BRdCHSALER POST HEIMATBLATT FÜR KRAIGHGAU UND BRÜH RAIN Jahrgang 2 - Nr. 2 Dienstag, den 3. Januar 1950 Einzelpreis 15 Pfennig Japans Recht auf militärische Verteidigung Eine vielbeachtete Erklärung des amerikanischen Generals Mc Arthur Washington (DND). Die Chefs des Ge« neralstabs der Vereinigten Staaten besuchen nach einer offiziellen Mitteilung Anfang Februar Hawai. Im Rahmen dieser Reise sind auch Besuche der Insel Formosa sowie der Philippinen vorgesehen. In politischen Kreisen des Fernen Ostens wird die Äußerung von General Mc Arthur in seiner Neujahrsbotschaft an das japanische Volk besonders beachtet,. wonach Japan das „unveräußerliche Recht“ habe, sich gegen ■jeden nicht provozierten Angriff militärisch zu verteidigen, obgleich die Aufhebung der japanischen Wehrmacht in der Verfassung ausgesprochen wird. Es sei, so wird erklärt, zum ersten Mal, daß General Mc Arthur öffentlich dieses Problem der japanischen Zukunft berührt habe. Man frage sich, ob diese Erklärung nicht dazu bestimmt sei, nach der Unterzeichnung des Friedens mit Japan zu einer japanisch-amerikanischen Allianz ohne Beteiligung Sowjetrußlands und des kommunistischen China zu gelangen. gen Washington manchmal zur Verzweiflung gebracht haben mögen, so sind sie doch unendlich viel stabiler und zuverlässiger als es die sogenannten demokratischen Regime in China und Japan sind. Es ist höchstens zweifelhaft, ob eine andere amerikanische Regierung oder eine andere amerikanische Politik unter diesen Umständen mehr Erfolg gehabt hätte. Es ist jedoch etwas beunruhigend — nachdem diese Politik gescheitert und nachdem der Zeitpunkt gekommen ist, daß die Westmächte ihre gesamte Politik im Femen Osten einer erneuten Prüfung unterziehen müssen — feststellen zu müssen, daß die Vereinigten Staaten schon wieder rein impulsiv gehandelt, schon wieder eine Art von bloßer Reflexbewegung gemacht haben. Die Aufgabe, die vor den Westmächten liegt, besteht nicht darin, das, was in China geschehen ist, rückgängig machen zu wollen, sondern zu verhindern, daß dasselbe in Japan, Korea und vor allem in Südostasien geschieht. Doch die Chancen, daß dem Kommunismus in Asien durch militärische Maßnahmen Einhalt geboten werden kann, sind gering, wenn die Westmächte nicht Mittel und Wege finden können, die Natur- und Bodenschätze dieser Gebiete zu entwickeln und den niedrigen Lebensstandard zu heben.“ Australien ist entschlossen Der neue australische Außenminister hat in seiner ersten politischen Erklärung die Entschlossenheit Australiens zum Ausdruck gebracht, dem Kommunismus im Fernen Osten Widerstand zu leisten, der für die nationale Existenz eine unzweideutige Bedrohung darstelle. Der Außenminister erklärte, Australien könne den benachbarten asiatischen Völkern bei der Entwicklung demokratischer Institutionen und ihres Wirtschaftslebens helfen und sie so gegen jene opportunistischen und Umsturz-Elemente schützen, die sich Veränderungen in der politischen Situation und die niedrige Lebenshaltung der Massen zu Nutze machten. US-Stützpunkt Formosa? Präsident Truman soll nach hier vorliegenden Berichten dem Vereinigten Generalstab der drei Waffengattungen einen Plan zur Errichtung militärischer Stützpunkte auf der Inseil Formosa übergeben haben. Der Plan ist von amerikanischen Kongreßmitgliedern ausgearbeitet worden. Die Vereinigten Staaten sollen einen oder mehr Stützpunkte für die Dauer von 99 Jahren pachten. Der alliierte Oberbefehlshaber in Japan, General Mc Arthur, unterstrich erneut seine Auffassung, daß die Vereinigten Staaten alles unternehmen müßten, um eine Besetzung der Insel Formosa durctu-she' Koannttniströ zü verhindern. Zur Bekanntgabe Präsident Trumans, die ^Kuomintang-Regierung auf Formosa'zu unterstützen, schreiben die Londonep^Times": „Wenp die Politik der Vereinigten ^Staaten Im Fernen Osten manchmal unsicherjjmpul- siv und fehlgeleitet erschienen ist und einen ausgesprochenen Gegensatz zu der ruhigen und sicheren amerikanischen Politik gegenüber Europa bildet, so ist der Grund zum Teil das Gefühl zu großer Nöte. Wenn man den Eindruck gewonnen hat, daß das amerikanische Außenministerium in seiner Haltung gegenüber China, Korea und Japan zu schwankend gewesen sei und aus richtigen Motiven die falsche Seite unterstützte, dann sollte man nicht vergessen, daß ihm unzureichendes Material zur Verfügung stand. Denn so sehr die westeuropäischen Regierun- Rotchina will Tibet erobern Dalai Lama gedenkt diplomatische Beziehungen mit den Westmächten aufzunehmen Hongkong (DND). Die Eroberung von Tibet ist, wie der Sender der chinesischen Kommunisten ankündigte, eine der Aufgaben, die den kommunistischen Streitkräften in China für das Jahr 1950 gestellt wurden. Wie weiter gemeldet wird, hat die tibetanische Regierung sich angesichts dieser Bedrohung zu einer Umbildung des Kabinetts und zur Auf- 1 nähme 'diplomatischer Beziehungen mi/ oo« Westen entschlossen. Tibet wird Botschafter nach Washington, Neu Delhi und auch nach Peking entsenden. In London ist — wie unser dortiger Korrespondent meldet — bis jetzt noch nichts davon bekannt, daß die tibetanische Regierung den Austausch diplomatischer Vertretungen mit Großbritannien vorgeschlagen habe. * Bisher haben es die chinesischen Kommunisten noch nicht gewagt, die Grenzen von Tibet zu überschreiten. Sichere Informationen lassen darauf schließen, daß sie ein aus tibetanischen Kommunisten bestehendes Freiwilligenkorps zusammenstellen, dessen Angehörige illegal die Grenze überschritten haben. Anschließend will Mao Tse Tung den unter der Herrschaft des Dalai Lama stehenden Kirchenstaat von „aufrührerischen Tibetanern“ befreien lassen und nicht etwa von sei- Englische Wahlen noch vor April? Alexander in den Grafenstand erhoben London (DND). Die am Montag wie alljährlich in Großbritannien zu Neujahr veröffentlichte Liste der Ehrungen und Auszeichnungen enthält auch den Namen des britischen Verteidigungsministers Alexander, der in dea^Ctrafenstand erhoben wird. Vier andere der Arbeiterpartei angehörende Ünter- hausabgecfiSteete werden Barone. Dies bedeutet dffe Berufung der fünf Persönlichkeiten in das Oberhaus. Normalerweise würde dies ■fünf Nachwahlen zum Unterhaus zur Folge haben. Daher hat die englische Montagmor- gep-Presse erneut Mutmaßungen über den Termin der Unterhauswahlen angestellt. Diese müßten spätestens im Juli stattflnden. Die meisten politischen Mitarbeiter der englischen Zeitupgen sind der Auffassung, daß die Ehrungen. auf einen Wahltermin vor April hindeuten, da die Regierung nicht den Wunsch haben könne, noch vor den Unterhauswahlen fünf Nachwahlen abzuhalten. Falls die Regierung die Unterhauswahlen frühzeitig anberaumte, würden Nachwahlen überflüssig. Demokratische Toleranz David Low und der „Evening Standard“ London (DND). David Low,, der führende Karikaturist Großbritanniens, der poli- ■ tisch links steht, begann seine neue Tätigkeit bei dem Organ der Labour-Partei, dem „Daily Herald". Low zeichnete über 20 Jahre für den konservativen „Evening S t a n d a r d“, wo er Ansichten zum Ausdruck brachte, die der Gesamthaltung des Blattes völlig entgegengesetzt waren. In einem Artikel, den der „Daily Herald“ Lows Beitritt zu seinem Redaktionsstab widmet, heißt es, der Eigentümer des „Evening Standard“, Lord Beaverbrook, habe sich große Verdienste damit erworben, daß er dem Zeichner völlig freie Hand ließ, obgleich Lows Karikaturen von der politischen Linie dieser Zeituni so stark abwichen und häufig sogar gegen Beaverbrook selbst gerichtet waren. Ägypten an den Wahlurnen Fünf Parteien im Wettbewerb Kairo (DND). In Ägypten finden am Dienstag die ersten allgemeinen Wahlen seit fünf Jahren statt. Rund 5 Millionen Ägypter sind stimmberechtigt. Frauen dürfen jedoch nicht wählen. Fünf Parteien und eine besonders organisierte Gruppe der Unabhängigen stehen im Wettbewerb um die 319 Mandate. Nach europäischen wie nach amerikanischen Gesichtspunkten gehören alle Parteien dem rechten Flügel an. Alle Parteien stimmen in den hauptsächlichsten Fragen überein. Es sind dies der Abzug der britischen Truppen aus der Suezkanalzone und die Vereinigung des Niltals unter der Aufsicht Ägyptens. Jugoslawien wählt im März Um erhebliche Zeit vorverlegt Belgrad (DND). Hier wurde am Montag bekanntgegeben: Die allgemeinen Wahlen in Jugoslawien werden Ende März stattflnden, erhebliche Zeit bevor Neuwahlen verfassungsmäßig notwendig sind. Die neue Nationalversammlung wird voraussichtlich im April zum ersten Male zusammentreten. Das Mandat.der derzeitigen jugoslawischen Nationalversammlung endet am 30. Januar, genau vier Jahre nach Verkündigung der Verfassung im Jahre 1946. Sie wird am 20. Januar zum letzten Mal zusammentreten, um ihre Auflösung zu beschließen. nen eigenen Armeeverbänden, die jenen allerdings gegebenenfalls zu Hilfe eilen werden. Früher war Tibet ein Bestandteil des großen chinesischen Reiches. Mit der Zeit verloren die chinesischen Kaiser ihren Machteinfluß auf dem schwer zugänglichen Hochland. Es kam zur Gründung des Kirchenstaates unter der weltlichen Herrschaft des Dalai Lama. Ende des vergangenen Jahrhunderts versuchte Großbritannien Einfluß pv Tibet zu gewinnen. Dies? Bemühungen waren allerdings von "Reinem Erfolg gekrönt. Vor 15 Jahren machte — rfiit dem gleichen Mißerfolg — die Kuomintang chinesische Machtansprüche geltend. Die Tibetaner, damals ein Volk ohne Armee, übten passiven Widerstand. In Anbetracht all der von außen her drohenden Gefahren ist in Tibet eine Armee geschaffen worden, die heute ungefähr zehntausend Mann stark, schlecht ausgebildet und noch schlechter ausgerüstet ist. Ihre einzige Stärke ist die, daß sie sich aus dem Dalai Lama auf Gedeih und Verderb ergebenen Buddhisten zusammensetzt. Der augenblickliche Dalai Lama ist 16 Jahre alt. Er ist von vier Ministern umgeben,die von einem aus hohen Lamapriestern bestehenden Gremium ernannt worden sind. Der Regierung in Lhasa ist es längst bekannt, daß kommunistische Agenten unter der chinesenfreundlichen Grenzbevölkerung die Botschaft des Kreml verbreiten. Erst vor einigen Monaten sind einige von ihnen des Landes verwiesen worden und die Regierung in Lhasa hat wissen lassen, daß sie keinerlei ausländische Einmischung wünscht und duldet. Gewiß gibt es unruhige Elemente im eigenen Land, die ebenfalls gegen die Herrschaft der Mönche aufmurren. Sie sind aber in der Minderzahl und man darf wohl mit Sicherheit annehmen, daß, falls der Dalai Lama die Bewohner seines Reiches aufruft, das Land zu verteidigen, ihm die große Mehrzahl Folge leisten wird. Ob sie sich jedoch gegen ein mit modernen Waffen ausgerüstetes Heer lange halten können, das ist eine andere Frage, selbst im Hinblick darauf, daß Tibet ein für Partisanenkämpfe hervorragend geeignetes Land ist. So ist es durchaus nicht verwunderlich, daß der Dalai Lama sich jetzt zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit dem Westen entschlossen hat. Vier griechische Minister amnestiert. König Paul von Griechenland hat vier Minister amnestiert, die der Zusammenarbeit mit den Deutschen für schuldig befunden und 1945 zu Gefängnisstrafen von 10 bis 15 Jahren verurteilt worden waren. (DND) Bomben auf Terroristen Royal Air Force greift in Malaya ein Singapur (DND). Auf der malayischen Halbinsel setzten Truppen und Polizei ihren Kampf gegen die Guerillas fort, auf die zuvor der bisher größte Luftangriff geführt worden war. 40 Flugzeuge der Royal Air Force und der Marine belegten Stellungen der Terroristen mit Bomben. Der Hohe Kommissar für die Malayische Halbinsel hat in der vergangenen Woche erklärt, ein durchgreifender Versuch zur endgültigen Ausrottung der Terroristen stehe unmittelbar bevor. Einige Dienststellen der Regierung würden für einen Monat geschlossen werden, um dem Zivilpersonal die Möglichkeit zu geben, sich den Sicherheitsstreitkräften anzuschließen. Schah von Persien zurückgekehrt. Am Montag nachmittag ist der Schah von Persien von seiner Reise nach den Vereinigten Staaten zurüdegekehrt. In seiner Ansprache an das iranische Volk erklärte er, in nächster Zeit würden radikale Maßnahmen zur Bekämpfung der Korruption im Iran durchgeführt werde», (DND) Die unbezahlten Erbsen Von unserem DND-Korrespondenten F.K. Wien Vier Jahre lang beteuerten die Russen, daß ihnen der Abschluß des österreichischen .Staatsvertrages am Herzen liege und daß man nur auf die Einhaltung der Potsdamer Beschlüsse achten müsse, nach denen der Sowjetunion das in Ost-Österreich befindliche „Deutsche Eigentum“ zufalle. Jahrelang ging auf diese Weise der Kampf um die Klärung des Begriffes, was eigentlich als „Deutsches Eigentum“ anzusehen sei. Dieser Kampf endete damit, daß die Russen so ziemlich die Erfüllung all ihrer Forderungen durchsetzten, so daß diese schwerwiegende Frage in Lake Success jetzt endgültig bereinigt schien. Es wurde vereinbart, daß Österreich den Sowjets eine hohe Ablösungssumme zahlen solle und daß diesen die wertvollsten Teile der v österreichischen Erdölgebiete zugesprochen werden. Wenn die russische Behauptung, der Staatsvertrag sei nur ein rein wirtschaftliches Problem, stimmen würde, so könnte er nun jeden Tag unterschrieben werden, denn die noch zur Debatte stehenden Punkte sind ausgesprochene Nebenfragen. Nun hat sich aber ein neues Hindernis für den Abschluß des Vertrages ergeben: die Russen erklären plötzlich, daß sie vor Bezahlung der Erbsen, die sie dem verhungernden Wien im Jahre 1945 geliefert hätten, die Beratungen nicht fortführen könnten. Diese Forderung kam völlig überraschend, denn man hatte stillschweigend angenommen, daß Moskau auf eine Bezahlung dieser in den Monaten nach dem Zusammenbruch gewährten Hilfe ebenso großmütig verzichten würde», wie es die Westmächte bei' ihren — vor dem Anlaufen der UNRRA-Lieferungen gewährten — weit wertvolleren Unterstützungen getan haben. Die sowjetische Forderung war um so schwerwiegender, als sie die Bereinigung der Erbsenschulden von zweiseitigen, in Wien zu führenden, Verhandlungen abhängig machte, bei denen nach bisher bekannt gewordenen Berichten, Bundeskanzler Figl einen Betrag von vier Millionen Dollar in österreichischen Schilling angeboten hat. Das im Sommer dieses Jahres von W y - s c h i n s k i eingeräumte Zugeständnis, die Unantastbarkeit der österreichischen Grenzen anzuerkennen, hatte ein Fünkchen Hoffnung auf ehrliche Verhandlungsbereitschaft des Kremls erweckt. Heute ist auch dieser Funke wieder erloschen und die ursprüngliche Meinung, daß der Staatsvertrag eine von den internationalen Problemen losgelöste Behandlung kaum zulasse, wurde weiter bestärkt. Der frühere amerikanische Außenminister Byrnes hat bereits vor zwei Jahren erklärt, daß die Russen Oesterreich kaum werden räumen wollen, weil ihnen diese strategische Stellung im Herzen Mitteleuropas viel zu wichtig sei. Inzwischen haben sie es allerdings verstanden, in den Staatsvertrag Bedingungen einzubauen, die ihnen auch nach der militärischen Räumung Österreichs dort Positionen sichern, die einen schwerwiegenden politischen und wirtschaftlichen Einfluß auch weiterhin gewährleisten. Ferner hat seitdem auch das Gespenst des Titoismus sein Haupt erhoben und es bestehen für Moskau neuerdings gewichtige Gründe, die wertvolle österreichische Bastion knapp vor dem Eisernen Vorhang ' auch weiterhin militärisch fest in der Hand zu behalten. Derzeit steht für Rußland die Abrechnung mit dem Rebellen in Belgrad im Vordergrund aller Erwägungen. Dazu scheint es wünschenswert, die Flanke gegen alle Eventualitäten zu sichern, um das Abrollen der „Aktionen“ vor sämtlichen denkbaren Störungen zu bewahren. Das unerwartete Hervorkehren der Erbsenrechnung wird daher vielfach sogar als ein weiteres Zeichen dafür verstanden, daß Unternehmungen gegen Tito schon in nächster Zeit zu erwarten^sind. Leider besteht für Österreich wenig Hoffnung, daß selbst nach Bezahlung der Erbsenschuld, nicht ein anderer Anlaß gefunden wird, um den Abschluß des Staatsvertrages erneut auf die lange Bank zu schieben. Für die österreichischen Staatsmänner entsteht bei allen diesen Schwierigkeiten die Gewissensfrage, ob mich das neue Hindernis mit schweren Opfern und Hypotheken auf eine ungewisse Zukunft beiseitegeräumt, oder — in der Erkenntnis, daß es ohnehin nichts nutzt — eine ablehnende Haltung eingenommen werden soll. Derzeit scheint sich immer mehr /Dienstag, den S. Januar 1950 die Überlegung durehzusetzen, daß Österreich für Bußland nicht nur eine strategisch eminent wichtige Stellung, sondern auch ein wertvolles Pfand darstellt, um ein Höchstmaß von politischen und wirtschaftlichen Forderungen herauszuschlagen. Gespräche über den Südweststaat Heuricb über eine Unterredung mit Wohieb Karlsruhe (DND). Der Vorsitzende der nordbadischen CDU, Fridolin Heurich, gab ein Interview über die Besprechungen, die er am Jahresende mit der Freiburger Landesleitung der CDU Südbaden und mit Staatspräsident Leo Wohieb führte. Heurich sagte, er habe bei den Verhandlungen vor allem darauf hingewiesen, daß die Freudenstädter Beschlüsse über den Südweststaat unter allen Umständen beibehalten werden müßten. Die Landesregierung von Württemberg-Baden sei in ihrem letzten Antwortschreiben an die Freiburger Regierung von diesen Beschlüssen abgewichen. Er forderte alle Beteiligten auf, sich bei den zukünftigen Verhandlungen über den Südweststaat korrekt und ehrlich zu verhalten, da andernfalls das Ansehen der Bundesregierung und der südwestdeutschen Länder geschädigt werde. Coudenhove-Kalerghi schlägt Volksbefragung in Europa vor Straßburg (DND). Der Präsident der Europabewegung, Coudenhove-Kalerghi, hat zum Jahreswechsel einen Aufruf zur Verwirklichung der Europa-Vereinigung erlassen. Darin heißt es: „Die Europa-Bewegung hat mit der Bildung des Parlaments in Straßburg ihr erstes Ziel erreicht. Die Arbeiten werden jedoch erschwert, seit sich der Ministerrat gegen die föderalistische Poütik des Straßburger Parlaments stellt. Das Jahr 1950 wird entscheiden, ob der Europarat eine Vereinigung souveräner Staaten bleiben soll oder ob er sich zur Bundesregierung der Vereinigten Staaten von Europa entwickelt. Die Völker sind berufen, in dieser Frage das letzte Wort zu sprechen. Der Präsident der Europa-Bewegung schlägt daher vor, auf dem ganzen Kontinent eine Volksbefragung zu organisieren, in der sich die Völker für eine europäische Föderation oder für die Beibehaltung uneingeschränkter Souveränität entscheiden sollen.“ Adenauer bei Francois-Poncet. Bundeskanz- ler Dr - Adenauer besuchte am Montag den französischen Hohen Kommissar Frangois- Poncet auf Schloß Ermrich bei Remagen. Der französische Hohe Kommissar hatte den Bundeskanzler zu einem privaten Essen eingeladen. (DND) Die erste Plenarsitzung des Bundestages im neuen Jahr ist für den 11. Januar vorgesehen. Der Bundesrat will am 13. Januar seine erste Vollversammlung nach dem Jahreswechsel abhalten. (DND) McCIoy in München erwartet. Der amerikanische Hohe Kommissar, John McCIoy, wird am 14. Januar in München erwartet. McCIoy trifft u. a. mit dem Bayerischen Generalan- w^lt für Wiedergutmachung, Dr. Philipp Auerbach zusammen. (DND) Aus Rußland beimgekehrt. Im Grenzlager Moschendorf bei Hof trafen 1345 Kriegsgefangene aus der Sowjetunion ein. 429 wurden nach Württemberg-Baden weitergeleitet. (DND Für ungehinderte Einreise in das Saargebiet. Die Sozialdemokratische Bundestagsfraktion beantragt, die Bundesregierung solle mit dem französischen Hohen Kommissar über eine Beseitigung der Einreisebeschränkungen für Deutsche in das Saargebiet verhandeln. Deutsche Staatsangehörige sollen unter den gleichen Bedingungen wie Franzosen in das Saargebiet reisen können. (DND) Paulus und Seydlitz kehren vorerst nicht zurück. Nach unbestätigten Meldungen aus dem Heimkehrerlager Friedland sollen sich die deutschen Generale Paulus und Seydlitz mit der Absicht tragen, erst nach Abschluß der Rückkehr aller deutschen Kriegsgefangenen in Rußland die Heimreise anzutreten. (DND) Max Brauer ist optimistisch. Der Hamburger Bürgermeister Max Brauer äußerte sich in einem Interview optimistisch über die deutsche Handelsschiffahrt. Brauer sagte, alle Beschränkungen für die deutsche Handelsschiffahrt müßten so bald wie möglich beseitigt werden. (DND) Der Rat der Evangelischen Kirchen Deutschlands will auf seiner nächsten Tagung Mitte dieses Monats in Halle die Äußerungen von Martin Niemöller erörtern. Die Erklärungen Niemöllers zur politischen Lage wurden von Presse und Rundfunk gerügt; auch die Landesbischöfe von Württemberg und Baden haben sich gegen die Äußerungen Niemöllers ausgesprochen. (DND) „Frei von nationalsozialistischen Tendenzen“. Der stellvertretende amerikanische Hohe Kommissar in Deutschland, Benjamin Butten- wieser, erklärte in New York, das Kabinett Adenauer sei frei von nationalsozialistischen Tendenzen. (DND) Argentinien bleibt neutraL Der argentinische Staatspräsident Peron erklärte in einer Ansprache, Argentinien werde an einem etwaigen Konflikt zwischen Ost und West eicht teilnehmen. (DND) Neue Verhandlungen über Fischer-Troppsch Die Bundesregierung wird mit der alliierten Hohen Kommission am 6. oder 13. Januar erneut über die Produktion der Fischer- Troppsch-Benzin-Werke verhandeln. Auf deutscher Seite hofft man, daß die Produktionsgenehmigungen, die am 31. 12. abgelaufen sind, verlängert werden. Wenn die Hohe Kommission ihre Zustimmung nicht erteilt, müssen viele Arbeiter der Benzin-Werke entlassen werden. (DND) Entwurf eines Flüchtlingsralimengesetzes Bidault hat wieder Chancen Vorlage noch In dieser Woche Bonn (DND). Flüchtlingsminister Dr. Lukas c b e k wird noch in dieser Woche den Entwurf eines Flüchtlingsrahmengesetzes vorlegen. Der Entwurf sieht u. a. die Bildung eines Flüchtlingsbeirates beim Bundesflüchtlingsministerium vor. Dieser Beirat soll von den Flüchtlingen selbst gewählt werden. Dr. Lükaschek erklärte weiter, der Begriff der Heimatvertriebenen sei zwar im Soforthilfegesetz definiert. Die Frage der Flüchtlinge aus der Sowjetzone müsse aber durch ein Gesetz einheitlich geregelt werden. Dabei müsse das Gebot der Menschlichkeit ebenso berücksichtigt werden, wie die wirtschaftlichen Notwendigkeiten des Bundesgebietes. Der Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen, Jacob Kaiser, beschäftigt sich am Montag im CDU-Informationsdienst erneut mit der Flucht aus der Sowjetzone in die Bundesrepublik. Der Gedanke, diese Emigration könne im Interesse der Sicherung des kommunistischen Systems der Sowjetzone liegen und werde deshalb von dieser Seite erheblich gefördert, sei nicht von der Hand zu weisen. Den echten politischen Flüchtlingen gegenüber wolle die Bundesrepublik ihren Verpflichtungen als deutscher Kernstaat nach- kommen. Niemand aber könne sich der Sorge verschließen, daß die soziale und politische Last für die Bundesrepublik noch mehr steige, wenn der Flüchtlingsstrom aus der Sowjetzone anhalte. * In Friedland wird in diesen Monaten der erste Umsiedlertransport von Deutschen aus den polnisch besetzten Gebieten östlich der Oder-Neiße-Linie erwartet, teilte das Rote Kreuz in Hamburg am Montag mit. Rund 23 000 Deutsche aus den Gebieten östlich der Oder-Neiße-Linie sind für die Umsiedlung in das britische Besatzungsgebiet gemeldet. SED-Presse in Nöten „Vorwärts“ und „Tribüne“ tägliches Erscheinen eingestellt Berlin (DND). In Ostberlin stellten ab 1. Januar der „Vorwärts“ (SED) und die „T r i b ü n e“ (FDGB) ihr tägliches Erscheinen ein. Wie verlautet, beabsichtigen auch die sowjetamtlichen „Tägliche Rundschau“ und „Nationalzeitung“ in nächster Zeit ihr Erscheinen einzustellen. Das sowjet- amtliche Organ „Neues Deutschland“ trägt jetzt die Bezeichnung „Berliner Ausgabe Vorwärts, Neues Deutschland“. Nach seiner Genesung erschien der Ministerpräsident der Ostzonenrepublik, Otto Grotewohl, auf einem Empfang des Präsidenten Pieck, in dessen Dienstsitz, Schloß Niederschönweide. Vollständig vertreten war auf diesem Empfange das in der Ostzone akkre- dierte diplomatische Korps der Oststaaten, an seiner Spitze der sowjetische Botschafter Puschkin. Nach einer Meldung der Nachrichtenagentur der russischen Zone, ADN, sind in Mecklenburg sieben leitende Angestellte der staatlichen Werften bei einei 1 Säuberungsaktion aus ihren Stellungen entfernt worden. Fünf wurden verhaftet, die beiden anderen scheinen entkommen zu sein. Der Meldung zufolge sollen sie u. a. große Geldbeträge veruntreut haben. Rassische Uran-Funde im Harz Erfolgreiche Bohrversuche unternommen Braunschweig (DND). Die westdeutschen Grenzbehörden verfügen über Informationen, denen zufolge russische Ingenieure im Zusammenhang mit einem seit langem vermuteten Ufan-Vorkommen in der Nähe von Wernigerode im Harz erfolgreiche Bohrversuche unternommen haben. Außerdem wurden Bohrungen im Gebiet von Drei-Annen-Hohne durchgeführt. Die von den Russen kontrollierte Wismut A.G., die sämtliche Uranvorkommen in der Ostzone überwacht, hat, so erklären die genannten Kreise weiter, ihr Hauptquartier im Rathaus zu Wernigerode aufgeschlagen. Ihre leitenden Angestellten verlangen von den dortigen Stadtbehörden die sofortige Unterbringung von mindestens 1800 Arbeitern, die bei den Uranschürfungen eingesetzt werden sollen. Übereinstimmendelnformationen der Grenzbehörden und deutscher Flüchtlinge aus dem Osten, die bisher für russische Rechnung arbeiteten,_ besagen, daß sich das Uranerzgebiet von Wernigerode über Ilsenbur bis Goslar in der britischen Zone erstrecke. Mao Tse Tung verhandelt im Kreml Ein Interview mit der „Prawda“ — Um Anleihen und Wirtschaftsabkommen Moskau (DND). Der chinesisch* Kemmu- nistenführer Mao Tse Tung, der sich zur Zeit in Moskau aufhält, führt dort Verhandlungen über weitere Unterstützung der chinesischen Kommunisten durch die Sowjetunion. In einem Interview mit einem Vertreter der „Prawda“ sagte Mao'Tse Tung, er verhandle über eine russische Anleihe an die chinesische Volksrepublik und über ein neues Wirtschaftsabkommen zwischen China und der Sowjetunion. Weiter sagte der chinesische Kommunistenführer, er werde mehrere Wochen in der Sowjetunion bleiben und Gelegenheit nehmen, die wirtschaftlichen und kulturellen Zustände in verschiedenen Teilen der Sowjetunion kennenzulernen. Das Organ der Kominform berichtet: Der Chinese, der stellvertretender Vorsitzender des unter kommunistischer Herrschaft stehenden Weltgewerkschaftsbundes ist, hat zur Bildung sogenannter Befreiungsarmeen zum Einmarsch in die Kolonialgebiete Asiens und Australiens aufgerufen. Er erklärte vor kurzem auf einer Konferenz des Weltgewerkschaftsbundes in Peking, der offene Kampf in den vom Feind besetzten Kolonialgebieten müßte koordiniert werden. * Mao Tse Tung ist in Moskau. Vom ersten Augenblick an, da er sowjetischen Boden betrat, wurden ihm die Ehren zuteil, die einem Staatsoberhaupt gebühren. Die Bande, die Rot-China mit der Sowjetunion verbinden, sind fest und dauerhaft. Aber die Kommunistische Partei Chinas ist auf einem anderen Weg ans Ziel gelangt als die Parteigenossen, die heute auf den Ministersesseln der Volksdemokratien sitzen. Die chinesischen Kommunisten haben ihre Revolution ein ganzes Vierteljahrhundert lang selbst durchgekämpft, und zum Unterschied zu ihren mittel- und osteuropäischen Bruderparteien haben sie ihren Sieg nicht der Anwesenheit und Hilfe der Roten Armee zu verdanken. Dieser Tatbestand verbietet es von vornherein, die chinesischen Kommunisten in einen Topf zu den anderen zu werfen. Auf der anderen Seite aber sind Mao und seine Männer vollkommene Produkte der Moskauer Schule. Sie wissen auch, daß sie der strikten Befolgung der Moskauer Lehren ihre Erfolge zu verdanken haben und hörten deshalb auch nie auf, mit dem Politbüro, der Dritten Internationale und der Komintern, bis zu deren Auflösung-.im Jahre 1943, die engsten Beziehungen zu pflegen. Die Linie ihrer Politik war immer die der Sowjetunion. Gleichgültig, welcher Konzeption der Kreml China gegenüber letzten Endes folgen wird, man kann als sicher annehmen, daß Moskau zunächst einmal mit den Chinesen auf der Basis absoluter Gleichberechtigung verkehren wird. Denn es wird auch dem Politbüro klar sein, daß die Begeisterung der Massen für den Bürgerkrieg gegen das nationalistische Regime nicht so sehr im Elan der kommunistischen Idee, sondern der korrupten Mißwirtschaft auf der anderen Seite zu verdanken war. Mao Tse Tung und der Kreml werden daher recht daran tun, wenn sie nicht mit einer linientreuen Masse "rechnen, sondern, einen auf lange Tradition gegründeten Nationalismus im chinesischen Volk in ihre Kalkulation mit einbeziehen. Es wäre aber gefährlich, Mao Tse Tung schon heute zum „Titoisten“ zu stempeln, um ihn nur um so sicherer in die Arme Moskaus zu treiben. Es gibt schwache Stellen in dem sowjetisch-chinesischen Block, die möglicherweise einer zu großen Belastung nicht standhalten; um nur die Mandschurei, die Mongolei und Sinkiang, das chinesische Turkestan, zu nennen. Auf der anderen Seite hat Mao angedeutet, daß er nicht die Absicht habe, in China ein autarkes Wirtschaftssystem aufzubauen und wenn man in diesem Zusammenhang nur an den Reis denkt, den die Chinesen brauchen, von der Sowjetunion aber nicht geliefert bekommen, dann kann man sich wohl vorstellen, daß Mao auch an wirtschaftlichen Beziehungen zur westlichen Welt interessiert sein könnte, wenn er feststellt, daß seine Industrialisierungspläne mit dem, was die Sowjets zu bieten haben, allein nicht durchzuführen sind. Aus diesem Grunde dürften die Engländer wohl recht haben, wenn sie ihre Investitionen in China noch nicht abschreiben, sondern auf einige Garantien hoffen, die ihnen die Anerkennung des neuen Regimes erleichtert. Keine Krise mit Neojahrsbeginn? Paris (DND). Die französische Nationalversammlung trat am Montag nachmittag zusammen, um die Beratungen über die von Ministerpräsident Bidault gestellten Vertrauensfragen zu beginnen. Bidault hatte diese Vertrauensfragen im Zusammenhang mit den. Vorschlägen der Regierung zur Beseitigung des Defizits im Haushaltsplan gestellt. Nach Ansicht gut informierter Kreise in Paris wird die Regierung Bidault die beantragten Vertrauensvoten erhalten. Die meisten Abgeordneten seien zu der Überzeugung gelangt, das neue Jahr dürfe für Frankreich nicht damit anfangen, daß der Staatshaushaltsplan abgelehnt und die Regierung gestürzt werde. Hochverratsprozeß in Prag „Die Grundsätze des Staates mißachtet“ Prag (DND). Ähnlich wie in Ungarn und Bulgarien soll demnächst auch in der Tschechoslowakei ein Hochverratsprozeß durchgeführt werden. Die Hauptangeklagten sind der frühere Chefredakteur der amtlichen kommunistischen Zeitung „Rüde Pravo“ und der frühere stellvertretende Außenhandelsminister L o e b e 1. Die Angeklagten werden beschuldigt, die Grundsätze des Staates mißachtet zu haben. Finnland will ausliefern Antwort auf Kriegsverbrecher-Note Helsinki (DND). Der sowjetischen Note, in der Finnland, wie berichtet, vorgeworfen wurde, es gewähre 300 als Kriegsverbrecher von der Sowjetunion gesuchten Personen Asyl, wird in Helsinki große Beachtung geschenkt. Ministerpräsident Fagerholm erklärte, man werde die russische Note und die Liste der Gesuchten genau prüfen. Personen, die unter die Auslieferungsbestimmungen des Friedensvertrages fallen, sollen der Sowjetunion ausgeliefert werden. Politische Kreise der finnischen Hauptstadt glauben, daß die Sowjets auf diese Weise die Kampagne der finnischen Kommunisten für die Parlamentswahlen unterstützen wollen. Bei den angeblichen Kriegsverbrechern soll es sich zum größten Teil um Deserteure der Roten Armee handeln. Australien will 25 000 griechische Kinder aufnehmen Melbourne (DND). 25 Q 00 griechische Kinder, die sich gegenwärtig in verschiedenen Ländern von Osteuropa befinden, will Australien bei sich aufnehmen. Diesen Vorschlag hat die australische Regierung an die Regierungen von Jugoslawien und Rumänien gerichtet. Der jugoslawische. Außenminister soy sich bereit erklärt haben, bei der Verschickung jener Kinder noch Australien mitzuwirken, deren Eltern sich bereits dort befinden. Die rumänische Regierung hat auf den australischen Vorschlag keine Antwort erteilt. Die australische Regierung hat sich deshalb nochmals an die rumänische Regierung gewendet. Auch das Internationale Komitee des Roten Kreuzes wird sich auf Veranlassung Australiens mit dieser Frage befassen. „Bao Dais Tage gezählt“ Proklamation der Aufständischen Vietnams Singapur (DND). Vertreter der Aufständischen in Vietnam warnten am Montag alle Länder davor, die Regierung Bao Dais anzuerkennen. Bao Dai ist bekanntlich Regierungschef der drei zu Vietnam zusammengefaßten indochinesischen Staaten. Vietnam wurde wie berichtet, Ende des Jahres ein souveräner Staat innerhalb der französischen Union. In dem Aufruf der Aufständischen heißt es, Bao Dai werde nicht mehr lange an der Macht sein. Das vietnamesische Volk werde seiner Regierung und den französischen Kriegshetzern die gleiche Lehre erteilen, wie das chinesische Volk der chinesischen Nationalregierung. NEUES VOM TAGE Bonomi schwer erkrankt. Der hochbetagte italienische Staatspräsident Bonomi ist seit einigen Wochen schwer erkrankt Sein Gesundheitszustand hat sich bedenklich verschlimmert (DND) In Budapest verschwunden. Großbritannien hat die ungarische Regierung in einer Note um Mitteilung über das Verbleiben der britischen Staatsangehörigen Dr. Isis Boone ersucht deren Aufenthalt unbekannt ist. Dr. Boone,. eine Journalistin, verschwand vor drei Monatöl in Budapest, als sie im Begriff war, in einem Flugzeug nach Großbritannien zurückzukehren. (DND) Zum Städtebanmeister der UdSSR ernannt. Georgi Michailowitch Popoff ist vom Obersten Sowjet der Sowjetunion zum Städtebaumeister ernannt worden. Popoff war bisher erster Sekretär des Moskauer Regional- und Städte- Komitees der Kommunistischen Partei. (DND) Prinz Bernhard der Niederlande ist am Montag an Bord eines holländischen Flugzeugträgers zu einem offiziellen Besuch nach Nieder- ländisch-Westindien, Venezuela, Trinidad, Brasilien, Mexiko und Kanada abgereist. Josefine Baker gastiert in Hamborg. Josefine Baker, der bekannte französische Negerstar wird im Mai im „Allotria“ auf der Hamburger Reeperbahn gastieren. Die Künstlerin, die gegenwärtig in einer Revue in dem Pariser Folies Bergeres auftritt, wird eine Tagesgage von 3000 DM erhalten. (DND) Schwedischer Frachter gesunken. In der Kieler Förde sank der schwedische Frachter „Ucklippan“, nachdem er auf das Wrack des deutschen .Dampfers „Hadau“ aufgelaufen war. Das Schiff konnte trotz längerer Arbeit des Bergungsdampfers „Thor“ bisher nicht geborgen werden. Die Besatzung wurde gerettet. Attlee aus Urlaub zurfick. Premierminister Attlee ist von seinem Weihnachtsurlaub zurückgekehrt. Es fand eine Ausschußsitzung des britischen Kabinetts statt. (DND) Großbritannien hat größte Handelsflotte. In Washington wurde eine Liste der zehn wichtigsten Flottenmächte der Welt veröffentlicht, aus der hervorgeht, daß Großbritanniens Handelsflotte noch immer die größte der Welt ist. An zweiter Stelle kommt die amerikanische Flotte, an zehnter Stelle die der Sowjet-Union. (DND) Informationsaustausch in 7 Marshallplan- Ländern. Sieben Marshallplanländer wollen in Zukunft alle technischen und wissenschaftlichen Informationen untereinander austau- schen. Das Austauschprogramm, an dem Großbritannien, Frankreich^ Dänemark, Norwegen, Holland, Italien und Österreich beteiligt sind, erstreckt sich u. a. auf biologische und medizinische Forschungsergebnisse sowie auf Industriestatistiken. (DND) Verteidigungspläne für Suezkanal erörtert. Wie erst jetzt bekannt wird, hat der britische Außenminister Bevin bei seinem Aufenthalt in Kairo mit dem französischen Botschafter in Ägypten und dem britischen Oberbefehlshaber der Suezkanalzone Verteidigungspläne für den Suezkanal erörtert. Bevin reist gegenwärtig nach Colombo, wo eine Konferenz der Außenminister des Commonwealth stattflndet. (DND) Dienstag, den 3. Januar 1950 Vom Revolverhelden zum Millionär NEUES AUS ALLER WELT Alkohol-Schmuggel und Geldautomaten -WieFrank Costello seinen Reichtum erwarb Frank Costello Ist einer der reichsten Männer Amerikas. Wie er zu seinem Reichtum kam, das ist sein Geheimnis. Man versuchte oft, ihm unlautere Geschäftspraktiken und auch Verstöße gegen die Gesetze nachzuweisen, aber die Polizei versagte immer im entscheidenden Moment, weil Costello viel zu schlau war, sich auch nur eine einzige Blöße zu geben. So ist der heute 58jährige zu einer bedeutenden Persönlichkeit der amerikanischen Geschäftswelt geworden und er hat es auch verstanden, seinen Einfluß auf die Politik auszudehnen. Wenn man bedenkt, daß Costello aus den Slums von New York stammt, dann ist es nicht verwunderlich, daß seine Karriere eine Legende und er selbst das Idol der Unterwelt ist. Zehn Monate für eine Pistole Costello ist geborener Italiener. Da er aber schon mit vier Jahren nach New York kam, betrachtet er selbst Amerika als seine zweite Heimat Mit elf Jahren verließ der junge Frank die Schule, um sich als Zeitungsträger seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er ließ sich aber bald in dunkle Geschäfte ein und kam dabei auch mit der New Yorker Unterwelt in Berührung. Als Costello 17 Jahre alt war, wurde er als mutmaßlicher Täter eines Raubüberfalls verhaftet, kam aber aus Mange] an Beweisen wieder frei. Er kam ein zweites Mal mit den Gesetzen in Konflikt, als er eine alte Frau auf offener Straße überfiel und ihr l' OO Dollar raubte. Aber auch in diesem Fall ging Costello straffrei aus. Schließlich ereilte ihn doch das Geschick. Als er wieder einmal in eine dunkle Sache verwickelt war und von der Polizei aufgegriffen wurde, fand man bei ihm eine Pistole, die zu besitzen er keine Berechtigung hatte. Das kostete ihm zehn Monate Gefängnis. Es war die einzige Strafe, die Costello in seinem Leben zu verbüßen hatte. Der „Ministerpräsident“ Nach der Haftzeit entwickelte sich Costello in kurzer Zeit zum Geschäftsmann von Format, der ohne jeden Skrupel jede Gelegenheit, Geld zu verdienen, geschickt-auszunützen verstand. Er kaufte sich Häuser und Grundbesitz und investierte große Summen in verschiedene Geschäftsunternehmen. Der große „Boom“ kam aber erst, als Costello mit den Bootleggern Verbindung aufnahm und eine eigene Organisation aufzog, die in der Prohibitionszeit den Alkohohlschmuggel in großem Stil betrieb. Zu dieser „Gang“ sollen Sogar 1000 Polizisten gehört haben, die, von Costello bestochen, die Abwicklung der dunklen Geschäfte deckten. Obwohl Costello damals als Gangster bekannt war, konnte er aber trotzdem von der Polizei niemals belangt werden. Auch seine Feinde in der Unterwelt trauten sich nicht an ihn heran. Als der berüchtigte Gangster der Kriminalgeschichte, Al Capone, einen „Friedenskongreß“ in Atlantic City einberief, wurde Costello von der Unterwelt anerkannt und ihm der Titel „Ministerpräsident der Unterwelt“ verliehen. Man spricht von Mord Ein großer Teil von Costellos Reichtum stammt aus seinem Geschäft mit Geldautomaten. Von, den etwa 5000 Automaten, die er in ganz Amerika unterhielt, brachte ihm jeder einen Reinertrag von 600 Dollar jährlich. Wohl wurden für kurze Zeit einmal die Geldautomaten verboten, aber für Costello bedeutete das keinen großen Verlust, da er noch ander# Eisen im Feuer hatte. Er unterhielt nämlich noch zahlreiche Spielklubs und man sagt ihm nach, er habe auch die Wettbüros in den USA kontrolliert und dar-, aus seinen Nutzen gezogen. Was auch über Costello geschrieben werden mag — und es wird zur Zeit in der Weltpresse eine Menge über ihn geschrieben —, es wird wohl zum größten Teil Legende bleiben, denn fast alle Berichte stützen sich auf Gerüchte. So weiß man auch nicht, ob es der Tatsache entspricht, daß Costello seine Freunde Siegel u. Cohen erschossen hat. Auch an welcher Stelle Costello seinen Einfluß auf die Politik geltend macht, steht nicht fest. Man weiß lediglich, daß er mit einigen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens engen Kontakt hat. Ob zu guter Letzt die Behauptung zutrifft, Costello befasse sich mit Rauschgifthandel, ist genau so fraglich. Der große Rätselhafte Alles an diesem Mann ist ein Rätsel. Aber es ist klar, daß er eine nicht weniger zweifelhafte Vergangenheit hat als die amerikanischen Gangsterkönige Al Capone, Schultz, Buchhalter, Luciano und wie sie alle geheißen haben mögen. Frank Costello mag sich geändert haben und seine Vergangenheit bereuen — er stellt zum Beispiel häufig große Summen für Wohltätigkeitszwecke zur Verfügung, aber das Gewesene läßt sich nicht auslöschen. Und so wird die Karriere dieses äußerlich seriösen und in seiner Lebenshaltung mäßigen Mannes ein interessanter Kri- minalfall, nicht aber das Beispiel für einen ehrgeizigen Geschäftsmann sein. (PRD) AUS DEM SÜD WESSEN Der Mehl wagen ton Schmiebachtal Vaihingen/Enz (hpd). Auf der Straße nach Illingen geriet ein mit Mehl beladener Lastzug infolge schlechter Sicht durch Nebel von der Fahrbahn ab, stürzte eine Böschung hinunter und blieb im Schmiebachbett liegen. Fahrer und Beifahrer wurden verletzt und mußten in das Kreiskrankenhaus gebracht werden. Der Sachschaden wurde noch nicht festgestellt. War es der böse Nachbar? Zell/ Neckar (DND). Ein schwerer Stein löste sich plötzlich aus der Höhe eines Neubaus, stürzte auf den Besitzer des Hauses, einen hiesigen Bäckermeister, und verletzte ihn so schwer an Kopf und Schultern, daß er ins Krankenhaus überführt werden mußte. Es sind Ermittlungen eingeleitet worden, ob der Stein sich zufällig gelöst, oder ob ein böser Nachbar nachgeholfen hat. Wildschweine zerstörten 54 Grundstücke S. Ulm. Wie groß der von Borstentieren manchmal angerichtete Schaden ist, zeigt die soeben vorgelegte amtliche Schätzung im Landkreis Illertissen. Dort wurden 54 Einzelgrundstücke von den Wildschweinen heimgesucht, durchgewühlt und der Ertrag von insgesamt 28,99 ha zerstört. Dabei soll der tatsächliche Wildschaden noch beträchtlich höher sein. In wenigen Tagen über 2700 Heimkehrer S. Ulm. Seit den Weihnachtsfeiertagen herrscht im Ulmer Durchgangslager Kienlesberg Hochbetrieb. Über die Weihnachtsfeiertage selbst brachten sechs größere Transporte über 1700 ehemalige deutsche Kriegsgefangene aus den verschiedensten Gebieten Rußlands in die Heimat zurück, während inzwischen fünf weitere Heimkehrerzüge mit über 1000 ehemaligen deutschen Soldaten eintrafen. Besonders erfreulich ist, daß weitere starke Heimkehrertransporte auch für die nächsten Tage angekündigt sind. Am Montag sind auf dem Kienlesberg wieder 1400 Kriegsgefangene aus der Sowjetunion eingetroffen. Damit hat sich die Zahl der aus Rußland, Polen und Jugoslawien entlassenen deutschen Kriegsgefangenen auf insgesamt 82 000 erhöht Zwei Kinder stahlen zehn Fahrräder S. Ulm. Es ist ein schlimmes Zeichen der Zeit, daß immer wieder von Jugendlichen berichtet werden muß, die wegen Diebereien zur Rechenschaft gezogen und bestraft werden. Daß aber Kinder Diebstähle begehen, die von Erwachsenen nicht raffinierter ausgeführt werden könnten, ist erfreulicherweise eine Seltenheit Ein derartiger Fall hat sich soeben in Ulm ereignet, wo von der Kriminalpolizei zwei Knaben im Alter von zehn und elf Jah- jestgestellt wurden, die im Laufe einer _ nicht weniger als zehn Fahrraddiebstähle durchgeführt hatten. Sie hatten die Fahrräder in verschiedenen Teilen des Stadtgebietes ihren Besitzern entwendet. Zwar konnten die gestohlenen Räder wieder beigebracht und den Eigentümern zurückgegeben werden, aber übrig bleibt doch die Befürchtung, daß sich beizeiten krümmt, was ein Häkchen werden will. Brückeneinweihung bei Beuron H. Sigmaringen, ln diesen Tagen wurde in der Nähe des Dorfes Laiz ein alter baufälliger Donauübergang durch eine moderne Betonbrücke ersetzt. Laiz, der Name läßt auf eine alte Keltensiedlung schließen, liegt zwischen Sigmaringen und Beuron an der Donau. Damit verschwinden immer mehr die alten malerischen Holzbrücken im Donaugebiet und machen modernen, dem neuzeitlichen Verkehr angepaßten Stromübergängen Platz. Achthundertjähriger Baum in Flammen Erolzheim (DND). In den hohlen Stamm der bekannten 800jährigen Linde warf ein Schüler einen angezündeten Feuerwerkskörper. Hierdurch geriet das morsche Innere des Baumes in Brand und bald stand der ganze Baum in Flammen. Glücklicherweise gelang es der Feuerwehr, das wertvolle Naturdenkmal noch rechtzeitig zu retten. Güterzug der Landesbahn entgleist E.F. Veringenstadt (Kr. Sigmaringen). Zwischen hier und Veringendorf entgleiste ein Güterzug der Hobenzollerischen Landesbahn. Der Verkehr auf der Bahnstrecke wird mittels Omnibussen aufrecht erhalten. Da sich die Entgleisungen mehren, wird eine gründliche UberhMung der Gleisanlage durchgeführt werden. Von Wegelagerern angefallen E.F. Weilheim (Kr. Hechingen). In der Dunkelheit wurde ein von seinem Arbeitsplatz in Großelfingen heimkehrender Arbeiter aus Weilheim von zwei Männern angefallen, die im Straßengraben gelegen waren. Sie warfen mit Prügeln und Steinen nach ihm, als er die Flucht ergriff und sich in Sicherheit bringen konnte. Neu-Ulm erhält modernste Kupferhütte Mit einem Aufwand von mehreren Millionen D-Mark soll binnen kurzem im benachbarten Neu-Ulm die erste süddeutsche Kupferhütte mit Elektrolyse errichtet werden. Dieses Millionenprojekt findet überall nicht nur deshalb starke Beachtung, weil in dem neuen Betrieb hunderte von Arbeitern beschäftigt werden können und Zug um Zug Arbeitersiedlungen und ein Wohlfahrtsgebäude erstehen sollen, hier entsteht vielmehr die einzige Kupferhütte im süddeutschen Wirtschaftsraum, die nach ihrer Vollendung die modernste derartige Hütte in Deutschland überhaupt sein soll. -Sch. Für 30 Millionen Waren gestohlen Skandal in Pariser Kaufhaus Paris (DND). Durch einen Zufall entdeckten die Hausdetektive eines großen Waren- ’ hauses in der Rue Rivoli, daß acht Angestellte, die zum Teil schon 20 und 26 Jahre in diesem Magazin arbeiteten, seit Jahren umfangreiche Diebstähle begingen. Die Betrügereien verursachten einen Verlust von rund 30 Millionen Franken. Einige der Angestellten konnten sich Häuser kaufen. Bei ihren Verbrechen ließen sie drei Hehler als Käufer auftreten. Die un- getreuen Verkäufer packten ihnen Gegenstände ein, für die sie Rechnungen ausstellten, die nur den zehnten Teil des Verkaufswertes der abgeholten Gegenstände ausmachten. Einer der Hehler beging kurz vor seiner Verhaftung Selbstmord. Lokführer überfuhr Haltesignal Schnellzug Lyon—Paris verunglückt Paris (DND). 800 Meter vor dem Bahnhof Chalons-Sur-Mame entgleiste der Schnellzug 66 Lyon — Paris, der gleiche Zug, der vor einer Woche den tapferen Rottenführer Aissa Ichou tötete, als dieser in letzter Sekunde ein vergessenes Hebeisen aus der Weiche riß und dadurch eine große Katastrophe verhütete. Obwohl bei dem Unglück drei Wagen übereinander stürzten, wurden nur 13 Personen mehr oder weniger schwer verletzt. Die Ursache scheint nach den ersten Feststellungen darauf zurückzuführen zu sein, daß der Lokomotivführer ein Haltsignal übersehen hatte. Mit Pfeilgift ermordet Sensationelle Verhaftung in Paris Paris (DND). In einem Pariser Hotel wurde Joas Carlos da Silva Ra mos, der Sohn des früheren brasilianischen Generalkonsuls in Paris verhaftet. Er wird beschuldigt, seine 20jährige Frau, die Tochter des reichen Pariser Industriellen Champin, in einem Hotel in Biarritz vergiftet zu haben. Die Eltern konnten sich nicht vorstellen, wie ihre Tochter so plötzlich sterben konnte, da sie gesund und noch kurz vor ihrem Tode in bester Stimmung mit ihnen zusammen war. Eine geheim durchgeführte Sektion der Leiche verlief durchaus negativ. Erst eine weitere Untersuchung förderte im Hotelzimmer eine Tüte mit einem schwarzen Puder zutage. Bei diesem Puder soll es sich um ein gefährliches Pfeilgift der Eingeborenen vom Amazonenstrom handeln. Tschechischer Zollbeamter erschossen? Drei Flüchtlinge in Österreich verhaftet Wien (DND). Die österreichische Polizei verhaftete am Montag drei tschechoslowakische Flüchtlinge, die beschuldigt werden, einen tschechoslowakischen Zollbeamten an der Grenze erschossen zu haben. Der Zollbeamte hätte versucht, ihren Wagen beim Grenzübertritt nach Österreich anzuhalten. Die österreichische Polizei gab bekannt, daß die drei Tschechoslowaken um Asyl als politische Flüchtlinge gebeten hätten. Sie wurden jedoch den russischen Behörden in Niederösterreich übergeben. 100-Millionen-DM-Fehlbetrag Die Bundesbahn im Geschäftsjahr 1949 Die Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbahn gibt in einem Entwicklungsüberblick am Ende des Jahres bekannt, daß die Betriebsrechnung für das Geschäftsjahr 1949 mit einem Fehlbetrag von etwa 100 Mill. DM und - die Gesamtrechnung mit einem Fehlbetrag von etwa 410 Mill. DM abschließen werden. Der Fehlbetrag in der Gesamtrechnung umfaßt allerdings den Verlustvortrag aus 1948 in Höhe von 82,2 Mill. DM, das Jahressoll der gesetzlichen Abgabe an den Bund mit 174 Millionen DM und die Verzinsung der Ausgleichsforderung der Bank deutscher Länder. Zurückgeführt werden diese Ereignisse auf erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten, wie Rückgang der Verkehrseinnahmen infolge einer unerwartet starken Abwanderung hochwertiger Güter auf den Kraftwagen und die Auswirkungen des Mißverhältnisses zwischen den Eisenbahntarifen (Index 140) und dem allgemeinen Preisniveau des Bundesbahn- Sachbedarfs (Index 200). Es bestand daher die No+wend'gkeit, die Barausgaben sorgfältig zu steuern und für den Wiederaufbau von Bahnanlagen und Fahrzeugen im Benehmen mit der Bank deutscher Länder Ende Mai 1949 eine 6,4%ige Anleihe aufzulegen. Das Ergebnis von rund 340 Mill. DM reichte nicht aus, so daß weitere Arbeiten kurzfristig finanziert werden mußten. Die Verschuldung der Bundesbahn durch Aufnahme kurz- und mittelfristiger Kredite bei Ländern, Banken usw. hat daher im Geschäftsjahr 1949 um weitere 400 Millionen DM zugenommen. (DND) 100 Jahre Oberpostdirektion Mit dem Ende des Jahres 1949 kann die Deutsche Bundespost nicht nur abschließende Rechenschaftsberichte geben, sondern auch auf ein lOOjähriges Jubiläum zurückblicken. Als Kurfürst Friedrich Wilhelm von Preußen 1649 als erster deutscher Fürst dazu überging, seinem Lande ein staatseigenes, einheitliches Postwesen zu geben, legte er bereits den Keim für die so unentbehrlichen, nunmehr 100 Jahre alt gewordenen „Oberpostdirektionen“. Noch vor der Gründung der „Deutschen Reichspost“ im Jahre 1870 traten bereits' 1849 die Oberpostdirektionen auf Länderbasis erstmals offiziell in Erscheinung. Sie gehen auf die Bemühungen und Initiative des Generalpostdirektors Schmückert, der von der Spannkraft eines Stephan beseelt war, zurück: (DND) AUS DEM WIRTSCHAFTSLEBEN Bringt 1950 das Ende der Rationierung? Wie der Ernährungsminister Wilhelm Niklas in einer Rundfunkrede betonte, ist im neuen Jahr das Ende aller Rationierungsmaßnahmen zu erwarten. Minister Niklas lobte die Disziplin der Verbraucher, denen nach den Jahren des Hungems wieder ein menschenwürdiges Dasein zu gönnen sei. Wie wir weiter dazu erfahren, sind von Seiten der alliierten Hochkommission keine Einsprüche gegen die Aufhebung der Bewirtschaftung durch die deutschen Behörden zu erwarten. Treibstoffpreiserhöhung in Kraft Wie der VWD zu anders lautenden Meldungen aus dem Bundeswirtschafts-Mini- sterium erfährt, trat die geplante Treibstoffpreiserhöhung mit Wirkung vom 1. Januar 1950 in Kraft. Eine gewisse Verwirrung war natürlich dadurch entstanden, daß die ursprünglich vorgesehene Veröffentlichung dieser Preiserhöhung durch den Bundesanzeiger nicht mehr rechtzeitig erfolgen konnte, da dieser im alten Jahr nicht mehr erschien. Nunmehr wurde in der letzten diesjährigen Nummer des Ministerialblattes des Bundeswirt- schaftsministeriums die entsprechende Verordnung veröffentlicht, um dem Publizitätserfordernis zu genügen. Ein Liter Benzin kostet jetzt 60 Pfennig und ein Kilo Dieselkraftstoff 45 Pfennig. Diese Regelung gilt für die Dauer von drei Monaten. (DND) 4962 Volkswagen — 39 568 Opelwagen Die Volkswagenwerke haben im Dezember 1949 insgesamt 4962 Volkswagen hergestellt. Damit erreichte die Jahreserzeugung 46 594 gegenüber 19 220 im Vorjahr. Stückzahlmäßig hat sich damit das Volkswagenwerk an die Spitze der deutschen Automobilhersteller gestellt. Die Gesamtproduktion der Opel-Werke stell.te sich unter Berücksichtigung der Dezember-Produktion (4005 PKW und LKW) auf 39 568 Fahrzeuge gegenüber 13 091 im Jahre 1948. (VWD) Die Stenereinahmen der Gemeinden Die Gemeinden und Gemeindeverbände des Bundesgebietes nahmen vom 1. Juli 1949 bis 30. September 1949 580 Mill DM Steuern ein. Davon entfielen 293 Millionen DM auf die Städte des Bundesgebietes einschließlich der beiden Hansestädte. Im Rahmen der gesamten Steuereinnahmen erbrachte den größten Teil die Gewerbesteuer während die Einnahmen aus den Vergnügungs- und Kinosteuern in den Sommermonaten verhältnismäßig gering waren. (DND) Deutsche Hausangestellte in England Die Bestimmungen über die Anwerbum deutscher Frauen und Mädchen als Hausange stellte nach England sind erleichtert worden Die deutschen Hausangestellten können jetzt direkt mit ihren Arbeitgebern in Großbritannien in Verbindung treten. Offene Stellen werden den deutschen Arbeitsämtern bekanntgegeben. Für die Anwerbung kommen nur unverheiratete Frauen oder kinderlose Witwen zwischen 18 und 45 Jahren in Frage. Steuersenkung für Zigarren geplant Eine Senkung der Tabaksteuer für Zigarren sei beabsichtigt, erklärte Bundesflnanzmini- ster Schaffer. Ein entsprechender Gesetzesentwurf werde vorgelegt, sobald die Erörterungen mit den beteiligten Verbänden besonders auch hinsichtlich des Ausmaßes der Steuersenkung zum Abschluß gekommen seien. Skßet-Ecltß Die für den 7. Januar vorgesehene Besprechung des Deutschen Fußballbundes mit den Vertretern der Vertragsspielervereine wurde vom DFB auf unbestimmte Zelt verschoben. Der DFB hält es für angebracht, daß erst in Süddeutschland zwischen SFV und Oberliga klare Verhältnisse geschaffen werden sollen, ehe weitgehende Verhandlungen zweckmäßig erscheinen. Leo Kronenbitter, der jüngste und talentierteste Sproß der Stuttgarter Fußball- Familie Kronenbitter ist aus russischer Gefangenschaft heimgekehrt. Zwei seiner Brüder (Kurt und Siegfried) spielen mit Erfolg in der Oberliga-Elf der Stuttgarter Kickers, während Franz von den Sportfreunden, der Geschäftsführer der Oberliga, seit seinem Unfall nicht mehr aktiv ist. Reinhard Sehaletzki, der ehemalige Nationalspieler hat seinen Trainerposten beim Freiburger FC wieder aufgegeben und soll sich nach Stuttgart begeben haben. (ISK) Wetterbericht Wetterlage: Die Frostlage, die am Samstag begonnen hatte, wurde durch neue, vom Atlantik nach Osten vordringende Störungen abgebaut. Dabei gelangt auch unser Gebiet in den Bereich etwas milderer Luftmassen. Vorhersage: Am Dienstag und Mittwoch meist bewölkt, zum Teil nebelig. Geringe Regenfälle möglich. Etwas milder. Temperaturen meist über Null Grad. Winde au» West bis Nordwest. AUS DER BUNTEN WELT * Die oergeffenen „Gentee" Ein heitere« Kapitel aue Oer Gefchichte Oer Technik unO Oer ErftnOungen Das 19. Jahrhundert war nicht nur das Jahr- aundert der großen Erfindungen, — in den Strahlenkreis der bedeutenden Männer, die äas Zeitalter des technischen Fortschritts zu leuchtender Blüte führten, traten auch einige kleinere „Genies“, die die Menschen mit Produkten ihrer Phantasie zu beglücken suchten, die von ihren Mitbürgern hie und da auch Beifall ernteten — man nahm damals jedes Neue, noch nie Dagewesene mit kritikloser Aufgeschlossenheit entgegen —, die aber doch ille früher oder später wieder in Vergessenheit gerieten und darüber hinaus oft beißenden Spott ertragen mußten. Wenn wir heute ln jenen Annalen der Technik blättern und von den kuriosen Erfindungen lesen, können wir ebenfalls nicht umhin zu lächeln über jene gutgemeinten Pläne und Vorschläge, womit die „genialen Erfinder“ das Leben der Menschen bequeme?, erträglicher, gefahrloser machen wollten. Der Blitzableiter am Regenschirm Da lebte um die Mitte des letzten Jahrhunderts in Paris der Franzose Barbeu du Bourg, der die Schriften von Benjamin Franklin, des Erfinders des Blitzableiters, ins Französische übersetzt hatte. Er war begeistert von der Erfindung des Amerikaners, war aber zugleich von einer grenzenlosen Furcht vor Gewittern geplagt, die eines Tages zu folgender Erfindung führte: er stattete seinen Regenschirm mit einem Blitzableiter en miniature aus, und die Pariser konnten Monsieur pu Bourg in den Straßen beim heftigsten Gewitter furchtlos Spazierengehen sehen, über Bich einen Regenschirm haltend, auf dessen Ewinge eine kleine Spitze stak, von der sich »in langer Draht herunterschlängelte, und der loch hinter dem Fußgänger herschleifte. Mon- »ieur du Bourg versah sogar seinen seidenen Hut mit dieser „Versicherung gegen den Blitz“. In London erschien kürzlich ein Buch, das von einer Reihe solcher „Kapriolen menschlichen Erfindergeistes“ erzählt. Der Franzose Aboilard war ein begeisterter Anhänger des Schlittschuhlaufens. Da er als romantisch veranlagter Mensch dem Sport im Kreise seiner zahlreichen Freundinnen vor allem in den Abendstunden huldigen wollte, steckte er an seine Schlittschuhe eine kleine elektrische Birne, die mit einer Batterie in seiner Tasche verbunden war. Die Erfindung streute gerade so viel Licht auf das Eis, um gefahrenbringende Hindernisse sichtbar werden zu lassen. Ein anderer Erfinder wollte der Hausfrau und Mutter das Leben bequemer machen, indem er eine Konstruktion ersann, die es ihr ermöglichte, mehrere Arbeiten zu gleicher Zeit auszuführen. Er verband einen Schaukelstuhl durch Schnüre, die über Rollen liefen, mit dem Handgriff eines Butterfasses und mit der Wiege des Kindes. Während die Hausfrau bequem schaukelnd in ihrem Stuhl saß und Strümpfe für ihren dfernahl strickte, machte der „Mechanismus“ Butter und wiegte das Bettchen des Säuglings. Die Näherin als Dauerredner ' Zu dem berühmten amerikanischen Elektriker Edison kam eines Tages eine Fraü und klagte über die körperliche Ermüdung, die das Treiben der Nähmaschine mit den Füßen hervorrufe. Edison erinnerte sich an ein altes physikalisches Experiment, nach dem Schallwellen in Energie umgewandelt werden können. Er wandte diesen Versuch bei einer Nähmaschine an, versah sie mit einem Motor und befestigte — in gleicher Höhe mit dem Mund der Näherin — eine Art Membrane. Die Maschine lief, wenn in die Membrane gesprochen wurde, die Schallwellen der Stimme wurden zu Kraft, die den Motor bewegte. In der Theorie hatte Edison mit seiner Konstruktion ohne Zweifel recht, er hatte aber dabei einmal die Modulationen der menschlichen Stimme nicht in Betracht gezogen, die eine unregelmäßig wirkende Krafterzeugung verursachten, und zum andern die noch wesentlichere Tatsache nicht berücksichtigt, daß dauerndes Sprechen ermüdender ist als das Treten des Fußbretts der Maschine. Als Edison der Bekannten die Maschine überreichte, riet er ihr, während des Nähens Poesie zu rezitieren oder ein Buch laut zu lesen. Die Frau, die zunächst über die Erfindung begeistert war erkannte jedoch bald die Unzulänglichkeiten dieses schöpferischen Einfalls, und kehrte zu ihrer altmodischen Maschine zurück. Der Ventilator Ober bem Bett Bei unseren Vorfahren vor 75 bis 100 Jah- ten war es im allgemeinen nicht üblich, bei geöffneten Fenstern zu schlafen. Man fürchtete sich vor Erkältungen. Diese Meinung Wurde jedoch nicht geteilt von einem Belgier g t Namen Vandertas, der behauptete, Schla- l ohne Zuführung frischer Luft verursache ipfweh und andere Krankheiten. Er erfand fcinen Ventilator, bestehend aus einem Kasten, Per die Form eines Megaphons hatte und dessen breites Ende über dem oberen Teil des Betts, d. h. über dem Kopf des Schläfers hing. Dieser „Ventilator“ fand zunächst Anklang, jpr wurde in einer belgischen Fabrik herge- ktellt. Aber auch dieser Erfindung war kein langes Leben gesichert. Die Käufer beklagten Zieh, daß die klaffende Öffnung des Kastens, pie über ihnen gähnte, während des Schlafs Alpdrücken hervorrufe, daß sie dadurch'von lösen Träumen geplagt würden, aus denen £ie plötzlich erwachten, oft sich aus Furcht im Bett aufrichteten und — dabei den Kopf an Sen Ventilator stießen. Das Ergebnis sei, daß Nie am anderen Morgen schlimmeres Kopfweh besäßen, als wenn sie in einem unge- liifteten Zimmer geschlafen hätten. Bekanntlich traten sehr viele Menschen der Einführung der Eisenbahn im letzten Jahrhundert mit Skepsis und Abneigung entgegen. Ein besonders findiger Franzose wollte seinen ängstlichen Mitbürgern die Furcht vor Zusammenstößen nehmen und machte einen äußerst originellen Vorschlag, "der allerdings nur ein Vorschlag blieb: Man solle auch über die Dächer der Eisenbahnwagen Geleise legen. Nähere sich ein Zug einem anderen auf demselben Schienenstrang, so könne er auf das Dach des entgegenkommenden Zuges „klettern“, darüber rollen und am anderen Ende wieder sicher herunterfahren! Mäuse spinnen Zwirn Zu den originellsten Erfindungen des 19. Jahrhunderts, zu den amüsantesten Projekten, die je einem menschlichen Gehirn entsprangen, gehört jene Zwirnfabrik, in der nicht Menschen, sondern Mäuse die Arbeiter waren. Sie war die Schöpfung des Engländers Hatton, dem die Anregung dazu ein eigenartiges Spielzeug eines lange Jahre in französischer Kriegsgefangenschaft festgehaltenen Mitbürgers gab. Dieser Soldat hatte — um seine Langeweile zu überwinden — eine kleine, in sich geschlossene Trommel konstruiert, die sich um eine Welle drehen konnte. In diese Trommel sperrte er eine Maus. In seinem Drang nach Freiheit lief das Tierchen ständig den runden Wänden entlang mit dem Ergebnis, daß die Trommel rotierte. Hatton studierte jenes Spielzeug genau und kopierte es dann in einem riesigen Maßstab. Er baute eine Anzahl von großen Trommeln, die sich um ihre Achse drehen konnte, füllte sie nicht nur mit einer Maus, sondern mit so vielen, wie er auftreiben konnte, und verband diese drehenden Walzen mit Spinnrädern. Die Mäuse liefen, die Trommeln rotierten,, die Spinnräder arbeiteten! Die Erfindung erregte Aufsehen. Der „Mäuse-Chef“ behandelte seine Arbeiter sehr menschlich. Sie wurden reichlich mit Brot, Käse und Zucker gefüttert. Des - Nachts durften sie die Trommeln verlassen, und bekamen einen eigenen Stall zum Schlafen. Sie hatten jeden Tag eine Mittagspause von einer Stunde und arbeiteten sechs Tage in der Woche. Und doch entwickelte sich die „Mäusefabrik“ nicht so wie es der positive Anfang versprochen hatte. Auch bei Tieren spielt das psychologische Moment bei der Arbeit eine Rolle. Briefe oerbinöen „Laßt une Oie Türen unO Zwei kleine amerikanische Pfadfinderinnen schickten im vorigen Jahr ein Paket mit Nähzeug, Seife und Schokolade an ein unbekanntes Scoutgirl in Griechenland. Das griechische Mädchen bedankte sich schön in einem Antwortbrief und so begann eine Brieffreundschaft von Amerika nach Griechenland. Eines Tages erwähnte die junge Griechin beiläufig, wie Kinder schreiben, daß ihre jüngere Schwester an Hirnhautentzündung erkrankt sei und wahrscheinlich sterben müsse; es gäbe zwar ein Heilmittel, doch sei es in Europa nicht aufzutreiben. Die amerikanischen Mädchen .hatten nichts eiligeres zu tun, als zu ihrem Hausarzt zu gehen — und dieser stellte ihnen sofort ein Rezept für das Heilmittel aus. Bald war die Arznei auf dem Luftwege nach Griechenland unterwegs, und das griechische Mädchen, das die beiden kleinen Amerikanerinnen noch nie gesehen hatten, wurde durch ihr Einspringen wieder gesund. „Schreibt von euerm täglichen Leben“ Der Briefwechsel über Meere find Kontinente verbindet heute Menschen jeden Alters und Geschlechts miteinander, und auch Pakete werden in immer größerer Zahl geschickt. Es ist den Briefschredbern wieder klar geworden, daß sie alle Menschen sind, welche Sprache sie auch sprechen. Sie schließen Freunds chaft, d ie letzten Endes die he stän- dlgsfe waruuiSg irüCr.TOÜonaler Beziehungen sind. In Amerika gibt es heute mehr als fünfzig Organisationen, die ihre Mitglieder und Freunde auffordem, irgend jemanden im Ausland zu schreiben. Literarische Meisterwerke werden von den Briefschreibern nicht erwartet und sind auch gar nicht erwünscht. Skippy sorgt für ein Fahrrad Die besten Briefschreiber finden sich unter den Jugendlichen zwischen 13 und 19 Jahren. Sie nehmen am allen Problemen besonders lebhaft Anteil, zeigen sich daher auch gut informiert und sind vor allem noch frei von den Hemmungen älterer Menschen. Ein nettes Beispiel für den Geist internationaler Verständigung gibt der Briefwechsel zwischen Skippy Carter aus Massachusetts und einem holländischen Jungen. Der kleine Holländer war gerade von einer langen Lungenentzündung genesen und schrieb ganz bei- Die Mäuse wurden im Laufe der Zeit von der stumpfsinnigen.Betätigung, von diesem eintönigen Rennen nach einem Ausgang aus dem Gefängnis müde, sie verloren die anfängliche „Begeisterung“ — trotz der guten Verpflegung — täglich stundenlang in einer Richtung zu laufen und dabei niemals die Freiheit zu finden. Die Produktion der Fabrik sank und die großen Gewinne, die Hatton mit diesen unbezahlten Arbeitskräften erhofft hatte, blieben aus. Allerdings ließ sich der Engländer durch diese Rückschläge nicht einschüchtern. Er war felsenfest überzeugt, daß ihn sein Projekt früher oder später zu einem reichen Mann machen würde. Wenige Jahre vor- seinem Tod mietete er eine alte Kirche und annocierte in den Zeitungen nach 15 000 Mäusen! Er wollte im ganzen Gebäude seine Trommeln aufstellen, die Tiere sollten unter verbesserten Bedingungen arbeiten, er gab bekannt, daß er nun Hunderttausende von Kilometern Zwirn fabrizieren könne. Aber Mr. Hatton starb, bevor er seine großspurigen Behauptungen bewiesen hatte, und er hinterließ kein großes Vermögen! Am meisten gefreut haben sich über den Tod des Mannes sicher die Mäuse, denn jetzt wurden sie wieder frei...! HGB Öie ganze Welt Fenflter weit aufftoßtn" läufig, daß er sich am meisten vor dem 5-km- langen Fußmarsch zur Schule fürchte. Vor dem Kriege hätte es ja Fahrräder gegeben, aber jetzt se^en keine mehr zu bekommen. Das war kein Bettelbrief und auch nicht im Tone der Selbstbemitleidung geschrieben — es war im Plauderton berichtet, in dem sich eben Freunde unterhalten. Doch Skippy nahm sich das zu Herzen. Er schrieb einen Aufruf zu einer Geldsammlung und hängte ihn an das schwarze Brett seiner Schule. Es dauerte nicht lange, bis ein neues Fahrrad nach Holland unterwegs war — und die American Airlines beförderte es auch noch kostenlos. Tausende amerikanischer Kriegsteilnehmer haben richtiges Heimweh nach den Menschen, die sie in Übersee kennengelernt haben — nicht nur nach ihren Freundinnen — und schreiben ihnen Briefe. Ein Franzose, bei dem 50 amerikanische Soldaten im Quartier gelegen haben, braucht zwei Tage der Woche allein für die Korrespondenz mit seinen amerikanischen Freunden. Die Eltern gefallener amerikanischer Soldaten stehen in Briefwechsel mit Familien im Ausland, die ihre Söhne kannten. „Wir müssen alle gute Freunde sein!" Der Wissensdurst der Menschen ist unstillbar. Die Bostoner Zeitschrift „The Christian Science Monitor“ veröffentlicht jede Woche mehrere Spalten mit Auslandsbrieföl und fordert ihre Leser auf, sie zu beantworten. In weniger als einem Jahr hat das Auslandsbriefprogramm des Rates für Weltfragen (World Affaires Council) in Philadelphia eine so große Anzahl von Brieffreundschaften vermittelt, daß man dazu übergehen mußte, Registriermaschinen aufzustellen, um Menschen mit gleichen Interessen und gleichem Bildungsniveau zusammenzubringen. Für Amerikaner ist mancher dieser Briefe aus dem Ausland tief bewegend. „Nach elf Jahren des Zwanges“, schreibt ein Deutscher, „möchten wir die Türen und ff’enster weit aufstoßen, damit die frische Luft der Demokratie hereinströmen kann.“ Und wie ein Aufschrei klingt es aus dem Brief eines kleinen belgischen Mädchens: „Oh — hoffentlich wird es nie wieder Krieg geben. Wir müssen alle gute Freunde sein.“ Naturaliftifche Lyrik? Reit noch nicht allzu langer Zeit erscheinen huf den Spielplänen unserer Theater ln stärkerer Zahl wieder Schauspiele, die in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts oder um die Jahrhundertwende entstanden sind und die wir der naturalistischen Dichtung zurechnen. Mit anderen Worten gejagt: Wir erleben eine Art Renaissance des Naturalismus. Dieses Phänomen läßt sich etwa folgendermaßen erklären: Nach der ungeheuren Welle der surrealistischen und symbolistischen Dramen, die in den letzten Jahren über uns hinweggegangen ist, empfinden wir -heute die Stücke des jungen Naturalismus, »twa die Jugendwerke Gerhart Hauptmanns, 91s eine angenehme Erfrischung. Sie wirken ‘auf uns wie ein frischer Wind, der unsere Vom geheimnisvollen Dampf des Irrationalen Erhitzten Gemüter abkühlt. Genau so hatte das Auftreten des Naturalismus in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts gewirkt. -Er hatte natürlich seine Vorgänger und die folgerichtige Entwicklung bis fu seiner Höhe ist leicht aufzuzeichnen. Mit flen Begriffen Romantik — Realismus — Naturalismus sind sie grob festgelegt. Die Anreger des Naturalismus finden wir vor allem im Ausland: Zola in Frankreich, Ibsen in Norwegen und im Osten die beiden Russen Tolstoj und Dostojewski. Als die deutsche Keimzelle des Naturalismus möchte ich. den Berliner Dichterkreis „Tunnel über der Spree“ bezeichnen, der am Anfang der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts im krassen Gegensatz zu flem „Münchener Symposion“ stand, in dem Deibel als Literaturpapst Dichter und Form tyrannisierte, sich seiner reinen Reime brüstete und sich in der Gunst des bayerischen Königs sonnte, der auf seinen Wink Orden, Ruhegelder und Lehrstühle an der Universität vergab. Diese Münchener Dichter fühlten jich als die echten Erben Goethes; aber sie merkten nicht, wie weit sie sich von der Natu» »ntfernt hatten, mit der Goethe doch in unmittelbarer Beziehung gestanden hatte; sie waren vom Wesen des „naiven Dichters“ im VC1XUJ üinne öcniuers, aer sicn ja in Goethe . perte, weit entfernt. In Wahrheit waren - Naturalisten die Erben der Goethezeit, wei wir ihr Wesen von der Parallelität der Gc stesgeschichte und der übrigen Entwicklu der Menschheit aus betrachten. Von den Pol „Inhalt und Form“ oder „Natur und Geis aus gesehen bilden sie natürlich einen.krassi Gegensatz zur deutschen Klassik, weil sie si bewußt aus der Tradition losrissen und üb alles hinweggingen, wovor die großen Geist früherer Zeiten gewarnt hatten. Sie spren ten die gesunde Spannung von Form ui Inhalt und gaben den letzten Anstoß zu Chaos der Gegenwart. „Revolution der Literatur“ war das grol Schlagwort; „der W^rrwar der Zeit soll d Stoff der Dichtung sein“ bildete eines d Leitmotive. Diese Revolution aber trug de Stempel der unbedingten Wahrhaftigkeit ur Ehrlichkeit und sie hatte, den Charakter ein „Sturm-und Drang-Bewegung“ der deutsche Literatur und Geistesgeschichte. Der „Stur und Drang“ des 18. Jahrhunderts aber bes: noch Tradition, während sich ja der Natur: lismus gewaltsam daraus losreißen wollte. Das waren die Forderungen der neuen Bewegung. Was aber zeigten uns seine Früchte? Der vorherrschende Stoff des Naturalismus ist natürlich die soziale Umschichtung, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf Grund der raschen Entwicklung von Industrie und Technik ergeben hat. Und für diesen Stoff ist der Roman die geeignete Form. Diese literarische Gattung war im Laufe des 19. Jahrhunderts so weit entwickelt worden, daß sie imstande war, alles Neue Und Revolutionäre in sich aufzunehmen. In diesem Sinne möchte ich den Roman als die Kunstform des Naturalismus bezeichnen. Er konnte sich vor allen Dingen der psychologischen Seite des Problems annehmen, das den Menschen plötzlich der hoch entwickelten Technik und Industrie gegenüberstellte oder mitten in sie hineinwarf. Nicht mehr so einfach, glaube ich, liegen die Dinge im naturalistischen Drama. Es ist durchaus nicht alles Naturalismus, was hier unter diesem Namen läuft. Das Beispiel Gerhart Hauptmanns zeigt uns dies sehr deutlich. Wie ein Blitzschlag wirkt sein erstes Sozialdrama „Vor Sonnenaufgang“. Es ist die Kritik einer faulen und morschen Gesellschaft, die durch neue soziale Ideen überwunden werden soll. Im Ganzen können wir hier noch von einem naturalistischen Drama sprechen, wenn wir einen etwas großzügigen Maßstab anlegen. Aber sind es, wenn wir einen Blick auf andere Dramen des jungen Hauptmann werfen, nicht einfach allgemein gültige menschliche Probleme, vor die wir uns gestellt sehen und die wir schon vom bürgerlichen Trauerspiel des 18. und 19. Jahrhunderts her kennen? Sie sintf nur ins Milieu der „Menschen 4. Klasse“ verlegt. Es ist das Verdienst Hauptmanns und der übrigen naturalistischen Dramatiker, diese neue Welt dem Drama erschlossen zu haben. So dürfen wir also den Begriff „Naturalismus“ in der Sphäre des Dramas nur mit Vorbehalt anwenden. Bei all diesen Genannten aber finden wir im Laufe ihrer Entwicklung eine Abwendung vom Naturalismus, den sie anfangs so stürmisch proklamiert haben; denn soziale Programme sind auf die Dauer kein Stoff für die Lyrik. Am besten können wir dieses Umschlagen bei dem bedeutendsten Vertreter der naturalistischen Lyrik beobachten, bei Arno Holz. Wenn wir etwas genauer hinsehen, so bemerken wir, daß es sich bei ihm gar nicht um ein Umschlagen im eigentlichen Sinne, das heißt um ein Abwenden, wie es oben ausgeführt wurde, handelt, sondern eher um ein „Nebeneinander“ zweier Richtungen, die Holz vergeblich in Einklang zu bringen versucht. Die erste dieser beiden Richtungen fassen wir am sichersten in seinen programmatischen Schriften, von denen die bedeutendste die 1899 unter dem Titel „Revolution der Lyrik“ erschienene ist. Hier versucht Holz, den neuen Inhalten eine neue Form zu geben. Die neuen Stoffe seien so grundlegend andere gegenüber den traditionellen, daß sie nicht in die alten überkommenden Formen paßten. Er ist mißtrauisch gegen den „Leierkasten der Reime“ und spricht vom „notwendigen Rhythmus“, den das Gedicht haben müsse. Das bedeutendste Werk von Arno Holz, ja das bedeutendste lyrische Werk dieser Epoche überhaupt, ist sein „Phantasus“. Und was macht Holz in seinem „Phantasus?“ Er gießt alte Inhalte in neue Form. Sein ganzes Leben lang hat er an dieser Gedichtsammlung gearbeitet. Er ist so besessen davon, daß sie gegen Ende seines Lebens in ekstasisches Wortspiel ausartet, wobei oft sejtajange Adjektivhäuf ungen im Superlativ’Terscheinen. Aber dies geht über den RahmÄWieser Betrachtung. Der „Phantasus“ also ist der Form nach den theoretischen Grundsätzen gemäß gestaltet, ist aber im Grunde das Gegenteil einer naturalistischen Dichtung, was ja auch schon sein Titel deutlich macht. Denn wo Phantasie ihre Flügel breitet, da hat naturalistische Schilderung keinen Platz mehr. Einige Verse aus dem „Phantasus“ sollen das eben Gesagte bestätigen: In einem Garten unter alten Bäumen auf dunkler Moosbank, Hand in Hand sinnend, schweigend, uwiesam, erwarten wir die Frühlingsnacht. Bei Johannes Schlaf, dem konsequenten Naturalisten, was die Form betrifft, — er schreibt eine Art Prosa-Lyrik — beobachten wir das oben aufgezeichnete Phänomen selbst am einzelnen Gedicht. Wenn Schlaf zum Beispiel eine Wiese beschreibt, so geht er als „konsequenter Naturalist“ dabei bis ins kleinste Detail. Liebevoll schildert er jedes Insekt und jedes kleine Blümchen, wobei plötzlich das überraschende Moment eintritt, daß aus der naturalistischen Schilderung primi ordinis etwas ganz Unnaturalistisches wird: die Welt der Wiese wird zum Kosmos in sich selbst und das naturalistische Element hat sich durch Übertreibung in sein Gegenteil überschlagen. O. Bantel Vom Schloß zum Altersheim Das Kislauer Schlößchen Altersheim für Vertriebene Jeweils im Abstand von wenigen Wochen hielten im Jahr 1946 in der Station Mingols- heim lange Güterzüge mit 40 und mehr Waggons. Aus den dumpfen „Käfigen“, die diese Wagen darstellten, quoll ein buntes Gewimmel hervor, Frauen und Kinder und ältere Männer mit ihrer armseligen Habe. Flüchtlingstransporte wurden die jammervollen Züge genannt, zu Unrecht, denn ihre Insassen waren keine geflüchteten, sondern mit Gewalt aus ihrer alten Heimat vertriebene Menschen. Aus Ungarn und Jugoslavien kamen sie, die meisten aus den tschechischen Sammellagern. ' ttre erste Heimstatt im badischen Land war das Schlößchen von Kislau, dem nach Ablauf einer sehr wechselvoilen Geschichte das Los zuteil geworden war, in ein Durchgangslager für heimatlose Ausländsdeutsche umgewandelt zu werden. Das einstmals fürstbischöfliche Lustschloß diente seit den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts vorübergehend als Spinnerei. Es wurde dann von der Badischen Inneren Verwaltung für 160 000 RM angekauft samt Schloßmühle und Oekonomiegebäuden. An die 600 000 Mark sind seit 1898 in diese weitläufige Anlage hineinpraktiziert worden. Sie diente lange als Arbeitshaus und ging 1938 als eine Art Anhaltelager sang- und klanglos in die Hände der Justizverwaltung über. Als dann die Früchte des dritten Reiches reiften, und statt der Konzentrationslager Wohnraum für die ins westliche Deutschland hineinströmenden Fluten der Heimatvertriebenen benötigt wurden, nahm Kislau die Elendszüge der Flüchtlinge auf und beherbergte bis zu 2000 Menschen gleichzeitig, die alle paar Wochen durch neuen Zuschub ausgetauscht wurden, sobald die früheren Bewöhner auf die Gemeinden des Kreises aufgeteilt waren. Schließlich versiegte der große Strom der Vertriebenen und jetzt entschloß sich die Innere Verwaltung, wenigstens einen Teil des Lagers in ein Altersheim, hauptsächlich für Heimatvertriebene, umzuwandeln. Ein anderer Teil des Schloßkomplexes, namentlich die ökonomischen Anlagen und die Ackergründe, wurden von der Justiz nicht freigegeben. Die Entwicklung des Altersheimes Kislau ■ begann etwa im_Sommer 194 7. Der A usbau des Altersheimes kann als RÜhfiiesBTäft der Inneren Verwaltung und als ein seltenes Meisterstück sparsamer wirtschaftlicher Planung ihres Leiters — von der Heydt — angesehen werden. Nach dem Zusammenbruch 1945 befand sich die Anstalt in einem trostlosen Zustand. Sie hatte durch den starken Beschuß erheblich gelitten. Einzelne Dächer waren völlig abgedeckt. Fenster und Rahmen herausgerissen, Mauern abgetragen und das Innere durch Besatzungstruppen und Fremdarbeiter in übelster Weise verwüstet. Die ersten Instandsetzungsarbeiten leistete die Gemeinde Mingolsheim durch tausende, zum Teil unbezahlter Arbeitsstunden. In der Zeit seiner Verwendung als Durchgangslager waren sämtliche verfügbaren Räume der Schloßanla *e, auch der Zentralbau, der übrigens eine bemerkenswert großräumig angelegte Wendeltreppe aufweist, mit stockhohen Holzbetten angefüllt. Diese mußten jetzt weißlackierten Eisenbettstellen weichen, denn selbstverständlich konnte den alten Leutchen, die nun die Räume bevölkerten, nicht zugemutet werden, Kletterpartien in das oberste Stockwerk des Bettgestells zu unternehmen. Die Zahl der Insassen blieb ja im Altersheim auch auf etwa 300 beschränkt. Immerhin schliefen ein Teil der alten Leute noch in großen Sälen, die erst im Laufe der letzten 1 y, Jahre durch Zwischenmauern geteilt und in Räume mit vier, drei und zwei Betten umgewandelt worden sind. In dieser Zeit wurden durch allmählichen Ausbau vier Säle mit Massenquartieren in Einzelräume umgebaut. Der Südflügel —, in der Zeit der französischen Besatzung lag er abgetrennt, ist ausgebaut worden. Als Schwesternwohnung dient heute ein durch Brand verwüsteter Seitenflügel des so-' genannten Kavalierbaues. Eine eigene Bücherei mit etwa 500 Bänden ist errichtet, für die zu Einzelräumen umgebauten früheren drei Säle im Kapellenbau wurden zwei große, moderne Waschräume geschaffen. Selbstverständlich mußten auch die alten, unhygienischen Abortanlagen einem neuzeitlichen Ausbau weichen. Ein gemütlicher Tagraum mit Polstersesseln befindet sich heute im ersten Stockwerk des Kavalierbaues; ebenso eine Teeküche. Das ganze Haus ist mit neuen Möbeln ausgestattet. Schlicht und würdig hat der Geschmack des Verwalters der Anstalt im Zusammenwirken mit dem heimischen Handwerk die Hauskapelle gestaltet, neben der sich ein großer als Kirchensaal benützbarer Raum für gottesdienstliche Zwecke beider Konfessionen befindet. Eine eigene Schneiderwerkstätte und eine Schuhmacherei sorgen für die nötigen Herrichtungen in der Anstalt: Die Handwerker unter den alten Leuten machen sich gerne in ihrem Fach nützlich und gewinnen sich dadurch zusätzliche Mittel für ihre privaten Bedürfnisse. Die Frauen bet.ätigen sich, soweit sie dazu in der Lage sind, bei Hausarbeiten und in der Gartenanlage, andere widmen sich der altvertrauten Kunst der Spitzenklöppelei, für deren Erzeugnisse der Leiter des Altersheimes immer Absatz findet. Selbstverständlich ist den Wohntrakten eine Krankenabteilung angeschlossen, die von Schwestern betreut und vom Anstaltsarzt, der wie die meisten Inwohner, Heimatvertriebener ist, geleitet wird. In den Sommermonaten bieten die geräumigen Anlagen und von alten Bäumen beschatteten Höfe, in denen weiße Gartenbänke zur Ruhe einladen, angenehmen Aufenthalt und so ist denn schon seiner ganzen behäbigen und ländlichen Umgebung wegen Schloß Kislau zu einem Altersheim geworden, in dem sich die Bewohner wohl fühlen. Herr von der Heydt sorgt auch dafür, daß die alljährlich wiederkehrenden hohen Feste durch entsprechende gemeinschaftliche Feiern zu einem nachhaltigen Erlebnis werden. Gelegentlich findet. schaffen wurde. auch ein Laienspiel statt oder es wird ein Film vorgeführt. Die Anstalt bedarf trotz der bedeutenden Ausbau-Aufwendungen keiner Zuschüsse, sondern erhält sich selbst. Für das leibliche Wohl ist durch die Aufzucht von Schweinen zusätzlich gesorgt, und im Laufe des letzten Sommers ist dazu noch eine Hühnerzucht mit guten Legerassen angeschafft worden. Eine nach modernen Grundsätzen aufgebaute Bäckerei wird demnächst die Bewohner der Anstalt Kislau mit eigenem Brot, gelegentlich auch mit Backwerk versorgen. Vergegenwärtigt man sich, was hier mit verhältnismäßig bescheidenen Mitteln im Laufe weniger Jahre an Aufbauarbeit für die heimatvertriebenen alten und siechen Leute getan worden sei, denn in der Mehrzahl handelt es sich um solche Insassen, so kann man .wohl mit Fug und Recht sagen, daß hier ein menschenfreundliches und großzügiges Werk ge- R. R. Die ersten weißen Haare Das Frauenantlitz wird vom Leben geformt Für jede Frau sind sie wohl ein Grund, tig, ob es sich um die Kleidung oder das ma- zu erschrecken — die ersten weißen Fäden im ke-up handelt. So ist das auch mit dem Grau- Haar. Und für viele Frauen sind sie gleichbe- werden des Haares seiner Frau. Ist sie noch deutend mit der gefürchteten Formel: Nun* jung, vielleicht in den dreißiger Jahren, sollte werde ich alt. Kluge Frauen überwinden diese sie sich für ein Nachfärben des Haares ent- Tatsache; sie finden sich nicht nur ab mit ihrem Alter, sondern sind sogar glücklich über ihre Reife. Andere gehen zum Friseur und lassen von ihm die Haarfarbe „regulieren“. Es gibt keine Frau, die die weißen Fäden in ihrem Haar nicht entdecken und sich Gedanken darüber machen würde. Aber was denkt der Mann darüber ? Bei ihm muß die Frau stets wissen, daß er nur die harmonische Gesamtwirkung sieht und auch nach ihr urteilt. Wohl nur in seltenen Fällen findet er unschöne Details heraus, gleichgül- Brndisialer Impressionen Saalbach- und Seilersbahn-Erin nerungen eines jungen Mannes Das Leben in Bruchsal ist schwer geworden. Leicht war es zwar noch nie, aber doch um so vieles besser und freudiger. Vor zwanzig Jahren etwa sind wir — aus einer benachbarten Großstadt kommend — in ein Haus in der Seilersbahn gezogen, und ich —ifr — mm r~ ; nh rer —'• l ebha ft e '«tat fl ic h als Schuljunge an der Mauer des einstmaligen Frauengefängnisses Ball gespielt habe. Die Seilersbalni war eine Straße gewesen, die sich herrlich zum „Spielen“ eignete. Sie war verkehrsstill und die hohe Mauer der Frauenstrafanstalt war für uns Jungen ein Ideal. Als junger Brigant hatte ich es nicht allzu schwer, mich mit den meist gleichaltrigen Holzlumpen anzufreunden und oftmals haben wir auch den Herrn „Paulus“ geärgert, der an der Saalbach eine Druk- kerei besaß, einen Verlag. Dort bei Paulus Biedermann, der damals wie auch heute noch ein freundlicher Herr war, wurde eine Zeitung hergestellt, die man auf den geschäftigen Namen „Bruchsaler Bote“ getauft hatte. Jene Zeit, in der ich in der altvertrauten Seilersbahn gewohnt habe, war gerade die Sterbezeit des „Brusler Boten“, denn das „Dritte Reich“ war gerade zur Macht gekommen. Oftmals stand ich an der großen Brücke und starrte in das graue Wasser des Baches hinein, der im Frühjahr einem Wildbach en miniature glich und auf dem desmeist allerlei Gerümpel dahinschwamm. Wenn ich nachts in meinem Zimmer in der Seilersbahn wachlag, da hörte ich aus der Nähe das Rauschen des Saalbaches. Dieses war in der ersten Zeit unseres Hierseins recht ungewohnt und es klang als käme es von einem großen Fluß. Im Sommer, bei niederem Wasserstand, hörte ich nachts dieses Plätschern nur undeutlich. Aber immer hat es eine Art kindlicher Schwermut und Nachdenklichkeit in mir erweckt, und ich weiß noch gut, daß ich lange Zeit oftmals im Bett lag, in das Dunkel des Zimmercbens sah und träumte. Und was träumte man da alles als junger Mensch, als junger „angesiedelter“ Zwangs- brusler: Von einem Rennwagen, von einem Flugzeug, vom „Trapperspielen“ in Wildwest, und was so noch alles Jungenträume sind. Man träumte von Dingen, die niemals in Erfüllung gingen. Man träumte und freute sich an seiner eigenen ungelenken Phantasie. Und doch: Diese Zeit ist und war die herrlichste und freieste unseres Lebens und ich beneide des öfteren jenen Schulbuben, der kindlichen Gemüts seinen Karl-May lesen kann. Wissen Sie, nachts, im Bett, heimlich, mit der Taschenlampe unter der Bettdecke. Kinder, Kinder, sind wir ehrlich: Gab es etwas Schöneres? — Etwas Spannenderes? — und waren wir je im Leben schon zufriedener? Ich vergesse sie nicht, jene Zeit in der Seilersbahn, als ich nächtlich dem Saalbach lauschte und nachmittags an der Mauer, die Mauer war hoch genug, daß niemand von dort drinnen raus konnte und keiner von uns Buben hinein. Es war für unser kindliches Gemüt eine Mauer des Schweigens, wir hatten eine gewisse scheue Ehrfurcht vor ihr, weil man es uns erzählt hatte, daß nur schlimme Menschen hinter dieser Mauer wohnen würden. Heute schreiben wir bereits das Jahr 1950 und doch lebt in dieser Strjße — im Kriege kam sie einigermaßen glimpflich davon — auch heute noch die alte Brusler Luft. Der Saalbach rauscht nachts — und man könnte glauben, es wäre in Bruchsal alles beim Alten geblieben, wie ehedem, als noch Kutsche und Kuhfuhrwerk durch die Seilersbahn rollten und der druckfeuchte Bruchsaler Bote die Kreisstadt über die neusten Brusler Vorkommnisse orientierte. 650 Jahre Wiesental Ein Beitrag zur Wiesentaler Ortschronik Wie die Ortsgeschichte von Wiesental berichtet, erhielten im Jahre 1297 Siedler von einem Speyerer Bischof Friedrich Boianden ca. 80 Morgen Waldland zur Kultivierung und Bebauung. Die Urkunde hatte etwa folgenden Wortlaut: Wir Friedrich . . , Bischof Werner, Dekan vermieten und weisen an (als Wohnsitz) zur Besiedlung unter Erbrecht für ewige Dauer, den uns gehörigen Platz, der Wiesentem genannt wird, in unserem Wald Bischofshard, jetzt Lußhardt genannt, auf der anderen Seite des Dorfes (Husen ist das jetzige Oberhausen) nach Länge und Breite 80 Mansus, was im Volksmund Huben heißt — 80 Morgen bestimmten Personen. — Dies haben den Platz von uns empfangen, damit sie ihn, da er jetzt noch unbebaut liegt, zur Behauung und Kultivierung überführen. Auch sollen sie an diesem Platz (einen Ort) ein Dorf erbauen, das eigens den Namen Wiesentem erhalten soll. Wann der Name Wiesentem in Wiesental umgewandelt wurde, ist nicht bekannt, doch wird der Name schon 1346 erwähnt Jahrhunderte hindurch mußten dann die Einwohner Wiesentals den Zehnten an den Bischof von Speyer in Form von Geld, Getreide und Hülsenfrüchten abliefern. Die Gemeinde selbst erhielt eine Verfassung ähnlich wie die Bürger von Speyer. Alle, die sich ansiedelten, mußten djn Bischof als ihren Herrn anerkennen und war bis zur Auflösung des Hochstiftes Speyer im Jahre 1802 der jeweilige Bischof auch zugleich Landesherr. Zum ehrenden Gedächtnis an den Ortsgründer von Wiesental hat die Gemeinde einer neuen Ortsstraße den Namen Boiandenstraße gegeben. Kärglich und arm war der Boden, auf dem sich die Bewohner ernähren mußten, und doch haben sich immer mehr Menschen angesiedelt, denn im Jahre 1464 zählte Wiesental 72 Einwohner, die meistens Landwirte und Waldarbeiter waren. Im Jahre 1610 kam Fürstbischof Philipp Christof von Sötern auf den. Speyerer Bischofssitz. Das Jahr 1632 war ein großes Unglücksjahr und gilt als das zweite Zerstörungsjahr durch . die streifenden Schweden. Nach weiteren Einfällen der Schweden im Jahre 1637 bebaute niemand mehr das Feld. 1648,am Schluß des Dreißigjährigen Krieges, waren in Wiesental noch 16 Familien vorhanden, die in den ärmlichsten Verhältnissen lebten. Im Jahre 1666 kam eine schwere Pestseuche und raffte viele hinweg, die lange Jahre Elend und Not erduldet hatten. Auch im Niederländischen Erbfolgekrieg wurde die Gegend von der Besatzung der Festung Philippsburg derart ausgeplündert, daß daß sich keine Truppen hierher wagen konnten, aus Furcht, nicht einmal das allemotwen- digste zu finden. Im Jahre 1683 zählte die Gemeinde noch 33 Familien. Während dem pfäl- zisch-orleanischen Krieg im Jahre 1689 ging Wiesental vollständig in Flammen auf. Es blieben uns die Statuen am Oelberg bei der Kirche und das kleine Kapellchen am Hagweg, das damals außerhalb des Dorfes stand, erhalten. 1709, also 20 Jahre nach der Zerstörung, sind erst wieder 20 Familien ansässig. Im Mai 1716 kam Kardinal Damian Hugo Graf von Schönborn auf den Speyerer Bischofsstuhl und gilt als zweiter Gründer Wiesentals. Dieser Kardinal hat auch in Waghäusel die Post errichtet, die neue Poststraße von Waghäusel aus am westlichen Rande des Vollmerseckwaldes entlang über Wiesen tal nach Graben geführt. Postgasse und Postweg bezeichnen noch heute diese alte Poststraße. Nach und nach siedelten sich wieder Leute hier an und im Jahre 1748 sind schon wieder 57 Familien ansässig. Doch wan- derten infolgeder armen Verhältnisse auch sehr viele wieder aus, teilweise ganze Familien, einmal neun Familien zugleich nach Ungarn. Unter der Regierung von Fürstbischof August von Limburg-Styrum wurde in der Gegend der Dickrübenbau eingeführt. Mit dem Ende des uralten Hochstiftes Speyer kam auch’das Ende der Reichsfestung Philippsburg und damit hörten auch die Belagerungen auf. Für die Einwohner von Wiesental kamen bessere Zeiten. Bei der Errichtung des Großherzogtums Baden im Jahre 1806 hatte Wiesental 152 Familien. 1846 wurde der Plan gefaßt, eine neue Pfarrkirche zu bauen. Die Gemeinde hat zu diesem Kirchbau 884 Morgen Wald verpfändet; auch wurde damals im Vollmerseckwald ein großes Stück abgeholzt, es ist dies das heutige Gemeindegut Neubruch, worauf auch der Bahnhof Waghäusel erbaut wurde. Nachdem 1870—71 die Rheintalbahn erbaut wurde und die Männer in Mannheim und Karlsruhe Arbeit fanden, ist die Einwohnerzahl gestiegen. schließen. Allerdings ist dies mit ständiger Pflege und Geldausgaben verbunden, wenn das Haar gut aussehen und keine häßlichen, womöglich andersfarbigen Schattierungen bekommen soll. Hat die Frau jedoch ein gewisses Alter erreicht und nähert sich etwa den vierziger Jahren, so darf fast ausnahmslos zu weißem Haar geraten werden. Einmal sind in diesem Alter die kleinen Fältchen im früher straffen Gesicht unverbindlich, vom anderen aber — und das ist von ausschlaggebender Bedeutung — hat das Leben dieses Frauenantlitz bereits geformt und hat ihm eine Reife gegeben, die so anziehend sein kann, daß ihm bewundernde Blicke gezollt werden. Dazu aber gibt weißes Haar die letzte Vollendung. Es hebt die zartrosa Wangen wirkungsvoll hervor, läßt den Mund röter erscheinen und unterstreicht den mütterlichen Glanz der Augen. Diese Zeit wird für die kluge Frau, die die Angst vor den weißen Haaren überwunden hat, oft zur beglückendsten ihres Lebens, wenn sie — geistig und körperlich auf dem Höhepunkt angelangt — die Unklarheiten der Jugend in verstehendes Schauen und Vervollkommnen ihres Ichs verwandeln kann. üserlei Die älteste Einwohnerin gestorben. Im Alter von nahezu 92 Jahren starb am gestrigen Montag im Städtischen Versorgungsheim die älteste Einwohnerin der Stadt Bruchsal, FrL Emilie Grabenstein. Die Familie Grabenstein kam in den 60er oder 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts von Müllheim hierher. Der Vater der jetzt Verstorbenen war damals als Gerichtsvollzieher tätig. Volkshochschule Bruchsal. Im Januar beginnen in der Freiherr vom Stein-Schule, jeweils um 19.30 Uhr, folgende Kurse: 9. Jan. „Wir photographieren“, 6 Abende, Hörergebühr 3.— DM, Dozent - Photographenmeister Carl Ohler. Dienstag, 10. Jan. „Englisch für Anfänger“, 20 Abende, Hörergebühr 10.— DM, Dozent Prof. Dr. Uhler, „Landwirtschaftliche Ziegenhaltung“, 2 Abende, Hörergebühr 1.— DM, Dozent Landwirtschaftsassessor Hoyer. Mittwoch, 11. Jan., „Rechenschieberberechnen“, 6 Abende, Hörergebühr 3.— DM, Dozent Dipl. Ing. Hiersche. Donnerstag, 12. Jan. „Das Schaufenster des Einzelhandels“, 20 Abende, Hörergebühr 10.— DM, Dozent Gebrauchsgraphiker Fink. Freitag, 13. Jan. „Technisches Rechnen für Elektroinstallateure“, 8 Abende, Hörergebühr 4.— DM, Dozent Dipl. Ing. Hiersche, „Einführung in das Handelsrecht“, 4 Abende, Hörergebühr 2.— DM, Dozent Rechtsanwalt Dr. Horwarth. Montag, 16. Jan. „Was der Laie von seinem Rundfunkgerät wissen sollte“, 12 Abende, Hörergebühr, 6.— DM, Dozent Ing. Leist Dienstag, 24. Jan., „Landwirtschaftliche Geflügelzucht“, 2 Abende, Hörergebühr 1.— DM, Haushaltslehrerin Scherer. Kolpingfamilie. Heute Abend, 20 Uhr, findet im Gasthaus „Zum letzten Brunnen“ ein Vortrag über Wetterkunde statt, zu dem alle Mitglieder herzlich eingeladen sind. Staatliches Gesundheitsamt. Das Staatliche Gesundheitsamt Bruchsal gibt bekannt, daß es am Freitag, den 6. und Samstag, den 7. Jan. keine Sprechstunden abhält. Bruchsaler Filmschau. In den Europalichtspielen läuft bis einschließlich Donnerstag der sehenswerte Hans Albers-Film „Unter heißem Himmel“. Einer der dramatischen tiöhepunkt« dieses in jeder Beziehung großen Films ist die Schilderung einer Schiffskatastrophe auf hoher See, herbeigeführt durch einen verbrecherischen Sprengstoffanschlag. In diesen Szenen, deren sich überstürzende Ereignisse in eine verzweifelte Panik der Passagiere münden, sind dem Spielleiter Gustav Uciky realistisch überwältigende BiWer gelungen! Heransgeber: C. and H. Krase, Bachdracherei a. Verlag, Brathsal-Philippebarg. Veröffentlicht unter Generallizenz Nr. 3 der Militärregierung. Verantwortliche Schriftleiter: Hana Stander nnd Heimat K I a n s i n g. beide in Bruchsal. Z. Zt. ist Preisliste Nr 1 -flltie AUS DEß HEIMAl 112 SM Bücher greifbar Die Badische LaadesbibUoti^s ist nicht tot Zu den kulturellen Einrichtungen, die den Ruf von Karlsruhe weit über die badischen Landesgrenzen hinaus verbreitet haben, gehört auch die Badische Landesbibliothek. Friedrich Metz hat zwar in seiner viel umstrittenen Broschüre „Rheinschwaben" der Bibliothek schon ein stilles Begräbnis bereitet in der Meinung, daß sie durch die Vernichtung eines Teiles ihrer Bestände lebensunfähig geworden sei. Wer nach Überwindung verschiedener Orientierungsschwierigkeiten die heutige Landesbibliothek im rückwärtigen Magazinbau des Badischen Generallandesarchivs (Eingang Stabeistraße) gefunden hat r der möchte zunächst wohl der Meinung von Metz beistimmen. Doch schon der behelfsmäßig eingerichtete Raum für die Ausleihe verrät eine Betriebsamkeit, die zu dem erstgewon- nvnen Eindruck in Widerspruch steht. Wir stellen uns also etwas beiseite, um der Sache auf den Grund zu kommen und die Wünsche der Besucher mit anzuhören. Da erscheint ein alter Lehrer und sucht ein bestimmtes naturkundliches Buch, dessen Verfasser ihm entfallen ist. Sein Wunsch wird notiert und'am nächsten Ausleihetag kann er das Gewünschte in Empfang nehmen. Der nächste Besucher ist ein Student, den Referatsorgen drücken. Nach Angabe seines Themas kann er sich ebenfalls beim nächsten Mal die entsprechende Literatur mit nach Hause nehmen. Die- süttn folgen ein Handwerker, der ein fachkundliches Buch sucht; ein Jurist, der ein spezialwissenschaftliches Buch von auswärts vermittelt haben will; ein Schüler, der Material für einen* Hausaufsatz zusammenträgt; eine Lehrerin, die sich über Erziehungsfragen orientieren will; eine '-*'S!iSDielschülerin, die in ein bestimmtes dra- mat -'s Werk Einsicht nehmen möchte; ein Arb der nach einem wertvollen Buch der unterhaltenden Literatur Ausschau hält und schließlich ein ganz Neugieriger, der auf Grund astrologischer Bücher den Schleier der Zukunft etwas zu lüften hofft. Da im Augenblick das große Gedränge der in der Enge des Raumes sich stoßenden Benutzer etwas nachgelassen hat, verlassen wir unseren Beobachterposten und erfahren aus der Unterhaltung mit den Beamten der Ausleihe, daß neben den erwähnten Benützern beispielsweise auch das Badische Staatstheater und der Rundfunk sich für die Ausgestaltung ihrer Darbietungen Trachtenwerke, Schauspieltexte, Biographien u dgl. entleihen. Die Ausleihe ist mehr oder weniger zu einer Auskunfts- und Beratungsstelle m allen literarischen Fragen, namentlich auf dem Gebiet der Heimatkunde und Heimatgeschichte geworden. Dafür stehen vor allem nicht nui die gedruckten Teile der bekannten Bibliographie der Badischen Geschichte von Friedrich Lautenschlager zur Verfügung, sondern auch das »um Glück gerettete Manuskript der ortsgeschichtlichen und personengeschicht- lichen Abteilung diese Werkes So legt ein Besucher fein in Papier gewickelt ein Steinbeil auf den Tisch des Hauses, ein anderer bringt eine in einem französischen Granattrichter gefundene Münze mit — und beide t- halten Gelegenheit, sich auf Grund der ausgesuchten Literatur über ihre Funde zu unterrichten. Im Gegensatz zu anderen wissenschaftlichen Bibliotheken nimmt die Badische Landesbiblio- hek auch Buchbestellungen auf allgemein gehaltener, breiter thematischer Basis entgegen. Wer B sich über den Dreißigjährigen Krieg orientieren will, benötigt nur diese allgemeine Angabe, um entsprechende Werke vorgelegt zu bekommen. Da mit Rücksich* auf die Fülle des seit Kriegsende angefallenen Materials und die anfänglich sehr beschränkten örtlichen Verhältnisse eme durchgehende alphabetische und sach- wortmäßige Katalogisierung aller Bestände noch nicht möglich war, die Leitung der Bibliothek aber trotz allem bemüht ist, den Gesamtbestand der Bücherei den Benützern zugängig zu machen, mußt« vorläufig noch die Öffnung der Ausleihe auf drei Wochentage beschränkt bleiben. Welche Bedürfnisse die Badische Landesbib- Uothek allein in Karlsruhe fortschreitend befriedigen kann, geht schon daraus hervor, daß am Orte 1946/47 1288 Bände, 1947/48 8744 und 1948/49 12983 Bände entliehen wurden. Die Zahl der Entleiher betrug 1948/49 1670 Personen. Hinzu kommt noch die Zahl der ständig wachsenden Eritleihungen nach auswärts (Baden, Pfalz usw.). Obwohl die Landesbibliothek am 3. September 1942 im Sammlungsgebäude auf dem Friedrichsplatz und am 27. September 1944 im ehemaligen Landtagsgebäude bombengeschädigt wurde, konnte sie inzwischen wieder durch Schenkungen (u.a. aus der Schweiz) und Neuankäufe deutscher und ausländischer Literatur und antiquarische Wiederbeschaffung verlorener Bestände auf 112 266 Bände anwachsen. Ihr Besitz von über 5000 Handschriften ist vollkommen erhalten. Die Umbauten zur Gewinnung einer Schon auf der Flucht mit seinem Freund Andreas Streicher hatte der junge Friedrich Schiller im September 1782 in Schwetzingen übernachtet; die Überlieferung will wissen, daß es im Gasthof zum Prinzen Carl, der bekannten „Backmulde", geschah. Aber auch im Januar des gleichen Jahres 1782, als Schiller mit seinem Freunde Wilhelm Petersen, einem geborenen Bergzabemer, zur Aufführung seiner Räuber nach Mannheim fuhr, hatte der junge Dichter sich in Schwetzingen aufgehalten, so lange, daß die beiden Freunde zu spät nach Mannheim kamen Wie Petersan uns verrät, hatte sie ein schmuckes „Kellermädchen" in Schwetzingen so angenehm beschäftigt. 1784 wohnte der Dichter den Sommer über in Schwetzingen; in dieser Zelt wurde er natürlich auch mit dem Schloßgarten vertraut Ein spitzes kleines Gedichtchen, ein Doppel- zeiler, den Schiller und Goethe nicht in ihren gemeinsamen Musenalmanach von 1797 aufgenommen haben, spielt anscheinend auf eine besondere Schwetzinger Eigentümlichkeit an.. Es wird den damaligen Besuchern aufgefallen sein, daß der im hochgelegener Apollotempel stehende Gott, eine Schöpfung des Mannheimer Künstlers Verschaffelt, die Leier im rechten Arme hält, auf der er mit der Linken spielt. Die Kritik blieb nicht aus Aber der Bildhauer wußte sich zu verteidigen: Apollo müsse eine erbärmliche Gottheit sein, wenn er nicht mit beiden Händen zu spielen verstünde Für die Beschauer blieb indes der Gott eben doch ein — Linkshänder. Als der Dichter Wilhelm H e i n s e im Juli des Jahres 1780 den merkwürdigen Gott sah, schrieb er an seinen Freund Jacobi, der das alles schon selber gesehen hatte: „Der Apollotempel steht gar heilig auf seiner Anhöhe, nur hat der linke Gott darin einen erbärmlichen H 1" Heinses geübtes Auge hatte also nicht nur di« Vorderseite der Gestalt sieb besehen Diese Eigentümlichkeiten erklären uns vielleicht auch Schillers kleines Gedicht, das mit seiner Spitze wohl gegen den Mannheimer gefeierten Dichter und Schauspieler Iffland gerichtet war. Vielleicht auch allgemein gegen mittelmäßige Dichter, die zu Schillers Zeiten unter dem Beifall der Pfälzer das Theaterpublikum erfreuten. Schillers Gedichtchen also lautet: Apollos Bildsäule in einem gewissen Gartentempel Mit der Linken regiert er die Leier. Wen nimmt es noch wunder, daß er in diesem Revier immer so linkisch gespielt? Man darf wohl annehmen, daß diesei Doppel- zeiler Schillers unter dem frischen Eindruck des Schwetzinger Erlebnisses entstand und nicht erst später aus der Erinnerung Schon bald nach seiner Ankunft in Mannheim August 1783 gedachte Schiller „in Gesellschaft nach Heidelberg und Schwetzingen zu fahren" würdigen Eingangs in der Maximilianstraße, einer vergrößerten Ausleihe und vor allem des lang entbehrten Lesesaals stehen kurz vor dem Abschluß, so daß bis spätestens Anfang nächsten Jahres mit der Inbetriebnahme gerechnet werden kann. Diese baulichen Veiänderungen sichern auf ein gutes Jahrzehnt hinaus der Bibliothek eine erträgliche Unterkunft im Magazinbau des Bad. Generallandesarchivs. Der Lesesaal wird in der Tat nach seiner Wiedereröffnung mit den Nachschlagewerken und Handbüchern, Enzyklopädien, Bibliographien, Zeitschriften und Zeitungen eine fühlbare Lücke im geistigen Leben am Oberrhein schließen. Die Bad. Landesbibliothek ist keineswegs „tot"; kräftiges Leben regt sich in ihren Räumen im Dienst ihrer alten kulturellen Aufgabe im Land Baden. Auch bei einer staatlichen Neubildung des deutschen Süd Westens dürfte ihr Weiterbestand durchaus gerechtfertigt sein Dr. Engelbert Strobel wie er in einem Brief vom 11. August dieses Jahres an Henriette vonWolzogen ankündigte. Von einem andern, in wehmutvolle Abschiedsstimmung getauchten^ besinnlichen Aufenthalt im Schwetzinger Garten erzählt uns ein Zwiegespräch zwischen Schiller und seiner Mannheimer Freundin Charlotte von Kalb, die es in ihren Erinnerungen überliefert Dieser Besuch in Schwetzingen, wohl sein letzter, mag in den Spätherbst 1784 gefallen sein, als Schiller, wie so oft in Mannheim, körperlich und seelisch litt, in „einer der traurigsten Stimmungen seines Herzens" war. Bald danach, zu Beginn des Jahres 1785, schrieb der Dichter an Gottfried Körner: „Ich kann nicht mehr in Mannheim bleiben ... Ich kann nicht mehr hier bleiben ... Ich habe keine Seele hier ... und was mir vielleicht noch teuer sein könnte, davon scheiden mich Konvenienz und Situationen. Mit dem Theater habe ich meinen Kontrakt aufgehoben." Der Abschied von dem, „was ihm vielleicht noch teuer sein konnte", wirft schon seine Schatten auf das wehmütige Gespräch, das uns von Schillers Eindrücken im Schwetzinger Park berichtet. Charlotte von Kalb aber, von der ihn „Konvenienz und Situationen schieden", weiß uns Schillers Stimmung zu erklären; sie erzählt u. a.: Kaum war ich wieder in meinem Zimmer, so trat auch Friedrich ein: „In Schwetzingen haben Sie den Tag zugebracht, zwar ist es jetzt nicht an der Zeit, in diesem Park zu wandeln. Es ist nur eins, was durch diese Jahreszeit nicht verliert." Charlotte: „Ich rate wohl — es ist der Vogelkranz, der so heftig bewegt, gleichsam neckend und wütend in Wasserstrahlen Gri m m ausspeit — und der mächtige Habicht, der starke Wassersäulen 'emporschleudert. Wie ist der Name des Künstlers, der auf diesen Vogelkranz so die Blicke fesselt?" Friedrich: „Wir raten — deuten — der Name ist dahin — ein weissagendes Bild mag es wohl sein." Charlotte: „Ergötzlich ist der kecke Flügelschlag, doch bleibt es ein Bild der Tücke und Ohnmacht Wir eilten durch den breiten Gang der Buchenwände, deren falbes Laub wie Blut gerötet, die hohen Statuen waren vom Abendnebel umschleiert und wie mit Wunden bedeckt durch das falbe Blatt. Dichte Schleier verhüllten die Gestalten, sie kamen mir vor wie Leichen, die ausgeblutet haben. Bei den Felsen weilten wir auf grauem Moos; verwelkt der Bäume und der Blumen Pracht, — und wie Melancholie sich oft auf die Leier stützt, so waT das Haupt des Jünglings auf die Syrinx gebeugt, gleichsam fragend, warum so still? — wo weilen die Sänger? Friedrich! „Nie geleite ich .Sie dahin! — Bestimmt ist's nun, ich soll der Sonne Glut, die Sternenschrift soll ich im Rheinstrom nicht mehr schauen. Wir scheiden nicht — der Freunde Sinn ist vom Geist gebundene Allgegenwart. Schmerz ist mir die Trennung, doch Sie kennen die Einsamkeit, die gottesgeweihte Stille, Jhnen ist offenbar dies selige Geheimnis was so wenige erfassen können. — Hoffnung — Glaube! — Wir fühlen beide.: Wer eine Seele sein nennt auf dem Erdenrund, der scheidet nie . So schied der Dichter in schwärmendem Entsagen von dem, „was ihm vielleicht noch teuer sein konnte", von Charlotte, schied vom Rheinstrom, von Mannheim von Sohwetzinqen und Heidelberg Der treue Genosse seinei Flucht, Andreas Streicher, hat in später Lebenstagen seine Erinnerungen an jene bewegte Zeit niedergeschrieben Es sind rund 100 Jahre her, daß Streichers wertvolles Büchlein „Schillers Flucht von Stuttgart und Aufenthalt >n Mannheim von 1782 bis 1 7 85" erschienen. Und doch vergingen wieder 100 Jahre, bis nun durch reue archivalische Funde in Stuttgart der Sch;eiei qelüftet wurde der immer noch in vielem bis heute über Schillers Flucht gehangen. Jetzt erst wissen wir, daß Schillers Herzog Karl Eugen nicht der Tyrann war, als der er uns immer gern erscheint. Er zeigte im Gegenteil gegen den Flüchtling denkbar größte Langmut, um ihn wieder zur Rückkehr zu bewegen. Die leidige Fluchtaffäre sollte durch gütliche Regelung aus der Welt geschafft werden. Doch der junge Stürmer wußte, daß es für ihn kein Zurück mehr gab, wenn er nicht der Stimme seines Innern untreu werden wollte. Dr. A. B. Vom ßlümenpeter Blumenpeter im Heidelberger Klinikviertel Als Blumenpeter seiner Nachbarstädt Heidelberg einen Besuch abstattete und in der Berg- heimer Straße im Heidelberger Klinik viertel einen Spaziergang unternahm, fiel ihm vor allen Dingen ein vor einigen Jahren neu erstelltes majestätisches Gebäude, die Innenklinik, besonders auf. Während Blumenpeter diesen Prachtbau mit Staunen bewunderte, trat ein vorwitzi- _ ger Bürger aus Heidelberg auf ihn zu und stellte an Peter die Frage: „Blumepeter, weescht denn was des do überhaupt is?" Da nun Blumenpeter die Antwort auf diese Frage schuldig blieb- und seinen Kopf dazu schüttelte, entgegnete ihm der Heidelberger: „Do werre die Mannemer Idiote noigschperrt!" Der maulfertige Blutnen- peter gab demselben ironisch mit folge (den Worten diese Antwort: „Ha, jo,'des glaab jsch, für die Heidelberger wärs jo doch aacli zu klee (klein) 1" Blumenpeter vor dem Himmelst Dr Als Blumenpeter, das Mannemer Originalviech, das Zeitliche gesegnet hatte, trat er vor das Himmelstor, um Einlaß zu bitten. Petrus, der über die Leistungen Peters auf Erden gar nicht zufrieden war, schüttelte stumm den Kopf ohne etwas zu sagen Der in Tränen ausbrechende Peter stellte nun an Petrus die Frager „Worum därf isch denn nit noi?" „Weil Du als Christ nie in die Kirche gegangen bist, entgegnete ihm zürnend der Petrus “ „Awa, liewa Herr Namensvetta", kam ihm Peter qleich zuvor, „do kann isch wärglich gar nix devor, wenn isch nämlich morschens zu de Große noigwollt hab, hawe se gsacht, isch wär zu klee, for de Kinnergottesdienscht war isch jedesmol zu alt, un owends haw isch jo Blume verkaafe misse!" Hirt AUpfälzer Schillcr*Erinncrungcn Zum 190. Geburtstag des Dichters Der große Unterfchieö Altes und neues Handwerk Vor einigen Tagen war ich bei einem Korbmacher, der noch di« Kunst versteht, einen Rohrstuhl zu flechten. In seiner Werkstatt fand ich den Meister mit dem Bau eines Schließkorbes beschäftigt, der schon etwa 10 cm hoch gediehen war. Auf allen vier Seiten standen geschälte Weiden wohl zwei Meter in die Höhe. Diese Weidensprößlinge wurden mit einem kräftigen Fingerdruck immer wieder kurz umge- egt und verflochten. „Da muß man harte Finger aben" sagte der Meister. Und ich staunte und am mir vor wie um 100 Jahre zurückversetzt, 1s die Messerschmiede noch Messer machten, ie Schlosser noch Schlösser und die Uhrmacher loch Uhren. Ko mm t zu uns freilich ein Großstädter oder üner aus Amerika, so ergeht es ihm in der Cleinstadt ähnlich, wenn er die kleinen Häus- :hen sieht, die Fachwerkbauten, die Kapellen. Daß di« Straßen sauber und gepflegt sind, n i m mt ■r als selbstverständlich hin, und von Gewerben, : ie ob ihrer üblen Gerüchte einst gefürchtet varen, wie z. B. die Gerber und die Seifensie- ’er, hat er keine Ahnung. Wir denken selber icht mehr daran oder an die Zustände, als die fetzger noch in ihren Häusern schlachteten und »lut, auch ungute Abfälle ruhig in die Straßen- inne laufen ließen, wo sich die großen Metzger- ■ undc her Umtrieben. Diese wurden im Bedarfsall nämlich vor den kleinen Metzgerwagen ge- pannt, wenn irgendwo ein Schwein oder ein ■'älblein zu holen war. Heute hat auch der Klein- tadt-Metzger sein Personenauto mit Anhänger, n dem er gleich drei oder mehr seiner Opfer n rasender Fahrt ans Ziel bringt. Aber anno dazumal gab es ja auch keine Was- erleitung. In der Küche stand der kupferne Vasserständer, der täglich vom Zieh- oder umpbrunnen aus neu gefüllt werden mußt*. Un j-ii! es auch mit dem Wasser zu sparenl N”n . .dssen wir uns aber noch elektr. Licht, Gas, .Telefon, Radio, ja sogar die Eisenbahn wegdenken, um näher an „die gute, alte Zeit" heranzukommen. Und schließlich merken wir, daß auch die Einwohnerschaft eine ganz andere war. Jene Leute waren fast alle miteinander verwandt oder verschwägert, einer kannte den andern, oft nur zu gut; heute freut man sich, w«"n man durch Zufall mal ein bekanntes Ge- s : 7:’t sieht. Und wo sind die Familien geblieben, in denen 8 oder 10 Geschwister nebeneinander auf wuchsen? Und wo heute große Schautenstei die. Käufer anlocken, war früher vielleicht ein mächtiges Hoftor, im Hof ein« .Stallung, neben dem Eingang ein« Werkstatt« Und unter der Stiege hatte fast jeder Bürger sein Borstentier, dessen Geruch in Kauf genommen wurde. Das Wenigst« vom täglichen Bedarf, wie wir ihn verstehen, konnte man in Kaufläden fertig kaufen. Fabriken gab es weit und breit nicht, und was gebraucht wurde, mußte meist am Platz erzeugt werden. So waren auch die kleinen Gassen von vielen und vielerlei Handwerkern bewohnt und es herrschte darin ein reges Leben, so gut wie auf dem Marktplatz, der seinen Namen noch mit Recht trug. Dort wurde nämlich verkauft und „gemarktet". Die Bäcker und Metzger mußten dort — nicht etwa in ihren Häusern — verkaufen, so verlangte es die Obrigkeit noch im 18 Jahrhundert; und an Markttagen kamen auch die vielen Kleinhandwerker „zu Markt" und legten ihre Erzeugnisse aus. Freilich gab es auch einige Krämer, die die Frankfurter Messe zu besuchen pflegten oder aus Nürnberg mitbrachten, was reiche Leute haben mußten. Wie vielseitig das Kleingewerbe einst war, kann man aus jedem alten Kirchenbuch ersehen. Für die Bekleidung z. B. waren tätig die Gewandschneider, die Tuchmacher und Tuchscherer, die Lodenmacher, jiie Färber, Manger und Zitzdrucker, die Leinenweber, die Wollenweber und die Hosenstricker. Auch die Knopfmacher und Nadler gebrauchte man so gut wie die Perückenmacher und Hutmacher. Es gab auch ausgesprochene Haubenmacher. Die Nestler, die Schnürmacher und die Posamentiere — für diesen Beruf sagten die Kinder häufig „Posaunentiere" und stellten sich etwas ganz Besonderes darunter vor — waren unentbehrlich so gut wie die Gürtler und die Strumpfstricker. Die Schuhmacher standen zünftig den Rotgerbern nahe, während die Weißgerber mit den Kürschnern zu tun hatten. Die Gerber brauchten eine Lohmühle, wo die Schälrinde von Eichen zuri Gerbstoff wurde; das ausgebrauchte Material wurde dann zu sog. Lohkäsen verarbeitet, d. h. in runde Formen gepreßt, aber nicht mit Maschinen Der „Lohkäs-Trippler” mußte vielmehr so lange darauf herumtrippeln, bis sie fest waren und getrocknet werden konnten, um dann als Brennstoff zu dienen. Außer der Lohmühle gab es noch eine. Walkmühle, dann eine Mehlmühle, eine Papiermühle, eine Sägemühle, eine Puivermühle. Und den Mühlenbauer nannte man „Mühlarzt"! Das Metallgewerbe war nicht minder vielseitig, angefangen mit den Glockengießern, den Goldschmieden, den Kupferschmieden, den Huf- und Waffenschmieden und den Messerschmieden. Die Zeugschmiede stellten u. a. Wagbalken her und Gewichte. Wo eine Münze war, gab es Münzgraveure, um die erforderlichen Münzstempel zu schneiden; diese fertigten auch die früher so viel gebrauchten Petschafte, darunter oft prächtige Kleinkunst Den Schlossern verwandt waren die Harnischmacher und die Feilenschmiede, auch die Sporer. Die sog. Schwarz- Nageischmiede stellten gewöhnliche, von Hand geschmiedete Nägel her, die Weißnagelschmiede dagegen verzinnte und Ziernägel. Sehr wichtig waren die Zinngießer mit ihren schönen Kannen und unzerbrechlichen Tellern; nur ganz reiche Leute bedienten sich des so leicht zer» brechlichen Porzellans. Sehi zahlreich waren überall, oft auA in Dörfern, die Häfner vertreten. die ihre Schüsseln mit schönen Sprüchen zu zieren pflegten, etwa wie „Mein lieber Mann, sei mir nicht bös, ich will dir kochen gute Klößl" Aber wie viele Handwerker haben wir noch nicht genannt, die einst ihr Brot verdienen konnten, so die Seiler, die Kamm-Macher, die Lebküchner, die Modelstecher, die Büchsenmacher, die Jagdgewehre und Pistolen fertigten und dazu die „Büchsenschifter" haben mußten, also Leute aus dem Hoizgewerbe. Neben den Schreinern finden wir auch „Frotteure" welche die Parkettböden legten und pflegten. Da und dort erscheint ein Geigenbauer, ein Instrumentenmacher oder gar ein „Tausendkünstler". Die Vogelfänger befaßten sich mit dem Fangen von Singvögeln, die als Leckerbissen einst geschätzt waren, während man auf ihren Gesang weniger Wert legte und von ihrem Nutzen in der Raupenvertilgung keine Ahnung hatte. Die Tobakspinner gab es auch; es wurde aber mehr geschnupft als geraucht Könnten wir heute noch ln die Werkstätten solcher Kleinhandwerker eintreten, dann würden wir bald inne, wieviel Kunstfertigkeit des einzelnen mit dem Siegeszug der Fabriken und Maschinen verloren gegangen ist Mancher Nachkomme mag heute an irgend einer Stanze jahraus, jahrein stehen und zuschauen, wie da immer des gleiche Ding wieder herausfällt. In solchem Fall bringt der sog. Fortschritt eine Verkümmerung mit sich, indem der Arbeit sozusagen die Seele genommen ist; auch der Mensch ist dann fast zur Maschine geworden. Indessen möchte doch keiner von uns wieder „in der guten, alten Zeit" leben und alle Erleichterungen missen, die ein neues Zeitalter mit sich brachte, denn es handelt sich halt doch um einen sehr großen Unterschied DIE UNLIEBSAME FAHRT INS NEUE JAHR Novelle von Otto Anthes Gott segnedas ehrbar* Handwerk Heranbildung einer berufsfrohen und berufs- tficbtigen Handwerkerschaft In dem vergrasten Nebengleis eines kleinen Bahnhofes stieg der Hahn des Bahnvorstehers mit seiner Lieblingshenne umher und suchte das Gelände nach Freßbarem ab. „Heut ist Silvester“, sagte er unter dem Picken. „Was du nicht sagst! Was du nicht sagst!“ kakelte die Henne. Solche Sprüche fügen sich ihrer Stimmlage am besten und entsprachen außerdem ihrem Geisteszustand. „J“, unterbrach der Hahn mit Nachdrude das Gekakel, „und morgen fängt ein neues Jahr an. Ich habe gesehen, daß der Vorsteher sich eine Pudel Rum hinter den Schrank bereit gestellt hat. Mir ist, als ob wir heut noch etwas Besonderes finden müßten. Schließlich fängt für uns auch ein neues Jahr an.“ „Das ist auch wahr! Das ist auch wahr!“ stimmte die Henne bei. Darüber kamen sie zu einem Güterwagen, der auf dem Nebengleis vor einem Schuppen stand. Der Hahn flog auf die Rampe, die Henne folgte ihm nach. Die Schiebtür des Wagens stand ein wenig offen, und da eine dünne Spur von Körnern in das Innere wies, so stiegen beide, der Hahn voran, in die Dämmerung hinein. Kaum aber hatten sie ein paar Körner aufgepickt, da kam ein Mann, schlug die Wagentüre zu. „Was hab ich gesagt! Was hab ich gesagt!“ fuhr die Henne auf. „Nun sitzen wir fest.“ „Gesagt hast du, soviel ich weiß, gar nichts“, stellte der Hahn mit nachsichtiger Würde fest.- „Und ich würde dir auch raten, weiterhin den Schnabel zu halten. Wenn die Körnerspur nicht trügt, muß es für uns hier drinnen allerlei geben. Wenn du aber mit deinem Gekakel den Mann aufmerksam machst, wird er uns gleich wieder rausjagen.“ „Ach, aber gar! Ach, aber gar!“ knuckerte die' Henne gekränkt. Es standen nun allerdins mehrere Säcke im Wagen, die sich sehr hoffnungsvoll anfühlteri. Aber so viel sie auch daran herumhackten, die Leinwand war so stark, daß sie nicht das kleinste Loch hineinzubohren vermochten. „Siehst du“, sagte der Hahn, „so ist das Leben. Es ist alles da, was das Herz begehrt, aber du kartnst nicht ran.“ „Wie du das sagst! Wie du das sagst!“ schüttelte die Henne bewundert den Kopf. Im selben Augenblick gab es einen Stoß, ein kurzes Hin und Her, und dann setzte sich der Wagen ruckend, und rumpelnd in Bewegung. Die beiden erschraken so sehr, daß sie sich dicht aneinander gedrängt, stumm bei der Tür niederhockten. „Siehst du“, faßte sich der Hahn zuerst wieder, „so ist das Leben. Du steigst ein, ohne dir etwas Böses zu denken, und ehe du dich versiehst, geht die Fahrt los. Du weißt nicht warum, du weißt nicht wohin. Jedenfalls fahren wir nun ins neue Jahr.“ Eine Fahrt im Güterwagen hat etwas ungemein Beruhigendes. Es geht nicht zu schnell, die Wagen rumpeln ordentlich gemütlich dahin. Wenn der Zug hält, gibt es kein großes Geschrei mit „Aussteigen!“ und „Einsteigen!“ Kein Gerenne und Gewimmer, daß man nur reehfeteiti g n och einen Platz bekommt. Es geht alles still vor. sich, fast wie im Traum. Nur einen schlürfenden Schritt hört man wohl einmal, es rasselt einmal eine Kupplung, eine Wagentür rollt und fällt wieder zu — und dann gehts ohne Aufsehen weiter. Auch unsere Reisenden kamen so allmählich in die geruhsame Besinnlichkeit. „Als mein Vater noch das Geschäft versah“, sagte der Hahn, „lag einst jeden Morgen ein Huhn tot im Stall. Die Vorsteherin war außer sich und wußte nicht das Unheil zu klären. Bis eine alte böse Frau sagte: Das tut ihr Hahn; solche alte Burschen werden kollerig, und statt die Hennen zärtlich ein bißchen zu rupfen, hacken sie ihnen in den Kopf hinein, daß sie sterben. Die Vorsteherin rief: Ja, das hab ich auch schon gesehen — rannte in den Stall, fing den Alten, rein in die Küche, Kopf ab, und mittags fraßen sie ihn mit Rachegefühlen auf. Am andern Morgen lag wieder ein Huhn tot im Stall. Da war er's gar nicht gewesen, sondern sie hatten den Stall mit giftiger Farbe gestrichen. So ist das Leben.“ „Das ist auch wahr! Das ist auch wahr;“ pflichtete die Henne bei. Und erzählte dann ihrerseits: „Ehe ich zum Vorsteher kam, war ich bei einer alten Dame, die setzte uns Hennen immer wieder zum Brüten, aber es kroch nie etwas aus. Fuchsteufelswild war die Alte. Und als eine Freundin sagte: Vielleicht liegts am Hahn! — da antwortete sie: Am Hahn kanns nicht liegen. Ich hab gar keinen.“ Unter solchen Gesprächen verging die Zeit. Mit einem Male hielt der Zug polternd an. Und zugleich hörten sie Glockengeläut, ein paar Schüsse und vielfältige Rufe: „Prost Neujahr!“ „Was ist denn das? Was ist denn das?“ fragte die Henne besorgt. „Neujahr ist!“ schrie der Hahn, fuhr hoch, schlug mit den Flügeln und krähte: „Viel Glück in der Früh! Viel Glück in der Früh!“ Und „Prosit Neujahr! Prosit Neujahr!“ fiel die Henne ein. Da wurde die Tür geöffnet, und die beiden schauten auf einen erleuchteten Bahnsteig und in die vergnügten Gesichter einiger Eisenbahner. Denn der Vorsteher hatte schon um seine Ausreißer telephoniert. Sie wurden auf den Arm genommen und in eine warme Stube gebracht, wo noch mehr Eisenbahner um eine dampfende Terrine saßen, bekamen Brot und zerschnittene Wurstpellen und schliefen endlich glücklich am Ofen ein. Und "nachmittags stiegen sie schon wieder in dem vergrasten Nebengeleis herum. „Siehst du“, sagte der Hahn, „so ist das Leben. Diese Nacht sind wir mit Glockengeläut und Butterbrot ins neue Jahr gestiegen, und heut ist alles wieder wie vorher. Und das ist gut so. Sich besinnen und erinnnem in der Dämmerung, feiern, wo es am Platz ist, und dann wieder seine Pflicht tun — das ist das rechte Leben.“ „Das ist auch wahr! Das ist auch wahr!“, kakelte die Henne und pickte um so emsiger zwischen den Schienen umher. Der Spruch „Gott segne das ehrbare’ Handwerk“ wäre wahrscheinlich in unserer materialistischen und liberalen Welt so ziemlich vergessen worden, wenn nicht ein Mann ihn zum Wahlspruch einer sehr großen Vereinigung gemacht hätte. Wir meinen Adolf Kol- ping und seinen Gesellenverein. Woche für Woche halten diese Gesellenvereine seit hundert Jahren ihre Versammlungen, und immer wieder grüßen sich die Kolpingsbrüder mit dem Gruß: „GOTT SEGNE DAS EHRBARE HANDWERK.“ Es ist bestimmt nicht zuviel gesagt, wenn wir behaupten, daß dieser Spruch sein Leben gerade dieser Tatsache verdankt. Aber das Handwerk hat diesem Adolf Kol- ping nicht bloß den Spruch allein zu verdanken, sondern auch das, was darin steht. Wenn heutzutage noch sehr viel, durchaus nicht alles, Handwerk wirklich ehrbar und ehrenwert ist, wenn es heute noch so viel gute, solide Handwerksmeister gibt, dann verdanken wir dies zu einem guten Teil dem Gesellenvater Adolf Kolping Auf der Bahn der weißen Kohle Die Elektrifizierung der Deutschen Bundesbahnen Das Problem der Elektrifizierung der Bah- Rauch und Ruß hin, was besonders bei tunnel- nen ist in Europa und in Deutschland wieder reichen Strecken von Bedeutung ist. Außerdem aktuell. Elektrische Straßen- und Vororts- ist die größere Zugkraft der elektrischen Lobahnen und elektrische Bergbahnen sind schon «komotive — ein elektrisch beförderter Zug seit Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit, die elektrischen Eisenbahnen aber sind in Deutschland noch in der Minderheit. Folgende Strecken sind bis jetzt elektrifiziert; München—Garmisch-Partenkirchen—Mittenwald. München—Rosenheim—Kufstein. München—Salzburg, Freilassing—Berchtesgaden München—Regensburg. München—Nürnberg—Bamberg—Saalfeld. Stuttgart—Ulm—Augsburg—München. Stuttgart—Eßlingen—Tübingen. Stuttgart—Weil d. St. Stuttgart—Ludwigsb. Freiburg — Titisee — Neustadt (Höllentalbahn), Neustadt-Seebrugg (Schluchseebahn). Lörrach—Schopfheim—Säckingen. Der Mangel an schwarzer Kohle und ein Ueberfluß an „weißer Kohle“ hat die Elektrifizierung in einigen Ländern beschleunigt. Die schweizerischen Eisenbahnen, die 1947 ihren 100. Geburtstag feierten, sind fast ganz elektrifiziert. Die Staatsbahnen in Schweden haben 1942 ihre Hauptstrecken auf elektrischen Betrieb umgestellt. In Norwegen gibt es viele elektrisch betriebene Strecken. In Italien führt eine der längsten elektrischen Bahnen vom Brenner über Rom und Neapel bis zur Südspitze der Halbinsel. In Oesterreich werden die Arlberg-, die Tauern- und die Brennerbahn elektrisch betrieben. Auch die Sowjetunion elektrifiziert größere Bahnstrecken sowohl in ihren europäischen als auch in verschiedenen asiatischen Teilen. In Deutschland ist nun besonders die Elektrifizierung verkehrsintensiver oder steigungsreicher Strecken in Südwest- und Südwestdeutschland und im Ruhrgebiet im Gespräch. Vor allem handelt es sich um folgende Bahnen außerhalb des Ruhrgehietes: Die stark befahrene Rheintalbahn: Basel— Freiburg — Baden-Baden — Karlsruhe — Frankfurt, die Strecke Stuttgart—Bruchsal— Heidelberg—Mannheim. Die steigungsreiche Schwarzwaldbahn Offenburg—Konstanz und das Schlußstück der Höllentalbahn Neustadt —Donaueschingen. Auch die internationale Strecke Frankfurt—Nürnberg—Regensburg —Passau—Wien ist zur Elektrifizierung vorgeschlagen. Die Fürsprecher der Elektrifizierung weisen auf die Annehmlichkeit und Sauberkeit des elektrischen Betriebes, auf das Fehlen von erreicht die Zugsgeschwindigkeit schneller als der mit Dampflokomotive bespannte Zug — von größter Wichtigkeit. Finanziell ermöglicht der elektrische Betrieb Ersparnisse in® Personaletat. Die Entwicklung der Strompreise war und ist ferner für den Abnehmer günstiger als die Entwicklung der Kohlenpreise. Es fehlt auch nicht an zurückhaltenden Stimmen. Der elektrische Betrieb ist- abhängig von Kraftwerken und von Leitungen. Der Bergbau würde einen großen Kohlenabnehmer teilweise verlieren. Die Elektrifizierung der Bahnen hat einen erheblichen Aufwand an Kapital zur Voraussetzung. Wasserkraftwerke sind nicht an einem Tage zu erbauen. Bei Eisenbahnlinien mit schwäeher,em Verkehr und ohne Steigungen lohnen sich die hohen Kapitalkosten der Elektrifizierung kaum; die Rentabilität, des elektrischen Betriebes ist von der Verkehrsdichte abhängig. 1 Trotz dieser Einschränkungen sind Kraftwerke und Stauseen mit Recht als ,ideale Anlagen für Spargelder“ anzusehen. Mit guten Gründen steht in Deutschland die Energiewirtschaft im Vordergrund der Investitionspolitik. Aber es wird noch manches Jahr vergehen, ehe die gegenwärtig geplanten Kohlen- und Wasserkraftwerke vollendet sind. Und es wird noch eine Spanne Zeit dauern, ehe wir elektrisch, schneller und bequemer quer durch Deutschland reisen können. Ja, ihr Handwerker in Stadt .und Land, denkt an diesen euren früheren Zunftgenossen und- Schustergesellen Adolf Kolping, der dann später als Priester mit anderen, aber an erster Stelle zum Retter eures Berufsstandes geworden ist. Kaum einer hat so eindringlich und warm für den Handwerkerstand gekämpft und gearbeitet wie dieser Kolping. Was er mit seinem Gesellenverein geschafft hat, das weiß doch wohl jeder Handwerker. Wie würde es Wohl heute um das Handwerk aussehen, wenn dieser Kolping vor hundert Jahren nicht gekommen wäre. Bestimmt wäre manches anders, keineswegs aber besser. Jawohl, Kolping hat den Handwerkerstand wieder zu Ehren und Ansehen gebracht; aber nicht durch eine billige Propaganda, sondern vielmehr durch das, was er seinem Gesellenverein leistete durch die Heranziehung und Heranbildung einer berufsfrohen und berufstüchtigen Handwerkerschaft. Mögen die Handwerksleute, gleichgültig welchen Berufes, das jetzt nicht vergessen. Jeder deutsche Handwerker sollte etwas von Kolping wissen, und er sollte Kolping immer hochschätzen. Das war einer von den Männern, von denen so tausendfältiger Segen ausgeht. Segen aber vor allem in dem Handwerkerstand. Deswegen gedenken die Handwerker mit den Kolpingsfamilien überall da, wo solche sind, ihres großen Vaters und Meisters: Adolf Kolping. Mögen viele, recht viele junge Menschen nun den Weg zu uns finden. Dann können wir sie leiten und führen, können ihnen vieles mitgeben fürs tägliche Leben, und wenn« sein muß, weiter befördern von der Familie in die Gemeinde und ins Volk hinein. Dann bekommt das Handwerk durch diese Arbeit in dem Gesellenverein wieder jenen gediegenen Stamm, jene soliden Meister, jene tüchtigen Könner, für die das Wort immer noch paßt! Gott segne das ehrbare Handwerk. Geschäftsführer der Tobi-Lichtspiele erschossen Stuttgart (DND). In den Abendstunden des Dienstag wurde um 21.35 Uhr der Geschäftsführer der Tobi-Lichtspiele in der Eberhardstraße, der 52jährige Richard Döl- ker, durch Pistolenschüsse ermordet Gegen 21 Uhr hatte Dölker zusammen mit seinem Stiefsohn Richard Dölker die Tageseinnahmen an der Kasse abgezählt und in das Geschäftszimmer gebracht. Etwa eine halbe Stunde später hörten Kinobesucher von dort her drei Schüsse, worauf einige Männer versuchten, in das Geschäftszimmer zu eilen. Sie wurden aber durch erneute Pistolenschüsse in Schach gehalten. Der Täter eilte darauf durch eine Nottreppe ins Freie und konnte unerkannt entkommen. Am Tatort bot sich ein schreckliches Bild. Dölker lag vor der Türe in seinem Blut. Der erste Schuß muß ihn von der Tür her am Schreibtisch sitzend getroffen haben, worauf Dölker sich gegen seinen Mörder wandte, der ihn jedoch durch zwei weitere Schüsse niederstreckte. Die gebündelten Gelder der Tageseinnahme lagen neben der Leiche am Boden umher. Die naheliegende Vermutung, daß es sich um einen Raubmord handelte, scheint sich nicht zu bestätigen, da der Mörder das Geld nicht zu sich genommen hatte MfEBE B O M A N VOM Copyright IM* Dy veru« Helmut Sallar Stuttgart 38. Fortsetzung „Also der Frieder hat Aussicht, im Springen den süddeutschen Meister zu - machen, wenn die Freiburger oder die von der Feldberger Zunft keinen anderen haben. Unsere Schifahrer sind gut in Form. Auch sie können Schiläufen, ich habe sie den Buckel vom Scheibenfelsen runterfahren sehen. Nur für die Mädchen haben wir kein# Favoritin. Das heißt, es wäre eine da, die hat sich auch gemeldet, aber jetzt hat sie sichs anders überlegt. Darum streiten sie sich da drin.“ Sonnie lachte. „Ginge das, daß ich für das Dorf liefe? Ich würde das verflixt gerne tun. Daß ich nicht leer zuriiekkäme. dürfen sie mir schon glauben.“ Sie war plötzlich fest entschlossen, diesen Streich zu wagen. Die gute' Frau aber war auch schon davongesaust, drinnen in der Wirtsstube hörte man nur noch ihre Stimme. „Sie möchten doch da rein kommen, Frau- . lein“, bat sie gleich hinterher. Sonnie empfand einen Heidenspaß. Mitten unter den in dicke Qualmwolken gehüllten Männern des Schizunftausschusses saß sie plötzlich und hatte sogar ein Glas Wein zur Hälft# geleert, so daß sie ganz rote Wangen bekam. Immer wieder mußte sie den hartgesottenen rechtlichen Männern zusprechen, lag ihr doch plötzlich daran, ihr Angebot durchführen zu können. Nur den Freiburgern zum Trotz, die gemeint hatten, eine Sonnie Kiekjegaard käme eigens her, um für sie Sieg zu laufen. Aber da gab es einiges, worüber ihre neuen Sportfreunde immer wieder stolperten. „Sie müssen uns ihren Namen und Zunft sagen, dann können wir die Meldung noch bis morgen mittag durchgeben.“ Sonnie aber wollte ihren Namen nicht aus- pl8nde rT i „Seid doch vernünftig“, bat sie, „meldet mich doch unter dem Namen des Mädels, das laufen wollte. Nach dem Rennen sollt ihr dann meinen Namen schon erfahren. Aber jetzt ist das doch zu umgehen.“ Ein junger Bursch’ war gekommen, hatte sich still zwischen die Männer gesetzt und sagte lachend: „Bei der Dam« stimmt was nicht. Entweder ist sie eine ganz Große, die ungenannt bleiben will, oder... sie blamiert uns am Sonntag und verschwindet“ Kaum aber batte er dies kundgetan und Sonnie prüfend betrachtet, stand er auf, holte die neue grüne Sportzeitung vom Haken, blätterte hastig um und sah nochmals scharf zu Sonnie hin. Ihr wurde geradezu ungemütlich. Aber da wars schon heraus: „Natürlich habe ich recht. Habe miris doch gleich gedacht, als ich Sie sah, Donnerwetter, wenn Sie für uns fahren würden? Ihr Esel alle miteinander, wißt ihr, um wessen Namen ihr da so ein Palaver macht? Zwischen euch Dösköpfen sitzt niemand anders als die dreifache Weltmeisterin aus Schweden, Fräulein Kiekjegaard, nicht wahr? Da — wenn Sie ’s vielleicht leugnen wollen, sind Sie das oder nicht?“ Lachend gab sich Sonnie geschlagen. Aber sie bat: Ist schon schlimm, daß so ein Heller unter euch meine Geheimnisse lüftet, bitte, aber schweigt sonst darüber. Ihr wißt gar nicht, was es für eine Plage ist, frischgebackene Berühmtheit zu sein. Also ich starte für das Dorf.“ Einer hatte immer noch Bedenken,- langsam und bedächtig sagte er: „Nein, gebt es nicht zu, das ist glatter Betrug. Wenn sie uns auf- dorisen. und das ist bei der Qualität der jungen Dame totsicher, dann werden wir disqualifiziert“. Da trank Sonnie ihr Glas mit einem Zuge lee: „Seid ihr aber Pessimisten! Wenn ich doch sage, ich lauf# für #uch. Ich kann doch laufen für wen ich will.“ „Aber nicht unter falschem Namen", be- harrte der Vorsichtige. „Quatsch“, schrie da der junge Springer Frieder dazwischen, „Fräulein Kiekjegaard macht den Herren schöne Augen und sie sagen ihr dann noch .Dankeschön für die Ehre*. Und wir haben einmal die große Kiekiegaard in unseren Listen gehabt.“ Dagegen kam mm niemand mehr an. Sonnie setzte sich zu dem jungen Frieder, der zu schwitzen begann, Sonnie lachte ihm ins Gesicht „Ich möchte jetzt Bäume ausreißen“, dachte si#. Kameradschaftlich erkundigte sie sich bei dem jungen Mann nach seinen Zielen: „Sie werden am Sonntag den Ersten holen und die Meisterschaft?“ fragte sie. Da senkte dieser den Kopf und sagte „Nein!“ „Wieso nicht, alle sagen doch, sie hätten so schöne Chancen“. „Nein“, beharrte der junge Mann, „ich werde mit einem dritten Platz zufrieden sein müssen. Vor den Freiburgern hätte ich keine Angst, die Schwaben sind schon gefährlicher, aber'da hat sich doch Viktor zu den Sprüngen gemeldet..." Sonnie wäre vom Stuhl gefallen, wenn des Burschen starke Arme sie nicht aufgefangen hätten. Der Name „Viktor” war wie ein Keu- lenschlag auf sie »iedergefallen. Rote Funken tanzten vor ihren Augen, sie hielt Bich noch immer an diesem jungen Mann fest „Warum erschrecken sie so bei dem Namen „Viktor“, Fräulein Kiekjegaard? Kennen sie ihn?“ Sonnie vermochte nur leise zu nicken. Das frische b>aune Gesicht Frieders schien ihr so seltsam fern. Sie sah seine erschrockenen Augen auf ihr Gesicht und ihre Hände gerichtet Ja, sie zitterten, diese schlanken weißen kraftvollen Hände. Inwendig zitterte aber ihr Herz noch viel mehr. Es war nur gut, daß dieser Frieder nicht in ihre Brust hinein sehen konnte. „Ist das der Viktor Salis?“ fragte sie zögernd und ihre Stimme war ganz rauh vor Erregung. „Ja natürlich, ist es der Salis. Er ist schon seit dem Spätsommer droben auf dem Feldberg. Niemand hat es gewußt, ich habe ihn aber vor einiger Zeit gesehen, wie er am Hochfirst über die große Schanze sprang. Schade, daß er zu der letzten Olympiade nicht starten durfte.“ Sonnie nahm den jungen Mann am Arm. „Bitte Frieder, kommen Sie dort an den Tisch in der Ecke. Sie müssen mir unbedingt von Viktor erzählen. Können Sie mir recht viel von ihm erzählen?“ Frieda 1 ging mit Sonnie an den Tisch: „Sie haben wohl Viktor sehr gerne?" fragte er leise. Sonnie sah ihn groß an. Wie klar und leicht doch dieser symphahsche junge Mann das erriet! Sie nickte, zu ihm mußte man so viel Vertrauen haben, wie zu Viktor. Und dann erzählte Frieder ohne weitere Aufforderung von Viktor, atemlos hörte Sonnie zu. „Mein Gott, wie mein Herz fliegt! Ich bin jetzt wirklich ein klägliches kleines Mädchen und nicht die große Kiekjegaard. Mir gehts wie einem Backfisch, der das Glück hat, seinen angebeteten Filmschauspieler plötzlich leibhaftig zu sehen. Nein, das ist viel mehr und viel ernster mit Viktor... Also war er doch nicht glücklich, wer weiß, was er alles erlebt hat? Und er hätte doch nur zu mir nach Freiburg ins Krankenhaus zu kommen brauchen, er wäre bestimmt glücklich geworden. Wenn eine Frau einen Mann liebt, wie ich Viktor liebe, dann muß doch dieser Mann glücklich sein. Als Frieder schwieg und sie nur mit einem halb bedauernden, halb andächtigen Blick betrachtete, kamen ihr blitzartig die Gedanken: Jetzt wird er in seiner Hütte liegen. Ich glaube, daß er nie mehr an mich gedacht hat (FortsetBung folgt) .Dienst»!, I. Januar 1950 AUS KRAICHGAU UND BRUHRAIN Heidelsheim Am Silvesterabend, alc der größte Teil der Einwohner in der Kirche war, ertönte plöta- Uch Feueralarm. In der Mofferichstraße stand Ja« Anwesen des Hermann Granich in hellen Flammen. Gegen 20.15 Uhr wurde auch die Bruchsaler Feuerwehr alarmiert, die schon 1# Minuten darauf am Brandplate erschien. Durch die gute Zusammenarbeit der Heidels- heimer und der Bruchsaler Wehr konnte das angebaute Wohnhaus gerettet werden.. Der Daehstuhl der Scheune mit den gesamten Heu- und Strohvorräten brannte aus. Den Brand verursachten Kinder, die mit Feuerwerkskör. pern spielten. Otmar Zickwolf und Franz Bohner kehrten aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Jakob Feldmann, Turmweg, konnte am 2. Januar sein 82. Lebensjahr beschließen. Wir gratulieren, —ego— Obergrombach Auffünrung des großen Schauspiels „Alexa" stand. Eine Wiederholung dieses Stückes ist auf den Dreikönigstag geplant, während der Gesangverein auf Sonntag, 8. Jan. auf vielseitigen Wunsch eine Wiederholung der „Förster-Anni“ bringt. —sch— Karlsdorf Am letzten Tag des Jahres lud die freiwillige Feuerwehr ihre Mitglieder, die Aktivität des Roten Kreuzes und die Handel- und Gewerbetreibenden zu einer Weihnachts- und Sylvesterfeier ein. Nach zwei einleitenden Musikstücken, gespielt von einer einheimischen Kapelle, hielt Kommandant Emil Schlindwein die Begrüßungsansprache. Gegründet im Jahre 1938 sei die Wehr 1948 durch beherzte Männer wieder ins Leben gerufen worden, nachdem seit dem Jimvi und quec d Zusammenbruch so gut wie keine Feuerwehr mehr in Karlsdorf bestand. Das Bezirkstreffen in Weiher habe gezeigt, daß Karlsdorfs Feuerwehr wieder voll einsatzfähig sei. Der Kommandant appellierte an die Anwesenden um tatkräftige Unterstützung der Wehr. Zu einem ergreifenden Akt gestaltete sich die Gedenkfeier für die Toten des Vereins während das Lied „Ich hatt’ einen Kameraden“ erklang. — Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das Singspiel: „Die schöne Postschaffnerin“, begleitet von Hauptlehrer Westermann. Die hervorragende Wiedergabe der Rollen durch Spieler und Spielerinnen war vor allen Dingen der guten und umsichtigen Regie des früheren Kommandanten und Gründers Jakob Fischer zu verdanken. Ihm wurde als Dank für seine geleistete Arbeit ein Geschenkkorb überreicht. ucch JJii£ipps6ucq Auch H. Westemuin» wurde mit ein«» Oe* »chenk bedacht. Am 4. Januar feiert in körperlicher und geistiger Frische H.Gregor Esswein, Gartenstraße, im Kreise seiner Kinder .und- Kindeskinder seinen 80. Geburtstag. Wir entbieten die herzlichsten Glück- und Segenswünsche und wünschen einen schönen Lebensabend. - t - Hehnsheim Der Evgl. Kirchenchor versammelte sich am Sonntag im „Adler“ zu seiner Weihnachtsfeier. Zur Eröffnung erklangen unter der Leitung von Karl Hähnle zwei stimmungsvolle Chöre: „Nun ist uns Christus geboren“ und „Ueber allen Wipfeln ist Ruh“. Ueber die Bretter gingen zwei Theaterstücke, das Schauspiel „Der Brand Stifter“ und das Lustspiel „Papa kocht“. Regie führte Lehrer Dürr. Die Darsteller ernteten lebhaften Applaus. Am Donnerstag, 5. Januar, feiert Landwirt Anton Specht, Hauptstraße 57, seinen 66. Geburtstag. Wir gratulieren dem Jubilar herzlich und wünschen einen geruhsamen Lebensabend. Wiesenlal Der Turnverein führte am 1. Januar seine Winterfeier durch, die am 6. und 8. Janaur wiederholt wird. Der Musikzirkel leitete die Veranstaltung angenehm ein. Vereinsvorsitzender Schott begrüßte neben Stadtpfarrer Albietz, Bürgermeister Bender, Oberlehrer Eppel, die vielen Ehrenmitglieder und Mitglieder. „Der Vogt auf Mühlstein“ wurde von den Spielern so trefflich wiedergegeben, daß man glauben konnte, das Stück in Wirklichkeit zu erleben Die Schwarzwälder Trachten erhöhten das Erlebnis. — Nach der Pause turnte die erste Riege am Pferd und erntete viel Beifall. Das Lustspiel „Schnullrich mach dein Testament“ war ebenfalls gut besetzt und sehr anständig. Die Lachsalven waren der beste Beweis für das Gebotene. Die Neujahrsnacht verlief außergewöhnlich ruhig. Von dem sonst üblichen „Neujahrsschießen“ und Radaumachen hörte man kaum etwas. Die Gaststätten verabreichten einem uralten Brauch gemäß seit langen Jahren zum ersten Mal wieder, in der ersten Stunde des neuen Jahres, an ihre Gäste kostenlos Brezeln und Glühwein. Am Mittwoch feiert Landwirt Karl Emil Jan- zer, Gondelsheimerstraße 14, seinen 66. Geburtstag. Der Jubilar ist seit Monaten ernstlich krank. Seinen 71. Geburtstag kann am Donnerstag dieser Woche der Landwirt Wienand Lindenfelser, Hirschstr., begehen. Auch Lin- denfelser ist schon längere Zeit ernsthaft erkrankt. Umso herzlicher gelten den beiden Ju- bilaren an ihrem Ehrentage unsere Glückwünsche. Das Standesamt verzeichnet für das abgelaufene Jahr 23 Geburten, 14 Eheschließungen und 18 Sterbefälle. 9 Söhne unserer Gemeinde sind aus Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt. Jetzt stehen noch zwei Kriegsgefangene und 39 Vermißte aus. Ubstadt Am letzten Tag des alten Jahres traten in den Stand der Ehe: Eisenbahner Karl Huber, Weihererstr. und die Schneiderin Anna Maria Hagenmeier, Stettfelderstr. 25. In der Silvesternacht ging es um die mitternächtliche Stunde in den Dorfstraßen sehr lebhaft zu. Sogar zu einer Keilerei kam es in der Stettfelderstraße, wonach einer der Beteiligten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Am Neujahrstag war das Dorfbild belebt von Kindern, die sich bei ihren „Getteln“ Taufpaten) die Neujahrsbrezeln abholten. Am ibend versammelte sich die Einwohnerschaft m Löwensaal zur Weihnachtsfeier der Freiwilligen Feuerwehr, in deren Mittelpunkt die Filmschsu der Gloria-Lichtspiele. Am Mittwoch, den 4. Jan. bringen die Gloria-Lichtspiele das herrliche Märchenprogramm „Rotkäppchen“. Vorstellungen nur nachmittags 14 und 16 Uhr. — Ab Donnerstag bis einschließlich Freitag (Feiertag) bringen wir den großen Musikfilm „Singende Engel“ mit den berühmten Wiener Sängerknaben. Vorstellung: Donnerstag, 20 Uhr, Freitag, 16.30, 19 u. 21.Uhr. Der Film „Singende Engel“ ist in Anbetracht der ebenso geschmackvollen, wie eindrucksvollen Rolle, die der Musik im Rahmen ein#r spannungsreichen, allgemein interessanten und dazu historisch weitgehend belegbaren Handlung zufällt, ein Kunstwerk von unbestreitbarer hoher kultureller Bedeutung. Wir erleben dabei gewissermaßen die Grundsteinlegung der heute bereite traditionellen Berühmtheit eines der hervorragendsten Vokalklangkörper von internationalem Ruf, des Chores der Wiener Sängerknaben. In den prächtig ausgewählten Figuren verkörpert Hans Holt warmherzig und sympathisch den Lehrer Holzner, dessen künstlerische Besessenheit und kompromißlose Opferbereitschaft eine ergreifende Polarität Musik — Liebe heraufbeschwört. Den weiblichen Part bestreiten dabei Käthe Dorsch und Gusti Wolf mit viel Charme. Der musikalische Teil des von G. Uciky inszenierten Filmes wird ausgeführt vom Chor der „Wiener Sängerknaben und der Wiener Hofburg-Kapelle“. An musikalischen Kostbarkeiten werden u. a. Auszüge aus Tonschöpfungen Haydns („Schöpfung“), das „Ave Verum“ von W. A. Mozart, Werke Beethovens und Bruckners dargeboten. * Weihnachtsfeier des Turnvereins. Zahlreich hatte sich am Neujahrstag die Tumerf'’milie in der Festhalle eingefunden, um gern? nsam das Weihnachtsfest zu begehen. Nach musikalischen Vorträgen, weihnachtlichen Liedern und Gedichten, die sogleich eine festliche Atmosphäre schufen, eröffnete Vorstand A. Gänsmantel mit treffenden und tiefempfindenden Worten den Abend. Eine besondere Freude war es ihm dabei, inmitten der vielen Gäste auch die Ehrenmitglieder M. Alt und O. Odenwald begrüßen zu können. Unter der Leitung der Turnwarte Fritz und Franz Beiz, denen für die Gestaltung dieser Feier besonderes Lob und Anerkennung gebührt, gaben dann die Turnerinnen und Turner einen interessanten Einblick in ihre vielseitige turnerische Arbeit, warteten dabei durchweg mit Leistungen auf, die die Zuschauer überraschten und beeindruckten. Barrenübungen der Turnerinnen und Turner, graziöse Tänze, bestechende akrobatische Uebun- gen, prächtige Pyramiden (hierbei erntete vor allem Fritz Beiz reichen Beifall) und schließlich Reckübungen mit imposanten Riesenschwüngen wechselten in bunter Folge. Turnerinnen und Turner verrieten dabei reiches Können und viel Geschick, wie auch Anmut und vollendete Körperbeherrschung. Als Krönung des Abends dann zum guten Ende das herrliche Puppenspiel „Heinzelmännchens Wachtparade“, das in seiner ideenreichen und prächtigen Ausstattung die Darbietungen des Abends würdig abschloß. Der Verkehrsverein lädt zum Mittwoch abend 20 Uhr die Arbeitsausschüsse, sowie alle Vorstände der Philippsburger Vereine zu einer Besprechung im Einhorn ein. Heimkehrer. Aus dem Entlassungslager Frankfurt/Oder hat Karl Herr seine Heimkehr angezeigt. Herzlich willkommen. Beim Weihnachts-Toto konnten auch eine Reihe Philippsburger Teilnehmer einen Gewinn verzeichnen. Es sind 6 Gewinner im ersten Rang und 41 im zweiten Rang. Ri. Seine traditionelle Silvesterfeier hielt der Fußballverein 1912 e. V. am Silversterabend in der Rosenhalle. Der Abend war ausgefüllt mit dem Theaterstück „Die Grafenkinder“, das von den einzelnen Spielern gut wiedergegeben wurde und gute Aufnahme fand, was der reiche Beifall immer wieder bewiesen hat. Bei froher Geselligkeit ging es feuchtfröhlich mit herzlichen Glückwünschen ins neue Jahr. Auch die Mitglieder der Ortsgruppe vom Roten Kreuz trafen sich mit ihren Angehörigen zu einer Weihnachts- und Silvesterfeier im „Löwen“. Hierbei kam das Theaterstück „Der Brandstifter“ zur Aufführung. Auch hier durften alle Anwesenden recht frohe Stunden verleben. Die Sanitäter zeigten, daß sie nicht nur bei Unfällen und dergl., sondern auch bei froher Geselligkeit ihren Mann stellen. Als dann die Glocken das neue Jahr einläuteten, beglückwünschte man sich gegenseitig. Mögen wenigstens ein Teil der guten Wünsche in Erfüllung gehen. In guter körperlicher und geistiger Frische und Rüstigkeit konnte am Neujahrstage Frau Maria Wermut Witwe, Stefanstr., ihV 73. Lebensjahr vollenden. Möge ihr noch ein gesegneter Lebensabend beschieden sein. Von Automobilen und Töif-Töfi’s Von Automobilen und Töff-Töff‘s Die sonderbarsten Apparaturen bevölkern unsere Straßen: Vom herrlichsten Mercedes oder Horch 8 bis zu den rheumatischen Großtanten Hanomag und BMW „Dixi“ sind alle Automobiltypen der letzten zwanzig Jahre wieder aufgetaucht. „Reinrassige“, „Kreuzungen“ und „Frühgeburten“ aller Konstruktionen. Nach' seinem Auto kann man seinen Besitzer einschätzen. Der Prominente, Protzige, auf Bequemlichkeit bedachte, tut es unter einem „Maybach nicht. Der Bescheidene kauft sich einen DKW. oder einen kleinen Opel. Immer großartig schauts aus, wenn ein klein- gewachsener Mann einen achtsitzigen Bugatti steuert. Peinlich wird's und amüsant, wenn eine Herkulesgestalt einen niedlichen Hanomag oder ähnliches um die Ecken chauffiert und mit lautem „Töff! töff!“ die erfahrensten Haustiere von der Straße scheucht. Zum Autokauf gehört eine glückliche Hand genau so wie ein draller Geldbeutel. Wer ersteres nicht hat, fällt leicht rein, wem letzteres fehlt, fällt rasch wieder „raus“. Geschah doch da neulich folgende«, daß einer ein Auto gekauft hat, das man ihm vor zwei Jahren gestohlen hatte. Und von einem jungen, an sich nicht unklugen Menschen erzählt man sich, daß er unbedingt ein Fahrzeug wollte, das das gleiche -Geburtsjahr hatte wie er; deshalb wohl, weil sein und des Autos Jahrgang gediegene Friedensprodukte siind. Das peinlichste allerdings passierte einem qualifizierten Autoräuber unlängst in einer westdeutschen Stadt. Er stieg versehentlich in der Dunkelheit ins Polizeiauto ein und hatte das zweifelhafte Vergnügen, gleich damit ins Gefängnis kutschiert zu werden. Er brauchte sich wenigstens keine Garaga besorgen. — Apropos: Garagen. Da gibt es auch verschiedene Arten, wie Sammelhallen für mehrere Fahrzeuge, Einzelgaragen aus Wellblech und -Hühnerställe. Hühnerställe, jawohl! — Der junge oben erwähnte Mann hat' seinen „Altersgenossen“ im Hühnerstall aufbewahrt. Für ihn an sich recht billig, für die Hühner lehrreich, denn es fördert die Altertumsforschungen des Gockels, der seit kurzem in der Frühe nur noch „Töff! töff!“ kräht. TODESANZEIGE Mein« Mutter Frau Anna Keim