BROCHSALER POST HEIMATBLATT FÜR KRAICHGAU UND BRÜH RAIN Jahrgang S Mittwoch, den 29. März 1950 Einzelpreis 15 Pfennig Bau von 1,8 Millionen Wohnungen Beschluß de» Bundestages — Zweites Wohnungsbaugesetz in Vorbereitung — Debatte um Soforthilfe und Lastenausgleich Bonn (UP). Mit fiberwältigender Mehrheit verabschiedete der Bundestag am Dienstag nach eingehender Debatte das 1. Wohnungsbaugesetz, das den Bau von 1,8 Millionen Wohnungen in einem Zeitraum von sechs Jahren vorsieht. Der einmütige Wunsch der großen Mehrheit des Bundestages, allen Wohnungssuchenden bald zu helfen, kam in der mehrstündigen Debatte immer wieder zum Ausdruck. Bereits in den Beratungen des zuständigen Fachausschusses war zwischen Opposition und Regierung weitgehende Übereinstimmung erzielt worden. Ein sozialdemokratischer Gesetzentwurf zum Wohnungsbau konnte mit der Regierungsvorlage verschmolzen werden. Das Gesetz fand auch schon die Zustimmung des Wiederaufbauausschusses des Bundesrates. Der soziale Wohnungsbau steht nach dem Gesetz im Rahmen des Wohnungsbauprogramms an erster Stelle. In der Debatte wurde wiederholt betont, daß die jetzige Form des Gesetzes noch viel zu wünschen übrig lasse. Die 1,8 Millionen Wohnungen, die jetzt im Verlauf von sechs Jahren erstellt werden sollen, könnten nur einen Teil des dringenden Bedarfs decken. Dem ersten Wohnungsbaugesetz soll jedoch ein weiteres folgen, so daß sich auch der Kreis derer, die bei dem sozialen Wohnungsbau berücksichtigt werden, vergrößert wird. Zunächst soll vor allem Flüchtlingen und Fliegergeschädigten zu einer Wohnung verholfen- werden. Der Bundestag beschäftigte sich ferner mit der Seiorthi 1 fe und dem Lastenaus- g 1 efeh. Bunde sfln a nz minister Dr Schiffer erklärte, der Lastenausgleich werde in diesem Jahre endgültig geregelt. Bisher seien für die Soforthilfe rund 1,051 Milliarden DM ausgegeben worden. Noch im April will der Finanzminister dem Parlament den Regierungsentwurf eines Lastenausgleichsgesetzes vorlegen. Zu den Ausführungen Minister Schiffers sagte der SPD-Abgeordnete Seuffert, daß seine Fraktion durch die Antwort des Ministers auf die SPD-Interpeilation über den Lastenausgleich „einigermaßen befriedigt“ sei. Die SPD fordere aber, daß der Lastenausgleich so schnell wie möglich fühlbar werde. Man sollte nicht den Maßstab verlieren, warnte Seuffert, als er sich auf die Äußerung des CDU-Abgeordneten M e n s i n g bezog, der die Soforthilfe ln ihrer jetzigen Form als „unannehmbar“ bezelchnete und gewarnt hatte, daß die davon Betroffenen in eine „furchtbare“ Lage gebracht würden. Für die FDP erklärte Professor Noeil von der Nahm er, die volle Unterstützung könne der Regierung gewiß sein, wenn diese sich mit dem Problem des Lastenausgleichs vordringlich befasse. „ Das Plenum des Bundestages überwies einen Antrag des Zentrums der Regierung als Material zu diesem Thema und leitete einen CDU-Antrag über die Durchführung des Lastenausgleichs in der Landwirtschaft dem »ständigen Ausschuß zu. Wildermuth zum Bauprogramm Bundeuninister Wildermuth gewährte einem UP-Korrespondenten eine Unterredung über die möglichen Entwicklungen auf dem Baumarkt. Frage: Wie denken Sie, Herr Minister, sich die Belebung des privaten Wohnungsin arktes und durch welche Maßnahmen läßt sic?: eine solche Belebung erzielen? Antwort: Das Wohnungsbaugesetz der Bundesregierung hat für diejenigen, die ohne Zuschüsse irgendwelcher Art Wohnbauten errichten wollen, genügend Freiheit geschaffen, um ihre Absicht verwirklichen zu können. Zugleich unterstützt das Einkommensteuergesetz solche Wohnbauvorhaben. Der größte Hinderungsgrund für den zuschußfreien Wohnungsbau ist bisher immer die Sorge des Bauherrn gewesen, durch städtische oder sonstige Behörden an der freien Verfügung über den erstellten Wohnraum gehindert zu werden. Das ist beseitigt. Wir dürfen auch nicht vergessen, daß jetzt mit einem Sinken der Baukosten gerechnet werden kann, wodurch weitere Baulustige zum Bauen kommen werden. Frage: Die von der Regierung vorgesehene Aufhebung der Zwangswirtschaft im privaten Neubau ward zwar eine Belebung der Bautätigkeit im Gefolge haben. Diese scheint aber in den Ländern nicht mit besonderer Freude betrachtet zu werden. Bestehen irgendwelche - auf Grund deren die Länder die von Bonn angeregte Aufhebung der Zwangswirtschaft für Neubauten überhaupt durchführen? Antwort: Laut Grundgesetz bricht Bundesrecht Landesrecht. Die Länder müssen nach dem beschlossenen Wohnungsbaugesetz handeln, ebenso die Städte und alle anderen Verwaltungsbehörden, wenn sich trotzdem Widerstände zeigen, dann bleibt jetzt der Weg zum Verwaltungsgericht offen, das im Sinne des Wohnungsbaugesetzes entscheiden wird. Frage: Ohne Baukostenzuschüsse ist in vielen Fällen einfach keine Wohnung zu haben. Ebenso können gegen die reine Höchstmiete, die Kostenmiete, Mietverträge nicht London (UP). Der Führer der britischen Opposition, Churchill, eröffnete am Dienstag die außenpolitische Debatte im Unterhaus mit der Feststellung, daß er keinen Grand sehe, warum deutsche Soldaten nicht als Teil eines gemeinsamen Verteidigungssystems „In Kameradschaft neben britischen, französischen und amerikanischen Trappen stehen“ sollten. „Eis kann“, fuhr Churchill fort, „auf kein geeinigtes Europa ohne die Beteiligung Deutschlands gehofft werden, und es besteht auch keine Hoffnung für Deutschland, es sei denn, es ist Teil eines freien und geeinten Europa. Frankreich und Großbritannien — beide in äußerster Bedrängnis — könnten sich Zusammenschlüßen und so vereinigt genügend starke Kräfte besitzen, um das noch stärker in Mitleidenschaft gezogene Deutschland in einen gleichberechtigten Status zu erheben und eine dauernde Gemeinschaft mit ihm zu begründen. So zusammengeschiossen könnten diese drei Länder, sich gegenseitig unterstützend, alte Fehden, furchtbare Handlungen und Tragödien der Vergangenheit vergessend, sich zum Kern herausbilden, um den sich alle anderen zivilisierten Demokratien Europas, ob nun gefesselt oder frei, versammeln und vereinigen können.“ Als erste Voraussetzung für ein vereintes Europa forderte Churchill eine deutsch-französische Verständigung. Der kürzliche Vorschlag Dr. Adenauers, eine deutsch-französische Union zu schaffen, komme, so sagte er, den „Dingen durchaus nahe“. Er begrüßte in diesem Zusammenhang auch die versöhnliche Haltung, mit der der französische General Charles de Gaulle diesen Vorschlag entgegennahm. Mit einer versteckten Anspielung auf die Bedingungen, die Westdeutschland als Voraussetzung für eine Mitgliedschaft in dem Europa-Rat stellte, bemerkte der OppositionsDJ. Stuttgart. Das Justizministerium gibt nunmehr endlich den Termin in Sachen Mag-Mejrer bekannt: Am 26. April wird der Prozeß vor der 4. Strafkammer des Landgerichts beginnen. Die Anklage wurde, wie gemeldet, gegen May wegen schwerer passiver Bestechung in Tateinheit mit Rechtsbeugung in zwei Fällen, gegen Meyer wegen aktiver Bestechung, Anstiftung zur. Rechtsbeugung in sieben Fällen und Abgabe falscher eidesstattlicher Versicherungen erhoben. Das Justizministerium leitet sein Kommunique mit der Formulierung ein, es handle sich „um «ine Reihe von Strafsachen, die in der Presse als Entnaziflzierungsskandal bezeichnet zu werden pflegen“ Es folgt eine eingehende Begründung, worin eigentlich dis Schwierigkeiten bei der Besetzung eines zuständigen Gerichtes bestanden haben, die aber „nicht zu einer Verzögerung der Verhandlung geführt hätten“: 1. Seien der ordentliche Vorsitzende der zuständigen Strafkammer und sein Vertreter zur Zeit krank. 2. Politisch unbelastete Mitglieder der Kammer seien früher selbst bei Spruchkammern tätig gewesen und hätten erklärt, sie würden sich selber für befangen halten gegenüber Leuten, mit denen sie dienstlich zusammen- gearbeitet hätten. abgeschlossen werden. Was ist dagegen zu unternehmen? Antwort: Auch hier ordnet das Gesetz die Verhältnisse. Die Verwendung von Bundesmitteln zwingt zur Einhaltung des Gesetzes, das auch die Kostenmiete garantiert. Natürlich wird in Zukunft ebenfalls zum Teil mit privaten Baukostenzuschüssen gebaut werden. Aber auch dann bestehen bei der Verwendung von Bundesgeldem zwingende Vorschriften, die den Verlust der gezahlten Zuschüsse verhindern. Auf dem freien Wohnungsmarkt jedoch kommt es auf die Abmachungen an, die Bauherr und Mieter miteinander treffen. führen „Es wäre außerordentlich bedauerlich, wenn Zweifel oder weitere Verzögerungen durch Zaudern, Feilschen oder durch Bedingungen-Stellen erzeugt würden.“ „Ich glaube nicht", sagte Churchill weiter, „daß ein neuer Krieg droht oder unvermeidlich ist.,, Er erinnerte in diesem Zusammenhang an seine Forderungen, die er während der Wahlpropaganda aufgestellt hatte, als er von der Aufnahme neuer Verhandlungen mit der Sowjetunion sprach und wies die Feststellung der Labour-Kreise, daß sein Vorschlag weiter nichts als ein Propagandatrick sei, energisch zurück. „Zeit und Geduld“, fuhr Churchill fort, „stehen nicht unbedingt auf unserer Seite. Auf alle Fälle dürfen wir die Möglichkeit zu, Verhandlungen nicht einfach untätig verstreichen lassen.“ In der sich anschließenden Debatte be-' dauerte der Staatssekretär im britischen- Außenministerium, Kenneth Younger, daß es nicht gelungen sei, einen Friedensvertrag für Österreich abzuschließen. „Wir wollen aber unsere Arbeit für die Unabhängigkeit Österreichs entsprechend der Moskauer Erklärung fortsetzen“. Ministerpräsident A 111 e e betonte, Großbritannien sei fest entschlossen, M a 1 a y a mit allen Mitteln vor den kommunistischen Aufständischen zu schützen. Bonn gegen Wiederaufrüstung Die Bundesregierung ist nach wie vor der Meinung, daß die von Churchill vorgeschlagene Remilitarisierung Deutschlands abzu- “ lehnen sei, erklärte ein Regierungssprecher. Er wies damit die neuerlichen Anregungen des britischen Kriegspremiers zurück. Der Bundestag hat am 16. Dezember einmütig gegen eine Wiederaufrüstung Stellung genommen. Ein anderer Beschluß des Bundestages ist bisher noch nicht erfolgt. 3. Von der Verteidigung seien andererseits- .ßolche Richter abgelehnt worden, die im Sinne des Befreiungsgesetzes formal belastet waren. „Diese Umstände“, so heißt es weiter, .konnten der Öffentlichkeit bisher nicht bekannt sein. Das Justizministerium bedauert, daß diese Unkenntnis zu falschen Ausdeutungen geführt hat“ In dem Pressekommumque wird ferner erklärt daß die Hauptverhandlung in Sachen des Wirtschaftsprüfers Andreas Rapp nicht vor Mitte Mai stattflnden könne. Die Beschwerde des Rechtsanwalts Schwamberger gegen den Einstellungsbeschluß der Staatsanwaltschaft in dem Ermittlungsverfahren gegen Ministerialrat S t r ö 1» wegen angeblicher Nötigung und Rechtsbeugung zum Nachteil Dr. Schachts sei vom Generalstaatsanwalt als unbegründet zurückgewiesen worden. * Wenn das Justizministerium bedauert, daß Unkenntnis der Öffentlichkeit über ihm sehr wohl bekannte Tatsachen zu falschen Schlußfolgerungen geführt habe, so bedauert es eigentlich damit sich selber, denn es lag ja an ihm, der Öffentlichkeit rechtzeitig reinen Wein einzuschenken. Aber man umgab die ganze peinliche Angelegenheit mit einem Schleier des Geheimnisses. Ministerpräsident Maier erklärte vor Monaten in einer Pressekonferenz, wenn die öffentlich*»** wisse was er wisse, der die Zügel Fortsetzung auf Seite 3 Beginnt ein großes Spiel? Von Dr. Walter Brand Sowohl in der amerikanischen wie in der sowjetischen Politik bahnen sich z. Z. Entwicklungen an, die von größter Tragweite für die Geschicke der ganzen Welt werden können — wenn das gegenwärtige Spiel ernst gemeint ist und nicht nur als politische Spiegelfechterei gewertet werden darf. Die Anzeichen dafür, daß den verschiedenen Erklärungen auf beiden Seiten mehr Gewicht beizulegen ist, als den üblichen Propangandakanonaden, häufen sich in den letzten Wochen aber so auffällig, daß man sie zweifellos nicht mehr mit einer bloßen Handbewegung abtun kann. Um so mehr muß es aber verwundern, daß man in Deutschland diesen Ereignissen bisher nur sehr wenig Beachtung schenkte- Wem das zuviel gesagt erscheint, dem sei das Studium eines Artikels von Walter Lipp- man in der „New York Herald Tribürs“ angelegentlich empfohlen, der die Überschrift trägt: „Die kommende Auseinander, etzung“. Als Lippman vor Monaten und WoAen die Idee einer „Neutralisierung Deutschlands“ vortrug, glaubte man vielfach, er spreche nur für seine Person. Die bisherige Entwicklung deutet jedoch darauf hin, daß er, wie schon so oft, das Sprachrohr einer ganzen politischen Richtung in den USA ist. Auf jeden Fall haben seine Darlegungen in den letzten Wochen sehr an Aktualität gewonnen. Der Kern dieser „Neutralitätsthese“ ist di« Feststellung, daß das kapitalistische und da» ■‘kommunistische System nebeneinander bestehen könnten. Vor einem Monat etwa erschien in „The New York Times“ eine aufsehenerregende Meldung des amerikanische* Journalisten Salisbury, die diese Ansicht weiter führte. In derselben Woche — erst ein« spätere Zeit wird feststellen können, ob e» ein merkwürdiger Zufall oder eine aufeinander abgestimmte Aktion gewesen ist — trugen Eden und Churchill den gleichen Gedanken während des englischen Wahlkampfs vor. Vor kurzem folgten nun die russischen Wahlen, die entgegen der bisherigen Praxi» keine Kundgebung Stalins brachten, dafür aber Ausführungen prominenter sowjetischer Staatsmänner, darunter auch Molotowi, zu dem gleichen Thema. Angesicht» dieser Tatsachen stellt Lippman fest, daß die „atlantischen Staaten“ nun nicht mehr ausweichen könnten, sondern feststellen müßten, w a s hinter all diesem rednerischen Feuerwerk an konkreten Tatsachen verborgen sei. Sie seien, so fährt er fort, auch bereits dabei, solche Untersuchungen anzustellen. Dazu aber bedürfe es keiner dramatischen Begegnung zwischen Truman und Stalin oder einer neuerlichen Tagung des Außenministerrates, es handle sich vielmehr um eine jener langwierigen und zähen Arbeiten, die der üblichen Diplomatie obliegen. Mit betonter Eindeutigkeit legt der amerikanische Journalist aber auch den Finger auf jenen Punkt, de»' schlechthin die Entscheidung in sich trägt: auf die Frage der Grenzen der beiderseitigen Machtbereiche. Bleibe es dabei, daß sieh beide Kcv losse in ganz Europa, insbesondere aber in Deutschland und Österreich, mit ihrer militärischen politischen und wirtschaftlichen Macht auf Armeslänge gegenüberstehen, dann sei ein Zusammenstoß letzten Endes unvermeidlich. Solange es zwei deutsche Staaten gebe, könne kein Friede in Europa und der Welt bestehen. Irgendwann müsse dieser Zustand einmal zum Bürgerkrieg führen, der unweigerlich einen neuen Weltkrieg nach sich ziehe. Also, so argumentiert Lippman weiter, muß eine .Jufferzone“ geschaffen werden, welche — mit einem neutralisierten Deutschland als Kernstück — Österreich, die Schweiz, Italien, die skandinavischen Länder, Jugoslawien und Griechenland ufnfassen sollte. Lippman erweitert also seinen ursprünglichen Gedanken von der Neutralisierung Deutschlands zur Neutralisierung eines „Puffergürtels“. Nun — wir gehen noch weiter und meinen, daß eine solche „Neutralisierungspolitik“ nur dann wirklich Sinn habe, wenn sie ganz Westeuropa umfaßt: wobei diese Neutralität selbstverständlich von beiden Seiten, sowohl von den USA wie auch von der Sowjetunion garantiert sein müßte. „Nur dann, wenn beide Mächte nicht in unmittelbarer Berührung miteinander stehen, und sich nicht dauernd bemühen, in den Besitz Churchill: Kein Europa ohne Deutschland Der britische Premier schlägt Beteiligung deutscher Truppen am europäischen Verteidigungssystem vor — Frankreich, Großbritannien und Deutschland sollen sich zu dauernder Gemeinschaft zusammenschließen Prozeß May-Meyvr am 26 . April Soll der Entnazifish-rungsskandal doch „unter den Teppieh geschoben“ werden ? Mittwoch, den 29. März IBM der umstrittenen europäischen Gebiete zu gelangen, besteht Hoffnung, daß beide Systeme friedlich nebeneinander bestehen könnten. Wenn sich zwischen ihnen weite Gebiete und starke Völker befinden, die ein Lebensinteresse daran haben, nicht besetzt und von einer der militärischen Koalitionen aufgesogen zu werden, dann wird die Aussicht auf ein friedliches Nebeneinanderbestehen gegeben sein. Das aber ist das einzige Ziel einer Politik, die in Übereinstimmung mit den Lebensinteressen des deutschen Volkes und der anderen Völker steht, die sich jetzt verteidigungslos und von den beiden militärischen Systemen bedroht sehen.“ Soweit Lippman. Er glaubt — und dürfte vielleicht auch Gründe für diesen Glauben haben —, daß dies ein Vorschlag wäre, der auch von Stalin angenommen werden könnte. Gehe er nicht darauf ein, so werde diese Konzeption doch die Unterstützung der europäischen Völker finden, „weil dies die Zukunft ist, die sie selbst wünschen“. Vor allem aber wäre damit der Beweis erbracht, daß die USA wirklich keine imperialistische Politik betreiben, sondern sich tatsächlich zum Vorkämpfer für Frieden und nationale Freiheit machen wollen. Prozeß May-Meyer am 26. April Fortsetzung von Seite 1 to der Hand halte, dann erst würde sie beurteilen können, was an dem ganzen Skandal überhaupt dran sei Ähnlich unklar hat er sich auf dem Presseforum vor der Christlichen Presseakademie in Bad Boll ausgedrückt. Aber gesagt, w a s er eigentlich weiß, hat er nicht. Auf der gleichen Linie Hegt obige Bemerkung des Jusitzministeriums. Man kann sich des Gefühls nicht erwehren, daß der amerikanische Hohe Kommissar M c - Cloy wohl doch nicht so ganz Unrecht hat mit seinem Eindruck, als solle die ganze Angelegenheit möglichst unbemerkt „unter den Teppich geschoben“ werden. Für die Öffentlichkeit aber bleiben zunächst noch viele Fragen offen, so, was mit Herrn Minister a.D. Kamrri los ist, wie sich die Regierung zu dem Bericht des Landesrechnungshofes zu der Verschleuderung von Steuermitteln .bei dem Vertrag mit Rapp stellt und nach welchen Gesichtspunkten nun- eigentlich wirklich die Gnadenpraxis des Regierungsoberhauptes gehandhabt wurde, — um nur einige der Fra- gen zu nennen. Vertrauliche Besprechungen Adenauers Der Bundeskanzler bei Robertson und Francois-Poncet — Bundeskabinett billigt Europa-Rat — Vorschläge des Bandeskanzlers Bonn (UP). Bundeskanzler Dr. Adenauer wurde am Dienstag sowohl von dem britischen Hohen Kommissar Robertson als auch von dem französischen Hohen Kommissar Francois-Poncet zu einer vertraulichen Besprechung gebeten. Inoffizielle Berichte wollen wissen, daß neben der Salzgitter-Demontage der Eintritt Deutschlands in den Europa-Rat das Hauptthema der Besprechungen gewesen sei. Die Bundesregierung billigte am Dienstag die Vorschläge Dr. Adenauers über den Beitritt der Bundesrepublik zum Europa-Rat. Die Zustimmung des Ministerrats zum Wunsch ' des Bundeskanzlers, einen deutschen Beobachter in dieses Gremium zu entsenden, wäre „sehr begrüßenswert“, erklärte ein Regierungssprecher. Eine endgültige Antwort auf die drei Wünsche, die den Hohen Kommissaren schriftlich übermittelt wurden, steht noch aus. Allerdings sei, so sagte der Sprecher, die Meinung der Hohen Kommissare zu zwei Vorschlägen bereits bekannt. Das Kabinett hat sich noch nicht entschieden, welche Schritte die Bundesregierung unternimmt, falls der Ministerrat den Vorschlag des Kanzlers über einen deutschen Beobachter ablehnt. Nach weiteren Angaben des Sprechers sind die Indiskretionen, die zu einer vorzeitigen Veröffentlichung der Adenauer- schen Vorschläge führten, in Paris «folgt. Die Bundesregierung stimmte ferner einem Ergänzungshaushalt zum Obergangshaushalt 1949 in Höhe von 1,7 Millionen DM zu. In diesem Posten sind Ausgaben enthalten, die eine Erhöhung der vorgesehenen Mittel notwendig machen. Eine Bundesverwaltung für Besatzungskosten soll in den nächsten Monaten eingerichtet werden, von der die Zahlung der rund 4,5 Milliarden DM Besatzungskosten zentral geregelt wird. Das Kabinett hat als Ubergangslösung beschlossen, daß der Bundesfinanzminister bis zum Arbeitsbeginn einer solchen Stelle Weisungsbefugnis an die zuständigen Länderbehörden erhält. Die Leistung von Besatzungskosten wird bekanntlich am 1. April an den Bund übertragen. Illegale sollen sich melden Das Bundesjustizministerium richtet an alle illegal im Bundesgebiet lebenden Deutschen die Aufforderung, sich den Behörden zu stellen und wieder ihren richtigen Namen anzunehmen. Das Justizministerium verweist darauf, daß die Amnestie für diese Personen mit dem 31. März abläuft. Es betont, daß für die Namensänderung keine Strafen vorgesehen seien und fügte hinzu, daß auch die alUierte Hohe Kommission keine Strafen in Aussicht genommen zu haben scheine. Ehemalige Nazis hätten sich lediglich dem normalen Entnazifizierungsverfahren zu unterziehen. Nur kriminelle Delikte würden entsprechend den Strafbestimmungen geahndet. Moskau verhandlungsbereit? Londoner Kreise deuten Möglichkeit einer Viermächtekonferenz zur Beendigung des „kalten Krieges" London (UP). Die Sowjetunion habe, wie ans hiesigen diplomatischen Kreisen verlautete, ihre Bereitschaft angedentet, an einer neuen Viermächtekonferenz teilznnehmen, die sich mit der Beendigung des „kalten Krieges“ zwischen Ost und West befassen soll. Von der erwähnten Seite verlautete, die SojetUnion habe zwar keine formelle Anregung hierzu gegeben, es sei jedoch zu verstehen gegeben worden, daß der Kreml möglicherweise zur Teilnahme an einer solchen Konferenz bereit sei. Einer der Gewährsleute äußerte,, diese Bereitschaft der UdSSR sei vom stellvertretenden Ministerpräsidenten der Entspannung in Indien? Pakistans Ministerpräsident,zur Aussprache mit Pandit Nehru erwartet Karachi (UP). AU Khan, der Ministerpräsident von Pakistan, gab vor dem Parlament bekannt, daß er sich nach Neu Delhi begeben werde, tun ln direkter Fühlungnahme mit dem indischen Ministerpräsidenten Pandit Nehru eine schneUe Lösung der blutigen Differenzen zwischen Hindus und Moslems herbei- suführen. Ali Khan wird am 2. April in Neu Delhi erwartet. Der Ministerpräsident erklärte weiter, daß •r und Nehru sich in großen Zügen über die einzelnen Punkte einer gemeinsam«! indischpakistanischen Deklaration einig seien, die den entsprechenden Hindu- beziehungsweise Moslem-Minderheiten in den beiden Ländern vollen Schutz zusichern solle. Die beiden Länder seien ferner übereingekommen, eine Kommission zu bilden, die in jedem der beiden Länder die Ursachen der Zusammenstöße untersuchen und Vorkehrungen ausarbeiten •olle, um derartige Zwischenfälle in Zukunft zu verhindern. * Seit Monat«! bildet die mehr als gespannte Lage zwischen Indien und Pakistan eine ernste Gefahr für den Weltfrieden. Erst vor kurzem wurde gemeldet, daß bei den blutigen Unruhen in Ost-Bengalen 3500 Menschen ums Leben kamen. Seit dem ersten Januar dieses Jahres haben mehr als 100 000 Flüchtlinge die Grenze zwischen Indien und dem östlichen Teil Pakistans in beiden Richtungen überschritten, um, wie aus ihren Aussagen hervorgebt, der „sicheren Abschlachtung“ zu entgehen. Der Haß zwischen Hindus und Moslems hat sich allmählich zur Weißglut gesteigert Ostpakistan ist ein Zankapfel geblieben, seit der letzte britische Vize-König und Generalgouverneur, Lord Mountbatten, die Aufteilung Indiens zwischen Hindus und Moslems bewerkstelligte. Die Inder stellen sich auf den Standpunkt, bei den Vorgängen in Bengalen handle es sich nur um ein Ablenkungsmanöver, durch welches Pakistan die Aufmerksamkeit von seinen militärischen Vorbereitungen in Kaschmir ab- zieben wolle. Die Pakistani beschuldigen ihrerseits Indien eines Angriffes auf Ostpakistan, das sie als die Achillesferse ihres Staates betrachten. Beide Seiten erklären, keinen Krieg zu wollen. Aber sowohl das indische als auch das pakistanische Budget sehen mehr als die Hälfte des Staatseinkommens für Verteidigungszwecke vor. Ob und wieweit die vorgesehene Aussprache des pakistanischen Ministerpräsidenten Ali Khan mit seinem indischen Kollegen Pandit Nehru eine Entspannung der Lage bringen wird, bleibt abzuwarten. Im Interesse des Friedens — nicht nur in Ostasien — ist eine möglichst rasche und endgültige Bereinigung des für beide Teile unhaltbaren, latenten „Kriegszustandes“ dringend zu wünschen. Südöstlich Schanghai gelandet Der neue Verstoß TMUaagfeaiadieks Formosa (UP). Das nationalchinesisch« Oberkommando teilte über die bereits gemeldete neue Landung nationalchinesischer Streitkräfte auf dem Festland mit, daß diese bei Nanhwei, etwa 40 km südöstlich Schanghai, erfolgte. In dem Kommunique wurde nichts Näheres über die weiteren Folgen dieses Unternehmens gesagt Generalissimus Tschiangkaischek richtete über den Rundfunk einen Appell an die Welt, zur Linderung der Hungersnot auf dem chinesischen Festland beizutragen. Er wies darauf hin, daß die Nationalregierung alles versuchen werde, Nahrungsmittel in die Hungergebiete zu schaffen. Rebellen besetzten ein Fort Meuterei in holländischer Kolonialarmee Djakarta (UP). ■ Das niederländische Militärhauptquartier gibt bekannt daß über 200 Soldaten der holländischen Kolonialarme« revoltierten und auf der Insel Ambon ein kleines Fort besetzten. Die Lage sei noch völlig unübersichtlich, Einzelheiten nicht bekannt. an UdSSR, M o 1 o t o w, erklärt worden, lehnte es jedoch ab, sich darüber zu äußern, wann und in welcher Form das geschehen sei. Das britische Foreign Office lehnte es ab, sich zu dieser Angelegenheit zu äußern. Die Außenminister der drei westlichen Großmächte werden auf Einladung Be- vins Anfang April in London Zusammentreffen, um über die Strategie zu beraten, die die Westmächte im „kalten Krieg" anwenden soUen. Bereits seit einiger Zeit befinden sich Gerüchte im Umlauf, daß bei dieser Gelegenheit die Frage einer weiteren Viermächte- Konferenz zur Sprache kommen solle. Von informierter Seite verlautete, Bevin habe bereits seinen Kollegen bi den USA und Frankreich einen Vorschlag unterbreitet, einen ernstlichen und groß angelegten Versuch zu unternehmen, dem „kalten Krieg“ ein Ende zu bereiten. Bevin, Acheson und Schuman dürften bei diesem Treffen außerdem Hauptfragen ihrer Deutschlandpolitik besprechen. Unter den deutschen Fragen, die zur Beratung kommen dürften, soll vor allem die allgemeine wirtschaftliche und politische Eingliederung Deutschlands in die westeuropäische Gemeinschaft behandelt werden. Ferner werden, wie verlautet, die Außenminister die Frage der Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland beraten, ehe dieses Problem bei einer Konferenz von staats- und völkerrechtlichen Fachleuten überprüft wird. Weitere Punkte sind die Wirtschaftslage Westberlins und die Beziehungen zwischen West- und Ostdeutschland. Schließ- Uch dürften die drei Außenminister auch den Versuch machen, Mittel und Wege zur Wiedereröffnung der Verhandlungen über den österreichischen Staatsvertrag zu finden. Wie weiter verlautet,. soll der Atlantische Rat, der von den Außenministern der zwölf Mitgliedstaaten des Atlantikpakts gebildet wird, zur gleichen Zeit in London tagen. Landtag arbeitet auf Fortsetzung wichtiger Beratungen D.P. Stuttgart In seiner Mittwoch-Sitzung verhandelt der Landtag eine Reihe von Punkten, die immer wieder verschoben oder deren Beratung unterbrochen 'wurde. So wird vor allem der neue, vom Rechtsausschuß abgeänderte Regierungsentwurf eines Gesetz« zum Abschluß der politischen Befreiung in zweiter Beratung weiterverhandelt Das Mindesturlaubsgesetz dürfte gelegentlich seiner dritten Beratung eine kurze Erledigung finden. An vorliegenden Anträgen sind von Bedeutung der Antrag des Kulturpolitischen Ausschusses über die erweiterte Berufsschulpflicht für schulentlassene Jugendliche ohne Lehr- und Arbeitsverhältnis, sowie ein neuer Antrag des Rechts- und Verwaltungsausschusses, der die Forderung der SPD-Fraktion unterstützt, durch ein Gesetz die allgemeine Notlage und die Eihöhung der Lebenshaltungskosten bei der Festsetzung eines Höchstbetrages für Pensionen zu berücksichtigen. Da es fraglich ist, ob der Landtag seine ganze Tagesordnung in einer Sitzung abwickeln kann, ist damit zu rechnen, daß auch am Donnerstag eine Sitzung, die letzte vor Ostern, abgehalten wird. Um die Immunität Kamms Der Geschäftsordnungsausschuß des württemberg-badischen Landtags beschäftigte sich 330 Millionen DM für Berlin Eine Erklärung von Robert BL Hanes Berlin (UP). Der Chef der ECA-Mission in Deutschland, Robert M. Hanes, gab in Berlin die Bewilligung von 330 Millionen DM zur Unterstützung der Berliner Wirtschaft und Bekämpfung der sowjetischen Blokade Berlins bekannt. Wie Hanes ausführte, würden 250 Millionen D-Mark aus dem Marshallplan- Gegenwertsfonds im Laufe des Jahres für Berlin freigegeben werden. . in seiner Dienstag-Sitzung in Anwesenheit* von Justizminister Beyerle und Generalstaatsanwalt Dr. Schmid erneut mit dem Antrag auf Aufhebung der Immunität des ehemaligen Befreiungsministers Abg. Kamm. Obwohl Abg. Kamm selbst um Aufhebung seiner Immunität gebeten hatte, kam der Ausschuß wiederum zu dem Beschluß, den Antrag aus grundsätzlichen Erwägungen abzulehnen. Die Angelegenheit wird nun jedenfalls in der Donnerstag-Sitzung des Landtagsplenums behandelt werden. Am Rande bemerkt Schatten über Bad Gastein Vor kurzem ging die Meldung durch dl« Presse, daß in dem Urgestein, dem die warmen, radioaktiven Quellen Bad Gasteins entspringen, Uranpechblende enthalten sei I* dem weltberühmt«! Kurort in den Hohen Tauern, wo soeben alle Vorbereitungen für eine sehnsüchtig erwartete Sommersaison im Gange sind, wird dieses Gerücht, das die Welt aufhorchen und die einheimischen Hotelbesitzer erschauern läßt, alles andere als gern vernommen. Obwohl die Richtigkeit noch nicht feststeht, ist allen Beteiligten der Schreck dach in die Glieder gefahren. Denn für Gastein könnte die Feststellung uranhaltig« Erzvorkommen nicht nur sehr unangenehme wirtschaftliche, sondern auch politische Folgen haben. Angeblich sollen bereits während des Krieges alliierte Flieger, deren Maschinen mit Radargeräten ausgerüstet waren, über dem Kurort eine starke Strahlen-Emanation festgestellt haben. Auch die Luft in den benachbarten Böcksteiner Stollen, die von dem im Mittel- alter betriebenen Goldabbau herrühren und kilometerlang den Rathausberg durehdringen, soll bei einer Temperatur von 42 Grad stark radioaktiv sein. In diesem Zusammenhang ist interessant, daß die in den Schächten arbeitenden Bergleute ihre Tätigkeit höchstens 12 bis 13 Jahre ausüben können; dann sind sie körperlich abgewirtschaftet. Sie magern ab, werden regelrechte Krüppel und fristen den Rest ihres Lebens mit ein« kümmerlichen Rente. All diese Erscheinungen und Beobachtungen legen natürlich den Verdacht nahe, daß es tatsächlich uranhaltige Erze in d« Gastein« Gegend gibt. Wenn man daran denkt, daß in den sächsischen Urangruben viele Zehntausende an der Ausbeutung der verhältnismäßig geringen Vorkommen arbeiten, dann wünscht man es dem herrlichen Gasteiner Tal und seiner Bevölkerung, vom gleichen Schicksal verschont zu bleiben. Am tragischsten aber ist, daß allein die Möglichkeit der Auffindung neuer Bodenschätze in Österreich bereits Sorgen und Befürchtungen hervorrufen muß. Die Erfahrungen mit den Zistersdorfer Ölquellen, die für jedes andere Land eine erwünschte V«grö- ßerung des Volksvermögens, für Österreich aber eines der Haupthindernisse für das Zustandekommen des Staatsvertrages bilden, lassen es durchaus begreiflich erscheinen, warum die Wiener Regierung kein Wort über die angeblichen Uranvorkommen bei Bad Gastein verliert und keinen Wert auf die Ausbeutung legt... M. B. US-Verteidigung ausreichend Johnson anderer Ansicht als Eisenhower Key West (UP). Der amerikanische Verteidigungsminister Johnson erklärte nach einer Unterredung mit Präsident Truman, sei- ner Ansicht nach seien die Verteidigungsmaßnahmen der Vereinigten Staaten „zur Zeit“ ausreichend. Diese Äußerung steht im Gegensatz zur Erklärung General Eisenhowers, der bekanntlich in einer Rede in New York sagte, sein« Ansicht nach hätten die Vereinigten Staaten in manch« Hinsicht schon zu weit abgerüstet. Präsident Truman gab bekannt, daß Phiüp Jessup weiterhin als Sonderbotschafter dem amerikanischen Außenministerium zur Verfügung stehen wird. Heuss empfing norwegische Abordnung. Der Bundespräsident empfing auf Viktorshöhe eine Abordnung d« norwegischen Europahille, d« « den Dank für ihre Unterstützung aussprach. Pressekonferenz bei Frau Heosa, Frau Elly Heuss-Knapp wird am Freitag vor d« Bonner Presse über Frauenfragen sprechen. Böckler bei den Hoben Kommissaren. Ein« Delegation des DGB unt« Leitung von Hans Böckl« wird am Dienstag mit den drei alliierten Hohen Kommissaren das Gesetz Nr. 79 über Neuordnung d« Schwerindustrie erörtern. FDP fordert Außenministerium. Die möglichst sofortige Schaffung eines vonarbeitsfähigen . Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten, daß der Bundesregierung beratend zur Seite steht, fordert d« FDP-Pres- sedienst in einem offiziellen Artikel. McCloy Biegt nach London. Der amerikanische Hohe Kommissar McCloy wird am 4. April nach London reisen, um an ein« Veranstaltung der amerikanisch - britischen Freundschaftsorganisation teilzunehmen. WAV schloß Götzendorff aus In vier Monaten 23 000 DM Kilometergelder Bonn (UP). Wegen „Gebührenbetrugs“ hat die WAV-Fraktion des Bundestages Günther Götzendorü aus der Partei ausgeschlossen und ihn aufgefordert, sofort Strafantrag gegen sich selbst zu stellen. Loritz sagte vor der Presse, Götzendorü habe innerhalb von vier Monaten für Kilometergelder 23 000 DM beansprucht Nach ein« eidesstattlichen Erklärung seines Fahrers habe Götzendorü die angegebenen Fahrten überhaupt nicht gemacht. Außerdem soll Götzendorü von einem Flüchtling beschuldigt worden sein, im Jahre 1936 jemand denunziert zu haben. Loritz konnte das nicht bestätigen. Götzendorü will nun bei der Deutschen Reichspartei hospitieren. Er wurde vor einigen Wochen dadurch bekannt, daß er wegen einer Schlägerei mit einem anderen Abgeordneten für 20 Sitzungstage ausgeschlossen wurde, Feitenhansl vor der Spruchkammer München (UP). V« der Hauptspruchkammer München begann die Verhandlung gegen den 28jährigen Gründer und Vorsitzenden d« „Vaterländischen Union“ Karl Feitenhansl, dem „Verbreitung nationalsozialisti- sch« und militaristisch« Ideen und sonstiges Wirken für den Nationalsozialismus od. Militarismus“ vorgeworfen wird. In d« Anklageschrift des bayerischen Sonderministeriums heißt ea weiter, die „Vat«ländiscfae Union“ sei „nach Gliederung, Ausdrucksformen und Personenkreis der Versuch ein« Zusammenfassung ehemalig« Pg’s.“ Den Anstoß zum Verfahren gegen Feitenhansl gab eine geschlossene Veranstaltung d« VU in München, zu der nach Aussagen eine* Zeugen „zu 98% Nazis" eingeladen worden waren. SED-Presse wird gereinigt Berlin (UP). Sämtliche Redaktionen der SED-Presse sollen mit sofortig« Wirkung von „Partei- und klassenfremden“ Elementen gereinigt werden, ordnete d« Zentralvorstand der SED an. Als Grund für die neue Reinigungsaktion wurde angegeben, daß sich bei vielen Redakteuren der SED-Presse ein« „Nur-Joumalisten-Ideologie" bem«kbar gemacht habe. /II fr und NE Ul: llrininf ■** .—■ — -■■■ ' ---■ -■ ■■ . ■ - — — - Sorge unö Leiftung für Oie Heimatoertriebenen Württembcrf-Baden an erster Stelle Der folgende Beitrag xeigt, daß Württemberg- Baden in der Leistung und Aufnahmebereit- aefaaft gegenüber den Heimatvertriebenen weitaus an erster Stelle steht. Er dürfte daher Neu- bürger und Altbürger gleicfaerraaöen toterrasieren. (Die Red.) Oie in den letzten Wodien von den Heimatvertriebenen in verschiedenen Flüchtlingskundgebungen erneut gestellten Forderungen suf einen gerechten Lastenausgleich lassen die Frage nach den Sozialleistungen für die Helmatvertriebenen in den einzelnen Ländern recht akut werden. In Bonn haben erst am 12. Februar unter Beisein des Bundesflüchtlingsministers Lukaschek 3000 Ostvertriebene zur Frage des Lastenausgleichs erklärt, „die betrogenen Lastenträger“ würden sich „mit Gewalt?* nehmen, was ihnen „mit Recht" zustehe, wenn keine Verständigung darüber erzielt werden könne, wie sich das Volk zu gemeinsamer Arbeit und Leistung zusammen- flnden solle. Die rund zwei Millionen Arbeitslose, das Mißverhältnis zwischen Löhnen und Preisen und die trotz 15 Milliarden Steuereinnahmen geschwächten Staats- und Gemeindehaushalte 1 geben offensichtlich diesen Drohungen noch mehr Nährstoff. Im Interesse einer gegenseitigen Verständigung zwischen den angeblich „betrogenen Lastenträgem“ und der eingesessenen Bevölkerung Württemberg-Badens muß wenigstens für unseren engeren Landesbereich auf die Beiträge der Wirtschaft und des Staates für die Heimätvertriebenen hingewiesen werden. Hierzu wurden bereits im Staatsanzeiger vom 10.12.1949 einige Zahlen veröffentlicht. Die- Bundesrepublik umfaßt heute 245 372 qkm mit einer Bevölkerungsdichte von 194 Personen auf einen qkm. Davon entfallen auf Württemberg-Baden als einem der kleinsten Länder 15 700 qkm mit 250 Personen je qkm, das heißt, an der Grundfläche hat Württemberg-Baden nur einen Anteil von 6,4 Prozent, an der Gesamtbevölkerung aber 8 jz Prozentl Trotz der hohen Bevölkerungsdichte hat das Land von den rund 7 500 000 Heimatvertriebenen des Bundes allein 705 000 = 10 Prozent übernommen. Das heißt weitaus mehr als seinem Anteil an der Gesamtbevölkerung entspricht. Je qkm leben damit im kleinen Württemberg-Baden 45 Heimatvertriebene, im Bundesgebiet aber nur 30—31. Selbst bei einem Ausschluß der französischen Besatzungszone, die nur in einem geringen Umfang Flüchtlinge aufgenommen hat, verbleibt für das restliche Gebiet der Bundesrepublük nur ein Durchschnitt von 35—36 Personen je qkm. Württemberg-Baden hat darüber hinaus noch 18 000 Zuwanderer aus der sowjetischen Zone, 35 000 Evakuierte aus den Westzonen, 33 000 Ausländer in privater Unterbringung und 48 000 in Lagern. Die Gesamtzahl aller Zuwanderer und Heimätvertriebenen beträgt also 839 000 oder 21,4 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Arbeits- und Wohnraumfrage Die Wohnverhältnisse geben auch heute noch immer zu Beanstandungen und Klagen von Seiten der Heimatvertriebenen Anlaß. Trotzdem kann gesagt werden, daß bis auf wenige Ausnahmen fast alle Zugewanderten, Evakuierten und Heimatvertriebenen InWohn- räume eingewiesen wurden. Dies war bei der in Württemberg schon früher angespannten Wohnraumlage nur dadurch möglich, daß man allerorts sich bis aufs engste zusammendrängte. Die wenigen Besitzer von größeren Wohnungen bilden auch hier die unausbleiblichen Ausnahmen von der Regel. Auf dem Gebiet der Arbeitsbeschaffung haben die württemberg-badischen Wirtschaftszweige alles nur Menschenmögliche getan, um alle zugewanderten Arbeitskräfte aufzunehmen. Von rund 223 000 Arbeitnehmern aus den Reihen der Heimatvertriebenen waren im letzten Viertel des Jahres 1949 nur rund 19 000 oder 8,6 Prozent arbeitslos gemeldet. Zur gleichen Zeit verzeiebneten beispielsweise Bayern 21—22 Prozent und Hessen fast 14 Prozent Arbeitslose unter den Heimatvertriebenen. Der Anteil der arbeitslosen Heimavertriebenen betrug ln dieser Zeit ln der Bizone 6,2 Prozent, in Württemberg-Baden aber nur 2,8 Prozent Dabei ist zu berücksichtigen, daß der Anteil der Heimatvertriebenen an der Wohnbevölkerung in der Bizone 17,4 Prozent in Württemberg-Baden aber 18,2 Prozent beträgt Eine große Zahl der Heimatvertriebenen, schätzungsweise 10 Prozent, hat sich darüber hinaus in Württemberg-Baden als selbständige Gewerbetreibende, vor allem als Handwerker, niedergelassen. Es ist also nicht zuviel behauptet wenn gesagt wird, daß die heimatvertriebene Bevölkerung in einem nahezu ähnlichen Ausmaß wie die Einheimischen in den Arbeitsprozeß eingegliedert ist. M Prosen! der Slastshanshsltyclder für die Heimätvertriebenen Rund 283 Millionen Mark sind seit 1946 unmittelbar für die Betreuung der Heimatvertriebenen in Württemberg-Baden aufgewendet worden, davon allein 149 Millionen Mark an Fürsorgeleistungen. Im Staatshaushalt 1949 waren allein 76,9 Millionen DM an immittelbaren Leistungen vorgesehen. Viele Ausgabeposten im Staatshaushalt kommen darüber hinaus paritätisch Heimatvertriebenen und Eingesessenen zugute. Für Wohnungsbau, Gewerbeförderung, Arbeitslosenfürsorge, Siedlung und Bodenreform sind seit 1948 157 Millionen Mark aufgewendet worden. Mindestens 30 Millionen entfallen davon auf die Heimatvertriebenen. Die Hei- matvertriebenen sind darüb» hinaus mit 84 Prozent bei den Zuschüssen für Gewerbeförderung, mit 70 Prozent bei Staatszuschüssen und mit 97 Prozent bei Staatsdarlehen bevorzugt bedacht worden. Nicht weniger als 10 Prozent des gesamten Staatshaushaltes wurden im Rechnungsjahr 1949 für die Heimatvertriebenen ausgeschüttet. Bei dieser Errechnung sind die Besatzungskosten nicht mi teinbezogen. Zahlungen tut andere Länder Im Rechnungsjahr 1949 mußte Württemberg-Baden überdies nicht weniger als 129 Millionen DM für die Besatzungs- u. Flüchtlingskosten in Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein aufbringen. Neben den Leistungen für die eigenen Heimatvertriebenen «gibt diese Summe umgerechnet auf den Kopf der württ-badischen Bevölkerung noch einmal einen Betrag von 33,55 DM. Württemberg-Baden liegt mit diesen Kopfbeträgen weit über denen von Nordrhein-Westfalen mit 5,85 DM oder gar Hessen mit nur 2,34 DM. Damit steht Württemberg-Baden den anderen Ländern in den Leistungen für die Heimatvertriebenen weit voran. Nicht berücksichtigt sind bei diesen Untersuchungen die Bei* träge der Gemeindehaushalte, die zweifellos eine beträchtliche Erhöhung der Ausgaben für die Heimätvertriebenen ergaben. Zusammenfassend kann daher gesagt werden, daß wir in Württemberg-Baden zur Linderung der Not der Heimatvertriebenen einen anerkennenswerten Beitrag geleistet haben und noch leisten. Dies gilt für ihre Unterbringung ln Wohnräumen, für ihre Unter- stützungs- und Fürsorgefälle wie für ihre Eingliederung in den Arbeitsprozeß. Mit geringfügigen Ausnahmen wird diese Tatsache auch von allen Heimatvertriebenen anerkannt Alle diese Beiträge sind schließlich mit ein Grund für das gute Verhältnis im Zusammenleben der Zugewanderten mit den Einheimischen in Württemberg-Baden. (Setzer) Egerländer Lanöeetrrffen 1950 Die zweite Hauptversammlung, verbunden mit dem großen zweiten Landestreffen aller Egerländer in Württemberg-Baden, findet am 26. und 27. August 1950 in der alten Reichsund Salzstadt Schwäbifch Hall statt Der Erfolg des ersten Landestreffens 1949 in Plochingen, das 10 000 Egerländer vereinigte, wird Uberboten werden, da mit einer starken Teilnahme aus dem ganzen Bundesgebiet zu rechnen ist. Anmeldungen aus der Ostzone, aus Österreich und der Schweiz liegen bereits vor. Auch der Egerer Landtag, Städteverband des historischen Egerlandes — wird an diesen Tagen in Schwäbisch Hall eine Tagung abhalten. Befuch im Glaser Gebirgslant) Daa Deutschtum fast restlos vernichtet — Polen ans dem Bezirk Lemberg eingewiesen Hohe Gebirgswände umschließen von drei Seiten den Glatzer Gebirgskessel, der sich ehemals durch herrliche Wälder, fruchtbare Auen und Bodenschätze wie Kohlen, Kalk und Sandstein auszeichnete. Die Polen haben das schöne Gebirgsland zwischen Glatz, Mittelwalde, Bad-Kudowa und Neurode mit der Hauptstadt Glatz verwaltungsmäßig zusammengeschlossen und die Industrie in dem 1336 qkm umfassenden Land nach ihren Gesichtspunkten ausgebaut Besondere Aufmerksamkeit widmete man der Steinkohlenförderung. In den drei vorhandenen Bergwerken werden jährlich eine halbe Million Tonnen Kohle gewonnen. Die ehemals bekannte Glatzer Glasindustrie mußt« ihre Produktion erheblich einschränken, da nur geringe Absatzmöglichkeiten vorhanden waren. Diese Betriebe haben sich zum größten Teil auf die Metallverarbeitung umgestellt und produzieren heute neben Glaserzeugnissen hauptsächlich Spiralen für Glühbirnen. Die Kalk- und Sandsteingewinnung ist völlig in den Hintergrund getreten. Der vor der Besetzung-ca. 70 000 har umfassende Waldbestand hat durch umfangreiche Abholzungen erheblich abgenommen. Alte Waldkulturen zeigen heute klaffende Lücken. Das geschlagene Holz wird als Nutzholz in der polnischen Industrie für Bauzwecke verwandt. In das Glatzer Gebirgsland sind vornehmlich Polen aus dem Gebiet Stanislawow (Bezirk Lemberg) eingewiesen worden. Deutsche sind hier kaum noch anzutreffen. Die Verstaatlichung der landwirtschaftlichen Betriebe über 20 ha wurde restlos durchgeführt, so daß heute 11 000 Bauernhofd über 2—20 ha verfügen. In Glatz, der ehemaligen Festung aus dem 18. Jahrhundert, hat sich seit dem Einmarsch der russischen Truppen am 12. 5. 1945 viele« verändert. Die von den Kriegsereignissen kaum berührte Stadt, einst wohlbevölkertes Zentrum der blühenden Grafschaft Glatz, zählt heute etwa 25 000 Polen, die bemüht sind, dem historischen Stadtbild ih» eigenes Gepräge zu geben. Die Glatzer Maschinenfabrik arbeitet fast nur im Akkordverfahren, um die Verpflichtungen des polnischen Vierjahresplanes einzuhalten! Auch die Konserven- und Marmeladenfabrik in „Klodzko“, so heißt heute Glatz, arbeitet für die polnische Wirtschaft. Auf der ehemaligen Fischerstraße wurden mehrere Genossenschaftsläden eingerichtet. Das südlich von Glatz gelegene Habel- schwerdt wurde von den Polen zur einflußreichen Kreisstadt gemacht, zu der der Südteil des Glatzer Gebirgslandes mit den Orten Bad Langenau, Kieslingswalde, Wolfsgrund und Mittelwalde gehört. Diese* ehemalige ostdeutsche Gebiet gehört zu den schönsten Gebirgsgegenden des Sudetengebirges. Die bekannten Kurorte, wie Bad Kudowa (Kudowa Zdroj), Bad Reinerz (Dus- zniki Zdroj), Bad Altheide (Polanica Zdroj) und Bad Landeck (Ladek Zdroj), die heute alle zum Glatzer Gebirgsland gehören, erfreuen sich bei den Polen größter Beliebtheit Hier sind oft prominente Gäste aus Zentralpolen anzutreffen. Die geographische Lage des Glatzer Gebirgslandes bringt es mit sich, daß die Stadt Glatz heute zum Mittelpunkt der polnisch- tschechischen Verständigungspolitik geworden ist. E. E. M. Reicheeigentum zur fiQchtiingehiife Ehemaliges Eigentum des Reiches und des preußischen Staates, das bereits in Bundes- eigentum übergegangen ist oder noch übergeht, will der Ausschuß für Heimatvertriebene zugunsten der Flüchtlinge verwenden und hat einen entsprechenden Antrag dem Bundestag zugeleitet. Besonders erwähnt werden ehemalige Munitionslager, Flugplätze, Trupppenübungs- plätze und sonstige Anlagen, die überwiegend aus Mitteln des Reiches und des preußischen Staates finanziert worden sind. Ferner wird beantragt, in möglichst hohem Maße Marshallplanmittel für Seßhaftmachung und Krisenfestigkeit von Flüchtlingsbetrieben einzusetzen. Für diese sollen außerdem Bundesbürgschaften bei langfristigen Krediten, steuerliche Vergünstigungen und eine Bestimmung beim endgültigen Lastenausgleich erwirkt werden, die Mittel für betriebliche Zwecke und notwendige Wohnungsbauten sicher stellt. Mehr ßoöen für Neubürger Von den 250 000 Flüchtlingsbauem, die sich in Westdeutschland befinden, können nur 100 000 in ihren alten Beruf in der westdeutschen Wirtschaft eingegliedert werden. Durch die Bodenreform, die bisher nicht restlos durchgeführt werden konnte, werden im Laufe des nächsten Jahres etwa 540 000 ha Land zur Verfügung stehen. Auf dieser Fläche können 20 000 Bauern angesiedelt werden. Darüber hinaus wird damit gerechnet, daß 80 000 Höfe, die ohne bäuerliche Erben sind, aufgrund des Flüchtlings-Siedlungsgesetzes an heimatvertriebene Bauern übergeben werden. Der Grete, Der Mantel und Oer Tod im Obererzgebirge kommt der Obergang vom Herbst zum Winter schnell, viel zu schnell für die Gebirgler, Häusler und Heimarbeiter, die damit von neuer Sorge belastet werden: denn zu dem Hunger gesellt sich die Kälte, die Unbarmherzigkeit des eisig über die Kämme fegenden Wintersturmes. Der Anton Habrecht in Preßnitz, dem Musikerstädtchen, bat, weil er den Winter und die Kälte fürchtet, an einen Verwandten in Sachsen einen Brief geschrieben; in unbeholfenen Worten hat er darin von seiner Armut und von der Furcht vor der nahenden Kälte erzählt. Wenn er wenigstens einen Mantel hätte.. „ einen recht dicken Mantel, damit er nicht so zu frieren brauchte. Und gerade am ersten Novembertag bringt ihm der Postbote ein Schreiben aus Sachsen, einen Brief von dem Verwandten, und darin liest der Alte, daß er einen Mantel haben kann, einen alten zwar, aber immerhin einen, mit dem er seinen frierenden alten Leib bedecken und sich vor. der ärgsten Kälte schützen könnte... Mit dem Brief in der Hand keucht der Greis zu seinem Nachbar, dem Tischler Wohlrab: „Du, Josef, ich krieg einen Mantel, da schau her!“ Und der Nachbar liest, daß ein Paket nach dem nahen säc h si s c he n Jöhstadt abgegangen sei und dort zum Abbolen bereit hege. In dem Paket befinden sich der Mantel, eine kleine Fischkonserve und ein bißchen Futter für den Kanarienvogel des alten Mannes. Der Greis zitterte vor Freude: „Du, einen Wintermantel! Gelt, du gefast mit mir hinüber?“ Freilich hält er mit, der Nachbar, und am anderen Morgen wandern sie loa. Auf dem JQhstädter Postamt wird dem Anton Habrecht die Sendung ausgefolgt, und im Hausflur reißt er die Schnüre von dem Paket: wahrhaftig, da schält sich ein dicker, warmer Mantel aus der Hülle, ein,richtiger Winter- wie er sich ihn schon lange gewünscht Die Bewegung des Alten befreit sich in Stammelnden Worten: „Josef, ssbau, wie sfhöe der noch Ist! Der ist gar nicht so alt — den kann ich noch bis zu meinem Tod tragen!“ Er schlüpft in die Ärmel des Rockes, hüllt sich ganz fest in den warmen Stoff und lacht über das ganze alte, faltenreiche Gesicht: „Du. wie warm das ist!“ Soviel Worte, so viele Mal« glückliches Freuen über das Geschenk! Aber dann kommen dem Alten Bedenken: „Wenn sie uns an der Grenze nur nicht anbalten!“ Er weiß, daß die tschechischen Zollwächter sich einen Teufel darum scheren, ob ein armer Mensch hungert oder friert... Aber der Freund tröstet ihn: „Ich zieh den Mantel an und geh damit über die Grenze, dann kann dir nichts passieren. Du nimmst das Vogelfutter — darauf steht kein ZolL“ So tun sie. Der Wohlrab zieht den Mantel an, der Habrecht klemmt da« Paketchen mit dem Vogelfutter und der Konserve unter den Arm, und sie wandern heimwärts, der Grenze entgegen. Sie wiagen nicht, die Beiden, daß ein tschechischer Zöllner sie beobachtet hat, da sie aus dem Böhmischen ins Sächsische hinüber sind und daß er, hinter einer Wegkrümmung, auf ihre Rückkehr wartet Sie sind guter Dinge, und vor allem der alte Habrecht ist ganz ausgelassen in seinem Glück. Am kommenden Sonntag wird er ihn zum erstenmal tragen, seinen Mantel, verkündet er leuchtenden Auges seinem Gefährten. Es ist ihm festlich und froh zumut, und er macht sich wegen des nab«) Zollamtes keine Sorge. Einen getragenen, alten Mantel..., wer schaut da schon drauf, nicht wahr? Aber der Zollbeamte hat scharfe Augen. Er stellt fest, daß einer der beiden Leute einen Mantel trägt, er entsinnt sich, daß die Männer ohne Mantel über die Grenze nach Sachsen gegangen sind — der Zusammenhang erscheint ihm klar. Er ist jung, diensteifrig und hält Forschbeit für besonders ausgeprägtes Pflichtbewußtsein. Daher nimmt er das Gewehr von der Schulter, und da che beiden Preßnitzer um die. Wegkrümmung kommen, stellt er sich ihnen entgegen: „Halt! Haben Sie Zollware bei sich?“ Die Beiden sind erschrocken. Aber sie fassen •ich schnell „Nein“, sagt Vater Habrecht, „ein bissei Vogelfutter und eine kleine Konserve. Die sind zollfrei.“ „Und der Mantel?“ gibt der Beamte zurück. „Kommen Sie mit zum Zollamt!“ Der Greis erschrickt. Sein Mantel! Sie werden ihm seinen Mantel dort nehmen! Und der strenge Gebirgswinter steht vor der Tür. Und Kälte droht! Und Frieren! Da wird mit einemmal sein Mund ganz schmal, und er sagt hart: „Wir haben nichts zu verzollen. Lassen Sie uns gehen!“ Aber der. Tscheche bringt das Gewehr in Anschlag und befiehlt: „Sie kommen sogleich mit aufs Zollamt!“ Der Mantel! Sie nehmen dir den Mantel, deinen einzigen Schutz vor der Kälte! Der Greis fühlte, wie ihm die Sorge um das Kleidungsstück das Blut zum Kopf steigen läßt Er wendet sich zu seinem Gefährten und sagt: „Komm, geh zu“. So, als wäre der Beamte gar nicht da Aber der richtete das Bajonett auf seinem Schießprügel gegen den Greis: „Nichts da! Da herunter führt der Weg!“ Dem Alten flimmert es vor den Augen. Er hebt seinen Stock und läßt ihn auf das Gewehr des Zöllners niedersausen. Das Bajonett fliegt vom Lauf, klirrt aufs Straßenband, und während der überraschte Beamte sich danach bückt, entfernen sich die Beiden mit eiligen Schritten. Aber sie kommen nicht weit. Der Grenzer läuft ihnen nach, stellt sie abermals: „Zum Zollamt!“ befiehlt er, „ich werde Ihnen zeigen!“ In diesem Augenblick weiß der Alte, daß sein Mantel verloren ist, daß man ihn ihm wegnehmen und daß er ihn niemals mehr erhalten wird, weil er die Strafe nicht würde zahlen können. Er fühlte, daß er alles auf eine Karte setzen muß, wenn er das Kleidungsstück retten will, das ihm einen ganzen langen, harten Gebirgswinter hätte das Leben erträglicher machen können. Er weiß, daß dieser geschenkte alte Rock für seinen bejahrten, frierenden Körper so notwendig ist, Wie das tägliche bißchen Nahrung, und diese Gewißheit läßt ihn die Rechte mit dem Stock neuerdings gegen den herankommenden Beamten heben. „Untersteh’ dich!...“ drohte er heiser, „laß uns in Frieden, wir tun nichts Unrechtes!“ Er steht mit zitternden Gliedern da, Totenblässe im Gesicht. Aber der Zöllner ist jung, und in seinen Adern braust das Blut ungestümer noch als das des erregten Alten. Er bringt das Gewehr in Anschlag, der Finger liegt am Abzug: so stehen sie einander eine Sekunde gegenüber — dann schiebt sich der Beamte einen Schritt vor, der Greis weicht zurück, schwingt aber gleichzeitig drohend den Stock hoch... Da zerreißt der Schuß peitschend die Ruhe des Tals. Der Greis Anton Habrecht aus Preßnitz läßt den Arm sinken, der Stock entgleitet seiner Hand. Die Linke tastet an die Brust... und üb» die Finger tröpfelt es rot, rot, rot! Einige wenige Schritte noch tut der Alte, dann taumelt er zu Boden, das Gesicht vom Schmerz verzerrt, ein Röcheln auf den weißen Lippen. Er ist wenige Stunden später gestorben. Den Mantel hat Josef Wohlrab, der Begleiter des Getöteten, an der Grenze ausgezogen und bei der Zollstelle hinterlegt. Unter Gendarmeriebegleitung hat er den Grenzübergang passiert, den gleichen, an welchem täglich Hunderte von Automobilen vorbeifuhren, deren Insassen in Pelz und Seide nicht zu fürchten hatten, daß sich ein Gewehrlauf drohend gegen sie richtete... Wegen eines alten Mantels freilich kauerte der Tod auf der Lauer hinter Wegbiegung und Felsen. Übrigens: Nach der Zollvorschrift wäre nach Erledigung der amtlich vorgeschriebenen Formalitäten die gebührenfreie Einfuhr des gebrauchten Kleidungsstückes möglich gewesen. Aber der Greis hat davon nichts gewußt. Das ist die Geschichte des Anton Habrecht, eines armen, alten Arbeiters aus Preßnitz im sudetendeutschen Erzgebirge, der 1933 dem Tod verfallen mußte, weil er nicht frieren wollte. Oeo Bayer-Bayro« DIE SEITE DER FRAU Was ich gerne wissen möchte Der Redakteur einer amerikanischen Wochenzeitung, deren eifrigste Leser Jungen und Mädchen zwischen sieben und zehn Jahren sind, veranstaltete kürzlich ein Preisaus- schre'ben für die besten Antworten auf die Frage „Was ich gerne wissen möchte“. Wie sie von den Kindern auf gef aßt wurde, ist erstaunlich und aufschlußreich. Sie führt uns in eine Welt, die uns Erwachsenen mehr oder weniger fremd geworden ist. Wir haben alle vergessen, was wir in den Kindertagen gedacht, geglaubt, gefühlt, gefürchtet, gewünscht und worüber wir uns eben gewundert haben. Die Zeitschrift erhielt über 6000 Zuschriften von Bauernhöfen, aus kleinen Orten und Großstädten der Vereinigten Staaten. Das Ergebnis des Preisausschreibens ist so interessant. daß wir es aufgreifen möchten, denn wie man den Briefen entnehmen kann, sind die Antworten weniger typisch amerikanisch als typisch kindlich. Obgieich sie Kinder der modernen Zei' sind, aufgewachsen im Zeitalter der Atom-Energie, mit Radio und Fernsehapparat und Düsenflugzeugen, dreht sich .ihre Gedankenwelt nicht um technische Wunder. .Die Natur und das Naturgeschehen sind es, die die meisten Kinder zwischen sieben und zehn Jahren mit Staunen und Wundern erfüllen. An zweiter Stelle kommt allerdings das große Rätselgebiet der modernen Wissenschaften, und an dritter Stelle steht die Religion Dann folgen Themen wie - Das Leben der Menschen anderer Länder, Berufe, Feen und Geister, Santa Claus (der amerikanische Weihnachtsmann). Geburt und Tod. Die größte Zahl der Kinder ist voller Verwunderung über die Sternen weit, und die zweitgrößte Anzahl der Briefe beschäftigt sich mit religiösen Fragen Mancher mag dabei an Kant denken, der sagte- Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mir mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, der best' nte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir Interessant ist überdies auch die Tatsache, daß die von Mädchen gestellten Fragen schwieriger zu beantworten waren als die Fragen der Buben. Den ersten Preis gewann ein zehnjähriges Mädchen aus einem kleinen Ort in New Jersey. Sie schrieb folgendes: Wie konnten die Menschen sprechen da es doch noch keine Worte - , ab mit denen man denken konnte. Und nachdem sie an die Sprache gedacht hatten, wie machten sie es, daß andere Leute sie verstehen konnten. Als sie von Tür zu Tür gingen, um es zu erklären, müssen sie die anderen doch für verrückt gehalten haben, weil sie nicht wußten, was die Worte bedeuten sollten Und nachdem man mit der ersten Sprache angefangen hat. wie wurden dann die anderen Sprachen gemacht? Ich muß immer darüber nachdenken. wie die Menschen wohl reden gelernt haben. Den zweiten Preis erhielt ein achtjähriger Farmerjunge, der in Montana die Schafe seines Vaters hütet. Sein Brief lautet: Ich möchte gerne wissen, ob die Tiere einander verstehen. Ich beobachtete das Mutterschaf, das sein kleines Lamm auf die Weide brachte mit vielen anderen Schafen und Lämmern. Während das Mutterschaf graste, schlief sein Lämmchen auf der Weide ein, als es erwachte, sprang es auf und rief nach der Mutter Sie kam sofort herbeigerannt. Wie konnte sie wissen, daß es ihr eigenes Lämmchen war. das nach ihr rief Wo doch so viele Lämmer herum waren Es wundert mich, daß die Mutterschafe immer das richtige Lamm finden Sic müssen sich miteinander auf eine Art verständigen können, die nur Tieren bekannt ist Ein Sechsjähriger wundert sich darüber, wie die Kuh aus grünem Gras weiße Milch herausbekommt Ein Neunjähriger schreibt: Ich wundere mich immer, wie es kommt daß die Welt sich rund und rundherum dreht und daß dennoch die Haustüre immer vorne und die Hintertüre immer hinten bleibt Und da ist die Siebenjährige, die schreibt: Ich möchte gerne etwas über Feen wissen, nicht E benfeen, sondern Mädchenfeen, weil ich ein Mädchen bin. Ein Achtjähriger warf die Frage auf, wie heute die Welt sein würde, wenn Adam und Eva die verbotene Frucht nicht gegessen hätten. Ins Gebiet der Psychologie führt die Frage einer Achtjährigen. Sie schreibt: Es wundert mich, warum »Gott bösartige Insekten und Pflanzen gemacht hat die einem Giftbisse versetzen und Hautausschläge verursachen. Und ins Gebiet der immer jungen Poesie greifen die Gedanken ei-es neunjährigen Mädchens, das schrieb: Wie gerne möchte ich wissen, wie es sein würde, wenn ich Flügel hätte und wie ein Vogel über die ganze weite Welt fliegen könnte. Das sind Fragen, mit denen sich Kinder beschäftigen. Urteüen Sie selbst: Sind es nicht immer die gleichen Dinge, die uns von Kindheit an bewegen? ■ Schläfchen in der Frühlingssonne Wie steht es mit Ihrem Schlaf? Das Täubchen Im Morgenlande lebte vor vielen, vielen Jahren ein großer König, ein gar gerechter und weiser Fürst. Aber er war alt und sehnte sich nach Ruhe. Daher rief er seinen ältesten Sohn Kakufo, teilte ihm seine Absicht mit, das Szepter niederzulegen und sich, zur Ruhe zu setzen. „Das Volk sieht auf dich“, sagte er zum Schluß, „suche daher deine Stellung zu festigen und gib zugleich mit deiner Thronbesteigung dem Volke eine Königin!“ Kakufo wurde nachdenklich. „Gern erfülle ich deinen Wunsch“, antwortete er. „auch eine Königin möchte ich dir zuführen. Aber wie finde ich die rechte?" Nach einigen Tagen erschien Kakufo wieder vor seinem Vater „Vater“, sprach er „dein Wille geschehe, ich werde den Thron übernehmen und eine Landesmutter heimführen Höre, ob ich klug und weise handle! Man soll eine Taube verwunden und auf den Hausflur legen. Danach sollen die Prinzessinnen, die du einladest, den Flur durchschreiten, und dje will ich mir erwählen. die Mitleid empfindet mit der Taube, denn sie hat ein weiches Gemüt und ein gutes Herz!“ Bald kamen die edlen Töchter des Landes, eine nach der anderen Alle sahen das arme, hilflose Täubchen liegen, aber keine nahm sich Zeit, sich um sie zu kümmern; ja, manche stießen sie mit dem Fuße weiter. Endlich kam ein zierliches, blondhaariges Mädchen. Als sie das Tierchen sah, stutzte sie einen Augenblick, dann bückte sie sich, nahm die Taube auf u*d wickelte sie behutsam in ihre Handtasche. Als Kakufo das sah, trat er hervor, steckte ihr den Reif an den Finger und erklärte sie zu seiner Gemahlin Einige Zeit nach der Hochzeit saßen der Junge König und die junge Königin beieinander. und er konnte sich nicht länger enthalten, sie nach der Taube zu fragen Da lachte die Königin und sagte „Die Taube ist gut aufgehoben, ich ließ sie ausrioofen, und nun bildet sie einen reizenden Schmuck auf meinem Hute: Smaragdfarbe kleidet mich so schön!“ Als der König dies hörte, wurde er schweigsam. „Sie smd doch a’le gleich“, dachte er bei sich. .Doch was tnts! Die weibliche Eitelkeit wird triumphieren, auch dann noch, wenn alle Gestirne längst untergegangen sind.“ Für eine Mark In jedem Jahr verschläft der Mensch vier Monate. Ganz gleich; was er während der übrigen Zeit tut, diese 18 Wochen sind für seinen Organismus die wichtigsten, denn die- Zeit, die man schlafend verbringt, hat eine größere Wirkung auf das allgemeine Wohlbefinden, als die meisten Menschen glauben. Der normale Mensch braucht, wie wissenschaftlich festgestellt wurde, täglich ■ acht Stunden Schlaf. In Wirklichkeit aber ist nicht die Dauer unseres Schlafs das wichtigste, sondern seine Qualität. Denn Ruhe ist keineswegs dasselbe wie Schlaf. Man kann schlafen, ohne Ruhe zu finden, und ruhen, ohne schlafen zu können. Ein wirklich gesunder Schlaf ist nicht möglich, wenn Geist und Körper voll nervöser Spannungen sind. Ein solcher Zustand hemmt den Prozeß der Erholung und hat zur Folge, daß wir am Morgen müder aufwachen, als wir es beim Schlafengehen waren. Ein besonderes K pitel sind die sogenannten Schlafmittel — zu denen besonders Frauen allzu leicht greifen. Das ganze Geheimnis eines guten Schlafes ist Entspannung — während Schlafmittel nur betäuben. Es ' ist also nicht ratsam, gleich ins Bett zu gehen, wenn man bis zur letzten Minute des Abends geschafft hat So eigenartig es klingt, man soll Täglich 100 Tassen Tee Mit dem „Fünfuhrtee“ ist es so ähnlich wie mit dem Cocktail-Kleid, er hat bei uns mit Teetrinken so wenig zu tun, wie das Kleid mit einem Cocktail Aber die ganz Vornehmen laden nun -gern einmal zum Tee ein und schenken dann mit unschuldiger Miene Kaffee in die Tassen, wozu mit freundlichem Lächeln Teegebäck gereicht wird Und doch ist der Tee ein so wundervolles Getränk, daß man in Japan sogar einen sehr feierlichen Kult mit ihm betreibt wobei das Teetrinken gewisse Zeremonien vorschreibt und mit besonderen Geräten betrieben wird. Aber dafür nennt man es dort auch nicht Fünf- Ubr-Tee Ehe der Tee es soweit gebracht hat, daß er salonfähig wurde, bat er eine lange Geschichte hinter sich bringen müssen Ausnahmsweise wurde er nicht in Amerika erfunden sondern kam einige Jahrhunderte nach der Zeitwende aus Hinterindien nach China und im 9 Jahrhundert dann nach Japan Europa lernte ihn erst im 16 Jahrhundert kennen und zwar zunächst als Medizin Die Medizin war so beliebt daß sie bald zum Genußmittel wurde Zuerst wurde das Teetrinken ln Rußland allgemein einee- führt Heute trinkt man in England am meisten Tee. mit Sahne und viel Zucker Nach Deutschland brachte ihn der branden- burgische Leibarzt Bontekoe ein Teefanatiker der 1667 ein Buch herausgab, in dem er behauptete, daß das beste Mittel, gesund zu bleiben, der tägliche Genuß von 100 Tassen Tee sei Man kann offenbar auch den Willen zur Gesundheit übertreiben Teekochen Ist auch für sehr junge Hausfrauen kein allzu schwieriges Problem, aber es muß doch einiges dabei bedacht werden. Mafi übergießt die Teeblätter mtt kochendem Wasser, darf dabei aber keine Metallkannen verwenden, denn Tee enthält sehr viel Gerbsäure, die mit dem Metall Verbindung ein- gehen kann, wodurch der Geschmack verdorben wird. Auch darf der Tee nicht zu lange ziehen, da sich sonst zuviel Gerbsäure löst, die den Tee bitter macht. Im übrigen enthält Tee Tein, eine Bezeichnung, die Höflichkeit gegenüber dem Tee verrät, ansonsten aber nichts anderes als Coffein ist. Also hat auch der Tee eine anregende Wirkung, doch ist er weniger schädlich Will man einen an Coffein reichen Tee haben, so muß man eine große Menge Blätter sehr kurz aufbrühen und dann sofort abgießen. So stellen die Russen mit Hilfe des Samovar, der auch beute noch überall im Osten zu finden ist, ihren Tee her. Es gibt schwarzen und grünen Tee, der Unterschied liegt lediglich in der Zubereitung der Blätter Bei schwarzem Tee läßt man die Blätter einige Tage welken, sie werden dann gerollt und in Haufen geschichtet Dabei fermentieren sie, was zur Folge hat, daß ein Teil des Gerbstoffes sich in die schwarz-braune Farbe umwandelt, gleichzeitig entsteht auch das Aroma Der grüne Tee. der bei uns seltener ist, wird gleich nach dem Pflücken der Blätter erhitzt, wodurch sich das Grün half. Er duftet stärker als der schwarze. Als bester Tee gilt der Pekko Teeblätter müssen nicht nur trocken sondern auch möglichst luftdicht aufbewahrt werden. Tee wird auch heute noch als Medizin bei Darmkatarrh verwendet, da die Gerbsäure eine stopfende Wirkung hat. - Wenn Sie also einmal wieder zur „Teestunde“ einladen, dann machen Sie es richtig. Stellen Sie auch Zucker und Sahne bereit und ein paar Zitronenscheiben, denn mancher liebt es den Tee zu würzen (FvH) sich vor dem Zubettgehen etwa eine halbe Stunde Ruhe gönnen und alles vermeiden, was Aufregung verursacht oder geistige Anstrengungen erfordert. Wer sich besonders überarbeitet fühlt, sollte sich zehn bis fünfzehn Minuten lang in ein Bad legen, das Körpertemperatur hat. Dadurch wird die normale Blutzirkulation wieder hergesteilt und zugleich mit der körperlichen auch eine geistige Entspannung erzielt. Fühlt m sich zur Schlafenszeit hungrig, soll man ruhig eine Kleinigkeit essen. Untersuchungen haben ergeben, daß die meisten Menschen nach einem leichten Imbiß besser schlafen, üegen den Durst trinkt man am besten ein alkoholfreies Getränk. Nach Alkohol schläft man nur die ersten Stunden gut. den Rest der Nacht dagegen unruhig. Ein manueller Arbeiter kommt mit bedeutend weniger Schlaf aur als ein geistig Schaffender. Während zur Erholung der körperlichen Kräfte unter Umständen vier Stunden Schlaf genügen, ist zur Wiederherstellung der Geisteskräfte die doppelte Zeit erforderlich. Es gibt eine Art von Müdigkeit, die durch den Schlaf nicht vertrieben werden kann. Das ist die nervöse Ermüdung, verursacht durch Sorgen, Mißerfolg, Angst und verschiedene Stimmungen. Da durch solche Gemütsdepressionen unsere Energien viel rascher verbraucht werden, als sie durch den Schlaf wiederhergestellt werden, leidet man unter ständiger Müdigkeit, die nur durch Beseitigung ihrer Ursachen behoben werden kann. Durch verlängerte Ruhe wird der Zustand des Patienten nur verschlechtert und die Müdigkeit immer ärger. Der Psychiater Dr. Walter Freeman stellte fest, daß in solchen Fällen am besten körperliche Tätigkeit oder Sport hilft. „Wenn Ihre Muskeln arbeiten“, sagt er, „ruht Ihr Gehirn*. Guter Schlaf Ist nicht nur für unser Wohlbefinden wichtig, sondern auch für unsere Lebensdauer und unsere Lebensleistung. Es ist daher von größter Bedeutung, für gesunden und ausreichenden Schlaf zu sorgen. Assis, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter unseres Büros, war ein Sohn des Morgenlandes. Aber was will das besagen, nichts, gar nichts Denn er war mehr, viel mehr: er war ein Dichter, der die blumenreiche Sprache seines arabischen Vaterlandes mit den Blüten seiner Phantasie schmückte, um über die Wirklichkeiten des Daseins hinwegzugehen. Seine Worte säuselten, rollten, zischten, donnerten — eine entfesselte Naturgewalt. Nur eines machte ihm Kummer, über das ihm seine ganze Phantasie nicht hinweghalf: die Berliner Mädchen und Frauen Mißbilligend folgten seine Blicke dem weiblichen Geschlecht, um sich mit einem traurigen Kopfschütteln abzuwenden. Und obwohl er mich, seine deutsche Sekretärin, des Morgens mit „taufrische Knospe des Morgens“ und „schönste Morgenblüte des Abendlandes“ begrüßte, galt seine Sehnsucht den Runden, Dicken. Fetten. Mit vor Begeisterung glühenden Augen schwärmte er von den Frauen seines Landes, die vor der Ehe gemästet würden, denn der Araber Hebe Formen, „mit denen er kaum fertig wird “ Als Assis sich eines Tages mit verdächtiger Eile aber leuchtenden Augen verabschiedet hatte, weil er auf meine „liebliche Gegenwart“ zugunsten eines „Unwürdigen“ verzichten mußte, wurde er fast auf dem Fuße von unserer Reinmachefrau gefolgt, die wenn nicht im Alter, so doch in den Formen, fast arabischen Ansprüchen genügt hätte „Stellen Sie sich vor, fauchte sie uns an. das ist doch unerhört! Da hat doch der Herr Assis mir, als ich auf dem Boden kniete und wischte, einfach hinten eine drauf geknallt Und als ich schimpfte, hat er sich entschuldigt und mir — Geld in die Hand gedrückt, damit ich schweige.“ Auf unsere fragenden Blicke s e tzt e sie schweratmend hinzu: „Mir mein Schweigen abkaufen zu wollen! So eine Gemeinheit! Für eine einzige Mark!“ Dieses traurige Erlebnis hat al» es ihm berichtet wurde, Assis einen schweren Schlag versetzt. Er fuhr bald in seine Heimat zurück. Als er sich verabschiedete, meinte er noch: „Buropas Frauen sind entweder knochig oder habgierig. Gamicht schön!“ D. K. Hexen, die bei Nacht rumoren Wissen Sie, wie man Hexen am besten vertreibt? Und eine Gans gebraten und doch lebendig zu Tisch bringen kann? Ein im Laufe der Jahrhunderte grüngelb verfärbtes Büchlein aus einer alten Truhe, voll „von unschätzbaren Geheimnüssen und Kunst- Stücken“ gibt die Anweisungen dafür: „Hexen, die bey Nacht in einem Zimmer mit Spinnen, Rumoren Geräusche machen, daß der Mensch die gantze Nacht nicht ruhen kan und man dergleichen mercket, so ist nichts besseres, als man habe unter dem Haupt-Küssen einen schärften, zweyschnei- digen Hau-Degen, bethe zu Gott den 91. Psalm, erwische den Degen aus dem Bette und haue Creutzweise durch das gantze Zimmer, so wird es alsbald still werden und die Hexe sich sobald nicht mercken lassen“ Nun zu der lebendig gebratenen Gans: Man nimmt eine fette Gans, rupft sie bis an den Hills und Kopf, .. machet rings um sie her ein Feuer, doch nicht allzu nahe, damit sie nicht ersticke sondern allgemählich brate. Hierzu muß man ihr nun etliche Schüsseln mit Tranck hinsetzen, nehmlich Honig mit Wasser und Salz vermischet, damit sie sich in ihrem Elende laben kan; alsdan nimmt man auch Äpfel, röstet solche in Schmaltz, und begießt die Gans offt damit, rückt dann das Feuer immer näher zu ihr. und wenn sie anfängt zu kochen, so laufft sie. rings im Feuer herum und will gerne davon kommen, weil sie aber aus Schwachheit vor dem Feuer nicht fort kan, so läuft sie ohn Unterlaß, sich zu laben. Wenn sie beiß wird, so bratet und kocht sie auch von inwendig. Es muß ihr auch ohn Unterlaß mit einem nassen Schwamm das Hertze und Kopff abgekühlet werden, damit sie nicht zu bald verschmachtet Wenn sie anfängt zu zappeln und zu fallen, triebt man sie den Gästen Und wenn von ihr geschnitten wird, so schreyet sie, welches beP der Tafel eine besondere Lust giebt“ — Hexen und Gänse dürften sich in unserm Zeitalter erheblich wohler fühlen . Dbl. Ein Pumpgenie vor dem Richter 10 Monate Gefängnis für Betrüger am laufenden Band Nur 20 Lenze zählte Schm., war aber bereits ein vollendeter Meister seines Fachs, freilich, in der Ausübung einer sehr fragwürdigen Beschäftigung. Nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft schien er schon die notwendigen Fähigkeiten zu besitzen. Er arbeitete bei den Amerikanern, flog aber dort weg, als man feststellte, daß er hinter dem Rücken seiner Brotgeber mit Ami-Zigaretten schwarz handelte. Ein Aufenthalt in einer Erziehungsanstalt schloß sich an. Darauf schickten ihn seine Eltern zu einem Schneider in die Lehre. Auch dort hielt es ihn nicht lange. Er wollte zur Fremdenlegion. Vorerst jedoch erhielt er in einer Tuttlinger Schuhfabrik Beschäftigung. Damals fing es an... Ueber das, was er sich in der Folgezeit leistete, hatte er, bereits mit zwei Vorstrafen wegen Betrugs belastet, vor dem Bruchsaler Strafrichter heute Rechenschaft abzulegen. DM 50.—, die er vor kurzem bei ihm geliehen hatte. Damit noch nicht genug. Was Schm.s „Geschäftssinn“ noch zustande brachte, folgt in der ersten Nachtragsklage: In Riedlingen lernte er einen Autovermieter kennen. Er wollte nach Stuttgart fahren und es war kalt. Also bat er Pf., ihm doch einen Mantel zu geben. (Im übrigen solle Pf. ja nicht annehmen, daß er mittellos sei! Er habe lediglich gerade seinen Wäschekoffer nicht da, arbeite bei den Amerikanern und sei im Besitz eines PKW). Der Stutzer, den Schm, erhielt, wurde bald darauf in Stuttgart für 20.— DM versetzt. In einem Kiosk am Riedlinger Bahnhof pflegte Schm, seine Mahlzeiten einzunehmen. Einige Tage bezahlte er wirklich. Dann ging ihm wieder mal das Geld aus. Also machte er für DM 4,60 Schulden. Schulden bezahlen kommt ja bei ihm ohnehin nicht in Frage, ihm wichtiger war, eine Anzahlung von DM 10.— und zweimal je 8,50 DM. Das Geld verbrauchte er für'sdch, ebenso das Werbematerial und die Mappe der Firma, bei der er sich nicht mehr blicken ließ. Frl. Lina lernte er am Bahnhof von S. kennen. Zwei Glas Schnaps und acht Bier hatte er mit ihr getrunken und dann wieder festgestellt, daß er seinen Geldbeutel vergessen hatte. Lina war so freundlich und lieh ihm (auf Nimmerwiedersehen) DM 5.—. Kurz vor Weihnachten 1949 lernte er Ruth kennen. Ihr legte er seine Geldsorgen nahe, denn sein Freund hatte gerade einen Anzug gekauft. Ob er nicht DM 12.— für sich und seinen Freund haben könne? Gleich morgen wühle er das Geld wiederbringen. Er kam dann auch wirklich am nächsten Tag, wollte aber noch mehr Geld! Ruth rückte nichts mehr heraus. So etwas war ihm allerdings noch nicht passiert! Also geht er zu Ruths Mutter. Diese hatte dann auch wirklich mehr Verständnis und schwitze noch weitere 20.— D-Mark. Ein Herr E. lieh Hemd und Unterhose, Frl. G. eine Mark, um nach. Bruchsal zu fahren, ein Kioskbesitzer 30.— DM (als Pfand erhält der - gutgläubige Mann das Werbematerial und die Mappe der Ludwdgs- burger Firma). — Ale sahen ihr Eigentum nie mehr. 10 Monate Gefängnis und eine Geldstrafe von 'DM 50.— erhielt Schm, nach einer dreistündigen Verhandlung für seine fortgesetzten Betrügereien. Seine Untersuchungshaft wurde ihm voll angerechnet. H. Theaterabend der Brndisaler Kolpingsfamilie In der Schuhfabrik hatte er sich von einem ' nein, im Gegenteil, er pumpte von dem Be- Kollegen'E. 50.— DM ausgeliehen, hatte vor, das Geld wieder zurückzuzahlen, wurde aber krank und war dazu vorerst außerstande. Später kümmerte er sich wenig um den gutherzigen Kollegen. Zur gleichen Zeit — es war etwa im November 1949 — zechte er in einer Gastwirtschaft und bat die Bedienung, als man ihm eine nette Rechnung über DM 24.— zusammengestellt hatte, doch noch etwas zu warten, bis er sein Gehalt habe, unterließ aber in der Folgezeit geflissentlich jeden weiteren Verkehr in dem Lokal. Er wußte, daß er vorerst nicht in der Lage war, den Betrag zu zahlen, gestand auch, daß er nie die Absicht hatte! — In einem weiteren Gasthaus lernte er Walter S. kennen. Ihm klagte Schm, seine Not: Heute abend wolle er zu einer Geburtstagsfeier gehen, habe aber keinen anständigen Mantel, ob er ihm nicht seinen Staubmantel leihe? Natürlich! Er bekam ihn. Morgen' wird er ihn selbstverständlich wieder zurückbringen, versprach er ihm. Schm, dachte aber nicht daran, den Mantel jemals zurückzugeben. Dann lernte er in der Bahnhofswirtschaft einen Herrn Schw. kennen. (Die Gasthäuser schienen seine ertragreichsten Fundgruben zu sein!) Herr Schw. hatte für Schm.s Geldverlegenheit volles Verständnis und kam seiner kleinen Bitte um eine Anleihe von 50.— DM nach. Auch hier gibt Schm, bereitwillig zu, daß es nie seine Absicht war, das Geld zurückzuzahlen. Inzwischen hatte er bei einem Schneider in Heidelsheim Arbeit erhalten. Dort lernte er die Braut eines Freundes von ihm kennen. Wie mit seinem Freund, so stand er auch mit ihr bald in gutem Einvernehmen, ging auch mal mit ihr aus und bat sie einige Tage später, ihm 15.— DM zu leihen, weil er rasch eine Fahrkarte nach Frankfurt lösen müsse. Das Geld würde sie von seinem Vater wiederbekommen, dem er deshalb noch telegrafieren werde. Wenig später lieh er für eine Kinokarte noch zweimal je 2.— DM von ihr. Dafür wollte er sich — Kavalier, wie er war — dann auch revanchieren! Also lud er das Mädel ein. In einer Wirtschaft, wurde gegessen und getrunken, bis... hm..., Schm, feststellte, daß er kein Geld bei sich hatte. Das Mädel zahlte unter den feierlichen Versprechungen ihres .Begleiters, daß er natürlich alles wieder zurückerstatten würde. Schm_s Interesse richtete sich nicht nur auf Bargeld. Nein, auch auf andere Weise wußte er sich Vorteile zu verschaffen. Da war die Uhr eines Arbeitskameraden zu reparieren. Der betreffende Eigentümer brauchte die Uhr aber wieder notwendig. Schm, wußte Rat. Er würde das schon erledigen, nahm die Uhr mit und brachte sie E. als Pfand für die sitzer noch DM 40.—. Daß er versprach, den Betrug wieder doppelt zurückzuzahlen, half dem gutgläubigen Kioskbesitzer wenig. — Schm.5 Bekanntenkreis vergrößerte sich laufend'. Frl. K. lernte er durch Pf, eines seiner Opfer, kennen, mit ihr fuhr er eines Tages nach Stuttgart und besuchte dort ihren Schwager, der auch gleich bereit war, ihm für einen Tag ein Paar Sportschuhe und einen Schal zu leihen. Schm, .kam nicht mehr zurück. Ein anderes Mal machte er auf dem Viehmarkt die Bekanntschaft eines Herrn Sch. Schm, erzählte, daß er hier auch einen Farren zum Verkauf feil habe, könnte aber vorerst DM 12.— brauchen, bis er das Geld dafür habe. Er erhielt sie. Wenige Tage darauf erschien er in der Wohnung des Sch. und erzählt, daß sein Farren verkauft sei, der Erlös noch aussiehe und er selbst noch DM 100.- brauche. Er erhielt die DM 100.— und bald darauf weitere DM 165.—. Einen Farren hatte er freilich nie 'besessen, und Sch., um DM 277.— erleichtert, sah den sonderbaren Viehhändler nie mehr. Eine zweite Nachtragsklage brachte eine Reihe leichterer Fälle vor: Bald hatte' es Schm, zum Vertreter einer Ludwigsburger Firma gebracht. Bei zwei Familien hatte er auch wirklich Aufträge erhalten, und, was „Ben Hur“ ein voller Erfolg ■ In der dicht besetzten Aula des St. Paulusheims brachte die Laienspielerschar der Kolpingsfamilie Bruchsal das Schauspiel „Ben Hur“ zur Aufführung. Die von Heinrich Hou- ben für die Laienbühne bearbeitete Fassung des weltbekannten Romans aus der Zeit Christi stellte an die Spielschar die größten Anforderungen. Wenn auch markante Handlungen, wie beispielsweise der Kampf mit den Seeräubern oder das Wagenrennen aus. technischen Gründen den Augen der Zuschauer verborgen bleiben mußten und aus diesem Grunde die lebendige Gestaltung des Dialogs nicht immer einfach war, so verlor das Werk doch nicht seinen Reiz. Es war ein Wagnis, diesen 6-Akter über die Bretter gehen zu lassen und die Kolpingsfamilie hatte sich mit der Aufführung viel vorgenommen. Es liegt natürlich auf der Hand, daß in der Bewertung der Leistungen eines Laienensembles ein anderer Maßstab an?u- legen ist als dies in der Beurteilung einer berufsmäßigen Schauspielergruppe zu geschehen pflegt. Aber man darf doch sagen, daß die Aufführung wohl gelungen ist und die Erwartungen des Publikums, bei dem man den Stoff durch Literatur, Film und andere Bühnenfassungen als bekannt voraussetzen durfte, übertroffen wurden. Dieser Erfolg ist die Frucht einer GemeinriKreuzundquerdurdisStadigesdieheü Verlegung der Kreistagssitzung. Die auf Donnerstag, 30. März, 1430 Uhr, vom Landrat anberaumte Sitzung des Kreistages wird um einen Tag, auf Freitag, 14.30 Uhr, verlegt Die Mitglieder des Kreistages, die Bürgermeister usw. erhalten hierdurch Gelegenheit, an der Beerdigung des so jäh aus dem Leben gerissenen Regierungslandwirtschaftsrats Dr. Dahm am Donnerstag, 15 Uhr, auf dem Bruchsaler Friedhof teüzumehmen. Arbeitsgemeinschaft katholischer Lehrer. Wir machen nochmals auf den heute mittag, 14.30 Uhr, im Jägerstüble stattfindenden Vortrag von Dr. Lehr-Heidelberg aufmerksam. Der Redner spricht über das Thema: Das theologische Denken der Gegenwart und der Religionsunterricht. Zu dem Vortrag sind alle Erzieher herzlich eingeladen. Gewerkschaftsjugend. Die Bruchsaler Gewerkschaftsjugend setzt heute abend 18 Uhr in der Gewerbeschule, Kasemenblock C, ihre Schulungsreihe über die Sozialversicherung fort. Zur Debatte steht heute das Kriegsbeschädigtenleistungsgesetz in der gegenwärtig geltenden Fassung, die jedoch nicht als befriedigend bezeichnet werden kann. Die Gewerkschaftsjugend bittet um rege Teilnahme. Schweißtechnischer Lehrkurs. Der deutsche Verband für Schweißtechnik veranstaltet heute mittag, wie vor ein paar Tagen bereits amgekündigt, im Benehmen mit dem Landesgewerbeamt eine schweißtechnische Beratungsstunde in den Werkstätten der Gewerbeschule. Von 14.15 Uhr bis 17 Uhr finden eine Reihe praktischer Schweißvorführungen statt, die die neuesten Fortschritte auf diesem Gebiet der Technik zeigen sollen. Im Prinz Max schließt sich von 17.15 Uhr bis 18.30 Uhr ein Lichtbildervortrag über richtiges und falsches Schweißern an, den Dr. Ing. H. Grix hält. Vereinskalender VfB Bruchsal. Fußballtraining am kommenden Donnerstag, 30. März, für sämtliche Mannschaften in der Turnhalle der Styrumschule zu den üblichen Zeiten. Spielerversammlung und Unterricht nach dem Training im Gasthaus zum goldenen Lamm. Sämtliche Spieler erscheinen hierzu. — Wiederholung am Sonntag schaftsarbeit der gesamten Kolpingsfamilie. Sei es, daß Spielleiter und Spieler außerhalb ihres Berufes den Proben viele Stunden ihrer Freizeit opferten, sei es, daß für die Gestaltung der Bühnenbilder, der Beleuchtung, der Kostümbeschaffung und anderen organisatorischen Arbeiten viel Mühe und auch Liebe aufgebracht wurden, so dürften alle Mitwirkenden in dem guten Gelingen die verdiente Anerkennung ihrer Arbeit gefunden haben. Ohne die Leistungen anderer Mitwirkender zu schmälern, gebührt dem Spiel von Frl. A. Bannholzer volles Lob, die den ungebeugten Stolz der reichen Fürstin Hur gepaart mit mütterlicher Liebe und Fürsorge vortrefflich wiederzugeben verstand. Die über- sprudelnde Begeisterung, aber auch zärtliche Liebe und Anhänglichkeit an Mutter und Bruder wurden von Frl. E. Wussenberger in der Person der Tirza ausdrucksvoll verkörpert. Amra „die Gute“, die ergebene, selbst-, los sich aufopfernde Dienerin, fand in Frl. J. Brenner eine würdige Darstellerin. —Als Ben Hur stellte sich Ludwig Doll, der beste Spieler des Ensembles, dem Publikum vor. All sein. Können, sein Einfühlungsvermögen legte er in diese Rolle. Den einstigen Jugendfreund und Gegenspieler Ben Huris, den stolzen, überheblichen Römer mit seiner Falschheit verstand E. Singer vorteilhaft zu gestalten. A. Vogel als Quintus Arrius beherrschte seine Rolle. Glanio und Prumus, seine Untergebenen (E. Megerle und R. Heidelberger) paßten sich dem Galeerenmilieu gut an. Aber auch alle übrigen Mitwirkenden zeigten in Ihren Rollen beachtliches Können. Kaplan Bauer, der Präses der Kolpingsfamilie, sprach im seinem Schlußwort der Laienspielschar für die gebotenen Leistungen und all denen, die zum guten' Gelingen des Abends beigetragen haben, seinen Dank aus. Sein besonderer Dank galt dem Rektor des St. Paulusheims, P. Fechtig, der in zuvorkommender Weise die Aula für die Proben und insbesondere für cjje Aufführung zur Verfügung gestellt hat. Der reich gespendete Beifall belohnte die Spieler für ihre Darbietungen, die bei den Zuschauern einen tiefen Eindruck hinterließen. Um weiten _ Kreisen ddr Bevölkerung Gelegenheit zum Besuch der Aufführung zu geben, gelangt das Schauspiel am Sonntag, 2. April, um 20 Uhr in der Aula des St. Paulusheime nochmals zur Darbietung . Karten für diese Aufführung sind im Vorverkauf bei Bäckerei A. Frittel, Ecke Zoll- hallen-Wilderichstraße, Lebensmittelgeschäft A. Bannholzer, Salinenstr., und Gasthaus am letzten Brunnen, Württembergerstr., erhältlich. Rasch und unerwartet wurde mein innigstgeliebter Mann, unser lieber, treusorgender Vater Regierungslandwirtschaftsrat Dr. Oswald Dahm mitten aus dem Schaffen durch einen jähen Tod uns im Alfer von 49 Jahren entrissen. In tiefer Trauer: Frau Gretel Dahm geb. Kayser Inge Dahm u. Gunter Dahm nebst allen Anverwandten Bruchsal, Rohrbacher Hof, 28. März 1950 Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. März 1950, 15.00 Uhr, auf dem Bruchsaler Friedhof statt. Hoher Blutdruck? dann * ^kitkuün C/Knot>!auch-Perlen 'Jota-Rummel das gute Fachgeschäft Brudual, Viktoriastr^4 (beim Bahnhof) Sie werden wieder für wenig Geld gut sehen und dodi jueendlidi aussehen mit einer Ihrem Typ entsprechenden Brille Sorgfältige Anpassung durch ÖPTIKERM EISTE R MÖRKE BRUCHSAL - Friedhotstraße 6 ]etti 4mm Zwisdtenklussen lSJIillionen DM Gewinne la SiüldKlam'iilolterit! O.ZAWAZAL • BRUCHSAL • Holzmarkt3 ICC fahrige berichten daß sie ihr langes Leben besonders erquickendem Schlaf verdanken, »ßnrchards Nerven- und Scblafperlen« bringen auch Ihnen bald den langersehnten Schlaf. Bruchsal: Drogerie Singer, Kaiserstr. 51 Alle fcJägeZwhiwg mad VERDINGUNG Für den Erweiterungsbau der Allgemeinen Ortskrankenkasse Bruchsal in der Schillerstraße sollen die Maurerund Steinhauerarbeiten vergeben werden. Die Angebotsunterlagen sind gegen Erstattung der Selbstkosten im Archilekturbüro des Unterzeichneten abzuholen, wo auch die Baupläne zur Einsichtnahme aufliegen. Die Angebote sind bis spätestens Mittwoch, den 5. April, 16 Uhr, bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse Bruchsal, Bahnhofstraße 8 einzureichen. Zuschlagtrist 8 Tage. K. O. KOLB, ARCHITEKTURB URO Bruchsal, Schönbomslr. 19 Dia. Bruchsaler Einzeihandelsgeschäfte sind am Sonnlag, den 2.4.1950 von 14 bis 18 Uhr geöffnet Mittwoch, den 29. März 1950 AUS KRAICHGAU UND BRUHRAIN Kirrlach Unter den Vereinen FC Olympia Kirrlach, Spielvereinigung Oberhausen, FV 09 Philippsburg und FV 1912 Wiesental fand eine Vorbesprechung im Gasthaus Bratwurstglöckl in Waghäusel statt, bei der über die Austragung des Pokaltumiers 1950 Abmachungen getroffen wurden, die für jeden Verein als bindend zu betrachten sind. Es wurde angeregt, jedem der beteiligten Vereine einen Preis zu*üerken- nen, sodaß insgesamt 4 Preise zur Verteilung kommen. Austragungsorte: 4. 6. Philippsburg, 11. 6. Oberhausen, 18. 6. Wiesental, 27. 8. Kirrlach. Spieldauer 2 mal 20 Minuten, jeder gegen jeden. Hambrüchen Die Kirchenbehörde in Freiburg hat dieser Tage die Pfarrgemeinde Hambrücken an den Pfarrkurat Emil Gindele-Grötzirigen verliehen. Pfarrverweser A. Volkert, der seit dem Tode von H. H. Pfarrer Thoma im November letzten Jahres die Pfarrgemeinde betreute, wird am 19. April Hambrücken verlassen, um die Pfarrei Oberschefflenz, Dekanat Mosbach, zu übernehmen. Pfarrer Volkert hat in den fünf Monaten seines Hierseins wertvolle und segensreiche Arbeit in der Pfarrgemeinde geleistet und die ganze Einwohnerschaft bedauert sein Scheiden, vor allem aber die Jugend, der er ein einziger Spieler mußte in dem vergangenen Jahre jiestraft werden, . was von dem guten Geist spricht, der in der Mannschaft steckte. — Einen umfang- und aufschlußreichen Kassenbericht gab anschließend der Kassier A. Etzkom. Die Gesamtvorstandschaft konnte entlastet werden, -so daß man anschließend zur Neuwahl übergehen konnte. In geheimer Abstimmung wurden gewählt: Franz Böser zum 1. Vorsitzenden, Josef Burger zum 2. Vorsitzenden; Schriftführer und Kassier wurden für ein weiteres Jahr in ihren Aemtem bestätigt. Den Spielausschußvorsitz führt Emil Heß, Beisitzer wurden Hans Hubbuch, und Josef Hintermayer. Der neue Vorstand forderte in seinem Schlußwort die Anwesenden auf, auch weiterhin dem Verein die Treue zu halten. Ba. Obergrombach Herr Karl Eppele, Sohn des Landwirts Hubert Eppele, Hauptstraße 14, hat dieser Tage vor der Prüfungskommission in Bruchsal die Staatliche Baumwarteprüfurng mit gutem Erfolg abgelegt. Am morgigen Donnerstag begeht Frau Luise Goldade geh. Janzer, Witwe des Landwirts Franz Josef Goldade, Gondelsheimerstraße 2, in verhältnismäßig guter Gesundheit und geistiger Frische ihren 72. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch. Am vergangenen Sonntag wurde im „Grünen Baum“ von der Firma Ringwald & Co. in Schifferstadt das Tabaksgeld für Haupt- und Obergut der Gruppe 1 ausbezahlt. Am letzten Sonntag hatte die Ortssirene die aktiven Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr zu ihrer ersten Frühjahrsprobe zusammengerufen. Nach dem Ausprobieren der generalüberholten Feuerwehrmotorspritze fand im Gerätehaus eine kurze Besprechung über die Festlegung der künftigen Uebungszeiten sowie über die Abhaltung der Generalversammlung und des diesjährigen Gartenfestes statt. Die nächste Feuerwehrprobe findet am Ostermontag, morgens 6 Uhr, statt. Das Gartenfest wurde auf einen noch näher zu bestimmenden Sonntag im Juni festgelegt. Unter Leitung des Badischen Feldbereinigungsamtes Karlsruhe fand am Montag im Gasthaus zum Hirsch eine Versammlung aller an der Rebumlegung irp Gewann „Aeußerer Stahl“ beteiligten Winzer statt* um die wenigen noch vorhandenen Schwierigkeiten zu belli Weiher tum und Leben, die Verwirklichung der Forderungen der Religion im Alltag. Fabrikant Albert Böser schilderte dann die Eindrücke auf seine Romfahrt und die Audienz beim Hl. Vater. Er stellte fest, daß dem Papst die Not in unserem Vaterlande ganz besonders zu Herzen gehe und er sich unablässig bemühe, Deutschland' zu helfen. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Vogel, dankte den Rednern für ihre trefflichen Ausführungen. Die Feier schloß mit dem Lied: Ein Haus voll Glorie schauet . . . D. Münzesheim haut Im Bürgersaal des Rathauses versammelten sich am Samstag, auf Einladung der Genossenschaft die Viehhalter bzw. Milcherzeuger. Bürgermeister Hörrle eröffnete die gut besuchte Versammlung und begrüßte besonders Herrn Oberrevisor Schaber vom Verband Bad. Land- wirtschaftl. Genossenschaften, Karlsruhe. Das Hauptthema der Tagung bildete der Plan der örtlichen Genossenschaft, eine eigene Milchsammelstelle zu erstellen. Die Milchsammelstelle war bisher in einem Mietsraum untergebracht. Herr Schaber setzte den Anwesenden ausführlich das Für und Wider dieses Planes auseinander. Auch könnte man in dieser Milchzentrale einen Büro- und Kassenraum für die Papstfeier sich mit überaus großem Eifer gewidmet hat. In der letzten Woche wurden die Gebeine eines kurz vor dem Einmarsch der Besatzungsmacht in der Nähe von Hambrücken gefallenen und auf dem Hambrücker Friedhof beerdigten Soldaten in seine Vaterstadt Bad-Kreuznach überführt. Die Ehefrau des Gefallenen hatte beim Fußballtoto gewonnen und damit konnte sie die Unkosten der Ueberführung bestreiten. In der letzten Woche hat das 2. Schülerturnier des Schachklubs mit annähernd 20 Teilnehmern begonnen. Auch bei der Tischtennis- Abteilung des Schachklubs startete am letzten Mittwoch ein Ver^instumier. k. Forst Am vergangenen Samstag fand im Sporthaus die Hauptversammlung der FC Germania statt. Vorstand Luft begrüßte die Anwesenden und machte sie mit der Tagesordnung bekannt Schriftführer Krux verlas das Jahresprotokoll, aus dem zu ersehen war, daß der FC nicht nur großartige Feste aufziehen und schöne Erfolge erkämpfen konnte, sondern daß die Mannschaft als wirkliche Sportsleute auch anständig zu verlieren weiß. Nicht 11 Jahre sind es nun her, daß Kardinalstaatssekretär Eugen Pacelli zum Papst gekrönt wurde. Aus diesem Anlaß versammelte sich die Einwohnerschaft am Sonntag im Rosensaal zu einer Papstfeier In dankenswerter Weise hatten sich der Kirchenchor und der Mannergesangverein zur Verfügung gestellt und gaben durch ihre Darbietungen der Feierstunde einen würdigen Rahmen. Als Festredner wurde Sozialbeamter Korn aus Heidelberg gewonnen, der es meisterhaft verstand, die Bedeutung des Papsttums zu beleuchten, das zur Zeit im erbittersten Ringen mit den Mächten des 1 Gotteshasses und der Staatsvergötzung steht. Das Bemühen unseres jetzigen Papstes Pius XII. sei die soziale Gerechtigkeit und den Frieden unter den Völkern zu schaffen. Wer nach Zeugnissen blühenden christlichen Lebens in unserem Volke suche, dürfe die zahlreichen ernsten Bemühungen um eine gerechte soziale Neuordnung nicht vergessen. Sie finde ihren Niederschlag in der tätigen Bruder- und Schwesternhilfe für die Vertriebenen. Sie zeige sich in der Erweckung des sozialen Verant- wortungsbetvußtseins in allen Ständen. Sie werde sichtbar vor allem im Kirchlichen Siedlungswerk in Deutschland. Ueberall werde in der christlichen Welt daran gearbeitet, die großen Aufgaben zu lösen, welche die gegenwärtige Notzeit jedem Christen unserer Tage noch stellen wird: enge Verbindung von Christen- Hamburger Kunstmaler als Falschmünzer Ein von der Polizei als „größter Falschgeld- Fabrikant in Hamburg, vielleicht sogar im Bundesgebiet seit dem Kriege“ bezeichneter Kunstmaler konnte am Dienstagabend von einem 22jährigen Hamburger Polizisten festgenommen werden. Nach Mitteilungen der Hamburger Polizei wurden in der Wohnung des Kunstmalers Ottomar Anders aus Hamburg falsche Fünf-D-Markscheine im Werte von 150 000 Mark, sowie die nötigen Geräte zur Herstellung der Scheine gefunden. Die Ehefrau Anders war während der Haussuchung aus dem Küchenfenster geflohen. Am Dienstagmorgen wurde der Ehemann zu einer an einem Baum erhängt gefundenen Frauenleiche geführt, die er als seine Frau identifizierte. Nach Mitteilung der Polizei handelt es sich bei dem geständigen Anders um einen Familienvater von zwei Kindern, der seit längerer Zeit als Kunstmaler ohne jede Erwerbsmöglichkeit war. In seiner Wohnung wurden außer den Geräten zur Herstellung des Falschgeldes eine Reihe von Klischees zur Herstellung von Fahrkarten der Bundes- und Stadtbahn (nach mehreren größeren Städten in ganz Westdeutschland gefunden. Verhaftet wurde Anders, als er versuchte, einem Hamburger Lebensmittelhändler mit einem gefälschten Schein zu bezahlen. Es wird vermutet, daß dieses der erste Versuch Anders war, Falschgeld in Verkehr zu bringen. Die Polizei bezeichnet ihn als Einzelgänger, der kaum Komplizen gehabt haben könne. Bei der sofort nach der Verhaftung erfolgten Hausdurchsuchung fand die Polizei im Badezimmer der Wohnung eine große Menge frischgedruckter Geldscheine, die zum Trocknen auf eine Leine gehängt worden waren. Außerdem fand man eine mit öligen Sägespänen gefüllte Trommel, die vermutlich zum künstlichen Altern und Zerknittern der Geldscheine verwendet wurde. reinigen. Gleichzeitig wählte die Teilnehmergemeinschaft ihren Vorstand. Anschließend fand eine Tagfahrt mit Geländebesichtigung statt, die über sämtliche Fragen der Umlegung vollends Klarheit schaffte, so daß noch diese Woche mit den Vermessungsarbeiten begonnen werden kann. Rosinen und Datteln für Kuckucksuhren Karlsruhe. Der amerikanische Landwirtschaftssachverständige der Hohen Kommission, Mr. Pancoarst, sagte auf einem Bauernforum des Kreises Karlsruhe, daß Apfelsinen, Rosinen und Datteln heute neben wichtigeren Dingen nach Deutschland eingeführt werden müßten, damit das Bundesgebiet andererseits seine Kuckucksuhren und andere für das Ausland weniger wichtige Fabrikate ausführen könne. Schüler befürworten ein Filmjugendverbot Pforzheim. Bei einer Umfrage eines Pforz- heimer Journalisten bei rund 150 Schüler und Schülerinnen im Alter von 16 bis 20 Jahren der Pforzheimer Berufs- und Oberschulen über die Einstellung zu den gegenwärtigen Filmen sprach sich die Mehrzahl der Befragten für die Einführung eines Jugendverbotes aus. Als psychologisch am beachtenswertesten wurde von den Schülern der französische Film bezeichnet, während die amerikanischen Filme, mit wenigen Ausnahmen, abgelehnt wurden. Wer den Schaden hat... Bachen. Dem Leiter des Ernährungsamtes beim Landratsamt Buchen wurde vor einigen Tagen ein schwarzbebändertes und mit einer weißen Rose geschmücktes Päckchen zugestellt, das „An den Leiter des Emäh- rungsamtes, zur Zeit Minister ohne Geschäftsbereich“, adressiert war. Bei Oeffnung der Sendung stellte man fest, daß sie die letzte Lebensmittelkartenabrechnung der Gemeinde Rittberg enthielt. Dem Päckchen war ein Beileidsbrief beigefügt, der von den „trauernden Hinterbliebenen“, den Normalverbrauchern von Rittberg unterschrieben war. Mildisamiiielslelle Sparkasse einbauen und auch hierfür die Miete ersparen. Im weiteren Verlauf wurde über die Ankaufsmöglichkeit von Baugelände abgestimmt und volle Einmütigkeit erzielt. Die Vorstandschaft der Genossenschaft steht bereits in Verhandlungen zum Ankauf vom günstig gelegenen Gelände. Es darf also* bestimmt angenommen werden, daß in absehbarer Zeit der Plan der Genossenschaft verwirklicht wird. — Fragen, betreffs Milcherzeugung und Milchgeldberechnung wurden von Herrn Schaber ausführlich und sachlich beantwortet. In der Martinskirche wurden 20 Knaben und 7 Mädchen konfirmiert. Schon Tage vorher herrschte überall rege Geschäftigkeit, bis alles geputzt und gebacken war, und Küche und Keller für "die vielen Gäste gerüstet waren. Allenthalben war man bemüht, den Konfirmanden ihren Festtag besonders würdig zu gestalten. — h. Neibsheim Die Nähschule zeigt am Sonntag, 2. April, von 12 bis 13.30 Uhr und von 14 bis 18 Uhr im Saale des Schwesternhauses in einer Ausstellung die im Laufe des vergangenen Jahres unter Leitung von Schw. Humilis gefertigten Kleider, Schürzen. Wäsche und Aussteuergegenstände. Die Einwohnerschaft ist herzlich zu dieser Ausstellung eingeladen. Gestorben ist im Alter von 58 Jahren Frau Maria Westermann gieb. Klotz, Heidelshei- merstraße 18. Am 31. 3. feiert Herr Gustav Kratzmeier seinen 79. und am 2. 4. Frau Elisabeth Haag geh. Vogel ihren 70. Geburtstag. Wir gratulieren und wünschen einen gesegneten Lebensabend. h. ^TRANZISKA "J" UND DIE SIEBEN RABEN rudolf anderi MÜNCHNER KOMAS-VERLAG M~Ü N C HE N ■ P A S I N G. FRITZ-. REUTER-STR. | 52. Der Hausknecht spitzt die Ohren. Dieser Pankraz ist umwittert von soviel Geheimnissen, womöglich kommt da schon wieder eine merkwürdige Geschichte heraus — man hört in der letzten Zeit so Verschiedenes. — Doch, antwortet er, Herr Pankraz sei oben in seinem Zimmer; er solle nur folgen, bitte! Und damit geht er voran. Der Fremde klopft an. Er hört ein kurzes „Herein“. Vorsichtig tritt der Besucher in das Zimmer. Pankraz steht am Fenster; er ist ungehalten über die Störung, an ihm ist alles voll Unruhe und Unsicherheit, er möchte nichts anderes mehr als möglichst schnell fort — er hat auch nicht das mindeste Interesse mehr an den Dingen hier in Salzbrunn. Am liebsten würde er zu dem Fremden sagen: Was wollen Sie denn! Schauen Sie, daß Sie wieder fort- kommen! Ich habe keine Zeit für Sie! — Aber das würden ein paar Stunden später schon wieder alle Leute in Salzbrunn wissen! und daran hat er gerade jetzt kein Interesse. Er erwidert den Gruß des Besuchers mürrisch „Was ist los?“ fragt er kurz. Der Hagere kommt einen Schritt näher. „Ich weiß nicht, Herr Lodroner, ob Sie sich noch an mich erinnern“, stotterte er verlegen. „Nein, bestimmt nicht. War sind Sie denn? ‘ „Pölsterle!“ antwortet der andere leise, „Quirin Pöltserle aus Oberham —“. „Pölsterle!“ wiederholt Pankraz. Er krallt seine Hände um das Fensterbrett. „Wie kommen Sie hierher ... und was wollen Sie von mir? Ich habe Sie doch nicht gerufen!“ „Das ist richtig. Ich komme auch ganz aus eigenem Antrieb. Der Besucher holt tief Atem, er wird nun ruhiger und sicherer. „Ihr Bruder war nämlich bei mir, Ihr jüngster Bruder, ich glaube, er heißt Günther —“. „Dieser Idiot —!“ „Ich habe nicht das Gefühl, daß Herr Günther ein Idiot ist“, weist der Hagere den Vorwurf zurück. Er kann sehr gewählt sprechen, er hat immerhin in seiner Jugend vier Klassen im Pennal gesessep, das merkt man ihm auch jetzt noch an. „Es geht nämlich darum, Herr Lodroner, daß die Ehre einer geachteten Dame auf dem Spiel steht und das Glück Ihres Herrn Bruders Ludwig ... den ich sehr schätze. Darum geht es. Ich bitte das zu bedenken.“ „Ja — und ? „Warum muß ich das noch näher erklären! Herr Günther hat mir gesagt, daß Sie ... daß man hier der Meinung ist, daß Sie damals ... als ich noch Wirt im Waldhaus ... daß Sie also damals mit Fräulein Lambacher bei mir gewesen wären ... und nicht mit Frau Lodroner“. „Kerl! Sagen Sie däs nicht so laut! Wenn ein Mensch Sie hört —!“ „Ich werde das noch viel lauter sagen — wenn Sie die ganze Geschichte nicht sofort in Ordnung bringen.“ „IcB? ^jnd Sie denn verrückt?“ „Ganz bestimmt nicht. Jetzt schon erst recht nicht. Ich erinnere mich noch genau an den Abend, als Sie zu mir kamen, mit dem Auto, mit der jungen Dame, von der ich später erfuhr, daß sie die Frau Ihres Bruders, des Herrn Doktor Michael Lodroner aus Bischofshall ist ... der Herr Doktor war gerade verreist, nicht wahr? Und jetzt würden Sie mich wohl am liebsten zum Lügner stempeln? Und nennen mich einen Kerl und schreien mich an ... das brauche ich mir nicht gefallen zu lassen! Das nicht". Niemals!“ Die Stimme des Mannes aus Osterham ist nun so laut geworden, daß man sie auf den Gang hinaushört. Der Hausknecht unten am Treppenabsatz paßt höllisch auf, jedoch kann er glücklicherweise keine Einzelheiten verstehen. Aber noch ein anderer vernimmt den Lärm, und das ist gerade der Mann, der ihn nach Pankraz Willen am allerwenigsten hören sollte ... Michael ist e s,-denn die Tür zu Char- lottes Zimmer war nach dem Weggang der Wärterin nur angelehnt. „Ich muß doch nach- sehen, was das für ein Spektakel ist!“ sagt der Arzt verwundert und steht auf. „Bleibe ruhig, Kind, ich bin gleich wieder da“. Damit verläßt er den Raum. Er merkt sogleich, daß die streitenden Stimmen aus dem Zimmer kommen, das von Pankraz seit seiner Ankunft in Salzbrunn bewohnt wird. Aber die zwei Männer dort haben keine Ahnung, daß man ihr Gespräch auch außerhalb der Tür hören kann, oder sie sind beide zu erregt, daß sie diese Möglichkeit bedächten. Pankraz, wohl wissend, daß mit dem Erscheinen Pölsterles eine Wendung der Dinge eintreten kann, die seine Pläne für die nächsten Stunden mit einem Male zerstören wird, Pankraz also ist auf den Besucher zugetreten: „Mann! Ich bitte Sie jetzt noch einmal im Guten, daß Sie das Maul halten. Sie wissen nicht, was Sie hier anriehten können. Was geht Sie das überhaupt an! Sie sind ein armer Schlucker sonst nichts, haben nicht einmal die Wirtschaft halten können ... und jetzt kommen Sie hierher und machen solche Geschichten! Übrigens habe ich keine Zeit mehr für Sie. Verschwinden Sie jetzt. Ich habe anderes zu tun als mich mit Ihnen hier abzustreiten.“ Jeder andere Ton wäre besser am Platz gewesen als gerade dieser. Dem hageren Gast treten die Adern vor an den Schläfen. „Muß ich mir das gefallen lassen?“ schreit er, jetzt ist ihm alles gleich. „Muß ich mir vorwerfen lassen, daß ich ein armer Teufel bin, ein armer Teufel, der gerade zu tun hat, daß er leben kann? So schön hab ichs fieilich nicht wie andere Herrschaften, die in der Weltgeschichte herumfahren und heimkommen, wenn ihnen das Geld ausgeht, und die mit den Frauen ihrer Brüder herumhuren .. jawohl! Sie wissen doch, wen ich meine! Ich, Quirin Pölsterle, ich weiß es doch ganz genau, daß Sie damals mit Frau Charlotte Lodroner bei mir waren .... übrigens hat ja auch eine Frau es gesehen, wie Sie mit ihr weggingen ... und jetzt sagen Sie in Ihrer Gemeinheit, daß Fräulein Franziska diejenige gewesen wäre, die Sie Ihrer Zuneigung für wert hielten ... und denken gar nicht daran, wie das Ihr Bruder Ludwig- treffen muß! So ist es doch, jawohl ... Sie Kerl Sie!“ Pankraz schäumt vor Wut. Seine Augen irren durch das Zimmer; da bleibt sein Blick auf dem Waffenschrank hängen, der von des Vaters Zeiten noch hier steht und in derp neben einer Reihe von Gewehren auch einige Pistolen liegen. Der Schlüssel steckt in der Glastür. Pankraz, außer sich vor Zorn, stürzt hin, reißt die nächste Pistole heraus und legt sie an: „Noch ein Wort und ich schieße!“ keucht er, obgleich er gar keine Ahnung hat, ob das Ding überhaupt geladen ist. „Ich rate Ihnen, gehen Sie! Gehen Sie gleich! Oder ich weiß nicht mehr, was ich tue ... warum stehen Sie noch da! Fort —!“ Pölsterle weicht an die Tür zurück, aber da wird sie schon von außen aufgerissen. Michael steht auf der Schwelle. „Bleiben Sie da!“ sagt er, nach außen ruhig, während in seinem Innern der Aufruhr tobt. „Bleiben Sie. Ich habe auf dem Gang gestanden und einiges mitanhören müssen. Mein Name ist Michael Lodroner, Doktor Michael Lodroner ... und nun wiederholen Sie bitte, was Sie da eben gesagt haben. Vielleicht habe ich mich auch verhört. Doch, doch, sprechen Sie nur, ich bitte Sie ja darum, alles — der Reihe nach —“. Jetzt stürzt Pankraz vor. „Der Kerl ist ja wahnsinnig!“ brüllt er. „Ich kenne ihn überhaupt nicht. Ich weiß gar nicht, was er will. Wahrscheinlich ist er verrückt.. . hör nicht hin, was er sagt —“ Fortsetzung folgt.