BRdCHSALER POST HEIMATBLATT FOR KRAICHCAU UND BRUHRAIN - SUDD. HEIMATZEITUNG Nummer 92 Freitag, den 21. April 1950 Jahrgang t Acheson soll Plan zur Friedenssicherung schaffen Rede Tru m a n s vor den US-Zeitungsverlegern — Eine ^Kampagne der Wahrheit' 7 ist erforderlich Washington (UP). Noch zu keiner Zelt sei es wichtiger gewesen, die Völker über die Geschehnisse in der Welt erschöpfend za Informieren als gerade jetzt, erklärte Präsident Truman in einer Rede, die er vor den Mitgliedern des US-Zeitnngsverleger-Verbandes hielt. Truman verwies auf die Bedrohung der demokratischen Gesellschaftsordnung durch die „Kräfte des imperialistischen Kommunismus“ und sagte wörtlich: „Die kommunistische Propaganda porträtiert die Sowjetunion als Beschützer der schwachen Völker. Der Gegensatz zwischen dem, was die kommunistischen Führer versprachen und defn, was sie taten, ist so kraß, daß man staunt, wenn es noch Menschen gibt, die sich hinters Licht führen lassen. Im Spiegel der sowjetischen Propaganda", so fuhr Truman fort, „erscheinen die USA als eine Nation von Kriegshetzern und Imperialisten. Sie und ich, wir wissen, wie absurd diese Behauptung ist. Wir haben nicht die Absicht, einen Krieg anzufangen, es sei denn, es gilt, die Freiheit zu verteidigen. Unsere Handlungen beweisen, daß wir wirklich das tun, was wir sagen. Wir dürfen aber nicht das Risiko eingehen, daß Völker die Freiheit verlieren, nur weil ihnen die Wahrheit nicht bekannt ist. Ich bin aus diesem Grunde der Ansicht, daß wir unsere Bestrebungen, di« Wahrheit den Menschen in aller Welt zu- . gänglich zu machen, weitestgehend verstärken sollten. Die Möglichkeiten von Presse und Rundfunk müssen für diese .Kampagne der Wahrheit' voll ausgeschöpft werden.“ Der Präsident teilte weiter mit, daß er Außenminister Acheson beauftragt habe, «inen umfassenden Plan zur Sicherung des Friedens auszuarbeiten. Der Kampf um den Sieg der Wahrheit sei auch von größter Bedeutung für den Erfolg des Marshallplanes, des militärischen Hilfeprogrammes und des Punkt-Vier-Programms. Die Öffentlichkeit der USA müsse für alle diese Maßnahmen nicht nur Verständnis haben, sondern sie voll und ganz unterstützen. „Wir müssen“, so schloß der Präsident, „unsere Bestrebungen mit denen der anderen freien Völker vereinen und ein intensives Programm zur Sicherung der Freiheit gegen die Propaganda der Sklaverei in die Tat umletzen.“ Von Europa enttäuscht „Die Entscheidung, die der Senat über die Fortsetzung des Auslandshilfsprogramms fällt, kann das Schicksal der freien Welt für Generationen bestimmen“, sagte der demokratische Senator Connally ln einer Rede, mit der er die Debatte des Senats über die Auslandshilfe eröffnete. Die Auslandshilfe solle dort angesetzt werden, wo die Sowjetunion am meisten tue, um Schwäche und Verwirrung hervorzurufen. „Wenn unser Volk weiterhin frei bleiben will, dann ist es für uns eine zwingende Notwendigkeit, den kalten Krieg zu gewinnen.“ Con- nally sprach der ECA seine Anerkennung aus, indem er sagte: „Selten haben amerikanische Dollars so oft und so gut so viele Arbeit geleistet.“ Er verhehlte jedoch nicht, daß das Auslandshilfsprogramm auf manchen Gebieten nicht die Erfolge erreicht habe, die man von ihm erwartete. Vor allem eine Vorausset- Kompromiß in der Königsfrage Drei Parteien wurden sich einig Brüssel (UP). Die Vertreter der Christlich-Sozialen, der Sozialisten und der Liberalen traten zu einer neuen Sitzung zusammen, um die Einzelheiten des geplanten Kompromisses in der Königsfrage auszuarbeiten. Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, soll folgender Weg eingeschlagen werden: Zuerst soll der Senat die Übertragung der königlichen Rechte auf den Prinzen Baudom beschließen. Sodann soll das Parlament in gemeinsamer Sitzung das Gesetz aus dem Jahre 1945 aufheben, das König Leopold den Weg tum Thron versperrt. Schließlich soll das Abgeordnetenhaus die Übertragung der Rechte auf den Thronfolg« beschließ«!. Ein weiteres Abkommen, soll wie verlautet, voraussehen, daß König Leopold nur dann •wieder die Regierung übernehmen kann, wenn das Parlament mit Zweidrittelmehrheit s.eine Genehmigung dazu gibt. In der Übergangszeit •oll König Leopold auf Verlangen der Sozialisten nicht in Brüssel residieren. Papst Pius empfing Kardinal Sapieha. Papst Pius empfing Kardinal Sapieha, den Erzbischof von Krakau, um sich von ihm über die Verfolgungen unterrichten zu lassen, denen die katholische Kirche durch die polnische Regierung ausgesetzt ist zung sei nicht erfüllt worden: Europas Fortschritte ln Richtung auf einen wirtschaftlichen Zusammenschluß seien geringer, als es di« „ernste Lage“ erfordere. „Ich möchte die teilnehmenden Länder dringend darum bitten, sich einzeln und gemeinsam gut und ausreichend auf 1952 vorzubereiten, wenn sie ohn« Marshallhilfe auskommen müssen.“ Sowjetspion oder nicht? Der Untersuchungsausschuß des Senats beschäftigt sich mit der Beschuldigung des republikanischen Senators McCarthy, daß Owen Frankfurt (UP). Die alliierte Hohe Kommission hat das westdeutsche Gesetz zur Senkung der Einkommen- und Körperschaftssteuer vorläufig mißbilligt. Die Hohen Kommissare, die zum zweiten Male in Berlin tagten, haben ihre Mißbilligung in einem Schreiben an Bundeskanzler Dr. Adenauer dargelegt und ihm angeboten, mit den Bundesbehörden Schritte zu erwägen, um den alliierten Einwänden Rechnung zu tragen. Die Hohen Kommissare beschlossen ferner, ihre Bemühungen zur Förderung des Berliner Handels mit dem Westen und zur Stärkung der Berliner Wirtschaft fortzusetzen. Die Handelsvertreter in den deutschen Konsulaten sollen künftig dem Berliner Handel besondere Aufmerksamkeit schenken. Der Rat beschloß, mit dem Bundeskanzler in dieser Angelegenheit Fühlung zu nehmen. In Bonn wird allgemein auf die schwerwiegenden Folgen hingewiesen, die dieser Schritt der Hohen Kommissare nach sich ziehen könnte. Bundesfinanzminister Fritz Schäffer soll — wie bereits vor einiger Zeit gemeldet worden war — nach Berichten aus der Bundeshauptstadt die Absicht haben, von seinem Posten zurückzutreten, wenn es zu einer endgültigen Ablehnung kommen sollte. Wie ein Sprecher der Bundesregierung erklärte, sei für diesen Fall sogar damit zu rechnen, daß einige Mitglieder der Bundesregierung zurücktreten werden. Keine Änderung des Demontage-Programms Der amerikanische Hohe Kommissar John J. M c C1 o y erklärte auf eine Frage der United Press, er beabsichtige nicht, der Aufforderung des republikanischen Senators W h e r r y Berlin UP). Das westberliner Stadtparlament forderte am Donnerstag die vier Be- satznngsmächte auf, ln ganz Berlin freie Wahlen veranstalten zu lassen. In einer einstimmig angenommenen Entschließung wird gefordert, daß diese Wahlen unter der gleichen Viermächtekontrolle stattfinden sollen, wie sie im Oktober 1946 zum letzten Mal abgehalten wurden. Aus west- alliierten Kreisen wurde zu der Entschließung der Stadtverordneten-Versammiung erklärt, daß sie die Zustimmung der Westmächte finden. Der sogenannte „Demokratische Bloch“ lm russichen Sektor veröffentlichte bereits eine Erklärung, in dem die Abhaltung von Wahlen in den vier Sektoren abgelehnt wird. Wie weiter aus Westberlin verlautet, werden die Berliner Vertreter auf der am 26./27. April in Duisburg stattfindenden Konferenz der westdeutschen Länder die Forderung nach einer ggsicherten Zufahrt von Westdeutschland nach Westberlin vertreten. Diese Forderung sieht vor, daß der Bundesminister für Verkehr, Seebohm, bei den zukünftigen Inter- zonenhandels-Besprechungen eine absolute Garantie seitens der Ostzonen-Stellen auf ungehinderte Zufahrt nach Westberlin und umgekehrt verlangen und von der Abgabe dieser Garantie die zukünftigen Lieferungen abhängig machen soll. Wie der Leiter der Abteilung Verkehr beim Berliner Magistrat bekanntgab, Ist die Durchsetzung dieser Forderung unbedingt notwendig, um dem jetzigen unhaltbaren Zustand ein Ende zu bereiten. • In den letzten freien Wahlen, die lm Oktober 1946 in allen vier Sektoren von Berlin unter Viermächtekontrolle abgehalten wurden, erhielt die kommunistische SED nur 26 Lattimore der „Meisterspion“ der Sowjetunion sei. Der ehemalige Kommunist Budenz bezeichnet« Lattimore als Mitglied einer kommunistischen „Zelle“. Mittelpunkt dieser Zell« habe das „Institut für friedliche Beziehungen“ gebildet (Diesem Institut gehörten bekanntlich, Lattimore und Botschafter Jessup an.) Budenz versicherte ferner dem Ausschuß, daß er „dokumentarische Beweise“ dafür Vorbringen könne, daß Generalissimus Stalin „eisern entschlossen sei, die Vereinigten Staaten zu erobern“. Folge zu leisten und sich nach den Vereinigten Staaten zu begeben, um die amerikanische Demontagepolitik in Westdeutschland zu erläutern. Wie der Hohe Kommissar hinzufügte, sei zur Zeit keine Abänderung des Demontage-Programms geplant. McCloy lehnte es ab, sich weiter über die Forderung des Senators zu äußern und auf die von Senator Gillette im Repräsentantenhaus eingebrachte Entschließung einzugehen, in der die Bildung eines Zweiparteien-Ausschusses zur Untersuchung der ÜS-Politik in Deutschland gefordert wurde. Gillette hat bekanntlich die Befürchtung geäußert, die augenblickliche Deutschlandpolitik der USA führe zu einem deutsch-sowjetischen Bündnis. Wie Kreise der amerikanischen Hohen Kommission äußerten, sei McCloy der Ansicht, er habe während seines Aufenthaltes ln Washington im Januar seine Arbeit in Deutschland sowohl vor einem Kongreßausschuß als auch im Außenministerium genügend erläutert. Diese Kreise vertraten die Ansicht, daß sowohl die Forderung Wberrys als auch die Erklärung Gillettes „politische Manöver sind, die sich gegen die Trumanregierung richten und nicht gegen McCloy“. Politische Beobachter ln Frankfurt drückten die Befürchtung aus, daß Adenauer den Kritikern der Außenpolitik neues Wasser auf ihre Mühlen gegossen habe, als er in Berlin geäußert habe, die Bundesregierung würde weitere ehemalige Nazis auf Regierungsposten begrüßen, sowie durch seine Aufforderung, die dritte Strophe des Deutschlandliedes zu singen. Senator Gillette hatte auch erklärt, „wie es sich zeigt, gelangen die Nazis wieder zur Macht“. Die Beobachter sind der Meinung, daß Adenauer „in Gillettes Hände gespielt“ habe. Prozent der abgegebenen Stimmen. Dadurch verlor sie ihre Vormachtstellung im Berliner Magistrat, die den Kommunisten nach Einmarsch der Sowjet-Truppen eingeräumt worden war. Von diesem Zeitpunkt an lösten di« Sowjetbehörden nach und nach ihren Sektor aus dem Kontrollbereich des anti-kommunistischen Berliner Magistrats. Die Spaltung Berlins wurde im Dezember 1948 herbeigeführt, als die Sowjetbehörden es ablehnten, in ihrem Sektor neue Stadtverordnetenwahlen abhalten zu lassen und einen eigenen Magistrat im Ostsektor einsetzten. Volksentscheid in der Pfalz? Eine Stimme ans Ludwigshafen Ludwigshafen (ZSH). Der Ludwigshafener Bürgermeister Dr. Reichert trat für eine Neuordnung der Ländergrenzen von Rheinland-Pfalz durch einen Volksentscheid ein. Er kündigte eine gesteigerte Tätigkeit des Vereins Kurpfalz an, der einen Zusammenschluß der pfälzischen Gebiete links und rechts des Rheins in einem noch zu bildenden größeren deutschen Bundesland anstrebt. Der Verein Kurpfalz wende sich gegen die bayerischen Bestrebungen, die Pfalz wieder dem Lande Bayern einzuverleiben. Für einheitliche Schulpolitik Drei-Länder-Besprechungen in Stuttgart Stuttgart (ZSH). Vertreter der Kultministerien der drei südwestdeutschen Länder verhandelten in Stuttgart über eine einheitliche Schulpolitik. Die Sachverständigen waren sich darüber einig, daß in allen drei Ländern ein einheitlicher Termin für die Schulentlassung angestrebt werden solL Außerdem soll die Schulreform von den drei Kultministerl«! einheitlich geregelt werden. Steuergesetz vorläufig mißbilligt Bundesbehörden sollen Schritte erwägen, um den alliierten Elinwänden Rechnung zu tragen Ganz Berlin soll frei wählen Stadtverordnete appellieren an Betatzungsmächte — Demokratischer Block im Ostsektor lehnt ab . Wieder auf zwei Geleisen Die Außenpolitik der USA war im Krieg und auch noch in der Amtszeit General Marshalls beherrscht von dem Schlagwort „bi- Partisan policy“. Wörtlich kaum zu übersetzen, bedeutet es eine Politik, die von beiden großen amerikanischen Parteien, den Demokraten und den oppositionellen Republikanern, getragen war. Man konnte von einer außenpolitischen „Koalition“ sprechen, wogegen die Innenpolitik mit ihrem zweijährigen , Rhythmus von Parlaments- und Präsidentschaftswahlen offenes Kampffeld blieb. Di« „bipartisan policy" präsentierte sich in der Form, daß bei allen großen Entscheidungen des demokratischen Außenministers und vor allem bei den internationalen Konferenzen führende republikanische Vertreter beigezogen wurden — auf jeden Fall nach außen hin. Die Entscheidungsgewalt lag in der Hand der demokratischen Regierung. Die Mitarbeit der Republikaner an der Außenpolitik mußte daher in vielen Fällen theoretischer oder repräsentativer Natur bleiben, ein Umstand, der von den radikalen Elementen dieser Partei als peinlich empfunden wurde. Sie griffen deshalb schnell zh, - als ihnen Außenminister Acheson Anlaß zum Abspringen von der gemeinsamen Linie gab. Den Bruch führte das Fiasko der amerikanischen Femost-Politik herbei. Die Republikaner scheuten sich, vor der amerikanischen Öffentlichkeit — die schon jetzt auf die im November d. J. stattfindenden Senatswahlen präpariert werden muß — die Mitschuld an dem Zusammenbruch der Schaukel-Politik gegenüber Tschiangkaischek und den chinesischen Kommunisten auf sich zu nehmen und waren glücklich, als der Außenminister den Irrtum in China eingestand und sich zum „Sündenbock“ machen ließ. Die ständig wiederholten Vorwürfe des Senators McCarthy und anderer Mitglieder eines Kreises um den republikanischen Fraktionsführer Taft, das Außenministerium sei ein „Herd von Sowjetspionen“ bedeuteten allmählich eine wirkliche Gefahr für Acheson und die Durchschlagskraft seines politischen Programms. Die Öffentlichkeit und die Mehrzahl der führenden Persönlichkeiten betrachteten ihn als den besten Lotsen durch die hochgehenden Wogen des „KaUen Krieges“, aber selbst die unerschütterliche Rückendeckung Trumans war keine Garantie für die politische Existenz des Außenministers. In diesen Auseinandersetzungen machte sich der Mangel an der ausgleichenden Funktion der „bipartisan policy“ bemerkbar, auf die Acheson etwas zu leichtfertig verzichtet hatte. Gerade die letzten Debatten im Senat zeigten deutlich, wie gefährlich sich die Verstimmungen zwischen US- Parlament und Regierung auf außenpolitischem Gebiet auswirken können. Schon während des Meinungsstreites um das von Acheson herausgegebene Weißbuch über die Chinapolitik war die republikanische Opposition mit dem Ansinnen an die Regierung herangetreten, Formosa zu besetz« und das weitere Vordringen Mao Tse Tungs mit Waffengewalt zu verhindern. Die Folgen eines solch unbedachten Schrittes sind leicht vorauszusehen — Acheson reagierte auch mit einem verächtlichen „Nonsense“. Was wäre aber geschehen, wenn der Außenminister über das Kapitel „Umgang mit Senatoren“ gestolpert wäre und eine kleine Gruppe oppositioneller Heißsporne nur eine Zeitlang die Führung an sich gerissen hätte? Es ist deshalb höchst bedeutsam, daß die Bemühungen um eine Aussöhnung zwichen Außenministerium und Kongreß vor kurzem mit der Ernennung von John Foster Dulles zum republikanischen Vertrauensmann bei Acheson zu einem erfolgreichen Abschluß gebracht werden konnten. Eine weitere Stärkung der überparteilichen Linie des State Department brachte eine Aussprache zwischen Truman und Senator B r 1 d g e s, einem der schärfsten Gegner der demokratischen Außenpolitik, bei der sich der Präsident in Anwesenheit Achesons verpflichtete, die Ansichten der Republikaner künftig „ernsthaft in Betracht zu ziehen“. Dieser Einigung kommt um so größere Bedeutung zu, als Bridges seit der Erkrankung Senator Vandenbergs als führend« Kopf unt« den außenpolitischen Sachverständigen der Republikaner gilt Entscheidend für diesen gelungenen Versuch, die abgerissenen Fäden d« „Zwei-Par- teien-Außenpolitik neu zu knüpfen, dürften vor allem die Sorgen Um die Zukunft d« USA und der westlichen Welt gewesen sein! die Freitag, den 21. April 1950 Kästners Stellung erschüttert? Angeblich beieits von seinen Amtsgeschäften als stellvertretender Ministerpräsident beurlaubt — auch aus Trumans jüngster Hede vor den amerikanischen Zeitungsverlegern klangen. Die nächsten Monate bringen den Staatsmännern der USA eine Reihe wichtiger Konferenzen und Entscheidungen. Schon im Mai werden Acheson — und nun auch Foster Dulles — an drei Zusammenkünften mit den Vertretern Europas teilnehmen. In Paris handelt es sich um Beratungen über Deutschlandfragen und das Problem Indochinas. Diese Gespräche werden in London fortgesetzt und schließlich in eine Konferenz des „Atlantikrates“, bestehend aus den Außenministern der zwölf Mitglied«: des Nordatlantik-Paktes, einmünden. Die Hauptfigur bei all diesen Gesprächen wird Dean Acheson und das Zentralthema seine Konzeption der „totalen Diplomatie“ sein. Es würde den Erfolg seines Auftretens in Frage stellen, wenn er bei seiner Europareise einen Kongreß voller erbitterter Gegner hinter sich lassen müßte. Die Einigung über eine neue „bipartisan policy“ wird sowohl der republikanischen Opposition in der Heimat Zügel anlegen als auch das Gefühl Achesons stärken, für eine Politik zu sprechen, die sich auf die überparteiliche Einheit des amerikanischen Volkes stützen kann. F.B. Berlin (UP). Die Stellung des stellvertretenden Ministerpräsidenten der Deutschen Demokratischen Republik und Vorsitzenden der Ost-LDP, Professor Kästner, ist, wie der Westberliner „Abend“ wissen will, durch die Flucht seines Sohnes nach Westberlin schwer erschüttert worden. Kästner sei bereits von seinen Amtsgeschäften beurlaubt worden. Als sein voraussichtlicher Nachfolger wird der Finanzminister der Ostzone, Dr. H. Loch genannt. Kästner war nach der Flucht des ehemaligen Parteivorsitzenden Dr. Gärtner im Februar 1949 zum Vorsitzenden der Ost-LDP gewählt worden., und galt als besonderer Vertrauensmann der SMA. Sein wahrscheinlicher Nachfolger Dr. Loch gilt als der Vorkämpfer des von der SED geforderten Zusammen- Die „Charta der Arbeit** Schlusses der Ost-LDP mit der Nationaldemokratischen Partei der Ostzone (NDP). Die Volkskammer verabschiedete nach mehrstündiger Sitzung einstimmig ein neues Gesetz zur Regelung des Arbeitseinsatzes. Dieses Gesetz, von Ministerpräsident Grotewohl als „Charta der Arbeit“ bezeichnet, ermächtigt unter anderem die einzelnen Fachminister, Arbeitskräfte für „Schwerpunkte der Wirtschaft“, besonders für den Bergbau, heranzuziehen. Das Gesetz bestimmt außerdem, daß Frauen im verstärktem Maße zum „Arbeitseinsatz“ verwendet werden. Der Vorsitzende des zentralen Jugendbeirates der Ost-LDP, Manfred G e r 1 a c h, wurde, wie der „Morgen“ meldet, zum neuen Bürgermeister der Stadt Leipzig sowie zum gleichzeitigen Dezernenten des Leipziger Amtes für Handel und Versorgung gewählt. Gerlach ist jetzt 22 Jahre alt. Auf dem Weg zum Einheitsstaat Indonesische Länderkonferenz am 25. April Vertrauensfrage im Unterhaus Londoner Streik bedroht Einfuhren London (UP). Die Konservative Opposition wird die Labour-Regierung am Mittwoch kommender Woche zu einer Vertrauensabstimmung über das britische Budget zwingen, erklärten konservative Kreise. Eine Niederlage der Regierung würde fast sicher deren Rüdetritt zur Folge haben. Der Konservative Abgeordnete Lyttelton, ein ehemaliger Minister des Kriegskabinetts Churchills,übte im Verlauf der Budgetdebatte scharfe Kritik an der Labour-Wirtschaftspo- litik ünd erklärte, mit dem „Wohlfahrtsstaat“ werde es Großbritannien in den nächsten Jahren schlecht ergehen. Der Hafenarbeiterstreik in London hat sich rasch ausgedehnt und bedroht die für Großbritannien lebenswichtigen Einfuhren. Der Hafenbehörde, in der die Gewerkschaften vertreten sind, gelang es nicht, die Arbeiter zur Wiederaufnahme ihrer Arbeit zu veranlassen. Dfer britische Arbeitsminister erklärte, der Streik sei ein Angriff auf die demokratischen Regeln des Transportarbeiterverbandes. NEUES AUS Teile des Welfenschatzes versteigert Über 400 Sammler und Kunsthändler aus den USA, den westeuropäischen Ländern und der Bundesrepublik sind in Braunschweig anwesend, um cm der Versteigerung von Kunstgegenständen des Weifenschatzes teilzunehmen. Herzog Emst August von Braunschweig- Lüneburg, ein Vetter zweiten Grades König Georg VI. von England, muß die erste Rate der Soforthilfe zum Lastenausgleich bezahlen und aus diesem Grunde hat er sich entschlossen, wertvolle Kunstgegenstände aus dem Weifenschatz zu verkaufen. Während der ersten beiden Stunden kamen Ölgemälde im Werte von über 80 000 DM unter den Hammer. Der Gesamtwert der zu versteigernden Gemälde, Handzeichnungen, Silbersachen, Möbel, Waffen und Rüstungen wird auf über 250 000 DM geschätzt. Den höchsten Preis erzielte'bisher ein Ölgemälde von Pieter Bruegel dem älteren. Der Zuschlag erfolgte bei 15 000 DM. Bauchlandung mit Champagner Alkohol für hydraulisches Pumpwerk Paris (UP). Drei Stunden lang kreiste während der Nacht das planmäßige Flugzeug von Buenos Aires über dem Flugplatz Orly, Maier verteidigt seine Gnadenpraxis Vor dem Prüfungsausschuß des Landtags Stuttgart (UP). Der zur Überprüfung von Ministerpräsident Maiers Gnadenpraxis bei Entnazifizierungsurteilen eingesetzte Ausschuß des württ.-badischen Landtags hörte den Ministerpräsidenten in eigener Sache. Maier erklärte, er halte nach wie vor an der Meinung fest, daß er das Recht habe, auf Vorschlag des Befreiungsministers über einzelne Begnadigungen frei zu entscheid«!. Die Anwendung des Artikels 53 des Gesetzes (Überprüfung von Spruchkammerurteilen) habe sich durchaus in mäßigen Grenzen gehalten. Keine Gefangenen-Päckchen nach Tscheche! Das Komitee des Internationalen Roten Kreuzes bittet, deutschen Kriegsgefangenen in der Tscheche! vorläufig keine Päckchen mehr zu schicken, da das tschechoslowakische Justizministerium es abgelehnt hat, solche Päckchen auszuhändigen. Maiaufruf des Gewerkschaftsbundes. Im Namen von fünf Millionen Gewerkschaftlern fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund alle Werktätigen in seinen Maiaufruf auf, für den Völkerfrieden, für die Vollbeschäftigung aller arbeitsfähigen und arbeitswilligen Kräfte, für den Schutz der Arbeitskraft und für einen schnellen und nach sozialen Gesichtspunkten geordneten Wiederaufbau der Städte und Wohnungen .einzutreten. Erweitertes Arbettsbeschaffungsprogramm. Bundesarbeitsminister Storch kündigte ein erweitertes Arbeitsbeschaffungsprogramm für den Herbst dieses Jahres an. Luise Schroeder in London. Die Berliner Bürgermeisterin Luise Schroeder ist zu einem ■ehntägigen Besuch in London eingetroffen. Kaisen in New York. Der Bremer Staatspräsident Kaisen ist in New York eingetroffen. Er will dort versuchen, eine Lockerung der Djakarta (UP). Ein hochstehender indonesischer Gewährsmann teilte mit, daß die Vereinigten Staaten von Indonesien wahrscheinlich bald in eine Republik mit straffer Zentralgewalt umgebildet werden. Die ersten Maßnahmen zur Umbildung sollen eingeleitet werden, wenn am 25. April die Konferenz der indonesischen Länder eröffnet wird, zu der Ostindonesien, Ostsumatra und die Republik Indonesien Delegierte entsenden. Zwischen diesen Staaten soll schon jetzt ein „schweigendes Einverständnis“ über die Bildung einer starken Zentralregierung bestehen, Tausend Mann Truppen der indonesischen Zentralregierung zogen in das fahnengeschmückte Makassar, die Hauptstadt Ost-Indonesiens auf der Insel Celebes, ein. Sie wurden von der Bevölkerung begrüßt. Die Soldaten der ostindonesischen Armee und der früheren holländischen Kolonialarmee, die sich der jetzt niedergeschlagenen Revolte des Hauptmanns Abdul Azis angeschlossen hatten, waren entwaffnet worden und mußten in ihren Unterkünften bleiben. ALLER WELT weil sich sein Fahrwerk nicht ausfahren ließ. Endlich entschloß sich der Pilot, eine Bauchlandung zu machen. Sie glückte und niemand von den 33 Passagieren und acht Be- satzungsmitgliedem wurde verletzt. Als der Pilot feststellte, daß die Räder sich nicht aus- fahren ließen, wurde sämtlicher an Bord vorhandener Champagner in das hydraulische Pumpwerk gefüllt, durch welches das Ausfahren der Räder bewerkstelligt wird. Das half: der Druck wurde stärker, und die Räder unter den Tragflächen kamen schließlich frei. Als nach stundenlangem Bemühen das „Nasenrad“ immer noch streikte, entschloß sich der Pilot zu einer Bauchlandung. Eine Steilwand stürzte ein 450 000 Tonnen Steine niedergeprasselt Iserlohn (UP). In Iserlohn vernahmen Einwohner nachts ein donnerartiges Getöse. Sie vermuteten ein schweres Gewitter. Am nächsten Morgen mußten sie feststellen, daß ln einem benachbarten Steinbruch eine 120 Meter breite Stellwand ln einer Tiefe von 40 Meter eingebrochen war. Rund 450 000 Tonnen Steine und Erdmassen waren in die Tiefe gestürzt. Der Sachschaden wird auf 300 000 DM geschätzt. Personen wurden nicht verletzt. einschränkenden Bestimmungen für den deutschen Schiffsbau zu erreichen. Aus Rußland heimgekehrt. 450 Rußlandheimkehrer, ausnahmslos amnestierte Strafgefangene, sind im Durchgangslager Friedland angekommen. Revision der Kriegsverbrecher-Urteile. Eine amerikanische Kommission wird im Sommer mit der Revision der über deutsche Kriegsverbrecher verhängten Urteile beginnen. Argentinischer Botschafter bei Adenauer. Der argentinische Botschafter in den USA, Remorino, besuchte Bundeskanzler Adenauer in Bonn. „Die Welt“ wird deutsch. Nach Ansicht des britischen Hohen Kommissars ist die Zeit gekommen,um die noch bestehende Kontrolle über die Verwaltung und Redaktion der Zeitung „Die Welt“ und „Die Welt am Sonntag“ nach und nach völlig aufzugeben. Hakenkreuze auf der Straße. Am Donnerstag morgen lagen auf den Straßen im Zentrum von Dortmund Hakenkreuze in Größe von ein bis eineinhalb Zentimeter umher. Die Hakenkreuze, aus Papier hergestellt, waren auf der einen Seite weiß und auf der anderen Seite rot angemalt. Kardinal Mlndszenty ln Budapest Ein hoher katholischer Geistlicher aus Ungarn erklärte, daß Kardinal Mindszenty sich in einem Budapester Gefängnis auf dem Ostufer der Donau befinde. 24 Jahre Gefängnis für Graziani beantragt Im Prozeß gegen den ehemaligen italienischen MarschaU R. Graziani forderte die Anklage, den Angeklagten zu 24 Jahren Gefängnis zu verurteilen. Einigung Bergman — Lindstroem. Dr. Peter Lindstroem teüt mit seiner geschiedenen Frau Ingrid Bergman die Vormundschaft über ihre Tochter Pia und wül ihr das Kind überlassen, wenn sie in die Vereinigten Staaten zurückkehrt. Die Nachricht von einer bevorstehenden Umbildung der Vereinigten Staaten von Indonesien erscheint — zumal nach dem Zusammenbruch des gegen die Zentralregierung gerichteten Aufstandes in Makassar — nicht unwahrscheinlich. Ein solcher Schritt wäre nur das logische Ende einer Entwicklung, auf die wir anläßlich der jüngsten Ereignisse in Indonesien schon mehrfach hingewiesen haben. Als Kern des ursprünglich föderalistischen Staatenbundes hat sich die Republik Indonesien unter Führung Soekarnos und Hattas seit dessen Gründung mit Erfolg bemüht, die Errichtung einer straffen Zentralgewalt mit Sitz in Djakarta durchzusetzen, so daß als größere Bundesstaaten schon heute nur noch Ostindonesien und Ostsumatra eine gewisse Rolle spielen. Sind diese tatsächlich zu einem stillschweigenden Einverständnis bereit, so dürften dem Plan eines Einheitsstaates kaum noch ernsthafte Schwierigkeiten im Wege stehen. ZSH Wende im Kampf um Hainan? Neue Truppen der Kommunisten gelandet Formosa (UP). Amtliche nationalchinesische Kreise gaben zu, daß die Kommunisten auf Hainan drei Landeköpfe halten. An einer vierten Stelle sind erneut 5000 Mann kommunistische Truppen an Land gegangen. Weitere Verstärkungen der Mao-Truppen sind nach Hainan unterwegs. Das nationalchinesische Hauptquartier behauptet, daß die Dschunkenflotte, die diese Verstärkungen zur Insel bringen soll, von Flugzeugen mit gutem Erfolg angegriffen worden sei. Im übrigen besteht man darauf, daß die kommunistische Aktion gegen Hainan noch nicht die erwartete „große Invasion“ sei. Man habe alle verfügbaren Marine- und Luftstreitkräfte zusammengezogen um weitere Landungsoperationen der Kommunisten zu verhindern. Die Landstreitkräfte hätten gleichfalls Verstärkungen erhalten. Sowjetnote wegen Triest Dem Moskauer US-Botsdiafter überreicht Moskau (UP). Der amerikanische Botschafter Kirk begab sich am Donnerstagabend in das sowjetische Außenministerium und empfing von Außenminister Wyschinski eine Note wegen Triest. Der stellvertretende jugoslawische Außenminister deutete, wie aus Belgrad verlautet, an, daß Jugoslawien zu Verhandlungen mit der italienischen Regierung über Triest bereit sei. Voraussetzung dazu säi allerdings, daß Italien seine anti-jugoslawische Haltung ablege. Sftod-tdie „Waldbär“ und „Löwen“ laufen im Wald Otto Eitel will ln München beide „töten“ Nachdem der 25jährige „Waldbär“ Hesselmann vom SuS Dinslaken seine Meldung zu den Deutschen Waldlaufmeisterschaften in München am kommenden Sonntag abgegeben hat, sind die Chancen der Favoriten Otto Eitel (Meister 1949 vor Warnemünde) und Warnemünde (Meister 1948 vor Eitel) sowie der Münchener Kaindl und Eberlein gefährdet. Dreimal startete der in russischer Kriegsgefangenschaft zum Waldläufer gewordene Westdeutsche und dreimal gewann er. Wird Hesselmann es auch in München auf der dreimal zu durchlaufenden 2,5-km-Rundstrecke bei Großhesselohe schaffen? 60 Einzelläufer treten an. Die Münchener Löwen, die gern zum vierten Male beim Lauf durch den Wald Mannschaftssieger werden möchten, sind von Eitel, Bolzhauser und Guder gefährdet. Unser ISK-Vertreter traf den 41jährfgerw Meister Otto Eitel, der zwölfmal in der deutschen Nationalmannschaft stand, daheim an. „Wir wollen es in dieser Saison noch einmal versuchen“, meinte der lange Asket lächelnd. „Sehen Sie, wenn ein Olympiakämpfer wie Alfred Dompert (Stuttgart) noch einmal die Waldlaufschuhe anzieht und in München über die 3000 m der Altersklasse gehen wül, da läßt es mich nicht ruhen. Ob ich so gut abschneiden werde wie 1948 und 1949, wage ich nicht zu hoffen. Doch fühle ich mich noch gut in Schwung.“ Vorrunde zur Ringer-Meisterschaft Wenn am kommenden Wochenende die ersten Kämpfe der Vorrunde zur Deutschen Mannschaftsmeisterschaft der Ringer begin- Am Rande bemerkt „ ... komm mit mir nach Afrika“ Zu seinem Leidwesen ist Rudi Herzberger dem deutschen Publikum nur als Veranstalter von „Dauertanz-Wettbewerben“ und „Baby-Schönheitskonkurrenzen“ bekannt Seine Tätigkeit als Weltbürger Nr. 2 — gleich nach Garry Davis — geriet dagegen in Vergessenheit. Rudi ist darüber enttäuscht, aber nicht verzweifelt: „Es hat in meinem Leben als Hundezüchter, Schmetterlingssammler und Reporter schon ärgere Situationen gegeben. Ich habe Europa abgeschrieben und will irgendwo im Herzen Afrikas einen Weltstaat der Freien gründen.“ Herzberger glaubt fest daran, daß er in kurzer Zeit Millionen von der Richtigkeit seiner Idee überzeugen und zur Auswanderung nach Afrika bewegen kann. Niemand weiß besser als er, daß zur Verwirklichung solcher Pläne Reklame und Geld gehören. Er will deshalb seinen neuen Propagandafeldzug mit einer großen Kundgebung an der Drei- Länder-Ecke bei Bregenz starten und dann in ganz Trizonesien und Europa die Werbetrommel rühren. Die eingehenden Mitgliedsbeiträge sollen treuhänderisch verwaltet und für den Ankauf von Schiffen und Siedlungsland in Afrika verwendet werden. Zweck und Ziel des neuen Staates gehen aus der Bezeichnung hervor: Er soll allen Menschen, die Krieg, Zwietracht und Wohnungsnot satthaben, eine ideale Heimat bieten. Amts- und Schulsprache wird Esperanto, und das Prinzip schrankenloser Toleranz soll ein aus Angehörig«i aller Nationen zusammengesetztes Parlament beherrschen. Erlaubt ist, was gefällt, verboten nur die Herstellung und das Tragen von Waffen. Der Vater dieses neuen Landes „Utopia“ zweifelt nicht, daß ihm der große Treck nach Afrika gelingt. Böswilligen Skeptikern begegnet er mit der fürchterlichen Drohung, daß er sich endgültig aus dem politischen Leben zurückziehen werde, wenn auch dieser letzte Versuch mißlänge. Das wäre schade. Wo es für das neue Zukunftsparadies auf Erden doch schon eine sooo passende Nationalhymne gibt: „Barbara. Barbara, komm mit mir nach Afrika ...“ Nahas Pascha appelliert an Weltmächte Kairo. Der ägyptische Ministerpräsident Nahas Pascha richtete an die Weltmächte während eines Exclusiv-Interviews mit United Press den dringenden Appell, ihren Stolz im Interesse einer Beendigung des Kalten Krieges zu opfern. Diejenigen, die glaubten, daß der Sieg einer der zwei Ideologien nur mit einem Krieg errungen werden könne, seien für das Elend der' Welt allein verantwortlich. Hinsichtlich der Stellung und der Pläne Ägyptens in der gegenwärtigen Situation führte der Ministerpräsident folgende vier Punkte an: 1. Reorganisierung der ägyptischen Armee nach rein defensiven Gesichtspunkten, 2. Wunsch nach amerikanischer Finanzhilfe unter der Voraussetzung, daß keine politische Abhängigkeit daraus gefolgert werde. 3. Beilegung des britisch-ägyptischen Disputes durch direkte Verhandlungen. 4. Bessere Stellung der breiten Schichten der ägyptischen Bevölkerung, gleichzeitig Durchführung eines Industrieaiisierungspro- grammes und Förderung der Landwirtschaft. Auf die Frage ob der Kommunismus Ägypten gegenüber eine ernsthafte Bedrohung darstelle, antwortete der Ministerpräsident: „Ich glaube nicht, daß Ägypten von dem Kommunismus ernsthaft bedroht ist.“ Schlauchboot wird untersucht. Das in der Ostsee aufgefundene Schlauchboot, das unter Umständen zu dem vermißten US-Marine- Flugzeug gehört hat, wurde nach einem amerikanischen Luftstützpunkt in Nordafrika geflogen, wo es nach eventuell vorhandenen Fingerabdrücken abgesucht wird. nen, sieht man mit Interesse dem Start der zwei ostdeutschen Vertreter Zella-Mehlis und Greiz entgegen. Da Vergleichsmöglichkeiten fehlen, muß man die Thüringer als Unbekannte in die Meisterschaftsrechnung einfügen. Der norddeutsche Master Bremer SV verzichtete auf die Teilnahme, dafür kam Greiz neu hinzu. Die Vorrundenpaarungen sind: KV Eckenheim — BSG Zella-Mehlis (Kampfleiter Schüßler-Stuttgart); ASV Bad Reichenhall — Jahn Göppingen (Meerscheidt- Wiesbaden); Sandhofen — BSG Greiz (Heubach-Fürth). Die gastgebenden Mannschaften sollten klar gewinnen. Eine Woche später folgt auf der Matte des Gegners der Retourkampf. Die dann im Gesamtergebnis besseren Vereine bestreiten zusammen mit Hohenlimburg die Zwischenrunde. Wasserbau-Turnier tan B od e ns e e Die Arbeitsgemeinschaft der Bodensee- Schwimmvereine veranstaltet in' der Zeit bis 19. Mai im Konstanzer Hallenbad das lang erwartete deutsch-schweizerische Wasserball- Turnier um den Neberer-Wanderpreis. Die Schwimmvereine der Bodenseestädte Konstanz, Kreuzlingen, Romanshom, Rorschach und Arbon treffen in insgesamt zehn Spielen zusammen. Die Wertung erfolgt nach dem Tabellensystem. FC Portsmouth spielt in Süddeutschland Der in der ersten englischen Fußball-Division an 7. Stelle spielende FC Portsmouth wird eine Deutschlandreise unternehmen. Di« Engländer werden drei internationale Freundschaftsspiele austragen: in München gegen Bayern München am 18. Mal, in Nürnberg gegen den 1. FC Nürnberg am 21. Mai und in Stuttgart gegen den VfB Stuttgart am 24. Mai. Freitag, den 31. April 1990 Zwischen Paris und Bukarest... Eine Fahrt im Onent-Expreß — Politik und Flirt auf Rädern Orient-Expreß! Irgendetwas außer- gewöhnlidies ist mit diesem Namen verbunden. Irgendwie ist er umwittert von dem Zauber des Morgenlandes, von der ewigen Sehnsucht nach fernen Ländern. Da taucht er auf aus dem Dunst eines frühen Aprilmorgens und prustend und schnaubend hält er im Haupthahnhof Karlsruhe. Es ist 5.45 Uhr. Von Paris kommt der Zug, und ein wenig verschlafen entsteigen ihm eine Anzahl Reisende. Eine junge, schwarzhaarige Ungarin beugt sich aus dem Fenster eines Schlafwagens. „Hier schon Deutschland? Merci!“ Auf den halbgeöffneten, wei- ^ chen Lippen der jungen Dame liegt ein ver- * träumtes Lächeln. Denkt sie an Wien, Budapest, wo sie vielleicht von einem Menschen erwartet wird, auf den sie sich freut — oder ist es noch die Erinnerung an die Lichterstadt an der Seine, die der Expreß am Abend vorher verlassen hat? Ein Hauch des Abenteuers Nur wenige Reisende sind in Karlsruhe zugestiegen und lassen sich in die bequemen Polstersitze fallen, um versäumten Schlaf nachzuholen. Um 7.50 Uhr wird Stuttgart berührt Um 8 Uhr schallt der Gong durch die Wagen und in deutscher englischer und französischer Sprache bittet der Kellner zum Frühstück. Die Schiebetüren der Abteile öffnen sich und die behaglichen Räume des Speisewagens werden zum internationalen Parkett, während die elektrische Lokomotive, die den Zug in Stuttgart übernommen hat, über Ulm und Augsburg München entgegenrollt. Engländer wünschen Tee und „ham and eggs“, während die Franzosen Schokolade, Weißbrot und Conflture vorzuziehen scheinen. Ein ungarischer Baron — Diplomat und Weltmann der alten Schule — meint genießerisch, die Qualität des Frühstücks entscheide über den Erfolg und Mißerfolg des ganzen Tages. Als fließender Erzähler und Kenner der Strecke zwischen Pari« und dem Orient S laudert er über amüsante und sensationelle tories. Da tauchen die Jahre vor den Weltkriegen auf, als der Orient-Expreß umwittert war von den Geheimnissen großer Abenteurer, von welchen er auch heute noch einen Hauch behalten hat, von den raffinierten Coups bildhübscher Spioninnen. und von tausend Amouren, die zum Lustspiel oder zur Tragödie wurden. „Vier Kontrollen zuviel" An den meisten Tischen beherrschen jedoch andere Gedanken das Reisepublikum. Überwiegend sind es Männer der Wirtschaft, die beute diesen Zug benutzen. Der Ausbau der Handelsbeziehungen steht zur Diskussion. „Was tut sich hinter dem .Eisernen Vorhang 1 und was wird mit Osteuropa?“ Die Entwicklung in Deutschland wird gelobt. Die Wirtschaftler kennen sich aus in Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und München. Aber sie haben wenig Zeit, sich tiefer mit den Problemen zu beschäftigen. Sie rühmen die vielen Auslagen in den Geschäften, die modische Eleganz auf den Hauptstraßen und den Wiederaufbau. Leider aber sehen sie immer nur den vielfach trügerischen Schein und wissen nicht, wieviel Armut, Sorge und Elend hinter der glänzenden Fassade zu Hause ist. Wenn man das Gespräch darauf bringt, hat man den Eindruck, daß sie es nicht verstehen, auch nicht verstehen wollen, denn schnell gleitet die Plauderei in anderer Richtung weiter. In Augsburg sind einige Österreicher zugestiegen. Sie haben in Deutschland einen kurzen Besuch gemacht. „Drei Monate haben wir auf das Einreisevisum gewartet“, sagt einer von ihnen. „Vier Paß- und Gepäckkontrollen von Paris bis Bukarest“, wirft ein Franzose ein. „Das sind vier zu viel!“ Hinter dem „Vorhang“... Gegen 12 Uhr setzt sich der „Orient“ in München wieder in Bewegung. In Richtung Salzburg-Wien, das um 21 Uhr erreicht wird. Nein, es ist nicht mehr die Stadt des Walzerkönigs Johann Strauß und die romantischen und leicht weinseligen Wiener Lieder sind nur noch auf Schallplatten zu Hause. Zu schwer liegt die Sorge um morgen auf den Gemütern der Menschen dort, zu stark klingt das Pochen von jenseits der nahen östlichen Grenze täglich in ihre Ohren. Die Reisenden des Expreß erhalten jedoch auch hier nur das flüchtige Bild, das der „Moloch Verkehr“ auf Großstadtbahnhöfen bietet, denn schon geht es nach schnellem Lokomotivwechsel weiter und kurz hinter Wien vertont das rhythmische Rollen der Räder an der ungarischen Grenze hinter dem schweren Vorhang, der sich langsam und fast geräuschlos schließt. Das Gesicht der jungen Magyarin ist eine Maske geworden, ihre Augen sind abwesender und die Lippen fast geschlossen. Sie hatte doch wohl von Paris geträumt, als sie In Karlsruhe morgens aus dem Fenster sah ... SWK Ohne Zwischenfälle entladen. Die Entladung des norwegischen Dampfers '„Mormacdale“, der die erste US-Waffenhilfssendung in den Hafen von Oslo brachte, erfolgte ohne Zwischenfälle. AUS DEM SÜDWESTEN „Mit der Kamera in den Frühling“ M. Schwäbisch Gmünd. „Mit der Kamera in den Frühling“ hieß es in dem Schaufenster einer großen Papierhandlung. Diesen Hinweis betrachteten Kamera-Liebhaber als Aufforderung zum Diebstahl So erbrachen sie nachts das Schaufenster. Da sie gestört wurden, konnten sie nur zwei Leicas und zwei andere Apparate mitnehmen, die immerhin einen Wert von 1300 DM darstellen. Durch den Lärm, den das Einschlagen des Schaufensters verursachte, wurden ein Polizeiposten und ein Posten der Wach- und Schließgesellschaft aufmerksam und nahmen sofort die Verfolgung eines fliehenden Täters auf, der aber in dem Häusergewirr verschwinden konnte. — In der gleichen Nacht wurde aus der verschlossenen Garage einer Villa,, die mit Stacheldraht umgeben ist, ein PKW entwendet. Die Täter hatten den Wagen bereits in die Stadt gebracht, als sie von der Polizei überrascht wurden und fliehen mußten. Rehe vermoderten in ihren Schlingen W.H. Gaildorf. Die Landespolizei stellte jetzt einen 15jährigen Jungen von Sulzbach (Kocher) fest der zwei Rehe. in Schlingen gefangen hatte. Da der jugendliche Wilddieb die Rehe nicht nach Hause bringen durfte, Meß er sie in den Schlingen liegen, wo sie vermoderten. Seit 1150 Jahren „Hohenhaslacher“ Vaihingen/Enz(hpd). Der weltbekannte Weinort Hohenhaslach feiert in diesem Jahre sein 1150jähriges Bestehen. Unter dem Namen „Hasalahe“ wurde der Ort erstmals in einer Urkunde aus dem Jahre 900 erwähnt Zuerst war die Gemeinde im Besitz des Klosters Lorsch an der Bergstraße, gelangte später an das benachbarte Kloster Hirsau und schließlich an die Grafen von Vaihingen. Seit 1536 ist Hohenhaslach württembergisch. Kind verbrühte durch heiße Milch Reutlingen (hpd). In Gomaringen kam das einjährige Kind eines Schneiders in einem unbewachten Augenblick an eine mit heißer Milch gefüllte Kanne und warf sie um. Die Milch ergoß sich über das Kind und verbrühte es so schwer, daß es kurz darauf verstarb. Gei&ndeerschlieBang behebt Arbeitslosigkeit S. U1 m. Um für räumlich beengte und vor allem auch für auswärtige Industriebetriebe die Möglichkeit zu schaffen, sich in der Ulmer Gegend auszubreiten und anzusiedeln, wird im Ulmer Donautal gegenwärtig ein 50 Hektar großes Gelände für Industrielle Ansiedlungen erschlossen. Die Arbeiten des ersten Bauabschnittes zur Erschließung von 20 Hektar haben bereits begonnen. Es handelt sich hier um die Anlegung einer 2 fi Meter langen Straße, eines zwei Kilometer langen Industriegleises und um die Legung von 5000 laufenden Metern Abwasserrohren. Außerdem muß das ganze Gelände um 2 bis Meter gehoben werden, damit es hoch- und grundwasserfrei wird. Hierzu wird vor allem Trümmerschutt aus der Stadt verwendet. Uber dl# Ansiedlung des größten Teiles dieses Geländes sind bereits Verträge mit Industriefirmen abgeschlossen worden. Man erhofft von diesen Maßnahmen nicht nur eine Vergrößerung des Ulmer Industriepotentials, sondern auch eine spürbare Verbesserung der angespannten Arbeitsmarktlage im Ulmer Bezirk. Beim Arzt die Treppe hinabgestürzt Laichingen (hpd). Ein Fräulein, das abends einen Arzt aufgesucht hatte, um ihn zu einem kranken Kind zu holen, stürzte nach Verlassen der Praxisräume die Treppe hinab und blieb mit einem schweren Schädelbruch liegen. Trotz sofortiger Einlieferung ins Städtische Krankenhaus erlag sie nach wenigen Stunden ihren Verletzungen. „Tanz auf dem Vesuv" über dem Bodensee Konstanz (SWK). Am 30. April 1950 wird anläßlich der Internationalen Bodenseemesse in Friedrichshafen auf dem Bodensee zwischen Friedrichshafen und Romanshom ein Riesenfeuerwerk unter der Bezeichnung „Tanz auf dem Vesuv“ veranstaltet werden. Die gesamte Bodenseeflotte wird sich in festlicher Beleuchtung ihrer Schiffe daran beteiligen. Von Konstanz aus wird eine große Abend- • und Tanzfahrt zu dieser Veranstaltung durchgeführt. Beerdigung mit Ohrfeigen Karlsruhe (UP). Bei der Beerdigung eines Klavierhändlers entspann sich in der Kapelle des Karlsruher Hauptfriedhofes zwischen der Witwe des Verschiedenen und ihrer Nebenbuhlerin ein heftiger Streit darüber, wer als erste hinter dem Sarg gehen durfte. Als die Frau des Verstorbenen sich durchdrängen wollte, wurden Schimpfworte laut und schließlich «hielt sie eine schallende Ohrfeige. Der -evangelische Pfarrer verließ daraufhin die Begräbnisstätte, da die Weihe des Ortes verletzt worden war. Sämtliche Trauergäste außer den beiden Frauen folgten seinem Beispiel. Er wurde sein eigener Henker Mannheim (UP). Der 48jährige ehemalige SS-Hauptscharführer Schaaf, der am 14. April in Mannheim wegen brutaler Mißhandlung von Häftlingen im Konzentrationslager Hintzert an der luxemburgischen Grenze zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, hat im Landesgefängnis in M annh eim Selbstmord verübt Schaaf hat ein Handtuch zerrissen und sich an einem Heizrohr «hängt Rninenmauer stürzte auf acht Arbeiter Freiburg (ZSH). Bei Ausschachtungsarbeiten für einen Neubau, der auf dem Gelände eines zerstörten Gebäudes errichtet werden sollte, stürzte eine Mauer ein. Acht Arbeiter wurden unter den Trümmern begraben, sechs von ihnen konnten nur noch als Leichen geborgen werden. Einer der Arbeiter, der schwer verletzt worden war, starb kurz nach ■einer Bergung, ein Arbeiter wurde leicht verletzt Tränen im Hoffmann-Prozeß Hitlers Leibfotograf erneut vor Spruchkammer München (UP). Eine dramatische Weide nahm der Prozeß gegen den „Fotografen von Hitlers Gnaden“ Heinrich Hoffmann, als die Zeugin Leidl den Fotografen beschuldigte, „sie durch Denunziation ins Gestapo-Gefängnis gebracht zu haben“. Diese vom Verteidiger Hoffmanns als „abenteuerlich“ bezeichne- ten Aussagen führten schließlich zur Aussetzung des Verfahrens bis zum 5. Mai Unte Tränen erzählte die 65jährige Zeugin, wie sie Im Verlauf der Nazizeit mehrmals inhaftiert worden sei. Hoffmann, der jetzt zum zweiten Mal vor der Münchener Spruchkammer stand, war in erster Instanz als Hauptschuldiger zu zehn Jahren Arbeitslager verurteilt worden. Dieses Urteil hat der Kassationshof wegen „erheblicher Rechtsmängel“ aufgehoben. Hitlers Leibfotograf hatte bei Kriegsende ein Vermögen von neun Millionen Reichsmark. Dieses liegt der jetzigen Verhandlung wieder als Streitwert zugrunde. Zwei Jahre Gefängnis beantragt Plädoyer des Staatsanwalts im Harlan-Prozeß Hamburg (UP). Im Prozeß gegen Veit Harlan beantragte der Oberstaatsanwalt nach dreistündigen Plädoyers gegen den Angeklagten wie in der ersten Instanz wegen Beihilfe zum Verbrechen gegen die Menschlichkeit zwei Jahre Gefängnis und 105 000 DM Geldstrafe oder ersatzweise für je eintausend D-Mark einen Tag Gefängnis. Er beantragte ferner gegen den Angeklagten auf Untersuchungshaft zu «kennen. Über die Folgen des Filmes Jud Süß, so führte de Staatsanwalt u. a. aus, brauche kein Beweis erhoben zu werden, da die Feststellungen des Obersten Gerichtshofes für die britische Zone, daß ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den Massenvebrechen an den Juden und dem Film „Jud Süß“ bestände,' als bindend anzusehen sei. Moskau widerruft Zust immun g Um die Internationalisierung Jerusalems Lake Success (UP). Das Sekretariat der Vereinten Nationen veröffentlichte den Inhalt eines Briefes, demzufolge die Sowjetunion den von der Generalversammlung der UN gefaßten Beschluß einer Interaationalisie- rung Jerusalems nicht mehr unterstützt. In Kreisen der Vereinten Nationen wird e- klärt, es wede vielfach angenommen, daß die Vollversammlung auf ihre nächsten Tagung im September ihren früheren Beschluß zugunsten einer internationalen Verwaltung von Jerusalenm widerrufen werde. * Es unterliegt keinem Zweifel, daß dieser Schritt der Sowjetunion in weiten Kreisen Israels mit Begeisterung aufgenommen wird, weil er möglicherweise dem Internationalisie- rungsprogramm den Todesstoß versetzen kann. Das israelische Außenministerium hat denn auch bereits seiner Befriedigung über die neue Lage Ausdruck gegeben und den Entschluß Moskaus lebhaft begrüßt. In eine peinliche Lage werden allerdings die israelischen Kommunisten versetzt, die anfangs kraß gegen eine Internationalisierung Jerusalems eingestellt waren, ihre Haltung dann aber um 180 Grad herumschwenkten, als die Sowjetunion den UN-Plan unterstützte. Nun wird ihnen nichts anderes übrig bleiben, als ihre Haltung nach neuen Anweisungen aus dem Kreml nocheinmal zu korrigieren. Eine unangenehme Sache, die zu einer Schwächung ihres Einflusses und zu einer Stärkung der gemäßigten Mapai-Partei führen dürfte. „In allen Punkten schuldig“ Weitere Geständnisse im Prager Prozeß Prag (UP). Alle sechs Angeklagten in dem Spionageprozeß vordem Prager Staatsgerichtshof haben nunmehr zu der Anklage Stellung genommen. Drei von ihnen, darunter die als Führer der Verschwöre bezeichneten Angeklagten Nechansky und Wahl, bekannten sich in allen Punkten der Anklage als schuldig. Der Angeklagte Sprysl erklärte sich, mit gewissen Ausnahmen in Angelegenheiten geringere Bedeutung, ebenfalls schuldig, während sich die Angeklagten Vackova und Loris als „teilweise schuldig“ bekannten. Sowjets verhaften fünf Eisenbahner Angeblich für Zusammenstoß verantwortlich Wien (UP). Wie Beamte des österreichischen Innenministeriums bekannt gaben, verhafteten die sowjetischen Behörden fünf österreichische Eisenbahne, die sie für einen Zug- Zusammenstoß bei Gaisbach-Wartberg in der sowjetischen Zone Österreichs veantwortlich machten. Zwei Güterzüge, die mit niedriger Geschwindigkeit in den Bahnhof einfuhren, waren dort zusammengestoßen, wodurch ein sowjetischer Tankwagen umgeworfen wurde. Nach Ermittlungen von österelchiseher Seite soll die Eisenbahner keine Schuld treffen. An Rußland ausgeliefert Finnland kommt Moskauer Forderung nach Helsinki (UP). Die finnische Regierung hat auf Forderung Moskaus einen Esten und zwei ehemalige sowjetische Kriegsgefangene an die Sowjetunion ausgeliefert. De Este wurde von de sowjetischen Regierung als Kriegsverbrecher bezeichnet, während die beiden Kriegsgefangenen sich geweigert hatten, nach ihrer Entlassung in die UdSSR zurückzukehren. Bombe zerstört Parteibüro Ein Sprengstoffanschlag in Bayonne Bayonne (UP). Eine Explosion, von der man annimmt, daß sie durch eine Bombe verursacht wurde, richtete im hiesigen Parteibüro der kommunistischen Partei schwere Schäden an. In den benachbarten Häusern wurden die Fensterscheiben zerschmettert i AUS DEM WIRTSCHAFTSLEBEN Erhard reist nach Schweden Gespräche über Erz und Textilien Bonn (UP). Bundeswirtschaftsministe Dr. Erhard wird am kommenden Dienstag zu seinem seit Monaten geplanten Besuch nach Schweden fliegen. Er folgt einer vor längerer Zeit ergangenen Einladung einer schwedischen Volkswirtschaftsgesellschaft. Wie es heißt, wird der Minister auch mit offiziellen schwedischen Persönlichkeiten Zusammenkommen. Neben Gesprächen über Erzlieferungen sollen auch solche über die beiderseitigen Textilimporte geführt werden. Wie Erhard erklärte sind in Berlin Produktion und Ausfuhr erheblich angestiegen. Der Wert der monatlichen Lieferungen Westbe- li n s habe sich in den letzten zehn Monaten von 25 auf 75 Millionen DM gesteigert. Das jetzt in Kraft getretene Berliner Notprogramm wede in den nächsten acht Tagen 50 000 Berlinern Arbeit verschaffen. Deutsch-britische Wirtsehaftsverhandlungen? In britischen Regierungskreisen wurde erklärt, daß man bestrebt sei, die Wirtschaftsverhandlungen mit der deutschen Bundesrepublik bald wiede aufzunehmen. Es handele sich, wie verlautet, um ein mittelfristiges Handelsabkommen mit einem beideseitigen Warenaustausch von etwa 100 Millionen Pfund jährlich. Man rechne mit dem Wiedebeginn der Verhandlungen Anfang Mai, doch stehe de genaue Zeitpunkt noch nicht fest Arbeitsbeschaffungsprogramm der Bundesbahn Das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Bundesbahn ist nunmehr angelaufen. Nachdem von dem voraussichtlichen 250-Millionen- Sonderkredit für die Bundesbahn 75 Miil. DM zur Verfügung gestellt worden sind. Von den 75 Millionen DM entfallen auf den Obebau 35, auf Brücken 20 und weitere 20 MilL DM auf sonstige Bauten. Mit der Aufnahme dieses Programms sind die Voraussetzungen für geplante umfangreiche verkehrstedmische Verbesserungen gegeben. 659 Millionen Dollar Manduiliplanhiife Seit April 1948 hat Westdeutschland nach einem Bericht de ECA-Sondermission Lieferungen im Werte von 652 534 000 Dollar er- halten. Von diesem Betrage entfallen 40,5 % auf Nahrungsmittel und landwirtschaftliche Erzeugnisse. Die Marshallplanlieferungen an industriellen Gütern betrugen 46 %. De Restbetrag von 7,5 % entfällt auf Seefrachten. Stuttgarter Schlachtviehmarkt Auftrieb: Rinder 96 (40 Überstand), Kälbe 11, Schweine 15, Schafe 154. Preise: Ochsen junge AA 80—86, alte A 70—75, Bullen junge AA und A 78—86, Bullen alte A bis 70, Färsen AA 90—95, A 76 bis 84, B 75; Kühe B 50—60, D 42—50; Kälber, Schweine, Schafe nicht notiert Marktverlauf: Mäßig belebt, bei Großvieh Spitzentiere überraschend. In allen Gattungen geräumt. Allgäuer Butter- und Käsebörse Markenbutter: 5,20 DM, Tendenz freundlich; Molkereibutter 5,08 DM, Tendenz unverändert; Landbutter 4,37 bis 4,50 DM, Tendenz ruhig; Grüner Allgäuer Limburger mit 20 % Fett LT. (Monatsware) 0,66 bis 0,72 DM, Tendenz lebhaft; Allgäue Emmentaler mit 45 % Fett i.T., Markenware, 3,10 DM, Tendenz gut; Konsumware L und II. Sorte 2,75 bis 2,95 DM, Tendenz gut; III. Sorte 2,55 DM, Tendenz gut. Wirtschaft in Kürze In den nächsten Monaten werden sämtliche D- und Eilzugswagen de Bundebahn mit Automaten ausgestattet, die den Reisendei für 10, Pfennig ein Handtuch, ein Gesichtstuch und Seife liefern. In Frankfurt wurde die Deutsche Schlaf- und Speisewagengesellschaft mit einem Stammkapital von acht Millionen DM, das in den Händen der Bundesbahn liegt, gegründet. Die Vermögenswerte d« früheren Mitropa-AG wurden in die Gesellschaft eingebracht. - Zwischen Westdeutschland und Pa- r a g u a y wurde ein Handelsvertrag mit einem Austausch von Handelsgütern im Wert von 5 200 000 Dollar von jeder Seite abgeschlossen. Zur Zeit befinden sich drei türkische Delegationen aus Industriekreisen in Westdeutschland. Die Vertrete der türkischen Industrie beabsichtigen in de Bundesrepublik Maschinen und Industrieausrüstungen zu kaufen. Wettervorhersage Am Freitag wechselnd, teilweise leicht bewölkt Vereinzelt leichte gewittrige Schauer möglich. Höchsttemperaturen um 20 Grad. Nachts frostfrei. Am Samstag teilweise auf- heitend, im wesentlichen trocken. Weiterhin warm. r" AUS DER HEIMAT Tterarztunö ScharfrichterSanOe Als ud Septembei 1870 die Sammlung Haus- gckei iD Heidelberg unter den Hammer kam. wurde das Landricbtscbwert, mit dem der unglückliche Studend.dei Mörder K otzebues, Karl Ludwig Sand, enthauptet worden war. von Castan für sein Berliner Panoptikum um einen hohen Preis erstanden; der Mannheimer Alter* tumsverein war nicht ganz bis zu der vierstelligen Zahl mitqegangen. Heute besitzt es das Fichtelgebirgsmuseum in Wunsiedel. wo Sand geboren war Ich habe früher schon darauf hingewiesen, daB der Nacbricbter Sands der Heidelberger Tierarzt W t d m a n n war. Die spätere Zeit und erst recht die heutige konnte und kann das nicht verstehen So lesen wir in einem Bericht über Sands Ende: -..Ein Tierarzt Widmano hatte der Familie Sands Taschentuch, das er vor der Exekution zu Boden warf, und Locken von seinem Haupte übersandt und emptinq dafür den gerührten Dank der Familie Der, der das schrieb, wußte nicht, daß ebeu dieser „Tierarzt" Sands — Schartrichter und zugleich — der Freund von Sands Verteidiger war Franz Wilhelm W i d m a n n, der Scharfrichter Sands, hatte in der Tat die Tierarzaeischulen zu Karlsruhe und Stuttgart besucht und sein Approbationsexamen gemacht. Er war seit 1804 Tierarzt und Scharfrichter zugleich in Heidelberg. wo er geboren war und auch am 26. Juni 1832 starb Auch sein Sohn Karl Friedrich W i d - mann, der am 21 November 1813 zu Heidelberg das Licht der Welt erblickt hatte, war Tierarzt und seit 23 September 1834 noch Scharfrichter ln Heidelberg Er war der letzte, der diese beiden Berufe m so wunderlicher Weise verband, die eben an eine erbliche Verleihung des Amtes gebunden war Nach seinem Tode fiel das Lehen heim das Generationen hindurch der Familie Widmann zu eigen gewesen Schon Franz Wilhelms Großvater Johann Michael war (seit 19. März 1748) Scharfrichter ln Heidelberg, wie auch sein Vater Johann Georq Michael. Und dieser Johann Georg Michael wieder hatte die Tochter eines Speyerer Scharfrichters zur Gattin Der erste Heidelberger Scharfrichter Widmann aber. Johann Michael, war mit der Tochter seines Vorgängers Im Heidelberger Scharfrichteramt verheiratet, nämlich der Tochter Johann Pöppels. der seit 25. März 1705 dieses Amt bekleidete und selber wieder des Scharfrichters in Heidelberg, Pöppels Sohn war, der als Erbbeständer Jes Amtes schon in der zweiten Hälfte des 17 Jahrhunderts uns begegnet Sands Scharfrichter, Franz Wilhelm Widmann, aber war mit der Tochter des Kgrl. Wüittember- gischen Scharfrichters, Friederike Margarete Näher aus Stuttgart, vermählt So zieht sich durch Generationen, Familien und Länder hindurch diese eigenartige Verwandtschafts- und Berufsverkettung, die wir heute kaum mehr verstehen können. Wir wissen, wie Franz Wilhelm Widmann seelisch unter seinem ererbten Amte litt und können davon erzählen. Dr Albert Becker. würgen im Nechartal Wer je schon einmal das untere Neckartal durchwandert oder durchfahren, der weiß, daB dieses schöne Stück unserer Heimat nicht nur durch den in zahlreichen Windungen zwischen Felsen und Bergen dahinrauschenden Fluß selbst sein eigenariiqes und einmaliges Gepräge erhielt. Die zahlreichen Burgen und Schlösser, die von den nahen Höhen auf den Strom hern'eder- blicken, bleiben jedem, der sie einmal gesehen, als die Edelsteine im Gedächtnis, die den blitzenden Kronreif des Neckar schmücken und ihn erst recht zur Kostbarkeit machen. Da recken die beiden Türme der alten Hohenstaufenpfalz Wimpfen am Berg ihre Häupter in den Himmel, während uns die mit herrlichen Rundbogen verzierte Burgmauer an längs* vergangene Kaiser- und Rilterherrlichkeit erinnert Daun kommt über Gundelsheim das Deutschor- densstbloß Hornegg m Sicht, das als Zentrum der Deutschritter der Vorgänger des weit großartigeren Mergentheim gewesen. Schloß Guttenberg — mit seinen beiden wuchtigen, fast klotzigen Tortürmen, aui denen steile Kegeldächer sitzen, und einer kostbaren Kapelle — konnte soeben ein seltenes Jubiläum feiern: Seit 1549 befindet sieb die Burg im Besitz der Freiherrn von Gemmingen, also volle 500 Jahre. Hornberg, die Feste Götz von Berlicbingens, steht trutzig wie ihr emstiger Herr über den steilen Weinbergen, und wie die „Eiserne Hand“ ragt der höher als sonst geratene Bergfried empor Auf Hornberq verlebte der Bauernführer in Franken wichtige Abschnitte und Entscheidungen seines Lebens: Von hier aus übernahm er die Führung der aufrührerischen Bauern, von hier aus zog er später in den Kampf gegen Türken und Franzosen, und hier war auch der Ort, wo er seine Lebenserinnerungen niederschrieb, die einmal Goethe begeistern sollten. Nicht mehr über Weinbergen, sondern mitten aus dem rauschende^ Wald erhebt sich Schloß Zwingenberg, von einem breiten Turm mit glänzendem Spitzdach überkrönt. Dem eiligen Wanderer bleiben oft die bedeutenden Wand- und. Gewölbefresken verborgen, die der beharrliche und behutsame in der im 15. Jahrhundert geweihten Burgkapelle entdeckt. Kurz vorher hätte er auch die Ruinen de. d i n n e b u r g auf den Höhen gegenüber erblicken können, wäre sie gar nicht zu listig zwischen dem laubigen Bergwald versteckt. Von Eberbach aus schauen wir nach Hirschhorn hinauf, das, nicht allzu weit von dem Städtchen entfernt, dieses durch seine Mauern früher in seine Befestigungen mit einbezog Auf Hirschhorn finden sich in der Kapelle sogar noch Fresken aus dem 14 Jahrhundert Nicht lange, so sind wir in Neckarsteinach, das gleich von drei Burgen behütet wird. Zwei davon sind allerdings Ruinen, während die andere, zum Teil wieder aufgebaute, etwas bekannter sein dürfte. Doch nicht als Burg Schadeck, wi 3 sie bis ins 19. Jahrhundert hieß, sondern als „Schwalbennest“, wie sie der Volksmund wegen ihrer Lage am steilen Fels genannt bat Die Neckarsteinacher Hinterburg kann sich übrigens rühmen einen Minnesänger beherbergt zu haben, Bligger den Zweiten von Steinach, dessen Bild man sich in der Manessischen Liederhandschrift betrachten kann Neckarsteinacb gegenüber scharen sich auf dem fast 200 m hohen Bergkegel Dilsberg die Häuser des Städtchens Diels- berq um die Burq Dilsberg, die sich einst keinem anderen Feldherrn als Tilly erfolgreich zur Wehr setzte. ' Vergebens suchen wir nun noch nach der Burg Reichenstein über Neckargemünd, die früher die Mündung der Elsenz beherrschte, heute aber fast ganz verschwunden ist. Dann ragt um so herrlicher und großartiger das Heidelberger Schloß vor uns auf, ein wunderbarer Abschluß der langen Kette alter Burgen des unteren Neckartals B. G. Das ßerUchtngenlanö Auf Öen Spuren öee Ritters Götz o. Berlichtngen an Nediar unö Jagft Wie ein Naturereignis wirkte das Erscheinen von Goethes „Götz“. Zumal die „Stürmer und Dränger“ begrüßten das Werk mit Jubel. Schubart schrieb: „Götz von Berlichingenl Die Hand auf die Brust, gen Himmel geschaut und dem Genius der Deutschen gedankt, der uns in diesen betrübten Zeiten noch einen Shakespeare geschenkt." Wenn auch der historische Götz nicht identisch ist mit jenem Goethes: Götz ist doch eine Lieblingsgesialt der Deutschen geworden. Gern besuchen wir die Stätten, wo dieser Ritter lebte. Heidelberg, „der Vaterlandsstädte ländlich schönste", bekrönt von der „gigantischen schicksalskundigen Burg“, ist ein Tor zum Berlichin- genland. Wie Flammen leuchten die roten Steinbrüche überm dunklen Wasser. Man verweilt in alten Städtchen. Bei Lindelbach tritt man aus dem Dunkel der Odenwaldberge ins helle Kalkgebiet des Neckarhügellandes. Zwischen Neckarzimmern und Haßmersheim baut sieb Burg Homberg auf Hier starb Götz im 82. Lebensjahr. Wie oft mag er von der Burg in die weiten Lande geschaut haben. Um den Preis von 6500 Gulden erwarb er am Ostermontag des Jahres 1517 die Burg vom Möckmühler Amtmann Schott. 4000 Gulden legte er bar auf den Tisch; den Rest bezahlte er, wie die Chronik meldet, zu „Petri Stuhlfeier" des folgenden Jahres. Ums Jahr 1550 — Götz stand damals bereits im 70. Lebensjahr — erbaute der Ritter jenen Palas im Stil der Frührenaissance, der teilweise heute noch erhalten ist. Hier schrieb er seine Biographie: mit der Linken, nachdem er die Rechte im Lands- huter Krieg im 24. Lebensjahr verloren hatte. Hierher kamen die Bauerp, ihn bittend, ihr Feldhauptmann zu werden. Hier erblindete er, 79jäh- rig. Hier starb er am 23. Juli 1562. Noch ist seine Rüstung auf der Burg zu sehen. Noch geht hier sein Geist um. In Heilbronn besuchen wir den Götzenturm, wo der Ritter in den Jahren 1519—1522 gefangen saß. Durch Verrat in Feindeshand geraten, wurde er durch Franz von Sickingen und Jörg von Frundsberg wieder befreit Uber Weinsberg und Cleversulzbach, Stätten, die uns durch Kerner und Mörike ehrwürdig sind, nach Möck- mühl! Die Möckmühler Burg ist wie Hornberg eine Götzenburg. Als Amtmann des Herzogs Ulrich von Württemberg saß Götz auf dieser Feste. Mannhaft wehrte er sich, da Möckmühl vom Schwäbischen Bund, den Feinden Ulrichs, belagert wurde. Bei dem Ausfall wurde der Ritter gefangengenommen. Uber Widdern gelangen wir, der Jagst folgend, nach Olnhausen. Dies ist die Heimat jenes Schmiedes, der für Götz die „Eiserne Hand” fertigte. Ein Nürnberger Meister stellte .später eine zweite künstliche Hand her. Die Götzenhand war so*kunstvoll gefertigt, daß sie im ersten Weltkrieg als Vorbild für Prothesen gebraucht wurde. Wir kommen nach Jagsthausen, wo Götz zur Welt kam. Hier verlebte er seine Jugend. Reiten, Jagen und Fischen waren ihm lieber als Lesen, und Schreiben und Beten. Viele Erinnerungen an Götz werden im Schloßmuseum bewahrt. Vom Schloß blicken wir hinüber nach dem Dorfe Ber- lichingen, wo das Stammschloß des Geschlechtes stand. Und nun besuchen wir Kloster Schöntal. Im Kreuzgang des Klosters sehen wir das aus Stein gehauene Götzens in voller Rüstung; hier fand der Ritter seine letzte Ruhestätte. Nicht nur dieses Grabmals wegen lohnt sich der Besuch Schöntals. Hier ist der Geist der großen Barockmeister Balthasar Neumann und Leonhard Dientzenhofer lebendig. Als letzte Götzstätte besuchen wir Krautheim, das alte Bergnest hoch über der Jagst. Mit dem Erzstift Mainz — Krautheim war kurmainzisch — lag Götz einmal in Fehde. Wie der Streit mit dem Mainzer Amtmann in Krautheim endete, das hat uns Götz selbst recht deutlich erzählt. Und Goethe hat wohl davon Kenntnis genommen: „Ich brannte in einer Nacht an drei Orten, das war Ballenberg, Oberndorf und das Schafhaus zu Krautheim, unten am Schloßberg. Es war gar hell und ein Schnee dazu. Und als ich also hemiedergebrannt, da schrie der Amtmann oben hinaus, Klepsau zu. Da schrie ich wieder hinauf, er soll mich a. A. 1. Nun war nicht lang Sattelhenicens; tch machte mich aus dem Ort . Krautheim an de: Jagst ist also die Geburtsstätte des volkstümlichsten aller Goethezitate. Neckartal und Jagsttal, ja das ganze Frankenland, isi Berlichingenland Im Hof des Steinernen Baues zu Buchen zwang der helle Odenwälder Haufen der Bauern den Ritter 1525, ihr Anführer zu werden Mit den Bauern zoq er über Walldürn nach Amorbach. Götz konnte die Bauern nicht hindern, die Wildenburg anzuzünden. In Hard- beim im Erftal sehen wir das Berlichingenwap- pen am Schloß, ebenso am Schloß zu Neunstetten. Es ist ein schönes Land: das Berlichingenland. 4 . b. Wiffenfchaft hilft her Natur Prof. Dr. Fuche über pflanzenzfichterifche Arbeiten Ueber den Anteil der Pflanzenzüchtung an der Steigerung der ackerbaulichen Erzeugnisse machte vor kurzem der Leiter des Pflanzenzüchtungsinstituts Rosenhof bei Ladenburg, Prof. Dr. Fuchs, interessante Mitteilungen. Die Wissenschaft war schon immer bemüht, der Natur etwas nachzuhelfen und auf dem Wege planmäßiger Kreuzung eine künstliche Mannigfaltigkeit zu erzeugen. Man kann annehmen, daß dieses Verfahren schon im Mittel- alter bekannt war, vor allem im Mittelmeerraum, und daß man sich auch damals schon über die Mittel und Technik der künstlichen Befruchtung im klaren war. Mitte des 18 Jahrhunderts wurden die ersten Kreuzungen verschiedener Tabakarten durchgeführt, während die Anfänge der modernen Pflanzenzüchtung um die Mitte des vorigen Jahrhunderts liegen. Bemerkenswert ist, daß die Kreuzung von amerikanischen und englischen Weizensorten mit deutschem Bastardweizen sich 50 Jahre als Sorte von Rang hielt. Die Zeiten allerdings, da man mit stürmischen Steigerungen des Ertrages und der Qualität rechnen konnte, dürften vorbei sein. Heut« gilt es, durch planmäßige Kreuzungen die Werteigenschaften zu verbessern und zu sichern. Die Periode des Züchtergeschicks und des Züchterglücks praktischer Landwirte wurde abgelöst durch planmäßige, wissenschaftliche Arbeit in den verschiedenen wissenschaftlichen Instituten, voran das Kaiser-Wilhelm-lnstitut Müncheberg bei Berlin und das Max-Planck-Institut bei Hannover Im Herbst 1938 wurde der Rosenhof bei Ladenburg eingerichtet, als neuer Typ dieser Art von Instituten, um die Lücke zu schließen zwischen der reinen Vererbungswissenschaft und der züchterischen Praxis. Es geht darum, die wissenschaftlichen Arbeiten soweit vorzutreiben, daß Sich die praktische Arbeit unmittelbar anschließen kann. Das Gebiet der Kreuzungszüchtung ist nach Ansicht von Prof Dr. Fuchs noch nicht völlig ausgeschöpft. Aus dem Zusammenführen von Erbmassen aus den verschiedenen Teilen der Welt ergeben sich immer noch gewisse Fortschritte. Vor allem in der Getreidezüchtung, hier mit dem Ziel der Steigerung der Qualität und der Wiederstandsfähigkeit. Die Zuchtwege sind manchmal eigenartig und eigenwillig: so erwies sich eine aus einer Kreuzung entstandene amerikanische Maissorte ertragreicher als die beiden „Elternteile" Neue Roggensorten hatten 15 bis 20 Prozent Mehrertrag, allerdings bei entsprechender Düngung Pflanzenkrankheiten sollen durch die Züchtung verhütet werden, so wurde die meltaufreie Gerste gezüchtet, eine Kreuzung zwischen einer Gerstensorte aus Dalmatien und einer einheimischen Sorte. Bei der Sojabohne handelt es sich darum, sie den europäischen Klima- und Bodenverhältnissen anzupassen und den Erntetermin vorzuverlegen. Allerdings wäre ein Großanbau bei uns angesichts der amerikanischen Einfuhren nicht zweckmäßig. H. Bern. Zauberroelt am Meere&grunO Seltfamte Tlerlebcn tm Karlsruher Vtoarlum Unter den Strahlen elektrischer Sonnen, die Wärme und Licht zugleich spenden, bietet sich dem Besucher des Karlsruher Vivariums ein buntfarbener Ausschnitt aus der Lebewelt der Meerestiefen Was in der natürlichen Umgebung wohl nie eines Menschen Auge zu schauen vermöchte, wird in den Becken mit Seetieren der Betrachtung mühelos zugänglich gemaobt. Sie enthalten.alle das Lebenselement dieser Nordseetiere, nähmlicb 27-prozentiges Nordseesalzwasser, das in großen Flaschen von der biologischen Forschgngsanstalt in Büsum nach Karlsruhe verschickt wurde. Auch die Tiere stammen von dort. Seewasser ist die Vorbedingung zur Haltung dieser Kinder des Meeres, sein Salzgehalt und seine Sauberkeit bedarf ständiger Überwachung durch den Pfleger Auf den ersten Anblick bin wähnt mim sich in einem Märchen aus Tausend und einer Nacht und hält die Tiere in ihren bunten Farben und bizarren Formen für Exoten. Doch sind sie aile Kinder des Nordmeeres. Tiere aus der Fauna des Mittelmeeres sollen sich ihnen zugesellen, sobald die Lieferungen von dort möglich sind. Felsenstücke und Grotten ahmen Ausschnitte aus der Tiefe der See nach und bieten diesen Tieren die Bedingungen ihrer natürlichen Umwelt Auf den ersten Blick lassen sich die sonderbaren, bewegungslosen Wesen kaum als Tiere ansprechen, zumal ihre Namen — Seerosen, Seenelken, Witwenrosen — sie ins Bereich der Pflanzen weisen. Ihre Gestalten sind den Kakteen ähnlich, in ihrer Farbenpracht schimmern sie wie deren Blüten. Erst bei genauem Zusehen erkennt man tierisches Leben Die durchsichtigen Pangarme, die wie ein Strahlenkranz den Mund umsäumen, bewegen sich langsam tastend, gleich winzigen Fingerchen hin und her. Sobald der Pfleger mit der Pinzette das Stückchen Regenwurm in ihre. Nähe bringt, greifen die Tentikel zu und führen die Nahrung zur Mundöffnung. Luftperlen sprudeln in dem Becken, in dem die Höhlenrosen ihre kremefarbenen, flachen Körperchen auf den großen, roten Sandsteinplatten verankert haben. Als einen Märchenwald Könnte man das Glas bezeichnen, in dem die Witwenrosen ihre Kolonie begründeten. Pilzstrunken leich wachsen die Füße auf Muscheln und im ande, ruckartig ziehen sich die Fangarme zusammen, wenn eine Erschütterung eine Gefahr vortäuscht. Die Pferderose ist der Liliput unter der Tierwelt des Meeresgrundes, den sie in dicht bevölkerten Kolonien bewohnt Was sind das für eigenartige Geschöpfe mit ihren flachen, durchsichtigen Körperchen? Mit einem Ruck tauchen die Schollen im Sandgmnd unter und sind dann kaum mehr zu erkennen. Die Meergrundeln, diese possierlichen Fisch- chen mit den dicken Köpfchen, schwimmen ruckartig nach oben und lassen sieb dann resigniert auf die Brustflosse nieder. An der Scheibe klebt ein Seestern mit ausgestreckten Armen, die Schönheit seines Körpers zur Schau tragend. Zwischen den Felsen hat die Miesmuschel ihre Kolonien aufgebaut Kunterbunt liegen die violetten Schalen übereinander, ab und zu öffnen sie sich, und ein feiner Strom zieht durch die rosenroten Kiemen. Halb Fisch, halb Krebs, fadendünne Beine und noch dünnere Fühler von den durchsichtigen grauen Körpern ausgestreckt, durcheilen Garnelen die salzige Flut Die Seespinne preßt wie leblos ihren graufilzigen L^ib mit angezogenen Beinen m eine Ecke des Aquariums. Wie eine Stepptänzerin trippelt dieStrandkrabbeauf nadelfeinen Zehenspitzen auf und ab und schlägt mit den zangenbewehrten Kiefern den Takt dazu. Die rosaroten Einsiedlerkrebse lugen aus den Schneckenhäusern, die sich diese Eigenbrötler ünd Philosophen des Meeresgrundes zu ihrer Behausung erkoren. G. Hupp Die Jägöler Sie sind im Abnehmen begriffen, aber ganz scheinen sie nie auszusterben. Von Amts wegen heißen sie Wilderer, auf unsern Dörfern nennt man sie gewöhnlich „Jägdler", und die Leute wissen nicht recht, sollen sie ihr Tun als gerade oder als krumni ansehen. Meist sind es bestimmte Familien, bei denen das Jägdeln zu Hause ist. und es vererbt sich innerhalb dieser Familien, „’s liegt im Blut", meinen die Leute. Im Blut liegt es freilich, von Urzeiten her. Denn Irgendeinmal in grauer Vergangenheit waren unsere Vorfahren allesamt einmal Jäger und Fischer, .Jägdler“, wenn man so sagen will. Aber damals war die Welt weit und das Leben frei, und alles war Beute für jeden, er mußte es nur erwischen. Seitdem hat sich manches geändert, und die Welt ist eine andere geworden. Da sehen wir, wie im Mittelalter das Jagen ein Herrenrecht wird und wie man dem Bauern die Jagd streng verbietet Aber Bauernarbeit und Jagen gingen immer eng nebeneinander her. Die Neigung zur Jagd ließ sich nicht ganz unterdrücken Bei vielen verschwand sie freilich, in einigen aber blieb sie lebendig — eben in den Jägdlern. Sie sank herab ins heimliche, ins verbotene Tun. Der Jäger geht offen zu Werk, wenn sein Schuß knallt, kann es jeder hören. Beim Jägdler ist das etwas anderes. Nur die ganz Besonderen unter ihnen gehen mit dem Gewehr ans Werk, schießen den Bock vor Tau und Tag, wenn der Jagdaufseher norh in den Federn liegt decken ihn mit Moos und Laub zu und schleppen ihn bei stockdunkler Nacht nach Haus. Solche Kerle nennt auch der gemeine Mann kurzerhand Wilderer. Bei den Jägdlern aber geht es nur heimlich her, sie vermeiden den Krach und Knall. Sie sind Spezialisten auf eine andere Art Wenig schön Ist das Treiben der Fallen- und Netzesteller. Sie können ihre Spuren nicht immer verwischen, und dem Jagdaufseher verraten sie sich durch ihr Werkzeug. Ein rechter Bauer ist selten darunter. Dazu fehlt ihm schon die Zeit Er packt sein gelegentliches Jägdeln anders an. Seine Waffe ist der Geiselstab, der Hauhelm ■oder der Gabelstiel. Er beobachtet still die Gegend bei seinen harmlosen Arbeitsfahrten. Er hat gute Augen für die Spuren und Anzeichen in der Landschaft. Er weiß um die Eigenart des Feldhasen, im Lager sitzen zu bleiben, wenn einer so unbekümmert als Bauer daherkommt, lim die Dummheit des Fasanen, der sich armshoch in die Hecke setzt und bei langanhaltender Kälte und harter Schneedecke alle Scheu verliert Ein Hieb mit dem Geiselstab, dem Gabelzinken, dem Hauhelm, und der Hase oder Fasan, der von den Freuden des kommenden Frühlings träumte, ist ein Kandidat für die Bratpfanne geworden. Bleibt nur noch die Frage, wie man ihn ungesehen nach Hause bringt Der alte Gregor! fuhr gelegentlich einen Hasen unter dem Klee nach Haus Einmal traf ei dabei auf den Jagdaufseher, der dem Gregori schon lange nicht über den Weg traute. „Schönen Klee hast da", sagte der Jagdaufseher und schaute auf den grünen Haufen, als wollte er ihn mit den Augen durchstechen. „Ja, schön ist er". meinte der Gregori. „aber zur Hälfte haben ihn die Hasen g’fressenl Da schau, dort rennt einer", und er deutete mit dem Geiselstab ins Feld hinaus, wo eben ein Has vorbeihoppelte, „den hätt ich ums Haar erwischt, dann hätt er dran glauben müssen!" „Lieber nit", riet der Jagdaufseher ab, „’s kann ein teurer Braten werden I" „Ja," meinte der Gregori, „da müßt ihr auch euere Hasen besser hüten, daß sie einem nit an den Klee gehen!" klepfte mit der Geisel und fuhr den dicksten Feldhasen unterm Klee ungeschoren nach Haus. O. Köhler PfM. linier gegangene Dörfer im Kraidigan Kanal in der Nähe von Langenbräcken - Frauweiler bei Wiealoeh, - Weiler bei Zeutem Das Kraichgauer Hügelland ist uraltes Siedlungsland. Fast alle unsere Dörfer führen ihren Ursprung auf die germanische Landnahme in den Jahrhunderten nach der Völkerwanderung zurück. Der größte Teil dieser Orte hat alle Kriege der Jahrhunderte Überstunden; es waren ihrer nicht wenige, denn beinahe in jedem Jahrhundert brausten die apokalyptischen Reiter mehrmals über den KraUhgau hinweg. Die Zahl der Orte, die vom Erdboden verschwanden, ist jedoch nicht klein, es mögen ihrer an die zwei Dutzend sein. Die meisten der untergegangenen Dörfer fielen den Wirren des 39jährigen Krieges zum Opfer. Große und kleine Gefechte, Truppendurchmärsche, Plünderungen und Streifzüge hielten die Bevölkerung fortgesetzt in Atem. Heber die Zustände im Kraichgau und Bruh- rain berichtet R. Heiligenthal in seiner Broschüre „Bruchsal im 17. Jahrhundert“: „Die Menschen sind völlig entartet, Hunger und Seuchen haben sie körperlich, Aberglaube md Wahnsinn seelisch zugrunde gerichtet. Der ßruhrain ist ringsum eine Wüste, manche Dörfer sind gänzlich zerstört und entvölkert, niemand will mehr arbeiten, keiner das Feld bestellen, denn er wird die Früchte seines Fleißes doch nicht selbst genießen. In Wäldern und Höhlen hausen die Menschen und nähren sich von Wurzeln und verwildertem Obst.“ Die Zahl der Siedlungen, die im Kraichgau und Bruhrain zugrunde gegangen sind, konnte mit Sicherheit bisher nicht festgestellt werden. Bei vielen sind auch die Gründe für den Untergang nicht bis in alle Einzelheiten bekannt, es gab Gemeinden, die den 30jährigen Krieg überstanden und sich erst später in Wüsteneien verwandelten. Vielfach ist ein alter Flurname noch der einzige Anhaltspunkt,» daß an dieser oder jener Stelle einmal ein Dorf gelegen hat In der Eppinger und Sinsheimer Gegend sind eine ganze Reihe von Dorfschaften untergegangen, u. a. das 778 erwähnte Zimmern, an des heute nur noch der Gewanname Zimmerfeld erinnert, und Mustrichesheim, das 828 zum erstenmal erwähnt wurde. Bekannter ist der untergegangene Ort Frauweiler, der südlich von Wiesloch lag und an den nur noch die Namen Frauweiler Bruch und Frauweiler Wiesen erinnerten. In den letzten Jahren entstand in diesem alten Frauweiler eine neue Siedlung, in der auch zahlreiche Heimatvertriebene wieder eine Heimstadt fanden. Mittelalterliche Obergrombacher Chroniken berichten von einem Dorf Binsheim in der Nähe von Jöhlingen. Dieses Dorf verschwand um das Jahr 1500 herum. In der Gegend von Wilferdingen liegt heute verödetes und ungenutztes Gelände, das den Gewannamen Mönchshofen führt. Auch hier lag eine alte Siedlung, deren Einwohner dem 30jährigen Krieg zum Opfer fielen. In der Nähe von Derdingen erinnern die Bernhardsweiherwiesen an die Siedlung Bernhardsweiler. Sie scheint allerdings schon ziemlich früh verödet zu sein, denn die letzte urkundliche Erwähnung geschah im Jahre 1295. Für das Vorhandensein einiger anderer Orte geben uns nur noch Flurnamen einige Anhaltspunkte, dies gilt für Weiherhäusel bei Rauenberg, den Martinshof bei Rappenau, den Kammhof bei Gondelsheim, den Schweighof bei Mingolsheim, den oberen großen Hof bei Landshausen, für „Weiler im Loch“ bei Zeutem und für das Breitinger Feld bei Sickingen. Auch in Volkssagen hat sich die Erinnerung an alte Siedlungen erhalten. U. a. wurde von einem Dorf Kenel berichtet, das alle Forscher Jahrzehnte lang in das Reich der Fabel verwiesen. Erst vor wenigen Jahren fand man die Bestätigung für das Vorhandensein dieses Dorfes in den Angaben des Kislauer Lagerbuches von 1559. Hier wird festgestellt, daß ..die zwölf Hübner zu Kenelt“ jährlich eine bestimmte Geldsumme. 2 Hühner und ein Maltern Korn als Abgabe zu entrichten hatten. Aller Wahrscheinlichkeit nach lag dieses Kenel in der Nähe von Langenbrücken. Die Mehrzahl dieser abgegangenen Siedlungen waren ohne Zweifel kleine Weiler oder Höfe. Zu Weihbronn bei Michelfeld, das 1420 in alten Urkunden erscheint, stand nur eine kleine Kapelle, die allerdings in der näheren und weiteren Umgebung als Wallfahrtsort betrachtet wurde. Einzelne der ausgestorbenen Dörfer verfügten jedoch über eigene Dorfgemarkungen. Ganz genau wissen wir dies von Remchingen an der Pfinz, das Jahrhunderte lang ein Pfarrdorf und Amtssitz war. Als Ursachen für den Untergang gibt Universitätsprofessor Dr. Friedrich Metz in seinem Buch „Der Kraichgau“ u. a. das Wachsen der Städte und den Mangel an Wasser, vor allem auf den Hochebenen an. Frauweiler z. B. ging 1526 in Wiesloch auf, das gleiche trifft auch zu für Zimmern, dessen Gemarkung in Eppingen aufging. Auffällig ist, daß die meisten untergegangenen Dörfer auf den Muschelkalkflächen über der Enz und der Pfinz gelegen haben. Man geht hier wohl kaum fehl, wenn man den Wassermangel, der bis auf die neueste Zeit der Unstern dieser Gegend war, die Schuld an dem Eingehen der Orte beimißt. Hinzu mag kommen, daß auch Erdbeben, die im Mittelalter überall Schrecken und Angst auslösten, Anstoß zum Verlassen der Dörfer gegeben haben. SR. *Du. Aött&t Adkumqm, uxmn... ein Mensch verärgert ist. Nach kurzer Zeit spricht er von selber. diu selbst im Zorn bist. Häßliche Worte vergißt man oft ein ganzes Leben lang nicht. du die Ueberzeugung hast, den anderen nicht überzeugen zu können. du nicht sicher bist, ob du die Wahrheit sprichst, oder nur Gehörtes nachplapperst. du ein Thema nicht beherrschst. Heimkehrerabend. Wir machen noch einmal auf den heute abend, 20 Uhr, im Gasthaus zum Prinz Max stattfindenden Heimkehrerabend aufmerksam. Neben Vertretern des Zentralverbandes der Heimkehrer werden auch Vertreter der Behörden sprechen. Der Kreisverband Bruchsal bittet um zahlreiche Beteiligung. Films ehau. In den Europa-Lichtspielen läuft bis einschließlich Montag der bekannte Film „Der Tiger von Eschnapur“ mit La Jana in der Hauptrolle. Ab Dienstag wird eine lustige Dorfgeschichte aus dem Salzburgischen, „Die Schatztruhe“ gezeigt. Als Kulturfilm führen die Europa-Lichtspiele am Samstag, 14.30 Uhr und am Sonntag, 10.30 Uhr den Märchenfilm „Frau Holle“ auf. Angehörige des SS-Mannes Burgstahler gesucht. Der Kreisverein des Roten Kreuzes Bruchsal, Augartenstr. 1, sucht die Angehörigen des ehemaligen SS-Soldaten Burgstahler, der aus der Gegend von Bruchsal stammen soll. Verheiratet, 20—30 Jahre alt, vom Dezember 44 bis April 45 in der SS-Bewährungs- abteilung Böhmen-Mähren. Ein Heimkehrer kann über den Genannten Auskunft geben: Heimatabend. Im Engel fand am Montag ein Heimatabend der Vertriebenen statt, an dem etwa 80 Alt- und Neubürger teilnahmen. Im Mittelpunkt stand ein Vortrag von Stadtbaurat Kloß über die Geschichte der Stadt. Die Speyerer Fürstbischöfe hätten das Antlitz von Bruchsal geprägt, den Wiederaufbau gelte es so zu betreiben, daß die geschichtliche Eigenart erhalten werde. Nach dem Vortrag wurden Fragen der Soforthilfe und des Wohnungsproblems behandelt. Auch dem Sommer- tagszug würden die Heimatvertriebenen ihre volle Unterstützung leihen. Um das Werk „Das Schweigen hinter den Mauern“, ein Weißbuch über die Schicksale der Heimat- vertriebenen, zu finanzieren, würden Briefverschlußmarken zu 20 Pfg. das Stück verkauft. Diebstähle. Was Dein ist, ist auch Mein, dachte ein Einwohner, der Backsteine brauchte. Er fuhr mit seinem Wagen auf ein fremdes Grundstück und wollte 2000 Backsteine mit sich nehmen. Die Stadtpolizei bekam rechtzeitig Wind von der Angelegenheit und verhinderte den Diebstahl. Gegen den Organisator wurde Anzeige erstattet Aller Wahrscheinlichkeit nach muß er mit einer erheblichen Strafe rechnen. — Von mehreren Bajfc- stelien wird die Entwendung von Arbeitskleidung berichtet, zum Teil auch mit Brieftaschen und Geldbeuteln. In den meisten Fällen wurde die gestohlene Arbeitskleidung in unverschlossenen Behältern aufbewahrt. Polizeistunde am 1. MaL Der Präsident des Landesbezirks Baden teilte dieser Tage mit, daß die im letzten Jahr erlassene Regelung für die Tanz- und Polizeistunde am 1. Mai auch dieses Jahr gültig bleibt. Demnach sind die am 1. Mai dieses Jahres statt findenden Tanzveranstaltungen weder genehmigungs- noch gebührenpflichtig Die Polizeistunde wird für die Nacht vom 1. auf den 2- Mai gänzlich aufgehoben. Schachecke. In der Bezirksklasse tritt Bruchsal am Sonntag, den 23. April, gegen seinen letzten Gegner an. Im Hotei Friedrichshof erscheint um 9 Uhr die Mannschaft aus Söllingen. Da es zwischen beiden Mannschaften um den Verbleib in der Bezirksklasse gehen kann, sind sehr spannende Kämpfe zu erwarten. Nähstube. Zu der kürzlich veröffentlichten Notiz der Arbeiterwohlfaihrt über die Benutzung der Nähstube, schreibt uns eine Leserin: „Hier möchte ich fragen, ob es denn weder der Arbeiterwohlfahrt, noch irgend einer anderen Organisation möglich wäre, auch abends eine Nähstube einzurichten. Sehr vielen unserer berufstätigen Frauen und Mädchen wäre solch ein Abend-Nähkurs willkommen. Man könnte auf diese Art einfachere Näharbeiten selbst ausführen unter Anleitung einer Schneidermeisterin. Dabei könnte man sich einige Kenntnisse im Nähen erwerben. Und außerdem... der Geldbeutel würde es auch spüren, wenn nicht jede Kleinigkeit zur Schneiderin getragen werden müßte“. Vortragsraum der Volkshochschule. Die Vorlesungen und Kurse, die in der Baracke auf dem Gymnasiumsplatz durchgeführt werden sollten, finden vorläufig alle in der Freiherr- vom-Stein-Schule statt. Bekämpfung der Feldmäuse. Im vergangenen Jahr haben die Feldmäuse erheblichen Schaden an unseren Kulturpflanzen angerichtet.' Um dies in diesem Jahr weitgehend zu verhüten, muß sofort eine gründliche Bekämpfung durchgeführt werden. Da es sich um Massenschädlinge handelt, muß die Bekämpfung vor deren Vermehrung erfolgen. Besonders sind die Kleeäcker, Bergwiesen und Raine zu behandeln. Die Stadtverwaltung stellt hierzu verbilligten Giftweizen, das Kilo zu 40 Pfg., zur Verfügung. Die Ausgabe erfolgt von Montag, den 24. April, bis Samstag, den 29. April, vormittags von 7.30—8.30 Uhr im städtischen Gutshof, Württembenger Straße 115. Verpackungsmaterial ist mitzubringen. Herbergsverzeichnisse. Das Verzeichnis der Jugendherbergen im Bundesgebiet ist soeben erschienen. Es ist zum Preis von —.50 DM bei der Auskunftsstelle des Verkehrsvereins (Zigarrenhaus Kußmann am Bahnhof) erhältlich. Vereinskalender Der Verein für Deutsche Schäferhunde in Bruchsal hält am Samstag, 22. April, 20 Uhr, im Gasthaus zur Blume seine Monatsversammlung ab. SPD Ortsverein Bruchsal. Am Samstag, 22. April, 20 Uhr, findet in der Brauerei Dernier eine Mitgliederversammlung statt. Dazu werden nicht nur die Mitglieder, sondern auch die Freunde der SPD herzlich eingeladen. Revolution in der Wasdiküdie So sagt der Konstrukteur der neuen Klein Waschmaschine „Turbo“ Die Technik ist überall vertreten, warum nicht auch in der Waschküche — Große Umwälzung auf dem Gebiete des Waschens — Fort mit der Waschbürde, ein neues Waschen beginnt — Eine Vier-Wochen Wäsche in ein bis zwei Stunden blütenweiß gewaschen, ohne Gas, ohne Strom, ohne Wasserdruck: Das alles kündigt der Konstrukteur der neuen Kleinwaschmaschine „Turbo“, an. Und zum Beweis veranstaltet er gleich ein Probewa- echen, wobei jeder seine schmutzige Wäsche „Turbo“ anvertrauen kann. Das Europakaffee Aller Plunder” unter Denkmalsdtulz ff Eine Fahrt durch die Gemedndearchive des Landes ist manchmal so etwas wie die Reise eines W ohnu ngskommdssars. Vom Idyll des Prälatentuons in Gengenbach, in dem sich jetzt das Atjshiv des ehemaligen Reichsstädt- chen befinettf, und dem Raum, der für das Engener Stfttarchdv neuerdings im hellen Obergescüoß#nes alten Stadtturms eingerichtet wurde, neigt sich die Kurve der räumlichen Unterbringung leicht zu den vor Jahrzehnten hi den Rathäusern eingerichteten größeren und kleineren Archiv- und Registraturräumen, um damit jäh abzustürzen zu „Gewölben“, deren Mauern vor Feuchtigkeit einzustürzen drohen, zu Räumen, kl denen ein Landstreicher vorübergehend einquartiert wird oder gar unter Archlvaien und Brettern Anfänge «ner Champignon-Kultur zum Vorschein kommen. Dem entspricht das Schicksal der Archivalien, die zwar an vielen Orten eorg- »am verzeichnet und verwahrt sind, denen aber in anderen Gemeinden jahrzehntelang täglich der Untergang drohte. Ein Bestand ron 5000 Tonnen kostbarsten Quellenstoffes •iner Stadt und Landschaft bezog eine „Notwohnung“ hinter auf gebeugtem Brennholz und wurde, trotzdem er eingehend verzeichnet war, vor einem runden Dutzend von Jahren ein Opfer der Papiermühle. Was ist denn an dem alten „Plunder“ so Besonderes, daß man sich jetzt von Amts wegen darum kümmert und ihn im Denkmalschutzgesetz in einem besonderen Paragraphen berücksichtigt? Alle Gemeinden, deren Geschichte in einer Ortschronik aus den alten Pergamenten und Papieren neu erstand, können darauf eine Antwort geben, neuerdings aber auch Gemeinden, deren Archivalien neu geordnet wurden und die darin A>*en fanden mit deren Hilfe sie schwebende Prozesse zu ihren Gunsten entscheiden konnten. Die Heimatforscher und Archivpfleger, die einmal begonnen haben, sich mit diesen Quellen zu beschäftigen, geraten immer mehr in den Bann der Archivalien und bleiben ihnen ihr Leben lang treu, der eine forscht nach alten Flurnamen, der andere nach alten Familieazusammenhängen, nach Ein- und Auswanderung, nach der Geschichte der Höfe, der Straßen der „Kriegserlittehheiten“, der ehemaligen Herrschaften und der Dienste und Abgaben, die ihnen zu leisten waren. Wo findet z. B. ein Lehrer anschaulicheren Stoff für seinen Geschichtsunterricht, als im Rathaus seiner Gemeinde? Aber das allgemeine Interesse an den ehrwürdigen, wenn «ich oft recht unscheinbaren Quellen ist noch gering, und solange nicht der letzte Bürgermeister und Ratschreiber den Wert seines Gemeindearchivs als kulturellen Besitz ersten Ranges erfaßt hat, droht den Urkunden und Akten Gefahr. Und solange das Archiv nicht ordnungsgemäß verzeichnet ist, kann die Quelle geschichtlicher Einsicht und Erkenntnis nicht fließen. Darum kümmert sich der Staat um die Ordnung der Gemeindearchive und stellt wo es nottut, seine Hilfe zur Verfügung; darum vermittelt das Landesarchdvamt die Verzeichnung durch Pfleger, übernimmt die Herstellung von Verzeichnissen, entziffert die schwer lesbaren alten Urkunden und rät überall wo es eines Rates bedarf. Eine Landesgeschichte, die rächt nur eine Geschieht« der Herrscher und der Schlachten sein soll, kann erst dann geschrieben werden, wenn uns die Geschichte der Städte und Dörfer in ihren Einzelheiten vertraut ist, und dazu bieten uns die Gemeinde- archive reichen Stoff. Priesterjubiläum in Kronau Am 9. April sind 29 Jahr« vergangen, seitdem der damalige Erzbischof Dr. Karl Fritz unseren Ortsgeisrtlichen, H. H. Pfarrer Albin Bächle, die Hände aufgelegt und ihn zum Priester geweiht hat. Als Sohn einer Bauem- familie aus dem Kreis Waldshut, wirkte er nach seiner Priesterweih« in verschiedenen Orten u. a. in Konstanz und Karlsruhe. Nach 10 Kaplansjahren wurde ihm 1935 die Pfarr- gemednde Kronau übertragen. Groß waren die Aufgaben, die Ihn in jener schweren Zeit erwarteten; zumal er während und nach dem Kriege allein den Seelsorgerposten ausfüllen mußte. Seine besondere Liebe galt der Jugend, für die er ein Großteil «einer Arbeit opfert Aber auch alle andern finden bei ihm den treuen und guten Ifirten ihrer Seel« Aus Anlaß des Jubiläums wird die Gemeinde am kommenden Sonntag alles auf- ’ bieten, um Pfarrer Bächle für seine aufopfernde Arbeit zu danken. Durch Geschenke und Mitwirkung sämtlicher Vereine soll die Feier zu einem Familienfest werden und die Tatsache bekunden, daß die Gemeinde geschlossen zu ihrem Seelsorger steht. Zur Vorbereitung auf das Priesterjubiläum findet ein Triduum statt. Am Sonntagvormittag wird der Jubilar in feierlichem Zug im Pfarrhaus abgeholt und zur Kirche geleitet, wo um 9.30 Uhr ein levitiertes Hochamt stattfindet. Die Pfarrkinder danken in diesen Tagen ihrem Seelsorger und wünschen ihm noch viele Jahre segensreiche Tätigkeit im Weinberg des Herrn. t Bruchsal ist in diesen Tagen das Ziel mancher Hausfrau, die sich an Ort und Stelle von dieser „großen Umwälzung auf dem Gebiete des Waschens“ überzeugen will. „Turbo“ mit seinen Vorzügen Die Frauen lassen sich dort vortragen, daß ihre bisherige Waschmethode veraltert ist, daß sie ihre Wäsche noch immer wie im Mittelalter behandeln, daß dies der heutigen Wäsche mit ihrem feinen und feinsten Gewebe sehr schadet, und daß sich das alles beim Gebrauch von „Turbo“ mit einem Schlage ändert. Es klingt wirklich verlockend für jede Hausfrau: die neue Waschmethode schont die Wäsche und verleiht ihr dadurch eine längere Lebensdauer, sie bedeutet eine große Zeitersparnis, sie schont die Gesundheit der Frau, die sich nicht mehr den ganzen Tag üb'er mit der Wäsche herumzuplagen braucht. „Turbo“ aber wäscht nicht nur, sondern spült auch aus. Es sei also, so meint der Konstrukteur, ein Universalwaschgerät, das zudem in jedem Gefäß vom Eimer bis zum 100-Liter-Kesse? verwandt werden könne. Die technische Seite Und wie sieht das „umwälzende“ Gerät aus, wie arbeitet es? Ganz klein und bescheiden steht es in der Ecke, ein Stock mit Griff und daran ein Zylinder mit einer sogenannten Drallscheibe, die das dauernde Durchfluten der Wäsche bewirkt. Die an dem beweglichen Zylinder angebrachten Düsenkränze bestrahlen die Wäsche gleichmäßig mit Waschflüssigkeit und Sauerstoff, durchdringen somit die Poren des Gewebes und entfernen jegliche Schmutzsubstanz. Nach der Theorie die Praxis -Die Hausfrauen mußten nach der Vorführung zugeben, daß ihre mitgebrachte Wäsche tatsächlich in wenigen Minuten rein geworden ist. Natürlich nicht so rein, wie sie das eigentlich gewohnt sind. Schließlich können sie ja nicht verlangen, daß Herr Epple ihnen auch noch die Wäsche einsetzt und kocht, was an sich ja notwendig ist. Aber sie wundem sich doch, wie nach fünf Minuten schon der Schmutz entfernt ist Zum Schluß interessiert sie dann noch der Preis dieses Gerätes, den Herr Epple ihnen natürlich sehr gern sagt, (er notiert noch lieber Aufträge, damit es sich auch lohnt, für fremde Frauen Wäsche zu waschen), und damit ist der Waschtag zu Ende. Wer aber „Turbo“ selbst ansehen will, der hat in den nächsten Tagen noch reichlich Gelegenheit dazu. VOM SEE BIS AN DES MAINES STRAND Damit wird Mannheim zum Vorbild dei organisatorischen Zusammenfassung der Vertriebenen in der Bundesrepublik. Aut«bus gewann gegen Eisenbahn Friedrichshafen. Die vor fast fünfzig Jahren eröffnete Nebenbahn Mimmenhausen- Frickingen wird mit Ablauf des Winterfahr- plans eingestellt. Seit auf derselben Strecke eine Autobuslinie eingerichtet worden ist, hat sich die Eisenbahnverbindung als unrentabel herausgestellt Bravo Ueberlingen! Meersburg. Der Stadtrat des schönen, alten Bodenseestädtchens Ueberlingen hat sicii den warmen Dank aller Heimatfreunde verdient. Er hat es abgelehnt, für ein Gasthaus eine Lichtreklame mit Neonlicht zuzulassen. Einer der Stadträte meinte, „er sähe die Zeit kommen, wo auf dem Giebel eines alten Patrizierhauses leuchtende weiße Mäuse im leuchtenden Riesenrad rotierten“. Es gelte nicht nur den akustischen, sondern auch den „optischen Lärm“ von Ueberlingen fernzuhalten. Der Stadtrat beschloß, das Gesuch wegen Lichtreklame abzulehnen. Man darf in dieser Entscheidung einen erfreulichen Beweis für die Erstarkung heimätverbundenen Verantwortungsbewußtseins gegenüber unseren schönen alten Städtchen sehen. Schmuggler fand grausamen Tod I s t e i n An der Bahnlinie nach Basel wurde die kopflose Leiche eines unbekannten Mannes aufgefunden Ermittlungen ergaben, daß es sich um die Ueberreste eines Schmugglers handelt, der während der Fahrt auf ein D-Zug- Wagendach gestiegen war, um wertvolles Schmuggelgut zu verstecken, hierbei jedoch offensichtlid) bei der unerwarteten Einfahrt des Zuges in einen Tunnel tödlich verunglückt ist. In Gummischläuche verpackt, fand man obendrein im Wasserbassin eines D-Zug- Wagens ein Lager mit 500 Schweizer Uhren und 20 kostbaren Ringen. Lieber Straßenwärter als Bürgermeister * S i g m a r i n g e n. Da er als Bürgermeister des Dorfes Zimmern und als Vater von fünf Kindern nur eine Entschädigung von 180 DM monatlich erhält, hat sich das Dorfoberhaupt jetzt um die Stelle des Straßenwärters seiner Gemeinde beworben. Dieser Posten wird nämlich mit 300 DM monatlich bezahlt. Hochspannungsleitung durch den Schwarzwald Triberg. Es ist kein Zweifel, daß di« Hochspannungsleitungen zu den schwersten Zerstörungen des Landschaftsbildes gehören. Einem Einzelbau kann der Blick ausweichen, einer Leitung, die weit über Land zieht, aber nicht. Erbarmungslos morden diese Leitungen und ihre Masten Landschaftbild und Wälder und vernichten das liebgewordene Bild der Heimat. Kein Wunder, daß der Fremdenverkehr und die Hochschwarzwaldgemeinden sich mit aller Entschiedenheit einer solchen Leitung durch das Herz des Hochschwarzwaldes zur Wehr setzen Sie befürchten gleiche Schädigungen, wie sie die Gemeinden am Schluchsee durch das Schluchseewerk erlitten haben: Das Wegbleiben der Fremden, die Natur, Schönheit und Erholung suchen. Die Elektrotechnik wird Wege suchen müssen, die Fernleitung des Stromes auf eine Weise zu bewirken, die das Landschaftsbild schont. Urgeschlchtlidies Museum in Singen Singen a. H. Die Stadt Singen unter ihrem Bürgermeister Dietz wird im Laufe dieses Jahres mit Hilfe des Badischen Landesamts für Ur- und Frühgeschichte im Enzenberg- schen Schloß ein ur- und frühgeschichtliches Museum für den Hegau einrichten. In modernen Vitrinen, auf Karten und Großphotos, soll den Besuchern ein Bild von der kulturgeschichtlichen Entwicklung des Hegauraumes vermittelt werden. Enberger-Mordproaeß im Mai Freiburg. Nach einer Mitteilung des südbadischen Innenministeriums wird das Verfahren gegen den zweiten Beteiligten an dem Attentat auf den ehemaligen Reichsfinanzminister Matthias Erzberger, den früheren Kapitänleutnant Heinrich Schulz aus Saalfeld, Mitte Mai vor dem Schwurgericht des Landgerichts Offenburg eröffnet werden. Bilanz des Krieges für Freiburg Freiburg Die Stadt Freiburg verzeichnet 8 368 Gefallene, Vermißte und Fliegeropfer aus dem letzten Weltkrieg. Außerdem gibt es heute in Freiburg 2197 Kriegerwitwen und 2 949 Kriegswaisen, ferner über 4 000 Kriegsbeschädigte, zu denen noch 574 Schwerbeschädigte des ersten Weltkrieges kommen. Unkrautvernicbtungsmittel in der Suppe Offenburg. In Schutterwald wurden vier Familienmitglieder mit ernsten Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus eingeliefert. Eine Untersuchung ergab, daß beim Zubereiten des Essens ein natriumhaltiges Unkrautvertilgungsmittel mit Kochsalz verwechselt worden war. An den „steuenahienden Gastwirt" Karlsruhe (SWK). Der Präsident des Lan- desfinanzamts Baden in Karlsruhe teilt mit: Dem Landesfinanzamt Karlsruhe ist in verschiedenen Zeitungen der Vorwurf gemacht worden, ohne Wirtschaftskonzession in seinen Räumen in der Moltkestraße eine Fastnachtsveranstaltung für Beamte und Angestellte abgehalten zu haben. den rmanzbeamten zu verabreichen hat, möglich ist. — Er zahlt seine Steuern wie jeder andere Wärt auch, und, da er die Betriebsprüfung sozusagen im Hause hat, ist er zu äußerster ßteuerehrlichkeit gezwungen. — Dieser Wirt hat genau das gleiche Lebensrecht wie seine Kollegen, „die Karlsruher steuerzahlenden Gastwirte", und es ist zu hoffen, daß diese im Zeichen der Gewerbefreiheit ihm dieses Lebensrecht nicht neiden und nicht absprechen wollen. — Jöhlingen bekommt eine evangelische Kirche Karlsruhe. Me Gemeinde Jöhlingen hatte schon seit Jahren den Wunsch, ein eigenes evangelisches Gotteshaus zu errichtenn. Sie hat sich bisher im Rathaussaal und im katholischen Kindergarten versammelt. Im Mai 1949 wurde nun mit dem Bau einer Kirche begonnen, die jetzt .im Rohbau fertig ist. Die große Bauschuld drückt aber schwer auf die kleine Gemeinde. Um ihr zu helfen, wurde daher eine Landeskollekte bi allen evangelischen Gemeinden Badens erhoben. (epd) Landsmannschaften der Vertriebenen Mannheim. Bei der Jahresversammlung der Flüchtlingsvereinigung Mannheim e. V. wurde mitgeteilt, daß die Organisation sich in sieben Landsmannschaften (Schlesien, Pommern, Sndetenland, Wartheland, Ostpreußen, Danzig-Westpreußen und Baltenlandl oliedert. Mannheim zur Hälfte enttrümmert Mannheim. Von den rund 3,5 Millionen Kubikmeter Schutt in Mannheim hat die Gemeinnützige Trümmerverwertungsgesellschaft bis heute etwa 1,5 Millionen Kubikmeter geräumt Unter Berücksichtigung der von privater Seite beseitigten Mengen dürfte Mannheim bereits zur Hälfte enttrümmert sein, und in fünf Jahren soll die Stadt gänzlich aufgeräumt sein. Ein Fünftel der Trümmer kann wieder verwendet werden. Ein n kühner Sprang Mannheim (DNI?). Nach einer Auseinandersetzung mit ihrem farbigen Freund warf sich ein 24 Jahre altes Mädchen auf die Kühle*» haube einer gerade vorbeifahrendea ET-Tana, Sie wurde auf die Fahrbahn geschleudert und zog sich neben einer Gehirnerschütterung verschiedene Prellungen an der Brust zu. Landestagung der Schreinermeister Heidelberg In den Tagen vom 26. bis 28. Mai hält der Verband württemberg-badischer Schreinermeister in Heidelberg seinen ersten gemeinsamen Verbandstag ab. Neben berufenen Vertretern des Handwerks und der Wirtschaft haben u.. a. Bundeswirtschaftsminister Prof. Erhard und der württemberg-badische Wirtschaftsminister Dr. Veit ihr Erscheinen zugesagt Mit der Tagung ist eine Ausstellung von Holzbearbeitungsmaschinen verbunden. Freimaurerei und Vatikan Eine Stellungnahme des „Osservatore Romano“ Dieser Vorwurf, der offenbar von den „steuerzahlenden Gastwirten" ausgeht, entspricht nicht den tatsächlichen Verhältnissen. — Träger des Wirtschaftsbetriebe« ist der langjährige und altbewährte Wirt, der im Landesfinanzamt in eigener Regie die Betriebskantine unterhält, und den Angehörigen des Landesfinanzamteg wie auch denjenigen des in den gleichen Gebäude untergebrachten Finanzamtes Karlsruhe-Stadt Gelegenheit gibt, in der kurzen Mittagspause ein einfaches Mittagessen einzunehmen. — Er hat sich schon lange darauf gefreut, anläßlich der Fastnachtsveranstaltung etwas mehr zu verdienen, als dies bei der kargen Suppe, die er Zu der Frage „Was kann die Kirche für den Frieden tun?“, die auf der bevorstehenden gesamtdeutschen evangelischen Synode in Berlin Hauptgegenstand der Beratungen ist, erklärt Kirchenpräsident D. Niemöller in der Zeitschrift „Die Stimme der Gemeinde“, die Tctrrho werde sich heutzutage nicht mehr leichtfertigerweise für irgendeine Machtpolitik mißbrauchen lassen. „Die Menschen dürfen nicht darüber im Zweifel gelassen werden, daß wir Christen, und zwar alle Christen, die Kirche alfio, für Gewaltäöeungen nicht mehr zu haben sind. Stattdessen ruft die Kirche heute zum Einsatz aller, auch der letzten Kräfte für die Herstellung und Erhaltung des Friedens.“ Als die wichtigste Aufgabe der Kirche bezeichnet D. Niemöller es, „dem Aberglauben zu begegnen, als könnte der Friede geschaffen werden, wenn man sich gleichzeitig aus Angst auf den Krieg präpariert Wer den. Krieg vorbereitet der muß — ob er will oder nicht —• auch den Geist des Krieges vorbereiten und damit selber den Krieg herbeiführen, vor dem er doch Angst hat.“ Nachdem D. Niemöller betont, daß ein Höchstmaß sozialer Gerechtigkeit unverzüglich verwirklicht werde, damit die Gefährdung des Friedens von innen her unterbleibe, wendet er sich abschließend gegen den Eisernen Vorhang. „Auch wenn man absehen wollte von der Unmenschlichkeit einer solchen Grenzziehung, die viele Tausende von Menschen auseinanderreißt, die zusammengehören und füreinander sich verantwortlich wissen, so darf man doch nicht absehen von der Tatsache, daß an dieser Freimaurerei und katholische Kirche sind häufig — vor allem im Dritten Reich — in einer Front als überstaatliche Mächte genannt worden. Man sagte, diese beiden Weltorganisationen haben das gleiche Ziel: ihre internationalen Themen unter allen Völkern zu verkünden, denen gegenüber die nationalen Belange zweitrangig werden. Die päpstlichen Verbote, so betonte man damals, hinderten die Katholiken nicht, der Loge beizutreten. Man wußte zu be- Reibfläche der Gegensätze eine ständige akute Friedensbedrohung geschieht, die jeden Augenblick zur Auslösung des Krieges führen kann. Die Kirche wird einen Beitrag zum Frieden zu leisten haben, indem sie beständig auf die hier vorliegende Gefahr hinweist und daran erinnert, daß jeder weitere Zeitverlust verhängnisvoll werden kann und muß; und sie wird alle ehrlichen Bemühungen zu fördern haben, die auf eine schnelle Beseitigung dieses Gefahrenherdes abzielen.“ * Bischofsworte zur Maimzer Brückenweihe Anläßlich der Einweihung der wiederhergestellten Straßenbrücke über den Rhein durch Bundespräsident Heuß am vergangenen Sonntag, richteten der Mainzer Bischof, Dr. Albert Stohr, und Kirchenpräsident D. Martin Niemöller Botschaften an die Bevölkerung. Bischof Stohr, der gegenwärtig in Lourdes weilt, schreibt darin: „Möge die neue Brücke auch eine breite Brücke zu neuem Werk, neuem Wohlstand und ungetrübtem Frieden sein, der alle europäischen Länder, ja alle Erdteile harmonisch vereinigt“ Kirchenpräsident Niemöller begrüßt namens der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau die neue Brücke vor allem als Verbindung zu den Brüdern in Rheinhessen und knüpft daran die Hoffnung, daß die Kirche auch ihr Teil beitrage zu dem geistigen und geistlichen Brückenbau, der die Verbindung und Einheit von Ost und West in Deustchland wiederherstellen soll richten, daß bis zu den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts selbst viele Geistliche der katholischen Kirche Mitglieder der Freimaurerei waren. Auch gegenwätig wird wieder das Gerücht verbreitet, daß die Freimaurerei eines bestimmten Ritus nicht mehr im Gegensatz zur Kirche steht daß es sogar zu einem Ueberein- kommen zwischen Freimaurerei und Kirche gekommen sei. Dazu nimmt der „Osservatore Romano“ eingehend Stellung und betont in einem längeren Artikel u. a., die Verbreiter solcher Zwecknachrichten wüßten sehr wohl, daß in der Haltung der katholischen Kirche zur Freimaurerei keine Aenderung eingetreten sei. Ein Abkommen zwischen der Kirche und der Freimaurerei könnte nicht anderes als ein schreiender Widerspruch sein, da die Grundprinzipien der Freimaurerei: der Verzicht auf konfessionelle Bindung und der Versuch Wahres und Falsches nebeneinander gelten zu lassen, ja in Uebereinstimmung miteinander zu bringen, notwendigerweise zur religiösen Indifferenz führten. Diese Haltung widerspreche aber ganz und gar den katholischen Grundsätzen, wonach die Wahrheit nur eine sein kann, die auf dem religiösen Gebiet der Kirche von Gott anvertraut wurde. Wenn die Freimaurerei auch gegenwärtig auf kämpferische Feindseligkeit verzichte, so widerspreche sie mit dieser „Gleichmacherei“ doch entscheidend der kirchlichen Lehre. Es könne daher zwischen ihr und der Kirche niemals ein Einvernehmen im Sinne einer Billigung geben. Daß die Freidenkerverbände nichts anderes sind als getarnte bolschewistische Kampforganisationen, hat im übrigen der Freimaurerkongreß in Prag im Sommer des Jahres 1936 mit aller wünschenswerten Deutlichkeit gezeigt. Obschon die Freimaurerei für kurze Zeit von den Bolschewisten verfolgt und die Logen in Rußland aufgehoben wurden, ist es der Freimaurerei inzwischen doch wieder gelungen, in Sowjetrußland festen Fuß zu fassen. Der Bolschewismus hat sich nämlich davon überzeugt, daß er an der Freimaurerei keine gegnerische Macht vor sich hat, sondern eine, die ihm zur Verwirklichung seiner Ziele behilflich sein kann und will. „Jeder Zeitverlust Kann verhängnisvoll werden! 9 * D. Niemöller über den Beitrag der Kirche zur Erhaltung des Friedens ffm Ifnjif g V« MAX WAL 131 SBernbutg butdjgudie ein iäbet 6djmer* Mi Dem Änolid feinet geliebten gftnu. 6t biß Me 3äßne aufeinanbet unb beugte fldj über Re, unb et Rammelte mfihfam: „ßuife!* 6ie menbete ben SBlid gu ihm, unb ein faj berwunberteS, rätfelßafteS ßadjeln fam io ihr @eRd)t. „$abe nut ein bißchen ©ebulb, ßuife. Xht roirR bid) halb roieber erholen.., bete fie§l oüeS febttefl herüber*, fogte et. 2)et gutgemeinte JroR machte auf bk ftranfe wenig Sinbrucf. „^riebet. mir wollen uns nidjt gegenteilig täufdjen . . . tdj werbe balb unfeten Hobe« wieberfetjen. gr ruft midj... idj büre feine Stimme aus bem OenfeitS*. hauchte Re, unb ein bunfler, fieberhafter ©lang ftanb in ihren Äugen. „2ßie idj bamall mit H)m gehen wollte, als er uns gu hetlaffen broljte, weil bu feine §eirat mit ©itta nicht gugeben woü* teft, fo gehe ich ie#f mit ihm, ba et uns gang hetlaffen hat.* „SBaS aber mache id|, Suife?*, antwortet« föernbura. „3dl brauche bid) hoch noch. SBaS ich ohne bldj anfangen?* 6in «tfiidteS vdjlucfjjen fchüiteltr feine ©lieber. ßuife griff «twaS unRdjet nach feinet frötb. JOU h a fi auf bet XBelt noch biel gu tun, Meter. Sie braucht bid) noch. f)u wirft bim i allein juredjtfinben*. fogte ffe mit fraftlofer Stimme. „Kännern wirb baS immer leichter, fie haben ihren Seruf, bem ja ohnehin ihr halbes §etg gehört, unb btt jrnber. gälfte wirb ben 33er tu ft balb über» winben... bie 3eit heilt bie SBunbe.* Sie machte eine fleine fßaufe, weil fie erft wieber ein bißchen ßuft fdjöpfen muhte. Sktnn fpradj fie weiter, unb babei hielt fie immer noch feine $anb in bet ihren, als oi fie fldj bamit noch eine üBetle an bas fieber flammern fönnte: „SieljR bu, ^riebet, ich bin ©ott fo banf» bar, weil er nicht will, baß idb mich unter ber 8aft beS ©efcheßenen mfihfam weiter» fdjleppenJoH. 3dj fönnte es auch nidjt. 35a8 ©räßlidje’, baS über unS gefommen ift, hat meine lefete ßebenSfraft gebrochen. 3d) wärt fefct nut mehr eine matte Schwimmerin im Strom beS ßebenS.* Ulan faf|, mte hart ihr baS Sprechen iourbe. jfhre ßiber fenften fleh über bie Äugen, nur bet bläuliche Kunb bewegte ftdj noch, »hne bah er einen Baut herborbradjie. SBernbntg wagte nicht }u antworten. Sin fdjmerghafter 35tu