B RÜCHSALE R POST HEIMATBLATT FÜR KRAICHGAU UND BRÜH RAIN Jahrgang 2 Mittwoch, den 1. Februar 1950 Einzelpreis 15 Pfennig USA bauen Wasserstoff-Bombe Präsident Truman gab den Auftrag — „Ich bin für die Verteidigung der Vereinigten Staaten verantwortlich" Dem Schilling geht der „Schnaufer“ aus Vonunserem Korrespondenten sei bekannt, daß andere Staaten mit neuen Formen chemischer Kriegführung experimentiert hätten. Amerikanische Sachverständige würden über Mittel und Wege zur Abwehr dieser Drohung umfassende Forschungen anstellen. Die westeuropäischen Staaten, so schloß Johnson, müßten für den Fall eines Krieges in der Lage sein, ihre Verteidigungslinien so lange selbst zu verteidigen, bis die USA ihr« Streitkräfte völlig mobilisiert hätten. Vertreter Großbritanniens, Belgiens und der USÄ begannen in Washington Besprechungen über ein neues Abkommen hinsichtlich der Verteilung des im belgischen Kongo gewonnenen U.rans. Bidault erhielt Vertrauen Haushaltsplan als Ganzes gebilligt Paris (DND). Die französische Nationalversammlung hat am Dienstag abend den Haushaltsplan in der fünften, endgültigen Abstimmung über das Vertrauensvotum für die Regierung angenommen. Nach nichtamtlichen Berichten ergaben sich 300 Stimmen für und 284 Stimmen gegen die Regierang. In dem Beschluß wird der Haushaltsplan als Ganzes gebilligt. Die Vorlage war von der Nationalversammlung in erster Lesung gebilligt worden, wurde aber vom Rat der Republik stark abgeändert. Im jetzigen Stadium genügte eine Billigung der Vorlage durch die Nationalversammlung. Die Regierung verlangte die Annahme der Vorlage in ihrer ursprünglichen Fassung. Bei den vorangegangenen ersten drei Abstimmungen hatte die Regierung Bidault jp- desmal eine Mehrheit von nur wenigen'StTfiT- men erzielt. Beim vierten Mal ergab sich Stimmengleichheit. Streiks um Indochina In einer verstaatlichten französischen Flug- eeugfabrik in der Nähe von Marseille trat ein Teil der Arbeiterschaft in den Streik. Der Streik erfolgte auf Anordnung der von den Kommunisten beherrschten Gewerkschaft als Protest gegen die Aufforderung der Betriebsleitung, sieben Überstunden in der Woche zu arbeiten, um die Produktion von 100 Flugzeugen für die französischen Luftstreitkräfte in Indochina zu beschleunigen. In Dünkirchen wurden amerikanische Lastkraftwagen, die für Indochina bestimmt Glatteis behindert Kabinettssitzung Drei Gesetzentwürfe durchgesprochen — Preise für Bind- und Kalbfleisch sollen freigegeben werden McCloy erst Freitag zurück Der amerikanische Hohe Kommissar, John McCloy, wird erst am Freitag von Washington nach Frankfurt zurückkehren. Ursprünglich wollte McCloy bereits am Dienstag in Frankfurt eintreffen. Ein Sprecher der amer rikanischen Regierung äußerte sich zu dem Plan der Westmächte, den Kriegszustand mit Deutschland zu beenden. Wie er sagte, ist dieses Problem mit großen Schwierigkeiten verbunden. Bisher sei noch ungeklärt, wie man den Kriegszustand beenden und gleichzeitig die Besatzungstruppen in Deutschland lassen könne. Etn anderes schwerwiegendes Problem seien die deutschen Vorkriegsschulden. sind, von französischen Soldaten verladen. Die Dünkirchener Hafenarbeiter hatten die Ladung verweigert. In Paris selbst wurden auf verschiedenen Autobuslinien einstündige Streiks durchgeführt. Stikker soll Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit leiten Paris (DND). Die Konsultativgruppe der Europäischen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit hat am Dienstag dem Rat den holländischen Außenminister Stikker als politischen Direktor der Organisation vorgeschlagen. Die Wahl selbst wird durch den Rat der Europäischen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit vorgenommen. Stikker war Bankier, und Brauereidicektor, bevor er sich der Politik zuwandte. Er ist 51 Jahre alt. Der Ministerrat der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa befaßte sich am Dienstag erneut mit dem Abbau der Handelsschranken und der Bildung einer zentralen europäischen Verrechnungsstelle. An der Sitzung nahmen Vertreter der 17 europäischen Marshall-Plan-Staaten und der amerikanische Verwalter, Paul Hofman, teil. Aus unterrichteten Kreisen verlautet, daß sich die europäischen Staaten grundsätzlich über die Schaffung einer Verrechnungsstelle einig sind. Es bestünden jedoch noch Meinungsverschiedenheiten über den Zeitpunkt ihrer Errichtung und über die Art ihrer Tätigkeit. Washington (DND). Präsident Truman hat am Dienstag die amerikanische Atom- energie-KadObission beauftragt, mit der Produktion d«s ■ Wasserstoffbombe zu beginnen. In einer kurzen Erklärung des Präsidenten heißt es, daß die Arbeiten an allen Atomwaffen fortgesetzt werden sollen. Zu den Atomwaffen zähle auch die Wasserstoff- oder Uberbombe. Präsident Truman betont, daß er für di« Verteidigung der Vereinigten Staaten gegen jeden möglichen Angreifer verantwortlich sei. Amerika werde die Entwicklung von Atomwaffen solange fortsetzen, bis ein zufriedenstellender Plan für die internationale Kontrolle der Atomenergie geschaffen worden sei, „Kriegsgefahr nimmt ab“ Der nordamerikanische Verteidigungsminister Johnson stellte fest, seiner Auffassung nach nehme die Kriegsgefahr ab. Dennoch könne ein Angriff auf Amerika von der entgegengesetzten Hemisphäre ohne vorherige Warnung und mit nicht absehbarer Wucht erfolgen. Johnson fuhr fort: „Erst in geraumer Zeit werden andere Staaten genügend Atombomben besitzen, um ihre Verwendung riskieren zu können. Bis dahin werden die USA jedoch weitgehend durch ihre gesteigerten Vorräte, ihre Ueberlegenheit auf dem Gebiete der Produktion und ihre Luftstreitkräfte gesichert sein.“ Der Minister erklärte ferner, es Adenauer gratuliert Heuss Suhr überbrachte Glückwünsche Berlins Von unserem DND-Korrespondenten v. W. Bonn. Bundespräsident Heuss beging am Dienstag seinen 66. Geburtstag. Aus diesem Anlaß überbrachte Bundeskanzler Dr. Adenauer in Begleitung der Bundesminister Seebohm, Niklas und Wildermuth die Glückwünsche der Bundesregierung. Bundestagspräsident Dr. Köhler und Vizepräsident Carlo Schmid gratulierten im Namen des Bundestages. Der Berliner Stadtverodneten- vorsteher Dr. Suhr überbrachte die Grüße und Glückwünsche Berlins. Auch die Länderchefs haben dem Bundespräsidenten Glückwünsche übermittelt. Auf persönlichen Wunsch des Bundespräsidenten fanden keinerlei öffentliche Feierlichkeiten statt.. Erhard sprach in Basel Kapitalnot und Arbeitslosigkeit Basel (DND). Bundeswirtschaftsminister Erhard sprach in Basel vor führenden Schweizer Wirtschaftlern und Regierungsver- tretem über die Wirtschaftsprobleme der deutschen Bundesrepublik. Die Kapitalnot und die Arbeitslosigkeit, so führte er aus, stünden im Vordergrund des wirtschaftlichen Geschehens in der Bundesrepublik. Wenn die Kapitalnot nach außen hin noch nicht so stark in Erscheinung trete, so beruhe dies vor allem auf der Marshallhilfe, der man uneingeschränkt Anerkennung zollen müsse. Erhard betonte, daß zur Behebung der deutschen Kapitalnot ausländische Investierungen notwendig seien. Nach seiner Ansicht müßten diese Investierungen aber nicht mehr an den Staat gegeben werden, sondern direkt an die einzelnen deutschen Unternehmer. Es bestehe sonst die Gefahr, daß der Staat diese Gelder für die Planwirtschaft verbraucht. Der Minister hob dann hervor, daß das deutsche Volk den ehrlichen Willen habe, gesunde lind stabile Wirtschaftsverhältnisse zu schaffen. Die Bundesrepublik sei bestrebt, sich durch diese Arbeit innerhalb der demokratischen Welt zu behaupten. Es wäre bedauerlich, wenn man den Fleiß und die Tüchtigkeit des deutschen Volkes als eine internationale Gefahr betrachten würde. Von Petitpierre empfangen Minister Erhard wurde am Dienstag nachmittag von dem Schweizer Bundespräsidenten Max Petitpierre empfangen. Einzelheiten über die Unterredung sind noch nicht bekannt. Wird das Benzin freigegeben? Deutsch-alliierte Fachleute verhandeln Von unserem DND-Korrespondenten v. W. Bonn. Der Wirtschaftsausschuß der Alliierten Hohen Kommission erörterte am Dienstag die Aufhebung der Benzinrationierung. Der Ausschuß will erneut 1 mit deutschen Fachleuten verhandeln, bevor er in der kommenden Woche den Hohen Kommissaren seine Empfehlungen zuleitet. Die Bundesregierung Soll ausführlich berichten, warum sie die Bewirtschaftung von Benzin aufheben will» v.W. Bonn. Durch das am Dienstag in Bonn plötzlich aufgetretene Glatteis war auch die Kabinettssitzung zeitlich stark behindert. . Der Bundeskanzler kam erst mit erheblicher Verspätung von seinem Wohnsitz Rhöndorf zur Konferenz der Bundesminister. Diese wurde frühzeitig abgebrochen, weil Dr. Adenauer über die vereisten Straßen zur Geburtstagsgratulation nach Viktorshöhe fahren mußte, um Bundespräsident Heuss, die Glückwünsche des Kabinetts auszusprechen. Immerhin gelang es trotz Glatteis doch drei Gesetzentwürfe der Bundesregierung durchzusprechen. Der erste Entwurf beschäftigt sich mit der Ernennung und Entlassung von Bundesbeamten und Bundesrichtern durch den Bundespräsidenten. Man wurde sich darüber klar, daß der Bundespräsident — um ihn nicht mit überflüssiger Arbeit zu belasten — nur bei der Ernennung und Entlassung der oberen Bundesbeamten und -richter federführend sein soll Das Kabinett stimmte weiter einem Antrag von Bundesernährungsminister Niklas zu, der die Freigabe der Preise für Schlachtrinder, Schlachtkälber und Schlachtpferde und eine Freigabe des Verkaufs der entsprechenden Fleischgruppen vorsieht. Nachdem sich die Freigabe der Schweinepreise und des Schweinefleisches zu Ende des vergangenen Jahres schließlich nicht, wie ursprünglich erwartet, als preissteigernd, sondern vielmehr als preissenkend erwiesen hat, will man nun auch die übrigen Fleischsorten im Preis und Verkauf nicht mehr binden. Schließlich wurde einem von der Bundesregierung vorgelegten Entwurf des Gesetzes über die Bundesfinanzbehörden zugestimmt. Alle diese Dinge müssen selbstverständlich noch durch die „Gesetzesmühle“ von Bundesrat und Bundestag gedreht werden. Wer wird Generalkonsul? Über die Ernennung von Persönlichkeiten SU Q)«n«ralkonsuln — zunächst in, Washington, London und Paris — ist nach Angabe der Pressestelle des Bundeskanzleramts bei der Kabinettssitzung nicht gesprochen worden. Wie aus politischen Kreisen aber zu erfahren war, wird in der Umgebung des Bundeskanzlers weiterhin der Standpunkt vertreten, daß ehemalige Berufsdiplomaten für leitende Posten nicht in Frage kämen. Immerhin ist damit zu rechnen, daß Dr. Adenauer bis zum Wochenende die Namen der leitenden Beamten in den künftigen Generalkonsulaten veröffentlichen wird. Auch die Liste der Staatssekretäre bei den Bundesministerien, die immer noch einzelne Lücken aufweist, ist in der Kabinettsitzung nicht vervollständigt worden. Beauftragung Dr. Vockels am Mittwodi? Die Beauftragung Dr. Heinrich Vockels zum Verbindungsmann zwischen Westberlin und der Bundesregierung wird wahrscheinlich am Mittwoch durch den Bundeskanzler erfolgen. v. W. Noch einmal Fall Götzendorff. Der Bundestag behandelte am Mittwoch den Einspruch des WAV-Abgeordneten Götzendorff gegen seinen Ausschluß von 20 Sitzungen. Götzendorff hat beantragt, daß die Strafe zurückgenommen wird. Er betont, die tätliche Auseinandersetzung mit dem CDU-Abgeordneten Bodensteiner habe sich außerhalb des Plenarsaales ereignet. (DND). Wirtschaftsgespräche mit Großbritannien. In Frankfurt beginnen am 15. Februar Wirtschaftsbesprechungen zwischen Großbritannien und der Bundesrepublik. (DND). Prag erschwert Briefverkehr mit Ausland. In der Tschechoslowakei müssen alle Postsachen nach dem Ausland ab sofort mit Namen und Adresse des Absenders auf dem Briefumschlag versehen sein. Der Absender muß den Brief persönlich beim Postamt aufgeben und seine Identitätspapiere zur Prüfung vorweiseÄ. Stewardessen, die im Flugdienst über den ganzen Globus eingesetzt sind. Vor allem hübsch... Jede Frau, die Stewardeß werden will, hat eine Reihe von grundsätzlichen Bedingungen zu erfüllen, ehe sie überhaupt zur Ausbildung, deren Kosten die Luftfahrtgesellschaften tragen, zugelassen wird. Sie muß vor allem hübsch sein, da man der psychologisch begründeten Tatsache, daß die Anwesenheit eines hübschen Mädchens auf die Passagiere beruhigend wirkt, großen Wert beimißt. Dann darf sie nicht jünger als 21 und nicht älter als 28 Jahre sein. Ihre Größe ist ebenfalls vorgeschrieben: Das Mindestmaß beträgt 1,54 Meter, das Höchstmaß 1,80 Meter. Daß sie gesund sein muß, ist selbstverständlich. Sie darf aber auch nicht verheiratet sein und muß außerdem eine höhere Schulbildung nach- weisen können, über hervorragende Kochkenntnisse verfügen und im Besitze eines Krankenschwesterdiplomes sein. Die Stewardeß soll also das Ideal einer Frau sein. Kein Wunder, daß die meisten nach kurzer Tätigkeit geheiratet werden. Um diese „Unsitte" abzustellen, läßt sich eine amerikanische Luftfahrtgesellschaft seit kurzem bei der Einstellung einer neuen Stewardeß deren schriftlichen Verzicht auf eine Heirat in den folgenden zwei Jahren geben. „Schwere“ und „leichte“ Flüge Der Beruf einer Stewardeß ist ohne Zweifel schön, aber keineswegs leicht.. Die Pflichten sind ungefähr die einer guten Hausfrau, nur dürfte es die „Hausfrau des Flugzeugs“ bedeutend schwerer haben. Sie darf keine Launen haben und muß immer gleich freundlich sein. Auf dem Flugplatz hat sie die Gäste zu empfangen und ihnen die Plätze zuzuweisen. Sie muß auf alle Fragen eingehen und es verstehen, ein geistreiches Gespräch zu führen. Bei transkontinentalen Flügen hat die amerikanische Stewardeß etwa 65 bis 95 Arbeitsstunden im Monat. Ihr Dienstplan ist so eingerichtet, daß sich schwere und leichte Tag« abwechseln. Als „leicht“ wird ein Flug bezeichnet, bei dem es keine oder nur wenige Zwischenlandungen gibt, so daß die Stewardeß Zeit hat, in Ruhe die Mahlzeiten vorzubereiten. Bei einem „schweren" Flug wechseln dagegen bei häufigen Zwischenlandungen ständig die Passagiere, so daß die Stewardeß in aller Eile ihren Pflichten nachkommen muß. Möglichst 6 Sprachen Obwohl die Auslese für den Beruf einer Stewardeß streng ist. nimmt die Zahl der Bewerberinnen ständig zu. Daß bei vielen doch der Wunsch, ein „fliegendes Mädchen“ zu werden, in Erfüllung geht, ist schließlich darauf zurückzuführen, daß die Stewardessen vielfach schon nach kurzer Tätigkeit heiraten. Seit 1947 haben auch Europäerinnen die Möglichkeit, als Stewardeß bei den amerikanischen Luftfahrtgesellschaiten eingestellt zu werden. Sie müssen allerdings Sprachgenies sein und außer englisch möglichst noch französisch, holländisch, schwedisch, dänisch und norwegich sprechen. G. R. Wieder eine deutsche Wochenschau Sie läuft am 3. Februar an In Berlin, München, Frankfurt, Hamburg und Düsseldorf stehen die weinroten Wochenschauwagen der „Neuen Deutschen Wochenschau“ startbereit. Nach 17 Jahren endlich wieder eine freie deutsche Wochenschau. Am 3. Februar 1950 läuft sie zum ersten Mal in den Lichtspielhäusern. Sie hat den Namen „Neue Deutsche Wochenschau" gewählt, erklärt aber ausdrücklich, nicht an die alte deutsche Wochenschau anknüpfen zu wollen. Hergestellt wird sie von der Wochenschau GmbH, in Hamburg 20 und den Vertrieb hat Schorcht-Film. Als einzige Wochenschau im Gebiet der Deutschen Bundesrepublik wird die NDW einen Verwaltungsrat einsetzen, der darüber zu wachen hat, daß diese Wochenschau politisch und wirtschaftlich unabhängig bleibt. Die NDW ist, die einzige Wochenschau in Deutschland ohne jeden ausländischen Einfluß. Von Relaisstationen in Berlin, Hamburg, München, Frankfurt und Düsseldorf aus gehen Tag und Nacht Kamera-Teams auf die Jagd nach den aktuellsten und wichtigsten Ereignissen der Zeit, während aus Paris, London, New York, aus Rom, Wien, Stockholm, Amsterdam, aus Rio und Tokio die Berichte aus aller Welt auf dem Luftweg nach Deutschland gebracht werden, um hier mit deutschen Berichten ausgetauscht zu werden. Wir haben damit auch auf diesem Gebiet wieder den Anschluß an die Welt gefunden. AUS DEM SÜDWESTEN Großfeuer in Plüderhausen Brand In Gmünder Reparaturwerkstätte E.M. Schwäbisch Gmünd. In der Motorradreparaturwerkstätte von A. Grimm am Tumiergraben brach infolge Explosion eines Schweißapparates Feuer aus. Da sich zu dieser Zeit der Hauptteil der Feuerwehr bei einem Großbrand in Plüderhausen befand, außerdem am Brandherd die Häuser eng zu- »a mm engebaut sind, war die Lage nicht ungefährlich. Der Bereitschaft der zurückgebliebenen Feuerwehrmänner und der ebenfalls sofort eingreifenden Fabrikwehr der Firma Binder gelang es jedoch, den Brand in kurzer Zeit zu ersticken. Allerdings wurde eine große Zahl von Motorrädern in Mitleidenschaft gezogen. Der gleichzeitig in Plüdershausen wütende Brand war in einem ehemaligen Fabrikgebäude der Firma Schüle ausgebrochen. Dieses Gebäude war als Wohnhaus umgebaut worden und beherbergte 21 Familien, die alle obdachlos geworden sind. Zwar konnten sie durch die Tatkraft des Gemeindevorstehers ■ogleichl untergebracht werden, dennoch Ist der Sachschaden erheblich und wird auf 100 000 DM geschätzt Glücklicherweise war der Brandherd von den anderen Gebäuden der Firma Schüle so weit entfernt, daß ein Uebergreifen verhindert werden konnte. Neben der in Gmünd selbst dringend benötigten Wehr waren die Feuerwehren von Schorndorf, Waiblingen, Oberurbach, Lorch und Stuttgart herbeigeeilt 3200 DPs im Lager — weitere kommen Böblingen (hpd). Im Flughafengelände müssen weitere DPs untergebracht werden, nachdem die IRO beschlossen hat, daß das La- jfer in Schwäbisch Gmünd aufgelöst wird. Der starken Zuwanderung steht nur eine geringe Abwanderung gegenüber. In letzer Zeit sind 100 DPs nach Australien ausgewandert. Im Lager Böblingen befinden sich zur Zeit «200 DPs. Zum „Ruiter Ring“ susammengesthloesen Eßlingen (hpd). Auf einer Tagung in Eßlingen haben sich die nordwürttembergi- schen Kreis- und Stadtjugendausschüsse zu der Arbeitsgemeinschaft „Ruiter Ring" zusammengeschlossen. Mit der Geschäftsführung wurde der Eßlinger Jugendausschuß beauftragt. Ein Mitglied der amerikanischen Landeskommission gab bekannt daß in den kommenden Monaten 104 Jugendliche aus dem amerikanischen Besatzungsgebiet davon voraussichtlich 23 aus Württemberg-Baden, zu einem College-Aufenthalt nach den USA reisen werden. Messerstecherei in der Gaststätte Nürtingen (hpd). In einer Gaststätte in Holzmaden kam es zu einer Auseinandersetzung, die in einen heftigen' Streit ausartete. Einem 41 Jahre alten Mann wurde mit einem Taschenmesser ein« Schnittwunde am Kopf bei gebracht. Von Eisenträger schwer verletzt Göppingen (DND). Dieser Tage wurde «in vierzigjähriger verheirateter Arbeiter aus Wäschenbeuren an seiner Arbeitsstelle von einem herabstürzenden schweren Eisenträger am Kopf getroffen. Er erlitt dabei schwere Verletzungen und mußte mit einem Schädelbruch und erheblichen .Kopfverletzungen in das Kreiskrankenhaus eingeliefert werden. In geistiger Umnachtung in den Tod Vaihingen/Enz (DND). Ein lediger Rentner aus Knittlingen wurde in einer Scheune erhängt aufgefunden. Der Lebensmüde hatte bereits am 28. Januar einen Selbstmordversuch unternommen, der jedoch daran scheiterte, daß der Haken brach, an dem er sich aufhängen wollte. Als Motiv dürfte wohl ein Anfall geistiger Umnachtung zu sehen sein. Bich an der Balkenleiter erhängt Schwäbisch Hall (DND). Ein lediger landwirtschaftlicher Arbeiter erhängte sich in der Scheuer seines Schwagers an der Balkenleiter. Der Lebensmüde war 1934 sterilisiert worden, was vor kurzem durch Zufall in der Gemeinde bekannt geworden war. Darunter hatte der Arbeiter stark gelitten und sich in letzter Zeit immer mehr von der Öffentlichkeit zurückgezogen. Oberndorf erwirbt Gelände der Mauserwerke L.A. Oberndorf. Durch Kaufvertrag hat die Stadtgemeinde Oberndorf ehemaliges Fabrikgelände der Mauserwerke käuflch erworben. Damit besteht jetzt die Möglichkeit, zu beiden Seiten des Neckars bzw. der Eisenbahn, Verkehrsstraßen zu schaffen und neues wertvolles Baugelände zu erschließen. Auch wird der Durchgangsverkehr Rottweil—Oberndorf —Boll wesentlich erleichtert. Die „eingesperrten" Stadtväter Friedrichshafen (DND). Als die hiesigen Stadtväter dieser Tage nach einer Rathaussitzung, die sich bis gegen Mitternacht ausgedehnt hatte, nach Hause traben wollten, standen sie unversehens vor verschlossener Haustüre. Der pflichtbewußte Hausmeister hatte zur gewohnten Stunde alle Türen verriegelt und sich zu Bett begeben, ohne der unermüdlich tagenden, Stadtväter zu gedenken. Den Eingesperrten blieb schließlich nichts anderes übrig, als durch ein Fenster des Erd geschoßes die rettende Freiheit zu gewinnen. Die Leiche auf dem Abfallhaufen München (SWK). Am Wochenende wurde von einem Spaziergänger auf einem Abfallhaufen die Leiche einer Frau im Alter von 20 bis 30 Jahren aufgefunden. Die Leiche war in «ine Wolldecke genäht und in braunes Packpapier eingewickelt. Man hatte die Tote ferner skalpiert und ihre Beine fest an den Körper geschnürt Bisher konnte die Leiche noch nicht identifiziert werden. AUS DEM WIRTSCHAFTSLEBEN Wo bleibt die Butter? Seit einigen Tagen bereitsList plötzlich die Butter aus einem Teil der Geschäfte und von den Märkten verschwunden. Wo ist die Ware, die noch vor ganz kurzer Zeit reichlich vorhanden war, geblieben? Diese Frage versucht «ine Mitteilung des Fachverbandes der Butter-, Käse- und Fettwarenkaufleute Württemberg-Baden zu klären, die wir auszugweise veröffentlichen: Schon bei Aufhebung der Butterbewirtschaftung ist der Fachverband beim Landwirtschaftsministerium vorstellig geworden und hat auf die Gefahren hingewiesen, die insbesondere der Butterversorgung Nordbadens drohen, weil es sich in diesem Landesteil um ein ausgesprochenes Zuschußgebiet handelt, das in erster Linie über den Großhandel aus Südbaden und Württemberg beliefert wurde Mit der Einführung der Lenkung bereits wurde jedoch der' Fachhandel von diesen Bezugsquellen abgeschnitten, die sich in der Zwischenzeit zu einem Kartell zusammengeschlossen haben, das alle Molkereien NordWürttembergs umfaßt. Diese würt- tembergische Milchverwertungs AG. bestimmt die Absatzgebiete und hat praktisch jeden Wettbewerb ausgeschlossen. Der nordbadische Butterhandel ist an der Gesamtlage schuldlos. Die Aufhebung der Bewirtschaftung bedeutet für ihn ein plötzliches Fehlen jeglicher Lieferbeziehungen. Die geringen Vorräte waren sehr schnell abgesetzt und die kleinen Lieferungen südbadischer Molkereien sind dem Großhandel bereits zu den neuen Preisen berechnet worden. Den besonders für Nordbaden unhaltbaren Zuständen muß daher schleunigst durch die verantwortlichen Regierungsstellen ein Ende bereitet werden. 'Aufwertung für Lebensversicherte? Um die Auslegung des Altsparergesetzes Vor kurzem nahm der Verband der Lebens- versicherungsuntemehmen zum Altsparergesetz 'Stellung. Darin wird die Absicht der Bundesregierung, den Altsparem für die aus der Währungsgesetzgebung erlittenen Verluste eine Entschädigung zu gewähren, lebhaft begrüßt. Es wird betont, daß Millionen von Lebensversicherten bitter enttäuscht sind, da sie um die Früchte jahrelangen gleichmäßigen Sparens für eine freiwillige Alters- und Hinterbliebenenversorgung gebracht worden sind, während andere Vermögensanlagen, nicht zuletzt auch die staatliche AngesteUten- und Invalidenversicherung, kaum oder gar nicht betroffen wurden. Der Verband möchte aber bei einer gesetzlichen Regelung ein möglichst einfaches Verfahren angewandt wissen, bei dem eine übermäßige Verwaltungsarbeit vermieden wird. Er weist darauf hin, daß es (zeitlich und finanziell) kaum zu vertreten wäre, für 25 bis 30 Millionen Lebensversicherungen, die bei Ausbruch des Krieges und am Währungsstichtag selbst bestanden, den Sparwert durch Einzelberechnungen ztv ermitteln und für jeden Einzelfall einen Entschädigungsbetrag festzusetzen. Aus diesen Überlegungen heraus wird vom Verband der Lebensversicherungsuntemeh- mungen angeregt, allen Lebensversicherten, die im Zeitpunkt der Währungsreform mindestens seit Kriegsausbruch bzw. seit dem 1. 1. 1940 versichert waren, eine Sonderaufwertung zu gewähren und diese Entschädigung nach dem jetzt erreichten Alter zu staffeln. Eine solche Regelung hätte den großen Vorzug, daß der Staat in erheblichem Umfange von Fürsorgelasten befreit würde. „Devisenschikanen der Bürokratie“ Von „Devisenschikanen der deutschen Bürokratie“ sprechen die „Baseler Nach- richte n“. Sie erklären, daß sich die hemmenden Devisenvorschriften, die man sich früher durch die Teilung der Kompetenzen zwischen den alliierten und deutschen Stellen erklären konnte, seit dem Übergang der Devisenbefugnisse auf die Bank deutscher Länder nicht gebessert hätten. Wenn deutsche Reisende nach den gegenwärtigen deutschen Vorschriften zwar 40.— DM in die Schweiz einführen können, sie aber bei der Ausreise wieder voll inhaltlich vorweisen müssen, so könne ein Touristenverkehr überhaupt nicht ln Gang kommen. Die Teilnehmer der deutschen Reisegesellschaften kämen mit leeren Händen, es sei denn, sie würden deutsches Geld einschmuggeln. Es müsse Aufgabe der schweizerischen und deutschen Behörden sein, dahin zu wirken, daß die „Devisenhecke um Deutschland“ etwas _ abgebaut würde. Eine Lockerung sei umsomehr zu begrüßen, als sich der freie Kurs der DM immer mehr dem offiziellen Kurs nähere. (VWD) Steuerrückvergütung für Bienenzucker Die Fraktion der Deutschen Partei hat bedm Bundestag beantragt, daß den Imkern eine Steuerrückvergütung für Futterzucker gewährt werden soll. Da z. Zt. wieder mehr Honig aus dem Ausland eingeführt werde, müsse den Imkern für den entstehenden Verdienstausfall ein Ausgleich zugebilligt werden. ▼. W. Stuttgarter Schlachtviehmarkt Vom 31. Januar 1950 Auftrieb: 868 Stück Großvieh, 503 Kälber, 119 Schweine, 379 Schafe. Preise: Ochsen aa: 75—85, a: 55—72, b und e gestrichen. Aeltere Ochsen nicht gefragt. Bullen aa: 75—>3, a: 79—75, b: 70, c und d nicht notiert. Aeltere Bullen nicht gefragt. Färsen: aa: 85—93, a: 76—34, b: 55—72, c und d nicht notiert. Jüngere Kühe: aa: 65—73, a 55—64, b 45—55, c 35—44, d: bis 82. Aeltere Kühe: aa und a nicht gefragt. Kälber: aa: —. a und b: 90—110. c: 7o—90, d: nicht notiert. Schweine: a, bl, b 2: 130, c: 120—ISO, d, e und f nicht notiert, g 1 110—120, g 2 100—110, J und h nicht notiert. Schale nicht notiert Marktverlauf: Der Markt war mengenmäßig annehmbar, der Güte nach alles in allem zufriedenstellend befahren. Das Geschäft war großenteils ohne Schwung. Bessere und gute BuUtn waren etwas billiger als letztmals zu haben: b-Rln- der holten nicht selten auf, ebenso a-Kühe. Weniger gefällige Tiere blieben teilweise übrig. Der Kai- bermarkt konnte ohne große Mühe alles unterbringen. Auf dem Schweinemark; wurde rege zugegriffen. Schweine waren durchweg mäßig teuer. Tiere Zwischen 100 und 120 kg Lebendgewicht zogen gegenüber dem Vormarkt kräftig an, ebenso teilweise Speck sauen. Die Buchten wurden schlankweg geleert. Der beachtliche Auftrieb am Schafmarkt war leicht an den Mann zu bringen. UtA&i-llüiadSäLMH fMiViVIVPPWi Waldlauf statt Schilauf in Lake Placid Die Weltmeisterschaftsteilnehmer in Lake Placid, wo es nach wie vor an Schnee mangelt, folgen z. Z. dem Beispiel des Norwegers Martin Stokken. Dieser großartige Langläufer hat sich mit seinen Landsleuten in die Wälder am See Mirror begeben und trainiert Waldlauf statt Schilauf. Stokken ist der Einzige, der im Falle eines Ausfalls der Weltmeisterschaft nicht umsonst nach USA gefahren ist Der Norweger beherrscht lange Strecken auf Schiern ebenso gut wie in Laufschuhen. Als viertbester 10 000-m-Läufer der Welt (Hinter Zatopek, Heino, Mimoun) hat er eine Einladung zu den internationalen USA- Hallenmeisterschaften in der Leichtathletik erhalten. Mit einem Blick auf die schneelose Landschaft von Lake Placid sagte Stokken zu. Ein siegreiches Meilenrennen könnte ihn mit einer entgangenen Schi Weltmeisterschaft versöhnen ... (isk) Weltmeisterschaftschance für ten Hoff? Jersey Joe Walcott ist gegenwärtig in aussichtsreichen Verhandlungen mit dem britischen Boxmanager Solomons. Er möchte in London -gegen den Sieger der „Weltmeisterschaft“ (nach britischer Version) Bruce Wood- cock-England gegen Lee Savold-USA antre- ten. Jersey kündigte für diese Begegnung seinen Besuch an. Der Negerboxer hat die Absicht, nach dem Eßlinger Kampf gegen Hein ten Hoff nach London zu fliegen. Wie aber, wenn Walcott wider Erwarten gegen den deutschen Meister verlieren würde? Ten Hoff hätte in einem solchen Fall eine hervorragende Chance, sich in die Kämpfe der Weltmeisterschafts-Anwärter einzuschalten, (isk) Kurzer Sportfunk Die Harringay- Arena, bat Inge Jell- S ü ß m a n n und Horst F a b e r zu mehreren Eiskunstläufen Mitte Februar nach England eingeladen. Die beiden deutschen Meisterläufer fielen den Londonern bei den Deutschlandgastspielen der Harri ngay-Racers auf. Sie sollen innerhalb von 12 Tagen auf sechs verschiedenen englischen Eis-Rinks ihr Können «eigen. Deutscher Eisschnellauf meiste« wurde auf dem Thunsee bei Bad Reichenhall Bernd Geuer-Köln vor Giorlani, Hage dom R. Geuer (alle Köln), Spardel-Hamburg, Drisga-Berlin. Berod lief über alle Strecken die Bestzeiten: 500 m in 48.5; 5000 ih ha 9:38.1 und 10 000 m in 19:41,0 Kilian/Vopei, einst Amerikas Sech« tagekönige, gehen beim 145-Stunden-Rennen von Hannover am 2. Februar wieder gemeinsam an den Start. Für die Schwarzwald-Rundfahrt der 1RA als Vorprüfung zur Deutschlandfahrt sind mit Start und Ziel in Schwenningen folgende Etappen festgelegt: 25. Mai: Schwenningen — Rheinfelden (über den Feldberg), 26. Mai: Rheinfelden — Singen, 27. Mai: Singen — Reutlingen, 28. Mai: Reutlingen — Calw — Altensteig —Baden-Baden, Freudenstadt, Rottweil — Schwenningen. Gesamtlänge: ca. 800 km. Schwedische Fußballer (GAISGöteborg spielen am 11. Februar gegen Ulm 46 und am 12. Februar gegen 1860 München. Württemberg-Badens Toto zahlt für den letzten Januar-Wettbewerb mit 5 Gewinnen von je 43 304 im ersten Rang wieder fette Quoten. (isk) Für unsere Schiläufer Sdmesbcrlcht* vom 31. Januar 1350 Schwarzwald: Temperaturen zwischen minu 3 und minus 3 Grad. Schneehöhe: Freudenstadt 12 cm, Kniebis 25 cm, Baiersbronn 3 bis f cm Ruhestein und Schliffkopf 25 cm, Untersmatt 19 cm Schwäbische Alb: Temperaturen zwischen minus 1 und 6 Grad. Schneehöhe: Lenninger Alb 4 cm, Uracher Alb 3 cm, Wiesensteig und Lichtenstein 3 cm, Münslnger Alb 2 cm, Eblnger Alb 3 cm, Meßstetten 5 cm. Allgäu und WerdenfelserLand: Temperaturen zwischen minus 1 und minus S Grad. Schneehöbe: Isny und Großholzleute 13 cm. Schwarzer Grat und Iberg 40 cm, Oberstaufen 90 cm, Hindelang 35 cm, Ober Joch 63 cm, Alte Eck 65 cm, Oberstdorf 20 cm, Schönblick 70 cm, Nebelhorn 230 cm, Nesselwang 80 cm, Garmisch 25 cm, Kreuzeck 35 cm, Zugspitzplatt 320 cm. Sportmöglichkelten: Nördlicher Schwarzwald, nur ln Höhenlagen gute Verhältnisse. Ostalb schneefrei, in der Westalb Schneelage zur Ausübung des Wintersports nicht ausreichend. Im Allgäu überall gute Verhältnisse, besonders ln Höhenlagen, in niedrigen Lagen stellenweise Harsch. Schisportliche Veranstaltungsn vom 4.2. bis 12. 2.: Wintersportwoche in Füssen. Wettervorhersage: In den folgenden Tagen Temperaturen in Höhenlagen der Alb und dea Schwarzwaldes meist in der Nacht um C Grad, zeitweise auch über Null. Vereinzelt leichte Nieder» Schläge, teils als Schnee, vorübergehend auch Regem Wetterbericht Vorhersage: Am Mittwoch zeitweise noch bedeckt und höchstens leicht«- Regen. Temperaturen über null Grad. In der Nacht zum Donnerstag und am Donnerstag wechselnd bewölkt, höchstens leichter Bodenfrost. Tagestemperaturen um null oder wenig über null Grad. Schwach« Winde. AUS DER BUNTEN WELT Deutfchlanös Klima tuirö immer füölicher Ee blühen Die Magnolien unD Die Gänfeblümchen Tiere unö Pflanzen brechen alle olymptfchen Rehorbe Wir wissen, daß Tiere und Pflanzen raffinierte Waffen entwickeln, daß sie erfahrene Chemiker sind, die mit Giftgas und Nebelbomben arbeiten Aber auch ihre Sportrekorde können sich sehen lassen. Der schnellste Leichtathlet kann keine 100 M.ter in 8—9 Sekunden laufen, aber die Ga- z * II e unterbietet diesen Rekord erheblich. Sie läuft 100 Meter in 3,7 Sekunden. Das entspricht einer Stundengeschwindigkeit von 9T Kilometern. Ein erstklassiges Rennpferd schafft ebenso- wie der afrikanische Strauß die 400 Meter in 4 Sekunden, ein englischer Windhund in 4.5 Sekunden, und ein Hase braucht nicht viel mehr Zeit. Jesse Owens kann also von einem Hasen zweimal Oberholt werden. Noch schneller als Gazelle und Antilope soll der Jagdleopard sein, der Tschitah, der die beiden jagt und einholt. Für kurze Strecken bis zu einem Kilometer soll er nach dem berühmten Jäger Präsident Theodore Roosevelt mit 120 Kilometer die schnellsten Gazellen überholen. Nach anderen, unkontrollierbaren Beobachtungen soll der Jer- boa, der einer Maus ähnelt und in den afrikanischen Sandwüsten lebt, das schnellste Säugetier sein Viel schneller als alle Tiere sind aber die Pflanzen, die mit dem Wind und Sturm um die ganze Welt reisen, oft kilometerhoch. Ihre Samen sind die schnellsten und geschicktesten Weltreisenden, für die es kein Hindernis gibt. Wie steht es im Weitsprung? Mit Anlauf kam Jesse Owens 1935 auf 8,13 Meter. Das Känguruh aber bringt es auf 10 Meter und zwar als Dauerleistung, nicht nur als Einzelbewegung. Dasselbe springt der afrikanische Springhase. Im Hochsprung mit Anlauf kommt der beste Sportler nie über 2.10 m hinaus, aber die Schwarzfersenantilope springt nicht nur 4 m hoch, sondern auch 8 m weit Sie steigt wie «in Geschoß in die Luft. Wer aber fliegt am schnellsten? Zurzeit wird in Amerika ein Heißstrahlflugzeug erprobt, ein fliegendes Ofenrohr, wie man es nennt, das nahe an die 1000 Kilometergrenze berankam. Die Schallgrenze (1240 km) soll mit anderen Maschinen für kurze Zeit bereits erreicht worden sein. Kommen da die Tiere nicht mehr mit? . Unsere Vögel fliegen durchschnittlich 100 Stundenkilometer, wenn es einzelne auch auf 180 km bringen sollen. Aber die Schallgeschwindigkeit soll nach Prof. Townsend London ein Insekt überbieten, die Dasselfliege Zephenomia, die mit 1300 Stundenkilometer daherbrausen soll Das entspräche der Geschwindigkeit eines Geschosses und •wäre nur noch photographisch meßbar. Wie stehts mit den Schwimm-Rekor- d e n ? Da werden wir die gewöhnlichsten Fische nie einholen. Die olympischen Rekorde für 100 m liegen um 55 Sekunden, aber die Delphine und Pinguine, die wie Torpedos durchs Wasser schießen, schaffen die gleiche Strecke in zehn Sekunden. Der schnellste Fisch aber soll der Tarpon sein, eine Heringsart, mit 120 Stundenkilometer. Wegen Beschädigung militärischen Eigentums Ein britisches Gericht in Detmold verurteilte kürzlich einen Angestellten der Militärregierung zu zwei Monaten Gefängnis mit Bewährung Ihm wurde zur'Last gelegt, eng- ÜsJ.en Militärpferden die Schwanzhaare abgeschnitten und einem Freund verkauft zu haben, der daraus Pinsel und Besen anfertigte. Die Erde wird immer wärmer. Sogar am Nordpol spürt man schon die Klimabesserung, ebenso in Grönland, Sibirien und Kanada. Seit etwa 60 Jahren hat man in Europa keine so milden Temperaturen an Weihnachten und Neujahr gemessen wie jetzt. Natürlich Ist der Winter deshalb noch nicht vorüber, ohne kurze Kältewellen kommen wir nicht davon. Aber im ganzen gesehen sind die durchschnittlichen Wintertemperaturen viel höher als in früheren Jahrzehnten. An manchen Stellen blühen schon die Schneeglöckchen und die Gänseblümchen, in England sogar die Magnolien — bei 14 Grad Celsius. Kurios milde Winter gab es schon immer, wenn auch in großen Zeitabständen. So berichten uns die Chroniken, daß in manchen Jahren um Weihnachten die Veilchen blühten, daß die Bäume schon im Januar neues Laub bekamen oder daß mitten im Winter die Rosen blühten. In Abständen von 50—70 Jahren hat man solch milde Winter immer wieder erlebt. Was sich aber bei uns seit einigen Jahrzehnten abzeichnet, scheint eine grundsätzliche Klimaänderung, eine langsame, aber stete Erwärmung des Erdballs zu sein. Anzeichen für eine solche Erwärmung gibt es viele. Seit 80 Jahren sind die Gletscher Europas im Abschmelzen, der Malgina- Gletscher ist bereits ganz verschwunden. In den Hohen Tauern hat das „Ewige Eis“ jetzt die früher unsichtbaren mittelalterlichen Goldbergwerke freigegeben. Nicht nur in Europa, auch in Indien, Südamerika und Kanada ist die Durchschnittstemperatur um 1—3 Grad gestiegen. Selbst der Golfstrom ist wärmer geworden und mit ihm die polaren Gegenden. Russische Forscher glauben festgestellt zu haben, daß ein Zweig des Golfstroms sogar bis zum Nordpol reicht. Dort wurde nämlich eine beträchtliche Erwärmung der Luft- und Wassertemperäturen festgestellt, Der Unsterbliche Georges Duh'amel fährt in seinem Auto durch Paris, und in Gedanken vertieft, übersieht er in der Avenue Saint-Germain-des- Präs das rote Licht Ein Pfeifensignal und der Verkehrspolizist zückt Bleistift und Notizbuch: „Ihr Name bitte!" „Georg Duhamel.“ „Duhamel von der Aeademie francaise?" „Ja!“ „Dann entschuldigen Sie bitte. Ich sehe schon, es passiert nicht nur den Sterblichen, daß sie sich irren!...“ Ein Ausweg für genierte Ehemänner Die Männerwelt von Lopdon — und nicht nur diese — scheint sich zu genieren, wenn sie für ihre Frauen Unterwäsche und Strümpfe als Geschenk kaufen will. Englische Kaufleute sind ja für ihre Findigkeit bekannt. Eine Anzahl entsprechender Fachgeschäfte im westlichsten Teil der Weltstadt kam deshalb auf eine ganz neue Idee: ab 17 Uhr haben nämlich nur Herren Zutritt, um die wahren „Gedichte“ an Nylon-Strümpfen und Damenunterwäsche zu kaufen. Der Erfolg war auch diesmal das beste Beweismittel. Der Gedanke hat sich glänzend bewährt. Die Herren strömten zu diesen Geschäften in so großer Zahl, daß selbst die Polizei zu Hilfe gerufen werden mußte, um den Ansturm der schenkwütigen Londoner zu stoppen. — Die Geschäfte hatten ebenso eine Verminderung der Eisdecke. Der Fischreichtum der Nordmeere ist erheblich angewachsen. Die nord-östliche Durchfahrt durchs Eismeer nördlich um Asien, die im vorigen Jahrhundert noch unmöglich war, ist jetzt offen. In den Polargebieten sind die heutigen Winter bis zu 8 Grad wärmer als früher. Was sagen unsere Meteorologen zu dieser Erwärmung des Erdballs? Obwohl ihre Wissenschaft noch recht jung ist, können sie echte Klimaschwankungen bis 50 000 Jahre zurück errechnen. So weiß man, daß vor 8000 Jahren das Klima bei uns heiß und trocken war (Vorherrschen der Eiche), daß sich dann vor 2500 Jahren unser Klima verschlechterte (viel Niederschläge, Ubeschwemmungen, Verdrängung der Eiche durch die Buche), und daß es im frühen Mittelalter wieder viel wärmer war als heute. An der Ostsee wuchs der Wein, auf dem Brocken wuchsen prächtige Baumriesen; erst nach einem Klimasturz zu Beginn des 17. Jahrhunderts muß es dann nach dem bekannten Meteorologen Dr. Paul Heß seit Jahrzehnten zu einer langsamen Erwärmung gekommen sein. Über die Ursache solcher Klimaschwan- kungen ist sich die Wissenschaft noch nicht klar. Die Meteorologen des Instituts für Meeresforschung in Bremerhaven glauben an einen zunehmenden Einfluß der südlichen Klimazonen, Prof. Alwin Seifert spricht von dem Übergang von einem ozeanisch betonten zu einem vorwiegend kontinentalen Klima. Andere Forscher machen die Verlagerung der Pole für die Klimaschwankungen verantwortlich, wieder andere eine .Veränderung in der Intensität der Sonneneinstrahlung; kosmische Staubwolken sollen bisher das Sonnenlicht abgeschwächt haben, jetzt aber strahle Wärmung. Wir wissen also nur eines: es wird zuneh- es wieder im alten Glanze, daher die Er- mend wärmer. Die Welt kann auch wirklich viel Licht und Wärme vertragen... an die Verkaufstische nur männliches Personal gestellt, während sich die Verkäuferinnen „abgesetzt“ hatten. Nylon-Strümpfe sind auf diese Weise selbst in den bestens sortierten Lagern wie auf Anhieb geräumt worden. Außerdem war ein reißender Absatz an Nachthemden, Unterwäsche und Handschuhen zu verzeichnen. Beiden Teilen war wieder einmal gedient! Die Zeiten ändern sich Sinclair Lewis befindet sich auf einer Europatournee Als er in Amsterdam den Fuß an Land setzt, erzählt er launig: „Es sind heute auf den Tag fünfzig Jahre her, da lehnte der Verleger mein erstes Manuskript ab. Heute bietet er mir für die neue Auflage 10 000 Dollars. Was doch die Zeit vergeht!“ Wer hat recht? Benedetto C r o c e unterhielt sich mit Win- Ston Churchill über die Lehren, die wir aus der Geschichte ziehen können. Der große italienische Philosoph meinte bitter: „Unglücklicherweise ist die Geschichte nicht dazu angetan, um die Politiker in ihren guten Absichten zu bestärken." Lachend erwiderte Churchill: „Glücklicherweise ist die Geschichte aber dazu angetan, die schlechten Absichten zu entmutigen.“ Auch Krankheiten muffen auefterben Wer kennt noch Lepra, Branö unb Veitetanz? Daß Krankheiten entstehen und vergehen, weiß man schon lange. Wie aber sind di« Krankheiten in die Welt gekommen? Gab es Krankheiten auch schon vor dem Auftauchen der ersten Menschen? Der amerikanische Gelehrte Moodi hat festgestellt, daß auch die frühen wirbellosen Tier« von Parasiten bevölkert und demnach Epidemien ausgesetzt waren. Nur in den ältesten Zeiten des Lebens, so glaubt Moodie aufgrund vorhandener Knochenfunde, scheinen die Tiere gesund gewesen zu sein, sozusagen immun gegen Krankheiten. Aber wer könnte das nach Jahrmillionen noch nachprüfen aufgrund einiger kümmerlicher Knochenfunde? Die Krankheiten sind sicher so alt wie das Leben auf der Erde selbst. Sie kommen und gehen, denn auch sie sind nicht gegen den Tod gefeit. Die Neandertaler, die vor einigen hunderttausend Jahren die Erde bevölkerten, scheinen meist an chronischen Gelenkentzündungen gelitten zu haben. Kein Wunder, wenn man bedenkt, daß diese Wilden fast allen Unbilden der Witterung ausgesetzt war^jfecRheumatis- mus war überhaupt die schlimmste Krankheit der vorgeschichtlichen Menschen. Dafür waren sie von Krebs, Syphilis, Tuberkulose und Lepra verschont. Die großen Seuchen scheinen erst in di« Welt gekommen zu sein, als die Menschen seßhaft wurden und sich Haustiere hielten. Dem Wolf (Hund) und dem Urstier, den Ziegen und Schafen, Ratten und Hühnern scheinen ihre zahlreichen Parasiten wenig geschadet zu haben. Auf den Menschen übertragen erzeugten sie jedoch die schrecklichsten Krankheiten und Seuchen wie Tuberkulose und Pest, Fleckfieber und Wechselfieber. Die Tuberkulose gab es bei den alten Ägyptern noch nicht, erst wir Europäer haben sie eingeschleppt. Es gibt viele Krankheiten, die mit der Zivilisation kommen und gehen. Die Lungentuberkulose ist heute im Aussterben begriffen. Die Lepra, die jahrhundertelang die schlimmste Krankheitsgeißel bei uns war, trat im frühen Mittelalter auf und erreichte ihren Höhepunkt nach den Kreuzzügen, wo es allein in Mitteleuropa 19 000 Lepra-Asyle gab. Heute ist sie bei uns so gut wie verschwunden, obwohl es auf der ganzen Welt noch 2 Millionen Leprakranke geben soll. Die Syphilis, die ihren dichterischen Namen erst im Jahre 1520 erhielt, war schon den Römern und Griechen als eine Form der Aussatzkrankheit (Alphos) bekannt, sie hat ihren Höhepunkt bereits überschritten. Zu den aussterbenden Krankheiten gehören die Schrumpfleber, die noch im vorigen Jahrhundert durch übermäßigen Schnapsgenuß häufig war, sodann die Bleichsucht der jungen Mädchen, die Rachitis, der Skorbut u. a. Es wird der Tag kommen, so schrieb einmal eine amerikanische Ärztezeitschrift, da die Menschheit nicht länger mehr von Typhus, Tuberkulose, Diphterie und Syphilis heimgesucht wird, aber — für die sterbenden Krankheiten werden neue auftreten. Heute ist es der Krebs, die Adernverkalkung, die Angina Pectoris wie überhaupt die Kreislaufstörungen, die uns beunruhigen. Wer kennt heute noch die „Schwitzkrankheit“, die in England und um 1530 auch in Norddeutschland wütete? oder das italienische Fleckfleber, den Veitstanz, den Brand und die Beulenpest? In tausend Jahren dürfte die Gewebeentartung, die wir als Krebs bezeichnen, eine Seltenheit sein, während ihr heute noch Millionen Menschen erliegen. Denn alle Krankheiten sind sterblich wie die Lebewesen, sie kommen und — gehen. INTERESSANT UND NEU Signale aus öem Weltenraum uor öer Erforfchung Haben Sie auch schon einmal Sphärenmusik in ihrem Radio vernommen? Wahrscheinlich, aber sie haben sich nichts dabei gedacht, denn für sie waren es bloß Störungen Unsere Radio-Astronomen studieren jetzt diese geheimnisvollen Radiowellen, die aus den Tiefen des Wettraums unsereren Erdball erreichen Das Rätsel dieser seltsamen Signale aus dem Weltal' ist immer noch ungelöst. Seit Marconis Erfindung der Funktelegra- phi hegt die Menschheit den Traum, einmal mit anderen Welten in drahtlose Verbindung treten zu können Ehe man sich in Weltraumschiffen ins Uferlose hinauswagt, möchte man doch wissen, ob nicht auf einem benachbarten Stern denkende Wesen leben, mit denen wir uns vorher verständigen können ... Das Aufsehen war groß, ais vor zwanzig Jahren der norwegische Radioingenieur Hals behauptete, seltsame Radiotöne aus außerirdischen Welten empfangen zu haben. Bald stellte sich aber heraus, daß es sich nur um Irdische Radiowellen gehandelt hatte, die unsere Erdlufthülle durchstoßen und in den freien Weltenraum gelangt waren. Von dort aus wurden sie wie ein Echo wieder auf die Erde zurückgeworfen Durch die Verzögerungen der Echolaute (30 bis 40 Sekunden) konnte man errechnen, daß unsere Radiowellen (bei einer 300 000 km/Stundengeschwindigkeit) in 9 Millionen Kilometer Entfernung von der Erde auf eine Art „Wand“ gestoßen und zur Erde zurückgeworfen worden sind. Das waren also keineswegs Signale aus dem Weltenraum. Eigentlich müßten unsere Radiowellen ausnahmslos im Bereich der Erde bleiben, weil die Erdkugel bekanntlich von einer elektrisch geladenen „Haube“ umgeben Ist, der sogenannten Heaviside-Schicht, die in 800 bis 500 km Höhe unsere Radiowellen wieder auf die Erde zurückwirft Nun kennt aber Jeder Radiohörer den „Wellenschwund“, d. h. xuweilen verkrümeln sich unsere Wellen trotz dar Echohaube der Erde einfach Im Weltenraum. Sic müssen in der Heaviside-Schicht „Löcher“ finden, durch die sie dem Erdbereich entschwinden. Also müßten, so folgerten die Forscher, wir auch imstande sein. Signale von fremden Welten aufzufangen, zum Beispiel von Marsmenschen, falls es solche gäbe. In wenigen Minuten müßten uns elektrische Impulse von dort her erreichen. Es gab eine nicht geringer Sensation, als Ing. Jansky vom Beil-Laboratorium in den USA mit einer besonders konstruierten Antenne Wellen auffing, die aus der Gegend der Milchstraße kamen Bei Berücksichtigung aller Faktoren (wie der Erdumdrehung) kamen diese Wellen einwandfrei immer aus derselben Richtung, nämlich aus dem Kern eines riesigen Fixsternschwarms, der 200 Sextillio- nen Kilometer von uns entfernt ist und zu dem auch unser ganzes Sonnensystem gehört. Natürlich wird niemand behaupten wollen, daß denkende Wesen diese Signale aussenden. Es handelt sich um eine Kurzwellenstrahiung im Bereich der Meterwellen und aufgrund moderner Überlegungen sind die Sterne selbst die Sender. Wahrscheinlich verursachen die Elektronenstrahlungen in den Fixstemhaufen (und auf der Sonne) diese charakteristischen sphärischen Töne, wie man sie auch in unseren Radioapparaten zuweilen hört Der weltbekannte Professor Stornier hat drahtlose Signale ausgeschickt, die gleichfalls ln den Weltenraum gelangten, aber schon nach 15 Sekunden wieder auf die Erde zurückkamen. Er nimmt an, daß sich zwei bis drei Millionen Kilometer von der Erde entfernt mächtige Elektronenwolken befinden, die auf unsere Kurzwellen wie reflektierende Wände wirken. Amerikaner haben vergeblich versucht, mit dem Mars in „Funkverbindung“ zu treten. Die „Marsianer“ haben nicht reagiert Nun ist vor kurzem den Engländern eine radio-astronomische Erfindung gelungen. Sia wenden die Ultra-Kurzwellen-Suchgeräte, mit denen ihre Bombenflieger schon 1943 durch Wolken und Nebel die deutschen Flugziele ausmachen konnten, in umgekehrter Richtung an: sie registrieren damit die Meteorschwärme, die mit 100 000 Stundenkilometer-Geschwindigkeit aus dem Weltenraum in den Erdbe- reich eindringen. Die Elektronenschleppe, die diese Meteore bei ihrer Explosion in der Lufthülle der Erde hinterlassen, wird von dem neuen Gerät einwandfrei aufgenommen und zwar durch Wolken und Nebel hindurch. Wie die Zeitung „Manchester Guardian“ mitteilt, können die Wissenschaftler mit diesem Gerät jetzt auch die seltsamen Signale aus dem Weltall genau auffangen und studieren. Freilich, mit einer Verständigung „von Stern zu Stern" ist es nichts. Selbst, wenn solche Signale aus der Milchstraße von denkenden Wesen her stammen würden, wären ihre Nachrichten reichlich veraltet. Denn sie wären fast 100 000 Jahre unterwegs gewesen sein, ehe sie unsere Erde erreichten. ßeroirhen Dunhelroothen um öie Sonne eint neue Eiszeit? Man macht sich kaum eine Vorstellung davon, wie geringe kosmische Veränderungen dazu gehören, unser Leben vollständig zu verändern. Nehmen wir an, unsere jährliche Durchschnittstemperatur würde sich nur um 8 bis 10 Grad verringern — die Folgen wären unabsehbar. Eine neue Eiszeit würde über uns hereinbrechen, die Wasser der Erde würden fast ausschließlich als Schnee niederfallen, so daß bald hohe Schnee- und Eismassen unserer Städte zudeckten. In einigen warmen Sommerwochen würde so viel abschmelzen, daß verheerende Hochwasser alles mit sich fortrissen. Ein landwirtschaftlicher Anbau wäre unmöglich. Die Eismassen würden alles Leben ersticken. Die Sonnenstrahlen, die heute von den dunklen Erdoberflächen nur zu 10% zurückgestrahit werden, würden vom Eis bis zu 60% reflektiert, uns also kaum mehr zugute kommen. Bald wären wir alle verhungert und erfroren. Woher kommt nun ein solches Hereinbrechen einer Eiszeit, ein Absinken der Durchschnittstemperatur? Darüber gibt es verschiedene Theorien. Die einen sprechen von einer Verschiebung der Erdachse, die andern von Polwanderungen, und in jüngster Zeit nehmen Forscher an, daß sich die Strahlungsenergie unserer Sonne durch kosmische Dunkelwolken verändern kann, und daß dadurch Eiszeiten hervorgerufen werden. Der große Astronom Herschel sah eines Tages im Fernrohr zwischen zahlreichen Sternen ein lichtloses schwarzes Feld, so daß er überrascht ausrief: „Da ist ja wahrhaftig ein Loch im Himmel!“ Heute wissen wir, daß er damals das Gegenteil eines „Loches“ sah, nämlich eine schwarze Wolke kosmischen Staubes, die das Licht der dahinterliegenden Stern« abschirmte. Solche dunkle Wolken gibt es am ganzen Firmament, sogenannte „Kohlensäcke“, die dez Astronom als Gase und Staubteilchen erkannte. Wir wissen nur nicht, ob es sich hier um eine Urform der Materie handelt oder um Stemenstaub, um kosmischen „Schutt“. Der Weltenraum zwischen den Sternen ist also nicht leer, sondern erfüllt von einer „interstellaren Materie. Auch unser Sonnensystem soll sich innerhalb einer solchen kosmischen Dunkelwolke oder wenigstens in ihrer Nähe befinden. Wenn das richtig ist, — wobei für uns die „Wolke“ gar nicht sichtbar sein muß — dann ist auch die Sonnenstrahlung Schwankungen unterworfen, genau so wie die anderen Sterne innerhalb von Dunkelwolken, die man als „Orionveränderliche“ bezeichnet. Durch einen Vergleich der Vergletscherungen der Erde in den letzten 500 000 Jahren kam Professor G a m o w (Washington) zu dem Schluß, daß erst in 50 000 Jahren bei uns mit einer neuen Eiszeit zu rechnen ist. Dieser Forscher nimmt an, daß das Erdklima in nächster Zeit immer wärmer wird (durch Veränderungen der Erdbahn), daß diese Erwärmung im Jahre 20 000 ihren Höchststand erreicht und daß dann die Temperatur wieder abnimmt. Würden aber Dunkelwolken um di« Sonne eine neue Eiszeit einleiten, dann bräche diese fast plötzlich über uns herein. Warten wir also di« nächsten 50 000 Jahr« ruhig ab ... I EIN STÜCK HEIMATGESCHICHTE: Alte und neue Straßen ln Bruchsal Vor Ablauf des verflossenen Jahrhunderts hat man in Bruchsal eine Reihe von Straßen umbenannt. Zunächst wurde eine Kaiserstraße geschaffen, sicherlich um der Kaiseridee Ausdruck zu verleihen, denn man kann nicht annehmen, daß dies zu Ehren des Bürstenmachers Kaiser geschehen ist, der neben der Stadtapotheke sein Geschäft betrieben hat. Die Hauptmarktstraße — vom Holzmarkt bis zum Hohen- eggerplatz — und vom Hoheneggerplatz bis zur Bahnlinie — wurde in Kaiserstraße umgetauft. Desgleichen auch die Poststraße in Friedrichstraße; Die Poststraße war benannt nach dem Posthaltereigebäude (später Badischer Hof). Anstelle des Holzmarktes trat damals der Bismarckplatz. Nach kurzer Zeit griff man wieder auf die alte Bezeichnung zurück, wahrscheinlich mit Rücksicht darauf, daß dort die Großvieh- und Schweinemärkte abgehalten wurden. Zum Gedenken an den Altreichskanzler wurde dann die neue Querstraße im bisherigen Bauhofgebiet Bismarckstraße benannt. Man hatte wieder einen Holzmarkt, bis der Kreisleiter in den ersten Tagen des „Dritten Reiches“ die Umtaufe in Adolf-Hitler-Platz vornahm. Trotz alledem aber blieb der alte Name, das Volk kümmerte sich nicht viel um den „AHi“-Platz. Früher war diesem noch der Roßmarkt und der Fischmarkt angegliedert. Aus der Neugasse ist die Obergrombacherstraße und aus dem Nußgraben die Friedhofstraße geworden und aus der Badgasse die Badstraße, aus der Klostergasse die Klosterstraße. Die Bubengasse hat man umgewandelt in die schönere Bezeichnung Bergstraße. Die Bezeichnung Engelsgasse ist geblieben, während aus der Feljxgasse die Felixstraße geworden ist. Die Huttenstraße ging von der Poststraße bis zur Seüersbahn. Von da bis zur Klostergasse ging die Kapuzinergasse. Diese Bezeichnung hat man dann gestrichen und die Huttenstraße von der Friedrichstraße bis zur Klosterstraße durchgeführt. Die Huttenstraße galt vor ungefähr hundert Jahren als die vornehmste Straße Das Bundespostministerium braucht Geld, Xnvestitionskapital. So unterbreitete es denn dem Bundeskabinett den originellen (sprich: eigenartigen) Vorschlag aus der Feder eines resoluten Ministerialdirigenten, von jedem Inhaber eines bestehenden Fersprechanschlus- ses 200 DM in zwei Raten, von jedem neuhin- zukommenden Teilnehmer 300 DM in einer Summe, für jeden amtsberechtigten Nebenanschluß zweimal 50 DM zu kassieren. Gründe: leere Kassen, Notlage der auftragslosen femmeldetechnischen Industrie, Notwendigkeit eines Ausbaues des Fernsprechnetzes (350 000 Antragsteller warten noch auf einen Anschluß), erforderliche Verbesserung der Betriebsgüte der Fernsprechverbindungen („sonst können Sie in ein bis zwei Jahren nicht mehr telephonieren“, behauptet der Ministerialdirigent). Die Post will nicht nur nehmen, vielmehr als „Gegenleistung“ innerhalb dieses „kollektiven Zwecksparens“ (so nennt es der, desspn Werk der Vorschlag ist) Schuldbuchforderungen ausgegeben mit zehnjähriger Laufzeit und 5,5prozentiger Verzinsung. Statt „Zwecksparen“ kann man dazu auch Zwangsanleihe sagen; wenngleich das Ministerium diese Rubrizierung nicht wahrhaben möchte. Denn: wer nicht zu zahlen vermag, kann — von Bruchsal. Es wohnten dort alteingesessene Patrizierfamilien und Beamte, insbesondere bevor das Hofgericht zum Leidwesen der alten Bruchsaler nach Karlsruhe verlegt wurde. Zu jener Zeit ist das Kaffeetrinken Mode geworden und diese Sitte fand gerade in der Huttenstraße Eingang. Die Bauerntöchter aus der Vorstadt und der Klostergasse brachten morgens und abends ihre Milch zur Kundschaft. Nachdem die Mädchen zu Hause ihr kräftiges Frühstück in Form einer Brennsuppe, Kraftsuppe oder Milchsuppe eingenommen hatten, durften sie beim Passieren der Huttenstraße noch den herrlichen Duft des aus Uebersee herübergekommenen Kaffees genießen. Es entstand der Uebemame „Kaffeegasse“. Das Kapuzinerkloster war an der Kapuzinergasse erbaut. Die letzten Reste einschließlich der geräumigen Kirche wurden bei Erstellung des ersten Versorgungsheims abgebrochen. Die Klosterkirche wurde bis dahin vom Dragoner- Regiment als Stroh- und Heumagazin benützt. Aus der Schützenstraße ist die Stirumstraße geworden. Aus dem Zieglerweg die Rheinstraße. Am Zieglerweg wurden zwei Ziegeleien unterhalten, die vor ca. 30 Jahren Man sieht es der Baracke auf dem Platz vor dem ehemaligen Bruchsaler Gymnasium nicht an, daß in ihr jeden Montag ein reichhaltiges Kulturfilmprogramm geboten wird. Wie stets war auch am letzten Montag der nicht allzugroße Raum der amerikanischen Bibliothek bis auf den letzten Stuhl — und Tisch besetzt. Etwa 50 Personen sahen mit Spannung auf die weiße Filmleinwand, worauf um 17.30 Uhr der Filmreigen mit einer Wochenschau begann. Sehr interessant war der folgende Film, der das karge Leben der Timata-Indianer, der Ureinwohner Boliviens zum Thema hatte. 4000 m seinen Anschluß abbestellen. Nicht „Geld oder das Leben“, sondern „Geld' oder dae Telephon“ lautet die Alternative für rund 1,2 Millionen Inhaber von Hauptanschlüssen, von denen etwa 250 Millionen DM erwartet werden. Jährlich sollen etwa 50 000 Neuanschlüsse zusätzlich 15 Millionen DM einbringen. Wenn die 350 000 Anwärter nicht inzwischen resignieren, macht das zusammen 105 Millionen DM; — hofft die Post. Telephon nur noch für Reiche? Das ist eine sehr ernstgemeinte Frage an das Bundespostministerium, an die ihrer Sache offensichtlich so sichere Monopolverwaltung Bundespost. Denn lediglich kraft ihres Monopols kann die Post ihre empörten Kunden vor die Wahl stellen, entweder zu zahlen oder auf die Leistungen zu - verzichten, die sie als gemeinnützige Institution im Dienste der Wirtschaft zu vollbringen hat. Wäre sie ein Privatunternehmen unter mehreren, stünde ihr nicht einmal die Erwägung eines solchen Schrittes frei. Ein Kaufmann würde den Boykott seiner Kundschaft erleben, versuchte er, sich auf ihre ■ Kosten zu sanieren. Wenn die Post Geld braucht, sollte sie es auf die gleiche Weise • zu beschaffen suchen wie die übrigen Unternehmen, die dem Wohl der Bürger dienen. eingegangen sind. Die Leonstraße, zeitweilig auch Leongasse und Pfeilergasse genannt, hat man nun endgültig mit Pfeilergasse benannt. Im laufenden Jahrhundert sind mit Erweiterung des Stadtgebietes eine Reihe von neuen Straßen entstanden. Bei Verlegung des Fürst- Stirum-Hospitals gab es die Gutleutstraße und anstelle der Spitalgasse ist die Bezeichnung „Am alten Schloß“ getreten. Bei Erbauung der neuen Dragonerkaserne und Bebauung des vom Dragoner-Regiment bisher benützten Bauhofgebietes hat man die Luisenstraße geschaffen, außerdem die Hilda-, Amalien, Viktoria- und die Prinz-Wilhelmstraße. Die letzteren Benennungen offensichtlich um den Großherzogi. Hof von der monarchistischen Gesinnung der Bruchsaler Stadtverwaltung zu überzeugen. foul baut eigene Wohnungen Preiburg (BDl. Die Oberpostdirektion Freiburg beabsichtigt, für ihre Beamten und Angestellten in verschiedenen Städten posteigene Wohnungen zu bauen. Verhandlungen mit gemeinnützigen Baugenossenschaften über den Bau solcher Wohnungen sind bereits erfolgt hoch ist das Land im Durchschnitt, das ihre Heimat ist. Dort leben sie als Fischer, die mit seltsamen Binsenbooten den Titicacasee befahren oder als Bauern, die für sich und den „Patron“, den spanischen Gutsherrn das Land bebauen. So zeigte der’Film die Indianer beim Fischfang, bei der Arbeit am einfachen Webstuhl, beim Schreiten hinter dem primitiven Holzpflug und am Sonntag bei uralten rituellen Tänzen und beim Gottesdienst. Der dritte Film, betitelt „Schwarz, Weiß, Gelb“, behandelte die Rassenfrage. Ganz ausgezeichnet waren die beiden folgenden Farbfilme vom Yel- lowstone-National-Park im Herzen der USA und vom Yosemite-National-Park im äußersten Westen (Kalifornien). Springende Geysire, stäubende Wasserfälle, mit ewigem Eis bedeckte steilragende Berge wechselten ab mit lieblichen Tälern in leuchtend buntem Herbstlaub der Wälder, Hirsche und Bären in freier Natur belauscht _ und blaue Seen mit einem erstaunlichen Fischreichtum. Unwillkürlich dachte ich an das Diehterwort: „Trinkt o Augen, was die Wimper hält, von dem goldnen Ueberfluß der Welt!“ Den Abschluß bildete ein Walt-Disney-Zeichenfilm; alles in allem ein lehrreiches und unterhaltsames Gratis-Pro- gramm, das jedermann zum Besuch nur empfohlen werden kann.. (Nachmittags Vorführungen für die Schuljugend, abends für Erwachsene). G. L. M. Vier jahre Gefängnis Das Hamburger Landgericht hat den 37- jährigen Schneidergesellen Clemens Moll wegen Kameradenmißhandlung zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Der Verurteilte hatte in den Jahren 1945 bis 1947 als zweiter Lagerleiter im sowjetischen Kriegsgefangenenlager Borowitschi bei Moskau Mitgefangene mit Fußtritten und Knüppelschlägen mißhandelt. Der Kriegsgefangene Gustav Trost aus Hamburg war wenige Tage nach einer solchen Mißhandlung in einem Kriegsgefangenenlazarett gestorben. Heimkehrer hatten Moll im April vergangenen Jahres im Durchgangslager Friedland wiedererkannt und angezeigt. Geld - oder das Telefon! Eigenartige Vorschläge des Bundespostministerium* Du sdtftne, weite Welt! Filmabend in der amerikanischen Bibliothek Die Seligsprechung Vinzenz Pallottis Von unserem Sonderberichterstatter Dr. L. Böer Wir nahmen auf einer Tribüne Platz, die zu dem Altar der Seligsprechung einen guten Blick gestattet. Um uns flutet die Masse der Besucher; Pensionate mit Mädchen in gleicher Tracht erscheinen geschlossen, es ist ein gedämpftes Murmeln hörbar, das aber in dem gewaltigen Dom nicht im geringsten stört. Selbst lautes Gespräch geht hier unter. Wären nicht die jetzt über jedem Altar angebrachten Lautsprecher, so würden nur wenige von der Feier mit Auge u. Ohr teilnehmen können. Der Chor des Peterdomes, die Capelia Guilia, steht verborgen im Durchgang der Apsis. Man kann sie hören, aber nur von bestimmten Stellen aus sehen. Immer wieder neue Pilger erscheinen, sind doch allein mehr als 600 Pallottiner aus all« - Welt erschienen. Auch zwei Schwarze sind darunter. Um 10 Uhr sind alle Tribünen gefüllt. Da läutet die Sakristeiglocke, und an uns geht der Zug von fünf Kardinälen, etwa 15 Bischöfen und Kanonikern und eine große Zahl von anderen Klerikern vorüber und zieht rechts am Papstaltar vorbei in die Apsis. Bald folgt ein zweiter noch stattlicher Zug mit den Kanonikern von St. Peter, die an ihren Pelzen kenntlich sind, und anderen Würdenträgern, die dem Zelebranten in der Mitra, Erzbischof Mizone, und dem Stellvertreter des Papstes, Kardinal Tedeschini, voranziehen, dessen Schleppe von feuerrotem Stoff allen ins Auge fällt. Die Feier beginnt mit der Bitte des Vikars P. Ranochini an den Vorsitzenden der Ritenkongregation, Kardinal Mica, um Seligsprechung Pallottis. Darauf läßt der Kardinal das Dekret des Papste» verlesen, das in langer Folg« Verdienst«, Wirken und Nachwirkung des neuen Seligen aufzählt und dessen Verlesung 20 Minuten dauerte. Als das Te Deum erklingt, fällt auch die Hülle von der Glorie Pallottis, und wir sehen ihn auf Wolken in Eckstase zum Himmel aufsteigen, begleitet von zwei Engeln, von denen der linke ein Buch mit der Aufschrift: „Societas Apostolatus Ca- tholici“ in der Hand trägt. Andere Engel streuen Rosen auf die Erde. Ein allgemeines GentUrmel geht durch die Menge, als die Hülle fällt, und innerlich stimmen wir alle ein in das so herrlich von der Capella Guilia vorgetragene Loblied Gottes, und das „In te spe- rare Domine“ scheint uns auf diesen demütigen Diener Gottes auf» tiefste zuzutreffen. Nun ist aller Welt klar: Pallotti ist ln die Reihe der Seligen der Kirche eingetragen. Seiner Fürbitte vertrauen sich besonders die Teilnehmer dieser Feier an. Dann beginnt das Pontifikalamt, bei dessen Beginn die Türen von St. Peter noch einmal geöffnet werden, so daß viele Gläubiger hereinströmen. An der Oration erkennen wir, daß in der Bekennermesse Os iusti bereits ein eigenes Fürbittgebet an Pallotti eingefügt wurde. Die Capella Guilia gibt ihr Bestes. Die herrlichen Einzelstimmen kommen ebenso zur Geltung wie der gesamte Chor. Als der Zug der Kardinäle, Bischöfe und Kleriker erneut an uns vorüberkommt, um zur Sakristei zu schreiten, bemerken wir, daß ein Reliquienbehälter mit Reliquien des neuen Seligen mitgeführt wird. Ein uralter Kardinal wird hinter dem Zug hergeführt. Mit vollem Herzen verlassen wir die Tribünen und eilen ins Quartier, denn zeitig wollen wir zurück sein. Am Nachmittag fand nämlich die erste öffentlich« Verehrung des neuen Seligen durch den HL Vater selbst statt. Wir sind schon mehr als zwei Stunden vor Beginn der Feier da, finden aber schon lange Schlangen vor, die den einzelnen Portalen zugeteilt sind. Wir haben die porta Rezzenico erwischt und müssen im Dauerlauf fast um den ganzen Petersdom herumlaufen, um die betreffende Pforte zu erreichen. Aber es gelingt: wir bekommen einen Platz am Mittelgang, an dem der Papst entlangziehen wird. Schweizer Garde in ihrer gelb-rot-blauen Feiertracht mit Spießen ist bereits aufgestellt, ihre Offiziere in weinrotem Gewand gehen hin und her. Die Nachmittagssonne fällt in die hohen Basilikafenster und läßt die goldene Kassettendecke der Apsis aufleuchten. 1 % Stunden vor Beginn ist das Mittelschiff gefüllt. In dem Querschiff sitzen die Deutschen, auf den Tribünen die Gäste, in der Apsis die Bevorzugten mit besonderen Billetts. Gegen vier Uhr stimmen die deutschen Pilger ihre Lieder an: „Lobe den Herren“, „Ein Haus voll Glorie“. DasQuerschiff gibt den Schall wieder. Das Allerheiligste wird vorübergetragen und im Kathedra-Altar verschlossen. Auf dem Papstaltar flackern die großen Kerzen. Kanoniker kommen und eilen zur Apsis. Zwanzig Minuten vor Beginn zieht ein Chor von Kardinälen, Bischöfen und Klerikern dem Hl. Vater entgegen, der wenig später bereits auf der Sedia gestatoria erscheint. Trompeten schmettern, die Apsis wird plötzlich von Licht übergossen, das von den Tausenden von Kerzen auf Kristallkronen niederstrahlt. Wie ein Vater segnet Pius XII. sein Volk, in gleicher gütiger Weise wie am Vortage. Der ganze, bunte, so oft abgebildete Zug erscheint, und doch uns neu und einmalig Zehn Kardinäle, Bischöfe, Kleriker, die Nobelgarde in ihren Stulpenstiefeln und Goldhelmen, der segnende Papst, die aufbrausende Orgel — alles vermischt sich zu einem unauslöschlichen Eindruck. Das „Joste confessor“ de« Chore« mit seinem herrlichen Amen Brndisaler Allerlei Hermine Alba singt Im Rahmen des katholischen Frauenbünde« singt Hermine Alba, Konzertsängerin, am Donnerstag, den 2. Februar, 20 Uhr, im Jugendheim St. Peter ernste und frohe Liede» Gäste herzlich willkommen. * 7«. Geburtstag. Malermeister Ludwig Hai- beL Gartenweg 19, vollendete dieser Tage da» 70. Lebensjahr. Der Jubilar erfreut sich einer seltenen körperlichen und geistigen Rüstigkeit. Beinahe wie in jungen Jahren geht er noch täglich seiner gewohnten Arbeit nach. Wir gratulieren herzlich und wünschen einen gesegneten Lebensabend. Filmnachmittage in der amerikanischen Bibliothek. Wie der US Resident Officer mitteüt, ist der Zutritt zu den Filmvorstellungen nur noch gegen Eintrittskarten möglich, die unentgeltlich in der amerikanischen Bibliothek abgegeben werden. Auf diese Weise soll der ständigen Ueberfüllung des Raume», die manche Unzuträglichkeiten mit sich brach- te, vorgebeugt werden. Die Eltern werden gebeten, die Kinder in die ausgesprochenen Nachmittagsvorstellungen zu schicken, damit die eigentlichen Abendvorstellungen den Erwachsenen Vorbehalten bleiben. Neue Gastwirtschaft. Die Wirtschaft zum „Grünen Baum“ in der Württemberger Straße, in der sich bisher das Kaffee Birk befand, wird heute unter neuer Leitung wieder eröffnet. Als Wirt und Wirtin ziehen die Eheleut« Fritz Klein und Frau, die früher die „Vier Jahreszeiten“ betrieben haben, auf dem Grünen Baum“ auf. Das Publikum, das in den Vier Jahreszeiten verkehrte, fühlte sich bei s‘Kleins immer wohl, weil jedermann aufmerksam bedient wurde. Herr und Frau Klein wollen ihrem alten guten Ruf durch besondere Pflege der Gastlichkeit neue Ehre machen. Skiklub. Am Samstag, 4. Febr., 20 Uhr, veranstaltet der Skiklub in den Räumlichkeiten der Scheffelhöhe ein Kostümfest. Die Veranstaltung steht,, unter dem Motto: „Kreuz und quer und durcheinander“. Eine entsprechende Kostümierung ist erwünscht. 'Gäste können selbstverständlich eingeführt werden. Am Donnerstag, 2. Febr., 20 Uhr, findet im Klublokal zum Jägerstüble die regelmäßige Monatsversammlung statt. Eine Bauhilfe-Sammlung. Schon zweimal hat das Katholische Männerwerk eine Geldsammlung von Haus zu Haus durchgeführt und beachtliche Beträge zur Bekämpfung der Wohnungsnot gesammelt. Sehr viele konnten damit unterstützt werden. Nun werden die Männer wieder von Haus zu Haus gehen und' um eine Gabe bitten. Diese neue Bauhilfesammlung findet statt vom 29. Januar bis 5. Februar und ist für den ganzen Bezirk der Erzdiözese Freiburg, umfassend Nordbaden, Südbaden und Hohenzollern, behördlich genehmigt. Wir hoffen, daß dadurch wieder ein Stück weitergeholfen werden kann. Winterscblußverkauf. Während des Wintei> Schlußverkaufs bleiben die Einzelhandelsgeschäfte auch an den Mittwoch-Nachmittagen geöffnet. Die Offenhaltung der Geschäfte entspricht einem allgemeinen Wunsch, da der Winterschlußverkauf reiche Möglichkeiten bietet, zugleich billig und gut einzukaufen. Omnibusfahrten nach Unterstmatt. Das Auto-Reisebüro Herberger veranstaltet jeden Sonntag Omnibusfahrten nach Unterstmatt. Der Fahrpreis beträgt 6.— DM. Die Wintersportler werden diese Gelegenheit gerne benutzen. Anmeldungen bei Herberger, Rheinstr. schwillt zu einer gewaltigen Kundgebung für Pallotti an. Nach den Responsorien folgt das Tantum ergo von Chor und Orgel. Der Segen wird schweigend, ohne begleitendes Schellengeläut erteilt. Dann wieder ein bewegtes, freudiges Lied des Chors und nach dessen Verhallen folgt der Auszug Sr. Heiligkeit. Noch einmal sehen wir die Sedia gestatoria mit der hohen Gestalt des Papstes. Der Jubel, das Tüdherwinken, das Evivarufen dauert noch, lange an. als die Sedia unseren Blichen verschwunden ist und das Trompetengeschmetter aufgehört hat. Wieder stimmen die Deutschen, die sich um das Grabmal Petri gesammelt haben, Lieder an und singen: „Fest soll mein Taufbund immer stehen" und zahlreiche Marienlieder. Wir hatten uns von den Eindrücken noch nicht erholt, als wir uns an einem der Kuppelpfeiler Versammelten, um eine große Ueber. raschung zu erleben. Kurz vor Beginn der Nachmittagsfeierlichkeit war nämlich bekannt geworden, daß Prälat Kaas uns eine Besichtigung der neuen Ausgrabungen unter dem Petersdom ermöglicht hatte und selbst die Führung übernehmen wolle. So ging es also in langem Gänsemarsch hinter dem Kuppelpfeiler hinunter in die neuen, mächtig gewölbten Räume, deren Pfeiler neu abgeputzt waren. Der flüchtige Eindruck, den wir mitnehmen konnten, ergab doch soviel, daß von 1939 bis jetzt bereits reiche Aufschlüsse für die Zeit vom 4. bis 11. Jahrhundert gewonnen worden sind und weitere zu erwarten sind. "Wir sahen einige Papsttumben, darunter die Tumba Gregors V. (996—999) und die des deutschen Kaisers Otto II., die aufgefunden wurden. Voll von Eindrücken, ja überwältigt von ihnen, gehen wir heim. Auf dem Petersplate drehen wir uns noch einmal um: die Kuppel de» Domes wird angestrahlt. Diese» Bild der leuchtenden Kuppel begleitet uns heim. Mittwoch, den 1. Februar 1950 Jüeuz und quec ducch Milippsku# / m Samstag hatte der Arbeitergesangverein zu seinem Maskenball im „Einhorn“ eingeladen. Wie immer zogen auch diesmal die Sänger in den närrisch-dekorierten Sälen einen zünftigen Faschingszauber auf, der mit allerlei Ueberraschungen noch gewürzt wurde. Natürlich fehlten in dem buntschillernden Bild der Narren auch die bekannten „Schlumpein“ nicht. In den gleichen Räumen stieg am Sonntag dann der Feuerwehrball. Wie am Tag zuvor herrschte auch hier Hochstimmung. Zu dem Ball war eigens der Philippsburger Elferrat mit seiner Prinzengarde erschienen, um den Feuerwehrmännern seine Reverenz zu erweisen. Ordensverleihungen an den Kommandanten und an die Gruppenführer, sowie groteske Löschaktionen der jungen Feuerwehrmänner unter Führung von K. Hechler gaben dem Abend eine besonders heitere Note. Wie schon beim Arbeitergesangverein spielte auch beim Feuerwehrball die Philippsburger Stadtkapelle unermüdlich zum Tanz auf und sorgte damit für die närrische Atmosphäre. Faschingsveranstaltungen am Wochenende Am Samstag, den 4. Februar veranstaltet der Ski- und Kanuklub in der Festhalle seinen großen Maskenball. Am Sonntag lädt der Elferrat zu seiner zweiten Sitzung, ebenfalls in der Festhalle, ein. Die Faschingsfeier des Turnvereins steigt am Sonntag im „Einhorn“. Motto: „Erst kommt der rechte Fuß-“. Filmschau der „Gloria-Lichtspiele“ Von Freitag bis einschließlich Montag, den 8. Februar: „Das Siegel Gottes“. Anfangszeiten: Werktags 20.00 Uhr, sonntags 16.30 Uhr, 19.00, 21.00 Uhr. Geburten: Rudolf Karl, V. Georg Friedrich Siefert (31. 12.). Rudolf, V. Johann Dahm (6. 1.). Irmgard, V. Roman Mieth (10. 1.). Erwin Helmut, V. Karl Ripplinger (10. 1.). Iwone, Annemarie, V. Willi Steffens (14. 1.). Heiraten: Maschinenschlosser Adolf Klam- beck und Luise Batzler (5. 1.). Marketeur Günther Viernekäs und Marta Heil (7. 1.). Autoschlosser Karl Wendt und Ella Braun (18. 1.). Dentist Helmut Beranek und Elisabeth Engster. Wir gratulieren! Todesfall: Im Alter von nahezu 86 Jahren starb Frau Amalie Zieger, geb. Knoch. Frau Zieger war die viertälteste Einwohnerin Phi- lippsburgs. Geburtstag: Am 2. Februar feiert Frau Eu- genie Odenwald, geb. Day ihren 74. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch. Aufschluß über Einnahmen und Ausgaben. Die gesamte Vorstandschaft wurde auf Antrag entlastet. Bevor man zu den Neuwahlen überging, stellte Ratschreiber Willhauck in einer Aussprache den Mitgliedern, die in der Vergangenheit im Verein erzielten Vor- und Nachteile bald lobend, bald tadelnd vor Augen, wozu ihm als erfahrener Sportpraktiker- und Theoretiker allseitiger Beifall gezollt wurde. Die Neuwahlen ergaben: Josef Sapandowski, 1. Vorstand. Karl Gattung, 2. Vorstand. Ratschreiber Willhauck, 1. Beisitzer. Anton Eisert, 2. Beisitzer. Eugen Kröll. 3 Beisitzer. Bernhard Deutsch, Schriftführer. Otto Bürk, Kassier. Emil Schroff, Julius Lauer, Spieiauschußvorsitzende. Peter Bachert, Berater, August Schmitt, Platzwart.“ Oskar Doemer, Presse. Thomas Krämer, Ver- einsaiener. Das Amt des Jugendleiters wird nachträglich bestätigt, da man in diesem Punkt keine Einigung erzielen konnte. D. Wir gratulieren Herrn Johann Jonitz, Eisenbahnarbeiter a. D., zu seinem 75. Geburtstag, den er heute begeht. Ferner Frau Thekla Michenfelder, Zeuterner Str. 11, zu ihrem 69. Geburtstag am 2. Februar. Aufgeboten sind: Der ledige Landwirt Ludwig Pfeiffer, Haagstr. 131 und die ledige Klara Luise Dick, Hauptstr. 17 in Ubstadt. D. Zentern Am Sonntag hielt der Fußballverein im Engel seine Generalversammlung ab. Nach der Begrüßung erstatteten die einzelnen Funktio- närfe ihre Berichte. Sämtliche alten Vorstandsmitglieder wurden einstimmig wiedergewählt. Am Sonntag veranstaltete die hiesige Kirchengemeinde im Saale der Bahnhofswirtschaft einen Theaterabend. Jeder Besucher kam zu seinem Recht. Der Erlös de« Abends diente dem Aufbau der Orgel. Im Bürgersaal fand am Dienstag eine Versammlung statt, in der die Finanzierung von Neubauten behandelt wurde Es waren ihrer Drei . •. Wegen Diebstahl vor dom Jugendgericht Wegen gemeinsamen schweren Diebstahls ln mehreren Fällen standen der 15jährige J., der 18jährige C. und der 16jährige T. vor dem Jugendgericht. Innerhalb kurzer Zeit hatten die drei jugendlichen Missetäter in rascher Folge einige Stückchen gedreht, die in ihrem Alter überraschen: Ihr erstes Unternehmen fand Anfang Nov. letzten Jahres statt, als C. und T. vor dem Haus des J. auf den Dritten aus ihrem Bund warteten. Während dieser Zeit — es dunkelte bereits — sahen sie, wie aus demselben Haus eine Mitbewohnerin mit ihrer Tochter die Wohnung verließ, aber unglücklicherweise ein Fenster ihrer Parterrewohnung offen ließ. Als nun J. dazu kam, meinte er, auf die günstige Gelegenheit aufmerksam gemacht, wohl, daß man hier „was holen“ könne, war aber nicht zu bewegen, als „Ortskundiger“ die Sache in die Hand zu nehmen. So stieg schließlich C. ein, während die beiden anderen „Schmiere“ standen. Aber seine Beute war nicht übermäßig groß: Ein Streifzug durch die Wohnung hatte ihm lediglich in der Küche eine Kiste Zigarren eingebracht. Der Inhalt der Kiste wurde verteilt, aber am nächsten Tag wieder reumütig dem Besitzer zurückgebracht, als man auf die Diebe aufmerksam wurde. Wahrscheinlich waren die Sünder für solche und ähnliche Stücke im Dorf schon bekannt. Was an Zigarren bereits verbraucht war, wurde bereitwillig ersetzt. Nicht viel später trafen sie sich abends gegen 20 Uhr auf der Hauptstraße. Wieder einmal war es dunkel, und noch dunkler ihre Gedanken. Schließlich meinte T., daß man da draußen in einer Wirtschaft, die etwas außerhalb lag, so allerhand holen könnte, und schon machte sich das jugendliche Dreigestirn der Kleptomanie auf den Weg. J. ging kurz entschlossen in den Hof, klaute ein Herrenfahr- Jahreshanplwersammlnng des Mfil Wiesental Stettfeld beriditet -Der Sportverein hielt am Samstag in der Krone seine Generalversammlung ab, Vorstand Karl Gattung gab die Tagesordnung bekannt. Schriftführer Bernhard Deutsch verlas den Jahres-Sportbericht. Kassier Otto Bürk gab Der Männergesangverein hielt am vergangenen Sonntag in seinem Vereinslokal seine Jahreshauptversammlung ab, die recht gut besucht war. Zu Beginn begrüßte Vorstand Max Bischoff die Erschienenen und gab die Tagesordnung bekannt. Zunächst gedachte er der im vergangenen Jahr verstorbenen Mitglieder, sowie der Vermißten, zu deren Gedächtnis sich die Anwesenden von ihren Sitzen erhoben. Bei dem Rückblick auf das abgelaufene Jahr konnte Bischoff bekanntgeben, daß der Singstundenbesuch recht erfreulich war. Im Jahre 1947 waren durchschnittlich 67, im Jahre 1948 75 und im Jahre 1949 sogar 96 % der aktiven Sänger in der Singstunde. Nach einem herzlichen Dank an die Verwaltung, sowie die Vereinsfunktionäre, gab Kassier Machauer den Kassenbericht bekannt, der er- Lfederkranz und Mozartdior Gemeinsamer Faschingsabend im Festsaal der Europa-Lichtspiele Am 5. Februar, akkurat um 19.13 Uhr, werden die Narren und Närrinnen des Bruchsaler Mozartchores und Liederkranzes auf dem Flugplatz der Europalichtspiele zu ihrem tollen Faschingsabend starten. Was den Abend anbetrifft, könnten eventuell Zweifel, unter Umständen sogar berechtigte auftauchen; denn wenn sich, um mit einem alten Brusler zu reden, fränkischer Brust mit alemannischem Sitzleder in derartiger Vollkommenheit paaren, wie bei den Bruslem, ist eher mit einer Nacht zu rechnen, zum mindesten wird der „Abend“ recht lange anhalten. Uebrigens ist aber nicht einzusehen, warum am Fasching, der ja immer eine gewisse Umkehr der Werte mit sich bringt, nicht der Abend direkt in den Morgen übergehen sollte. Nach dem 5. Februar kann man ja ruhig wieder auf allgemeinverbindliche, mitteleuropäische Wertbegriffe zurückgreifen und zwischen Abend und Morgen'eine Nacht einschie- ben. Mit dem Start ist es ebenfalls nicht so genau zu nehmen, starten doch die Obernarren schon seit geraumer Zeit und immer wieder aufs Neue mit den Vorbereitungen für diesen ,„Abend“. Bei der derzeitigen Zündung kann man getrost die Prognose treffen, daß es keinen Fehlstart geben wird. Etwas skeptisch veranlagte Naturen können selbstverständlich beruhigt werden. Es ist mit einer steten Zunahme des Tempos zu rechnen, womit auch das ansonsten berüchtigte „Freilaufproblem“ umgangen und gelöst wäre. Zur Abwendung von Betriebsunfällen sind Sämtliche, nur verfügbare Sicherheitsmittel aufgeboten, so wird unter anderem eine Brigade der Bruchsaler Feuerwehr für die in Frage kommende Zeit die Europa-Lichtspiele nicht aus den Augen zu lassen. Für noch lokaler begrenzte Brände hat sich der Flugplatzwart, Herr Steimel, für zuständig erklärt. Ein Stranden in dieser Hinsicht mit der betrüblichen Folge, stundenlang im Trockenen zu sitzen, ist unter Garantie ausgeschlossen. Sich über das kulturelle Niveau dieses Abends im voraus auszulassen, hieße Wasser in die Saalbach schütten. Exquisite Sambasymphonien, Kostüm-polonaise und kaum zu überbietende Komiker aus eigener Vereinszucht, um nur einiges anzuführen, werden sich in bunter Folge ablösen und sie ständig in Fahrtrichtung halten. Wenn auch „Abend und Start“ etwas großzügig auszulegen sind, haargenau trifft jedoch der „Fasching“ zu. Dieser Fasching wird an beste Brusler Tradition anknüpfen. In diesem Sinne am 5. Februar um 19.13 Uhr auf dem Flugplatz. Mitglieder, Freunde und Gönner beider Vereine sind zu diesem Faschingsabend herzlichst eingeladen. A. M. freulich war. Schriftführer Schweikert gab nochmals an Hand des Protokollbuches einen genauen Ueberblick über das verflossene Jahr, das infolge des abgehaltenen 40jährigen Stiftungsfestes als ein sehr arbeitsreiches betrachtet werden kann. Im Ausblick auf die Ereignisse des vor uns liegenden Jahres sei besonders erwähnt, daß der Verein beabsichtigt, einen Vereinsausflug im Monat Mai zu machen. Ein besonderer Abschnitt der Versammlung war der Ehrung verdienter Sänger gewidmet. Für lückenlosen Besuch der Singstunden im Jahre 1949 konnten 24 Sänger geehrt werden. D s Geehrten erhielten ein Sängerglas mit Widmung. Weiter konnten drei Sänger geehrt werden, die zwei Jahre hindurch keine Singstunde fehlten. Diese erhielten zu ihrem Sängerglas noch eine Flasche Wein. Zwei Mitglieder wurden geehrt, die drei Jahre hindurch keine Singstunde fehlten, denen eine kunstvolle Plakette überreicht wurde. 2. Vorstand Hermann Dickgießer hatte in drei Jahren nur eine Singstunde infolge Krankheit gefehlt. Die Vereinsehrennadel für 20jährige aktive Mitgliedschaft erhielten: Emil Gentner III., Julius Bronner, Alfred Heilig, Emil Bub, Josef Kühner und Josef Erbe, letztere drei kamen vor nicht langer Zeit aus der russischen Gefangenschaft zurück und haben sich gleich wieder dem Verein zur Verfügung gestellt. Fünf passive Mitglieder konnten zu Ehrenmitgliedern ernannt werden: Hermann Groß, Albert Stork, Gustav Oßwald, Friedolin Rolli u. Jos. Groß. Vorstand Dickgießer dankte allen, im besonderen galt sein Dank dem 1. Vorstand, der keine Mühe und kein Opfer scheut, um den Verein jederzeit vorwärts und aufwärts zu führen. Die Versammlung wurde durch Liedvorträge verschönt und nahm einen harmonischen Verlauf. Rheinsheim Am Samstag, dem 11. Februar hält der Bauernverein seine Winterfeier im Saal des Gasthauses zum Weinberg ab. Die Vorbereitungen, die bereits in vollem Gange sind, lassen erwarten, daß jeder auf seine Rechnung kommen wird. Aufgeboten sind: Dreher Ewald Erdel, Rheinhausen und Erika, Elisabeth Blum, Bauarbeiter Alois Degen und Karolina Zimmermann. Maurer Ludwig Wilhelm Brecht und Sonja Friedei Heil. s. rad, das an der Scheune gestanden war und übergab es T. der damit nach Hause fuhr unc es bei sich unterstellte. Ein andermal beabsichtigte C. einen Freunc im Nachbardorf zu besuchen. T., der ja nur ein Fahrrad zu Hause stehen hatte, ließ seinen Gefährten C. — hilfsbereit wie er war — auf die Baustange steigen und brachte ihn hin. Aber es war niemand zu Hause.. Dazu kam, daß dem T. während des Fahrens jedes Mitgefühl für seinen Freund geschwunden war und er lebhaft beteuerte, daß er diese Schinderei satt habe. „Warte mal!“ sagte C., verschwand im Hof und kam bald wieder als Fahrradbesitzer zurück. Nur durfte er seine neue Errungenschaft nicht mit nach Hause nehmen und brachte deshalb das Rad zu T., wo sie es gemeinsam abmontierten und die Räder in einem alten Rahmen einbauten. Als aber am folgenden Tag ein Polizist bei C. erschien und anfragte, ob er sich ein Fahrrad „angeschafft“ habe, wurde er unruhig. Natürlich verneinte er, ging aber rasch zu T„ baute das alte Rad wieder zusammen und brachte es — wie er es geholt hatte — dem Eigentümer zurück. Im folgenden Fall hat C. selbständig gearbeitet, d. h. ohne die Mithilfe seiner sauberen Genossen. Er wollte bei einem Bekannten Tabak holen, fand aber dessen Wohnung verschlossen vor. Die Türe war zu, aber das Fenster auf, und C. stieg wieder einmal ein. Im Schlafzimmer fiel ihm eine Armbanduhr in die Hände, im Wohnzimmer ein MarkscheiHf und im Gang einige Zwetschgen. Er besaß noch die Frechheit, kurz darauf den Eigentümer der Uhr auf dem Felde anzusprechen. Aber wie beim Fahrrad, so plagte ihn auch jetzt das schlechte Gewissen, als ihn am Morgen des folgenden Tages der betreffende Mann fragte, ob er sich in seiner Wohnung etwas „umgesehen“ habe. Er in der Wohnung? Nie, beteuerte er, gab aber darauf seiner Schwester die Uhr mit dem Auftrag, sie zurückzubringen. Wieder einmal war es abends, etwa gegen 20 Uhr, als sieh T. und J. auf der Hauptstraße trafen. Auf der Seite stand ein Motorrad. An dem Motorrad war ein Werkzeugkasten angebracht, und der wurde jetzt der Mittelpunkt ihres Interessens. Was für die Bastlerstube Verwendung finden konnte, wurde im Handumdrehen mitgenommen. C. war diesmal nicht mit dabei. Welchen ehrenvollen Ruf er aber unter seiner Mitwelt führte, zeigte sich darin, daß die Polizei gleich bei ihm anfragte. Dies-^ mal war seine Enttäuschung echt: Um die Beteuerung seiner Unschuld zu bekräftigen, schämte er sich nicht, die wahren Uebeltätei dem Gesetz auszuliefern! Das Jugendgericht verurteilte C. wegen gemeinsamen schweren Diebstahls zu vier Monaten und zwei Wochen und T. und J. zu je drei Monaten und zwei Wochen Jugendgefängnis. H. Dreimal Selbstmord durch Erhängen Stuttgart (DND). Dieser Tage erhängte sich ein 42 Jahre alter verheirateter Landwirt aus Oberjettingen in einer an sein Wohnhaus grenzenden Scheune. Der Lebensmüde war als notorischer Alkoholiker bekannt. — Gleichfalls Selbstmord durch Erhängen verübte ein aus Ostpreußen stammender 56jähriger verheirateter Forstarbeiter in Erlenbach. Der Mann litt, wie bekannt wurde, an Schwermut. — Ein dritter derartiger Fall ereignete sich in Winterbach, wo sich ein 43 Jahre alter verheirateter Arbeiter ebenfalls erhängte. Der Grund für seine Tat dürfte in der Furcht vor einer Strafe zu suchen sein. Mit 14 Jahren Sittlichkeitsverbrecher Eßlingen (DND). Es gelang der hiesigen Kriminalpolizei, einen 14jährigen Verbrecher dingfest zu machen, der an einem 11jährigen Mädchen ein Notzuchtsverbrechen verübt hatte. Der Jugendliche gestand die Tat sofort ein und erklärte, kürzlich zwei weitere Sittllch- keitsvergehen an 10- bis 12jährigen Mädchen begangen zu haben. Arbeitgeber verging sich an Minderjährigen Ravensburg (SWK). Wegen Kuppelei und Sittlichkeitsverbrechens, begangen an teilweise minderjährigen weiblichen Betriebsangehörigen, verurteilte die große Strafkammer des hiesigen Landgerichts einen 40jähri- gen Bauingenieur zu zwei Jahren Zuchthaus und seine Ehefrau zu 10 Monaten Gefängnis. NEUERÖFFNUNG! i'fa&Jtkcau „tyiüjnüL BRUCHSAL • Württembergerstraße 15 Spezialausschank: D ENNER. 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DM 2.50 Tjextit-QKxmqel Fernsprecher 550 Kaiserstralje 105 Mittwoch, den 1. Februar 1950 Lebhafte Vereinstätigheit in Hambrückeit Hauptversammlungen des MGY „Ein tracbt“ und des FV „Concordia“ Am Samstag hielt der MGV „Eintracht“ im Saal zum „Grünen Baum“ seine Hauptversammlung ab. Zu Beginn erklang der Sängergruß „Grüß Gott mit hellem Klang“ und das Lied „Hebt die Herzen empor“. Vorstand Felix Misch begrüßte die anwesenden Mitglieder aufs herzlichste. Besonders willkommen hieß er Bürgermeister Josef Debatin. In ehrender Weise gedachte er der 12 im letzten Krieg gefallenen, sowie der verstorbenen Sangesbrüder. Einer ganzen Anzahl verdienter Sänger wurden für 50-, 40- und 25jährige Vereinstätigkeit Ehrennadeln verliehen. Bürgermeister Debatin, der schon 30 Jahre aktives Mitglied der „Eintracht“ ist und 10 Jahre den Verein als 1. Vorstand geleitet hat, wurde zum Ehrenvorsitzenden der „Eintracht“ ernannt. Als äußeres Zeichen für seine Verdienste überreichte ihm Vorstand F. Misch eine Ehrenurkunde. Bürgermeister Debatin fand innige Worte des Dankes für die Ehre, die ihm zuteil wurde. Darauf stimmte Vizedirigent Gregor Debatin das Bundeslied „Brüder reicht die Hand zum Bunde“ an. Anschließend verlas Schriftführer August Debatin den Tätigkeitsbericht für das verflossene Jahr. Der Kassenbericht des Kassenwarts Emanuel Brenner fand allgemeine Zustimmung. Nach der Entlastung der Vorstandschaft erklang der Chor „Rüdesheimer Wein“. Bei den Neuwahlen gab es zunächst große Schwierigkeiten, da der bisherige Vorstand F. Misch aus beruflichen Gründen sich weigerte, das Amt weiterzuführen. 1. Vorsitzender wurde Remigius Brenner, 2. Vorstand Leonhard Simianer, Schriftführer August Debatin und Kassier Emanuel Brenner bleiben weiterhin in ihren Aemtern. Im Verwaltungsrat fungieren: Krämer Remigius, Brenner Fr. Josef, Misch Max, Köhler Edmund, Misch Felix und Krempel Josef. Ebenfalls am Samstag hielt der Fußballverein „Concordia“ in der Krone seine Jahreshauptversammlung ab. Auf den Tätigkeitsbericht des Schriftführers August Kretz- ler folgte der Kassenbericht des Kassenwarts Friedrich Raab. Der 1. Vorsitzende August Spinner und der 2. Vorstand Karl Heinz Lau wurden einstimmig wiedergewählt. Ebenso führen der Schriftführer August Kretzler und Kassier Friedrich Raab ihre Geschäfte weiter. Beim Spielausschuß fungieren als Vorsitzender Krämer Ambros und als Beisitzer Christian Krämer, Oskar Soder und Ernst Ahr. Der Verwaltungsrat setzt sich aus Obhof Alfons, Lau Karr Heinz und Schönwald Robert zusammen. Mit dem Amt als Jugendleiter wurden Debatin Johann und Krempel Theodor betraut. Ein längst ersehnter Wunsch wird bald in Erfüllung gehen, bis April-Mai soll beim Waldsportplatz ein Sporthaus erstellt werden. Am letzten Sonntag unterlag die II. Mannschaft des hiesigen Schachclubs beim Verbandsspiel gegen die II. Mannschaft aus Bretten mit 2 : 6 Punkten. Am Samstag wurde das längere Zeit geschlossene Gasthaus zum „Schwanen“ von Alfred Decker wieder geöffnet. Hiermit sind wieder sämtliche Gastwirtschaften von Hambrücken in Betrieb. k. Vorsicht! Reinfall an Fastnacht Verliebt — verlobt — verkracht Von Pfarrer Oscar Frey -Rheinsheim Adolf hieß er. Der Zuname spielt keine Rolle. Er stammt aus Baden, aus besseren Kreisen, war einmal Abiturient. Wir waren miteinander Soldat, allerdings noch im ersten Weltkrieg. Er hat mich oft aufgezogen, so wir miteinander als Einjährige ein Glas Bier tranken, weil ich Theologe war. Natürlich war es nie ernst, nur im Spaß, wie es eben bei Soldaten Brauch und Sitte war. Einer mußte herhalten. Mit jemand mußte Kuh getrieben werden, wie man 6ich auszudrücken pflegte. Wir waren auch einmal vorübergehend in Heidelberg. Wer kennt nicht den Schlager „Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren“? Allerdings stimmte es auf uns von keinem. Miteinander kamen wir ins Feld. Er war bei der MG-Kompanie. Ich war simpler Infanterist, damals noch. Später haben wir beide es noch ein bißchen weiter gebracht. Orden und Ehrenzeichen blieben auch nicht aus, wie es eben bei Studenten der Fall war. Draufgänger! Eines Tages wurde er verwundet, kam in ein Lazarett. Er war eine etwas Brief ans Helmsheim Der MGV Liederkranz hielt am Samstag im Rappen seine Generalversammlung ab. Vorstand Hugo Schührer gab über das vergangene Jahr einen Tätigkeitsbericht und dankte für das ihm im vergangenen Jahr entgegengebrachte Vertrauen. Der Kassier, Kurt Schwe- des erstattete den Kassenbericht. Der bisherige Vorstand Hugo Schührer und sein Stellvertreter Emil Häfele wurden mit überwiegender Mehrheit wiedergewählt. Sängervorstand ist Oskar Specht. Dirigent des Vereins blieb Karl Hähnle. Der Kleintierzuchtverein lud seine Mitglieder zu einem gemütlichen Beisammensein in den Adler ein. Vorstand Heinrich Hähnle gab einen kurzen Bericht über die bisher geleistete Arbeit des Vereins. Für die Unterhaltung sorgte Karl Hermann Bücher. — Herr Heinrich Schmidt, Bahnhofstraße 1, Heidelsheimer Wodiendironik Kriegsversehrte als Varietekünstler Am Samstag veranstaltete der Ortsverband für Körperbeschädigte, Kriegshinterbliebene und Sozialrentner einen Bunten Abend mit bekannten Künstlern von Bühne und Funk. Die Begrüßungsworte sprach Vorstand Karl Wolf, als organisatorisches Haupt der Varietetruppe stellte sich Bert Berry vor. Er gab der Programmfolge als Ansager in temperamentvoll-witziger Weise den heiteren Elan und wurde auf jede Art den verbindlichen Aufgaben eines guten Conferenciers gerecht. Die Darbietungen zeigten nicht nur Geschmack in der Auswahl, sondern befriedigten auch im Hinblick auf ihre künstlerische Qualität, was vom Publikum durch reichen Beifall anerkannt wurde. Einen gewissen Höhepunkt bildeten die Zauberkünste von Charlie Cavalini, die nicht nur viel belacht, sondern mehr noch bewundert wurden. Die Jongleurakte K. Rotinis waren außerordentliche präzise Leistungen und die Akrobatin Karola Reinhardt erhielt ihren Applaus nicht zu unrecht für ihre gut durchgefeilte Bodenakrobatik. Sehr nette musikalische Originalitäten bot Werner Reinhardt vom Radio Stuttgart mit seinem Flaschenxylophon, der singenden Säge, der »Glockenmusik und dem „Sprühregen“ mit der Ziehharmonika; Georgette Ringkoff mit Partner und allein zeigte sich in ihren beiden Tänzen von der charmantesten Seite. Viel Freude bereitete auch eine urwüchsige schwäbische Unterhaltung zwischen „Vater und' Sohn“ von Werner Reinhardt in einer Person vorgetragen. Ein abwechslungsreiches 20:3, dem noch ein lustiges Schinken-Toto folgte, schlossen den Kranz der Vorführungen. Kapelle Aliwastro trug mit ihrer schmissigen Musik viel dazu bei, den angenehmen Gesamteindruck zu verstärken. Sie spielte anschließend für die Jugend zum Tanz auf. Jeden Donnerstagabend findet im Rathaussaal ein Lehrkursus für erste Hilfe statt. Die theoretischen Kenntnisse werden von Dr. Carl Schmitt vermittelt, ihre praktischen Anwendungen im Verbinden usw. unter der Aufsicht der Bereitschaftsleiter geübt. 14 weibliche und 6 männliche Interessenten nehmen zur Zeit an diesem Kurs teil. In der letzten Woche- bereicherte Kr‘Geschäftsführer Krauth durch einen Lichtbildervortrag den Abend. In lehrreichen Ausführungen begleitete er den Ablauf der Bilder, die wertvolle Aufschlüsse über erste Hilfe gaben. Durch einen beigegebenen Kulturfilm wurden allerlei wissenswerte Dinge über die Entstehung der Eisberge und die Naturschönheiten Grönlands vermittelt. In der letzten Woche traf die Nachricht ein, daß Reinhold Fassei im Alter von 17 Jahren nm 2. April 1945 in Leisenwald bei Gelnhausen gefallen ist. Er fand auf dem dortigen Gemeindefriedhof in einem Kameradschaftsgrab die letzte Ruhestätte. o. konnte dieser Tage auf sein 25jähriges Arbeitsjubiläum bei der Bruchsaler Farbenfabrik zurückblicken. Herzlichen Glückwunsch. Wir gratulieren den Geburtstagskindern Anton Schührer III, zum 66., und Josef Schwedes, Hauptstraße 68, zum 75. Geburtstag. Mingolshelm Für heute abend lädt das Pfarramt die gesamte männliche Jugend ab 18 Jahren zur Gründungsversammlung einer Kolpingfamilie ein. Nachdem sehr viele Ortschaften unserer Umgebung eine solche Institution wieder besitzen, soll auch Mingolsheim hierin nicht zurückstehen, nachdem seit einiger Zeit unserem Ortsparrer wieder ein Kaplan als junge Kraft zur Seite gegeben wurde. Ein recht zahlreicher Besuch wäre wünschenswert. Wie der Vorsitzende des Verkehrsvereins mitteilt, wird der Verkehrsverein in Anbetracht des Heiligen Jahres und der allgemeinen wirtschaftlichen Lage auf den hergebrachten Fastnachtsumzug dieses Jahr verzichten. Dafür soll im Laufe des Jahres ein Heimattag stattfinden. Am 3. Februar feiern Frau Maria Mayer, Heidelbergerstraße, ihren 84., und Frau Sofie Wüst, Bahnhofstraße, ihren 76. Geburtstag. Beide erfreuen sich bester Gesundheit. Wir wünschen den Jubilaren noch viele Jahre im Kreise ihrer Angehörigen. r. Neuenbürg De? Tabakverkauf in Schwetzingen erzielte beschämende Preise, die in keinem Einklang stehen zur Arbeit, die der Tabakanbau fordert. Das Hauptgut erbrachte 53,10 DM, das Obergut 41,10 DM, der Nachtabak gebunden 38,10 DM. Angesichts dieser Tatsache erhebt sich die Frage, wie das weitergehen soll. Der Bauer bekommt ein Schandgeld, der Verbraucher muß für Tabakwaren schwindelige Preise bezahlen. Holz hat es dieser Tage gegeben. Gekostet hat es auch eine nette Summe. Nun schrillen wieder den ganzen lieben langen Tag die Kreissägen und zerschneiden die Baumriesen in handliche Brocken, — das Spalten macht in dieser Kälte doppelt Freude. Da wirds einem warm. Im Gasthaus zur „Traube“ sprach Landwirtschaftsassessor Hoyer über Düngung und Sortenwahl. Erfreulich, festzustellen, daß vor allen Dingen die Jungbauem zahreich vertreten waren. Ein Merkblatt, das jeder zugesteckt bekam, gab über das Wissenswerteste genauen Aufschluß. Große Beachtung verdient der Hinweis, daß den hiesigen Böden das Spurenelement Bor zugeführt werden muß, denn sein Mangel machte sich schon nachteilig bemerkbar. ck. leichte Haut, wie man so sagt. Deswegen hatte er eines Tages in einer schwachen Stunde Pech. Hatte er sich doch eine jener ansteckenden Soldatenkrankheiten zugezogen. Er kam daraufhin in das dafür notwendige Lazarett. Mir, dem Theologen, hat er alles gebeichjet. Heute noch wundere ich mich, warum er so ein großes Vertrauen zu mir hatte. Daheim hatte er gute Eltern in angesehener, gut situierter Stellung. Er hatte ein gutes, goldenes Mütterlein, das kennen zu lernen ich später einmal die Ehre hatte. Mittlerweile wurde auch ich verwundet, landete glücklich zuletzt beim Ersatzbataillon, Wir trafen einander wieder. Lange hatte er nicht mehr gebeichtet. Nun regte sich sein Gewissen, die Folgen einer guten Erziehung aus früher Jugendzeit. Darum bat er mich, er wolle einmal mit einem Divisionspfarrer reden. Dort waren wir Theologen daheim. Natürlich gab ich zur Antwort: „Die Kiste wird geschmissen.“ Adolf brachte alles in Ordnung, was in Ordnung zu bringen war in seinem Leben. Ob er eine Ahnung hatte, wie bald «ein Leben ein Ende nehmen sollte?! Da erzählte er mir eines Tages seinen „Reinfall“. Fastnacht war‘s. Alles war verrückt, Vater, Mutter und Sohn. Sie konnten sich‘s ja leisten. Jedes hatte sich maskiert, ohne Wissen des andern. Lockte doch einer der größten Maskenbälle in einer internationalen Stadt. Keines wußte vom andern. Ein „Herr* und eine „Dame“ treffen sich, zwei der schönsten Masken. Keines wußte, wer er und wer sie war. Glänzend haben sich beide verstellt, ihre Rollen gespielt, wie es eben auf so einem Maskenball zugeht. — Spaßhaft spricht man von Liebe, Verlobung und Heirat. Es wurde gfetanzt, gezecht, mitgemacht. Beide gingen miteinander heim. „Er“ bat sie, doch mit ihm zu gehen. „Sie" ging mit. Ahnungslos folgten beide. Auf dem Zimmer angekommen, fielen die Masken. — Sie sagte zu ihm nur: „Du bist mir ein sauberes Früchtchen!“ Wieso? Wer Wieder Speyerer Rheinbriitke Vertreter der Stadtverwaltungen von Speyer und Heidelberg berieten dieser Tage über die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft, deren Aufgabe es sein soll, die Finanzierung und den Wiederaufbau der zerstörten Speyerex Rheinbrücke so' bald als möglich zu regeln. Heidelberg wie Speyer haben sich bereiterklärt, den Wiederaufbau der Speyerer Brücke, deren Gesamtkosten mit rund acht Millionen DM errechnet wurden, finanziell zu unterstützen. Gleichzeitig wollen die beiden Städte bei der Bundesregierung, bei den Landesregierungen von Rheinland-Pfalz, Württemberg und Bayern sowie bei der Bundesbahn wegen finanzieller Unterstützung des Speyerer Brückenbaues Schritte unternehmen. war's? Seine leibliche eigene Mutter stand nunmehr vor ihrem — eigenen Sohn. Er sagte mir nur noch: „Ich hab ein halbes Jahr nicht mehr mit meinen Eltern gegessen, so habe ich mich geschämt.“ — Verkracht! — ■Adolf kam dann nochmals ins Feld, ein Glück für ihn, daß er auf der Höhe von Tahüre fiel. Vorsicht! So kann man an Fastnacht reinfallen! Traurig — aber wahr! Herausgeber: C. und H. Kruse, Bruchsal, WörthstraBe 4 , Fhilippsburg, Salmstr. 10. Redaktion: Hans Stiuder, Brudisal, Zur Zelt ist Preisliste Nr. 1 gültig. ¥ RANZISKA UND DIE SIEBEN RABEN ROMAN VON RUDOLF ANDERl [ MÜ NCHENERR OMAN.VERLAG MÜNCHEN.PASING, FRITZ-REUTERSTR 3. Vor 3 Wochen noch war er in Brasilien beim ehrenwerten Mijnheer van Roohn und seiner Tochter, über deren Gunst jeder andere sehr glücklich gewesen wäre — er, Pankraz Lo- droner, allzusehr verwöhnt von den Frauen, hat sich nicht viel daraus gemacht Eines Tages verspielte er eine große Summe; Dolores van Roohn gab ihm, was er wollte. Wie, wenn das ihr Vater erfuhr? Was dann? Auch das große Geschäftshaus des niederländischen Handelsherrn vertrug nicht ohne weiteres jede beliebige Kassenentnahme. — Immerhin, zwischen der brasilianischen Stadt und Hamburg lagen Tausende von Kilometern, und Dolores opferte eher sich selbst als den Neunen des Mannes, dem sie schon soviel — und nicht nur Geld — gegeben hatte. Und was nun weiter? Die Zeit würde es lehren. Ein paar Tage, ein paar Wochen blieb er in Salzbrunn. Man mußte den Lungen auch wieder einmal die klare Luft des deutschen Gebirges gönnen, wenn man die vergangenen Jahre in Südamerika verbracht hatte. Wenn das wahr sein sollte, was Lohmüler da erzählte, das mit dem Verkauf der Grundstücke, dann bedeutete das Geld. Da war er ja gerade rechtzeitig zurückgekommen! Wer weiß ob es nicht gut war, wenn er bei den Besprechungen mit dabei war — dieser Michael war imstande und schlug ein paar Zehntausender aus, um armen Bauernsöhnen das Siedeln zu ermöglichen! Mit zehntausend Mark wahrscheinlich sogar sogar noch mit mehr, kann man schon eine Strecke — man konnte damit nach den Nordstaaten gehen, nach Kanada vielleicht auch, oder nach Alaska, wo ja Leute mit Geld immer noch ihr Glück machen konnten. Möglicherweise reichte es doch noch zu einem neuen Leben. Zeit dazu war es. — Ein neues Leben baute man auf den Trümmern des gewesenen wirklich ein neues auf.? So denkt Pankraz und überlegt und verwirft. Indes, das lange Grübeln ist nicht seine Stärke. Er legt sich zu Bett und versucht zu schlafen. Es geht, wenn auch erst nach ein paar Tabletten, und auch dann noch quälen ihn Träume. Er sieht Bettina vor sich, und an ihrer Seite geht der Professor, der ihm den Zeigefinger auf die Brust setzt und mit Grabesstimme fragt: Also Sie sind der bewußte Lodroner, was? — und aus weiter Ferne her nähert sich Dolores, bleich und sehr ernst, sie sieht aus als wäre sie durch viele dunkle Täler gegangen, und ein paar Schritte hinter ihr kommt noch eine andere, Ellinor... er schreckt aut Gott sei Dank, alles war nur ein Traum, Gott sei Dank! Er muß sich an das Klima der alten Welt erst wieder gewöhnen. Am nächsten Morgen — sein Zug geht erst mittags — wandert er durch die Stadt Als er beim Hauptpostamt vorbeikommt, erinnert er sich daran, einigen Bekannten in Rio verraten zu haben, daß sie ihn — hätten sie ihm etwas mitzuteilen — postlagernd in Hamburg erreichen könnten. Er tritt ein. Es ist ja kaum möglich, daß schon etwas da ist; dennoch geht er zum Schalter und nennt seinen Namen. — Doch ein Brief, gestern gekommen. Dem Aufgabestempel nach ist er acht Tage nach seiner Abreise aufgegeben worden; daß er seinen Empfänger eingeholt hat ist nur dessen Aufenthalt in einer der Hafenstädte zu verdanken. Pankraz kennt die Schrift Er zögert, des Umschlag zu öffnen, aber dann tritt er doch schnell in eine der Nebengassen und reißt das Papier auf. „Es ist etwas Schreckliches geschehen!“ liest er. Die Buchstaben tanzen nebeneinander, die Hand, die diese Zeilen geschrieben hat, ist voll Erregung gewesen. „Etwas ganz Schreckliches ... aber ich kann es Dir nicht schreiben, ich kann nicht, hörst Du .. ich bitte Dich bei allem, was Dir lieb ist, ich bitte Dich bei der Himmlischen Jungfrau, komm zurück, komm schnell zurück —“. D ann ein paar zusammenhanglose Sätze, endlich die Unterschrift: „Dolores.“ — Das ist alles. Was kann das sein: Etwas ganz Schreckliches? Und warum will sie es nicht schreiben? Ein paar Passanten kommen vorbei und sehen ihn neugierig an. Er steckt den Brief gleichgültig in die Tasche und geht weiter. — Etwas ganz Schreckliches! — Ach, er müßte sie nicht kennen, es ist eine wie die andere; sie heulen eben, wenn man geht, und versuchen alles, daß man wieder zurückkommt. Aber er wird sich hüten, Rio noch einmal zu betreten und dabei an den alten Roohn zu geraten oder gar an den Sohn, der ja womöglich noch gewalttätiger werden kann, Ms der Seniorchef des großen Handelshauses. Dennoch verfolgt ihn die Nachricht bis zum Bahnhof, und erst als die Räder des Zuges sich drehen und die mächtige Lokomotive ihren Weg beginnt gegen Süden, erst dann wird er wieder sicherer. Weibergeschichten! Lieber Gott, wenn man die alle so ernst nähme! Es Ist gut, daß er nicht weiß, daß ein paar Wagen weiter ein gewisser Gotthelf Lohmüller sitzt, und daß auch dessen Fahrkarte auf den Namen des Marktes Salzbrunn lautet. « Der dicke Mann mit den fahrigen Händen keucht den Hang hinauf, schwitzt und seufzt und läßt sich außer Atem auf die nahe dem Wald stehende Bank niederfallen. „Es wäre mein Tod, wenn ich immer hier leben müßte!“ ächzt er, „Ich für meine Person ziehe das flache Land vor ... was meinen Sie, Heiß?“ „Ich erlaube mir, hier nicht gleicher Meinung zu sein, Herr Doktor, ich bin passionierter Bergsteiger.“ „Unfaßbar! Was hat man schon davon, wenn man auf diesen Spitzen herumsteigt und dann von oben wieder heruntersieht? — Wenn das ein Vergnügen sein soll!“ „Vergnügen ... das ist wohl auch nicht das richtige Wort!“ „So? — Was ist es dann?“ „Das kann man nicht so einfach sagen.“ Der Dicke wischt sich die Schweißtropfen von der Stirn. „Dann behalten Sie’s für sich. Jedes Tier hat ein anderes Plässier. Das Blödsinnige ist nur, daß wir auf die Wünsche der Leute Rücksicht nehmen müssen und unsere Hotels dahin zu bauen haben, wo sie dieses dreimal verwünschte Gebirge immer vor Augen haben ... und einen See dazu“, er winkt den Begleiter ganz nahe zu sich heran und flüstert: „Das mit den Wasseruntersuchungen weiß doch kein Unberufener?“ „Ausgeschlossen; es müßte denn schon einer von den Chemikern geplaudert haben,“ „Die werden sich hüten. Die sind vereidigt. Stellen Sie sich einmal vor, Heiß, wenn wir auf unsere Prospekte drucken können: .Hotel und Pension Tulpenblick, wundervollste Lage, Gelegenheit zur Ausübung jeden Sports, Benützung der heilkräftigen Wasser der St. Nepo- Muk-Quelle . . was ? Klingt das nicht gut? Dafür kann man schon einen Batzer. Geld anwenden. Am liebsten würde ich auch noch das Terrain bis zum Bach da drüben aufkaufen. Wem gehört der anschließende Grund?“ „Auch den Lodroners.“ „Erstaunlich! Den Leuten gehört anscheinend hier alles!“ „Nicht alles. Aber eine ganze Menge. Der alte Herr verstand sich auf die Wirtschaft, und die jungen Leute sehen auch höllisch darauf, daß das Sach beisammenbleibt“ „Und doch wollen Sie an uns verkaufen!“ „Das ist doch nicht unterschrieben, Herr Doktor.“ „Was? — Sie meinen, es gäbe Widerstand? Der Arzt wohl , wie? Ich sage Ihnen etwa3, mein Lieber: Mit Geld macht man viel. Ich habe da Erfahrung. Und dann bestimmt ja nicht er allein. Lassen Sie mich nur disponieren, Heiß, ich habe schon ganz andere Dinge geschaukelt Den Pflasterkleber, diesen Michael, nehme ich schon auch noch in die rechte Zange .. .“ Fortsetzung folgt. AUS DER HEIMAT Pfälzlfcbee - Allzupfälztfched Vor einigen Jahren erschien im Verlag Monts Schauenburg in Lahr (Baden) ein Buch, das unter dem Titel „Einkehr" heitere Erinnerung eines Vorderpfälzers bot, die der einstige Landauer Landgerichtsdirektor August Zahn sich und.allen Pfälzer Landsleuten zur Freude aufgezeichnet hat. Der eben verstorbene Landauer Maler H. Strieffler hatte das Buch mit sechs Federzeichnungen und acht Vollbildern glücklich illustriert. Der Neustadter Verlaq G Meininger bemühte sich erfolgreich um die Neubelebung und weitere Verbreitung des Buches, aus dem wir eine Probe dessen bieten wollen, was Zahn zu erzählen weiß. Es ist ein Abschnitt, der einem wackeren pfälzischen Doktor in dankbarer Erinnerung gewidmet ist. Was er so am Stammtisch erzählte, hat Zahn getreulich erlauscht und verzeichnet. Hören wir ihn selber erzählen! Einmal klagte dem Doktor sein Zechgenosse, mit dem er von der Hochschule her innig befreundet war, er fühle sich, insbesondere morgens, oft gar nicht wohl, leide an Schwindel, Appetitlosigkeit usw. Ruhig versetzte der Doktor, er trinke wohl zu viel Solange man jung sei, gehe das eine Zeitlang Aber der Freund werde älter und müsse nun vorsichtiger leben. Da safl der Patient zunächst ganz niedergedonnert da, meinte dann aber kleinlaut: .„Horch emol, du trinkscht ehnder noch mehner wie ich, und du bischt noch älter un dicker wie ich." Der Doktor lachte von Herzen und saqte- ,Ja meenscht dann, mer dut’s gut?" Ein Knabe und ein Mädchen hatten ein Brüderchen bekommen. Das Mädchen sagte altklug: „Ich hab' die Kist' gsehne, in der's ankumine isch, sie steht im Keller, 's steht druff: Söhnlein Trocken" Aber der kritische Brtider versetzte: „Do" sin mer ang’schmeert. 's Brüderle isch jo immer naß " Einmal wurde der Doktor von einem Festessen weg zu einer alten Frau gerufen. Der Doktor war bezecht. Während er die Frau untersuchte, sagte er im Selbstgespräch vor sich hin: „Im Rausch kann man nicht untersuchen." Er ging fort mit dem Bemerken, er komme am folgenden Morgen wieder. Am Morgen kam der Sohn der Kranken dem Doktor schon entgegen und erklärte: „Sie henn recht g’hat, Herr Doktor, im Rausch kann mer nit unnersuche. Gesch- tern war die Mutter voll, heut' isch se Widder ganz munter." Mit diesem Zug ins Allzupfälzische wollen wir es hier bewenden lassen. Wer mehr noch wissen will, greife zu dem Büchlein selber. Dr. A. B. Vom Schäfer Zur Winterszeit zieht hin und wieder ein Schäfer durch unser Dorf, zuweilen auch rastet er für einige Zeit im Ort selbst oder auf den umliegenden Feldern. Während der Schäfer den Sommer über meist ein Standquartier inne hat, wandert der gute Hirte im Winter und Frühjahr mit seinen Schafen in der Gegend umher. Oft auch führt er seinen Schäterkarren mit sich, der grün gestrichen ist — auch der Schäfer geht mit der Zeit! Er ist im allgemeinen gern gesehen bei jung und alt, und gar mancher Bauer gewährt dem Wandernden und seiner Herde für ein paar Tage Unterkunft auf seinem Acker oder seiner Wiese, denn der Schaldung ist überall sehr geschätzt. Futter finden die Schafe um diese Zeit im Freien draußen wenig, und es muß deshalb damit etwas nachgeholfen werden; im großen und ganzen sind ja die Strafe sehr genügsame Tiere An ihrem Rastplatz erklingt weithin ihr munteres „mähT mäh, besonders wenn sie Hunger haben. Gegenwärtig, m den futterarmen Jahren. ist der Schäfer allerdings nicht so erwünscht wie sonst. Es ist ein recht idyllisches Bild, wenn so ein Schäfer mit seiner Herde, meistens einige hundert Stück, langsam und gemächlich einherzieht, im langen, flatternden Mantel und mit dem Hirtenstab (einem langen Stecken mit einer kleinen Schaufel vorn), stets begleitet von seinem treuen und aufmerksamen Hund, der die Herde gut überwacht, besonders bei der Wanderung durch •inen Ort. Bricht einmal ein Schaf aus der Reihe und versucht, sich selbständig zu machen, so qe- nügt ein kurzer, namentlicher Anruf des Schäfers, und sein wachsamer Hüter treibt den Ausreißer mit wütendem Gebell in die Reihen zurück. Die große Beliebtheit des Schäfers zeigt sich besonders bei der Dorfjugend, die sich erfreut und jauchzend um die Herde schart. Alle drängen sich zutraulich heran, denn die Schäflein sind ja so sanft, und tuen niemand etwas zuleide; all» geben der Herde gern ein Stück Wegs das Geleit, indem sie zuweilen singen: „Schäflein auf der Weide, Schäflein nah und fern, Ihr im woll'gen Kleide. Seh'n euch immer gern» Seid uns Augenweide, Schäflein auf der Heide!" Besonders lieblich ist der Anblick, wenn ins zeitigen Frühjahr und später die zahlreichen Jungen Lämmer neben und in der Herde einhertrotten, sich mit ihrem zarten und gedämpften „Mäh mäh" dicht an die Mutter drängen, um Der feierliche Einzug des Bischofs Johann ln Speyer war, nachdem die Huldigung durch die Ortschaften rechts und links vom Rhein schon seit 1459 vorausgegangen war teils durch kriegerische Ereignisse, teils durch folgenden Umstand hinausgezögert worden. Die Stadt Speyer wacMe eifersüchtig über Ihre Stadtrechte und wollte den Bischöfen nur die geistliche, nicht aber auch die politische oder weltliche Gewalt zuerkennen. Es gab deshalb vor dem feierlichen Eintritt der Bischöfe in die Stadt stets längere Verhandlungen, durch welche sich die Speyerer ihre Unabhängigkeit sichern ließen. Erst nachdem alle Bedenklichkeiten gehoben und die verschiedenen Anstände geschlichtet waren ward dei feierliche Eintritt des Bischofs auf Dienstag, den 25 August 1461, festgestellt. In der Frühe jenes Tages hörte der Bischof zu Udenheim die heilige Messe und zog dann im roten Reitrocke mit etwa 40 Pferden, seinen Hofmeister Martin von Dürrnenz an der Spitze des Gefolges, gegen Rheinhausen Bei Oberhausen stieß von Graben her der Markgraf Carl von Baden mit 80 Reitern in weißer Hofkleidung zu ihm. So ging's bei Rheinhausen über den Rhein. An dem „großen Heiligenhäuschen" vor der St. Markuskirche gesellten sieb Landgraf Hesse? von Leiningen und Friedrich von Fiersheim mit etwa 40 Pferden, dann der Ritter Martin von Helm- städt, Amtmann von Lauterburg mit etwa 100 Pferden und Graf Philipp von Katzenellenbogen und Graf Otto von Solms mit 60 Pferden dem Zuge bei, während der Pfalzgraf Rupprecht, Domprobst zu Würzburg, der Bischof Reinhard von Worms, der alte und neue Deutschmeister über Lußheim mit etwa 100 Rittern und Knappen eintrafen. Des Hochstifts Banner von blauer Seide mit weißem Kreuze, in dessen Mitte der Familienwappen des Bischofs angebracht war, trug der Vitzdom von Neustadt, Georg von Ochsenstein. Die ganze Gesellschaft von etwa 700 Pferden folgte zu je drei Pferden. Neben dem Bischof ritt rechts der Pfalzgraf Rupprecht, links der Markgraf Carl, nach dem Bischof der Wormser, umschlossen von dem neuen Deutschmeister und dem Grafen von Katzenellenbogen. An der St. Markuskirche hielten die Speyerer und Wormser mit etwa 150 Pferden und schlossen sich alsbald dem Zuge an, welcher sich zwischen dem St Germansberge und der Stadt gegen das St. Gilgentor wendete. Vor diesem Tore ward vom Bischof die Bestätigungsurkunde der Speyerer Freiheiten, an welcher das Siegel an einer roten Schnur herabhing, überreicht und beschworen, worauf der Bürgermeister Claus König das Tor öffnen ließ. Der Zug ging nun bis zum Markt vor das Haus Doldes, des Schuhmachers, wo Frie- bei ihr Schutz zu tuchen. Wer das Glück hat, in einer „gutgelaunten" Stunde vom Schäfer einmal sogar ein junges Lamm zu erhalten, der kann besonders zufrieden sein. Der Schäfer liebt ■eine Herde und hängt an ihr wie eine Mutter an ihren Kindern. Er ist sehr besorgt um jedes Stück seiner Herde, daher gibt er nur ungern auch nur ein einziges Schäflein her, trotz der großen Zahl seiner Schützlinge. Ist einmal so ein wolliger Vierbeiner erkrankt, oder hat sich sonst bei einer Gelegenheit einen Schaden oder •ine Verletzung zugezogen, so hegt und pflegt er es nach besten Kräften, nimmt es in den Arm und umwickelt die wunden Stellen, soweit dies möglich ist, gerade wie ein richtiger guter Hirte Eine solche Herde stellt heutzutage auch •in kleines Vermögen dar, und die Wolle gibt sudem ein beachtliches Quantum ab, wenn die Schafe ein- bis zweimal im Jahr geschoren werden. - Gerade in der heutigen Zeit ist Schafwolle ein gesuchter und rarer Artikel. So wird der Schäfer immer wieder alle Jahre bei seinem Erscheinen als gern gesehener Wandergast freudig begrüßt mit seiner Herde, zugleich als Sinnbild unseres Heilandes, des himmlischen guten Hirten. . . Hermann Schumann. drich von Meckenheim wohnte. Dort stieg der Bischof ab und ward von dem Ratsmann begrüßt und kleidete sich im Sommerhause dieses Hofes um. Das Pferd, der rote Mantel, die Gugel (Gugel “ Kopfbedeckung), das Schwert, die Sporen wurden von Herbeidrängenden ln Besitz genommen. Johannes legte einen schwarzen, langen, seidenen Rock, darübei einen Chorrock und „Bunthut' — almuciam — an, setzte das Biret auf und wurde von dem Pfalzgrafen und Markgrafen an den Armqn die Straße hinangeführt, während sich die zwei Bürgermeister an des Bischofs Chorrock hielten. So ging es bis zum Napfe, in welchen ein Fuder Wein ausgegossen wurde, und der, um Unordnungen zu verhüten, von 24 Bewaffneten umstellt war. Nächst dem Napfe harrte die Geistlichkeit mit dem Traghimmel, zuerst der Weihbischof Peter, dann der Abt Heinrich von Limburg mit der „Scheibe" (Monstranz) zum Friedenskusse, ferner die Äbte Erpho von Klingenmünster, Johann von Herren- alb, Siegfried von Sinsheim. Philipp von Odenheim, Bernhard, Probst zu Herd, Jakob Commen- thur zu Haimbach mit Stäben, Infein und Chorkappen, untei dem Traghimmel, aber der Dom- probst Ulrich von Helmstädt und der Domdechant Johann von Stetenberg Diese beiden nahmen jetzt den Bischo* aus den Armen der Fürsten Die Bürgermeister ließen den Chorrock fallen mit der Erklärung: „Nun ist unser Geleit zu Endel" So qings unter Gesängen („Cum rex gloriae" usw „Advenisti desiderabilis" usw. „Te deum") den Dom binan duich die Chöre zum Fronaltare, auf welchen der Bischof gesetzt, das ,,Te deum" gesungen, das Hochamt abgehalten und dann die Huldigung voi der bischöflichen Pfalz vorgenommen wurde. Den Schluß der Festlichkeit bildete ein gastliches Mahl, an welchem über 1000 Menschen teil nahmen. Bischof Johann hatte bei der feierlichen Besitznahme der Kathedrale, wie aus mehreren Urkunden erhellt, schon die bischöfliche Weihe erhalten. Wo, wann und von wem ihm dieselbe erteilt wurde, konnte nicht ermittelt werden. Schon bald nach seiner Wahl wurde Johannes durch eine Bulle des Papstes Pius II. vom 29. November 1459 mit dem Domherr Rüdiger von Lauterburg angewiesen, sowohl die Pfarrkirche zu Pforzheim, als wie jene zu Ettlingen nach dem Wunsche des Markgrafen Carl von Baden zu Stiftskirchen mit einem Dechanten, zwölf Chorherren und ebensoviel Vikaien zu erheben und zur desfallsigen Einrichtung die nötigen Verfügungen zu erlassen. Der Bischof hatte auch eine Münzstätte zu Bruchsal eröffnet' Diebold war bischöflicher Münzmeister daselbst. Johannes ließ’ aber auch noch Heinrich von Bruchsal und dessen Bruder Wicker, jenen als Prüfer und diesen als Müns- wardein aufstellen, beeidigen und besolden. (Donnerstag nach Michaelis 1460.) Der Welthändel müde und froh seiner schweren Bürde bei drückendem Alter enthoben zu sein, zog sich Johann, nachdem sein Nachfolger Matthias von Rammung am 15. September 1464 vom Bischofsamte feierlich Besitz ergriffen hatte, auf das ihm eingeräumte Schloß Obergrombach zurück^um in ernster Betrachtung und frommer Lebensweise sich für das Jenseits vor- subereiten. Im Jahre 1467 nahm er seine Wohnung in Pforzheim. Nach einem kaum sechsmonatlichen Aufenthalt daselbst starb er am 18. September des genannten Jahres und ward in der dortigen Klosterkirche — bei den Minoriten — im Chor vor dem Fronaltare begraben. (Nach F. X. Remling, Geschichte der Bischöfe von Speyer.) Europas größtes Schloß erfteht roitöer Das Mannheimer Schloß, erbaut 1720—1760 als Residenz der Kurfürsten von der Pfalz, war einst das größte Schloß Deutschlands und J. G. Rieger schrieb 1824 in seiner Beschreibung von Mannheim: „So liegt dieses kolossale, majestätisch« Gebäude in seinen Hauptmaßen wie aus einem Stück gegossen, weit ausgebreitet vor dem Blicke, würdig, den ersten der Erde zu empfangen, Kaiser und Könige zu beherbergen". Und als dann die Kurfürsten ihre Residenz nach München verlegten, wurden die herrlichen Prunk- räume Sammelstätten auserlesener Kunst und weltberühmt. Heute ist das ganze Schloß eine einzige Ruine und nur die Fassaden erinnern noch an seine einstige Pracht. Aus Deutschlands größtem Schloß wurde Europas größte Schloßruine, ein schauerliches Menetekel des Krieges. Aber trotzdem steht es machtvoll in dei Silhouette der Stadt, als kulturelles Wahrzeichen in der weiten Ebene zwischen Rhein und Neckar. Nach dem Krieg dachte man zunächst an einen vollkommenen Abriß, man besann sich jedoch eines besseren und baut es stückweise wieder auf. Starke Mauern wachsen im Innern des Gebäudes auf den alten Fundamenten, neue Decken werden eingezogen, Fassadensteine und Gesimse behauen und Treppenaufgänge gebaut. So erwächst aus den Trümmern wiedei ein Stück alt« Mannheimer Kultur- und Baugeschichte. Im Erdgeschoß des linken Flügels erstehen zur Zeit zwei große Säle (30 X'9 m und 40 X 10 m) als Kassenhallen des Finanzamtes Mannheim Stadt und Land. Sobald das Finanzamt später einmal ein eigenes Gebäude hat, sollen diese Säle Museumszwecken dienen Auch das obere Geschoß des ganzen Flügelteils zwischen dem Mittelbau wird das Finanzamt einnehmen. Der anschließende Teil bis zur Kirche ist bereits zum größten Teil wieder instand gesetzt. Im Erdgeschoß das noch ausgebaut wird, sollen die naturkundliche Abteilung des Städt Museums, die Städt Werbeschule und einige Behörden einziehen Die Schloßkirche sowie der einstige Bibliotheksaal. können vorläufig nicht aufqebaut weTden, da hierfür jegliche Mittel fehlen Trotz aller Zerstörung war es möglich, einige der alten kostbaren Stuckdecken nach < n Original wiedei herzustellen so daß den Nachkommen ein kleiner Schimmer einstiger Pracht vermittelt wird. Erhalten blieb als einziger Raum dieses riesigen Schlosses das einstige Kurfürstinnenzimmer in der ganzen verschwenderschen Fülle des Barockzeitalters. Von den gesamten Prachträumen im Obergeschoß des Haupttieppenhauses ist nur noch der Rittersaal in seiner alten Form wieder herstellbar. Bei einer Besichtigung durch die Finanzkommission des Landtages mit dem Oberbürgermeister der Stadt Mannheim wurde die Notwendigkeit eines allmählichen Wiederaufbaues des gesamten Schloßkomplexes anerkannt, so daß das Schloß für die Zukunft als gerettet betrachtet werden kann. bz. Der Speyrer Napf mit Wein gefüllt Wie Blfchof Johanne« II. fleh 1461 huldigen ließ Das Märchen Der Heimat als Erziehungshilfe in Elternhaus und Schule Bei Verantwoitungsbe wußten Menschen und erst recht bei einem Erzieher tritt die Frage nach den Ursachen der heutigen Zerfallserscheinungen auf. Man muß schon weit in der Geschichte zurückgehen, um einiges Licht auf die Verhältnisse zu werfen. Bei den Griechen gab es Orakelstätten, von denen Prophezeiungen und Weissagungen ausgingen, aber auch das sittlich-religiöse Leben der Menschen gelenkt wurde Die Trägei dieser Weisheit waren Priester, die ihr Leben ganz im höchsten Sinn verbrachten und der Erkenntnis, sowie der Moral weihten, Übungen der Versenkung pflegten und so ihren Geist und ihre Seele zu stetigem Wachstum anregten. Sie entwickelten sich immer mehr dem Geistigen entgegen, daß dieses für sie endlich wahrnehmbar wurde. Die Priesterkönige Ägyptens waren Verkünder des göttlichen Willens, wie Moses; denn auch sie verkehrten mit dem Herrn. Die Menschen wurden durch sie im göttlichen Sinne geleitet. Aber bald nach Christus verlor sich diese Gabe des Hellsehens und das alte Wissen ging an die Tradition über, die nunmehr aber auch total verebbt ist So ermangeln heute die Menschen oft der geistigen und göttlichen Lenkung und sind auf ihr eigenes Erkennen angewiesen. Wie weit dieses reicht, zeigt der Hang der Welt sum Zerstören, nicht zum Erhalten und Aufbauen. Die Kräfte zum Ordnen der Welt besäße die Menschheit wohl, wenn sie zur Entwicklung gebracht würden. Aber hieran hapert es gewaltig, weil ein wachstumsfähiges Seelenleben nur durch einen lebensvollen Unterricht erzeugt wird. Die Lebenskräfte wachse», wenn sie lebendig angesprochen, herausgelockt, geweckt und gepflegt werden. Ein trockener, frostiger Unterricht, erfaßt weder die begeisternden Kräfte der Seele, noch weniger das Kraftzentrum des Willens. Soll der Unterricht so tief gehen, muß er das Geistige der Schöpfung mitumfassen, weil jetzt das Staunen beginnt und damit das Wachsen der Seele. Die nötige Brutwärme für die kindlichen Seelenkräfte trägt nur der begeisterte Lehrer heran. Diese Eigenschaft wächst ihm zu durch tiefgehendes Studium des Kindes. Dieses Studium zeigt ihm aber auch, daß zu den lebensvollsten Stoffen die Märchen, Sagen, Legenden und Fabeln gehören. Darin erlebt das Kind das wirkliche Leben: wie das Gute belohnt und das Böse bestraft wird. Ein großer Fehler der heutigen Erziehung besteht darin, daß wir glauben, durch Mahnen, Warnen, Ängstigen, Schrecken oder Strafen das Kind bessern zu können. Vor dem 14. Jahr, dem Beginn der geistigen Reife, taugt alles Mahnen nicht, sondern nur die Erzählung; der Katechismus, mit seinen philosophischen Definitionen, verlangt Reife des Denkens, also das 14. Jahr. Christus und somit das Neue Testament, kann erst nach neun Jahren verstanden werden. Vorher kann man nur von Gott sprechen. Soll das Kind vom Lügen erlöst werden, so hilft kein Strafen und Warnen, sondern eine Erzählung, die man selbst erfinden muß, oder •in Märchen, wie: das Marienkind. Diesem ergeht es wohl, da es kindlich lauter lebt, bis zum 14. Jahr — im Himmel, nach dem Märchen. Nunmehr aber, mit der geistigen Reife, wird das Denken selbtsändig, und es erlaubt sich, nicht mehr einfach, der inneren guten Stimme zu folgen, der Jungfrau Maria, sondern eigene, ungute, lügnerische Gedanken, wie sie das Märchen schildert, beherrschen, es bald. So erfolgt das Ausstößen aus dem Himmel der Lauterkeit und Schönheit, und es ist in die Dornhecken der Verstockung versetzt. Wohl erfolgen seelische Lichtblicke, Anläufe zum Bessern. Die seelischen Kinder, die aber kein Heim haben und nicht bodenständig werden, solange Verstocktheit herrscht, werden von der Mutter Gottes geholt. Schwere Zustände, furchtbare Schicksalsschläge werden herbeigeführt — die Königin muß auf den Scheiterhaufen — bis der Mensch in sich geht und bekennt, also das Lügen in seiner Verkehrtheit und Sinnwidrigkeit zugestanden und abgelegt wird. Solche Stoffe wirken erzieherisch und nach Dr. R. Steiner sollte das Kind täglich eine halbe Stunde Märchen erhalten. Wie wunderbar kommt die Natur des Kindes dem Lehrer und Erzieher entgegen. Sind die Kinder müde, also vielleicht in der 4. Stunde, darf er nur sagen: Märchen, und alle Müdigkeit ist wie weggeblasen und heiliges Feuer der Begeisterung strahlt aus allen Augen. Der ganze Mensch wird aufgerufen: die Phantasie erwacht, die Seele wird erfüllt und der Wille erhält Impulse zur Tat Das für das Kind Beste ist ihm auch das Liebste! Wie schön hat doch Gott das Erziehungsgeschäft eingerichtet und wie entsetzlich wird es oft gehandhabt! Die Heimatkunde müßte ihren breiten Raum zum mindesten mit den Sagenstoffen teilen. Mit ihnen tragen wir zur Reform des schulischen Geistes bei, wodurch die Moral oder Sittlichkeit bis zum 14., 15. Jahr sich zu einer Kraft entwickelte, die den Stürmen des Lebens und dem Triebleben gewachsen wäre. Das wußten die Alten und sie liebten und pflegten die Märchen, die schon so alt sind wie die Menschheit. Sie sind Himmelsbrot und ohne sie gibt es keine gewachsene, kraftvolle und gesunde Mors), wie die heutige Menschheit beweist Richtige Durchgeistigung des ganzen Unterrichts und lebensvoller Moralunterricht schafft harmonische Menschen, deren seelisch-geistige Kräfte während des ganzen Lebens wachsen. Das unfreiwillige NaefttbaO im Schwarzwald lebte dereinst ein wackerer Zecher, der an seinem friedlich-heiteren Lebensabend manch' fröhlienes Geschichtchen erzählen konnte. Wiedei einmal war an einem mondlosen Herbstabend der Weißherbst gar süffig gewesen. Nicht leicht fiel es dem frohen Zecher, als er sich gen Mitternacht auf den Weg machte, ohne Hals- und Beinbruch seinen einsam gelegenen Hof anzusteuern, leuchtete ihm doch kein Mond, kein Sternlein auf seinem beschwerlichen Weg. Endlich glaubte er frohlockend alle Tücken des Weges überwunden zi haben, als. ihm plötzlich ein fremdes, unbekanntes Hindernis den Weg versperrte. Eine richtige, bisher noch nie dagewesene Barrikade zog sich quer über den Weg weithin in die Felder und Wiesen. Schwankend wie eine Tanne im Herbststurm stand der Bauer, bestrebt das merkwürdige Hindernis zunächst einmal gründlich zu untersuchen. Doch dies war unmöglich, zu sehr purzelten die Alkoholgeister durch seinen Alemannenschädel. Schließlich verfiel er in ein grüblerisches Nachdenken und erinnerte sich einer der Geschichten, die er vor wenigen Stunden zum Besten gegeben hatten. Also nahm er einen tüchtigen Anlauf und schwang sich kühn mit jugendlicher Kraft über den fremden Zaun, um weich und sanft im Brandweiher vor seinem Hofe zu landen, der glücklicherweise mehr Schlamm als Wasser enthielt. Nüchtern geworden entstieg der Bauer brummend und fluchend dem unfreiwilligen Bade, um eine weitere Erfahrung reicher geworden. K. B.