BRdCHSALER POST HEIMATBLATT FOR KRAICHGAU UND BRÜH RAIN Jahrgang 2 Dienstag, den 17. Januar 1950 Einzelpreis 15 Pfennig „Der europäische Gedanke soll maßgebend sein!" Der Kanzler vor der Bonner Presse — Am Tage nach dem Scbuman-Besuch Von unserem D N D-Korrespondenten gehört in den Friedensvertrag. Dies ist auch die Auffassung Frankreichs. Was die Regelung der Saargruben- Frage anlangt, so stellte Adenauer die Rechtslage noch einmal klar heraus. Danach gehörten die Gruben bis zum Ende des ersten Weltkrieges zu Deutschland, wurden dann auf 15 Jahre an Frankreich verpachtet und fielen nach der Saarabstimmung durch Kauf an Deutschland zurück. Seit dem Zusammenbruch stehen die Gruben unter Sequester. Sie sind der einzige Reichtum des Saarlandes und fast 35 % der saarländischen Arbeiter stehen in ihrem Dienst. „Wenn die Saargruben — wie geplant — auf 50 Jahre an Frankreich verpachtet werden, kommt dies einer Veräußerung gleich und beraubt das Saarland seiner Selbständigkeit, das mit fast der Hälfte seiner Kohlenproduktion an Deutschland als Wirtschaftspartner gebunden ist. Bundeskanzler Adenauer wies in diesem Zusammenhang auch auf den Artikel 134 des Grundgesetzes hin, das von den Westalliierten — also auch von Frankreich — in seinem Text „Mehr als nur Verständigung" Frankreichs Außenminister in Berlin Berlin (DND). Der französische Außenminister Schuman ist am Montag vormittag in Berlin eingetroffen. Er wurde auf dem Bahnhof Tegel vom französischen Stadtkommandanten, General Ganeval und Bürgermeister Dr. Friedensburg empfangen. Schuman sagte bei seiner Ankunft: „Die Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland ist bereits mehr als eine bloße Verständigung. Wir haben eine echte, immer weiter fortschreitende Zusammenarbeit zwischen den beiden Völkern erreicht.“ Im Laufe des Vormittags empfing der französische Außenminister namhafte Berliner Politiker zu persönlichen Besprechungen. Von Oberbürgermeister Reuter und Stadtver- ordneten-Vorsteher Dr. S u h r ließ er sich über die gegenwärtige Lage der Stadt berichten. Im Anschluß daran sprach er mit Frau Bürgermeister Louise Schröder und Bürgermeister Dr. Friedensburg sowie mit den Berliner Partei Vorsitzenden- Franz N e u m a n n (SPD), Dr. Schreiber (CDU) und Carl Schwennicke (FDP). Oberbürgermeister Reuter und Dr. Suhr nahmen auch an dem Empfang teil, den General Ganeval für den französischen Außenminister gab. Auch die Kommandanten des britischen und des amerikanischen Sektors von Berlin waren mit ihren politischen Beratern unter den Gästen. Korruptionsskandal „May und andere" August Meyer leitete mindestens 38000 DM Bestechungsgelder weiter — Heinz May ließ sich ein Auto schenken — Eine Pressekonferenz im Staatsministerium genehmigt wurde und das ehemalige Reichseigentum der deutschen Bundesrepublik zuspricht. Zum Abschluß der großen Pressekonferenz, die einerseits den heißen Wunsch des Bundeskanzlers zum Ausdruck brachte, mit Frankreich und Gesamteuropa in ein für alle Teile gutes Verhältnis zu kommen, die aber andererseits auch keinen Zweifel darüber ließ, daß Deutschland nicht bereit ist, sich etwas „abhandeln“ zu lassen, was ihm rechtlich zusteht, erklärte Dr. Adenauer: „Zwischen Frankreich und Deutschland sind noch viele Gräben zu überbrücken, noch manche Hindernisse wegzuräumen. Wenn auf beiden Seiten guter Wille herrscht und das europäische Interesse an erster Stelle steht, werden wir die Schwierigkeiten meistern können.“ * Bundeskanzler Dr. Adenauer empfing am Montag 15 amerikanische Journalisten, die sich auf einer Europareise befinden, um die Auswirkung des ERP zu studieren. Der französische Außenminister betonte bei seinen Unterhaltungen mit den Berliner Politikern, daß er nicht als Privatmann, sondern als Vertreter Frankreichs gekommen sei, um mit seinem Besuch die französische Haltung gegenüber Deutschland und Berlin zu dokumentieren. Die Gespräche haben sich, wie der Berliner FDP-Vorsitzende Schwen- nicke mitteilte, besonders ayf das deutschfranzösische Verhältnis bezogen. Übereinstimmend sei festgestellt worden, die Situation für eine Verständigung zwischen den beiden Völkern sei heute günstiger als vor 25 Jahren. Schuman habe in diesem Zusammenhang betont, daß lediglich die französischen Kommunisten wegen ihrer hypernationalistischen Einstellung die deutsch-französische Verständigung erschweren. General de Gaulle stehe dagegen diesen Gedanken durchaus positiv gegenüber. Am Nachmittag besichtigte Schuman die Stadt, wobei er auch den sowjetischen Sektor durchfuhr. Er wurde bei dieser Rundfahrt von zahlreichen Berlinern freudig begrüßt, von Kommunisten dagegen mit Schimpfworten empfangen. Am Abend gab die französische Militärregierung in Berlin zu Ehren des Außenministers einen Empfang, zu dem auch die Spitzen der sowjetischen Verwaltungsbehörden in Deutschland, die Generale Tschuikow und Kotikow eingeladen wurden. v.W. Bonn. „Uber allen Fragen, die das sich anbahnende Freundschaftsverhältnis Deutschland-Frankreich berühren, muß das Problem eines vereinten Westeuropas stehen. Gerade unter der Saarfrage darf die Vereinigung Europas keinesfalls leiden, denn der europäische Gedanke soll der maßgebende bleiben.“ Mit dieser, mit großem Emst vorgetragenen Feststellung schloß Bundeskanzler Dr. Adenauer die Pressekonferenz, die er am Montag, am Tage nach der Abreise des französischen Außenministers Schuman aus Bonn hielt. Man müsse, so führte der Kanzler zu Beginn der Konferenz aus, die im Zusammenhang mit dem Besuch Schumans erörterten Dinge „mit Vorsicht und Zurückhaltung“ behandeln. Es seien rein informatorische Besprechungen gewesen, aus denen sich die Schwierigkeiten ergeben hätten, die in Frankreich wie in Deutschland innen- und außenpolitisch bestünden. „Schuman und ich haben sich als ,alte Bekannte“ ausgesprochen“, sagte Dr. Adenauer, und betonte weiter, daß man «war in vielem eine Übereinstimmung erzielen konnte, daß aber anderes offen geblieben sei und somit der Zukunft überlassen werden müsse. „Jedenfalls haben wir uns zwei Stunden ganz allein und sehr herzlich unterhal« *«n.“ Sicherheit für beide Während bisher nur immer von einer Sicherheit für Frankreich im Hinblick auf Deutschland die Rede gewesen sei, habe der französische Außenminister von sich aus nunmehr auch die Frage der Sicherheit Deutschlands angeschnitten und erklärt, daß für diese diejenigen die Verantwortung zu tragen hätten, die Deutschlands Entwaffnung durchführten. Auch über die gemeinsamen kulturellen, geistigen und wirtschaftlichen Probleme zwischen den beiden Nachbarn sei gesprochen worden. Man besitze nun einmal eine gemeinsame kulturelle und geistige Basis, auf der in der Zukunft weitergebaut werden müsse. Aber es gäbe auch wirtschaftliche Fundamente, auf denen sich — vom europäischen Standpunkt aus gesehen — ein möglichst weitgehender Güteraustausch in „unserem kleinen Europa“ errichten lassen müßte. Der französische Außenminister und der deutsche Bundeskanzler hätten Übereinstimmung darüber erzielt, daß sich die Liberalisierung des europäischen Handels nur in einer Gemeinschaft zwischen Frankreich, England, Italien, den Beneluxstaaten und Deutschland ermöglichen lasse. Adenauer zur Saarfrage Einen besonders breiten Rahmen in den Ausführungen des Bundeskanzlers nahm die Erörterung der Saarfrage ein. Der Kanzler sah in den Erklärungen der Saarregierung kurz vor Beginn der Aussprache Schuman- Adenauer einen Versuch, diese Besprechungen zu stören. Durch diese Erklärungen sei die Saarfrage ohne Absicht der beiderseitigen Regierungen in den Vordergrund geschoben worden. „Die Saarfrage“, so sagte Adenauer, „ist im Augenblick noch nicht reif für eine Regelung, die erst bei eifter weiteren Normalisierung des Verhältnisses zwischen Deutschland und Frankreich und der europäischen Frage allgemein möglich sein wird.“ Wenn das Saarproblem bei den Besprechungen der Saarregierung in Paris in den ersten Tagen des Februar auf die Tagesordnung komme, müsse man annehmen, daß dabei zwei Punkte im Vordergrund stünden: 1. werde di« Saarregierung wahrscheinlich eine größere Autonomie verlangen, während 8. eine Regelung der Saargrubenfrage angeschnitten werden dürfte. Zu Punkt 1 sei vom deutschen Standpunkt aus kein abschließendes Urteil möglich, solange man nicht wisse, was die Saarregierung eigentlich wolle. Deutschland könne absolut damit einverstanden sein, solange die Forderung nach einer größeren Autonomie nichts anderes bedeute, als eine größere Freiheit von der jetzigen Militärrregierung, in dem Sinne etwa, wie sie Westdeutschland bereits durch die allüerten Hohen Kommissare zugestanden werde. Wenn aber die Saarregierung unter einer größeren Autonomie“ etwa eine Loslösung des Saargebietes von' Deutschland anstrebe, dann müsse sich die deutsche Regierung hinsichtlich der Saar auf den gleichen Standpunkt stellen, den sie bezüglich der Oder-Neiße-Linie immer wieder betone: die endgültige Festlegung der deutschen Grenzen K.W. Stuttgart. Der „Fall May und andere**, der sich zum Korruptionsskandal entwickelte, hat viel Staub aufgewirbelt. Es ist schon viel darüber geschrieben worden, obwohl von der Landespolizei und der Staatsanwaltschaft noch keine offiziellen Verlautbarungen ausgegeben wurden. Um die Presse zu informieren, hatte die Direktion der Landespolizei zu einer Konferenz *in das Staatsministerium eingeladen, bei der auch Vertreter der Staatsanwaltschaft und der kommissarische Leiter des Befreiungsministeriums, Ministerialrat Ströhle, anwesend waren. Der kommissarische Leiter der Landespolizei, Oberregierungsrat Hoffmeister hob mit besonderer Betonung hervor, daß niemand geschont und daß jeder, der gefehlt habe, dem gerechten Richter zugeführt werde. Um es von vornherein zu sagen: Der Umfang, den der „Korrunptionsskandal May und andere“ annehmen wird, kann heute noch nicht annähernd erkannt werden. In Haft befinden sich der ehemalige Chefkläger der Zentralspruchkammer Ludwigsburg, Heinz May, der Inhaber des Vermittlungsbüros gleichen Namens, August Meyer, Nürtingen und der frühere Vorsitzende der Spruchkammer Ludwigsburg, Robert Keßler. Weil keine Verdunklungsgefahr besteht, wurden die ehemalige Sekretärin Mays, Schmötzer, und Dr. Fichtner wieder aus der Haft entlassen. Aus dem Fall ist bereits bekannt, daß der frühere Flüchtlingskommissar Ernst Stok- k i n g e r, eine sehr umstrittene Person, durch eine Anzeige bei der Landespolizei den Skandal ins Rollen brachte. Inwieweit er sich dadurch selbst in die Tinte gesetzt hat, ist noch nicht abzusehen. Zu den Personen, die verdächtigt und beschuldigt werden, wird noch sehr viel zu sagen sein. Im übrigen wurde bei den Hausdurchsuchungen nur belastendes Material bei August Meyer gefunden, jedoch keine Spruchkammerakten, sondern nur Handakten. von ihnen aber 1035 Stücke. Diese Aktenstöße müssen natürlich zuerst durchgearbeitet werden, um weitere Anhaltspunkte zu gewinnen. Neben der Durchsicht dieser Akten, die sehr gewissenhaft erfolgt, sind langwierige Vernehmungen notwendig, so daß man es verstehen kann, wenn die Landespolizei und die Staatsanwaltschaft offiziell bisher noch nichts bekantgeben konnten. Daß August Meyer mindestens 3 8 3 0 0 DM Bestechungsgelder angenommen und an Heinz May und andere weitergeleitet, Heinz May sogar ein Auto geschenkt hat, spielt in der allgemeinen Beurteilung eigentlich eine untergeordnete Rolle. Vielmehr hat die Öffentlichkeit ein Recht darauf, zu erfahren, wie ein Skandal mit einem solchen Umfang überhaupt möglich war. Lag es an der Aufsichtspflicht oder allein an den Menschen, die in der überstürzenden Nachkriegszeit auf Posten berufen wurden, auf die sie nicht hingehörten? Ungezählte Fragen wurden von seiten der Pressevertreter in der sich stundenlang hinziehenden Konferenz an die Landespolizei, an die Staatsanwaltschaft und insbesondere an Ministerialrat Ströhle gerichtet. Es zeigte sich sofort, daß sich die Presse in eigener Initiative mit diesem Korruptionsfall befaßte, selbst Recherchen anstellte und so manche Frage vorbrachte, die der Polizei wie auch der Staatsanwaltschaft wertvolle Fingerzeige für di« Weiterbehandlung der Verfahren gab. Es Fortsetzung auf Seite 2 Labour in der Krise London (DND). In der britischen Öffentlichkeit hat bereits jetzt, fünf Wochen vor den Unterhauswahlen, das Rätselraten um die neue Besetzung der Ministerposten begonnen. Im Mittelpunkt der Erörterung steht dabei der Nachfolger Außenminister B e v i n s. Man nimmt hier allgemein an, daß Bevin wegen seines schlechten Gesundheitszustandes auch bei einem Laboursieg seinen Posten zur Verfügung stellen wird. Die Vorverlegung der englischen Parlamentswahlen, die ursprünglich für Sommer oder Herbst dieses Jahres geplant waren, bedeutet an sich schon ein Schwächezeichen der Attlee-Regierung. Sie gibt damit die Hoffnung auf, ihr Sozialisierungsprogramm in der Stahlindustrie und die Reform des Oberhauses noch durchzubringen. Gleichzeitig ist auch die Frist bis zum 2 3. Februar zu kurz, um noch durch einige Wahlschlager über die Erfolglosigkeit der mit der Pfundabwertung eingeleiteten Maßnahmen des Wirtschaftsministers C r i p p s hinwegzutäuschen. Die Lage der Labour-Regierung kurz vor den Wahlen ist gekennzeichnet von einer tiefen Resignation und Müdigkeit der maßgebenden Männer. Ihre physischen und geistigen Kräfte sind verbraucht und anscheinend ist auch die große Kraftreserve der Partei an jungen, unternehmenden Politikern von dem harten Kampf um die Überwindung der Nachkriegsschwierigkeiten zerrieben worden. Schon bei den Parteitagen des Jahres 1948 und 1949 zeigten sich deutlich eine Vergreisung der Führung und ein Mangel an Ersatzmännern von Format. Das Fehlen neuer zugkräftiger Namen in der Labourpartei kann vielleicht bei den kommenden Wahlen den Ausschlag geben. Die Korrespondenten ausländischer Blätter berichten übereinstimmend, daß es diesmal nicht um Dogmen und Ideologien, sondern um Persönlichkeiten gehen wird. Die Konservativen rechnen anscheinend mit Recht auf die politische Magenverstimmung, die sich die Wählerschaft an dem zwangsweisen Genuß von Proklamationen, Programmen, Plänen und Reglementierungen des Labour-Regi- mes geholt hat. Das von Labour angepriesene Allheilmittel der Wirtschaftsplanung wirkt bei dem Engländer, dessen Lebensstandard in den vergangenen Jahren ständig gesunken ist, allmählich wie ein Brechmittel. Man anerkennt nach wie vor den guten Willen des sympathischen und milden Clemens A 111 e e, gleichzeitig aber sehnt man sich nach der Frische einer neuen Persönlichkeit, die als „deus ex machina“ das englische Volk aus der tristen Atmosphäre der Crippschen „Austerity“ herausreißen könnte. Es ist verständlich, daß sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wieder der strahlendsten Erscheinung der politischen Bühne Englands und Europas zuwendet: Winston ChurchilL Die Presse des Beaverbrook- Konzerns hat die Stimmung des Volkes richtig erfaßt, wenn sie in einer Umfrage bei ihrer Leserschaft nicht nach dem parteipolitischen Bekenntnis, sondern nach dem neuen Ministerpräsidenten fragt. Churchill hat auch mit dem feinen Gefühl des politischen Routiniers eine Kur durchgemacht, die offensichtlich für sein Auftreten bei dem Wahlkampf der nächsten Wochen bestimmt ist. Sonnengebräunt, ausgeruht, scheinbar höheren Dingen als der Tagespolitik zugetan, so schreibt ein Korrespondent aus London, erscheine Churchill nach seinen Winterferien auf Madeira in London, um sich mit jugendlichem Feuer in das Schlachtgetümmel um die Stimme des Wählers zu werfen. Bei näherem Zusehen zeigt es sich jedoch, daß weder die müden Labourleute noch die ausgeruhten Konservativen dem englischen Volke zugkräftige Wahlparolen bieten können. Der große Plan der Labour-Regierung, dem englischen Volke mit Hilfe der sozialistischen Planwirtschaft ein besseres Leben zu bereiten, ist gescheitert. Der Reichtum der britischen Nation, der sich dem englischen Proletarier in früheren Zeiten im Glanz der adligen Grundbesitzer und reichen Industrie- Unternehmer provozierend darbot, sollte verteilt und demokratisiert werden. Es sollte ein Wohlfahrtsstaat entstehen, in dem alle den gleichen Anteil an den Produkten der Wirtschaft haben. Ehe jedoch die Labourpartei, die ihre nichtmarxistische Herkunft zu betonen pflegt, an die Verteilung des vermeintlichen Reichtums gehen konnte, war der sprichwörtliche Wohlstand des britischen Weltreiches inzwischen durch zwei große Dienstag, den 17. Januar 1950 Kriege aufgefressen worden. Die politischen Gegebenheiten der Nachkriegszeit stimmten nicht mehr mit den Voraussetzungen des La- bour-Programms überein. Die Guthaben der Londoner Kaufhäuser in den englischen Besitzungen über den sieben Meeren hatten sich ln Schulden verwandelt und die Regierung wurde schließlich gezwungen, selbst am Ausverkauf des einstigen Empires mitzuwirken. Die Sozialisierung der großen Industrien brachte dem Arbeiter nicht den erhofften Mehrgewinn v und schließlich läuft jedes Wirtschaftsprogramm der Labour-Regierung auf die Forderung hinaus: mehr arbeiten und weniger verdienen. Die englische Wählerschaft darf auch von einer konservativen Regierung oder von Win- ston Churchill nichts wesentlich anderes erwarten. Die Programmschrift der .Konservativen aus dem Jahre 1948 „Der rechte Weg für England“ macht kein Geheimnis daraus, daß die Konservativen im wesentlichen an den bereits durchgeführten Sozialisierungen ihrer Vorgänger in der Regierung festhalten werden. Sie versprechen lediglich, daß sie die Auswüchse und Entartungen der Planwirtschaft auf ein Mindestmaß herabsetzen wollen. Dazu gehört in erster Linie eine durchgreifende Verwaltungsreform, die der ange- , schwollenen Bürokratie den Garaus machen soll, und eine Steuerreform, die insbesondere dem Unternehmer, ähnlich wie in Deutschland, die Anregung geben soll, Kapital und damit Unternehmungsgeist und Initiative zu entwickeln, anstatt eine Unkostenwirtschaft zu betreiben, die im Endergebnis einer allgemeinen Politik der Steuerhinterziehung gleichkommt. Die Konservativen bilden sich nicht ein, einer kleinen Oberschicht wieder zu ihren früheren Pfründen zu verhelfen. Das Gefühl für die Demokratie ist auch beim englischen Adel und in den besitzenden Schichten so stark entwickelt, daß es sich die Konservativen nicht einfallen lassen werden, das Rad der Geschichte zurückzudrehen. F.B. Hoffnungslos festgefahren Verhandlungen Wien—Moskau abgebrochen Wien (DND). Die Verhandlungen zwischen der Sowjet-Union und Österreich über gegenseitige Forderungen sind am Montag abgebrochen worden. Die Sowjet-Union fordert von Österreich 155 Millionen Schilling für Lieferungen und Dieftstleistungen seit Kriegsende. Österreichs Gegenforderungen belaufen sich auf 240 Millionen Schilling für zivile Besatzungskosten. Diese Forderungen sollten vor der Wiederaufnahme der Viermächte-Bespre- chungen in London über den österreichischen Staatsvertrag geklärt werden. Die Österreichische Regierung will den Sonderbeauftragten in einer Note mitteilen, daß die Besprechungen hoffiiungslos festgefahren seien. Korruptionsskandal »May und andere" Fortsetzung von Seite 1 ging der Presse in erster Linie darum, den Lesern und damit der Öffentlichkeit einmal konkrete Angaben machen zu können. Sie will dies aber nur insoweit tun, als dadurch kein Eingriff in die schwebenden Verfahren erfolgt. Es interessiert die Öffentlichkeit wenig, daß May bis zur Stunde überhaupt noch nichts zugegeben hat, daß aber Meyer und andere bereits Zugeständnisse gemacht haben. Dagegen kann die Öffentlichkeit jetzt erfahren, daß soundsoviele mit dicken Geldbeuteln durch ihre Finanzkraft erreichten, daß sie als vom Befreiungsgesetz Betroffene ein milderes Urteil vor der Spruchkammer erreichten. Der kleine Postbeamte beispielsweise, der vielleicht auf Verlangen seines Vorgesetzten in die Partei eintrat, wurde aus dem Dienst entlassen und auch sonst hart angefaßt. Der Fabrikant aber, der allein aus egoistischen Gründen zur Partei stieß, vielleicht große Geldbeträge spendete und dadurch die Ziele des nazistischen Regimes ganz wesentlich unterstützte, wurde zum Mitläufer erklärt, behielt seine Position und sein Geld. Dazu kommt, daß die Bestechungsgelder zu einer Zeit gegeben wurden, als man gerade in Württemberg das Befreiungsgesetz genau nach dem Buchstaben durchführte. Inzwischen ist aber — schon durch die Amnestiegesetze — eine ganz wesentliche Milderung eingetreten, so daß jetzt für die am Korruptionsfall Beteiligten wesentliche Erleichterungen ein- treten. Natürlich werden diese Beteiligten erneut vor eine Spruchkammer zitiert und sie werden strafrechtlich verfolgt Wer trägt die Kosten? Diese Frage beantwortete der Oberstaatsanwalt, indem er sagte, daß in vielen Fällen Strafmaß und Unvermögen die Kosten nie decken, daß vielmehr die Staatskasse be-. zahlen muß, und wenn die Staatskasse bezahlt, dann handelt es sich immer um Gelder der Steuerzahler. Die Konfusionen in diesem umfangreichen Korruptionsfall dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Deshalb ist es auch absolut zweckmäßig, in den Veröffentlichungen wenigstens insoweit Zurückhaltung zu üben, als dadurch die Ermittlungen nicht gestört werden. Der Personenkreis ist — wie gesagt — sehr umfangreich. Es sind natürlich heute schon viele Personen verdächtigt, womit aber nicht gesagt ist, daß sie auch Beschuldigte sind. Oberregierungsrat Hoffmeister erklärte, er rechne damit, daß die Ermittlungen vielleicht noch im Laufe des Monats Januar abgeschlossen und der Staatsanwaltschaft zugeleitet werden können. Wir werden also bald die Namensliste erfahren. Commonwealth vor schwierigen Problemen Bevin sprach in Colombo über den Plan zur gegenseitigen Unterstützung Ctlombo (DND). Hier wurde am Montag die erste Konferenz der asiatischen Mitglieder des Internationalen Arbeitsamtes eröffnet. Hauptgegenstand der Besprechungen sind Pläne für die soziale and wirtschaftliche Entwicklung in Asien. Der britische Dominien- mmister Noel Baker sagte die Hilfe Großbritanniens zu. Der englische Außenminister Bevin sprach über die Bedeutung des Plans für gegenseitige wirtschaftliche Unterstützung der Commonwealth-Staaten, der auf der hiesigen Konferenz von Australien eingebracht worden war. Bevin sagte u.a.: „Es ist von ausschlaggebender Wichtigkeit, daß das Commonwealth zur Unterstützung einer geradlinigen Außenpolitik eine geradlinige Wirtschaftspolitik verfolgt.“ Er betonte, der Plan werde in Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen, zum Beispiel der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Asien und den Fernen Osten, durchgeführt werden. Weiter gab Bevin bekannt, daß Großbritannien seit dem Kriege für die Entwicklung dieser Gebiete in Form von Anleihen, Krediten und Freigabe von Sterlingkonten 750 Millionen Pfund Sterling.zur Verfügung gestellt habe. Der Plan sehe in erster Linie Hilfeleistungen an Südostasien vor, doch könne er auch auf Pakistan, Indien und Ceylon ausgedehnt werden. Bevin gab ferner bekannt, daß in London ein Arbeitsausschuß zusammentreten werde, um die verschiedenen Ansichten der Außenminister über den japanischen Friedensvertrag auf eine gemeinsame Formel zu bringen. * Die Konferenz in Colombo hatte ein so umfangreiches Programm, daß sehr viele Fragen von vornherein nur angeschnitten, nicht aber geklärt werden konnten. Ursprünglich war sie zur Klärung der Ansichten über einen Friedensvertrag mit Japan einberufen worden. Aber diese Frage hat bei den Verhandlungen dann nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt. Stattdessen mußte man sich sehr eingehend mit der Anerkennung Rot- Chinas befassen. Gerade in dieser Hinsicht herrscht innerhalb des Commonwealth keinerlei Solidarität. Kanada und Südafrika sind sehr kommunistenfeindlich eingestellt und werden sich nur unter schwersten Bedenken dem Mutterland in der Anerkennung Rot-Chinas anschließen. Was Kanada allein anbetrifft, so dürfte es sich mehr nach den USA als nach England richten. Australien und Neuseeland haben sich erst jüngst wieder eine konservative Regierung gegeben, deren Vertreter den Wahlkampf gegen Labour vor allem mit antikommunistischen Parolen geführt haben. Eine allzuschnelle Anerkennung Rot-Chinas würde die Wähler verstimmen. Ein weiteres Problem bildete die Frage der Verteidigung Hongkongs, falls die chinesischen Kommunisten zum Angriff übergehen sollten. Noch hofft London, durch die freundliche Geste der Anerkennung Pekings das Schlimmste verhüten zu können. Immerhin muß man sich mit allen Eventualitäten vertraut machen. Während nun Australien und Neuseeland Hongkong gehalten wissen wollen, betrachtet Pandit Nehru als Vertreter Indiens ein britisches Hongkong als Dorn im asiatischen Fleische. Ob er lieber die Kommunisten als die Briten in Hongkong sähe, sei freilich dahingestellt Daß gerade die Frage der Bildung einer Abwehrfront einen breiten Raum in den Gesprächen von Colombo einnahm, steht außer Zweifel. Die treibenden Kräfte sind hier Australien und Neuseeland. England scheint neuerdings auf eine politische Abwehrfront mit Rücksicht auf die angestrebt«! guten Wirtschaftsbeziehungen zu Rot-China verzichten zu wollen. So wird von einer wirtschaftlichen Abwehrfront gesprochen, das heißt, man will die bedrohten Gebiete wirtschaftlich so weit entwickeln, daß die Bevölkerung gegen jede Art von Radikalismus gefeit ist. Doch bis dahin dürfte noch ein weiter Weg sein. Was die Colombo-Konferenz im einzelnen erbrachte, wird der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt werden, da Kommuniques weniger das sagen, was erreicht wurde, als das, was man erreichen wollte. Daß jedoch das Jahr 1950 für das britische Commonwealth sehr hart und kritisch werden wird, steht wohl außer ZweifeL T. B. Paris protestiert in Peking US-Bot schaff er Jessup bei Tschiankaischek Peking (DND). Die französische Regierung sandte am Montag an die kommunistischen Behörden in China einen scharfen Protest wegen der Beschlagnahme des Eigentums des französischen Konsulats in Peking. Die holländische Regierung, deren Eigentum auch beschlagnahmt wurde, hat ihren Vertreter in Peking beauftragt, gleichfalls Protest einzulegen. Der amerikanische Sonderbotschafter Jessup hatte, wie aus Hongkong gemeldet wird, am Montag auf Formosa eine lange Unterredung mit Generalissimus Tschiangkaischek. „Elsie brach Blockade .Nach einem erfolgreichen Durchbruch durch die nationalchinesische Blockade von Schanghai, der dem englischen Frachtschiff „Elsie Möller“ gelang, und der ln Hongkonger britischen Kreisen die größte Genugtuung auslöste, erklären dortige englische Marinestellen, daß sie gesonnen seien, den Riegel vor Schanghai nunmehr endgültig zu zerschlagen. Der Kapitän des Schiffes, Oliver Gatehouse, machte in einem Funkspruch über die erfolgreiche Fahrt des Blockadebrechers keine Mitteilung darüber, daß er auf Minen gestoßen sei. Man vermutet daher, daß die Meldung über die Verminung ein Bluff der nationalchinesischen Regierung war. Sowjet-Delegierte verließen drei UN-Sitznngen N e w Y o r k (DND). Delegierte der Sowjetunion und des Sowjetblocks verließen am Montag wegen der Anwesenheit der Delegierten der chinesischen Nationalregierung drei Sitzungen der Vereinten Nationen. Rußland setzte auch sein«! Boykott gegen die sogenannte Kleine Versammlung der Vereintem Nationen fort, in der der Brasilianer Dr. Mu- nez zum Präsidenten gewählt wurde. Der jugoslawische Delegierte war gleichfalls nicht anwesend. Polnische Polizei versiegelt französische Institute Paris (DND). Nach einer Meldung der französischen Nachrichtenagentur soll die polnische Polizei die französischen Institute in Warschau, Lublin, Posen, Krakau und Danzig durchsucht und versiegelt haben. Archive und verschiedene Aktenstücke seien dabei von der Polizei mitgenommen worden. Das polnische Innenministerium teilte der französischen Botschaft in Warschau mit, daß weitere 21 französische Staatsangehörige aus Polen ausgewiesen worden seien. Konzessionen in Agrarreform-Frage? de Gasperi und die liberalen Großgrundbesitzer Rom (DND). Bei den bisherigen Verhandlungen de Gasperis über die Bildung einer neuen italienischen Regierung sind keine besonderen Schwierigkeiten aufgetreten, de Gasperi erklärte, das neue Kabinett werde noch in dieser Woche zustande kommen. In unterrichteten hiesigen Kreisen vermutet man, daß wieder eine Koalition zwischen den Christlichen Demokraten, den Saragat-Sozia- listen, den Republikanern und den Liberalen gebildet wird. Zweifel sollen nur noch über die Haltung der Liberalen Partei bestehen, der die Großgrundbesitzer angehören. Ursprünglich hatten die Liberalen abgelehnt, sich an der Regierung zu beteiligen, de Gasperi wird daher in seinem wichtigsten Programmpunkt, der Agrarreform, gewisse Konzessionen machen müssen, um die liberalen in seine Regierung hineinzubringen. Ägypten besteht aof Zurückziehung der britischen Truppen Kairo (DND). Das neue ägyptische Parlament wurde am Montag von König F a r u k eröffnet. In der Thronrede, die von dem Ministerpräsidenten Nahas Pascha verlesen wurde, heißt es, die ägyptische Regierung sei entschlossen, so bald als möglich die Zurückziehung der britischen Truppen aus dem Niltal zu erreichen und die Einheit des gesamten Niltals unter der ägyptischen Krone sicherzustellen. Ferner wurde die Aufhebung des Ausnahmezustandes bekanntgegeben, der in Ägypten seit Beginn der jüdisch-arabischen Kampagne um Palästina in Kraft war. Weiter wird in der Thronrede betont, daß Ägypten sowohl mit der arabischen Liga als auch mit den Vereinten Nationen stärker Zusammenarbeiten werde. mm lllll Sartre im Jungen Theater Stuttgart Ist es wirklich die Hölle oder ist es unsere eigene ausweglose Existenz, die uns Sartre in der „Geschlossenen Gesellschaft“ vorführt? Drei Menschen, ewig verdammt, erwarten eine mittelalterliche Höllenszenerie mit Folterqualen und ewigem Feuer, aber es geschieht — nichts. Auch in diesem Stück geschieht nichts. Freilich drei Menschen reden. Der Journalist Garem, von Michael Kon- stantinov, die Kindesmörderin Estelle, von Marlis Schlechter, und Ines, von Rosemarie Gerstenberg verkörpert, erzähl«! ihre Vergangenheit, klagen sich an, verzweifeln an sich, aber das alles ist nicht wichtig (weniger wichtig als es die Darsteller selbst empfanden). Wichtig ist nur, daß rundum das Nichts Ist, daß es keinen Ausweg gibt, daß überall verschlossene Türen sind, daß auch das Morden und Tötdh nichts hilft, daß es nur eine Möglichkeit gibt: „Weitermachen“ — weitermachen im Nichts. Das Junge Theater hatte den Mut, an dem Abend, an dem es uns in „Die geschlossene Gesellschaft“ einführte, auch noch mit der „Ehrbaren Dirne“ („La putain respec- tueuse“ — auf dem Theaterzettel merkwürdigerweise mit „respektvolle“ Dirne übersetzt) bekannt zu machen. Wir lernten aber wiederum eine Gesellschaft kennen, oder besser gesagt, die menschliche Gesellschaft, an der insgesamt nicht viel Ehrbares festzustellen ist, und wo es — echt Sartre — nichts gibt, was überzeitlichen, metaphysischen Wert hat Um das zu zeigen, führt er uns diesmal in die amerikanischen Südstaaten mit ihr«n Gegensatz zwischen Schwarz und Weiß. Herta Schmähl verkörperte temperamentvoll die Dime und Waldemar Dannenhaus den leichtlebigen Sproß einer angesehenen Familie. Jonny Goertz als verfolgter Neger begeisterte durch Mimik und Gestaltungskraft. Karl Eberhard war in gleicher Weise wohlwollender Vater eines ungeratenen Sohnes wie Vertreter staatlicher Rechtsordnung und Autorität Das Publikum dankte durch reichen Beifall. W. Am Aantfs bemerkt JEr entriß dem Himmel den Blitz, den Ty* rannen das Szepter“. In diesem oft zitierten Satz wurden die Leistungen Benjamin Franklins zusammengefaßt, der als Wissenschaftler ebenso wie als Politiker, Schriftsteller und Philosoph zu den markantesten Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts gehört. Benjamin Franklin wurde aml7. Januai 1 7 0 0 in Boston als zehntes Kind eines Kerzenziehers und Seifensieders geboren. Nach Vollendung seiner recht dürftigen Schulbil- dimg betätigte er sich in dem Zeitungsbetriefc seines Halbbruders James und entwickelte sich hier schnell zu einem reifen, intellektuellen Menschen, dessen Aufsätze und Artikel Bald Aufsehen in der Öffentlichkeit erregten 1729 kaufte er sich schließlich eine eigene Zeitung, die „Pennsylvania Gazette“, ein unbedeutendes Wochenblatt, das er in kürzester Zeit'in eine lebendige, unabhängige, äußerst unterhaltsame Zeitung verwandelte, die die höchste Auflage von allen amerikanischen Zeitungen erreichte. In den Jahren zwischen 1747 bis 1751 wandte er sich mehr und mehr wissenschaftlicher Forschungsarbeit zu. Bis in sein hohes Älter beschäftigte er sich in seiner Freizeit mit Problemen der Physik, vor allem mit denen der Elektrizität, über die damals noch recht wenig bekannt war. In seinen berühmten Versuchen mit dem Papierdrachen, den er während eines Gewitters steigen ließ, wies er die elektrische Ladung von Wolken nach und ging als Erfinder des Blitzableiters in die Geschichte ein. Er war es auch, der im Zuge seiner Forschungsarbeiten jene „wunderbare Wirkung zugespitzter Körper, elektrisches Feuer sowohl anzuziehen als auch abzustoßen“, erkannte. Für seine Verdienste als Wissenschaftler wurden Franklin alle Ehrungen zuteil, die zu seiner Zeit zu vergeben waren. Seine größte Bedeutung aber erlangte Benjamin Franklin auf politischem Gebiet. Bereits im Jahre 1748 wurde er in den Stadtrat von Philadelphia berufen und von 1750 an 14 Jahre hindurch in das Parlament von Pennsylvanien gewählt. Mitglied des amerikanischen Kongresses und Gesandter in Frankreich waren die nächsten Stufen seiner politischen Karriere. Er wirkte bei der Ausarbeitung der Unabhängigkeits- erklärung mit und war entscheidend an dem Zustandekommen des Pariser Friedensvertrages beteiligt, mit dem Großbritannien die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten anerkannte. Auch zu der Verfassunggebenden Versammlung, die 1787 die amerikanische Verfassung schuf, wurde er hinzugezogen. Im April 1790 schloß Benjamin Franklin für immer die Augen. Er hatte sein ganzes Leben der Belehrung seiner Mitbürger gewidmet, gegenseitige Duldung gepredigt und sich bemüht, die Anerkennung der Vernunft in jedem einzelnen Menschen wachzurufen, denn „Vernunft war der Zauber, womit Franklin den Himmel und die Erde bezwang..." Diplomatenempfang bei Henss Vertreter von 12 Staaten auf Viktorshöhe Von unserem D N D - K orrespondenten v.W. Bonn. Am Montag nachmittag empfing Bandespräsident Henss auf Viktorshöhe die Leiter von zwölf diplomatischen Missionen, die bei den Hohen Kommissaren auf dem Petersberg akkreditiert sind. Der Doyen des in Bonn beglaubigten Diplomatischen Corps, Generalleutnant Pope, zugleich Chef der kanadischen Mission, drückte den Wunsch der ausländischen Missionen aus, die Beziehungen zwischen der deutschen Bundesrepublik und den von den zwölf Diplomaten vertretenen Ländern in der Zukunft mehr und mehr za vertiefen. Die ausländischen Diplomaten hätten „mit Genugtuung“ davon Kenntnis genommen, daß die Bundesrepublik an einer Reihe internationaler Körperschaften teilnehme und dazu übergegangen sei, konsularische Vertretungen in anderen Ländern zu ernennen. Generalleutnant Pope, der den Bundespräsidenten mit „Exzellenz“ anredete, sagte wörtlich: „Wir begrüßen diese Entwicklung“ und versicherte dem Bundespräsidenten jegliche Unterstützung, die zur Erfüllung der Aufgaben der deutschen Vertretungen im Ausland notwendig sei. Der Bundespräsident dankte den Diplomaten für ihren Besuch und hob die besondere Bedeutung des heutigen Tages mit dem Hinweis hervor, daß damit die Abgeschlossenheit Deutschlands von der Welt „allmählich ihr Ende finde.“ An dem, Empfang nahmen die folgenden Staaten durch ihre Vertreter teil: Belgien, Schweden, Italien, die Schweiz, Spanien, Kanada, Luxemburg, Niederlande, Dänemark, Indien, Griechenland, die Südafrikanische Union. Nur noch Zuckerabschnitte Bisherige Le b e n s m ittelkarten verschwinden Die Ausgabe von Lebensmittelkarten in der bisherigen Art wird ab 1. März nicht mehr erfolgen. Die neuen Karten werden nur noch Zuckerabschnitte und einige Abschnitte für etwaige Sonderaufrufe enthalten. Dies beschloß die Bundesregierung in ihrer letzten Sitzung auf Vorschlag von Bun- desemährungsminister Dr. Niklas. Die Aufhebung der Rationierung, die sich durch die günstige Entwicklung der Versorgungslage ermöglichen ließ, ist — wie von Bonn verlautet — nicht gleichbedeutend mit einer Aufhebung der Bewirtschaftung. Alle Maßnahmen zur Verteilung inländischer Erzeugnisse und Einfuhrwaren auf die Verarbeitungsbetriebe, den Großhandel und das Handwerk (beispielsweise Rohstoffzuweisung und Festsetzung von Verarbeitungs-Kontingenten) und zur Warenlenkung in die einzelnen Länder und nach Berlin, werden auch weiterhin notwendig sein und müssen daher aufrecht «-halten bleiben. Dies gilt auch von den bestehenden Preisbindung«!. 1 Aufhebung der Rationierung gilt nicht fr ' ' Tif ‘wwfW f? läfffTBf Im Mittelpunkt: Die Saarfrage Pariser Montag-Presse zur Schuman-Reise Nicht schnell — langsam fliegen ist Kunst Ein Flugzeug für „abgeklärte“ Gemüter Paris (DND). Im Mittelpunkt aller Betrachtungen der hiesigen Montagblätter steht, wie — im Zusammenhang mit Schumans Besuch in Bonn — nicht anders zu erwarten, die Saarfrage. Im Parteiblatt Schumans „L ’ A u b e“ wird festgestellt, daß die entspannte Atmosphäre dieser ersten offiziellen deutsch-französischen Fühlungnahme unnötig' vergiftet worden sei. Die Zeitung schreibt: „Es hatte den Anschein, daß die Bonner Regierung von einer Abschwächung der französischen Haltung günstige Folgen für die Oder-Neiße-Linie erwartete.“ Im „Figaro“ wird betont, daß Schuman den französischen Standpunkt in der Saarfrage unverrückt aufrechterhalten habe. Das Blatt meint, der französische Außenminister habe sicherlich nicht die heftige Offensive er-* wartet, welche die Deutschen in der Saarfrage eröffnet hätten. Diese Offensive ziele dahin, -das Recht Frankreichs in Frage zu stellen, mit der saarländischen Regierung Verträge auszuhandeln, bevor über das Schicksal des Landes endgültig im Friedensvertrag entschieden sei. Man verstehe in Paris völlig die Besorgnisse der Bonner Regierung wegen der Saarfrage, die in letzter Zeit durch die deutsche Opposition ausgiebig ausgebeutet worden sei. Man verstehe jedoch weniger, welches Interesse sie daran haben konnte, diese Frage plötzlich vor die Öffentlichkeit zu bringen, statt in geheimen Verhandlungen zu beraten. Die sozialistischen Blätter kritisieren die Saarpolitik Frankreichs. So schreibt der „Comba t“, die wirtschaftliche Angliederung des Saargebietes an Frankreich habe zwar ge- Zielgeräte führten ins Gefängnis Urteil im Waffenscbmnggel-Prozeß München (DND). Das amerikanische Bezirksgericht in München verurteilte am Montag sechs Angeklagte wegen des Besitzes von Kriegsmaterial zu Gefängnisstrafen zwischen 7 Monaten und 2 % Jahren. Ein Angeklagter wurde freigesprochen. Die Verurteilten waren für schuldig befunden worden, entweder Kriegsmaterial besessen oder es unterlassen zu haben, ihnen bekanntes Kriegsmaterial den zuständigen amerikanischen Stellen zu melden. Bei dem Kriegsmaterial handelt es sich um Zielgeräte für Düsenjäger. „Die tollen Müllers“ Unentwegt auf der Fahrt nach Südamerika Dublin (DND). Der 63jährige Deutsche Paul Müller und seine Tochter Aga, die versuchen, in einem 5 m langen Segelboot von Deutschland nach Brasilien zu fahren, um dort ein neues Leben zu beginnen, werden im irischen Hafen Cork an der Südküste Irlands erwartet. Seit ihrer Ausfahrt im Spätsommer vorigen Jahres gerieten sie neunmal in Seenot, wurden aber jedesmal gerettet, das letzte Mal vor der irischen Küste. Die Irländer haben ihnen den Spitznamen „the mad Muel- Eine Milliarde DM InvesUtionskredite Bundesernährungsminister Niklas erklärte am Montag, der Bedarf an Investitionskrediten für die Landwirtschaft und die Ernährungsindustrie im Jahre 1950/51 werde mit rund einer Milliarde DM veranschlagt. Davon müssen etwa 500 Millionen aus ERP- Mitteln für die landwirtschaftliche Produk- tionssteigerung bereitgestellt werden. Neues Steuergesetz — erst im April verkündet Bundesfinanzminister Schäffer erklärte in Fürth, die Finanzminister der Länder und die Bundesregierung seien sich darüber einig, daß die Steuern im Bundesgebiet gesenkt werden müssen. Das Bundesfinanzministerium teilt dazu mit, daß Lohn- und Einkommensteuer in, allen Ländern der Bundesrepublik vorerst nach den bisherigen Bestimmungen einbehalten werden. Das neue Steuergesetz, das im Bundestag zur Debatte steht, wird voraussichtlich erst im April verkündet und rückwirkend ab 1. Januar gelten. Die einbehaltenen Steuerbeträge werden nachträglich verrechnet. (DND) Tübinger Innenministerium stellt aus Das Innenministerium von Württemberg- flohenzollem hat in Tübingen eine „Aufbau“- Ausstellung zusammengestellt, die an Hand von Karten und Darstellungen, Fötus und Modellen zeigt, was das Land in den letzten fünf Jahren an Brücken-, Straßen- und Wasserbauarbeiten geleistet hat Von 6806 km klassifizierter Straßen, die sich am Kriegsende fast alle in schlechtem Zustand befanden, sind 2959 km in guten und 2638 km in mittleren Zustand gesetzt worden. Hierfür wurden allein im vergangenen Jahr 13000 Tonnen Teer und 200 000 Tonnen Splitt verbraucht. Das Land hat 621 größere Brücken. Davon wurden 104 durch Kriegseinwirkung und 78 durch Hochwasser (Dezember 1947) zerstört. 161 von ihnen sind bereits wieder hergestellt. Als Beispiel des Aufgabengebietes der Abteilung Wasserbau zeigt die Ausstellung die wasserwirtschaftliche Generalplanung für das Nagoldgebiet im Schwarzwald. Die Ausstellung kommt später noch in andere württem- bergische Städte und in die Technische Hochschule Stuttgart. M.K. Trippei baut Kleinautos Auf dem Gelände der früheren Chiron- Werke in Tuttlingen, die vor kurzem von der Firma Efka-Werke GmbH, erworben wurden, wisse Vorteile, die politischen Nachteile jedoch seien nur zu augenscheinlich. Im amtlichen Blatt der Sozialisten, „Populaire“, macht Salomon Grumbach darauf aufmerksam, daß die Saarfrage nicht ohne die Mitwirkung Rußlands gelöst werden könne. Ein Vorschlag aus New York Die „New York Times“ schlagen, wie unser Washingtoner Korrespondent meldet, vor, daß sich die USA und Großbritannien in die deutsch-französischen Besprechungen einschalten sollten. Die Holländer sind dagegen Beendigung des Kriegszustandes unerwünscht Den Haag (DND). Holland steht einer Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland ablehnend gegenüber, weil es befürchtet, dadurch seine Wiedergutmachungsansprüche zu verlieren. Wie hier verlautet, will die niederländische Regierung den drei Westmächten mitteilen, daß sie einer solchen juristischen Regelung mit Westdeutschland nur zustimmen könne, wenn die deutschen Reparationsund Wiedergutmachungsverpflichtungen gesetzlich festgelegt werden. In einem Memorandum an die Besatzungsmächte hat Holland bereits im Oktober vergangenen Jahres den gleichen Standpunkt eingenommen. 25 000 US-Bergarbeiter streiken. Im Osten der Vereinigten Staaten lehnten es am Montag mehr als 25 000 Arbeiter der Braunkohlenindustrie ab, den Anweisungen ihres Gewerkschaftsführers John Lewis zur Wiederaufnahme der Arbeit Folge zu leisten. Etwa 30 000 Arbeiter sind an ihre Arbeitsstätte zurückgekehrt. (DND) lers“ gegeben, auf deutsch: „die tollen Müllers“. Müller soll dies als eine Kränkung empfinden. Er sagte: „Wenn ich nicht überzeugt wäre, daß wir nach Südamerika kommen werden, hätte ich mich in die Sache gar nicht eingelassen. Und er fügte optimistisch hinzu: „Jedenfalls haben wir das Schlimmste hinter uns.“ Audi Lepra jetzt heilbar? London: Neues Heilmittel entwickelt London (DND). Die Medizin soll jetzt auch ein Mittel gegen die bisher unheilbare Leprakrankheit entwickelt haben. Wie in unterrichteten hiesigen Kreisen verlautet, sei die Gewinnung des Heilmittels jedoch so schwierig, daß im Augenblick nur jeder zehnte Leprakranke behandelt werden könne. Die Herstellung der Droge werde aber so stark forciert, daß in absehbarer Zeit jeder Leprakranke Heilung erhoffen dürfe. Admiralität begann mit Bergungsarbeiten. Die britische Admiralität begann am Montag mit der Hebung des Unterseebootes, das in der vergangenen Woche nach einem Zusammenstoß mit einem schwedischen Dampfer in der Themsemündung gesunken ist. (DND) wird der technische Leiter der Protek, Gesellschaft für Industrieentwicklungen mbH., Stuttgart-Bad Cannstatt, die P-Serie eines von ihm konstruierten Kleinwagens fertigen lassen. Das Auto soll als zweisitzige Limousine in rahmenloser Konstruktion mit freitragender Karosserie gebaut werden und bei einem Treibstoffverbrauch von vier Litern auf 100 km eine Geschwindigkeit von mehr als 80 Std/km erreichen. Bei Serienherstellung wird es etwa 2000 DM kosten. Der Konstrukteur Hanns T r i p p e 1 wurde besonders durch den in den Jahren 1932/33 von ihm entworfenen erfolgreichen Trippel-Schwimmkraftwagen bekannt. Mit diesem Fahrzeug, das seine Geländegängigkeit selbst beim Befahren steiler Treppen zeigte, wurden viele Fahrten durch Flüsse und Seen, ja selbst im Mittelmeer und an der Nordsee mit starker Brandung ausgeführt. M. S. Gaststättengewerbe contra „Sambaexpreß“ Weite Teile des Gaststättengewerbes haben sich, besonders in Hessen, dagegen gewandt, daß die Bundesbahn Vergnügungsfahrten mit dem „Sambaexpreß“ unternimmt Es heißt, daß die Bundesbahn damit dem Gaststättengewerbe Konkurrenz mache. Die Bundesbahn wies diese Einwände als nicht stichhaltig zurück. Sie müsse bei ihrer schlechten Finanzlage alles tun, um den Wünschen der Reisenden gerecht zu werden und werde solche Vergnügungsfahrten weiter veranstalten. (DND) Schlüsselfertiges Einfamilienbaus für 9500 DM Eine Großgartacher Baufirma erstellte ein Elmfamilienhaus, das schlüsselfertig nur 9500 DM kosten solL Das Gebäude wurde nach dem Gitterwabensystem erbaut, hat drei Zimmer, WC, Flur und Wohnküche im Erdgeschoß, Waschküche und Keller, sowie einen Bodenraum von rund 50 qm. Bei der Besichtigung waren verschiedene Bürgermeister und die Vertreter der amerikanischen Verwaltung zugegen. R. Schweine kaum gefragt Die Abwicklung des letzten Heilbronner Schweinemarktes, der von den Bauern des württembergischen Unterlandes gut besucht war, erfolgte äußerst stockend. Nie Nachfrage war mehr als schleppend. Dagegen waren die Umsätze bei Großvieh bedeutend Ithhafter. Die Preise zogen leicht aq, Der Auftrieb war befriedigend. Von unserem D N D-Korrespondenten A. D. Boston (Massachusetts) Zwei bekannte amerikanische Flugzeugkonstrukteure haben ein Leichtflugzeug gebaut, das als normaler Eindecker gemütlich und sicher 50 Stundenkilometer fliegt, eine Reisegeschwindigkeit von 160 Kilometer halten kann und zum Starten und Landen nur 30 Meter Rollfeld benötigt. Bei den ersten Probeflügen zeigte die Maschine so vorzügliche Flugeigenschaften, daß sie möglicherweise eine neue Ära im Bau leichter Privatflugzeuge einleiten wird. Dr. Koppen von der Technischen Hochschule in Massachusetts und Professor Bölling e r von der Wirtschaftshochschule in Harvard haben an dieser Maschine seit Anfang 1948 gearbeitet und zu diesem Zweck eines der bekanntesten amerikanischen Kleinflugzeuge, den Piper „Vagabund“, völlig umgestaltet. Die bisher durchgeführten Versuchsflüge haben alle Erwartungen übertroffen, und das neue Flugzeug scheint wirklich flugsicher zu sein. Luft — Lebenselement So hat diese kleine Maschine bei Windstille eine Probestrecke von 1,6 Kilometer mit 44 Stundenkilometer zurückgelegt; sich beim Start vom Boden gehoben, noch bevor der Motor mit Vollgas lief, ja, sie ist sogar bei völliger Windstille nach 18 Meter Startlauf aufgestiegen und hat dazu nur 73 Prozent der Motorleistung benötigt. Das angestrebte Ziel war die Entwicklung eines , Flugzeuges, das praktisch nicht „abschmiert, mit 50 Stundenkilometer sicher geflogen werden kann, bei Windstille und Seitenwind nach 30 Meter Startlauf aufsteigt, in 90 Meter Entfernung vom Startpunkt ein 15 Meter hohes Hindernis überfliegt und trotz alledem eine Reisegeschwindigkeit von gut über 160 Stundenkilometer besitzt. Obwohl Koppen und Bollinger vor Abschluß des Versuchsprogramms noch keine Behauptung über die Leistungen aufstellen und erst dag Ergebnis der wissenschaftlich genauen Van 10M DM 300 vernascht MdL Tübingen. Eine 14 Jahre alte Hausgehilfin im Kreis Ehingen (Donau) entwendete ihrem Arbeitgeber 1000 DM. Einen Teil des Geldes gab sie für Schleckereien aus. Den Rest von 700 DM hat sie, nach ihren Angaben, vergraben. Diebe stahlen ein Auto EU. Sigmaringen. In einer der letzten Nächte stahlen bisher unbekannte Diebe einen in einer abgelegenen Straße abgestellten Kraftwagen eines Beamten des Landwirtschaftsministeriums. Später ließen sie das Auto, nachdem sie es bei einem Aufprall auf den Randstein schwer beschädigt hatten, am Straßenrand liegen. Den tödlich verletzten Sohn geborgen M.S. Tuttlingen. Der 14jährige Schüler Eh-nst Schierwagen aus dem Altental bei Tuttlingen fiel einem Verkehrsunfall zum Opfer. Der Junge war morgens mit dem Fahrrad von dem in der Nähe der Hauptstraße Tuttlingen— Meßkirch gelegenen väterlichen Bauerngut zur Schule gefahren. Etwa eine halbe Stunde später fand ein anderer Radfahrer den verunglückten Knaben. Er war mit dem Kopf auf seinen Schulranzen in den tiefen Straßengraben gebettet worden und offensichtlich das Opfer eines Verkehrsunfalls. Der zu Hilfe gerufene Gutsbesitzer Schierwagen merkte zunächst nicht, daß es sich bei dem noch lebenden, aber bewußtlosen und lebensgefährlich zugerichteten Jungen um das eigene Kind handelte. Erst am Schulranzen erkannte er seinen einzigen Sohn. Schuld an dem Unfall tragen vermutlich zwei Kraftfahrer, die etwa zu dieser Zeit bei Neuhausen beobachtet wurden, als sie ihren Lastzug außen genau untersuchten. Der Hase, der ins Wirtshaus ging 1 Kohlstetten (hpd). Hier verirrte sich ein Feldhase ins Gasthaus zum Adler. Der Wirt war entschlossen genug, und sperrte sofort die Türe zu. Dann • begann die Jagd ohne Flinte. Der Wirt triumphierte schließlich, aber ohne einige gehörige Kratzwunden an den Händen ging es nicht ab. Der Hase wog kachelreif acht Pfund. Wildschweine griffen Kuhfuhrwerk an Mittelbach (hpd). Als ein hiesiger Landwirt mit seinem Kuhgespann in den Wald fuhr, um Holz zu holen, griffen sechs Schwarzkittel Gespann und Fuhrwerk an. Die Kühe machten sich auf und stürmten davon. Der Bauer konnte gerade noch auf den Wagen aufspringen. Fährmann, hol über... Meersburg (DND). Hier hatte ein Fahrer seinen Lastwagen auf eine Bodenseefähre verladen, um nach Konstanz überzusetzen. Nach getaner Arbeit konnte die Fähre able- gen und er selbst begab sich unter Deck. Wer aber beschreibt seinen Schrecken, als er etwas aus dem Lastwagen holen wollte, aber auf der Fähre nicht mehr die Spur von seinem Fahrzeug zu entdecken war. Untersuchungen ergaben, daß sich der LKW mitten auf dem See selbständig gemacht hatte und in den See gefahren war, der an dies« - Stelle etwa 30 Meter tief ist Durch explodierende Patronenhülse... Lauda (SWK). Ein 13jähriger Schüler fand eine Patronenhülse, die noch mit Pulver gefüllt und scharf war. In einem auf dem Felde Auswertung abwarten wollen, erklären sie doch, daß man ihre Maschine nicht „überziehen“ und auch nicht zum „trudeln“ bringen kann. Da die Maschine mit einem Miniatur- flugplatz auskommt, wie er normalerweise nur für Hubschrauber ausreichen würde, gaben die Konstrukteure ihrer Neuschöpfung den schönen Namen „Helioplane“, wobei zu beachten ist, daß Hubschrauber in Amerika He- licopter heißen. Technische Leckerbissen Bei einer Spannweite von 8,25 Meter hat die Maschine 14 Quadratmeter tragende Fläche. Das flugfertige Gesamtgewicht beträgt 610 kg, wovon 227 kg Nutzlast sind. Die zulässige Tragflächenbelastung liegt bei 44 kg pro Quadratmeter, so daß der vergaserlose Columbus- Motor mit Brennstoffeinspritzung recht mäßig beansprucht wird. Der Motor ist schallgedämpft, die zweiflügelige Luftschraube von 2,72 Meter Durchmesser läuft, dank besonderer Formgebung, gleichfalls geräuscharm und gibt bei niedriger Drehzahl beträchtlichen Schub. Die Verwindungsruder erstrecken sich über die ganze Länge der Tragflächen und tragen ärodynamisch gesteuerte Klappen, die für die Eigenschaften des langsamen Fluges und starken Auftriebs wesentlich sind. Die beiden Sitze sind nebeneinander angeordnet und durch zwei Türen sehr bequem zugänglich. Das neuartige amerikanische „Dreh-Fahrgestell“ ermöglicht Querwindstart und -lan- dung, da die Räder von der Flugzeugstellung unabhängig in jeder Richtung rollen können. Das Seitenruder ist in der Mitte geteilt und der untere Teil auf besondere Weise mit dem Steuerknüppel gekoppelt, wodurch sich die Maschine tatsächlich „mit dem Knüppel allein“ fliegen läßt. Alles in allem zeigen Koppen und Bollinger überzeugend, wie man durch liebevolle Ausbildung und kluge Konstruktion auch mit bekannten Bauelementen ein Flugzeug schaffen kann, das in seinen Flugeigenschaften so außergewöhnlich dasteht, daß es praktisch einer Neuschöpfung gleichkommt. entzündeten Feuer wollte der Knabe die Patrone zur Entzündung bringen und hielt sie leichtsinnigerweise über die Flamme. Prompt detonierte das Geschoß und verletzte den Schüler schwer am ganzen Körper. Im Zeichen des Großen Narrentreffens Radolfzell (SWK). Die Stadt am Untersee steht schon jetzt ganz im Zeichen der Vorbereitungen für das große Narrentreffen, das am 21. und 22. Januar 1950 in der alten Narrenstadt Radolfzell am Bodensee stattfindet. Das Interesse der zünftigen Narren in Baden und Württemberg ist riesengroß. Keine der alten historischen Narrenzünfte, die sich die Erhaltung und Überlieferung der von den Vorfahren überkommenen Fastnachts-Gebräuche zum Ziele setzen, wird bei diesem großen Fest in Radolfzell fehlen. 40 Narrenzünfte mit über 2000 Narren in historischen, zum Teil äußerst wertvollen Kostümen werden dieses Narrentreffen zu einer wirkungsvollen Schau überlieferten Brauchtums gestalten. Höhepunkt der Veranstaltungen bildet der große Festzug am Sonntag, dem 22. Januar, durch die geschmückte Stadt. 16 Musikkapellen, ebenfalls ln historischen Kostümen, werden dem kilometerlangen Zuge ein besonderes Gepräge verleihen Tobsuchtsanfall im Gerichtssaal Kempten (SWK). Vor dem hiesigen Schöffengericht bekam ein 32 Jahre alter Sittlichkeitsverbrecher aus Düsseldorf einen Tobsuchtsanfall. Mit einem Hechtsprung wollte er sich auf den Vorsitzenden werfen, doch konnte ihn der Protokollführer im letzten Moment aus dem Handgemenge heraus zu Boden reißen. ^Der Tobende raffte sich wieder auf und drang auf die beiden Zeugen ein, denen er drohte: „Ihr beide kommt mir nicht mehr mit dem Leben davon!“ Als er vom Gerichtswachtmeister wieder auf die Anklagebank zurückgebracht worden war, suchte er voll Wut den Richtertisch umzustürzen und auf das Gericht einzudringen. Selbst als er mit Hilfe eines zweiten Wachtmeisters gefesselt worden war, warf er mit einem Tintenfaß und versuchte, auf einen Wachtmeister mit dem Stuhl einzuschlagen. Darauf hatte er sich allem Anschein nach erschöpft und brach völlig zusammen. Zwecks Untersuchung auf seinen Geisteszustand wurde er abgeführt. Flüchtlings-Tagung ln Salzbarg. An einer Tagung über Flüchtlingsfragen in Salzburg wird auch der Minister für Fragen der Hei- matvertriebenen bei der Bundesregierung, Dr. Hans Lukaschek, teilnehmen. v.W. Wetterbericht Wetterlage: Der Tiefdruck verlagert sich nach Rußland. Gleichzeitig steigt über West- und Nordeuropa der Luftdruck kräftig an. Mit der nördlichen Luftströmung, die sich dabei einstellt, werden die kälteren Luftmassen, die über Nordeuropa bereitstehen, im Laufe der nächsten beiden Tage nach Süddeutschland vorstoßen können. Vorhersage: Am Dienstag und Mittwoch wechselnd, zum Teil stark bewölkt und einzelne schauerartige Niederschläge, die in Lagen über 700 bis 800 Meter allmählich ia Schnee übergehen. Temperaturrückgang auch in der Ebene. Höchsttemperaturen am Dienstag 3 bis 5 Grad. Am Mittwoch 1 bis 3 Grad, nachts Frost bis minus 4 Grad, mäßige nordwestliche, später nördliche Winde. NEUES AUS ALLER WELT ABS DEM WIRTSCHAFTSLEBEN AUS DEM StfDWESTEN DIE FRAU Oer Tote fteht oor Der Tür Zur Frage der Todeserklärung und ihrer Wirkung Was es für eine Frau, ihr Leben und ihre Lebensaufgaben bedeutet, wenn der Mann fehlt, das hat der Krieg gezeigt. Schwerste materielle und seelische Belastung ist aber die Nachkriegszeit, wenn er noch immer nicht zu ■einer Familie zurückkehrt, zu deren Aufrechterhaltung der Vater so nötig ist wie die Mutter. Wenn nun gar nach menschlichem Ermessen mit einer Rückkehr nicht mehr zu rechnen ist, was ist dann natürlicher, als daß die Frau danach strebt, den immer fühlbarer werdenden Mangel durch eine neue Heirat zu ersetzen? Ganz unerörtert können dabei die persönlich sehr verschiedenen Beweggründe bleiben, die die Frau zu dieser Absicht im einzelnen bringen. Auch der Gesetzgeber läßt sie vollkommen offen und gibt ganz allgemein der Frau die rechtliche Möglichkeit, eine seit Jahren nur noch nach dem Standesregister existierende Ehe zu lösen. Das Mittel, das er ihr bietet, ist die Todes- erb ärung des Verschollenen, wodurch die Ehe als durch den Tod des einen Gatten gelöst zu be'Jachten ist. Die Ehefrau wird also nun auch rechtlich Witwe, wie sie es tatsächlich schon lange war. Seit dem 1. Juli 1949 sind Todeserklärungen Kriegsverschollener ohne weitgehendere Voraussetzungen möglich. Es braucht nicht einmal eine amtliche Vermißtenmeldung vorzuliegen, wenn es sich auch in diesen Fällen empfiehlt, zunächst eine Auskunft der „Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht“ (Abwicklungsstelle z. Z. in Berlin, Waidmannslust) einzuholen und diese mit dem Antrag auf Todeserklärung zugleich einzureichen. Der Verschollene braucht auch nicht unmittelbar Soldat gewesen zu sein. Es genügt, daß er zu dem Personenkreis des Wehrmachtsgefolges gehörte und im Gefahrengebiet vermißt wurde. Selbst Zivilisten, die im Zusammenhang mit den Kriegsereignissen verschollen sind, können für tot erklärt werden (auch weibliche Personen). Dem Antrag sind beizufügen: Geburtsund Heiratsurkunde, sowie Bescheinigung über den letzten Wohnsitz. Zu stellen ist der Antrag bei dem Amtsgericht dieses letzten Wohnsitzes des Verschollenen. Ist das Amtsgericht (z. B. Breslau) nicht erreichbar, kann die Todeserklärung bei dem Amtsgericht gestellt werden, wo der Antragsteller seinen Wohnsitz hat. Dann wird das angerufene Gericht allerdings beim Amtsgericht Hannover als Sammelstelle Rückfrage halten, ob nicht bereits ein Antrag in gleicher Sache bei einem anderen Gericht läuft. Das der Todeserklärung vorausgehende Aufgebot und die Todes- ■ erklärung selbst werden gemäß einer neuen Anordnung des Zentralamtes in einer Ver- gchollenheitsliste veröffentlicht. Hat die Frau nach Erledigung dieser Förmlichkeiten von neuem geheiratet, so ist ihr Wunsch nach Konsolidierung der Lebensgrundlage erfüllt, wenn nicht eines Tages — der Tote vor der Tür steht. Die Frau findet sich dann vor' einem Problem, das sie oft noch schwerer bedrückt, als Großoatcr beichtet Der Großvater meiner Mutter, Friedrich Louis, saß als gräflich Erbachscher Forstrat im Odenwald. Das war ein tolles, von übermütiger Laune sprudelndes Mannsbild, dem allerlei Geschichten nacherzählt werden, die an mittelalterliche Schwänke erinnern. Als der „Alte im Odenwald“ schon weiße Haare hatte, bekam er eines schönen Tages zu Eulbach den Besuch eines katholischen Wanderpriesters, der den gemütlichen Ketzer im Angesichte des nahen Todes bekehren und zur Ablegung einer Beichte bewegen wollte. „Ach wo, laß er mich doch in Ruh? Ich hab nix zu beichten.“ Aber der Apostel läßt nicht locker und meint: daß alle Menschen schwache Sünder wären und daß auch der Redlichste sich mancher Schuld seines Lebens mit frommer Reue zu besinnen hätte. Der Alte schmunzelte. Und der Schelm seiner Jugend erwachte in ihm. „Herr jo! Da hat er recht. Und daß ich ihm die Wahrheit sage... einmal im Leben, da hab ich was verbrochen ... Herr jo, dees reut mich! — Und das will ich ihm jetzt beichte!“ Da wären um die Zeit, bevor Napoleon französischer Kaiser wurde, viele hochfürstliche Gäste im Erbacher Schlosse zu Besuch gewesen. Und er, als blutjunger Pikör, hätte vor dem Schlafzimmer einer schönen fürstlichen Dame die Ehrenwache halten müssen, in einer Dezembernacht, bei grimmiger Kälte, in einem Korridor mit Steinfliesen und Marmorwänden. Um ein bißchen warm zu bekommen, hätte er immerzu die Hände um die Schultern geschlagen. Und plötzlich hätte die Tür sich aufgetan und die schöne Dame wäre auf der Schwelle gestanden, weiß wie ein Engel, und hätte freundlich zu ihm gesagt: „Er scheint hier außen sehr kalt zu haben?“ Ich sach: „Herr jo, gnädigste Hoheit!“ ... Und die Hoheit sacht: „Da scheint Er wohl ■ehr zu frieren?“... Ich sach: „Herr jo, dees wees der liewe Gott, es fallen mir fast alle Glieder ussem Leib!... Und da sacht die Hoheit: „So komm Er in Gottes Namen herein zu mir, in meinem Bett Ist’s warm.“ — Sacht’s. — Un geht in hochdero Stübbche zurück. — Un wie ein Klotz bin ich ■tehengeblieben und habb da fromm und tugendhaft weitergefrore.... Un seh er nu, Hochwürdiger, dees hat mich bis heutigentags noch e jeddsmal gereut, so oft ich mich druff habb besinne müsse....“ (Ludwig Ganghofer) die vorher sie belastende Ungewißheit. Sie steht nun buchstäblich zwischen zwei Männern. Welche Wirkungen hat die Todeserklärung in diesem problematischsten Fall? Klar ist, daß sie nicht hindern kann, daß der aus der Verschollenheit Zurückgekehrte wirklich und juristisch lebt. Aber der Gesetzgeber leiht der in seiner Abwesenheit legal geschlossenen neuen Ehe dennoch seinen Schutz, d. h„ wenn nicht die neuen Ehegatten vom Weiterleben des Verschollenen bei ihrer Eheschließung Kenntnis hatten. Die neue Ehe bleibt also auch bei einer Rückkehr des Toterklärten grundsätzlich gültig. Nach der alten Bestimmung des § 1350 BGB konnte allerdings jeder Ehegatte der neuen Ehe diese anfechten und damit zur Auflösung bringen. War der Ehegatte der früheren Ehe der anfechtende Teil, so wurde er unter Umständen sogar dem zweiten Ehegatten, der sich durch die Anfechtung ohne Verschulden um seine Ehe gebracht sah, unterhaltspflichtig — wie bei einer Scheidung. Das heute geltende Recht legt die Entscheidung, mit welchem der beiden Männer die Frau Zusammenleben will, ausschließlich in die Hände der Frau. Sie allein kann die neue Ehe auch mit Wirkung gegen ihren zurückgekehrten früheren Ehemann aufrechterhalten oder sie mit Wirkung gegen ihren gegenwärtigen Gatten zur Auflösung bringen — mit der Begründung, daß ihr erster Mann zurückgekehrt ist In welche Konflikte eine Frau in solcher Situation kommen kann, ist unschwer nachzufühlen. Sie mögen manchmal ausweglos erscheinen. Die Lösung, sich von den beiden Männern loszusagen, ist ihr vom Gesetz nur unter der Bedingung gestattet, daß sie nach Auflösung der neuen Ehe zu Lebzeiten des Zurückgekehrten keinen dritten Mann heiraten darf. Sie kann es also unterlassen, nachdem sie die neue Ehe zur Auflösung gebracht hat, ihren früheren Mann wiederzuheiraten. In diesem Falle muß sie. unverheiratet bleiben. Scheint es nach dieser Regelung des Gesetzgebers so, als bürde er der Frau doch etwas zuviel Verantwortimg auf, so ist praktisch nicht zu verkennen, daß der Takt und die Vernunft ihres zweiten Mannes die formell von ihr zu treffende Entscheidung fühlbar erleichtern kann, wie dieser nach dem alten Gesetz die neue Ehe auch selbständig zur Auflösung bringen konnte, wenn er es angesichts der unerwarteten Heimkehr des „Toten“ für angezeigt hielt. Ebenso ist der Zurückgekehrte in der Lage, falls er sieht, daß seine ehemalige Frau in der neuen Ehe ein offenbares Glück gefunden hat, freiwillig seinen Verzicht zum Ausdruck zu bringen. Freilich ist dieses Opfer begreiflicherweise am seltensten zu erwarten. Jedenfalls ist es in der ganzen Frage auch heute noch so, daß die Ansicht der beteiligten Männer bei der Entscheidung der Frau eine wesentliche Rolle zu spielen vermag. Moralisch haben sie die Verpflichtung, das Problem im Einzelfalle mitzulösen. Unglüchefäüe im Hauehalt Aber sie sind alle zu vermeiden Immer wieder passieren im Haushalt Unglücksfälle, bei denen man sich hinterher und mit Recht sagt: „Wie gut hätte sich das vermeiden lassen.“ Aber dann ist es geschehen und oftmals zu spät. Ich habe einmal gelesen, daß mehr Leute in der Badewanne sterben als im Bett — ob es wahr ist, möchte ich bezweifeln. Immerhin passieren beim Badeif zu viele Unglücksfälle, sei es durch Ausrutschen in der Wanne, durch Einschlafen oder durch unsachgemäße Handhabung des Badeofens. Das Ausrutschen zum Beispiel läßt sich weitgehendst vermeiden, wenn man entweder eine Gummimatte oder — falls man die Anschaffung scheut — ein Handtuch, möglichst ein Frottierhandtuch — in die Wanne legt. Bei der Bedienung des Badeofens muß man die Hebel genau der Vorschrift entsprechend der Reihe nach auf- oder zudrehen, keineswegs aber darf man Gewalt anwenden, wenn es einmal nicht klappen will, denn dann ist man bestimmt auf dem Wege, etwas falsch zu machen. E i n Hebel löst stets erst den anderen aus und «renn man nicht genau Bescheid weiß, lasse man die Finger davon und rufe jemand, der es versteht. — Das Zuschließen von Badezimmern sollte man alten Leuten und Kindern ein für allemal nicht gestatten. Ein anderer Gefahrenpunkt im Haushalt ist die Leiter. Sie rutscht zu gerne aus und das Rutschen macht den, der hinaufsteigt oder schon oben steht, unsicher. Wenn man die Füße der Leiter mit einer Unterlage von Filz oder Gummi versieht, ist der Rutscherei sofort Einhalt geboten. Ein Stuhl, bei dem die Gelenke nicht mehr fest sind, muß unbedingt aus dem Gebrauch gezogen und repariert werden. Meistens handelt es sich dabei um eine recht unangenehme Reparatur, die nur der Fachmann ausführen kann. Kracht so ein Stuhl unter der Last des gerade auf ihm Sitzenden zusammen, dann sind möglicherweise schwere Schädigungen die Folge. Unverantwortlich ist es, Gemüse- und Obstabfälle oder ein Stück Kartoffel schale nicht sofort vom Boden aufzuheben. Alles, was ein Ausrutschen und damit unter Umständen einen Schenkelhalsbruch zur Folge haben kann, darf niemals liegen bleiben. Auch Unglücksfälle, bei denen Kinder durch Unachtsamkeit in brühendes Wasser fallen, ereignen sich leider viel zu oft und sind durch nichts zu entschuldigen. Sei es bei der großen oder kleinen Wäsche, sei es beim Einkochen — immer müssen Bottiche oder Töpfe außer Reichweite oder so fest stehen, daß die Kinder sie nicht herunterreißen können. Niemals aber darf der Trog auf der Erde stehen und dadurch die Gefahr des Hineinfallens gegeben sein. Und immer wieder muß vor der Unachtsamkeit beim Benutzen elektrischer Geräte gewarnt werden. Nicht jeder besitzt solche, die sich automatisch ausschalten. Durch Kurzschluß Und nachfolgenden Brand hat schon mancher seine gesamte Habe eingebüßt und persönlich Schaden erlitten, wenn er vergessen hatte, das Gerät auszuschalten, bevor er wegging oder sich schlafen legte. Abgesehen von dem Schaden muß man sich bei Bränden, die auf solche Weise entstehen, wegen „fahrlässigen Verhaltens“ vor Gericht verantworten, und obendrein machen die Versicherungsgesellschaften große Schwierigkeiten, weil sie auf dem Standpunkt stehen, daß es sich um eine Selbstschuld handelt. Zum Schluß noch eine kurze, aber eindringliche Warnung: Das Wasser hat oftmals nicht genügend Druck und läuft nicht. Niemals aber sollte man dann den Wasserhahn aufgedreht lassen. Man denkt nicht mehr daran, geht seiner Wege und wenn man nach Hause kommt, ist die Überschwemmung da. Sie sehen — selbst in unseren vier Wänden kann allerhand passieren und etwas Aufmerksamkeit und Vorsicht erscheinen immer angebracht. Runö um Öen Reis Vorschläge für schmackhafte, süße und festliche Gerichte Mit der neuerlichen Zuteilung von Reis taucht zugleich die Frage auf: Wie schmeckt er am besten? Nun, es gibt viele Zubereitungsarten und die folgenden Vorschläge können je nach Geschmack abgeändert werden. Grundsätzlich sollte aber beim Kochen von Reisgerichten beachtet werden, daß vor allem anderen der Reis gründlich gewaschen und das Wasser so oft gewechselt werden muß, bis es klar bleibt, d. h. bis das dem Reis anhaftende Stärkemehl restlos entfernt ist. Man setzt, den gewaschenen Reis mit kalter Flüssigkeit auf, so, daß das Wasser etwa 2 cm über dem Reis steht, und läßt ihn langsam aufquellen. Nicht umrühren! Die Körner müssen weich sein, dürfen aber nicht zerfallen. Wenn man den Saft einer halben Zitrone ins Kochwasser gibt, erhält man besonders schöne weiße Körner. So zubereiteter Reis ergibt, vermischt mit Gemüse, Fleisch (Fleischresten) oder Salatsauce, Mayonnaise, Käsesauce usw. außerordentlich wohlschmeckende und herzhafte Gerichte. Sehr beliebt sind auch süße Reisgerichte wie Reisauflauf oder Apfelreis: Für den süßen Reisauflauf nehmen wir die folgenden Zutaten: 1 Liter Milch, 250 g Reis, 1 Prise Salz, ein Stückchen Zitronenschale, 80—100 g Fett, 2—3 Eigelb und 2 bis 3 Eierschnee. Nach Belieben eine Handvoll Rosinen, 1 abgeriebene Zitrone und zum Uberbacken Butterflöckchen. Milch und Reis, Salz und Zitronenschale läßt man auf kleiner Flamme langsam au einem dicken Brei aufquellen und in einer Schüssel erkalten. Dann werden Butter, Zucker und Eigelb schaumig gerührt, die Geschmackszutaten und der erkaltete Brei daruntergerührt, der steife Eischnee untergehoben, in eine gefettete Auflaufform gefüllt, mit Butterflöckchen belegt und überbacken. Man kann Marmelade, Apfelstückchen oder anderes dickes Kompott dazwischenschichten'. Für eine festliche Gelegenheit eignet sich besonders gestürzter Apfelreis mit Weinsauce: Wir nehmen 150 g Reis, % Liter Milch, 1 Prise Salz, etwa 50 g Zucker, 1 abgeriebene Zitronenschale, 500 g Äpfel, 80 bis 100 g Zucker nach Geschmack. Zum Weichdünsten Wasser und Wein, Zitronenschale, zum Verzieren Marmelade und als besonders feine Zutat Weinsauce. Den vorbereiteten Reis mit Milch, Salz, Zucker und Zitronenschale, sowie die geschälten, kleingeschnittenen Äpfel mit Wasser oder Wein, Zucker und Zitronenschale weich kochen. In eine kalt ausgespülte Form abwechselnd Reis und die in einem Sieb abgetropften Äpfel schichten, kalt stellen, bis der Reis fest wird. Dann stürzen und mit Marmelade oder Früchten verzieren. Die Weinsauce wird aus % Liter Weißoder Apfelwein, 2—3 Eigelb, 2 Eiweiß zu Schnee geschlagen, 40—60 g Zucker, 2 Eßlöffel Zitronensaft und 15 g Kartoffelmehl bereitet. Eigelb und Zucker werden schaumig geschlagen, Kartoffelmehl, Zitronensaft und Wein dazugegeben. Im Wasserbad unter ständigem Schlagen bis zum Aufkochen erhitzen — nicht kochen lassen, da sonst das Ei gerinnt! Wegsetzen und weiterschlagen, bis die Masse nur nocft lauwarm ist — dann den Eierschnee unterziehen. Kalt stellen. Die Sauce darf nicht in Aluminiumgeschirr geschlagen werden, damit sie nicht grau wird. DREIERLEI Von Dreierlei gibt’s Stoß’ auf Erdeni Von Weibern, Wein und jungen Pferden. * Die drei schwersten Dinge sind: ein Geheimnis bewahren, eine Beleidigung vergessen und die Zeit der Muße wohl anwenden. * Rein wie das feinste Gold, stark wie ein Felsenstein, ganz lauter wie Kristall soll dein Gemüte sein. * Soll man dich nicht schmählichst berauben, verbirg dein Geld, dein Weggehn, deinen Glauben. * Drei Arbeiten sind die schwersten auf Erden: regieren, gebären und lehren. Kleine Kniffe — große Wirkung Einige Winke für die Hausschneiderei Selbstgeschneiderten Kleidern und Kostümen kann man sehr viel von ihrer sprichwörtlichen „Hausbackenheit“ nehmen, wenn man — abgesehen vom sachgemäßen Nähen — die richtigen Zutaten verwendet. Hierzu gehören neben Nähgarn und Knöpfen auch Futter, Steifleinen und Nahtband. Der Futterstoff ist nicht nur eine Verschönerung der Innenseite des Mantels oder Kostüms, sondern er dient hauptsächlich als Verstärkung und gibt die Form. Bei nichtwaschbaren Stoffen — wie Kunstseide oder Wolle — ist leichter Taft das beste Futtermaterial. Leichte Sommerkleider sind durch Achselund Nackenschweiß besonderer Beanspruchung ausgesetzt. Um die oft sehr empfindlichen Stoffe zu schonen, ist es ratsam, die obere Rückenpartie von der Schultemaht bis herab zur Achsel mit Batist oder leichter Seide zu füttern. Auch Kleidungsstücke aus Baumwolle sollten gefüttert werden. Zum mindesten muß man aber die Knopflöcher und alle Stellen unterlegen, an denen die Knöpfe angenäht werden. Einmal gewaschener und gebügelter Batist oder ein anderes leichtes Baumwoll- material genügen hierzu vollkommen. Kleider aus fast jedem Material behalten ihren guten Sitz, wenn die Taille durch ein Nahtband verstärkt wird. Je nach der Machart ist es oft notwendig, das Band etwas ober- oder unterhalb der Taillennaht einzusetzen. Rockschößchen oder .Hüftapplikationen aus nichtwaschbaren Stoffen werden mit Roßhaar oder leichtem Schneiderleinen unterlegt. Um unnötiges Aufträgen der Nahtstellen zu verhindern, werden die Nähte zwischen Kleiderstoff und Futtermaterial gründlich versäubert. Ein Abfallprodukt als wertvolle Backhilfe Molke, ein Abfallprodukt der Käsezubereitung, stellt nach den neuesten Untersuchungen eine der besten Zutaten bei der Herstellung von Klein-, Spritz- und Hefegebäck sowie Kuchen dar. Mit Molke gebackene Kuchen waren nach zahlreichen Versuchen im Geschmack, Nährwert und appetitlichen Aussehen weitaus besser als solche mit Wasser oder Milch hergestellte. Der Teig war ausnahmslos zarter und das Backwerk sah mehrere Tage lang ofenfrisch aus. Die mit einer Mischung aus Molke und entrahmter Frischmilch hergestellten süßen Backwaren krümelten weniger und schmeckten noch besser. Durch den hohen Eiweißgehalt der Molke können beim Backen bis zu 20 Prozent der üblichen Eimenge eingespart werden. Taufrische Rosen aus dem Backofen Eine Blumenfreundin und begeisterte Gärtnerin aus Kalifornien hat bei spielerischen Versuchen mit ihrer Lieblingsbeschäftigung ein neues Verfahren entdeckt, wie man Blumen beliebig lange frischhalten kann. Die Methode ist denkbar einfach: Die vollerblühten Blumen werden vorsichtig geschnitten, in eine saubere Backschüssel gelegt und mit einer etwa 2% cm dicken Schicht sauberen Sandes bedeckt. Dann bringt man sie in den Backofen, wo sie etwa 10 Stunden lang bei kleiner Flamme backen müssen. Nach dem Backen werden die Blumen herausgenommen, mit ganz weicher Bürste gesäubert und mit durchsichtigen Klebestreifen in einer Art Schmetterlingsrahmen befestigt. In diesem Behältnis, das mit Glas luftdicht abgeschlossen wird, kann man die Blumen unbeschränkt lange aufbewahren und zu dekorativen Zwecken, als Wandschmuck o. ä„ verwenden. Flafchenhlnöer toeröen Peffimlften Die Londoner Zeitschrift „Journal of Personality“ warnte kürzlich vor der „Mode“, Kinder mit der Flasche aufzuziehen. Nach ihrer Ansicht bewähren sich „Brustkinder“ im Lebenslauf viel besser als „Flaschenkinder“. Bei der Untersuchung einer Reihe von Personen, die als Brustkinder aufgezogen worden sind, wurde festgestellt, daß sie „ausgesprochene Optimisten“ sind. Dagegen stellte man bei „Flaschenkindern“ fest, daß sie Eigenbrötler und Pessimisten sind. AON ► »k/-' -fV'* Der Wiederaufbau Bruchsals Im Jahre 1949 Der Wiederaufbau der Stadt hat sich im abgelaufenen Jahre recht lebhaft entwickelt. Sowohl der Staat, der Kreis, die Gemeinde wie auch die Privaten waren emsig am Werk. Geht man durch die Straßen der Stadt, so erkennt man den gewaltigen Fortschritt, sieht man von den Höhen der Reserve auf die Stadt, bietet dieselbe fast das Bild eines unzerstör- ten Ortes. Große Fortschritte konnten erreicht werden in der Trümmerräumung, indem von den gesamten Schuttmassen von rund 450 000 cbm im gangen 150 000 cbm abgeräumt werden konnten, so daß ein Drittel der Trümmermassen beseitigt ist. Der Gesamtaufwand für die Enttrümmerung betrug vor der Wäh- cungsumstellung RM 252.832, nach derselben bis zum Jahresende 1949 DM 544.000. Die Trümmerräumung wurde im abgelaufenen Jahr als Notstandsarbeit durchgeführt und erforderte einen Gesamtaufwand von 428.831 DM. (1949: 96.000 m s ). Auf dem Gebiete des Hochbaues entwickelte sich eine besonders lebhafte Bautätigkeit im Schloßgebiet, wo im vergangenen Jahre am Kammerflügel, an der Schloßkirche, am Bahnhof, am Amtsgericht, am Finanzamt, an drei Wohnhäusern, am Kavaliergebäude, an der Mundkochwohnung und an der ehemaligen Hofapotheke gebaut wurde. Von Sladlbaurat Kloß Paulusheim eingemietet war, vorübergehend untergebracht werden, bis das Schulgebäude auf der Reserve fertiggestellt sein wird. Der Bau des Ostflügels der Justus-Knecht-Schule wird eben im Rohbau fertiggestellt, der Mitken am Franz-Siegel-Weg mit einem Gesamtaufwand von 550.000 DM. Die wiederherge- stellte Milchzentrale wurde in Betrieb genommen. Die städtischen Grundstücke in den Artäckern, sowie im Industriegebiet werden durch telbau ist in Ausführung. Der Gesamtaufwand . Legung der Kanalisation und der Versor- für den Rohbau ist mit DM 470.000 veranschlagt und wird zur Vollendung noch DM 700.000 erfordern. Der Wiederaufbau des zerstörten Reservegebäudes wurde eingeleitet und werden die Kosten des Rohbaues DM 230.000 betragen und der Innenausbau DM 170.000 erfordern. Der Wiederaufbau dieses Gebäudes war außer für Schulzwecke auch mit Rücksicht auf das unter demselben befindliche Wasserleitungsre- servoir dringend notwendig. Das Schwimmbad ganz fertiggestellt, das Häutelager im Schlachthof, die Trafostationen am Spatzenturm, mit einem Aufwand von 20.000 DM erweitert und an der Bergstraße mit DM 8.500 werden baulich vollendet, und wird gegenwärtig der Innenausbau durchgeführt. Der Bau der Trafostationen Hohenegger und Jugendheim wird eben eingeleitet. Die Trafostationen an der Krottbach und auf der Reserve in Betrieb genommen. In Bearbeitung befinden sieh gegenwärtig die Unterlagen für die Planung des Neubaues des Rathauses, Landstraßen sauber halten! Infolge der starken Verschmutzung der Landstraßen durch Bauernfuhrwerke entstehen Gefahrenquellen für Autos. Es wird daher jedem Landwirt die Pflicht in Erinnerung gebracht, daß beim Verlassen der Feldwege die Räder des Wagens zu reinigen sind. Wer der Verordnung nicht nachkommt, muß mit Bestrafung rechnen. * Geschwister fanden sich durch Heiratsinserat Ein Heiratsinserat führte kürzlich einen heimatlosen Rußland-Heimkehrer mit seiner Schwester zusammen. Er hatte in einer Wochenzeitschrift ein chiffriertes Heiratsinserat Ein Kindergarten konnte geschaffen werden. « welcher an seiner historischen Stelle verwirk- Durch Erstellung dieser Amtsgebäude für die staatliche Verwaltung werden verschiedene, bisher durch die Amtsstellen benützte Wohnungen freigemacht werden können. In der Schloßstraße wurden zwei staatliche Beamtenwohngebäude errichtet. In der Huttenstraße wurde an fünf Wohngebäuden, die zum Komplex des alten Gefängnisses gehören, gebaut. Die aufgewendeten finanziellen Mittel betrugen über 1.000.000 DM. Die Zentralbank wurde fertiggestellt, das Postgebäude im Rohbau. Durch die Staatsverwaltung wurden im abgelaufenen Jahre die Hofkirche neu " errichtet und außerdem der Chor der Liebfrauenkirche fertiggestellt. Bruchsal besitzt gegenwärtig vier katholische Kirchen, da die St. Paulskirche bereits früher der Benützung übergeben wurde. Außerdem wurde im vergangenen Jahre die Lutherkirche baulich fertiggestellt. Die Landkreisselbstverwaltung hat im vergangenen Jahre ein Wohngebäude in derSchil- lerstraße errichtet und außerdem zur Vorbereitung der Erstellung der Gewerbe-, Handels- und Kreislandwirtschaftsschule einen Ideenwettbewerb veranstaltet. Das Ergebnis dieses Wettbewerbes war zufriedenstellend und konnten drei Preise und sechs "Ankäufe zuerkannt werden. Mit dem Bau der Gewerbeschule soll im Frühjahr begonnen werden, auf *dem Ruinengrundstück der ehemaligen Gewerbeschule. Der Bau der Handels- und Landwirtschaftsschule, welcher an der Ostseite des Luisenplatzes auf städtischen Grundstücken errichtet werden soll, wird erst später begonnen werden können. Die Ortskrankenkasse konnte den Neubau in der Schillerstraße in Benützung nehmen. Die Stadtverwaltung hat im vergangenen Jahre den Bau des Altersheimes in der Huttenstraße fertiggestellt, in welchem 200 Personen untergebracht werden können. Außerdem befindet sich im Bau noch das Wäschereigebäude und geht man daran, im Altbau des Altersheimes ein Waisenhaus zu errichten. Der Bauaufwand für das Altersheim betrug RM 236.000 und DM 575.000. Die Kosten für die Errichtung des Waisenhauses werden mit 40.000 DM veranschlagt, wozu noch 7.500 DM für die Einrichtung kommen. Außerdem konnte im vergangenen Jahre der Westflügel der Justus-Knechtschule, der mit einem Kostenaufwand von DM 150.000 hergestellt wurde, der Benützung zugeführt, werden, mit 11 Klassepräumen. Am 12. Januar 50 konnte hier das Gymnasium, das bisher im licht werden soll. Ein Ideenwettbewerb, der in nächster Zeit zur Ausschreibung gelangen wird, soll die Planung des Rathauses entsprechend fördern. In Vorbereitung befindet sich außerdem die Planung für das Volksschulgebäude in der Weststadt. Im vergangenen Jahre wurde die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft m. b. H. zur Durchführung des gemeinnützigen Wohnungsbaues mit einem Stammkapital von 150.000 DM gegründet, unter Beteiligung der Stadtgemeinde und mehrerer Industriefirmen der Stadt. Die Baugesellschaft errichtet gegenwärtig drei Wohngebäude auf Trümmergrundstücken mit zusammen 24 zwei- und drei-Zim- merwohnungen und zwar ein Wohngebäude in der Bismarckstraße, eins in der Schwimmbadstraße und eins an der Ecke Moltke- und Salinenstraße. Baukosten 320.000 DM. Außerdem wurde begonnen der Bau von 52 Wohnungen in zwei 3-geschossigen Wohnblök- gungsleitungen, sowie der Straßenaufschüttung baureif gemacht. _ Im vergangenen Jahr wurden durch Private 361 Baugesuche vorgelegt, wovon 294 genehmigt wurden, 4 wurden nicht genehmigt, 5 wurden zuruckgestellt und 58 smd noch m au f gegeben So entspann sich ein zarter Brief- Bearbeitung. Im ganzen wurden im vergan- genen Jahre 269 Wohnungen fertiggestellt und in Benützung genommen, davon 83 Wohnungen in Neubauten und 186 Wohnungen in Wiederaufbauten. Im Bau befinden sich noch 73 Bauvorhaben mit 176 Wohnungen. Am Bü- chenauerwald werden außerdem 64 Wohnungen in der Nebenerwerbssiedlung erstellt. 62 Bauten, davon die Hälfte mit Polizeiunterstützung mußten eingestellt werden, neue Strafanzeigen mußten erfolgen, 9 Bauten wurden polizeilich eingestellt, wegen mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen. Um Verkehrsgefährdungen und Gefährdung von Menschenleben zu vermeiden, wurden die Bauruinen einer strengen Ueberwachung unterzogen und 168 Bauruinen abgesprochen, von denen bereits 13T abgetragen sind. Die geschätzte Bausumme der gesamten, im Jahre 1949 genehmigten Privatbauten beträgt DM 3.350.000, die durchschnittliche Größe der Wohnungen, 3,80 Wohnräume mit 72 qm Bodenfläche. Wechsel mit einem jungen Flüchtlingsmädel aus Suhlenöo ; im Kreis Uelzen. Der volle Name wurde wie üblich, nicht genannt. Beim ersten Treffen stand der Heimkehrer plötzlich vor seiner Schwester, von deiner seit seiner Gefangennahme nichts mehr gehört hatte. Peinlich für den Schwaben Beim Einsteigen in eine Stuttgarter Straßenbahn ärgerte sich ein älterer Schwabe über einen baumlangen Neger in Zivil, der ihm, wie er glaubte, nicht genügend Platz zum Vorbeigehen ließ. Er sagte daher erbost: „Du könntest au a bißle weggange, Du o'gwaschener Kaminfeger.“ Der Schwarze antwortete prompt und in vorzüglichem Deutsch: „Wenn Sie es nicht verstehen können, ich wasche mich täglich. Im übrigen bin ich nicht Kaminfeger, sondern ein Anwalt aus New York! Obwohl der Schwabe einen Geradeaus-Fahrschein gelöst hatte, stieg er an der nächsten Haltestelle wortlos aus. Genen Stenern und zügellose Ge werbefreiheif Protestkundgebung des Handwerks und Gewerbes in Heidelberg Die nordbadische Arbeitsgemeinschaft des Handwerks, des Einzelhandels und des Gewerbes, der auch einige Bruchsaler Unternehmen angehören, veranstaltete am Sonntag in Heidelberg eine große Protestkundgebung gegen die überhöhten Steuern und die zügellose Gewerbefreiheit. Insgesamt sprachen sechs führende Vertreter aus Handel, Handwerk und Gewerbe: Kreishandwerksmeister Steinbrenner, Dr. Speck-Weinheim (Hauptgeschäftsführer des Bäckerhandwerks), der Präsident des Haciptverbandes des deutschen Malerhandwerks Walter Wieser, 1/erkauf von Lebensmitteln in Mfldigesdtäften Die Vorschriften der Badischen Verkaufs-Ve rordnung vom Jahre 1931 wieder in Kraft Nach dem Runderlaß vom 23. 3. 1942 durften die zum Verkauf in den Milchgeschäften zugelassenen Kolonialwaren während der Dauer des Krieges lose oder in selbst hergestellten Verpackungen verkauft werden. Dieser Runderlaß, der aus kriegsbedingten Gründen herausgegeben wurde und in der Nachkriegszeit zunächst noch angewendet werden mußte, ist im wesentlichen überholt. Die Vorschriften des § 57 der Bad. WO zum Milchgesetz vom 30. 12. 1931 sind wieder zu beachten. Danach dürfen die zum Verkauf in Milchgeschäften zugelassenen Lebensmittel nur in gepacktem Zustand feilgebofen werden. Unter „Waren in abgepacktem Zustande“ sind aber nur solche^ zu verstehen, die vom Hersteller in abgepacktwn Zustand in den Handel gebracht werden. Allen Beteiligten wird hiermit nochmals Gelegenheit gegeben, ihr Warenlager auf die nachstehend aufgeführten Artikel zu beschränken: a) Sämtliche Milchkonserven und Molkereiprodukte wie Kondensmilch in Flaschen oder Büchsen, sterilisierte Milch, Milchpulver, Butter, Butterschmalz, Käse, Margarine, soweit der Verkauf neben der Butter gestattet ist, und Fett in abgepacktem Zustand. Musikschule Brunner Zum Schülerkonzert am vergangenen Sonntag Im vollbesetzten Saal der Scheffelhöhe veranstaltete am vergangenen Sonntag die staatlich anerkannte Musikschule Friedrich und Hildegard Brunner ihr erstes, diesjähriges Schülerkonzert. Es war als solches groß aufgezogen, denn Werke von Mendelsohn (Hochzeitsmarsch aus Sommemachtstraum), Weber (Ouvertüre zu „Peter Schmoll“) und R. Wagner (Einzug der Gäste aus Tannhäuser) setzen schon einiges Können voraus. Das Streichorchester der Schule wurde nach dem Krieg neu zusammengestellt und hat sich in den 2)4 Jahren dank seines besonders dafür befähigten Leiters, Musiklehrer Brunner, in intensiver, zäher Unterrichts- und Orchesterprobenarbeit zu der beachtlichen Höhe emporgearbeitet, die vollste Anerkennung verdient. Vor etwa einem halben Jahr wurden Bläserklassen eingerichtet, die von Herrn Wiede- mann (früher Waldhornist beim Staatstheater Karlsruhe unterrichtet werden. W. Bob, ehemals Schüler der Hochschule für Musik in Karlsruhe bildet in Klarinette und Saxophon aus. Die Bläserklassen stellten sich zum ersten Mal vor. Der junge Bläsernachwuchs von Obergrombach war am zahlreichsten vertreten. Die dargebotenen Werke Sind das Resultat einer Ausbildung von drei bis vier Monaten und würden recht sauber zu Gehör gebracht. „Hab oft im Kreise der Lieben“ und „Horch was kommt von draußen rein“ von C. Kreutzer wurde mit großem Beifall aufgenommen. Das Bläserquartett mit „Ich bete an“ und „Das ist der Tag des Herrn“ sind besonders hervorzuheben. Zahlreiche solistische Darbietungen der jungen Violinschüler gaben einen Querschnitt der erfolgreichen musikalischen Ausbildung. E. Martin und G. Herrmann ernteten mit ihrem „Czardas“ von Monti wohl am meisten Beifall. Die Klavierbegleitungen konnten in ihrer Sicherheit und Einfühlung die unverkennbare Brunner-Technik nicht verleugnen, deren Lok- kerheit und trotzdem präzise Tongebung immer wieder begeistern. G. Herrmann und M. Fieser zeichneten sich durch außergewöhnliches Talent aus. Sehr nett und mit verblüffender Routine begleitete die kleine Sonn- hild Brunner die von E. Köpp vorgetragene „Serenade“ von Haydn. Ganz hervorragend spielte das Streichorchester, das mit Blasinstrumenten verstärkt war. Zieht man in Betracht, daß der größte Teil, des Orchesters von sehr jungen Schülern getragen wird, darf man hoffen, daß diesem Klangkörper noch eine erfolgreiche Zukunft besehieden ist. —z_ b) Eier. c) Honig und Kunsthonig in Gläsern und Paketen. d) Fruchtsäfte, Sirupe, Gelees, Marmeladen in Flaschen oder in Gläsern, Obst- und Gemüsekonserven in Büchsen oder in Gläsern. e) Kindemährmittel (u. z. Reismehl, Haferflocken, Hafermehl, Maismehl-Mondamin, Maizena, Gustin-Kartoffelmehl, Kakao, Schokolade und in Blechbüchsen aufbewahrter Zwieback) in abgepacktem Zustand. f) Suppenkonserven (Suppen- und Bouillonwürfel, Suppenwürze) in abgepacktem Zustand. g) Backpulver, Puddingpulver in abgepacktem Zustand, Vanillesoßenpulver, Vanille- Heroldsliadier Vorgänge keine Wunder Das Erzbischöfliche Ordinariat Bamberg hat den Gläubigen und Priestern alle religiösen Veranstaltungen und Prozessionen in dem „Marienerscheinungsort“ Heroldsbach bei Thum (Oberfranken) verboten. Kinder und zuletzt auch Erwachsene hatten wiederholt angegeben, daß sie über einem Birkenwäldchen eine Muttergottes- erscheinung gesehen und mit ihr gesprochen hätten. In einer im Kirchenblatt der Erzdiözese Bamberg veröffentlichten Verlautbarung heißt es, die kirchliche Untersuchung habe bisher nichts ergeben, was Ereignisse übernatürlichen Ursprungs beweisen würde. Dagegen seien manche Tatsachen festgestellt worden, die ernste Bedenken auf kommen ließen. Die Ehrlichkeit der Kinder werde nicht bezweifelt, — ebensowenig die Frömmigkeit der Gläubigen zucker, wenn der Verkauf aus fest verschlossenen Behältern und in abgepacktem Zustand erfolgt. h) Limonaden, Mineralwasser in Flaschen, Flaschenbier (letzteres konzessionspflichtig). i) Teigwaren, wie Nudeln, Makkaroni, in abgepacktem Zustand. Es besteht Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß die Eigentümer von Milchgeschäften verpflichtet sind, vor der Einstellung von Hilfspersonen dem Amt für öffentliche Ordnung Mitteilung zu machen. Die amtsärztliche Untersuchung beim Staatlichen Gesundheitsamt wird alsdann veranlaßt. Erst mit der Aushändigung des Bescheids, daß gegen die Beschäftigung der betreffenden Person keine Bedenken erhoben werden, darf eine Einstellung erfolgen. der Vorsitzende des Einzelhandelsverbandes Unterbaden und Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Alois Kraus, der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes Wilhelm Sommer und der Vorsitzende des Lebensmittelgroßhandels Artur Fuld-Heidel- berg. Zum Schluß der Kundgebung wurde von der Versammlung einstimmig eine Resolution gefaßt, in der es heißt: Die Folgen der Währungsreform, die unsere Betriebe aller flüssigen Mittel beraubte und die wirtschaftliche Entwicklung des fetzten Jahres brachte für viele unserer Betriebe eine ernstliche Bedrohung ihrer Existenz. Immer deutlicher stellt sich heraus, daß die enorme Steuqfbelastung und die ungerechte Verteilung der Lasten zum Ruin der Wirtschaft führen muß, wenn nicht schnellstens Maßnahmen zur Entlastung ergriffen werden. Seit vielen Monaten warten wir auf die mehrfach angekündigte Steuerreform, die eine gewisse Entlastung bringen soll und die im Entwurf fertiggestellt wurde, bisher aber nicht verwirklicht ist. Um nicht wieder gatzumachendes Unheil durch den Zusammenbruch vieler unserer Betriebe zu verhüten, fordern die Versammelten eine wirkliche Entlastung von dem nn- tragbaren Steuerdruck, insbesondere eine Er. mäßigung der Einkommensteuer, eine Herabsetzung des Hebesatzes bei der Gewerbesteuer und Erleichterungen bei der Umsatzsteuer. Ebenso vordringlich sind weitgehend Entlastung von Verbrauchsteuer, insbesondere Biersteuer, Branntweinsteuer, Tabaksteuer. Die durch die Steuerbelastung hervorgerufene Existenzgefährdung unserer Betriebe wird in zunehmendem Maße verschärft durch die schrankenlose Gewerbefreiheit, die uns vor einem Jahr durch Befehl der Besatzungsmacht auferiegt wurde. Seit dieser Zelt ist eine Flut von Geschäftsanmeldungen und Geschäftsgründungen über uns hinweggegangen und jeder Einsichtige muß sich fragen, wie dies weitergehen soll. Da die schrankenlose Gewerbefreiheit nur in der amerikanischen Zone gilt, in der britischen und der französischen Zone jedoch noch bestimmte Vorschriften und Voraussetzungen für die Zulassung zu einem Handwerks-, Handels- und Gewerbebetrieb bestehen, haben wir den untragbaren Zustand, daß die in den anderen Zonen als ungeeignet befundenen Bewerber zu uns kommen, Geschäfte gründen und unsere schmale Existenzbasis dadurch noch mehr einengen. Die gesamte einheimische Wirtschaft leidet schwer unter diesen Zuständen. Die Betriebe des Handwerks, Einzelhandels und Hotel- und Gaststättengewerbes sind sich in ihren Verpflichtungen dem Staat und der Allgemeinheit gegenüber voll bewußt. Sie sind auch gewillt, ihre sozialen Verpflichtungen zu erfüllen, wenn seitens der maßgebenden Stellen die erforderlichen Voraussetsungen und Existenzbedingungen hierfür geschaffen werden. Die Versammelten fordern deshalb eine vernünftige Steuerreform, die die wirtschaftlichen Belange berücksichtigt und andererseits Gewähr dafür bietet, daß alle Schaffenden vom kleinen Mann an die Möglichkeit haben, in den Genuß des Ertrages ihrer Arbeit zn kommen. Wir fordern weiter eine vordringliche Ordnung des Gewerbezulassungsrechts auf der Basis der fachlichen Eignung und persönlichen Zuverlässigkeit. Wir erwarten, daß alle von uns gewählten Vertreter des Bundes- und Landtages, Regierungs- und Behördenstellen, die erforderlichen Maßnahmen hierfür schnellstens ergreifen bzw. einleiten.“ Dienstag 17. Januar 1950 Bürgermeister Professor Bläsi: Unerhörte Opferwilligkeit der Bevölkerung Erste öffentliche Stadtratssilzung - Kinderhort für Schulpflichtige, ein Waisenhaus und ein Säuglingsheim Sonnen- und Solbad im unteren Schloßgarten - Keine Erhöhung der Gemeindeumlage Der Bruchsaler Stadtrat hielt unter Vorsitz von Bürgermeister Bläsi am gestrigen Montag im Städtischen Versorgungsheim seine erste öffentliche Sitzung in diesem Jahre ab. Im Anschluß an einen Rechenschaftsbericht des Stadtbaurats Kloss nahm Bürgermeister Bläsi die Gelegenheit wahr, der Bevölkerung für ihren „unerhörten Aufbauwillen, für ihre unerhörte Opferwilligkeit“ den herzlichsten Dank und die herzlichste Anerkennung zu t oidmen. Obwohl die Not und die Sorge oft unerträgliche Formen annehme, gebe es in Bruchsal Beispiele einer heroischen Tatkraft. Der Bürgermeister verwies auf ein Exempel in der Kaiserstraße. Drei Leute hätten es hier fertiggebracht, ihr Haus bis unter den Dachfirst selbst zu mauern. In solcher Gesinnung lägen die stärksten Wurzeln für den Glauben, daß Bruchsal auch einmal wieder bessere und schönere Tage sähe. Der Nachtragsetat Der Bürgermeister behandelte zuerst die erforderlich gewordene Erhöhung des Nachtragsetats um 8 000 DM. Verursacht wurde sie durch die Einbeziehung von Entwässerungsarbeiten Im Gebiet der Schönbomwiesen. Die Gemeinden Ubstadt, Stettfeld, Langenbrücken und Bruchsal hätten sich zu einem Zweckverband zusammengeschlossen, um für ihre Notstandsarbeiten die Grundforderung des Arbeitsamtes und die verstärkte Förderung des Landes zu erhalten. Die auf Bruchsal entfallenden 8 000 DM würden so aufgebracht: 2 800 DM als Anteil des Domänenamtes, 700 DM aus dem Etat der Stadt, 2 250 DM als Grundförderung des Arbeitsamtes und 2 250 DM als verstärkte Förderung des Landes durch Gewährung eines Darlehens. Der Bürgermeister kam darauf auf die Darlehensbeträge zu sprechen, die zur Bestreitung von Ausgaben im außerordentlichen Etat bestimmt sind. Diese Darlehensbeträge hätten von 405 500 auf 507 750 DM erhöht werden müssen. Im einzelnen wurden und werden sie verwendet: Für den Wiederaufbau des Altersheim 200 000 DM, für Trümmerbeseitigung 174 000 DM, für die Wiederherstellung von Feldwegen 11 000 DM, für die Verlegung ««.er Wasserleitung im Neubaugebiet der Büchenaustraße und der Kändel- wegsiedlung 20 500 DM, für die Wiederherstellung der Transformatorenstationen am Hohen- egger und in der Saline 100 000 DM, für die Entwässerung der Schönbornwiesen 2 250 DM. Allgemeines Interesse beanspruche der Posten „Erneuerungen und Erweiterungen“ aus dem Nachtragswirtschaftsplan der Stadtwerke. U. a. erwähnte der Bürgermeister 27 300 DM für die Beschaffung von Zählern, 16 400 DM für Kabelverlegungen in der Luisen- und der Industriestraße, 70 000 DM für die Trafostation Spatzenturm, 3 000 DM für Netzerweiterungen, 9 000 DM für die Kabelverlegung am Hohen- eggerplatz, 7 000 DM für die Station Belvedere. Abschließend betonte Professor Bläsi: Größere Projekte könnten nicht mehr aus laufenden Mitteln, sondern müßten durch Aufnahme von Darlehen finanziert werden. Man dürfe nicht nur die gegenwärtige Generation, sondern müsse auch die zukünftige Generation belasten, die den Nutzen voh unsern Bauten habe. Zu der aufgeworfenen Frage der Gemeindeumlage erklärte der Bürgermeister wörtlich: „Es ist völlig ausgeschlossen, daß in Bruchsal die Umlagesätze erhöht werden!“ In der Debatte wurde u. a. auf die noch mangelhafte Beleuchtung einzelner Stadtteile aufmerksam gemacht. Dr. Duttenhofer plaidierte für die Wiederherstellung der Bürgerausschüsse, um die Verantwortung für die hohen Ausgaben auf möglichst breite Schultern zu legen. Die Nachtragshaushaltssatzung wurde vom Stadtrat einstimmig genehmigt. Schaffung eines Jugendheimes Völlige Uebereinstimmung herrschte im Stadtrat über die Errichtung eines Jugendheimes im Seitengebäude des Altersheims als einer Art Zwischenlösung, bis einmal das Jugendheim an der Durlacherstraße gebaut ist Zur Debatte standen drei Vorschläge: Der erste Stock dient als Kinderhort für schulpflichtige Buben und Mädchen, die als Folge des Wohnungselendes auf der Straße „herum- zigeunem“, der zweite Stock wird als Waisenhaus ausgebaut und der dritte nimmt das Säuglingsheim auf. In Frage kämen für den Kinderhort 30 bis 50 Jugendliche, für das Waisenhaus 20 Kinder und für das Säuglingsheim vorerst 5 bis 6 Allerkleinste. Der Bürgermeister teilte mit, daß das Gesundheitsamt die Errichtung eines Säuglingsheimes im Dachgeschoß aus hygienischen Gründen, u. a. wegen der tropischen Hitze im Sommer, abgelehnt habe. Für die sanitären Anlagen, den Bau von getrennten Waschräumen für Buben und Mädel, für die Instandsetzung des Gebäudes, die Beschaffung von Einrichtungsgegenständen würden rund 17 000 DM erforderlich sein. Der Stadtrat genehmigte die Errichtung des Kinderhorts und des Waisenhauses und beauftragte den Bürgermeister wegen des Säuglingsheimes Verhandlungen mit der Leitung des Versorgungsheimes aufzunehmen. Es müsse sich ermöglichen lassen, das Säuglingsheim in dem wiederaufgebauten Versorgungsheim unterzubringen. Bemerkenswert die Erklärung des Bürgermeisters: In kurzer Zeit werde feststehen, ob für den Wiederaufbau des Jugendheimes an der Durlacherstraße Kredite gewährt würden. Dann müsse so rasch wie möglich gebaut werden, um der Jugend ein Heim zu schaffen, das alle Gefahrenmomente ausschließe. Das Kinder-, Sonnen- und Solbad Dazu berichtete der Bürgermeister: Im Juni vorigen Jahres habe Frau Sehweikert die Anregung zu der Wiedererrichtung gegeben. Die früheren Gebäude seien heute jedoch bewohnt und für die Familien müsse erst Ersatz geschaffen werden. Der Bürgermeister schlug vor, das Sonnen- und Solbad, wenn es wieder neu geschaffen werde, nach dem Westen der Stadt zu verlegen, etwa in das Gebiet des unteren Schloßgartens, um die Anmarschwege für die ^ Kreuz und quer durchs Stadtgeschehen Nachrichten des Standesamts Bruchsal Geburten: Martin Gabriel, V. Herbert Friedrich, Behördenangestellter, Holzmarkt 43; Karin, V. Robert Hofstätter, Metallarbeiter, Mi- chaelsbergstr. 44; Walter Willy Herbert, V. Ernst Naucke, Redakteur, Gartenweg 33; Edeltraud, V. Siegfried Oberst, Gärtner, Bundschuhweg 6. Eheschließungen: Helmut Waldecker, Kaufmann; Söternstr. 16 und Thekla Kuld, techn. Assistentin, Karlsruhe, Nockstr. 2. Todesfälle: Engelbert von der Heydt, Lokomotivführer a. D., Friedenstr. 5. Eier ab Erzeuger für 12 Pfennig, Wegen starken Angebots ausländischer billiger Eier hat die Eierkennzeichnungsstelle Heilbronn den Erzeugerhöchstpreis in ihrem Gebiet auf 12 Pfennig festgesetzt. Vor 14 Tagen betrug der Erzeugerpreis noch 28 Pfennig und sank dann durch die Importe auf 17 Pfennig. AusfallunterstStzung bei Bauarbeiten. Nach einer Vereinbarung zwischen dem Landesarbeitsamt und der Landesvereinigung Bauwirtschaft wurde eine Vereinbarung über eine AusfaHunterstützung bei Bauarbeiten in den Wintermonaten getroffen. Arbeitslosenversicherungspflichtige Arbeitnehmer die Hoch- und Tiefbaues, die auf privaten Baustellen mit Außenarbeiten beschäftigt werden, erhalten in den Wintermonaten vom 15. 12 49 bis 28. 2. 50 beim Vorliegen einer Arbeitsverhinderung durch Frost oder Schneefall aus Mitteln der Arbeitslosenversicherung eine gestaffelte AusfaHunterstützung. Die Höhe der Unterstützung beträgt 50—70 v. H. des Unterschiedes zwischen dem in der Doppelwoche tatsächlich erzielten Lohn und dem Lohn, den der Unternehmer in fünf Sechsteln der normalen Arbeitszeit hätte erzielen können. Voraussetzung des Unterstützungsbeginnes ist die Anzeige des Arbeitgebers beim zuständigen Arbeitsamte, daß die Arbeiten infolge der vorerwähnten Gründe eingestellt werden mußten. Bei Bauvorhaben der öffentlichen Hand werden auf Grund der TO für das Baugewerbe gewisse tarifliche Entschädigungen für Arbeitsausfälle gewährt, die in der Zeit vom 15. 10. bis 31. 3. jeden Jahres infolge schlechten Wetters eintreten. Angestellte u. Arbeiter der früheren Wehrmacht. Auch in Bruchsal soll ein Arbeitsausschuß gegründet werden, der die Wahrung der Rechte der ehemaligen Angestellten und Arbeiter der Wehrmacht übernimmt. Die Möglichkeit hierzu ist unter Bezugnahme auf Artikel 131 des Grundgesetzes der Bonner Verfassung gegeben. Die Rechte und Ansprüche der Reichsbediensteten — darunter fallen auch alle ehemaligen Wehrmachtsangestellten und Arbeiter — müssen beim Bundestag geltend gemacht werden. Dem erst kürzlich gegründeten Zentralschutzverband der Beamten e. V. konnten auf Grund intensiver Tätigkeit ziemlich weitgehende Zusagen in Aussicht gestellt werden. Nach der heutigen Rechtsauffassung kann damit gerechnet werden, daß 1950 ein entsprechendes Gesetz durch den Bundestag verabschiedet wird. Der Arbeitsausschuß wird u. a. zu erreichen versuchen, daß rückständige Gehälter oder Löhne für bereits geleistete Arbeit bezahlt; die weiteren Ansprüche der langjährigen Bediensteten nach § 16 der Tarifordnung für Gefolgschaftsmitglieder im öffentlichen Dienst geregelt und die etwa noch nicht sichergesteUten Rechte aus der Sozial- und Zusatzversicherung gesichert werden. Gewerksdtaftsbund Bruchsal. Am Mittwochabend, 18.30 Uhr, findet eine Ortsjugendausschuß-Sitzung statt. Es ist Pflichtsitzung. Vollzähliges Erscheinen ist erwünscht. Kinder möglichst gering zu halten. Zudem sei der künftigen Entwicklung der Stadt, die nach dem Westen gehe, Rechnung zu tragen. Das Erfreulichste, die Mitteilung: Die Barackenstadt werde in absehbarer Zeit verschwinden. Der Bürgermeister verwies auf die Gepflogenheit des Wohnungsausschusses, keine Leute neu einzuweisen, sondern alle Zug für Zug bald aus diesem Milieu herauszunehmen. Verbreiterung des Reservenweges Die Einsprüche von Herrn Treffinger und Frau Türk gegen die Verbreiterung des Reserveweges wies der Stadtrat zurück. Den Ausschlag gab die Mitteilung des Stadtbaurats, daß es der Feuerwehr nicht möglich sei, den Reserveweg mit Rettungsleitem zu befahren. Es bleibe bei dem früheren Beschluß, wonach der Reserveweg eine drei Meter breite Fahrbahn und zwei Gehsteige mit je 1 Meter Breite erhalte. Polizeistunde Samstag auf Sonntag Der Antrag der Gastwirte, die Polizeistunde für Samstag auf Sonntag auf 1 Uhr festzusetzen, wurde vom Stadtrat ohne Widerspruch wurde vom Stadtrat widerspruchslos genehmigt. Wiederherstellung von Feldwegen Auf Antrag des Güteramtes werden in der nächsten Zeit eine Reihe von Feldwegen instandgesetzt. Im einzelnen bändelt es sich um die Gewanne Silberhölle, Iggenau, Heuloch, Katzenbuckel, Pfaffenlochhohl, Auhole, alter Unteröwisheimer Weg, hintere Rohrbach, dann Kreuzhohl und Schattengraben. Wiederaufbau seit 1949 Stadtbaurat Kloß berichtete dem Stadtrat über den Wiederaufbau im Jahre 1949. Die aufschlußreichen Darlegungen des Herrn Stadtbaurats geben wir an anderer Stelle heute oder morgen wieder. Ansiedlung von Industrie "Zum Schluß der Sitzung befaßte sich Bürgermeister Bläsi mit dem in der Bevölkerung viel erörterten Problem einer Niederlassung der Kugellagerwerke Fischer. Die Verhandlungen seien einzig und allein deshalb gescheitert, weil in Bruchsal kein Gebäude gefunden werden konnte, das diesem Betrieb entsprach. Die Stadt Pforzheim habe dem Unternehmen ein fix und fertiges Fabrikanwesen zur Verfügung gestellt, während in Bruchsal für den Aufbau der Fortuna mindestens 200 bis 300 000 DM erforderlich gewesen wären. Kugel-Fischer habe keinen finanziellen Zuschuß gefordert, die Stadt habe deshalb gar nichts abzulehnen gehabt. Die Entscheidung habe das Unternehmen einzig und allein nach finanztechnischen Gesichtspunkten selbst getroffen. H.'St. Der Mann mit der schwarzen Maske Wegen unerlaubten Waffenbe Sitzes vor dem Militärgericht Als alter Waffensünder stand wieder einmal H., „der Mann mit der schwarzen Maske“ vor dem Militärgericht. _ Dieses Mal hatte er wirklich P . . gehabt. Da brachte ihm einmal vor unbestimmter Zeit einer seiner Freunde einen französischen Armeekarabiner mit der Bitte, ihn doch bei sich aufzubewahren, weil das bei ihm zu Hause nicht ohne Gefahr verbunden sei. Sein Freund, der inzwischen allerdings verstorben ist, wollte damit von Zeit zu Zeit auf die Jagd gehen und versprach ihm, auch mal ab und zu etwas von seiner Jagdbeute mitzu- bringea, was er auch wirklich getan habe. Das Gewehr wurde in eine Gummidecke eingewickelt und neben dem Hasenstall vergraben, bis es eines Tages zu H‘s Bestürzung von fremden Händen ausgegraben wurde. Daß H. den Karabiner völlig vergessen hatte, mag' richtig sein — er war wie vor den Kopf geschlagen. Von der Kriminalpolizei konnte festg^stellt werden, daß die Waffe schon seit längerer Zeit nicht mehr gebraucht wurde. H. wurde, wie s. Zt. berichtet wurde, wegen unerlaubten Waffenbesitzes schon einmal An-* fang Oktober 1949 vom Militärgericht verurteilt, hatte aber sieben Monate Strafaufschub auf Wohlverhalten erhalten. H. hat seit seiner Entlassung bis heute gezeigt, daß er gewillt war, durch ehrliche Arbeit seinen Unterhalt zu bestreiten. Da er gegenwärtig noch die achtköpfige Familie seines Bruders mitversorgt, der mit schweren Verletzungen im Krankenhaus liegt, sah man von seiner sofortigen Verhaftung ab. Seine Gefängnisstrafe von vier Monaten, zu der er verurteilt wurde, wird er erst Anfang März antreten. Ebenfalls wegen unerlaubten Waffenbesitzes mußte Schreinermeister Z. vor dem MiHtär- gericht Rechenschaft ablgegen. Z. hatte 1945 auf einem Spaziergang einen deutschen Armeekarabiner entdeckt. Er war unvorsichtig genug, die Waffe neben einer Ledermappe mit 106 Schuß Munition mit nach Hause zu nehmen. Fast hätte er das Schießeisen vergessen, da entdeckte es eines Tages sein 2^jähriger Sohn. „Vater, was machst Du da?“ fragt der, und nun betrachteten sie es gemeinsam, bevor sie es ins sichere Versteck zurücklegten. Noch- einmal holt einige Monate später der Sohn den Karabiner hervor — offenbar ließ es ihm keine Ruhe — und nocheinmal ziehen sie den Lauf durch und fetten liebevoll das Schloß ein, ehe die Waffe wiederum gewissenhaft versteckt wurde. Aber irgendjemand muß doch etwas haben durchsickem lassen, denn am Tage darauf erschien die Polizei, machte Haussuchung und entfernte sich nicht eher, bis das Gewehr gefunden war. Z. wurde von der Polizei sofort abgeführt. Strafmildernd wurde berücksichtigt, daß sich Z. schon vor dem Krieg als Antifaschist gezeigt hatte und als Nichtmitglied der NSDAP, wirtschaftliche Nachteile erlitten hatte, (er verlor den Posten eines Farrenhalters!). Z. wurde zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. H. ,Vorsi«tit mit offenem Lidit, Herr Reporter!” Offener Brief eines Flüchtlings an die Redaktion der „Bruchsaler Post“ Zu dem am Samstag veröffentlichten Gerichtsbericht „5 Monate Gefängnis für Einbruch“ schreibt uns ein Flüchtling: Wenn ich einen mit offenem Licht an einem gefüllten Benzintank hantieren sehe, kann ich fuchsteufelswild werden. Solange er durch seine Leichtsinnigkeit und Dummheit nur sein eigenes Leben gefährdet, mag es noch hingehen. Da kann ja auf seinem Grabstein stehen: „Hier ruht der N. N. Er wollte mit einer brennenden Kerze in der Hand nachsehen, ob Benzin im Tank wäre. Benzin war drin“ (Punkt). Wenn er aber andere in Gefahr bringt, dann muß man ihn ein wenig in die Seite stoßen, damit er die Hände davon läßt. So ein Gefühl kam mir bei der Lektüre des Ortsberichts in der Samstag-Ausgabe Ihrer Zeitung, wo Sie von einem Einbruch in der Bruchsaler Kaiserstraße berichteten. Einleitend werden uns die verdächtigen Gestalten als die „Flüchtlinge“ D. und Sch. vorgesteUt. Im Verlaufe des Berichtes weiß Ihre entrüstete Feder die beiden Täter noch dreimal mit „Strolche“ und je einmal mit „Gauner“ und „Vagabunden“ zu betiteln. Es stimmt alles an dem Bericht. Die Täter mögen Flüchtlinge sein und Vagabunden und Diebe auch. Aber trotzdem gefällt mir die Art der Berichterstattung gar nicht. Es wird von Ihnen — wie ich hoffe und annehme — ohne böse Absicht — dem Leser eine Gedankenverbindung zwischen Flüchtlingen und den von Ihnen so über zeugend gebrachten Titulaturen hervorrgerufen. Das Flüchtlingsproblem ist ein Pulverfaß. Sogar die große Politik begreift das allmählich. Flüchtlinge sind Menschen, denen schwere Wunden geschlagen wurden, die nun ganz, ganz langsam anfangen zu vernarben. Aber diese Narben sind neuralgische Punkte, sind arg druckempfindlich! Sehen Sie, es könnte ja sonst eine Flüchtlingszeitung auf den Gedanken kommen, bei Verbrechen, die nicht von Flüchtlingen begangen werden, hinzusetzen, daß „Einheimische“ die verdächtigen Gestalten usw. (siehe oben) waren. Sie könnte außerdem auf den Gedanken kommen, mit statistischem Material auf zu- warten und könnte tatsächlich beweisen, daß prozentual auf die Stärke der dazugehörigen Personenkreise Flüchtlinge—Einheimische die Flüchtlinge nicht die meisten Kriminellen stellen. (Trotzdem ja das Flüchtling-Sein, wie Sie am Schluß Ihres Berichts freundlicherweise zugeben, „strafmildernd“ ist). Aber nun mal ganz ohne Hörner u. Klauen: Die Badenser sind ein freundliches offenes Völkchen. Und die Flüchtlinge, die die große Not hierher verschlagen hat, haben es hier leichter, sich einzuleben, als anderswo. Dieses Kompliment machen wir gerne. Und es soll auch mal — gerade in dieser badischen Heimatzeitung — vom Dank gesprochen werden. Es kommt auf beiden Seiten jetzt darauf an, daß nicht die Radikilinski‘s, sondern die, die guten WUlens sind, die Mehrzahl bilden. Die müssen darauf achten, daß offenes Feuer vom Pulverfaß ferngehalten wird. Eine dankbare Aufgabe gerade jetzt, da der Lastenausgleich eine neue Belastungsprobe darsteUt. Und die, die bei einer evtl. Explosion ihre Beute machen wollen, warten doch schon. Um dieser Aufgabe zu dienen, unterstellen wir Ihrem Bericht in keiner Weise eine böse Absicht, sondern bitten lediglich um etwas mehr Einsicht und Vorsicht mit offenem Licht! Keine Klebestreifen mehr Ab 31. Januar ist bei Drucksachen und Geschäftspapieren in Faltbriefform ein Verschluß durch kleine Klebestreifen oder Siegelmarken nicht mehr gestattet. Nach Form und äußerer Beschaffenheit unterliegen Drucksachen und Geschäftspapiere den Bestimmungen der Postordnung, wonach die Sendungen offen, und zwar entweder als Brief oder unter Kreuzband, umschnürt oder in einem offenen Umschlag oder einfach zusammengefaltet eingeliefert werden müssen, so daß ihr Inhalt leicht geprüft werden kann Einfach zusammengefaltete Drucksachen müssen so beschaffen sein, daß sich andere Sendungen nicht in die Falten hineinschieben können. Wurde die Mordwaffe entdeckt? Neue Ermittlungen im Fall Dölker Nürtingen (hpd). Beim Polizeiamt Nürtingen wurde eine Anzeige erstattet, nach der der am 15. Juli 1914 in Ödenburg (Ungarn) geborene Michael Sch., wohnhaft in Balzhof, auf seiner Arbeitsstätte 68 Schuß Pistolenmunition, Kaliber 7,65 mm, liegen habe. Die Durchsuchung war jedoch ohne Erfolg. Dagegen wurde bei einer vorgenommenen Hausdurchsuchung bei Sch. in Balzhof eine schuß- fertige Pistole Marke Sauer & Sohn, Kaliber 7,65 mm mit 72 Schuß fabrikneuer Munition sichergestellt Die Pistole wurde unter dem Bühnenfußboden, die Munition in einem Kohlenhaufen versteckt, aufgefunden. Die Pistole mit der Munition will Sch. in einem Zementsack eingewickelt gefunden haben. Sch. wurde dem US-Resident-Officer von Nürtingen vorgeführt und von diesem wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Pistole mit der Munition wurde beschlagnahmt Man vermutet einen Zusammenhang mit dem Mordfall Dölker und zwar deswegen, weil nach den Angaben der Kriminalpolizei die Schüsse auf Dölker aus einer 7,65 mm Pistole, Marke Sauer & Sohn, abgegeben wurden. Die Untersuchungen sind im Gange, ob Sch. an dem Mord an Dölker beteiligt war, bzw. die Schüsse aus dieser Waffe abgegeben wurden. Vm drei unbekannten Männern überfallen Stuttgart (hpd). In den Abendstunden wurde in der Waiblinger Straße in Bad Cannstatt eine Frau von drei unbekannten Männern überfallen, mehrmals geschlagen und getreten. Die Täter ließen erst von ihrem Opfer ab und flüchteten, als die Frau um Hilfe rief. Ein Polizist und ein amerikanischer Besatzungsangehöriger nahmen die Verfolgung der Täter auf. Dienstag 17. Januar 1950 Vom Faslnaditsnarr nun Landplärrer Jüxuz und auec ducch 9Miaadueg. Von Pfarrer Oskar Frey-Rheinsheun Ich weiß noch so gut, ich mein es sei erst gestern gewesen, wie wir als Kinder unsere liebe Mutter geplagt haben. Und es war eine sehr fromme Frau und eine gute alte Bäuerin. Damals war sie noch jung und schön. In meiner Heimatstadt war die Bonn- dorffasrtnacht eine große Sache. Die Stadtgemeinde hat jedes Jahr weit über 1000 Mark zur Verfügung gestellt. Auf dem großen Marktplatz war eine Naturbühne errichtet und ein großes historisches Theaterstück wurde zur Aufführung gebracht. Noch gut kann ich mich als Student erinnern, wie 'einmal die. Freiheitskriege aufgeführt wurden. Kein Pferd War mehr im Stall, das nicht herhalten mußte. Der Posthalter daheim hatte allein deren gegen zwanzig. Zuerst war der große Narrenzug mit historischen Wagen und Trachten. Der ganze Bezirk war auf den Beinen. Schon als junger Student habe ich immer gestaunt, wie so etwas in einem Menschenkopf wachsen kann. Ich habe die Veranstalter als halbe Götter verehrt und habe immer im stillen Minderwertigkeitsgefühle bekommen, so etwas nie fertigbringen zu können. Da haben wir unsere Mutter bis aufs Blut geplagt. Was wir ihr an Arbeit abnehmen konnten, taten wir, wenn sie nur jedem ein Kostüm auf Fastnacht nähte. Sie war eine geschickte Näherin. Heute noch muß ich über mich selbst lachen. Habe ich doch den Kehrbesen in die Hand genommen, Bauernstube, Kammer und Treppen gekehrt, nicht aus Idealismus, nur daß die liebe Mutter früher zum Nähen kam. Natürlich jedes wollte zuerst drankommen, ich war der älteste, dann kam mein Bruder, der jetzt auf dem Hof ist, meine Schwester, die jetzt als Benediktinerin Aussätzige in Deutschostafrika pflegt, mein anderer Bruder und meine andere Schwester. Meine Schwestern bekamen wunderbare Kostüme als Zigeunerinnen. Schade, schade, jammerschade, daß ich keine Photographie mehr habe. Wir Buben bekamen Kostüme, Blusen und Hosen mit jeweils zweierlei verschiedenen Farben. So wie bei uns war es in jeder Familie. Natürlich kam jedes Jahr etwas Neues. Wer nämlich an Fastnacht nicht verrückt war, pflegt man bei uns daheim zu sagen, der ist das ganze Jahr verrückt. Gegessen haben wir kaum mehr, geschlafen noch weniger, dagegen viel geträumt. Oft erzählte uns Mutter, was wir nachts alles zusammen- gebruddelt haben. Und wie froh waren wir, wenn der Herr Pfarrer kein Amt gesungen und nur eine kurze Predigt hielt und .dann die Mittagsandacht ganz ausfallen ließ. Das war ungefähr so, wie wenn heute der Lehrer hereinkommt zur Schule und während des Unterrichts verkündet, ihr dürft heimgehen, war das ein Hallo. Es wurde auch getanzt, es wurde auch gescherzt, es hat auch mancher einen Rausch getrunken. Aber es war im ganzen eine große Linie, es hatte alles seine Grenzen. Es gab eine eigene Polizei. Wer sich nicht ordnungsgemäß und anständig aufführte, wurde ohne ’ weiteres ausgeschlossen und durfte nicht mehr teil nehmen. Und was das Schöne war, es wurde angefangen, aber es wurde .auch zur rechten Zeit Schluß gemacht. Heute habe ich es nun zum Landpfarrer gebracht, denke an vergangene Zeiten, und dann denke ich an die Zeiten seither bis heute und muß leider feststellen, daß es jedes Jahr toller wird, die Welt jedes Jahr verrückter wird, so daß man meinen könnte, die Welt wäre ein großes Narrenhaus. Wann war es schöner, damals oder heut? Könnte es nicht auch heute noch so sein Wie damals?! Die unnatürlich milde Witterung zeigt überall ihre Wirkung in Feld, Wald, Wiese und bei den Menschen. Fröhlich tummelt sich unsere Jugend wie im Frühling auf den Wiesen. Wo ein vorwitziges Gänseblümchen sein Köpfchen zwischen den grünen Spitzen des Grases hervorstreckt, wird es entdeckt und endet zwischen den Fingerlein der Kleinen. Nichts, aber guch garnichts entgeht den hellen, flinken, fröhlich suchenden Kinderaugen. So kamen heute vormittag drei kleine Kerlchen, so im letzten Jahre des Vorschulalters, oder vielleicht auch schon Erstkläßler in unser Zeitungsbüro u. brachten in einer Streichholzschachtel zwei Maikäfer, die die schützende Erdhülle vorzeitig, wohl in der Meinung, es sei schon Frühling, verlassen hatten. Es war schon ein richtig frühlingshaftes Gekrab- bel in der Schachtel. „Die ersten Maikäfer, die sdllen in die Zeitung!“ meinte der helläugige, forsche Sprecher der drei. Als ihnen versprochen wurde, daß sie ihren seltenen Maikäferfund morgen in der Zeitung lesen könnten, trollten sich die drei, sorgsam die Schachtel in warmem Händchen bergend, freudestrahlend wieder davon. Hans Sadts - ein Sihuhmadier und Poel Seine Bedentnng für die Literatur — Er schuf rund 5000 verschiedene Dichtungen Am 20. Januar des Jahres 1576 starb zu Nürnberg im Alter von 82 Jahren der „Schuhmacher und Poet“ Hans Sachs. Er war in Nürnberg am 5. November 1494 als Sohn eines Flickschneiders geboren worden. Mit sieben Jahren kam Hans Sachs auf die lateinische Schule, wo er Grammatik, Rhetorik Dialektik und Musik lernte. Mit 15 Jahren ging er aus der Schule und erlernte auf Wunsch seines Vaters ein ehrsames Handwerk. Die Schuhmacherei. Als junger Schustergesedle zog er dann auf Wanderschaft durch dgs deutsche Land. Auf dieser Wanderschaft erwarb er sich die Liebe zum sogenannten „Meistersang“, dem er nach eigenen Worten „mit herzlicher Lieb und großer Gunst“ zugetan war. Anfangsunterricht hatte er bereits in Nürnberg bei Leonhard Nunnenbeck genessen. Jetzt mehrte er auf der Wanderschaft seine Kenntnisse so sehr, daß er im Jahre 1514 in München bereits die Singschule verwalten helfen durfte. Dort hat er auch sein erstes Lied gedichtet, das mit den Worten beginnt: „Gloria Krippenausstellaitg in Langenbrfidien Ueber 80 Krippen aus Stettfeld, Ming olsheim, Kronau und Langenbrücken Die katholische Pfarrjugend hatte Sonntag die Bevölkerung zum Besuch Krippenausstellung im St. Josefshaus eingeladen. Die stattliche Zahl von über 80 Krippen aus den Gemeinden Langenbrücken, Stettfeld, Kronau und Mingolsheim zeugte von der großen Verbreitung, die diese Kunst in unserer Heimat erfahren hat. Die Ausstellung vermittelte einen interessanten Einblick in die Vielfalt der Gestaltungen. Während den einen eine einfache, düstere Felsgrotte am meisten ansprach, ein zweiter einen einfachen Stall bevorzugte, verpflanzte ein dritter das ganze Geschehen auf deutschen Boden und schuf die sogenannte Dürerkrippe. Aber auch in Bezug auf die Größe war alles vertreten von der imposanten Großkrippe mit über 120 Figuren bis zur kleinsten Ausführung im Format einer Streichholzschachtel. Unter diesen Aspekten hatte es die Preiskommission nicht leicht, die 20 besten Ausführungen zu prämiieren. Den am ersten Preis erhielt Franz Kuhn, der zweite der fiel an Frau Hermine Moch und mit dem dritten Preis wurde ein Aussteller aus Stettfeld, Alois Jonitz, bedacht. Besonders zu beachten ist noch die Arbeit eines zehnjährigen Jungen, der ebenfalls einen Preis erhielt. Für die katholische Jugend war diese Ausstellung ein Erfolg nicht zuletzt im Hinblick auf den guten Besuch, der eine Verlängerung gerechtfertigt hätte. Die evangelische Jugend entwickelt"' in letzter Zeit eine bemerkenswerte Rührigkeit. Der gut verlaufene Elternabend an Silvester mag wohl der Ansporn zu weiterem Hervortreten vor einem größeren Kreis gewesen sein. Am Sonntag bereiteten frohe Jugendliche den Insassen des Altersheimes Kislau einige Stunden des heiteren Beisammenseins. Pfarrer Eng hielt eine herzliche Ansprache an die alten Leute, worauf die Jugend ihre Lieder zum Vortrag brachte. H. Patri, Lob und Ehr.“ Auch zu Frankfurt hat Hans Sachs Schule gehalten. Als er zwei Jahre später nach Nürnberg zurückkam, fand er die dortige Singschule in Auflösung. Er setzte sich sehr ein und es gelang ihm, die Schule wieder auf eine beachtliche Höhe zu bringen. In einer Chronik wird berichtet, daß zu seiner Zeit „dritthalbhundert Meister“ in in Nürnberg. Die Dichtungen, die Hans Sachs schuf, sind ihrer Zahl und ihren Themen nach vielfältig. Natürlich stehen biblische Stoffe obenan. Die Meistersinger behandelten in ihren Schulen beim sogenannten Hauptsingen ja ausschließlich biblische Stoffe. Aber Hans Sachs gewann dadurch besondere Bedeutung, daß er mehr und mehr weltliche Stoffe heranzog. Er hat aus Boccacios Erzählungen eine Fülle von Themen genommen, er verarbeitete den Plutarch, den Livius, den Herodot und alle anderen Autoren des klassischen Altertums ebenso wie die deutschen Sagen und Legenden. Dabei hat er sich der „Regel* der Kunst gewissenhaft befleißigt und Dichtungen von einem Stoffgehalt geschaffen, der immer wieder überrascht. Seine Werke sind ankeine bestimmte Zeit gebunden, sie wurden damit unsterblich. Unübersehbar ist die Zahl seiner Lieder, Sprüche, Schwänke, Fabeln und Spiele. Im nJahre 1553 zählte er selbst 2000 Dichtungen auf, die er geschrieben hatte, davon waren 1720 Meisterlieder. Man weiß, daß sich diese Zahl bis zu seinem Tode noch verdoppelt hat. Außerdem kommen mehrere hundert dramatische Dichtungen und Schwänke hinzu. Die Fabel hat sich des Schuhmacherpoeten von Nürnberg mehr angenommen als jeder anderen Gestalt seiner Zeit. Richard Wagner brachte ihn in seinen „Meistersingern“ als sympathische Figur auf die Bühne. * 20 Zigaretten für nur 59 Pfennig. „Es wird Sie interessieren, daß 2 0 Zigaretten eigentlich nur 59 Pfennige koste n“, hat ein Münchner Tabakwarenhändler groß auf ein Plakat in seinem Schaufenster geschrieben. Darunter heißt es: „dazu kommen 12 Pfennig Materialsteuer, 1.20 Mark Tabaksteuer und 9 Pfennig Umsatzsteuer. Daher zahlen Sie für die 20-Stück-Paekungen zwei Mark!“ Jahresversammlung des Indnstrleverbands von Ban, Stein und Erde. Am Sonntag hielt der Industrieverband von Bau, Stein und Erde seine Jahresversammlung ab.Delegierfer Heinrich Braun gab zunächst in einem kurzen Referat Aufschluß über die Verbandssitzungen in Karlsruhe und Bruchsal. In der Neuwahl wurde die bisherige Vorstandschaft mit Franz Fieser als Vorstand, Max Riehl als Schriftführer und Heinrich Braun als Kassier einstimmig wiedergewählt. Als Delegierte des Ortskartells wurden Max Hahn, Rudolf Eppele und Franz Fieser gewählt. Filmvorsdiau der Gloria-Lichtspiele. Von Dienstag bis einschließlich Donnerstag, den 19. Januar: „Nacht über Indien“ mit Myrna Loy, Tyronne Power, George Brent. Spielzeiten; jeweils 20 Uhr. „Nacht über Indien“. Die Verfilmung des weltbekannten Romans Von Louis Bromfield „Der große Regen“ (The Rains Came) führt uns in das moderne und doch so alte Indien, in das Land, in dem die Natur ungezügelter, die Menschen viel fatalistischer und in ihr Schicksal ergebener scheinen. In einem Geschehen, dem die Erbarmungslosigkeit der entfesselten Natur ihren Stempel aufdrückt, sehen wir drei Schicksale, drei Menschen, die ihre eigene Meinung vom Leben haben. Die reiche Lady Esketh leugnet das schönste Gut: die Liebe. Der Inder Safti — ein in Europa erzogener Arzt — krankt an der Stumpfheit seines Volkes, und sein Freund Ransome, der des Lebens Güter alle bis zur Neige gekostet hat, besieht sein Ich mit zynischem Spott. So sind sie alle drei, bis da$ Schicksal sie hochreißt und zugleich hinabstürzt: Regenzeit in Indien, es naht die Katastrophe, Erdbeben in Ranschipur. Die Lösung der Konflikte, das Finden der Lebensordnung ist in dem Film in dramatischer Kraft wiedergegeben. Geburtstag. Am 18. Januar feiert Frl. Elise Woll in körperlicher und geistiger Rüstigkeit ihren 88. Geburtstag. Der hochbetagten Jubilarin unsere herzlichsten Glück- und Segenswünsche. Ri. Hambrikfcen Am Samstag trat der Schachklub zu seinem ersten Verbandsspiel gegen Neudorf an und siegte überlegen mit 5H:2M Punkten. Dies ist der erste Sieg den Hambrücken gegen den Neudorfer Schachklub erzielte. Am zweiten Brett siegte Bruno Soder in einem spannenden Kampf gegen Herzog; am dritten Brett gewann der junge Spieler Norbert Notheisen über Degen die Oberhand; am fünften und sechsten Brett holten sich M. Köhler und Fr. Buch einen sicheren Sieg; am siebten Brett erzielte U. Köhler ein Unentschieden; am letzten Brett erzwang sich Alfons Haut einen klaren Sieg. Am Mittwoch, 18 Januar, 19.30 Uhr, findet in der Krone die Gründungsversammlung der Tischtennisabteilung statt. Am Samstag verschied nach längerem Leiden Frl. Maria Eva Misch, Hauptstr. 45, im Alter von 63 Jahren. Am letzten Sonntag konnte Frau Luise Ahr, Haupts.tr. 3. in seltener körperlicher Gesundheit und geistiger Frische ihren 84. Geburtstag feiern. Heute vollendet Landwirt Friedrich Soder, Kirchstr. 35, seinen 74. Geburtstag. Wir gratulieren und wünschen den Geburtstagskindern einen sorgenfreien Lebensabend. Am Sonntag trat der neue Kirchenordner Adolf Grub, Teichstr., sein Amt an. Es ist zu begrüßen, daß sich nun wieder ein Mann für dieses Amt gelinden hat. Ic. Reranägeber: C. and H. Kruse, Brudisai, Wörthstraße 4, Philippsbarg, Salmstr. 10. Redaktion: Hans Stander, Brudiaai. Zar Zeit ist Preisliste Nr. 1 gültig. JllEBE ROMAN VON t. THOMA 50. Fortsetzung Der Fahrer hielt an. Rechts zog eine schmale Bahn durch den Schnee, niemand hatte sich die Mühe genommen, einen passierbaren Weg aus den Schneemassen zu schaufeln. Man sah, wie sich, vielleicht vor Tagen, ein Wagen eine Spur gebahnt hatte; schmutziger Schnee war zu hohen Haufen zusammen geschoben. Wortlos zeigte der Mann auf seine Karte. „Sie wollten doch auf das Gut der Mark, hier drüben muß es sein. Ach ja, dort sieht man das graue Dach ein Stück über den Hügel ragen. Aber ich glaube kaum, daß ich mit der Kiste hi«- durch kann. Am Besten, ich fahre rückwärts, soweit es geht, dann laß ich den Wagen stehen. Vielleicht kann ich mit Ihnen hinübergehen, im Gesindehaus einen Schnaps trinken und am Ofen sitzen?“ Sonnie nickte, sie war jetzt völlig damit beschäftigt, das kommende Gespräch mit Öre zu überdenken. Schmerzhaft und mühsam war das Stapfen durch den Schnee, bis sich die durch die lange Fahrt sperrig gewordenen Glieder wieder an Bewegung gewöhnt hatten. Sonnie raffte sich mit einem Ruck auf, nur jetzt nicht kleinmütig werden. Vor ihr lag das Ungewisse und Unangenehme der Aussprache mit Öre. Dahinter aber, das war sicher, stand ein neues- Leben und ein unsagbar großes Glück mit Viktor. Um dieses Glückes willen wollte sie jetzt stark sein. Vielleicht war es zehnmal leichter, Olympiasiegerin in allen Klassen zu werden, als mit einem Manne wie Öre über Freiheit zu reden. Sonnies Augen strahlten Mut und Entschlossenheit, als sie vor sich das breit hinr gestr eckte Gehöft erblickte. Wie ausgestorben lag es da, dahinter stand finster und schon abendlich der Wald, endlos und meilenweit Stille herrschte ringsum, fast unheim- licK Hinter ihr stapfte verdrossen der Fah- Copyrlght 1849 by Verlag Helmut Seiler Stuttgart rer. Linkerhand streckten sich das Wirtschaftsgebäude und Torfdörren hin, rechts an einem dichten Bestand junger Fichten angeschmiegt, mit der Front nach Süden, stand niedrig und gedrungen das Hauptgebäude. Das Dach war vom Schnee befreit, unter der dicken Schicht Dachpappe, die es überzog, zeichneten sich die .gestaffelten Bretterschichten ab. Vor dem Hof hörte der Schnee auf, ganz plötzlich, brach er ab. Bis zum Haus zog sich ein wahrer See von Schneewasser und braunrötlichem Kot hin. „Unser Haus in den Bergen ist doch tausendmal heimeliger als dieses da, wenn es auch fast haargenau gleich aussieht, mein Gott, in dieser eintönigen Umgebung müßte man ja sterben, wenn man vier Wochen da sein sollte. Mit weiten Sprüngen durchmaß Sonnie die braune Brühe, hochauf spritzte der Dreck und fiel schwer auf ihre Windbluse und in ihr Haar zurück. Der Fahrer fluchte lästerlich. Sonnie konnte es verstehen, denn sie selbst hatte ja trotz ihre* starken und dichten Schuhe klatschnasse Füße bekommen. —- „Gehen Sie nur dort hinüber, im Gesindehaus wird man ihnen etwas zu essen geben und auch einen Grog. Ich bin bald fertig, dann hole ich Sie dort ab“, sagte Sonnie und wies zu den Wirtschaftsgebäuden hinüber. Von dorther klang Stimmenlärm und Gelächter. Sicher tat man sich in den Stuben an Schnaps gütlich. Sonnie trat ins Haus. Sie glichen sich alle miteinander, diese Einödgehöfte, zudem roch es nach Harz. Kein Mensch war in den Vorräumen zu sehen, in den Ecken standen die schwarzen, stubenhohen Rundöfen, an die Wände davor drängten sich die Lehmherde. Sonnie wollte sich von dieser Atmosphäre nicht einfangen lassen, schnell durchmaß sie die Räume, suchte sich die Türen im Hintergrund nach Lichtschein ab. Gedämpfte Stimmen wiesen ihr den Weg, sie roch bereits Schnaps und Tabaksdunst, ehe sie die Türe öffnete. Fast undurchdringlicher Qualm wehte ihr entgegen und benahm ihr den Atem. Von den Wänden schälten sich zuerst die Elch- und Renntiergeweihe aus dem Dunst, dann erst wurde sie die Menschen gewahr, die sich an den spreizbeinigen alten Holztischen um den Ofen breitmachten. Braune Tonkrüge standen aüf den Tischen, die mit gelblichem Whisky gefüllte Gläser standen und lagen zwischen feuchten Lachen unordentlich umher. Sonnie sah in die Augen der Gesichter. Ja, solche Augen gehörten zu Öres Gesellschaften, leicht gerötet, trübe und wässrig. Natürlich Betrunkene, Sonnie ekelte es. Und dort zwischen den Männern tauchten vier, fünf breite und bemalte Weibergesichter auf. Unwillkürlich erschrak Sonnie, als sie diese grauen und wasserblauen, leicht geschlitzten Augen sah, die hervorstehenden Backenknochen und grellroten Münder. Schnaps und Trunkenheit aus allen Gesichtern, wie konnte es bei Öre anders sein! Dann sah sie ihn selbst, ein Weib saß auf seinem Schoß, eine etwas in die Breite gegangene Blondine. Sie mußte schon ziemlich vom Sinnen sein, denn die Art wie sie sich an ihn klammerte, wirkte abscheulich! Niemand hatte Sonnie beachtet, bis sie mitten im Raum stand. Ekel, Zorn und Scham kämpften jetzt in ihr, regungslos blieb sie stehen. „Wie konnte ich hierherkommen, was habe ich hier zu tun? Mein Gott, wie sie alle aus- sehen, Öre ist sicher der Betrunkenste von allen. Und ich wollte mit ihm sprechen, ihn bitten, mich frei zu geben für Viktor. Großer Gott, wie frivol, wie häßlich wird er sein, wenn er mich sieht Soll ich nicht lieber wieder umkehren, alles ungetan sein lassen, heim fahren und Viktor zu mir rufen, um mit ihm unser Glück aufzubauen? Jetzt hatte man sie gesehen, stiere Aagen blickten sie an. Sonnie lief es eiskalt über den Rücken, als sie wahmahm, wie immer mehr Männeraugen über ihre, unter dem enganliegenden Sportanzug betont-schlanke Gestalt gl i tten, abschätzend und gierig. Nun schob auch Öre, durch die eintretende Stille aufmerksam gemacht, das Weib von seinem Schoo. Sein erster Versuch, sich zu erheben mißlang. Sonnie starrte ihn an. War das noch Öre? Diese rötlichen Augen, die schlaffe Haut über dem verzerrten Gesicht, die haltlose Ft- gur in einem lächerlich eleganten Anzug. Jetzt suchte er sich von neuem zu erheben, seine Hände stützten sich auf die Ofenringe, sicher spürte er “nicht einmal, daß diese glühendheiß waren. Das Weib, torkelte zu den anderen in der Ecke, sang lallend ein paar Töne, geiferte und lachte dann kreischend auf. Sonnie hörte nicht hin, was sie sagte. Schwankend kam Öre auf sie zu, mit weitaufgerissenen Augen starrte er sie an. „So.Sonnie?“ fragte er schwer“, Sonnie, kommst du zu mir? Gut, daß du kommst, ich habe gewußt, daß du noch einmal kommst Wirst du wieder da bleiben?“ „Mein Gott, dachte Sonnie, „so schrecklich habe ich ihn wirklich noch nie gesehen.“ Mitleid wollte sie erfassen, doch dann- stand er vor ihr, schwankte imsicher hin und her, griff mit beiden Händen nach ihren Schultern, Geifer lief aus seinen Mundwinkeln. Erbrechen würgte in Sonnies Kehle. Mit einem heftigen Ruck machte sie sich von sei- . nen Händen los, er torkelte gegen die Wand. Sonnie sprach ein Wort, das nie im Leben über ihre Zunge gekommen war. Öre hatte sich mit dem Rücken gegen di« Wand gelehnt „Ich muß mit dir sprechen, Öre, sagte Sonnie“. Wenn du willst, kann ich alles auch hier sagen. Oder wie denkst du? Ich bin eigentlich schnell fertig. Du bist ein Lump geworden, Öre, eine Jammerfigur! Und du wirst jetzt hier unterschreiben, daß du in die Scheidung einwilligst. Sofort! Glaube nicht, daß ich mit einem Manne, wie du einer bist, auch nur eine Sekunde länger als nötig zu tun haben will. Wirst du unterschreiben? Übrigens, es hätte keinen Zweck, wenn du es auch nicht tätest Viktor ist da, hörst du? Ich werde so oder so ihm gehören. Aber deinerseits wäre es vernünftig, wenn du unterschriebest“ (Fortsetzung folgt) Dienstag 17. Januar 1950 Einsatzbereit zu jeder Zeit! Jahresbericht des Roten Kreuzes Bruchsal Am Samstag fand kn Ochsen die erste diesjährige Mitgliederversamlung des Ortsvereins Bruchsal statt. Kamerad Hoffmann eröffnete die Versammlung mit herzlichen Worten und übermittelte die Neujahrswünsche des Präsidiums und der Kreisstelle. Von einer Faschingsunterhaltung wird in diesem Jahre Abstand genommen, was allgemein für richtig befunden wurde. Aus dem Jahresbericht entnehmen wir: Das letzte Jahr sei ein Jahr des Ausbaues der Organisation, ein Jahr der Pflege der Kameradschaft gewesen. Es sei unsere höchste Pflicht, der Toten zu gedenken, der Ehrenmitglieder Albert Amann, Johann Maul und der Helferin Anna Walter. Die Ausbildungsleitung hatte Kolonnenarzt Dr. Lupp. Es fand ein Erste-Hilfe-Kurs statt, der den 35 Teilnehmern wertvolles Wissen fürs praktische Beben vermittelte. Im Einsatz stand der Verein bei allen Veranstaltungen, z. B. am 4. 6. bei der Badischen Hok- keymedsterschaft, am 10. 7. beim Seifenkistl- rennen, sowie bei den Badischen Athletikkämpfen. An Unfällen waren 26 leichte und 2 schwere zu verzeichnen. Im Kino waren bei 260 Vorstellungen insgesamt 100 Männer und 160 Frauen im Einsatz. Welchen Wert die Ausbildung im Sanitätsdienst habe, zeige die Tätigkeit der Werks- sanitätsarbeit. Besonders hervorzuheben sei die Tätigkeit des Kameraden Adolf Maier, der bei der Bundesbahn als Werksanitäter tätig sei und bereits 24 Männer ausgebildet habe. Im vergangenen Jahr habe er 5464 Hilfeleistungen getätigt. Am 1. Mai 1949 wies der Verein einen Mitgliederstand von 61 Männern und 70 Frauen auf; am 1. Januar 1950 waren es 62 Männer und 68 Frauen. An eigenen Veranstaltungen verzeichnet das Rote Kreuz am 2. 7. 1949 ein Kameradschaftstreffen in der Scheffelhöhe mit Ehrung verdienter Kameraden, sowie einen öffentlichen Abend mit Tombola, ebenfalls in der Scheffelhöhe. Ein schweres Kapitel war die Beschaffung des Sanitätsmaterials. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß von der Kreisstelle dem Ortsverein die größtmöglichste Unterstützung zuteil wurde. Eine weitere Sorge war dem Ortsverein die Beschaffung einer Bereitschaftsdienststelle. Es besteht jedoch die Hoffnung, daß im kommenden Frühjahr diese Frage gelöst werde. ): ( Aus Kraichgau und Bruhrain Kronau Wenige Tage nach Vollendung des 49. Lebensjahres verschied im Krankenhaus zu Bruchsal Maria Vetter geb. Knaus, Wilhelmstraße 6, an den Folgen einer Herzkrankheit. Eine große Trauergemeinde geleitete sie am Samstag zur letzten Ruhestätte. Eine fühlbare Entlastung dürfen die Arbeitslosen erfahren. Sie müssen nicht mehr den weiten Weg nach Langenbrücken zurücklegen. Für die Gemeinden Mingolsheim und Kronau wird jeden Samstag von 8.30 bis 9 Uhr die Möglichkeit bestehen, im Grundbuchamt in Kronau zu stempeln und am Mittwoch ab 14 Uhr wird in der Volksschule Unterstützung ausbezahlt. — t—• Obergrombadi Vergangene Woche fand eine wichtige Versammlung sämtlicher Obstbaumbesitzer statt. Vorstand Hubert Eppele konnte eine außergewöhnlich große Zahl von Obstbaumbesitzern begrüßen. Obstbauinspektor Dickgießer hielt ein interessantes Referat über die Pflege der Ohsfbäume. Anhand von Lichtbildern veranschaulichte der Redner die sachgemäße und erfolgversprechende Baumpflege, wobei er besonders die Verjüngung der Bäume, das Auslichten und die richtige Bodenbearbeitung erwähnte. Ueber die Schädlingsbekämpfung gab Obstbaumwart Willy Aufschluß. Bürgermeister Bender unterstrich die Ausführungen der Vorredner und forderte die Anwesenden auf, sich unbedingt für die Spritzungen einzusetzen Gemeinderatssitzuitfi in Unterem isheim Beteiligung der Gemeinde an der Obst- und Gemüse-Markthalle in Bruchsal Bausteinen finan- Die am 13. Januar stattgefundene öffentliche Gemeinderatssitzung im Bürgersaal des Rathauses fand in der Bürgerschaft lebhaftes Interesse. Bürgermeister Steinbach begrüßte eingangs den Gemeinderat und die zahlreich erschienenen Zuhörer und Zuhörerinnen und gab die einzelnen Punkte der Tagesordnung bekannt. Gleich Punkt eins rief eine langwierige Debatte hervor. Der evangelische Kirchengemeinderat war schon im vergangenen Jahr an die politische Gemeinde herangetreten zwecks unentgeltlicher Ueber gäbe des Kirchturms und des Platzes des Langschiffs der Kirche. Bereits 1910 wurde schon derselbe Antrag gestellt und damals vom Bürgerausschuß einstimmig abgelehnt. Auch diesmal lehnte der Gemeinderat den Antrag einstimmig ab, nachdem er schon in verschiedenen geheimen Sitzungen mit dieser Angelegenheit sich befaßt hatte. — Im Punkt zwei wurde über den Stand der Gemeindekasse im Dezember berichtet, der durchaus als befriedigend angesehen werden kann. — Punkt drei befaßte sich mit der Vergütung für das Auf- -g ieh 3 ft ' 4 e r K frehtefmuhiv Die- bisherige Vergütung wurde einstimmig genehmigt. —Auch Punkt vier fand rasche Erledigung. Dem Ansuchen der Jungbürger Ernst Deuchler und Wilhelm Steinhülper um Erlangung des Bürgerrechts wurde stattgegeben. — Punkt fünf behandelte das Gesuch des Kinobesitzers „Edelweiß“, Odenheim, der Herabsetzung der Vergnügungssteuer beantragte. Der Gemeinderat hielt feinstimmig an dem bisherigen Pauschalsatz und an der Ausschellgebühr fest. — Bei Punkt sechs wurde über den Antrag von drei Pächtern — Herabsetzung des Pachts — beraten. Der Gemeinderat beschloß, anhand der Verpachtungsprotokolle etwaige Härten zu beseitigen, ohne aber dadurch wesentlich die Pachteinnahme zu mindern. — Punkt sieben galt der Obst- und Gemüseabsatz-Genossenschaft Bruchsal. Diese will in diesem Jahr in Bruchsal eine Obst- und Gemüsehalle erstellen, wozu die Gemeinde als Mitglied der Genossenschaft mit zwei ziell sich beteiligen will. Am Sonntagabend wiederholte der Verein der Körperbeschädigten das Schauspiel „Wenn die Heimat ruft“ nebst Beiprogramm mit gutem Erfolg. Karlsdorf Auf vielseitigen Wunsch wiederholte am Sonntag' der MGV , .Liederhalle“ das Singspiel „Die schöne Müllerin“. Wie bei den Aufführungen an den Weihnachtsfeiertagen, so waren auch diesmal die Leistungen der einzelnen Laienspieler wieder ganz hervorragend. Der Besuch der Theateraufführung kann als gut bezeichnet werden, wenn auch der Adlersaal nicht ganz voll besetzt war. Der Schnitter Tod hielt bis. zur Monatsmitte schon reiche Ernte. In der vergangenen Woche starben wiederum zwei Einwohner, Landwirt Markus Anton Schlindwein, Rathausstr. und Landwirt Linus Fischer Bahnhofstr., 76 Jahre alt. —-t— md die alten Baumruinen baldigst zu entfernen. Der Vorsitzende wies besonders auf die geschlossene Obstbaum-Neuanlage im Gewann „Hörenberg“ hin. In dieser Gemeinschaftsanlage sind bis jetzt in der höheren Lage des etwa 3 ha umfassenden Geländes über 150 Kirschenwildlinge angepflanzt. Die tiefer gelegene andere Hälfte des Gewanns mit schwererem Boden wird mit Bühler-, Wan- genheimer- und Lützelsachser Zwetschgensorten bepflanzt. g. Münzesheim Der Jungmännerverein brachte am Sonntag im Pfarrsaal für die Jugend das Lustspiel „Der einzige Rode“ zur Aufführung. Josef Baier als Bildhauer, Reinhard Haßfeld als Theaterdichter und Werner Mildenberger als Kunstmaler fanden in Herbert Gaßner einen guten Onkel, der ihnen aus ihren Sorgen des Alltags heraushalf. Besonders Josef Baier gelang es, sich durch seine Mimik die Herzen * der Kinder zu erobern und reiche Lachsalven zu ernten. . Der Sängerbund wiederholt auf vielseitigen Wunsch die Operette „Frühling in Heidelberg“ am kommenden Sonntag um 20 im Saalbau zum Engel. FaH May zieht weitere Kreise Sprudduunmervorsitzender Keßler in Heft Stuttgart (DND). Der Korruptionsskan- das May zieht immer weitere Kreise. Bisher sind 600 Bestechungsfälle festgestellt worden und neben den bereits in Haft befindlichen Personen wurde jetzt auch der Spruchkammervorsitzende Robert Keßler erneut in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Am Montag soll die Öffentlichkeit über den Stand der Ermittlungen unterrichtet werden. Der kommissarische Direktor der Landespolizei, Oberregierungsrat Hoffmeister, hat eine Pressekonferenz angekündigt, bei der, wie verlautet, auch Innenminister Ulrich und Vertreter des Betriebsrates der Spruchkammer te’!npbm°n v'— Urteil gegen Jones wird überprüft Stuttgart (DND). Der ehemalige MP- Rekrut Rüssel F. Jones, der seinerzeit in Stuttgart in einer Nacht drei Personen getötet hatte und dafür vom amerikanischen Militärgericht zu 25 Jahren Haft verurteilt worden war, wurde kürzlich aus Sicherheitsgründen nach den USA transportiert. Hierzu erfahren wir, daß sein Urteil noch nicht end- Uhr gültig rechtskräftig ist, sondern in Amerika y überprüft werden wird. Heuer Ansdiluß ans Ausland Internation. Autostraße Sinsheim-Heidelberg Das technische Landesamt Ludwigsburg hat den Landesbezirksdirektor