BRÜCHSALER POST HEIMATBLATT FOR KRAICHCAU UND BRUHRAIN - SUDD. HEIMATZEITUNC Jahrgang 2 Donnerstag, den 25. Mai 1950 Einzelpreis 15 Pfennig Gewerkschaften zur Neuordnung der Wirtschaft Einschneidender Gesetzesvorschlag überreicht • Kapital und Arbeit sollen gleichberechtigte Faktoren sein Düsseldorf (UP). Zur Neuordnung der deutschen Wirtschaft und zur Regelung des Mitbestimmungsrecfates hat der Deutsche Gewerks chaftsbund soebefl der Bundesregierung, dem Bundestag, dem Bundesrat und den Regierungschefs der einzelnen Bundesländer einen Gesetzesvorschlag überreicht, der im Plenum des Bundestages als überparteilicher Initiativantrag behandelt werden solL Der Entwurf geht von der Erkenntnis aus, daß Kapital und Arbeit gleichberechtigte Faktoren in der Wirtschaft sind und daß demzufolge beiden eine gleich starke Möglichkeit der Einwirkung auf Unternehmen und Organisationen in der Wirtschaft eingeräumt werden muß. Der Vorschlag gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil unterscheidet zwischen Großbetrieben mit über 300 Arbeitern oder 3 Millionen Eigenkapital und Mittelbetrieben, die mehr als 20 Personen beschäftigen. In Großbetrieben sind Aufsichts- oder Beiräte in paritätischer Besetzung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern vorgesehen. In Mittelbetrieben soll die Geschäftsführung ständig von einem Wirtschaftsausschuß beraten werden, dem zur Hälfte Betriebsmitglieder angehören. Im zweiten Teil des Entwurfs wird die Bildung von Wirtschaftskammern, Handwerkskammern und Landwirtschaftskammern gefordert Diese Kammern sollen paritätisch von Unternehmern und Gewerkschaftsvertretern besetzt werden. Nach dem Gesetzentwurf sollen Landeswirtschaftsräte die Wirtschaftsinteressen innerhalb der einzelnen Länder ausgleichen. Als Gesamtrepräsentation der Wirtschaft ist ein Bundeswirtschaftsrat vorgesehen, der sich aus 150 Mitgliedern zusammensetzen und alle Sparten der Wirtschaft umfassen seil. Dem Bundeswirtschaftsrat sollen Unternehmer und Gewerkschaftsvertreter angehören. Er soll die Bundesregierung und das Parlament in Wirtschafts-, Steuer- und Finanzfragen, sowie in sozialpolitischen Dingen beraten. Vor einer Machtprobe? Nach fast zehnstündiger Sitzung im Bundes- arbeitsministerium, die kein Ergebnis brachte, unterbrach der sethsköpfige Ausschuß der Vertreter der Gewerkschaften und Arbeitnehmerorganisationen unter Vorsitz von Bundes- arbeitsminister Storch die Beratungen über das Mitbestimmungsrecht, um das Abendessen einzunehmen. Nach den wenigen bisher vorliegenden Informationen ist in dieser Sitzung keine nennenswerte Annäherung zwischen den beiden Kontrahenten, Unternehmern und Arbeitnehmern, in der Frage des Mitbestimmungsrechts erfolgt. Der Bundeskanzler hat mit Unterbrechungen an dieser Dauersitzung teilgenommen. Die große Bedeutung des Problems und die Eile, mit der es erledigt werden soll, geht daraus hervor, daß Adenauer es auf alle Fälle als Hauptpunkt auf die Tagesordnung der kommenden Kabinettssitzung am Freitag gesetzt hat. Zum gleichen Thema erklärte der CDU-Abgeordnete Schroeder, im Gegensatz zu dem ♦on den Gewerkschaften vorgelegten Entwurf stelle der CDÜ-Entwurf den Menschen und seine Beziehungen zu seinem Betrieb heraus. Die Meinung in Bonn Es sei auffällig, hört man in Bonner Regierungskreisen, wie die Gewerkschaften trotz ihrer Behauptung, unpolitisch zu sein, immer mehr politischen Einfluß zu erhalten trachten. Es sei von Gewerkschaftsseite aus sehr unklug gewesen, dem Vorstandsmitglied des DGB vom Hoff keine Mahnung zur Vorsicht zum SPD-Parteitag in Hamburg mitgegeben zu haben. Die Denkschrift „Die Illusion des freien Wettbewerbs“ zeige deutlich, daß die Gewerkschaften auf dem besten Wege seien, sich vollständig, sozialdemokratischen und damit politischen Wirtschaftsrichtlinien anzuschließen. Besonders auffällig sei das gewerkschaftliche Eintreten für die Kartelle. Alles in allem lasse sich che Denkschrift nur so werten, meinen diese Kreise, daß die Gewerkschaften unter allen Umständen versuchten, die sich anbahnenden europäischen Gespräche unter ihre Kontrolle zu bekommen. SPD fordert Sozialisierung Veit verkündet wirtschaftliches Dreipunkte-Programm — Scharfe Kampfansage an Bundesregierung — Schumacher wieder zum Vorsitzenden gewühlt Hamburg (UP).Dr.Schumacher wurde vom Parteitag der SPD erneut zum ersten Vorsitzenden, Erich Ollenhauer als zweiter Vorsitzender wieder gewählt. Schumacher konnte 345 von 354 abgegebenen Stimmen anf sich vereinigen, während Ollenhauer 348 von 354 Stimmen erhielt. In einem Drei-Punkte-Programm erklärte der württ.-badische Wirtschaftsminister Dr. Veit als Wirtschaftsexperte der SPD, daß soziale Gerechtigkeit und wirtschaftlicher Aufstieg nur erreicht werden könnten, wenn 1. das Mitbestimmungsrecht der Arbeitnehmer in den Betrieben gewährleistet sei; 2. ein Programm der Vollbeschäftigung, wie es von der SPD vorgeschlagen werde, zur Durchführung gelange und wenn 3. die Sozialisierung der Grundindustrien rasch in Angriff genommen werde. In einer längeren Auseinandersetzung mit der Wirtschaftspolitik Professor Erhards beschuldigte er die Bundesregierung, nicht die Demokratie, „sondern die Plütokratie in Reinkultur“ gefördert und bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit versagt zu haben. „Nur konstruktive Pläne können die Lösung bringen“, sagte Veit und legte eine Resolution über ein Vollbeschäftigungsprogramm vor, in dem folgende Forderungen enthalten sind; 1. Schaffung kreditmäßiger Vorbedingungen durch das Zentralbanksystem, um einer Reihe von Wirtschaftszweigen höhere Produktions- Bundesrat für Europarat Adenauer vor auswärtigem Ausschuß — Dr. Merton deutscher Beauftragter für Schumanplao ? Bona (UP). In der Mittwochsitzung des auswärtigen Ausschusses des Bundesrates, an der auch der Bundeskanzler teilnahm, kam zweifelsfrei zum Ausdruck, daß sich bei der entscheidenden Abstimmung des Bundesrates am Donnerstag eine klare Mehrheit für den Eintritt Deutschlands in den Europarat ergeben wird. Die Ausführungen des Bundeskanzlers vor dem auswärtigen Ausschuß brachten keinerlei neue Gedankengänge, die für die Entscheidung der Bundesratsmitglieder von Bedeutung gewesen wären. Hinzu kommt, daß die endgültige Stellungnahme der Länderkabinette zur Frage des deutschen Eintritts in den Europarat schon seit Tagen vorliegt. Ueber die Berlin-Frage herrscht im Bundesrat ebenfalls mit großer Uebereinstim- mung die Ansicht, daß das Westgebiet der Stadt in den Schritt Westdeutschlands eingeschlossen sein müsse. Sicherem Vernehmen nach standen auch der Monnet-Besuch und der Schuman-Plan auf der Tagesordnung der Ausschußsitzung. Wie United Preß aus Regierungskreisen erfährt, soll die Ernennung von Dr. Merton, Direktor der Frankfurter Metallgesellschaft, zum deutschen Beauftragten für den Schuman-Plan bevorstehen. Der Bundeskanzler soll seine Entscheidung aus drei Erwägungen gefällt haben: 1. Merton sei weder an Kehle noch an Stahl direkt interessiert und biete deshalb die Ga- • raatie für ein sachliches Urteil. 2. Merton verfüge über ausgezeichnete persönliche und geschäftliche Verbindungen nach dem Ausland. 3. Merton sei ein ausgezeichneter Finanzfachmann. Auf persönliches Befragen erklärte Dr. Merton, daß er von der geplanten Ernennung noch nichts wisse. Zu dem Besuch des französischen Wirtschaftsplaners M o n n e t erklärte Vizekanzler Blücher der United Press: „Der Eindrude, den Herr Monnet auf seine deutschen Gesprächspartner mache, war der, daß es ihm sehr ernstlich darum geht, nun endlich die Frage der europäischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu klären und diese auf einem großen Teilgebiet in Gang zu setzen. Infolgedessen darf man sagen, daß der Verlauf der Aussprache sehr zufriedenstellend und eindrucksvoll war“. Wie der Minister ferner er- . klärte, wird Monnet Deutschland in absehbarer Zeit erneut besuchen. Gegen „dritte Kraft“ Zum Plan einer deutsch-französischen Kohle- Stahl-Union erklärte der französische Außenminister Schuman selbst, das Interesse 'für seinen Vorschlag sei im Wachsen begriffen. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß verschiedene andere Staaten den Plan grundsätzlich annehmen werden, und kündigte an, daß er in dieser Angelegenheit dann eine Konferenz einberufen werde. Das französische Außenministerium dementierte durch einen Sprecher, daß Schuman eine „dritte Kräftegruppe im Kalten Kriege“ an- strebe, wenn er für eine Zusammenfassung der französischen und deutschen Grundstoffindustrien eintrete. Die Auslegung des Schu- man-Vorschlages in einem Teile der französischen und ausländischen Presse habe in Paris merkwürdig berührt. Der Sprecher erwähnte nicht die kürzliche Erklärung von Bundeskanzler Adenauer, daß eine solche Verbindung zum Aufbau „einer dritten Kräftegruppe“ dienen könne. Das französische Dementi schien aber offensichtlich auch für deutsche Ohren bestimmt. Die Schaffung einer „Europäischen Kohlen- und Stahlbehörde“ schlug ein Ausschuß des Europarats vor und forderte die Verwirklichung des Schumanplans zur Aufgabe einer europäischen Regierung zu machen zahlen zu gestatten. Diese Kreditgewährung hat vornehmlich der Finanzierung des Exports, den Flüchtlingsunternehmen, dem Wohnungsbau und der Vorfinanzierung der Leistungen des Lastenausgleichs zu dienen. 2. Aufstellung eines Nationalbudgets, das als Kernpunkte Investitionsbilanz und Zahlungsbilanz enthalten muß. Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze durch Investitionen, Förderung des Wohnungsbaus, der Landwirtschaft, des Seeschiffsbaus, der Bundesbahn und des Straßenbaus. Auch der Export soll durch Investitionen besonders gefördert werden. Mit einer scharfen Kampfansage der SPD an die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung schloß der Parteitag seine Diskussionen über eine Neuordnung der Wirtschaft. Den einstimmig gebilligten Forderungen nach Sozialisierung der Schlüssel-Industrien, Mitbestimmung der Arbeitnehmer in den Betrieben und- nach Vollbeschäftigung fügte der nordrhein-westfälische Wirtschaltsminister N ö 1- t i n g die Hoffnung hinzu, daß der Ausgang der. Wahlen an der Ruhr im kommenden Monat einen „politischen Erdrutsch“ zur Folge haben möge. Nölting befaßte sich besonders mit der Forderung nach Sozialisierung, für deren Berechtigung er drei Gründe anführte; erstens sei sie aus politischen Gründen notwendig, da eine wirtschaftliche Machtzusammenballung schon einmal zur Unterhöhlung der Demokratie geführt habe, zweitens aus sozialen Erwägungen und drittens. fördere die Sozialisierung die wirtschaftliche Rentabilität. Der Hauptredner des Tages. Wirtschaftsminister Veit, meinte in einem Schlußwort, daß eine Nichtbefolgung der sozialdemokratischen Wünsche die Konsequenz auslösen. könnte, daß „wir entweder mit dem Volk der Bundesregierung unseren Willen aufzwingen oder aber die Bundesregierung aus dem Sattel heben.“ „Wir müssen Geduld üben“ Lie: Ergebnisse nach zwei oder drei Monaten Von UP-Korrespondent R. H. Shackford London. Trygve Lie, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, erklärte vor seinem Rückflug nach Lake Success, die Ergebnisse seiner Besprechungen mit den Regierungschefs der vier Großmächte würden sich voraussichtlich erst nach zwei oder drei Monaten zeigen. Die Regierungen der vier Großmächte hätten die Tut offengelassen, um wenigstens über einen Waffenstillstand im Kalten Krieg zu verhandeln. Nur durch Vermittlung der Vereinten Nationen könne man verhindern, daß der „kalte“ zu einem .heißen“ Krieg werde. Aber, so erklärte Lie mehrfach, „wir müssen Geduld üben.“ Trygve Lie ist am Mittwochabend von London nach New York abgeflogen. * Lie hat in den letzten Wochen bekanntlich versucht, die Zustimmung der Regierungen der vier Großmächte zu einer Reihe von außerordentlichen Sitzungen des Sicherheitsrats zu erhalten, um eine Beilegung des Kalten Krieges zu suchen. Sein Plan kann wohl kaum verwirklicht werden, so lange die Vereinten Nationen nicht den toten Punkt überwinden, auf den sie durch den Streit über die Vertretung Chinas gelangten. Nur wenige Stunden vor Veröffentlichung der Erklärung Lies teilte das Foreign Office mit, daß die britische Regierung bereit sei, die Verhandlungen mit der Sowjetunion über die Kontrolle der Atomenergie wieder aufzunehmen, sobald die Frage der Vertretung Chinas in den UN gelöst sei. Malern und die „Eintracht der Rassen" Von Karl Lanz Die Südafrikanische Union ist ein Sorgenkind des Commonwealth. Seit sich ihr Premierminister Malan um die Eingliederung der drei britischen Protektorate Betschu- ana-Land, Basuto-Land und Swasi-Land bemüht, hat sich die britische Öffentlichkeit eingebend mit dem Verhältnis des Commonwealth zu Südafrika beschäftigt. Der in det ganzen Welt beachtete Fall des Negerhäuptlings Seretse Khama, dessen Ehe mit einer Engländerin der Londoner Regierung zu schaf- . fen machte, ließ ebenfalls die Problematik der britischen Afrika-Politik erkennen. Auch im Hintergrund der gegenwärtigen Verhandlungen des Haager Internationalen Schiedsgerichtshofes über den Status des ehemaligen Deutsch-Südwest-Afrika steht die stark angefeindete Rassenpolitik der Union. Die Regierung Malan bemüht sich gegenwärtig um die parlamentarische Genehmigung ihres „Gesetzes zur Registrierung der Bevölkerung“, wonach drei Gruppen, „Europäer“, „Eingeborene“ und „Farbige" unterschieden werden. Sie hofft darüber hinaus dia parlamentarische Vertretung der „Eingeborenen“ abschaffen zu können. Die Auseinandersetzungen um diese Gesetzgebung haben sich in den letzten Tagen insofern verschärft, als der Appellationshof des Obersten Gerichts der Union in Bloemfontein erklärte, daß die umstrittenen „Apartheid“-Vorsehrif ten, wonach weiße und „farbige“ Staatsangehörige getrennte Abteile in den Zügen benützen müssen, ungültig seien. Der Appellationshof bezeichnete es als seine Pflicht, jedwede Anordnung rückgängig zu machen, diq.zu einer ungleichen Behandlung der verschiedenen Gruppen von Staatsbürgern führe, so lange keine entsprechende Gesetzgebung des Parlaments vorliege/ Im südafrikanischen Parlament sind die acht Millionen Neger durch drei Abgeordnete vertreten, die Weiße sein müssen, während die zwei Millionen „Europäer“ durch 150 Abgeordnete repräsentiert werden. Von weißer Seite — und nicht nur von den rassenpolitisch radikalen Kreisen um Malan — wird in dieser Hinsicht allerdings geltend gemacht, daß ein großer Teil der Negerbevölkerung aus Analphabeten bestehe und auch nach seiner beruflichen und wirtschaftlichen Schichtung noch nicht zur Selbstbestimmung reif sei. Für Neger und Inder besteht' in der Südafrikanischen Union eine gesetzliche Registrierungspflicht und die Vorschrift, entsprechende Personalausweise ständig bei sich zu führen. Ein Gesetzenwurf der Reigerung sieht nun vor, daß in Zukunft auf jedem Registrierungsdokument die Rassenangehörigkeit des Trägers vermerkt wird. Dabei werden die drei Gruppen „Europäer", „Eingeborene“ (Neger) und „Farbige“ (Asiaten, Inder) unterschieden. Berüchtigte Begriffe tauchen hier auf. „Mischlinge", mit einer farbigen oder schwarzen „Urgroßmutter“ oder „Großmutter“ werden als „nicht weiß“ bezeichnet. Privatpersonen soll cs freistehen, andere Personen, die sich fälschlicherweise als „weiß“ eintragen ließen, anzuzeigen. Gegen dieses Gesetz, das nur ein Beispiel für die Tendenz der rassenpolitischen Gesetzgebung Malans ist, hat sich auch die südafrikanische Opposition, die Partei des im ganzen Commonwealth bekannten Feldmarschalls Smuts, mit Schärfe gewandt. Die anglo-amerikanische Öffentlichkeit ist sich, gerade bei der heutigen Situation in der Welt, der Bedeutung einer allmählichen Hebung des Lebensstandards und der Zubilligung politischer Rechte an die Kolonialvölkei bewußt. In Großbritannien, das in erster Linie, betroffen ist, und auch in den USA, werden daher tadelnde Stimmen gegen Malan laut. Man könne die drei (eingangs erwähnten) britischen Protektorate in Afrika nicht der „rassenpolitisch rücksichtslosesten Regierung der Welt“ ausliefem, schrieb der gemäßigte „M anchesterGuardian“zu den neuerdings erhobenen Forderungen Malans. Die Beschränkungen, die Großbritannien dem Negerhäuptling Seretse Khama in Betschuana-Land auferlegte, schienen bis zu einem gewissen Grade die Tendenzen in der angrenzenden Südafrikanischen Unien zu berücksichtigen. Eine Abtretung der drei Protektorate an Südafrika dürfte Großbritannien aber wegen der Donnerstag, den 25. Mai 1950 Rückwirkungen auf die „farbigen“ Commonwealth-Länder scheuen. Welche Bedenken auch in den USA gegen die Politik der Malan-Regierung bestehen, zeigt ein Kommentar der angesehenen „New York Times“, die Vergleiche mit der Rassenpolitik der Nazizeit zieht: „Die Doktrin und die Politik sind schändlich, ob sie nun mit guten Absichten angewendet werden, oder nicht. Es ist klar, daß ein Druck von außen her Südafrika nicht zu ihrer Aufgabe bewegen kann. Die Union kann aber nicht erwarten, daß ihr die Weltmeinung Beifall spendet, wenn sie solche Mittel anwendet, um eine angebliche .Eintracht der Rassen* zu erreichen.“ Die Eltern des ungarischen Außenministers ermordet? Rom (UP). Die Eltern des ungarischen Außenministers Gyula Kallai sollen, wie die italienische Agentur ARI berichtet, von einem jungen Mann ermordet worden sein, dessen Heim von Kallai für dessen eigene Zwecke beschlagnahmt worden war. In dem aus Wien datierten Bericht, der sich auf „vertrauenswürdige Gewährsleute“ in Ungarn stützt, heißt es weiter, der junge Mann, der wegen illegaler Grenzüberschreitung mehrere Monate Haft verbüßt habe, sei nach seiner Entlassung ln seinen Heimatort zurückgekehrt und habe kurz danach die Eltern des Ministers ermordet. Der Täter soll daraufhin erneut verhaftet und zu einer Haftstrafe von 15 Jahren verurteilt worden sein. Die. Regierung habe verboten, irgendwelche Einzelheiten über den ganzen Vorfall in der ungarischen Presse zu verbreiten. Atomspion Harry Gold Washington (UP). Der Chef der amerikanischen Bundespolizei Hoover gab die Verhaftung eines gewissen Harry Gold aus Philadelphia bekannt, der unter dem Verdacht steht, im Zusammenhang mit. dem Fall Fuchs Atomgeheimnisse an die Sowjetunion ausgeliefert zu haben. Wie Hoover erklärte, soll der Verhaftete seine Verbindungen mit dem britischen Atomphysiker Dr. Fuchs zugegeben und ein ausführliches Geständnis seiner bisherigen Spionagetätigkeit abgelegt haben. Gold wurde unmittelbar nach seiner Verhaftung dem Bundesrichter in Philadelphia vorgeführt. Ein Mitglied der Atomenergie-Kommission des Kongresses sagte voraus, daß weitere Personen in den USA verhaftet würden, die in den Fall Fuchs verwickelt seien. Louis B u d e n z, der einstmals als leitender Redakteur beim kommunistischen „Daily Wor- ker“ in New York arbeitete, behauptete, er sei in der Lage, 400 „geheime“ Kommunisten zu benennen, die in verschiedenen Schlüsselstellungen in Washington einflußreiche und zum Teil leitende Stellen bekleideten. Österreich schafft Todesstrafe ab. Der österreichische Nationalrat beschloß mit 86 gegen 66 Stimmen, das Ende Juni ablaufende Gesetz über die Todesstrafe nicht mehr zu erneuern. Pieck eröffnet FDJ-Treffen Massive Angriffe auf die westlichen Alliierten — Zonengrenze immer schärfer überwacht Berlin (UP). Wilhelm Pieck, der Präsident der „Deutschen Demokratischen Republik“, eröffnete die Pfingsttagung der FDJ mit einem massiven Angriff auf die westlichen Alliierten. Er erklärte den versammelten 10 000 .Jungen Pionieren“, daß alliierte Bomben ihre Wohnungen, Schulen, Sporthallen und Spielplätze zerstört hätten. Pieck griff in seiner" Ansprache ferner die Haltung der Kirchen an, die eine Einmischung in Erziehungsfragen darstelle und stellte fest, daß viele hohe Geistliche entgegen den wahren Interessen des deutschen Volkes eine sowjetfeindliche Propaganda führten. Pieck, der zum ersten Mal seit seiner Rückkehr aus Moskau sprach, richtete seine Worte an ungefähr 10 000 „Junge Pioniere“ (die jüngsten FDJ-Angehörigen) und Angehörige der Freien Deutschen Jugend, die sich zur Eröffnung ihrer Zeltstadt in der Wuhlheide zusam- mengefunden hatten. Das schlechte Wetter hatte nicht viel Zuschauer — höchstens 500 — auf die Beine gebracht. Außerdem waren ungefähr 1000 Volkspolizisten anwesend. Einige wichtige Brücken, die von dem Ostin den Westsektoren Berlins führen, waren während der Kundgebung von Ostsektorpolizei gesperrt. Der Polizeipräsident im Ostsektor von Berlin richtete eine Warnung an die Angehörigen der FDJ und gab bekannt, daß sie nicht in ihren blauen Uniformen in die Westsektoren gehen dürften. Er forderte gleichzeitig die Einwohner Ostberlins auf, der Polizei bei der Verhinderung von Sabotage und Provokationen behilflich zu sein, da „bezahlte Agenten und Kriegshetzer“ das Treffen stören wollten. Der britische Kommandant in Berlin, General Bournes, hat bei dem russischen Kommandanten gegen die Beschränkungen protestiert, die von den Sowjetbehörden dem Schleppkahnbetrieb zwischen Berlin und Westdeutschland auferlegt wurden. Bournes betont, daß diese Beschränkungen gegen das Vier-Mächte-Abkommen verstießen, das vor einem Jahr in Paris unterzeichnet worden sei und forderte die Russen auf, ohne weitere Verzögerung die 60 Lastkähne freizugeben, die zum Teil seit 14 Tagen in Wittenberge aufgehalten werden. Die Sowjetbehörden haben bisher noch keine Antwort auf das Schreiben der westalliierten Kommandanten gegeben, in dem Zusicherungen verlangt wurden, daß die während der Jugendtagungen von der Volkspolizei angeordneten Verkehrsbeschränkungen den alliierten Uberlandverkehr nicht beeinträchtigen. Wie von westdeutschen Polizeistellen mitgeteilt wird, hat sich der illegale Grenzverkehr zwischen der sowjetischen Besatzungszone und Westdeutschland inzwischen noch stärker verringert, da die Zonengrenze von der Volkspolizei scharf überwacht wird. SED Kominf orm-Mitglied? Die Aufnahme der SED als gleichberechtigtes Mitglied der Kominform sei, wie der westberliner „Kurier“ erfahren haben will, auf der letzten Sitzung des Politbüros der Kommunistischen. Partei der Sowjetunion (KPDSU) beschlossen und den Vorsitzenden der SED — Pieck, Grotewohl und Ulbricht — mitgeteilt worden, die offizielle Bekanntgabe der Aufnahme der SED soll noch vor der Abhaltung ihres dritten Parteitages am 20. Juni zu erwarten sein. Bevin verteidigt Chin&politik Großbritannien mußte Initiative ergreifen — „Volkspolizei kann direkte , Drohung bedeuten“ London (ZSH). Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Konservativen Partei, der frühere Außenminister Eden, übte im Rahmen einer Unterhaus-Debatte Kritik an der Anerkennung der kommunistischen Regierung in China durch England. Die Politik Großbritanniens, so sagte er, müsse mit der seiner Vertragspartner und der Dominien in Einklang stehen, aber weder Amerika noch Frankreich oder Kanada, Australien oder Neuseeland hätten die Regierung Mao Tse Tungs anerkannt. Außenminister Bevin erwiderte dagegen, wenn England nicht schon vor fünf Monaten Verbindung zu den chinesischen Kommunisten aufgenommen hätte, wäre die Initiative auf die Sowjetunion übergegangen und der Westen hätte den Fernen Osten dann für immer verloren. Bevin bestätigte, daß noch keine Feldmarschall Wavell gestorben Der populärste General Großbritanniens London (UP). Der britische Feldmarschall Earl Wavell ist im Alter von 67 Jahren gestorben, nachdem er sich kurz vor seinem Tode einer Unterleibs-Operation unterziehen mußte. Wavell war der überragende General Großbritanniens in der ersten Hälfte des letzten Krieges. In der öffentlichen Meinung und Volksgunst war ihm nur Viscount Montgo- mery ebenbürtig. Ihm wurden die Kommandos an den gefährlichsten Fronten des britischen Weltreiches übertragen. Als Oberbefehlshaber im Mittleren Osten hatte er die schwierige Aufgabe, der Lage zu begegnen, die sich aus den deutschen Siegen in Griechenland und auf Kreta ergeben hatte. In Syrien und im Irak mußte er dafür sorgen, daß diese wichtigen Ausgangsstellungen am Mittelmeer nicht unter deutschen militärischen Einfluß gerieten. Drohende Aufstände in beiden Gebieten konnte er verhindern. In Englands dunkelster Stunde wurde er 1941 nach Indien kommandiert. Als Sieger über die Japaner gewann er die Zuneigung und Achtung «Jer führenden Inder, so daß er zum Vizekönig ernannt wurde mit der Aufgabe, Indien zu befreien. Mahatma Gandhi nannte ihn den „größten Vizekönig Indiens“. Aber der Feldmarschall war kein Politiker. Als Soldat waren ihm die politischen Manöver zwischen Moslem und Hindus unverständlich und fremd. Ein jüngerer Mann und ein neues Gesicht waren erforderlich, um 1947 die Verhandlungen über die Selbständigkeit Indiens und Pakistans erfolgreich abschließen zu können. Wavell, durch Lord Mountbatten ersetzt, kehrte nach England zurück, geehrt wie kein andere britischer General des letzten Krieges. England gibt Malaya nicht auf. Der britische Kriegsminister John Strachey und Kolonialminister James Griffith sind in Singapur eingetroffen, um sich „an Ort und Stelle“ über die Lage in Malaya zu orientieren, das Großbritannien nicht aufgeben wolle. formale diplomatische Beziehungen zu Pei- ping hergestellt seien. Er glaube nicht, daß ein britischer Vertreter nur nach Peiping zu fahren brauche, uni alle Fragen innerhalb kurzer Zeit regeln zu können. Die Zeit und die Entwicklung würden ihm recht geben. Im weiteren Verlauf der Unterhausdebatte kam Bevin auch kurz auf die militärischen Einheiten der Volkspolizei in der Sowjetzone zu sprechen. Er sagte, die 50 000 Mann in den militärisch ausgebildeten Einheiten könnten unter Umständen in einem „brutalen Bürgerkrieg“ verwendet werden. Bürgerkriege seien heute Teil einer Außenpolitik, wie es sich zum Beispiel in der kommunistischen Revolte in Griechenland gezeigt habe. „Die bewaffnete Polizeimacht in Ostdeutschland“, so betonte Bevin, „kann oder kann auch nicht eine direkte Drohung für uns bedeuten. Wir müssen dies sehr sorgfältig beobachten.“ Der „erste Zug“ ...? Das Probiert der Volkspolizei in der Ostzone wird auch in diplomatischen Kreisen Washingtons lebhaft diskutiert. Man nimmt an, daß die Sowjetunion aller Wahrscheinlichkeit nach die Proteste der Westmächte gegen die Militarisierung der „Volkspolizei“ zurückweisen werde. Informierte Am Rande bemerkt Wer will nach Österreich? „Reisen nach Österreich sind in dringenden Fällen, -wie Todesfall oder schwere Krankheit eines Angehörigen, ferner aus wichtigen geschäftlichen Anlässen in kultureller Hinsicht gestattet.“ So stehts in den Zeitungen geschrieben. Aufatmend legt man das Blatt beiseite. Endlich werden uns die Pforten auch zu dem Staat geöffnat, dem wir uns aus verschiedener Gründen so verbunden fühlen. Wer denkt bei dem Wort Österreich nicht an Mozart und Strauß, an Salzburg oder Wien! Nun kann also der in Deutschland lebende Sohn seine schwerkranke Mutter in Graz noch einmal sehen, können Nichten und Neffen dem alten Erbonkel die letzte Ehre erweisen! Man muß der einsichtigen österreichischen Regierung schon dankbar sein, daß sie es ermöglicht, wenigstens in dringenden Fällen wichtige Pflichten jenseits der Donau zu erfüllen. Jedoch — der Trank ist zu süß, als daß nicht noch ein bittrer Tropfen folgen müßte! Nimmt man die im Überschwang der Freude weggelegte Zeitung wieder zur Hand und liest weiter, so greift man sich vor Erstaunen an den Kopf: „Die Anträge für ein Visum sind in Frankfurt einzureichen. Die Bearbeitung dauert drei Monate*. Drei Monate! Dieser Zeitraum kann eine Fülle von Ereignissen all«: Art umschließen. Gibt es in Österreich ein Wundermittel, um Schwerkranke am Leben zu erhalten? Wird dem Berichterstatter einer Zeitung das Programm der Salzburger Festspiele nachträglich noch einmal vorgeführt? Oder soll bezweckt werden, daß niemand nach Österreich einreist, zumal amtlich gleichzeitig bekanntgegeben wird, daß Besuchs- und Erholungsreisen überhaupt nicht genehmigt werden? O felix Austria! Kein Wunder, wenn mancher, der nicht ein Vierteljahr warten will, an J. G. Seumes Satz denkt: „...und er schlug sich seitwärts in die Büsche.“ st Kreise weisen die Ansicht zurück, daß die westlichen Noten lediglich eine „leere Geste“ gegen die Existenz militärischer Formationen in der Sowjetzone darstellten, und glauben nicht, daß der Westen diese Demarche nur aus propagandistischen Gründen unternommen habe. Sie halten es eher für wahrscheinlich, daß der gemeinsame Protest der erste Zug in einem größeren Plan sei, der die Erhöhung der Sicherheit Westdeutschlands und ganzEuropas zum Ziel habe, und daß durch diesen gegen die Sowjetunion gerichteten Zug klare Verhältnisse über die Verwendung Deutscher als Soldaten geschaffen werde« sollen. In anderen Kreisen weist man darauf hin, (und das unterstützt die oben geäußerte Ansicht), daß die Bonner Regierung auf die Alliierten einen starken Druck ausübe, um sie zu einer Erklärung zu bewegen, ob und was für Pläne gemacht worden säen, um Westdeutschland im Falle eines sowjetischen ' i- griffs zu verteidigen. Die Antwort wurde — wenigstens zui eil — vom amerikanischen Hohen Kommissar McCloy bei der Eröffnung des Amerikahauses in Hannover gegeben, wo dieser klarstellte, daß die Besatzungstruppen in Deutschland zukünftig die Hauptaufgabe hätten, die Deutschen zu schützen, und nicht nur „Besatzung“ zu sein. NEUES AUS ALLER WELT ALS DEM WIRTSCHAFTSLEBEN Heuss sprach bei Versicherungstagung In Anwesenheit des Bundespräsidenten Proffessor Heuss, des Bundesministers Wilder- muth, sowie von Vertretern der Bundestagsfraktion, des nordrhein-westfälischen Landtages und Persönlichkeiten der französischen, schweizerischen und österreichischen Lebensversicherungsgesellschaften begann in . Düsseldorf die vierte Mitgliederversammlung des Verbandes der Lebensversicherungsunternehmen. In humorvoller Weise betonte Professor Heuss in seiner Eröffnungsansprache, daß er nicht als der Bundespräsident, sondern als der „Mitbürger Heuss“ das Wort ergreife, der mit 19 Jahren die erste Lebensversicherung abgeschlossen und später noch ein paarmal mit Lebensversicherungen zu tun gehabt habe. Professor Heuss nannte die Aufbauarbeit der Lebensversicherungsunternehmen in den letzten zwei Jahren eine ungeheure Leistung. Die Versicherungsarbeit ergäbe in der Summierung eine neue Kapitalbildung aus eigenen Mitteln des Volkes, fuhr Heuss fort. Darin sei ein Beweis des Vertrauens zur heutigen Währung zu eiblicken. Prof. Heuss hob den von den Versicherungen geleisteten Beitrag zur Finanzierung des Wohnungsbaus hervor und betonte, daß mit dem Bau gesunder Wohnungen zur Sicherung der Volksgesundheit beigetragen werde. Die Errichtung des Bundesaufsichtsamtes als TTberwaehungsstelle halte er zwar für notwendig, aber die Intensivität der eigenen Verantwortung innerhalb der Versicherungen sei entscheidend. Hohe Kommission nicht gegen neuen Zolltarif Ein Sprecher der allüerten Hohen Kommission wandte sich in Frankfurt gegen Rundfunk- und Presseberichte der letzten Tage, in denen von angeblichen schweren Bedenken der alliierten Hohen Kommission gegen die vom Bundestag und Bundesrat gebilligten neuen deutschen Zolltarifvorschläge die Rede war. Tatsache sei, daß alle Zollangelegenheiten unter die Vorbehaltsbefugnisse des Besatzungsstatuts fallen und di^ Alliierten daher das letzte Wort zu sprechen hätten. Von einer Mißbilligung der neuen Sätze könne jedoch absolut keine Rede sein. Raiffeisenverband in Baden tagte Der Verband der landwirtschaftlichen Genossenschaften in Baden (Raiffeisen) e. V„ dem 2177 Ortsgenossenschaften in Nord- und Südbaden angeschlossen sind, hielt im Konzilsaal zu Konstanz seinen Verbandstag ab, an dem etwa 200 Vertreter der landwirtschaftlichen Genossenschaften und zahlreiche Gäste teilnahmen, darunter Staatspräsident Wohieb, der Landwirtschaftsminister von Südbaden, Kirchgässner, der Landwirtschaftsminister von Württemberg-Baden, Stooß, sowie anstelle des Bundeslandwiijschaftsministers Niklas Staatssekretär Dr. Sonnemann Eismassen fielen vom Himmel Riesige Unwetter-Schäden ln Thüringen Berlin (UP). Wolkenbruchartige Niederschläge verursachten in der Nacht zum Mittwoch im Gebiet der mittleren Unstrut in Thüringen eine verheerende Unwetterkatastrophe. In Bad Tennstedt stürzten infolge des reißenden Hochwassers mehrere Häuser ein. Drei Brücken wurden durch die Fluten der Unstrut weggerissen. Außerdem zerstörten Blitzschläge in drei umliegenden Gemeinden drei Scheunen. Auch sonst wurden riesige Schäden angerichtet. Die thüringische Gemeinde Bruebstedt im Landkreis Langensalza wurde durch Hagelschlag erheblich zerstört. Insgesamt fielen hier dem Unwetter fünf Häuser zum Opfer. Der Gesamtbestand der Gemeinde an Groß- und Kleinvieh wurde bis zu 95 Prozent vernichtet. Bisher konnten acht Tote geborgen werden, zwei Kinder werden noch vermißt. In dem Schadensgebiet wurden neben örtlichen Hilfskommandos und Feuerwehren 15 Katastrophenzüge sowie starke Volkspolizeikommandos eingesetzt. Noch am späten Nachmittag des Mittwoch -waren Rettungsmannschaften damit beschäftigt, die durch Hagel in Taubeneigröße niedergegangenen Eismengen aus den Häusern zu schaufeln. Der Saatenbestand der betroffenen Gemeinden des Landkreises wurde zu 95 Prozent vernichtet Noch eine Explosion aal Dahlbasch Bis jetzt 77 Todesopfer des Grubenunglücks Gelsenkirchen (UP). Eine neue Explosion kleinen Ausmaßes hat sich am Mittwochmorgen bei den Abdämmungsarbeiten am Unglücksrevier der Zeche Dahlbusch ereignet. Ein Teil der Sandsackmauem wurde beschädigt, drei Arbeiter leicht verletzt Die Arbeiten werden planmäßig weitergeführt. Kommunistische Parolen, wonach bei dieser Explosion wieder Tote zu beklagen sein sollen, werden vom Oberbergamt energisch dementiert. Am Mittwochvormittag Ist ein weiterer Schwerverletzter im Gelsenkirchen» Knappschaftskrankenhaus verstorben, womit sich die Zahl der Todesopfer des Grubenunglücks auf 77 erhöht hat 12 Bergleute sind noch nicht außer Lebensgefahr. Stark kündigt „Erklärungen“ an Weitere elf wertvolle Bilder in seinem Besitz Kiel (UP). Im Verlaufe des zweiten Verhandlungstages erklärte der des Bilderdiebstahls angeklagte 24 Jahre alte Kunststudent Horst Stark vor der Spruchkammer des Kieler Landgerichts, daß er noch weitere elf Graphiken in seinem Besitz habe, darunter das besonders wertvolle Dürer-Blatt .Ritter, Tod und Teufel“. Er stellte in Aussicht, diese Kunstblätter kurze Zeit nach seiner Haftentlassung zurückzugeben. Horst Stark hatte schon am ersten Verhandlungstage darum gebeten, die Öffentlichkeit auszuschließen, da ei unter Umständen über die aus dem Stettinei Museum stammenden Graphiken Erklärungen abgeben müsse, die aus „national- und kulturpolitischen Erwägungen“ heraus nicht an die Öffentlichkeit gelangen dürften. Drei Filmkünstler verunglückt Lübeck (UP). Drei namhafte Filmkünstler: Paul Kemp, Vera Molnar und der Regisseur Geza von Cziffra erlitten auf der Autobahnstraße Hamburg-Lübeck einen schweren Verkehrsunfall. Die drei Künstler wurden schwer verletzt. Die Filmschauspielerin Vera Molnar befindet sich in Lebensgefahr. Der Personenwagen, in dem die FUmkünstler zu Fi lmaufnahmen im Kasino Travemünde führet, war mit einem Lastwagen zusammengestoßen. Sieben Tote durch Verkehrsunfall. Bei einem schweren Zusammenstoß zwischen einem Omnibus und einer Straßenbahn wurden in Glasgow sieben Personen getötet. Heftige Stürme üb» der Schweiz. In der Nacht zum Mittwoch richteten heftige Gewitterstürme schwere Verwüstungen an derEmte in der Zentralschweiz an. Hagelkörner im Gewicht von 100 Gramm und der Größe eine* Hühnereis zerschlugen Fenster und Dachziegel. Massenvergiftungen bei der Ostzonen-Post 900 Postangestellte in Leipzig sind, wie gemeldet wird, nach dem Genuß von Pferdefleisch, das die Leipziger Postbehörde schwarz gekaut haben soll, an Fleischvergiftung erkrankt Uber Todesfälle wird strengstes Stillschweigen gewahrt Donnerstag, den 25. Mal 1950 Joe Barker ging drei Tage rückwärts Reklamespleen brachte 30 000 Dollar R.v.B. New York Detektivbüros gibt es in den USA fast so viele wie Sand am Meer. Die meisten fristen ihr Dasein so schlecht und recht. Für neue Büros besteht normalerweise schon gar keine Aussicht, jemals Fuß zu fassen. Diese Tatsachen waren auch für Joe Barker • nichts Neues. Trotzdem eröSnete er, bisher Angestellter eines Rechtsanwalts, mit einem kleinen Dollargewinn ein Detektivbüro. Anfangs konnte er sich gerade so über Wasser halten. Dann ging es aber rapide bergab. Kollegen schnappten ihm die wenigen sich lohnenden Scheidungsfälle von der Nase weg. So kam es, daß Barker sein ganzes Sinnen darauf ausrichtete, eine treffende Reklame für sein Büro zu finden. Endlich kam ihm der rettende Einfall. Ein Freund war zu Besuch gekommen. Man beriet gemeinsam, wie die Geschäftssituation gebessert werden könnte. Da sagte Barker plötzlich: „Weißt du was, ich werde drei Tage rückwärts gehen. Dann sprechen alle von dem verrückten Barker und danach mache ich Reklame: „Der verrückte Barker klärt alles!“ Der Freund sah ihn mitleidig an. Dann platzte er heraus. Erlachte daß sich die Balken bogen und rief: „Wetten, daß Du es nicht machst?! Wetten wir um die Hälfte von meinem Vermögen, um 30 000 Dollar?!“ Barker besann sich keinen Augenblick. Er schlug ein. Am nächsten Morgen sahen die Etagenbewohner einen Mann sich rückwärts mit einem Handspiegel bewaffnet zum Fahrstuhl tasten. , Zunächst hielt man die ganze Sache für einen Scherz und schenkte diesem Kuriosum keinerlei Beachtung. Als Barker sich jedoch mit betonter Vorsichtigkeit, seinen schmalen Rücken mit dem lässigen Sakko voran, durch das Getriebe der VthAvenue bewegte und es zu einigen Zusammenstößen kam, stutzten selbst die Amerikaner. Am zweiten Tag kümmerte sich ein Schupo um den Fall. Passanten hatten ihn auf den seltsamen „Heiligen" hingewiesen, der mit einem Vorblickspiegel die hintere Front voran durch die Straßen tappte und vor Schaufenstern grundsätzlich mit dem Rücken stehen blieb. Nach Feststellung der Personalien ließ der Hüter der Ordnung den seltsamen Fußgänger kopfschüttelnd weiter wandern. Er konnte ihm noch lange in sein lächelndes Gesicht blicken, während er sich rückwärts entfernte. Schließlich war auch dieser Tag unter der scharfen Überwachung des Freundes und seiner Beauftragten glücklich überstanden. Die ersten Zeitungen brachten eine Notiz von dem „harmlosen rückwärtsgehenden Irren“ und forderten seine Einlieferung in eine Besserungsanstalt. Am letzten Tage kam es zum Höhepunkt. Barker war mit dem bisherigen Reklameeffekt nicht völlig zufrieden und bat sich deshalb die Schwester seines Freundes als Begleiterin aus, die sich tatsächlich überreden ließ, einen rückwärtsgehenden Mann zu begleiten. Das war zuviel. Regelrechte Heerscharen bewegten sich hinter dem Paar durch die Straßen, von dem die Dame nach vorne blickte und der Herr rückwärts laufend nach hinten. Dabei verteilte Barker Handzettel: „Barker geht rückwärts, mit seinem Detektivbüro geht es vorwärts!“ Und so ging der letzte Wettag zu Ende. Unternommen wurde nichts gegen Barker. „Es kann einem amerikanischen Staatsbürger nicht verboten werden, rückwärts zu gehen“, meinten Polizei und Ordnungsstellen und zuckten die Achseln. Barker aber hat 30 000 Dollar, seinen Freund als tatkräftigen Kompagnon und kann sich nicht mehr über zu wenig Klienten beklagen, die ihre Fälle von dem „verrückten Barker“ bearbeiten lassen wollen. AUS DEM SUDWESTEN Eingliederung von 5000 DP’s Die Planung in Württemberg-Baden Stuttgart (Iwd). Im Rahmen der Unterstellung der iii der Bundesrepublik lebenden verschleppten Personen unter die deutsche Verwaltung müssen in Württemberg-Baden im Laufe dieses Jahres rund 5000 DP’s woh- nungs- und arbeitsmäßig in die deutsche Wirtschaft eingegliedert werden. Wie Ministerialdirektor Dr. Kiefer vom württembergbadischen Innenministerium erklärte, soll ein Teil dieser Verschleppten bis zum 30. Juni übernommen werden. Bei weiteren 1500 DP’s in Württemberg-Baden handle es sich um alte oder kranke verschleppte Personen. Die evangelischen und griechisch-orthodoxen DFs im vorgeschrittenen Alter wolle man in einem Heim in Dornstadt bei Ulm, die römisch-katholischen bei Schwäbisch Gmünd unterbringen. Die Versorgung dieser Personen werde von der evangelischen Inneren Mission und vom Caritas-Verband übernommen. Wie Dr. Kiefer weiter erklärte, besteh«» gute Aussichten dafür, daß alle Kranken DFs ohne ein Tauschverfahren bis zum Ende dieses Jahres aus Württemberg-Baden verlegt werden. Die IRO habe dafür ein besonderes Krankenhaus in Ansbach (Bayern) in Aussicht genommen. Aus diesem Grunde sei die ursprünglich vorgesehene Verlegung der verschleppten Personen aus dem Heilbronner Krankenhaus in die Zentralklinik Göppingen-Holzheim fallenge- iassen worden. Zwei Jgäaber“ brüht« »eh gegenseitig am Nürtingen (hpd). Auf Balzholzer Markung kreiste ein Mäusebussard am blauen Himmel und stieß, nachdem er am Boden eine Beute entdeckt hatte, wie ein Pfeil auf die Erde herunter, wo sich bald ein Kampf auf Leben und Tod mit «nein angegriffenen Wiesel abspielte. Der Mäusebussard konnte das Wiesel nicht sofort am Halse tödlich packen, so daß dieses dem Angreifer noch einen tödlichen Biß beibringen konnte. In wenigen Sekunden wälzten sich die beiden gleichstarken Räuber in ihrem eigenen Blute. Am Schluß blieben sie tot nebeneinander liegen. Ans Furcht vor Schande in den Tod Göppingen (hpd). Zwischen Kuchen und Giengen (Fils) ließ sich ein 17jähriger Friseurlehrling in den Nachtstunden von einem Güterzug überfahren. Die selbstmörderische Absicht ging aus einem Abschiedsbrief hervor. Der Lehrling war von der Gesellenprüfung ausgeschlossen worden, weil er versucht hatte, als Gesellenstück eine Musterperücke zu unterschieben. Das Wasser drang in die Keller H e i 1 b r o n n (ZSH). Wolkenbruchartige Niederschläge, die im Verlauf eines schweren Gewitters über Heilbronn niedergingen, verwandelten die Abwasserrinnen der Straßen in reißende Bäche. Die Kanalisation konnte die riesigen Wassermengen kaum mehr aufnehmen und schon nach kurzer Zeit lagen bei der Feuerwehr zahlreiche Anforderungen cum Auspumpen von Kellern vor, in die das Wasser eingedrungen war. Innerhalb von 75 Minuten fielen nicht weniger als 37,5 Liter ie Quadratmeter, was der vollen Regenmenge des Monats Februar entspricht Giftmörderio Heller vor de» Kickt« Heilbronn (hpd). Der Giftmord der 33- jährigen Hilde Heller aus Enzberg bei Pforzheim, die ihren aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrten Ehemann vergiftete, um ihr Liebesverhältnis mit ihrem Arbeitgeber, einem Schneidermeister aus Pforzheim, fortsetzen zu können, hat sich jetzt wegen Giftmords, ihr Liebhaber wegen Beihilfe vor dem Schwurgericht zu verantworten. Zu der Verhandlung haben sich viele Enzberger Einwohner eingefunden, die die Giftmörderin beim Betreten des Verhandlungssaales mit lauten Pfuirufen empfingen. Sie selbst erklärt, daß sie ihre Tat nicht begreifen könne. Man solle sie nicht so lange quälen, sie wolle überhaupt nichts mehr sagen. Nun hatte sie den Schneidermeister der Anstiftung bezichtigt. Als der Vorsitzende immer wieder die Bestätigung für diese Mitschuld erreichen wollte, sagte sie immer wieder: „Ich habe es allein getan!“ Monteur geriet an Hochspannungsleitung Freiburg (lds). Bei Arbeiten im Freiburger Landesgefängnis kam ein Elektromeister durch eigenes Verschulden mit der Hochspannungsleitung in Berührung. Er erlitt schwere Verbrennungen, die den sofortigen Tod zur Folge' hatten. Kartoffelkäfer fielen vom Himmel H.E. Neuenbürg. Das schwüle Wetter veranlagte einen Kartoffelkäferschwann, der vielleicht durch warme Aufwinde hochgehoben und über den Schwarzwald getragen wurde, auszufliegen. Mitten in Neuenbürg fiel er ein. Von Mittag bis Abend schwirrten die Schädlinge in Massen umher. Kinder zertraten sie auf den Straßen der Stadt zu Tausenden. Ein Gartenbesitzer las in eine - halben Stunde von 60 Tomatenpflänzchen 700 Kartoffelkäfer ab, 15 Minuten später nochmals 60, am Abend wieder _!Va 100. Selbstmörder rief um Hilfe Karlsruhe (UP). Bei einem Arzt in Untergrombach erschien kürzlich während der späten Abendstunden ein 36jähriger Bahnangestellter im Nachthemd und flehte ihn an, ihm zu helfen. Der Patient hatte eine starke Dosis Gift zu sich genommen, weil seine Frau ihn wegen Familienstreitigkeiten verlassen wollte. Obwohl er gleich in das Bruehsaler Krankenhaus eingeliefert wurde, starb er bald an den Folgen der Vergiftung. „Flotter Bursche“ bestahl eigenen Vater Baden-Baden (ld). In Baden-Baden wurde ein 21jähriger Student festgenommen, der seinem Vater, einem Rechtsanwalt in Frankfurt, 18 000.— DM und den Familienschmuck entwendet hatte und damit in die Kurstadt an der Oos gereist war. Bei der Festnahme könnt« nur noch 2740 DM und der Schmuck sichergestellt werden. Schulbehörden stellten Hochstapler ein Kaiserslautern (Idn). Unter der An* gäbe, er habe die Lehrerbildungsanstalt in Kaiserslautern und mehrere Lehrgänge an der Sportakademie in Köln absolviert, gelang es einem 24jährigen Mann, durch die oberen Schulbehörden die Stelle eines unbezahlten Sportlehrers am Gymnasium und der Oberrealschule in Zweibrücken zu erlangen. Er legte sich nun den Titel eines Studienassessors, später auch Studienrats zu und beschwindelte Banken, Sparkassen, Geschäftsleute und Privatpersonen um mehrere tausend DM. Außerdem betätigte er sich als Heiratsschwindler. Als er seine Steuerkarte mit falschen Eintragungen versah, wurde er entlarvt und verhaftet. Das Schöffengericht Zweibrücken verurteilte ihn wegen Betrags und Urkundenfälschung zu zwei Jahren Gefängnis. H&cU zwei Diätzi zu, $e$efeef* Zwei Vorrundenspiele über Pfingsten Im Wettbewerb um die Deutsche Fußballmeisterschaft wurden erst sechs von acht Teilnehmern der Zwischenrunde ermittelt. Das Achter-Feld wird nun in zwei Spielen vervollständigt: in Kiel: Hamburger SV—Union Oberschöneweide (28.5.); in Köln: 1. FC Kaiserslautern — Rotweiß Essen (27.5.). Dabei stehen jeweils Meister gegen Zweite. Trotzdem kann nicht ohne weiteres gesagt werden, daß die Zweiten ewige Zweite bleiben. Dies gilt vor allem für das Kölner Wiederholungsspiel. Hier wird es die Elf Fritz Walters wesentlich schwerer haben als am letzten Sonntag in Karlsruhe, wo sich die „Roten Teufel“ in den letzten Minuten den Sieg entreißen ließen und es in der verlängerten Spielzeit beim 2:2 blieb. Von einer Favoritenstellung der Kaiserslautemer kann nicht mehr die Rede sein, denn die Essener werden mit starkem Anhang den Angriffsaktionen der Rotweiß-Elf auch von außen den notwendigen Druck geben. Hingegen sollte der Nordmeister HSV, mit frischem Lorbeer von der Amerikareise zurückgekehrt,' die Zwischenrunde sicher erreichen, obwohl die Oberschöneweider — wegen T eilnahm e an der DFB-Meisterschaft vom DSA der Ostzone unter Druck gesetzt — besonders verbissen gegen den HSV in Kiel kämpfen dürften. Der Berliner Vizemeister wird von Hanne Sobek betreut, dessen große Endspielerfahrung der Union sehr zustatten kommen wird. Freundschaftsspiele Die Pfingstfeiertage werden von zahlreichen Mannschaften zu Freundschaftsspielen mit ausländischen Gästen ausgenutzt, soweit sich die Oberligamannschaften nicht selbst auf Fußballfahrt begeben. Im Mittelpunkt stehen diesmal- die Gastspiele mit französischen Mannschaften und das große München-Nüm- berger Pfingstturnier, das mit den beiden Wiener Spitzenmannschaften Austria und Rapid seine besondere Note erhält: Samstag, 2 7. Mai: 1860 München — Austria Wien 1. FC Nürnberg — Rapid Wien VfB Stuttgart — Borussia Dortmund Aleman. Aachen — Bristol City Bremerhaven 93 — Eintracht Frankfurt Holstein Kiel — BC Augsburg Vohwinkel 80 — FC Metz Sonntag, 2 8. Mai: TuS Neuendorf — Olympique Lille Rhenania Würselen — Conc. Hamburg FC Schweinfurt — ASV Cham Montag, 2 9. Mai: 1. FC Nürnberg — Austria Wien 1860 München — Rapid Wien Jahn Regensburg — Stade Reims Wormatia Worms — Borussia Dortmund Aleman. Aachen — Conc. Hamburg Bor. München-Gladbacb — Bristol City Freiburger FC — I. FC Köln Bremerhaven 93 — BC Augsburg Bremer SV — Eintracht Frankfurt Zwei bedeutsame Länderspiele: Belgien — Frankreich Jugoslawien — Dänemark Das Pfingstprogramm wird noch bereichert durch zwei internationale Jugendturniere in München (mit Admira Wien, FC St. Gallen, I. FC„Nümberg, BC Augsburg, 1860 München und Bayern München) und Pforzheim. Halbzeit-Bilanz der Oberliga-Kandidaten Im Verlauf der ersten 12 Aufstiegsspiele zur Oberliga Süd enttäuschte das Abschneiden des Bayern-Meisters 1. FC Bamberg, der bis jetzt — genau so wie Viktoria Aschaffenburg — keines seiner drei Spiele gewinnen konnte und sich daher keinerlei Chancen für den Aufstieg mehr ausrechnen kann. Ganz ausgezeichnet ist das Abschneiden des SV Darmstadt 98, der sogar seine beiden Auswärtsspiele neben dem Heimspiel gewinnen konnte und in der Gruppe n ungeschlagen den ersten Tabellenplatz einnimmt. Allerdings ist ihm der badische Zweite, 1. FC Pforzheim, mit zwei Verlustpunkten dicht auf den Fersen Das gleiche Bild findet man in der Gruppe I, wo der VfL Neckarau ebenfalls ungeschlagen mit 6:0 Punkten die Spitze hält. Auch Mer ist mit der TSG Ulm 46 — mit 4:2 Punkten — ein aussichtsreicher Verein am Hinterrad der Mannschaft von der Altripper Fähre. Man darf nun darauf gespannt sein, wie sich die Mannschaften bei der am 3. Juni beginnenden Rückrunde zurecht finden und wer nach Abschluß der Aufstiegsspiele der Glückliche ist einen Platz im „Oberhaus“ zu belegen. Um den mittelbadischen Städtepokal Für die Vorrunde der Fußballspiele um den vom FV Kuppenheim gestifteten „mittelbadi- schen Städtepokal“ wurden für die Teilnehmer FC 04 Rastatt, FV Kuppenheim (beide Oberliga Südwest), Gruppe Süd), SC Baden- Baden (Landesliga-Meister) FV Achem und SpVgg, Ottenau (beide südbadische Landesliga) folgende Termine festgelegt: 29. 5. Achem — Kuppenheim, Rastatt — Ottenau; 4. 6. Kuppenheim — Rastatt, Baden- Baden — Achem; 8. 6. Ottenau — Baden-Baden; 18. 6. Baden-Bad« — Rastatt, Ottenau geg« Achem; 25.6. Rastatt — Achem, Kuppenheim — Ottenau; 6. 8. Baden-Baden gegen Kuppenheim. Endrunde zur Handball-Meisterschaft Der nach dem Fernbleiben der Ostzonenvereine gültig gewordene Endspielplan zur Deutschen Handballmeisterschaft sieht für den 4. Juni folgende vier Spiele vor: Polizei Berlin — SG Dietzenbach FA Göppingen — SF Gevelsberg Südwestmeister — Hassee-Winterbek Kiel RSV Mülheim — SC Rehberge-Berlin Der Meister der französischen Zone muß noch in einem Entscheidungsspiel an Pfingsten ermittelt werden, nachdem SG Haßloch durch einen I5:8-Sieg über Grünweiß Obermending den Vorsprung Obermendings aufholte. VfL München FraucnhandbalImelster Süddeutscher Frauen-Handballmei- s t e r wurde durch Siege über die Stuttgarter Kickers (5:1) und SG Bad Soden (4:2) der VfL München. Hockeymfcister werden ermittelt Das Endspiel um die Deutsche Hockeymeisterschaft der Männer zwischen Uhlenhorst Mülheim und Raffelberg Duisburg am 28. Mai wurde vom DHB kurzfristig von Mülheim nach München-Gladbach verlegt Das Finale der Dam« findet am gleich« Tag zwischen Harvestehuder THC und FC Nürnberg in Hamburg statt Noch kein deutscher Tumerbund Die Hob« Kommissare erhoben gegen die Zusammenfassung der deutschen Turner in eine Dachorganisation kein« Einspruch, ha- b« jedoch d« Wunsch ausgesprochen, vor dieser Gründung mit einem Ausschuß zu verhandeln. Der Deutsche Arbeitsausschuß Turnen will bis zum Abschluß dieser Verhandlung« von der Ausrufung des neuen Bundes Abstand nehmen. Der Deutsche Turnertag 1950 als Parlament der deutsch« Tumbewegung mit sein« Rahmenveranstaltung« wird — wie geplant — am Pfingstsamstag in der Paulskirche zu Frankfurt (Main) durchgeführt. Region »1-FnßbaIIverband Südwest? Tun Zusammenhang mit der verschiedentlich angekündigt« Gründung eines Fußball-Regionalverbandes für Südwestdeutschland unter Einschluß der Südzone und des Verbandes Rheinland verlautet von Wormatia Worms, daß die Wormser diesem Verband nicht beitret« würden. In Worms plädiert man nun für ein« Beitritt zum hessisch« Fußballverband. Der SFV wird erneut an d« Südwesten appellieren, mit vier Vertretern der Süddeutsch« Oberliga beizutreten und im übrigen eine zweite Division zu bilden. Aaftebuf fies 8egelflo*rv*srbotes? Für eine sofortige Aufhebung des Segelffug- sportverbotes in der westdeutschen Bundesrepublik sprach sich der Marburger Stadtjugendring aus. In einer einstimmig gefaßten Entschließung bitten die Vertreter der Marburger Jugendverbände die zuständigen Stellen der Hohen Kommission, die Seeel- fliegerei, wenn möglich, noch dies« Sommer wieder zuzulassen. Erster Flugmodell-Wettbewerb Der vor kurzem gegründete Modellflug-Club Karlsruhe führt am 25. Juni erstmalig einen großangelegt« Flugmodell-Wettbewerb auf dem Gelände ostwärts der Autobahn zwischen Karlsruhe und Durlach durch. Zu dem Flugmodell-Wettbewerb werd« Teilnehmer aus ganz Südwestdeutschland erwartet Ausländische Formelwagen auf der Solitude Auf der Stuttgarter Solitude-Rennstrecke werden die Bauarbeit« mit Nachdruck durchgeführt um den Abschnitt Glemseck — Frauenkreuz — Magstädter Straße auf die international vorgeschriebene Breite zu bringen. Da der Termin des Solituderennens (13. 8.) für die Teilnehmer am Großen Autopreis von Deutschland (20. 8.), der vom AvD ebenfalls für die Formel II ausgeschrieben wurde, günstig liegt ißt damit zu rechnen, daß sich die erwartet« stark« ausländisch« Equipen auch am Solituderenn« beteilig«. „Kleine Dentschlandfahrt“ „Der Radsport muß Volkssport werden“, mein« die verantwortlich« Organisatoren des Bundes deutscher Radfahrer (BdR), die für die erste „Schwarzwald-Alb-Radrund- fahrt“ vom 25. bis 28. Mai, der neben der Deutschland-Rundfahrt größt« diesjährigen Straßenprüfung der deutsch« Berufsfahrer, verantwortlich zeichnen. 43 deutsche und acht Radrennfahrer aus der Schweiz geh« am 25. Mai am Start- und Zielort Schwenningen auf die Reise zu der rieh über 983 km erstreckenden großen Fahrer- und Materialprüfung, die erstmals seit der Wiederaufnahme Deutschlands in d« internationalen Radsportverband (UCI) deutsche und ausländische Fahrer am Start sieht. Die Strecke führt an den Bodensee, hinauf zur Donau, über die Rauhe Alb nach Reutiing«, Baden- Bad«, Kniebis, Scfailtach und zurück nach Schwenning«. Die bekannte Fliegerin EUy Beinborn wird das Renn« starten. von (kämm demonstriert Weltklasse Nachdem der erste „Test-Match“ zwischen Deutschland und Australi« in Hamburg von den deutsch« Tennisspielern sang-und klanglos mit 5h verlor« wurde, zeigt« unsere Vertreter im zweiten inoffiziell« Länderkampf in Düsseldorf geg« die „Kängeruhs“ verbesserte^ Können. Sie unterlag« nur 2:3. Gottfried von Gr amm bewies dem deutschen Publikum, daß sein Kairoer Erfolg über den Tschechen Drobny, d« Fünften der Weltrar-.g- liste, kein Zufallssieg gewesen war. Er schlug sowohl den 30jährigen Billy Sidwell, den Achten der Weltrangliste, wie auch d« Zwölft* placierten, Geoff Brown in je vier Sätzen. Wettervorhersage Am Donnerstag und Freitag teils bewölkt, « teils heiter, örtlich gewittrige Niederschläge, vor allem am Donnerstag. Warm, zeitweise schwül, Höchsttemperaturen na 25 Grad, mäßige Winde aus wechselnden Richtungen. _ _ _ _ oo DIE ERZÄHLUNG Der alte Matthias erzählt t>on Der Staöt Es war Feierabendstund*, und Matthias, der alte Bauer saß vor seiner Hütte und rauchte sein Pfeifle nach alter Gewohnheit. Die Sonne war im Sinken; und die laue Sommerluft gab dem Alten so recht den inneren Frieden. — Ja, die Abendstunden, die hatten es ihm schon seit Jahren angetan, das war sein Stündle, in dem er dem Herrgott so recht von Herzen dankte für sein schönes Ländle. Und gerade als Matthias sich so recht wohl fühlte und ein wenig eingenickt war, da rief es lustig und laut: „Großvater, Großvaterle, jetzt verzählst mir von der Stadt, weil du mir's doch versprochen hast — gellf* Ja — was blieb da dem Großväterle schon übrig, als er die Augen aufmachte und geradewegs in zwei leuchtende, neugierig bittende Kinderaugen blickte. Matthias, der Jüngere, hockte sich behaglich »eben den Großvater und wollte nun recht viel von der Stadt erfahren, denn die große Stadt malte er sich herrlich aus; was hatte er denn schon auf dem Land verloren, wo sein bester Freund doch auch in die Stadt gehen wollte. Da begann der Großvater zu erzählen. — Und wie in einem Bilderbuch aus alter Zeit schlug er in seinen Erinnerungen nach, und sein Herz pochte gai\z aufgeregt, als er sich die Bilder seiner Stadterlebnisse wieder besah. Damals war er ein junger Bursch gewesen, der nur das Landleben kannte und Wiese und Wald — jeder Baum und jede Blume waren ihm vertraut. Die Vögel erkannte er an ihrem Gesang — er liebte alle Tiere; Gottes ganze Natur war seine Freude! Wie roch die dunkle Ackererde doch so gut, wenn er sie umgrub und wie geheimnisvoll war das Rauschen des hohen Tannenwaldes des Abends! Eines Tages hatte es für seinen Vater in der Stadt einiges zu erledigen gegeben. Das war schon ein besonderer Tag gewesen, das mußte er zugeben. Am Vorabend war er nicht so ruhig eingeschlafen wie sonst. Den nächsten Morgen um 5 Uhr aber hatte er sich auf den Weg ins übernächste Dorf gemacht. Von dort war er mit dem Zügle zur Stadt gefahren. Schon das war ein besonderes Erlebnis für ihn gewesen. Die in der Sonne glänzenden Schienen, und die Dampflokomotive mit ihren schwarzen Wagen wollten ihm nicht so ganz gefallen, und der Geruch des Dampfzuges war schuld, daß er alle paar Minuten sein Taschentuch zog und sich die Nase putzte. . . . „Hauptbahnhof — alias aussteigen!" — Matthias hörte die Worte noch in seinen Ohren klingen, als erlebte er heute alles von neuem. Mit schweren Stiefeln und einem Rucksack auf dem Rücken war er damals ausgestiegen und hatte kaum seinen Augen getraut, als er die vielen, vielen Menschen sah, die mit eiligen Schritten kreuz und quer liefen. Er wollte sie zählen — aber das ging nicht. Es war eine große, eine zu große Menge von Menschen. . . Er wurde geschubst und gepufft und eilend flogen die Menschen an ihm vorüber. Keiner sagte „Grüß Gott“. Auf der Straße lauschte er seinen Tritten — schwer tönten die Nagelschuhe auf dem Asphalt. Links und rechts beäugten ihn hohe Häuser; die Luft war schlecht und grau. Mit den Augen hatte er nach dem blauen Himmel gesucht und hatte nur ein Stückchen davon zwischen den hohen Häusergiebeln erblicken können. Kein Baum war zu sehen, kein Vogel in der Luft, nur wirre Drähte spannten sich längs und quer. Da bemerkte Matthias, daß die Wagen hier nicht von Pferden gezogen wurden, sondern alleine auf leisen Rädern fuhren und „tüt tüt“ machten, und andere große Wagen fuhren auf Schienen und machten viel Krach und von Zeit zu Zeit „kling kling“ . . . Und dann kam er zu einem grünen Fleck, den man den „Stadtpark“ hieß. Da sah Matthias lauter Tafeln mit Aufschriften wie: „Es ist strengstens untersagt, den Rasen zu betreten“ — „Es ist verboten, Blumen zu pflücken!“ Dennoch stolperte er ein wenig die Wege entlang und trug sich, ob diese Menschen der Stadt ihr ganzes Leben nur auf harten Straßen gehen müssen und nie den weichen, lautlosen Wiesenteppich unter ihren Füßen empfinden dürfen — ob diese Menschen nie die leisen Laute des Waldes, den Duft der blumigen Wiesen und das Singen der Vögel erleben? Und als er so sinnend weiterschritt und den Park hinter sich hatte, war es ihm, als ob hier alles anders war, als auf seinem Dorf. Er sah wieder auf die vielen eiligen Menschen und hatte plötzlich genug von der Stadt. Am Abend war er froh, als er wieder in seinem Zügle saß und nach Hause fuhr . . . Während diese Bilder dem alten Matthias ins Gedächtnis kamen und er dem kleinen Enkel von diesem Tag aus der Stadt erzählte, schickte er ganz leise, ohne Worte und ohne daß der kleine Matthias etwas davon merkte, ein Dankgebet zum Himmel und schaute dabei hinaus auf sein Ländle. Eine heiße Träne holperte ihm über seinen weißen Backenbart, so gerührt war er von der Schönheit seiner Heimat, die ihm so recht ans Herz gewachsen war und die ihm sein Herrgott geschenkt hatte. C. v. H. Leonhard muß Klettern Erzählung von Gwendolin Zarp Die Nacht war eisig, und noch eisiger wurde Leonhard zumute, als er vor der Haustür stand und merkte, daß er seinen Schlüssel vergessen hatte. Leonhard suchte in allen Taschen, aber er besaß den Schlüssel nicht. Die Temperatur war minus 10 Grad, keine Kneipe geöffnet, kein Bekannter in der Nähe, ganz abgesehen davon, daß man nicht um 3 Uhr nachts irgendwo klingeln kann, um zu sagen: Ich habe meinen Haustürschlüssel vergessen. Leonhard fluchte. Er schlotterte vor Kälte und dachte an sein Bett. Hilde Schlotterbeck Zuerst versuchte er festzustellen, ob vielleicht ein Kellerfenster offen stand, dann ging er in den Hof, um die Hintertür zu probieren. Aber alles war eisern verrammelt. Mit blaugefrorenen Fingern rieb er seine Wangen und hustete. Im dritten Stock lag seine kleine Wohnung, unerreichbar fern. Etwas abwesend musterte Leonhard die Dachrinne. Eine halbe Stunde später war er in Höhe des ersten Stocks. Seine Finger Waren ganz abgestorben und die Dachrinne klebrig vor Kälte. Sein linkes Hosenbein war zerrissen, aber unentwegt kletterte Leonhard höher. Natürlich ließen sich einige Geräusche nicht vermeiden, und als Leonhard zwischen dem • ersten und zweiten Stock wie eine Fliege an der Hauswand klebte, öffnete sich unten ein Fenster. Ein Lichtkegel fiel heraus und Leonhard hörte folgenden Dialog: „Ich hör doch was, Mathilde.“ „Nichts, Eberhard, leg dich wieder hin.“ „Ich hör bestimmt was, Mathilde.“ Wenn Leonhard seinen Fuß ausgestreckt hätte, hätte er Eberhard auf den Kopf treten können. Leonhard zog seinen Atem ein und hielt sich mit ’etzer Kraft fest. Das Fenster ging wieder zu und Leonhard brachte sich um ein Geringes höher. Plötzlich hörte er gegenüber eine halblaute Stimme: „Da ist er, zwischen dem ersten und zweiten Stock.“ „Tatsächlich, Emil, rufe die Polizei.“ „Ach was“, sagte der Mann, „der fällt sowieso gleich runter.“ Leonhard klomm wie ein Verzweifelter. Er spürte seine Hände nicht mehr. Das Fenster unter ihm ging wieder auf. „Ich hab’ doch was gehört, Mathilde." Der Mann gegenüber rief jetzt laut und gemütlich: „Da oben is’ er, im zweiten Stock.“ „Siehste, Mathilde“, rief der Mann unterhalb Leonhard, „ruf mal die Polizei an.“ „Lassen Sie nur“, rief der Mann von gegenüber, „der fällt sowieso gleich runter.“ Leonhard wurde von verzweifeltem Husten geschüttelt. Es wurden noch ein paar Fenster hell. Überall sah man Leute, die hinaufstarrten. „Einbrecher“, rief jemand, doch dieser Gemütsmensch von gegenüber beruhigte alle. „Ich seh’s, daß er gleich runterfällt“, rief er mit aller Ruhe, „er fällt genau auf die Kellertreppe, da ist nicht mehr viel zu machen.“ Leonhard brach der kalte Angstschweiß aus. „Leute“, rief er, „ich habe meinen Schlüssel vergessen —“ „Was sagt er?“ fragten alle. „Laßt ihn nur reden“, rief der Mann von gegenüber wieder, „das ist besser, als die Polizei holen. Reden lassen und nichts tun. Der fällt runter wie . . . Alle starrten hinauf. Mathilde drehte den Kopf nach oben und rief: „Er ist genau über uns. Tu den Kopf weg, wenn er fällt.“ Leonhard wurde vor Verzweiflung heiß. Noch ein paar Meter, dachte er, dann bin ich oben. Hilda Schlotterbeok Er war ziemlich genau unter seinem Fenster, aber er war so matt, daß er eine ganze Weile hing. „Gleich“, rief der Mann von gegenüber, „gleich ist es soweit. Er fällt genau auf die Kellertreppe.“ Leonhard machte eine letzte Anstrengung. Sein Anzug war total hin. Er spreizte den Fuß und stellte ihn auf seine Fensterbank. Er drückte das Fenster auf und schwang sich im Reitsitz hinauf. „He“, schrie er in den Hof, „ich habe meinen Schlüssel vergessen. Das ist alles. Nur meinen verdammten Schlüsses habe ich vergessen —“ Plötzlich wurde das Zimmer hell. Leonhard wandte sich um und stand vor einem robusten Mann, der sich mit einem Spazierstock bewaffnet hatte. Er war — im Nebenhaus gelandet. Völlig zerschlagen ging er um sechs Uhr morgens in sein richtiges Heim. Die Haustür war dort die ganze Nacht offen gewesen. Kunfttoerke, Öle erneuert rouröen Es ist jedesmal ein kleines Fest für die Kunstfreunde in Uberlingen, wenn eines der Bildwerke, die vor dem Kriege im Münster aufgestellt waren, an seinen alten Plate zurückkehrt. Vorwiegend sind es die Sehrütz- figuren vom berühmten Hochaltar des Jörg Zürn, die nach langer Verborgenheit aus ihrer bombensicheren Obhut wieder hervorgeholt werden. Vor der Wiederaufstellung wurden sie dem bewährten Freiburger Restaurator, Professor Hübner, zur Reinigung, Ergänzung und Wiederauffrischung zugestellt. Ein Teil der Figuren ist bereits erneuert worden, in nächster Zeit wird der gesamte Altar wieder in seiner vollen Ausstattung gezeigt werden können. Aber auch die Teilstücke geben bereits einen überzeugenden Eindruck von der Kunst des Uberlinger Meisters. Durch die Renovierung sind nicht nur die ursprünglichen Farben wiederhergestellt worden, sondern die Figuren haben durch die Reinigung die alte plastische Ausdrucksfähigkeit erhalten, nachdem die dicken Farbschichten der Übermalung entfernt worden sind. Das Uberlinger Altarwerk ist eines der wenigen Kunstwerke, das im Rahmen der Renaissancekunst noch die vollplastische gotische Ausdrucksfähigkeit der Figuren zeigt. Man spürt in diesem Werk, das in den Jahren 1613 bis 1616 entstand, den Kampf zwischen zwei Weltanschauungen. Jörg Zürns starkem Talent ist es gelungen, eine Brücke zwischen den beiden Ufern zu schlagen. Ein anderes Kunstwerk, das rund hundert Jahre früher entstand, erregte in Freiburg berechtigtes Aufsehen. Es ist die Schutz- mantelmadonna des Bildhauers Hans Sixt von Staufen, die an ihren alten Plate In der Lochererkapelle im Freiburger Münster zurückgekehrt ist Auch dieses Kunstwerk wurde vom Meister Hübner erneuert und zeigt sich jetzt wieder in der schönen Ursprünglichkeit seines Originalzustandes. Im Gegensatz zu den meist farbig bemalten Schnitzwerken der gotischen Zeit, ist diese Darstellung im warmen Naturton des Lindenholzes gehalten. Die ausdrucksvolle Schönheit der Plastik wirkt darum viel unmittelbarer, weil sie die Besonderheiten der Spätgotik — die Freude an der vollplastischen Bewegung, die realistische Auffassung der Gesichter und die schwere Fülle des Faltenwurfs — besser als vorher erkennen läßt. Das Schutzmantelmotiv wurde damals bewußt aufgenommen, um vielfigurige Gruppen zu zeigen und dem Marienkult einen neuen Auftrieb zu geben. Das Schnitzwerk des Meisters Hans Sixt (entstanden ums Jahr 1520) ist eines seiner besten, weil es den einzelnen Köpfen eine fast porträthafte Prägung gibt. Es entstand noch aus der Gebundenheit der späten Gotik, läßt aber bereits jene individuelle Prägung erkennen, wie sie zu jener Zeit von Dürer gestaltet wurde, der auf seinen italienischen Reisen den geistigen Kontakt mit der Renaissance in Italien hergestellt hatte. Von einer ganz anderen Art ist das dritte der Kunstwerke, das vor einiger Zeit in den Lichtkreis einer neuen Betrachtung trat. Es ist das berühmte Freudenstädter Lesepult, ein Schnitzwerk, das aus der Mitte des 12. Jahrhunderts stammen dürfte. Auch ihm gab Professor Hübner den ursprünglichen Zustand zurück. Es ist also nicht nur erhalten geblieben (während die Kirche in Freudenstadt vernichtet wurde), sondern zeigt sich nun wieder in der unverfälschten Schönheit seiner Entstehungsjahre. Unter verschiedenen Farb- schichten einer späteren Zeit wurden die reinen, ungebrochenen Farben der Originalfassung entdeckt. Blau und Dunkelgrün für die Gewänder, fleischfarben sind die Töne für Gesichter und Hände, und das Rotbraun der Haupt- und Barthaare steht im wirkungsvollen Kontrast zum leuchtenden Orangerot, mit dem die Gewänder umsäumt sind. Ferner wurde festgestellt, daß das Schnitzwerk, welches die vier Evangelisten zeigt, die das Lesepult tragen, aus einem Stück geschnitzt ist. Daraus erklärt sich die unverwüstliche Haltbarkeit dieser Figurengruppe, die nunmehr rund achthundert Jahre alt ist. Noch sind die Rätsel, die um die Entstehung dieses Kunstwerkes kreisen, nicht gelöst. Ungewiß ist seine Herkunft. Mit einiger Wahrscheinlichkeit nimmt man an, daß es aus dem Kloster Al- pirsbach stammt. Ungeklärt ist auch, von welchem Meister dieses Schnitzwerk geschaffen wurde. Manche Züge weisen auf lombardische Künstler, die damals im Südwesten Deutschlands tätig waren. Es fehlt aber auch nicht an Zusammenhängen, die auf schwäbische Meister hinweisen; in jedem Falle ist dieses Werk eines der ausdrucksvollsten jener Kunst, die wir als Wesensmerkmal der Staufenzeit kennen. F. Wiedermann Deutschland hl seinen natürlichen Landschaften Im Ferdinand Dümlers Verlag, Bonn, brachte Hans Mann eine kleine Deutschland-Kunde unter dem Titel „Deutschland in seinen natürlichen Landschaften“ heraus, das sich nicht nur für den Geographieunterricht in Schulen eignet, sondern auch in der Hand Älterer nicht ohne Wert ist. In übersichtlichen Kartenbildern, die im Schulunterricht entstanden sind, werden hier sämtliche deutschen Landschaften in kurzer, übersichtlicher Darstellung gezeigt, wobei nicht nur auf die typischen landschaftlichen Gegebenheiten abgehoben, sondern auch auf geschichtliche und wirtschaftliche Zusammenhänge außerordentlich reizvoll hingewiesen wird. Selbst volkskundliche Dinge werden dabei nicht vergessen. E.S. Olaf Sailes Kepler-Roman neu aufgelegt Der Verlag Fleischhauer & Spohn, Stuttgart, brachte das vielgelesene Buch von Olaf Saile „Kepler — Roman einer Zeitenwende“ in 8. Auflage neu heraus. Das Buch, das damit die 50 000-Auflage überschritten hat, ist längst zu einer Art Volksbuch über Kepler geworden, was es nicht zuletzt dem flüssigen, allgemeinverständlichen Stil verdankt, der bei allem Schwingen und Schweben doch auch das astronomische Werk Keplers zu umreißen weiß und damit die Persönlichkeit Keplers mitten hinein in die Problematik seiner Zeit stellt. Einer der größten Schwaben hat darin eine volkstümliche und doch zugleich würdige Darstellung gefunden. E. Sch. Jefferson Davis und Annette von Droste-Hülshoff Was hat Jefferson Davis, der „Rebellenpräsident“ der Südstaaten im amerikanischen Bürgerkrieg, mit Annette von Droste-Hülshoff, der großen deutschen Dichterin, zu tun? Beide lebten im 19. Jahrhundert in zwei verschiedenen Erdteilen und kannten einander vielleicht kaum dem Namen nach. Heute sind sie durch seine Urgroßnichte Helen Baronin von Bothmer, geborene Davis, und ihren Gatten, der ein Urgroßneffe der Annette ist, miteinander verbunden. Hoch oben über dem tausendjährigen Meersburg am Bodensee verwalten sie das Erbe der Droste als einen Dienst an der Menschheit Ein Weltbürgertum eigener Art waltet in dem 350jährigen Lustschlößchen des ehemaligen Fürstbischofs Konrad Fugger von Konstanz, das sogenannte „Fürstenhäusle“, das jetzt wieder wie einst den Droste-Hülshoff- Bothmer gehört, ist ein Schatzkästlein im Biedermeierstil und nennt sich heute Droste- Museum. Es beherbergt die Möbel und Habseligkeiten der Dichterin, ihre Bücher, Bilder, das alte Spinett, auf dem sie ihre Gedichte vertonte, ihre Briefe, und sogar ihren zarten Spitzentüll - Sonnenschirm mit dem elfenbeinernen Griff. Für deutsche Besucher spricht Baronin Helen, die aus dem amerikanischen Süden stammende Farmerstochter, die in New York Modeschöpferin war, deutsch und führt die Gäste persönlich durch ihr „Museum“. Helen Davis-Bothmer ist überzeugt, daß Annettes Werk für unsere Zeit wegweisend sein wird. Daß es gerade eine Amerikanerin ist, die sich mit glühender Verehrung dieses deutschen Kulturerbes annimmt, gibt eine lebendige Vision von dar „einen Welt“, von der die Politiker träumen. Ein Besucher schrieb ihr diese Worte: „Daß eine Frau vom anderen Kontinent mit liebender Sorgfalt die Dinge hegt, die uns als letzte Weihestätten des deutschen Wesens heilig sind, birgt mehr Versöhnliches in sich als die Politiker aller Nationen je unter die Menschen zu bringen vermögen“, *4 i-.'V on Mit dem Fidelen Soiuitagsbumniler nadt Kodtendort i;; Besichtigung des Kochendorf ec Sslzbergwerkes — 40 Kilometer Schächte und Stollen der in seiner wuchtigen Schlichtheit als Ehren- leid, um zu sehen, wie dort das Kochsalz her- dom der Arbeit eine einmalige Leistung dar- gestellt wird. In den Siedhäusern wird aus stellt. An seinem weiten Rund sind sechs Ni- der gewonnenen Sole bltitenweises Siedesalz sehen herausgesprengt, einige von ihnen zei- hergestellt, dort verpacht und zum Verbrauch Der Deutsche Gewerkschaftsbund, Ortsausschuß Bruchsal und Bretten unternahm am Sonntag für die Mitglieder und ihre Angehörigen einen Maiausflug nach Bad Friedrichshall — Kochendorf in das Salzbergwerk und nach der Saline Jagstfeld. Die Fahrt ging mit dem Fidelen Sonntagsbummler über Bretten, Heilbronn nach Kochendorf. Die Bruch- saler Feuerwehrkapelle und Schallplattenmusik aus dem Uebertragungswagen sorgten für die nötige Unterhaltung während der Bahnfahrt. Auf dem Bahnhof in Kochendorf hieß der Bahnhofvorstand und der Betriebsrat des Salzbergwerkes die Gäste herzlich willkommen. Der Betriebsrat gab seiner Freude Ausdruck, daß sich immer wieder Menschen finden, die Interesse für die schwere Arbeit der Bergmänner zeigen. Die Sonntagsbummler verließen die Wagen und unternahmen einen Rundgang durch das Bergwerk. Zuerst wurde die Maschinenhalle besichtigt, dann die eigentlichen Schachtanlagen. In 50 Sekunden fährt man mit dem Förderkorb in das Bergwerk ein. Viele hatten; bei der Fahrt in die Tiefe, ein beklemmendes Gefühl, doch zeigte sich danach, daß es nur halb so schlimm war. Tief in der Erde, fast 200 m unter der Erdoberfläche, erstreckt sich das Salzlager. Der Schacht ist vollkommen trocken, der Besucher, der erstmals die Grube betritt, ist überrascht von dem gewaltigen Eindruck, der auf ihn wirkt. Die Grubengänge und Nischen sind hell erleuchtet, das Glitzern der Salzkristalle ist märchenfaauft. Vor allem ist es ein großes Erlebnis, tief in der Erde überall von glitzerndem Salz umgeben zu sein. Wenn ein Besucher alle Strecken durchwandern wollte, gen hervorragende herausgehauene Reliefs, die Szenen aus dem Bergmannsleben wiedergeben. Ausgelassenheit und bange Scheu empfanden alle Besucher bei der fröhlichen Rutschbahn, die in 40 m Länge einen Höhenunterschied von 12 m ausgleicht und zeigt, wie vor wenigen Jahrzehnten noch in manche Bergwerke eingefahren wurde. Zum Abschluß stellte »ich die Kapelle im Kuppelsaal auf und spielte den Gästen und Besuchern einige Ständchen. Danach erfolgte die Auffahrt, um den knurrenden Mägen zu, beruhigen. In verschiedenen Gaststätten wurde zu Mittag gegessen und -danach konnte jeder tun und lassen, was er wollte. Viele gingen in die Saline in Jagstr abgeschickt. Einige gingen an den schönen Neckarstrand oder fuhren mit dem Motorboot nach dem schönen und interessanten Städtchen Wimpfen, ander» schlossen sich der Musikkapelle an und gingen gleich in das Bad- Hotel, um das Tanzbein zu schwingen. Bei fröhlicher Musik und Tanz saßen nun die lustigen Sonntagsbummler bis zur Abfahrt des Zuges zusammen. Um 17 Uhr wurde die Heimfahrt angetreten, die durch das schöne Neckartal führte. Der Leiter des Uebertra- gungswagens machte die Sonntagsbummler mit den Sehenswürdigkeiten des Neckartales bekannt. Nach einem kurzen Aufenthalt, in Heidelberg, fuhr der Zug weiter und kam um 19 Uhr in Bruchsal an, wo dann die Feuerwehrkapelle das Abschiedsständchen spielte. Internationale Modenschau in Bruchsal Ein Querschnitt durch die Weltmode des Jahres 1950 Radfahrer! Bein und Fuß brauchst Du zum Treten Die Hände müssen Zeichen geben, Links,, auch rechts, daß jeder denkt: r „Achtung! Hier wird eingelenkt". Doch man ka»n‘s Euch nie gestatten, Ganz den Lenker loszulassen; Eine Hand muß immer führen, Sonst könnt' leicht etwas passieren. Am Freitag, den 26. Mai, jeweils 16.00 Uhr und 20.00 Uhr, findet im Europa-Cafe eine Internationale Modenschau statt. Gezeigt werden die neuesten Schöpfungen aus Paris, London und Amsterdam. Namen von Modekönigen wie Jaques Fath, Jean Desses, Jean Patou, von Modeköniginnen wie Mrs. Clair und Madame v. d. Boogaart bürgen für einzigartige Vorführungen. — Diese Modenschau will dem Publikum einen Querschnitt durch die Moden der Welt im Jahre 1950 geben. Sie ist äußerst vielseitig und enthält Kleider für den Morgen, für die Straße, für den Nachmittag, für den Abend, für die Gesellschaft, für den Strand. Der Zuschauer soll einen Begriff bekommen was es heißt, „Modeschöpfer" zu sein. Es gehört mehr als bloßes Können dazu, Modeinspirationen zu Form und Linie werden zu lassen. Die Internationale Modenschau wurde bisher in zahlreichen Großstädten, u. a. in Frankfurt, München, Augsburg, Stuttgart und auch in Karlsruhe gezeigt. Ueberall nahm das Publikum lebhaften und freudigen Anteil an der Vielfältigkeit, ja der Eleganz dieser Modenschau. Eine besondere Note erhält die Schau durch die Beteiligung führender Bruchsaler Firmen, des Herren- und Knabenkonfaktionshauses Kruse & Kurzenberger, des Schuhhauses Kastin, des Pelzhauses Krauth, des Radiohauses Leist, des Photohauses Ohler, des Lederwarengeschäftes Lenhard. Für den Schmuck sorgt Frie- derich & Cie., für die Strickmodelle die Firma Schermeck in Forst. Alle diese Firmen wollen dem Publikum zeigen, daß sie in jeder Beziehung auch den verwöhntesten Ansprüchen gerecht werden. SdtluBverk&aie, LadeBsddaß, Sdtaafensterware Eine Stellungnahme der Industrie- und Handelskammer Mannheim so müßte er einen Weg von mehr als 40 km zurücklegen. Das Salz wird so gebohrt und herausgesprengt, daß zwischen den Gängen und Nischen mächtige Salzpfeiler von 10 m Breite stehen, die die hangenden Schichten tragen und einen Einsturz verhindern, der eine Vernichtung des ganzen Bergwerks bedeuten würde. Zum Schluß der Besichtigung wurden die Besucher in den schön ausgebauten Festsaal geführt, in dem glitzernde Kristallblöcke eine Salzsee-Grotte umgeben. In einer zweiten Grotte steht die Schutzpatronin der Bergleute — die hl. Barbara —. Besonderes Interesse fesselt den Besucher die aus gewaschenem Salzgestein fein herausgearbeitete Kanzel. Tiefen Eindruck vermittelt der Kuppelsaal, In einer Stellungnahme der Industrie- und Handelskammer Mannheim zu einer vom Deutschen Industrie- und Handelstag in Aussicht gestellten Aenderung der Anordnung über den unlauteren Wettbewerb vom 15. Mai 1935, tritt diese für die Beibehaltung der Sommer- und Winterschlußverkäufe ein. Sinn dieser Schlußverkäufe sei, am Ende des jeweiligen Verbrauchsabschnitts die nicht gangbaren Waren unter Verzicht auf Verdienst abzustoßen, um Mittel für neue, Umsatz versprechende Ware frei zu bekommen. Der Möbelhandel, der von den Ausverkaufsveranstaltungen ausgeschlossen ist, empfiehlt die ausnahmsweise Durchführung eines Sonderverkaufs, um die unverkäuflichen Lagerbestände absetzen zu können. Schwierigkeiten bereite die rechtzeitige Unterrichtung des Publikums, di« — der Vorschrift entsprechend — erst am Samstag nach Geschäftsschluß erfolgen darf, um den teilweise vorzeitigen Beginn der Verkäufe zu verhindern. Zur Frage einer gesetzlichen Regelung der Ladenschlußzeiten wird ausgeführt, daß die Offenhaltung der Ladengeschäfte am Samstagnachmittag zu den Berufspflichten des Einzelhandels gehöre und es dem Arbeitgeber überlassen bleiben müsse, die Oeffnungszeiten innerhalb der durch die Arbeitszeitordnung festgelegten Grenzen selbst zu bestimmen. Eine bundeseinheitliche Regelung mit dem verkaufsfreien Samstag-Nachmittag, wie er verschiedentlich von Gewerkschaftsseite gefordert wurde, sei im übrigen nicht mehr akut. Bezüglich des Verkaufs von Schaufensterware steht die Kammer zur Verhinderung unlauteren Wettbewerbs zwar grundsätzlich auf dem Standpunkt des Kontrahierungszwanges, das heißt, daß jedes ausgestellte Stück auch als „angeboten“ im Sinne des bürgerlichen Rechts angesehen werden müsse, womit aber nicht gesagt sei, daß damit auch die sofortige Herausnahme der Ware aus dem Schaufenster verbunden sei. Vor dem Brudtsaler Strafrichter Geldstrafen für Ruhestörer — Beachtet die Impfpflicht für Vieh Kirchweih* war gewesen, als der Angeklagte R. gegen 1 Uhr nachts zu Hause ankam und feststellen mußte, daß er keinen Hausschlüssel bei sich hatte. Er wohnt in einem Einfamilienhaus, er oben, seine Frau unten. Mit seiner Frau lebt er in Scheidung, was allerdings kein Grund gewesen wäre, in einer Art und Weise Einlaß zu begehren, daß in den umliegenden Häusern der Nachbarschaft die Leute ■wach wurden. R. trommelte und wetterte gegen die Haustüre, bis seine Frau und seine Tochter auf der anderen Seite entsetzt aus dem Fenster sprangen und die Polizei verständigten. Nach diesem fruchtlosen Bemühen, seine Frau „aufzu wecken“, suchte R. wieder das Weite. Zwei Stunden später, etwa 3 Uhr nachts, kehrte er, aller Wahrscheinlichkeit nach etwas angeheitert, zurück und es folgte eine zweite „Mißhandlung“ der Haustüre. So wenig Verständnis R. für die Nachtruhe seiner Mitmenschen hatte, so aufmerksam erwies er sich auf der anderen Seite, wenn es galt, für sich selbst Ruhe zu schaffen. So erschien er am Neujahrstag im unteren Stockwerk, als seine Tochter einige junge Leute, darunter einen Ziehharmonikaspieler, eingeladen hatte, und machte den Gästen in unmißverständlicher Weise klar, daß sie hier ziemlich überflüssig seien, obgleich doch die Frau mit ihrer Tochter im ersten Stock eigene-Räume bewohnte. Das Gericht verurteilte den unfriedlichen Ehemann wegen Ruhestörung zu einer Geldstrafe von 35.— DM oder im Falle Nicht- beibringlichkeit zu 7 Tagen Gefängnis. Immer wieder häufen sich in letzter Zelt die Fälle, daß. Viehbesiteer den bestehenden Vorschriften des Seuchengesetzes gleichgültig oder gar ablehnend gegenüberstehen. Schon mehrere Male mußte deshalb in letzter Zeit gegen fahrlässige Landwirte strafend eingeschritten werden, denn nur durch strikte Durchführung der Schutzimpfung kann der immer mehr um sich greifenden Gefahr der Vieh-Tuberkulose Einhalt geboten werden. Die gestrige Hauptverhandlung vor dem Bruchsaler Strafrichter sollte die Viehbesitzer auf die Folgen einer Nichtbeachtung dieser Bestimmungen aufmerksam machen, r— Ein greiser Landwirt hatte auf die Bekanntmachung durch den Lautsprecher hin seinem Sohn den Auftrag gegeben, das Vieh zur Sammelstelle zu bringen. Auf dem Weg dorthin wurde der Sohn aber von einem Auto gestreift und am Arm verletzt. Er brachte das Vieh noch zum Arzt, sagte ihm aber, daß er die übrigen Tiere wegen der Armverletzung nicht mehr herführen könne. Der Tierarzt hatte Verständnis und kam selbst mit zum Haus des Landwirts, wo dann die Impfung durchgeführt wurde. Einige Zeit später sollte Nachuntersuchung sein. Der Sohn mußte aber noch immer seinen Arm pflegen. Nun ja, der Arzt würde auch diesmal schon von allein kommen, dachte der Vater und ließ seine Kühe im Stall, ohne irgendjemanden zu verständigen. Noch gleichgültiger zeigte sich der Landwirt O. Er sei bei der ersten Vorführung krank gewesen, gibt er an, und habe deshalb seinem Schwiegersohn den Auftrag gegeben, die Kühe zum Impfen wegzuführen. 7 Tiere besitzt O. Aber es wurden lediglich 4 Stück davon zur Sammelstelle gebracht. Bei der zweiten Vorführung, kurze Zeit darauf, war' er gerade im Begriff, zwei Tiere zum Tierarzt zu bringen, sah aber, daß hier alles still und verlassen war (der Tierarzt machte gerade Mittagspause), nahm seine beiden Tiere und brachte sie wieder nach Hause im Glauben, daß man mit der Impfung bereits Schluß gemacht habe. In beiden Fällen erkannte das Gericht wegen fahrlässiger Zuwiderhandlung gegen die Bestimmungen des Seuchengesetzes auf eine Geldstrafe von 15.— DM bzw. auf eine Gefängnisstrafe von 3 Tagen. H. Brndtsaler Allerlei Heimatbund Kraichgau und Bruhrain. Am Samstag vor Pfingsten, den 27. Mai, findet unter Führung von Prof. Wiedemann eine Exkursion in das Naturschutzgebiet auf dem Michaelsberg statt. Dabei wird auch der Burgkapelle in Obergrombach, die eine Reihe von Sehenswürdigkeiten birgt, ein kurzer Besuch abgestattet. Die Teilnehmer treffen sich um 13.30 Uht beim Gasthaus zum Prinz Max. Die Leitung des Heimatbundes bittet um zahlreiche Beteiligung. Bund der Fliegergeschädigten. Der Bund der Fliegergeschädigten, Flüchtlinge und Sparer hält am morgigen Freitag, den 26. Mai, 20.30 Uhr, im Prinz Max eine Versammlung ab. Behandelt werden das von der Deutschen Gemeinschaft veranlaßte Volksbegehren über die Auflösung des württemberg-badischen Landtags, sowie die wichtigsten Probleme des Lastenausgleichs. Das Erscheinen aller Mitglieder ist, wie die Bruchsaler Vorstandsehaft mitteilt, dringend erforderlich. Seifenkistlrennen 1950. Der Bruchsaler Jugendring veranstaltet am Sonntag nach Pfingsten, den 4. Juni, unter der Schirmherrschaft von GYA (German Youth Activity) wieder »in Seifenkistlrennen. Das vorbereitende Komitee tagte kürzlich im Denner, um die organisatorischen Fragen durthzusprechen. Meldeschluß ist am Freitag, den 26. Mai. Meldungen nehmen entgegen: Die Geschäftsstelle des Jugendrings, Villa Löchner, II. Stock, Unter- öwisheimer Straße, sowie Herr Kürz, Restauration zum Denner. Das Rennen wird wie letztes Jahr auf der Beethoven- und der Söternstraße gefahren, die beide für diesen Zweck noch besonders instandgesetzt werden. Den- Siegern winken wertvolle Preise, die von Bruchsalern Geschäftsleuten gestiftet wurden, und geschmackvoll ausgeführte Plaketten. Außerdem besteht die Möglichkeit, daß für das Rennen noch ein Wanderpreis zu:r Verfügung gestellt wird. In entgegenkommender Weise bewilligte das Autohaus Wittemann, das auf der Strecke eine Reparaturwerkstätte aufbaut, mehrere kostenlose Radsätze, sodaß auch ärmere Jungen die Teilnahme am Rennen ermöglicht werden kann. Die Teilnehmer und die Zuschauer sind selbstverständlich gegen jeden möglichen Unfall versichert. Die beim Rennen für 10 Pfennig ausgegebenen Programme berechtigen zum Eintritt. Marktbericht. In der Bruchsaler Großmarkthalle wurden am Dienstag, 23. Mai, folgende Preise erzielt: Für Kirschen: Sorte I 65—67; für Spargel: Sorte I 105—116, Sorte II 83—93, Sorte III 52—58, Sorte IV 26—29. Schule und Unfailverhütungswoche. Der Chef der Bruchsaler Stadtpolizei, Bissinger, hielt gestern morgen vor den Schülern des Realgymnasiums einen Vortrag über das Verhalten im Straßenverkehr. Im Jahre 1947, so führte er u. a. aus, hätten eich in der amerikanischen und britischen Zone 36 000 Verkehrsunfälle ereignet und 3000 Menschen hätten dabei ihr Leben verloren. In den folgenden Jahren habe sich die Zahl der Verkehrsunfälle in einem unheimlichen Tempo vermehrt, 1948 seien es 50 000 Unfälle mit 3200 Toten und 1949 96 000 Unfälle mit 3500 Toten gewesen. -In Bruchsal selbst trügen sich im Monat etwa 9 Verkehrsunfälle zu. Diese Zahl sei gering, wenn man bedecke, daß täglich 20 000 Fahrzeuge die Stadt passierten. An Hand vieler praktischer Beispiele, wie sie nur eine langjährige Erfahrung mit sich bringen kann, machte der Chef der Polizei den Schülern klar, daß nur äußerste Sorgfalt vor Schaden im Straßenverkehr schützen könne. Besonders die Radfahrer würden oft ein bodenlos leichtsinniges Verhalten an den Tag legen. Von allen Verkehrsteilnehmern müsse verlangt werden, daß sie wenigstens die wichtigsten Verkehrszeichen kennen würden. Rom in Wort und Bild Auf vielseitigen Wunsch wird der Lichtbild ervortrag von Studienassessorin Dr. Riffel, Über „Rom im Zeichen des M. Jahres“, am Donnerstag, den 25. Mai, 20.39 Uhr, im Jugendheim von St. Peter, wiederholt. Die Bevölkerung, besonders die katholische Jugend ist zu dem Vortrag herzlich eingeladen. Vorbeugen ist besser als heilen Ein Aufruf der Gewerkschaf ten zur Unfailverhütungswoche Unfallschutz und Unfallverhütung sind für die Gewerkschaften keine neuen Arbeits- und Aufgabengebiete. Die Bedeutung dieser Probleme wurde von ihnen längst erkannt. Seit Bestehen der Gewerkschaften wird auf diesem Gebiet mit Erfolg gearbeitet. Alarmierend sind die Zahlen der Betriebsunfälle. Erschreckend die Zahl der Todesopfer. Das wertvollste Gut, das uns nach dem Zusammenbruch im Jahre 1945 geblieben ist, ist die menschliche Arbeitskraft. Sie zu schützen, ist höchstes Gebot. Deshalb muß den Unfallgefahren mit allen Energie entgegengetreten werden. Die Betriebsräte haben nicht nur das Recht, sondern die zwingende Pflicht, in ihren Betrieben dafür zu sorgen, daß der Unfallschutz durchgeführt und die Unfallgefahren beseitigt werden. Unfallschutz und Unfallverhütung müssen dauernd beachtet werden. Die Unfallverhütungswoche ist ein Warnruf, die Arbeitnehmer wachzurütteln und sie erneut auf die Unfallgefahren aufmerksam zu machen. Keine, auch nicht die beste Versicherung, kann den Verlust von Gliedmaßen ersetzen. Deshalb die Parole: Vorbeugen ist besser als helfen, Verhüten ist besser als entschädigen! Speiseeis in Milchgeschäften. Der Präsident des Landesbezirks Baden, Abteilung Innere Verwaltung, teilt mit: Es bestehe keine Bedenken, wenn in Milchgeschäften Creme-Eis, Frucht-Eis, Rahm-Eis, usw. in abgepacktem Zustand verkauft wird. Voraussetzung ist allerdings, daß das Eis in einem besonderen Teil des Ladens aufbewahrt und nicht zusammen mit der Milch abgegeben wird. Bei der Herstellung und beim Verkauf müssen die örtlichen Gemei ndeVerordnungen über den Verkehr mit Speiseeis beachtet werden. Keine Aenderung des Schuljahrbeginns. Der kulturpolitische Ausschuß des württ.-badischen Landtages hat dem Plenum vorgeschlagen, über eine Verlegung des Beginns und Endes des Schuljahres in diesem Jahr nicht mehr zu beschließen. Bei einer Verlegung des Beginns des Schuljahres von Sommer auf Frühjahr müßte entweder das achte Volksschuljahr einmalig verkürzt oder um ein halbes Jahr bis zum Frühjahr 1951 verlängert werden. Ausschußmitglieder erklärten, der Ausschuß könne es nicht verantworten, das Schuljahr zu verkürzen, da in diesem Falle im Herbst und im kommenden Ü! Donnerstag, 25. Mai 1950 Neuburger sprach in Kirrlach Lebhafte Debatten Aber Frühjahr je ein Jahrgang Schulentlassener den Artoeitsmarkt belasten würden. Einer Verlängerung des Schuljahres stehe jedoch der Mangel an Schulraum entgegen. Heimatabend der vertriebenen Deutschen. Am Montag fand im Gasthaus zum Engel wieder ein Heimatabend der in Bruchsal ansässigen Neubürger statt. Nach Erledigung des geschäftlichen Teiles erfreute die Singgruppe die Anwesenden mit Volks- und Heimatliedern. Chorleiter Baldas sprach hierauf über dis Bedeutung des Volksliedes, das zu den schönsten Blüten am Baume der deutschen Literatur gehöre. Zwei Heimkehrer berichteten über ihre Erlebnisse in der Sowjetunion, bzw. der Tschechoslowakei, wobei die unsägliche Tyrannei, der die Kriegsgefangenen im Osten unterworfen waren, erneut offenbar wurde. Arbeiterwohlfahrt Bruchsal. Um den vielen berufstätigen Frauen unserer Stadt auch Gelegenheit zu geben, ihre Näharbeiten unter Leitung einer erfahrenen Schneidermeisterin ausführen zu können, hat die Arbeiterwohlfahrt jetzt zweimal wöchentlich, dienstags und freitags, von 19—22 Uhr in ihren Räumen, Schönbornstraße 22, Nähstunden eingelegt Dafür bleibt die Nähstube an diesen Tagen nachmittags geschlossen. Wir erfüllen damit den Wunsch vieler Bruchsalerinnen und bitten von dieser Gelegenheit ausgiebigen Gebrauch zu machen. Auch Basel—Bruchsal elektrisch. Die Elektrifizierung der Hauptverkehrsstredce Stuttgart—Bruchsal—Mannheim ist nunmehr gesichert. Ministerpräsident Reinhold Maier erklärte anläßlich einer Brückeneinweihung in Heilbronn, daß demnächst mit den Montagearbeiten bis Vaihingen-Enz begonnen werde. Aus Freiburg verlautet, daß Südbaden die Elektrifizierung der Rheintalstrecke vorbereite, beginnend in Basel und endend in Bruchsal, wo der Anschluß an die bis dahin bereits elektrifizierte Strecke von Stuttgart her erreicht wird. Südbaden sei bereit, der Bundesbahn für die Elektrifizierung der Rheintallinie erhebliche Kredite zur Verfügung zu stellen. Der Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Bruchsal-Bretten, Rechtsanwalt Neuburger, sprach kürzlich in Kirrlach über aktuelle politische Tagesfragen. Zunächst erörterte er die Kriegsopferversorgung, die im wesentlichen unzulänglich sei. Dem Bund liege bereits ein neues Kriegsbeschädigtengesetz vor, das erhebliche Verbesserungen bringe. Schon im Etat für das Jahr 1950/51 sei eine Erhöhung der Leistungen um 300 Millionen DM vorgesehen. Lebhaft debattiert wurde die Frage der Steuern. Die Senkung der Zigarrensteuer im Februar d. Js. habe sich sehr belebend ausgewirkt. Hunderte von arbeitslosen Tabakarbeiterinnen hätten wieder Verdienst gefunden. Eine Senkung der Zigarettensteuer dagegen werde gegenwärtig noch nicht erarbeit und die allgemeine Notlage zwinge zu einem frühzeitigen Geldverdienen. Andererseits gäbe es aber auch eine ganze Reihe wichtiger Punkte, die eine Verlängerung der Schulzeit erforderlich machten. Den jetzigen Schulklassen, die die Kriegs- und die Nachkriegszeit mit all ihren üblen Erscheinungen mitmachten, fehle mindestens ein Jahr Ausbildung. Das niedrige Bildungsniveau politische Tagesfragen wogen. Die Zigarettenindustrie fordere jedoch eine 6 2 /«-Pfennig-Zigarette, um den Umsatz zu steigern und den Schmuggel entscheidend zu treffen. Es sei ein unhaltbarer Zustand, daß 400 Millionen Zigaretten, 40 Prozent des gesamten Verbrauchs, monatlich in das Bundesgebiet hereingeschmuggelt würden. Eingehend befaßte sich Neuburger mit dem Spätheimkehrergesetz. Es komme erstens einmal viel zu spät und gebe zudem dem Heimkehrer keine ausreichende Hilfe. Der Abgeordnete versprach, sich beim Arbeitsministerium für den Erlaß einer Verordnung einzusetzen, die den Spätheimkehrern in bezug auf die Beschaffung von Arbeitsplätzen ähnliche Rechte wie den Schwerbeschädigten zubilligt. Einen breiten Raum in der Debatte nahmen die Erörterungen über die schrankenlose längerung der Schulzeit nur vorteilhaft auswirken. Auch Bürgermeister Heger plädierte für die Schulzeitverlängerung. Der Leiter des Arbeitsamtes Philippsburg, Reg.-Inspektor Schmitt, wies auf die Verantwortung der Eltern hin und ging in ausführlicher Weise auf das Problem der Lehrstellenbeschaffung ein. Allein von den schulentlassenen Jungen und Mädchen des Vorjahres seien im Landkreis Bruchsal noch 550 ohne Verhfirznng oder Verlängerung der Schulzeit Lebhafte Debatten in einer Elternver Sammlung der Volksschule Wiesental Die Volksschule Wiesental veranstaltete mancher Schüler sei geradezu erschreckend, kürzlich im Gasthaus zum „Löwen“ eine El- worüber die Handwerks-, die Industrie- und temversammlung. Dabei stand die Frage Handelskammern immer wieder Klage führ- einer Verkürzung oder Verlängerung der ten. Dazu sei die Beschaffung von Lehr- Schulzeit zur Diskussion. Rektor Kerner be- stellen gegenwärtig denkbar ungünstig, handelte das Thema in aller Gründlichkeit Kaum 10 Prozent der bei einer Schulzeit- und Offenheit. Für eine Verkürzung der Verkürzung zur Entlassung kommenden Schulzeit sprächen folgende Tatsachen: Die Schüler könnten untergebracht werden. Bil- Eltem brauchten die Kinder für die Feld- . dungs- und Reifemäßig werde sich eine Ver- 3itmi und quet ducch JMtippskwq Gastspiel des Volkstheaters Heidelberg. Man hätte sich zu dieser herrlichen Aufführung von Emmerich Kalman's „Die Csardasfürstin“ ein stärker besetztes Haus wünschen mögen. Das Gastspiel des Volkstheaters Heidelberg übertraf mit dieser prächtigen Operette alle Erwartungen und schenkte den wenigen Besuchern einen genußreichen Abend, dessen Niveau sich würdig den vorausgegangenen Veranstaltungen der Heidelberger Künstlergemeinschaft anreihte. Hannelore Sturm und Conny Oerlein u. a. hatten sich schon früher dem Philippsburger Publikum wärmstens empfohlen und Hans Tytho war von seiner Paganinipartie noch in guter Erinnerung. Dazu gab dann Helene L. Emig als Sylva in Philippsburg ein glänzendes Debüt. Mondän und extravagant, faszinierend und sympathisch wurde sie der schwierigen Rolle sowohl in darstellerischer, wie auch in stimmlicher Hinsicht selbst in den feinsten Nuancen gerecht. Hannelore Sturm als Stasi gefiel wie immer in der Art des ewig weiblichen, kokett, charmant und überdies besonders akzentuiert. Hans Tytho gestaltete Edwin mit besonderer Ausdruckskraft sehr überzeugend. Conny Oerlein, dessen Inszenierung nichts zu wünschen übrig ließ, entzückte in der Rolle des Lebemanns Graf Boni wie auch Ernst Größhenner als tiefgründiger Feri durch köstliche Originalität; während Hans Gerber als Gegentyp den Fürsten Leopold Maria scharf profiliert und bestechend gestaltete. Gretel Eckert, als Anhilte, alias Kupferhilda, sorgte dann in bestechender Darstellung für die unfreiwillige Komik. In den weiteren Rollen gefielen besonders Fritz Dielmann, Wolfgang Geiger, A. Dietrich und Karl Sohns. Die musikalische Leitung lag bei Walter Sonst in besten Händen. Die Tänze studierte Gisela Furtwängler ein, die Tanzsoli meisterte Hans Schwab sehr imponierend. Walter Weber schuf ein ansprechendes Bühnenbild, das trotz der sparsamen Gelassenheit, die Aufführung wirkungsvoll untermalte. Alles in allem: eine recht homogene Leistung eines Ensembles, das oft Beifall auf offener Szene erntete und viele Vorhänge für sich buchen konnte, nur der Besuch ließ zu wünschen übrig. „Nun will der Lenz uns grüßen.“ Unter diesem Motto veranstaltet die Philippsburger Volksschule am Pfingstsonntag, abends 20 Uhr, in der Turnhalle ein Volksliedersingen. Die Bevölkerung ist zu der Veranstaltung herzlichst eingeladen. Programm der Gloria-Lichtspiele. Von Freitag bis einschließlich Pfingstsonntag der spannende Film „Bedilia“ mit Margaret Lockwood. Ab Montag läuft dann der abenteuerliche Wildwestfilm „Goldgräber.“ Spielzeiten: werktags 20.30 Uhr, 1. und 2. Feiertag 19 und 21 Uhr. Geburtstage. Am 20. 5. beging Frau Anna Heißler, geb. Schneider, ihren 78. Geburtstag. Am 22. 5. wurde Josef Killian 71 Jahre alt. * Kronau Am Freitag, den 26. Mai, feiern die Eheleute Alfons Knebel und Frau Anna geb. Hünerfauth, das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Wir gratulieren herzlich und wünschen dem Jubelpaar einen noch langen und gesegneten Lebensabend. Lehrstelle, Im Herbst kämen noch etwa 1900 Jungen und Mädchen hinzu, so daß die Frage der Lehrstellenbeschaffung schier unlösbar erscheine. Ohne staatliche Hilfe sei dieses Problem nicht zu ^bewältigen. — Die Handwerksverbände hätten in ihren Berichten festgestellt, daß die Allgemeinbildung bei der Jugend erschreckend niedrig sei, deshalb mache sich bei vielen Handwerksmeistern, im Gegensatz zu früher, die Tendenz bemerkbar, großen Wert auf ein gutes Volksschulzeugnis zu legen, um möglichst qualifizierte Lehrlinge auszubilden, um damit dem Handwerk wieder zu seiner alten, geachteten Stellung im Wirtschaftsleben zu verhelfen. Für die Mädchen sähe es ebenfalls schlimm aus. Früher konnte ein großer Teil in der Zigarrenindustrie Unterkommen; heute würden jedoch keine Mädchen unter 18 Jahren eingestellt. Pfarrer Brenzinger wies besonders darauf hin, daß Deutschland seit jeher einen qualifizierten Facharbeiterstand hatte, der auf einer gründlichen Schulausbildung beruhte. Bei der Uebervölkerung des westdeutschen Raumes würden sich wohl viele mit dem Gedanken der Auswanderung befassen, diese sei aber nur solchen Menschen möglich, die tüchtig seien und die über ein solides Wissen verfügen. Nach den Ausführungen der Vorredner kam es zu lebhaften Diskussionen, bei denen die Meinungen offen vertreten wurden. Die am Schluß durchgeführte Abstimmung ergab folgendes Resultat: Für eine Verkürzung der Schulzeit sprachen sich 20 Prozent und für eine Verlängerung 80 Prozent der Abstimmenden aus. Das Ergebnis ist Beweis dafür, daß auch die ländliche Bevölkerung die Zeitentwicklung verstanden hat. Gewerbefreifaeit «in. Der ehrliche Geschäftsmann sei heute in seiner Existenz ernsthaft bedroht Einzelne Handwerksberufe, die sich bisher durch einen hohen Leistungsstand auszeichneten, würden durch die Gewerbefreiheit geradezu an den Rand des Ruins gebracht. Es gehe nicht an, dem Pfuscher die gleichen Rechte zu geben wie dem Meister, der sich zu jeder Zeit ehrlich und redlich mühe. Mit regem Interesse wurden die Ausführungen Neuburgers über Baudärlehen und Baukredite verfolgt. Im Jahre 1950 stünden nicht mehr die gleichen Mittel zur Verfügung wie früher, in Württemiberg-Baden lediglich noch 50 Millionen DM. Dem Abgeordneten wurde folgender Vorschlag vorgetragen: Die Finanzierung von Bauten den Banken zu übertragen, den Bauherren 40 Prozent der Bausumme als erste und 30 Prozent als zweite Hypothek zu gewähren, „während die restlichen 30 Prozent selbst aufgebracht werden müßten. Abschließend befaßte sich Neuburger mit den Problemen des Lastenausgleichs. Die gegenwärtigen Soforthilfegesetze seien unvollkommen und müßten sobald als möglich durch ein endgültiges Lastenausgleichsgesetz ersetzt Werden. Er beendete seine Ausführungen mit der Erörterung des Schumann-Planes, der eine Koordinierung der deutschen und französischen Schwerindustrie vorsehe und einen ersten Schritt zur Verwirklichung einer gesamteuropäischen Wirtschaft darstelle. Neuburger bat die Versammelten, vertrauensvoll in die Zukunft zu sehen und die Regierung durch beständige Aufklärung der Bevölkerung zu unterstützen. -W- * Die „Central-Lichtspiele“ zeigen über Pfingsten den großen Sensations-Farbfilm der Kor- da-Produktion „Dschungelbuch“. In diesem Film feiert ein Werk der Welt-Literatur seine filmische Auferstehung: Rudyard Kippling’s „Dschungelbuch“. Neudorf Die Krone-Lichtspiele zeigen über die Pfingstfeiertage vom Freitag, den 26. Mai, bis Dienstag, den 30. Mai, den großen Farbfilm: „Dschungel-Buch“. Anfangszeiten an Pfingstsonntag um 15.00,17.00 und 20.30 Uhr, während sich an den übrigen Tagen die Anfangszeiten nicht geändert haben. Am 22. Mai konnte Anton Leber I, Friedrichstraße 15, seinen 72. Geburtstag feiern. Wir gratulieren dem noch so sehr rüstigen Jubilar, der immer noch seiner gewohnten Arbeit nachgeht, aufs herzlichste! Am 16. Mai feierten Metzgermeister Karl Heil und Frau Berta geb. Kirchgäßner. das Fest der Silbernen Hochzeit. Am gleichen Tage vermählte sich die Tochter Tina mit Gerhard Herzog. Beiden Jubelpaaren unseren herzlichsten Glückwunsch! H. Forst Bis einschließlich Samstag, 3. Juni, liegt im Dienstzimmer des Ratschreibers während der Dienststunden die Zeichnungsliste zum Volksbegehren über die Auflösung des württem- bergisch-badischen Landtages auf. Im Alter von 53 Jahren verstarb am Dienstag Frau Hedwig Mohr geb. König, Wannenstraße 33. wa. Oberhausen Die vom Radfahrerverein Edelweiß angelegte Radrennbahn ist in den letzten T?"»n fertig gestellt worden. Nach einem Schotterbelag wurde eine schöne glatte Asphaltdecke aufgetragen. Verein skalender Frankonia Bruchsal. Am Freitag, 26. Mai, findet unsere Spielerversammlung im Bayerischen Hof statt. Da wichtige Fragen besprochen werden, ist vollzähliges Erscheinen notwendig. Heute abend 7.3Q Uhr, Jugendtraining mit anschließender Jugendversammlung. Singt och a rotngl Von Rudolf Haußner Ja, singt doch ein wenig! Dies Zauberwort hatte den Bann gebrochen und das kam so: Es war im Flüchtlingslager. Zwei Jahre schon hauste da ein halbes Hundert Menschen in mehreren Baracken. Junge und alte, von denen die meisten im nahen Werk Arbeit gefunden hatten, waren zu einer kleinen Gemeinde zusammengewachsen. Hinter den Baracken lagen die Schrebergärten der Familien. Wenn dort am Abend die Arbeit beendet war, fanden sich die Schicksalsgefährten oft in kleinen Gruppen zusammen. Dann wurde, wie könnte es auch anders sein, von der verlorenen Heimat erzählt. Aus der Erinnerung wurde manch lustige Geschichte ausgegraben und wenn unversehens ein fröhliches Lachen aufsprang, war es, als sei ein Sonnenstrahl durch den grauen Himmel gebrochen. Aber auch bei solcher Fröhlichkeit lag irgend etwas Drückendes auf den Herzen der Menschen ... bis eines Abends die alte, meist still in sich gekehrte Großmutter Werner den Wunsch aussprach: „Singt ock a wing!“ Erst schwiegen alle ein wenig betreten, denn gesungen hatten sie schon zwei Jahre nicht mehr. Aber junges Volk ist immer unbekümmerter als die bedächtigen Alten, und so kam es, daß zwei oder drei ein Lied aus der Heimat anstimmten. Bald summten noch ein paar halb verschämt mit, und als d ann Großmutter Werners Stimme hell und vernehmlich mit* klang, da sangen auch ^einige Frauen und Männer die alte vertraute Weise. Die Umstehenden kamen näher, eine Schar Kinder schob sich neugierig dazwischen und schon nach dem zweiten und dritten Lied hatte sich die halb« Siedlung in der Stille des Sommerabendes zusammengefunden. Manch liebes alte Lied ward an diesem Abend noch gesungen, und da und dort mochte sich einer sogar verstohlen eine Träne aus dem Auge wischen... Als man aber schließlich wieder still ln seine Behausung ging, hatten alle das Gefühl, daß sie an diesem Abend wieder einmal, wie lange nicht mehr, aus dem Alltag herausgehoben worden waren. Von einigen wurde zwar der Wunsch laut, am nächsten Wochenende wieder ein wenig zu singen. — Aber die Woche war schnell dahingegangen, der Alltag hatte wieder von allen Besitz ergriffen, der gute Vorsatz schien vergessen. Doch in den Nachmittagsstunden de» Samstag wurde von Stube zu Stube weitergesagt: „Heut* abends um achte sing’ mr a wing, drüben unterm alln Nußbaam“. Lehrer Burkhardt, der im Lager lebte und bei seinem täglichen Gang zur Arbeitsstätte am Schulhaus vorbeiging, hatte sich beim alten Dorfschul- lebrer eine Geige ausgeliehen, und sein Stubengenosse Hannes hatte im Dorf eine alte Klampfe aufgetrieben. Am Abend erklangen die altvertrauten Lieder aus der Heimat — „Vergaß dei Hamit net“ und das „Feieromd- lied“ — und manchmal wurde es ganz still und feierlich in der Runde. Und wieder war es Großmutter Werner, die in diese Stille hinein mit verträumtem Blick die Worte sprach: „’s is halt doch e Stückl Hamit, wos do in su an Liedla steckt“, — und sie hatte recht damit * Ein weiterer Beweis dafür, welch hohe gemeinschaftsbildende Kraft im alten Volkslied steckt, wurde uns in der neuen Heimat zuteil. — Wir lebten schon über zwei Jahre mit über 1000 Heimatvertriebenen aus allen Winkeln des Ostens zusammen, aber es hatte sich trotz der langen Zeit kein Kreis gefunden, der über die Sorgen des Alltags hinaus eine Bindung von Herz zu Herzen hätte schaffen können. Da besprachen wir in kleinstem Kreise einen Singabend. Der Plan wurde verwirklicht. Unser Kreis wuchs von Woche zu Woche. Wohl kamen viele, die auch wieder fern blieben, aber der kleine Stamm wuchs nach und nach auf über 30 Menschen, die in kurzer Zeit zu einer Art Familie zusammen wuchsen. Was alle anderen Bemühungen nicht erreicht hatten, war in unserem Singkreis Wirklichkeit geworden... Warum ich von diesen Dingen erzähle? Um Euch allen in den Städten und Dörfern der neuen Heimat ebenfalls zuzurufen: „Singt och a wing!“ Es ist ein kleines Zauberwort! —■ Ein Rezept, dessen Wie und Wo nicht so leicht beantwortet werden kann, für das aber ein paar Winke aus der Erfahrung doch vielleicht von Nutzen sind. Wo sollen wir singen? Die Frage nach einem geeigneten Raum wird überall ein schwieriges Kapitel sein, aber unlösbar Ist die Frage nicht Wichtig ist: Nicht im Wirtshaus! Dann lieber in einem nüchternen Schulraum. Vielleicht ist im Gemeindehaus oder im Lager ein Gemeinschaftsraum, der einen Abend in der Woche zur Verfügung steht. Im Sommer kann im Freien gesungen werden. Wir haben zum Beispiel in nächster Nähe der Stadt eine wundervolle sonnige Terrasse entdeckt, wo wir mit dem Blick auf den Fluß unsere schönsten Singabende erlebten. Kein Mensch war vorher auf diese Idee gekommen, also Augen auf! Wie sollen wir singen? Nun, einer, der ein wenig das Zeug dazu hat, muß eben anfangen. Er muß neben den notwendigsten musikalischen Voraussetzungen imstande sein, die Menschen zusammenzuhalten. Er muß ohne „Verein“ und ohne Mitgliedsbeitrag aus kommen können. Es geht gut. Wichtig ist die dritte Frage: Was sollen wir singen? Hier heißt es unerbittlich sein! Nur das Beste! Das echte Volkslied! Wir haben davon einen unermeßlichen Schatz und können auf moderne Schlager und Opperettenmelodiea gut und gern verzichten, von allem „überseeischen“ Import ganz zu schweigen. Singt die Lieder der Heimat, die unsere Väter und Ahnen gesungen haben! Fanget bescheiden einstimmig an! Ganz ohne Noten geht es nicht, leider, aber diese Frage ist in idealster Weise gelöst, nur wissen die wenigsten davon. In jeder guten Buchhandlung können die Liederblätter und -Bücher des Bärenreiter-Verlages Kassel bestellt werden. Drei Liederblatt-Reihen möchte ich allen für den Anfang ans Herz legen: „Singt ock a w i n g!“, so nennt sich eine Reihe schlesisch-sudetendeutscher Volkslieder in 1- und 2-stimmigen Sätzen, die von Männer- und Frauenstimmen gemischt gesungen werden können. Ihr werdet darin viele altbekannte Weisen finden. Ein achtseitig.s Liederblatt kostet nur 50 Pfennige! Eine zweite Reihe, „Lieder für alle“ bringt ebenfalls bestes Volksliedgut in ein- und zweistimmigen Sätzen. Ihr werdet viel Freude daran haben. Auch diese Blätter kosten nur 50 Pfennig das Stück. Und die. dritte Reihe „S i n g t u n d klingt“ enthält Volkslieder in einfachen Sätzen für Chor und Instrumente (Klampfe, Geigen, Blockflöten). Die meist zweistimmigen Sätze können aber auch ohne Instrumente gesungen werden. Auch diese Blätter kosten nur 50 Pfg. Nun frisch ans Werk! Versucht es mal! An solcher Art zu singen werdet Ihr alle Freude haben, und mit diesem unserem wertvollsten deutschen Volksgut wird Euch auch die Heimat «in Stück näherrücken! Macht nur erst den Anfang — singt ock a wing! DIE VERTRIEBENEN Von Geo Bayer-Bayros Wir sind wie herbstliche Blätter vom Winde der Zeit verweht, und irren in Sturm und Wetter und suchen nach einem Retter, der tröstlich voran uns geht Wir mußten die Heimat lassen und sind wie Bettler so arm. Noch will ’s unser Geist nicht fassen und alle Sterne erblassen an uns’rem Himmel voll Harm. Wir seh’n keine Früchte reifen; die Welt ist ein trock’nes Beet Muß nicht unser Leid ergreifen, dieweil wir verzweifelt streifen, Dich, Tröster von Nazareth? DER Sp&it OBRHIIMAT Unsere Sport-Toto-Vorschau An den Pfingstfeiertagen nur Freundschaftsspiele An den Pfingstfeiertagen gibt es in Deutschland eine Reihe internationaler Freundschaftsspiele, die den Totogesellschaften für ihre Tipscheine zweifellos willkommen sein werden, dem Tipfreund selber aber viel Kopfzerbrechen machen dürften,, weil man sich eben über das Können und die Stärke der einzelnen Mannschaften kein Bild! machen kann, und weil eben Privatspiele nicht den Einsatz von Punktekämpfen erfordern. Darüber hinaus benutzen die Vereine diese Spiele meist zur Erprobung tüchtiger Nachwuchsspieler. 1. Frankreich — Schottland Paris ist am Wochenende der Schauplatz des Fußballänderkampfes zwischen Frankreich und Schottland. Die Saison ist zu Ende. Die Spieler benötigen an und für sich Ruhe, Mach‘s nicht Dir und andern schwer, Benimm Dich richtig im Verkehr! werden aber gerade in diesem Treffen, wenigstens soweit es sich um die französischen Akteure handelt, noch einmal alles daran setzen, um sich die Fahrkarte für Rio de Janeiro zu sichern. Auf der anderen Seite sind die Schotten überaus ehrgeizig und geben sich auf dem Festland nicht gerne geschlagen. Allein die Tatsache, daß die Schotten eine wirklich erstklassige Mannschaft aufgeboten haben, läßt ein gutes Spiel erwarten, in dem man die Schotten als knappen Sieger erwarten kann. Tip: 2 (0). 2. VfB Stuttgart — Borussia Dortmund Borussia Dortmund mußte am Sonntag und dazu noch in seiner Heimat, die Uefoerlegen- heit der Mannheimer Rasenspieler, ihrem vorjährigen Endspielgegner mit 1 : 3 Toren anerkennen. Der VfB Stuttgart steht den Mannheimern an Können nicht nach und lediglich die Tatsache, daß die Cannstatter weiterhin im Rennen um die „Deutsche“ liegen und demnach verhaltener spielen werden, läßt Dortmund als Favorit erscheinen. Tip: 2 (ü). 3. 1860 München — Rapid Wen und 4. L FC Nürnbg. — Anstria Wien in Nürnberg Diese beiden Spiele kommen im Nürnberger Stadion zur Durchführung und werden im Rahmen eines Turniers abgewickelt (siehe auch Paarungen 11 und 12). Uefoer den Wiener Nachkriegsfußball braucht man heute nicht mehr viel zu schreiben. Die Wiener sind wieder auf dem besten Wege, zu einer der stärksten europäischen Fußballnationen zu werden und die Spitzenmannschaften, Austria und Rapid brauchen heute keinen Gegner zu fürchten. Man dichtete zwar den Rapidlern ein wienfremdes System an, aber ganz so schlimm ist es mit dem brasilianischen Riegel nun auch wieder nicht, dagegen demonstriert die Austria besten Wiener Kom- binationsfußfoalL Papiermäßig ist man geneigt, beiden Wiener Vereinen die besseren Chancen einzuräumen, doch sind sowohl der 1. FC Nürnberg wie auch 1860 München zu Ueberraschungen positiver Art jederzeit fähig. Dennoch beide Male Tip 2 (0). 5. Bremerhaven 93 — Eintracht Frankfurt Einsatz gegen Technik. Diese beiden Faktoren bestimmen das Treffen zwischen Bremerhaven und Eintracht, wobei nicht zuletzt der Platzvorteil für einen Sieg von Bremerhaven ausschlaggebend sein sollte. Tip: 1 (0). 6. VfB Oldenburg — Rot-Weiß Essen Wenn dieses Spiel überhaupt zur Durchführung kommt (bekanntlich muß Essen sein Vorrundenspiel gegen Kaiserslautern in Köln wiederholen), sollte den ausgeruhten Norddeutschen ein Erfolg möglich sein. Tip: 1 (2). 7. FC Freiburg — FC Köln Ein recht interessantes Freundschaftsspiel sieht Freiburg mit der Begegnung des FC gegen den Westfünften Köln. Die Rheinländer sahen lange Zeit als sicherer Teilnehmer an den Spielen um die Deutsche Meisterschaft aus und wurden erst im Endspurt abgefangen. Die Elf wird auch in Freiburg bemüht sein, so günstig wie möglich abzuschneiden und so sollte es wenigstens zu einem Unentschieden kommen. Tip;, 0 (2). 8. VfB Mühlburg — Racing Straßburg Zum Saisonausklang empfängt der VfB Mühlburg mit Racing Straßbourg noch einmal einen internationalen Gegner. Man kann auf den Vergleich französische Profiliga — Süddeutsche Oberliga wirklich gespannt sein, dürfte jedoch kaum fehltippen, wenn man auf die Karlsruher Vorstädter setzt. Tips 1 (0). Aufwärtsstrebender Radfahrerverein krön an Das Dorfgeschehen über das Wochenende stand ganz im Zeichen des Radrennens auf dem Waldparkring. Unermüdlich war die Vorstandschaft tätig, um das Rennen reibungslos durch- ' zuführen. Die Mitglieder des Vereins sowie zahlreiche Zuschauer hatten sich am Samstag zu einen: Festbankett auf dem Sportplatz eingehenden. Die Musikkapelle gab im Laufe des Abends Proben ihres Könnens. Auch der Gesangverein Frohsinn verschönerte durch zwei Chöre den Abend. Während des Banketts nahm Landesleiter Zeller-Mannheim die Gelegenheit wahr, um besonders verdiente Mitglieder für ihre unermüdliche Arbeit im Radsport zu ehren. Dem Ehrenvorstand, Bürgermeister Heilmann, sowie Schmiedemeister Theodor Schimmel wurden die goldene Ehrennadel überreicht. Die silberne erhielten: Vorstand Alfred Knebel, Herausgeber: C. und H. Kruse, Bruchsal, Wörthstr. 4, Philippsburg, Salmstr. 10. Redaktion: Hans Stauder, Bruchsal. Für auswärtige Anzeigen: Annoncen-Exped. Krais, Karlsruhe, Waldstraße 30. — Zur Zeit Ist Preis liste Nr. 1 gültig. Andreas Moch, Willi Stellberger und Richard Frank. Am Sonntag bewegte sich ein ganzer Strom von Radsportanhängern zum Wäldparkring. — Vorstand A. Knebel begrüßte die Fahrer aus Nordbaden und aus der Pfalz und wünschte ihnen einen vollen Erfolg. In den einzelnen Klassen gab es dann erbitterte Kämpfe, besonders in der C und A—B Klasse. Der hiesige Verein, der in den Jugendklassen und in der C Klasse startete, konnte durch Pfisterer David und Mächtel Alfons je einen Sieger stellen. Nachmittags durchzog ein Festzug die geschmückten Straßen. Auf dem Festplatz begeisterte Kunstfahrer Ph. Fuchs die Anwesenden durch mehrere Vorführungen auf dem Fahrrad, und am Abend spielte die Kapelle Rothenberger zum Tanz auf. Mit dem Rennen war eine Sternfahrt verbunden, bei Beteiligung von Vereinen aus Mannheim, Pforzheim und Bruchsal. Den Preis als weitester Verein erhielt R. V. Eutingen, den Preis für stärkste Beteiligung wurde dem R. 9. TuS Neuendorf — Olympique Lille Neuendorf schlug im Vorrundentreffen gegen St. Pauli eine wenig rühmliche Klinge und wird wohl alles daran setzen, um seine enttäuschten Anhänger durch ein schönes Erfolgsspiel gegen den französischen Spitzenclub Lilie zu entschädigen. Tip: 1 (0). 10. Rhenania Würselen — Concordia Hamburg In einem famosen Endspurt kamen die Hamburger in fünf aufeinanderfolgenden Spielen jeweils zu Siegen und erreichten damit mit Braunschweig und Werder Bremen in der Tabelle Punktgleichheit. Selbst in Würselen scheint uns die Hamburger Elf für einen Sieg gut. Tip: 2 (0). 11. 1860 München — Austria Wien und 12. 1. FC Nürnberg — Rapid Wien (siehe Paarungen 3 und! 4). Während man in Nürnberg die Wiener Mannschaften in Front erwarten kann, könnte dem 1. FC Nürnberg einen Tag später in München gegen Rapid ein Erfolg glücken, wogegen Austria auch 1860 München besiegen sollte. 13. FV Engers — Eintracht Trier Vorspiel: 3 : 2. Was Engers in Trier gelang, müßte der Elf auch vor heimischer Umgebung möglich sein. Tip: 1 (0). 14. Alemannia Aachen — Bristol City Die in der dritten englischen Providi vis. cm spielende Mannschaft von Bristol City kam in Vohwinkel über ein 0 ; 0 nicht hinaus und man wird von den Briten auch in Aachen keinen nennenswerten Einsatz erwarten dürfen, so daß ein Sieg der Münzenberg-Elf durchaus im Bereich der Möglichkeit liegt. Tip: 1 (0). * Heiner Fieischmann bald wieder im Sattel Die Verletzungen von Heiner Fleischmann, die er sich durch Georg Meiers Sturz in Hok- kenheim zuzog, heilen offenkundig in dem bei Fleischmann gewohnten Rekordtempo. Die Beckenrisse verlangen zwar noch ein paar Wochen Ruhe, doch darf man annehmen, daß Heiner bald wieder am Start sein wird. Sein einziger Schmerz augenblicklich ist seelischer Art, denn Fleischmann wollte in der berühmten 13ten Runde, etwa zwei Kilometer hinter der Unglücksstelle, Georg Meier planmäßig überholen und dann auf und davon gehen. Das Training hatte ja schon bewiesen, daß er in seiner NSU noch eine Menge drin hatte. Uebri- gens stellten zahlreiche Zuschauer, die mit Feldstechern ausgerüstet waren, während des Rennens fest, daß Fleischmann während seiner Verfolgungsfahrt immer wieder zudrehte. Im Zeichen des Piinosi«Hodiey«Tarniers Die Spielfolge am Sams tag, Sonntag und Montag Die starke Beteiligung am 18. Bruchsaler Pfingst-Hockey-Tumier 1950 stellte die technische Turnierleitung vor schwierige Aufgaben. Einmal war eine etwas verkürzte Spielzeit notwendig geworden, um auf dem einen vorhandenen Spielfeld überhaupt alle Treffen durchzuführen, zum andern konnte der Wunsch einiger Gästemannschaften, meh% rere Spiele auszutragen, nicht immer berücksichtigt werden. Der Spielplan gibt nun folgendes Bild': Pfingst-Samstag: Spielbeginn 14.30 Uhr; letztes Spiel 19—20 Uhr. Am Sonntag geht es von vormittags 8 Uhr durchgehend ohne Mittagspause bis abends 18 Uhr in wechselnder Folge, während sich das Montag-Spielprogramm ebenfalls von 8 Uhr früh, bis 19 Uhr am Abend erstreckt. Organisatorisch gesehen dürfte es um die Abwicklung der vielen Treffen keinerlei Schwierigkeiten geben, wie auch die Schiedsricb' erfrage bestens gelöst werden konnte. Die Gäste aus Düsseldorf, Schweinfurt, Frankfurt und München werden bereits am V. Kirrlach zugesprochen. t. Samstag vormittag in Bruchsal eintreffen. Spielfolge: Samstag, 27. Mai: 14.30 Uhr Schüler: 1. FC 05 Schweinfurt — TSG Bruchsal. Schiedsrichter Schweinfurt-Bruchsal. Walter Andre-Ge- dächtnisspiel: 15.40 Uhr Herren: 1. FC 05 Schweinfurt — TSG Bruchsal. Schiri: Düsseldorf. 16.50 Uhr Damen: SV 04 Düsseldorf —- HC Heidelberg. Schiri: Schweinfurt. 17.50 Uhr: Herren: SV 04 Düsseldorf — TSG Pasing. Schiri: Bruchsal. 19 Uhr Alte Herren: TSG Pasing — TSG Bruchsal. Schiri: Frankfurt. Sonntag, 28. Mai: 8 Uhr Schüler: HC Heidelberg — 1. FC 05 Schweinfurt, 'Schiri: Heidelberg-Frankfurt. 9 Uhr Jugend: TV 46 Heidelberg — Eintracht Frankfurt. Schiri: Heidelberg-Frankfurt. 10 Uhr Damen: TSV 46 Mannheim — Eintracht Frankfurt. Schiri: Schweinfurt. 11 Uhr Herren: TV 46 Karlsruhe — 1. FC 05 Schweinfurt. Schiri: Pasing. 12 Uhr Junioren: FV Speyer — TSG Bruchsal. Schiri: Mannheim. 13 Uhr Damen: SV 04 Düsseldorf — FV Speyer. Schiri: Karlsruhe. 14 Uhr Herren: SV 04 Düsseldorf — TSV 46 Mannheim. Schiri: Speyer. 15 Uhr Herren: Eintr. Frankfurt — FV Speyer. Schiri: Mannheim. 16 Uhr Herren: TSG Pasing — TSG Bruchsal. Schiri: Frankfurt. 17 Uhr Alte Herren: Eintracht Frankfurt — TSGpasing. Schiri: Düsseldorf. Montag, 29. Mai: 8 Uhr Jugend: Eintracht Frankfurt — TSG Bruchsal. Schiri: Frankfurt-Bruchsal. 9 Uhr Junioren: HC Heidelberg — FV Speyer. Schiri: Heidelberg-Speyer. 10 Uhr Damen: TSV 46 Mannheim — SV 04 Düsseldorf. Schiri Bruchsal. 11 Uhr Herren: TSV 46 Mannheim — 1. FC 05 Schweinfurt, Schiri: Düsseldorf. .13 Uhr Damen: Eintracht Frankfurt — FV Speyer. Schiri: Mannheim. 14.10 Uhr Alte Herren: Eintracht Frankfurt — TS Bruchsal. Schiri: Heidelberg. 15.20 Uhr Herren: HC Heidelberg — TSG Pasing. Schiri: Frankfurt. 16.30 Uhr: Herren: Eintracht Frankfurt — TSG Bruchsal. Schiri: Pasing. 17.40 Uhr Herren: SV 04 Düsseldorf — FV Speyer. Sdvri: Bruchsal MmWeMfäUg. Von MAX NEAL (GoptngM 1934 pp Pr»Elthl«|.T«rH|, Stttjaull M HIacfcn) 4i „ipert ©tylet*, lieft fteft ieftt bei Unter» !ud)iing§rid)ter oernehmen, unb feine roaffet. tieüen äugen fnfjen fein ©egenübet ttad) feiner ©erooftnftett treuftetjig an. ..Sie ftnb ein gebilbeter. roelterfahrener unb angefefjener Kann, bet bereit fein foÜte, für feine Sat, tag Re gut ober fdjledjl fein, mit feinet .perioti einpfteljen.* , „Sa8 habe teft immer fo gehalten, §ert lirtetfud)unfl§TidE)let', exroiberte ©aul u djmüttg. Jtun alle, bann beifteften mit uns ja. (5m Kann wie Sie oerfrtedjt ftd) md)f hinter feigen äuSreben*. meinte Sr. ©ämi jpotal unb niefte SBtjIer ermunternb p. •ßaulS 'Kienen bertieten nicht bie geringfte Erregung. „©eroift . . . aber für eine Sat, bie id) nidjt begangen fjabe, lann id) aud) nidjt ein» ft eben' gab ©aul rufjig jurücf. St. Säint roarf ärgerlich feine 3tgarre in btr äfdjmfdjctle. ,3nimer Da§ gletdje Hieb. Sie beftteiten olfo nadj roie not jebe ©djtilb?' , v ty idi bohr Stöbert SBernbutg nidjt ge* tötet.” Za? flnng itji unb beftimmi. Sr. ©ämi legte eme deine Baufe ein, toäfjtenb et in b; ii iHftrn nadj - etttm§ fucfjte. Sann fragte ei .Sie roaten m ie«iet Slaeftt bet Stöbert nburgV' .,3a.* Ser Hnterfudjung§ridjter faftte nadj bem Selegramnt unb neigte e§ SBtjIer. „Sie geben ju, an Stöbert SBtjIer biefeS Selegramm gefanbt ju fjaben?* „3an>oftl.* „Sie roetben Dodj felbft einfefjen baft bie SBorte in bem Selegiamm: .um mit 3^ nen abpredjnen, tote ©ie e§ Oerbienen’ feijr be* lüfienb für Sie finb*. feftte Sr. ©ämi ba§ ©erhör fort. 3n 'ßctuts ©efidjt taucfjte ein leifer, fpöt* tifäjer 3ug auf. ..SurcftauS nidjt. 3$ btn oielmefjr bet änftdjt. baft midj bas Telegramm entlüftet', entgegnete er. „©ine merfioürbtge Slnfidjt*. brummte ber Unterfudjungiridjter. . Stollen Sie unS nicht erfläten roiefo?' ..SBetl es unfinntg dt. anpnefjmen, baft id) bem Kam), Dentdj töten n>iU, biefe Sat* fache etft nod) oorljer anfünbtge.* „9tun. oieHeicfjt tjaaen Sie Damali, al§ Sie Dai Selegramm abgeidjicft haben, nodj nid)t Die äbftdjt gehabt, ihn p ermorben. Ser ©ebanfe fann 3')«en auch erft unter» roegi gefommen fein. 3 m ®?Mt ift ei bal gleiche* fchctlt Sr. Särni ein. „Sie dämmern fid) an öa§ SBort „abteeft» tten*. §ert Softot*. tagte ©aul. äber roenn man mit femanb abredjnet. Deshalb braucht man ihn noch lange nicht P töten.* 3eftt mifdjte Reh ber finmtnalinjpedot ein, ber bisher mit .oerfäjränlten firmen etwa# feitroärtS geftanben hatte. ,',3n toeidjer 3oim • hatten Sie biefe äb» tedjnuhg oorgenommen?* „3**d*U/ _BEI Mtt mit dem 2*kn$t-Hp und der 7et Ku w e eMe (2 Jipetihen) Wattannahmastellen in allen Orten unseres Kreises Hauptstelle: Bruchsal • Neutorstr.7 ■ Tel.1437