BRÜtHSAlER POST HEIMATBLATT FÜR KRAICHCAU UND BRUHRAIN - SUDD. HEIMATZEITUNG Nummer 90 Mittwoch, den 19. April 1950 Jahrgang S Das deutsche Volk will nur Frieden und Freiheit Sd,icksal l frage der UN Adenauers Rede im Berliner Titania-Palast—Ein föderatives Europa ist die beste Lösung, Krieg zu verhindern Berlin (VF). Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer hielt im Titania-Palast in Berlin- Steglitz eine bedeutsame Rede, in der er sich für die Bildung eines föderativen Europas einsetzte, in dem Deutschland vollwertiges und gleichberechtigtes Mitglied sein müsse. Während der Rede waren die Sitzreihen, die Gänge und Treppen mit 1800 deutschen und alliierten geladenöl Gästen dicht besetzt. Der Saal war mit der Bundesfahne und den Fahnen aller deutscher Länder einschließlich der der sowjetischen Besatzungszone und der hinter der Oder-Neiße-Linie geschmückt. Die letzteren waren von schwarzen Trauerbändern umflort. Der Bundeskanzler wandte sich zu Beginn »einer Rede gegen von alliierter Seite geäußerte Befürchtungen, daß ein vereinigtes Deutschland sich auf die Seite der Sowjetunion stellen würde. Er versicherte den Westmächten, daß Deutschland seine Lehren aus dem Angriffskrieg gezogen habe und nur noch „Frieden und Freiheit“ wünsche. „Es ist unbedingt notwendig“, sagte er, „Deutschland in ein westeuropäisches föderatives System einzugliedem. Wenn es Rußland ernst ist mit seiner Friedensliebe, dann muß es ein föderatives Europa wünschen, denn ein solches wäre die beste Lösung, um einen Krieg abzuwenden.“ Zu der Frage der allgemeinen deutschen Wahlen sagte der Bundeskanzler: „Die Bundesregierung stimmt mit vollem Herzen allgemeinen deutschen Wahlen zu.“ Adenauer drückte dabei die Hoffnung aus, daß eines Tages eine gerechte Ordnung dem deutschen Volke auch im Osten die Einheit und Freiheit wiedergeben werde und richtete einen Appell an die Ostzone, weiter auszuharren. Die Sowjetunion, so betonte Adenauer, habe keine kluge Politik verfolgt, als sie versuchte, 18 Millionen Deutschen in ihrer Besatzungszone mit Hilfe der deutschen Kommunisten eine Lebensart aufzuzwingen, die ihrem Charakter, ihrer Tradition und ihrer Lebensweise vollkommen fremd seL „Geschmerzt und enttäuscht“ Im weiteren Verlauf seiner Rede beschäftigte sich der Bundeskanzler ausführlich mit der bevorstehenden Londoner Konferenz der drei westlichen Außenminister, und mit der Aktivität der westlichen Staatsmänner. Er drückte die Hoffnung aus, daß die drei Außenminister sich intensiv mit der deutschen Frage beschäftigen würden. Es gebe Kreise, meinte Adenauer, die die Deutschlandfrage erst im Herbst diskutieren wollten. Der Kanzler verwies dabei auf einen Artikel in der britisch lizenzierten Zeitung „Die Welt“, in der ganz offiziell eine solche Zurückstellung befürwortet werde. „Die ln diesem Artikel enthaltene britische Erklärung“, sagte Adenauer, „hat mich sehr geschmerzt und enttäuscht.“ Was solle Deutschland eigentlich noch tun, um die Westalliiertöl von seiner Einstellung zu überzeugen. Adenauer verwies in diesem Zusammenhang auf die Präambel zum deutschen Grundgesetz, in der sich die Bundesrepublik freiwillig bereit erklärte, auf einen Teil ihr« Souveränität im Interesse einer zwischenstaatlichen Lösung zu verzichten. Revision des Besatzungsstatuts Der Bundeskanzler forderte dann eine Revision des Besatzungsstatuts. Die Westmächte, so sagte er, hätten diese Revision für den Herbst 1950 zugesagt. Inzwischen hätten sich die Ereignisse aber so schnell entwickelt, daß seiner Ansicht nach diese Revision bereits von den drei Außenministern auf ihrer Londoner Konferenz im Mai vorgenommen werden sollte. Falls aber weitere Kontrollen stattfinden müßten, dann „sollten sie klar, vernünftig und einfach sein“. Die Furcht der Nachbarstaaten vor einer starken deutschen Wirtschaft dürfe nicht dazu führen, daß Wirtschaftskontrollen das Niederhalten der Konkurrenz bedeuten. Derartige Kontrollen könnten in Deutschland die Entwicklung eines überaus schädlichen Mißtrauens hervorrufen. Zur Lage in Berlin erklärte Adenauer: „Die Bundesregierung wird weiterhelfen, sie wird in noch stärkerem Maße Hilfe für Berlin leisten. Diese Hilfe kommt aus der klaren Erkenntnis, daß Berlin nicht nur eine deutsche Mission zu erfüllen hat, sondern daß Berlin in der vordersten Front Westeuropas und des gesamten Abendlandes steht.“ Der Bundeskanzler beschloß seine Rede mit den Worten: „Wir haben durch Leid und Not erkannt, daß es nur ein Fundament gibt für Deutschland: ein freies Volk — ein friedliches Volk, ein Volk ln Recht und Einigkeit.“ Adenauer bat sodann alle Anwesenden, mit ihm die dritte Strophe des offiziell seit dem Ende des Krieges in Deutschland nicht gesungenen Deutschlandliedes zu singen. Daraufhin verließen die SPD-Vertreter Neumann, Swolinski und Mattik den Saal. Nur Oberbürgermeister Professor Reuter, Frau Luise Schroeder und Stadtverordnetenvorsteher Dr. Suhr erhoben sich, wie die übrigen Teilnehmer an der Kundgebung, von den Plätzen. Die 'Kommandanten der Westsektoren blieben auf ihren Plätzen sitzen. Im Anschluß an die Kundgebung hatte Adenauer am Nachmittag eine Besprechung mit den Kommandanten der Westsektoren und den führenden Berliner Politikern. Am Abend sprachen Dr. Adenauer und Bundesminister Kaiser auf einer CDU-Kundge- bung vor über 4000 Teilnehmern. Um die dritte Strophe... Zu dem Absingen der dritten Strophe des Deutschlandliedes erklärten alliierte Beamte, daß es keine ausgesprochenen Verordnungen der westlichen Besatzungsmächte gebe, die das Singen der ehemaligen Nationalhymne verbieten. Der britische Stadtkommandant General Bourne, bezeichnete das Absingen der dritten Strophe als Beweis von „äußerst schlechtem Geschmack“. „Die Sozialdemokratische Partei mißbilligt die Methode, gegen den erklärten und erkennbaren Willen der großen Mehrzahl der Berliner eine Art von Nationalhymne diktatorisch einführen zu wollen“, heißt es in einer Verlautbarung der SPD-Pressestelle in Bona. - Bundeswirtschaftsminister Erhard und Bundesjustizminister Dehler sagten dagegen, die Haltung der SPD sei ihnen unverständlich. Es könne nichts Schöneres geben, als Einigkeit, Recht und Freiheit „Puffer zwischen Ost und West" US-Zeitungen schlagen Neutralisierung Deutschlands vor — Zurückhaltende Stellungnahme in Washington chen, daß man den Deutschen immer wieder vor Augen führe, daß sie von einer Zusammenarbeit mit dem Westen weit mehr profitieren könnten, als mit dem Osten. Dazu gehöre, daß man die Deutschen davon zu überzeugen vermöge, daß die Westmächte durchaus in der Lage seien, die Verteidigung Deutschlands zu übernehmen und indem man ihnen Märkte und Handelsmöglichkeiten biete. _ Ei? wird allerdings zugegeben, daß die West möchte im Hinblick auf die Arbeitslosigkeit und den Wunsch deutscher Industrieller, Exportmöglichkeiten nach dem Osten zu gewinnen, noch nicht genügend getan hätten, um die' Bundesrepublik von ihrer Sache zu überzeugen. Man erinnert in diesem Zusammenhang an einen Ausspruch Dr. Adenauers, der sich vor seiner Amtsübernahme ungefähr wie folgt geäußert habe: „Mit wem Deutschland in Zukunft zusammenarbeitet, hängt ganz davon ab, wie sich das übrige Westeuropa Deutschland gegenüber stellt.“ Washington (UP). In amerikanischen Regierungskreisen äußerte man sich äußerst zurückhaltend Ober die Vorschläge zahlreicher US-Zeitungen, in denen die Schaffung eines „neutralen“ Deutschlands als Paffer zwischen Ost und West angeregt worden war. Man weist in diesen Kreisen darauf hin, daß solche Vorschläge anscheinend von der Annahme ausgingen, ein „neutrales“ Deutschland könne durch ein Abkommen zwischen den „Großen Vier" geschaffen werden und sifh im Falle eines Krieges zwischen der kommunistischen und der demokratischen Welt aus der Gefahr einer neuen Zerstörung heraushalten, indem es sich mit keiner Seite verbinde. Dem wird entgegengehalten, daß die Spannungen zwischen Washington, London und Paris auf der einen und Moskau auf der anderen Seite kaum der richtige Hintergrund für die Bildung eines „neutralen“ Staatswesens seien. Selbst für den Fall, daß sich die Großen Vier“ über ein solches Deutschland einigen würden, bestünde nur wenig Garantie, daß sich die Sowjetunion nach dem Abzug der Besatzungsmächte an ein getroffenes Abkommen hielte. Weiter führen diese Kreise als Gegenargument an, daß ein starkes Deutschland mit einer politisch-denkenden Bevölkerung schwerlich auf lange Dauer eine neutrale Haltung bewahren werde. Es wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß Deutschland schon bei dem Rapallo-Pakt 1922 und dem Stalin-Ribbentrop-Abkommen von 1939 „ein gewisses Anlehnungsbedürfnis an die Sowjetunion gezeigt“ habe. Die beste Möglichkeit, Deutschlandzu unterstützen sei, so meinte man, nur darin zu su- Separatfrieden Ostzone—UdSSR? Die Sowjetunion werde in den nächsten Monaten mit der Ostzone einen Separat-Frie- densvertrag schließen, sagten am Dienstag Beamte des amerikanischen Außenministeriums voraus. Der Sachverständige für ostdeutsche Angelegenheiten Henry Cox erkrärte, es sei nicht ausgeschlossen, daß die Sowjetunion diese Maßnahme schon während der Londoner Außenministerkonferenz treffen werde. Dagegen äußerten sich die Beamten skeptisch zu den Meldungen, wonach die Sowjetunion nach Abschluß eines Friedensvertrages ihre Truppen aus Ostdeutschland zurückziehen werde. Washington protestiert in Moskau Amerikanische Antwortnote überreicht Sowjetunion des Angriffes auf unbewaffnetes Flugzeug beschuldigt Washington (UP). In ihrer Antwortnote anf den sowjetischen Protest wegen angeblicher Oberfliegnng des Gebietes von Ll- ban durch ein amerikanisches Flngzeng beschuldigen die Vereinigten Staaten die UdSSR, daß ein rassischer Jäger ein unbewaffnetes US-Marineflngzeng Aber der offenen Ostsee abgeschossen habe. Die Untersuchung der Angelegenheit, so heißt es in der amerikanischen Note, die am Dienstag von dem Moskauer US- Botschafter dem stellvertretenden sowjetischen Außenminister Gromyko überreicht wurde, habe erwiesen, daß das einzige amerikanische Flugzeug, das sich .am 8. April über der Ostsee befunden habe, die verlorengegangene „Pri- vateer“ der US-Seestreikräfte gewesen sei. Die inzwischen von der Regierung veran- laßte Untersuchung hat sie (die Regierung) überzeugt“, heißt es in der Note, „daß das fragliche amerikanische Flugzeug keine sowjetischen oder sowjetisch besetzten Gebiete oder Territorialgewässer, die an solche Gebiete angrenzen, überflogen hat. Es muß angenommen werden, daß ein sowjetisches Militärflugzeug über der offenen Ostsee auf ein unbewaffnetes, amerikanisches Flugzeug geschossen hat und daß dieses amerikanische Flugzeug daraufhin verlorengegangen ist.“ Die Vereinigten Staaten, so heißt es weiter, sähen sich aus diesem Grunde veranlaßt, ln der ernstesten Weise gegen diese Verletzung des internationalen Rechts zu protestieren. Die USA rechneten damit, daß die Sowjetunion Ihr Bedauern über das gesetzwidrige und provokatorische Betragen ihrer (in diesen Zwischenfall verwickelten) Flieger zum Ausdruck bringen und dafür sorgen werde, daß die hierfür Verantwortlichen „unverzüglich und streng bestraft werden“. Die Vereinigten Staaten erwarteten ferner, daß die sowjetische Regierung, „wie das unter den friedliebenden Nationen allgemein eingebürgert und üblich ist“, ir die unprovozierte Vernichtung amerikanischen Lebens und Besitzes eine angemessene Entschädigung entrichte. Truman und sein Kritiker US-Außenpolitik auf überparteilicher Linie Washington (UP). In einem weiteren Versuch zur Stärkung der überparteilichen Linie der amerikanischen Außenpolitik verpflichtete sich Präsident Truman — nach einer Unterredung mit Außenminister Acheson und dem republikanischen Senator Bridges — die Ansichten der Republikaner „ernsthaft in Betracht zu ziehen“. Bridges war bisher als starker Gegner der Außenpolitik des State Department hervorgetreten. Truman hatte ihn in Key West (Florida) unter den drei republikanischen Senatoren (Bridges, Wherry und McCarthy) genannt, die zu der „wertvollsten Aktiva des Kreml“ gehörten. London (UP). Oie britische Regierung hofft, wie aus Äußerungen unterrichteter Londoner Kreise hervorgeht, bis Ende April eine Mehrheit für die Aufnahme des kommunistischen China ln den UN-Sicherheitsrat zustandezubringen. Das Problem, ob die neue kommunistisch« Regierung in Peking oder das nationalchinesische Regime des nach Formosa geflüchteten Marschall Tschiangkaischek die „Fünfte Großmacht“ bei den Vereinten Nationen vertreten soll, ist allmählich zu einer Lebensfrage für die UN geworden. Als die Sowjetunion und die ihr angeschlossenen Staaten zu Beginn des Jahres einzelne Ausschüsse in Lake Success zu boykottieren begannen, wurde die Bedeutung dieses Schrittes in der Weltöffentlichkeit nicht voll erfaßt. Nachdem Rußland mit der Zeit alle Körperschaften der UN, in denen die chinesische Nationalregierung vertreten war, verließ und zu verstehen gab, es würde nicht zurückkehren, bevor nicht die Vertreter Tschiangkai- scheks entfernt seien und eine kommunistische Delegation China vertrete, wurde der Emst der Lage offensichtlich. Da die Delegationen des Ostens gleichzeitig erklärten, daß sie alle in ihrer Abwesenheit gefaßten Beschlüsse nicht anerkennen, kam der gesamte internationale Apparat der neuen Weltorganisation mehr und mehr ins Stocken. Und es besteht im Hinblick auf die unnachgiebige Haltung der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten die Möglichkeit, daß diese Situation auf Monate hinaus fortdauern wird. Die Frage an und für sich, welches Regime als rechtmäßige chinesische Regierung anerkannt werden soll, zeigt den Osten und Westen nieht in-zwef scharf getrenntöl Lagern. England und Indien zum Beispiel anerkennen wie die Sowjetunion die Regierung in Peking und unterhalten keine diplomatischen Beziehungen mehr mit Tschiangkaischek. Diese Staatengruppe ist jedoch in allen Räten der UN bisher in der Minderheit. An der Spitze der Mehrheitsgruppe stehen die USA, deren Delegation erklärt, daß die fortgesetzte, brüske Verletzung der amerikanischen Rechte in China sowie eine Reihe anderer Faktoren es den Vereinigten Staaten vorerst nicht möglich machten, die Regierung Mao Tse Tung’s anzuerkennen. Zu den genannten Faktoren gehört vor allem das weitere Funktionieren der chinesi- sischen Nationalregierung auf Formosa, die während des ganzen Krieges als Verbündeter auf Seiten der Alliierten kämpfte und nach Ansicht vieler Amerikaner aus rein ethischen Überlegungen nicht ohne weiteres fallen gelassen werden darf. Im Sinne der Weltcharta, auf der die UN fundiert sind, müssen die einzelnen Ausschüsse darüber entscheiden, wer China rechtmäßig vertreten soll. Während England, Indien und a .dere westlich orientierte Nationen sich bisher der Mehrheit fügten, rebellierte die UdSSR mit den ihr verbündeten Regierungen und weigerte sich hartnäckig, weiter an der Arbeit teilzunehmen, solange sie ihren Willen nicht durchsetzen kann. Die Vereinigten Staaten z "gten eine weit mäßigere Haltung. Ihr stellvertretender Delegierter Gross gab wiederholt die Erklärung ab, die USA würden sich in der Frage der chinesischen Vertretung der Mehrheit fügen. Washington ging sogar noch einen Schritt weiter und gab bekannt, die USA würden im Sicherheitsrat auf ihr Vetorecht verzichten, sobald die erforderliche Majorität die Anerkennung Mao Tse Tung’s beschließe. Die fragliche Zweidrittel-Majorität ist in diesem Rat eigentlich nur noch von den Stimmen zweier Kleinstaaten abhängig. Für das kommunistische Regime sind die Sowjetunion, Jugoslawien, England, Indien und Norwegen, dagegen die Vereinigten Staaten, Frankreich, Kuba, Ecuador und Ägypten. Um die chinesischen Nationalisten aus dem Rat zu bannen, sind sieben Stimmen notwendig. Und da Frankreich durchblicken ließ, daß es sich vermutlich der Stimme enthalten werde, braucht Peking nur noch ein oder zwei Stimmen, um die Vertretung im Sicherheitsrat an sich zu reißen. Während Kuba in seiner Opposition unerschütterlich zu sein scheint, soll die Möglichkeit bestehen, daß Ägypten und Ecuador ihren Standpunkt ändern. Das Gefährliche an der gegenwärtigen Situation ist, daß sich die Russen mit ihren fortgesetzten Deklarationen zu Gunsten der Mao-Vertretung innerhalb der UN derart ex- ponMrten, daß sie heute kaum noch zurück können, ohne „das Gesicht zu verlieren". Sie wollen durch die Erzwingung ihrer Forderung den Chinesen und einigen anderen fernöstlichen Nationen mit schwankender öffentlich« Meinung demonstrieren, was Moskau in der internationalen Politik für seine Verbündeten *u «reichen vermag. Die noch zu Tschiang- kaischek haltenden Mächte andererseits sind sich der Tatsache bewußt, daß mit einem Nachgeben in dieser Streitfrage ein Präzedenzfall von ungeheurer Tragweite geschaffen würde: eine Minderheit könnte künftig der UN-Mehrheit ihren Willen' aufzwingen, indem sie sich über die Bestimmungen der Charta hinwegsetzt und die Vereinten Nationen zu verlassen droht, wenn man sich nicht nach ihr« Wünschen richtet. Für die Organisation der UN besteht daher heute nur noch ein einziger Ausweg aus dieser verfahrenen Situation: das weitere Übergehen von Mitgliedstaaten in das Lag« der Pekingregierung, bis eine beschlußfähige Mehrheit •ine kommunistische chinesische Delegation akzeptiert und d« Delegation d« Nationalregierung die Anerkennung entzieht. Wenn sieh in absehbarer Zeit eine derartige Majorität nicht zu bilden vermag, sind die Zukunftsaussichten der Vereinten Nationen mehr als düster. Im besten Falle würden sie untätig bleiben... „Pausenlose“ Beratungen in Brüssel Brüssel (UP). Paul van Zeeland, der mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragte amtierende belgische Außenminister, wurde von Prinzregent Charles empfangendem er über seine Verhandlungen aufgrund der letzten Vorschläge König Leopolds be- richtete Pressevertretern gegenüb« äußerte van Zeeland, er werde seine Beratungen „pausenlos" fortsetzen. Die Gegner ein« Rüdekehr König Leopolds — Sozialisten und Liberalen — haben ihre Zustimmung zur Annahme des in der königlichen Botschaft gemachten Vorschlages von der Klärung gewiss« Einzelheiten und der sich daraus ergebenden Übernahme gewisser Verpflichtungen durch den König abhängig gemacht. McCloy bei Londoner Konferenz Erhöhung der deutschen Stahlproduktion soll doch erörtert werde« USA „nicht grundsätzlich ablehnend“ Frankfurt (UP). Von hiesig« amerikanischer Seite wurden Informationen bestätigt, wonach der Hohe Kommissar McCloy und sein politischer Berater Riddleberger sowie der Chef der ECA-Sondermission, Hanes, nach vorläufigen Plänen an der Konferenz der drei westlichen Außenminister als Deutschlandsachverständige teilnehmen, werden. Ergänzend hierzu erfährt United Press von alliierter Seite in Frankfurt, daß entgegen anderstlautenden Erklärungen auch die Frage einer Erhöhung der deutschen Stahl- produktionsquotein der Konferenz besprochen werden dürfte, und zwar im Rahmen der Diskussion um die deutsche Wirtschaftslage. Die wiederholte Forderung deutscher Re- f ierungs- und Wirtschaftskreise nach einer rhöhung des Stahlproduktionslimits hätte all«dings auf britischer und französischer Seite bisher schärfste Ablehnung gefunden und lasse erhebliche Meinungsverschiedenheiten auf der Konferenz befürchten. Zweifellos ständen amerikanische Kreise dem deutschen Verlangen nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber, da sie sich davon eine Stärkung d« deutschen Wirtschaft und eine Steigerung der Exporte versprechen. Auch die deutschen Argument«, das Arbeits- losenbekämpfunga- und Wohnungsbauprogramm ließen sich ohne erhöhte Stahimeng«i nicht wirksam durchführen, besäßen einiges Gewicht. Die Außenminister müßten aber abwägen, ob sie die ebenso berechtigten Forderungen Englands und Frankreichs nach Sicherheit vor einem erneuten Anwachsen des deutschen Kriegspotentials für schwerwiegender erachteten oder nicht. Die Bundesregierung habe zu erkennen gegeben, daß sie die Erhöhung der Stahlquote auf 14,5 Millionen Tonnen bis zum Ende des Marshallplanes 1952 im Interesse seiner Wirksamkeit für unbedingt «forderlich erachte. Die Beamten bezweifelten, daß angesichts dieser Lage eine rasche Lösung auf der Londoner Konferenz gefunden werden könne. „Beendet den Antisemitismus“ Unter Bezugnahme auf die antisemitischen Ausschreitungen beim Harlan-Prozeß und di« Friedhofsschändungen in Frankfurt/Main appellierte der amerikanische Hohe Kommissar McCloy an das deutsche Volk, dem Antisemitismus „ein Ende zc^ setzen". McCloy betonte in seiner Erklärung, er sei überzeugt, daß das „deutsche Volk als Ganzes“ für diese Zwischenfälle nicht- verantwortlich sei. Vorschläge der Gewerkschaften Zur Verwirklichung des Mitbestimmungsrechts ' Bundes tags-Abgeordnete In New York. Fünfzehn Abgeordnete des Bundestages trafen ln New York zu ihrer fünfwöchigen Studienreise durch die USA ein. Düsseldorf (UP). Die zuständigen Stellen des Deutschen Gewerkschaftsbundes haben Ihre Arbeiten in der Formulierung der gewerkschaftlichen Vorschläge zur Neuordnung der deutschen Wirtschaft nunmehr abgeschlossen und der Öffentlichkeit übergeben. Auf dem Gebiet der Mitbestimmung der Arbeitnehmer auf der überbetrieblichen Ebene sehen die Vorschläge der Gewerkschaft die Bildung eines Bundeswirtschaftsrates, von Landeswirtschaftsräten, von Wirtschaftskammern sowie Handwerks- und Landwirtschaf ts- kammern vor. Die Mitbestimmung der Arbeitnehmer im Betrieb soll in Unternehmungen mit Aufsichtsräten durch Umbildung der Aufsichtsräte auf d« Grundlage der Parität von Aktionären und Nichtaktionären gesichert werden. Vatikansender klagt Prag an Die meisten Klöster geschlossen Frag (UP). Die amtliche tschechoslowakische Nachrichtenagentur 'meldet, daß die meisten römisch-katholischen Klöster im Im Lande geschlossen worden seien. Mönche und Nonnen habe man in einigen wenigen Klöstern „konzentriert“, wo sie sich rein religiösen Aufgaben widmen könnten. Die Nachrichtenagentur erklärt, die Regierung habe sich zu dieser Maßnahme entschlossen, nachdem „bewiesen" worden sei, daß viele Klöster dazu „mißbraucht wurden“, um „feindliche Agenten, Spione und sogar Mörder zu beherbergen“. * Die neuesten Nachrichten aus Prag beweisen, daß die Regierung der Tschechoslowakei entschlossen ist, ihren Kampf gegen die katholische Kirche mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln fortzusetzen. Die Beschuldigungen, Priester und Mönche hätten sich „der Spionage oder Sabotage schuldig“ gemacht, ist nicht neu. Schon im Sommer des vergangenen Jahres war mit solchen Vorwänden eine Welle von Unterdrük- kungsmaßnahmen eingeleitet worden, der seither zahlreiche Angehörige des Klerus zum Opfer fielen. Djakarta will Revolte niederschlagen Truppen der indonesischen Zentralregierung auf Celebes gelandet — Auf dem Wege zum Einheitsstaat? Djakarta (UP). Kleine Aufklärungseinheiten der Armee der Vereinigten Staaten von Indonesien sind nach einer offiziellen Bekanntmachung an verschiedenen Stellen von Celebes gelandet. Die Zentralregierung in Djakarta will hn Lauf der nächsten Wochen bis zu 19 OM Mann Trappen nach Ostindonesien schicken, am die Revolte der ostindonesischen föderalistischen Trappen niederzn- schlagen. Deren Anführer, Hauptmann AbdulAzis, hat sich bekanntlich mit dem Flugzeug nach Djakarta begeben, wo « von der Zentralregierung zum Gefangenen «klärt wurde. In Makassar selbst herrscht gegenwärtig Ruhe, dagegen kam es in der Umgebung der Stadt zu Schießereien. * Die Vereinigten Staaten von Indonesien haben trotz der kurzen Zeit ihres Bestehens schon eine recht bewegte Vergangenheit Aufruhr, innere Auseinandersetzungen, Währungs- »bv. ertung und außenpolitische Kontroversen lösten sich seit ihrer Gründung im Herbst letzten Jahres in buntem Wechsel ab. Den Kern des ursprünglich föderalistischen Staatenbundes bildete die indonesische Republik mit der Hauptstadt Jogjakarta. Ihre Soldaten waren es, die den hinhaltenden Buschkrieg gegen die Holländer führten und zu Vorkämpfern der Befreiung wurden. Staatspräsident Soekarno und Ministerpräsident Hatta der Indonesischen Republik erhielten dann auch die entsprechenden Positionen bei den Vereinigten Staaten von Indonesien. Sie v«standen es, in der neuen Hauptstadt Djakarta (dem ehemaligen Batavia) das Heft in der Hand zu behalten. In etwas mehr als drei Monaten ist es ihnen gelungen, aus dem föderalistischen Bundesstaat fast einen Einheitsstaat zu machen. Neben der Jogjakarta-Republik stehen jetzt als größere Bundesstaaten nur noch Ostindonesien und Ostsumatra. Alle anderen Staaten hat die indonesische Republik, die sich immer mehr mit den Vereinigten Staaten von Indonesien zu identifizieren sucht, geschluckt. Die föderalistischen Kräfte der Fürstenstaaten setzen sich natürlich gegen diese Entwicklung zur Wehr. Erst kürzlich wurde der Sultan Hamid Bey von Westborneo, d« der indonesischen Zentralregierung als Minister ohne Portefeuille angehörte, v«haftet Der Aufstand des Hauptmanns Abdul Azis in der ostindonesischen Hauptstadt Makassar war eine Abwehraktion gegen die Zentralregierung in Djakarta. Seine Niederschlagung wird ihr vielleicht den Anlaß zur Beseitigung d« Selbständigkeit Ostindonesiens geben. Großangriff auf Hainan gescheitert Hongkong (ZSH). Zuverlässigen, aus neutraler Quelle stammenden Berichten zufolge haben starke chinesisch-kommunistische Verbände einen großangelegten Angriff auf die Insel Hainan unternommen. Nachdem es den Angreifern zunächst gelungen war, einige Brückenköpfe zu bilden und gegen das Innere vorzustoßsn, soll es den nationalchinesischen ■ Verteidigern nach erbitterten Abwehrkämpfen gelungen sein, den Invasionsversuch abzuschlagen. Wie verlautet, sind von den sechstausend auf der Insel gelandeten Mao-Soldaten etwa viertausend getötet oder verwundet und üb« 900 von den Nationalchinesen gefangen genommen worden. Unternehmungen in der Form von Kapitaloder Personal-Gesellschaften, die in der Regel mehr als 300 Belegschaftsmitglieder beschäftigen oder sonst von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung sind, sollen neben ihren Geschäftsleitungen «inen Aufsichtsrat bilden, der in seiner Zusammensetzung den umzubildenden Aufsichtsräten der Aktiengesellschaften und Kommanditgesellschaften auf Aktien entsprechen soll. In allen übrigen Betrieben mit mehr als 20 Mann Belegschaft sollen Wirtschaftsausschüsse gebildet werden. Die Hälfte der Mitglieder von Wirtschaftsausschüssen sollen vom Betriebsrat im Zusammenwirken mit der zuständigen Gewerkschaft aus den betriebsangehörigen Sachverständigen benannt werden. Mit welchen Methoden das Prager Regime auch sonst seine anliklrchlichen Ziele zu verwirklichen trachtet, geht aus einer V«laut- barung des Vatikan-Senders hervor, der die tschechoslowakische Regierung planmäßiger und bewußter Geschichtsfälschung anklagt. D« Sender bezog sich dabei auf eine Erklärung des früheren vatikanischen Legaten bei der Prag« Intemuntiatur, Monsignore V e r o- lino, der vor einem halben Jahr aus der Tschechoslowakei ausgewiesen wurde. „Die Hauptargumente“, heißt es in dieser Erklärung, „die in dem Kampf gegen die katholische Kirche in der Tschechoslowakei angeführt werden, stützen sich auf Fälschungen. Der tschechoslowakische Justizminister Cepicka gab über Gespräche, die er mit mir geführt hatte, Berichte an die Presse und den Rundfunk, die sich mit den Tatsachen in keiner Weise deckten.“ Dem Vatikansender zufolge, wird der Prager Regierung in der Erklärung Verolinos außerdem vorgeworfen, daß sie durch den Einbau von geheimen Mikrophonen, bei dem Bischofstreffen von Smokovec Einblick in die verschiedenen Besprechungspunkte zu gewinnen versuchte. ZSH Wegen Mißachtung des Gerichts „Volksecho“-Chefredakteur Nagel verurteilt Herford (UP). Der Chefredakteur der kommunistischen Zeitung „Volksecho“ in Detmold, Nagel, wurde von dem obersten britischen Gericht in Herford zu vier Monaten Gefängnis unter Anrechnung der 14tägigen Untersuchungshaft verurteilt. Er wurde für schuldig befunden, durch die Veröffentlichung eines Artikels „Kampf dem Schandurteil“, der gegen das im „Volksstimme“-Prozeß in Hannover ergangene Urteil gerichtet war, ein britisches Gericht in starkem Maße mißachtet zu haben. Am Rande bemerkt Märchen aus dem schwarzen Walde... Bekanntlich zerbricht sich seit einig« Zeit alle Welt den Kopf über die sogenannte« „ F liegenden Untertassen“, deren Geheimnis noch nicht gelüftet werden konnte. „Marsbewohner erkunden den Erdball“ — lautet die eine Version, während nach ein« anderen die „furchtbaren Kriegsinstrumente“ einmal vom östlichen Nachbarn, ein andermal von jenseits des Ozeans auf die Menschheit losgelassen werden. Nur wir Deutschen waren bisher als Konstrukteure dieser mysteriösen Flugmaschinen international noch nicht anerkannt. Das hat sich jetzt schlagartig geändert. Und wer sich genau orientieren will, lese den Riadrider „P u e b 1 o“. Im ,,praktisch unbesetzten wilden Schwarzwald“ gibt es nämlich eine ganze Reihe unterirdische Unterkünfte, in welchen sich heute noch „SS-Truppen aufhalten.“ Natürlich müssen diese Höhlenmenschen sich mit irgendetwas beschäftigen. Deshalb erfanden sie die „Fliegenden Untertassen“ und entwik- kelten sie zu der neuen deutschen „Geheimwaffe“, die jetzt schon alle Erdteile beunruhigt ..." Dem Himmel sei Dank, daß die Welt endlich im Bilde ist. Wenn man den Urheber kennt, ist die Gefahr nicht mehr so groß. Die Alliierten werden also gut tun, demnächst die dunklen Täler und einsamen Höhlen dee offenbar „wilden“ Schwarzwaldes genau ,zu durchkämmen. Eile tut not, denn wer weiß, ob nicht die „Schwarzwälder SS“, rachsüchtig wie sie ist, auf ihren weltbedrohenden „Untertassen“ der ,,Pueblo“-Redaktion einen ungebetenen Besuch abstattet, um sich für den Bruch des Geheimnisses zu bedanken und den findigen Reportern nähere Einzelheiten (ohne Honorar) mitzuteilen ... Interzonenpaßstrecke einhalten! Abweichende Kraftwagen werden enteignet Berlin (UP). Das Innenministerium der Sowjetzone hat — Presseberichten zufolge — an die Länderregierungen der Ostzone Anweisung erteilt, daß alle westdeutschen Kraftfahrzeuge, die im Gebiet der Ostzone von den im Interzonenpaß festgelegten Fahrstrecken abweichen, sofort entschädigungslos enteignet werden sollen. Eine verschärfte Straßenkontrolle sei angeordnet worden. Man wünscht keine „Mißdeutung“ „Stahlhelm“ verlegt Grttndungstag Bochum (UP). Die für den 19. April vorgesehene Neugründung des „Stahlhelms“ ist, wie von interessierter Seite mitgeteilt wurden auf den 29. und 30. April verlegt worden. Da der 19. April in unmittelbarer Nähe von Hitlers Geburtstag liege, habe man, so erklärte der Einberuf« der Gründungsversammlung, Hans Joachim Gottsieben, den Gründungstajj verlegt, „um allen böswilligen Mißdeutungen jede Grundlage zu nehmen“. Berner: „Legale Restistance“. „Die legale Restistance gegen Ost und West" bezeichnet« Otto Remer auf einer Versammlung der Sozia» listischen Reichspartei in Ratzeburg als da* Hauptziel dieser Partei. Zerstört Bundesrat den Sparwillen? Keine Einigung über Zinsfußerhöhung Bonn (UP). Bayern, Bremen, Hamburg,deutschen Wiederaufbau wichtige Maßnahme Hessen und Württemberg-Baden forderten in einer Besprechung des Finanzausschusses des Bundesrates eine Erhöhung des Zinsfußes für Spareinlagen. Berlin und Nordrhein-Westfalen enthielten sich der Stimme. Die anderen Länder waren dagegen, obwohl der Zentralbankenrat sich ebenfalls für die Erhöhung einsetzt. Hierbei war an einen Satz von vi« Prozent anstelle von dem jetzigen von drei Prozent für langfristige Einlagen gedacht worden. Die Bank deutscher Länder schätzt die Mehrbelastung der Länderhaushalte durch eine solche Maßnahme auf insgesamt 22,9 Millionen DM, wovon die Länder Südbaden, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Schleswig- Holstein und Württemberg-Hohenzollem den auf sie entfallenden Anteil zu übernehmen ablehnen. Die alliierte Bankkommission wäre einverstanden, wenn alle Länder zustimmen. Bei erneuten Besprechungen innerhalb der Regierungen der ablehnenden Länder soll nochmals versucht werden, für diese für den die allgemeine Zustimmung zu erhalten. Vorläufig abgelehnt Die Hohe Kommission hat das vorläufig« Bundesbeamtengesetz zunächst abgelehnt. In einer 514 ständigen Unterredung auf dem Petersberg zwischen Vertretern der Bundeskanzlei und des Innenministeriums mit Vertretern d« Hohen Kommission wurden die verschiedenen Punkte dieses Gesetzes behandelt, Erklärungen der Bundesregierung sowie die Diskussion einzelner Fragen «gaben eine Klarstellung der beiderseitigen Ansichten. Von deutscher Seite wird zu dieser Unterredung erklärt, sie gebe zu begründeter Hoffnung Anlaß, daß man sich schließlich doch in Kürze verständigen werde. Die Hohen Kommissare treten am Donnerstag in Berlin zu ein« Konferenz zusammen. Auf der Tagesordnung steht das neue Einkommensteuergesetz. Wenn die Hohe Kommission am Donnerstag keinen Einspruch erhebt, tritt das Gesetz in Kraft. NEUES VOM TAGE „Nicht voll befriedigend“ Renner zum Freudenstadter Ergebnis Tübingen (ZSH). Der Staatsrat von Würt- temberg-Hohenzollern hat die in Freudenstadt gefaßten Beschlüsse der Regierungschefs d« drei süddeutschen Länder gebüligt Zum V«- treter Württemberg-Hohenzollems in der zwischen den Regierungschefs vereinbarten Kommission wurde Ministerialrat Professor Eschenburg ernannt Die Kommission wird zum ersten Mal am 26. April zusammentreten. Der Innenminister von Württemberg-Hohenzollem, Viktor Renner, bezeichnet das Ergebnis der Konferenz von Freudenstadt als „nicht voll befriedigend“. Die Beschlüsse hätten keine konstruktive Gestalt Die Entscheidung über den Südweststaat liege trotz d« Volksbefragung bei den Länderregierungen. Karlsruhe außer Konkurrenz? Um den Sitz des Obersten Bandesgerichts Karlsruhe (SWK). Das Rätselraten um den Sitz des Obersten Bundesgericht« ist immer noch nicht beendet. Nachdem sich in die bereits große Anzahl der beweibenden Städte kürzlich auch Koblenz und Bamberg eingeschaltet hatten, wollten unterrichtete Kreise wissen, daß Karlsruhe in dies« Frage keine Chance mehr habe. An erst« Stelle 1m Rennen um den Sitz dieses obersten Bundesorganes wird jetzt Köln genannt. Die Stadtverwaltung Karlsruhe hat gegen diese ungenügende Berücksichtigung der ehemaligen badisch« Landeshauptstadt im Rahmen der Errichtung von Bundesbehörden energische Vorstellungen bei den Bonner zuständigen Stellen erhoben. Auf jeden Fall scheint das letzte Wort in dieser Frage noch nicht gesprochen worden zu sein. 20 999 Augsburger protestierten. Auf ein« Kundgebung des Gewerkschaftsbundes protestierten etwa 20 000 Teilnehmer gegen die vom Augsburger Schwurgericht ausgesprochenen Urteile im Revisionsverfahren des Penzberg« Mordnachtprozesses. Das freigewordene Mandat übernommen. Der Kreisvorsitzende der CDU In Schwäbisch- Gmtind, Wilhelm Heibel, hat das durch den Tod des CDU-Abgeordneten Josef Andre freigewordene Mandat im württemb«g-badischen Landtag übernommen. 199 DM Entlassungsgeld. Der Bundestagsausschuß für Kriegsopfer hat sich weitgehend über das Heimkehr ergesetz geeinigt Rückkehrer aus der Kriegsgefangenschaft sollen ein Entlassungsgeld von 100 DM und auf Antrag ein Kleidungsgeld von 250 DM «halten. DIE FRAU Die Macht Oer Heimat Eine Skizze oon FrieOl Hohenftatt „Aul Ostern komm’ ich wieder zurück", versprach Martin, als er, vom Wanderdrang er- faßt, die Schwelle des Elternhauses überschritt. Hochsommer war es, erntereif bog sich das volle Korn auf weiten Feldern. Die Arbeit verlangte nach rührigen Händen. Jung und alt mühte sich um die Wette, freute sich der heimischen, fruchttragenden Erde. Martin hätte nicht mit der Langeweile zu kämpfen gehabt, wäre er daheimgeblieben. Aber junges Blut kennt kein Verweilen. „Lassen wir ihn ziehen!“ sagte der Küster zu seinem Weib. „Unser Dorf bleibt seine Heimat, und solang unser Leben noch währt, wollen wir auf unseren Jungen warten.“ Mit kräftigem Handschlag trennten sich Vater und Sohn. Ohne viel Worte verstand Martin doch, was ihm dieser Händedruck sagte. Gut meinten sie es beide, Vater und Mutter. Des wurde sich Martin beim Abschied doppelt bewußt, und doch vermochte ihn die ganze Fülle von Elternliebe nicht zu halten. „Ich komme wieder!“ Das war sein Versprechen den Eltern, der ganzen Heimat gegenüber. Dann setzte er seinen Fuß auf die Straße, die kleine, schmale Dorfstraße, die den Anfang seines Weges bildete und auf die er wieder zurückfinden wollte. Langsam, abschiednehmend lösten sich seine Tritte von der Scholle der Jugendtage. Langsam, bestimmt grub sich der Fuß in den weichen Boden, als wollte Martin auch ihm das Versprechen einprägen: „Ich komme wieder!“ Dieses Gelöbnis galt Feld und Wald, galt dem plätschernden Bach, der mit heimatlichem Geplauder seinen Weg durch die Wiesen nahm. Und das gleiche Versprechen gab Martin der Leni, die ihn ungefragt bis zur ersten Wegbiegung begleitete. „Warte auf mich, ich komme wieder!“ In diesen wenigen Worten lag Werbung und Abschied. Sie schmiedeten den heißen Ring der Liebe um zwei junge Menschenherzen. „Ich komme wieder!“ klang das nicht wie ein Schwur? Leni wußte, daß es Wahrheit war, reichte beide Hände zum Gruß und heftete den offenen Blick auf den Scheidenden. „Ich warte.“ Keine Träne weinte sie, klar waren ihre Augen, denn klar wollte sie ln die Zukunft schauen. Ihr „Ich warte“ aber war mehr wert als alles Klagen und Wünschen, es war ein Versprechen, an das sich Martin halten und das ihm der Wegweiser sein sollte, wenn er zur schmalen Dorfstraß* zurückkehrte. Martin stand am Anfang seines Weges. Wie groß er war, wußte er nicht, aber daß er groß sei, das war sein Begehren. So schritt er denn fürbaß, und sein taktmäßiger Gang wurde kräftiger und unternehmender, je mehr er sich von der Heimat entfernte. Das Gefühl der Freiheit, des Ungebundenseins weitete die junge Brust, straffte die sehnigen Glieder, ließ den Blick geschärft dem Tag vorauseilen. „Daß ich so lange daheimbleiben konnte!“ wunderte sich Martin immer wieder, wenn die bunte Welt ihre Wunder vor ihm ausbreitete. Den ganz«) Tag wanderte er, legte sich des Abends in irgendeinem Bett zur Ruhe und schlief, wenn nicht besser, so doch mindestens gleich gut wie zu Hause. An sein Daheim dachte er nur selten, und wenn es geschah, dann war ein mildes, wehmütiges Lächeln in seinen Zügen. Er sah das Dorf eingeengt und still zwischen den Borgen Hegen, sah die Bewohner in ruhigem Schritt auf dem Weg zum Feld und wieder zurück, sah das Kirchlein mit dem spitzen Turm, auf dem der Vater die Glocke läutete. Alles sah er wie flimmernde Bildstreifen flüchtig an sich vorbeiziehen; es war ihm sogar, als blicke er einen Augenblick in der Mutter Augen. Aber das nußbraune Haar? War das nicht der Leni ihres? Ein Bild gebar das andere, zauberte im Vergehen ein neues aus der Heimat hervor. Martin besah sich alle r blätterte im Bilderbuch der Vergangenheit und klappte es endlich entschlossen zu. Als der erste große Drang zum Wandern und Schauen sich zu legen begann, verlangsamte Martin seinen Schritt, hielt da und dort um Arbeit an. Solang es nötig war, half er den Bauern auf dem Feld, und als man ihn da nicht mehr brauchte, besann er sich auf seinen Beruf, trat in eine Schmiede ein und ließ unter seinem Hammer manch Brauchbares entstehen. Kam darauf die Wanderlust wieder in sein Blut, nahm er sein Ränzlein auf den Rücken und wehrte sich nicht, wenn ihm die Meisterin neben ehrlichen Wünschen manch guten Bissen mitgab. Ziellos ging es weiter, immer weiter. Daheim aber, in seinem Dorf, blieb alles wie es war. Da kam die Osterzeit mit blendend weißen Vorhängen im Elternhaus und Festtagsläuten vom Turm, mit hoffenden Gedanken in drei Menschenherzen und sehnsüchtigen Blicken auf die Straße. Aber Ostern ging vorbei und Martin kam nicht Ein klein wenig tiefer trug seine Mutter den Kopf. Der Junge hatte ja nicht gesagt, auf welche Ostern er komme. Daß er aber sein Wort halten werde, das wußte die Frau. So will ich denn warten auf das nächste Jahr, will ihm dann wieder die Heimat zum Willkomm schmücken, dachte sie bei sich. Mit ihrem Mann hatte sie nicht darüber gesprochen, er batte die gleiche Enttäuschung zu überwinden. Doch als er an diesen Festtagen wie schon seit vielen Jahren die Glocken läutete, da war ihr, als ob es erstmals müde geschah, denn ungleichmäßig hatte es geklungen. Müde und enttäuscht war auch Leni beimgegangen. Sie hatte an der Wegbiegung gewartet, ob Martin käme, und als er »usblieb, da hatte ein trüber Hauch den klaren Blick verschleiert. Martin dachte in dieser Zeit kaum an daheim. Der Frühling verschönte ihm da* Wandern, zog ihn mit Gewalt weiter, immer weiter, durch Täler und über Höh«), unter Menschen mit anderen Sitten. Der junge Bursche stand und staunte, bewunderte und verglich, und wußte, daß die Zeit zur Umkehr noch nicht gekommen sei. Er durchwanderte di* schönen Tage und arbeitete, wenn der Himmel grau und trübe sich spannte. Er wanderte und hatte als alleinigen Begleiter die jeweilige Jahreszeit. In Flüchtigkeit grüßte er dann und wann sein Dorf, vom Hetmkom- men aber schrieb er kein Wort. Und doch wird er wiederkommen, wenn er müde ist, dacht«) der Küster und seine Frau. Leni klammerte sich an den Schwur der Abschiedsstunde, wenn sie verzagt werden wollte. Die Dorfbewohner aber schüttelten mißbilligend den Kopf, sahen sie den alten Küster zum Turme gehen. Sie konnten es nicht begreifen, daß ein Kind so lange der Heimat fembleiben mochte. — Zum drittenmal wurde es Ostern, seit Martin fortgegangen. Lange schon hatte er nicht geschrieben. Bedrückt ging die Mutter durch das stille Haus. Zweimal hatte sie die Heimat zum Willkomm geschmückt, hatte ihres Kindes lieblingsspeise auf den gedeckten Tisch gestellt und batte jedesmal die vollen Schüsseln wied« abtragen müssen. Lang überlegte sie, was sie dieses Jahr tun sollte, und heftete doch schon die frischen Vorhänge an die blanken Fenster, schmückte die Wohnstube mit Weidenkätzchen und buk den Festkuchen. Der Küster ab« lief unruhig vor dem Haus auf und ab, beschattete die Augen und blickte die Straße hinauf. Ab« nichts war zu sehen als d« bunte Rock der Leni, die an der Wegbiegung saß und wartete und spät abends zum drittenmal enttäuscht heimging. Dreimal haben sie gewartet die drei, und dreimal wurden sie enttäuscht. Der Glaube an Martins „Ich komme wieder!“ schwand einer herben Hoffnungslosigkeit. — Abermals schlief die Welt einem Ostermorgen entgegen. Noch war dichte Nacht weit und breit. Der Wanderer aber, der üb« die Höhe kam, fand trotzdem sein Ziel. Ihm war es recht so. Langsam wollte er mit der Heimat wied« vertraut werden, mit ihr, der stummen Natur, zuerst. Martin war an die Stelle gekommen, an der •r sich von Leni getrennt. Warten wollte sie. Ob sie es getan? Was sie wohl sagen wird, wenn er plötzlich ihr gegen üb«atand ? Und die Eltern? Sie würden sich des Heimgefundenen freuen, das wußte Martin. Daß er so lange ferngeblieben! Er wunderte sich, wie « damals staunte, daß er so viele Jahre hindurch in dem kleinen Dorf ausgehalten hatte. Lang war er weggewesen und weit war er gekommen, hatte viel erlebt und gesehen, bis ihn das Heimweh packte und mit Gewalt an den Ort zog, wohin er gehörte. Und nun war er wieder da, und eine Freude füllte seine Brust, als sollte sie zerspringen. Daheim, daheim! Martin hätte es herausjubeln, hätte es dem ganzen Dorf xurufen mögen: „Ich bin wieder da, ich will nie mehr fortgehen!“ Er lag auf dem Heimatboden, und ihm war, als wäre er nie so gut gelegen wie auf der blanken Erde. Er lag und überlegte, wie « die Eltern begrüßen wollte, und sah in den kommenden Tag. Mit sanften Händen raffte er die Nachtschleier fort, schälte die Berge aus dem Dunkel und den •Kirchturm. Staunend lag Martin und schaute. Da, als di* Morgensonne sich in den Schieferplatten der Däch« spiegelte und der Tau auf den Frühlingswiesen glänzte, war es Martin, als sähe er seine Heimat zum ersten Male, als wäre sie in den letzten Jahren erst so schön geworden. Er weitete die Arme, wollte sie an die Brust ziehen in überschäumend« Liebe. Heimat! Herrliche Heimat! Martin konnte nicht begreifen, daß die Dorfbewohner noch schlafen mochten inmitten so viel Schönheit. Sie sollten wach werden, alle, alle. Er sprang auf, lief wie in einstigen Jugendtagen die Straße hinunter, klinkte die Kirchentüre auf und stieg auf den Turm. Noch einmal trank er den Zauber der Heimat mit durstigen Zügen, dann packte er das Glockenseil und läutete, läutete der Heimat zum Grüßgott das Ostern ein. Sein Läuten klang jung und stark und froh, weckte die Eltern und Leni, weckte das ganze Dorf. Kein« brauchte zu fragen, denn alle wußten es: des Küsters Sohn war heimgekommen. Und als « vom Turme stieg und die grüßenden Hände der Dorfbewohner drückte, da erkannte Martin, wohin er gehörte und wo sein künftiges Bleiben war. Ift öle Amerikanerin wirklich fo? Dm Urteil eines »merikanischen Frauenken ners — Stürme der Entrüstung in den USA Seit amerikanische Soldat«) auf -vielen Kriegsschauplätzen gekämpft und auch nach Beendigung der Feindseligkeiten viele Länder als Besatzungstruppen kennen gelernt haben, ist das Piedestal, auf dem blsh« die amerikanische Frau als angeblich idealste Frau der Welt stand, so ziemlich ins Wanken geraten. Wenn Männer in fremde Länder kommen, dann pflegen sie auch die Frauen und Mädchen dieser Länder mit ihr«) Landsmänninnen zu vergleichen. Auch die amerikanischen Soldaten haben derartige Vergleidre angestellt und dabei gefunden, daß die Europäerinnen meist weit angenehmere Ehepartnerinnen sind als die Amerikan«innen. Inzwischen sind in den USA zahllose Veröffentlichungen erschienen, in denen der V«- such gemacht wird, dem Geheimnis der Anziehungskraft europäisch« Frauen auf amerikanische Männer auf die Spur zu kommen, bzw. zu ergründen, warum die Amerikanerin nicht mehr als die ideale Ehepartnerin betrachtet wird. Stich in ein Wespennest Auch in der bekannt«) Monatszeitschrift „Esquire" erschien ein umfangreich« Artikel über dieses unerschöpfliche Thema, das in den USA vor allem die Frauen bewegt. Der Verfasser fällt ein vernichtendes Urteil üb« die amerikanische Frau. Es nimmt deshalb nicht wunder, daß der Aufsatz in der amerikanisch«) Frauenwelt einen Sturm d« Entrüstung hervorgerufen hat. Falls der Verfasser, d« mit Leland Stowe bezeichnet, kein Pseudonym gewählt hat und in den Staaten seinen Wohnsitz hat, dürfte er keine ruhige Minute mehr haben, da die amerikanischen Frauenklubs alles tun werden, ihn zumindest moralisch zu vernichten. Denn wer in den USA an den Frauen Kritik übt, begeht ein Kapitalverbrechen. Man muß deshalb den Mut d« Esquire- Redaktion bewundern, daß sie den Artikel von Leland Stowe gebracht hat. Leland Stowe behauptet nämlich, die amerikanische Frau sei die kostspieligste, die aggressivste, die unglücklichste und unzufriedenste Frau der Welt. Sie halte es für die vornehmste, Pflicht der Männ«, ihr jeden Gefallen zu tun, Höflichkeiten, die ihr erwiesen würden, nehme sie anmaßend ohne Dank als einen ihr schuldigen Tribut entgegen. Sie habe die Überzeugung, daß immer und unter allen Umständen die Frau zuerst komme. Einzig in den USA sei es offensichtlich das Vorrecht d« Frau, unhöflich zu sein. Nur wenige glückliche Freuen Man müßte eigentlich annehmen, daß die Frauen in einem Land, in dem beinahe matriarchalische Zustände herrschen, glücklich sein müßten. Stowe ist jedoch ander« Ansicht Er sagt, man entdecke an der amerikanischen Frau nur sehr selten einen Ausdruck von Zufriedenheit, geschweige denn von Glück. Sie sei ruhelos und wisse nicht so recht, was sie eigentlich wolle. Da sie auf vielen Gebieten mit dem Manne in Wettbewerb treten müsse, habe sie viel von ihrer Weiblichkeit eingebüßt. Zwar wende keine Frau der Welt so viel Geld und Zeit auf die Schönheitspflege wie die Amerikanerin, doch häufig verwechsle die Amerikanerin das künstliche Zubehör mit d« Hauptsache, nämlich dem natürlichen Sex-Appeal. Was die Behauptung Stowes betrifft, die amerikanische Frau sei außerordentlich kostspielig, so führt « an, daß die Amerikanerin die Gattenwahl vollzieht und daß sie für das, was sie bietet, oder glaubt, bieten zu können, sofort ihre Gegenforderungen materieller Art stellt: Komfort, Geld für Schönheitspflege, für ihr Vergnügen und ihre Launen. Dabei ist nach Stowe die amerikanische Frau ruheloser und leicht« gelangweilt als andere Frauen. Die Durchschnittsamerikanerin scheine verzweifelt nach etwas zu suchen, das sie nicht finden könne. Sie sei das ganze Gegenteil von der verhältnismäßig ausgefüllten, in- n«lich sicheren Frau, wie man sie in den meisten anderen Ländern häufig antreffe. Normierung und Koilektivi«ung Schließlich nimmt Stowe auch noch die geistigen Eigenschaften d« amerikanischen Frau unter die Lupe. Für die entsetzliche Normierung und Kollektivierung der amerikanischen Frau macht Stowe die Zivilisation unseres mechanisierten Jahrhunderts verantwortlich, ln den meisten Ländern 6eien die Frauen nur bestrebt, sich in ihrem Wesen und in ihrer Erscheinung voneinander zu unterscheid«). In den USA sei das Gegenteil der Fall. Hollywood übe einen unheimlich nivellierenden Einfluß aus. So würden den meisten amerikanischen Frauen überraschende oder geheimnisvolle Züge fehlen. Mit der Individualität verltere die amerikanische Frau ab« auch gleichzeitig jeden Funk«) einer gewissen Geistigkeit Als merkwürdig führt Stowe noch an, daß die amerikanischen Männer recht zufrieden mit den matriarchalischen Zuständen zu sein schienen. Daß die amerikanischen Frauen so seien, wie er sie sehe, dazu habe der amerikanische Mann eine ganze Menge beigetragen. Stimmt das Bild, das Stowe von der amerikanischen Frau entwirft? Wir können das nicht beurteilen. Immerhin behauptet Stowe, er sei als Ausländskorrespondent 20 Jahre lang in fünf Erdteilen gewesen, « kenne also die Frauen der ganzen Welt... Mag Stowe recht haben oder nicht — die amerikanischen Frauen sind verständlicherweise nicht gut auf ihn zu sprechen. Kongreß ötr Lyzeum»Klube Anfang Mai findet in Rom der Weltkongreß der Internationalen Vereinigung der Lyzeumklubs statt In diesen auch in Deutschland wied« auflebenden Klubs schließen sich Frau«) zusammen, die den Fortschritt in Literatur, Kunst, Musik und Wissenschaft pflegen wollen. Politik ift eine Domäne Oer Männer „Politik sei die Domäne der Männ«.“ Ich will nicht boshaft sein, wenn ich meine, so gut oder schlecht hätten wir Frau«) es auch ma- . eben können. Schließlich ist das Endresultat maßgebend für die Beurteilung ein« Leistung. Katastrophe auf allen Lebensgebieten, Chaos im geistigen, seelischen und materiellen Bezirk — wohin wir sehen, gibt uns die bisherige Politik der Männer sehr zu denken Wenn wir Frauen mit den Kindern nicht hauptsächlich die Leidtragenden wären, könnten wir die Achseln zucken und sagen: „In Gottes Namen, laß sie weiter werken.“ Aber die bitterbösen Erfahrungen, die wir durch eine verfehlte Politik machen müssen, gehen uns bis in Mark und Bein. Es stimmt also etwas nicht, »teilen wir fest, und darum müssen wir näh« hinsehen und uns Gedanken darüb« machen, ob wir Frauen den Männern in ihren schwierigen Aufgaben vielleicht helfen können. Es geht wohl nicht mehr, daß man die Männer mit schwerwiegenden Problemen auf breiter Front allein läßt. Wenn in einer Ehe der eine Teil alles allein tragen muß ohne Unterstützung, Verständnis und Mithilfe der anderen Hälfte, wird diese Ehe auf die Dauer auch kein gute« Resultat zeitigen. Um wieviel mehr ist es im Volksleben notwendig, daß Mann und Frau die vielseitigen und oft so sehr weiblichen Probleme, die das männliche Wesen weniger ansprechen, miteinander in kameradschaftlich« Ergänzung besprechen und behandeln. Ob wir Frauen nicht unsere Pflicht versäumt haben und versäumen, wenn wir ums von den politischen Aufgaben so sehr femhalten. M. S. Wann ift man feelifch gefunö ?... 1. Wenn man mit seiner nächsten Umgebung gut auskommt. 2. Wenn man sich mit allen Kräften für etwas einsetzt und beharrlich dabei bleibt. 8. Wenn man durch seine Handlungsweise befriedigt ist. Von unserem Fühlen, Denken und Handeln werden die Menschen um uns h« beeindruckt. Damit strahl«) wir für jeden Mensch«) etwas aus, das unwillkürlich zum Maßstab unser« Beurteilung wird. Wir haben es also zum größten Teil selbst in der Hand, ob wir unseren Mitmenschen sympathisch oder uneympa- tisch sind. Wie wichtig ist es da, daß wir uns ln der Selbstkontrolle behalten und unsere Mängel korrigieren, damit wir menschlich vollwertig« und. für die Gemeinschaft liebenswert« werden. Winke mit öem Kochlöffel „Kaffee, trink nicht soviel Kaffee...!“ Trotz des bekannten Kanons von Mozart können wir das Kaffeetrinken nicht lassen. Doch die Zubereitung des Kaffees, so leicht sie scheint, ist nicht so einfach. Sind nicht oft die einfachsten Dinge gerade die schwierigsten? Kaffee darf man aber vor allen Dingen nicht kochen. Kaffee muß man „zelebrieren". Nachfoldend einige Rezepte füu Kaffee-Muse- stunden: Zubereitung von Kaffee zu Festlichkeiten (6 Personen) 100 bis 12S g Bohnenkaffee, ein wenig Dillers Kaffee-Essenz, Zichorie, oder 1 Würfel Karlsbader Kaffeegewürz, 8 1 kochendes Wasser, 1 Prise Salz. In einem besonderen Topf, der nur zum Kaffeemachen dient, setzt man frisches Wasser auf, gibt di* Prise Salz — die das Getränk kräftig« macht — und den Zusatz hinzu. Kocht das Wasser, wird der feingemahlene Kaffee schnell hineingeschüttet, umgerührt, zugedeckt und kurz aufgekocht. Nun schüttet man den Kaffee in eine heiß ausgespülte Kanne und läßt ihn einige Minuten ziehen. Kaffee auf indische Art Den gemahlenen Kaffee gibt man am Abend in eine Flasche und füllt diese mit kaltem Wasser. Kurz vor der Zubereitung stellt man die Flasche in einen Topf mit heißem Wasser. Man läßt die Flasche einige Zeit stehen bis der Inhalt warm ist und seiht ihn dann durch ein Sieb, das mit einem Tuch ausgelegt ist, gleich in die Tassen. Bei dieser Zubereitung hat der Kaffee das beste Aroma. Kaffee auf russische Art In einem gut abzuschließenden Topf bereitet man aus 1 kg frisch gebrannter Bohnen und drei viertel Liter Wasser den Kaffee und läßt ihn bis auf ein Drittel einkochen. Zu dieser Masse schüttet man noch einmal einviertel Kilogramm feingemahlener Bohnen und läßt sie einige Zeit stehen. Dann wird der Kaffee durch ein feines Sieb in eine Flasche gegossen, die man in heißes Wasser stellt. Die Tassen werden mit heißem Wasser gefüllt und der Kaffee aus der Flasche dazugegossen. Kaffee für Feinschmecker Zu jeder Mahlzeit wird der Kaffee frisch gebrannt und in ein« türkischen Kaffeemühle gemahlen. Für eine sehr kleine Tasse (Mokkatasse) nimmt man einen reichlichen Kaffeelöffel voll, läßt die Mischung gut aufkochen und unterbricht das Kochen einige Male durch Zugießen von kaltem Wasser. Bevor man den Kaffee reicht, läßt man ihn ziehen. Der letzte Heimkehrer Ich sei der Letzte, sagen sie, der aus dem Elend heimgekehrt, daß nun der Kerker offen sei, ich sei der Letzte, sagen sie. Es sei der Letzte heimgekehrt und alle Sklaven seien frei. Ich hm der Letzte lange nicht, der aus dem Elend heimgekehrt/ Ihr kennt ihn nicht, den Schreckensort, Ich hm der Letzte lange nicht! Und wenn zehn letzte heimgekehrt, es hletht noch immer einer dort. Es gibt den Allerletzten mcht, der aus dem Elend heimgekehrtf Mein Antlitz saugte tausend ein. Es gibt den Allerletzten nicht, durch den das Elend ausgeleert/ Es kehrt noch immer einer ein. Ludwig Altenhöfer. Bild und Gedieht sind einer ausgezeichneten Broschüre entnommen, die der Veriag Michael, Düsseldorf, Bastionstraße 14 unter dem Titel „Europa — Deine Söhne“ soeben herausgegeben hat. Das für 20 Pfennig erwerbbare Heftdien ■»ringt eindrucksvolles Tatsachenmaterial über : e russische Strafjustiz an deutschen Kriegs- 'angenen. Tag der Heimkehr: Aus dem Lager, in dem ich fast viereinhalb Jahre war, wurde ich sozusagen strafversetzt, und zwar in ein schlechtes Lager am Stadtrand von Swertlowsk Grund' tch stimmte einer Resolution gegen den Atlantikpakt und einer anderen gegen die Verhaftung Max Reimanns nicht bei So trat ich mit mehreren Kameraden Mitte August 1949 die Fahrt von Karpinsk nach Swertlowsk an Die Fahrt war äußerst interessant, fuhren wir doch mit Zivilisten zusammen. und da hatte ich sehr gut Gelegenheit, meine Studien fortzusetzen, die das Allgemeinbild abrundeten Wir fuhren die 600 Kilometer in etwa 24 Stunden Der Eindruck, den wir von dem Lager hatten, war niederschmetternd Zwei große Baracken (einstöckig) mußten 500 Mann aufnehmen Kein Tisch, keine Sitzgelegenheiten Dies Lager war im März oder April geräumt worden Nun kamen die so arbeitsamen Russen mit ihrem Bauprogramm nicht zurecht und brauchten gute und vor allem billige Arbeitskräfte So wurde das Lager neu belegt Auch wir waren so ein „Zuwachskommando“ Nun kam noch eines - der Lagerbelegschaft wurde „amtlich“ bekanntgegeben, daß am 23 .August alle nach Hause fahren würden. Alles war schon vorbereitet Zwei Tage vor diesem Termin stellte sich der Lagerkommandant vor die Laaerbelegschaft und eröffnete ihr. daß ein neuer Befehl vorHege nachdem wegen dringender Bauarbeiten der Heimfahrtermin bis zum Einbruch des starken Frostes verschoben worden sei So macht man’s 1 und stell’ Dir vor. dieser zweite große Betrug wurde hingenommen Und es fiel mir auf. daß gearbeitet ja sogar gewühlt wurde wie wir es im anderen Lager vielleicht auch in der strengsten Zeit nicht taten Und warum, weil alles unter größtem Druck stand Hanntsäch- lich ging dies auch von der deutschen Laper- fiihrung aus Tch seihst arbeitete im Straßenbau. im Zentrum der Stadt als Steinsetzer. Tch habe drei Wochen in dieser Millionenstadt meine Studien gemacht und habe vor allem auch hier hinter die Kulissen diese« brutalen und rücksichtslosen Regimes geschaut Es ist nämlich in ean» Rußland «o wie (n dem Straf- gehiet wo ich über vier Jahre war Die Sowjetunion ist und b!e»bt .Das Gefängnis E’monas* Mein Glück in Swertlowsk war. daß ich bei der „Gesundhpftsuntersuchonp“ die gleich nach unserem Fintreffen stattfand „dreier“ geschrieben wurde („eins“ ist be«te köroer- ljrho VerS 9cst , n? ) JVec war das Srncngbrett in die Heimat Jetzt vergingen bange Tage. Wir sollten mit dem Transport am 4 9 fahren Eis tat sich nichts: wir gingen immer noch zur Arbeit. Am 3 9 endlich wurde abends die Heim- fahrertiste ausgehängt ich rannte wie ein geölter Blitz und fand darauf den Namen meines Freundes und meinen Nun hieß es, wir fahren am 8 9 Wieder bange Tage Hoffentlich werden keine mehr gestrichen, wie POLITISCHE UMSCHAU So sagte der russische Staatsanwalt: „Paulus und Seydlitz kommen morgen dran . . Die Verurteilung deutscher Kriegsgefangener in Sowjehußiand Ende 1949 — Von Waller Henkels Die Informationen und Auskünfte vieler deutscher Kriegsgefangener Ende vergangenen und Anfang dieses Jahres haben ein einigermaßen verläßliches Bild zugelassen, was mit ungezählten 4 ,^ Kriegsgefangenen in Sowjetrußland im letzten Halbjahr 1949 erfolgt >st: ihre Verurteilung zu vielen Jahren Zwangsarbeit. Das Bild ist, wenn man sich die menschlichen Schicksale auch nur andeutungsweise vor Augen hält, erschütternd. Die „Urteile“, die in scheinbaren Gerichtsverfahren gefällt wurden, in denen es neben der Vernehmung der „Angeklagten* sogar zur Gestellung von „Verteidigern“ kam, sind so drakonisch, daß man nur mit Schaudern daran denken kann, was mit diesen in die Deportation wandernden Menschen geschieht. Ein Bericht, den ein Anfang dieses Jahres nach Westdeutschland Zurückgekehrter niederschrieb, und der uns vom Referenten für Kriegsgefangene und Heimkehrer im Bundesflüchtlingsministerium, dem Pfarrer Hans Merten, zur Verfügung gestellt wurde, ist eines der Dokumente krassester und radikalster Nichtachtung von Rechtsgrundsätzen der westlichen Welt Wir haben den Bericht aller Nebensächlichkeiten, die aber durchaus keine Belanglosigkeit«! waren, entkleidet. Wir nennen aus naheliflfenden Gründen weder den Namen jenes Heimkehrers, noch die Nummer des sowjetischen Kriegsgefangenenlagers Soviel kann gesagt werden, daß er eines der vielen Lager cn Sibirien betrifft Wir beschränken uns auf die sachliche und stark verkürzte Wiedergabe der durch eine eidesstattliche Erklärung erhärteten Angaben. Insbesondere verzichten wir auf die Veröffentlichung des Teiles, der sich mit den allgemeinen Ver- irn letzten JahT der Gefangenschaft, also von Dezember 1948 b»s Dezember 1949, befaßt, so a'»*=f* , nß’-ei(h er auch ist. Im August begann es In den ersten Augusttagen 1949 wurden plötzlich die Angehörigen der SS-Verbände „Totenkopf“ und „Wiking“, der 8 Kavallerie- Division u. a., später die der Division „Hermann Göring“, „Großdeutschland“, „Feldherrnhalle“, 13. Panzerdivision u a. in den drei Lagern Nr.. zusammengezogen und nach einigen Tagen abtransportiert Erst im Dezember habe man, so berichtet der Heimkehrer, etwas vom Schicksal dieser Kameraden erfahren Sie waren, von Rotarmisten mit Hunden scharf bewacht, in ein sehr stark gesichertes Lager bei... verbracht worden. Ein Teil dieser Gefangenen sei etwa acht Zweiter Geburtstag wir es bisher kennengelernt hatten Es war eine ungeheure Nervenprobe. Am Mittwoch, den 7 9., als wir abends von der Arbeit kamen, hieß es, daß wir morgen nicht mehr ausrücken und unsere Sachen abgeben müssen. An diesem Abend wurden noch vier Mann gestrichen, die der Sondereinheit „Feldherrnhalle“ angehörten. Am 8 . 9 marschierten wir dann ins Hauptlager, wo der 1500 Mann starke Transport zusammengestellt wurde. Auch da noch ein paar kritische Tage. Am 11., an einem Sonntag, sollten wir nun endgültig fahren. Allmählich begann das Baden, Entlausen und Einkleiden. Am Samstag wurden wir alphabetisch waggonweise eingeteilt An diesem Tage wurden noch 32 Mann gestrichen. Sonntag früh marschierten wir zum Bahnhof, wurden verladen und gegen 19 Uhr setzte sich.der Zug endlich in Bewegung. Ich habe davon nichts gemerkt, denn ich schlief gut. Nur im Halbschlaf hörte ich etwas von dem freudigen Gesang und war dann wieder weg. Kurz etwas über die Fahrt: Wichtig war, daß wir herrliches Wetter hatten, während der ganzen Reise Donnerstag nacht erreichten wir Moskau Fuhren hier Freitag mittag weg und waren Sonntag früh in Brest-Litowsk. Von hier ging es Montag abend weiter, Dienstag mittag in Warschau und Donnerstag, den 22 9 früh endlich wieder auf deutschen Boden und am 24 9: daheim Dies Ist mein zweiter Geburtstag, der jährlich gefeiert werden wird. —g Tage später nochmals, diesmal mit unbekanntem Ziel und wiederum unter schärfster Bewachung, abtransportiert worden. Zur größten Überraschung sei ein Teil der Zurückgebliebenen im September, November und Dezember in die Heimat entlassen worden. Mit einem Rest von 80 Mann traf der Berichterstatter im Dezember im Lager... zusammen. Diese Entwicklung habe den Schluß zugelassen, daß offenbär die Kollektivhaftung von Angehörigen gewisser Verbände fallengelassen worden war. Sicher aber auch unter dem Druck der entschiedenen Stellungnahme der Weltöffentlichkeit sei die Kollektiv-Haftbar- machung unterblieben. Tatsächlich seien zahlreiche Angehörige der genannten Verbände in diesen letzten Monaten 1949 entlassen worden. Anklageerhebung Im September und Oktober 1949 trafen in allen sogenannten „Regime“-Lagern, die der Berichterstatter wegen ihrer Strenge mit Konzentrationslagern identifiziert, NKWD- Kommissionen ein. Vernehmungen großen Umfanges wurden durchgeführt. Im Zuge der Untersuchungen erhielten 159 Kriegsgefangene Lagersperre, darunter 20 Angehörige aus dem Lager ... die zur Überprüfung nach ... gebracht wurden. Hier bestand die Untersuchungskommission aus 28 NKWD-Offi- zieren und zwei Staatsanwälten. Nach zahlreichen Vernehmungen wurde gegen 33 Kriegsgefangene Anklage erhoben, d h., es wurden sogar Anklageschriften ausgefertigt. Diese Kriegsgefangenen wurden, wie der Berichterstatter von diensttuenden Kraftfahrern erfuhr, zum Teil zum Bezirkskriegstribunal ., zum Teil nach .., dem Sitz der Hauptverwaltung, transportiert. Der Abtransport erfolgte an verschiedenen Tagen zu verschiedenen Zeiten, einzeln oder in kleinen Gruppen mit einem LKW Die Anklage warf den Kriegsgefangenen ..Kriegsverbrechen“ (Partisanenbekämpfung, Exekution von Juden, Evakuierung der Zivilbevölkerung, Requirierung oder Spionage) vor. Drei Urteilsbegründungen Von drei Verurteilungen erfuhr der Berichterstatter nähere Einzelheiten: Ein Obergefreiter und Geschützführer hatte während des Krieges den Befehl erhalten, ein Haus, in dem sich Partisanen verschanzt hatten und aus dem geschossen wurde, unter Feuer zu nehmen. 5 Partisanen wurden dabei getötet, 9 gerieten in deutsche Gefangenschaft und das Haus brannte nieder Diese Aussage hatte der Obergefreite unter dem Druck der NKWD gemacht. Urteil: 25 Jahre Zwangsarbeit. Ein Angehöriger einer deutschen Propaganda-Kompanie hatte bei seinen Vernehmungen zugegeben, mit Lautsprecherwagen Angehörige der Roten Armee aufgefordert zu haben, überzulaufen. Wegen „Zersetzung der Roten Armee in Verbindung mit Spionage“ erhielt er ebenfalls die Höchststrafe von 25 Jahren Zwangsarbeit. Ein Unteroffizier und Funktruppenführer, in der Spionageabwehr als technischer Soldat tätig, erhielt „wegen Weitergabe verschlüsselter Geheimbefehle zur Partisanenbekämpfung“ ebenfalls 25 Jahre Zwangsarbeit. Nach Beendigung dieser Aktion ging ein verständliches Aufatmen durch das Lager. Kam die Entlassung? Aber die Ratschlüsse der sowjetischen Administration und Gerichtsbarkeit waren unerforschlich. Wiederum einige Wochen qualvolles Warten. Aber am 4. Dezember 1949 setzte wiederum eine schlagartige Aktion ein. Zunächst waren es 23, später insgesamt 68 Dolmetscher Offiziere, Untersuchungsrichter und Staatsanwälte der NKWD, die schon am ersten Tage die Namen von 100 Kriegsgefangenen verlasen (deren Zahl in den nächsten Tagen auf weit über 400 stieg), die das Lager nicht mehr verlassen. durften. Die Zweifel wurden Gewißheit: Schon am 8 . Dezember wurden die ersten Haftbefehle erlassen und Anklage erhoben. Gibt es Schweigelager? Erst Mitte 1946 hatte wirklich jeder Kriegsgefangene die Möglichkeit, nach Hause zu schreiben. Als im Jahre 1947 schon eia beträchtlicher Teil Schwacher und Kranker heimgekehrt war und von den Vorkommnissen in der russischen Gefangenschaft, besonders von der hohen Sterblichkeit in den Lagern, berichtet hatte, versuchten die Russen diese für sie unangenehmen Dinge zu verschleiern. Deshalb wurden alle Kriegsgefangenen aufgefordert soviel als möglich zu schreiben Dies war allerdings nicht immer im gewünschten Maße möglich, da die Karten keineswegs regelmäßig geliefert wurden und Briefe vorerst nicht erlaubt waren Doch hat wohl jeder Kriegsgefangene in aen wahren 1947 bis 1949 irgend eine schriftliche Verbindung mit der Heimat gehabt und gepflegt Es hat bis zum Jahre 1948 gedauert bis die Sowjetbehörden glaubten genügend „Material“ gesammelt zu haben, um mit der Verurteilung kriegsgefangener Offiziere und Mannschaften zu beginnen Es begannen die berüchtigten Verhöre der früheren GPU. späteren NKWD und heutigen MWD Gelang es diesen Instanzen, gegen jemanden „genügend“ belastendes Material aufzubringen, so kam er umgehend vor ein sog. Kriegstribunal in ein anderes Lager. Von diesem Zeitpunkt ab durfte er nicht mehr schreiben und man konnte ihm auch keine Post mehr nacfasenden. Man kann also sagen, daß es ursprünglich keine Schweigelager gegeben hat, daß aber jetzt mancher Kriegsgefangene nicht mehr schreiben darf, weil er entweder in ein Untersuchungsverfahren verwickelt ist oder gar schon zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde Bei allen denen, die in den letzten Monaten plötzlich nicht mehr schrieben, ist ein solcher Sachverhalt anzunehmen Nicht alle jedoch, die vor ein Kriegstribunal gestellt wurden, sind verurteilt worden Im Sommer 1949 kamen in unser Lager (mittlerer Ural bei Swerdlowsk) verschiedene Männer an, die freigesprochen worden waren und mit uns dann nach Hause fuhren Es war ungefähr die Hälfte aller Beschuldigten. Ob die Sowjetunion das Schreibverbot für solche Verurteilte weiter aufrecht erhält (vielleicht im Glauben, dadurch die jeder völkerrechtlichen Grundlage entbehrenden Prozesse und Bestrafungen verheimlichen zu können) oder ob sie das Schreibverbot als eine besondere Verhärtung der Strafe ansieht, bleibt eine offene Frage. W. Während im Lager . . teilweise noch konkrete Anklagepunkte genannt worden waren, basierten die jetzigen Anklageschriften in der Regel auf § 17 des Strafkodexes in Verbindung mit dem Artikel 1 eines Beschlusses des Obersten Sowjets vom November 1943 Erst auf wiederholtes Drängen der Angeklagten wurde ihnen der ungefähre Inhalt deF genannten Bestimmungen bekanntgegeben Jener g 17 sieht eine Bestrafung mit „sozialen Besserungsmaßnahmen bis zu 25 Jahren“ (d. h. Zwangsarbeitslager) vor für Beihilfe bei Aufhetzung der Bevölkerung Unruhestiftung und Brandstiftung, bei dem Versuch der faschistisch-ideologischen Beeinflussung der Bevölkerung, bei der Verbreitung von Propaganda in Wort und Schrift gegen die Sowjet-Union, bei Schädigung der Partisanenbewegung, bei Maßnahmen gegen die Interessen der Sowjetunion allgemein, bei Unterstützung der faschistischen Gewaltherrschaft Der Artikel 1 sieht die Anwendbarkeit dieser Strafvorschrift auch für deutsche Kriegsgefangene vor. Auch bei diesen Verfahren versuchte man den Eindrude streng rechtlicher Handhabung zu wahren; so wurde jeder Angeklagte gefragt. ob er einen Verteidiger wünsche Nach Aussagen mehrerer vertrauenswürdiger Zeugen hatten die Angeklagten erst Im Gerichtssaal die Möglichkeit, diesen Verteidiger zu sehen Eine vorherige Besprechung mit ihm fand nicht statt Da täglich 14 bis 16 Verhandlungen waren und Urteile gesprochen wurden, mußte zweifelhaft bleiben, ob der Verteidiger überhaupt ernsthaft vorher die Akten studieren konnte * Warum sie vierurteilt wurden Bis einschließlich 24. Dezember 1949, 9 Uhr •morgens, waren dem genannten Tribunal... 128 Kriegsgefangene zur Aburteilung zugeführt worden Den Angeklagten wurde, bevor sie zum Tribunal gebracht worden das gesamte persönliche Gut (einschließlich Wäsche. Heimatpost und Familienbilder) abgenommen und seit dem 17 Dezember auch das Haar kahl geschoren. Durch Angehörige der Wirtschaftskompanie konnte der Berichterstatter in Erfahrung bringen, daß bis zum 23 Dezember 19 Freisprüche erfolgt waren, eine Angabe, für die er sonst allerdings keine Bestätigung finden konnte In einigen Fällen konnte der Berichterstatter den Straftenor erfahren Ein ehemaliger Heeresjustizinspektor einer Sicherungs-Division war zu einer deutschen Kriegsgerichtsverhandlung als Protokollführer befohlen Zwei Wehrmachtsangehörige wurden in diesem Verfahren wegen Fahnenflucht zum Tode verurteilt. Der Inspektor war als Protokollführer an diesem Urteil völlig unbeteiligt. Die Anklage lautete „auf Begünstigung der faschistischen Gewaltherrschaft“. Ein ehemaliger Hauptmann und Ritterkreuzträger war wegen eines Partisaneneinsatzes seiner Division angeklagt Er konnte durch sein Soldbuch beweisen, daß er während dieser Zeit zu einem Kursus in der Heimat war Das Soldbuch war dem Gericht nicht beweiskräftig genug Das vom Gericht als strafschärfend angesehene Ritterkreuz versuchte der Angeklagte dadurch zu entkräften, indem er sagte, daß die Vertrauensleute der Sowjet-Union. Feldmarschall Paulus und General Seydlitz, ferner die Minister der Deutschen Demokratischen Republik. Oberst Steidle und Generalleutnant Vincenz Müller, Ritterkreuzträger seien Die zvnische Antwort des Staatsanwaltes war- „Heute bestrafen wir Sie, morgen Paulus und Seydlitz und über- moreen Steidle und Müller!“ Ein Feldwebel gibt zu, zwei Kühe zur Truppenversorgung requiriert zu haben, um die Versorgung während eines Nachschubstopps sicherzustellen Anklage: Raub an sowjetischem Eigentum Ein Unteroffizier, der als Rechnungsführer die Buchungen der Lebensmittelversorgung für russische Kriegsgefangene zu erledigen hatte, ist angeklagt wegen Beihilfe zum Verbrechen gegen die Menschlichkeit Ein Angeklagter weist den Untersuchungsrichter darauf hin- daß er für eine Tat (Herstellung von Funkverbindungen und Durchgabe von Befehlen als Funker in Athen in Griechenland!) verantwortlich gemacht würde, die an sich gar nicht in Rußland erfolgt sei. Er bezweifelt die Zuständigkeit des Gerichts und des ihm vorgelegten Anklage-Paragraphen. der sich ausschließlich auf die Sowjet- Union bezieht Er wurde weggeschickt, um am gleichen Tage die gleiche Anklageschrift wieder vorgelegt zu bekommen Lächelnd zeigte ihm der Untersuchungsrichter, daß er die entsprechenden Paragraphen mit Tinte geändert habe. „Vergeßt uns nicht!“ Diese ungeheuerliche Willkür und die Mißachtung der primitivsten Rechtsbegriffe, so sagt der Berichterstatter, müßten immer wieder laut in die Welt geschrien werden, denn man habe nicht selten in den Kriegsgefangenenlagern die Erfahrung gemacht, daß die ständigen Proteste der Weltöffentlichkeit gelegentlich Linderungen gebracht hätten. Ober den Verlust an politischem Kredit seien sich die Sowjets durchaus klar Es läge nicht zuletzt an den deutsch«) Parlamenten, den Kirchen und Parteien, immer wieder ihre Stimme zu erheben. Niemand könne die erschütternden Rufe der Zurückgebliebenen und Verurteilten überhören, die den Heimkehrern mit auf den Weg gegeben wurden: „Vergeßt uns nicht!“ Das Bruchsaler Schloß in der Erinnerung Eine Skizze von Dr. Richard Harlacher - Singen (Hohentwiel) Mit fassungslosen Blicken stehen-wir heutigen Menschen oft vor den Trümmern unseres weltberühmten Schlosses und fragen uns nach dem Sinn dieser furchtbaren Zerstörung. Doch die geborstenen und verbrannten Mauern, die wirr durcheinanderliegenden Steine, an denen noch da und dort der Glanz der Vergoldung klebt, verweigern die Antwort und weisen nur als stumme Zeugen vergangener Herrlichkeit uns den Weg nach rückwärts in die Zeiten Schönborns und Huttens, da noch über der einstigen fürstbischöflichen Residenz dife Sonne, der Freude lachte. Die kleine Skizze „Schloß Bruchsal“, die wir mit freundlicher Genehmigung des Verfassers, Richard Harlacher, dem Wanderbüchlein „Von Bergen und Landstraßen“ entnehmen, soll uns nun noch einmal all das, was wir in Bruchsal-verloren haben, im strahlenden Licht des einstigen Glanzes vor Augen führen. In linden Frühlingsnächten, wenn auf den hohen Kastanienbäumen des Schloßgartens Vieltausend wohlriechende Kerzen aufgesteckt sind, rote und weiße, wiegen sich die Kronen und Aeste ganz sachte, strecken geheimnisvoll die Köpfe zusammen und erzählen sich eine gar alte und lauschige Geschichte. Im grauen Mittelalter, da war das noch ganz anders. Die Menschen waren sich nicht minder gram und feind als heute, und die Mächtigen verschanzten sich auf den Bergen hinter dicken hohen Mauern. Wenig Platz blieb da zum Tanzen und Reiten, und kamen einmal Gäste, dann durften es nicht gar viele sein. Da aber brach die Zeit an, wo die Feuerwaffen erfunden wurden. Bald hatte es keinen Sinn mehr, mit Kettenpanzer und Eisenschienen in den Streit zu ziehen. Leichte Gewänder taten dieselben Dienste. Und weil man so lange das eintönige Grau des Eisens nur getragen hatte, so bemächtigte sich eine * große Farbenfreudigkeit der Menschen. Bunt und kostbar wurden die Kleider, um so mehr, als man sich jetzt auch darin zeigen könnte. Denn auch die festen Burgen boten keinen Schutz mehr gegen die neuen Waffen. So zogen Ritter und Fürsten hinunter in die Ebene, wo es sich bequemer und leichter lebt, wo man weiträumige Schlösser mit ausgedehnten Gärten bauen und wo man prunkvolle Feste feiern konnte mit viel Volk. Von Frankreich her kam die neue Bauart reiche Würzburger Vetter sich marmorne Säulen leisten, so mußte der Bruchsaler Schloßherr marmorn gemusterte heimische Steine verwenden. Aber auch die Meister und Bauleute — der große. Balthasar Neumann ist selber aus Franken herübergekommen und hat üns diese unvergleichliche Perle des Rokoko geschenkt — trügen ihr Teil zum Gelingen bei. Das Rechnungsschreiben verstand man damals noch nicht. Ein paar Florentiner Gulden, das Essen aus der Schloßküche und „Wein aus den fürstbischöflichen Kellern, so viel er vertragen konnte“, das war beispielsweise der Lohn für den bedeutendsten Maler, der im Sthloß arbeitete, Johannes Zick. Und doch . steht das Bruchsaler Schloß dem Würzburger vielleicht an Kostbarkeit des Materials, nimmer aber an Schönheit und Gediegenheit der Verarbeitung und - der Ausführung nach. Im Gegenteil, die feinen Rokokozimmer, in denen von den gobelinbedeckten Wänden zu den spiegelbesäten Decken kein Uebergang mehr zu finden ist. alles überwuchert von eichenholzgeschnitztem Rankenwerk und echtestem Stuck, die sind in Bruchsal in einer kaum zu überbietenden Vollendung anzutreffen. Wer wird den Treppenaufgang zum Kuppelsaal vergessen, den es auf der ganzen Welt nicht mehr gibt? Wie ein Film entwickeln sich die hohen Meisterwerke der Perspektive und der Raummalerei vor den Augen des Beschauers. Ein gleiches Schauspiel erlebte ich nur noch beim ■ Aufstieg zu den schönsten Gipfeln im Hochgebirge. Vorbei der Glanz Die Vollendung zur heutigen Gestalt erfuhr das Schloß erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Indessen, die Zelt war schon vorgerückt bis an die Grenzen jenes prachtvollen Kulturabschnitts. Dazu kam die Schlichtheit und Sparsamkeit der Fürstbischöfe. So verstehen wir, daß in diesen Räumen keine rauschenden Feste mehr gefeiert wurden, wie in den übrigen Barockschlössern. Noch hatten nicht viele Tänzerinnen mit schwingenden Reifröcken und hochgetürmten Perücken die prunkhaften Hallen durchschritten, da brach die Dämmerung herein für das Zeitalter der Freude und des Sonnenkönigtums. Der deutsche Boden erdröhnte'unter dem kriegerischen Tritt der Legionen der französischen Revolution, und diese Männer hatten kein Verständnis mehr für weiße Strümpfe und Schnallenschuhe, für Rosenlauben und Schäferspiele. Nüchtern zog die eherne Aera der Technik herauf, einheitlich und düster das Werkkleid — und die Herrschaften, die fürder im Bruchsaler Schloß wohnten, fürchteten sich vor den Marmorsälen, schlossen sie zu und verkrochen sich in die kleinsten Räume des Gebäudes. Und selbst die mußten noch überstrichen werden mit grüner Farbe. Schließlich- floh man ganz aus dem Zauberschloß, Spinnen und Motten blieben allein zurück. Statt dessen bauten sich die Menschen neue Wohnungen, die fürchterlichen Kasernen des späteren Empire und der Industriestädte. Historische Schloßkonzerte Als der erste Weltkrieg den Bankerott des Geldes, des' Stahls, der Aufklärung ge- offenbart hatte, fiel die Dornröschenhecke auch ' in den Wallgräben des Bruchsaler Schlosses. Man entdeckte den Sehönheits- und Kunstwert der Bauten, an denen Bürgerschaft und Fremde, einzig und allein auf Nutzen und Gewinn bedacht, jahrzehntelang achtlos vorbeigegangen waren, man öffnete die Fenster, putzte die Spiegel und. Parkettböden blank, und zur 200jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung sahen die ehrwürdigen Mauern ein heiteres Fest im weiten Ehrenhof. Wieder singen die Geigen im hohen Schloß, und Edelfräulein, gepuderte Kavaliere am Arm, steigen die flachen Treppen auf und nieder. Seitdem feiern die Bruchsaler jedes Jahr ein paar Rokokotage im fürstlichen Schloß. Das ist die Woche der Kammerkonzerte. Wo könnte die „Nachtmusik“ des Wiener Meisters berauschender klingen als hier? Und in der Pause lustwandeln die lieblich zu schauenden Reifroekpärchen und schauen aus breitnischi- gen Fenstern in die warme, düfteschwere Sommernacht. Drunten aber plätschern die Wasserkünste ein Lied aus vergangenen Tagen. Auf dem Heimweg begleiten uns noch'lange die Alleen der Bischofsstadt, und vom ersten Frühjahr bis in den hohen Sommer hinein sorgen die mannigfaltigsten Baumarten dafür, daß immer ein feiner Blütenduft wie vornehmes Parfüm die Straßen erfüllt. Wahrlich, hier ist das Reich des ewigen Frühlings und nie endenwollenden Sommers. Teure Freundlichkeiten / Vorsicht mit Fremden! Eine Schauspielerin, froh, endlich eine Anstellung gefunden zu haben, packt ihre Koffer und fährt in die Großstadt. Das Geld ist immer noch knapp, und so wird das Gepäck mit ins Abteil genommen. Auch die Kosten des Gepäckträgers werden gespart. Ueberall gibt es ja freundliche Mitreisende, die helfen. Sie hat sich schnell eine hilfreiche Frau, die ihr bereitwillig die Koffer zur Gepäckaufbewahrung stellte sich sofort der richtige Sachverhalt heraus. Die Gepäckaufbewahrung der Bundesbahn tut alles, um eine unrechtmäßige Auslieferung von hinterlegten Stücken unmöglich zu machen. Sie hat dabei auch weitgehend Erfolg, nicht zuletzt dank der langjährigen Erfahrungen mit den Kniffen der Gepäckmarder. Wenn aber die Reisenden durch ihre eigene Unvorsichtig- für die widerrechtliche Aneignung des Gepäcks geben, dänn nützen auch die größte Vorsicht und die beste Erfahrung der Beamten wenig. Deshalb muß immer wieder gesagt werden: Vorsicht mit Fremden! Die bereitwillig angebotenen Freundlichkeiten kommen sehr leicht teuer zu stehen. Auf allen Bahnhöfen sind heute amtlich zugelassene Gepäckträger, die gegen eine angemessene Gebühr das Gepäck befördern und Gewähr dafür bieten, daß keine Unregelmäßigkeiten Vorkommen. und die erhöhte Lebensfreude. Dort hatte der ^ ra S en hilft. Man wechselt ^freundliche Worte, k e jt diesen Schwindlern die Voraussetzungen Soönenkönig ein . Schloß aus dem Boden gestampft, das den Söhnen des Himmels im Reiche der Mitte alle Ehre gemacht hätte. Und jeder von den zahllosen deutschen Fürsten setzte seinen Ehrgeiz drein, von Heidelberg nach Mannheim, von Durlach nach Karlsruhe, von den schmalen Kalkfelsen der Rauen Alb ins wohnlichere Unterland zu übersiedeln und es dort dem großen französischen Nachbarn gleichzutun. Bewundernswertes Bauwerk In diesen Tagen fuhren auch die Bauern aus dem Bruhrain und von den blauen Hügeln im Osten allenthalben Sand und Holz und Steine herbei. Und im Jahre 1722 wurde der Grundstein gelegt zu einem der herrlichsten Schlösser jenes Zeitalters. Der Bauherr war Damian Hugo von Schönborn, Fürstbischof zu Speyer, ein weise wirtschaftender und milder Fürst. Seine Untertanen hatten nur die damals üblichen und zur Landessteuer gehörigen Fuhren und Dienste zu leisten. Und auch an Abgaben wurde nur so viel erhoben, wie er Jicuchsaiec Aliedei Arbeiterwohlfahrt. Seit 15. d. Mts. steht unsere Nähstube Schönbomstr. 22 unter neuer Leitung einer erfahrenen Schneidermeisterin. Geöffnet täglich von 8—12 und 14—17 Uhr. Zu reger Benützung wird höfl. eingeladen. Unsere unentgeltlichen Beratungsstunden in allen Fragen finden jeden Dienstag und Freitag von 15—18 Uhr statt. Blütenfahrt an die Bergstraße. Am Sonntag, 23. April, veranstaltet das Reisebüro Herberger eine Blütenfahrt an die Bergstraße. Berührt werden u. a. folgende Orte: Heidelberg, Neckargemünd, Heiligkreuzsteinach, Weinheim und Schriesheim. Die Abfahrt am Bahnhof Bruchsal erfolgt um 12.30 Uhr. Skiklub Bruchsal. Am Sonntag, 23. April, machen wir eine Neckarwanderung von Heidelberg nach Neckargemünd, Dilsberg, Neckarsteinach, yon wo wir mit dem Motorboot wieder nach Heidelberg -und von dort mit dem Omnibus nach Hause fahren. Die Teilnehmer treffen sich am Donnerstag, 20. April 1950, 20 Uhr, zu einer Besprechung im Jägerstüble. dann verabschiedet man sich. Erst als die Schauspielerin ihr Gepäck abholen will, muß sie zu ihrem Schrecken feststellen, daß jene „freundliche“ Frau die Unterhaltung als Ablenkungsmanöver benutzte und ihr einen Hinterlegungsschein übergab, den sie kurz vorher für eine alte Pappschachtel mit wertlosem Inhalt erhalten hatte. Der Hinterlegungsschein für die wertvollen Koffer war inzwischen eingelöst und die Frau über alle Berge. Die zwecks späteren freundschaftlichen Verkehrs hinterlassene Anschrift war genau so erfunden wie alles andere, was sie erzählt hatte. Etwas besser schnitt ein Reisender ab,der dem Rat eines Mitreisenden folgend, in dessen Quartier mitging, vorher aber einen Koffer als Handgepäck hinterlegte und dafür den entsprechenden Schein erhielt. Er hatte jedoch den Koffer im Beisein des Fremden geöffnet, um etwas zu entnehmen. Das war sein Verhängnis. Am anderen Morgen in aller Frühe erschien der Fremde bei der Hinterlegungsstelle und Die Borgward-Produfction Bei Borgward-Bremen wurden im März 1950 1 0 9 7 Fahrzeuge gebaut, ifavon fielen 570 (580) auf den PKW „Hansa 1500“ und die übrigen auf die bekannten Lastwagentypen. Die Gesamtproduktion im ersten Quartal 1950 betrug 3 310 Fahrzeuge. Daran war der PKW „Hansa 1500“ mit 1600 Fahrzeugen beteiligt und der 1 /4-Tonner sowie der 3,4-Tonner Diesel mit insgesamt 1 710 Fahrzeugen. Jeder zahlt jährlich 0.1.3 DU Besatzungslasten Westdeutschland muß im Jahr 4,5 Milliarden Besatzungskosten aufbringen träglich war. Lag doch das Land noch völlig erklärte, er habe den Gepäckschein verloren. darnieder von den Raubkriegen Ludwigs des Vierzehnten her. Noch wenige Jahre zuvor hatte Melac zweimal die Stadt in Schutt und Asche gelegt, daß die Glocken von den Türmen schmolzen. Um so bewundernswerter ist das Bauwerk. Nur bei bescheidenster Lebenshaltung und vorsichtiger Kostenberechnung war es überhaupt zu schaffen. Konnte der In diesem Augenblick kam der richtige Besitzer des Koffers und legte den Gepäckschein vor. Ein Druck auf die versteckt angebrachte Klingel alarmierte sofort die Bahnpolizei. Der Betrüger hatte nun die Frechheit, zu behaupten, daß der andere den Hint’erlegungsschein gefunden habe und sich unrechtmäßig in den Besitz des Koffers setzen wollte. Auf der Wache Die Frage der Besatzungskosten nimmt an Bedeutung immer mehr zu, da die finanzielle Lage des Bundes sorgenvoller wird, erklärt der Ausschuß des Bundestages für Besatzungsstatut und auswärtige Angelegenheiten in einem dem Bundestag vorgelegten Bericht. Der Bericht gibt umfassendes Zahlenmaterial über die bisherigen Besatzungskosten. Danach waren in der Zeit vom 1. Oktober 1948 bis zum 30. September 1949 im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland 4 491 500 000 DM zu zahlen, das sind durchschnittlich 95,46 DM pro Kopf der Bevölkerung jährlich. Die Zahlen ergeben, daß im Durchschnitt jeder erwerbstätige Deutsche etwas über einen Monat im Jahre für Besatzungslasten zu arbeiten hat. Das buddige Amtsmännle Eine Sage aus dem Kraichgau, erzählt von Walter Weckenmann Vor vielen, vielen hundert Jahren stand einmal zwischen Neuenbürg und Münzesheim ein Schloß. Rings war es umgeben von saftiggrünen Wiesen und fruchttragendem Ackerland. In diesem Schlosse lebte ein Amtmann. Wie er geheißen, weiß niemand mehr zu berichten. Er war eben ein Amtmann, wie alle Amtmänner jener Zeit: reich und geizig. Kam jemand in das Schloß, um etwas zu erbetteln, hetzte er den großen, kläffenden Hofhund auf denarmen Schlucker. Des Nachts soll nie Licht im Schlosse gebrannt haben, denn, so hatte einmal der Amtmann geschrien, als sein alter Diener, der einzige, der außer ihm im Schloß lebte, eine Kerze anzündete: „Laßt das Zeug aus, das brennt mich ja arm!“ Die Leute aus der Umgebung machten immer einen großen Bogen um das Schloß und mieden es. als würde drinnen die Pest hausen. Am Sonntag, wenn die Glöcklein über die Hügel bimmelten und zur Kirche riefen, sah man den Amtmann durch die Fluren streichen. Die, die ihm begegneten, flüsterten sich dann zu: „Jetzt zählt er wieder seine Grenzsteine“ — und schnell bekreuzigte man sich, denn der mußte mit dem Teufel im Bunde stehen. Der Amtmann sah das wohl, machte sich nichts daraus, ja freute sich sogar noch insgeheim, wenn die Kinder sich ängstlich an der Mutter Schürze festhielten. So ging das Jahr um Jahr. Als der Frühling die weiße Bettdecke von den Wiesen und Feldern gezogen hatte, sah man den Amtmann wieder. Klein Schien er geworden, eingehutzelt und alt. Alle sahen es und deuteten mit den Fingern; einen Buckel hatte er bekommen. In der Tat war es so gewesen, wie die Leute es sich von Mund zu Mund weiter erzählten, daß an all dem der Geiz schuld sei. Nun war mit dem Amtmann überhaupt nicht mehr zu sprechen. Als der Herbst ins Land kam, fand man seinen alten Diener tot vor dem Schlosse liegen — verhungert. Eines armen Taglöhners Acker grenzte an den des reiches Amtmannes. Dieses Aeckerlein hielt gerade die schlimmste Not vom Tische des Armen fern, an dem außerdem noch zwölf Kinder satt werden wollten. Schon.lange aber ärgerte sich der Amtmann, daß ihm nicht auch dieser Fetzen Land gehörte. Er mochte es drehen, wie er wollte — und konnte ganze Nächte lang sich hintersinnen, der Acker blieb eben des Taglöhners Eigentum. Der war ein rechtschaffener Mann und ging ihm nicht auf den Leim. Eines Nachts nun war es gewesen. Draußen heulte der Sturm, riß und zerrte an den Fensterläden und pfiff, daß man kein Auge zumachen konnte. Da stand der Amtmann auf und schlich sich in die Nacht hinaus. Verstohlen schaute er umher, ergriff einen Spaten, der am Boden lag... und dann schluckte ihn die Finsternis. Oft packte ihn der Sturm mit seinen Fäusten und riß ihn ein Stück fort; und einmal schlug er in eine Ackerfurche, daß Blut von seiner Stirne lief. Aber nur noch fester umklammerte er den Spatenstiel, so daß es aussah, als wollten die Fingerknöchel aus der Haut fahren. Seine rotlaufenden Augen durchstachen das Dunkel — und da stand er auch schon, der - Grenzstein, der seinen Acker von dem des Taglöhners trennte. Einen Augenblick nur schnappte er nach Luft, und dann knirschte unaufhörlich die Erde unter den Stichen des Spatens. Immer tiefer grub er. Die Schweißtropfen perlten den Rücken und die Hände hinab. Plötzlich fegte ein mächtiger Windstoß heran. Der packte den Stein und warf ihn um, den Amtmann unter sich reißend. Am anderen Tag fand man ihn. Alle Leute redeten nun laut über das Gericht Gottes, und der Pfarrer predigte es am Sonntag von der Kanzel. Seit dieser Zeit heißt die Gegend, wo dieses geschehen, „Der bucklige Amtmann“. Der Grenzstein aber steht noch bis auf den heutigen Tag. In stürmischen Nächten kann man das bucklige Amtmännlein auf diesem Steine sitzen sehen. Es soll viele geben, die es mit eigenen Augen sahen. Ich bin selber dort ge- Die Besatzungslasten betragen fast das Doppelte der für dje Finanzierung des Wohnungsbauprogramms verfügbar zu machenden Mittel und ein Mehrfaches des Aufkommens aus der Soforthilfe. Gegenüber Besatzungslasten von rund 4,5 Milliarden DM für das Haushaltsjahr 1949/50 stehen Fürsorgelasten für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene :nit etwa 3,060 Milliarden DM, Zuschüsse zur Arbeitslosenversicherung mit 625 000 000 DM und Zuschüsse zur Sozialversicherung mit 600 Millionen DM. Die Kriegsfolge- und Soziallasten des Bundes einschl. der Besatzungslasten machen also mit 8 785 000 000 DM ziemlich genau so viel aus, wie die unmittelbaren Einnahmen des Bundes, die mit 8,75 Md. veranschlagt sind. Aus dem Bericht ist ersichtlich, daß die Besatzungsbehörden zu den größten Arbeitgebern im Gebiet der Bundesrepublik gehören. Sie beschäftigen noch vor kurzem mehr Personen als die Bundesbahn oder das Textilgewerbe. Am 31. Dezember 1949 standen 464 050 Personen im Dienste der Besatzung. Der Bericht fordert eine Angleichung der Tarife für deutsche Angestellte der Alliierten an die deutschen Tarife. Warenlieferungen für die Besatzungsmächte betrugen im Zeitraum von Oktober 1948 bis September 1949 eineinhalb Milliarden DM. Das bedeutet monatliche Warenlieferungen von 80 Millionen DM an die Alliierten, gegenüber einem Fertig-Warenexport von durschnittlich 146 Millionen DM monatlich. Der Ausschuß setzt sich dafür ein, daß dieser „schwere in Form von versteckten Ausfuhren und vorweg genommenen Reparationen wirksam werdende Aderlaß am geschwächten deutschen Wirtschaftskörper“ fortfällt. Der Bericht stellt weiter fest, daß die Last von jährlich 4,5 Milliarden DM auf die Dauer nicht getragen werden können. Deutschland habe durch die Ausdehnung des Luftkrieges auf nichtmilitärische Ziele etwa ein Viertel seines Grundvermögens verloren. Es habe ferner Verluste durch Demontagen, Wegnahme der Patente ünd der Flotte, wesen und hab mit ihm gesprochen. Was es Einengung der Märkte und unübersehbare Ver- mir erzählte, schrieb ich hier nieder — denn wo sollte Ich es sonst herwissen? Nur eine Frage hat es mir nicht beantworten können: Ob es mit dem Geiz auch heute noch so schlimm bestellt sei, wie ehemals? Ich glaube, es hat den Kopf geschüttelt. Kann das stimmen? nichtung von Geldwert und Eigentümerrechten erlitten. Der schwerwiegendste Faktor sei der Verlust der landwirtschaftlichen Gebiete und das Einströmen der Millionen von Flüchtlingen. Die Besatzungsmächte müßten deshalb von sich aus daran arbeiten, die Besatzungskosten „fühlbar herabzusetzen“. / Mittwoch, den 19. April 1950 AUS KRAICHGAU UND BK LJ H RAIN Wiesental Die Handharmonikafreunde Wiesental veranstalten am 23. April um 15 Uhr, im Saal des Bad. Hof ein großes Frühjahrs-Konzart. Damit wollen die beiden Orchestergruppen erneut unter Beweis stellen, daß sie den musikalisch neuen Weg, die Benutzung der Harmonika als Hauptinstrument für große Orchesterwerke, unter Leitung von Vereinsmusiklehrer Maid erfolgreich weiter beschritten haben. Im ersten Teil hören wir u. a.: „Ave Verum“ von Mozart, „Ave Maria“ von Bach-Gounod, „Der Tod und das Mädchen“ von Schubert; im zweiten Teil werden Walzer, Polkas und Menuette zum Vortrag gebracht. — Gleichzeitig werden die beiden Wiesentaler Gesangvereine, der Männergesangverein und der Sängerbund mit einigen Chorwerken im Programm mitwirken. Ebenso wird die einheimische Gesangsolistin Alma Erbe, die schon mehrfach über den Rundfunk zu hören war, mit einigen Liedvorträgen zum Gelingen dieser kulturellen Veranstaltung beitragen. Allen Zuhörern wird damit wieder ein sorgfältig ausgewähltes Programm geboten. Im ersten Ausscheidungskampf um die Bad. Schach-Pokalmeisterschaft siegte der Wiesentaler Spitzenspieler, Lehrer Kunzeimann, im Blitzturnier über Zimmermann, Bruchsal, und kam somit eine Runde weiter. Trotz zähestem Kampf endete das Vorspiel unentschieden. Kirrlach Am Samstag fand in der Linde die Generalversammlung des Obst- und Gartenbauvereins statt. Der 1. Vorstand Lüders begrüßte die Erschienenen auf das herzlichste. Anschließend gab er einen Rückblick über das abgelaufene Vereinsjahr. Dabei betonte er besonders, daß es der Vereinsleitung gelungen sei, finanzielle Verluste zu vermeiden. Konrad Heinrich, der 2. Vorstand, erstattete den Tätigkeitsbericht. Er erinnerte an die Obst- und Gartenbauausstellung in Landau, deren Besuch alle Besucher befriedigte. Der Verein zählt 102 Mitglieder. Die Kassenprüfung durch den Kreisverbandskassenprüfer gab zu keinerlei Beanstandungen Anlaß. Der Vorstandschaft wurde Dank und Entlastung ausgesprochen. Bei der folgenden Neuwahl wurde die bisherige Vorstandschaft wiedergewählt Sie wird durch Neuwahl von Oechsler Philipp ergänzt. Als Beiräte wurden Heilig, Cihlarsch und Müller gewählt. Besprochen wurde darauf die Spätkartoffelbestellung. Angebaut werden soll die Hochzuchtsorte „Voran“. Von nun an soll jeden zweiten Monat im Jahr eine Versamm- Jung stattfinden auf der vor allem theoretische und praktische Fragen des Gartenbaus besprochen werden. Aus diesem Grund wurden zu Sachbearbeitern für den Gemüsebau Heger, für den Obstbau Schuhmacher und für die Blumenzucht Heger Josef gewählt. Die vorhandenen Spritzen zur Schädlingsbekämpfung werden sowohl an Mitglieder als auch an Nichtmitglieder ausgeliehen. Für 1950 wird eine örtliche Obst- und Gartenbauausstellung geplant. Bei dieser Gelegenheit soll ein geselliger Familienabend für die Vereinsmitglieder stattfinden. Zum Schluß ermahnte der Vorstand seine Mitglieder, mitzuhelfen, daß jeder Garten wieder die Freude und der Stolz seines Besitzers werde. Der Kraftsportverein erhielt aus Totogeldern 1500 DM. Dieser Betrag wird zum Ankauf einer neuen Matte verwendet. Anläßlich des Freundschaftskampfes gegen Weingarten am 23. April wird sie erstmalig verwendet. Kronau Am Samstag ereignete sich auf der Straße Mingolsheim—Kronau ein schwerer Verkehrsunfall. Ein Personenauto wollte die vom Mittagszug kommenden Leute überholen und fuhr, infolge Entgegenkommens eines Fahrzeuges in die Menge. Ein junger Mann mußte mit einem Beinbruch ins Bruchsaler Krankenhaus eingeliefert werden, während zwei weitere Personen mit leichteren Verletzungen davonkamen. Der Fahrer selbst erlitt (trotz Ueberschlags über die Böschung) keine Verletzungen, Bei etwas mehr Vorsicht des Fahrers hätte nach Aussagen der Verletzten der Unfall vermieden werden können. 25 Knaben und 12 Mädchen gingen am Sonntag zum ersten Mal zum Tisch des Herrn. Von diesen Kindern konnten neun ihren Vater nicht in ihrer Mitte haben, da er gefallen oder vermißt ist. Letzte Woche wurde die Ehefrau des Simon Marterer, Elisabeth geb. Reichert, zu Grabe getragen. t. Neudorf In feierlicher Weise fand am Sonntag die Erstkommunion der Kinder statt. 69 Knaben und Mädchen gingen zum ersten Male zum Tisch des Herrn, nachdem sie zuerst in feierlicher Weise vor der zahlreich versammelten Gemeinde ihr Treugelöbnis erneuert hatten. Die Kinder wurden im Pfarrsaale von dem Ortsgeistlichen, der Musikkapelle, den Jugendorganisationen mit Bannern und dem Gemeinde- und Stiftungsrat abgeholt. Der Kirchenchor verschönerte den Gottesdienst durch Vortrag der Filke-Messe in G. Nach Beendigung der Feier wurden die Kinder unter den Klängen des „Großer Gott, wir loben dich“ wieder in den Pfarrsaal zurückgeleitet. In einfacher^ jedoch würdiger Weise fand in der Notkirche der Expositur in Graben für Graben, Linkenheim und Hochstetten die feierliche Erstkommunion statt. Aus den drei Diasporagemeinden waren es» 30 Kinder. Graben stellte 14, Linkenheim 12 und Hochstetten 4 Kinder. Obergrombach Aufgeboten sind: Arbeiter Hugo Schott, Schloßstr. 16, und Zigarrenmacherin Käthe Palatin aus Perbal (Ungarn), Jöhlingerstr. 1. Heute feiert Frl. Josefine Janzer, Michaels- bergweg 2, in verhältnismäßig guter Gesundheit ihren 70. Geburtstag Frl. Janzer versah in früheren Notzeiten lange Jahre den Mes- nerdienst an der Pfarrkirchfe und genießt auch wegen ihres sonstigen leutseligen und äußerst zuvorkommenden Wesens bei der ganzen Einwohnerschaft -besondere Beliebtheit. Der hochbetagten Jubilarin wünschen auch wir an ihrem heutigen Jubelfeste alles Gute und einen recht langen und sonnigen Lebensabend. Am Freitag 14.45 Uhr findet auf dem Rathaus die Pockenimpfung der Jahrgänge 1949 und 1938 statt. Sämtliche Landwirte, die Mitglied des Badischen Bauernverbandes sind und die Absicht haben, beim Finanzamt Bruchsal einen Antrag auf Stundung ihrer Soforthilfeabgabe eintu- reichen, werden gebeten, die hierzu notwendigen Vordrucke noch im Laufe dieser Woche beim Vorstand Josef Hardock anzufordem. Nach 14tägiger Ferienzeit hat gestern der Unterricht an der Volksschule und damit auch die Schülerspeisung wieder begonnen. Da ab 30. Juni die unentgeltlichen Lebensmittellieferungen der Vereinigten Staaten für die Hoo- verspeisung aufhören, ist eine Weiterführung der Speisung in der bisherigen Form nicht mehr möglich. Ob eine Speisung in anderer Form durchgeführt werden kann, hängt von dem Unkostenbeitrag der Eltern selbst ab. Um hierüber Klarheit zu bekommen, wird voraussichtlich noch im Laufe dieser Woche im Bürgersaal eine Elternversammlung stattfinden, wobei das Für und Wider der Schulspeisung eingehend -besprochen wird. g Unter öwisheim Die Ortsgruppe der Kriegsversehrten und Hinterbliebenen hielt im Stammlokal zur Rose eine wichtige Besprechung ab. Vorstand Ratschreiber Oberst gab ein eingehendes Referat über die Kdeiskonferenz in Bruchsal. Nunmehr ist Bruchsal, das bisher in allen- Versorgungsansprüchen Karlsruhe angegliedert war, ein selbständiger Kreis geworden. Vorstand ist Gewerkschaftssekretär Rausch. Geschäftsführer ist wie bisher Kamerad Fies. Die Ortsgruppe macht am 3. Juni- mit dem Omnibus einen Ausflug nach Freiburg. Die Gemeinde versteigerte am 17. April vier fette Farren. Da sich zahlreiche Liebhaber ein-gefunden hatten, war der Erlös dementsprechend angängig. Käufer waren Wallbufg- Bruchsal, Däschner-Unteröwisheim, Schenii- Ubstadt und M-üller-Grötzingen, Als am Samstag die Farren zur Waage geführt wurden, erlitt der -Farrenwärter Bolz durch einen Far- ren eine ernsthafte Handverletzung. Rheinwasserstände Konstanz 296 (+ 1), Rheinfelden 237 (— 6), Breisach 184 (+4), Straßburg 250 (—7), Karlsruhe 422 (— 7), Mannheim 303 (+ 3). Unsere Sportedte Fußball Unteröwisheim — Heidelsheim 0 : 7 In obigem Privatspiel bezog Unteröwisheim eine katastrophale Niederlage. Beide Mannschaften traten mit einigen Ersatzleuten am Die Gäste hinterließen durch ihr durchdachtes, flüssiges Spiel einen sehr guten Eindruck, so daß die Sympathie der Zuschauer ganz auf ihrer Seite war. Die Unteröwisheimer spielten dagegen planlos und verkrampft. Da die Abwehr mehrmals bedenkliche Schwächen "zeigte und der Torwart eine recht mäßige Vorstellung gab, war die blamable Niederlage nicht aufzuhalten. Unteröwisheim konnte nicht einmal zwei Elfmeter verwandeln. Heidelsheim drängte gleich von Spielbeginn und erzielte kurz hintereinander zwei unbedingt vermeidbare Tore. Nach Halbzeit diktierten die Gäste meistens das Spielgeschehen und errangen weitere 5 Tore. Die Gäste waren dem Gastgeber im Lauf- und Schußvermögen weit überlegen. Unteröwisheim dürfte aus diesem Spiel die richtige Lehre gezogen haben. Bei den Gästen war jeder Posten gut besetzt; hervorragend schlug sich ihr Torwart. Wiesentaler Sport Am Sonntag sind die Mannschaften des Kraftsportverein Wiesental zu Freundschafts- kämpfen in Heilbronn und in Kirchheim (Neckar) angetreten', um ihren Rückkampfverpflichtungen nachzukommen. — Die I. Mannschaft kam gegen den ESV Heilbronn zu einem 5 : 3-Erfolg und die II. Mannschaft kam gegen den Landesligaverein KSV Kirchheim (Neckar) zu einem überlegenen 7 : 1-Sieg. Am Samstag muß die I. Mannschaft zum ersten Kampf um den Wanderpreis des Bad. Schwerathletikverbandes im Freistil-Mannschaftsringen gegen den ASV Feudenheim in Feudenheim antreten. Doch bereits am nächsten Tag, am Sonntag, 23. April, um 15 Uhr, bestreitet der KSV Wiesental in der Rosenhalle auf eigener Matte den Rückkampf, -ap- EUROPA-LICHTSPIELE • zeigen vom 18. - 20. April 1950 J. ARTHUR RANK ZEIGT: f J~d1rk bo^TTtt- EINE WESSEX - PRODUKTION DER EAGIE-UON Ein Arthur Rank-Film von Glück und Tragik der Rennfahrerschicksale. Anfangszeiten: Täglich um 17, 19 und 21 Uhr Creme für Schuhe wetterfest! □URO DOM.. . sioppi Zahnzerfall] Walwurz-Fluid fkzeint Qbffihrtwd-Einfad» Zuteilung- aiftg£& Drog. O. Decker, Zollhallensiraße 2 Drog. Haag, Schönbomstraße 49 Drog. Well, Bahnhofplatz l Von MAX NEAL (Copyright 1934 hy Fiomithlii-Ytrllg, CrSbcmU M HUidm) 11 ] SBernburg Ia§: „Anfomme heute nadfjt, um mit Stönen abgurechuen, roie Sie e! oerbienen. S-' „Sa§ Setegramm mürbe geftern nachmittag um 4 Uhr tu 3ütid) aufgegeben, am Abenb erhielt e! 3h* Sohn, unb nacht! ift ber Unbe- lannie erfd)tenen, um bie Abrechnung gu doQ« *iehen\ fombinierte St. '.Römer, roäfjrenb feine Augen über ben Sdjreibtifdj liefen. Sann griff er nach öem bort liegenben ßurlbpch unb blätterte barin. bi! er bie richtige ©eite gefunben hatte. „Stimmt*, fabulierte er weiter, „bet ©jprefj oerläht 3äu<*) um 16-1° Uhr unb trifft hier ein um 24 Uhr 35 Minuten. 5Rad)Dem ber Stob 3hre§ Sohne! nach bem ärgtlidjen Sefunb ungefähr eine Stunbe nach 3Ritternad)t erfolgt fein mufj. fo ift ber Säter biteft oom Sahnhof hierhetfjefommen unb burch bie Serraffentür eingebrungen, um ben Afjnungllofen oon hinten niebergu* meucheln.* „Alfo ein gemeiner fRadjeaft?* gifchte SBernburg gornig mit einer halben SBenbung gegen ©itta. pl! entartete er oon ihr. bafj Re ihm gufttmme. Sie aber ftanb regungllo! tote eine Statue. „3Röglich*. antwortete ftatt ihrer gelaffen ber Snfpeftor. „Alle!, wa! ich angeführt habe, ift weiter nicht! al! eine oon ben Dielen Ser. mutungen, bie man baju oorbringen fann. ©g ift aber nicht au§gefd)Ioffen. bah auch ein anbem ©tunb gu ber Sat oorliegt. Sur eineg ift gewih. bah ber 2Rann auf’bem Silb - ber Abfenber be! Telegramm! unb fjöchft* } roahrfcheinltd) auch ber SRörber ift.* „Aber bann liegt ba!. roa! mir tun müf- fen. bod) gang einfach*, brängte SBernburg, bem bie umftänbliche Art be! Snfpefior! ein bihehen auf bie Seroen ging. „Sag fdjeirtt 3hncn fo. SBag mich an bet gangen Sache ftufcig macht, ift ber Umftanb, bah etn Slenfdj, ber einen 3Rorb plant, fo ungefchieft fein foüte, feine beabfidjtigte "lat- bem Cpfet erft noch oorher telegrnphifd) an» gugetgen". bemerfte ber firiminalinfpeftot. „Sa! roifl mir nicht in ben fiopf. ©r muhte ftd) hoch fagen. bah eine foldje Unbefonnen» fjett gu feiner ©ntbeefung führen muh. unb groar um fo Rdjerer, al! er Reh mit feiner SBibtnung auf Der Shotogtaphie geroiffer» mähen felbft feinen Stecfbrtef gefchrieben hat. Sa ftimmt alfo etwa! nicht.* St. (Römer fchmieg. Sie 8uft im 3immer roar gefaben mit Spannug. Sur bie (Rofofo- uf)r auf bem Schreibtifd) tiefte. 6g ift merf* würbig, roie laut eine Uhr tiefen fann. wen« e§ ftiri" im 3immet ift. „SBa! foQ nun gefch^ben?* unterbrach SBernburg bag Schweigen. „3(h meine, Da! befte ift. wir fdjiden ba! Selegramm unb ba! Silb an bie 3ü tI£ h ? r fPoligei. bamit fie ben ÜJinnn au!finbig macht. Aüe! anberr ergibt fid) bann oon felbft.* „3a. ba! fönnten mir*, errofberte ber 3 n * fpeftor. unb er lächelte ironifdj. ,.©! wäre ba! Säd)ft(iegenbe. aber in foldhen fällen ift ba! Sächfttiegenbe nidjt immer ba! befte.* SBernburg erhob übcrrafcht ben Ropf. „SBc! halb?* „SBtr müffen DorRdjtig gu SBerf gehen, wenn rotr hier auf ben ’ ©runb ber Singe fommen wollen*, entgegnete Sr. (Römer, wobei er feinen filbernen Sleiftift fpielerifdj burch bie ginget gleiten lief). „2Rit ben üblichen Boligeimetfjoben erreichen wir unter 3*cl nicht bertn mu biefen iRethoDen hat ber SRann Rdjerlidi gerechnet unb feine Si!« poRtionen getroffen. Sie Abfenbung be! Se* legramm! ift meinet AnRcht nach etn Säu- fchung!manöoer. ©i hat e! abgefchieft. bnniit eg bie Solijei finben unb baburd) trregefühtt werben foüte. Söir müffen alfo bte Sache Pon einer anberen Seite anpaden.* St. fRömet liebte foldje logischen Schlußfolgerungen. ©r pflegte einem .©ebanfen bi! in bie lebten Serpoetgungen nadjjugehen, weil ihn bie ©rfafpung gelehtt hatte bah bag Abroägen aller 2Röplid)feiten bet einige SBeg mar. um einen Serbredjer (u überführen. SGBernburg unb ©itta hatten feinen Starten aufmprffam nugrhört. ohne ihn ganj ju »erflehen. „SBie benfen Sie Reh bag?* fragte SBern* bürg neugierig. Ser 3nfpeftor fann eine SBeile nach- bann räufperte er Reh unb antwortete: ,,©g mühte fid) jemanD htnter bem et feinen Seteftio wittern fann. an ihn heran- machen. fein Sertrauen gewinnen, ihn babei einige 3 p i* beobachten unb ta hinter fein ©e- heimnig fommen. Sah bei ihm bie SRotioe ju biefer Sat fompliiterter Rnb al! bei einem gewöhnlichen Serbrechct ift für mich gemih- ©ine fo fchmtertqe Aufgabe oermag wohl am beften eine fjrau DurdBuführen. $(n unferen Sienften ftefjt eine fcfjr gefd)idte unb ge- manbte Seiten. Öte fdjon oerfdhiebene ber- artige fjälle aufgeflärt hat. Siefe fjrau werbe ich nach 3ürid) fchicfen.* ©r fagte ba! wie jemanb. ber eine lange ©ebanfenreihe }tira Abfdjluh bringt unb Reh freut, bah feine Rechnung ftimmt. Seht fam plöhlich ßeben tn ©itta. bie bi!- her ftumm unb faft tcilnafjmilog jugehört hatte. ..3 n fPPftor*. äufjette Re faft bemütig, „übertragen Sie mir biefe Sache unb laffen Sie m t ch nach 3ör«h fahren.* SÜBernburg unb Sr. IRömer fdjauten über- rafd)f auf (te. ..©itta.. ba§ millft bu tun?* rief SBetnburg oerblüfft. „Sa! ift aber boch gang unmöglich!* JStarum?" entgegnete Re. „Sin ich al! bie Sraut (Robert! nicht bie Serufenfte, ben feigen Slörbet ber ©eredjttgfeit au!gulte» fern?* . Ser Snfpeftor muhte nicht gleich, wie er Reh ?u biefem Anerbieten ftellen foüte, unb meinte gmeifelnb: „Fräulein 8inbt, ich glaube. Sie werben ben Sdimterigfeiten nicht gewachten fein, bie Rd) 3hnen entgegenfteüen werben. So einfach. wie Sie Rd) bag benfen. ift bie Sache Denn Doch nidjt.* Aber ©ma lieh nicht locfer. Sie erwiberte mit fefter Stimme: „3ch h«be nur ben einen SBunfd), ben Sätet ber oerbienten Strafe )ugufü£)ren. unb biefer SBunfd) wirb mir firaft unb 2Rut Der* leihen aüe Schwierigfeiten iu überminben.* Sr. Siömet betrachtete etn paar Augen» bliefe eingehenb feine Sa&teijjen mie jemanb. ber 3?it gewinnen, feine enbgültige 6ntfd)ei- bung hinaugjögern wiü. weil er Reh nicht flar ift. ob et nuftmimen pöer ablehnen foü. ©ineüeilg war ihm Oer Sorfchlag ©itta! nicht unftjmpathtfcf): ihr Serhalten mürbe natürlicher unb glaubhafter fein al! ba! einet Soligeifunftionärin. AnDeterfetf! aber fürchtete er. bah ©ttta Durch bie nahen S3e- jiehungen gu bem Soten RcR leidht ju früh oerraten unb baburdh ben 2RörDer Porgeitig warnen fönnte. gortfefcung folgt