BRUCHSAL Vi l POST HEIMATBLATT FÜR KBAICHGAU UND BRÜH RAIN Jahrgang 8 'Dienstag, den T. März 1950 Einzelpreis 15 Pfennig Die Thronrede des englischen Königs Sie war auffallend kurz — Erste Anzeichen eines Konfliktes mit der Opposition London (UP). König Georg VI. hat am Montag formell das neue britische Parlament eröffnet. Er versprach in seiner Thronrede, daß die Regierung von allen weiteren Sozialisierungsmaßnahmen Abstand nehmen werde, soweit durch diese Handlungsweise nicht die Vollbeschäftigung und der -Wohlstand des britischen Volkes gefährdet werde. Auf außenpolitischem Gebiet wurde das Problem der internationalen Atom-Kontrolle hervorgehoben, während der Wahlvorschlag Winston Churchills auf Durchführung einer neuen Konferenz der „Großen Drei“ ignoriert wurde. Der König äußerte, daß die Labourregierung entschlossen sei, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um ein Übereinkommen in der schwierigen Frage der internationalen Atomkontrolle zu erreichen, daß ein derartiges Übereinkommen jedoch nur innerhalb der Weltorganisation der Vereinten Nationen angestrebt werde. Im außenpolitischen Teil der Thronrede dankte der König noch für die großzügige Finanzhilfe, die die USA Großbritannien gewährten und versicherte, daß Großbritannien entschlossen sei, mit den westeuropäischen Organisationen und den Atlantikpaktstaaten zusammenzuarbeiten. Dann berührte der König noch die Anerkennung Rot-Chinas, Vietnams, Laos’ und der Kambodscha durch Großbritannien, ohne darauf jedoch näher einzugehen. Die Thronrede des englischen Königs ist überraschend kurz ausgefallen. Sie wird von Beobachtern als die am wenigsten informatorische Thronrede bezeichnet, die seit langer, langer Zeit vor dem britischen Parlament gehalten wurde, und ist als ein Beweis für die schwierige Lage zu bewerten, in der sich die Labourregierung auf Grund der geringen Mehrheit im Unterhaus gegenwärtig befindet. Nach Beendigung der Thronrede fuhr der König mit den Mitgliedern der königlichen Familie durch das Spalier begeisterter Menschen wieder zum Buckingham-Palast zurück. Debatte im Unterhaus Die Debatte um die Thronrede des Königs wurde von Attlee und dem ehemaligen Außenminister Anthony Eden als Sprecher der Konservativen eröffnet. Beide Redner stimmten darin überein, daß das fast ausgewogene Kräfteverhältnis im Unterhaus nicht dazu führen dürfe, die außenpolitische Position Großbritanniens zu schwächen. „Die Tatsache“, sagte Attlee, „daß das Parlament aus fast gleichen Teilen besteht, bedeutet nicht, daß das außenpolitische Vorgehen Großbritanniens auch nur in geringstem Grade schwächer zu werden braucht.“ Attlee führte aus: „Wir werden auch in Zukunft die Regierungsgeschäfte Großbritanniens im gleichen Geist und nach den gleichen Grundsätzen führen, wie wir es in den vergangenen viereinhalb Jahren getan haben. Auf den Bänken der Arbeiterpartei ertönte Beifall, als Attlee «klärte, das Gesetz über die Verstaatlichung der Eisen- und Stahlindustrie werde nicht fallen gelassen. Es sei die Absicht der Regierung, es zu gegebener Zeit in Kraft treten zu lassen. Auch Eden sah „keinen Grund“ für eine Bedrohung der außenpolitischen Bedeutung Großbritanniens. „Ich bin sogar der Ansicht, daß das Gegenteil geschehen könnte und daß unsere außenpolitische Tätigkeit energischer wird.“ Eden kritisierte jedoch die Regierung wegen der mangelnden Koordinierung zwischen der Asienpolitik Großbritanniens und derjeni- f en anderer Commonwealthländer sowie der ’ereinigten Staaten und Frankreichs. Auftakt der Opposition London (ZSH). Churchill und andere Oppositionsführer stellten am Abend swel Zusatzanträge zur Thronrede. In dem einen Zusatzantrag wird bedauert, daß sich in der Thronrede kein Hinweis auf die Zukunft der Elsen - und Stahlindustrie finde, deren Verstaatlichung vorgesehen sei In dem zweiten Zusatzantrag wird bedauert, daß keine wirksameren Maßnahmen anf dem Gebiete des Wohnungsbaues in Aussicht gestellt werden. Diese Zusatzanträge bedeuten, daß es zwischen der Regierung und der Opposition wahrscheinlich zu einem seharfen Konflikt kommen wird. Die Annahme dieser Anträge durch das Unterhaus würde bedeuten, daß die Regierung zurück traten muß. — Die Abstimmung wird erst nach der Beendigung der Debatte über die Thronrede stattflnden. Schum an geht mit Auriol nach London Wird England den Saarvertrag billigen? Paris (ZSH) Der französische Außenminister Robert Scbuman begleitet Staatspräsident Auriol bei seinem Staatsbesuch in England. Schuman wird voraussichtlich bei dieser Gelegenheit mit Außenminister Bevin einige Besprechungen führen. Eine französische Zeitung meint, wahrscheinlich werde Bundeskanzler Dr. Adenauer nach dieser Unterredung davon unterrichtet, daß die britische Regierung den Saarvertrag in vollem Umfang billige. Der französische Außenminister Robert Schuman, der am Dienstag mit Staatspräsident Vincent Auriol nach London reist, teilte in einer Pressekonferenz mit, daß er während Paris (UP). Seit Montagvormittag liegt das öffentliche Verkehrswesen von Paris still. Die Arbeiter, die in den frühen Morgenstunden zu ihren Arbeitsstätten eilen, können weder Untergrundbahn noch Omnibusse benutzen, denn in beiden Verkehrszweigen wnurde ♦die Streikaufforderung hundertprozentig erfüllt. Um die wenigen Mietkraftwagen, die am frühen Morgen in den Straßen der Stadt zu sehen waren, entspannen sich verschiedentlich ernste Auseinandersetzungen. Der Verkehrsstreik bewirkte, daß schon früh am Morgen viel mehr Privatkraftwagen zu sehen waren als gewöhnlich. Der Transportarbeiterstreik von Paris ist unbefristet. Gemäß des Streikbeschlusses soll er auf unbestimmte Zeit durchgeführt werden. Der Streik des Bodenpersonals der wichtigen Flugplätze von Paris dauert ebenfalls weiter an. Flüge auf zahlreichen Femstrecken mußten bereits eingestellt werden. Von der französischen Luftfahrtgesellschaft Air France werden gegenwärtig nur die Flüge nach Nordafrika durchgeführt, während alle planmäßigen Flüge nach New York, Istambul, Buenos Aires, London und Teheran eingestellt wurden. Es hat den Anschein, als wollte die Streikwelle, die seit einiger Zeit Frankreich heimsucht, immer weiter um sich greifen. So wurde angekündigt, daß die Arbeiter der französischen Textilindustrie in den Streik treten werden. Außerdem kündigte die Gewerkschaft der Apotheker und der pharmazeutischen Industrie einen Streik an. Die Zahl der Streikenden des Baugewerbes nimmt ständig zu. Seit Freitag haben allein in Paris 13 000 Bauarbeiter die Arbeit niedergelegt. Den drohenden Streik der Arbeiter der Energieversorgungsbetriebe hofft die französische Regierung noch immer verhindern zu können. Sie hat vorsorglicherweise die Bereitstellung von Technikern der Armee und der Marine angeordnet, um im Falle der Arbeitsniederlegung in den Gas- und Elektri-' zitätswerken mit diesen Arbeitskräften die Washington (ZSH). Die deutsche Reaktion auf den Abschluß des Saarabkommens beschäftigt hohe amerikanische Regierungsvertreter. In Washington begannen Besprechungen über deutsche Probleme, an denen u. a. auch der amerikanische Hohe Kommissar John M c C I o y teilnimmt. Wie gemeldet wird, wird das amerikanische Außenministerium ein Gesamtbild des deutschen Problems innerhalb der europäischen Position entwerfen upd dabei John McCloy zu Rate ziehen. Amerikanische Regierungsbeamte geben zu, daß die gegenwärtige Situation sie sehr beunruhigt. Sie deuten an, daß Amerika versuchen wird, in der Saarkontroverse vermittelnd zu wirken, damit die europäische Einigung nicht gefährdet werde. Man vermutet, daß die drei Westmächte ihre Haltung in der Saarfrage klarstell«! werden. Großbritannien wußte Bescheid -London (UP). Ein Sprecher des britischen Außenministeriums erklärte, daß Großbritannien über die französisch-saarländischen Abmachungen vollkommen Bescheid wußte. Großbritannien sei nicht der Ansicht, daß dag Abkommen den Statu« der Saar in künf- seines Aufenthalts in Großbritannien auch mit dem britischen Außenminister Ernest Bevin Zusammentreffen werde. Schuman weigerte sich, zu sagen, worüber er mit Bevin sprechen werde, und erklärte, eine Tagesordnung sei für dieses Treffen noch nicht zusammengestellt worden. Dieses Mal bringt übrigens Vincent Auriol „großes Gepäck“ nach London. Sein Sonderzug soll u. a. etwa 600 Flaschen edelster französischer Weine, mehrere Kisten alten Cognac und andere Geschenke für die königliche Familie enthalten. Der Präsident und Madame Auriol werden dem britischen Königspaar ferner Gobelins und Prinzessin Elisabeth ein Schmucktäschchen mitbringen. Auch die anderen Mitglieder der königlichen Familie werden nicht leer ausgehen. Energieversorgung der Bevölkerung sichern zu können. Eine unter den Arbeitern dieses Industriezweiges durchgeführte Streikabstimmung zeigte, daß über 70 Prozent der Arbeiter für den Streik sind. Auf Anordnung der Regierung haben rund 3000 Lastkraftwagen der französischen Armee und privater Fuhrunternehmer damit begonnen, einen Nottransportdienst in Paris durchzuführen. Zahlräche Betriebe haben ihre eigenen Wagen losgeschickt, um die Arbeit« an ihre Arbeitsstellen zu holen. Damit sind Jie Auswirkungen des Transportarbeiterstreiki aber nicht zu überbrücken. Starke Polizeiverbände sind in Paris eingetroffen, um für die Aufrechterhaltung d« Ordnung zu sorgen. Zahlreiche Untergrundbahnstationen wurden bereits von Truppen besetzt, die in voller Ausrüstung mit Stahlhelm eingetroffen sind. Französische Nationalversammlung vertagt Bidault stellt Vertrauensfrage •Paris (UP). Die Verknüpfung der Abstimmung über das Anti-Sabotagegesetz mit der Vertrauensfrage, die von Bidault ganz überraschend durchgeführt wurde, wird als ein Schlag für die Kommunisten gewertet, di« mit aller Kraft versuchten, die Beschlußfassung über das Gesetz zu verzögern. Unmittelbar nach Einbringung der V«trauensfrage wurde die Sitzung der Nationalversammlung abgebrochen. Die Versammlung wird nicht vor einer Sekunde nach Mitternacht am Mittwoch wieder zusammentreten, da bis zur Abstimmung über die Vertrauensfrage ein ganzer Tag verstrichen sein muß. Die Kommunisten, erbost über das Scheitern ihrer Störungsversuche, erhoben sich und sangen die Marseillaise, während die anderen Abgeordneten den Saal verließen. Albert Lebrun f Paris (UP). Albert Lebrun, der letzte französische Staatspräsident vor dem zweiten Weltkrieg, ist am Montag im Alter von 79 Jahren gestorben. tigen Friedensverhandlungen pr&judiziere. Es könne auch nicht der Feststellung von offizieller deutscher Seite zustimmen, daß zwischen der Saar und Ostdeutschland eine direkte Analogie existiere. Vom juristischen Standpunkte aus gesehen, bleibe die Saar deutsch und die endgültige Regelung hänge vom Friedensvertrag ab. Über die wirtschaftliche Verbindung zwischen Frankreich und dem Saargebiet sei auf der Moskauer Konferenz von 1947 zwischen den drei Großmächten Übereinstimmung erzielt worden. Seitdem habe sich diese Einstellung nicht geändert Der Sprecher betonte weiter, daß die britische Regierung den Eintritt Deutschlands in den Europarat begrüßen würde, ab« überrascht sei, daß dieser Eintritt zu ein« Art gegenseitigen Handels gemacht werden soll. Bonn berät Saarfrage Sitzungen am Donnerstag Bona (UP). Die außenpolitischen Ausschüsse von Bundestag und Bundesrat werden am kommenden Donnerstag zusammen- treten, um die dureh den Saarvertrag geschaffene politische Lace zu untersuchen. Verliert England auch Cypern? Die Bevölkerung will zu Griechenland — Die Türkei protestiert Die kommunistische Presse Cyperns veröffentlicht laufend Artikel, in denen die Cyprio- ten aufgefordert werden, doch endlich da« imperialistische Joch Englands abzuwerfen, nachdem die im Januar durchgeführte Volksabstimmung eine eindeutige Ablehnung der britischen Herrschaft erbracht habe. Das mit der Abstimmung ist richtig, doch wenn man die Umstände dieser Wahl betrachtet, dann muß es etwas seltsam anmuten, daß ausgerechnet die Kommunisten der Insel diese Abstimmung als Mittel der Propaganda gegen England benutzen. Die im Januar durchgeführte Abstimmung war nämlich eine rein kirchliche Angelegenheit, wenn sie auch in ihrem Ergebnis al* hochpolitisch zu werten ist. Die griechisch- orthodoxe Geistlichkeit der Insel hatte di« Bevölkerung zu einer Abstimmung äufgeru- fen. Abgestimmt wurde in den Kirchen bä Kerzenschein, Orgelklang und Glockengeläut. Es lagen zwei verschiedene Wahlzettel aus.- Auf dem einen stand: „Wir fordern die Vereinigung Cyperns mit Griechenland!“' Auf dem andern: „Ich bin gegen eine Vereinigung Cyperns mit Griechenland!“ Stimmberechtigt waren alle Einwohner Cyperns, die das 18. Lebensjahr überschritten hatten. Die Abstimmung selbst dauerte über eine Woche, di« Wahlbeteiligung war sehr hoch. Das Ergebnis konnte einen Kenner der Verhältnisse auf der Insei nicht überraschen: fast einstimmig wurde der Anschluß an Griechenland gefordert. So weit ist alles klar. Weniger klar aber ist die kommunistische Haltung. Während des Bürgerkrieges ln Griechenland hat die kommunistische Presse der Insel heftig gegen Griechenland operiert. Heute schlachten die Kommunisten das Wahlergebnis propagandistisch aus und fordern den Hinauswurf d« Briten. Aber — und hier hat die kommunistische Propaganda eine schwache Stelle — sic treten nicht für einen Anschluß an Griechenland ein. W«s ab« wollen sie dann? Sie wollen ein „freies“ Cypern, das heißt: ein kommunistisches Cypern. Für die Engländer sind die Vorgänge auf Cypern peinlich. Sie sehen sich, wie schon so oft sät Kriegsende, in die Lage versetzt, irgendwo zu sein, wo man sie nicht mehr will. Rund 70 Jahre sitzen sie auf Cypern- Der türkische Sultan hatte im Jahre 1878 ein Schutzbündnis mit England abgeschlossen, für das England Cypern einhandelte, zwar nicht politisch, aber strategisch. 1914 wurde die Insel dann von England annektiert und 1925 in eine Kronkolonie (wie Hongkong) umgewandelt. Die Insel gehört geographisch zur Türkei, ethnographisch ab« zu Griechenland, da von den 450 000 Cyprioten etwa 80 Prozent Griechen sind. Und diese Griechen lieben die Engländer nicht. Sie können es London nicht vergessen, daß die Verwaltung der Insel nach den gleichen Gesichtspunkten «folgt, wie die Verwaltung britischer Negerkolonien. Der britische Gouverneur ist allmächtig, Selbstverwaltung existiert nicht. Die Cyprioten haben immer wieder die Selbstverwaltung verlangt, doch London lehnte stets nachdrücklich ab. Die starre britische Haltung in der Selbstverwaltungsfrage hat schließlich die Abneigung gegen die britische Herrschaft gezüchtet. Dabei muß jed« Cypriote zugeben, daß England sehr viel für die Insä und seine Bevölkerung getan hat. Die Engländer haben Häfen und Flugplätze gebaut, Post und Telefon eingeführt, eine Eisenbahn gebaut, das Erziehungswesen modernisiert u.a.m. Auch konnten sich die Cyprioten nkht darüber beklagen, sie hätten ein zu geringes Maß an Freiheit. Doch allein die Tatsache, daß ihre Geschicke in London bestimmt werden, bringt die Cyprioten gegen England auf. Und nachdem heute frühere Empiremitglieder frei über sich selbst bestimmen können, möchten auch die Cyprioten nicht länger ein Kolonialvolk sein. England hat natürlich recht gewichtige Gründe für die weitere Besetzung der Insel. Bekanntlich stützt sich die britische Herrschaft im Mittelmeer auf Gibraltar im westlichen, auf Malta im mittleren und auf Cypern im östlichen Mittelmeer. Seit England Palästina und Ägypten aufgeben mußte, muß Oypesn diese beiden strategischen Positionen Frankreichs Hauptstadt ohne Verkehr Weiteres Umsichgreifen des Streiks Werden USA in der Saarfrage vermitteln? Besprechungen über deutsche Probleme unter Zuziehung McCloys in Washington Dienstag, den 7. Mörz 1950 ersetzen. Der militärische Ausbau der Insel, der seit dem Jahre 1946 von Engländern und Amerikanern gemeinsam vorangetrieben wird, spricht hier eine deutliche Sprache. Auch außenpolitische Gründe können für eine Aufrechterhaltung der britischen Herrschaft auf Cypern angeführt werden. Die Türkei würde einen Anschluß Cyperas an Griechenland niemals hinnehmen. Als das Ergebnis der Abstimmung auf Cypern in der Türkei bekannt gegeben wurde, gab es sofort erregte Diskussionen in der Presse und Protestkundgebungen in allen Teilen des Landes. Da Athen keinen Bruch mit Ankara will, zeigt sich die griechische Regierung zur Zeit an dem Cy- pern-Problem zumindest nach außenhin nicht interessiert. Neben diesen Gründen hat aber England noch einen dritten Grund, der den Verbleib britischer Truppen auf Cypern ratsam erscheinen läßt. Die Kommunisten der Insel sind außerordentlich aktiv. Sie verfügen über sehr viel Geld und erhalten Waffen aus Sowjetrußland oder den sowjetischen Satellitenstaaten. Bei den Wahlen im Jahre 1946 waren sie schon so stark, daß sie in fünf von den sechs großen Städten den Bürgermeister stellen konnten. Da sie auch die Gewerkschaften beherrschen, wäre der Abzug der Engländer gleichbedeutend mit dem Ausbruch eines Bürgerkrieges auf Cypern. Die Insel würde im Kleinen das erleben, was Griechenland im Großen erlebte. Das moralische Recht der Cyprioten auf freie Bestimmung über ihr politisches Schicksal kann nicht bestritten werden, doch leider ist es eben in der Welt des Großkampfes zwischen Ost und West noch immer so, daß das moralische Recht sich den politischen und strategischen Notwendigkeiten unterzuordnen hat. Das ist bedauerlich — aber ein Tatbestand. .. Thomas Brandstetter Heftiger Protest gegen Demontage Ausschreitungen der Reichswerke-Arbeiter Braunschweig Weltarbeitslosigkeit nimmt zu Genf (UP). Nach einer Statistik der internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen hat die Arbeitslosigkeit in sechzehn von zwanzig erfaßten Ländern (darunter die USA, Kanada, Puerto Rico, Australien, Neuseeland und fünfzehn europäische Länder) innerhalb der letzten zwölf Monate zugenommen. Braunschweig (UP). 1500 Reichswerke- Arbeiter protestierten erneut gegen die Demontage und gegen die Sprengungen an der Kokerei 11. Die Arbeiter vertrieben ein Sprengkommando und entfernten die Sprengladungen an der betreffenden Kokerei. Dann zerstörten die Arbeiter am Hochofen Nummer 5 einen 60 m hohen Demontagemast und zerschlugen mit Hacken Demontagewinden. Dabei wurde das Büro einer Demontage- firma völlig demoliert. Die Akten wurden verbrannt, die Fensterscheiben eingeschlagen und die Telefone und Schreibmaschinen auf die Straße geworfen. Von diesem Hochofen zogen die demonstrierenden Arbeiter weiter zum Brasserthaus, das nach dem Erbauer der Reichswerke, dem Amerikaner Brassert, benannt ist, und in dem jetzt ausländische Demontagemissionen und die deutsche Hauptdemontagefirma „Die deutsche Bergbau- und Hüttengesellschaft“ untergebracht sind. Auf dem Wege nach dem Brasserthaus stürzten die Arbeiter zehn Automobile um, die sie für Wagen der Demontagekommission hielten, darunter das Auto der jugoslawischen Mission und einen der englischem Mission. Das Büro im Brasserthaus wurde ebenfalls demoliert, die Scheiben und das Inventar zerschlagen. Bis zum Schluß dieser Protestaktion hielten sich fünf englische Offiziere im Gebäude auf, die jedoch von der Menge nicht entdeckt wurden. Sie wurden von der deutschen Polizei mit einem Mannschaftstransportwagen unbemerkt abtransportiert. 200 Vertriebene warten am Schlagbaum Heiligenstadt (ZSH). Ein neuer Transport mit etwa 200 Vertriebenen aus Polen und unter polnischer Verwaltung stehenden Ostgebieten wartet am Schlagbaum an der sowjetisch-britischen Zonengrenze auf seine Weiterleitung in die Bundesrepublik. Nach der letzten Anweisung von General Robertson ist es fraglich, ob diesen Flüchtlingen die Einreise in das Bundesgebiet genehmigt wird. Bei dem letzten Transport war dies nocheinmal der Fall. Nun aber befürchten die alliierten Hohen Kommissare, daß hinter diesem Vorgehen der Polen und Russen sich die Absicht verbirgt, die wirtschaftlichen Verhältnisse durch weiteres Hereinpump n von Flüchtlingen in Unordnung zu bringen. Man verweist dabei auf die zwei Millionen Pressestimmen zum Saarabkommen Nicht ohne Verständnis für den deutschen Standpunkt Di« „NewYorkTimes“ nimmt in einem Leitartikel zum Saarabkommen Stellung und erklärt, daß Frankreich „die nur schamhaft verhüllte Annexion des Saarlandes auf Kosten der deutsch-französischen Verständigungsbemühungen und der europäischen Einigungsbestrebungen“ erreicht und dabei neue Präjudizierungen geschaffen habe, die nur schwer wieder aus der Welt geschafft werden könnten. — Das Blatt spricht von einer „Richelieu-Politik“ Frankreichs, die das Ziel verfolge, Deutschland in Einzelteile aufzuspalten. Wörtlich schreibt das Blatt weiter: „Die einzige Berechtigung des deutschen Protestes liegt in der Tatsache, daß jede deutsche Regierung die Pflicht hat, die deutschen Ansprüche auf die Saar geltend zu machen, solange der endgültige Status der Saar noch Gegenstand einer endgültigen Friedensregelang ist. Vor allem würde ein freiwilliger deutscher Verzicht auf die Besitzrechte des Saarlandes die von den Westmächten unterstützten deutschen Forderungen auf eine Änderung der Oder-Neiße-Linie Präjudiz i e r e n.“ Auch die Londoner „Times“ nimmt zu der deutschen Reaktion auf das Übereinkommen Stellung und schreibt, daß die deutsche Reaktion bis zu einem gewissen Grad verständlich sei und daß man auch die Schwierigkeiten Dr. Adenauers nicht übersehen dürfe. Es sei aber allen Ernstes zu fragen, ob es klug ist, die Frage der Saar direkt mit dem Problem der Europa-Union zu verbinden. Das Blatt erinnert auch an die Unterstützung des französischen Saarmemorandums vom April 1947 durch die Außenminister Marshall und Bevin bei der Außenministerkonferenz in Moskau. Die Jrish Times“ schreibt zu den Saarabkommen: „Es besteht kein Zweifel darüber, daß Frankreich versucht hat etwas zu schaffen, was als wirtschaftliche Kolonie bezeichnet werden kann. Die problematische internationale Stellung des Saarlandes gibt den Klagen von Dr. Adenauer und seinen Kollegen eine theoretische Berechtigung.“ AUS DEM WIRTSCHAFTSLEBEN Leipziger Frühjahrsmesse Eröffnung durch Professor Kästner Die Leipziger Messe wurde Sonntagvormittag im Stadttheater Leipzig, im Beisein einer hohen Regierungsdelegation aus Moskau, sowie Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl, von Prof. Hermann Kästner eröffnet. Professor Kästner sprach eine ernste Mahnung an die Verantwortlichen in Westdeutschland aus, indem er betonte: „Wir sind in der Lage, — und wir sind daran nicht durch irgendeinen Befehl gehindert, alles was wir aus Westdeutschland brauchen, von anderer Seite zu beziehen, wenn es für uns aus Westdeutschland gesperrt wird.“ Kästner eiklärte, daß Ostdeutschland nur die Waren einführen werde, die es nicht selbst produziert und auch nur soviel einführen wird, wie aus dem Export bezahlt werden kann. „Wir handeln nach diesem Prinzip, um Dollarschulden zu vermeiden“. Der Handel mit dem Osten, „von Brest bis Schanghai“, rief Kästner aus, „ist auch offen für die Wirtschaft in Westdeutschland. Der Handel mit dem Osten muß seinen Weg nehmen über die DDR und die Hauptstadt Berlin.“ lttN Messebesucher in Leipzig „Bis jetzt rund 70 000 Messebesucber in Leipzig eingetroffen“, berichtet ADN. 11000 der Besucher kommen aus Westdeutschland. 1500 Messegäste trafen aus dem Ausland ein. 7562 Aussteller haben die Messe beschickt. Insgesamt wurde eine Messestandsfläche von 131 927 Quadratmetern belegt, außerdem stehen den Ausstellern 13 000 Quadratmeter Freifläche zur Verfügung. Die Sowjetunion ist der größte ausländische Kollektivaussteller, neben Kollektivausstellungen der „Volksdemokratien“ werden mehr gls 100 ausländisch« Einzelaussteller auf der Messe vertreten sein. Insgesamt nehmen ungefähr 10 Prozent mehr Aussteller als im Vorjahre an der diesjährigen Leipziger Messe teil. Deutscher Außenhandel Tschechoslowakei wünscht erweiterten Handel mit Westdeutschland Wie ein Vertreter des tschechoslowakischen Außenhandelsministeriums einem UP-Vertre- ter gegenüber erklärte, sei die CSR daran interessiert, die Handelsbeziehungen mit Westdeutschland soweit wie möglich auszudehnen. Die Einfuhrwünsche der CSR seien groß, jedoch sei die Erweiterung der westdeutschen Importliste für Waren aus der CSR Voraussetzung für einen beiderseitigen erfolgreichen Handel. Besonders leistungsfähige Exportzweige in der Tschechoslowakei seien die Textil-, Glas- und Lederindustrie, während sich die Leichtmetallindustrie langsam zu erholen beginne. Die Tschechoslowakei sei bereit, für jeden Dollar Ware, den die Bundesrepublik aus der CSR ausführe, ebenso viel Güter aus Westdeutschland einzuführen. (UP) Keine Senkung der Steuer für' Zigaretten Mit einer baldigen Senkung der Tabaksteuer für Zigaretten kann wahrscheinlich nicht gerechnet werden. Die Hauptschwierigkelten liegen darin, daß es bei den augenblicklichen Verhältnissen nicht möglich ist, den Preis der geschmuggelten Zigaretten zu unterbieten, da- . mit bei einer Steuersenkung ein effektiver Steuerausfall eintritt, der bei der gegenwärtigen Finanzlage des Bundes nicht ausgeglichen werden kann. Informierte Kreise schätzen den jährlichen Steuerausfail durch Zigaretten- und Kaffeeschmuggel auf mindestens 600 Mill. DM. Für Schmuggelzigaretten frei deutscher Grenze wird im Augenblick ein Preis von 3 Pfg. das Stück genannt (VWD) Arbeitslos«, die die Bundesrepublik schon jetzt belasten. Dennoch hat die Bundesregierung der Hohen Kommission mitgeteilt, daß der Zustrom der Flüchtlinge ans den polnischen Gebieten nicht anfgehalten werden könne. ' Zonengrenze gesperrt Seit Montag vormittag ist die Zonengrenze bei Friedland auf Anordnung der britischen Hohen Kommission gesperrt worden. Der deutsche Grenzdienst ist durch 50 Beamte verstärkt worden. In Göttingen liegt eine Kompanie britischer Soldaten in Bereitschaft. Am Schlagbaum steht eine britische Funkstelle, die direkt mit höheren Stellen britischer Besatzungstruppen Verbindung hat. Bisher 4,5 Milliarden DM für Vertriebene ausgegeben Bonn (ZSH). Wie Bundesminister Dr. Lukas c h e k mitteilte, sind bisher für die Vertriebenen in der Bundesrepublik annähernd 4,5 Milliarden DM ausgegeben worden. Dr. Lukaschek verhandelte mit dem Sozialminister von Schleswig-Holstein über die Frage der finanziellen Unterstützung für die Vertriebenen und lobte die vorbildlichen Leistungen in Schleswig-Holstein auf dem Gebiet des Flüehtlingswesens, die er als Grundlage "ür das Flüchtlingsministerium verwenden wolle. Kein „Kulturkampf“ zu befürchten Landesbischof Lilje vor der Presse Heidelberg (UP). Der evangelische Landesbischof von Niedersachsen, Dr. D. Hang Lilje, Hannover, sprach im Internationalen Presseklub über das Thema „Ist ein Kulturkampf zu befürchten?“ Als evangelischer Bischof erklärte er, die Beziehungen der beiden großen Kirchen in Deutschland seien seit der Reformation noch nie so gut wie gegenwärtig gewesen. Territoriale Veränderungen und Gewichtsverschiebungen zuungunsten der protestantischen Kirche seien auf keinen Fall ein feindseliger Akt der katholischen Kirche, sondern Folge politischer Ereignisse. (Damit war auf die bekannten Äußerungen N i e m ö 11 e r s angespielt). Wenn auch kein Zweifei an dem Uberwiegen des katholischen Elementes in den Schichten der mittleren Verwaltung bestehe, so sei daran kein öffentliches Ärgernis zu nehmen, da diese Fragen in offenem Gespräch zu regeln seien. Die Deutsche Gemeinschaft fordert... Auflösung des württ.-badischen Landtags Stuttgart (ZSH). Die Deutsche Gemeinschaft forderte in Stuttgart die Auflösung des württemberg-badischen Landtags. In der Versammlung wurde erklärt, man könne dem Landtag kein Vertrauen mehr entgegenbringen. Die Regierung müsse zurücktreten, damit die skandalösen Zustände behoben werden Marshall-Hilfe umstritten Die Republikaner verlangen 50prozentige Senkung Washington (UP). Der Führer der Republikaner im Senat, Senator Kenneth W h e r r y, verlangte, daß die Ausgaben für. den Marshall-Plan um 50 Prozent herabgesetzt werden. Präsident T r u m a n hatte in seiner Gesetzes-Vorlage bekanntlich 2,95 Milliarden Dollar angefordert. Der Führer der Demokraten im Senat, Senator Scott Lucas, sagte dazu, eine starke Herabsetzung der angeforderten Summen würde die Europahilfe wirkungslos machen. Er sprach die Meinung aus, daß der Kongreß die Vorlage in der von Administrator Paul Hoffman vorgeschlagenen Form angenommen werde. Konferenz der Außenminister Voraussichtlich am 12. April in London Washington (ZSH). Die Konferenz der Außenminister Großbritanniens, Frankreichs und der Vereinigten Staaten beginnt voraussichtlich am 12. April in London. Zur gleichen Zeit werden in London die Außenminister der 12 Atlantikpaktstaaten Zusammentreffen. Wie aus Washington verlautet, wollen die Außenminister darüber beraten, ob es notwendig ist, daß der Marshallplan Im Jahre 1952 von einem ähnlichen Programm abgelöst wird. Lohnabkommen abgeschlossen Washington (UP). Der Präsident der Grubenarbeitergewerkschaft, John Lewis, Unterzeichnete nach langwierigen Verhandlungen mit den Vertretern der Braunkohlengruben ein neues Lohnabkommen, so daß die Grubenarbeiter die Arbeit wieder aufnehmen. Der Vertreter der Braunkohlenindustrie, Harry Moses, erklärte, der neue Lohntarif sehe eine Lohnerhöhung von 70 Cents täglich vor. Die Beitragsleistung der Grubenbesitzer für den Pensions- und Wohlfahrtsfonds werde tun 10 Cents je Tonne geförderter Braunkohle erhöht. Dadurch würden die Produktionskosten um etwa 25 Cents pro Tonne Braunkohle steigen. Daher müßten auch die Verkaufspreise erhöht werden. Der Streik in der Braunkohlenindustrie, der neun Monate gedauert hat, ist damit beendet. Regierungsbeamte in Washington sind der Ansicht, daß die Industrie zwei Monate brauchen werde, um über die Auswirkungen des Braunkohlenstreiks hinwegzukommen. Das streikende Bodenpersonal der Flugplätze von 34 Städten der USA beschloß in einer Urabstimmung, den Streik fortzusetzen. Die Angestellten fordern höhere Löhne. Um den Frieden mit Japan Gegenleistung: Anerkennung Rot-Chinas durch USA Washington (UP). In Washington akkreditierte Beamte der Sowjetunion äußerten, daß einer baldigen Aufnahme von Friedensverhandlungen über Japan kein Hindernis im Wege stehe, sobald die Frage der. A n e r k e n- nung des kommunistischen China durch die USA geregelt sei. Ein sowjetischer Beamter, der mit Fernost- Problemen sehr vertraut ist, äußerte, freilich nur in privatem Kreis, er sei davon überzeugt, daß das Anerkennungsproblem innerhalb eines Jahres gelöst sei. Demgegenüber erklärte jedoch Außenminister Dean Acheson erst dieser Tage, daß mit der Anerkennung Rotchinas durch die USA in absehbarer Zelt nicht gerechnet werden könne. Von sowjetischer Seite wird nun plötzlich die Ansicht vertreten, daß es nach Beseitigung dieser Streitfrage relativ einfach sei, zwischen den USA, der Sowjetunion, Großbritannien und den anderen Verbündeten des Pazifikkrieges zu einer Einigung in der japanischen Friedensregelung zu gelangen. Sowjetische Beamte in Tokio veranstalteten eine „Cocktail-Party“-Pressekonferenz, die als der Auftakt zur sowjetischen Bereitwüligkeii zu Verhandlungen über den japanischen Friedensvertrag gewertet wird. Nationaldünesische Luftangriffe fortgesetzt Taipeh (UP). Die nationalchinesischen Luftangriffe auf das kommunistische Festland-China wurden weitergeführt. Die Eisenbahnbrücke der Linie Kaulun-Kanton wurde erneut von Tieffliegern beschossen. Ferner überwachten die aus Formosa kommenden Flugzeuge die Grenzen der britischen Kronkolonie Hongkong, um die von einem britischen Gericht der chinesischen kommunistischen Regierung zugesprochenen Flugzeugs am Verlassen Hongkongs zu hindern. Polnischer Staat übernimmt kirchlichen Landbesitz Warschau (ZSH). In Polen soll der Staat den gesamten Landbesitz der Kirche übernehmen. Einen entsprechenden Gesetzentwurf legte der Ministerpräsident bereits dem Parlament vor. Danach sollen kleine Grundstücke von 50—100 ha den Dorfgeistlichen überlassen werden. Kirchen und Klostergebäude werden von der Verordnung auch nicht betroffen. Dagegen ist die Schaffung eines Kirchenfonds vorgesehen, der aus den Einnahmen der konfiszierten Ländereien finanziert werden soll. Der Ministerpräsident erklärte, das neue Gesetz werde eine Verständigung zwischen Staat und Kirche herbeiführen auf der Grundlage der Freiheit der Religionsausübung und vorbehaltsloser Anerkennung des kommunistischen Regimes in Polen. Vncaifadie Emigranten erbitten deutsche Hilfe. Die in Deutschland in der Emigration lebenden Ungarn richten an alle Heimkehrer aus russischer Kriegsgefangenschaft die Bitte um Mitteilung, ob und wo sie ungarische Kriegsgefangene in Rußland getroffen haben. Ebenso werden Angaben Ober gefallene oder verstorbene, zurückgehaltene oder durch Prozeß verurteilte Ungarn erbeten Mitteilungen erbittet die Emigrantenzeitung „Hungaria" in Bad Wörishofen, Postfach 2®. (UP) Rapp aus der Haft entlassen Staatsanwalt Dr. Desczyk in Urlaub D.P. Stuttgart Wie wir von der Staatsanwaltschaft erfahren, wurde der Leiter des Organisationsbüros Rapp, der am 22. Januar in München auf Veranlassung der württem- bergischen Landespolizei verhaftete Andreas Rapp, ehemals stellvertretender Befreiungsminister, wieder auf freien Fuß gesetzt, nachdem die Ermittlungen in seinem Fall abgeschlossen sind und die Anklageschrift gegen ihn fertiggestellt wurde. Die Haftentlassung erfolgte, da weder Verdunklungsgefahr noch Fluchtverdacht vorliegt Eine Veröffentlichung der Anklageschrift ist erst bei Eröffnung des Hauptverfahrens vorgesehen, wenn feststeht, in welchen Punkten Anklage erhoben wird. Es wird Rapp, wie gemeldet, zum Vorwurf gemacht, von seinem Organisationsbüro verfaßte Gutachten in seiner Eigenschaft als Befreiungsminister zum Anlaß von wesentlichen Ermäßigungen der Sühnegelder genommen zu haben. Als Gegenleistung soll er von den durch dieses Verfahren Begünstigten namhafte Privataufträge für sein Organisationsbüro erhalten haben. Außerdem soll er die Durchführung eines Kassationsverfahrens pflichtwidrig verhindert und dem Befreiungsrnini- sterium gehörigen Kraftstoff veruntreut haben. Die Untersuchungen gegen Ministerialrat S t r ö 1 e vom Staatsministerium konnten noch nicht abgeschlossen werden, da die Staatsan waltschaft die Akten vom Justizministerium noch nicht zurückerhielt Wie wir erfahren, liegen Einsprüche gegen den bisher ausgesprochenen ersten Einstellungsbescheid der Staats anwaltschaft vor. Der erste Staatsanwalt, Dr. Desczyk. hat nunmehr seinen bereits seit Monaten vorgesehenen sechswöchigen Urlaub angetreten, hält sich aber in Stuttgart auf. Dieser Urlaub — der erste, den Dr. Desczyk seit Jahren nimmt — ist wegen einer Kriegsverletzung dringend notwendig geworden und steht wie von seiten der Staatsanwaltschaft ausdrücklich betont wird, in keinem Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre May—Meier, 3ff Krieg mH Rußland imoertneiMIdi? 6eorge 1. fienttanti triftige Erfinde fite den Frieden c. 'oerall herrscht heute größte Unklarheit über die amerikanische Politik gegenüber der Sowjetunion und Rußlands wahre Haltung uns gegenüber. Man hört viel wüdes Gerede — auf beiden Seiten des Ozeans — von einem „Präventivkrieg“, der „Unvermeidbarkeit des Konflikts“ und den „kriegslüsternen Imperialisten“. ' assen Sie uns einmal einige Grundfragen steilen und beantworten, und dann wollen wir sehen, ob wir dadurch nicht zugleich eine recht klare Antwort auf all dieses Gerede vom Krieg erhalten. 1. Planen die Russen einen Krieg gegen uns? Natürlich könnten nur die Sowjetführer selbst diese Frage authentisch beantworten, Wir sollten uns jedoch die folgenden Tatsachen vor Augen halten. Zwar hat Lenin geschrieben: „Daß die Sowjetrepublik lange neben den imperialistischen Staaten bestehen kann, ist-undenkbar. Die eine oder die andere Seite muß schließ lkh den Sieg davontragen. Und bevor dies eintritt, ist eine Reihe furchtbarer Zusammenstöße zwischen der Sowjetrepublik und den Bourgeois-Staaten unvermeidlich.“ Dieser Gedanke bildet noch immer einen Teil der kommunistischen Lehre. Der heutige Stalinismus fordert jedoch keinen Krieg. Im Gegenteil, er lehrt auch, daß der Kapitalismus schließlich weitgehend aus sich selbst heraus zusammenbrechen wird, das heißt infolge der inneren „Widersprüche“, von denen er nach der Meinung der Kommunisten erfüllt ist Die Rolle des Kommunismus besteht ihrer Ansicht nach darin, den Zusammenbruch des Kapitalismus zu beschleunigen und bei der Geburt der sozialistischen Ordnung Hebammendienste zu leisten. In ihrer Theorie sind sie anscheinend geneigt, dies in erster Linie als die Aufgabe der Kommunisten der einzelnen Länder und nicht als eine Aufgabe der Roten Armee zu betrachten. Stalins Lehre enthält kein Wort darüber, daß es unbedingt die Hauptaufgabe der sowjetischen Streitkräfte sei, den Kapitalismus überall durch direkte Kriegshandlungen zu stürzen. Diese Annahme erschiene vom kommunistischen Standpunkt aus sogar unlogisch und falsch; sie würde nämlich besagen, daß der Kapitalismus im Grunde gesund und imstande sei, auf die Dauer mit seinen eigenen „Widersprüchen“ fertig zu werden, wenn solch ein Angriff nicht erfolgte. Das aber ist es gerade, was gute Marxisten nicht glauben. Soviel zur Lehre. Wie steht es nun mit der russischen Tradition? Wir dürfen diesen Faktor nicht übersehen; denn jeder, der die Russen kennt, ist überzeugt, daß Rußland den Kommunismus stärker verändert hat als der Kommunismus Rußland. Die Geschichte der Expansion Rußlands reicht weit zurück; aber es ist durchweg die Geschichte einer schlauen u. vorsichtigen Ausdehnung, einer Fähigkeit, geduldig auf die günstigste Gelegenheit zu warten, die bestehenden Grenzen ohne besonderes Risiko vorzuschieben. So offenkundige Ausnahmen wie der Krieg mit Finnland sind wahrscheinlich auf Fehlrechnungen zurückzuführen. Für die Russen steht infolge der Weite ihres Gebietes und der Art ihrer geographischen Lage das Land im Mittelpunkt ihres Denkens; so beschäftigen sie sich dauernd mit ihren Landgrenzen und den Gebieten, die unmittelbar dahinter liegen. Diese Einstellung hat sie auch meistens, infolge ihrer technischen und wirtschaftlichen Rückständigkeit, von Unternehmungen abgehalten, die sie in die Ferne geführt hätten. Der russische Imperialismus hat sich im allgemeinen mit kleinen Bissen begnügt, die der Verdauungsfähigkeit des russischen Staates sorgfältig angepaßt waren. Die Erfahrung mit den osteuropäischen Satelliten zeigt uns, daß der Sowjetimperialismus in diesem Falle mehr abgebissen hat, als er bequem zu schlucken vermag. Das darauf folgende Mißbehagen dürfte den Kreml davor warnen, gegenwärtig nach noch größeren Bissen zu schnappen. Schließlich müssen wir uns fragen, ob die Sowjetführer vom Standpunkt ihrer Innerpolitischen Interessen aus Grund haben, sich im gegenwärtigen Moment einen Weltkrieg z" wünschen. Noch keine fünf Jahre sind seit der Beendigung des einzigen großen Krieges verstrichen, in den die Swjetunion verwickelt war. Dieser Krieg hat Rußland furchtbar erschöpft und zerstört Trotz ständiger Fortschritte kann es noch mehrere Jahre dauern, bis alle Verluste an Menschen und Material völlig ausgeglichen sin'* Abgesehen von der Beseitigung der Kriegsschäden ist das Sowjetregime mit tödlichem Emst dabei, ein Programm durchzuführen, das die UdSSR zu einem starken, unabhängigen Industriestaat machen soll. Es wird gleichfalls mehrere Jahre dauern, bevor einige der grundlegenden Punkte dieses Programms erfüllt werden können. Der zweite Weltkrieg hat die Planung um beinahe zehn Jahre zurückgeworfen Noch ein solcher Krieg müßte unbedingt wieder zu einer bedenklichen Unterbrechung führen. Wenn man also Lehre, Tradition und reale Verhältnisse berücksichtigt, sieht das Bild ungefähr so aus: die russischen Führer halten unseren Untergang für unvermeidlich. Sie möchten alles tun. um ihn zu beschleunigen, möchten dabei aber nicht die Sicherheit der Welthochburg des Kommunismus, der UdSSR, ernstlich aufs Spiel setzen. Da unter den gegebenen Verhältnissen aber ein weiterer Weltkrieg offenbar solche Gefahren herbeiführen würde, ist es kaum wahrscheinlich, daß die Russen zur Zeit einen baldigen kriegerischer» Angriff auf die westliche Welt vorbereiten. GEORGE F. KENNAN, der seit dreiundzwanzig Jahren im Dienste der amerikanischen Außenpolitik steht, war als Leiter der Planungsabteilung im Außenministerium für die Planung des Kalten Krieges verantwortlich, der den Kommunismus in Europa im Zaume halten sollte, und er war einer der Schöpfer des Europäischen Wiederaufbauprogramms. Er war der Autor des mit „Mr. X.“ gezeichneten vielbeachteten Artikels „The Sources of Soviet Conduct“, der 1947 in „The Reader’s Digest“ erschien. Diese nachfolgende wohlüberlegte authentische Beurteilung der Weltlage wendet eich zwar an die Amerikaner. Da sie jedoch auch für unsere Leser von höchstem Interesse ist, veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung der Monatsschrift „Das Beste aus Reader’e Digest“ (Deutsche Ausgabe) den Artikel von George F. Kennan. der bekanntlich als Berater zu den hohen Beamten des US-Außenministeriums zählt 2. Welchen Einfluß hat die Herstellung von Atomwaffen in Rußland auf die geschilderte a Situation? Nach allem, was wir heute feststellen können, hat die Entwicklung der Atombombe durch Rußland kaum großen Einfluß auf diese Situation. Die Bombe ist kompliziert, kostspielig und schwer herzustellen. Die erforderlichen Rohstoffe sind noch immer nicht leicht zugänglich. Mit der Bombe allein kann man keinen totalen Krieg gegen einen großen Industriestaat gewinnen, wenn es nicht möglich ist, genügend Bomben abzuwerfen, die gleich im Anfang jeden militärischen Widerstand lähmen, so daß die Regierung um Frieden bitten und sich den Bedingungen des Angreifers unterwerfen muß. Die Lähmung des. Widerstandes allein würde nicht nur eine einzige wirksam abgeworfene Bombe erfordern, sondern viele Bomben. ,Und es bestehen keinerlei Anzeichen dafür, daß die Sowjetunion heute auch nur annähernd die erforderliche Anzahl an Bomben und geeigneten Flugzeugen besitzt, um diese Wirkung in den Vereinigten Staaten zu erzielen. Im Jahre 1946 sagte Stalin: „Ich glaube nicht, daß die Atombombe eine so gewaltige Kraft bedeuten würde, wie sie gewisse Politiker gern in ihr sehen möchten. Atombomben sollen Leute mit schwachen Nerven einschüch- tem, aber sie können nicht kriegsentscheidend wirken.“ Es besteht kein Grund zu der Annahme, daß die Sowjetführer ihre Ansicht inzwischen geändert haben. Auch wird ein Angreifer den Faktor der Vergeltung in Rechnung stellen müssen. Wenn der Gegner ebenfalls Bomben und Abwurfmittel besitzt, muß man nicht nur daran denken, was man ihm, sondern auch, was er einem selbst zufügen könnte. Eine einzige Bombe wird nicht genügen, einen großen In dustriestaat zu lähmen; eine einzige Bombe kann jedoch genügen, nationale Wahrzeichen, dem Herzen und der Tradition des Volkes teure und unschätzbare Heiligtümer auszulöschen, ganz abgesehen von Menschenleben, deren Bedeutung für die Nation sich nicht materiell beziffern läßt Wenn man von ei' nem schuldlosen Volk verlangt, es solle solche unprovoziert erfolgenden Schläge eines überheblichen Angreifers ertragen, so ist das etwas ganz anderes, als wenn man den Menschen zumutet Schläge zu ertragen, welche die logische und deutlich vorherzusehende Folge einer Politik darstellen, die ihre eigene Regierung ganz bewußt betrieben hat Bisher konnte ein Angreifer meistens hoffen, daß sein eigenes Land verhältnismäßig unbeschädigt aus dem Abenteuer, auf das er sich einließ, hervorgehen würde. Bei der Beschaffenheit der damaligen Waffen war es immerhin möglich, eine solche Hoffnung zu haben, falls die eigene Überlegenheit groß ■ge nug war. Wenn man heute als erster die Bombe gegen nichtmilitärische Industrieanlagen einsetzt und wenn der Gegner ebenfalls Atombomben und Bombenflugzeuge besitzt, wird diese Hoffnung erheblich geringer. Man kann den Gegner furchtbar treffen; wenn man genügend Bomben besitzt und sie abzuwerfen vermag, kann man ihm vielleicht sogar so viel Schaden zufügen, daß er eine Zeitlang nicht mehr in der Lage ist, in großem Maßstabe organisierten Widerstand zu leisten. Aber es brauchen nur zwei oder drei feindliche Bomber durchzukommen, um dem eigenen Lande einen Gegenschlag zu versetzen, bei dem den meisten Leuten alle Berichte über Siege, die in weiter Feme errungen wurden, wie Spott und Hohn klingen. Was bedeuten nun diese Überlegungen für die Pläne und die psychologische Einstellung der Männer im Kreml? 3n Rnftlanb Hob Snimffrieroecfe fiulturtenfinälec Es ist nicht schwer zu erraten, wie das Volk der Sowjetunion auf solche Vergeltungsmaßnahmen reagieren würde. Es gibt kein Land in der Welt, wo das von Menschenhand Erschaffene — die Kulturdenkmäler der Vergangenheit sowohl wie die Werke moderner Industrialisierung — dem Volke mehr bedeuten. Die Kulturdenkmäler sind gering an Zahl Es sind Sinnbilder kultureller Leistungen, der Seele des russischen Volkes unter Leiden und Qualen abgerungen. Jeder empfindet vor Ihnen tiefe Achtung und Ehrfurcht. Auch die modernen Fabriken sind unter Mühen erbaut worden. Viele lassen sich an Qualität nicht mit unseren vergleichen. Aber sie bedeuten für die meisten Russen, unabhängig von ihrer Einstellung zum kommunistischen System, die einzig mögliche Befreiung aus den Fesseln russischer Rückständigkeit. Den russischen Kommunisten selbst aber gelten sie als ihre höchste Leistung und Ruhmestat. Um ihretwillen — so gestehen einem gute Kommunisten unter vier Augen — wurden die Annehmlichkeiten des Lebens und die Freiheiten mindestens einer Generation geopfert Nun haben wir bereits erlebt, daß die industriellen Anlagen Im zweiten Weltkrieg aufs schwerste getroffen wurden. Eine weitere Zerstörung russischer Städte oder Industriebezirke in größerem Ausmaß würde unter diesen Umständen vom Standpunkt der Regierung und des Volkes eine Tragödie bedeuten. Dabei haben wir noch nicht die Menschenleben erwähnt; und nicht einmal der Kreml kann sie übersehen, denn menschliche Arbeitskraft bildet den Kern der Diktatur ebenso wie den der Demokratie. Die Vorstellung, den Männern im Kreml würde, eben weil sie hart sind, eine in Rußland durch Atomenergie hervorgerufene Zerstörung gleichgültig“ sein, geht an den russischen Realitäten vorbei. Für die Russen wäre also ein Atomwaffenangriff ein unübersehbares und gewagtes Unternehmen. Er könnte im Augenblick zwar . gewisse günstige Wirkungen erzielen, aber er würde auch beträchtliche Gefahren mit sich bringen. Es wäre der Anfang eines Krieges, den die Atomwaffe allein nicht beenden könnte. Die beiden letzten Weltkriege sind eine Lehre für jeden, der etwas beginnt, was er nicht beenden kann, und besonders für diejenigen, die Europa zu erobern versuchen, ohne geeignete Mittel gefunden zu haben, das Rüstungspotential des nordamerikanischen Kontinents für die Dauer auszuschalten. In einer Welt der Atomenergie bleibt der totale Krieg deshalb als Möglichkeit bestehen, weil der Mensch Trugschlüssen verfallen kann. Aber er ist heute vielleicht noch weniger wahrscheinlich als bisher. Denn er könnte noch selbstmörderischer verlaufen, und die Herren im Kreml sind im Gegensatz zu Hitler und den Japanern nicht zum Selbstmord geneigt S. Ist der Krieg möglich? Natürlich ist er es, und wir müssen ihn leider dauernd für möglich halten, solange die Welt so ist, wie sie heute ist Mi* Recht schrieb Alexander Hamilton einst: „Vergessen wir nicht, daß Krieg oder Frieden nicht Immer von unserer Entscheidung abhängt; mögen wir noch so gemäßigt und gar nicht ehrgeizig sein, so können wir doch nicht auf die Mäßigung anderer rechnen oder gar hoffen, die Flamme ihres Ehrgeizes zu löschen.“ Drei Hauptgründe gibt es, warum wir mit der Möglichkeit eines Krieges rechnen müssen: a) Ein Krieg kann durch einen Zwischenfall entstehen, obgleich keiner der Beteiligten ihn wirklich will. Rücksichten auf das Prestige und die natürliche Nervosität, die Überall herrscht, wo man bewaffnete Streitkräfte unterhält, können dahin führen, daß Staaten zufällig in Kriege verwickelt werden. Diese Gefahr ist vielleicht geringer als früher; die Völker kennen heute die Schrecken des Krieges nur zu gut, und sie bewahren in Momenten politischer Hochspannung ruhigere Nerven als früher. Die totalitären Staaten sind in diesen Dingen recht wenig empfindlich. Im Jahre 1938 führten die Russen und die Japaner einen richtigen Kleinkrieg miteinander und benutzten Artillerie, Flugzeuge und ganze Divisionen, erwähnten aber in ihren Regierungsblättern kaum ein Wort davon und ließen es nicht zu offiziellen Verwicklungen komme». Die demokratischen Länder sind in dieser Hinsicht zwar altmodischer, lernen es aber auch, in gefährlichen Situationen kaltes Blus zu bewahren. Wenn jedoch Streitkräfte in so enger Fühlung miteinander stehen und untef so komplizierten Umständen handeln müsset wie unsere Truppen und die der Russen i4 Deutschland und Österreich, besteht immer die Gefahr von Zwischenfällen. b) Es kann zum Krieg kommen, weil die Russen vielleicht denken, daß jemand sie angreifen wolle. Ihre Lehre sagt zwar nicht, daß sie uns angreifen müssen; sie enthält aber auch nichts darüber, daß wir sie nkht eines Tages angreifen wollen. Im Gegenteil, die offizielle Ansicht ist die, daß die meisten nichtkommunistisdlen Staatsmänner daru^h lechzen, kriegerische Angriffe auf die Sowiet- union zu entfesseln; daß sie vorläufig noch davon abgehalten werden durch die Stärke der Roten Armee und die große Sympathie und Wertschätzung, welche die UdSSR nah der Sowjetpresse bei den Volksmassen der ganzen Welt genießt; daß der Angriff aber, wenn nicht vorher die Weltrevolution oder ein vernichtender Krieg der Kapitalisten untereinander erfolgt, eines Tages kommen muß. Die Tatsache, daß diese Ansicht unsinnig ist, macht sie darum nicht weniger gefährlich. Za den größten Schwächen totalitärer Regierungen gehört es, daß sie meistens schlecht unterrichtet sind. Kein Mensch, nicht einmal der Diktator seihst, kann sicher wissen, ob er ehrlich und zuverlässig informiert wird. Wäh- -rend die Sowjetführer unseres Erachtens wissen müssen, daß wir weder für einen An- grifskrieg gerüstet sind noch dafür rüsten, haben wir durchaus keinen Grund, darauf zu vertrauen, daß die Informationen, welche die Organe der sowjetischen Geheimpolizei über unsere letzten Ziele an die hohen sowjetischen Regierungsstellen gelangen lassen, den Tatsachen entsprechen. Wir haben auch kei- keinen Anlaß, jenen höchsten Stellen bei ihrer Abgeschlossenheit von der übrigen Welt die Fähigkeit zuzutrauen, die erhaltenen Informationen richtig zu bewerten. Ohne diese These, daß die Weit da draußen feindlich, trügerisch und unheildrohend sei, könnte die sowjetische Geheimpolizei ihr* Machtstellung im Lande nicht länger halten. Sie wird ohne Rücksicht auf die wahren Verhältnisse alles tun, diese These aufrechtzuerhalten. Wir sind niemals ganz sicher davor, daß es ihr nicht eines Tages gelingt, entweder sich selber und ihre Herren von einem unmittelbar bevorstehenden kapitalistische» Angriff zu überzeugen — so daß diese sid) zum Handeln gezwungen sehen könnten, um dem Feinde zuvorzukommen —, oder daß es ihnen gelingt, ihre Herren wieder zu falschen Schlußfolgerungen zu veranlassen, wie dies» sie schon früher gelegentlich gezogen haben — mit ähnlichen Folgen wie damals. cj Diese Analyse kann genau wie jede andere Analyse der zukünftigen internationalen Politik falsch sein. Überlegungen dieser Art sind niemals unbedingt richtig; man kann nur sagen, daß einige die größere Wahrscheinlichkeit für sich haben. Der Verfasser glaubt dag von seiner eigenen; sonst hätte er sie nicht niedergeschrieben. Man sollte jedoch, ebenso wie er, bedenken, daß er sich irren kann. Damit sind alle Punkte genannt, die uns den Krieg als möglich erscheinen lassen. Weder einer allein, noch alle gemeinsam, enthalten einen triftigen Grund für die Wahrscheinlichkeit eines baldigen Krieges. 4. Wo maß unter diesen Umständen der Schwerpunkt der amerikanischen Politik gegenüber der kommunistischen Gefahr liegen? Der Schwerpunkt muß weiterhin in einer starken und zuversichtlichen Außenpolitik liegen, die energisch defaitistische Gedanken über einen zukünftigen Krieg zurückweist und, ohne ihre Zuflucht zum Kriege zu nehmen, bemüht ist, jede Möglichkeit zur Lösung internationaler Schwierigkeiten offenzuhaken und mit Nachdruck zu verfolgen — und sich dort mit ihnen abflndet, wo eine Lösung noch nicht möglich ist Polifildüe llirtecnrinferang qojäljrlitfier als Htombnmbe Die Ereignisse in den vergangenen Monaten haben viele von uns dazu gebracht, sich in erster Linie mit der Möglichkeit eines kriegerischen Angriffs auf unser Land zu befassen. Aber das ist nicht der einzige Weg, unsere Sicherheit zu bedrohen. Sollte es den russischen Kommunisten gelingen, ohne direkte Kriegshandlungen die noch nicht kommunistischen Länder Europas und Asiens allmählich unter ihren Einfluß zu bringen, so wäre unsere Sicherheit auf eine mehr versteckte (aber kaum weniger gefährliche) Art unterminiert als durch einen Atombombenangriff auf unser Staatsgebiet; denn das Gleichgewicht der Weltmächte würde sich dadurch, wenigstens vorläufig, zu unseren Ungunsten verändern. In dieser Methode politischer Expansion hat seit dem Ende des zweiten Weltkrieges das eigentliche Programm der Sowjets bestanden. Die Sowjetregierung hat während dieses Zeitraumes nicht einen Fußbreit Landes durch regelrechten kriegerischen Angriff erobert Es gibt leichtere, billigere und viel gefahrlosere Methoden der Machterweiterung als einen Angriffskrieg, und auf diese Mittel scheint der Kreml sich in erster Linie zu verlassen. Wir haben keine Veranlassung, anzunehmen, daß Rußland, weil es Im Besitz der Atomwaffe ist diese Grundlinien seiner Politik ändern wird. Wir sind also immer noch zu der Hoffnung berechtigt, daß wir durch die Fortsetzung des politisch«) Kampfes, der unter dem Schlagwort „Kalter Krieg“ bekannt wurde, die größten Schwierigkeiten unserer gegenwärtigen Lage schließlich ohne einen neuerlichen großen Ausbruch international« Feindseligkeiten überwinden können Das bedeutet, daß wir weiterhin überall den Bemühungen der i nicht umgeben. Menschen, dem Druck der Moskauer Kommunisten zu widerstehen, ein verständnisvolles und hilfreiches Interesse entgegenbringen müssen. Es bedeutet, daß wir weiterhin die Politik verfolgen müssen, unser Gewicht überall dort in die Waagschale zu werfen, wo verhältnismäßig gute Aussicht besteht, dadurch eine weitere Machtausdehnung des internationalen Kommunismus zu verhindern. Der „Kalte Krieg“ wird erst dann ganz zu unseren Gunsten entschieden sein, wenn diejenigen, deren Ziele und Beschlüsse heute di« internationale Gemeinschaft in ständiger Unruhe halten, zu d« Einsicht gelangt sind, daß ihre Bemühungen, politische Macht üb« andere Völker zu gewinnen oder aufrechtzuerhalten, ihren eigenen egoistischen Interessen schaden und daß es nicht ratsam für sie ist, diese Bemühungen fortzusetzen Sie werden nicht durch mündliche Überredung zu dieser Einsicht gebracht werden; sie müssen auf ihr« eigene Weise dahin gelangen, angesichts einer realen Situation, die herbeizuführen Teil unserer Aufgabe ist. Bis dahin wird kein noch so umfassendes schriftliches Abkommen si« zwingen, so zu handeln, als seien sie schon zu dieser Einsicht gelangt. Es ist mithin klar, daß uns nichts andere« übrigbleibt als der lange, harte Weg, auf dem w.r langsam vorrücken, um durch friedlich« Mittel «ne glücklichere, gesichertere und stabilere internationale Gesellschaft zu schaffen. Dies ist die in der Geschichte unseres Lande« bisher schwerste Aufgabe. Sie ist uns weder durch Tradition noch durch Erfahrung vertraut. Ab« sie ist uns durch die Logik der Geschichte zugefallen, und wir können si« AUS DER HEIMAT Wanöerheime Oer Jugenö mdhßpbepge Werih&m. Dorfbach Das ist der Bach. Keinem Menschen im Ort fiele es ein, zu fragen, ob er sonst noch einen Namen hat, einen Namen etwa, wie sie in den Schulbüchern zu finden sind. Er heifit „der Bach", und das genügt jedem. So fließt er mitten durch das Dorf, so nahm er schon vor Jahrhunderten seinen Weg. Es kümmerte sich auch kaum einer darum, wo er herkomrot. Er ist da, und das genügt wieder, Ihm selbst scheint das gerade recht zu sein. Denn offenbar ist ihm daran gelegen, in aller Heimlichkeit das Dorf zu betreten. Fein leise fließt er unter einer alten Steinbrücke hervor und dabei benimmt er sich so unauffällig wie möglich. Wer ihm aber nachgeht, der wird bald merken, daß er eine recht lustige, fröhliche Fahrt hinter sich hat Durch Felder und Wiesen ging sein Weg, Fettes Gras wuchs an seinem Rain und Blumen, so viele, daß man sie gar nicht alle zählen und nennen kann. Heimliche Verstecke hat er sich gegraben am Rande des Bettes, und schwarze Wurzelbärte hingen darüber herab. Mit Kies und Sand hat er gespielt, wie es ihm gerade ums Herz war Zu den Pappeln hat er hinaufgesehen, die vornehm über ihm ihre Achseln in die Höhe zogen. Dann ging er in Dorfnähe an Gärten vorbei, an Gärten mit schiefen, braunen Lattenzäunen und kleinen Trepplein, die am Rain zu ihm hinabführen, weil man im Sommer gern von seinem Wasser schöpft So ist er schließlich unter der alten Steinbrücke hindurch ins Dorf gekommen. Still und ernsthaft fließt er von ietzt an dahin. Denn er ist kein ganz gewöhnlicher Dorfbach. Ein Kleid von festen Mauersteinen hat man ihm angelegt. Dazu hat er jetzt die Pflicht, das breite Bachbett nach Möglichkeit auszufüllen. Da ist es vorbei mit dem kindlichen Geplätscher und wir verstehen den Ernst seines Wesens Kommt dazu, daß oben an der Mauer sich ein Geländer aus dik- ken Eisenstangen hinzieht, so daß es fast aussieht, als habe man ein ziemlich harmloses Tierlein in einen allzustarken Käfig gesetzt. Es ist nur gut, daß dieses Geländer und die Mauer nicht ganz durchgeführt sind, daß es Stellen gibt, wo beides fehlt. Hier kommt dann der natürliche Bachrain zum Vorschein. Hier wachsen Brennesseln und hartes Eisenkraut, hier rutscht das quarrende, gackelnde Volk der Gänse und Enten binab, um sich drunten im Wasser herumzutreiben. Da sieht man sie dann bald mit friedlichem Familiensinn behaglich unterhalten, bald in schöner Ordnung kettenweise den Bach hinab- oder hinaufziehen, indes ihr helles Gefieder schon von weitem schneeig leuchtet. Immer sind sie da, diese geselligen, unterhaltsamen Vögel, zu jeder Tages- und Jahreszeit. Der Bach aber verändert unmerklich sein Aussehen. und wechselnde Farben umspielen sein Gesicht. Im Frühjahr fährt er murrend und leise rumorend dahin. Noch steckt etwas von der Unruhe und drängenden Ungeduld der Jahreszeit ln ihm. Doch klärt sich bald sein trübes Wasser, und schon verfängt sich die Heiterkeit des jungen Frühlingshimmels in seinen Wellen, als schimmernder Streifen o 1er als gleitendes Lichterspiel. Die wintergrauen Flechten an der Mauer färben sich grünlich, und zwischen den Steinen schießen lange Grasspeere hervor. Im Sommer aber bewegt sich das Leben d^s Baches in starken Gegensätzen. Eine Folge VOR heißen, trockenen Tagen läßt Ihn kläglich »u- sammenschrumpfen. Dann sucht er in schmalefi Windungen seinen Weg durch da« breite Bett, überall erheben sich kleine Sandhügel und verschlammte Erdflächen. Auf ihnen sammelt sich in -r -in d- zierliche Volk der Schwalben, und 1 Ifüßchen drücken feine Stickmuster in den tauchten Grund. Bube« mit 'auf* Das Wiedererstehen der deutschen Jugendherbergen ist gewiß eines der erfreulichsten Kennzeichen für die Gesundung unserer Jugend. Der starke Andrang zu den wenigen Häusern, die bisher wieder für ihren Zweck geöffnet werden konnten, hat die Jugendherbergver- bände auf beiden Seiten des Rheins zu verstärkter Aktivität veranlaßt Während z. B. in den nordbadiseben Jugendherbergen 1947 nur 3619 Übernachtungen gezählt wurden und nur 3 Häuser geöffnet waren, waren es 1948 10980 Besucher und 1949 in 8 wiederhergestellten Heimen sogar 47522 Übernachtungen. In diesen Wochen wird nun überall die Jugend bei den Familien anklopfen und die schönen Bildpostkarten des Herbergswerks zum Kauf anbieten, auf denen die Häuser von Künstlerhand abgebildet sind Auf diese Weise soll der Jugendherbergsgroschen ein noch größeres Ergebnis bringen, damit weitere Herbergen errichtet werden können. Infolge des Krieges war nämlich ein großer Teil der Häuser unbenutzbar geworden. Die Einrichtungsgegenstände sind meist verloren gegangen und mußten erst wieder neu beschafft werden. Uber die volksgesundheitliche Bedeutung unserer Jugendherbergen besteht heute wohl kein Zweifel mehr. Für ihri Ferienwanderungen braucht die Jugend Stützpunkte in der Nähe der schönsten Wandergebiete unserer Heimat und bei den bedeutenden Kulturstätten. Dqr ursprünglich für ganz B i d e n gegründete Landesverband „Badische Jugendherbergen" in Karlsruhe, Klauprechtstraße 29, hat in unermüdlicher Aufbauarbeit für die Erneuerung des Jugendherbergnetzes gesorgt 1920 von dem heutigen Ehrenvorsitzeiden, Oberstudiendirek» tor Karl Brossmer, gegründet, besteht dieser Verband auch heute noch in frischer Kraft,' Es ist anzunehmen, daß sich ihm das Badisch« Jugendherbergswerk (Südbaden) in Freiburg, Turnseestraße 55, bald wieder anschließen wira, zumal die südbadisdie Gegend sehr stark aut Nordbaden, aus der Pfalz und aus dem ganzen Bundesgebiet besucht wird. Auch den Schulen dienen die Jugendherbergen für neue Erziehungsaufgaben. Während der Wintermonate waren etwa zwei Dutzend Schulklassen zu Skikursen in solchen Wanderheimen. Im Sommer werden wieder zahlreich« Volksschulklassen darin untergebracht, wobei für Minderbemittelte ein Zuschuß geleistet wird. In der Pfalz ist das Jugendherbergswerk ebenfalls wieder am Aufbau (Neustadt a. d. H., Höhenstraße 51) Wenn also unsere Jugend demnächst wieder zum Pfälzerwald und zur Hardt, zum Odenwald und Schwarzwald wandern will, dann sollen ihr noch mehr Ubernachtungsgelegenheiten als bisher geboten werden. Diese Häuser sind auch Stätten der Begegnung mit ausländischer Jugend, zu der die junge Generation endlich in ein dauerhaftes Freundschaftsverhältnis treten möchte. Für die Freunde der Jugend und der Heimat, für Elternhaus und Schule ist es deshalb eine wichtige gemeinsame Aufgabe, das Jugendherbergswerk zu unterstützen. Mögen die Bilder von einigen Wanderheimen auf dieser Seite allen unseren Lesern Anlaß geben, für diesen guten Zweck eine freiwillige Spende zu geben und durch ständige Mitgliedschaft im Jugendherbergswerk diese Bestrebungen zu fördern. J. L. Brüchen über Strom unö Grenzen Frühjahr 1945. Hinter den in wilder Hast zurückflutenden Resten der deutschen Armeen zerbrachen mit dumpfen Detonationen alle Rheinbrücken, die von Maxau bis Worms >md weiter rheinauf und rheinab den Fluß überspannten. Ihre Trümmer versanken in den Fluten des Stromes Der Rhein, einst pulsende Schlagader lebendigen Verkehrs, wurde zum trennenden Hindernis zwischen Ländern und Zonen. Es Ist notwendig, sich an diese Dinge zurück- zuerinnem, wenn man nach einem kurzen Jahrfünft rückschauend Vergleiche zieht und dis Leistungen der privaten und öffentlichen Verkehrsträger im Wiederaufbau des Verkehrs kritisch würdigt. 106 von den insgesamt 124 zerstörten Straßenbrücken sind wieder aufgebaut, 66 davon bereits in ihrer endgültigen Form als Dauerbrücken. Von den restlichen 18 befinden sich 7 im Bau und nur bei 11 meist weniger wichtigen Brücken wurde die Wiederherstellung noch nicht in Angriff genommen. Von den vier festen Rheinbrücken, die in unserem Raum im Laufe des Krieges zerstört wurden, sind drei bereits wieder hergestellt, die Brücken Maxau. Ludwigsbafen und Worms. Als erste wurde am 17 5- 1947 die Maxauer Brücke nach einer Bauzeit von genau einem Jahr wieder dem Verkehr übe. geben. Die Bauarbeiten, die selbst im Winter unter schwierigsten Witterungsbedingungen fortgeführt wurden, erforderten einen Kostenaufwand von 8,5 Millionen Reichsmark Neben der bei Ludwigsbafen am Rhein im März 1945 durch amerikanische Pioniertruppen erbauten Behelfsbrücke, die einstweilen noch erhalten bleiben soll, erstand von Mai 1947 bis Mai 1949 eine feste Straßen- und Eisenbahnbrücke. Bei ihrer Konstruktion wurde eine eingleisige Eisenbahnbrücke verwandt, die während des Krieges fÜT einen Flußübergang in Rußland erbaut worden war und auf Eisenbahngelände bei Mainz-Gustavsburg aufgefunden wurde. Bei der zerstörten Straßen- und Eisenbahnbrücke bei Speyer wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. Die Räumung deT Spreng- stelle wurde durchgeführt und die Flutöffnung wiederhergestellt Zur weiteren Fortführung der Bauarbeiten fehlen einstweilen noch die Mittel. Der Verkehr wird mit der Personenfähre der Stadt Speyer und der Autofähre bei Rheinhausen aufrecht erhalten. Auch an die Stelle der Schiffsbrücke bei Germersheim ist vorerst nur eine Fähre getreten. Im Frühsommer dieses Jahres wird sich aber bereits ein neues großes Projekt verwirklichen: Die Autobahnbrücke bei Frankenthal. Während mit der Vollendung der Brücke selbst schon in den nächsten Wochen zu rechnen ist, wird der Anschluß an die Reichsautobahn München-Frankfurt im Sommer hergestellt sein. Damit wird die Pfalz den Anschluß an die großen internationalen Verkehrslinien erhalten, die im Zuge der Reichsautobahnen in der Nord-Süd-Richtung von Skandinavien zur Schweiz und in der Öst- West-Richtung über Paris-Saarbücken-Franken- thal nach Frankfurt a. M. und weiter zur Ostgrenze führen. Allerdings fordert der Ausbau der Reichsautobahn zwischen Kaiser s 1 a u te r n u n d der Reichsgrenz« und die Wiederherstellung dreier völlig zerstörter Brücken an dieser Bahn noch umfangreich« Mittel, deren Beschaffung erhebliche Schwie rigkeiten bereitet. Aber die Einbeziehung da» Straßenzuges in das ^internationale Straßennetz deutet darauf hin, daß in absehbarer Zeit mit einer Verwirklichung der geplanten Arbeiten zu rechnen ist Im engen Zusammenhang mit der Planung der Autobahrt steht auch der vorgesehene Ausbau der Straß« Kaiserslautern—Trier, der eine erhebliche Verkürzung und Verbesserung dieser wichtiges Verbindung mit sich bringen wird In aller Stille und in stetigem Zusammenwirken aller Verkehrsträger wurde inzwischen das pfälzische Verkehrsnetz wieder in einer Weis6 ausgebaut, die nahezu allen Wünschen gerecht wird Auch die Grenzen zum Ausland haben sich dem deutschen Verkehrsmittel wieder geöffnet Internationale Führer- und Zulassungsscheine stehen wieder zur Verfügung und die deutschen Automobilklubs sind wieder als Zollbürgen gegenüber dem Ausland anerkannt worden, so daß dem Auslandsfahrer wieder Triptyks und Passierscheinbefte den Grenzübergang erleichtern Die Zahl der ausländischen Besucher der Pfalz wächst ständig und schon haben pfälzische Unternehmer die ersten Reisen ins Ausland organisiert und durchgeführt. Wenn auch die Knappheit an Devisen solchem Austau.* ch noch enge Grenzen setzt, so liegt doch darin ein erfreulicher Beginn zur Fortsetzung der freundnachbarlichen Beziehungen, die seit jeher die Pfalz mi. anderen Ländern und die Pfälzer drinnen und draußen verbanden. (Aus einem Beitrag des Verkehrsdezernenten der Pfalz, H. Labontö, ln der Verkehrs- und Helmatzeitschrift „Die Pfalz am Rhein“i Verlag D. Meininger, Neustadt a. d. H.) krempelten Hosen waten den Bach hinauf. Ische wollen sie fangen, oder besser gesagt: Fischlein, kleine harmlos« Flossenträger, di« sich hinter Steinen oder unter der Brücke ver- fteckt halten, oder weiter unten, dort, wo der Bach gestaut Ist. Hier wagen sich die Buben ^cht recht hinein, denn der Gumpen ist ziem- . tief. Dafür treibt am Abend dm Bauer seine aa dieser Stelle in den Bach. Hochauf st das Wasser, wenn ste mit ihren schweren Hufen hineinlahren, und langsam tropft es von ihren runden Pferdebäuchen herab. Andern Tags fährt ein Gewitter ins Land, und ein wilder Regen pressel* nieder. Da schwillt der Bach plötzlich an Verschwunden sind die kleinen Erdhüge’. und von den Sandbänken ist nichts mehr zu seben. Nur eine einfarbige gelbe Wassermasse zieht tn starker Strömung dahin. Leute stehen am Bachrand und schauen halb ängstlich, halb verwundert hinab. Jetzt wissen sie. warum man die starken Mauern gebaut hat und das E'sengeländer auf den schweren Steinpfosten Aber das Wasser verläuft sich wieder und nach einigen Tagen schießt die Sonne von neuem ihre Lichtpfeile in den reinen Spiegel des Baches. Der Herbst rückt heran die Tage werden kürzer. Morgens und abends spinnen Dunstschleier den Bach ln heimliche Träume. Müde Blätter taumeln von den Bäumen. Der Bach trägt sie schaukelnd auf seinen Wellen dahin. S er Winter fällt ins Land mit Kälte und rauhem fetter. Das Wasser dampft, wie wenn es hochte. Um Weihnachten fällt 8chnee. Alles i*t weiß, nur er liegt sebwan und träg in sei nein Dte Zeichnungen von E. Feuerstein wurden uns vom Badischen Jugendherbergswerk in Karlsruhe, Klauprechtstraße 20, zur Verfügung gestellt. ■ Jli- Bett, und mit kühlem Mund wischt er die Flok- ken aus, die zu ihm hinabtanzen. Die Enten und Gänse aber sind ihm treu geblieben. Trotz der Kälte tummeln sie sich lustig da unten herum. Die Menschen aber, die es sehen, frieren noch stärker und streben rascher der warmen Stuba su. O. Köhler Am Weg Bald ist die Natur wieder so weit, daß sie die wanderfrohen Menschen empfangen kann. Schon haben sich die ersten Schneeglöckchen aus der schützenden Eide hervorgewagt bt den Bäumen und Sträuchern steigen die Säfte hoch, um Blätter und Blüten vorzubereiten. Wie wir uns über diese Wiedergeburt der Natur freuen, so wollen wir an unserm Weg auch auf alle Kulturdenkmäler achten Trotz Zerstörung bergen noch viele Orte unserer Heimat die kostbarsten künstlerischen und handwerklichen Leistungen. Schlösser und Kircnen erzählen von der Heimatgeschichte, Bürger- und Bauernhäuser zeigen den Fleiß früherer Generationen. Den besten Einbhck ln die kulturellen Kräfte einer Landschaft geben uns die Heimatmuseen, denn sie zeigen, was im Wechsel der Völker und Zeiten auf heimatlicher Erde hervorgebracht wurde. Auch diese Kulturstätten sollten wir auf unseren Wanderwegen aulsuchen. \3ugeniherb