BRÜCHSA1ER POST HEIMATBLATT FÜR KRAICHGAU ÜND BRÜH RAIN Jahrgang 2 Donnerstag, den 26. Januar 1950 Einzelpreis 15 Pfennig Zur Aussprache mit Adenauer bereit Hoff mann: „Ich bin Deutscher“ Saarbrücken (DND). Der saarländische Ministerpräsident Hoffmann erklärte in einem Interview, er sei jederzeit bereit, mit Bundeskanzler Dr. Adenauer zu sprechen. Hoffmann sagte wörtlich: „Ich bin und bleibe Deutscher. Durch unsere Bereinigung in den Beziehungen zum französischen Volk sind wir sogar die Vorkämpfer für eine deutsch-französische Verständigung, oder, wenn sie es so nenfien wollen, die deutschen Interessenvertreter an der Saar.“ Der Ministerpräsident betonte, daß 95 Prozent der Saarländer hinter ihm stünden. In einer Rede vor dem Parlament des Saarlandes betonte Hoffmann, daß er mit der jetzigen Haltung der westdeutschen Regierung und mit der Entspannung hinsichtlich der Saar zufrieden sei. Die Saar müsse für Europa als Beispiel für Mäßigung und des gegenseitigen Verständnisses dienen. Hoffmann bedauerte hierauf die Kritik an der saarländischen Regierung durch eine kleine Gruppe, welche den Anschluß der Saar an Frankreich wünsche. Die Sozialdemokratische Partei des Saarlandes kritisierte am Mittwoch das Gesetz zum Schutz des Staates. Sie kündigte an, sie würde gegen das Gesetz stimmen. Ein letzter Versuch Dr. Müller zur Südweststaat-Frage Sigmaringen (DND). Der Staatspräsident von Württemberg-Hohenzollem, Dr. Müller, wül noch einen letzten Versuch unternehmen, um eine Lösung des Südweststaatsproblems auf der Grundlage der Beschlüsse von Freudenstadt herbeizuführen. Dr. Müller betonte auf einer CDU-Tagung in Sigmaringen, er halte diese Beschlüsse für fair. Im übrigen sei er der Ansicht, daß der Artikel 118 des Grundgesetzes Rechtskraft habe. Zum Südweststaat nahm auch der Vorsitzende der Vereinigung Südwest, Bundestagsabgeordneter Freudenberg, Stellung. Ehr schlug einen Burgfrieden in dieser Auseinandersetzung vor. Vor einem deutschen Gericht. Vor dem Schwurgericht in Würzburg ist am Mittwoch der erste Kriegsverbrecherprozeß eröffnet worden, in dem sich deutsche Staatsangehörige vor deutschen Richtern zu verantworten haben. Angeklagt sind zwei Deutsche, die maßgeblich an der Ermordung Tausender von Juden in Lettland beteiligt gewesen sein sollen. (DND) Der österreichische Außenminister Gruber traf zu Besprechungen mit den Sonderbeauftragten für den österreichischen Staatsvertrag in London ein. Die Außenminister-Stellvertreter der vier Großmächte haben jedoch ihre Beratungen bis Mitte Februar vertagt. (DND) Bidault soll durchgreifen Pariser Kabinett beschloß Sofortmaßnahmen gegen kommunistische Streik- und Sabotageversuche Wendung der französisch-saarländischen Wirtschaftsunion, ferner eine Niederlassungskonvention, eine Bergbau- und eine Eisenbahnkonvention. Zu diesen Verhandlungen habe die amerikanische Regierung dem französischen Außenministerium die Erklärung von Staatssekretär Acheson ausdrücklich bestätigt Durch ihren Schritt habe die amerikanische Regierung Frankreich offiziell mitgeteilt, daß sie den französischen Standpunkt in der Saarfrage billige. Der Pressechef des französischen Außenministeriums erklärte am Mittwoch abend, die französische Regierung sei bereit, die Politik der deutsch-französischen Verständigung fortzusetzen. Dies sei nicht nur das Ziel der französischen Politik, sondern auch der Wunsch der französischen Bevölkerung. Zu dem deutsch-französischen Handels-Abkommen bemerkte der Pressechef, die Verhandlungen seien soweit gediehen, daß der neue Vertrag fast unterschriftsfertig sei. Paris (DND). Das französische Kabinett beschloß am Mittwoch Sofortmaßnahmen, um den kommunistischen Versuchen, die Herstellung und den Transport von Militärlieferungen nach Indochina zu verhindern, ein Ende zu machen. Das Kabinett erteilte Ministerpräsident Bidault Vollmacht, Arbeiter der verstaatlichten Industrie zu entlassen, die an illegalen Proteststreiks teilnehmen, um Aufträge an RUstungsfabriken zurückzuhalten. Im Anschluß an die Sitzung wurde amtlich bekanntgegeben: „Der Präsident der Republik Auriol griff in die Besprechungen ein und bezeichnete politische Streiks als vorsätzliche Vergehen gegen den Staat.“ In hiesigen politischen Kreisen nimmt man diese Bekanntmachung als Zeichen auch dafür, daß die französische Regierung jedem Versuch der Kommunisten, das Eintreffen von Waffenlieferungen aus den USA zu verhindern, energisch entgegentreten werde. Schuman zur Saarfrage In der Sitzung des französischen Ministerrates erstattete Außenminister Schuman Bericht über die zwischen der französischen und der saarländischen Regierung laufenden Verhandlungen. Er führte dabei aus: In Prüfung stehen fünf Konventionen, nämlich eine solche über die Befugnisse der französischen Verwaltung im Saargebiet, eine über die An- Eine neue Niederlage Die Haushaltsvorlage der Regierung Bidault hat erneut eine Niederlage erlitten. Der Rat der Republik lehnte den Teil des Gesetzes, der die zivilen Ausgaben umfaßt, mit großer Stimmenmehrheit ab. Falls er auch den Gesamthaushalt ablehnen sollte, kann die Regierung ihre .Budget-Vorlage nur durchbringen, wenn die Nationalversammlung sie mit absoluter Mehrheit billigt. Adenauer an Franpois Poncet Ein Brief des Bundeskanzlers zur Hamburger Rede Dehlers Von unserem DN.D-Borreiponden.tsn v. W. Bann. Auf das Schreiben, das Fran- pois-Poncet zur Hamburger Rede des Minister Dehler an den Bundeskanzler richtete, hat Dr. Adenauer jetzt dem französischen Hohen Kommissar geantwortet. In seinem Schreiben erklärt der Bundeskanzler, daß die Ausführungen Dehlers Gegenstand einer Aussprache im Bundeskabinett gewesen seien. Wörtlich heißt es in dem Brief: „Minister Dehler hat mir erklärt, daß die Veröffentlichungen seiner Hamburger Rede in entscheidenden Punkten infolge der Kürzungen durch die Presse zu Mißverständnissen Anlaß geben können. Er habe vor allem nicht die Absicht gehabt, Angriffe gegen Frankreich zu richten. Er sei vielmehr in seiner Hamburger Rede ausdrücklich für eine Vertiefung der deutsch-französischen Verständigung und für den Ausbau der europäischen Zusammenarbeit eingetreten.“ Im Adenauer-Brief heißt es weiter, daß der Kanzler den Anlaß benutze, um Frangois- Wildermuth über Wohnungsbau-Programm Finanzierung des 1. Bauabschnitts gesichert Von unserem DND>Korrespondenten v. W. Bonn. Den Entwurf zum ersten Woh-* aungsbau-Gesetz, das je in Deutschland vorgelegt wurde, erläuterte am Mittwoch Bundesaufbauminister Wildermuth vor der Bon-' ner Presse. Der Wohnungsbauminister erklärte, daß der Entwurf die Billigung des Kabinetts gefunden habe und daß er nunmehr dem Bundesrat zur Beratung vorliege. Der Entwurf, der insgesamt 23 Paragraphen umfaßt und sich in die allgemeinen Vorschriften des öffentlich geförderten und sozialen Wohnungsbaues — dieser bildet das Kernstück — und den frei finanzierten Wohnungsbau gliedert, soll nach Äußerungen Wilder- muths nur die ersten und wichtigsten Fragen beantworten. Weitere Probleme würden sich aus der zukünftigen Gestaltung des Wohnungsbaues ergeben. Zu den sonst vorliegenden Vorschlägen erklärte Wildermuth: „Ich möchte kein langes Programm für den Wohnungsbau, sondern erst einmal das erreichen, was ich im Augenblick übersehen und bezahlen kann.“ Die Finanzierung Zum Finanzierungsproblem sagte der Minister, daß dieses nunmehr für den ersten Bauabschnitt gelöst sei, der für das Jahr 1950 den Bau von rund 250 000 Wohnungen mit einer Aufwendung von reinen Baukosten in Höhe von 2,5 Millarden vorsieht. Danach kommen für erste Hypotheken von den Sparkassen ttsw. rund 650 Millionen, deren Refinanzierung von den Landeszentralbanken sichergestellt ist. Weitere 200 Millionen fließen für erste und zweite Hypotheken von den privaten und öffentlichen Bausoarkaasea >u. Durch Restfinanzierung, Zuschüsse finanzieller Art usw. werden rund 1,3 Milliarden hinzukommen. Die Haushaltsmittel der Länder und Gemeinden sollen sich mit 400 Millionen beteiligen. Aus Mitteln des Lastenausgleichs, der Soforthilfe und des ERP rechnet man mit rund 650 Millionen. Schließlich wird der Bundesfinanzminister aus dem „Münz-Gewinn“ 400 Millionen beisteuern. Da die Verwirklichung des Wohnungsbauprogramms sowohl von der Witterung als auch von vielen nicht leicht übersehbaren Faktoren abhängt, ist die Gesamtsumme der vorher aufgeführten Beträge wesentlich höher als notwendig. Was darüber hinaus an Geldern anfällt, soll in das nächste Etatsjahr übernommen werden. Wie der Minister weiter erklärte, ist der frei finanzierte Wohnungsbau im Gegensatz zum sozialen Wohnungsbau von der Erfassung und Zuteilung durch die Wohnungsämter ganz ausgenommen. Die Vorschriften des Mie- tersehutzgesetzes und der Preisbildung sollen dabei nicht angewandt werden. Für Flüchtlinge Minister Wildermuth ging schließlich auf das Sonderwohnungsbauprogramm für Flüchtlinge ein und stellte hierzu fest, daß für die im Augenblick im Gang befindliche Umsiedlungsaktion der Heimatvertriebenen aus den überbelegten Gebieten in die französische Zone besondere Mittel verfügbar gemacht werden müßten, damit die Umgesiedelten bald in ihre eigenen Unterkünfte einziehen können. Den in den überbelegten Gebieten Zurückbleibenden soll darüber hinaus durch Belebung der Selbsthilfe im Wohnungsbau geholfen werden. Poncet „sein Bedauern darüber zunj_ Aufdruck zu bringen“, daß gewisse Teile der Dehler-Rede zu Schlußfolgerungen führen können, die der politischen Grundeinstellung des Bundesjustizministers nicht entsprächen. „Herr Minister Dehler hat sich auch bereiterklärt, Ihnen persönlich zu einer Aussprache zur Verfügung zu stehen, um seine auch von ihm in der Wirkung überaus bedauerten Darlegungen im einzelnen aufzuklären.“ Abschließend erklärt der Kanzler, daß die Bundesregierung und er selbst es ausdrücklich ablehnten, sich die Ausführungen des Bundesjustizministers — so, wie sie von dpa verbreitet wurden — zu eigen zu machen. * Der französische Hohe Kommissar in Deutschland, Francois-Poncet, erklärte in Kassel, alle Mißverständnisse müßten und würden bereinigt werden, McCloy bei Acheson Rückkehr voraussichtlich am Dienstag Washington (DND). Der amerikanische Hohe Kommissar, John McCloy, traf am Mittwoch mit Außenminister Acheson zusammen. Am Nachmittag berichtete er im Außenpolitischen Ausschuß des Senats über seine Arbeit in Deutschland. Der Hohe Kommissar kehrt voraussichtlich am Dienstag nach dem Petersberg zurück. In einem Interview mit der „Stimme Amerikas“ erklärte McCloy, die Revision des Besatzungsstatuts hänge davon ab, inwieweit die Bundesregierung die Voraussetzungen einer demokratischen Regierung erfülle. Auf einer Pressekonferenz sagte McCloy, der Bericht, wonach eine-zeitlich unbegrenzte Aufschiebung hinsichtlich der Regelung der deutschen Vorkriegsschulden vorgeschlagen wäre, sei nicht gänzlich falsch. Unser Londoner Mitarbeiter erklärt dazu, dieser Vorschlag habe in England eine gewisse Überraschung hervorgerufen, da er bei früheren Besprechungen über diese Frage mit Vertretern der USA nie zur Sprache gekommen sei. Seit einigen Monaten bildete die Frage der deutschen Vorkriegsschulden das Haupthindernis für das Zustandekommen eines Abkommens zwischen den Westmächten über-neue ausländische Kapitalinvestierungen in Deutschland. Die Internationale Ruhrbehörde soll nach Meldungen aus London beauftragt werden, die Investitionen und die Dekartellisierung in Westdeutschland zu überwachen. Die Ruhrbehörde soll diese Aufgabe übernehmen, sobald die Stahl- und Kohlenkontrollgruppen aufgelöst sind. (DND) Haftbefehl wird nicht vollstreckt. Das britische Militärgericht, das, wie bereits berichtet, einen Haftbefehl gegen den niedersächsischen KP-Abgeordneten Lehmann erlassen hatte, beschloß, den Haftbefehl vorläufig nicht *u vollstrecken. (DND) Sühne oder Fehlurteil? W »shington (DND). Nach einem über zwei Monate sich hingehenden Spionage- Prozeß gegen Alger Hiss, den ehemaligen Generalsekretär der Dumbarton Oaks-Kon- ferenz, auf der die Charta der Vereinten NaUonen ausgearbeitet wurde, haben die Geschworenen auf „Schuldig“ erkannt. Der Angeklagte wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt Der Hiss-Prozeß, der Monate hindurch die Öffentlichkeit der Vereinigten Staaten in Atem hielt, hat sich zu einem Hochverratsverfahren von ungewöhnlicher Bedeutung entwickelt. Die Anklage warf Alger Hiss zunächst vor, er habe um die Jahreswende 1937/38 Wichtige Geheimdokumente, die er als hoher Beamte des amerikanischen State Department zu bearbeiten hatte, in seiner Wohnung abgeschrieben und dem damaligen kommunistischen Agenten Whittaker C a m b e r s ausgehändigt. In dieser Form konnte die Anklage jedoch nicht aufrecht erhalten werden, da nach einem amerikanischen Gesetz derartige Vergehen nach drei Jahren verjährt sind. So wurde Hiss des doppelten Meineids angeklagt: Den ersten Falscheid habe er geleistet, als er beschwor, niemals geheime Dokumente n Cambers ausgehändigt zu haben, den zweiten, als er unter Eid behauptete, er hätte diesen nach dem 1. Januar 1937 nicht mehr geseher. Bereits im vergangenen Jahr war Hiss nach einer sechswöchigen Verhandlung des Meineids für schuldig erklärt worden. Er legte jedoch Berufung ein und der Prozeß wurde im November 1949 erneut aufgerollt. Die Frage, ob Hiss wissentlich einen Falscheid geleistet habe, blieb während all dieser V r- handlungswochen bis zum Schluß offen. Sehr oft waren die Geschworenen im Zweifel, ob der Angeklagte — trotz aller gegen ihn sprechenden Indizien — nicht das Opfer eines ka'tbiütigen Spionageringes sgi. Es tauchte sogar das Wort - von einem „Amerikanischen Dreyfuß-Prozeß“ auf und der Sonderbotschafter J e s s u p erklärte im Zeugenstand: „Alger Hiss stand bei seinen Vorgesetzten im Rufe eines Mannes von Lauterkeit und Wahrheitsliebe“. Hiss selbst blieb bis zum Schluß bei seinen Aussagen und der Verteidiger will gegen das jetzt gefällte Urteil Berufung ein- legen. Die gesamte amerikanische Öffentlichkeit verfolgte die Verhandlungen mit großer Spannung, die zu keinem Zeitpunkt erlahmte. Dieses allgemeine Interesse ist nicht zuletzt der menschlichen Seite des Prozesses zuzuschreiben; denn Whittaker Cambers war nicht nur Hauptbelastungszeuge, er gab auch an, daß Hiss sein bester Freund gewesen sei, uen e. 1938 vor den Kommunisten gewarnt habe, als er selbst mit diesen gebrochen habe. Die ganze Tragweite des Falles Hiss wi td deutlich, wenn man weiß, weich bedeutsame Rolle der Angeklagte im politischen Leben der Vereinigten Staaten gespielt hat. Hiss, der heute erst 45 Jahre alt ist, war während seiner Studienzeit einer der populärsten Führer der amerikanischen Studentenbewe- gang. Nachdem er an der Havard-Law-Sehool unter Felix Frankfurter seine juristischen ' Examen „cum laude“ abgeschlossen hatte, wurde er Sekretär am amerikanischen Staatsgerichtshof. Seine eigentliche Beamtentätigkeit begann im Jahre 1933, als ihn kein geringerer als der verstorbene Präsident R o o s e - velt unter seine engere Mitarbeiter auf nahm. Seitdem gehörte Hiss zu dem kleinen Kreis jener Männer, die die New Deal-Politik einleiteten und seine Laufbahn ging von da an steü aufwärts. 1944 wurde er Generalsekretär der Dumbarton Oaks-Konferenz, auf der 400 Juristen die neue Charta der Vereinten Nationen ausarbeiteten. 1945 begleitete er Roosevelt nach Yaita und im gleichen Jahr wurde er Generalsekretär der Gründungskonferenz der UN in San Franzisko. In den folgenden Jahren blieb Hiss ständiger juristischer Hauptberater der amerikanischen Delegation bei dei den Vereinten Nationen. Eine hohe Ehre widerfuhr ihm, als er am 1. Februar- 1947 zum Präsidenten der Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden ernannt wurde. Allerdings verzichtete er Ende 1948 auf die Wiederwahl zum Präsidenten dieses Instituts, da Cambers ihn in einer Rundfunkansprache einen kommunistischen Agenten genannt hatte. Namhafte amerikanische Staatsmänner wie Norman D a v i e s haben während des Prozesses zugunsten des Angeklagten ausgesagt. Demgegenüber steht aber der einwandfreie Indiaienbeweis, daß die Dokumente auf der Privatschreibmaschine, die sich in der Wohnung von Hiss befand, abpesehrieben wurden. Donnerstag, den 26. Januar 195Ö Amtliche Graphik — ohne Kitsch Außerdem bestätigte eine Reihe von Zeugen, unter denen sich auch Angestellte von Hiss befanden, daß Hiss und Cambers noch im Jahre 1933 in engem freundschaftlichen Verhältnis zueinander standen. Mehrere Kommunisten, wie die frühere Frau des heute in der deutschen Ostzone befindlichen Propagandaministers Eisler, erklärten außerdem, daß Hiss Mitglied der Kommunistischen Partei gewesen sei. Vor der Urteilsverkündung sagte der Hauptbelastungszeuge Cambers, der bis 1937 Agent im Dienste der Kommunistischen Partei war: „Hiss ist einer der im Verborgenen arbeitenden Feinde der Vereinigten Staaten. Ich selbst befand mich in einem großen Gewissenskonflikt, da ich mit meinem früheren Freund Mitleid hatte. Angesichts der geschichtlichen Situation, in der wir uns befinden, konnte ich aber nicht anders handeln.“ Lastwagen-Schlange — 3 km lang Verschärfte Kontrolle bei Helmstedt Berlin (DND). An der russischen Kontrollstelle in Helmstedt, an der Grenze zwischen Westdeutschland und der Ostzone, werden noch immer zahlreiche Lastkraftwagen aufgehalten. Am Mittwoch morgen bildeten über 130 Lastkraftwagen, die sich auf dem Wege nach Berlin befinden, eine fast dreieinhalb Kilometer lange Schlange. Die Stauung wird dadurch verursacht, daß die Russen die Papiere jedes einzelnen Fahrzeugs genau prüfen. Am sowjetischen Kontrollpunkt bei Hof wurde zum Teil die gleiche Verzögerungstaktik angewandt. Der Interzonen-Eisenbahnverkehr verläuft normal. Dagegen halten die Sowjets vier Transportschiffe fest, die nach Westdeutschland fahren wollen. Der Generaldirektor der sowjetisch kontrollierten Eisenbahndirektion hat es emeut abgelehnt, den Westberliner Eisenbahnern die vollen Löhne (statt wie bisher 60 Prozent) in Westmark auszuzahlen. Kriegsopfertagung in Düsseldorf Einheitliches Versorgungsgesetz gefordert Von unserem D N D-Korrespondenten v. W. Bonn. Der Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands h*ält in der Zeit vom 27. bis 29. Januar 1950 seine erste Verbandskonferenz in Düsseldorf ab. Delegierte aus der Bundesrepublik, aus Berlin und dem Saarland werden dazu erwartet. Neben Abgeordneten des Bundestages nehmen auch Vertreter der Bundesregierung und maßgebliche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens an der Konferenz teil. Der Verband soll auf dieser Tagung als größte deutsche Kriegsopferorganisation neu konstituiert werden. Seine Hauptforderungen bleiben wie zuvor ein einheitliches, den finanzpolitischen Möglichkeiten entsprechendes Versorgungsgesetz für ganz Westdeutschland, eine eigenständige Verwaltung des Versorgungswesens und eine besondere Abteilung „Kriegsopferversorgung“ im Bundesarbeitsmmisterium. Von unserem Korrespondenten G. B. Wien. Bei dem Versnch, die auf ungarischer Seite stark verminte Grenze nach Österreich zn überschreiten, gerieten 21 Flüchtlinge ans Ungarn in eines der Minenfelder. Die durch die Explosionen alarmierten Grenzwachen eröffneten das Feuer. Hierbei wurden acht Flüchtlinge getötet und drei verwundet. Auf Befehl des russischen Grenzkommandanten wurden die mit dem Leben davongekommenen Flüchtlinge später den ungarischen Behörden übergeben. Nur einem gelang es, sich auf österreichischem Gebiet in Sicherheit zu bringen. Flucht durch die Todeszone Über Hunderte von Kilometer erstreckt sich entlang der ungarisch-österreichischen Grenze ein Stacheldraht-Verhau, der mit Tausenden von Minen gespickt ist Wer sich von österreichischer Seite nähert, hat unwillkürlich den Eindruck, in eine Frontstellung zu gelangen — oder an ein KZ. Denn hinter dem Drahtzaun erheben sich an beherrschenden Stellen hölzerne Wachtürme, die mit Scheinwerfern und Maschinengewehren ausgestattet sind und auf denen ungarische Soldaten auf illegale Grenzgänger lauern. Jede Nacht gibt es hier Alarm. In den Minenfeldern gehen Leuchtkörper hoch, mit dumpfem, berstendem Knall zergellen Springminen. Scheinwerfer flackern dann über den Verhau und die Garben der Maschinengewehre singen durch den Draht Mit Haken holen am anderen Morgen ungarische Soldaten die Reste jener aus den Minenfeldern, die es wagten, hier einen Weg nach dem Westen zu suchen. Einigen wenigen freilich gelingt es dennoch, hier durchzukommen. Das ist die eine Seite dieser Ereignisse. Die andere liegt darin, daß die österreichischen Grenzbewohner stündlich vom Tod bedroht sind. Zahlreiche Höfe stehen kaum weiter als einige Meter von diesem tödlichen Drahtverhau entfernt Die Felder dieser Bauern reich«» bis an die Grenze. Wollen sie ihre Felder bestellen, dann müssen sie an die Grenze heran. Dabei aber kann ihnen jeder Sensenschlag den Tod bring«», denn die ungarisch«» Minenleger haben sich nicht damit begnügt, ihre Minen auf ungarischem Gebiet zu verlegen. Sie haben vielmehr StolDerdrähte Die Mittwoch-Sitzung des Bundestages - Von unserem D N D-K orrespondenten v. W. Bonn. Im Mittelpunkt der Mittwoch- Sitzung des Bundestages stand die Frage der graphischen Gestaltung der Münzen und Siegel, der Dokumente, Geldscheine und Briefmarken des Bundes. Dazu lag bereits seit dem 2. November 1949 ein Antrag der Bayernpartei vor, der fordert, daß derartige „Ausdrucksformen“ des Bundes durch öffentliche Ausschreibungen und durch Entscheidung eines Fachgremiums zu beschaffen seien. Aus den Äußerungen der Abgeordneten ging hervor, daß in Deutschland — nicht erst seit jüngster Zeit — auf diesem Gebiet der Kitsch Orgien gefeiert hat Man erinnerte dabei ebenso an die alte „Germania“-Marke aus der Monarchie, wie an die zahllosen Briefmarken im Hitlerreich, an das süßliche Plakat zum Goethe-Jahr 1949 und schließlich auch an das eben erst neu geprägte 50-Pfen- nig-Stüdk. Das Haus war sich darüber einig, daß die amtliche Graphik, die gerade auch im Ausland werbend für die Deutsche Republik auftreten soll, nicht vom Amtssessel aus, sondern im Künstleratelier gestaltet werden müsse. In zweiter und dritter Lesung wurde mit großer Mehrheit der Entwurf eines Notgesetzes für die deutsche Hochseefischerei angenommen, den bereits der Frankfurter Wirtschaftsrat in der jetzt beschlossenen Fassung verabschiedet hatte. Die damals gesetzgebende Militärregierung hatte dem Entwurf nicht zugestimmt, da sie kurz vor Konstituierung der Bonner Bundesorgane in deren zukünftige Gesetzgebung nicht eingreif en wollte. Zur Begründung des Entwurfs sagte der nordrhein-westfälische Minister Luebke, daß von den zur Zeit vorhandenen 275 Hoch- seefischdampfem rund 150 überaltert seien und normalerweise längst verschrottet wären. v. W. Bonn. Der Vorsitzende des deutschen Gewerkschaftsbundes, Dr. Hans Böckler, erklärte in einem Interview mit der englischen Zeitung „Daily Herald", die organisierte deutsche Arbeiterschaft sei gegen die Freigabe der Lebensmittel. Sie werde ihren Kampf gegen eine freie Wirtschaft verstärken. Böckler fügte hinzu, niemand könne sich auf die Zusicherung von Ernährungsminister Professor Niklas verlassen, daß die Preise zurückgehen werden. Die Bundesregierung habe ihre Pflicht gegenüber dem deutschen Volk versäumt und steuere Hals über Kopf in ein Ernährungsabenteuer. Der Bundesatisschuß des DGB hat sich in Bonn mit der Neuordnung der deutschen Wirtschaft beschäftigt In einer Entschließung heißt es, der deutsche Gewerkschaftsbund erwarte von der Bundesbahn, daß Verwaltungsrat und Vorstand das Mitbestimmungsrecht der Arbeitnehmer anerkennen. Als größtes Unternehmen des deutschen Volkes müsse die Bundesbahn vordringlich ihr endgültiges Statut erhalten. gelegt, die oft sechs bis acht Meter in österreichisches Gebiet hineinragen. Und die Reichweite von Springminen beträgt mindestens zehn Meter, wenn nicht mehr. Alarm in der Nacht Eine ganze Anzahl österreichischer Bauern hat durch diese Grenzverminung bisher ihr Leben gelassen. Die Hofhunde dürfen nicht mehr frei herumlaufen, denn in mehr als einem Fall haben sie sich in das Minenfeld verirrt und bei der aüsgelösten Explosion nicht nur ihr Leben, sondern auch das aller in diesem Zeitpunkt gerade außerhalb des Hauses befindlichen Bewohner gefährdet. Gibt es nächtlichen Alarm an der Grenze, dann ducken sich die Grenzbewohner in ihre Betten, denn die Garben der Maschinengewehre der ungarischen Posten fegen weit über die Grenze. Die österreichischen Grenzbeamten haben es keineswegs einfacher. Jeder Patrouillengang entlang der Grenze ist für sje nichts anderes als ein Spiel mit dar» Tod. Acht österreichische Grenzbeamte haben bisher ihr Leben verloren. Durch Tiere oder durch nächtliche Grenzüberschreitung vernichtete Minen werden anderntags prompt durch neue ersetzt Die österreichische Grenzbevölkerung hat also keine Hoffnung, daß diese stündliche Bedrohung ihres Lebens sich eines Tages vielleicht durch ein Hochgeben aller Minen sich selbst erledigt Italiens Außenminister de Gasperi hat den Staatspräsidenten davon verständigt, daß er eine neue Regierung bilden werde, an der sich seine Partei, die Christlichen Demokraten sowie die Republikaner und die rechtsstehenden Sozialisten beteiligen. (DND) Im Mausoleum Dimitroffs beigesetzt In Sofia wurde der verstorbene bulgarische Ministerpräsident Kolaroff am Mittwoch in dem Mausoleum beigesetzt, das für den Führer der bulgarischen Kommunisten, Dimitroff, errichtet worden war. (DND) Ein tschechoslowakischer Rechtsanwalt in Prag, der von der dortigen niederländischen Gesandtschaft ersieht worden war, die Verteidigung eines holländischen Staatsbürgers in einem Strafverfahren zu übernehmen, ist verhaftet worden. (DND) Notgesetz für deutsche Hochseefischerei Sehr ausführlidi wurde über einen Antrag der SPD beraten, der die Einsetzung eines Ausschusses zur Prüfung der Auftragsvergebung für Bauten und Einrichtungen am Bundessitz fordert. Die Meinungen gingen darüber auseinander, ob das Parlament berechtigt sei, Maßnahmen der Regierung durch Ausschüsse im« Voraus zu kontrollieren, oder ob es das Kabinett in seinen Entschließungen erst nachträglich überprüfen dürfe. Dabei fiel auch die Bemerkung, daß der Bundeskanzler die Neigung zu „einsamen“ Entschlüssen habe — eine Neigung, die sich auch auf Persönlichkeiten auszudehnen beginne, die im Bonner Raum Bauaufträge usw. zu vergeben hätten. Man kam dahin überein, daß das Parlament so lange in dieser Beziehung wachsam sein müsse, bis der Bund durch einen ordentlichen Haushalt finanziell ohnehin „an die Kette gelegt“ sei. Der Bundestag überwies ferner Gesetzentwürfe über die Renten- und Pensionsrentenversicherung und über den Lohnsteuer-Jahresausgleich für 1949 an die zuständigen Arbeitsausschüsse. Zum ersten Mal nahmen am Mittwoch ausländische Parlamentarier an einer Sitzung des Bundestages teil. Mehrere Abgeordnete der holländischen Arbeiterpartei verfolgten von der Zuschauertribüne aus die Debatte des Bundestages. Die holländischen Abgeordneten sind Gäste der SPD-Fraktion. Fraktionsehefs bei Adenauer Bundeskanzler Dr. Adenauer emfing am Mittwoch die Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen, um diese über die wichtigsten innen- und außenpolitischen Vorgänge zu unterricht«». Solche Besprechungen finden regelmäßig etwa alle 14 Tage statt. In Düsseldorf wies der Bundesvorstand des DGB darauf hin, daß er an seinen Vorschlägen zur kleinen Steuerreform festhalte. Bundesfinanzminister Dr. Scbäffer hatte die Empfehlungen des Gewerkschaftsbundes als unannehmbar bezeichnet. Der DGB erklärt dazu, er werde auch dann nicht von seinen Reformvorschlägen zurücktreten, wenn dadurch ein Steuerausfall von 1,1 Million DM entstehe, da die Empfehlungen des DGB die Kaufkraft des kleirten Mannes fördern würden. Schluß mit den Verstaatlichungen Wahlprogramm der britischen Konservativen London (DND). Die Konservative Partei veröffentlichte am Mittwoch früh ihr Wahlprogramm. Als großes Ziel wird darin die Wiederherstellung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit Großbritanniens und der unbeschränkten persönlichen Freiheit des einzelnen herausgestellt Das konservative Programm verspricht, den Verstaatlichungen sofort ein Ende zu machen, das Gesetz über die Verstaatlichung der Eisen- und Stahlindustrie aufzuheben, die Betriebsleitungen des verstaatlichten Kohlenbergbaus und der Eisenbahnen zu dezentralisieren und den Straßentransportverkehr wieder in privates Eigentum zurückzuführen. Die sozialen Dienste einschließlich des Gesundheitsdienstes sollen beibehalten und weiter entwickelt werden. Auf dem Gebiet der Außenpolitik versprechen die Konservativen, sich energischer als die gegenwärtige Regierung für den Aufbau eines Systems des Friedens »md der Sicherheit im Rahmen der Vereinten Nationen einzusetzen. Großbritannien müsse mit allen Mitteln den Staaten Osteuropas und Asiens dabei helfen, den Ausdehnungsgelüsten des Kommunismus Widerstand zu leisten. VOM TAGE Der britische Finanzminister Cripps ist in Paris angekommen, um an einer Sitzung der Finanzminister der Westeuropäischen Union teilzunehmen sowie an der Tagung des Ministerausschusses der Organisation für die Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas. Der Leiter des US-Amtes für Auslandshilfe, Hof- man, ist zu diesem Zweck ebenfalls in Paris eingetroffen. (DND) Zwischen Großbritannien und den USA sind alle grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten über den Waffenlieferungsveidrag beigelegt.' Das Abkommen, dessen Abschluß durch einige Abänderungen verzögert wurde, dürfte am Freitag unterzeichnet werden. (DND) Der Rechtsausschuß des US-Senats hat einen Gesetzentwurf über die zusätzliche Aufnahme von 320000 verschleppten Personen gebilligt. Die USA haben bisher 124 000 Verschleppte auf genommen. Das Gesetz kann erst in Kraft treten, wenn es von beiden Häusern des Kongresses angenommen wird. (DND) Der US-Botschafter in Belgrad, George Allen, hat dem Präsident«» der jugoslawischen Nationalversammlung sein Beglaubigungsschreiben überreicht., Bei dieser Gelegenheit betonte Allen, daß die USA ihre Politik der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten Jugoslawiens beibehalten werden. (DND) Haftbefehl gegen Westerling. Gegen den ehemaligen holländischen Hauptmann Westerling, der für kurze Zeit die westjavanische Stadt Bandung mit seinen Rebellentrupper» besetzt hatte, wurde von der indonesischen Regierung Haftbefehl erlass«». CDND) Am Rande bemerkt Der ehemalige Chefkläger bei der Zentral- sprudikammer ln Ludwigstrurg, Heinz May, hat sich dieser Tage zu einzelnen Geständnissen bequemt. Oberstaatsanwalt Z a i ß,, der Leiter der Pressestelle der Staatsanwaltschaft, äußerte sich dazu, daß man — im Gegensatz zu gewissen voreiligen Pressemeldungen — bei diesen Aussagen Mays keineswegs von einem umfassenden Geständnis sprechen könne. Die Erhebungen seien noch nicht abgeschlossen und May habe bis Jetzt „nur schrittweise gestanden“. Von dem ganzen Umfang seiner Schuld könne man sich daher, noch kein genaues Bild machen. „Die Neue Zeitung“ schreibt: „In Württemberg-Baden und weit darüber hinaus hat in der letzten Woche der größte bisher bekanntgewordene Entnazifizierungs- Skandal Aufsehen erregt. Mehrere' Spruchkammerbeamte sind über ein „Vermittlungs- büro“ durch erhebliche Summen bestochen worden, damit sie belastete Personen reinwuschen. Wenn dieser Fall,- der die Durchführung der Entnazifizierung in den Augen der Öffentlichkeit weitgehend diskreditiert hat, post festum überhaupt aufgegriffen worden ist, dann lediglich dank der Initiative der Presse und der Zivilcourage der Landespolizei. Beide haben verstanden, sich gegen den Widerstand eines Personenkreises durchzusetzen, der diesen Skandal anscheinend gern hinter verschlossenen Amtsstuben vertuscht hätte. Der amerikanische Landeskommissar von Württemberg-Baden, General Charles P. Gross, hat auf das Verdienst hingewiesen, das sich die Presse erwerben kann, wenn sie die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf Korruptionsfälle lenkt. Die Einwirkungsmöglichkeit der Presse ist aber begrenzt, wenn sie keine Resonanz bei der Bevölkerung findet. Der amerikanische Landeskommissar hat hervorgehoben, daß die deutsche Bevölkerung hier eine Gelegenheit habe, ihr Interesse an der Tätigkeit ihrer Regierung zu demonstrieren. Er bemerkte wörtlich: „Wir haben lange beobachtet, daß die Deutschen zu viel Respekt vor ihren Behörden haben. In diesem Skandal haben wir ein Beispiel für den Mangel an Respekt von deutschen Behörden gegenüber Recht und Gesetz.“ Weinend Gber den Zaun gefragt... Verschleppte deutsche Kinder in Sowjetlager V1 z e n (DND). Ein Rußlandheimkehrer berichtete im hiesigen Durchgangslager von einem Kinderheim in der Sowjetunion, in dem 200 deutsche und 200 sowjetische Kinder festgehalten würden. Er'erklärte, Er sei auf dem Wege zu seiner Arbeitsstätte in Saratow von einem 14jährigen Mädchen angesprochen worden, das ihn über den Zaun des Heimes weinend gefragt habe, wann es zu seiner. Mutter nach Berlin heimkehren könne. Aus einem kurzen Gespräch habe er entnehmen können, daß die Kinder in Berlin, Brandenburg und Ostpreußen beheimatet waren, wo sie beim Einmarsch der sowjetischen Truppen von ihren Müttern getrennt wurden. Ein weißer Geistlicher der „Pfingstkirche“ aus Oolumbus im amerikanischen Staat Ohio wurde während eines „Erweckungsgottesdienstes“ für Neger in Kairo im Staate Georgia überfallen, entführt und mißhandelt Dem Geistlichen war vorher von der Polizei mitgeteilt, es sei in Georgia nicht üblich, sich als Weißer in die Gesellschaft der Neger zu begeben. (epd) Täglich wird mindestens ein Geistlicher verhaftet, berichten katholische Kreise der Tschechoslowakei. Etwa 150 Priester se.en bereits in Haft, obwohl sie durch Drohungen gezwungen den Treueid auf den Staat geleistet hätten. (DN) Streik bei Crysler. In Detroit sind am Mittwoch 89 000 Angehörige des Personals der Crysler-Automobilwerke in den Streik ge- treten. Der Befehl zur Niederlegung der Arbeit erfolgte nach ergebnislosen, über 6 Wochen sieh hinziehenden Verhandlungen über einen Pensionierungsplan. (DND) Kommt Schmidt auf 2200 Siegesritte? Mit Erlenhofer Pferden sollte es glücken ,.Klasse bleibt Klasse“, kann man bei Otto Schmidt, dem Altmeister der deutschen Jok- keys sagen, wenn man sich vor Augen führt, daß er 1949 mit 53 Erfolgen sich hinter dem Champion Hein Bollow (Hamburg), der 75 Siege zum Championat der Flachrennreiter herausholte, an zweite Stelle setzte. Der vierzehnfache Champion Otto Schmidt hat nun schon 2131 Siegesritte in seinem Rekord, der sich 1950 nach seiner Verpflichtung an das Gestüt Erlenhof noch verbessern sollte. Wird er es in diesem Jahr zu der runden Gesamtzahl von 2200 Siegesritten bringen? Die einzelnen Championate 1949 holten sich: Flaehrennreiter: ». Hein Bollow CStall- Jockey von Sdüenderhan) 75 Siegesritte; 2. Otto Schmidt (Gestüt Erlenhof) 5* Siegesritte: 2. B. Ra- dach <• Siegesritte. Hindernisreiter: 1. Bruno Ahr mit 32 Siegesritten; 2. H. Cohn mit 21 Siegesritten; 2. 1. Unterhölzer mit iS Siegesritten. Trainer-Championat: J. F. Weck mit 52 Siegern in der Ostzone: 2. G. Fuchs (Hannover) mit 42 Siegern; 1. H. Hoch mit X Siegern. Amateurreiter: 1. H. Bischof! mit 11 Sie- gesrftten. (isk) Kurze Sportnachrichten Die DFB-Schiedsrichter-Zeitung als amtliches Organ für die Schiedsrichter wird jetzt in Stuttgart von dem bekannten Regel experten Carl Koppebel berausgegeben. Zwei große Gewinne warf der Toto von Württemberg-Baden aus, der für den Spieltag vom 22. Januar für zwei Gewinn« im ersten Rang je 101 648 Mark ausbezahlt. In der Rangliste der Rekordgewinner stehen diese beiden Glücklichen (ein« aus Heidelberg, ein« aus dem oberschwäbischen Kreis Ravensburg) auf dem vierten Platz. (ISK) Grenzwache feuert auf Flüchtlinge Ungarische Flüchtlingsgruppe geriet in Minenfeld — An der österreichischen Grenze lauert das Verderben Böckler warnt vor // Ernährungsabenteuer // Gewerkschaften gegen Lebensmittelfreigabe Donnerstag, den 26. Januar 1950 -- NEUES AUS ALLER WELT Das Fenster zum Weltenraum „Riesenange“ auf Mount Palomar verbessert Von unserem Korrespondenten A.D. Washington Das „Riesenauge“ des größten Fernrohrs der Welt ist wieder bereit, die fernen, unbekannten Regionen des Universums zu erforschen. Der große Spiegel des T e 1 e s k o p s auf dem MountPalomarim Westen der Vereinigten Staaten, dessen Durchmesser über fünf Meter mißt, hat einen Nachschliff erhalten, um einen winzigen Fleck — ein „Bläschen“ von der Größe von V**«» Millimeter — am Rande des Spiegels zu beseitigen. Dieses winzige Fleckchen war groß genug, eine geringfügige Verzerrung der ersten Sternaufnahmen, die im Jahre 1949 durch das Teleskop gemacht wurden, zu bewirken. Wie Dr. Ira S. B o w e n, der Direktor der Sternwarte auf dem Mount Palomar und ihrer Nebenstelle des Observatoriums auf dem Mount Wilson, die beide in Kalifornien liegen, berichtet, ist das Teleskop jetzt wieder „vollkommen intakt“. Neue Versuchsaufnahmen von Sternen, die 48 Trillionen Kilometer (48 000 000 000 000 000 000 km) von der Erde entfernt sind, -seien „bedeutend besser" als die vor dem Nachschliff gemachten. Dr. Bo- wen wurde kürzlich für seine Verdienste um die Förderung der menschlichen Kenntnisse über die Milchstraßen des Weltalls die Rum- ford-Medaille der Amerikanischen Akademie für Kunst und Wissenschaft verliehen. Der „Himmelsatlas“ Das weitreichende Teleskop wird zusammen mit dem Schmidt’schen Phototeleskop, das eine Weitwinkeloptik besitzt, bei einer Vermessung des Himmels notwendig, die zur Zeit auf der Sternwarte vorgenommen wird. Wenn diese Vermessung abgeschlossen ist, werden Astronomen die vielen Tausende von Stemphotographien zu einem riesigen „Himmelsatlas“ zusammenstellen — der ersten kompletten Darstellung des äußeren Universums. Das „Riesenauge“ wird die Blicke des Menschen von dem stürmischen Gipfel des Mount Palomar bis zu den Trillionen von Kilometern entfernten Milchstraßen tragen, zu Sternen, die so fern sind, daß ihr Licht 1 Billion Lichtjahre braucht, um zur Erde zu gelangen. I Lichtjahr ist die Entfernung, die das Licht in einem Jahr zürücklegt, eine Entfernung von etwa 9461 Milliarden Kilometer. Mit flüssigem Schmirgel Das Nachschleifen des Spiegels war eine mühevolle und äußerst heikle Arbeit. Monatelang wurde die fehlerhafte Stelle ständig mit einer Flüssigkeit abgewaschen, die einen sehr feinen Schmirgelstoff enthielt, und so Wegen fahrlässiger Körperverletzung Ludwigsburg (hpd). Am 9.November des vorigen Jahres stieß Oberbürgermeister Dr. Doch auf der Kreuzung Solitude- und Leonberger Straße in Ludwigsburg mit seinem Auto mit einem Omnibus zusammen. Dabei prallte der Omnibus gegen eine Hauswand und verletzte eine dort stehende Frau sehr schwer. Ebenfalls wurden zwanzig Insassen des Omnibusses verletzt. Vor dem Ludwigsburger Schöffengericht wurde Dr. Doch wegen 21 Vergehen der fahrlässigen Körperverletzung zu 300 DM Geldstrafe verurteilt. Das Urteil wurde damit begründet, daß Dr. Doch zu schnell (40 std/km) über die Kreuzung gefahren sei und das Vorfahrtsrecht des Omnibusses nicht beachtet habe. Audi der Omnibusfahrer muß wegen zwanzig solcher Vergehen 50 DM Geldstrafe bezahlen, weil er zu schnell gefahren und ‘außerdem die Bremsen des Omnibusses nicht in Ordnung waren. Ab die Starkstromleitung geraten Ludwigsburg (DND). Ein 42jähriger verheirateter Monteur, der mit seinen Kollegen damit beschäftigt war, in Bissingen-Enz eine provisorische Starkstromleitung abzubauen, wurde beim Berühren der Leitung lebensgefährlich verletzt. Die Sehuldfrage ist noch nicht geklärt. Heoss weiht Heilbronner Schulneubau ein R. Heilbronn. Sechs Wochen vor dem anberaumten Termin wurde die Robert Mayer-Oberschule unter Dach gebracht. In einer kleinen Feier beging man das Richtfest dieses größten Heilbronner Hochbauprojektes, dessen Gesamtkosten über 2,4 Millionen DM betragen. Zwei Firmen batten sich im Wiederaufbau der 38 Klassenräume und der vielen Lehrsäle geteilt Daraus war eine gesunde Konkurrenz entstanden, an der ganz Heilbronn seine Freude hatte. Wie der Oberbürgermeister bekannt gab, hat bereits jetzt Bundespräsident Heuss zugesagt, anläßlich der im Herbst erwarteten Einweihung der Schule in Heilbronn, der Stätte seiner Kindheit, zu Jugend und Eltern zu sprechen. — Mit dem Richtfest der Robert-Mayer-Oberschule wurden innerhalb zweier Wochen zwei große Schulen unter Dach gebracht, drei weitere sind im Bau. Von der „Konkurrenz" mit Stöcken traktiert R. Heilbronn-ln schwer angeschlagenem Zustand wurde eine hiesige deutsche Frau ’on der Stadtpolizei angetroffen. Sie hatte ihren polnischen Freund im DP-Lager besucht und wurde -daraufhin von mehreren weiblichen Lagerinsassen mit Stöcken traktiert. Ein Sanitätswagen vebrachte die Verprügelte ins Krankenhaus. Noch rechtzeitig abgeschnitten Schwäbisch Hall (DND). Ein 43jähri- ger Schreiner wollte Selbstmord durch Erhängen begehen. Er konnte jedoch noch rechtallmählich vollkommen abgeschliffen. Im Verlauf des Prozesses wurden an dem 450 Tonnen schweren Teleskop noch andere Korrekturen vorgenommen. Der Spiegel, der auf Temperaturänderungen nicht gleichmäßig reagierte, wurde am Rande isoliert, und am Fuß des mehr als 18 Meter langen Fernrohrs wurde ein kleines Ventilatorensystem eingebaut. Die Wissenschaftler tragen sich mit der Absicht. noch weitere Verbesserungen vorzunehmen und zusätzliche Geräte einzubauen. Nach Dr. Bowens Ansicht könnten noch weitere Temperaturregulierungen und Abschleifungen vorgenommen werden, und die volle Reichweite der Linse wird erst nach dem Einbau einer Korrekturlinse, die zur Zeit hergestellt wird, erreicht sein. Mit dieser Korrekturlinse wird das Teleskop dieselbe Genauigkeit wie das halb so große Teleskop auf dem Mount Wilson besitzen. Als weiter* Zusatzgerät soll ein Spektrograph zur Analysierung der Strahlen aus dem Weltall eingebaut werden. E i n e B i 11 i o n Li c h t j a h r e ... Das Riesenteleskop, ein Geschenk der Rocke- feller-Stiftung an das technische Institut von Kalifornien, wurde nach 20jähriger Planung und Vorbereitung in den letzten Monaten des Jahres 1947 auf dem Mount Palomar auf gebaut. Dr. Edwin P. H u b b 1 e, ein bahnbrechender Erforscher der Milchstraßensysteme, benutzte das Teleskop als erster, um Stem- nebel zu photographieren, die doppelt so weit von der Erde entfernt sind, als man bisher hatte sehen können. Diese Photographien zeigten keine äußere Begrenzung des Sternen- weltalls, selbst in der unglaublichen Entfernung von 1 Billion Lichtjahren. Man entdeckte in schwachen Umrissen andere Sterne und andere „Milchstraßen“, die noch größer, noch heiler und noch weiter entfernt sind als die uns bekannte Milchstraße. Das Teleskop auf dem Mount Palomar wurde von Dr. Raymond B. F o s d i c k, dem früheren Präsidenten der Rockefeller-Stiftung, als „ein großes, neues Fenster in die Stemen- welt" bezeichnet, das uns „mit den Vorposten von Raum und Zeit, die uns seit undenklichen Zeiten locken, in enge Berührung bringt.“ Sich zu Tode gefastet. Eine Frau aus der Grafschaft Devonshire, die ein Gelübde abgelegt hatte, „zu fasten, bis sie den göttlichen Segen erhielt“, starb an Entkräftung. Der Richter, der die Todesursache zu beglaubigen hatte, erklärte: „Der Tod trat als Folge von seihst auferlegtem Hunger ein, was auf religiösem Glauben beruhte. Es handelt sich hier auf keinen Fall um Selbstmord.“ (epd) zeitig abgeschnitten werden, so daß die Wiederbelebungsversuche Erfolg hatten. Ehezerwürfnisse sollen den Mann zu diesem Schritt bewogen haben. Milehpantseherin klaute „corpus delicti“ Künzelsau (DND). Eine 21jährige ledige Haustochter aus Sindeldorf hatte bei der Milchsammelstelle drei Later Milch abgegeben, unter die sie ein bis eineinhalb Liter Wasser gemischt hatte. Von dieser „Milch“ wurde jedoch eine Probe entnommen. In der darauffolgenden Nacht schlug das Mädchen eine Fensterscheibe der Milchsammelstelle ein, stieg mit Hilfe einer Leiter in den Raum und entwendete fünf Milchproben, darunter auch die ihre, deren Nummer sie sich bei der Abgabe gemerkt hatte. Die Probefläschchen warf sie anschließend in den in der Nähe vo'rbei- fließenden Bach. Die Ermittlungen ergaben, daß das Mädchen schon seit 1949 fortgesetzt Milchfälschungen begangen hatte. Tragisches Ende eines Heimkehrers Bad Mergentheim (hpd). Ein Rußlandheimkehrer, Vater von fünf Kindern, erlitt bei einem Eisenbahnunfall 40 Kilometer vor Frankfurt a. d. Oder so schwere Verletzungen, daß er an den Folgen verschieden ist. Die Trauerbotschaft erreichte die Frau in Ren- gershausen erst kurz vor der Beerdigung, an der sie jedoch in Frankfurt a. d. Oder noch teilnehmen konnte. Nackter Mann machte Gegend unsicher N. Öh ringen. Ein landwirtschaftlicher Arbeiter aus Weinsbach machte in letzter Zeit als „nackter Mann“ die Gegend unsicher. Er belästigte Frauen, die sich auf dem Weg in die Stadt befanden, indem er sich blitzartig sämtlicher Kleider entledigte Der Landespolizei gelang es jetzt, den Wüstling zu stellen. Er gab im Verlauf der Vernehmung bereits vier solcher Verfehlungen zu. Von der Scheimen-Leiter gestürzt Göppingen (DND). Dieser Tage stürzte ein verheirateter Landwirt aus Kuchalb in seiner Scheune von einer Leiter. Dabei erlitt er so schwere Verletzungen, daß er kurz darauf starb. Schuld allein ist der Wein... Kirchheim/ Teck (hpd). Ein hiesiger Einwohner hatte die Nacht zum Tage gemacht und kam erst in den späten Vormittagsstunden von einem feucht-fröhlichen Gelage nach Hause. Als seine Frau ihm wegen der durchzechten Nacht Vorwürfe machte, wurde plötzlich aus dem sonst wegen seiner Sanftheit bekannten Mann ein wilder Löwe. Das Geschirr flog aus dem Küchenschrank, das Federbett wurde in Brand gesetzt. Kurz und gut, er demolierte die ganze Wohnung. Messerwerfen’ wurde geübt, doch als er seine Ehehälfte zur Zielscheibe auserkor, ergriff diese schleunigst die Flucht und suchte Schutz Großer Bilderdiebstahl aufgedeckt Greifswaider Museum ausgepiündert Hamburg (DND). Wie die „Welt“ erfährt, ist in Lübeck ein Bilderschmugge] größten Ausmaßes aufgedeckt worden. Vier Originalradierungen von Dürer und Rembrandt, darunter „Die Kreuzigung" und „Christi Geburt“ des Nürnberger Meisters sowie das „Portrait eines Unbekannten“ von Rembrandt, wurden von der Kriminalpolizei sichergesteilt. Diese war angewiesen, die Wohnung eines gewissen Stark in Lübeck zu durchsuchen, da gegen ihn der Verdacht bestand, etwa 200 Originalgemälde und -urkunden aus dem Greifswaider Museum gestohlen zu haben. Stark wurde in seinem Absteigequartier nicht angetroffen, jedoch konnten die Gemälde sichergestellt werden. Eine umfassende inter- Kredite für Flächtlingsbetriebe Die neu gegründete Württembergische Finanzierungs-Aktiengesellschaft ermöglicht es den Flüchtlingen, für ihre Betriebe kurzfristige Kredite in Anspruch zu nehmen. Der Finanzierungs-AG. stehen zur Zeit 1,6 Millionen DM zur Verfügung. Dieser Betrag wurde mit einem Sechstel vom Staat, mit fünf Sechsteln von der Aktiengesellschaft zur Verfügung gestellt Jedoch ist der Staat mit 90 Prozent am Risiko beteiligt, so daß es ein ziemlich schwieriger und langer Weg ist bis' zur Auszahlung eines Kredits. Die Kreditwürdigkeit der Antragsteller wird von einem Kreditausschuß, dem ein Vertreter des Wirtschaftsministeriums, ein Vertreter des Finanzministeriums und ein Flüchtlingsvertreter angehören, mit peinlicher Sorgfalt überprüft. Dies ist deswegen notwendig, weil es sich ja in den meisten Fällen um „Personenkredite" handeln wird. Bisher wurden Anträge mit einer Gesamtkreditsumme von 300 000 DM bearbeitet Sollte sich die Flüchtlingskredithilfe auf dieser Basis bewähren, was infolge der kurzen Zeit ihres Bestehens noch nicht beurteilt werden kann, so will man sie auch auf Baden ausdehnen und die Kapitaleinlage gegebenenfalls erhöhen. (hpd) Stundung der bäuerlichen Soforthilfe Vom Bauernverband Württemberg-Baden wird uns geschrieben: „Bei der zur Zeit schlechten finanziellen Lage der Landwirtschaft kommt dem Stündungserlaß des Bundesfinanzministers vom 2. Dezember 1949 für die bäuerliche Soforthilfe besondere Bedeutung zu. Der Deutsche Bauernverband erbei den Hausbewohnern. Diese alarmierten die Polizei und der „starke Mann“ wurde höflich, aber nachdrücklich gebeten, die Polizeiwache mit seiner Anwesenheit zu beglük- ken. Dort wurde er dann auch bis zur vollkommenen Nüchternheit aufbewahrt. Polizist fahr in den Tod Reutlingen (hpd). Ein Polizeiwachtmei- ster, der in der Gegend von Kohlstetten einen Lastwagen mit seinem Motorrad überholen wollte, kam auf der vereisten Straße ins Rutschen und stürzte schwer. Er ist inzwischen im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Von einem Wurzelstück tödlich getroffen Biberach/Riß (hpd). Eine 30 Jahre alte Frau wurde bei Sprengarbeiten im Walde von einem schweren Wurzelstück tödlich getroffen. Absichtlich gebrochenes Deutsch gesprochen M.P. Ravensburg. Die beiden Räuber, die seinerzeit versucht hatten, die Kasse des Bahnhofs Weißenau bei Ravensburg zu plündern, konnten jetzt von der Kriminalpolizei ermittelt und verhaftet werden. Es handelt sich nicht um Ausländer, sondern um einen Deutschen, der früher in der Tschechoslowakei gelebt hat und um einen jungen Mann aus Offenburg, beide im Alter zwischen 16 und 18 Jahren. Sie hatten absichtlich gebrochenes Deutsch gesprochen, um den Eindruck hervorzurufen, daß es sich um Ausländer handele. Die Beiden, denen noch eine Reihe weiterer versuchter und vollendeter schwerer Straftaten zur Last fallen, befanden sich bereits wegen einer anderen Sache in Haft, als man ihnen wegen des Bahnhofsüberfalles auf die Spur kam. Wohnhaus und Scheuer Biedergebrannt A. Schramberg. Hart vom Schicksal betroffen wurde die Gemeinde Empfingen über Horb/Neckar. Nachdem erst vor wenigen Wochen drei Anwesen abgebrannt waren, brach in der Schanzgasse Feuer aus. Durch den starken Wind begünstigt, brannte ein Wohnhaus mit großem Ökonomiegebäude innerhalb einer Stunde vollkommen ab. Auch sämtliche Futtervorräte sind vernichtet. Der Schaden ist »dir groß. Brandursache noch unbekannt. Vom Hingest ürzt en Jeep zerquetscht Pforzheim (SWK). Auf der unbefestigten Zufahrtsstraße von Langensteinbach nach der Autobahn ereignete sich ein schweres Unglück. Ein mit zwei Soldaten besetzter amerikanischer Jeep mit Anhänger geriet aus bisher noch nicht bekannter Ursache vom unge- pflasterten Fahrweg ab und landete im Straßengraben. Dabei überschlug sich der offene Jeep und begrub eineu der Insassen unter sich. Der Soldat war auf der Stelle tot. Der Beifahrer konnte sich noch rechtzeitig durch Abspringen in Sicherheit bringen und trug nur geringfügige Verletzungen davon. nationale Fahndungsaktion wurde daraufhin nach ihm eingeleitet. In dem abgestellten Gepäck des Gesuchten befanden sich mehrere Originalurkunden der Königin Luise, Kaiser Wilhelms I. und Kaiser Wilhelms II. sowie Briefe Bismarcks. Eislawine verschüttet Dorf Uber 50 Menschen umgekommen T ä b r i s (DND). In Ost-Kurdistan brach eine überhängende Gletscherwand plötzlich los und stürzte als riesige Eislawine zu Tal. Hierbei begrub sie das persische Dorf Tange- sar und dessen Einwohner unter sich. Herbei geeilte Hilfsmannschaften, die unter großen Schwierigkeiten die gewaltigen Eistrümmer zu beseitigen versuchten, konnten niemanden mehr lebendig bergen. Über 50 Personen wurden bereits erfroren auf gefunden. wartet, daß die nachgeordneten Dienststellen in allen notwendigen Fällen in weitestem Umfang dürch Stundung die intensive Fortführung der landwirtschaftlichen ' Betriebe ermöglichen. Teilweise bereits durch Verzicht aiif produktionsfördemde Maßnahmen, hat die deutsche Landwirtschaft die Zahlung der Soforthilfe am 20. November 1949 eingeleitet. In der Zwischenzeit hat sich infolge der grundlegenden Änderung der marktwirtschaftlichen Verhältnisse, besonders auf dem Schlachtvieh- und Fleischmarkt, eine völlig neue Lage ergeben. Absatzstockungen erneb- lichen Ausmaßes sind eingetreten, vornehmlich in den Spezialbetrieben des Tabak-, Wein- und Obstbaues und in der Saatzuchtwirtschaft. Auf dem entscheidenden Gebiet der Milchwirtschaft zeichnen sich ähnliche Gefahren ab. Unter diesen Umständen ist die deutsche Landwirtschaft kaum in der Lage, die erforderlichen Geldbeträge zur Sicherstellung der neuen Ernte aufzubringen. Düngemittel z. B. werden nur in völlig unzureichendem Maße abgerufen, der Zukauf von Saatgut geht sehr stark zurück. Die Leistung der Soforthilfeabgabe zum 20. Februar 1950 würde angesichts dieser Lage die Intensivierung der landwirtschaftlichen Betriebe völlig in Frage stellen, die die Voraussetzung der Existenz unserer Landwirtschaft ist. Aus diesem Grunde hält es der Deutschs Bauernverband für geboten, die Stundung der neu fälligen Soforthilferate dem Landvolk im weitesten Umfang zugute kommen zu lassen." Kartoffelkäferbekämpfung einfacher Umfangreiche Versuche zur Herabsetzung der Spritzflüssigkeitsmengen bei der Karto'ffel- käferbekämpfung wurden von den landwirt-* schädlichen Instituten der Universitäten Bonn, Göttingen und Hohenheim auf Anregung des Ausschusses für Pflanzenschutz im KTL durchgeführt. Die Versuche stützten sich auf langjährige ausländische Erfahrungen. Die genannten Institute stellten fest, daß bei entsprechender Erhöhung des Wirkstoffgehaltes nur noch 200 Liter pro ha gegenüber den bisher üblichen 600—800 Litern erforderlich sind. Besonders günstige Ergebnisse wurden bei der Kartoffelkäferbekämpfung mit DDT 50 und bei der Unkrautbekämpfung mit Wuchsstoffhormonen (U 46) erzielt. (VWD) Sachverständiger für Weinfragen Die Handelsvertragsverhandlungen für Weinfragen machten es notwendig, einen deutschen Sachverständigen für dieses Gebiet zu bestellen, der künftig bei den einschlägigen Besprechungen herangezogen werden soll. Als Sachverständiger wurde der Vertreter des Deutschen Bauernverbandes für Weinfragen, G“af Matuschka-Greiffenclau, berufen. Damit ist Gewähr geboten, daß bei kommenden Verhandlungen die Interessen der deutschen Winzerschaft gewahrt werden. B. V. Obst- und Gemüseausschuß im DBV Ein Obst- und Gemüseausschuß wird sich am 9. Februar im Rahmen des Deutschen Bauernverbandes konstituieren, der künftig die Interessen der landwirtschaftlichen Obstund Gemüsebauern unter Verwendung dieses neuen Organs wahmehmen wird- B. V. Von den Sehweinemärkten In Württemberg wurden dem Boptinger Schweinemarkt 14* Ferkel und 22 Läufer zugeführt. Nur ein Teil der Tiere konnte verkauft werden. Für das Paar Ferkel wurden 80 bis 120 DM und für Läuferschweine 150 bis 205 DM bezahlt. Dem Schwetnemarkf in Schwäbisch Half wurden 23t Milchschweine (Ferkel) und 3 Läuferschweine zugeführt. Bei Milchschweinen schwankten die Preise zwischen 40 und M DM je Stüde. Bei den Läufern lag der Stückpreis bei 70 DM. Der Marktverlauf war schleppend. Die Milchschweine wurden fast alle abgesetzt Auf dem Schweinemarkt in Ilshofen wurden 204 Milchschweine und 7 Läufer aufgetrieben. Die Stückpreise lagen für Milchschweine zwischen 42 und M DM, für Läufer zwischen 85 und 100 DM. Verkauft wurden bei schleppendem Handel und rückläufigen Preisen 249 Milchschweine und 4 Läufer. Auf dem Schweinemarkt in Öhringen war der Absatz bei einem Auftrieb von 85 Milchschweinen sehr schlepaend. Die Preise lagen zwischen 40 und « DM. (VWD) Wetterbericht Vorhersage: Zeitweise leicht bewölkt, im wesentlichen niederschlagsfrei. Tagestemperaturen bis gegen null Grad ansteigend. Nachts Tiefsttemperaturen immer noch unter minus 5 Grad. Schwache Winde. Übersicht: Die Witterung unseres Gebietes steht noch immer unter dem Einfluß des über Osteuropa liegenden Hochdruckgebietes. An seinem Westrand gelangen von Zeit zu Zeit etwas mildere Luftmassen aus Süden zu uns, ohne daß dadurch ein Wetterumschlag bewirkt wird. AUS DEM SODWESTEN AUS DEM WIRTSCHAFTSLEBEN oo DiE ERZÄHLUNG Im Jungen Jahr Für Oie Enttäufchten erzählt oon Eriha Schüttler Es lag keine gute Zeit hinter den beiden Menschen, dem Mann und der Frau, die hier am Tisch saßen und ihre Suppe löffelten. Vor zwei Monaten etwa war der Mann heimgekehrt aus russischer Kriegsgefangenschaft in die kleine Einzimmer-Wohnung, welche die Frau sich in seiner Abwesenheit erkämpft hatte. Sich und ihm, so schrieb sie damals in den weiten Osten, wo er hinter Stacheldraht ein mehr als karges Dasein fristete, und aus ihren Zeilen sprach der Stolz über das Geschaffene und die frohe Erwartung auf das spätere Zusammenleben. Er selbst gab solchen Gefühlsausbrüchen keine besondere Bedeutung. Das Leben, wie auch seine Arbeif, hatten ihm keine Anregungen solcher Art gegeben, und so waren die Karten, die ihm als Antwortschreiben auf die Heimatpost zur Verfügung standen, gerade recht. Aber als er das kleine Heim zur ersten Mal betreten hatte, konnte die Frau mit dem freudig überraschten Gesichtsausdrude des Mannes wohl zufrieden sein/ und die ersten Wochen ihrer neuen Gemeinschaft verliefen wie die Anfangszeit ihrer Ehe, deren Beginn nun schon ganze sechs Jahre zurücklag. Aber dann kam der Alltag, und der Frau war, als würde mit jeder Stunde, die er vorrückte eine Zeile ihrer Rußlandbriefe gestrichen. Den Rest, der ihr bis heute noch geblieben war, den wollte sie sorglich schätzen und bewahren, aber sie wußte nicht recht, wo anpacken, wie sie das beginnen sollte, und wurde mit der Zeit unsicher und auch ein wenig ängstlich. Der alte Arbeitsplatz ihres Mannes war wohl schon besetzt, aber seine neue Tätigkeit befriedigte ihn anscheinend ebenso gut wie die frühere, denn er klagte nicht und auch der Verdienst war so weit ganz auskömmlich. Überdies verdiente sie selbst durch Nähen noch einiges dazu, so daß es daran also nicht liegen konnte, wenn er nach Feierabend oft einige Stunden später kam, die Sonntage überhaupt nicht zu Hause verbrachte und die letzte Zeit oft mürrisch. ia "”frp ljn dlich ihr eeoenüber war Auch heute verlieh er nach dem Abendbrot noch da? Ha s, und seit einigen Tagen wußte die Frau, daß in der übernächsten Querstraße eine junge Kriegerwitwe wohnte, mit deren zwölfjährigem Buben ihr Mann sonntags aüf den Fußballplatz ging, und dem er eine Eisenbahn aus Holz gebastelt hatte. Es sei eine starke kräftige Frau, so erzählte ihr eine Nachbarin, die Samstag und Sonntag ihr „Ser- ' vice“ hatte, das heißt, sie ging an diesen beiden Tagen ins Weinstüble am Marktplatz, servierte dort und verdiente nach ihren Aussagen in dieser Zeit so viel Geld, daß sie und der Bub gut damit die übrigen Wochentage ihr Auskommen hatten — Das ging so zwei, drei Monate und die junge Frau wurde immer mutloser, wenn sie an die Zukunft ihrer ach so sehnlich erwarteten Gemeinsamkeit dachte. Einmal wollte sie sich ihrer Mutter anvertrauen, aber sie mochte ihr, die mit dem gelähmten Vater schon Sorgen genug hatte, nicht das Herz noch schwerer machen. Oder sollte diese auch ohne Erklärung etwas ahnen, von dem, was immer schwerer auf der Seele ihres Kindes lastete? Denn was sonst suchten die prüfenden Mutterblicke, die beim letzten Besuch ihr Gesicht so nachdenklich gestreift hatten? Sie dachte eben darüber nach, als sie den sommerlichen Garten aufsuchte, den ihr der Vater überschrieben hatte, weil er, ihn selbst doch nie wieder würde pflegen können, wie er es in gesunden Tagen so gern getan. Ein kleiner Gedanke bewegte heute die junge Frau, ein Gedanke, den der stets wärmer werdende Sommerwind ihr immer häufiger wiederbrachte; und in der wohltuenden Mittagsruhe fühlte sie auf einmal klar, daß es in nächster Zeit nicht nur fremde Näharbeit für sie geben würde. Gleich am Abend desselben Tages begann sie kleine Decken und Kissen zu fertigen, strickte oder häkelte in den nächsten Wochen allerhand Kleinigkeiten aus weißer und bunter Wolle. Auch dem Mann mußten diese Vorbereitungen schließlich auffallen, selbst ohne Erklärungen und Beratungen, wie. sie solch be- ' vorstehendes Ereignis nun einmal mit sich bringt Daß er sich um nichts bekümmerte, das störte die junge Frau kaum. Das war Weiberkram, würde er sagen, wenn man ihn um einen kleinen Beistand bitten würde.. Aber daß er so oft abends wegging und trotzdem auch die Sonntage sich nicht freundlicher gestalteten, das machte ihr das Herz so schwer. Doch die Zeiger der Weltenuhr rückten ün- terdeß unentwegt weiter, sie standen nicht still, weder Kummer noch Freude konnten ihren Gang beschleunigen oder verzögern. So löste der Herbst den Sommer, diesen wieder der Winter ab, und das Weihnachtsfest wurde gefeiert. Ein kleines Tannenbäumchen schmückte die junge Frau trotz allem, und wider ihr Erwarten verliefen die Feiertage viel festlicher als es zuerst den Anschein hatte. Sie selbst erhielt ein Halstuch zum Geschenk, dazu etwas Unterwäsche, aber es waren eben Dinge, die man auch Menschen schenken konnte, die einem weit weniger nahe standen, ja sogar gänzlich fremd waren. Doch sie dankte dem Mann mit lieben und guten Worten, und war glücklich, daß ihre kleine Festbescherung es fertigbrachte, ihn über die Feiertage im Hause zu halten. Indes war immer noch die entscheidende Aussprache fällig, die einem bangen Herzen noch mehr Schatten bringen konnte, oder es mit wärmenden Sommersonnenstrahlen mitten im Winter beleben würde. Das neue Jahr war gerade ein paar Tage alt, als die junge Frau an einem Spätnachmittag plötzlich zu arbeiten innehielt und 'dem heute so raschen Schritt ihres Mannes auf der Treppe lauschte Der war so leicht und erregt wie früher, als er in guten Zeiten nach Feier ^pend hereintrat und sein „Komm Elsle“, rief; dann hatte er ihren Arm durch den seinen gezogen und sie durch den stillen Abend geführt. Doch blieb ihr heute nicht viel Zeit zum Träumen, denn schon hielt sie ein verhülltes Etwas in Händen, und eine Stimme sagte in gutem, ach so vertrautem Ton: „Da, Elsle, konnte es nicht eher bringen, war beim Meister in der Stube und ist so lang nicht fertig geworden.“ Zitternde Hände öffneten das Papier und zwei frgh blickende Augen sahen viele weiße Sternlein auf dunklem Grund. Es waren blühende Barbarazweige, welche die Hände der jungen Frau umfaßten, blühende Kirschzweige zur Winterszeit aus des Vaters Garten. Von diesem Tag an spielte der zwölfjährige Junge aus der übernächsten Querstraße mit einem neuen Onkel „Eisenbahn“, und die ersten Frühlingstage brachten in die trauliche Einzimmer-Wohnung ein kleines Mädchen, das auf den Namen Barbara getauft wurde. Ich habe einen Sechsjährigen Sohn Er heißt Peter unö traf Den Gefchmach öes Vaters Ich habe einen sechsjährigen Sohn. Mir gefällt mein Sohn natürlich. Ich glaube, man kann so etwas sagen, ohne daß man gleich in Verdacht gerät, hoffärtig zu sein. Mein sechsjähriger Sohn gefällt mir also. Ich betone es deshalb, weil er nicht allen im Hause gefällt. Man findet ihn zu wild, zu unhöflich, zu wenig erzogen und — ja, ich muß es sagen, obwohl es auf mich zurückfällt — zu wenig sauber. Denn wir leben allein. Es gibt heutzutage sicher mehr Väter, die mit kleinen Kindern allein leben müssen. Ich will die Geschichte nicht zu sentimental machen. Peter hat also keine Mutter mehr, und seit drei Jahren lebe ich mit ihm allein. Wir verstehen uns großartig, obwohl ich ihn nur abends für mich habe. Ich hole ihn aus dem Kindergarten ab und dann gehen wir nach Hause. Ich dachte eigentlich, daß ich ihn ganz gut erziehe. Aber andere Leute finden, daß er verwildert. Er pflegt die Treppengeländer herabzurutschen. Er wirft seine Fußbälle aus dem vierten Stock. Er hat ein dauerhaftes Interesse für fremde Wohnungsklingeln und kennt keine Scheu, auf das kräftigste seine Stimme zu gebrauchen, eine gut äusgebildete helle Jungenstimme. Ich rede ihm natürlich gut zu. Und stets sieht er mich mit heilen, grauen Augen an, ist ein groß- die Leute im ~ die klar wie Wasser sind. Es artiger Junge denke ich, und flause haben keinen Humor. Doch kam er eines Tages zu mir und s-tte: „Warum habe ich keine Mutter? Jeder „ .ge hat eine Mutter. Nur ich habe keine.“ Ich redete ziemlich um die Sache herum. „Leben wir nicht ganz gut allein?“ fragte ich ihn. Aber er sah mich nur nachdenklich an, und ich brachte ihm am nächsten Abend eine Eisenbahn mit, die er sich immer gewünscht hatte. Er spielte natürlich mit der Eisenbahn und ich dachte, ich hätte ihn schon auf diese großartige Weise vom Thema abgebracht, aber als er abends im Bett lag — bei Gott, gründlich gewaschen war er wieder nicht — fing er gleich davon an: „Wenn wir doch eine Mutter hätten —“. Ich sagte: „Wie müßte sie denn aussehen?“ Er legte sich lang,hin und kam gleich mit der Sprache heraus: „Wie Fräulein Hoff- mann.“ Ich war ziemlich sprachlos. „Meinst du das Fräulein Hoffmann, das unter uns wohnt?“ Er nickte: „Die gefällt mir.“ Mein Gott. Dieses Fräulein Hoffmann gefiel mir auch. Aber ich sagte barsch: „Davon will ich nichts mehr hören.“ Am nächsten Abend fand ich meinen Sohn nicht. Er war bei Fräulein Hoffmann und hatte ihr seine Eisenbahn gezeigt. Sie brachte ihn selbst herauf. Ich hatte keine Ahnung. „Ich werde es ihm gleich verbieten“, sagte ich. „Aber nein“, lächelte sie — und sie lächelte reizend — „wir sind befreundet. Lassen Sie ihn nur herunterkommen. Übrigens —“ sagte sie, „gewaschen habe ich ihn schon.“ Ich tobte innerlich. Schließlich kann ich meinen Sohn selber waschen. Sind alle Leute denn besessen, sich über mich lustig zu machen? Wirklich, ein anmutiges Mädchen. Sie sah mich mit haselnußbraunen Augen an und sagte: „Wußten Sie nicht, daß Peterle mich oft besucht?“ „Peter“, sagte ich mit Strenge, „du gehst nicht mehr zu Fräulein Hoffmann. Ich will’s nicht haben.“ Er sah mich wieder an. „Und“, rief ich, „daß du ihr keinen Unsinn erzählst.“ „Was soll ich nicht erzählen?“ sagte er. Er machte mich tatsächlich verlegen Ich zog schließlich meine Bettdecke über den Kopf, aber immerhin — sie hatte haselnußbraune Augen. Und wenn einem etwas so recht gefällt, sieht man’s auch im Dunkeln. Am nächsten Abend klopfte Fräulein Hoffmann an die Tür. „Ich hab’ etwas gebacken“, sagte sie. Ich hab’s Peterle versprochen, daß ich ihm etwas heraufbringe.“ Ich stand — ich geb’s zu — wie ein Holzklotz im Zimmer, das übrigens nicht gerade glänzend aussah. Fräulein Hoffmann fegte mit ein paar Handgriffen Peterles Sachen zusammen, denn er lag schon im Bett. „Er läßt stets seine Kleider so liegen, wie er sie auszieht“, murmelte ich. Und zu Peter sagte ich später: „Hör mal, mein Sohn. Verkriech dich nicht immer so unter der Bettdecke. Ich merke, daß du nicht schläfst. Hast du was gesagt?“ „Was denn?“ kam sein Stimmchen herüber. Er machte eine lange Pause, dann sagte er: „Die gefällt mir, Vater, ich habe sie gefragt, ob sie, nicht zu uns kommen will.“ Ich dachte, ich schlag’ lang hin. Mir blieb fast das Herz stehen. „Was hat sie gesagt, Peter?“ „Gelacht hat sie“,‘murmelte er wieder. Ich sagte: „Hm“. „Hm“ läßt sich immer gut sagen. Ich sagte vielleicht zwanzigmal „Hm“ und stand in der Küche wie ein Idiot. Dann bin ich hinuntergegangen zu Fräulein Hoffmann: „Fräulein Hoffmann“, sagte ich, „hat mein Sohn irgendetwas zu Ihnen gesagt?“ Sie sah mich an und lachte. Die haselnußbraunen Augen und die weißen Zähne machten mich halb närrisch. „Er sagte etwas“, lächelte sie. Und weil sie so fröhlich lächelte, durchströmte mich plötzlich großer Mut. „Dieser Schlingel“, sagte ich, „kann er nicht warten, bis ich selber herunterkomme.“ Und das hat mich gefreut, daß auch das herrliche Fräulein Hoffmann schließlich nicht aus Eisen ist. Sie wurde ganz bleich. Und man merkt ja schließlich, ob einer aus Kummer oder aus Fröhlichkeit bleich wird. Es war pure Fröhlichkeit. Und wenn wir nun mitsammen schlafen gehen, Peterle, „Fräulein Hoffmann“ und ich, dann pflege ich stets noch ein wenig wachzuliegen und voll Stolz nachzudenken — denn immerhin: Ist es nicht eine glänzende Leistung, so sehr den Geschmack seines Vaters zu treffen — und das mit sechs Jahren? David Watznik Ahaöemie für Bühne, Film unö Funh Fachschule für künstlerischen Nachwuchs Von unserem vM-Korrespondenten Wiesbaden (DND). Mitte Januar jährt sich zum ersten Mal der Tag, an dem die Akademie für Bühne, Film und Rundfunk in Wiesbaden als private Fachschule vom hessischen Staatsminsterium für Kultur und Unterricht lizenziert wurde. In dem damaligen Anfangsstadium konnte noch keine richtige Form erkannt werden, und erst heute kann man sagen, daß sich aus den Ideen eine klare Linienführung herauskristallisiert hat. Trotz des Widerhalls in der Presse, die die Gründung vor einem Jahr fand, ist die Akademie bis heute die einzige Institution ihrer Art in Deutschland geblieben. Wie der Leiter der Akademie, Lothar Bär, Vorstandsmitglied des Verbandes deutscher Bühnenschriftsteller und Bühnenkomponisten, in einem Interview erklärte, hat die Akademie erstmalig die drei Kulturzweige: Bühne, Film und Rundfunk gemeinsam in ihrem Lehrplan vereinigt. Sie bietet damit dem Studierenden die Möglichkeit, umfassende Kenntnisse im Kulturschaffen zu erwerben und die veranlagungsgemäße Wahl des späteren Berufszieles zu treffen. Die Akademie, die aus einer zwingenden Notwendigk*it heraus geschaffen wurde, sollte die Lücken ausfüllen, die auf den Gebieten des Theaters, des Films und des Rundfunks in den letzten Jahren entstanden sind. Bis heute würden in Deutschland jegliche Voraussetzungen für eine umfassende wissenschaftliche Ausbildung des künstlerischen Nachwuchses fehlen. Aus diesen Erwägungen heraus wurden die fünf Zweige: Schauspiel, Oper, Ballett, Film und Rundfunk, mit hervorragenden Fachkräften als Leitern besetzt. Die ersten drei Abteilungen, die unter dem gemeinsamen Begriff Bühne vereint sind, werden von Lothar Bär persönlich geleitet, dem für die jeweilige Abteilung eine Fachkraft als Lehrer zur Seite steht. Hier studierenden die Möglichkeit gegeben, in 14 Einzelklassen das angestrebte Ziel zu erreichen, sei es als Darsteller, Regisseur, Dramaturg, Sänger, kaufmännischer Theaterleiter oder Tänzer, Bühnenschriftsteller — kurz einer von jenen zu werden, die unter dem Dache eines Theaters vereint sind. Dr. Heinrich Jonen, der Mitinhaber und Produktionsleiter der Meteor-Film GmbH., dessen Name weit über die Grenzen Deutschlands bekannt ist, leitet die Abteilung Film, in der zehn Einzelklassen — für alle Filmsparten, vom Darsteller bis zum Produktionsleiter — inbegriffen sind. Zunächst erhält der Schüler Unterweisung im allgemeinen Wissen über den Film und eine gründliche Kenntnis über Literatur und Kunstgeschichte. Besonderer Wert wird auf das Zusammenklingen des Künstlerischen und des Technischen im Film gelegt. Die letzte Abteilung, Rundfunk, die im abgelaufenen Semester am meisten besucht war. steht unter der Leitung von Peter Müller- Franken. Der Studierende kann sich in den zehn Einzelklassen auf seinen zukünftigen Beruf, sei es als Rundfunkautor, Dramaturg, Ansager oder Reporter, vorbereiten. Weitgehendste Spezialausbildung auf technisch-psychologischem und künstlerischem Gebiet erfährt beim Rundfunk der Tonmeister wie bei der Abteilung Film der Kameramann. Im übrigen stehen Studierenden aller drei Abteilungen für die Durchführung von praktischen Übungen ein Theatersaal mit guter Raumakustik, ein Kostümatelier, ein Filmstudio im Wiesbadener Filmatelier „Unter den Eichen“ (Comedia) und ein Tonstudio mit Magnetophonanlage für Mikrophonstudien rnd Tonbandkontrollaufnahmen zur Verfügung. In dem vergangenen zweiten Semester, das bereits dem Studierenden die Entscheidung über das zu wählende Fach gab, standen annähernd 100 Schüler und Schülerinnen vor der Prüfungskommission. Bemerkenswert war dabei die Tatsache, daß mehr männliche als weibliche Studierende in der Akademie eingeschrieben waren. Während im ersten Semester das Studium des Schauspiels größeres Interesse fand, war im zweiten Semester der Rundfunk besser belegt. Dagegen liegen für das dritte Semester für den Film zahlreichere Immatrikulationen vor. Die Studierenden der Akademie kommen aus dem ganzen Bundesgebiet, wobei das Ruhrgebiet und Hamburg am stärksten vertreten sind. Neuerdings liegen auch zahlreiche Anmeldungen aus Bayern vor, bis aus den entferntesten Gegenden Garmisch und Berchtesgaden. Neuesten Meldungen zufolge hat sich das Rundfunktheoretische Institut in Nürnberg bereit erklärt, seine Studios, in denen modernste Apparate rundfunkwissenschaftlicher Art vorhanden sind, für die zukünftigen Tonmeister auf die Dauer eines Semesters bereitzustellen. Dem Studierenden ist damit die Möglichkeit geboten, längere Zeit hindurch an den technischen Arbeiten in seinem zukünftigen Schaffensgebiet teilzunehmen und alle erforderlichen Apparaturen kennenzulernen. In einem weiteren Jahr, d.h. nach bisher vier Semestern, werden die ersten Schüler die Akademie verlassen und, mit dem Abschlußdiplom ausgestattet, in das Berufsleben ein- treten. Die strenge Auswahl der Teilnehmer in bezug auf Können läßt schon jetzt erwarten, daß die Wiesbadener Akademie einmal zu einem Begriff unter den schaffenden Künstlern wird. Der hnurrige Gehelmrat Duöett Der Geheime Hofrat Duden, der berühmte Verfasser der deutschen Rechtschreibung, hatte einmal von einem befreundeten Kollegen in Wittenberg ein Buch geliehen. Nacht acht Jahren erhielt er einen Brief, in dem er. gebeten wurde, es zurückzusenden. Duden packte es sofort ein und legte ein Schreiben bei: „Anbei erhalten Sie mit herzlichem Dank Ihr Buch zurück. Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, es zu lesen. Vielleicht ist es Ihnen möglich, es mir später einmal für etwas länger zu borgen. Ihr ergebener Duden.“ Duden, der sich nicht nur um eine einheitliche deutsche Rechtschreibung große Verdienste erworben hat, sondern auch stark für die Reinigung der deutschen Sprache von Fremdwörtern eintrat, hatte eines Tages, als er durch die Berliner Friedrichstraße ging, einen Zusammenstoß mit einem jungen Mann, der es offenbar sehr eilig hatte. Der junge Mann lüftete sofort freundlich den Hut und sagte: „Pardon!“ Duden aber knurrte erbost: „Erst rempeln Sie mich an und dann sagen Si^ auch noch „pardon“, wo doch Verzeihung viel schöner ist.“ Sprach’s, wandte sich um und ging kopfschüttelnd weiter. Duden war einmal bei einer Abendgesellschaft in einen Kreis älterer, sehr gesprächiger Damen geraten. Er saß still dabei und hörte interessiert zu. Die Damen hätten jedoch lieber gesehen, wenn der berühmte Mann an ihren Gesprächen teilgenommen hätte. Eine von ihnen sagte daher aufmunternd zu Duden: „Warum sind Sie denn so still, Herr Geheimrat? Wollen Sie sich nicht ein wenig an unserer Unterhaltung beteiligen?“ „Gnädige Frau“, erwiderte Duden, „unter so vielen Selbstlauten sind auch ein paar Konsonanten notwendig.“ Duden saß mit einem Bekannten bei einem Glas Wein. Es war ein Wirtshausgarten, in dem sie Platz genommen hatten; und der lag nahe der Landstraße. Kaum hatten sie einen Schluck getrunken, als ein Auto — damals noch ein recht seltenes Vehikel — draußen vorüberfuhr und den ganzen Garten in eine dichte Staubwolke hüllte. Der Geheimrat tat noch einen Zug aus seinem Glase und meinte dann zu seinem Bekannten: „So! Jetzt ist mir auch eine Verdeutschung für das häßliche Fremdwort eingefallen.“ — „Ja? und wie lautet sie?“ — „Ungezogener Wagen.“ Russische Astronomen photographierten nach einer Meldung von Radio Moskau den Zen- tralkem der Milchstraße und fanden hierbei doppelt soviel Sterne als bisher bekannt waren. Radio Moskau fügte dieser Meldung hinzu, daß diese Photographien mit Spezialapparaten gemacht wurden. Die Denkschrift zur Frage des Lastenausgleichs Das Bundesfinanzminisierium »rwartet Stellungnahme aller interessierten Kreise • Die verschiedenen Vorschläge Das Bundesfinanzministerium hat eine umfangreiche Denkschrift von 140 Drudeseiten ausgearbeitet, die allen Bundesministerien zur Stellungnahme zugeleitet wurde und jetzt auch der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht worden ist. In dem Bericht wird die Notwendigkeit betont, daß nunmehr durch eine endgültige Gesetzgebung Klarheit für die Geschädigten u. Entschädigungspflichtigen geschaffen wird. Die Schwierigkeiten seien vor allem bei der Zielsetzung des Lastenausgleiches sehr groß. Der Begriff Lastenausgleich sei eine unglückliche Wortprägung und nicht genau abru- grenzen. Das Problem beider Selten... In dem Bericht sind in Form einer Denkschrift die Probleme auf der Aufbringungsund Entschädigungsseite, die Möglichkeiten einer Zerlegung des einheitlichen Lastenausgleiches in einzelne Ausgleichsgruppen und das Verhältnis des Lastenausgleichs zu anderweitigen Maßnahmen dargelegt. Bei Nichtberücksichtigung der Geldwerte wird das belastbare Vermögen auf der Grundlage der Einheitswerte bei einer Freigrenze von 3000 DM auf 90 Milliarden DM und bei einer Freigrenze von lOOiri) DM auf 75 Milliarden DM geschätzt. Von dem belastbaren Vermögen von 90 Milliarden entfallen auf Betriebsvermögen 40 Milliarden, auf Grundvermögen 28 Milliarden, auf land- und forstwirtschaftliche Vermögen 21 Milliarden und auf übriges Vermögen 1 Milliarde. Vermöge nsschäden — Vermögensbestand Die Erfassung der Vermögensschäden ist, wie in dem Bericht au&geführt wird, mit noch weit größeren Schwierigkeiten verbunden, als die des Vermögensbestandes. Wenn man von den steuerlichen Einheitswerten ausgehe, komme der Gesamtschaden an Wohnraum auf 10,5 Milliarden, an Hausrat auf 5 Milliarden, in der gewerblichen Wirtschaft auf 3—10 Milliarden und bei Land- und Forstvermögen auf 1,25 Milliarden. Die Kriegssachschäden in der Bundesrepublik dürften unter Bezug auf die Einheitswerte 28 Milliarden DM auf keinen Fall überschreiten. Die Schäden, die die Flüchtlinge erlitten haben, werden auf 25 Milliarden RM Sachschaden u. 5—7 Milliarden RM Geldschaden veranschlagt. Dazu kommen noch Währungsschäden der Flüchtlinge, die allerdings nur roh geschätzt werden können, von 15—20 Milliarden RM. Das von der Währungsreform betroffene RM-Geldvermögen wird für den Währungsstichtag auf 134,4 Milliarden DM angegeben. Die Altsparanlagen nach dem Stand vom 1. Januar 1940 werden hingegen für das Bundesgebiet mit 33,8 Milliarden beziffert. Ueber die Schäden aus Reparationen usw. werden abschließende Ergebnisse nicht aufgezeichnet. Zusammenfassend werden die Sachschäden auf 53 Milliarden DM geschätzt und die gesamten Währungsschäden mit rund 160 Milliarden DM angegeben. Auf die Altspäranlagen bezogen, betragen jedoch die Währungsschäden 36 Milliarden DM. Berücksichtigung der Vermögensminderung In einer Würdigung am Schlüsse des Berichtes wird u. a. darauf hingewiesen, daß beim Lastenausgleich die Besteuerungsgrenze, der Freibetrag, auf jeden Fall höher bemessen werden muß, als bei der Soforthilfeabgabe. Außerdem müsse, im Gegensatz zu der Soforthilfe der Vermögensminderung durch Kriegs- und Kriegsfolgeschäden bei der Abgabebemessung Rechnung getragen werden. Schließlich dürfte die Funktionsfähigkeit der Wirtschaft durch die Lastenausgleichsabgaben nicht beeinträchtigt werden. — Ueber die Möglichkeiten einer Ausgleichsregelung Ist, wie au* dem Bericht hervorgeht, noch keine endgültige Einigung erfolgt. Man schlägt teilweise vor, das System des Soforthilfegesetzes weiter auszubauen und die Art der Entschädigung durch zwei Grundsätze bestimmen zu lassen. Erstens: Umfang und Form der Hilfe werden im wesentlichen durch andere Gesichtspunkte als der Umfang des Schadens bestimmt; zweitens: in unterschiedlicher Höhe aufkommende Mittel werden nicht gleichzeitig an alle Geschädigten verteilt. Der Lastenausgleichsausschuß des Zentralverbandes der vertriebenen Deutschen und der Zentralverband der Fliegergeschädigten hat dagegen eine vollständige quotale Ausgleichsregelung vorgeschlagen. Sie geht von dem Gedanken aus, daß das Ziel des Ausgleichs eine prozentuale gleichmäßige Vermögensminderung für alle sein soll. Aus den bestehenden Vermögen sollen insgesamt 234 Milliarden Schadensansprüche erstattet werden. Vermögen und Schäden‘sollen nicht nach den Einheitswerten, sondern nach Wiederbeschaffungswerten eingesetzt werden. Punktsystem — Ausgleichsscheine Eine dnitte Lösung berücksichtigt nicht schematisch den Vermögensverlust der Geschädigten, sondern zieht auch eine Reihe von anderen Schäden, die das Vermögen nicht betreffen, in Betracht. Dieser Vorschlag ist am weitesten ausgearbeitet worden. Er sieht ein Punktsystem für die Bemessung der Entschädigung vor. Die ausgegebenen Punkte berücksichtigen den Vermögensverlust, das Lebensalter, den Familienstand, den Verlust der Heimat, den Verlust des Arbeitsplatzes, den Verlust des Hausrates und den Verlust der Wohnung. Hierbei wird, nicht etwa für den Verlust eines zehnfachen Vermögens die zehnfache Punktmenge ausgegeben, sondern man hat folgendes Schema vorgeschlagen: Bei Verlust von Vermögen bis zu 10 000 RM Einheitswert 2 Punkte, bei Verlust von Vermögen bi* zu 100 000 RM Einheitswert 6 Pkt., bei Verlust von Vermögen über 100 000 RM Einheitswert 10 Punkte. Für die Grenzwerte sollen Zwischenstufen eingesetzt werden. Die Entschädigung soll weitgehend durch Sachwerte erfolgen. Das Mittel für diese Methode sind Ausgleichsscheine, die entsprechend der zugebilligten Schäden mit Punkten bewertet werden. Abgabepflichtige können von Geschädigten solche Ausgleichsscheine erwerben und anstatt einer Vermögensabgabe in Zahlung geben. Möglichkeiten der Vermögensbelastung In dem Bericht werden vor allem vier Formen der Vermögensabgabe untersucht: 1. Eine reine Vermögensabgabe, die von allen belastbaren Vermögen in einem ziemlich hohen Prozentsatz erhoben werden soll und bei der erlittene Kriegsschäden und die daraus herzuleitenden Entschädigungsansprüche berücksichtigt werden sollen; 2. eine Vermögenszuwachsabgabe, die alle dielenigen Vermögen treffen soll, die nach dem Stichtag der Währungsreform größer waren als am 1. 1. 40; 3. ergänzende Vermögensabgabe, die zu einem verhältnismäßig niedrigen Satz von allen Vermögen erhoben wird und bei der Kriegsschäden nicht berücksichtigt werden; 4. die Vermögensausgleichsabgabe. Diese ist in dem Bericht am eingehendsten untersucht worden. Die reine Vermögensabgabe macht deshalb große Schwierigkeiten, weil bei ihr die Kriegsschäden jedes Einzelfalles gesondert berücksichtigt und ermittelt werden müßten. Um diese individuelle Feststellung zu vermeiden, wurde die Vermögensausgleichsabgabe entwickelt. Bei der Vermögensausgleichsabgabe wird festgestellt, wie sich das Vermögen de« Abgabepflichtigen am WährungssHchtag gegenüber seinem Stand zum 1. 1. 40 verändert hat. Je nachdem, ob das Vermögen vollständig erhalten geblieben ist oder ob Verluste zu zwanzig, dreißig, vierzig und mehr Prozent eingetreten sind, bemißt sich die Abgabe. Außerdem wird die absolute Höhe des übrig gebliebenen Vermögens berücksichtigt. Von einem gewissen Prozentsatz ab soll die Ausgleichsabgabe nicht erhoben werden. Die Ausgleichsabgabe wird ergänzt durch die Vermögenszuwachsabgabe, bei der diejenigen Vermögensteile weggesteuert werden, die trotz Abwertung durch die Währungsreform den Vermögensstand vom 1. 1. 40 überschreiten. Schließlich wird auf den Rest, den sogenannten „Sockel“, eine allgemeine prozentual niedrige Abgabe erhoben. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, daß einzelne Schadensfeststellungen nicht notwendig sind, sondern einfach ein Vergleich gegenüber dem Vermögenszustand zu Beginn de* Krieges und am Währungsstichtage gemacht wird und damit alle Schäden automatisch be-' rücksichtigt werden. Um Härtefälle soweit wie möglich auszuschließen, muß ein Katalog von Ab- und Zurechnungen geschaffen werden, durch den das belastbare Vermögen entweder vermindert oder erhöht wird. In der Zeit seit 1940 empfangene Erbschaften sollen beispielsweise nicht als Vermögenszuwachs behandelt werden. Etwa erhaltene Schenkungen werden nicht dem Empfänger dieser Schenkung, sondern dem Geber angerechnet. Zur Vermeidung von sozialen Härten wird ein gewisser Betrag grundsätzlich von der Abgabe freigestellt werden. Es Ist daran gedacht, diesen Betrag nach, dem Familienstand zu staffeln. Ueber die Höhe des Sockels bestehen verschiedene Auffassungen. Eine Richtung vertritt einen verhältnismäßig hohen Sockel (bis zu 60 Proz.) und eine dann sehr progressiv ansteigende Abgabe. Eine andere Gruppe will einen niedrigen Sockel von etwa 20 Prozent. Das Aufkommen wird nach dem Bericht des Bundesfinanzministeriums nicht abzuschätzen sein. Eine Lösung dieser Aufgabe sei unmöglich, da während des Krieges und schon eine ... eint uns der Töne mächtig Band Jahreshauptversammlung des MGV „Eintracht“ Neuthard Am Samstag fand im Ritter die Generalversammlung des Gesangvereins Eintracht statt. Einleitend begrüßte der Vorsitzende, Karl Anton Storck, die zahlreich erschienenen altiven und passiven Mitglieder, u. a. auch Bürgermeister Schäfer. Er streifte den Aufstieg des Vereins und hob besonders hervor, daß die gesteckten Ziele erreicht wurden. Brndtsaler Winterfrenden Kassier Artur Schäfer berichtete über die Kassenlage und bezeichnete den Stand als zufriedenstellend. Die Prüfungskommission unter Vorsitz von Bürgermeister Schäfer hob in ihrem Prüfungsbericht auf die tadellose Führung. der Bücher ab. Schriftführer Albrecht Münch verlas den Tätigkeitsbericht. Auch hieraus ging hervor, daß der Verein die Gemeinde Neuthard in jedem Wertungs- und Freundschaftssingen würdig vertrat. Rege* Leben und Treiben auf dem Ei* Gefroren hat es heuer Noch gar kein festes Eis. Das Büblein steht am Weiher Und denkt so für sich leis, Das Eis es muß doch tragen, Ich will es einmal wagen, Wer weiß ? Die Freunde des Wintersports hatten schon alle Hoffnung auf gegeben, in diesem Jahr noch zu ihrem Recht zu kommen. Den Schiläufern fehlte der Schnee — den Schlittschuhläufern das Eis. In der vergangenen Woche setzte Frost ein — neue Hoffnung belebte die Herzen, In Garmisch wurden die Meisterschaftsläufe aus- getragen, in Brusel die Städtische Eislaufbahn eröffnet. Auf dem Eisweiher hinter der Joß- Fritz-Siedlung herrscht Hochbetrieb. Das Ei* hatte am Samstag eine Stärke von 8 cm erreicht. Vornehmlich sind es Kinder und Jugendliche, die die Schlittschuhe aus dem Schrank holen und trotz eisigen Windes dem Wintersport huldigen. Es gibt ja auch nicht* Schöneres, als den Körper auf diese Weise zu stählen und den Lungen rein* frisch* Luft zuzuführen. Interessant sind die Eisbahngespräch«. Wir belauschten zwei Jungen von etwa 8 und 12 Jahren. Der Aeltere konnte offenbar schon ganz gut laufen und versuchte dem Jüngeren seine „Kenntnisse“ beizubringen. „Zunächaefat muscht de Fies fescht z'sammehalte“, meinte er. „Ja, Wenns aber nit geht“, erwiderte der Kleine. „Versuchs halt“, sagte der Große. Der Erfolg war immer derselbe, die ersten drei Schritte ging‘s gut, dann verwechselte er die Himmelsrichtungen und die Füße; auf dem Hosenboden ging es einfach besser. Ja, Schlittschuhlaufen ist eben auch eine Kunst. Die Bruchsaler Bevölkerung dankt der Stadtverwaltung, daß sie die Eisbahn wieder in Betrieb genommen und somit eine Stätte der Erholung geschaffen hat. Da* Schönste ist, daß es keinen Eintritt kostet. Dazu hat die Stadt das Wärme- und Erfrischungshäuschen herrichten lassen. Es sind kostenlose Kleiderablagen sowie saubere Toiletten vorhanden. Die Berufstätigen können die Eisbahn meist erst am Abend besuchen. Gewöhnlich ist es dann schon dunkel, es wäre daher wünschenswert, wenn die Stadtverwaltung wieder eine Lampe anbringen würde. Es ist geplant, im nächsten Winter auch die danebenliegende Eisbahn in Betrieb zu nehmen. Vielleicht bilden sich dann Eishockeymannschaften. Auch die Lehrer mit ihren Klassen könnten während de* Turnunterricht* an den Winterfreuden auf dem Ei* teilnehmen. Auf dem Michaelaberg ist bi* jetzt leider noch kein Schnee gefallen, hoffentlich bleibt den Wintersport- freunden wenigsten» da* Vergnügen auf dem Sic noch recht lang* erhalten. In geheimer Wahl wurde Leopold Schäfer zum 1. Vorstand gewählt. Er versprach, den Verein und das deutsche Lied mit allen Mitteln und Kräften zu fördern. Ihm steht Alfred Reger als zweiter Vorstand mit Rat und Tat zur Seite. Kassier Schäfer und Schriftführer Munch wurden einstimmig wiedergewählt. Als Sängerobmann funktioniert wieder Linus Roth. Für die bisherigen Beisitzer Leopold Schäfer und Alfred Reger kamen Karl Anton Storck und Alfons Schäfer in die Vorstandschaft. Als Aeltestenrat bestätigten die Sänger auf Vorschlag des Versammlungsleiters Gregor Zimmermann, den Vorstand des Musikvereins Eugen Krieger, Hermann Storck, Josef Münch und Friedrich Schäfer. Hans Meichsner wurde mit der Bildung eines Vergnügungsausschusses beauftragt. Der Vorsitzende de* Musikvereins, Eugen Krieger, wies darauf hin, daß der Gesangverein mit seinem neugewählten Vorstand wie bisher Seite an Seite mit dem Musikverein die gehegte und gepflegte Kameradschaft beider Verein# auch weiterhin aufrechterhal- den möge. Abschließend richtet« Vorstand Schäfer mahnende Worte an die Sänger, die Singstunden regelmäßig zu besuchen, daß auch diese* Jahr wieder der Verein einen Aufstieg verzeichnen könne. Sin gemütliche* Beisammensein mit Liedvorträgen schloß di* Versammlung. k. HHdHIHiiimiHlf iHH HilfllHIHIII iitliiütf liiüf itiiüliifiiiiill flHItlilllillf ÜJIIÜIHH fif !!f !ü HH IHM Sapsütikud Wie der Pressedienst der Heimatvertriebenen (HVP) berichtet, erschien in einer deutschsprachigen Zeitung in den USA kürzlich ein Artikel, der mit „Sofort-Antwort auf die Frage nach Soforthilfe“ über- und mit „Sofortikus“ unterschrieben war. Der Artikel hatte laut HVP folgenden Wortlaut: „Soforthilfe wurde sofort nach der Währungsreform, die für viele sofortige Armut und sofortige Enttäuschung bedeutete, erstmals erwähnt.“ „Sofort war man sich darüber klar, daß nur die sofortige Errichtung neuer Aemter, nämlich der Aemter für Soforthilfe, sofortige Vorbereitungen für die Soforthilfe einleiten könnte. Die Soforthilfeämter hatten sofort die sofortige Erfassung der Soforthilfe abgabepflichtigen, sowie die Prüfung der sofort einlaufenden Millionen von Anträgen durchzu- führen.“ „Man hatte jedoch nicht sofort erkannt, daß der Soforthilfe Grenzen gesetzt sind, weil die Gelder nicht sofort eingingen. So war man sich darüber einig, daß nur ein sofortiger Aufschub der Soforthilfe und die Ablehnung vieler Sofort-Anträge den Erfindern der Sofort-Hilfe sofortige Erleichterung bringen könne.“ „Vor einem Jahr wollte man schon die Soforthilfe sofort auszahlen, seitdem hat das sofortige oder nicht sofortige Ableben mancher Soforthilfeanwärter den schwergeprüften Soforthilfeämtern oft sofortige Erleichterung bedeutet, denn die Namen konnten sofort Von der Liste gestrichen werden.“ lllllllilll!lill!!lllll!llll!i!!!lllinil!!!!ll!l!!llH!i!lll!l!llllll!lll!lltni!lllllllitll{lllS!!iHH!llläli!li gewisse Zeit vorher regelmäßige statische Erhebungen bzw. eine Auswertung der durchge- führten Erhebungen unterlassen wurde und somit ein klares Bild des Aufkommens in den verschiedenen Tarifklassen nicht zu beschaffen sei. Auch über den Stichtag gibt es unterschiedliche Auffassungen, Eine bestimmte Gruppe tritt dafür ein, daß für die Lastenausgleichsabgabe nicht der Vermögensstand vom 21. Juni 1948, sondern vom 31. Dezember 1949 zugrunde gelegt wird. Sie begründen das damit, daß in der Zwischenzeit die Vermögen sich stark verändert hätten und eine gewisse Normalisierung der vorhergehenden außergewöhnlichen Verhältnisse eingetreten sei. Eine Reihe von Vermögensmhabern hätte seit der Währungsreform ihr Vermögen zum großen Teil bereits eingebüßt, andere hätten neve beträchtliche Vermögen geschaffen, die dann einer Besteuerung entgehen würden. Ein Festhalten an dem Währungsstichtag würde bedeuten, daß große Vermögen unbelastet blieben und das Aufkommen dementsprechend sänke. Don Bosco, der Friedensprophet Don Giovanni Bosco, dessen 62. Todestag wir am 31. Januar begehen, hat eine Voraussage des Friedens hinterlassen, die möglicherweise sich noch im Heiligen Jahr 1950 erfüllen könnte. „Die Ungerechtigkeit ist verzehrt, die Gottlosigkeit wird ein Ende haben, und bevor zwei Vollmonde des Blütenmonats verstrichen sind, wird der Regenbogen des Friedens über der Erde erscheinen.“ So lautet diese Pro- phezeihung. Als Blütenmonat bezeichnen wir gewöhnlich den Monat Mai. Und dieser heurige Mai weist tatsächlich zwei Vollmonde auf und zwar am 2. und 31. des Monats. Das deutsche Volk ist von tiefster Friedenssehnsucht ergriffen und klammert sich daselbst gern an Prophezeihungen, die den Frieden verkünden. Don Bosco ist kein Wahrsager im üblen Sinne. In der katholischen Kirche wird er als Heiliger verehrt. Sollte aber mit dem Blütenmonat der Monat des Frühlingsbeginns gemeint sein, so müßten wir uns noch bis zum Jahre 1953 gedulden. Verschiedene Anzeichen aber deuten darauf hin, daß der Friede, uns noch heuer beschert wird. Ulationaltheater Mannheim Spielplan vom 29. Januar bis 6. Februar 1950 Sonntag, 29.1., 11 bis 12.30 Uhr; 6 Morgenveranstaltung. Kammermusik des Mannheimer Streichquartetts. 14.30-17 Uhr: Nachmittagsvorstellung zu ermäßigten Peisen „Meine Schwester und ich“, musikal. Lustspiel von Ralph Benatzky. 19.30—22.20 Uhr: „Die Fledermaus, Operette von Johann Strauß. Montag, 30.1., 19.30—22 Uhr: „Meine Schwester und ich“. Dienstag, 31.1., 19.30—22 Uhr: „Meine Schwester und ich“. Mittwoch, 1. 2., 19.30—22 Uhr: In neuer Inszenierung „Rigoletto“. Oper von Guiseppe Verdi. Donnerstag, 2.2., 19.30—22 Uhr: Zum 200. Male: „Die Räuber“, Schauspiel in 5 Akten von Friedrich v. Schiller. Freitag, 3. 2., 19.30—22 Uhr: „Rigoletto“, Oper von Giuseppe Verdi. Samstag, 4. 2., 20—22.30 Uhr: I. Gastspiel Hans Moser mit dem Ensemble des Münchener Volkstheaters „Weekend im Paradies“, Schwank in 3 Akten von Franz Arnold und Emst Bach. Sonntag, 5.2., 15—17.30 Uhr: 2. Gastspiel Hans Moser „Weekend im Paradies“. 20—22.30 Uhr: 3. Gastspiel Hans Moser „Weekend im Paradies“. Montag, 6.2., 20—22.30 Uhr: Letztes Gastspiel Hans Moser „Weekend Im Paradies“. «Jonneiwtag, 20. Januar 1950 Ab Montag Winlersdtlnßverliaiif Eine Bekanntmachung des Landratsamtes Bruchsal Das Wasserversorgungsprofelit Hardt Es ist ein alter Brauch des Einzelhandels, nach der alljährlichen Inventuraufnahme einen Winterschlußverkauf zu veranstalten. Die Durchführung dieses Schlußverkaufs stützt sich auf eindeutige und verbindliche gesetzliche Bestimmungen, die das Landratsamt so zusammengefaßt hat: Der Winterschlußverkauf im Jahre 1950 beginnt am Montag, 30. Januar und dauert 12 Werktage, d. h. bis einschließlich 11. Februar. Die letzten 3 Tage, das ist vom 9. bis 11. Februar, sind als sogenannte Reste-Verkaufstage für Textilwaren zugelassen. Es wird darauf hingewiesen, daß im Winterschlußverkauf 1950 zusätzlich folgende Artikel aufgenommen werden dürfen: Aus der Gruppe Papierwaren: Geschäftsbücher, Kladden, Schulhefte, Vordrucke, Briefpackungen, Aus der Gruppe Haus- und Küchengeräte: Emaillegeschirr und Bürstenwaren, ferner sämtliche Wintersportartikel. Folgende Textilien und Bekleidungsgegenstände dürfen jedoch im Rahmen des Winterschlußverkaufs nicht verkauft werden: Glatte (ungemusterte) weiße Wäschestoffe jeder Art einschließlich Rohnessel, Inletts jeder Art, Handtücher einschl. Küchenhandtücher, Küchengeschirrtücher, Erstlingswäsche, glatte (ungemusterte) ungarnierte Bettwäsche, auch wenn sie mit garnierter Bettwi&che zu einer Garnitur zusammengestellt wird, Bettfedern, Kapok und sonstiges Bettenfüllmaterial- Ma- .tratzen, Matratzenschoner, Reformbetten, Bettstellen, Berufskleidung, Pelze, gefütterte Mäntel, Teppiche, Brücker), und Verbindungsstücke jeder Art, Herrenschirme und -Stöcke, glatt« schwarze Regenschirme und Kinderschirme Dem Einzelhandel ist selbstverständlich bekannt, in welch ausschlaggebendem Maße er in seinen Kalkulationen auf die vorhandene Kaufkraft bedacht sein muß. Die Preise für den Winterschlußverkauf wurden deshalb weitgehend herabgesetzt. Üm aber einen geordneten Geschäftsbetrieb zu gewährleisten und insbesondere auch, um Täuschungen des Publikums zu verhüten, ist Oeffentliche Diskussion im F In der öffentlichen Gemeideratesitzung am Dienstag, den 24. Januar, befaßte sich der Gemeinderat im ersten Punkt der Vorlage mit dem Nachtragshaushaltsplan für das Rechnungsjahr 1949/50. Der ordentliche Haushalts T plan sieht für Einnahmen und Ausgaben 41 454 DM, der außerordentliche 24 500 DM vor. Damit ist auch der Nachtragshaushaltsplan in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen. Vorausgesetzt, daß die Verpflichtungen der Stadtkasse gegenüber noch vor Ende des laufenden hilipsburger Gemeinderat (3700 DM), der Zinsen und der Tilgung ergäbe sich für die Stadtgemeinde dann eine jährliche Aufwendung von insgesamt 21 692 DM. Bei dieser Aufstellung ergäbe sich bei 60 Liter Verbrauch pro Kopf ein Preis von 27,1 Pfg. pro Kubikmeter- bei 130 Liter Verbrauch 12,5 Pfg., nach 10 Jahren dann, also nach Tilgung der Schuld dagegen nur 3.5 Pfg. pro Kubikmeter. Eine einfache Ueberschlagsrechnung, gerechnet bei etwa 1000 Haushaltungen und 25 bis 30 DM jährlichem Aufwand je Hausbestimmt, daß Preisgegenüberstellungen nicht Rechnungsjahres (31. 3. 50) restlos erfüllt wer- haltung läßt an der Vorzüglichkeit des Projekts — ■ . ' ■" ■ *• JJ — 1 .- 11 - oi-i-“i- nicht mehr zweifeln. Bürgermeister Odenwald und die einzelnen Fraktionen des Gemeinderats präzisierten ihre Ansicht dahingehend, daß es geboten sei, den günstigen Zeitzunkt auszunützen, um das schon lange geplante Vorhaben endlich verwirklichen zu können. Der endgültige Entscheid soll demnächst in einer Bürgerversammlung getroffen werden. Zu Punkt 3 der Tagesordnung beschloß der Gemeinderät, bei Gemeindefuhren die bisher übliche Gepflogenheit beizubehalten. in einer Weise angekündigt werden dürfen, die für außerhalb der Geschäftsräume befindliche Kauflustige erkennbar sind. Das bedeutet, daß die früher oft geübte Methode, durch Preisschilder mit zwei verschiedenen Preisangaben „Alter Preis — neuer Preisl“ in den Schaufenstern nicht fortgesetzt werden darf. Zwei volle Verkaufswochen mit günstigen Angeboten stehen der Bevölkerung zur Verfügung. Den Hausfrauen sei zugerufen: Nützt diese Gelegenheit, ihr werdet aufmerksam, gut und billig bedient. Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Winterschlußverkaufs ergibt sich ohne weiteres aus der Ueberlegung, daß Industrie, Groß- und Einzelhandel ab und zu Gelegenheit haben müssen, ihre Läger abzubauen und insbesondere Saisonware und Restbestände abzustoßen. Nur dadurch ist es ja möglich, Neubestellungen hereinzunehmen. Der Winterschlußverkauf dient also der weiteren Ankurbelung der Wirtschaft insgesamt und aus diesem Grunde ist diesmal auch der Warenkreis auf gewisse nichtsaisonbedingte Waren ausgedehnt worden. Q Kreuz und quer durchs Stadtgeschehen Bruchsaler Jugend stellt sich vor. Unter diesem Motto werden in nächster Zeit die Jugendgruppen von Bruchsal an die Oeffentlich- keit treten und zeigen, was sie können und was sie wollen. Alle Jugendlichen, die Eltern und Freunde der Jugend sind zu diesen Veranstaltungen herzlich eingelader. Der erste dieser Abende findet am kommenden Sonntag, den 29. Januar, um 17 Uhr in der Turnhalle der Freiherr-vom-Stein-Schule statt. Hier wird der Bund Katholischer Jugend mit einem Konzert des Stadtjugendorchesters mit Jugendchören und Volkstänzen der Mädchengruppen auf den Plan treten. Der Eintritt .ist frei. Fachkurs für das Schreinerhandwerk. Die Handwerkskammer Bruchsal teilt mit, daß seitens des Landesgewerbeamts Karlsruhe beabsichtigt ist, für das Schreinerhandwerk einen neuzeitlichen Fachkurs in Beizen und Polieren bei genügender Beteiligung durchzuführen. Nähere Auskunft erteilt die Handwerkskammer. Anmeldungen sind bis spätestens 31. 1. 50 an deren Geschäftsstelle zu richten. Zigarrensteuer. Die Ermäßigung der Zigarrensteuer auf 30 bis 35 Prozent des Kleinverkaufspreises wird von Seiten der Zigarrenindustrie als nicht ausreichend angesehen, wie VWD vom Verband der Zigarrenfabrikanten in Hamburg erfährt. Ein Gegenvorschlag der Zigarrenindustrie sieht vor, die Steuer auf 27 bis 32 Prozent herabzusetzen. Ursprünglich war eine Ermäßigung auf 25 % gefordert worden. Es bleibt bei 9 Monaten Gefängnis. Wegen Stoffdiebstahls in der Strafanstalt Bruchsal verurteilte das Schöffengericht Bruchsal am 1. Dezember den vorbestraften Edmund Sch. aus Mannheim zu einer Gefängnisstrafe von neun Monaten. Die Staatsanwaltschaft legte gegen das Urteil Berufung ein und beantragte vor der I. Strafkammer Karlsruhe wegen Rückfalldiebstahls 14 Monate Zuchthaus. Unter Verwerfung der Berufung bestätigte die Strafkammer das schöffengerichtliche Urteil. Frankonia Bruchsal. Am Freitag, 27. Jan., abends 8 Uhr, findet die diesjährige Hauptversammlung im Ochsen statt. Sie wurde irrtümlicherweise unter dem Namen: „FG Frankonia 06“ einberufen. Eine Erklärung hierüber wird zu Beginn der Tagesordnung, die jedem Frankonia-Mitglied schriftlich zuging, abgegeben. Alle Frankonia-Mitglieder werden gebeten, vollzählig zu erscheinen. Arbeiter und Angestellte der ehemaligen Wehrmacht. Zur Arbeitsausschußgründung trafen sich am Dienstag im Kaffee der Europalichtspiele etwa 100 Frauen und Männer, um zu ihren berechtigten Forderungen Stellung zu nehmen und einen eigenen Ausschuß zu wählen. Die erforderlichen Wahlen erfolgten einstimmig und für die Entgegennahme des Berichtes über die kommende Stuttgarter Tagung einigte man sich, um auch Auswärtigen die Teilnahme zu ermöglichen, auf Samstag, den 28. Januar, nachmittags 2 Uhr, im Saale des Theaterkaffees der Europalichtspiele, woselbst voraussichtlich auch Fragebogen ausgegeben werden. Feiertagszahlung und widerrechtliches Arbeitsversäumnis. In Betrieben wird immer die Frage strittig, ob Arbeitnehmer, die am Tage vor oder nach einem Feiertag unentschuldigt von der Arbeit fembleiben, einen Anspruch auf die Feiertagsbezahlung haben. Nach einer Anordnung vom 16. 3. 1940 haben Arbeitnehmer, die ohne genügende Entschuldigung von der Arbeit am letzten Arbeitstage vor oder am ersten nach Feiertagen fembleiben, keinen Anspruch auf Vergütung des nach den gesetzlichen Vorschriften zu bezahlenden Feiertags. Die gleiche Regelung gilt für solche Arbeitnehmer, die vor diesen Feiertagen Urlaub erhalten haben und durch eigenmächtige Urlaubsverlängerung die Arbeit nach den Feiertagen zu den festgesetzten Zeitpunkten nicht wieder aufnehmen. Arbeitnehmer mit einer monatlichen oder wöchentlichen Entlohnung, die an sich durch einen Wochenfeiertag keinen Lohnausfall erleiden würden, kann die Vergütung um 1/25 bzw. 1/6 gekürzt werden. Generalversammlung der TV Naturfreunde. Der Touristenverein „Die Naturfreunde“ hielt am Sonntag in seiner Vereinshütte am Eichelberg seine Generalversammlung ab. In seinen Begrüßungsworten gedachte der 1. Vorstand zugleich der Toten, die der Verein zu beklagen hat.' Die Anwesenden erhoben sich zum ehrenden Gedenken von ihren Plätzen. Der Tätigkeitsbericht ließ nochmals das ganze Jahr vor den Mitgliedern erstehen und zeigte so recht den Wert des* Wandems. Den Höhepunkt bildete das internationale Naturfreundetreffen in Markelfingen. Hier wurde so manche Brücke zum Verstehen anderer Völker und anderer Sitten geschlagen, was ja neben Gesundheitsförderung durch Wandern das Kem- ziel der Bewegung ist. Für 25jährige Mitgliedschaft erhielten 16 Mitglieder die silberne Ehrennadel. Den Kassenbericht fanden die Prüfer in bester Ordnung. Nach allgemeiner Anerkennung wurde die alte Vorstandschaft wieder gewählt. Nur die Tourenkommission mußte neu gebildet werden. Der Vorstand ermahnte zum Schluß die Mitglieder durch Vertrauen und Mithilfe den Verein weiter zu fördern. ' Gefallen: Karl-Heinz Buchler, Bankbeamter, Friedrichstr. 88, am 4 . Dezember 1944 in Bergheim/Els.; Georg Siefermann, Zugschaffner, Badstr. 30, gestorben Ende Februar 1945 im Zentrallager Ascha/UraL den, sind deshalb keine Steuererhöhungen notwendig. Der Gemeinderat erklärte, sich gegen die Stimmen der KPD. mit der Festsetzung des Haushaltsplanes einverstanden. Als wichtigster Punkt der Tagesordnung stand das . „Wasserversorgungsprojekt“ Fhi- lippsburg zur Debatte. Bürgermeister Odenwald erläuterte hierzu die technischen und finanziellen Einzelheiten. Die langanhaltenden Trockenperioden der letzten Jahre bedingten ein ständiges Sinken des Grundwasserspiegels. Damit ist die Wasser-Versorgung der Hardtgemeinden stark gefährdet. Von der Landesregierung in Stuttgart werden nun z. Zt. Verhandlungen um eine Fernwasserleitung geführt. Bei derVerwirklichung dieses Planes wäre die W asserversorgung der Hardtgemeinden bei dem Minimum des vorhandenen Grundwassers ernstlich bedroht. Es sind also unbedingt Maßnahmen notwendig, dieser Gefahr vorzubeugen; außerdem erfordere die hygienische Unzulässigkeit der bestehenden Zustände einschneidende Aendefungen. Die Planungen des Wasserwirtschaftsamts sehen eine Wasserleitungsanlage für Einzelgemeinden oder auch, da die geringen Höhenunterschiede der Hardtgemeinden hierfür sehr günstig sind, Gruppenwasserversorgungsanlagen vor. Die Anlagen wären dann folgendermaßen auf gebaut: Ein vollautomatisches Pumpwerk über Rohrbrunnen mit zwei Pump- 1 aggregaten mit Elektromotoren, außerdem ein Hilfsaggregat mit Dieselmotor. Der Anschluß an die Leitung bleibt dem einzelnen Hausbesitzer überlassen. Die erforderlichen Arbeiten würden als Notstandsarbeiten durchgeführt, so daß also die Arbeitslosen der betreffenden Gemeinden bei dem Projekt Beschäftigung finden würden. Die Finanzierung des Projekts, die größtenteils aus verlorenen Zuschüssen bestritten wird, bietet den Gemeinden eine außerordentlich günstige Gelegenheit, den oft schon längst gehegten Plan endlich verwirklichen zu können. Wenn Philippsburg eine eigene Anlage erstellen würde — und dies scheint wohl das gegebene — so kommen die Gesamtbaukosten auf rund 271000 DM. Hierzu gewährt das Arbeitsamt einen Zuschuß von 28 000 DM, mit weiteren Mitteln aus dem Gemeinde-Ausgleichstock (68 000 DM), eine Feuerschutzabgabe von 28 000 DM ergeben sich also 124 000 DM als verlorener Zuschuß, der also nicht mehr zurück bezahlt werden müßte. Hierzu kämen langfristige Kredite, die verstärkte Förderung (42 000 DM zu 5 Prozent auf 10 Jahre) und Investitionskredite (78 000 DM zu 6.5 Prozent auf 10 Jahre). Aus eigenen Mitteln müßte Philippsburg 27 000 DM aufbringen. Einschließlich der Betriebskosten (1700 DM), der Unterhaltungskosten Lichtbildervortrag des Obst- und Gartenbauvereins. Am Freitagabend, 8 Uhr findet im Bürgersaal ein Lichtbildervortrag von Obstbauminspektor Dickgießer für die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins statt. Auch Nichtmitglieder sind herzlich eingeladen. Ri. Am Samstag, den 28. Januar veranstaltet der Arbeitergesangverein im „Einhorn“ seine traditionelle Faschingsfeier. Am Sonntag lädt die Freiwillige Feuerwehr zu ihrem großen Maskenball im Einhorn ein. Der Ball steht unter dem Motto: „Ob Feuer, Liebe oder Durst, wir löschen alles ... uns ischs wurscht“. Beginn: 19.01 Uhr. Oberhausen Am kommenden Sonntag, den 29. Januar, nachmittags um 3 Uhr, findet im großen Nebenzimmer des Gasthauses zur Krone eine Versammlung der CDU statt, zu der die gesamte Bevölkerung eingeladen ist. Die Versammlung wird in der Art eines Forums aufgezogen. Die Gemeindevertreter der CDU wollen vor der Oeffentlichkeit jedem Bürger über alle Vorgänge im abgelaufenen Geschäftsjahr Rede und Antwort stehen. Es gibt unendlich viele Dinge, die jeden Einwohner interessieren, und es ist den CDU-Vertretem zu danken, daß sie sich entschlossen haben, über ihre Arbeit ihren Wählern und Nichtwählern Klarheit zu geben. Auf diese Weise erhält jedermann einen Einblick in die nicht immer leichte Tätigkeit der Gemeindeverwaltung und hat die Gelegenheit, seine Wünsche und Anregungen an der richtigen Stelle anzubringen. Aus einer solchen öffentlichen Besprechung zwischen Verwaltung und Einwohnern wird bestimmt für die Gemeindearbeit und somit für jeden Einzelnen Segen erwachsen. Der erste Teil der Veranstaltung wird rein örtliche Belange behandeln, im weiteren Verlauf nimmt ein auswärtiger Redner zu der großen Politik Stellung. Es wird erwartet, daß die Einwohnerschaft, selbstverständlich einschließlich der Neubürger, durch regen Besuch der Versammlung weitestgehend von der Gelegenheit, sich mit den Gemeinde- vertretem auszusprechen, Gebrauch macht. AUS KRAICHGAU UND BR UH KAI IV Fon! Im Gasthaus zum Löwen fand die Generalversammlung des Rot-Kreuz-Vereines statt. Der i. Vorsitzende, Robert Weindel, berichtete über die im vergangenen Jahre geleistete Arbeit. Großer Wert sei auf eine gründliche Ausbildung der Rotkreuzhelfer gelegt worden. Der Redner verwies auf den von Dr. Pickel gehaltenen Erste-Hilfe-Kurs. In nicht weniger als 38 schweren und 238 leichten Fällen wurden durch Angehörige vom Roten Kreuz erste Hilfe geleistet. Bei sämtlichen sportlichen Veranstaltungen waren Rotkreuzhelfer bereit gestellt. Helfen, wo Hilfe notwendig ist, 6ei auch in Zukunft der Grundsatz des Vereines. Nach der Protokollverlesung durch Hch. Lakus wurde der Vorstandschaft Entlastung erteilt. Bei der anschließenden Neuwahl wurde die alte Vorstandschaft einstimmig wiedergewählt. Neu hinzugewählt wurden: Frl. Margarethe Meisel und Lore Frik als weibliche Beisitzer. Am gleichen Tage hielt auch die Arbeiter- Wohlfahrt in der Krone ihre Generalversammlung ab. In seinem Jahresbericht zeichnete der 1. Vorsitzende, Hermann Lakus, ein Bild über die Tätigkeit der Arbeiterwohlfahrt. Dank der Gebefreudigkeit der Gemeinde, einzelner Firmen, sowie der Bevölkerung, konnte auch in diesem Jahre eine Weihnachtsbescherung der Kinder durchgeführt werden. Einer Anzahl besonders Bedürftigen wurden sogar Geldbeträge überreicht. Die alte Vorstandschaft wurde wiedergewählt. Am 24. Jan. konnte Frl. Mina Bacher, Bruchsaler Str. 4 in geistiger und körperlicher Frische ihren 80. Geburtstag begehen. Am gleichen Tage wurde Frau Anna Lakus, geh. Hartmann, Hambrücker Str. 28, 75 Jahre alt, während Schreinermeister Emil Bender, Jo- sefstr. 10, sein 72. Lebensjahr vollendete. Wir gratulieren. Wa. Karlsdorf Der Reisetauben-Zuchtverein „Heimatliebe“ Bruchsal, hält am Samstag und Sonntag, den 28. und 29. Januar in Karlsdorf — Gasthaus zum Adler — eine Reisetaubenausstellung ab. Weiher Im Alter von 83 Jahren starb am 21. Januar in ihrer Heimat Kiechlinsbergen am Kaiserstuhl die Mutter unseres Hochw. Herrn Pfarrers Karl VogeL Vertreter der Gemeinde, des Stiftungsrates und der kath. Kirchenchor nahmen an der Beerdigung teil In ehrenden Worten legte Bürgermeister Hermann Lang im Namen der Gemeinde Weiher einen Kranz am Grabe der Priestermutter nieder. Der Kirchenchor ehrte die Verstorbene durch erhebenden Grabgesang. Die ganze Gemeinde nimmt aufrichtigen und innigen Anteil am Tode der Mutter unseres Seelsorgers. Klein waren die Anfänge des Turnvereins und nur wenige waren es, die nach dem Zusammenbruch sich um die sturmerprobte Fahne des Vereins scharten. Aber bald fand das Streben des Vereins Anerkennung, erregten seine Leistungen die Aufmerksamkeit weiterer Kreise, und so ist es gekommen, daß seine Mitgliederzahl stetig zugeno#unen hat. Das ist nicht zum geringsten das Werk des Tumwarts von Weiher, Josef Böser, und des eifrigen Turn- wartes Hermann Prestel, die es verstanden, dem Ganzen Leben und Bewegung zu geben und durch ihr treffliches Vorbild zur Nacheiferung an gespornt zu haben. Die Turnabende waren regelmäßig besucht, und es wurde überaus flott geturnt. Unter günstigen Voraussetzungen konnte am Samstag die Generalversammlung des Vereins im Gasthaus zum Hirsch getätigt werden. Nach Abgabe des Jahres- und Kassenberichts schritt man zur Neuwahl des Gesamtvorstandes. Zum 1. Vorstand wurde Alfred Lang wiedergewählt. Zum 2. Vorstand wurde Josef Kirstein bestimmt. Turn wart ist der um die Tumsache sehr verdiente Hermann PresteL Mit einem Appell an die Anwesenden, den Tumergedanken hineinzutragen in die her- anwachsende Jugend, schloß der Vorstand die Versammlung, die in allen ihren Teilen einen harmonischen Verlauf nahm. D. Wiesental Die Hohner-Handharmonika-Freunde hielten am vergangen«i Samstagabend im Reichsadler ihre Generalversammlung ab. Der Jahresbericht gab einen Rückblick auf ein sehr erfolgreiches Jahr. Auch der Kassenbericht zeigte ein erfreuliches Bild. Die vorgenommene Neuwahl ergab folgendes Resultat: . 1. Vorstand Erich Knebel, der es schon viele Jahre ist, 2. Vorstand Albert Klinger, Schriftführer Helmut Metzger, Kassier Otto Schweikert pass. Beisitzer Peter Schweikert Die Hohner haben den 23. April d. J. für ein Konzert festgelegt Ferner ist ein Ausflug ins Renchtal geplant Neu angegliedert wurde dem Verein die Abteilung für Mundharmonika-Spieler. Proben hierfür finden jeden Mittwochabend K8 Uhr im Reichsadler statt und werden Neuanmeldungen hierzu in den nächsten 14 Tagen noch angenommen. Der Turnverein hielt am Sonntagnachmittag im Löwen seine Generalversammlung ab, die gut besucht war. Nach Bekanntgabe der üblichen Tagesordnung wurden die neuen Satzungen verlesen und einstimmig angenommen. Der Verein führt in Zukunft den Namen: Tum- und Sportverein Wiesental. Bei der umfangreichen Neuwahl wurden folgende Turner gewählt: 1. Vorst. Eduard Seiberth, 2. Adam Arnold, Kassier Walter Vogel, Schriftführer Julius Groß, Ehrentumwart Erhard Mahl, Spielausschußvorsitzender der Abtlg. Fußball Emil Gentner, Schriftführer Theodor Theuer, Jugendleiter Emil Tiedemann, Boxstaffelleiter Gerhard Schmidt, Schülerturnwart Franz Schmitt, Schülerinnentumwartin Maria Hambsch, Tischtennisabtlg. Hugo Gentner. Mit dem Wunsche, daß jeder sein ganzes Können ■ für die edle Tumsache einsetze, konnte der neugewählte Vorstand die harmonisch verlaufene Versammlung schließen. In den Palast-Lichtspielen läuft von Freitag bis Montag der schönste und größte Wildwestfilm: Der Schatz der Sierra Matre. th. Heidelsheim Am Samstag hielt der Odenwaldklub in der Brauerei Bender seine Generalversammlung ab. In Vertretung des kranken Vorstands gab der 2. Vorstand Emil Steinert nach der Begrüßung dem Schriftführer Robert Setzer das Wort. Er berichtete über die Jahresereignisse, u. a. das gelungene Waldfest. Friedrich Amend berichtete über die K«ssenverhältnisse. Die Neuwahlen brachten einen. Schriftführerwechsel, außerdem wurde ein neuer Wanderwart und der kürzlich aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrte Heinrich Steinmetz wieder zum Hüttenwart gewählt. Die Klampfenspieler sorgten beim anschließenden gemütlichen Beisammensein für musikalische Unterhaltung. — Am Sonntag fand die erste Programmwanderung durch die Heidelsheimer Gemarkung statt Das herrliche Winterwetter hatte eine große Anzahl Wanderlustiger zur Teilnahme verlockt, die anschließend im Adler noch frohe Einkehr feierten. o. Condelsheim Die Volksschule veranstaltete einen Elternabend, der einen guten Besuch zu verzeichnen hatte. Schulleiter Heid behandelte die Jugendschutzgesetzgebung, die Notangebung, die Frage der Autorität usw. In der lebhaften Diskussion kam von Eltemseite der Wunsch nach erhöhter Stundenzahl für die Schüler und die Frage nach dem Stand der Schulreform zur Sprache. Da über letzteren Punkt große Unklarheit besteht, soll er in einer neuen Elternversammlung eingehend besprochen werden. Landwirt Karl Lotsch, Mühlgasse, kann am 27. Januar seinen 81. Geburtstag begehen. Da die Holzmacherarbeit im Gemeindewald vorangeschritten ist, konnte das Bürgerhol* verlost werden. Auch die Gräfliche Forstverwaltung hat mit der Abgabe von Brennholz begonnen. Das Frostwetter begünstigt die Holzabfuhr aus den Wäldern, weil die Waldwege gut befahrbar sind. — r DER DER HEIMAT Zwischenbilanz Im Fnßball In der Bezirksklasse konnte nur Kirrlach mit einem Erfolg aufwarten. In einem schönen und temperamentvollen Spiel hielten die Kirrlacher die Gäste aus Weingarten jederzeit in Schach und konnten verdient mit 1:0 gewinnen. — Odenheim dagegen gelang es, nur einen Punkt gegen die spielstarken Gäste aus Karlsruhe zu sichern. Das erkämpfte Unentschieden ist immerhin ein Erfolg. — Wiesental verlor in Neureut recht unglücklich. Wenn man in Betracht zieht, daß Wiesental mit 0:2 Toren führte und nur zwei Elfmeter den Gleichstand erbrachten, muß man schon sagen, daß etwas nicht ganz in Ordnung ging. Es wäre wirklich zu empfehlen, für solche Spiele gute Schiedsrichter zu schicken. — Forst ging in Knielingen ebenfalls mit wehenden Fahnen unter und mußte sogar eine klare 4 :1-Niederlage hinnehmen. In der A-Klasse konnte Langenbrücken den Huttenheimem durch einen 1 :0-Sieg beide Punkte abnehmen und ist damit der Abstiegsgefahrenzone entrückt. — Oberhausen, das ebenfalls schwere Abstiegssorgen hat, konnte durch einen 3:1-Sieg über Kronau auf den drittletzten Tabellenplatz vorrücken. — Auch der VfB Bruchsal verstand es nicht, dem Tabellenführer Karlsdorf die erste Niederlage beizubrihgen. Schlechte Stürmerleistungen der Bruchsaler und einige Dek- kungsfehler der Läuferreihe sicherten Karlsdorfs Sieg. — Unteröwisheim und Rheinhausen sicherten sich auf eigenem Platz die Punkte gegen Heidelsheim und Neudorf. Die B-Klasse Gruppe Hardt meldete klare Siege der Favoriten. So konnte der- Tabellenführer über die Bruchsaler Frankonen einen klaren 6:1-Sieg herausspielen und bewies, hiermit erneut seine Stärke. — Auch Weiher kam in Neuthard zu einem klaren Erfolg. — Hambrücken und Stettfeld spielten sich ebenfalls eindeutige Siege gegen Wieserrtal und Rheinsheim heraus. Jugend - Fußball Terminliste der Jugend-Klassen, Staffel 4 A-Jugend: Beg'nn 29. 1. Langenbrücken — Stettfeld 12.00 Kronau — Oestringen 12.00 Zeutern — Odenheim 12.00 Nachholespiel von der Vorrunde) 5. 2. Stettfeld — Kronau 12.00 Langenbrücken — Zeutern 12.00 Oestringen — Odenheim 15.00 12. 2. Kronau — Langenbrücken 12.00 19. 2. Langenbrücken — Odenheim 16.00 Kronau — Zeutern 16.00 Stettfeld — Oestringen 16.00 26. 2. Oestringen — Langenbrücken 16.00 Zeutern — Stettfeld 16.00 Odenheim — Kronau 16.00 5. 3. Zeutern — Oestringen 16.00 Stettfeld — Odenheim 16.00 12. 3. Odenheim — Zeutern 16.00 B-Jugend: 5. 2. Oestringen — Odenheim 12.45 26. 2. Weiher — Oestringen 16.00 19. 3. Odenheim — Weiher 16.00 C-Jugend! 28. 1. Kronau — Oestringen 15.30 4. 2. Stettfeld — Kronau 15.30 5. 2. Oestringen — Odenheim 14.00 18. 2. Kronau — Zeutern 15.30 Stettfeld — Oestringen 15.30 25. 2. Zeutern — Stettfeld 15.30 Odenheim — Kronau 15.30 4. 3. Zeutern — Oestringen 15.30 Stettfeld — Odenheim 15.30 11. 3. Odenheim — Zeutern 15.30 Einen Kantersieg meldete der Tabellenführer der B-Klasse, Gruppe Bergstraße, gegen' den Tabellenletzten Gochsheim. Mit 15 :2 erhöhte Oestringen sein Torverhältnis auf 81 geschossene Tore in 13 Spielen, denen nur 10 entgegenstehen. — Die Oberöwisheimer Mannschaft holte sich in Menzingen einen klaren 5 :2-Erfolg, der etwas überraschte. Münzesheim und Ubstadt, sowie Obergrombach und Zeutern trennten sich unentschieden. Neuthard — Weiher 0 : 3 Das Spiel begann mit flotten Kombinationen, doch verstanden es die Einheimischen nicht, die zahlreichen Torgelegenheiten vor dem Gästetor auszunützen. Nach kurzer Spieldauer fand sich Weiher gut zusammen und erzielte das erste Tor. Es hätte aber vom Torhüter unbedingt gehalten werden müssen. Alle Versuche auf Ausgleich scheiterten an der sicher deckenden Weiherer Hintermannschaft. Mit 0 :1 ging es in die Halbzeit. Nach Wiederanspiel hatten die Gäste den Wind im Rücken. Trotz aller Anstrengungen kamen sie zu keinem Erfolg, bis der einheimische Torhüter wieder den Ball ins eigene Tor lenkte und kurz darauf der rechte Verteidiger den Ball verfehlte und Weiher zum dritten Tor verhalf. Alle Versuche um den verdienten Gegentreffer waren aussichtslos, da der Neut- harder Sturm es nicht verstand, sich von den gegnerischen Verteidigern zu lösen. Der Schiedsrichterobmann Reeb leitete sicher. Rot nnd Ketsch sind punktgleich! Verbandsliga Nordbaden: VfL Neckarau — SpVg. Ketsch 5 : 9 SV Waldhof - “ 62 Weinheim 5: 7 St. Leon — TSV Birkenau 4 : 1 TSV Rot 15 13 1 1 126:64 27:3 SpVg. Ketsch 15 13 1 1 139:77 27:3 SKG Birkenau 15 10 2 3 117:69 22:8 SG Leutershausen 14 10 1 3 142:98 21:7 TSV Rintheim 15 8 1 6 133:108 17:13 TSG 62 Weinheim 16 6 2 8 107:117 14:18 VfL Neckarau 13 6 0 7 72:79 12:14 SV Waldhof 15 4 3 8 104:151 11:19 SG CSt. Leon 15 4 2 9 92:118 10:20 TSV Beiertheim 13 3 2 8 75:102 8:18 TV 98 Seckenheim 15 1 1 13 73:128 3:27 TSV Bretten 13 1 0 12 67:135 2:24 Wildschweinschäden in der Pfalz. Speyer (DND). In der Landwirtschaft wurden ins Jahre 1949 u. a. vernichtet: 5300 Zentner Weizen, 5800 Zentner Roqcen, 2000 Zentner Hafer, 4450 Zentner Heu und 25500 Zentner Kartoffeln, zusammen Werte von etwa 345000 DM. Auch im Wald sind die Schäden nach einer Mitteilung des Landesforstamtes Pfalz sehr groß. Mit der Freigabe der Jaudqebiete sei zu rechnen, aber die Schwieriqke.ten in der Zulassung und Beschaffung von Jagdwaffen seien noch nicht überwunden. An alle fngendleiter der Stattet I Laut Beschluß der Jugendleiter bei der Sitzung am 15. Januar 1950 in Bruchsal, beginnen die Verbandsspiele der Jugend am 29. Januar 1950. Nachstehend gebe ich Ihnen die Termine bekannt. Termine der A-Jugend: 29. 5. 2. 1. Philippsburg — Rheinhausen Huttenheim — Wiesental Oberhausen A II — Neudorf Kirrlach — Oberhausen AI Oberhausen AI — Philippsburg Neudorf — Kirrlach Wiesental — Rheinhausen 12. 2. Rheinhausen — Neudorf Kirrlach — Huttenheim - Philippsburg — Oberhausen A II Oberhausen AI — Wiesental 19. 2. Oberhausen AI — Huttenheim Rheinhausen — Oberhausen A II Philippsburg — Kirrlach Wiesental — Neudorf 26. 2. Kirrlach — Wiesental Huttenheim — Rheinhausen Oberhausen A II—Oberhausen A I Philippsburg — Neudorf 5. 3. Neudorf — Huttenheim Oberhausen AII — Kirrlach Wiesental — Philippsburg Oberhausen AI — Rheinhausen 12. 3. Rheinhausen — Kirrlach Neudorf — Oberhausen AI Wiesental — Oberhausen A II Huttenheim — Philippsburg 15.00 12. 12.00 15.00 19. 15.00 16.00 15.00 26. 15.00 15.00 15.00 5. 13.00 16.00 15.00 29. 15.00 15.00 15.00 4. 15.00 16.00 14.00 11. 15.00 12. 16.00 13.00 19. 15.00 15.00 15.00 26. 16.00 16.00 15.00 Termine der B-Jugend 29. 1. Philippsburg — Rheinsheim TSV Wiesental — 1912 Wiesental Kirrlach — Oberhausen 5. 2. Rheinsheim — Kirrlach Oberhausen. — Philippsburg spielfr.: TSV und 1912 Wiesental Oberhausen — 1912 Wiesental TSV Wiesental — Rheinsheim spielfr.: Kirrlach u. Philippsburg Philippsburg — Kirrlach TSV Wiesental — Oberhausen 1912 Wiesental — Rheinsheim Kirrlach 1912 — Wiesental Rheinsheim Oberhausen TSV Wiesental bestätigen, daß sie sich sehr gut gehalten haben und von allen Bezirksklassen-Mann- schaften der verschiedenen Kreise am besten abschneiden konnten. Hodiey Verbandsliga Nordbaden: Infolge der Badischen Hallen-Handball- meist er schäften gab es in der Verbandsliga nur drei Spiele. Dabei konnte sich einmal die SpVg. Ketsch durch ihren sicheren Sieg über Neckarau die noch notwendigen Punkte holen, um mit dem Tabellenführer TSV Rot _gleich- zuziehen. Bei Spiel zwei verloren die Wald- höfer überraschend klar auf eigenem Platze gegen Weinheim, während die dritte Begegnung als angenehme Ueberraschung endlich mal wieder einen Sieg der SG St. Leon erbrachte. Nachdem dieser Erfolg gegen den Tabellendritten erzielt wurde, darf angenommen werden, daß sich St. Leon wieder gefunden hat. Uebrigens hat sich die SKG Birkenau durch die Niederlage in St. Leon ihre Anwartschaft, bei der Vergebung der Meisterschaft ein Wort mitzureden, verscherzt, so daß Rot und Ketsch die Sache unter sich ausmachen dürften. Vorausgesetzt natürlich, daß sich keine dieser Mannschaften punktekostende Seitensprünge erlaubt. Die Bezirks- und Kreisklasse im Handball traf sich beim Hallenturnier in Philippsburg, über das wir ausführlich berichtet haben. In diesem Zusammenhang soll die Teilnahme des TV Odenheim bei den Badischen Hallenmeisterschaften nicht unerwähnt bleiben. Man muß den Odenheimern TSG 78 Heidelberg — MSG Mannheim 0:6 TSG Bruchsal — HTV 46 Heidelberg 0 :0 VfR Mannheim — 1846 Karlsruhe 2:0 Phönix Karlsruhe ■ — HC Heidelberg 1 :5 Germania Mannheim — 1846 Mannheim 0 :1 HC Heidelberg 11 9 2 0 26:5 20:2 TSG 78 Heidelberg 11 8 2 1 20:6 18:4 VfR Mannheim 10 5 4 1 13:5 14:6 1848 Mannheim 11 5 3 3 20:13 13:9 1846 Heidelberg 10 5 2 3 12:9 12:8 MSG Mannheim 10 4 3 3 12:7 11:9 TSG Bruchsal 9 1 3 5 4:8 5:13 Phönix Karlsruhe 11 1 3 7 8:29 5:17 Germ. Mannheim 10 0 3 7 6:27 3:17 1846 Karlsruhe 9 0 1 8 3:14 1:17 In Badens Hockeyliga setzte Meister HCH seinen Siegeszug fort und kam auch auf dem Karlsruher Phönixplatz zu einem klaren Erfolg, dessen Höhe auf jeden Fall überraschen muß. Auch der Karlsruher TV mußte die Ueberlegenheit des VfR Mannheim anerkennen und blieb sicherer geschlagen, als das Ergebnis vermuten läßt. Als Ueberraschung ist das magere 0 :1 des TSV 46 Mannheim beim Lokalkampf anzusehen, und ebenso auch das 0:0 beim Spiel Tgd. 78 Heidelberg gegen MSG Mannheim, bei dem die Platzbesitzer stark favorisiert waren. Die TSG Bruchsal, noch immer mit einigen Spielen im Rückstand, konnte sich durch das sonntägliche Unentschieden weiter verbessern und dürfte den Anschluß an die Mittelgruppe gefunden haben. Ringen Beginn 13.00 16.00 13.00 15.00 12.00 12.00 16.00 13.00 16.00 13.00 13.00 16.00 14.00 In der Ringer-Verbandsliga spitzt sich der Dreikampf zwischen Brötzingen, Sandhofen und Feudenheim immer mehr zu. Alle drei Mannschaften kamen am Sonntag erneut zu Siegen. Brötzingen steht dabei trotz seiner augenblicklichen Tabellenführung am ungünstigsten, da seine Verfolger mit zwei bzw. drei Kämpfen im Rückstand sind und somit relativ gesehen vor den Brötzingern rangieren. Wiesentäl hat sich durch seinen Ueberraschungssieg in Ketsch und die gutgesprochenen Punkte aus dem Kampf gegen Lampertheim sehr verbessert und steht in der Tabelle nun vor Kirrlach, das sich in Lampertheim einen wertvollen Punkt verscherzte. Bruchsals Germanen, die beim Meister in Feudenheim trotz ihrer Niederlage sehr gut gefallen konnten, halten in der Tabelle den 7. Platz, während Heidelberg, Lampertheim und 84 Mannheim nach wie vor die wenigsten Pluspunkte verzeichnen können. 3. 1912 Wiesental — Philippsburg Kirriach — TSV Wiesental 13.00 16.00 Ergebnisse der Landesliga: Germania Karlsruhe — Weingarten 5:3 Termine der C-Jugend Beginn Mühlburg — Brötzingen 2. 6:2 1. Kirrlach — Oberhausen 14.00 Ladenburg — Schriesheim 6:2 Wiesental CI — Philippsburg 16.00 Oftersheim — Eppelheim 7:1 Neudorf — Wiesental C II 16.00 . Oberhausen — Philippsburg 16.00 Wiesental CI — Wiesental C II 16.00 Neudorf — Kirrlach 14.00 . Oberhausen — Wiesental CI 16.00 Neudorf — Philippsburg 15.00 Kirrlach — Wiesental C II 14.00 . Wiesental CII — Oberhausen 16.00 Philippsburg — Kirrlach 14.00 Wiesental CI — Neudorf 14.00 . Kirrlach — Wiesental C I 14.00 Oberhausen — Neudorf 15.00 Wiesental CII — Philippsburg Der Staffelleiter. Autobahnbrücke Im Rohbau fertig. Frankenthal (DND). Das letzte Stück des über 165 Meter sich spannenden Bogens der Autobahnbrücke zwischen Mannheim-Sandhofen und Frankenthal wurde montiert und damit die. Brücke im Rohbau fertiggestellt. Zum erstenmal in der Geschichte der deutschen Brückenb&u- technik wurde damit ein Konstruktionsteil von mehr als 150 Tonnen Gewicht eingeschwommen. Die neue Brücke wird das Bindeglied zwischen dem rechts- und linksrheinischen Autobahnnetx darstellen: sie wird im Laufe des Sommers dem Verkehr übergeben. £!ebe g t ROMAN VON C. TBOMA 58. Fortsetzung Wie sie ihn so dringlich bat, lieber die Stellung schon jetzt aufzugeben, antwortete er ihr rauh: „Aber Sonnie, sei doch nicht gar so kindisch, komm doch erst mal nach Stockholm heim. Wenn du erst soweit bist, daß wir heiraten können, liegt mir nichts mehr an der Fliegerei. Dann bist nur noch du in meinem Leben.“ Viktor lag durchaus nichts mehr an seiner gegenwärtigen Stellung. Daß er bei Sonnie und Torsten für alle Zukunft eine wunderschöne Heimat haben werde, ließ ihn vergessen, daß er zeit seines bisherigen Lebens noch nie eine Heimat hatte. Die Flüge in den Polarkreis wurden ihm jedesmal zu einem neuen gewaltigen Erlebnis. Die Route, die er flog, führte entlang der norwegischen Westküste nach Trondheim, über das innemorwegisdie Hochland nach Narvik, von dort hinauf nach Hammerfest und nach einundeinhalb Tagen über den finnischen Hafen Haparanda wieder zurück nach Stockholm und Carlstatt. Auf einem dieser Rückflüge berührte er Piteä, nahm Sonnie auf, die nur mit ihm nach Hause zurückkehren wollte. Der klarste Frühsommerhimmel, den Viktor je gesehen hatte, spannte sich über Schweden aus, als er hinter der an die Bucht hingeklebten kleinen Holzstadt landete. Die Maschine war nicht übermäßig besetzt und von den Passagieren stieg niemand aus. Bis die Logbücher vom Platzchef eingesehen waren, verging nur kurze Zeit Viktor erschienen diese Minuten trotzdem wie Ewigkeiten. Von 1 Sonnie hatte er noch nichts gesehen, ehe er die Platzbüros betrat Dann, als er wieder draußen in der hellen Sonne stand, kam die hohe, schlanke Gestalt mit der Flut goldblonden Haares mit stürmischen Schritten auf ihn su. Viktor ver- Copyrtght 19« by Verlas Helmut Seiler Stuttgart gaß in diesem Augenblick alles um sich her. Er küßte seine Sonnie so heiß, daß ihnen beiden der Atem verging. ln Stockholm blieb ihm gerade soviel Zeit, Sonnie hinaus an den See zu bringen. Selbst Torsten- suchte ihn dort zu überreden, die Nacht über zu bleiben und den kurzen Flug nach Carlstatt einem anderen zu überlassen. „Du, es ist die erste Stunde, von der ich sagen kann, daß du mir ganz gehörst, Viktor. Noch nie waren wir gemeinsam hier in diesem Haus, noch nie haben wir gleichzeitig Rieh gesehen. Bleib hier, wirf alles ab, was für Stunden zwischen uns ist“, bat Sonnie. Sie machte es ihm sehr schwer, aber Viktor küßte Sonnie nur hastig und sagte: „Nein Kind! Morgen habe ich noch ein einziges Mal die Route vor mir. Es käme viel durcheinander, wenn ich nicht auf meinen Posten zurück käme. Ich möchte nicht austreten ohne meine Verpflichtungen der Nordland gegenüber bis ins Kleinste erfüllt zu haben." Auf der kurzen Strecke zum Endflughafen in Carlstatt war doch ein wenig Haß gegen diese Pflicht in ihm. „Quatsch“, sagte er sich, „wäre ich bei Sonnie geblieben. So kostbare Stunden soll man nicht an sich vorüber gehen lassen. Man sollte einmal auf diese verdammte Pflicht pfeifen und nur sich selbst leben. Immer ist irgendwo hinter allem Schönen eine Pflicht“ Viktor bewohnte im Gebäude der Gesellschaft ein kleines Zimmer. Er hatte es nicht mehr für der Mühe wert erachtet, sich eine kleine Wohnung zu mieten. Für Minuten, als er zwischen den spärlichen hellen Möbeln saß und an Sonnie dachte, wie sie seine allzukrasse Pflichtauffassung wohl beurteilen werde, kam ihm der Gedanke, eine Privatmaschine zu mieten und über die Nacht zu Sonnie zu fliegen. Trotz der Müdigkeit, die ihn nach der Tour gefangen hielt, war er eben daran, dies zu tun. Dann fesselten ihn plötzlich die Funkberichte aus dem Radioapparat. „Polare Schneestürme über dem Norden des Landes?" Jetzt war doch Ende Mai? Die Linie Grönland — Narvik meldete eine Maschine überfällig, Sturmschäden in Trondheim. Die Nordlinic für Tage lahmgelegt.“ Viktor sprang an das breite Fenster, bisher hatte er noch keinen Blick hinausgeworfen, nur immer in sich geschaut Wo war der mattblaue Frühsommerhimmel geblieben? Graue Wolken jagten fast über dem Boden dahin. Zwei Maschinen rollten eben langsam zu den Hangars, über und über mit Eis und Schnee bedeckt. War es plötzlich Winter geworden? „Da, ich Esel! Warum bin ich nicht in Stockholm geblieben? Und wiederum bin ich jetzt unterwegs, weiß der Teufel, ich hätte es erraten sollen.“ Mit der Feststellung „Ich bin doch ein ausgefallenes Stück Mensch" ging er hinunter in die Kantine zum Abendbrot. Eine starke Erregung lag über den Gesichtem der auf- und abgehenden Männer, dienstfreie Bordmechaniker und Funker hatten sich zusammengesetzt. Personal vom Dienst kam mit sdineeverkleisterten Kleidern und Gesichtem herein, trank Grog und ging wieder. Winterkälte wehte durch die Räume. Die Männer mußten sich mit aller Körperkraft gegen die Türen stemmen, wenn sie nach außen wollten. Feiner Schneestaub wirbelte bis an die Theke, wo Viktor sein Essen entgegennahm. Er war ärgerlich, daß er sich oben so lange aufgehalten hatte, die Uhren zeigten nahe Mitternacht. Von außen her drückte der Sturm mit solcher Wucht gegen die Scheiben, daß sie jeden Augenblick zu brechen drohten. Viktor aß ein paar Bissen seines Steaks, legte dann Messer und Gabel weg, denn eben betrat der Chef vom Platzdienst den Raum und kam auf ihn zu. „Sie sind der einzige Pilot, der rechtzeitig heimgefunden hat, ich kann Ihnen nur gratulieren, Salis“, sagte er ernst „Vier Maschinen mit über 300 Fluggästen sind bis jetzt überfällig in diesem verdammten Schneewetter. Hols der Kuckuck, alle sind von der Nordland. Ich bin doch wirklich ein alter Hase, aber eine solche Sauerei habe ich noch nie erlebt. Jetzt geht es darum, sobald ein Flaute eintritt, Suchmaschinen starten zu lassen. Eben funkt Trondheim, sie hätten keinen einzigen alten Piloten am Platz. Wie wärs, Salis. wenn Sie bei Besserung dahin flögen? Ich kann es Ihnen nicht befehlen, Sie nur bitten. Nach meiner Meinung müssen Sie der erfahrenste der ganzen Gesellschaft sein “ Sekundenlang dachte Viktor an Sonnie und wie es jetzt sein könnte, wenn er in Stockholm ge- bliebefi wäre. Mit ernsten Augen verfolgte der Platzchef den Kampf in Viktors Gesicht. Dieser fühlte es deutlich, nach einer Minute hob er den Kopf und sagte: „Natürlich werde ich nach Trondheim starten, berichten Sie mir, wenn die Wettermeldungen den Flug zulassen. Sie haben gesehen, wie ich vorhin zauderte? Na, ich möchte meine Braut in Stockholm nicht leichtsinnigerweise zur Witwe machen, ehe sie Frau wurde. Aber die Kameraden liegen irgendwo im Dreck, da gibts nichts, was eine Ablehnung 'entschuldigte. Euer Wetter, diese Aprilscherze im Mai, soll der Teufel schon holen.“ Der Platzschef drückte Viktors Hand und wandte sich an die dienstfreien Mechaniker und Funker: „Zwei Mann müssen sich klar halten. Wenn es aufklart, lasse ich abrufen. Dann aber pchnell weg, ehe es wieder staubt, scheint sich so halten zu wollen.“ Viktor blieb noch eine Weile sitzen. Sein Abendbrot aß er mit Widerwillen auf Vorrat. Da er nicht vorausdenken wollte, arbeitete er sich durch den Sturm hinüber zur Funkbude, Überarbeitete Gesichter schauten ihm aus den schwarzen Bogen der Kopfhörer entgegen. Die Finger tanzten erregt über die Morsetasten. Er löste einen der Männer ab, suchte, rief und horchte. Plötzlich vernahm er Strom durch die Muscheln rauschen. (Fortsetzung folgt» Herz in der Heimat Empfang im Schloß Von Josef Frhr. von Eichendorff sa»-«*s* Wo die Funken sprühen. Schwerer Fall erdröhnt Wo die Lohe glüht Und der Dampl bezwungen Und am lernen Himmel Unterm Amboß stöhnt: Schwarzer Rauch sich zieht, Da ist mein Oberschlesien, Wo der Eisenhämmer Da ist mein Heimatland. Fern von gebildeten Menschen . . . Wer von Oberscblesfen spricht, denkt meist aa Kohle und Eisen. Er vergißt aber auch nicht, daß dieses Land einen unserer größten Dichter hervor« gebracht hat: Joseph Freiherrn von Bichendorfl. aus dessen Roman „Dichter und ihre Gesellen*’ wir nachfolgend eine kurte Probe mitteilen- Fern von diesem Weitgetümmel, mitten ^wischen den Waldbergen, lag in stiller Abgeschiedenheit ein altes Schloß mit wunderlichen kleinen Fenstern, halb verfallenen Söllern und Türmchen, alles ganz verwildert und grün überwachsen. Zwischen den Tannenwipfeln qualmten die weißen Schornsteine des freundlichen Dorfes lustig herauf, sie schienen das Schloß schon lange cinzuräuchern, denn es sah ganz braun aus, und zahllose Sperlinge lärmten und nisteten in dem Helm des steinernen Wappenschildes über dem Tor. Aus den alten Wallgräben war früher ein Garten, und aus dem Garten mit der Zeit eine grüne Wildnis von Stachelbeeren und Haselnußsträuchem geworden, in der jetzt einige Ziegen ruhig weideten. Dort saßen an einem schwülen Nachmittag mehrere Jagdhunde unter einer Weinlaube und unter ihnen der Gutsherr, Baron Eberstein, mit dem jungen Prediger des Orts schwatzend, der zum Besuch herauf gekommen war, um dem Baron seine neue Meersohaumköpfe anrauchen zu helfen. Sie freuten sich beide des allmählich aufsteigenden Gewitters, denn die schillernden Täler unten lechzten nach Regen, es rührte sich kein Lüftchen in der ganzen Gegend, nur die Bienen summten um die hohen Sonnenblumen vor dem Schloß. Seitwärts aber sah man bald einen roten Schuh, bald ein zierliches Füßchen aus dem Laub eines Kirsdhbaums schimmern, zwischen dem manchmal ein Paar schöne dunkle Augen herausfunkelten. Es war Fräulein Gertrud, des Barons Tochter, die im Wipfel Kirschen naschte; eigentlich aber hatte sie's auf des Predigers neue geschniegelte Weste abgesehen. „Gäste kommenl Gäste kommen!" rief hier auf einmal das Fräulein im Kirschbaum. Und in der Tat, kein Schiffer vom Mastkorb blickt so scharf in die Ferne als Landfräulein in der Meeresstille ihrer einförmigen Einsamkeit, denn kaum noch schimmert es flüchtig von dem Gipfel des gegenüberliegenden Berges herüber. Das Gewitter lag schwer über dem Berg und verdunkelte schon die ganze Gegend, nur der grüne Abhang nach dem Schloß zu war von der Abendsonne noch hell beschienen. Da sah man auf einmal Federbüsche aus dem Grün nicken, einzelne Reiter Bogen über den Plan, immer mehrere folgten, Jäger und Frauengestalten auf zierlichen Zeltern, wie wenn der Herbstwind farbige Blätter verstreut; der eine der Reiter schien eine Gitarre im Arm zu haben; man hörte seine Stimme durch die stille Luft bis herüber schallen, andere bliesen auf dem Waldhorn dazu und schossen ihre Flinten ab; Der Schnellzug braust, von Breslau kommend, die alte oberschlesische Strecke entlang. Er ist nicht allzu voll, obwohl er schon von Liegnit« kommt und bis Przemysl durchfährt, und unterwegs steigen auch nicht allzu viele hinein. Wir fliegen durch die Ebene, und überall sieht man noch die Spuren des Kampfes; zerstörte Ortschaften liegen links und rechts neben halb verschütteten Unterständen und Schützengräben, Soldatengräber sind dazwischen und 'iberall ausgebrannte Häuser. Alles noch von 1er Belagerung Breslaus her. Wie früher treten die Felder bis an die Bahn heran, aber wo ehedem sich die Halme in üppiger Fülle neigten, der Klee in strotzender Kraft stand und die saftigen Blätter der Zuckerrüben sich überall breiteten, da sieht man heute dürftig bebaute Ackerflächen und dazwischen immer wieder weite Flächen unbebauter Erde, von der schon das Unkraut Besitz ergriffen hat. Ein verlassenes Land, ein totes Landl Weit links drüben fließt die Oder, Schlesiens grünumrandeter Strom. Da dunkeln die Wälder herüber und dort fuhren die Schiffe zum Meer, die Oberschlesiens Reichtümer, die Kohlen und das Erz, in alle Länder fuhren. Heut fahren die Schiffe auch noch zum Meer, aber sie fahren die Kohle für die Russen nach Stettin, von wo sie im Umtausch gegen Erz nach Schweden gebt. Deutsche Schiffer stehen auch heute auf den Kähnen. Sie haben durch die Polen ihre Häuser und ihr Land verloren, und nun fahren sie im Dienst der Russen an ihren Heimstätten vorbei dem Meere zu, und nur die Kajüte unter den Planken ist ihre Heimstätte. Auch sie sind heimatlos, und der Winter sieht sie in einer Schifferherberge. Brieg, Oppeln. Im Gewühl der Menschenmassen auf den Bahnhöfen fallen die kräftigen Gestalten der russischen Soldaten und Offiziere auf. Sie halten sich ganz für sich, und es ist selten, daß sich einer an der Unterhaltung beteiligt Auf den Bahnhöfen drängen sich die Verkäufer an den Zug. Zeitungen, Zigaretten, Schokolade, Keks, Bonbons, Brötchen mit Schinken und Wurst, Fruchteis, Bier, Limonade, Milch, alles wird angeboten. Unterwegs klettern Jungen mit umgehängten Taschen mit Bierflaschen außen am Zug entlang, Verwundete und Krüppel fahren streckenweise mit und verkaufen Heiligenbilder oder singen zur Gitarre ■ ■ ' Harmonika. ’niffl nur pelrpsehe Laute. Ich so bewegte sich der bunte Zug in der wunderbaren Beleuchtung heiter und eilig den Abhang hinunter. Fräulein Trudchen aber war schon wie eiu Reh über Wallgraben und Sträucher nach dem Schloß gesprungen. Da gab's ein wahret Volksfest die Türen Bogen krachend auf und zu, die Hunde bellten, die alten Sofas und Stühle wurden ausgeklopft, daß es rauchte, zuweilen hörte man das lustige Lachen des Fräuleins dazwischen. Zuletzt band sie nur noch schnell ihre neue Schürze um; sie wußt es wohl, sie war hübsch qenug, so wie sie war. Nun aber begann auch schon draußen der Lärm. In hastiger Flucht brachen Gewitter und Gäste zusammen herein, der kleine Hof füllte sich plötzlich mit Glanz und Getümmel von eleganten Uniformen, Reitern und Rossen, der Regen fiel schon in einzelnen großen Tropfen, Tücher, Mäntel und Schleier flatterten im Sturm durcheinander, und bunte Jockeis flogen von den Pferden, um in der Verwirrung den Herrschaften herabzuhelfen, während die Mägde und Knechte des Barons, ihre Mützen in der Hand, ganz verwirrt in den Türen standen. Der Fürst war der erste, der sich aus dem Knäuel herauswickelte. Er befahl seinen Leuten, mit Pferden und Hunden im Dorf ein Unterkommen zu suchen, so gut es gehe; dann entschuldigt« er verbindlich beim Baron den plötzlichen Überfall, das Unwetter habe sie überrascht; er bat um Schutz für die Nacht; wo könne er diesen besser finden, setzte er hinzu, als bei den alten Häusern des Landes. „Alt und wackelig in der Tat“, sagte die Fürstin leise zu ihrem Nachbar, das Schloß bedenklich betrachtend. „Es sieht aus", erwiderte dieser,, „wie ein altes Rolandsbild, dem der !Zahn der Zeit den Kopf abgebissen." „Nein, wie ein einzeln stehender Backenzahn der Zeit selbst", meinte ein anderer. Der Baron aber, in dem beim Anblick von Damen jederzeit die Ritterlichkeit seines ehemaligen Offizierlebens wieder erwachte, hatte mit scharfen Jägerblick sogleich die Fürstin aufs Korn genommen Er half ihr kunstgerecht aus dem Sattel, bot ihr mit altmodischer Galanterie den Arm und führte sie über den Hof, immerfort französisch mit ihr sprechend, obgleich sie ihm deutsch antwortete. Aber schon dm -Eingang gab's unvermuteten Aufenthalt. Die fürstlichen Jagdhunde schnupperten überall vornehm umher, da gebrauchten die Hunde des Barons ihr Hausrecht, und ehe man sich's versah, gerade in der Tür, entstand plötzlich ein Balgen und Würgen, daß die Haare davonflogen. Mit gewaltiger Stimme, Stock und Stiefeln stiftete der Baron endlich wieder Frieden und wandte sich dann entschuldigend zur Fürstin. Die aber kam darüber in ein unaufhaltsames Lachen. Das steckte die andern mit an. uqd so zoq alles fröhlich ein. forsche in den Gesichtern und sehe, daß Deutsche darunter sind. Ihre Sprache dürfen sie nicht sprechen, denn sie würden sich der Gefahr aussetzen, aus dem Zuge gewiesen zu werden. Vor zwei Jahren noch hätte es ihnen passieren können, daß man sie einfach auf die Schienen geworfen hätte. Heute hat sich die Vernunft schon etwas durchgesetzt. Immer weiter rast der Zug. Gleich hinter Oppeln beginnt das Industriegebiet Gogoiin mit seinen mächtigen Kaiköfen fliegt vorbei, und vor Leschnitz fährt der Zug fast eine halbe Stunde an den Schaffgotschen Werken entlang, die die Kohle zu allen möglichen Produkten verarbeiteten. Da gingen die Hämmer, Sirenen schrien, mächtige Krahne hoben die Lasten, hohe Schornsteine reckten sich in den Himmel, und stählerne Brücken spannten sich von Werk zu Werk. Viele Tausende fanden hier Arbeit und Brot, taghell waren die Werke erleuchtet, und Tag und Nacht fuhren die vollbeladenen Züge die Lasten ins Land hinein. Heute ist alles abmontiert. Gespensterhaft ragen nur noch ein Paar Masten in die Luft, und Schutt und Trü mm er decken die Stätten der Arbeit. Das Lied der Arbeit ist verrauscht, Totenstille liegt über dem Land, und nur in den Wäldern, die sich rechts an die Bahn drängen, hört man die Bäume rauschen. Und dort, links drüben, blaut der Annaberg, Ober Schlesiens heiliger Berg. Tausende und aber Tausende sind zu ihm gewallfahrtet und haben abends in der Lichterprozession ihre Lichter und ihre Bitten auf den heiligen Berg getragen Noch sehe ich im Geist die seidigen Fahnen flattern und höre die Muttergottesgesänge, und wenn die, die dort sangen, beute fern sind, ihre Gebete hütet der heilige Berg und ihre Bitten liegen droben am Thron des Höchsten, der sie zu seiner Zeit erfüllen wird. Es ist Abend geworden, der Zug fährt durchs Kohlenrevier. Schon glühen die ersten Feuer der Hütten durch die Nacht, und immer tiefer geht es hinein ins Land der Gruben und Hütten. Früher gab es hier keine dunklen Nächte. Die Perienschnüre der elektrischen Lampen überzogen das ganze Land, und glühend schrieben die Hochöfen ihre Flammenzeichen an den Himmel. Es rauschte und brauste das Getöse der Arbeit, und das Land stand mächtig in seinem Reichtum und in seiner Kraft. Heute arbeiten deutsche Gefangene tief unten im Schacht, und das Lied der Arbeit ist ein fremdes Lied geworden. Fern von gebildeten Menschen, wer biitt euch Schätze zu finden und sie eifrig zu heben äiÄ Licht? Niemand geringeres als Goethe hat diesen vielzitierten Vers geschrieben, aus dem die Hochachtung vor einem Menschenstamm spricht,, den der Weimarer Staatsminister bei seiner Reise nach Tamowitz kennengelernt hatte. Fern von den durch Bildung verweichlichten und schabionisierten, vom Urquell der Natürlichkeit abgewandten Menschen, fern also, wie Alfred Kerr es einmal ausgedrückt hat, fern von ver bildeten Menschen traf Goethe den fleißigen und redlichen Oberschlesier bei der Arbeit und lernte ihn achten. Damals wurde durch den Grafen Rheden die erste Dampfmaschine auf dem europäischen Festland im Bergwerksbetrieb eingesetzt, und Mllttör / Von Kardinal Mindszenly Die Mutter — so las ich einmal — ist das Feuer, die Kinder aber sind das Licht. An der Helligkeit des Lichtes erkennen wir, wie stark das Feuer ist. # Die Mutter ist der Weinstock, die Kinder sind die Reben. An den Reben sehen wir. ob der Weinstock etwas taugt. * Die Mutter ist der Lebensbaum, die Kinder sind die Früchte dran Der Heiland sagte: „An ihren Früchten werde: ihr sie erkennen!" * Die Mutter ist die Uhr. die Kinder sind die Zeiger drauf. Diese sagen an, welche Stunde geschlagen hat. * Die Mutter ist die Feder, die Kinder sind die Schrift An den Schriftzügen erkennt man den Schreiber. * Die Mutter ist ein Ruder, die Kinder sind das Schifilein. Dieses führt dorthin, wohin das Ruder es treibt. * Die Mutter ist die Königin, die Kinder sind die Untertanen. Unter dem Szepter einer klugen Mutter sind die Kinder glücklich und zufrieden. • Die Mutter ist das größte Wunder und Geheimnis Der Menschheit ganze Seligkeit, der Menschheit ganzes Leid zittert und bebt in dem einen Wort: Mutterl der kluge und weitsichtige Weimarer Staatsminister war einer der ersten Interessenten für dieses technische Wunderwerk. Nach ihm ging die Entwicklung im Tempo der Technik voran. Einhundert Jahre später sah das Land so aus: es barg das größte bekannte und qualitativ beste Kohlenlager des europäischen Festlandes, die größten Eisenwerke des polnischen und des tschechischen Staates, die größten Zinklager des Reiches und seine größte Kalkindustrie. Gleiwitz besaß den zweitgrößten Güterbahnhof des Reiches. Der Poiizeibezirk Gleiwitz war das größte Präsidium nächst Berlin. Neben der ersten Dampfmaschine steht im geschichtlichen Ablauf der Dinge eine der ersten Eisenbahnstrecken des Deutschen Bundes von Wien nach Ostrau und späterhin die erste Kraftpostlinie Preußens. Im Kreise Rybnik lag das viele Jahre lang tiefste Bohrloch der Erde mit 2240 Meter. Teschen hatte die älteste Verlagsbuchhandlung des alten Österreich-Ungarn, das Zweitälteste österreichische Gymnasium, die erste evangelische Kirche nach der Gegenreformation und wurde als einzige deutsche Stadt nach dem ersten Weltkrieg an zwei nichtdeutsche Staaten aufgeteilt Oberschlesien war die Provinz mit der höchsten Geburtenziffer im Reich, mit der größten Wohnungsnot und der ebenfalls größten Kindersterblichkeit, der höchsten Kriminalität und der stärksten Tube kuloseanfälligkeit. Der Landkreis Beuthen besaß die größte Bevölkerungsdichte. Die Großstadt Hindenburg war die ärmste Gemeinde ihrer Größenordnung im Reich, die Provinz Oberschlesien beherbergte den ausgedehntesten Großgrundbesitz. In dem Land, das zwischen Österreich und Preußen, zwischen Polen und der Tschechoslowakei beständiger Zankapfel war, wurden 1818 in einer Gleiwitzer Hütte die ersten Eisemen Kreuze gegossen, und Friegrich der Große war es, der zur Erschließung des Landes den Klod- nitzkanal bauen ließ. Der Annaberg, Wallfahrtsort für die gläubigen Katholiken des Landes, wure nach dem ersten Weitkrieg zum Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen. In de« Schlichtungsbemühungen um die Volksabstimmung in diesem umstrittenen Gebiet haben sich der Präsident der Abstimmungskommission, Kaekenheck, und der heutige Flüchtlingsminister, Dr. Hans Lukaschek, damals Oberpräsident deT Provinz, wertvolle Verdienste erworben. Drei D-Zug-Stunden ist es von Breslau südost- wärts bis in das Industriegebiet von Beuthen— Königshütte—Kattowitz, und der Zug fährt lange Strecken durch ausgedehnte Wälde*, deren Wildbestand sie zu beliebten Jagdrevieren gekrönter Häupter gemacht hat. Ein dichtes Netz von Jugendherbergen erschloß das Gebiet zu einem Wanderparadies. Patschkau, das oberschlesische Rothenburg, mit seiner fast völlig erhaltenen Stadtmauer, mit Wehrtürmen und Zinnen bildet den westlichsten Pfeiler der Provinz, von wo aus es nicht weit ist zu dem 22 Quadratkilometer großen Staubecken von Ottm'achau, das von der Glatzer Neiße gespeist wird. Dort leuchten die Bischofskoppe und der Altvater in souveräner Größe als Hintergrund. Mit dem Schloß von Ottmachau verknüpft sich der Name seines Besitzers Alexander von Humboldt, des preußischen Humanisten. . Wer kennt nicht Bilder von Neiße, des schlesischen Roms, schicksalumwittert, den Blick zum Himmei aißend durch die formvollendete Gotik von öl. Jacob, von deutscher Renaissance geziert im Kämmereigebäude, von Barock durchglüht in der Kreuzkirche, von frtderizia- nischem Esprit in den verschnörkelten Häuschen der Friedrichstadt und von der kantischen Strenge des Soldatenkönigs in den Festungsbauten, letzte Station der Berufswanderung unseres Heimatsängers Joseph von Eichendorfi. Von der höchsten Erhebung des Landes, der 890 m hohen Bischofskoppe, schaut man hinab auf den Kurort Ziegenhals im lieblichen Tal der Biele, auf das freundliche Wiidgrund mit seinem geräumigen Strandbad, und man übernachtete, wandermüde, auf der schönen und modernen Oberschlesierbaude, den Blick hinaufgewandt zum Altvatergebirge, das sich bis 1490 Meter hoch aufreckt Altfränkische Bauerngehöfte grüßen den Wanderer, der seine Straße nach Leobschülz zieht und hinüber will in das tschechisch gewordene Hultschiner Ländchen Denken wir noch, der Grenze nachgehend, an Ratibor, in dem bäuerliche und industrielle Kräfte in gutem Einklang miteinander lebten, sprechen wir von Lubowitz, der Geburtsstätte Eichendorffs, von der aus der Blick bis hinüber zu den Karpathen reicht, wo die Störche ihren geheimnisvollen Flug über den nur 550 Meter hohen Jablunkapaß nehmen, wenn sie aus der deutschen Sommerheimat in den sonnigen Süden ziehen, während der Strom des Landes, dia Oder, bei Cosel die ersten Schiffe über Oppein, Brieg und Breslau nach Frankfurt und Stettin meerwärts trägt Ehrhard Evers ANTEK Wenn Dir böse Menschen kränken. Du sich darfst nichts Schlimmes denken, aber bei Gelegenheit sei tu edles Tat bereit. Ibberschrift: DEM BACKPFEIFE Fahrt durch totes Land