BRÜCHSALER POST ' HEIMATBLATT TÜR KRAIGHGAU UND BRÜH RAIN Jahrgang 2 - Nr.^If Donnerstag, den 9. Januar 1950 Einzelpreis 15 Pfennig Präsident Truman vor dem Kongreß Botschaft Uber die Lage der USA — Für Fortsetzung der Marshallplan-Hilfe Seine Washington (DND). Präsident Truman verlas am Mittwochabend vor beiden Häusern des amerikanischen Volkskongresses die traditionelle Botschaft über die Lage der Vereinigten Staaten, indem er zu innen- und außenpolitischen Fragen Stellung nahm. „Vor einem Jahr“, so begann Truman, „berichtete ich dem Kongreß, daß die Lage der Nation günstig ist. Heute bin ich in der glücklichen Lage, Ihnen sagen zu können, daß die Lage der Nation auch weiterhin eine günstige ist Im vergangenen Jahr haben wir beachtliche Fortschritte in der Festigung der Grundlagen für den Frieden und Freiheit erzielt, außerhalb und innerhalb unseres Landes. Wir haben wichtige Schritte zur Sicherung der Nordatlantischen Gemeinschaft gegen jeden Angriff unternommen. Obwohl wir noch schwierigen Problemen gegenüberstehen, ist die größte Gefahr in den Hintergrund getreten, die Möglichkeit nämlich, der wir -uns vor drei Jahren gegenübersahen, daß ein Großteil Europas und des Mittelmeergebiets unter totalitärem Druck zusammenbricht.“ Zur Außenpolitik sagte Truman, Unterdrückung und Tyrannei' würden die USA niemals dulden. Er hob die Erfolge der Vereinten Nationen hervor, denen er weiterhin volle Unterstützung gewähren werde. Alä S conkrete Erfolge bezeichnete er die Verhand- ungen in der palästinesischen und indochinesischen Frage. Als wesentlichen Teil der Verteidigungsor- Janisation der Vereinigten Staaten bezeich- ftete der Präsident die Dienstpflicht. Auch dem Marshallplan maß er besonderen Wert gu: „Dieses Programm hat in den ersten zwei Jahren seit der Durchführung große Erfolge erzielt, aber es ist noch nicht vollendet. Wenn Wir dieses Werk jetzt aufgeben oder ein- Schränken, nur, weil es aut dem Wege 'zum Erfolg ist, dann würden wir genau das tun, was die Feinde der Demokratie von uns wollen. Wir wären genau so töricht, wie jemand, der aus falscher Sparsamkeit kein Dach für sein Haus baut, nachdem er das Fundament und die Wände errichtet hat." Im Verlaufe seiner weiteren Ausführungen riet der Präsident dem Kongreß zum Beitritt in die Internationale Handelsorganisation. Man müsse zur Erweiterung der Weltwirtschaft den Lebensstandard heben und die Erschließung von Hilfsquellen intensivieren. „Ohne diese Aufwärtsbewegung“, betonte Truman, „kann die weitere Erholung Europas und auch die Zukunft unserer eigenen Wirtschaft nicht sichergestellt werden. Ich fordere daher den Kongreß auf, die ihm vorliegenden gesetzgeberischen Maßnahmen zu billigen, die den in der Entwicklung zurückgebliebenen Gebieten technische Hilfe und Kapitalinvestitionen bringen würden. Unser Ziel, nämlich eine friedliche, demokratische Welt freier Völker, wird nicht durch Waffengewalt erreicht werden, sondern durch einen Appell an die Gehirne und Herzen der Menschen. Wenn die Friedenspolitik der demokratischen Nationen erfolgreich sein soll, dann muß sich zeigen, daß die Vorteile ihres Lebenssystems erweitert und auf alle Nationen und alle Rassen ausgedehnt werden können.“ Mit scharfen Worten griff der Präsident den Kommunismus an, dem er imperialistische Tendenzen vorwarf. Am Ende seiner Rede ging der Präsident auf die innenpolitische Situation der Vereinigten Staaten ein. Für die Zukunft prophezeite er eine noch größere Prosperität der Wirtschaft — vorausgesetzt, daß der Kongreß die Vorschläge der Regierung in wirtschaftlicher Hinsicht unterstütze. Um die Chinapolitik Hanpttttema der sich aa die Botschaft "i'ru- mans anschließenden Debatte im amerikanischen Kongreß wird voraussichtlich die amerikanische Chinapolitik und das „Fair-Deal“« Programm Präsident Trumans sein. Die chinesische Nationalregierung hat die amerikanische Regierung formell um militärische und wirtschaftliche Unterstützung bei der Verteidigung von Formosa ersucht. Das USA-Außenministerium hat ein Rundschreiben an seine diplomatischen Vertretungen herausgegeben, in dem die strategische Bedeutung der Insel Formosa als unerheblich hingestellt wird. Man weist darauf hin, daß der Verlust der Insel vorauszusehen sei und wolle sich gegen die von nationalchinesischer Seite verbreitete Version schützen, daß die USA sich ihrer Verpflichtungen entzögen, wenn sie diese wichtige strategische Bastion nicht verteidigen würden. Die Vereinigung aller amerikanischen Streitkräfte im Femen Osten forderte der republikanische Senator Alexander Smith. Außerdem schlug er vor, daß die Vereinigten Staaten gemeinsam mit der chinesischen Nationalregierang Formosa besetzen sollten, um zu verhindern, daß diese Insel den Kommunisten in die Hände falle. Atombomben für London Die britische Regierung hat eine Denkschrift nach Washington gesandt mit neuen Vorschlägen für eine gemeinsame Produktion von Atomwaffen durch Großbritannien, die USA und Kanada. Nach einem von der „N e w York Times“ veröffentlichten Bericht soll Großbritannien damit einverstanden sein, keine Atom bomben herzustellen, sondern sich weiterhin auf Atomforschungen zu beschränken. Die britischen und kanadischen Wissenschaftler würden zusammen mit amerikanischen Gelehrten an der Entwicklung von Atombomben in Amerika arbeiten. Die USA würden gleichzeitig damit einverstanden- sein, daß eine Anzahl von Atombomben in Großbritannien gelagert wird. Adenauer: Ein schwerer Weg steht bevor! Der Bundeskanzler äußert sich vor den Vertretern der in- und ausländischen Presse in Bonn über die politische Lage Van unserem D N D - K o rr es p on d an t e n v.W. Bonn. Mit zahlreichen Mikrofonen des NWDR unter einer bisher kaum üblichen Beteiligung der in- und ausländischen Presse eröffneten die Bonner Journalisten am 4. Januar 1950 ihre diesjährige erste Pressekonferenz. Kein Geringerer als der Bundeskanzler selbst war Gast der in Bonn akkreditierten Journalisten, die ihm an Fragen zu aktuellen Tagesproblemen wahrlich nichts ersparten. Man dürfe nicht übersehen, sagte der Bundeskanzler, daß der Weg für 1950 schwer Bei, aber geduldig gegangen werden müsset „Wir stehen vor einem ungeheuren Trümmerfeld" und es werde notwendig sein, dem deutschen Volk eine klare Bilanz vorzulegen. Der Wohnungsbau mit 250 000 Wohnungen werde ab März wahrscheinlich beginnen können, nachdem die Finanzierung gesichert sei. Die Zahl der Arbeitslosen betrug rund 1,5 Millionen, die der Beschäftigten im Dezember-Durchschnitt 1949 aber 12 209 000 gegenüber dem Jahresdurchschnitt von 1936 mit 11 568 000 Beschäftigten. Durch einen fortschrittlichen Wohnungsbau könne man einen Teil der Erwerbslosen in Arbeit bringen, doch »ei dazu eine Bereinigung der alten Schulden notwendig. Dies umso mehr, als es wichtig sei, kreditwürdig und kreditfähig zu werden, denn die Gewährung von Auslandskrediten an die Bundesrepublik gehöre zu einer der Bitten Westdeutschlands an die Alliierten. Wenn ihre Erfüllung im ersten Halbjahr 1950 nicht möglich sei, stehe die Bundesregierung vor einer „ernsten Sorge". Der Bundeskanzler erklärte weiter, daß eine Subventionspolitik immer schlecht sei. Trotzdem gäbe es sie auch in anderen Ländern, z. B. in den USA. Bei Fortfall der Subventionen werde fraglos auch das Preis- und Lohngefüge angetastet, doch müßten dementsprechende Ausweichmöglichkeiten gefunden werden. Hierzu gehöre die Regelung der Frage: Arbeitnehmer — Arbeitgeber. Die noch vorhandenen Gegensätze seien ■ auszugleichen, denn wirtschaftliche Kämpfe dürfen nicht entstehen. Der Kanzler stellte weiter fest, daß die Bundesregierung die Liberalisierung der Wirtschaft bejahe, doch könne diese nicht von heute auf morgen kommen. Abschließend erklärte Dr. Adenauer, daß mit Pessimismus nichts getan sei. Das deutsche Volk habe sich seine Energie, seine Arbeitskraft und seinen Erflndungsgeist bewahrt. Darum werde es ein« Taooe auch wieder hochkommen. ' Frage und Antwort Im Anschluß an die erste Pressekonferenz des neuen Jahres am 4. Januar 1950 in Bonn gab Bundeskanzler Dr. Adenauer auf eine große Zahl von Fragen der Bonner Journa- . listen teils offen, teils aber auch nur zögernd Antwort. Ob die Bundesregierung Im Jahre 1950 einen Außenminister ernennen werde? — Das sei Sache von Bundespräsident H e u s s. Man müsse die Entwicklung der Dinge abwarten und sich u. a. überlegen, wie umständlich allein der Verkehr von dreißig ausländischen Missionen auf dem Umweg über den Petersberg sei. Übrigens sei anzunehmen, daß der Bundespräsident erstmalig Mitte Januar die ausländischen Missionschefs empfangen werde. Die Erweiterung der deutschen Souveränität hänge ebenfalls nicht von Deutschland ab. Man dürfe auch hier nicht zu hastig sein. Das Besatzungsstatut werde wahrscheinlich erst im Herbst 1950 in einigen Punkten eine Änderung erfahren, Wann die Beziehungen mit Ostdeutschland auf genommen würden? — Diese Frage sei zweckmäßiger an den Osten als an ihn zu richten, stellte der Kanzler fest, Welche Sicherheits-Garantien für die Bundesrepublik gegeben seien? Dazu erklärte Adenauer lächelnd: „Wünschen Sie sich diese nicht auch?“ Es sei natürlich auf die Dauer undenkbar, daß rund 48 Millionen Deutsche ohne Sicherheit „im Spannungsfeld zwischen Ost und West“ leben könnten. Weiter meinte der Kanzler, daß man es mit einer „antiquierten" Auffassung zu tun habe, wenn man von deutsch-französischen Beziehungen einerseits und deutsch-englischen andererseits spreche und daraus Gegensätze konstruieren wolle. „Europa ist so schwach geworden, daß alle Zusammenarbeiten müssen, um dieses Europa am Leben zu erhalten“. Im Laufe weniger Monate werde Deutschland die ersten konsularischen Vertretungen im Ausland errichten, und zwar zunächst in denjenigen Ländern, die mit Deutschland in engsten Handelsbeziehungen ständen. Innenpolitisch, sagte der Kanzler, daß die Aufhebung der Rationierung nur eine Frage der Zeit sein könne. Zum Bundes-Kri- minal-Polizeiamt stellte Dr. Adenauer fest, daß ein solches im Grundgesetz vorgesehen sei, daß ihm aber von einem „Bundes-Sicher- heits-Amt“ nichts bekannt wäre. Abschließend äußerte sich Dr. Adenauer, daß ein Vertreter der Bundesregierung für Berlin ernannt werden solle, um schon dadurch zu beweisen, wie eng sich die Bundesrepublik mit der einstigen Reichshauptstadt verbunden fühle. Kein Dementi möglich Ein Dementi der Bundesregierung sei zu der Tatsache nicht möglich, daß der Kanzler am Donnerstag Geburtstag feiere. Dies stellte einer der Bonner Journalisten anläßlich der Pressekonferenz fest. Dr. Adenauer zeigte sich amüsiert über die Bemerkung, die auf einer Feststellung des Kanzlers basierte, daß manches hinterher dementiert werden müsse, was die Presse aus Bonn über Maßnahmen der Regierung im Übereifer berichte. Sozialwerk vorbereitet Die Bundesregierung hat sich auf ihrer ersten Kabinettssitzung im neuen Jahr am Dienstagnachmittag mit der Vorbereitung eines umfassenden sozialen Gesetzwerkes beschäftigt. Das Gesetz soll alle minderbemittelten Volksschichten umfassen und voraussichtlich am 1. April 1950, mit dem Beginn des neuen Haushalt jahresplanes der Bundesregierung, in Kraft treten. Ein Regierungssprecher erklärte, daß bereits während der ersten Besprechungen innerhalb des Kabinetts gute Fortschritte erzielt worden seien. Das neue soziale Hilfswerk würde die Heimatvertriebenen, die Kriegsbeschädigten Snd die Altersversorgung umfassen. Durch ein umfassendes Gesetz beabsichtige die Bundesregierung zu verhindern, daß eine Reihe von Einzelgesetzentwürfe beschlossen würden. Die deutsche Bundesrepublik wird an den Verhandlungen über einen internationalen Zolltarif teilnehmen, die im September in Genf wieder aufgenommen werden. Die Regierungen von 39 Staaten haben sich zur Teilnahme bereit erklärt. (DND) Notgemeinschaft der Sachsen. Der ehemalige Sportbeauftragte der Union Junges Europa, Hans Bonalek, hat alle inWestdeutsch- land lebenden Sachsen aufgerufen, sich zu einer Notgemeinschaft zusammenzuschließen. Max Brauer wieder in Hamburg. Der Hamburger Bürgermeister Max Brauer kehrt am Mittwoch von seinem Besuch in den Vereinigten Staaten nach Deutschland zurück. Er erklärte vor seiner Abreise, die meisten Amerikaner seien bereit, der Bundesrepublik zu helfen. (DND) Das finnische Wunder Helsinki (DND). Die kommunistische Presse Finnlands hat eine heftige Kampagne gegen Präsident Paasikivi eröffnet, der für die Präsidentschaftswahlen am 15. Januar kandidiert. Sie beschuldigen Paasikivi, eine anti-sowjetische Politik zu verfolgen und die Verhandlungen über einen finnisch- russischen Freundschafts- und Beistandspakt im Jahre 1948 verhindert zu haben. Diese Angriffe dürften eine Folge der Moskauer Protestnote sein, in der Finnland beschuldigt wird, 300 russischen Kriegsverbrechern Asyl zu gewähren. In seiner Antwort-Botschaft hatte Paasikivi erklärt, Finnland strebe freundschaftliche Beziehungen zu allen seinen Nachbarn an, insbesondere aber zu seinem mächtigen Nachbarn im Osten. Wie weiter aus Helsinki verlautet, haben die drei kommunistischen Abgeordneten des Außenpolitischen Parlaments-Ausschusses die Regierung aufgefordert. dem Ausschuß unverzüglich die Moskauer Note vorzulegen. Der seit etwa zwei Jahren prophezeite Untergang Finnlands ist bis jetzt noch nicht eingetreten. Trotz aller Anfechtungen hat der greise Staatspräsident Paasikivi seinem Volke die demokratischen Grundrechte und zugleich ein wirtschaftliches Gleichgewicht bewahren können. Die kommunistische Partei spielt zwar eine große Rolle, ihre Erfolge sind jedoch nicht zu vergleichen mit denen in den osteuropäischen Satellitenländern. Obwohl die Kommunisten im letzten Jahr die Regierung verlassen mußten, hat sich nichts an der Haltung Finnlands gegenüber Moskau verändert. Diese Politik beruht nach einer Darstellung der englischen Zeitschrift „Fortnightly“ auf drei Grundsätzen: 1. Strikte Befolgung der im Friedensvertrag mit Rußland niedergelegten Bedingungen. 2. Finnland vermeidet jede Versuchung, außenpolitisch „den Weg Rußlands zu kreuzen“. 3. Kampf gegen jede Stärkung des kommunistischen Einflusses innerhalb Finnlands. So widersprechend diese Formulierungen erscheinen njögen, so groß ist der Erfolg, der mit diesem Programm erzfeit woTdert fst7 Die Grundlage dieser Politik liegt in der Tatsache, daß sie die Zustimmung des ganzen Volkes besitzt. Die Bedürfnislosigkeit der Bevölkerung und das Bewußtsein, daß das Schicksal der ganzen Nation von der konsequenten Durchführung der politischen Linie abhängt, wie sie von der sozialdemokratischen Regierung einmal festgelegt wurde, hat auch auf anderen Gebieten Wunder gewirkt. Nach dem Kriege galt es nicht nur, die zerstörten Gebiete wieder aufzubauen, sondern darüber hinaus noch neue Industrien zu erstellen, um die umfangreichen russischen Reparationsforderangen zu erfüllen. Etwa ein Zehntel der arbeitenden Bevölkerung wird allein für die Herstellung dieser Reparationsgüter benötigt, in manchen Industriezweigen beträgt der Reparationsanteil bis zu 80 Prozent des Wertes. Trotzdem hat sich auch die wirtschaftliche Lage Finnlands so weit gebessert, daß außer Zu ker und Kaffee die Lebensmittelrationierung aufgehoben werden konnte. Die Wohnungsnot ist nicht größer als in anderen vom Kriege heimgesuchten Ländern. Der außenpolitische Grundsatz der finnischen Regierung, den Weg des übermächtigen Nachbarn nicht zu kreuzen wird mit überlegener Meisterschaft und Delikatesse praktiziert. Die Staatsmänner in Helsinki legen größten Wert darauf, jedem zu versichern, daß sich die Russen durchaus korrekt verhalten. Deshalb möchte auch Finnland alles vermeiden, was es in Gefahr bringen könnte, von Moskau in die Schar seiner Satelliten aufgenommen zu werden. Man ist in Finnland besonders vorsichtig, wenn es um die Beziehungen Finnlands zu dem Westen geht. Im Gegensatz zur Tschechoslowakei machte man in Helsinki keinen Versuch, in den Marshallplan aufgenommen zu werden, als es klar wurde, daß Rußland dies als Verrat ansehen würde. Andererseits ist Finnland als einziger Staat hinter dem Eisernen Vorhang noch mit zahlreichen Vertretern in verschiedenen Organisationen der Vereinten Nationen tätig. Nach wie vor herrscht ein lebhafter Gedankenaustausch mit den skandinavischen Hauptstädten, bei dem allerdings alle Gespräche über militärische oder politische Probleme peinlich vermieden werden. Die traditionelle Freundschaft hat unter dieser Beschränkung nicht gelitten, denn Dänemark, Norwegen und vor allem Schweden wissen die delikate Situation Finnlands richtig einzuschätzen und vermeiden ihrerseits alles, was den politischen Seiltanz der Finnen erschweren könnte. Auf diese Weise gelingt das Unglaubliche, daß Finnland im geistigen Bereich des Westens gehalten werden kann, ohne daß es konkrete Donnerstag, den 5. Januar 1950 Wohiebs Antwort an Tübingen-Stuttgart Südbadische Vertreter für eventuelle Verhandlungen vorgeschlagen Bindungen und Verpflichtungen mit den politischen Machtgruppen des Westens aufnimmt. Beide Seiten legen Wert darauf, die Zusammenarbeit bei aller Formlosigkeit aufrechtzuerhalten. Finnland muß ein Interesse daran haben, die alten Handelswege nach Westen offen zu halten. Der Westen ist sich andererseits bewußt, daß die wirtschaftliche Unterstützung dem finnischen Vorposten einen Rückhalt für seinen verzweifelten Widerstand gegen die erdrückende Umarmung des russischen Nachbarn bedeutet. Rußland schaute bisher geduldig diesem Treiben zu und nahm es auch stillschweigend hin, daß die finnischen Kommunisten in den letzten Monaten ms Hintertreffen gerieten. Die finnische Regierung, gestützt auf die sozialdemokratische Partei, hat diesen Kampf gegen den Kommunismus nicht weniger entschieden geführt als die Regierungen der westeuropäischen Staaten. Bei aller Rücksichtnahme auf die außenpolitische Reizbarkeit des Kremls lehnt die finnische Regierung jede russische Einmischung in die innenpolitische Auseinandersetzung ab und hat auch mit dieser Haltung Erfolg gehabt. Die Gründe der russischen Duldsamkeit gegenüber dem hartnäckigen Widerstand der finnischen Sozialdemokratie sind nicht klar. Man darf annehmen, daß der Kreml deshalb Wert auf gute Beziehungen mit Finnland legt, weil er noch keinen Ersatz für die finnischen Lieferungen hat und bei dem Ausbau der Marinestützpunkte in den von Finnland abgetretenen Gerieten nicht gestört sein will. Eine entscheidende Wendung der finnischen Situation wird das Jahr 1952 bringen. Bis da- lin hat Finnland seine Reparationsverpflieh- ungen gegenüber Rußland erfüllt und kommt n die merkwürdige Lage, für die zu diesem Zweck errichteten neuen Industrien nach Absatzgebieten suchen zu müssen. Wahrscheinlich wird es dann dem finnischen Nachzügler sehr schwer sein, sich gegenüber der westli- hen Konkurrenz auf dem Weltmarkt durchzusetzen. So wird Finnland vielleicht nichts anderes übrig bleiben, als die mit dem Wegfall der Reparationen freiwerdende Produktion wiederum Rußland anzubieten und auf iiese Weise seine politische Abhängigkeit vom Ostblock zu verewigen. Sowjetdelegation verließ Kontrollratssitzung in Tokio Tokio (DND). Zum zweiten Male innerhalb von 14 Tagen hat die Sowjetdelegation eine Sitzung des Alliierten Kontrollrates für Japan verlassen. Wie beim ersten Male war auch diesmal der Grund ein Antrag der übrigen Ratsmitglieder, die Rückführung japanischer Kriegsgefangener aus Rußland zu erörtern. Der russische Vertreter erklärte, diese Repatriierung gehöre nicht in den Auf- 5 a.benbereich des Alliierten Rates. Nachdem der Sowjetvertreter die Sitzung verlassen hatte, gab der amerikanische Vorsitzende Einzelheiten über die Note des amerikanischen Außenministeriums an Rußland bekannt, in der darauf hingewiesen wird, daß die Sowjetregierung immer noch einige 100 000 japanische Gefangene zurückhält, obwohl die übrigen Alliierten schon vor längerer Zeit alle japanischen Kriegsgefangenen entlassen haben. Wafd-Partei in Führung Vorläufiges Wahlergebnis in Ägypten Kairo (DND). Nach den bisherigen Ergebnissen der Parlamentswahlen in Ägypten liegt die Wafdpartei eindeutig in Führung. Nach den letzten Veröffentlichungen hat die nationale Wafdpartei sich bis jetzt 96 Sitze gesichert, während auf alle übrigen Parteien 32 Mandate entfielen. Von diesen 32 Mandaten fielen den Saadisten 8 und den Liberalen 7 Sitze zu. Seit 1945 bildeten diese beiden Parteien die Regierungskoalition. Das endgültige Ergebnis der ägyptischen Parlamentswahlen wird erst nach dem zweiten Wahlgang am kommenden Dienstag bekanntgegeben. In 7 Wahlbezirken wild am kommenden Dienstag erneut gewählt werden. Bei Zusammenstößen kamen am ersten Wahltag sieben Personen ums Leben. Die Wahlbeteiligung war sehr gut. iflBBiiiiwnMummwrtMIIIIHIBMWimilllllWIllllllllBIIIIWIIIII Die Heiligen Drei Könige Eines der beliebtesten Themen in der christlichen Kunst ist die Darstellung der Heiligen Drei Könige, die zum ersten Mal in der Pris- cilla-Katakombe des 2. Jahrhunderts erfolgte. Sehr innig und in ergreifender Schlichtheit gemalt und gezeichnet finden wir sie in den '.rühmittelalterlichen Handschriften. Die Darstellung der Weisen aus dem Morgenland erschien nicht königlich genug und so setzte man ihnen Kronen auf. Das erste Mal in der Echtemacher "Handschrift. Aber es waren immer noch keine „Dreikönigsbilder“. König war Christus, der als Weltbeherrscher auf dem Schoß seiner Mutter wie auf einem Thron sitzt und die Magier durch eine Geste segnet. In der Blüte der Staufer wachsen die anbetenden Figuren zu gleicher Höhe wie die Mutter Gottes heran, und zwischen Gott und Jen Menschen wird der Abstand geringer. In der Hochgotik vollzieht sich die mythische Einung und wir sehen jetzt das Kind Gottes, wie es mit dem Golde spielt, das ihm einer der knienden Könige ehrfurchtsvoll verehrt. 1168 ließ des Kaiser Barbarossas Kanzler die Gebeine der Heiligen Drei Könige aus dem zerstörten Mailand nach Köln bringen. Der Bonn (DND). Die Antwortschreiben des südbadischen Staatspräsidenten Leo Wohieb an die Regierungen von Württemberg-Hohen- zollem und Württemberg-Baden in der Frage des Südweststaates wurden am Mittwoch veröffentlicht. Wohieb lehnte darin den Vorschlag Württemberg-Badens ab, die drei südwestdeutschen Länder in vier Abstimmungsbezirke aufzuteilen. Der südbadische Staatspräsident hält daran fest, daß Württemberg und Baden in zwei Abstimmungsbezirke gegliedert und daß die Stimmen in diesen Bezirken getrennt gezählt werden. Er betonte, daß für ihn nur die Freudenstadler Beschlüsse der CDU maßgebend seien. Die CDU hatte vorgeschlagen, in einer Abstimmung zwei Fragen zu stellen. Wohieb erklärt sich in dem Schreiben bereit, sofort in Verhandlungen einzutreten, wenn diese Gesichtspunkte nicht nur von Württemberg-Ho- henzollern, sondern auch von Württemberg- Baden berücksichtigt werden. Als südbadischer Vertreter für eventuelle Verhandlungen nennt Wohieb den Oberlandgerichtspräsidenten in Freiburg Dr. Zyricher und Legationsrat Dr. Jantz. Düsseldorf (DND). Der Vorstand der KPD in Westdeutschland beschloß, Elemente aus der Partei zu entfernen, die als „Tito- trotzkistische Spitzel“ bezeichnet werden. Dies wurde in einer von der KPD veröffentlichten Resolution bekanntgegeben, in der weiter darauf hingewiesen wird, daß durch Unachtsamkeit der Partei die feindlichen Spitzel bei ihrer Zersetzungsarbeit in den Parteivorständen angeblich erfolgreich waren. Eine Anzahl führender Parteimitglieder wurde in der Resolution aufs schärfste getadelt, darunter Hugo Paul, ehemaliger KPD-Vorsitzender in Nordrhein-Westfalen, ferner die Vorstandsmitglieder Grimm, Langendorf und Salm von der Partei in Württemberg-Baden, Fischer -Bayern und Müller -Rheinpfalz. Zu den kommunistischen Zeitungen, die wegen ihrer Haltung kritisiert werden, gehören das „Norddeutsche Echo“-und die „Hamburger Volkszeitung“. In der Resolution wird ferner bestimmt, daß führende Mitglieder der KPD in allen Ländern der Bundesrepublik besondere Schulungskurse besuchen müssen. Alle Mitglieder der KPD werden angewiesen, Washington (DND). Die amerikanische Regierung hat die ungarische ersucht, die beiden einzigen ungarischen Konsulate in den USA zu schließen. Der amerikanische Schritt erfolgt als ein weiterer Protest gegen die Verhaftung des amerikanischen Kaufmanns Vogeler in Budapest. In einer amerikanischen Note heißt es: „Es liegt nicht der geringste Beweis gegen Vogeler vor. Trotzdem hatten die ungarischen Behörden ihn bereits vor dem Gerichtsverfahren der Spionage für schuldig befunden. Obwohl Vogeler vor mehr als sechs Wochen verhaftet wurde, ist es amerikanischen Beamten nicht gestattet worden, ihn zu sehen. Sollten die Rechte und die Interessen der USA und der amerikanischen Staatsangehörigen in Ungarn auch weiterhin gröblich verletzt werden, so werden die Beziehungen zwischen Ungarn und den USA ernstlich gefährdet.“ Die amerikanische Regierung hat es — wie erinnerlich — den amerikanischen Staatsangehörigen bereits untersagt, Reisen nach Ungarn zu unternehmen. Auch die britische Regierung hat bekanntlich vor kurzem die Handelsbesprechungen mit Ungarn abgebrochen, zum Protest gegen die Verhaftung eines britischen Geschäftsmannes. Anderer Ansicht als Warschau Die polnische Regierung hat bei den Vereinigten Staaten erneut ihre Wiedergutmachungsforderungen eingereicht. Sie behauptet, daß Industrieanlagen im Werte von zwei Millionen Dollar von Polen nach Deutschland Dom am Rhein wurde ein Wallfahrtsort und Anlaß, Dreikönigsaltäre zu schaffen. Der schönste ist der von Stefan Lochner im Kölner Dom. In den Niederlanden fanden sich Meister wie Memling, Nogier van der Weyden, Hugo van Goes und viele andere. Bemerkenswert ist ein Gemälde von Rogier, das sich in München befindet und einst für St. Columba in Köln bestimmt war: Auf dem Dreikönigsaltar ließ sich das Haus Karls des Kühnen porträtieren! Es währte nicht lange, so fand diese Darstellung an allen europäischen Höfen Nachahmung. In der Renaissance lockerte sich in der bildenden Kunst die kirchliche Strenge und Bindung. Das Gesichtsfeld wurde weltweit, wozu nicht wenig die Türkenkriege beitrugen. Und so ist es nicht verwunderlich, daß der bezaubernde Glanz des Orients in die Dreikönigsbilder kam und in Farbenpracht und Prunk die Verherrlichung der Anbetung steigerte Die demütige Innigkeit der Gotik wandelte sich in Schaugepränge Die frommen Vorgänge der Verehrung Christi im Stall zu Bethlehem wurde zu prächtigen Schauspielen erweitert. Rubens ist dafür ein ebenso charakteristisches Beispiel wie Tiepolc. Es ist leicht, diese Entwicklung tyi der Darstellung der Dreikönigsbilder nachzuprüfen, sei es in Kunstbüchem, sei es in den Staatsgalerien. Vom württemberg-badischen Staatsministerium wird dazu erklärt: Der neuen Erklärung Wohiebs wird vom württemberg-badischen Staatsministerium keine besondere Bedeutung mehr beigemessen. Die Regierung in Freiburg hat in gleicher Weise wie die Regierung in Stuttgart davon Kenntnis, daß Frankreich selbst die Bundesregierung davon unterrichtet hat, er hielte den Artikel 118 des Grundgesetzes bis nach Abschluß eines Friedensvertrages für suspendiert. Der neue Schritt Wohiebs werde deshalb als Ablenkung von der Situation aufgefaßt werden müssen, welche von Freiburg selbst herbeigeführt, in Freiburg heute vor der Oeffentlichkeit als unangenehm und schädlich empfunden werde. Der nordbadische CDU-Vorsitzende Heurich wandte sich gegen die Gerüchte, daß ihm der südbadische Staatspräsident Wohieb ultimativ nahegelegt habe, seine Auffassung über den Südweststaat der Ansicht der südbadischen* CDU anzupassen, da sonst in S^dbaden eine Baden-Partei gegründet werden müsse. Auch die Behauptung, daß über diese Frage eine Unterredung mit Bundeskanzler Adenauer stattgefunden habe, sei frei erfunden. die Politik der Sowjetunion und der Volksdemokratien bedingungslos zu unterstützen. Und Reimann? Die in diesem Zusammenhang aufgetauchten Gerüchte, daß auch die Stellung des westdeutschen Kommunistenführers Max Reimann stark erschüttert sei, wollen trotz der Versicherung des kommunistischen Bundestagsfraktionsvorsitzenden Renner, der — wie bereits berichtet — solche „Verdächtigungen“ für „lächerlich“ erklärte, nicht verstummen. Grötewohl in der Sowetunion Berlin (DND). Der Ministerpräsident der Ostzonenrepublik, Otto Grotewohl, hat sich am Mittwoch zu einem Erholungsurlaub nach Sowjetrußland begeben. Ein Vertreter der. Berliner LDP gab bekannt: „Von den 5 vor kurzem ihres Amtes enthobenen LDP-Abgeordneten des Brandenburger Landtags sind 4 geflüchtet, darunter der Bürgermeister von Königswusterhausen und eine weibliche Abgeordnete. Über den- 5. Abgeordneten ist nichts bekannt“. gebracht worden seien. 20 Prozent dieser Anlagen sollen sich in der amerikanischen Besatzungszone befinden. Die polnische Regierung wirft den amerikanischen Besatzungsbehörden vor, sie hätten die polnischen Ansprüche willkürlich behandelt. Hier in Washington ist man jedoch, der Ansicht, daß Polen aus dem Wiedergutmachungsprogramm genügend Nutzen gezogen habe. Bricht Südafrika mit Moskau? Behauptungen eines Pariser Blattes Paris (DND). Einer Meldung der Pariser Zeitung „L’Aurore“ zufolge soll die Möglichkeit des Abbruchs der diplomatischen Beziehungen zwischen Südafrika und Sowjetrußland in greifbare Nähe gerückt sein. Danach hat der südafrikanische Justizminister Swart seiner Regierung einen ausführlichen Bericht über die kommunistische Propaganda in Südafrika vorgelegt, aus dem hervorgehen söll, daß die Zentrale dieser Propaganda die sowjetrussische Botschaft in Pretoria sei. Der südafrikanische Justizminister habe die Schließung der sowjetrussischen Botschaft beantragt und der Regierungschef Ma- lan sei z. Zt. damit beschäftigt, die Möglichkeit eines Abbruchs der diplomatischen Beziehungen mit Sowjetrußland noch vor der Parlamentseröffnung zu prüfen. Bilanz des Grauens „Tagesspiegel“ über den Uranbergbau Berlin (DND). Die Westberliner Tageszeitung „Der Tagesspiegel“ veröffentlicht in ihrer neuesten Ausgabe Angaben aus einem internen Bericht der Wismut AG. aus dem nach den Angaben des Blattes hervorgeht, daß während der letzten sechs Monate im Uranbergbau 1282 Bergarbeiter tödlich verunglückten, 3467 Arbeiter amputiert werden mußten, 16 560 Gesundheitsschäden schwerster Art davontrugen, 11 376 Arbeiter aus dem Elendsgebiet von Aue entflohen, 534 wegen angeblicher Sabotage von russischen Gerichten zu langen Freiheitsstrafen verurteilt wurden und 938 weibliche Bergarbeiter wegen Schwangerschaft vorzeitig entlassen werden mußten. Ferner heißt es in dem Bericht, daß 8564 Bergarbeiter geschlechtskrank seien und 243 sich durch Selbstverstümmelung ihrer Dienstverpflichtung zu entziehen versucht hätten. Arzt tötet durch Luftinjektion Sensationeller Prozeß in den USA New York (DND). Vor dem Gericht in Gopsstown im Staate New Hampshire steht der angesehene amerikanische Arzt Dr. Hermann Sander unter Anklage, eine Patientin durch Luftinjektionen in ihre Venen ermordet zu haben. Der Arzt erklärte, daß es sich dabei lediglich um einen „Gnadenakt“ gehandelt habe, da er nur die Leiden seiner Patien- Koblenz Sitz des Sicherheitsamtes Bonn (DND). Auf Beschluß des alliierten Hohen Kommissariats wird die Stadt Koblenz Sitz des militärischen Sicherheitsamtes. Der französische Hohe Kommissar Francois- Poncet hat Ministerpräsident Altmaier mitgeteilt, daß mit den für die Unterbringung des Sicherheitsamtes erforderlichen Bauten sofort begonnen werden könne. Hierfür seien zunächst 17 Millionen DM erforderlich. Eine offizielle Mitteilung der Bundesregierung, welche die Mittel zur Verfügung stellen muß, liegt jedoch noch nicht vor. Für das militärische Sicherheitsamt soll das kurfürstliche Schloß wiederhergestellt werden. In London* oder Frankfurt? Deutsch-englische Wirtschaftsbesprechungen Eine Entscheidung über den Ort der Mitte Januar beginnenden deutsch-englischen Wirtschaftsbesprechungen ist noch nicht gefallen. Während englischerseits als Verhandlungsort London gewünscht wird, bestehen für die Entsendung einer westdeutschen Delegation noch immer gewisse Schwierigkeiten technischer Natur. Die paßrechtlichen Formalitäten sind zeitraubend und die Besetzung des handelspolitischen Apparates des Bundeswirtschaftsministeriums ist zahlenmäßig so ungenügend, daß es Schwierigkeiten macht, eine größere Delegation zusammenzustellen, ohne daß andere für Januar vorgesehene Handelsvertragsverhandlungen durch die Abwesenheit von personellen Spitzen der Außenwirtschaftshauptabteilung der VfW beeinträchtigt würden. (VWD) Hedler vor der Spruchkammer Verhandlung findet in Bälde statt Neumünster (DND). Vor einer Kieler Spruchkammer in Neumünster wird in Kürze die Hauptverhandlung gegen den Bundestagsabgeordneten der Deutschen Partei, Wolfgang Hedler, beginnen. Die Kieler Staatsanwaltschaft hat jetzt ihre Ermittlungen abgeschlossen und die Anklageschrift bereits de* Strafkammer des Landesgerichts zugeleitet. Die Immunität des Abgeordneten Hedler ist bekanntlich vom Bundestag aufgehoben worden. Hedler soll in einer Versammlung der Deutschen Partei nationalistische und antisemitische Äußerungen gemacht haben. Um die Erhöhung der Treibstoffpreise Ungeachtet der am 1. Januar 1950 in Kraft getretenen Erhöhung der Treibstoffpreise fanden am 4. Januar Besprechungen zwischen Bundesverkehrsminister Dr. Seebohm und Vertretern des Kraftverkehrsgewerbes über die Treibstoffpreise statt. Außerdem wird in der ersten Sitzung des Bundestages im Neuen Jahr am 11. Januar das gleiche Problem auf parlamentarischer Ebene aufgerollt, was bisher vermieden worden war. (VWD) Erste Schiffsladung aus Jugoslawien Die erste Schiffsladung aus Jugoslawien, die seit Kriegsende auf der Donau befördert wurde, hat die amerikanische Zone Österreichs erreicht. Die Fracht ist für Westdeutschland bestimmt und besteht aus 2700 t Schwefelkies. Die Ladung wird in sechs Lastkähnen befördert, die von zwei jugoslawischen Motorschleppern donauaufwärts gebracht werden. Die Lastkähne werden mit Kohle aus dem Ruhrgebiet nach Jugoslawien zurückSfehren. Die Erlaubnis für den Transport mußt# bei den ungarischen, tschechoslowakischen, österreichischen, russischen und amerikanischen Behörden eingeholt werden. (DND) Verstärkte DM-Nachfrage in der Schweiz Auf dem freien schweizer Devisenmarkt macht sich gegenwärtig eine verstärkte Nachfrage nach DM bemerkbar. Das Zahlungsmittel des westdeutschen Währungsgebietes erreichte am Dienstag einen Mittelkurs von 74,50 Schweizer Franken für 100 DM. (VWD) Die französische Nationalversammlung hat am Mittwoch erneut über die Regierungsvorlage zur Aufhebung des Lohnstops beraten. Mehrere Artikel des Entwurfes wurden vom Parlament angenommen. Die strittigen Punkte der Regierungsvorlage sind dem Ausschuß für Arbeitsfragen überwiesen worden. tin abkürzen wollte. Er wurde gegen Kaution von 25 000 Dollar auf freien Fuß gesetzt. Die Zeitung auf dem Fernsehschirm Große Pläne des Londoner BBC London (DND). Die englische Rundfunkgesellschaft BBC erklärte Journalisten gegenüber, daß sie die Absicht habe, in aller Kürze eine regelrechte Fernsehzeitung herauszugeben. In den bisherigen Fernsehsendungen der englischen Stationen werden die Nachrichten noch als Hörnachrichten geboten. Kürzlich wurden die ersten Versuche unternommen, den Fernsehempfängern die Schlagzeile des Tages visuell zu bieten. Die ersten Versuche waren noch nicht gänzlich zufriedenstellend. Die BBC-Experten erklären jedoch, daß es nicht mehr lange dauern werde, bis Millionen Engländer ihre Zeitung vom *Fem- sehschirm ablesen können. Eifersuchtsmord Im Eisenbahnzug Ludwigshafen (SWK). Zwichen Oppenheim und Guntersblum erstach ein Hoteldiener aus Mainz seine Freundin in einem Abteil eines Personenzuges mit einem Küchenmesser. Zwischen dem Paar, welches das Abteil in den frühen Morgenstunden allein benutzte, war es zu Auseinandersetzungen gekommen, da die Frau es angeblich mit der Treue nicht sehr genau nahm. Nach der Tat verlor der Täter die Nerven, verließ in Guntersblum den Zug und flüchtete querfeldein. Kurze Zeit später konnte^ er jedoch bereits in der Nähe verhaftet werden. US wollen keine ungarischen Konsulate Fall Vogeler zieht weitere Kreise „Tito-trotzkistische Spitzel" „Säuberungs“-Resolution der westdeutschen Kommunistischen Partei NEUES AUS ALLER WELT Donnerstag, den S. Januar 1950 Im Reich des Negus Abessinien modernisiert sich — Aber es fehlt an Geld und Technikern Addis Abeba (DND). Die abessinische Regierung hat den Bau eines gigantischen Staudammes am Ausfluß des Blauen Nils aus dem Tanasee beschlossen, wodurch das Bewässerungssystem Im anglo-ägyptischen Sudan reguliert werden soll. Die Regierung hofft, zur Deckung der erheblichen Baukosten einen USA-Kredit zu erlangen. Wahrscheinlich schon im 1. Jahrhundert n. Chr. entstand im Nordosten Afrikas, wo die nach allen Seiten steil abfallenden Gebirge eine breite, im Durchschnitt über 2000 Meter hohe Hochfläche bilden, das aksumitische Reich, das im 4. Jahrhundert das Christentum annahm. Als dann später alle Nachbarstaaten vom Islam erobert wurden, konnte dieses christliche Land nur mühsam seine Verbindung mit dem Patriarchen von Alexandrien, dem Oberhaupt der koptischen Kirche aufrecht erhalten. All die Jahrhunderte hindurch bis in die neueste Zeit war Abessinien dann in viele innere Streitigkeiten und in andauernde Kriege mit den von allen Seiten anstürmenden Mohammedanern verwickelt. Erst der sogenannte „Erneuerer“, Menelik II., der von 1889 bis 1913 herrschte, konnte in siegreichen Feldzügen weite Gebirge zurückerobern und die vielen Stammesherrscher und Stadthalter unter seine Oberhoheit bringen, so daß er schließlich den Kaisertitel mit vollem Recht führte. Unterbrochener Aufstieg Er war es auch, der mit mehreren europäischen Staaten Handelsverträge abschloß und so das alte Reich aus seiner Isolation herausführte. Sein entscheidender Sieg über die angreifenden Italiener in der Schlacht von Adua am 1. März 1896 hatte ihm die Anerkennung seiner Unabhängigkeit gebracht und eine Periode des Aufstieges schien für. das Land gekommen zu sein. Der erste Weltkrieg, neue interne Streitigkeiten nach dem Tode Meneliks und schließlich der Sturz des neuen Herrschers im Jahre 1916 unterbrachen diese Entwicklung. Erst als im Jahre 1930 H a i 1 e S e 1 a s s i e I. den Thron bestieg und sein großes Reformprogramm verkündete, ging das Land einer neuen Blüte entgegen, die aber wiederum durch den neuen italienischen Angriff des Jahres 1935 unterbrochen wurde. Mussolini, der sein ehrgeiziges Programm der Schaffung eines starken und großen Imperiums mit Hilfe der abessinischen Bodenschätze verwirklichen wollte, griff, unbekümmert um die Sanktionen dgs Völkerbundes an und eroberte in einem Feldzug von sechs Monaten das ganze abessinische Reich. Der italienische König nahm den Titel des Kaisers von Äthiopien an und der Negus floh nach England, von wo aus er im Jahre 1940 nach Afrika zurückkehrte, um sich an der Wiedereroberung seines Landes durch die Engländer zu beteiligen. Durch Verträge von 1942 und 1944 wurde die Souveränität Abessiniens wieder anerkannt und das Land später auch in die Vereinten Nationen aufgenommen. Addis Abeba — heute Wenn man heute, nach 10- oder 15jähriger Abwesenheit wieder nach Äthiopien kommt, findet man sich kaum, mehr zurecht. Durch Addis Abeba, wo sich große Hotels, moderne Häuser und Villen erheben, fahren reihenweise Autos neuester amerikanischer Typen. Im Himmelsraum, wo seinerzeit nur die Geier kreisten, sausen Flugzeuge, die aus Kairo, Neirobi, Djibuti, Aden, Dessi, Condar und allen großen Städten des Innern kommen oder dorthin fliegen. .Die Menschenmenge, die sich auf den breiten Straßen der Hauptstadt, die von Geschäften gesäumt sind, drängend vorwärts schiebt, ist nicht mehr einheitlich weiß gekleidet. In /las Weiß mischen sich europäische Anzüge. Entlang der Eisenbahnlinie, die von Djibuti kommt und in das Innere des Landes aufsteigt, sind kleine Bahnhöfe voll von Leben. Hier herrscht dichter Verkehr. Städte sind aufgetaucht, wie Pilze aus der Erde geschossen, wo einst kaum ein einfacher Sfuut-tike Für die Schiiäufei*“ \ Schneeberichte vom 4. Januar 1950 Schwarzwald: Temperaturen zwischen •minus 2 und 0 Grad. Schneehöhe in Wildbad 8 cm, Freudenstadt 12 cm, Kniebis 20 bis 30 cm, Baiersbronn 5 cm, Ruhestein 25 cm, Schliffkopf 25 cm. Schwäbische Alb: Temperaturen zwischen minus 1 und plus 1 Grad. Schneehöhe: Volkmarsberg 5 cm, Homberg 12 cm, Kaltes Feld 10 cm, Lenninger Alb 20 cm, Uracher Alb 8 cm, Wiesensteig 8 cm, Lichtenstein 15 cm, Münsinger Alb 10 cm, Ebinger Alb 12 cm, Meßstetten 11 cm. Allgäu und Werdenfelser Land: -Temperaturen zwischen minus 10 und 0 Grad. Schneehöhe: Isny und Großholzjeute 18 cm, Schwarzer Grat 26 cm, Oberjoch bei Hindelang 35 cm, Hindelang 10 cm, Oberstaufen Staufenhaus 35 cm, Oberstdorf 16 cm, Schönblick 50 cm, Mädlegabel (Pulverschnee) 150 cm, Nesselwang-Edelsberg 50 cm, Garmisch-Partenkirchen 7 cm, Kreuzeck 35 cm, Zugspitzplatt (Pulverschnee) 220 cm. Sportmöglichkeiten: Im Hoch- Schwarzwald gute Sportmöglichkeiten. Fast im ganzen Gebiet der Schwäbischen Alb Neuschnee. Auf der Lenninger Alb bei hinrei- . ehender Schneelage mäßige Verhältnisse. Im [übrigen Schneedecke für Ausübung des Scfai- I Sportes kaum ausreichend. Wettervorhersage für die nächsten drei Tage: Verhältnismäßig unbeständiges Wetter bei einzelnen Niederschlägen, die in Höhenlagen bis 800 Meter, anfangs noch teilweise mit Regen gemischt, später durchweg als Schnee fallen. Temperaturen in den höchsten Lagen noch vorübergehend über 0 Grad. Gegen Wochenende Abkühlung in allen Höhenlagen. Bahnhof existierte. Und doch steckt hinter dieser Fassade, die den Besucher überrascht, eine schwierige und heikle Situation, in der das äthiopische Volk und seine Regierung mit einem Mut, vor dem man alle Achtung haben muß, hart kämpft. Das Land hat den Krieg gegen Italien, die italienische Besatzung und dann einen neuen Befreiungskrieg mitgemacht und steht nun denselben Schwierigkeiten ge- gegenüber, mit denen auch andere Völker zu kämpfen haben, der — Erschöpfung von Mensch und Material. Vom Jahre 1943 an, das heißt vom Augenblick, da die abessinische Regierung in die Hauptstadt zurückkehrte, hat dieses Volk, das geduldet und gelitten hat, sich mit aller Kraft wieder an seine Aufgabe gemacht. Es arbeitet. Es hat seine Währung wieder aufgebaut, die auf dem Pfund-Sterling basiert. In Addis Abeba sind Lyzeen, praktische und technische Schulen vorhanden, 150 Studenten studieren an fremden Universitäten. Die Unterrichtssprache ist seit der Befreiung durch die Engländer Ahamari und Englisch. Doch vom. dritten Lehrjahr an gibt es in den Mittelschulen als zweite Sprache Französischunterrricht. Straßen und Schienenwege Keine der monatlichen Wirtschaftskonferenzen im Kaiserpalast von Addis Abeba schließt ohne den ausdrücklichen Hinweis, daß der Negus möglichst schnell sein Land zu einem gleichberechtigten Handelspartner am Weltmarkt machen will. Die vorhandenen reichen Rohstoffquellen sollen, so schnell wie möglich rationeller abgebaut und verwertet, die Arbeitskräfte für die Gewinnung von Kaffee, Häuten, Fellen, Getreide, Gewürzen und Faserpflanzen durch Kurse geschult werden. Die vorhandenen Bodenschätze, vor allem Kupfer und Petroleum, will der Negus von kapitalstarken ausländischen Firmen abbauen lassen. Straßen und Schienenwege sollen künftighin Steppenposten und Trampelwege der Trägerkolonnen ersetzen. Die Einnahmen aus den Rohstoffimporten sowie die verschiedenen Hilfsanleihen werden in erster Linie zu diesem Zweck verwendet. Freilich bleibt zunächst nur die bekannte Bahn nach Dschibuti als einziger Weg zur Außenwelt, doch hat der Negus die Hoffnung noch nicht äufgegeben, daß man Abessinien im ehemaligen italienischen Eritrea einen Hafen — man denkt dabei an Massaua — überlassen wird. Wirtschaft im Aufbau Freilich fehlen dem Agrarstaat Abessinien sowohl Techniker als auch Geld. Investitionen müssen aber von außen kommen und große amerikanische Firmen haben auch schon während des Krieges Konzessionen für Erdölbohrungen, Kautschuk- und Baumwollplantagen erhalten und mit der Organisation des Außenhandels begonnen. Auch die britische Wirtschaft konnte sich sowohl als Abnehmer wie auch als Lieferant einschalten. Für die Verarbeitung der vielen und wertvollen Landesprodukte müssen in erster Linie Maschinen eingeführt werden und auch die Landwirtschaft der hier weite fruchtbare Gebiete zur Verfügung stehen, soll derzeit mechanisiert werden, um höhere Erträge zu liefern. Man • ist im Augenblick damit beschäftigt, die ersten Spinnereien, Lederfabriken und Schuhfabriken einzurichten, auch große Anlagen für die Fabrikation von Zement, den man bisher aus Europa einführen mußte, werden errichtet und sogar eine Zigarettenfabrik ist im Bau. Für die nächste Zukunft werden im Rahmen der amerikanischen Investitionen und als Kompensation für die Ausfuhr der Landesprodukte in erster Linie große Maschinenanlagen eingeführt werden. 48 neue Kraftwerke Sie sollen bis 1954 fertiggestellt werden Ein Mitglied der Sondermission des amerikanischen Amtes für Auslandshilfe in Westdeutschland erklärte, daß westdeutsche Industriepotential habe sich bedeutend verstärkt. Dies sei der Freigabe von 220 Millionen DM aus den Gegenwertkonten der Marshallhilfe für den Bau von 48 Kraftwerken in der amerikanischen und der britischen Zone zu verdanken. Die neuen Anlagen, die, wie das Mit- _ glied der amerikanischen Mission weiter sagte, bis 1954 fertiggestellt werden, sollen zu einem großen Feil Verluste der Industrieproduktion verhüten, wie sie früher durch einschneidende Stromsperren, vor allem im Ruhrgebiet, in Württemberg-Baden und in Bayern eingetreten sind. Die westdeutsche Stromerzeugung habe zwar den Vorkriegsstand bei weitem überschritten, aber infolge des zunehmenden Stromverbrauchs durch Industrie und Hausverbrauch war der Bedarf höher als die Produktionskapazität. Drei Bauprojekte in der französischen Zone, die nicht durch die Freigabe der 220 Millionen DM finanziert werden, wurden schon vorher aus Gegenwertkonten der Marshallhilfe unterstützt. (DND) Treibstoff-Werke sollen wieder arbeiten Die alliierte Hohe Kommission und die deutsche Bundesregierung werden voraussichtlich am Donnerstag Besprechungen über die Wiederinhetriebnahme zweier Anlagen für synthetischen Treibstoff im Ruhrgebiet aufnehmen. Es handelt sich um die Werke Victor in Castrop Rauxel bei Dortmund und die Krupp Treibstoffwerke in Wanne-Eickel. Auf deutscher Seite bemüht man sich, die Wiederaufnahme der Produktion in diesen beiden Werken so bald wie möglich durchzusetzen. Die Anlageri wurden am 31. Dezember stillgelegt. In der Zwischenzeit wurden sie auf Grund des Petersberger Protokolls von der Demontageliste gestrichen. (DND) AUS DEM SÜDWESTEN Chef-Kläger Heinz May festgenommen Stuttgart (hpd). Schon seit einigen Tagen hört man Gerüchte, nach denen der geschäftsführende Kläger der Zentralspruchkammer Ludwigsburg, Heinz May, der passiven Bestechung beschuldigt wird. Nun wird bestätigt, daß neben Chefkläger May auch seine Sekretärin Eise Schmötzer und eine Person aus Nürtingen, die nicht bei Entnazifizierungsbehörden beschäftigt war, vorläufig festgenommeö wurden. Verhandlung gegen Bertram verschoben H. Ludwigsburg. Die ursprünglich auf 22. Dezember 1949 festgesetzte und dann auf 5. Januar 1950 verlegte Verhandlung vor der Zentralspruchkammer in Ludwigsburg gegen den Filmregisseur und Flieger Hans Bertram wurde erneut verschoben. Die Verhandlung wird jetzt voraussichtlich in den letzten. Wochen des Januar stattftnden. Durch einstürzende Wand verschüttet Ludwigs bürg (hpd). In Beihingen stürzte die 1,80 m hohe Wand eines Kanalisationsgrabens, die teilweise unterhöhlt und nicht abgesprießt war, in einer Länge von 6 bis 8 m ein und verschüttete einen verheirateten Hilfsarbeiter bis zur Hüfte. Mit Quetschungen an beiden Beinen und am linken Unterschenkel mußte der Verunglückte in das Kreiskrankenhaus gebracht werden. Die bellenden „Wildschweine“ W.H. Backnang. Zu einem aufregenden Zwischenfall kam es in Oppenweiler, als einige Einwohner vom Dorf aus auf einem entfernten Acker vier wühlende Wildschweine entdeckten. In kurzer Zeit gab es einen großen Zusammenlauf und man wollte sogar erkennen, daß es sich um zwei Bracken und zwei Frischlinge handelte. Rasch verständigte man die Polizei, die mit Gewehren anrückte und den Wildschweinen zu Leibe ging. Doch da stellte sich plötzlich heraus, daß die Wildschweine gar keine Wildschweine waren, sondern — vier Hunde. Die ganze Aufregung war somit umsonst gewesen Im Rausch aus dem Fenster gesprungen Schwäbisch Hall (hpd). In Gelbingen sprang ein 43 Jahre alter Schuhmacher in angetrunkenem Zustand aus einem im ersten Stock gelegenen Fenster eines Gasthauses. Er zog -sich einen Wirbelsäulenbruch zu und mußte in das Krankenhaus eingeliefert werden. Mit einer Verletzung über dem rechten Ohr hatte er kurz zuyor den Tanzsaal des Gasthauses betreten. Vermutlich war er vorher an einer Rauferei beteiligt. Was ihn zu dem Sprung aus dem Fenster veranlaßt hat, konnte allerdings noch nicht festgestellt werden. Billiges Benzin — teuer erkauft Schwäbisch Ha 11 (hpd). Vor der Tankstelle hielt der Wagen eines Versichenmgs- inspektors. Im Nu stand ein Mann mit einem vollen Kanister neben ihm und flüsterte dem Inspektor ins Ohr: „Wenn Se Benzin brauchet, i han grad en Kanischter — den kriaget Se ebbes billiger!“ Der Inspektor hätte eigentlich mißtrauisch sein müssen, weil er ja gar nicht wissen konnte, woher das Benzin stammte. Trotzdem packte der Versicherungsmann den billigen Kanister Benzin in sein Auto. Aber er hatte keine reine Freude damit, denn das „Benzin“ war reines Wasser. Unterwegs nämlich, als er nachschütten mußte, streikte der Motor. Der Versicherungsinspektor und sein Wagen blieben auf der Straße stehen. Auch als ein Kamerad von der Landstraße schließlich gutes Benzin einpumpte, spuckte der Motor noch lange. - Einbrecher fuhren in Limousine vor E.M. Schwäbisch Gmünd. DieserTage drangen jüdische DP’s aus Wasseralfingen mit zwei deutschen Helfern durch Eindrük- ken einer Fensterscheibe in ein Herrenbekleidungsgeschäft ein und erbeuteten eine große Anzahl von Stoffen und Bekleidungsstücken im Wert von über 4000 DM. Durch eine erfolgreiche und rasche Zusammenarbeit der städtischen Kriminalpolizei von Gmünd und Aalen sowie der beiden Landeskommissariate konnten die Täter, die mit einer Limousine nach Gmünd gekommen waren, ermittelt .und die Ware sichergestellt werden. Der Wagen wurde bei der Abfahrt mit der geraubten Ware von einem Polizeibeamten bemerkt, was den Spitzbuben zum Verhängnis wurde. Gemeiner Schwindler entlarvt E.M. Schwäbisch Gmünd. Wegen des Verdachts, einem Autoreiserden einen Musterkoffer gestohlen zu haben, wurde dieser Tage ein Mann verhaftet, der dabei als gefährlicher Schwindler entlarvt wurde. Er war vor einiger Zeit in die Gmünder Gegend gekommen und gab an, aus politischen Gründen aus der Tschechoslowakei geflüchtet zu sein. Durch verlogene Erzählungen über seine Erlebnisse in KZ’s fand er Eingang in verschiedenen Kreisen und konnte Frauen zur Stellung einer Kaution veranlassen, um deren in der Tschechei zurückgehaltene Ehemänner freizubekommen. Das Gericht wird sich jetzt mit ihm befassen. Von einer Bisamratte angefallen Schwäbisch Gmünd (DND). In der Nähe des benachbarten Lindach wurde dieser Tage ein Neubürger auf seinem nächtlichen Heimweg von einer Bisamratte angegriffen, die ihn bis in Brusthöhe ansprang. Nach dem ersten Schrecken gelang es dem „Überfallenen“, das rabiate Tier, das ihn erneut ansprang, mit einem "rasch ergriffenen Stein zu töten. Unter der Bettdecke erstickt Urach (hpd). Als ein Metzgermeister von hier abends mit seiner Frau ausging, schlief sein sechseinhalb Monate altes Kind selig. Als die Eltern zurückkamen, war das Kind tot. Es war unter die Decke gerutscht und erstickt. Boiler-Explosion zerstört Neuban Reutlingen (DND). In einer der letzten Nächte explodierte in einem Neubau ein Wasserboiler, der keine Sicherungsventile hatte. Die Explosion war so stark, daß Hauswände eingedrückt und Einrichtungsgegenstände bis zu 40 Meter ins Freie geschleudert wurden. Das Gebäude war in Leichtbauweise erstellt und ist vorläufig nicht mehr bewohnbar. Glücklicherweise erlitten die Bewohner keine ernsthaften Verletzungen. Zwei betrunkene Raufbolde R. Heilbronn. Bei Raufhändeln zwischen einem 47jährigen Sontheimer und einem Angehörigen des DP-Lagers, mußte die Schutzpolizei schlichtend eingreifen. Sie stellte fest, daß beide Kampfhähne stark betrunken waren. Bei der Ablieferung des Polen zeigte sich die Lagerpolizei sehr erfreut, denn der DP wurde von ihr schon wegen gefährlicher Körperverletzung gesucht. Qualmender Auspuff verursacht Unfall R. Heilbronn. Ein mit laufendem Motor abgestellter Lastwagen entwickelte so starken Auspuff-Rauch, daß zwei PKW-Fahrer die Sicht verloren und auf der Wilhelmstraße zusammenstießen. Es entstand erheblicher Schaden an beiden Fahrzeuger Uber 63 000 kehrten heim S. Ulm. Seit Tagen herrscht im Ulmer Durchgangslager Kienlesberg Hochbetrieb. Die letzten Tage des alten und die ersten Tage des neuen Jahres brachten erfreulicherweise starke Transporte mit vielen hundert Heimkehrern. Im Dezember 1949 stellte das Lager mit der Aufnahme und Durchschleusung von 11718 Heimkehrern den Rekord des Jahres auf. Unter ihnen befanden sich 11445 Rußlandheimkehrer, während der Rest aus Polen kam, sowie rund 190 Frauen und einige Kinder. Insgesamt kehrten im Laufe des Jahres 1949 über das Durchgangslager Kienlesberg 63 535 ehemalige deutsche Kriegs- und Zivilgefangene in die Heimat zurück. Zehn Transporte brachten Jugoslawienheimkehrer, 279 Transporte Rußlandheimkehrer, 12 Transporte Heimkehrer aus Polen und anderen Ländern. Das Loch in der Gänstorbrücke S. Ulm. Wie notwendig der Neubau einer weiteren Donaubrücke in Ulm ist, die die im Jahre 1945 erstellte Notbrücke aus Holz an der unteren Donau ersetzen soll, bewies ein großes Loch, das während der Vormittagsverkehrsstunden im Straßenbelag der Gänstorbrücke entstanden war. Bis der Schaden wieder behoben \yar, mußte Polizei zur Regelung des Verkehrs eingesetzt werden. Der Vorfall ist eine ernste Mahnung für die Brük- kenbauer, weil die bisherige Notbrücke, die einen großen Teil des Fernverkehrs aus Württemberg über die Donau ins Allgäu und nach Mittelschwaben leitet und außerdem in das Städtische Obusnetz einbezogen ist, durch die starke Beanspruchung in den vergangenen Jahren stark mitgenommen worden ist. Es ist geplant, die Gänstorbrücke noch im Laufe dieses Jahres durch eine völlig neue, massive Brücke zu ersetzen. Straßenwart tödlich überfahren S. Ulm. Ein folgenschwerer Unfall ereignete sich im Donautal. Der dort arbeitende Straßenwart Käst aus Grimmelfingen wurde von einem stadteinwärts fahrenden Personenwagen angefahren und schwer verletzt. Mit gebrochenen Beinen, schweren Kopfverletzungen, einer Schädelbruchbasis, schwerem Kieferbruch und anderen Verletzungen wurde er ins Krankenhaus Wiblingen eingeliefert, wo er, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, starb. Geislinger Oberbürgermeister eingeführt Geislingen (DND). Dr. Alfred Allgaier, der am 13. November 1949 gewählte neue Oberbürgermeister wurde am 4. Januar 1950 von Innenminister Ulrich in sein Amt eingeführt Kommt Garry Davis nach Creglingen? Creglingen (hpd). Die 600 Jahre alte Stadt Creglingen will den „Weltbürger Nr. 1“ aufnehmen. In einer vergnügten Tafelrunde gedachte man des Weltbürgers Garry Davis, der sich bekanntlich z. Z. in einem Straßburger Krankenhaus befindet. Man sandte ein Telegramm und lud ihn eih, nach Creglingen zu kommen. Er erschwindelte sich eine Lehrerstelle E. Schwenningen. Ein junger Mann trat an der hiesigen katholischen Volksschule eine freie Lehrerstelle an. Kaum war er aufgezogen, ließ er sich auch schon von zwei Bankinstituten „auf sein sicheres Lehrergehalt“ hin, Vorschüsse geben. Auch sonst erwies er sich als ein hervorragendes Pumpgenie, verübte allerlei Betrügereien, ja sogar Diebstähle hier und in Rottweil. Mehreren Mädchen versprach er das Heiraten, was sich finanziell auch nicht nachteilig für ihn aus- wirkte. Allerdings standen seine beruflichen Leistungen in krassem Gegensatz zu seinen finanziellen Erfolgen. In seinen Ausweispapieren gab er sich als 26jähriger aus, während er in Wirklichkeit erst 19 Jahre alt ist. Nun hat sich die Polizei des hoffnungsvollen Lehr- stellen-Schwindlers angenommen. Wetterbericht Vorhersage: Am Donnerstag und Freitag stark bewölkt bis bedeckt, teilweise Niederschläge, in tieferen Lagen größtenteils als Regen. Tageshöchsttemperaturen zwischen 3 und 6 Grad, nächtliche Tiefsttemperaturen um den Gefrierpunkt. Schwache bis mäßige Winde aus westlichen Richtungen. 1 DIE ERZÄHLUNG Der Kopf Öeo Engels Eine rounDerbare Gefchichte non Robert Pfaff=Gleeberg Einst, zu der Zeit, da die kleine Stadt an ihrem Münster baute, geschah es, daß ein junger Steinmetz ein Engelsköpfchen formte, damit es einen Pfeiler der neuen Kirche schmücke. Der Künstler lebte dazumal gerade im siebten Himmel der Liebe zu der schönen Tochter eines ehrsamen Stadtwächters. Und so war es wohl begreiflich, daß das Werk absonderlich gut geriet und das steinerne Gesicht des Engels schier überirdisch zu lächeln schien. Der Steinmetz war so zufrieden und froh bewegt, daß er beschloß, das liebliche Bildwerk seiner Anverlobten zu verehren und für die Münsterkirche eine Kopie zu fertigen. So wurde das Engelsköpfchen, da es die Schöne mit Freuden nahm, von deren Vater an der Ecke des Wachthäuschens beim Stadttor eingemauert, und es erfüllte da den Winkel zwischen den düsteren Wehrgängen und wuchtigen Mauern mit seinem Lächeln wie ein steter Sonnenstrahl. Dem jungen Manne, da er seine Kopie aushieb, war, wie das zuweilen auch bei den glücklichsten Liebesleuten geschieht, ein Wölkchen vor das strahlende Blau seiner Wünsche geflogen, dieweil sein Mädchen ihm aus irgend einem Anlaß schmollte, und so gelang ihm das zweite Engelsgesicht nicht gar so heiter; es sah eher nachdenklich und ein wenig mißgelaunt aus. Indes ward es gleichwohl an der vorbestimmten Stelle in der Kirche eingelassen. Von da blickte es viele Jahrhunderte auf das Getriebe der Menschen am Markt, während sein Gegenstück hinten in der grauen Gasse beim Tor nur wenig beachtet blieb. Dieweil wurden die Menschen immer aufgeklärter und fortschrittlicher und meinten, die trutzigen alten Türme und Befestigungen entbehren zu können. Eines Tages begannen sie die Stadtmauern und Bastionen und all das Gemäuer hinter den Wällen niederzureißen. Auch an dem windschiefen Häuschen des Stadtwächters setzten sie die Spitzhacke ein, ju ■ als der hochmögende und gelehrte Phy- sikus und Rat der Stadt vorbeispazierte, um ■ich ein wenig die Arbeiten der Bauleute anzusehen. Da der Doktor nun an den Mauern des Wächterhäuschens emporblickü, SÄ ihm der Engelskopf auf. Er betrachtete ihn lange mit seinem Augenglas, denn er war ein großer Freund der Künste. Schließlich rief er den Bauführer herbei und handelte ihm das Bildnis ab. Noch denselben Abend wurde der Stein nach seinem Lusthaus am Stadtgraben gesandt und dort in einer Nische neben dem Eingang angebracht. Wohl ein Jahrhundert später riß man auch jenes Haus nieder, denn die Städte wuchsen dazumal erstaunlich schnell und überall entstanden neue Straßenzüge. Die Steine aus den alten Bürgerhäusern aber verwendete man, wie man sie eben brauchte. Und weil kein kunstverständiger und bedachtsamer Mann spazieren ging, als das Lusthaus am Graben in Schutt sank, verschwand darin unversehens das lächelnde Engelsköpfchen. Keiner hatte es beachtet. Wieder ein Menschenalter hernach brach ein Krieg aus. Wie noch niemals zuvor regnete es Geschosse, Schwefel und Feuer vom Himmel, als sei der Weltuntergang gekommen. Auch die alte Stadt fiel in einer schrecklichen Nacht in Trümmer. Nur wenige Gassen und das ehrwürdige Münster blieben erhalten, wenn schon mit manchen Wunden und Schrammen. Auch der Engelskopf am Pfeiler beim Hauptportal dieser Kirche war von einem Bombensplitter abgerissen und in tausend Stücke zerschlagen worden. Man beklagte ihn sehr. Da der Krieg endlich vorüber war, suchte man die Schuttberge aufzuräumen und an den Rand der Vororte hinauszuschaffen. Als nun einmal ein Wagen, darin sie Reste eines bis auf den Grund zerstörten Geschäftshauses hinwegführten, eben an der Münsterkirche vorbeirumpelte, rollte von der Last ein Steinklumpen herab und fiel auf einen Sandhaufen, der an der Seite aufgeschüttet war. Einige Zeit blieb der Steinklumpen unbemerkt hier liegen. Der Regen wusch allmählich Schmutz und Kalkstaub von ihm ab. ' Als von ungefähr der Münsterbaumeister vorüberkam, erblickte er plötzlich zu seinem maßlosen Staunen, ja Schrecken, das Engelsköpfchen. Er sah, was er doch längst im Krachen der Bombennacht zerschellt wußte. Zitternd vor Erregung starrte er den kostbaren Stein an. Dann barg er ihn und eilte, die Häupter der Stadt und der Geistlichkeit zu benachrichtigen. Überall war das Verwundern über den Fund gleich groß. Wirklich schien hier das alte Steingebilde in unerklärlicher Weise wiedererstanden. Nur, das ließ sich deutlich an Hand verschiedener Abbildungen beweisen: das vertraute Gesicht lächelte nunmehr ganz anders als früher, und je länger man die Sache bedachte und begutachtete, desto sonderbarer mußte der Fall erscheinen. Bald ging die Kunde um von dem wunderbaren Lächeln des Engels am Münster. Die Zeitungen schrieben darüber, und jede hatte eine andere Meinung. Man verbrachte das Engelshaupt feierlich an den Platz, daher es wohl nach menschlichem Ermessen gehören mußte. Es paßte aufs genaueste in die Bruchteile am Pfeiler. Nur eben — es lächelte nun. Lächelte nach all den Schrecken und Wirren der Zeit. Lächelte himmlisch in diese heillose Welt hinein, wie in tröstlicher Verheißung. Von weit her eilten die Menschen herbei und waren des Staunens voll. Sie nannten es ein Wunder, was sich zugetragen hatte. Nur" ein ausgedienter eisgrauer Archivar, der sehr belesen in der Geschichte der Stadt war und der aus vergilbten Schriften und Urkunden um die beiden Engelsköpfe wußte, der sinnierte und grübelte über einer natürlichen Erklärung für das rätselhafte Ereignis. Er ahnte manches, aber zu einem vollgültigen Schluß kam er doch nicht. Jedoch war er weise. Und darum schwieg er und ließ den Menschen das Wunder. Denn es schien ihm, daß sie in ihrem armen nüchternen Dasein derlei sehr wohl gebrauchen könnten. Und schließlich, war es denn nicht merkwürdig genug, wie der lächelnde Engel an die Stelle fand, für die er mehr denn 500 Jahre zuvor geschaffen worden war. War dies nicht ebenso ein Wunder oder wenigstens beinahe eins? Vater muß in öie Schule Das Leben schreibt auf der Schiefertafel der kleinen Helga „Sie sind der Vater von Helga?“ fragte die junge Lehrerin und sah von ihren Heften hoch. „Ja, ja“, sagte der Mann, „Sie hatten ihr einen Zettel mitgegeben, daß ich vorbeikommen soll.“ Er lächelte: „Ist etwas Besonderes?“ „Ja“, erwiderte die Lehrerin störrisch, „Ihre Tochter kommt unsauber zur Schule, sie hat kein Taschentuch und ihre Schuhe sind nicht geputzt.“ „Mein Gott“, antwortete der Mann unbefangen und lachte freir>-*iüg, „da mögen Sie recht haben. Ich wasche sie ja ieden Morgen, aber wenn sie schreit, bin ich nicht gründlich. Verstehen Sie, sie jammert und ich höre auf, weil ich denke, es reicht schließlich auch. Und die Taschentücher? Hat sie wirklich keins?“ „Nein“, sagte die Lehrerin. „Wie das mit den Taschentüchern zugeht, begreife ich garnicht“, meinte der Vater von Helga bekümmert, „sie verschwinden einfach, und ich finde sie nicht wieder. Und die Schuhe —?“ Er sah nachdenklich und etwas schuldbewußt auf seine eigenen Schuhe. „Naja, das ist wohl meine Schuld. Schimpfen Sie nicht mit ihr.“ „Wie", sagte die Lehrerin, „wie soll ich das verstehen? Hat Helga keine Mutter mehr?“ „Nein“, sagte der Mann, „wir leben allein.“ Er schwieg und sagte nichts mehr, und die junge Lehrerin war etwas verwirrt. „Das habe ich nicht gewußt“, meinte sie etwas nervös. „Oh“, sagte der Mann lächelnd und fröhlich, „ich will sehen, daß ich es besser mache.“ Er ging, und die Lehrerin war etwas unruhig geworden. Wie kann ein Mann mit einem siebenjährigen Mädchen fertigwerden, dachte sie. Und sie paßte fortan auf. Sie nahm die kleine Helga während der Pause in ihr Zimmer und sagte: „Dein Vater hat dir das Kleid verkehrt zugeknöpft.“ Und auf die Tafel schrieb sie ihr: „Die Knöpfe^ müssen rechts zugemacht werden. Ich habe 'den untersten angenäht.“ Und Helga brachte am nächsten Morgen die Schultafel zurück und die junge Lehrerin las: „Danke schön. Ich wußte nie, wo die Knöpfe hingehörten. Ist das Taschentuch sauber?“ Die Lehrerin lächelte und schrieb auf die Schultafel: „Gebe ihr drei von mir. Hatte sie übrig.“ Helga mußte jeden Tag zur Schule, und sie kam jetzt mit blanken Schuhen, besaß Taschentücher und ihr Kleid war ordentlich zugeknöpft. „Du hast einen guten Vater“, sagte die Lehrerin und strich dem kleinen blonden Mädchen über die Haare, und auf die Tafel schrieb sie: „Gratuliere. Aber machen Sie ihr Zöpfe, es sieht besser aus.“ Und Helga brachte die Tafel zurück, auf der zu lesen war: „Stehe jeden Tag eine halbe Stunde früher auf. Aber das mit den Zöpfen ist mir zu schwer. Wollen Sie es nicht machen?“ Und die Lehrerin errötete etwas und schrieb kurz: „Wie soll ich das verstehen?“ Und Helga kam in die Schule und ihre Lehrerin wartete schon etwas aufgeregt. Und sie las: „Wollen Sie meine Frau werden? Nicht nur wegen der Zöpfe.“ Und die Lehrerin stand und träumte vor sich hin, als der Direktor hereinkam, die Schrift auf der Tafel las und meinte: „Was geben Sie den Kindern für Sachen auf, verehrte Kollegin? Das ist doch viel zu schwer.“ Doch sie lächelte und meinte: „Ich finde es — ganz einfach.“ Alex Berg Der oollenöete Kavalier Madame Dubarry, die Vorsteherin des Mädchenpensionats in der Rue d’Etienne, hielt einen ihrer berühmten Vorträge über die Kavalierspflichten des Mannes. „Meine Damen“, erklärte sie, „wirkliche Kavaliere sind sehr dünn gesät, sie sind rarer als das Geld: ein Grund mehr für uns, dafür Sorge zu tragen, daß das männliche Geschlecht wieder zu dieser Tugend zurückfindet. Um Ihnen aber begreiflich zu machen, wie sich ein Kavalier benimmt, will ich Ihnen folgende Geschichte erzählen: Der Marquis de Touzellier gab einst einen Abend, zu der eine illustre Gesellschaft geladen war. Das Diner war vorzüglich und die Herren überboten sich, den Damen verliebte Galanterien ins Ohr zu flüstern. Plötzlich wurde der harmonische Ablauf des Festes durch einen Mann gestört, der auf den Marquis mit einem Schwall von Worten eindrang. Der Gastgeber bemühte sich umsonst, den Störenfried abzuschütteln. „Wo ist Ihr Sohn? Ich muß Ihren Sohn sofort sprechen!“ gellte es ihm immer wieder entgegen. Schließlich verlor der Hausherr die Geduld und bedeutete dem unerwünschten Gast, daß sein Sohn alt genug sei, um seinen Aufenthaltsort nach Belieben wählen zu können. „Aber er betrügt mich mit meiner Frau!“ polterte der Eindringling, ohne die ärgerliche Antwort des Marquis zu beachten. „Es tut mir außerordentlich leid“, entgegnete der alte Herr daraufhin voll Würde, „daß ich Ihnen keine bessere Auskunft geben kann. Aber vollends unangenehm ist es mir, daß Sie eine Dame der Gesellschaft beleidigt haben. Ich muß Sie daher bitten, mir in den Duellsaal zu folgen.“ Der eifersüchtig# Gatte dachte natürlich zuerst nicht daran, der Aufforderung Folge zu leisten. Aber es blieb ihm gegenüber der bestimmten - Haltung des Fordernden und den Stimmen der anderen Mitglieder der Gesellschaft nichts anderes übrig, als sich zu schlagen. Schon waren die Sekundanten gewählt und die Klingen geprüft, als der Marquis noch um einen kurzen Aufschub bat. Er rief einen Diener zu sich und überreichte ihm einen schnell geschriebenen Zettel — sein Testament, falls ihm etwas Menschliches zustoße, wie er erklärte. „Im mittleren Pavillon“, flüsterte er dabei dem Lakaien zu, „aber vorsichtig anklopfen!“ Gleich darauf klirrten- die Degen aufeinander und bald spürte der alte Marquis eine aufkeimende Müdigkeit in seinem Arm. Da kehrte die Gemahlin des Geforderten am Arm einer Freundin, angeblich von einem harmlosen Spaziergang, zurück und trennte die Duellanten. Der eifersüchtige Gatte, von der Unschuld seiner Frau'überzeugt, überhäufte sie mit Geschenken! „Aber Madame“, fragte eines der Mädchen enttäuscht, „hat sich die Dame dem Marquis nicht erkenntlich gezeigt?“ „Oh doch, Yvonne“, entgegnete Madame Dubarry und ein feines Lächeln glitt über ihre Züge, „ich schenkte ihm die schönste Tabatiere, die in Paris aufzutreiben war!“ Roman Freud Corpus delicti. In den Anlagen rings um einen Vergnügungspark der schwedischen Stadt Göteborg wurden in diesem Sommer 100 Eheringe gefunden und bei der Polizei abgegeben. Eine schwedische Zeitung vermutete, daß sie von Strohwitwern verloren wurden. Eine „brillante" Ibee Von W. Kappler Inmitten des Stadtparkes saß auf einsamer Bank ein Mann und zeichnete mit seinem Spazierstock allerlei seltsame Arabesken in den Sand. Jonny Cooker fand das Leben widerwärtig, nicht nur, weil es ihm höchst langweilig dünkte, sondern auch, weil er seine Anstellung als Versicherungs-Agent aulgeben mußte. Sein Direktor hatte ihm klipp und klar erklärt, daß Jonnys Redetalent ganz erbärmlich sei; worauf dieser erwiderte, daß nach einer Umfrage des bekannten Mister Gallup bereits 124 Prozent der Menschheit durchschnittlich zweimal versichert seien. Dies einschließlich aller noch nicht geborenen, aber in Kürze zu erwartenden Kinder. Der Versicherungsdirektor war von dieser Entgegnung durchaus nicht beeindruckt und erklärte zum Schluß, daß auch heute noch das Geld auf der Straße läge; aber ein Mensch wie Jonny könne darüber stolpern und würde es dennoch nicht zu finden wissen. Nun hockte der Einsame auf der Bank, an deren Rückenlehne zahlreiche Schmtzkünstler vermittels eines Taschenmessers den Gefühlen ihres übervollen Herzens allzu sichtbaren Ausdruck verliehen hatten. Jonny indessen besaß weder Sinn noch Muße für derlei Extravaganzen, die zu nichts nütze waren. Er grübelte vielmehr darüber ■ach, welchem Berufszweig er nunmehr sein Interesse zuwenden solle. Wütend, daß ihm nichts Rechtes einfiel, schlug er mit seinem Stock nach einem Papierknäuel, das träge zwischen welkem Laub und frischen Bananenschalen träumte. Und siehe da — das Papier flatterte erschrocken auseinander und — vier wunderschöne Ringe glänzten golden im Sonnenlicht! Jonny rieb sich verwundert die Augen, kniff sich schmerzhaft die rechte Wade, um sich zu vergewissern, daß ihn keine Halluzination narre, — dann aber ergriff er das Papier samt seinem gleißenden Inhalt. Es war kein Traum, der zwischen seinen Fingern zu verrinnen drohte. Hein, da waren vier goldene Ringe, und einer glich dem anderen aufs Haar, ein jeder mit einem funkelnden Brillanten versehen. Insgeheim bat Jonny das Schicksal um Vergebung, weil er es vor wenigen Minuten noch verwünschte, und das ihm jetzt einen erklecklichen Reichtum in den Schoß — oder vielmehr vor die Füße gelegt hatte. Ein frohes Lied summend, lenkte er seine Schritte unternehmend der City zu. In der Abendzeitung des folgenden Tages erschien unter der Spalte „Gefunden und verloren“ ein Inserat, in dem angekündigt war, daß der Unterzeichnete einen wertvollen Brillantring gefunden habe, der in seiner Wohnung gegen die übliche Belohnung abgeholt werden könne. Um 18 Uhr war die Anzeige erschienen, gegen 19 Uhr bereits klopfte es an die Tür Jonny Cookers. Ein distinguiert aussehender Herr mittleren Alters betrat das Zimmer. „Ich komme auf Ihr Inserat in der Abendzeitung', begann er ohne Umschweife und ließ damit Eile erkennen. „Vor kurzem verlor ich meinen Brillantring ...“ Jonny besaß einen vornehmen Charakter. Er wollte um keinen Preis seine Mitmenschen irgendeiner verlegenen Situation aussetzen und schob deshalb sofort einen der Ringe über den Tisch. „Ist es dieser?“ Der Besucher griff unverzüglich und sichtlich erfreut nach dem Ring. „Dem Himmel sei Dank!“ rief er aus. „Wie froh bin ich, meinen Ring wieder zu haben! Es gibt also doch noch ehrliche Menschen unter der Sonne.“ Daraufhin fand es Jonny zweckmäßig, sich geschmeichelt zu verneigen. „Was darf ich Ihnen als Finderlohn anbieten?“ fuhr der Besucher fort. Offensichtlich verlegen rieb sich Jonny Cooker die dürren Hände. „Ich bin nur ein schlichter Arbeiter und habe keine Ahnung, was Brillanten heutzutage kosten. Sie als Besitzer dieses Ringes werden bestimmt seinen Wert beurteilen können, und im übrigen sieht man es ja auf den ersten Blick, daß man es mit einem wahren Gentleman zu tun hat. . .“ Der Besucher fühlte »ich bemüßigt seine Brieftasche zu zücken. „Also biete ich Ihnen 100 Dollar Finderlohn. Sind Sie damit einverstanden?“ „Aber gewiß!“ antwortete Jonny und steckte die ihm gebotenen Banknoten rasch in sein Schreibtischfach. Eine halbe Stunde später, nachdem sich Jonny Cooker den ersten hoffnungsvollen Träumen hingegeben, erschien der zweite Besucher, der ebenfalls einen Brillantring verloren hatte. Am anderen Morgen, kaum daß der Pförtner die Tür des Verkaufbüros der Firma Penny & Sons, Massenartikelfabrikation, geöffnet hatte, erschien Jonny Cooker und kaufte 2000 Fingerringe. Jedes Stück vergoldet und mit einem glitzernden Simili versehen, ‘ den Ring zürn Preise von einem halben Dollar. Jonny Cooker hat seine Finanzen glänzend saniert. Er war über das Geld auf der Straße um ein Haar gestolpert, hatte es jedoch entgegen den düsteren Prophezeihungen seines Versicherungsdirektors aufgehoben. Immerhin hielt der ehrliche Finder es für ratsam, die nächsten 2000 Brillantringe in einer anderen Stadt den nicht minder ehrlichen Verlierern auszuhändigen. Harald enftiert nicht Harald hat seine Kennkarte verloren. Er geht zur Polizei und sagt, daß er seine Kennkarte verloren hat. „Wie können Sie Ihre Kennkarte verlieren?“ brummt der Polizist. „Herr“, braust Harald auf, „wir haben den Krieg verloren, warum kann ich meine Kennkarte nicht verlieren?“ „Ich unterhalte mich mit Ihnen nicht über den Krieg —“ schrie der Beamte. Harald rief zurück: „Sie sollen sich überhaupt nicht mit mir unterhalten, sondern Sie sollen mir eine neue Kennkarte ausstellen.“ „Ich kann Ihnen keine neue Kennkarte ausstellen.“ „Wieso können sie nicht? Ich heiße —“ „Wie Sie heißen, interessiert mich nicht. Ich brauche Ihre Geburtsurkunde.“ „Dazu müßte ich nach Köln fahren.“ „Wohin Sie fahren, ist mir ganz egal, ohne Geburtsurkunde existieren Sie für mich nicht.“ Harald wurde blaß. „Ich existiere nicht?“ Der Beamte antwortete schlicht und fest: „Nein.“ Harald atmete: „Und wenn meine Frau kommt und mich ausweist?“ Der Beamte lachte nur. „Und wenn meine Freunde kommen, mein Hauswirt, mein Schneider —?* Der Beamte blieb hart: „Ohne Kennkarte und ohne Geburtsausweis existieren Sie für niemanden, können Sie kein Telegramm wegschicken, kein Geld empfangen und keine Unterschrift leisten.“ Harald dachte nach. Dann langte er über den Tisch, ergriff den Polizisten am Kragen und hieb ihn unter das Kinn. Der schrie Zeter und Mordio, und aus dem Nachbarraum stürzten weitere Polizisten, darunter der Vorsteher. „Was ist geschehen?“ riefen alle. Und wutschnaubend erklärte der Polizist den haarsträubenden Sachverhalt. „Ihren Namen?“ verlangte der Vorsteher. Harald wehrte ab. „Ich existiere nicht.“ „Machen Sie keine Scherze, Herr, ich will Ihren Namen wissen.“ Harald gab ihn, seinen Vornamen, sein Geburtsdatum, seinen Wohnort. Er lächelte höflich und meinte: „Sie strengen sich umsonst an, ich existiere nicht.“ Aber niemand redete mehr davon, sondern sie hieben Unterschriften und Stempel unter das Papier, und irgendein Richter verhängte nvt heiligem Emst eine Ordnungsstrafe über memen Freund Harald. — „Siehst du“, sagte er zu mir, „man braucht sich nicht zu ängstigen, wenn man hört, daß man auf einmal nicht mehr existiert. Haue jeden sofort unter das Kinn, und du existierst prächtig.“ — Sehen Sie, und das wird nun völkerweise gemacht — es muß irgendeine unerhörte Dummheit sozusagen im Amte sein, die — völkerweise — neue Kennkarten nur auf diese Weise ausstellt. Daher wohl auch die geballte Faust, im Wappen, im Gruß, in der Hosentasche und auf Konferenzen. — Aber das führt natürlich alles zu weit, ich wollte nur von meinem Freund Harald berichten, der mir diesen philosophisch«» Schnörkel garnicht erlauben würde. Jean Lau* Zigarrenindustrie auf dem Aussterbe-Etat Staatliche Hilfe für den Kreis Bruchsal eine Notwendigkeit Noch kurz vor der Jahreswende befaßte sich, wie in der Sylvesterausgabe unserer Zeitung berichtet wird, der Kreistag mit der Verelendung der einst in der Zigarrenindustrie tätigen Bevölkerung. In einer Entschließung, die an alle zuständigen Stellen ging, u. a. an den Herrn Bundesfinanzminister, an den Herrn Bundesarbeitsminister,, wurde eine sofortige Senkung der überhöhten Tabaksteuer gefordert. Jedermann im Kreis Bruchsal weiß, daß sich der Bundestagsabgeordnete Neuburger schon seit Monaten mit allen Mitteln für eine befriedigende Lösung des Problems einsetzt. Im Finanz- und Wirtschaftsausschuß des Bundestages, deren Vorsitzender der Abgeordnete Neuburger ist, wurde die Notlage der badischen Zigarenindustrie eingehend behandelt. Dem Bundestag selbst liegt ein Gesetzentwurf, der eine Herabsetzung der Tabaksteuer vorsieht, bereits vor. Bundesfinanzminister Dr. Schäffer erklärte nun kürzlich, daß die beabsichtigte Senkung der Tabaksteuer kaum mehr vor März in Kraft treten könne, weil der Gang der Gesetzgebungsmaschinerie keine eilige Lösung zulasse. Die fragliche Meldung lautet im Wortlaut: Ab 1. März 1950 werden voraussichtlich die Zigaren billiger werden. Ueber das Ausmaß der Steuersenkung wird noch mit den Zigarrenherstellungsorganisationen verhandelt. Vor dem angegebenen Zeitpunkt kann nicht mit einer Steuersenkung gerechnet werden, weil das entsprechende Gesetz seinen verfassungsmäßigen Weg gehen muß. Wie das Ministerium weiter mitteilt, soll dem Bundestag auch vorgeschlagen werden, Tabakindustrie und -handel die Steuerdifferenz zurückzuvergüten. An eine Steuersenkung für Zigaretten wird z. Zt. noch nicht gedacht. Bis zum l. März kann die am Boden liegende Tabakindustrie nicht mehr warten, insbesondere nicht in Nordbaden, wo sich die Verhält- Die paar noch vorhandenen Betriebe werden wohl oder übel in den nächsten Wochen auch noch schließen müssen. Neue Entlassungen sind schon angekündigt, sodaß aller Voraussicht nach sich bis Mitte Januar eine Arbeitslosigkeit von etwa 3 000 Personen ergeben dürfte. Der Arbeitsamtsbezirk Philippsburg zählt 30 000 Einwohner. Ein Drittel dieser Bevölkerung, rund 10 000 Seelen, mögen in Beschäftigung gestanden haben. Bei 3 000 Arbeitslosen heißt das, daß ein rundes Drittel der Bevölkerung keine Arbeit hat. Das Tragische an der ganzen Lage ist, daß der Kreis Bruchsal nicht in der Lage ist, die arbeitslos gewordenen Tabakarbeiterschaft — in der Hauptsache handelt es sich um Frauen und Mädchen — in anderen Industrien unterzubringen. Die Industrien der Stadt Bruchsal haben bereits das Größtmögliche getan, um neue Arbeitspläne zu schaffen, soweit das in ihrer Kraft stand. Die eine oder andere Landgemeinde hat wohl nur vereinzelt Arbeitskräfte angenommen hat. Helfen kann nur, das haben wir schon vor Monaten betont, eine Hilfsaktion des Staates, ähnlich wie sie in Schleswig-Holstein durchgeführt wird. Dem Kreis Bruchsal müssen von Staatswegen Industrien zugewiesen werden. Leider wird die katastrophale Lage der Zigarrenindustrie für parteipolitische Zwecke mißbraucht. Dafür ist uns unsere Bevölkerung zu gut, als daß aus ihrer Not noch Kapital geschlagen wird. Die Behauptung, als ob die Er- hardsche Wirtschaftspolitik an dem langsamen Sterben der Zigarrenindustrie die Schuld trüge, entspricht in keiner Weise den Tatsachen. Die überhöhten Tabaksteuern, auf denen der Konsumrückgang der Zigarre beruht, wurden nicht von den deutschen Behörden festgesetzt, sondern von den seinerzeitigen Militärregierungen. — Das wissen die Leute, die jetzt draußen in den Ortschaften gegen Erhard Sturm laufen, genau so gut wie wir. Fest steht jedenfalls, daß sich Erhard seinerzeit zu wiederholten Malen für eine vernünftige Steuerregelung neue Industriezweige erhalten, die aber fast , aussprach, ohne jedoch bei den Militärregiealle noch in den Anfängen stecken, sodaß es rungen Verständnis zu finden. sl. Romantik im Krafdifjau Der Katzen- und der Diebsturm in Heidelsheim Der Kraichgau bietet jedem Wanderer eine oft stille, schöne Erholungsstätte, die an alte längst vergessene Zeiten erinnert. Bescheidenheit kleidet die zarte Idyllik seiner versteckten Winkel, und die reizvolle Romantik seiner natürlichen Gegebenheiten wird erhöht durch viele Reste alter malerischer Baudenkmäler aus einer bewegten Vergangenheit. Als offenes Land, das stets Durchgangsgebiet wichtiger Verkehrslinien war, diente es in den kriegerischen Zeiten der Geschichte oft dem Durchzug feindlicher Heere . _ „ rr • und hatte deren Willkür nur seine verträumte Jm D^pl oKuin keine ■Ocitulixi Hilfslosigkeit entgegenzusetzen. Zum Ausgleich " dieser naturhaften Benachteiligung errichteten die Bewohner wehrhafte Anlagen, Burgen, trutzige Schlösser und Stadtbefestigungen, die ihnen Schutz gegen überraschende Ueberfälle boten. « Der Dreikönigstag ist ein kirchlich gebotener Feiertag. Unsere Zeitung erscheint deshalb an diesem Tage Der viergeschossige Rundturm, nut einem Zeltdach gedeckt, zeigt viele schmale Schießscharten, die aus Bossen, d. h. nach außen roh behauenen Quadersteinen gebaut wurden. Im ersten Stock sieht man durch das Mann- oder Angstloch ins Verließ, massiveichene Treppen führen zu den oberen Geschossen, wo im dritten Stock ein kleines Kämmerchen mit winzigen Fensterscheiben den Blick nach Süden und Westen freigibt. Schließlich kommt man zum Wächterstübchen des vierten Stocks, das zum gemütlichen Verweilen einlädt. Von seinem schmalen Giebelfenster läßt sich das ganze Tal überblicken. Hier oben war einst der Sitz 'des Stadtwächters, der mit scharfem Auge die Zugänge zur Stadt beobachtete und mit seinen OUqineile V&ik&hMetäiehunq. Eine besonders originelle Verkehrserziehung hat sich die Kurverwaltung Garmisch-Partenkirchen gemeinsam mit der Gemeinde-Polizei ausgedacht. In dem Bestreben, kleine Verkehrssünder in einem international bekannten Kurort nicht gleich mit Geldstrafen zu verärgern hat man neuartige, gebührenfreie Verwarnungszettel geschaffen, die in launiger Form den Gedanken der Verkehrserziehung recht gut mit einer Verkehrswerbung verbinden. Diese humorvollen Hinweise auf die Verkehrsvorschriften, die in dieser Wintersaison erstmalig zur Verwendung kommen, zeigen z. B. auf der einen Seite ein Photo: „Kuh und Auto am Parkplatz“ mit der Unterschrift: „Difc Kuh nimmt den Verkehr nicht wichtig — Dein Auto aber parke richtig!“ Auf der Rückseite findet man den folgenden Text: „Ihr Fahrzeug steht verkehrswidrig. — Sie werden hiermit gebührenfrei verwarnt Im erneuten Uebertretungsfall muß leider eint gebührenpflichtige Verwarnung ausgesprochen werden. Gemeindepolizei Garmisch-Partenkirchen. Achten Sie bitte auf die Verkehrsvorschritten, die letzten Endes nur einem reibungslosen Verkehr und der Sicherheit Aller dienen. Wir danken Ihnen für Ihren Besuch und hoffen, daß Sie immer gern an Ihren Aufenthalt in unserem schönen Garmisch-Partenkirchen zurückdenken. Kurverwaltung Garmisch-Partenkirchen. “ Ein außerordentlich glücklicher Gedanke, Verkehrserziehung mit Fremdenverkehrswerbung zu erquicken, der sicher bald — so hoffen wir — Nachahmung finden wird. Hornrufen den Bürgern die Ankunft von Feind oder Freund meldete. Im grauen Licht des Winters ist dieses alte Gemäuer von schattenhafter Düsternis umhangen, und die entlaubten Bäume, die ihr so schwarzes Geäst gespensterhaft gegen das tiefdunkle Mauerwerk recken, verstärken den Eindruck schwermütiger Starre. Hier schweigt das Heute und die Vergangenheit scheint unterm nebelgrauen Mantel des nahenden Winters zu schlafen. Seine Boten umfliegen als krächzendes Rabenvolk den Turm und im geschwärzten Gebälk unterm Dach regt sich nur das nächtliche Leben eines Eulenpaares. ego. Bruchsaler Impressionen nicht. Die nächste Ausgabe erhalten unsere Leser am Samstag morgen zur gewohnten Stunde. IIII!!lllll!!lllllll!ll!ll!llllllll!l!!ll!!lllllllllllll!!l!!!ll!lllll!lll!IIIIIIHIIIIIIII!ll!l1llllll!ll!Hllilllllir nisse von Tag zu Tag verschlimmern. Im Kreis von Bruchsal ist ein Teil der Gemeinden drauf nd dran — man verüble uns das harte Wort nicht — „vor die Hunde zu gehen“. In den Arbeitsämtern melden sich jetzt jeden Tag Hunderte von Tabakarbeiterinnen u. Tabakarbeitern arbeitslos. — Und dies am Anfang eines neuen Jahres, wo alle Welt voller Hoffnung in die Zukunft schaut. Das Arbeitsamt Philippsburg f. B., hatte am 12. Dezember 1949, 540 Arbeitslose. Am 20. Dezember waren es schon 900. Innerhalb von vier Tagen, bis zum Heiligen Abend, schnellte diese Zahl auf 1667 hinauf. Bis zum 31. Dezember kamen infolge Massenentlassungen weitere 300 hinzu. Besonders stark betroffen wurden die Gemeinden Kirrlach, Wiesental und Oberhausen. Und jetzt am 3. Januar 1950, erreichte die Zahl der Arbeitslosen im Arbeitsamtsbezirk Philippsburg die alarmierende Höhe von 2 269 Personen. Irving House ist ein schloßähnliches Gebäude, das versteckt unter uralten Eichen und Linden etwa 150 Kilometer nördlich der größten Stadt Amerikas im Staate New York gelegen ist. Die Bewohner des nahegelegenen Städtchens Montserrat wußten von dem Besitzer des Schlosses herzlich wenig; sie kannten ihn nur vom Aussehen als einen bereits bejahrten, sehr würdigen und schweigsamen Herrn namens Frederick C. Thompson, von dem man erzählte, daß er sehr reich sei — eine Vermutung, die durch eine große Dienerschaft bestätigt zu werden schien. Verblüffend allerdings war, daß die Angestellten Mr. Thomsons sich von der gleichen Zurückhaltung zeigten wie ihr Brotgeber, nur selten in Montserrat zu sehen waren und bei ihren gelegentlichen Abstechern in die Stadt jeden Kontakt mit der Bevölkerung vermieden. Ein Gangster im Exil? Im übrigen hätten die Dinge vielleicht noch Jahre hindurch ihren bisherigen Gang gehen können, zumal Mr. Thomson für viele Geschäftsleute ein guter Kunde war, wäre es nicht aufgefallen, daß Irving House plötzlich — und fast immer zur Nachtzeit — rätselhafte Besuche erhielt. Zwar ließ sich nicht feststellen, wer eigentlich in den geschlossenen Wagen vorgefahren kam, doch diese Automobile wurden von vielen beobachtet. Dann gelang es einigen Neugierigen, einen erst kürzlich von Mr. Thomson eingestellten Diener unter Alkohol zu setzen und eingehend zu befragen. Seine Erzählung gab den umlaufenden Gerüchten neuen Auftrieb und bereits nach 24 Stunden war die öffentliche Meinung überzeugt, daß Mr. Thomson mit einem bekannteg, Gangster Identisch sei, der seine Opfer im So konnte uns zum Beispiel der Bergfrit der Obergrombacher Burg viele lebendige Ge- schichten erzählen von Bauernaufstand und Franzosenkriegen, oder vielleicht noch mehr die Wehrtürme der Wigolsberger Abtei beim Stifterhof in Odenheim, die zu den ältesten romanischen Bauwerken gezählt werden. Und da ist der gut erhaltene Katzenturm in Heidelsheim, der einst als Flankierungsturm in dem Befestigungssystem der alten Reichsstadt eine sehr wichtige Rolle spielte. Auch der Diebsoder Malefikantenturm, dessen Name schon seinen Zweck verrät, gehörte zu der Wehran- lage der Stadt; doch wurde er nach den Verheerungen von 1689 nicht mehr aufgebaut, nach Merians Bild. Der vielggerühmte Heidelshei- mer Schultheiß Paravicini ließ den Katzenturm, der ebenfalls ausgebrannt war, im Jahre 1710 wieder in seiner Ursprungsform erstehen. In jüngster Zeit hat sich der Odenwaldklub des historischen Bauwerks nun angenommen, es mit der entgegenkommenden Unterstützung der Gemeindeverwaltung zum Aussichtsturm erklären lassen und die Verantwortung für die Pflege und Erhaltung übernommen. Irving House verborgen hielt und diese dort zu martern pflegte. Einige entschlossene Leute gingen zur Polizei, erstatteten Anzeige — und die Behörde beschloß, eine Untersuchung durchzuführen. Mit den entsprechenden Vollmachten ausgestattet, sprachen anderntags zwei Kriminalbeamte und ein Vertreter der Staatsanwaltschaft in Irving House vor und wurden ohne Schwierigkeiten von Mr. Thomson empfangen, der sie geduldig anhörte und nur etwas schmerzhaft lächelte, als man von dem gegen ihn erhobenen Verdacht sprach. „Gestern“, sagte er schließlich, ,hätte ich mich vielleicht weniger entgegenkommend gezeigt. Inzwischen hat sich jedoch etwas ereignet, das meine Besorgnisse hinfällig macht. Kommen Sie, Gentlemen ..." Er führte sie in den „verbotenen Flügel und in ein schwarz gehaltenes Zimmer, in dem, von Kerzen beleuchtet, die Leiche einer Frau aufgebahrt war. Ueber ihr Gesicht war ein undurchsichtiger Schleier geworfen. „Verlangen Sie nicht, ihre Züge zu sehen!“ bat er. „Ihr Entsetzen wäre zu groß ...“ So endete eine große Liebe Er begleitete die Besucher bis in sein Arbeitszimmer und erzählte ihnen dort die Geschichte der Toten — eine Geschichte, die von der amerikanischen Presse als der erschütterndste Liebesroman des 20. Jahrhunderts bezeichnet wird. „Diese Tote, begann der alte Herr, „war •meine Frau. Wir heirateten vor 35 Jahren, als sie jung, bildschön und eine der ange- sehendsten Damen der Staaten war. Unsere Hochzeitsreise machten wir nach Indien — und dort, während eines Ausflugs, infizierte sich Die Brusler Höflichkeit Schon in den ersten Tagen unseres Hierseins lernte ich sie kennen, die Brusler Höflichkeit, und das war so: Ich lief in Gedanken versunken die Kaiserstraße entlang, vom Holzmarkt kommend dem Kaufhaus Knopf zu. Da rannte aus einer Seitenstraße eine recht beträchtlich und massiv gebaute Marktfrau in meine unbewehrte Flanke und schmetterte mich durch einen von etwa hundert Kilo Gewicht unterstützten Anprall zu Boden. Ich lag erschüttert, überrascht auf dem Bürgersteig und sah entsetzt der Marktfrau nach, die „Hoppla!“ rufend ihrer Wege ging. Diesen ersten „niedergeschlagenen“ Eindruck, den die Bruchsaler Höflichkeit auf mich machte, bin ich bis heute nicht -mehr los geworden. Nun ja, gerade unhöflich sind die Bruchsaler nicht, aber eines lassen sie sich nicht nehmen, das ist das „Brusein“. Kinder, ich sage euch, kein guter Fetzen bleibt an einem „Ausländer“ in den ersten Wochen seiner Anwesenheit. Der „Gebruselte“ sollte mein junges Weib mit Lepra, erkrankte sie an Aussatz, dem fürchterlichsten Uebel, das die Menschheit kennt und gegen das man ein Heilmittel bis heute noch nicht finden konnte. Es vergingen Monate, ehe wir die Ursachen der Krankheit erkannten. Und da entschloß ich mich zu einer Tat, die in den Augen der Welt vielleicht ein Verbrechen war, die allein durch meine Liebe gerechtfertigt wird: ich brachte Isabel nach Irving House, um mich hier einzig und allein ihrer Pflege zu widmen, um ihr zu jeder Tages- und Nachtzeit Gesellschaft leisten zu können . . „Tatsächlich gibt es in den meisten zivilisierten Ländern der Welt sehr strenge Vorschriften, die sich mit den zum Glück sehr seltenen Fällen von Aussatz-Kranken befassen und deren schärfste Isolierung in Spezial-Krankenhäusern, den sogenannten Lepro- serien, verfügen. Ich hätte es ohne Isabell nicht ausgehalten“, fuhr Mr. Thomson fort, „und hätte es auf der anderen Seite nie über das Herz gebracht, meine teuere Frau in einer Klinik zugrunde gehen zu lassen...“ „Es war entsetzlich, das langsame Sichauf- lösen meiner Frau zu erleben“, erzählte er, „entsetzlich zu sehen, wie ihre zarten Hände sich schuppten, ihre Gesichtszüge zerfressen wurden. Dabei war sie tapfer und überaus stark, blieb bis kurz vor ihrem Tode stets bei Besinnung und verlor nie das Empfinden für ihre schreckliche Lage.“ Heute ist Mrs. Thomson tot und damit das Geheimnis von Irving House gelüftet. Daß ihr Gatte sich im strengsten Sinne des Wortes gegen das Gesetz verging, als er seine Frau der offiziellen Kontrolle entzog und selbst deren Pflege übernahm, war natürlich verbaten; die öffentliche Meinung steht jedoch auf seiner Seite und es ist kaum anzunehmen, daß seinem, aus Liebe geborenen Vergehen irgendwelche behördlichen Verfolgungen nach- kommen werden. Peter H. Sendling Erinnerungen eines jungen l sich vor allem hüten, gut oder auffällig gekleidet zu sein. Ich nehme z. B. für mich das Recht in Anspruch, zu behaupten, ich hätte die ersten Herrenwildlederschuhe auf Bruchsals Kaiserstraße spazierengeführt. Jeder Bruchsaler fühlte sich damals verpflichtet, solche „Salonlatschen“ genauestens zu betrachten. Ohne Umdrehen auf der Straße ging dies aber nicht und so wurde ich anläßlich meiner „Eröffnungsspaziergänge“ auf der Kaiserstraße gründlichst „durchgebruselt“. Als Großstadtsproß wunderte mich das natürlich außerordentlich und ich bildete mir ein, eine besonders anziehende Figur zu sein. In Wirklichkeit war es doch so, daß die Brusler in kürzester Zeit meinen Lebenslauf und den meiner Familie in- und auswendig wußten und mehr über meine großstädtische Vergangenheit ahnten als ich selber. Ich habe mich aber bis heute wenig aus dieser Bruslerei gemacht und versucht, mich zu akklimatisieren, was mir manchmal auch gelang. Im Lauf der Jahre wurde ich so selbst zu einem Bruchsaler, und ich muß, wenn ich ehrlich bin, sagen, daß die Kreisstädtler nicht uneben sind und sogar Humor besitzen, wenn man sie richtig, das heißt, auf gut bruslerisch anpackt. Bis zu einem gewissen Grade sind sie auch höflich — überhaupt manche Geschäftsleute — und der gegenseitige Umgang ist erträglich. Gefährlich sind die Bruchsaler nur, wenn sie böse sind oder wenn man sie auslacht, aber das wird bei allen Bürgern Süddeutschlands gleich sein oder darf sicherlich nicht als Spezialeigenschaft der Kleinstädter hervorgehoben werden. Die Bruchsaler Faschingszeit war immer etwas Nettes, und ich entsinne mich, daß ich meinen ersten Rosenmontagsball im Hotel Friedrichshof erlebt habe, und daß ich mich als steifer Karlsruher über die fröhliche Stimmung wunderte, die in Bruchsal überall anzutreffen war. „Rauh, aber herzlich!“ könnte man sagen, und mit diesem Wort dürfte eine der ausgeprägtesten Bruchsaler Tugenden oder „Untugenden“ treffend und allgemeingültig charakterisiert sein. Im Kino, deren Bruchsal zwei besaß, fiel mir vor allem auf, daß die schon anwesenden Besucher recht auffällig und unverhohlen jeden Neuankömmling betrachteten, eine Art, die jeder Großstädter gleichermaßen bemerkt und die manchen sogar peinlich berührt. Das sind aber Kleinigkeiten und haben mit der Bruchsaler Höflichkeit wenig zu tun. Der Gewohnheitsfaktor spielt eine erhebliche Rolle und im Wechsel der Jahre hat auch ein „Hereingeschneiter“ solches Tun mitübernommen und es ist kaum noch festzustellen, wer nun Ur- oder Neubruchsaler ist. ): ( Herausgeber: C. und H. Kroge, Bachdrndcerei □. Verlag, Bruchsal-Philippsbnrg. Veröffentlicht onter Generallizeoi Pfc. 3 der Militärregierung. Verantwortliche Schriftleiter: Haoa Stander and Heimat K I i a e i a g, beide m Bracb3al. Z. Zt. ist Preisliste Nr. 1 gültig. Das Geheimnis von Irving House Die rührendste Liebesgeschichte des 20 Jahrhunderts Donnerstag, 5. Januar 1950 r 's.. Kreuz und quer durchs Stadtgeschehen Nachrichten des Standesamts Bruchsal Geburten: Gerhard, V. Steuerinspektor Erwin Riffel, Holzmarkt 45; Margot, V. Kraftfahrer Pius Brückel, Hardtstr. 12; Ingeborg, V. Kaufmann Fritz Cieslik, Schloßstr. 7; Hartmut, V. Schlosser Willi Schwarz, Schubertweg 12. Eheschließungen: Sergeant Williard Pruett, St. Louis, Missouri und Maria Antonie Hof- stätter, Michaelsbergstr. 19. Todesfälle: 29. 12. Frieda Zügner, geb. Singer, Witwe des Damenschneiders Heinrich Zügner, 68 Jahre alt, Talstr. 3; 30. 12. Marie Charier, 87 Jahre alt, Huttenstr. 47; Lademeister a. D. Johann Megeiie, 72 Jahre alt, Württembergerstr. 93. Verbreiterung der Reichsstraße Bruchsal— Stuttgart—Ulm. In Heilbronn fand vor einigen Tagen eine große Verkehrskonferenz statt, die sich u. a. mit dem Ausbau der Autobahnen und der Reparatur der bedeutsamsten Reichsstraßen befaßte. Beschlossen wurde, die Stark befahrene Reichsstraße Bruchsal—Stuttgart—Ulm um 4,50 m zu verbreitern und eine Reihe von Ortsdurchfahrten durch Umgehungsstraßen zu vermeiden, wie dies in Vaihingen an der Enz bereits geschehen ist. Die Autobahnstrecke Stuttgart—Heilbronn soll in der Richtung nach Heidelberg ausgebaut werden. Wenn dieses Vorhaben vollendet ist, könnte eine wesentliche Entlastung der Reichsstraße Bruchsal—Stuttgart eintreten. Keine Fastnachtveranstaltungen vor dem 14. Januar. Das württembergisch-badische Innenministerium hat in einem Rundschreiben an die Landratsämter gebeten, „mit Rücksicht auf die Notlage weiter Kreise der Bevölkerung“ den Zeitraum für die Fastnachtslustbarkeiten in diesem Jahr zu beschränken. Für FastnachtsVeranstaltungen vor dem 14. Januar soll weder eine Tanzerlaubnis erteilt noch die Polizeistunde verlegt werden. Das Innenministerium empfiehlt ferner, Fastnachtsumzüge nur zu # genehmigen, wenn die Veranstaltung einem alten Herkommen entspricht. Starker Rückgang der Eierpreise für Sommer 1950 vorausgesagt. Der Endverbraucherpreis für Eier werde im Sommer 1950 bei 20 Pfg pro Stüde liegen, erklärte der erste Vorsitzende des Fachverbandes westdeutscher Eiergroßhändler und -importeure auf einer Verbandstagung. Bei einer Einfuhr von rund 800 Millionen Eiern und einer Landerzeugung von etwa 3 Milliarden Eiern stünden damit für jeden Einwohner der Bundesrepublik 100 Eier zur Verfügung; es sei daher mit einer Eierschwemme zu rechnen. Behördendienst an Dreikönig. Nach einer Bekanntmachung des Landrats im Amtsblatt für den Landkreis Bruchsal vom 31. Dez. haben die staatlichen Dienststellen der Inneren Verwaltung in Bruchsal und' die Landkreisselbstverwaltung am Erscheinungstag (6. Januar 1950) und am Samstag, den 7. Januar 1950 geschlossen. Beim Landratsamt ist für dringende Dienstgeschäfte am Samstag von 9—11 Uhr ein Bereitschaftsdienst eingerichtet. Die Stadtverwaltung schließt sich dieser Regelung an. Sonntagsrückfahrkarten an Dreikönig. Zum kirchlichen Feiertag, Hl. Dreikönig, 6. Januar, werden Sonntagsrückfahrkarten in den genehmigten Verbindungen ausgegeben. Die Karten gelten für die Hinfahrt von Donnerstag, 5. Januar 12 Uhr bis Sonntag Abend, 8. Januar 24 Uhr. Zur Rückfahrt gelten die Karten bis Montag, 9. Januar 12 Uhr. Die neue Gewerbeschule. Um für den geplanten Neubau der Gewerbe-, der Handels-, der Landwirtschafts-, der Fortbildungsschulen geeignete Pläne zu erhalten, schrieb die Landkreisselbstverwaltung einen Architektenwettbewerb aus. Drei der eingesandten 47 Arbeiten nordbadischer Architekten wurden preisgekrönt. Um der Oeffentlichkeit Gelegenheit zu geben, die umfangreiche Planung kennenzulernen, werden die Entwürfe vom 6. bis 9. Januar in der Turnhalle der Styrumschule ausgestellt: Am Freitag, den 6. und am Sonntag, den 8. Januar von 11—12.30 Uhr, am Samstag, den 7. und am Montag, den 9. Januar von 10—12 Uhr, sowie an allen vier Tagen von 14—16 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt 50 Pfennig Die Abgeltung von Besatzungssdiäden Ein Gesetzentwurf der Besatzungsge schädigten an die Bundesregierung Odenheim Der Männergesangverein veranstaltet am Dreikönigstag um 19.30 Uhr im Sternen seine Weihnachtsfeier. Ein reichhaltiges Programm verspricht den Besuchern einige gemütliche Stunden. Der FC „Viktoria“ hält am Dreikönigtag um 15 Uhr in der Blume eine außerordentliche Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung stehen wichtige Fragen, die das Erscheinen aller aktiven und passiven Mitglieder ef- forderlich machen. Die Sternlichtspiele zeigen am Samstag den bekannten Film-„Das Lied von Bernadette“. Der Besuch dieses Filmes, der überall größte Beachtung gefunden hat, kann nur empfohlen werden. Die Freiwillige Sanitätskolonne feiert am Sonntag um 19.30 Uhr im Sternen Weihnachten. Zur Aufführung gelangt „Das Opfer des Beichtgeheimnisses“. w. Ostringen Am Dreikönigstage, 6., Samstag, 7. u. Sonntag, 8. Januar, jeweils abends 19.30 Uhr, führt die Sängerverednigung „Eintracht-Frohsinn“ im Löwensaale die große Operette „Strandmädel“ auf. Was theatralisches Können anbetrifft, schießt die Sängervereinigung mit der Aufführung dieses schwungvollen Theaterstücks den Vogel ab. Seit 1926 hat der Verein verschiedene Singspiele und dramatische Schauspiele zur Aufführung gebracht, eine für einen Landverein sicherlich anerkennenswerte Leistung. — Die Aufführungen sind folgenderweise vorgesehen: am Dreikönigstag (6. 1.) für die passiven Mitglieder, am“7. 1. für die aktiven Sänger und am 8. 1. für die übrige Bevölkerung. Wir weisen darauf hin, daß des starken Andrangs wegen Kinder, auch in Begleitung Erwachsener, keinen Zutritt haben. Karten sind im Vorverkauf erhältlich bei: Rudolf Längle und Julius Grämlich. Otto Baumgärtner, der letzte Kriegsgefangene unserer Gemeinde, der mit der Heimat in Verbindung stand, ist am Neujahrstag aus russ. Gefangenschaft zurüdegekehrt. Herzliches Willkommen in der Heimat. h Die Arbeitsgemeinschaft der Landesverbände der Besatzungsgeschädigten mit dem Sitz in Frankfurt hat dem Bundesinnenministerium und dem Bundesfinanzministerium einen Gesetzentwurf über die Abgeltung von Besatzungsleistungen und Besatzungsschäden zum Jahresende vorgelegt. Die Betroffenen hoffen, jetzt endlich fünf Jahre nach Kriegsende eine rechtliche und einheitliche Regelung ihrer Ansprüche auf Bundesebene durch ein entsprechendes Gesetz erreichen zu können. Der Vorschlag geht davon aus, daß die Betroffenen grundsätzlich einen Rechtsanspruch gegenüber dem Bund haben, und zwar ähnlich dem Reichsleistungsgesetz auf Vergütung von Leistungen und auf Entschädigung für entstandene Schäden. Die Leistungsvergütung umfaßt eine Gebrauchsvergütung, eine Dienstleistungsvergütung und eine Eigentumsvergütung, die im Gesetzentwurf näher Umrissen sind. In einzelnen Fällen können auch einmalige und laufende Beihilfen zu der Vergütung gewährt werden, wenn dies«, zur Deckung des notwendigen Lebensbedarfes erforderlich sind. Bei den Landkreisen und in den Städten sollen Abgeltungsbehörden errichtet werden, die in zweiter Instanz von einer Abgeltungs- Aufsichtsbehörde bei den höheren Verwaltungsbehörden kontrolliert werden. Die Geschädigten müssen entsprechende Anträge bei Innebehaltung von im Gesetz einzeln aufgeführten Fristen schriftlich .stellen. Ein Beschwerderecht steht den Antragstellern bei Entscheidungen der Abgeltungsbehörden zu. JCeeuz und quec dtuxh JJutippstucg, Wiederholung der Dornröschenaufführung. Am Dreikönigstag wiederholt der Turnverein auf vielseitigen Wunsch hin das Singspiel „Dornröschen“. Ebenso wird das schöne Puppenspiel „Heinzelmännchens Wachtparade“ nochmals auf geführt. Beginn: 19 Uhr in der Festhalle. Verbesserung im Sonntagsverkehr. Auf Betreiben der örtlichen Bahnverwaltung verkehren ab Sonntag, den 8. Januar 1950 die Personenzüge P 2516 bzw. 2517 mit folgendem Fahrplan: Bruchsal ab 9.20, Philippsburg an 9.46, Rheinsheim an 9.51 Uhr. Rheinsheim ab 10.11, Philippsburg ab 10.16, Bruchsal an 10.44 Uhr. Der Zug hat in Graben-Neudorf Anschluß in Fahrtrichtung Mannheim und Karlsruhe. Damit wurde einem langehegten Wunsch der Bevölkerung, die bisher den Frühzug um 6 Uhr benutzen mußte, Rechnung getragen. Der Bahnverwaltung gebührt für ihre Bemühungen um diese willkommene Verkehrsverbesserung Dank und Anerkennung. Das Bürgermeisteramt teilt mit: Die Zählkarten zur statistischen Erfassung der verdrängten Beamten, Angestellten und' Arbeiter, sowie der Berufssoldaten bzw. Berufsbeamten der Wehrmacht und des RAD. gemäß Artikel 131 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland werden am Samstag, .den 7. Januar 1950, beim Bürgermeisteramt an den betreffenden Personenkreis ausgegeben. Treibstoffausgabe. Die Treibstoffausgabe für die Kreisorte Huttenheim, Oberhausen, Philippsburg, Rheinhausen und Rheinsheim erfolgt am Montag, den 9. Januar von 8 bis 12 und von 14 bis 16.30 Uhr in Philippsburg. Badezeiten. Infolge des Dreikönigsfestes ist eine Aenderung der Badezeiten notwendig. Badegelegenheit am Samstag, den 7. Januar von 9 bis 21 Uhr für Männer und Frauen. Winterfeier des TV Untertfuisheim Wiederholung für die Oeffentlichkeit am Sonntag, 8. Januar An Neujahr trafen sich die Mitglieder des Turnvereins und deren Angehörigen im Gasthaus zum Bahnhof zur Winterfeier, die in allen Teilen sorgfältig vorbereitet war. Vorstand Hermann Müller entbot bei der vereinsinternen Feier herzlichen Willkommgruß und ein glückliches Neujahr der großen Turnerfamilie. Mit großer Anteilnahme lauschten die Zuhörer dem Schauspiel „Unter falschem Verdacht“, in dem wahre Liebe den Sieg über egoistische Machenschaft und menschliche Niedertracht davontrug. In die Rollen teilten sich Richard Bolz, Meta Eschenbacher, Herbert Brecht, Kurt Valet, Adam Bischoff, Eugen Kratz, Gerhard Lautenschläger, Horst Oberst und Elfriede Kochendörfer. Die Darsteller boten in Wort und Mimik eine vollwertige ab- Zwei Dutzend neue Wohnungen Lebhafter Bauwille für das Jahr 1950 ln Ubstadt Die Bevölkerung von Ubstadt, dessen Struktur sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr vom. Bauerndorf zum Arbeiterdorf wandelte, setzt sich dem Broterwerb nach" heute zusammen aus fast zwei Dritteln Arbeitern, Handwerkern, Angestellten und Beamten und stark einem Drittel Bauern. Wenn auch viele der im Erwerbsleben stehenden Ubstädter nebenbei als Kleinlandwirte anzusprechen sind, so tendiert Ubstadt mehr und mehr zum Arbeiterort hin. Nicht zuletzt wurde dieser Wandel beschleunigt durch die Aufnahme von Evakuierten während des Krieges und nach 1945 durch den Zustrom Heimatvertriebener, welche die Bevölkerungszahl Ubstadts um rund 400 Personen vermehrten. Die Unterbringung dieser Personen verursachte im Verein mit der Stagnation des Wohnungsbaues eine erhebliche Wohnungsnot. Wenn sich diese auf das Familienleben, die Kindererziehung im besonderen und die Gesundheit der von diesem Wohnungselend betroffenen Personen in absehbarer Zeit nicht mehr so verheerend auswirkt, also eine Besserung der Wohnungsverhältnisse sich anbahnt, so ist dies in erster Linie der Initiative zahlreicher Heimatvertriebener, ferner aber auch dem Bauwillen vieler im Erwerbsleben stehender Ubstädter zu danken, die in Gemeinschaftsarbeit und dank tatkräftiger Unterstützung der Gemeindeverwaltung im letzten Sommer und Spätjahr an den Bau eigener Heime gegangen sind und im Laufe dieses Jahres vollenden, sowie eine ganze Anzahl, die mutig beginnen wollen. Aus einer Aufstellung des Bürgermeisters ist ersichtlich, welche Neubauten eine Fertigstellung, bzw. einen Ausbau im Jahre 1950 erfahren werden. Es sind dies in der Unter- öwisheimerstraße drei, in der Bruchsalerstraße sechs, in der Siedlung zehn, Umbauten im Ort, wobei jeweils neue Wohnungen entstehen, zwei, sodaß mit rund 2 Dutzend neuen Wohnungen für das Jahr 1950 gerechnet werden darf. Möchte, sich das Jahr 1950 im Wohnungsbau recht segensreich auswirken, d. h. möchte den Bauwilligen durch die Fortdauer der seitherigen Hilfe von der Gemeindeverwaltung und durch Beihilfen des Staates, sowie die Hilfsbereitschaft der Mitmenschen die Stärkung und Förderung erfahren, die notwendig ist, dem Erzübel unserer Tage, der Wohnungsnot, zu steuern. sch. gerundete Leistung, für die sie mit reichem Beifall bedacht wurden. Im Lustspiel „Alwine liebt keine Turner“ bedurfte es vieler Ränkespiele, um den Hausdrachen Alwins von seiner gehässigen Einstellung gegen die Turnerei gründlich zu kurieren. Da gab es viel herzliches Lachen des beifallfreudigen Publikum. Rudi Oberst, Meta Eschenbacher, Kurt Lautenschläger, Friedbert Baier, Rudi und Artur Wößner teilten sich in den vollen Erfolg des Lustspiels. Barrenübungen legten beredtes Zeugnis ab, daß beim Turnverein neben der Leichtathletik auch das Turnen eine gründliche Pflegestätte gefunden hat. Da wurden von der gewandten, kraftstrotzenden Jugend, aber auch von älteren, ergrauten Semestern Leistungen gezeigt, daß der Beifall reichlich ausfiel. Entzückend tanzten die hübschen Turnerinnen den Walzer „Münchner Kindl“. Graziös wiegten sich die „Unteröwisheimer Kindl“ auf der Bühne. Hier kam der Feinschmecker auf seine Rechnung. Frau Erika Rullmann hatte mit viel Sorgfalt und Liebe den Tanz eingeübt, während die beiden Theaterstücke von Kon- rad Engelhard bestens eingeübt waren. Eine kleine Kapelle spielte am Anfang, während der Pause und am Schlüsse auf. Es ist Tradition, daß es beim Turnverein gemütlich ist. Nicht anders war es an diesem Abend. Am 8. Januar wird die Veranstaltung für Nichtmitglieder wiederholt. Der Besuch kann nur empfohlen werden, denn es gibt für jeden etwas. b. Keudorfer Utronik um die Jahreswende Am Sonntag veranstaltete das Rote Kreuz in der Brauerei Peter seine diesjährige Weihnachtsfeier, die zugleich auch den Abschluß der Weihnachtsfeiern der Vereine bildete. Vorstand Theodor Prestel konnte zahlreiche Mitglieder und Freunde des Vereins begrüßen. Sein besonderer Gruß galt Hauptlehrer Krauth vom Kreisverein Bruchsal, der zu dieser Feier ebenfalls erschienen war und die Verbundenheit mit dem hiesigen Ortsverein bekundete. Nach einem gemeinsam gesungenen Weihnachtslied und einem schön vorgetragenen Prolog folgte das Stück „Verschollen und wieder gefunden“. Das Hauptstück des Abends „Unter dem Schutze der Muttergottes“, ein Schauspiel in 5 Aufzügen, zog die Zuschauer ganz in ihren Bann. Da die Spieler ihre Rollen lebenswahr Wiedergaben, konnten sie am Schlüsse reichen Beifall ernten. Der Musikverein wiederholt an Dreikönig in der Brauerei Peter nochmals das Singspiel „Hannchen mein Sonnenschein“, während der Turnverein auf Sonntag, den 8. Januar zur Wiederholung seines Stückes „Der Glockenguß von Breslau“ ins Gasthaus zum Lamm lädt. Zwischen Weihnachten und Neujahr konnten mehrere Leute Geburtstag feiern: Am 25. 12. vollendete Leonhard Uhl, Schneidermeister, Hauptstr. 103, sein 72. Lebensjahr; am 28. 12. Frau Martha Wilhelm, Hauptstr. 12, ihr 72.; am gleichen Tage Frau Wilhelmine Baumsinn, Kapellenstr. 4, ihr 77.; am 29. 12. Frau Klara Herberger, Kapellenstr. 62, ihr 74. und am 31. 12. Frau Elisabeth Louis, ihr 73. Lebensjahr. Den Altersjubilaren die besten Wünsche. Im Jahre 1949 sind folgende bevölkerungspolitische Zahlen erwähnenswert: Geburten: 72 (43 hier und 29 auswärts); 22 Paare schlossen den Bund fürs Leben; 22 gingen in die Ewigkeit ein. Da die Geburten die Todesfälle überwiegen, stieg die Einwohnerzahl auf 3010. Auch in hiesiger Gemeinde befinden sich ziemlich Baulustige. Im Frühjahr wird die Bautätigkeit nach dem bereits aufgestellten Ortsbebauungsplan beginnen. Wenn alle Bauvorhaben verwirklicht werden können, wird im Laufe des Jahres die Wohnungsnot wesentlich gemildert. Da Neudorf von jeher stark Standesamtsnachrichten. Das Register deS Standesamtes verzeichnet im Jahr 1949 82 Geburten, davon 15 auswärtige, 59 Sterbefäll« (10 auswärtige) u. 53 Eheschließungen (2 auswärtige). Wie uns das Amtsgericht mitteilt, hat Amtsgerichtsrat Lorenz seit 1. Januar seine Tätigkeit hier aufgenommen. Damit können in Zukunft Strafsitzungen wieder in Philippsburg stattfinden. Gleichzeitig ist eine Trennung von Amtsgericht und Notariat dadurch erfolgt Geburtstage. Am 4. Januar feierte Christop ! Maurer seinen 76. Geburtstag. Heinr. Braun I. begeht heute sein 78. Wiegenfest. Her7' ; Glückwünsche. Heimkehrer. Aus russischer Gefangenschaft sind Karl Hechler und Rudolf Killian in die Heimat zurückgekehrt. Herzlich willkommen! * Oberhausen Beispielgebend in ihrer Beschränkung auf die gegebene Möglichkeit, die gerade durch diese Anspruchslosigkeit einen wirklich erlesenen künstlerischen Genuß bereitete, war die Weihnachtsfeier des Gesangvereins „Fi- delia“ aufgezogen. Unter der Gesamtleitung des feinsinnigen Dirigenten Hermann Nikolaus, der durch die Bildgestaltung durch Heinrich Schäfer vortrefflich unterstützt wurde, wurde das alte, deutsche Volkslied lebendig. Man kann nicht sagen, welches der Bilder die Palme verdient, sei es das „Heideröslein“, das Lied vom „Guten Kameraden“ die humorvolle Gestaltung des klassischen Liedes vom Durst „Im tiefen Keller“, die tiefe Heimat- Sehnsucht in „Zu Straßburg“ und die vielen anderen, überall drückten die lebenden Bilder das anschaulich aus, was der Chor oder die Solisten durch den Klang ertönen ließen. Auch die Sprecherinnen, die im Wort dem deutschen Liede seine Bedeutung gaben, machten ihre Sachen gut. Die Pausen füllten die Weisen des Orchesters aus, so daß niemals eine Lücke entstand und die Besucher einen vollen künstlerischen Genuß vermittelt erhielten. Die Einlagen des Herrn Steinle und die humorvolle Gestaltung der Christbaumversteigerung gaben der Veranstaltung die notwendige Würze des Humors, so daß der 1. Vorsitzende Bald- auf in seiner Begrüßungsansprache nicht zuviel versprach, als er einen genußreichen, harmonischen Abend in Aussicht stellte. Ohne jeden Zweifel ist der nun 51 Jahre alte Gesangverein auf dem richtigen Weg, um seine Aufgabe, das ^Kulturleben der Gemeinde mit aufzubauen, restlos zu erfüllen. Ue. Kirrlach Geburten: Marianne, V. Arbeiter August Heger, Lußhardtstr. 26; Herbert V. Arbeiter Gustav Heiler, Wilhelmstr. 1; Liselotte, V. Schlosser Oskar Pelz, St. Leonerstr. 42; Angela, V. Autoschlosser Alois Oechsler, Unter- dorfstr. 62; Peter, V. Kraftfahrer Ludwig Min- kel, Kronauerstr. 47; Friedrich, V. Müller Jakob Klaus, Kronauerstr. 12; Amalia, V. Schuhmacher Alfred Sturm, Rosenstr., 15; Karl Heinz, V. Schlosser Franz Alfons Schweikert, Karlsruherstr. 17. Sterbefälle: Elise Heiler, geb. Hoffner, Ober- dorfstr. 61, 64 Jahre alt; Margarethe Kremer, geb. Heger, Oberdorfstr. 92, 74 Jahre alt; Theresia Heiler, geb. Lehn, Waghäuslerstr. 53, 79 Jahre alt;Anna Schmitteckert, geb. Steinle, Obere Bachstr. 20, 64 Jahre alt; Karl Kremer, Fabrikarbeiter, Karlsruherstr. 23, 60 Jahre alt. Heimkehrer: Johann Peter, Waghäuselerstr. 88, Franz Urban, Friedrichstr. 10, Andreas Kern, Waghäuselerstr. 92, Josef Sfcheitler, Waghäuselerstraße 92, Jos. Heilig, Hildastr. 1, Heinrich Schuhmacher, Oberdorfstr. 21, Willi Heger, Goethestr. 18, Siegfried Schuhmacher, Unterdorfstr. 3. Kronau Die Mitglieder des Vereins der Körperbe- schädigten und Kriegshinterbliebenen trafen sich zu einer Silvesterfeier in der Pfalz. Bei Kaffee, Wein und Kuchen zeigten die Anwesenden, daß sie trotz der großen Not das Frohsein nicht vergessen haben. Eine kleine Gabenverlosung verschönerte den Abend. Im Kaufhaus Gg. Frank brach am Dienstag ein Deekenbrand aus. Der fast ausgeglühte Balken in der Nähe des Schornsteins konnte durch rasches Zugreifen gelöscht und weiterer Schaden verhütet werden. —t— Gondelsheim Am Donnerstag, den 12. Januar, 20 Uhr, findet im Gasthaus zum Adler unter dem Motto „Das Volk fragt — die Beamten antworten“ ein öffentliches Forum statt. Die Bevölkerung wird gebeten, sich an dieser Bürgerversammlung recht zahlreich zu beteiligen. Untergrombach Der Haus- und Grundbesitzerverein für den übervölkert ist, ist die Beschaffung von ..... „ „ T Wohnraum eines der wichtigsten Probleme . Bruchs* ^am Sonntag^ B^Januar des Jahres. Von Freitag, den 6 . bis Montag, den 9. Jan. läuft in den Krone-Lichtspielen der Film: „Wiener Melodien“, mit Elfi Meyerhofer und Johannes Heesters in der Hauptrolle H. um 14.30 Uhr in der Wirtschaft zum Michaelsberg eine Mitgliederversammlung ab, zu der außer den Mitgliedern auch die Hausbesitzer,. die Mitglied werden wollen, willkommen sind. Die Erörterung wichtiger Tagesfragen lohnt den Besuch der Versammlung Donnerstag, 5. Januar 1950 T\T?T) WTTPi^ T Al Q T Tf^ T T T 1 t eine Dreikönigsgeschichte l/n fv W - * j t T A ±\*3 M j I \ y A / von Walter Weckenmann „Man muß nur glauben können Und suchen ohne Ruh‘ Das andre tut dann selber Der liebe Gott dazu.“ Stefan Blau hieß der Einäugige, der den lieben langen Tag durch die Höfe und Hinterhöfe der langen Straßenfluchten schlich und auf einer alten, verrosteten Mundorgel ums tägliche Brot bettelte. Oft reichte es nicht hin, dann klopfte er an der Tür von St. Josef. Die Schwestern kannten ihn schon und steckten ihm manchen Bissen zu.... Albert Felling, das war der andere, den der Krieg ausgespuekt hatte und wieder ans Leben zurückwarf, mit dem der abgezehrte 30iger nichts anzufangen wußte. Oft hatte man ihm Arbeit angetragen, aber immer war er nach wenigen Tagen davongelaufen. Ihm brannte unsichtbar das Kainsmal des Krieges auf der Stirn. Jürgen Claß war gerade 20 geworden. Eine Bombe hatte in einer der langen, schwarzen Nächte seine Mutter zerrissen. Seitdem saß er auf der Straße, das heißt, nur hie und da, wenn einmal so ein verdammtes Frauenzimmer keine Liebe brauchte. Das kam aber Gott sei Dank selten vor. Dies Leben konnte man noch halbwegs ertragen. Alle drei fanden sich eines Tages, an einem dunklen Dezemberabend. Die Flocken stürmten vom Himmel und die Kälte stand in Mauern und Ritzen. Da waren sie mitten in der großen Stadt aneinandergeraten. Der Geruch der Not mußte ihnen den Weg gezeigt haben... und sie blieben beieinander. Die Menschen in ihren Häusern konnten sie nicht verstehen. Ihr erbärmliches Almosen reichte gerade hin, das Mitleid mit diesen Habenichtsen zu erstik- ken. Die drei lebten ohne Zeit. Der Tag dauerte für sie gerade so lange, wie der Hunger, der sie quälte; und die Nacht zählte nur nach der Wärme, die ihre zerfallenen Körper geben konnten. — So war es Weihnachten geworden, ohne daß sie's so recht merkten. Als sie dann die alten Lieder durch die hellerleuchteten Scheiben und den gleisenden Lichterschein hörten, huschte nur ein trüber Schatten über ihre froststarren Gesicb >r. Die Weihnachtsglocken schrien den drei nur ihre gräßliche Not und ’nre Verworfenheit ins Gesicht. Da flohen sie hinaus aus der Stadt. Hinter ihnen reckte sich groß und gewaltig die Farbenflut der Bogenfenster von St. Johann in die Weihnachtsnacht, jubelte das Te Deum, wie ein brausender Orkan hinter den Fliehenden her. Sie hielten sich die Ohren zu ... und sie schrien in die Nacht hinaus, wie totwunde Tiere. * Weihnachten war vorübergegangen, und ein neues Jahr ins» Land gezogen.. Mit dem neuen Jahr kam die große Kälte. Seit Tagen schon raste ein erbärmlicher Sturm übers Land und trieb die Schneewolken vor sich her, daß man kaum einige Schritte weit vorausschauen konnte. Des Hirten Jan ärmliches Häuschen .drunten im Tal ächzte unter der weißen Last Ab und zu knarrte und splitterte es im morschen Gebälk. Die drinnen kannten die Sprache ihres Häusleins und hörten es schier nimmer. Erst recht heute nicht, da des Hirten Weib in den Wehen lag und gottsjämmerlich stöhnte. Der alte Jan hatte da an andere Dinge zu denken. Ab und zu schob er das Vorhängle zur Seite und stierte in die Nacht hinaus, hinaus in den tollen Flockenwirbel, der einem die Augen tanzen machte. Mit schweren Schritten ging er wieder zum breiten Bett zurück und strich mit ungelenken Fingern über die Decke. „Sei ruhig — d’Wehmuter wird bald kommen!“ — Währenddessen saßen sechs unmündige Kinder in der ■derstub am großen Ofen. Eine behagliche Wärme quoll heraus. Mitten unter der Schar aber hockte die Ahn und las aus einem großen Buch vor. Eine jämmerliche Petroleumfunzel erhellte so spärlich die Stube, daß man gerade die einzelnen Gestalten erkennen konnte. Wohl schon an die hundertmal hatte die Ahn von den wundersamen Königen erzählt, die das Christkindlein suchten. Sie wußte das alles auswendig und machte so manches Märlein selber dazu. Auch heute wieder, wie all die vergangenen Tage lauschten die Kinder auf jedes Wort. „Ja, ja Kinder, heut kommt das Christkind noch einmal zu dns, seid nur schön brav; dann brennen wir nocheinmal die Kerzlein an und singen unsere Lieder.“ Eine fiebrige Erwartung erfüllte die armselige Hütte. Der gute Kinderglaube wob die wundersamen hl. Geschichten der Ahn in die Wirklichkeit dieser Stunde. * Mit ihren letzten Kräften schleppten sich die drei dttrch die Schneewüste, die jeden Augenblick höher wuchs. Der Sturm blies in ihre Jak- ken und durch ihre Löcher. In den brüchigen Schuhen stand das Wasser. Keiner konnte mehr reden. Sie hatten den Weg verloren und wußten nicht ein noch aus. Da tauchte plötzlich ein Licht auf und verschwand wieder. Die drei blieben stehen. Und wieder und wieder sahen sie das Licht, das immer näher kam. — Nun entdeckten sie eine Gestalt. Durch das Flockenmeer keuchte sie heran. Ein langer, schwarzer Schatten tanzte hinterher. Ehe die drei Schlucker auch nur eine Silbe hervorbringen konnten, rief eine schneidende Frauenstimme durch den Sturm — „Heda, ihr, wohin des Weges?“ — Der Wind griff nach den Worten und trug sie in Fetzen davon. Endlich stand die Ruferin vor den dreien. Es war die Susann, die Wehmutter. In eine dicke Wolldecke hatte sie sich eingewickelt und leuchtete jetzt dem Häuflein elender Menschen — und schüttelte das rotangelaufene Gesicht. „Wo wollt ihr denn hin?“ — Alle drei stierten in den Lichtschein der elenden Stallfunzel und deuchten sich geborgen in dieser Helle. „Braucht nit zu reden ihr, euer Gesicht hat’ ne laute Stimm.“ Der halbblinde Stefan blinzelte und murmelte etwas vor sich hin, daß sie den Weg verloren hätten in dieser bösen Nacht. Die Susann rüttelte an den dreien: „Auf ihr, kommt mit, ich zeig euch den Weg — seid nicht mutlos, in so einer Nacht kann man ihn schon verpassen. — Habt auch euren Stern verloren, was? — Eure drei Vetter aus dem Morgenland sind heut auch unterwegs. Geb’s Gott, daß sie den rechten Weg finden. „Ja, davon verstanden die drei nicht viel. Sie trotteten also der Susann nach, die schon vorstapfte. Nach einer Weile drehte sie sich um, wie wenn sie etwas vergessen hätte und rief: „Na, nun glaubts schon!“ — Durch die Nacht, durch die Kälte und Sturm und die weite Schneewüste schaukelte ein ärmliches Lichtlein, und folgten langsam drei Menschen, drei armselige Menschen. Die Ahn schwieg und schlug das dicke Buch zu. Schwer hing der Petroleumgeruch im Raum. Aus dem Ofen tanzten die Flämmlein auf und nieder. Wie in der Kirche saßen die Kinder und träumten den Worten nach, die noch in der Stube standen. Da pochte es an die Türe. Die Kleinen schraken zusammen^ als kurz darauf drei zerlumpte Männer, wie vom Sturm hereingefegt durch die Türe taumelten und hinterher die Susann keuchte. Dann schlug die Türe zu, daß das ganze Haus zitterte. „Grüß Gott Susann“, fragend schaute die Ahn zu den drei Fremdlingen. Da zog die Susann die Ahn auf die Seite. „Mutter behaltet sie da, schaut, die haben den Weg verloren draußen in der Nacht.“ Die Ahn forschte in den drei Gesichtern, die wie leblos im Raum hingen. „Ja Susann, ich glaub, die da haben noch mehr verloren.“ - „Ja, ja Alm, vielleicht finden sie bei euch ein bißchen Wärme und Licht“.,und ein bisserl Freude und Lieb,“ fuhr die Ahn fort, und sie sagte es so feierlich, wie das Amen am Sonntag in der Kirch. Freundlich trat sie zu den drei und hieß sie willkommen. „Setzt euch an den Ofen, wärmt euch, zieht die Schuhe ab-und Ihr Kinder seid ruhig, die drei Könige da kommen weither und suchen das Christkind. Dann nickte sie den dreien freundlich zu, hieß die Anna einen Kaffee aufstellen, und ging mit der Susann hinüber, um nach dem Weib zu schauen, denn lang konnt’s nimmer gehen. Wie das den drei Habenichtsen gut tat, diese mollige Wärme, dieses Geborgensein. Langsam, „Fastnacht wie noch nieF Ein Aufruf des Männerwerks zur Besinnung Das Katholische Männerwerk der Erzdiözese Freiburg wendet sich mit einem Aufruf an die Oeffentlichkeit, die Fastnacht in vernünftigen, unserer Notlage angepaßten Grenzen zu begehen. Der Aufruf lautet: Kaum sind Silvester und Neujahr mit ihren Festlichkeiten vorbei, und schon denkt alles an Fastnacht. Ein Faschingstreiben ist vielerorts geplant — wie noch nie. Gewiß braucht der Mensch zum Leben die Freude, gewiß haben wir in den letzten Jahren vieles entbehren müssen, gewiß sind die Verhältnisse etwas besser geworden, und wir können uns auch ein Vergnügen leisten. Aber alles im Rahmen des Vernünftigen. Was da qnd dort geplant ist und gemacht werden wird, widerspricht aber der Vernunft u. der Gerechtigkeit. Noch schmachten Tausende in harter Kriegsgefangenschaft — noch fristen Millionen von Flüchtlingen ein elendes. Dasein — noch hungern und frieren so viele — noch sind täglich Menschen am Verzweifeln — noch haben Witwen und Waisen kaum zu leben — noch müssen unsere Kriegsversehrten teilweise mit der bitteren Not kämpfen — noch hausen Tausende in Bunkern und Löchern — noch schreit täglich eine große Not zum Himmel-wir aber feiern Fastnacht wie noch nie. Ist das recht? Wir beklagen uns über die Demontage, Soforthilfe, Lastenausgleich, Besatzungskosten, Steuerlast — aber wir feiern Fastnacht wie noch nie. Ist das recht? Wir schimpfen über die vielen Sammlungen, über die „ewige Bettlerei“, über Abgaben, manche auch über Kirchenbauten und Glok- kenweihen — aber wir feiern Fastnacht wie noch nie. Ist das recht? Wir jammern über unser Elend, über schlechte Zeiten, Wohnungsnot, Ungerechtigkeiten. — aber wir feiern Fastnacht wie noch nie. Ist das recht? Wir sagen: Wir sind ein armes Volk, wir haben nichts zu leben, wir haben kein Geld, es geht uns schlecht — aber wir feiern Fastnacht wie noch nie. Ist das recht? Wir rufen ins Ausland: Helft uns, unterstützt uns, schickt uns, gebt uns! Und das Ausland half und gab, hilft und gibt immer noch — wir aber feiern Fastnacht wie noch nie. Ist das recht? Männer, seid vernünftig ! Helft mit, daß es gamicht zu toll wird! Rufet zur Vernunft, mahnt zur Einfachheit, tretet ein für Recht und Ordnung! Wir bitten euch alle, insbesondere die, die etwas zu sagen haben, die Männer der Regierung, die Landräte, Bürgermeister, vor allem aber auch die Vereinsvorstände •«- seid vernünftig! Bremst ab! Es ist heute noch keine Zeit für Fastnacht wie noch nie! Wir müssen wieder einfacher werden, sparen lernen. Wir brauchen jeden Pfennig für Wichtigeres als Fastnacht. Wenn nur die Hälfte von dem, was für diesen Fastnachtsrummel ausgeworfen wird, dem sozialen Wohnungsbau zufließen würde, was könnte man damit schaffen und helfen? Männer, macht mit! Gegen die Unvernunft, für Vernunft, Recht und Ordnung! Die hl. Drei König Die heiVgen Drei König mit ihrigem Stern, Die kommen gegangen, ihr Frauen und Herrn. Der Stern gab ihnen den Schein, Ein neues Jahr geh' uns herein. Die heiVgen Drei König mit ihrigem Stern, Sie bringen dem Kindlein das Opfer so gern, Sie reisen in schneller Eil', In dreizehn Tagen die hundert Meil. Die heil'gen Drei König mit ihrigem Stern, Knien nieder und ehren das Kindlein, den Herrn. Ein selige Zeit, fröhliche Zeit, Verleih‘ uns Gott ein Himmelreich! (Aus Oberbayern) ganz langsam tauten sie auf, und die Gleichgültigkeit schmolz, und ihre Augen begannen zu sehen, grüben in der Ecke stand ein Christbäumchen. Feuerzünglein tanzten in den Kugeln und ließen sie aufleuchten. Wie bei der Mutter, dachte Jürgen. Dem halbblinden Stefan fiel das Schauen schwer. Er sah alles so verschwommen. Dafür aber hörte er mehr als die anderen. Irgendwo stöhnte doch jemand. Unruhig fuhr er mit seiner Hand ans Ohr. Oh, wollte das Elend sie schon wieder aus der guten Wärme fortjagen . . . nein — nein. Albert Felling blickte unverwandt auf die Kinderschar, die zu den dreien herstarrte. In ihm war es so ruhig geworden, — derweil kam auch die Ahn wieder, goß heißen Kaffee in große Tassen und gab sie denen auf der- Ofenbank, die ihn gierig hinunterschlürften . . . und wieder füllte sie die Tassen und gab jedem noch ein Stück Brot dazu. Dann setzte sie sich zu den Kindern. „Gelt Kinder, da staunt ihr, daß die heiligen drei Könige zu euch gekommen sind. — Sie haben einen langen Weg gehabt und viel Not und Elend erdulden müssen, bis sie erst mal bei uns waren*. Stefan trank die Worte in sich hinein. Vor seinem blinden Auge stand plötzlich das fern« Heimatkirchlein mit der Krippe . . . und drei knieten davor, drei Könige mit feinen Kleidern und Kronen aus Gold und Edelsteinen . . . und er murmelte laut: „Frau, wir sind doch , . . “ „Gottsucher“, unterbrach ihn die Ahn und lächelte. „Lichtsucher, Liebesucher, Glücksucher, Freudsucher — ach, ist doch alles eins. — Ihr seid’s. Ich kenn Euch — so hab ich mir immer die drei vorgestellt. Gelt, der Susann ihr Licht war euer Weihnachtsstem gewesen, der hat wohl schöner geleuchtet als der allerschönste am Himmel droben und hat euch den Weg schon richtig gezeigt. Laßt Euch die Wärm schon richtig wohl tun.“ — Nun konnten die Kinder nicht länger an sich halten. „Aber Ahn im Buch stand doch etwas von reichen Königen mit Kronen, Gold, Silber und Weihrauch, Kamelen und Pferden?“ — Die am Ofen schauten sich an und mit einem Male hätten sie sprechen können und erzählen, aber da war schon die Ahn. „Ja Kinder, das stand im Buch, so habe ich auch immer gelesen. Heut aber hat mir der liebe Gott gesagt, daß es anders heißen muß.“ Umständlich rückte sie ihre Brille zurecht. — Draußen heulte der Sturm mit tausend Stimmen. In der Nebenkammer wuchs das Stöhnen. Die Ahn hatte das Buch aufgeschlagen und ganz langsam, ganz feierlich begann sie: „Es war da die Nacht. Es war da der Sturm, der die Erde anfüllte, und es waren da drei Könige. Die hatten einen Glauben, die hatten einen Stern, die hatten ein gutes Leben. Aber der Sturm und die Nacht blies ihren Stem aus, riß ihnen die Kronen vom Kopfe, zerfetzte die Mäntel und jagte Pferde und Kamele in den Tod. Da hatten sie nichts mehr. Kein Leben und auch keinen Glauben mehr. Sie irrten in der weiten Welt umher. Alle die den Stern sahen und den Weg kannten schwiegen, oder leiteten'sie falsch. Schier wären sie umgekommen . . .“ Ein MlEBE vJ F human von r h o M A Copyright um» oy Vertag Helmut Seiler Stuttgart 40. Fortsetzung Diese beiden Männer mußten natürlich die Erkenntnis ihrer Freundschaft gründlich feiern, zumal Jörn am nächsten Morgen abreiste. In der Bar feierten sie Abschied, Jörns dröhnendes Lachen schallte über das ganze sonst nicht gerade leise s Getriebe hinweg. „Prost, alter Südamerikaner, wir müssen anstoßen auf unsere künftige Zusammenarbeit.“ So klang es aus Jörns Mund. Viktor trank nie über ein gewisses Maß, aber jetzt traten seine Füße doch unsicher in den vom Monde so magisch beleuchteten Schnee am Waldrand zu seiner Hütte entlang. Er war nicht betrunken, aber seine Glieder hingen an ihm wie Bleigewichte. Ohne eich auszukleiden, kroch er in seine Nische. Und jetzt riß ihn dieses harte Gepolter an den Fensterläden aus dem Schlaf der Spukgeister, die durch seinen Kopf schwirrten. Urplötzlich war er nüchtern, als die schneidendkalte Ostluft um seinen Kopf pfiff. Zudem hatte jemand seinen Namen gerufen. Stand nicht dort eine schlanke Gestalt? Als der Laden krachend gegen die Hüttenwand schlug, sank diese Gestalt mit einem leisen Ruf zusammen. Blitzschnell war Viktor draußen, der röchelnde Atem der mit dem Gesicht im Schnee liegenden Person ließ ihn zuerst nach dem Kopf greifen. Weich, seidig und hell lief eine Flut blonder Haare über seine Hand. Da war der kleine, jetzt schmal geschlossene Mund. „Sonnie!“ stöhnte Viktor. Im Augenblick war er zu verwirrt, um Fragen über Woher und Wieso zu stellen. Ihr langgebauter schlank« Körper hing ihm ordentlich schwer in den Armen. Haufen von gefrorenem Schnee trug er mit ihr-auf sein Lager. Seine Finger fühlten, wie feucht ihre Kleider waren und wie hastig die Ader an ihrem Halse schlug, weiß und schlank blickte er aus der blauen Wolle der Strickweste. „Wie kommt Sonnie hierher? Was ist mit ihr, daß sie mich mitten in der Nacht ruft? Sie war doch vor Tagen noch in Polen und hat drei Goldmedaillen erkämpft?“ Diese Gedanken wirbelten durch Viktors Hirn. Als er auf das Klopfen hochgefahren war und dann die zusammenbrechende Gestalt vor der Hütte sah, hatte er sich eingebildet, daß es sich um Lucia handeln könne. Aber es war nicht Lucia, vor ihm lag Sonnie. Still, in ihren Anblick versunken, saß Viktor auf einem Stuhl vor dem Bett „Sie muß eine ungeheure Anstrengung hinter sich haben!“ sagte er sich, denn ihre Brust wogte in heftigen Atemzügen auf und ab. Dann schlug sie die Augen auf und wandte den Kopf zu ihm. „Viktor“, flüsterte sie. Viktor kam nicht mehr davon los, in diese klaren, blauen Augen zu schauen. „Großer Gott", dachte er, „wie habe ich solche Augen nur vergessen können? Soviel Reinheit und Sonne hätten mich die ganzen zehn Jahre verfolgen müssen und ich habe nicht ein einziges Mal daran gedacht.“ Wie sie jetzt seinen Namen flüsterte! Sie muß mich einst sehr geliebt haben und liebt mich jetzt noch mehr. Wie konnte ich das nur übersehen? Ich bin hinter einem Phantom hergejagt und habe das Glück am Wege stehen lassen. Zehn Jahre fremdes Land, sinnloser Rausch, Erniedrigung, Enttäuschungen, Härten, alles nahm ich in Kauf und hätte hier viel mehr haben können. Sonnie richtet« sich langsam auf und schaute ihn ohne Unterlaß an, als glaube sie nicht, daß er wirklich vor ihr säße. Sie sah nur diese kantigen Linien und Umrisse seines Kopfes, den scharfgeschnittenen Mund unter der gebogenen Nase, die ungemein hellen Augen und die kupferdunklen Haare über der breiten Stirn. Sie hätte ihm um den Hals fallen und unaufhörlich küssen mögen. Aber sie rührte sich nicht aus Angst, es könnte eine Vision sein, die durch eine Bewegung verschwindet. Jetzt plöt 2 Üich wußte Viktor, daß sein Leben der vergangenen zehn Jahre nur ein schrecklich langer Irrweg gewesen war, nur ein verzweifeltes Suchen nach dem, was ihm ihre Augen verrieten. „Ich habe doch damals nur diese Sonnie geliebt“, gestand er sich ein. Weil sie noch ein halbes Kind war, konnte ich über ihre Liebe hinwegsehen. Nun stehe ich am selben Fleck wie damals in der Hütte, als sie mich küßte oder als man sie zum Krankenwagen trug und sie meinen Kopf zu sich niederzog. Er fühlte deutlich, wie beiß und spröde ihre Lippen damals gewesen waren. Keines von beiden rührte sich, eines sah nur das andere an. Der Augenblick war zu wunderbar, um ihn durch eine Bewegung zu stören. In Sonnie strömt« das zusammen, was sie durch diese zehn Jahre hindurch für Viktor gefühlt und mit sich herumgetragen hatte. Nein, es war nicht nur Irrtum gewesen, was in ihr war, sie fühlte jetzt wie sehr sie ihn liebte. Und Viktor begann, sich in allen seinen Regungen zu prüfen und abzutasten. Da war nichts in ihm, das an den heißen Strom in seinem Blut erinnerte, wie er ihn zu Maja und so viel schwächer dann zu Lucia gezogen hatte. Endgültig versank mm dieser Abschnitt vor dem Großen, Schönen, das da aus Sonnie« Augen zu ihm herüber leuchtete. „Sonnie!" sagte er leise, „Viktor“ sagte sie mit ihrer hellen Stimme. Er sah, wie sie erschauerte. Schnell stand er auf und begann im Ofen Feuer zu machen. Dann tTat er hinaus in die Dunkelheit der Sauna und schürte auch dort, trug Wasser herein, stopfte einige klaffende Risse im Gebälk mit Lumpen und stand drinnen einen Augenblick Sonnie gegenüber. Dann holte er Leibwäsche aus dem Nachtschrank, legte sie auf den Kacheln warm, nahm Sonnie in die Arme und fühlte beglückt, wie sie sich gegen ihn lehnte. Er küßte sie nicht, er streichelte nur ihre Wangen, dann sagte er: „Ich grüble nicht lange darüber nach, wie du hergekommen bist, Sonnie! Jedenfalls mußt du dich jetzt gründlich erholen. Draußen kommt die Sauna unter Dampf, hier wirds schön warm, da ist Wäsche anstelle deines verschwitzten Zeuges. Tue so, als wärest du schon zehn Jahre hier daheim. Ich muß mich mal auslaufen“ Nur eine schnelle Sekunde preßt« sie ihre Lippen auf seinen Mund, dann ging er und schnallte draußen seine Schier an. Bis in den hellen Morgen hinein üef Viktor über di« Hänge und machte durch das blutrot im Mor- genschedn leuchtende Schneerevier sausende Abfahrten. Eigentlich dachte er sich nur immer wieder den einen Satz: „Sonnie ist da!“ * Als sie ihn gehen härte, hätte sie ihn natürlich gerne zurückgerufen. Er sollte doch jede Minute um sie sein. Doch dann wurde sie sich ihres kläglichen Zustandes bewußt und auch der Gefährdung ihres Körpers durch die leuchten Kleider. Wie gut doch Viktor für si« gesorgt hattet • Ja, ein Saunabad war jetzt das einzig Richtige. Der wilde Sturm ihrer Gefühl« legt« sich in der Heißluft der Sauna, die letzten Skrupel vertrieb der kalte Schnee vor der Hütte. „Ich will jetzt nur ganz ihm gehören“, sagt« sie sich, als sie ihre Haut mit den dünnen biegsamen Birkenreisem peitschte. Dann lag Viktors Wäsche auf ihrer weißen Haut, sie empfand säe wie ein« Liebkosung seiner Hände. Kein anderer Gedanke fand hinter ihrer Stirne Raum als der, daß sie nun bei Viktor sei. (Fortsetzung folgt) OMMMrfltag, J. Januar lMf^ Schrei riß die Worte der Ahn entzwei. Klägliches Kinderwimmern drang durch die Wand. Stefan Blau sprang entsetzt in die Höhe und streckte die Hände aus, als wollte er etwas von sich halten. Tränen rannen aus seinem gesunden Auge. Auf der Bank am Ofen blieben die anderen sitzen. Jürgen Claß betete in sich hinein: „Oh, laßt uns doch die Wärme und die Ruhe — laßt uns den Glauben —“ Und siehe am Christbäumchen in der Ecke flammten die Lichter auf. Die Ahn brannte sie an und dabei redete sie: „So soll es nun Licht werden — denn der Heiland ist geboren, fürchtete euch nicht.“ Sie trat zu den dreien an der Ofenbank, ganz nahe. „Fürchtet euch nicht, niemand wird euch den Weg ins Licht mehr nehmen — ihr habt ihn gesucht, ihr habt geglaubt — und ihr habt ihn nun auch gefunden.“ Und die alte Susann kam und sie brachte die erbärmliche alte Stallfunzel mit und hob sie hoch in der Hand: „Kommt ihr drei, das Kindlein wartet!“ — Durch die niedrige Kammertür traten sie, Stefan Blau, der Einäugige, Albert Felling, der Ruhlose und Jürgen Claß, der Einsame. VOM SEE BIS AN DES MAINES STRAND Brand in Dossenheim Heidelberg. In dem Anwesen der Familien Heckmann und Kraft in der Heidelbergerstraße brach am Silvesterabend aus bisher noch ungeklärten Ursachen Feuer aus, dag durch den Ostwind stark angefacht wurde und die benachbarten Häuser in Gefahr brachte. Der Dossenheimer Freiwilligen Feuerwehr und der Berufsfeuerwehr aus Heidelberg gelang es, den Brand bald zu löschen. Die Scheunen sowie der Giebel des sehr alten Wohnhauses Kraft sind völlig abgebrannt. Autoräuber ertappt Heidelberg. In der Ziegelgasse wurden am 1. Januar zwei aus Heidelberg stammende junge Männer von einem Amerikaner in dem Augenblick betroffen, als sie sich mit dem dort abgestellten Jeep entfernen wollten. Der Amerikaner als Eigentümer fand die beiden bereits im Wagen sitzend vor. Der Motor, der vorher abgestellt war, war angelassen. Einer der Tä- Eine umwälzende Neukonstruktion Der VW-Lieferwagen ist billig und gut Wohl selten war die allgemeine Ueber- raschung der Presse so demonstrativ zum Ausdruck gekommen, wie bei der Vorführung des neuen VW-X Tonner-Lieferwagens in Wolfsburg. Man kannte zwar aus Nordhoffs zweijähriger Tätigkeit die zielbewußte Linie und 1 die nur auf die Praxis ausgerichtete Einstellung. Aber genau so wie das Volkswagenwerk innerhalb zweier Jahre die vorbildliche Vertreter- und Außenorganisation auf die Beine gestellt hat, ebenso ist dieser in 12 Monaten auf Biegen und Brechen ausprobierte Lieferwagen ein wirklich gelungener Wurf des Konstrukteurs Dr. Haesner. So jung dieses Werk ist, so fortschrittlich ’ ist der Geist seiner Belegschaft. Eine Fabrik ohne Tradition — in einem Jahrzehnt aus dem Nichts geschaffen — beschäftigt heute rund 10 000 Menschen. Man hat bereits 75 000 Volkswagen seit Kriegsende hergestellt und verkauft. Täglich werden etwa 200 000 kg Materialbedarf benötigt, das sind an Zahlungen für Zulieferanten und Auftragsnehmer jährlich allein 113 Millionen DM. Dazu kommen aus dem Export zusätzlich noch 4,7 Millionen Dollar. Bewußt hat man bei dem neuen Lieferwagen das Personenwagen-Fahrgestell nicht verwandt. Der Lieferwagen besitzt einen neu- konstmierten selbsttragenden Ganzstahlaufbau. Der große 4,5 cbm Laderaum Hegt genau zwischen den Achsen. Vorn der dreisitzige beheizte Fahrerraum mit einejn idealen Blickfeld auf die Fahrbahn, hinten der weiträumige, gutzugängliche und abgeschlossene Maschinenraum mit Motor, Batterie, Tank und Reserverad. — 875 kg wiegt der Lieferwagen leer und 825 kg ist seine Nutzlast. Ein wirklich ideales Verhältnis von beinahe 1:1 von Gewicht zur Last. Voll beladen beträgt seine Spitzengeschwindigkeit über 75 km/std, eine Steigfähigkeit von 22 Prozent und einen Durchschnittsverbrauch von 9 Liter auf 100 km hat er aufzuweisen. Ob leer oder beladen hat der VW immer eine Achsenbelastung von 1:1, ein Hauptgrund für seine gute und ruhige Straßenlage, der völlig gleichmäßigen Ausnutzung von Reifen und Bremsen. Normal ist der bewährte VW-Motor mit seinem Getriebe. Neu sind für die größere Belastung ein Zusatzgetriebe, welches sich bei tausenden von Wehrmachtswagen unter den Schwersten Bedingungen ausgezeichnet bewährt hat und eine hydraulische Teves-Vier- radbremse. Vorerst wird der Wage* in vier Ausführun- f en ab Januar 1950 geliefert. Der normale Kastenwagen mit splitterfreiem Glas für alle Scheiben, mit Fahrer-Raumheizung, Windschutzscheiben-Entfroster, doppelten Scheibenwischern, Reserverad und allem Zubehör zum Preise von DM 5 850.— ab Werk. Ferner als achtsitziger Omnibus, als Station-Car und als fahrender Kaufladen. Sämtliche Wage* haben 2 große seitliche Türen als besonders günstige Einlademöglichkeiten in den engen Straßen vom Bürgersteig aus, und ohne großen Platzbedarf beim Packen. Zum Schluß eine amüsante Story: Man wollte diesen VW-Lieferwagen „Bulli“ nennen, weil er von vom so selbstbewußt, so steirisch aussdeht, andererseits aber doch in seinem Ganzen sehr formschön wirkt, daher das frauliche, abschwächende ,4“ am Ende. Da gab es aber ein energisches Veto bei dem Patentamt und den Behörden: Der Name „Bulli“ würde Verwechslungen mit „Bulldog“ ergeben. Man kann sich nur schwer vorstellen, daß ein Bulldog-Ackerschlepper plötzlich bei einem Hotel vorfährt, um dort Gaste abzuholen, die einen VW-Bulli-Omnibus bestellt hatten. Andererseits glaube ich auch nicht, daß es einen „Bulli“ trotz erstklassiger Straßenlage und Geländegängigkeit reizen könnte, plötzUch von einem Ackergelände Rüben abtransportieren zu wollen. Wahrscheinlich wird man aber auch trotz behördlicher Gewissensbisse diesen Lieferwagen im Volksmund doch „Bulli“ nennen, genau so wie man im tausendjährigen Reich seinen Bruder nie „KdF“- sondern Volkswagen nannte, was er auch jetzt allerdings unter anderen Vorzeichen wirklich geworden ist. Kp. ter flüchtete, konnte aber später ermittelt werden. Der andere wurde von dem Amerikaner festgehalten und der Militärpolizei übergeben. StraßenlMlMhauhalt ausgeglichen. Karlsruhe (DND). Die seit Oktober gültigen erhöhten Straßenbahntarife haben die erwarteten Mehreinnahmen gebracht. Die tahres- zeitliche Steigerung des Verkehrs beträgt zwar von August bis November nur 2 •/» (1948: 9 •/*), weil das gute Herbstwetter für die Radfahrer günstig war. Trotzdem werden die Stadt Werke ihr Defizit voraussichtlich ausgleichen können. Eröffnung des Freiburger Stadttheaters. Preiburgl. B. (DND). Das Freiburger Stadttheater eröffnet mit 2 Festvorstellungen der „Meistersinger von Nürnberg" das wiedererstellte Haas. Der repräsentative Bau ist ln seiner ersten Baupbase fertiggestellt und bietet fast 1200 Zuschauern Platz Durch volkstümliche Preise hofft man trotz aller Theaternot eine Rentabilität dieses sebörsten Theaters Südwest- deutscblands zu erreichen. Die Pestvorstellun- gen. die mit einer Rede des Intendanten Everth eingeleitet wurden, sahen den Staatspräsidentea den französischen Kommissar Pene. den Weibbischof Dr Bürge: ln Vertretung des erkrankten Erzbischofs und viele weitere führende Persönlichkeiten als Gäste Kommirsioo für Grenzfragea Preiburg t. B (DND) Eine Kommission des Bundestagsausscbusses für Grenzfragen besucht in der Zeit vom 3 bis 5 Jatuar Südbaden. Die Reise beginnt in Freiburg, wo eine informatorische Einführung durch die badische Regierung erfolgt und wird dann von Waldshut über Breisach nach Kehl fortgesetzt. BraMscbof Wendelia Ranen zur Flüchtllnqsirage Pi -iburgL B. (DND). In einem Hirtenwort zum Heiligen Jahr führt der Erzbischof zur Flüchtlingsfrage aus, daß auch bei gutem und bestem Willen auf beiden Seiten nicht alle Schwierigkeiten zu beheben sind. Das Wichtigste sei. daß man sich gegenseitig zu verstehen sucht, daß man bei zunächst anbegreiflichem Verhaßten nicht gleich ein hartes, ablehnendes Urteil fällt daß man auch schweigen kann und schweigend erträgt wenn es sich nicht um unrichtige Dinge handelt „Möqe die Geschichte verzeichnen können, daß wir uns ehrlich bemüht haben, die oft unerträglich scheinenden Verhältnisse zn meistern.“ Der Neu|ahrsemptang Im Colombt-Schlößcheo. Pretbnrg L B. (DND). Bei dem Neujahrs- empfang der Trachtenabordnungen forderte Staatspräsident Wohieb die Wiederherstellung Alt-Badens und kritisierte die Behauptung als abwegig, daß Nordbadea bei Württemberg bleiben wolle. Gottesdienste an Dreikönig Bruchsal Stadtkirche. 8.15 Uhr Frühmesse mit Predigt und Monatskommunion der Frauen; 11 Uhr lev. Hochamt mit Predigt und Segen, Notkirche: 7 Uhr Frühmesse mit Monatskommunion der Frauen; 9.15 Uhr Hauptgottesdienst mit Predigt und Segen; 14 Uhr feierliche Dreikönigsvesper mit Segen. Nachher Kommunionunterricht. Hofkirche: Donnerstagabend 18.15 Uhr Vigilfeier. Dreikönigstag: 7 Uhr Frühmesse; 8 Uhr Jugendgottesdienst; 9 Uhr lev. Hochamt mit Predigt und Segen; 10.30 Uhr Singmesse; 14 Uhr Corporis-Christi-Bruderschaftsandacht mit Segen, darauf Opfergang für die Heidenmission und Segnung der Kinder. St. Peter: 7 Uhr Frühmesse; 8.15 Uhr Kindergottesdienst mit Predigt; 9.45 Uhr Hochamt mit Predigt und Segenj 14 Uhr feierliche Vesper mit Segen. St. Paul: 7 Uhr Frühmesse; 8 Uhr Schülergottesdienst; 9.30 Uhr Amt mit Segen; 14 Uhr Corporis-Christi-Bruderschaft. St. Maria: 7.30 Uhr hl. Messe, Philippsburg Kath. Stadtpfarramt. Frei tagt Fest der Erscheinung des Herrn. Kollekte für den Wiederaufbau zerstörter Kirchen. 7.30 Uhr Frühmesse; 9.30 Uhr Hauptgottesdienst mit sakr. Segen; abends 6 Uhr feierliche Vesper mit sakr. Segen. Sonntag: Fest der hl. Familie. 7.30 Uhr Frühmesse mit Gemeinschaftskommunion der Frauen und Mütter; 9.30 Uhr Hauptgottesdienst; 2 Uhr Andacht des Kindheit-Jesu- Vereins mit Krippenopfer der Kinder. Faltdracksachen nicht mehr zulässig Die von der Deutschen Post während des Krieges (1942) eingeführte Vergünstigung für den Versand von Faltbrief Sendungen tritt mit Wirkung ab 31. 12. 1949 wieder auoer Kl-... Die Deutsche Post hat sich trotz nachdrücklicher Vorstellungen aus Kreisen der Wirtschaft (Deutscher Industrie- und Handelstag) nicht dazu verstehen können, diese Vergünstigung auch weiterhin zu gewähren. Die Verschließung von Drucksachen in Faltbriefform durch Klebestreifen haben eine glatte und flüssige Abwicklung des Postdienstes durch die große Menge zu beanstandender Faitsendungen unerträglich erschwert und aufqehalten (VWDl Kind 15 Meter hoch abgestörzt Stuttgart (hpd). In einer in der König- Karl-Straße in Bad Cannstatt gelegenen Woh- nung brachte eine Mutter ihr zweijähriges Kind ins Bettchen. Zwei Stunden später habe sie, so sagt die Mutter, wieder nach dem Kmd gesehen. Nachher soll das Kind aufgestanden, das Fenster geöffnet haben. Vermut- lieh sei es auf den Fenstersims gestiegen und dann aus dem vierten Stockwerk etwa 15 Meter hoch abgestürzt. Das Kind wurde noch in das Krankenhaus verbracht, ist aber am selben Abend seinen erlittenen schweren Verletzungen erlegen. Crrottiuarin in der Südwestbank G. Stuttgart. Ein Kriminalbeamter entdeckte in der Schalterhalle der Südwestbank zwei Mitglieder einer internationalen Taschendiebstahlbande. Um sie verhaften zu können, bat er den Pförtner, ihm telefonisch Verstärkung herbeizurufen. Dabei scheint dieser aber den Alarm ausgelöst zu haben. Jedenfalls konnten sich wenige Minuten später das Überfallkommando, die amerikanische Militärpolizei und die herbeigerufene Verstärkung in der Bank begrüßen und die „schweren Jungen“ abtransportieren. Unsere Sportedie Kunstturnen der Landesriege in Wiesental Durch besondere Bemühungen ist es gelungen, die badische Landes-Kunstturnriege zu einem Schauturnen in den Kreis Bruchsal zu gewinnen. Kreisobertumwart Müller ist mit den Vorbereitungen in Zusammenarbeit mit dem TV 1898 Wiesental, dem die Veranstaltung übertragen wurde, beauftragt. Landes- obertumwart Franz Bach, Wertheim, wird dieses Schauturnen selbt leiten und hat gemeinsam mit dem Landessdiulungsleiter Hafner, Mannheim-Waldhof die Auswahl dei zwölf Mann starken Riege, die sich aus den besten Turnern Badens zusammensetzt, getroffen, Das Schauturnen der Baden-Riege findet am Samstag, 14. Jan. in Wiesental in der Rosenhalle statt. Es ist ein einmaliges Ereignis für Wiesental. Schulungslehrgang der Landesturnriege Am Sonntag, den 15. Januar, wird im Anschluß an das Schauturnen ein Schulungslehrgang der Badenriege in der Rosenhalle unter Leitung von Landeslehrwart Hafner, Mannheim-Waldhof und Landesoberturnwart Bach, Wertheim durchgeführt. Die besten Türner aus Baden werden hier geschult und für einen Länderkampf vorbereitet. Zu diesem Lehrgang darf der Kreis Bruchsal zusätzlich drei Turner abstellen. Es ist zu erwarten, daß sich weitere Turner des Kreises als Zuschauer einfinden, da hierbei viel Lehrreiches für die besten Turner geboten ist. FG Frankonia Bruchsal Am Freitag (Dreikönig) findet im Vereinslokal zum Ochsen, abends 8 Uhr, eine Mit- gUederversammlung statt. Um vollzähliges Erscheinen aller Mitglieder wird gebeten. — Im Anschluß an die Mitgliederversammlung findet die Spielerversammlung statt. Europa - Lichtspiele zeigen CARTER RICHARD GREEME J^äMRTHUR PIERSON A*f«*gss*ii*R< Freitag« Samstag« Sonntag« Montag« 14.15, 16.50, 18.50, 20J0 Uhr 16.30, 18.30, 20.30 Uhr 14.13, 16.30, 18.30, 20.30 Uhr 17.00, 19.00, 21.00 Uhr Brautleute! Verlobte! MÖBELKADF ist Vertrauenssache Bevor Sie Ihren Kauf tätigen, sollten Sie einmal unser reichhaltiges Lager besichtigen. Bitte beachten Sie jetzt auch unsere Ausstellung in Philippsburg bei Schreinermeister Paul Rothermel Möbel «Maertin H HUTTENHEIM Tel. Philippsburg 320 Mehrere Bauplätze *u varkaufen. Auskunft in der Geschäftsstelle des Rhein. Tagblattes, Phiüppsburg, Salmstr. 10. Vierjährige Ziege iu verkaufen. Zu erfrag, im Verlag, Wörthstr. 4 efNiPRINTZ reinigt • färbt «chän wie neu Bruchsal, Wörthstr. 5 Annahmettellen an allen größeren Plätzen. Überschuhe die richtige Schl echt wetter- bekleidung für die ganze Familie 6elosd>en Kinder Damen 4.90 6.90 8.90 EySSER BRUCHSAL. KAIS1RSTR.42 Der Sto» 7 ae r m i i ie Grihner .-TTch'TtQ^iae • Hermann Steidinger Philippsburg (Baden) _Telefon Mr. 282_ Kinderliebes Mädchen in selbständige Stellung, für Arzthaushalt gesucht 1 Schriftliche Angebote unter Nr. 443 an den Verlag der j „Bruchsaler Post“. Peddigrohr-Kinderwagen Peddigrohr - Puppenwagen Peddigrohr-Sportwagen Peddigrohr-Sessel konkurrenzlos billig, stets neue Modelle, unübertroffen in Qualität und Formschönheit liefern wir nur an Privat. Verlangen Sie Angebote, gegen Einsendung von DM -.50 Fotos erhältlich. Auch der weiteste Weg zum Besuch unseres reichhaltigen Lagers lohnt sich. Kinderwagenfabrik SUehmcum PHI LI PPS BURG - BADEN Sötern strafe 10 Telefon 325 T rainingsanzüge mit bunten Stridckragen Trainingshosen in allen Kindergrößen wieder eingetroffen Gesdiw. Friedei BRUCHSAL HEIDELB ER GER STR. 10