Recht jedes einzelnen auf Selbstbestimmung, sondern auch die Pflicht, sie jedem an- dlent. Sollt« es hier nicht etwas am sozialen Verantwortungsgefühl gefehlt haben? —w— Aachener Madrigal-Chor — _ _ Der Aachener Madrigal-Chor unter der Leitung deren zuzubilligen. H. S. G. Hubert Harffs hat einen guten Ruf. Was wir diesmal ..... an fast sollstlsehen Feinheiten, an zart verhauchten = —, , Schlüssen und verblüffend exakter Sprechtechnik zu - rfciuurdcr vOfSuldU hören bekamen, war erstaunlich. Besonders zu er- = » wähnen wären etwa die wunderbar welche, melo-; nnnnerstae l* Amrust dische Schlußfloskel des Tenors in Hugo Distiers „Im; Donnerstag, l». Anguss _ Maien“ oder die kompakte Klanglichkeit des Echo-; British Information Centre, 30 Uhrt Chores von Orlando di Lasso. Aber die unendlich ver- z Schallplattenkonzert. strömenden Ritardandi, das breite Ausbaden süßen - Filmtheater: Casino: „Gold ln Neu-Frlsco“ — Wohlklangs, die artistische Stimmbehandlung und die ; Friedrichsbau: „Tausendundeine Nacht“ — Harmonie: «eingliedrige, oft zusammenhanglos wirkende Dyna- - „Eine Heilige unter Sünderinnen“ — Kandelhof: „Am mik ist hier zur Manier geworden, zum Schema, dass Abend auf der Heide“ — Die Kurbel: „Liebe auf Eis“ über alle musikalischen Epochen und Stile gestülpt;— Union: „Der dritte Mann" — Zentral: „Der Mann wird. Man muß seinen geschichtlich-zeitlichen Stand- ; mit der Narbe.“ ort um etliche Jahrzehnte zurückdatieren, um zum; Beispiel einer solch subjektiv-willkürlichen Wieder- = An aIlen “gen gäbe Bachscher Choräle noch einigermaßen gerecht; Meßplatz, 15.30 und 20 Uhr: Zirkus Hagenbeck. werden zu können. Bachs Choräle sind Gemeinschafts- = ASV-Stadion: Wohn-Bau-Ausstellung. und Bekenntnislieder und nicht Tummelplätze dif- = Augustinermuseum: Kostbares Kunsthand- ferenzierter Gefühle und Stimmungen. Inwieweit man = werk aus fünf Jahrhunderten. mit dieser eigentümlich schwankenden und haltlosenE Caslno-Klubräume: Kunstausstellung. musikalischen Grundeinstellung, die sich von der; Kunstverein Talstraße 12a: Kollektlvausstel- straffen Form und von den Kräften des Rhythmus = lung Otto Dlx. fast völlig losgelöst hat, einerseits die Madrigale des| Frledrtcbsbau, 2. Stock: Ausstellung großer 18. Jahrhunderts, anderseits die zeitgenössische Chor- s Meister der Malerei ln Reproduktionen, musik gültig erfassen kann, bleibt zumindest eine| British Information Centre, 15 . 17.30 offene Frage. — Daß dem Publikum offenbar allein £ und 20 Uhr (außer Mittwoch und Donnerstag, 20 Uhr): die unbestreitbaren «herrischen Qualitäten genügten,: Dokumentarfilme „Unsere Zeit“. „Das goldene Vließ“, bewies der herzliche Beifall. —w— „Jugend vor Gericht“. r Seite 6 — Nummer 95 QaslBolh Donnerstag, 10. August 1950 Emmendiflseii • Kaiserstuhl • EiztaL „Gebt uns unsere Heimat wieder]“ Eindrucksvoller He-imattag der Fiüditlinge in Emmendingen Zahlreich waren die Heimatvertriebenen des Kreises in Emmendingen zusammengekommen (selbst die Insassen des Flüchtlingsaltersheimes nahmen teil!), um in gemeinsamer Feierstunde den „Tag der Heimat“ zu begehen. „Gebt uns unsere Heimat wieder“: so forderte ein großes Transparent, das über dem Festplatz leuchtete. Mit diesem Thema beschäftigte sich auch der Redner. Studienassessor Schneider, Altsimonswald, in seiner Festansprache, die im Mittelpunkt der Veranstaltung stand. Die Heimatvertriebenen, so führte er aus, würden nicht ablassen, auf der Forderung nach Rückgabe ihrer alten Heimat zu bestehen; diese Forderung müsse Gemeingut des ganzen Volkes sein. Man müsse davon abgehen, Rechtsuchende als radikal zu bezeichnen. Die Heimatvertriebenen rückten hiervon bewußt ab und erstrebten vielmehr ein gutes Einvernehmen mit der einheimischen Bevölkerung Daß die Hoffnung nach einer Rückkehr in die alte Heimat nicht aufgegeben cjrürde, sei keinesfalls Undankbarkeit gegen die Bevölkerung in der neuen Heimat, die größtes Verständnis aufbringe für die schwierige Lage der Vertriebenen. Vielmehr könne und dürfe nicht auf gegeben werden, was durch jahrhundertelange Friedensarbeit im deutschen Osten geleistet worden sei. Die Austreibung von über 12 Millionen Menschen aus dem Osten stelle einen historischen Vorgang dar, mit dem sich die Welt eines Tages auseinandersetzen müsse. Besonders schwer würden die Heimatvertriebenen von der Arbeitslosigkeit bedrückt, die in ihren Reihen etwa zweieinhalbmal so groß sei wie bei der einheimischen Bevölkerung. Auch die Jugendnot unter den Heimatvertriebenen sei grenzenlos, wenn man bedenke, daß etwa 510 000 heimatvertriebene Jugendliche berufslos seien. Weiterhin erhob der Redner die Forderung nach einem gerechten Lastenausgleich. Hierzu jedoch sei es notwendig, daß neue Wege und Einkommensquellen geschaffen würden, da die Heimatvertriebenen nicht fordern könnten, daß das ganze übriggebliebene deutsche Volksvermögen für diesen Zweck Verwendung finden sollte. Mit einem Ruf an die einheimische Bevölkerung, das bisher ge- „Wie im Schlaraffenland . . In Strömen floß am Dienstagmorgen' die Milch in der Karl-Friedrich-Straße in Emmendingen; allerdings zu niemandes Nutzen. Das ganze war die Folge eines bedauerlichen Verkehrsunfalles. Bei der Straßenkreuzung Karl- Fnedrich-, Mundinger Straße wollte sich ein Personenauto mit Anhänger zwischen dem Pferdefuhrwerk des Milchhändlers Gerlach und einem Langholzfahrzeug durchzwängen. Da der Zwischenraum zu eng war, wurde das Pferdgespann gestreift; das Pferd scheute, riß die Deichsel ab und der Wagen kippte um. Etwa 300 Liter Milch und sonstige Molkereiprodukte gingen so verloren. Die Schuld an dem Unfall trägt der rücklichtslose Kraftfahrer des Personenautos. zeigte Verständnis auch weiterhin zu behalten, schloß der Redner seine Festansprache. Landrat Oswald versprach, daß auch in Zukunft von den verantwortlichen Amtsstellen alles getan werde, was möglich sei, um die neue Heimat zu einem guten Ersatz für das Verlorene werden zu lassen. Herzliche Begrüßungsworte fand auch Bürgermeisterstellvertreter Görner, Emmendingen. Den äußeren Rahmen der Nachmittagsveranstaltung gab die Stadtmusik Emmendingen. Mit eindrucksvollen Gedenkgottes- dieristen — in der evangelischen Stadtkirche predigte Pfarrer Birkholz, der selbst Heimatvertriebener ist — hatte der „Tag der Heimat“ seinen Auftakt genommen. Ein lebensfroher Ausklang war nicht nur ein Zugeständnis an die Jugend. Auf dem Weg nach Rom erregte dieser Tage ein Reitersmann in Emmendingen einiges Aufsehen, als er sich auf dem Landratsamt die Durchreise bescheinigen ließ. Von Wien kommend, war er bereits über zwei Monate unterwegs mit seinem Pferd — einem edlen Araber —, auf dessen Rücken er bis zum Monatsende über Freiburg—Bodensee- Brenner nach Rom gelangen wollte. Täglich legte er etwa 40—50 Kilometer zurück. Befragt über den Zweck dieser seltsamen Pilgerreise, erklärte der bereits 71jährige quicklebendige Wiener, daß der eigentliche Reisegrund eine Wette über 20 000 Schilling sei. die er bei seiner gesunden Rückkehr in der österreichischen Metropole in Empfang nehmen könne. Was es nicht alles gibt ... Warnung vor Spätschorf Nach einer Mitteilung der Kreisobstbauinspektion ist durch die anhaltend feuchte Witterung der Ie'zten Tage mit der Bildung von | Spätschorf an Obstbäumen zu rechnen. Es wird daher eine sofortige Spätschorfspritzung empfohlen. Bei der Auswahl der Spritzmittel ist aber besonders auf kupfer- oder schwefelemp- : findliche Sorten zu achten, da die derzeitige Marktlage nur den Absatz wirklich guter Qualitätserzeugnisse gestatte! Teningen. Ihren 74. Geburtstag feierte, am 8. August in guter Rüstigkeit Frau Kreszentia Vogel, Schillerstraße 31. Wir gratulieren. Heimbach. In der Schreinerei Rieder war am vergangenen Samstag ein Brand ausgebrochen. Da das Feuer rechtzeitig bemerkt wurde, konnte es bereits im Entstehen eingedämmt werden. Die Brandursache ist auf ausströmende Hit^e aus dem in der Werkstatt aufgestellten Trok- kenofen zurückzuführen. Notizen aus Kenzingen Der vor kurzem begonnene Neubau von sechs Wohnbaracken ist soweit fertiggestellt, daß diese in den nächsten Tage bezogen werden können. — Auch die Bautätigkeit an den ersten großen Siedlungshäusern macht gute Fortschritte. In etwa drei Wochen werden die ersten Rohbauten stehen. — In wenigen Tagen sollen auch die kleinen Siedlungshäuser in Angriff genommen werden. Ein Teil der Siedler hat bereits mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen. — Der bisher als vermißt gemeldete Bäk- ker Erwin Meier aus der Kapellenstraße ist nach einer Mitteilung der Vermißtenzentrale in Berlin gefallen. — Für die am 13. September stattfindende Volkszählung werden von der Stadtverwaltung noch einige Zähler gesucht, denen während der Zeit ihrer Tätigkeit entgangener Arbeitsverdienst und andere Auslagen ersetzt werden. Meldungen werden auf dem Rathaus entgegengenommen. Seniorchef Franz Neusch, ist im Alter von nahezu 76 Jahren gestorben. Der Tote, der sich wegen seines freundlichen und hilfsbereiten Wesens viele Freunde erworben hatte, war vor allem auch bei seinen Arbeitern und Angestellten außerordentlich beliebt. 50 Jahre VolkscKor „Liederkranz“ Trotz des schönen Sommerwetters, des Schauinslandrennens und anderer Veranstaltungen wies die Halbjahresversammlung des Volkschor „Liederkranz“ Emmendingen einen guten Besuch auf. Vorstand Gg. Görner, der nach längerer Krankheit wieder die Leitung des Vereins übernommen hatte, gab nach Eröffnung mit dem „Sängerspruch“ einen umfassenden Überblick über das verflossene halbe Jahr Seit geräumer Zeit sei der richtige Geist wieder in den Volkschor eingekehrt, so führte er u. a. aus. Mit Befriedigung habe er feststellen können, daß der Verein nunmehr in einer steten Aufwärtsentwicklung begriffen sei; nicht nur in der Leistung des Chores, auch die Mitgliederzahl habe sich bedeutend erhöht. Die Versammlung beschloß einstimmig die feste Anstellung von Hauptlehrer Robert Schneider als Chorleiter. Weiterhin wurde festgelegt, Anfang September eine kleinere Schwarzwaldfahrt (über Triberg—Schönwald—Simonswäldertal) zu unternehmen. Die Mitglieder können sich ab sofort in die Teilnehmerliste ein- Von Urahne, Großmutter, Mutter und Kind Ausstellung des Museumsgutes zum 650jährigen Jubiläum Waldkirchs Das Städtische Heimatmuseum will unter Verwendung des noch vorhandenen Museumsgutes die vom Stadtrat beschlossene Ausstellung anläßlich des 650jährigen Jubiläums der Stadtrechtsverleihung durchführen. Direktor i. R. H. Fischer gab bei dieser Gelegenheit eine Übersicht über die Schicksale der ihm bei der Gründung anvertrauten Kulturgüter. Während der Kriegs- und Besatzungszeit seien an den unter großen Opfern gesammelten Gegenständen durch Plünderung oder mutwillige Zerstörung beträchtliche Schäden entstanden. Die Lücken sollen so gut wie möglich wieder geschlossen werden. Dem Bürgermeister wurde die Bitte vorgetragen, für eine würdige Unterbringung des Museumsgutes Sorge zu tragen. Kleiner Grenzverkehr mit der Schweiz Seit dem 1. August sind auch der Landkreis und die Stadt Freiburg in den kleinen Grenzverkehr mit der Schweiz einbezogen worden. Zur Schweizer Zone des kleinen Grenzverkehrs gehören die Kantone Basel-Stadt, Basel-Land, Thurgau, Schaffhausen, Solothurn (mit Ausnahme der Bezirke Solothurn, Lebern, Bucheggberg, Kriegstetten), Aargau (mit Ausnahme des Bezirkes Muri), die Bezirke Wil, untertoggenburg, Gossau, St. Gallen, Borschach, Unterrheintal des Kantons St. Gallen, die Bezirke Diesldorf, Btilach, Andelfingen, Winterthur des Kantons Zürich. Anträge für die in Freiburg-Stadt mindestens sechs Monate polizeilich gemeldeten Personen auf Ausstellung der Grenzkarten und Tagesscheine sind bei den Meldestellen der Polizeireviere unter Vorlage des gültigen Personalausweises (Kennkarte, vorläufiger Beiseausweis, bei Kindern unter 15 Jahren Geburtsurkunde) zu stellen. Für Grenzkarten ist noch ein Lichtbild beizufügen (Größe 4X5,5 cm). Die nötigen Formulare sind ebenfalls bei den Polizeirevieren erhältlich. Nach Abschluß der erforderlichen Feststellungen durch die französischen und schweizerischen Dienststellen erfolgt die Ausstellung und Zusendung durch das Freiburger Paßamt, Hildastraße 2. Guter Obstertrag Der Obstertrag in den Marchgemeinden Hugstetten, Buchheim und Neuershausen reicht zwar nicht an die Rekordobsternte vor zwei Jahren heran, ist aber dennoch recht gut Die Getreidekömer dagegen sind im Wachstum vielfach etwas zurückgeblieben. Besonders gut stehen die mit Hackfrüchten bebauten Äcker, und ganz hervorragend hat sich das Wachstum auf den Tabakfeldem entwickelt. Man wird schon demnächst mit der Ernte der Tabakgrum- pen beginnen. Buchheim. Die Witwe Anna Gamer geh. Ha- cher, wurde 71, Frau Verona Winterhaider geb Hank 76 Jahre alt. Ihren 82. Geburtstag feierte die noch sehr rüstige Frau Maria Blasie geb Gaymann. Altbaden oder Südweststaat Zu diesem Thema spricht in Waldkirch am 11. August der Bundestagsabgeordnete Freudenberg, Weinheim, von der Vereinigung Südwest für Südbaden in einer öffentlichen Versammlung in Waldkirch. Die Veranstaltung, zu der die gesamte Bevölkerung eingeladen ist, findet um 20.30 Uhr im Saal des Gasthauses „Zum Hirschen“ statt. Der Eintritt ist frei. Im Anschluß an das Referat ist eine Aussprache vorgesehen. Im Hinblick auf das große Interesse, das die Diskussionen auch in unserer Stadt gefunden haben, kann mit einem großen Besuch der Versammlung gerechnet werden. Trotz schwerer Verletzungen Am Schauinslandrennen nahm in der Klasse der kleinen Wagen bis 750 ccm auch der bekannte Waldkircher Rennfahrer Friedr. Klipfel wieder teil. Leider hatte er sich im vorangegangenen Training erheblich verletzt, so daß er mit einigen gebrochenen Rippen an den Start ging. Es spricht für eine ungeheuere WillenHeis+ung, daß er sich trotz dieser mißlichen Umstände noch recht gut placieren konnte. Ein Lob der Knabenmusik Mit selbst gesparten und erspielten Pfennigen batte die Knabenmusik in der vergangenen Woche eine Omnibusfahrt an den Bodensee unternommen und bei der Gelegenheit zwei Konzerte gegeben. In Singen war sie von der Direktion der Maggi-Werke mit offenen Armen empfangen worden. Während der Mittagspause spielte sie dort vor über 2000 Werkangehörigen und verbuchte den ersten musikalischen Erfolg der kleinen Reise. Den Höhepunkt in dieser Hinsicht brachte das vor einem verwöhnten Publikum im Pavillon am See in Konstanz gegebene Konzert. Ein jetzt eingetroffenes Schreiben des Verkehrsamtes Konstanz an die Stadtverwaltung Waldkirch unterstricht das imponierende Können der jungen Schüler und beglückwünscht die Stadt Waldkirch zu solchen Musikschülern, deren Auftreten in Konstanz sich zu einer eindrucksvollen Werbung für ihre Heimatstadt gestaltet hat. Kneippverein Waldkirch Heute, 20 Uhr, findet eine Gymnastikstunde m Luftbad (Stadtrain) mit anschließenden Kneipp-Anwendungen in der Anstalt statt. Gutach. In diesen Tagen konnten Andreas Burger den 87. und Heinrich Beck den 72. Ge- bur stag feiern. Den Jubilaren unsere herzlichsten Glückwünsche. tragen, die in der Geschäftsstelle „Das Volk“, Blum, Lammstraße, aufliegt. Der Volkschor wird im Spätjahr, voraussichtlich Anfang November mit einem Herbstkonzert wieder an die Öffentlichkeit treten. Das Programm soll unter dem Motto „Lied der Arbeit“ stehen. Im kommenden Jahr kann der Verein auf das 50jäh- rige Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlaß soll zu diesem Zeitpunkt eine in würdigem Rahmen gehaltene Jubiläumsfeier veranstaltet werden. Bei Beratung dieser Angelegenheit begrüßte Vorstand Görner ganz besonders das Ehrenmitglied Max Christoph, Bechererstraße, der als einziges Gründungsmitglied noch dem Verein angehört. Die nächste Probe des Männerchors findet am 29. August, für den Frauenchor am 30. August statt; für den Kinderchor erst nach den Ferien. Die bisher besfe Leistung Die ausführliche Kritik des Preisgerichts über die Bewertung der Stadtmusik beim Wertungsspiel in Eichstetten, die nunmehr vorliegt, zeigt einen schönen Erfolg. Der Stadtmueik Emmendingen wurde in der Oberstufe von allen am Musikfest teilnehmenden Kapellen die beste Leistung mit der weitaus höchst«! Punktzahl zuerkannt. Dies wird den Musikern ein Ansporn für noch bessere Leistungen sein. Die Stadt und ihre Einwohnerschaft kann stolz sein auf die Erfolge ihrer Musikkapelle. Am 13. August veranstaltet die Stadtmusik ein weiteres Abendkonzert in den städtischen Anlagen. Die Vereinsleitung gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Bevölkerung durch zahlreichen Besuch ihr Interesse bekunden und den Verein durch eine passive Mitgliedschaft unterstützen möge. Fmmendinger Stadtnachrichten Folgende hochbetagten Einwohner feiern Geburts- am 10. August: Karolina Mann Witwe, Hocn- burger Straße 30, den 76.; Lina Stahl Witwe geb. Kittel, Karl - Friedrich - Straße 31, den 75., Adam Scheer, Neustr. 34, den 74., am 11. August: Philippine Bruder Witwe, Nelkenweg 5, den 74., und Schreinermeister Franz Buff, Neustraße 11. den 74. Herzlichen Glückwunsch! Heute, 17 Uhr, feiert die Siedlungsgenossenschaft .Neue Heimat“ auf dem „Bürkle“ das Richtfest für die 13 im Entstehen begriffenen Siedlungshäuser. Am 11. August, x8 Uhr, findet im „Rebstode“ eine Versammlung der Industriegewerkschaft „Schuh und Leder“ statt, wozu alle Mitglieder eingeladen werden. Die Faustballmannschaft des TB Emmendingen erkämpfte sich bei den südbadischen Landesmeisterschaften in St. Georgen i. Schw., an denen 33 Mannschaften teilnahmen, den zweiten Platz. Der TB Emmendingen, der sich in der Klasse II (40—50 Jahre) in den Ausscheidungskämpfen in Emmendingen und Lahr jeweils den ersten Platz holen konnte, mußte sich in St. Georgen dem TB Offenburg beugen. Bei den Meisterschaftskämpfen entwickelten sich unter den einzelnen Gausiegermannschaften spannende Kämpfe. Das Faustballspiel zieht immer mehr Sportfreunde an. Die Abteilung des TB Emmendingen ruft alle interessierten Sportler und Sportlerinnen auf, sich zu den Ubungsstunden einzufinden. Bei der Papierfabrik Sonntag ereignete sich dieser Tage in den frühen Morgenstunden ein Verkehrsunfall, der leicht schlimmere Folgen hätte haben können. Ein aus Richtung Karlsruhe kommender Volkswagen, der zum Ausweichen gezwungen wurde, da ein entgegenkommendes Personenauto auf der regennassen Straße ins Schleudern gekommen war, kam, trotzdem er normale Geschwindigkeit hatte, ebenfalls ins Rutschen. Es gelang dem Fahrer nicht, den Wagen zu halten. Beim Versuch zu bremsen, drehte sich das Fahrzeug und stürzte vor der Brücke in den Gewerbekanal. Glücklicherweise blieb der Fahrer unverletzt. Die zuständige Versicherungsgesellschaft ließ den Wagen durch die Freiburger Feuerwehr bergen. * Das Zentral-Theater spielt von Freitag bis Montag den Film „Sträfling 3332“, vom 15. bis 17. August lauft der große Aufklärungsfilm „Schleichendes Gift . Das Südweststaatkomitee lädt am 12. August, um 20.15 Uhr, zu einer Versammlung in den „Löwensaal ein. Es spricht Univ.-Frof. Dr. Metz, Freiburg, zum Thema „Unhaltbare Ländergrenzen im Südwestenr. Anschließend freie Aussprache. Eintritt frei. SPD Kenzingen Zu der am Sonntag, 13. August, 20 Uhr, im Gasthaus „Scheidel“ stattfindenden Mitgliederversammlung werden die Genossen herzlich eingeladen. Ihringen. In einer Bürgerversammluns erörterte Bürgermeister Wörne u. a. das Problem des hiesigen Obstmarktes. In Anbetracht der bevorstehenden Ernten sei es höchste Zeit, die Mängel, wie sie während der Kirschenzeit aufgetreten sind, zu beseitigen. Vor allem müsse man sich darüber klar werden, ob man sich für die Sammelstelle mit dem Anschluß an Oberrotweil, oder für einen eigenen Markt entscheiden wolle. Es gehe nicht an, daß sich jeder einen eigenen Markt aufmacke. Hier wird von den Erzeugern strikte Disziplin erwartet. Wenn auch die Qualität der Kirschen durch die schlechte Witterung stark beeinträchtigt wurde, so habe man doch ein- sehen müssen, zu welchen Folgen dieses Markt- gebahren führe. Diese Ansicht wurde von den Landwirten gebilligt und der Anschluß an Oberrotweil einstimmig befürwortet. Geschäftsführer Galli sprach über seine Erfahrungen, die er während seiner Tätigkeit in Oberrotweil bereits gemacht hat. Es müsse, so führte der Redner aus, die Ware einwandfrei, sortiert und in tadellosen Körben angeliefert werden. Nur so könne man einen anständigen Preis und einen reibungslosen Absatz erwarten. Bahlingen. Am kommenden Wochenende feiert der Gesangverein „Kaiserstuhl“ sein 25jähriges Bestehen. Am Samstag nimmt das Fest mit einem Fackelzug und einem anschließenden Festbankett unter Mitwirkung der Musikkapelle seinen Aufakt. Das Hauplprogramm wickelt sich am Sonntag ab. Zahlreiche Gesangvereine der Umgebung, darunter auch die Sängerrunde Höchberg, Emmendingen, haben ihre Mitwirkung zugesagt. Das Fest verspricht einen schönen Erfolg. Sasbach. In guter Rüstigkeit feierte dieser Tage Heinrich Offenburger seinen 85. Geburtstag. Gleichfalls das 85. Wiegenfest beging am 31. Juli Karl Sitter. Der Musikverein krackte seinem ältesten Mitglied ein Ständchen und übermittelte die Glückwünsche des Vereins. Wir gratulieren! Arbeitsmarktlage ziemlich konstant Aus dem Monatsbericht des Arbeitsamtes Emmendingen Die Zahlen der Arbeitslosen im Bezirk Emmendingen sind im Monat Juli infolge der laufenden Flüchtlingstransporte nicht weiter abgesunken, wie dies im Vormonat der Fall war. Bei der Nebenstelle Emmendingen ist die Zahl der arbeitsuchenden Männer auf 238 (im Vormonat 233) und die der Frauen auf 44 (40 im Juni) angestiegen; bei der Nebenstelle Wald- kird* wurden am Monatsende 185 arbeitslose Männer, sowie 101 arbeitslose Frauen registriert. Dies bedeutet ebenfalls eine kleine Erhöhung. Von den im Berichtsmonat eingetroffenen 277 Flüchtlingen aus Schleswig-Holstein kamen insgesamt 97 (davon 22 arbeitseinsatzfähig) in den Bezirk der Nebenstelle Waldkirch. Die Nebenstelle Emmendingen übernahm 44 Männer und 13 Frauen. Hiervon konnten bereits 13 Männer und 11 Frauen Arbeitsplätze vermittelt werden. Der gegen Ende des Monats eingetroffene Flüchtlingstransport aus Bayern mit 115 Personen befindet sich noch größtenteils im Lager, da die Unterbringung in den einzelnen Gemeinden Schwierigkeiten bereitete. Die Getreideernte wurde im gesamten Kreisgebiet ohne Schwierigkeiten eingebracht. Die Anforderungen nach Knechten und Mägden haben sich nicht erhöht. Eine kleine Anzahl von Ver- freulicherweise gebessert. Ein Großbetrieb konnte wieder zur Vollbeschäftigung übergehen. Die Textilindustrie des Elztales blieb weiterhin aufnahmefähig, auch die Tabakindustrie sucht weibliche Arbeitskräfte. Die Beschäftigungslage in der Metallindustrie war im Berichtsmonat gut; 25 männliche und 19 weibliche Arbeitskräfte wurden zugewiesen. Darüber hinaus meldet die Nebenstelle Emmendingen noch zwei offene Stellen für Männer und 30 für Frauen. Infolge des weiteren Ausbaues zweier Betriebe wurden auch die Belegschaften weiter erhöht Teilweise war auch in der Sägeindustrie eine leichte Besserung zu verspüren. Die gute Beschäftigungslage in der Papierindustrie hielt auch weiterhin an. Insgesamt konnten 26 weibliche und 8 männliche Arbeitskräfte in diesen Industriezweig vermittelt werden; offene Stellen sind noch 40 gemeldet (37 für Männer und 3 für Frauen). Die Bautätigkeit, insbesondere im Stadtgebiet Emmendingen, hat im Berichtsmonat erheblich zugenommen; 25 Arbeitskräfte konnten zugewiesen werden. Das Baugewerbe meldet zum Monatsende noch 3 offene Stellen, das Handels- und Verkehrswesen noch 2 offene Stellen für Frauen und eine für Männer. Im Gaststättengewerbe macht sich ähnlich wie in der Landwirtschaft ein mittlungen in die Landwirtschaft konnte wäh- i Mangel an weiblichen Arbeitskräften bemerk- rend des Monats Juli erfolgen. Die nunmehr I bar. Lediglich eine Arbeitskraft konnte im Be- nock in der Landwirtschaft gemeldeten offenen 1 z' r k der Nebenstelle Emmendingen zugewiesen Stellen konnten trotz allen Bemühungen nicht \ den, während noch 17 Stellen nicht besetzt besetzt werden, da kaum Arbeitskräfte gefun- j v. ~ den konnten. Im Haushalt sind noch 40 den werden, die in der Landwirtschaft arbeiten ' offene Stellen gemeldet. Bei der Besatzungswollen. Von den Flüchtlingen wird oft angege- j macht wurden 18 männliche Arbeitskräfte ein- ben, daß sie in Fabrikbetrieben tätig sein wol- ] gestellt. Zusammenfassend kann gesagt werden, len, um die Möglichkeit zu haben, mehr Geld daß die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Monat verdienen und sich Anschaffungen machen zu können. Juli ziemlich konstant blieb und sich trotz der laufend eingetroffenen Flüchtlingstransporte i In der Textilindustrie hat sich die Lage er- nicht wesentlich verschlechtert hat Donnerstag, 10. August 1990 Nummer 95 — Seit* T Stadt and Laadkrais Lahr Wieder zwei Fußball vereine in Lahr Nichts blüht in Lahr so sehr wie das Vereinslaben. Vermutlich ist das auch ln anderen Städten so, fühlt sich doch bekanntlich im allgemeinen der Deutsche nicht wohl, wenn er nicht ein Abreichen an seinem Rockaufschlag tragen kann. Da man mit dem Parteiabzeichen üble Erfahrungen gemacht hat, hält man sich an die politisch neutralen Vereine. Vom Verein der Schäferhunde über die sieben Gesangvereine bis zum Chauffeurverein, der sich am Samstag konstituiert hat, ist in Lahr wieder alles vertreten. So konnte es nicht ausbleiben, daß auch die „Spielvereinigung“ wieder ins Leben gerufen wurde, obwohl zu bezweifeln ist, ob die Verzettelung der Kräfte dem Fußballspart von Nutzen sein wird. Geht es doch um den Vereinsgedanken, und da müssen alle Bedenken weichen. Die Tradition muß hochgehalten werden, auch nenn es eine so unselige Tradition ist, wie die deutsche Vereinsmeierei. Die Frage zu entscheiden, ob eine Notwendigkeit zur Gründung eines zweiten Fußballvereins bestanden hat, überlassen wir den Sportlern. Uns geht es um die Feststellung, daß das Vereinswesen wieder zum Vereinsunwesen aus- Dingllngen beschafft sich ein Glockengeläut« Nachdem vor Monaten durch eine Sammlung, ein Kirchenkonzert und ein Basar ein großer Betrag zusammengebracht wurde, konnten drei Glocken für die evang. Kirche bestellt werden.. Um eine baldige Lieferung zu erreichen (man rechnet mit dem Erntedankfest als Glockenweihe), findet dieser Tage nochmals eine Haussammlung statt, deren Ergebnis die restliche Bezahlung des Geläutes erbringen soll. zuarten droht. Jeder der sieben in Lahr bestehenden Gesangvereine verkündet die Pflege des deutschen Liedes als sein höchstes Ziel. Ließe sich dieses Ziel nicht leichter und besser erreichen mit drei oder vier Gesangvereinen? Allerdings gäbe es dann einige Vorständspöst- chen weniger. Oder was hinderte die künftigen Spieler der neugegründeten „Spielvereinigung“ daran, ihren Sport beim bereits bestehenden LFV zu betreiben? Man sagt: jedem Tierchen sein Pläsierchen. Und jedem Deutschen seinen eigenen Verein. Von Dieben und Betrügern Im Sulzer Schwimmbad wurden dieser Tage zwei Geldbeutel mit Inhalt entwendet, aus zwei anderen Geldbeuteln wurde der Inhalt entnommen. — Weil er im Verdacht steht, einen Beamten des Badischen Kultus- und Unterrichtsministeriums bestochen zu haben, wurde ein 40jähriger Geschäftsführer vorläufig festgenommen. — Ein Autoschlosser übernachtete kürzlich bei einer hiesigen Familie. Jetzt zeigte er an, daß ihm dort die Brieftasche mit 60 DM Inhalt abhanden gekommen sei. — Ein Textilkaufmann, 40 Jahre alt und verheiratet, hat von einer Handelsvertreterin Waren im Werte von 2500 DM gekauft und ihr dafür zwei ungedeckte Schecks ausgehändigt. Bis auf 900 DM konnte der Schaden durch Rückgabe der Waren wieder gutgemacht werden. Die Ziegenzüchter rüsten sich zum Markt in Lahr-Dingllngen Wie alljährlich veranstaltet auch heuer am 14. August der Badische Landesziegenverband den Zuchtziegen- und Bockmarkt Zu dessen Vorbereitung waren die Züchter am Sonntagnachmittag in der „Linde“ zu einer Besprechung versammelt Der Vorsitzende Fritz Schaub gab die Richtlinien bekannt und forderte zu pünktlichem Auftrieb der Tiere auf das Zuchtviehmarktgelände auf. Sämtliche Böcke müssen am kommenden Samstag, 19 Uhr, beim Farrenstall zur Verwiegung bereitstehen. Der Markt ist der letzte dieser Art in diesem Jahr, nachdem in Haltingen, Radolfzell und Donaueschingen bereits Märkte stattgefunden haben. Die Gemeinden und privaten Interessenten werden gut tun, sich in Lahr-Dinglingen mit Vatertieren einzudecken, zumal dieser Markt eine große Zahl aufgetriebener Zuchttiere und damit eine große Auswahl garantiert Max-Plan dc-Gymnasium Lahr Die Reifeprüfung bestanden: Renate Belker, Hee Danzelsen, Renate Dörflinger, Ernst Flüge, Karl-Heinz Gebert, Friedhelm Hack, Eberhard Kleiber, Wolfgang Kleiber, Liese Leber, Hannemarie Schauenburg, Rudi Schllli, Karl Schwendemann, Wolfgang Sutter. _ Den Scheffelpreis erhielten: Ilse Danzelsen. Den Sehlllerprels: Liese Leber. Den Keplerpreis: Liese Leber, und den Preis der Kreisdelegation: Renate Dörflinger. Zur Boxveranstaltung am 12. August in Lehr Die Lahrer Boxsportanhänger sollten es sich nicht nehmen lassen, am 12. August 1959 ln der Stadthalle den interessanten Kämpfen um die südbadische Meisterscheut beizuwohnen. Es steht heute schon fest, daß ln jeder Gewichtsklasse eine Paarung stattfindet, doch können die Namen der betreffenden Kämpfer erst Im nächsten Bericht dem Sportpubllkum zur Kenntnis gebracht werden. Auf alle Fälle werden von der Lahrer Boxstaffel die bekannten Kämpfer Wiegert, Skazel, Schilllnger und Heftiger sich mit starken Gegnern zu messen haben. Das Lahrer Sportpublikum wird sicherlich die Bemühungen der Boxstaffel Blau-Weiß am 12. August unterstützen und recht zahlreich zu der Veranstaltung erscheinen, so daß der Boxstaffel Lahr und dem Amateurboxverband ein voller Erfolg beschieden sein dürfte. DCiilnbaeb. in beneidenswerter körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische konnte unser Mitbürger Anton Grimm, am Oberen Rain, am Montag, 7. August, seinen 80. Geburtstag begehen. Der Jubilar erfreut sich allgemeiner Beliebtheit und Wertschätzung. Nachträglich wünschen wir ihm zu seinem Wiegenfest alles Gute. Möge ihm noch ein glücklicher, gesunder Lebensabend beschieden sein. Die Standesbücher verzeichnen für den Monat Juli folgende Eintragungen: Trauungen! Landwirt Hermann Zehnle und Genovefa Singier, Ortsteil Durenbach. Sterbefälle: Franziska Krieger. Sägewerksbesitzer Singler konnte dieser Tage das Richtfest seines neuen Wohnhauses abhalten. In den nächsten Tagen wird mit dem Bau der neuen Werkstätte von Schreinermeister Hermann Kopf begonnen werden. Des Wohnhaus des Kaufmanns Josef Billharz soll noch im Laufe des Spätjahres erstellt werden. Mit dem Bau der Kinderschule und dem Wohnhaus des Anton Wölfle wird ebenfalls noch in diesem Jahre begonnen. Der Musikverein wird sich am kommenden Sonntag an dem 50jährigen Stiftungsfest des Musikvereins Schuttertal beteiligen. Der Sportverein wird an der Platzeinweihung des Sportvereins Münchweier teilnehmen. Aus Rache den Heuwagen angezündet Ulm bei Oberkirch. In der Nacht zum Montag steckte ein hiesiger Bürger den Heuwagen eines Landwirts in Brand, mit dem er in Streit lebte. Der Täter wurde festgenommen. Ortenauer Sängerbund Das Präsidium des Ortenauer Sängerbundes hat beschlossen, den Gautag 1950 in der Stadt Lahr abzuhalten. Die Vereine erhalten noch nähere Einzelheiten mitgeteilt > Amtliche Bekanntmachungen Marktordnung der Stadt Eizach Unter Aufhebung der Marktordnung vom 24. November 1930 wird mit Zustimmung des Stadtrates und nach Vollziehbarkeitserklärung des Badischen Ministerium« des Innern auf Grund des 8 09 der Gewerbeordnung und des 8 H2 der Vollzugsverordnung zur Gewerbeordnung für die Abhaltung von Vieh-, Schweine-, Tauben- und Jahrmärkte (Krämermärkte) folgende ortspolizaiHche Vorschrift erlassen: 8 1. Das gesamte Marktwesen der Stadt Elzach untersteht dem Bürgermeisteramt, das das nötig« Hilfspersonal stellt. 8 2. Die Märkte finden statt: am dritten Montag im Februar: Vieh- und Schweinemarkt am dritten Montag im April: Vieh- und Schweinemarkt am dritten Montag lm Mai: Vieh-, Schweine- und Krämermarkt am dritten Montag im Juli: Vieh- und Schweinemarkt am dritten Montag im September: Vieh-, Schweine- und Krämermarkt am letzten Montag im Oktober: Vieh- u. Schweinemarkt am 8. Dezember: Krämer- und Taubenmarkt. Weitere Taubenmärkte finden statt am ersten und dritten Sonntag im Oktober und November sowie am ersten und dritten Sonntag im Januar. 8 3. Die Viehmärkte im Sommer beginnen vormittags 7.30 Uhr (Mal bis September), die lm Winter (Oktober bis April) um 8 Uhr und endigen um 13 Uhr nachmittags. Die Jahr- und Taubenmärkte beginnen um 8 Uhr vormittags und endigen um 18 Uhr nachmittag«. 8 4. Als Viehmarktplatz Ist der Wörth, als Schweinemarktplatz der Bärenplatz bestimmt. Für die Krämermärkte Ist der Nikolausplatz sowie die rechte Seite der Hauptstraße vorgesehen. Die Taubenmärkte finden im Nebengebäude des Gasthauses zur Krone statt. Zugangsstraße für den Viehmarkt ist die Friedhofstraße, für den Schweinemarkt die Hauptstraße. Außerhalb der Marktzeit ist der Handel mit Vieh, Schweinen, insbesondere der Vor- und Nachverkauf auf den Marktplätzen verboten. 8 5. Die auf den Markt verbrachten Tiere dürfen erst nach erfolgter tierärztlicher Untersuchung fellgeboten und verkauft werden. I 8. Als Standgeld der auf den Markt verbrachten Tiere wird für 1 Stüde Großvieh 50 Pfennig für 1 Schwein 20 Pfennig erhoben. Für Tauben wird kein Standgeld verlangt. 8 7. Die Ordnung auf den Märkten haben die vom Bürgermeisteramt bestellten Aufseher aufrecht zu erhalten. Den von Ihnen lm Interesse der Ordnung, Sicherheit und Bequemlichkeit das Marktverkehrs sowie verkehrstechnisch getroffenen Anordnungen muß von den Marktbesuchem Folge geleistet werden. I 8. Das Standgeld für die Verkäufer auf dam Krämermarkt beträgt: für die stadteigenen Stände (mit und ohne Vorrichtung für eine Bedachung) pro laufend Meter 1 .W DM, für die eigenen Stände der Verkäufer bzw. für die Platzinanspruchnahme pro laufend Meter 1 DM. 8 *• Zugelassen werden zu den Krämermärkten nur solche Verkäufer, die sich 14 Tage vor dem Markttermin anmelden und eine Platzzusage erhalten, sowie die auf der Platzzusage vermerkten Gebühren mit Porto vorher an die Stadtkasse einsenden. I II. Die Veranstalter von Glücksspielen werden nur dann zugelassen, wenn deren Wandergewerbescheine für den Kiels Emmendingen ausgestellt sind oder auf diesen ausgedehnt wurden. Die Voranmeldung und die Vorauszahlung der standgebühr, wie auch eines bereits lm voraus bestimmten Pauschalbetrages für die Vergnügungssteuer Ist auch für die Veranstaltung von Glücksspielen erforderlich. Der Verkauf von Feuerwerkskörpom, Knallerbse» und ähnlichen Artikeln ist verboten. | U. Zuwiderhandlungen gegen diese Marktordnung werden nach Ziffer 6 des 8 148 der Gewerbeordnung mit Geldstrafen bis zu 158 DM lm Falle der Unbeibrlngllchkeit mit Haft bi* zu 8 Tagen bestraft. Vorstehende Marktordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung ln Kraft. Elzach, den 10. März 1950 Der Bürgermeister Stromabschaltung Wegen dringender Arbeiten im Hochspannungsnetz wird am Sonntag, dem 13. August 1950, in folgenden Ortschaften von 8 bis 17 Uhr der Strom abgeschaltet: Wittental, Zarten, Stegen, Eschbach, St. Peter (Kandel, Lindenberg), Burg, Ibental, Büchenbach-Wiesneck, Wagensteig, Zwertsberg (St. Märgen), Falkensteig, Kirchzarten (östlich der Bahnlinie). Freiburg 1. Br., den 0. August 1050 Städtisches Elektrizitätswerk Freikurf L Br. Freiburg lm Breisgau, bis 14. August 1950, von 9 bis 20 Uhr: Wohn-Bau-Ausstellung mit einer Mustersiedlung und Gewerbeschau auf dem A.S.V.-Jahn-Stadion, Schwarz.walds‘raße Montag und Mittwoch verbilligte Volkstage mit halben Eintrittspreisen mit der Straßenbahn Linie 4 bis Wohn-Bau-Ausstellung Einmal zum Bärenwirt in der T Wohn - Bau -RussteUung im Zelt und im Freien — Eintritt frell 'Roiraui Conrad 'Dieter Qui