BROCHSAIfR POST HEIMATBLATT FÜR KRAICHGAU UND BRUHRAIN - SODD. HEIMATZEITUNC Nummer 142 Donnerstag, den 22. Juni 1950 Einzelpreis 15 Pfennig Paris iür Beendigung des Kriegszustandes Frankreich für Beseitigung eines unheilbaren Zustandes — Friedensregelung dir Deutschland als Ganzes geplant Paris (UP). Die französische Regierung wird die Vereinigten Staaten und Großbritannien in absehbarer Zeit ersuchen, zusammen mit Frankreich eine Erklärung auszuarbeiten, durch die der Kriegszustand mit Deutschland beendet wird. Nach Aussagen des Sprechers, der diesen Entschluß bekanntgab, wird der Vorschlag in einem Memorandum, enthalten sein, das einem der Sachverständigentreffen der drei westlichen Großmächte am 3. Juli in London vorgelegt werden soll. Es sei beabsichtigt, fügte der Sprecher hinzu, ein Memorandum ähnlichen Inhalts auch den Regierungen von Belgien, Holland und Luxemburg zu überreichen. Wie verlautet, ist nicht geplant, in diesem Zusammenhang den Abschluß eines Friedensvertrages mit einem geteilten Deutschland vorzuschlagen. Die geplante Erklärung, fügte der Sprecher hinzu, soll sich auf Deutschland als Ganzes, und nicht nur auf Westdeutschland beziehen. Frankreichs Auffassung Das französische Memorandum, so erfährt man weiter, erinnert in diesem Zusammenhang an die Tatsache, daß nach Beendigung des ersten Weltkrieges zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland kein Friedensvertrag unterzeichnet wurde. Außerdem wird darauf hingewiesen, daß mit der bedingungslosen Übergabe im Jahre 1945 das Deutsche Reich als solches zu existieren aufgehört hatte und somit kein Kriegszustand mit den westlichen Alliierten bestand. Weiter stellt das Memorandum fest: Da der Kriegszustand durch eine einseitige Erklärung herbeigeführt werden könne, sei es besser, ihn durch eine solche Erklärung als durch einen zweiseitigen formellen Friedensvertrag zu beenden. Das Memorandum schließt mit einer Zusammenfassung dieser Argumente und kommt zu dem Schluß, daß es für die Westmächte juristisch im Bereich der Möglichkeiten liege, durch Veröffentlichung einer entsprechenden Erklärung den Kriegszustand mit Deutschland beizulegen und deutsche Staatsangehörige nicht mehr als Feinde zu betrachten Der Sprecher des Außenministeriums betonte hierbei, daß mit dem französischen Vorschlag keine Änderung des gegenwärtigen Besatzungsstatuts beabsichtigt sei. In erster Linie sei es der Zweck dieses Vorchlages, den unhaltbaren Zustand im deutschen Geschäftsleben zu beseitigen, hervorgerufen durch die Tatsache, daß deutsche Staatsangehörige noch immer als „Feinde“ betrachtet würden. Über den Inhalt der bevorstehenden Londoner Besprechungen wurde mitgeteilt, daß sie neben der Frage des Kriegszustandes auch die mögliche Revision des Besatzungsstatuts zum Gegenstand haben werden. USA für Pariser Vorschlag Der amerikanische Botschafter in Großbritannien, Douglas, wird die Vereinigten Staaten auf der Anfang Juli in London ge-, planten Konferenz über die eventuelle Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland vertreten. Dazu wurde mitgeteilt, Douglas werde von der amerikanischen Regierung den Auftrag erhalten, den Vorschlag Frankreichs auf Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland zu unterstützen, vorausgesetzt, daß sich die formalrechtlichen Schwierigkeiten überwinden lassen. Die Ernennung Douglas’ wird in Kreisen des Außenministeriums als ein Anzeichen dafür bezeichnet, welche Wichtigkeit man in Washington der bevorstehenden Londoner Konferenz beimißt In Washington erinnert man daran, daß die Westmächte auf der Londoner Außenministerkonferenz im Mai übereinkamen, einen Weg zu suchen, um die Schwierigkeiten und Unbequemlichkeiten zu beseitigen, die sich aus der Fortdauer des Kriegszustandes mit Deutschland ergeben. Diese Formulierung bedeutet nach Ansicht politischer Kreise, daß die Westmächte den Kriegszustand beendigen wollen, wenn sich nicht die rechtlichen Schwierigkeiten als unüberwindbar heraussteilen sollten und wenn man damit der Sowjetunion nicht eine Möglichkeit geben würde, die Westmächte des Bruches früherer Vereinbarungen zu beschuldigen. Eine Gruppe amerikanischer Staatsrechtler hat sich hier in den letzten Wochen mit der Frage der Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland auseinandergesetzt. Die Ergebnisse der Londoner Besprechungen sollen dann der nächsten Konferenz der Außenminister der Westmächte vorgelegt werden, die voraussichtlich im September in New York stattfinden wird. Auf den Londoner Besprechungen sollen auch andere Fragen der Deutschlandpolitik- der Westmächte besprochen werden. Dazu gehören eine Revision des Besatzungsstatuts, die Anregung, Deutschland den Bau von größeren Schiffen für den Export zu gestatten, größere Kontrollrechte der deutschen Regierung über gewisse Industriezweige, Heraufsetzung der Produktionsgrenze der deutschen Stahlindustrie und eine Verstärkung der deutschen Polizei. Für ein Sechsmächte-Parlament Französische Anregung am zweiten Konferenztag — Baldige Vorlage des Vertragsentwurfes über die Hohe Behörde Paris (UP). Frankreich schlug soeben die Schaffung eines parlamentarischen Gremiums der sechs Teilnehmerstaaten an den Schuman- plan-Verhandlungen in Paris vor. Dieses parlamentarische Gremium soll die Arbeit des geplanten Blocks der westeuropäischen Grundindustrie überwachen. Der französische Vorschlag wurde am zweiten Tag der Pariser Konferenz vom Leiter der französischen Delegation, Monnet, vorgetragen, der in unterrichteten Kreisen als der »„geistige Vater“ des Schumanplanes gilt. In einer zweistündigen Rede sagte Monnet, die Mitglieder der parlamentarischen Körperschaft sollten von den Parlamenten der teilnehmenden Länder gewählt werden. Die Körperschaft solle jährlich Zusammenkommen, die Arbeit des Industrieblocks und der vorgeschlagenen „Hohen Behörde“ zu prüfen und zu beaufsichtigen. Die Hohe Behörde solle die Pflicht haben, diesem parlamentarischen Gremium Bericht zu erstatten. Die parlamentarische Körperschaft selbst solle lediglich überwachende Funktionen haben und nicht die höchste Instanz für Einsprüche gegen die Entscheidungen der Hohen Behörde darstellen. Aus unterrichteten Kreisen verlautet, daß Monnet ferner vorgeschlagen hätte, einen gemeinsamen Fonds aller Teilnehmerstaaten zu schaffen, dessen Mittel zum Ausgleich der Produktionskosten von Kohle und Stahl in den einzelnen Ländern verwendet werden sollen. Nähere Einzelheiten über diesen Fonds soll* Monnet nicht geäußert haben. Monnet gab bekannt, daß Frankreich Ende dieser Woche der Konferenz den Entwurf des geplanten Vertrages über die Schaffung der Hohen Behörde vorlegen wird. Die Konferenzteilnehmer kamen überein, mindestens zweimal wöchentlich Zusammenkünfte der Leiter der einzel- . nen Delegationen zu veranstalten. Obwohl die Besprechungen kaum in Fluß gekommen sind, zeigen sich schon Anzeichen eines Widerstandes verschiedener Teilnehmerstaaten gegenüber den bisherigen französischen Schritten. Die Holländer insbesondere sollen den französischen Plan, erst einen Vertrag zu entwerfen, und an die Ausarbeitung der technischen Details später heranzugehen, ablehend gegenüberstehen. Sie plädieren für die umgekehrte Verfahrensweise, das heißt: Ausarbeitung der Details und spätere Bearbeitung eines Vertragsentwurfes. Vorerst keine westdeutsche Bundespolizei Hohe Kommissare nach wie vor für strikte Dezentralisierung Gegenseitige Polizeihilfe nur in Ausnahmefällen Bonn (UP). Die alliierte Hohe Kommission bat die Richtlinien für eine Dezentralisierung der Polizei unter Landesebene weitgehend gelockert. Ein neue alliierte Anordnung ermächtigt den Innenminister eines jeden Landes, im Falle von Unruhen durch entsprechende Anweisung eine gegenseitige Polizeihilfe innerhalb seines Landes sicherzustellen. Nach den bisherigen Richtlinien der Alliierten hatte innerhalb eines Landes jede kommunale Selbstverwaltungsbehörde ihre eigenständige Polizei, und die Übersendung von Polizeikontingenten in ein anderes Gebiet des Landes war von einer nur in Ausnahmefäüen zu erteilenden Genehmigung der Alliierten abhängig. Die jetzt dem Innenminister zugestandene Autorität muß jedoch auf der Landesgesetzgebung beruhen, welche festlegen muß, daß in andere Landesteile überführte Polizeikräfte dem Kommando der dortigen obersten Polizeibeamten unterstehen. Außerdem erteilte die Hohe Kommission die Erlaubnis, in jedem Lande eine zentrale Polizeischule zu eröffnen, deren Verwendung den Polizeibehörden des betreffenden Landes freigestellt wird. Schüler der Polizeischule dürfen im Notfall auch von den örtlichen Be- Eingeborene Südafrikas wehren sich Getrennte Bezirke für die Rassen beschlossen London (ZSH). Das Parlament der Südafrikanischen Union nahm in letzter Lesung die Regierungsvorlage an, die getrennte Bezirke für die drei Rassengruppen vorsieht: Weiße, nichtafrikanische Farbige und afrikanische Eingeborene. Der Senat hatte die Vorlage mit einigen Änderungen bereits gebilligt. Außerdem wurde das Anti-Kommunistengesetz mit 61 gegen 49 Stimmen angenommen. Aus Protest gegen die blutigen Zusammenstöße bei den Feierlichkeiten zum 1. Mai ünd die Rassentrennungspolitik der südafrikanischen Regierung haben die Eingeborenenführer für den kommenden Montag einen Generalstreik aller Eingeborenen ausgerufen. Wie verlautet, richtet sich der Protest außerdem gegen die kürzliche anti-kommunistische Gesetzesvorlage der Regierung, durch die ihr die Vollmacht gegeben würde, ohne „Rücksicht auf bestehende Gesetze“ gegen gewisse Bevölkerungskreise vorzugehen. Die Ausrufung des Streikes erfolgte im Anschluß an die Bekanntgabe der Selbst-Liquidierung der kommunistischen Partei Südafrikas durch den Parlamentsabgeordneten Kahn. Nach offiziell bestätigten Meldungen ist in dem Hause des südafrikanischen Ministerpräsidenten D. F. Malan ein Feuer ausgebrochen. Da Malan einer der eifrigsten Verfechter der Trennung aller Weißen von Negern, Indern und Mischlingen ist, wird es für nicht ausgeschlossen gehalten^ daß der Brand von Mitgliedern dieser Bevolkerungsschichten angelegt wurde. hörden zu regulärem Polizeidienst verwendet werden. Damit ist jegliche Hoffnung auf die baldige - Errichtung einer Bundespolizei vorläufig zunichte gemacht worden. Die Alliierten halten erneut an der strikten Dezentralisierung der westdeutschen Polizeistreitkräfte fest, obwohl nach Äußerungen amtlicher Sprecher in Washington die Möglichkeit der Errichtung einer deutschen Bundespolizei augenblicklich von den Regierungen der Westmächte untersucht wird, und obwohl sich namhafte Politiker der Bundesrepublik — nach Angaben alliierter Sprecher unter ihnen auch der Bundeskanzler — erst kürzlich mehrfach für die Bildung einer schlagkräftigen Bundespolizei eingesetzt haben. Lediglich für den Sonderfall der Bedrohung der öffentlichen Sicherheit kann ein Landesinnenminister eine Gegenseitigkeitshilfe der örtlichen Polizeieinheiten seines Landes genehmigen. Das bedeutet in der Praxis aber nicht mehr, als daß die wenige Mann starke Polizeieinheit eines kleinen Ortes durch ein paar Dutzend Leute aus der Nachbarschaft verstärkt werden kann, wenn Not am Mann ist. Eine zentrale Führung und ein zentraler Einsatz selbst innerhalb der Länderpolizei ist damit noch immer unmöglich gemacht Bereits am 2. Dezember 1949 hatten die drei Hohen Kommissare den Ministerpräsidenten der Länder mit aller Deutlichkeit zu verstehen gegeben, daß die Poliaeikräfte auf jeden Fall dezentralisiert bleiben müßten. Trotzdem wollten gutunterrichtete Kreise in London und Washington vor einigen Wochen erfahren haben, daß der Bundeskanzler wegen der Bildung einer 25 000 Mann starken Bundespolizei vorstellig geworden sei. Vizekanzler Blücher batte erst in der letzten Woche vor dem Bundestag versichert, daß kein Antrag der Bundesregierung auf Errichtung einer Bundespolizei an die Hohen Kommissare geleitet worden sei. Lediglich die Bildung eines Bundeskriminalpolizeiamtes und eines Bundesamtes für Verfassungsschutz ist von den Alliierten schon vor längerer Zeit gebilligt worden. Beide Äipter sind im Aufbau begriffen, obwohl die dafür notwendigen gesetzlichen Voraussetzungen noch in den Parlamenten stecken. König Leopold bei Staatspräsident Einaudi. König Leopold III. wurde vom Präsidenten der italienischen Republik Einaudi amofan&an. Blickpunkt Südafrika Malan und seine Rassenpolitik Seit einiger Zeit verfolgt man in der Welt mit steigendem Interesse die Politik des südafrikanischen Ministerpräsidenten Malan. Sein Versuch, mit zwei Millionen Europäern die Vorherrschaft über acht Millionen Schwarze, eine Million Mischlinge und drei Millionen Inder zu errichten, ist ein großes Abenteuer. Überall wächst das Selbstbewußtsein der Eingeborenen. Der Antrieb ihres Strebens nach Freiheit und sozialer Gleichberechtigung ist nicht der Kommunismus, aber selbstverständlich benützt die kommunistische Agitation den wachen Instinkt der Neger für ihre politische Emanzipation; aus dieser Mischung entsteht ein hochexplosiver Zündstoff. Die kommunistische Propaganda ist andererseits ein willkommener Anlaß für die südafrikanischen Nationalisten, ihre Rassegesetzgebung gegen die rebellischen Eingeborenen ständig zu verschärfen. Die acht Millionen Schwarzen, die bis jetzt drei weiße Abgeordnete im Parlament hatten, sollen nun auch noch diese Vertreter — deren Repräsentation bisher schon zweifelhaft war — verlieren. Mit ähnlichem Druck arbeitet Dr. Malan gegenüber den Mischlingen. Ihre Mitwirkung wird ebenfalls auf die beratende Teilnahme von drei weißen Abgeordneten beschränkt. Das neue „Group Areas Bill“ bestimmt die räumliche Trennung der verschiedenen Rassen und wird zum praktischen Ergebnis haben, daß der Lajndtfesit!. der nichteuropäischen Volksgruppen noch weiter eingeengt wird. Die 9,5 Millionen farbigen Einwohner besitzen nur 20 Prozent des bebaubaren Landes, während die restlichen 80 Prozent den zwei Millionen Weißen Vorbehalten sind. Die schwarze Bevölkerung ist auf die Benutzung von Sonderabteilen und Büros bei Post und Eisenbahn ähnlich wie die Juden im Dritten Reich beschränkt. Ihre wachsende Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt wird zurückgehalten durch Beschäftigungsverbote in bestimmten Berufen. Der Widerstand gegen Dr. Malans Rassenpolitik bei den Europäern ist jedoch nicht so stark, wie man vielfach annimmt. Die holländische reformierte Kirche gab ihre Zusimmung in der irrtümlichen Annahme, daß den Eingeborenen in ihren Reservaten wirtschaftliche Existenz und politisches Eigenleben gesichert werden. Der burische Anteil an der Bevölkerung der Union steht der englandfeindlichen Politik sympathisch gegenüber. Viele Europäer sind in ihrer Haltung gegenüber Malan schwankend, weil sie in ihm zugleich den besten Schutz gegen den Kommunismus sehen. Lediglich die Engländer stehen in offener Opposition zu ihm. Ihr Widerstand ist aber erfolglos. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß Malan seine ultranationalstische Politik praktisch mit einer parlamentarischen Minderheit durchgesetzt hat. Seine Partei verfügt nur über 71 von 153 Sitzen des Parlaments. Allein die Unterstützung der neun Mitglieder der Afrikanderpartei sichert ihm eine schwache Mehrheit. Aus diesem Grunde kommt den Vorgängen in Südwestafrika besondere Bedeutung zu. Das ehemalige Deutsch - Südwestafrika wurde nach dem ersten Weltkrieg zum Völkerbundsmandat erklärt und unter die Verwaltung der südafrikanischen Union gestellt. Die Versuche der Vereinten Nationen, Südwestafrika in ihre Treuhänderschaft zu übernehmen, scheiterten am Widerstand der südafrikanischen Union, die Südwest aus strategischen und vor allem politischen Gründen nicht freigeben will. In Südafrika bereitet man schon die praktische Einverleibung des bisherigen Mandates vor. Um den Einwohnern von Südwest den Anschluß schmackhaft zu machen, bietet ihnen Malan große politische Vorteile. Südwestafrika zählt gegenwärtig 34 000 weiße Siedler, davon etwa 20 000 Buren und 10 000 Deutsche, gegenüber etwa 270 000 Farbigen. Bei den für August vorgesehenen Wahlen sollen die 34 000 Weißen sechs Abgeordnete in das südafrikanische Unterhaus und vier Vertreter in den Senat entsenden, das bedeutet relativ die doppelte Anzahl gegenüber den anderen Provinzen. Ministerpräsident Malan hofft, mit dieser Großzügigkeit Stimmen zu fangen. Ein besonders kluger Schachzug im Spiel um Südwest war die politische Taktik der Malan- Regierung gegenüber den 10 000 Deutschen in Südwest. Sie erhielten nach dem ersten Weltkrieg die südafrikanische Staatsbürgerschaft, verloren diese im zweiten Weltkrieg und mußten befürchten, daß sie wie in anderen englischen Besitzungen enteignet und ausgewiesen Donnerstag den 22. Jom 1950 würden- Malan gab den Deutschen die Staate- bürjerÄaft zurück und widerrief Enteignungen und Ausw eisungsbefehle. Es ist verständlich, wenn sie sich nun bei den ersten Wahlen erkenntlich zeigen, indem sie Malan ihre Stimmen geben. • Bundesregierung plant Jugendprogramm Arbeitsbescbaffungsprogramm kommt — Jugend braucht Berufsausbildung Bezüge für vertriebene Beamte Minister Lukasehek schlägt Regelung vor Bonn (UP). Um die den vertriebenen Beamten und Pensionären zustehenden Ansprüche zu befriedigen, hat Bundesflüchtlingsmi- nister Lukasehek dem Bundeskabinett folgenden Vorschlag unterbreitet: Nachdem die Bezüge der Bundesbeamten und -Pensionäre, denen der Staats-, Kom- munalbeamten und -Pensionäre gleichgestellt wurden und damit wieder die Höhe von 190fr erreicht haben, sollen die Gehälter aller im Bundesgebiet tätigen Beamten um 5,2 Prozent gekürzt werden. Für Staats- und Kommun aJbeamte tritt dadurch eine echte Kürzung ein, während sich die Gehälter der Bun- desbeamten, für die der Bundestagsbeschluß auch nicht wi*4*sam wurde, im Vergleich mit der Zeit vor dem Beschluß um 8,8 Prozent erhöhen. Die Beaüge der Pensionäre, die bereits um' fünf Prozent auf 76 Prozent ursprünglichen Gehalt* gehörst waren, sollen auf nur 74,8 Prozent ermäligt werden. Das Wartegeld für einen' Beamten, der arbeitsfähig ist aber keinen Arbeitsplatz in seinem früheres Beruf findet, soll in Zukunft 58 Prozent seines tariflichen Gehaltes betragen. -Dieses Gesetz soll allgemeingültiges Bundesgesetz werden. Die in den Ländern und Gemeinden entstehenden Ersparnisse sollen dem Bund zufließen. Damit wird vermieden, daß der Bundesfinanzminister Teile der den Ländern zuflieSenden Einkommen- und Körpers chaftsateuer für die Zwecke der Pensionär s&nsprti ehe beanspruchen muß. Nach Inkrafttreten des Beamtengesetzes sollen die vertriebenen Beamten, Pensionäre und Wartegeldempfänger den Totalgeschä- digten, einheimischen und gleichartigen Beamtenkategorien gleichgesetzt werden, ihre sonstigen Ansprüche also mit diesen zusammen geregelt werden. Um die Rennanlage in Watenstedt Der Bundeskansler ersucht um Erhaltung Bonn (UP). Bundeskanzler Dr. Adenauer »at die Hohen Kommissare erneut schriftlich trsueht, die deutschen Vorstellungen hinsicht- ich der Erhaltung der Krupp-Rennanlage in N atenstedt-Salzgitter einer wohlwollenden Prüfung zu unterziehen. Vizekanzler Blücher, ler in Beantwortung einer Interpellation im Bundestag diese Mitteilung machte, wies darauf hin, daß die Entmilitarisierungsarbeiten n Salzgitter auf Grund der Vorschläge der Bundesregierung, die Werksanlagen für die r riedensproduktion einzusetzen, zum großen “eil nicht fortgeführt worden seien. Bonn (UP). Auf einer Pressekonferenz erklärte Bundesarbeitsminister Storch, in den Bundesministerien für Arbeit und Wirtschaft werde zur Zeit „sehr intensiv“ an einem Jugendprogramm gearbeitet, das noch im Herbst in der Form von Gesetzen und Verordnungen vorgelegt werde. Die großen Schwierigkeiten, die überwunden werden müßten, machten jedoch eine vorzeitige Publikation dieses Sonder-Programms unmöglich. Über die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt befragt, sagte der Minister, daß jetzt erstmalig ein „Bruch nach unten“ erfolgt sei. Es malig ein „Bruch nach unten“ erfolgt sei. Er sehaftlichen Beschränkungen „alle diese Leute in Kürze wieder vor die Arbeitsämter bringen kann“. In der ersten Junihälfte habe die Arbeitslosigkeit im Bundesgebiet erneut um 80 000 Personen abgenommen. Der Rückgang sei vor allem in den sogenannten Flüchtlingsländern — Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein — besonders stark gewesen. Im Oktober werde ein zweites Arbeitsbeschaffungsprogramm anlaufen, das wahrscheinlich schon weniger Schwierigkeiten bei der Durchführung vorfinden werde als da* erste. Storch begrüßte im weiteren Verlauf der Pressekonferenz die Entscheidung der Hohen Kommission, alle Beschränkungen der Freizügigkeit aufzuheben. Die Freizügigkeit gebe jedem die Gelegenheit, dorthin zu ziehen, wo er Arbeit finde. Wichtig sei in diesem Zusammenhang jedoch auch die Aufhebung der Zuzugssperren, die von den deutschen Wohnungsämtern noch verhängt würden. Kein Arbeitsdienst Der Bundesarbeitsminister erklärte ferner, daß die Einführung eines Arbeitsdienstes in „irgendeiner Form völlig verkehrt“ sei. Das sei jedoch seine persönliche Ansicht und nicht der Ausdruck der Meinung des Bundeskabinetts. Junge Menschen brauchten, so erklärte der Minister, eine Berufsausbildung und sollten nicht mit Erdarbeiten beschäftigt werden. Es sei schon jetzt schwierig, die ehemaligen Arbeitsdienstjahrgänge in den ordentlichen Arbeitsmarkt einzugliedern, da es ihnen an jeglicher Fachausbildung mangele. „Wir müssen selbstbewußte Persönlichkeiten entwickeln und sie nicht einem Kolletiv wie dem Arbeitsdienst ausliefem.“ Vor allem dürfe die Jugend nicht wieder der Familie entfremdet werden, sondern sollte in ihrer jugendlichen Entwicklung daheim gefördert werden. Der bevorstehende Konkurrenzkampf auf dem Weltmarkt bedinge einen besonders guten Facharbeiter-Nachwuchs. Storch vertrat die Ansicht, daß der Arbeitsdienst hierzu kaum einen Beitrag leisten könne. Das Mitbestimmungsrecht Storch warnte schließlich vor allzu großem Optimismus, daß die bevorstehenden neuer- Ein unglückseliger Zwischenfall Englische Angriffe auf Vizekonsul Wurmann London (UP). Die britische illustrierte «Vochenzeitung „Picture Post“ bezeichnete fizekonsul Wurmann üom deutschen Ge- leralkonsulat in London als „einen Mann, der iitler bewundert“. Generalkonsul Dr. Hans Schlange-Schöningen teilte UP mit, daß er sich vegen dieses Artikels bereits mit der deut- chen Bundesregierung in Verbindung gesetzt labe und erklärte: „Die Ansichten des Vize- tonsuls, wie sie von'der „Picture Post“ hin- Sestellt werden, sind keineswegs meine Anlichten oder die Ansichten irgendeines meiner riesigen Mitarbeiter. Ich habe bereits die notwendigen Schritte eingeschlagen und mit mei- ler Regierung Verbindung aufgenommen. Ich labe sie um eine ausführliche Stellungnahme Zu diesem imglückseligen Zwischenfall ge- ieten.“ Die „Picture Post“ hatte ein Bild Wurmanns veröffentlicht, das mit folgender Erklärung versehen war: „Vizekonsul Wurmann, ehemaliger Flugzeugführer der Luftwaffe, verlor rin Bein. Aufrichtig und liebenswürdig ist er ler Ansicht, daß die Behandlung der Juden lurch die Nazis in 50 Jahren aus einer .angemessenen Perspektive* angesehen werden wird.“ Dazu druckte die Zeitschrift einen Artikel ab, den Robert Kee nach einer Reise durch Deutschland verfaßt hatte und in dem es heißt: „Der ernstliche Wille des gesamten konsularischen Stabes, einen wirklichen Frieden zu erreichen, ist unverkennbar. (Sogar Vizekonsul Wurmann, der Hitler 1939 für historisch .gerechtfertigt* hielt, meinte, es wäre ihm lieber gewesen, falls Hitler anders gehandelt hätte, wenn er damals das Leid vorausgesehen hätte, das über Deutschland kommen sollte).“ Der Unterhausabgeordnete Barnett Jänner, Vizepräsident der Vereinigung britischer Juden, teilte inzwischen mit, daß er den „Fall Wurmann“ im Unterhaus zur Sprache bringen wolle. Die Vereinigung britischer Juden gab •ine Erklärung heraus, in der zum Schluß festgestellt wird, „die Anwesenheit eines Beamten, der derartige Ansichten vertrete, könne in keiner Weise zur Verbreitung guten Willens beitragen, sondern nur dazu dienen, die Gefühle der Feindseligkeit und des Nachtragens wachzuhalten. Etatsberatungen unterbrochen ,Egoismus der Ressorts“ liehen Verhandlungen der beiden Sozialpartner über das Mitbestimmungsrecht bereits in Kürze zu einem endgültigen Ergebnis führen werden. Er sagte, tiaß beide Seiten bemüht seien, ein „Grundgesetz der Arbeit“ zu schaffen, dessen sorgfältige Formulierung lange Vorarbeiten erfordere. Beide Partner seien mit „sichtlichem Ernst bei der Sache“, um dje Frage des Mitbestimmungsrechtes in befriedigender Form .zu lösen. Das Arbeitsbeschaffungsprogramm Bonn (UP). „Bei dem im Oktober anlaufenden zweiten Arbeitsbesehaffungsprogramm werden Kreditschwierigkeiten kaum mehr zu spüren sein, weil die Wirtschaft dann gesünder und deshalb kreditwürdiger sein wird,“ erklärte ein Beamter der Bundesregierung. Wohl könne ein wirtschaftlicher Rückschlag eintreten, wenn im Juni die Steuerrückzahlungen stattfinden, wenn aber nicht alle Vorzeichen trügten, würden sich diese Beträge am Markt für langlebige Konsumgüter nieder- schlagen und hier einen Auftrieb geben. Außerdem stünde' - die Freigabe von rund 650 Millionen DM ERP-Mitteln dicht bevor, die diesmal fast vollständig für neue Investitionen verwendet werden würden. Käme hierzu noch die für das zweite Arbeitsbeschaffungsprogramm geplante eine Milliarde DM, dann wäre ein „Boom“ zwar sicher, ebenso aber auch im Winter der Rückschlag. Die Arbeitslosenzahl verringere sich in diesem Jahr um durchschnittlich 100 000 je Monat. Diese Entwicklung fortzusetzen, sei die Aufgabe des zweiten Programms, das deshalb wohl zweckmäßig im Herbst anlaufen müßte, um den Winter zu überbrücken. Der Sprecher schloß mit dem Hinweis, daß das erste Arbeitsbeschaffungsprogramm diesen Namen an sich zu Unrecht trüge. Es sei diktiert gewesen von- dem Gedanken, 'den Flüchtlingsländem zu helfen und die Exportkraft der deutschen Volkswirtschaft zu stärken, es sei aber, abgesehen von dem parallel laufenden Wohnungsbauprogramm, nicht so durchgeführt worden, daß es alle Gebiete der Bundesrepublik gleichmäßig fördern konnte. Am Rand* bemerkt „Fraaen sind doch bess‘re Diplomaten“ Eines der drückendsten Probleme der Bundesrepublik ist leider immer noch die Arbeitslosigkeit. Es klingt erstaunlich, zu hören, daß aber gerade durch dieses Problem die Völkerversöhnung gefördert wird. Wie man weiß, gibt es nicht nur bei den Männern Arbeitslose, sondern auch bei den Frauen; und nicht nur von Marika Rökk‘s Lippen ertönt es: „Ich möchte so gerne, ich weiß nur nicht was“ — arbeiten nämlich. Kein Wunder, wenn jedes Postchen begehn ist und auf ein Inserat oft -zig Angebote eingehen. Im allgemeinen bewerben sich Mädchen und Frauen um die Stellungen, die ihrer Vorbildung, ihren Kenntnissen und Neigungen entsprechen. Die Arbeitsämter des Bundes verzeichnen nur wenige Stellen, um die sich weibliche Personen aller Schichten und Berufe bewerben. Seltsam mutet einen daher die Botschaft aus einer Stadt Norddeutschlands an, wo sich für eine ausgeschriebene Stelle eine Vielzahl von Bewerberinnen meldete, und zwar Arbeiterinnen, Zeitungsfrauen, Hausmädchen, Köchinnen, Verkäuferinnen, Lehrerinnen, weibliche Doktoren, Stiftsdamen, Baroninnen und Gräfinnen. Alle gaben an, alles zu können und zu allem geeignet zu sein. Gesucht wurde nämlich: „Die Gesellschafterin einer Hofdame des engeren Hofstaates des ägyptischen Königs“. Fürwahr, ein sehr be- werbenswerter Posten! Es zeugt vom Weitblick der deutschen Frauen, die sich für internationale Verständigung einsetzen wollen, wenn sie sich so einmütig um diese Stelle bewarben. Denn nicht der schön klingende Titel, die voraussichtlich angenehme Tätigkeit oder die Möglichkeit des Auswanderns sind die Gründe, warum die Stelle einer Hofdam6 so begehrt wurde. Der Grund liegt tiefer, im „politischen“ Teil des Herzens: Alle Bewerberinnen hatten schon von König Faruk von Ägypten gehört oder gar ein Bild des hübschen und als Don Juan bekannten Herrschers gesehen und hegten nun stille Hoffnungen . . . Was die eifrigen „Völkerversöhnungswilligen“ nebenbei noch gedacht haben, dürfte auch klar sein: „Man muß in die Ferne schweifen, denn was Gutes ist nicht da“. Wobei man sowohl an Arbeit als auch an Männer denken kann. * st. Kabinett Attlee vor neuor Bewährungsprobe Am Vorabend der Schumanplan-Debatte — Attlee rief Labour-Abgeordnete London (UP). Durch die ablehnende Haltung gegenüber dem französischen Vorschlag einer westeuropäischen Kohle- und Stahlunion hat die britische Labour-Regierung in den nächsten Tagen im Unterhaus mH dem massivsten und gefährlichsten Angriff seit Bestehen des neuen Parlaments zu rechnen. Eine von den Liberalen und Konservativen gemeinsam eingeleitete Resolution fordert die Regierung auf, „im Interesse des Friedens und der Vollbeschäftigung“ an den Pariser Besprechungen über den Schuman-Plan teilzunehmen. Ungefähr ein Dutzend sogenannter „Backben-cher“ sollen sich noch nicht darüber im klaren sein, für welche Seite sie ihre Stimme abgeben sollen. Die Debatte über die Resolution wird am Montag durch den Oppositionsführer Churchill eröffnet. Sollte es der Labour-Party nicht gelingen, genügend Parteidisziplin auszuüben, um ihre schwache Sechs-Stimmen-Mehrheit aufrechtzuerhalten, dürfte das Ende der jetzigen Regierung nicht mehr fern sein. Die Schwierigkeit der Situation läßt sich aus der Tatsache erkennen, daß Ministerpräsident Attlee sich veranlaßt fühlte, die Abgeordneten der Labour-Party soeben zusammenzurufen, um sie auf die Folgen aufmerksam zu machen, die sich möglicherweise aus der Montagdebatte ergeben können. Die gesamte Labour-Fraktion beschloß, gegen den gemeinsamen Antrag der Konservativen und Liberalen zu stimmen. Die Labour-Party hofft, daß ein Teil der Konservativ«! sich bei der Abstimmung am kommenden Montag der Stimme enthalten wird, da viele konservative Abgeordneten im Stillen die Weigerung der Regierung gutheißen, eine „Katze im Sack zu kaufen“, das heißt, dem Schumanplan zu- zustdmmen, bevor seine Einzelheiten ausgearbeitet sind. AUS DEM WIRTSCHAFTSLEBEN Der Stuttgart (Iwb). Der Finanzausschuß des württemberg-badischen Landtags hat die Beatungen des Haushaltsplanes 1950/51 bis zum 57. Juni unterbrochen. Gleichzeitig wurden der Ministerpräsident und das Kabinett gebeten, Dis zu diesem Zeitpunkt zu den Personaltiteln ler Einzelpläne Stellung zu nehmen. Das Kabinett wurde ufn Anträge gebeten, mit denen tereits innerhalb der Etatbesprechungen Ein- celfrag«n der Verwaltungsreform gelöst werten könnten. Der Beschluß des Finanzausschusses wurde lurch die Äußerung von Ministerpräsident Maier'in Murrhardt verursacht, wo er unter anderem erklärte: „Der Landtag weiß sehr wohl, was er dem Land und dem Volk schuldig ist. Überwältigen Sie aber einmal den Egoismus der Ressorts. Durch Differenzen in den Zielsetzungen der Fraktionen entstehen Schutzräume, in denen abbaureife Institutionen und Personen Unterschlupf suchen und auch finden.“ Wie der geschäftsführende Vorsitzende des Finanzausschusses, Abgeordneter Möller (SPD Karlsruhe-Land) vor Pressevertretern erklärte, will der Finanzausschuß mit diesem einstimmig gefaßten Beschluß eine klare Stellungnahme des Ministerpräsidenten und des Kabinetts zu der Verwaltungsreform herbeiführen. Der Ausschuß stehe auf dem Standpunkt, daß man im Kabinett nicht den Etat verabschieden und dem Landtag zuleiten dürfe, wenn man vor der Öffentlichkeit die Ansicht vertrete, daß durch eine „Überwältigung des Egoismus der Ressorts“ noch Personal einge- spart werden könne. Aufgeblähter Verwaltungsapparat Vor 1933 fünfzig, heute sechshundert Beamte Murrhardt (iwb). Das Wirtschaftsministerium des alten Landes Württemberg zählte vor 1933 in einer Zeit voller Wirtschaftsnöte, jedoch produktiver und erfolgreicher Arbeit, 34 Beamte und 15 Hilfskräfte, also rund 50 Leute. Wie Ministerpräsident Maier in Murrhardt mitteilte, befassen sich heute mit den gleichen Aufgaben in Württemberg-Baden vier Ministerien mit 600 Leuten. Vor einem Jahr seien es noch über tausend gewesen. Ministerpräsident Dr. Maier war vor 1933 einige Jahre Wirtschaftsminister des alten Landes Württemberg. Sohiedsausschüsse für Mitbestimmunjsrecht Wiesbaden. (1h). Nach Mitteilung des hessischen Arbeitsministeriums sind jetzt die im hessischen Betriebsrätegesetz vorgesehenen Skhiedsausschüsse, die zur Entscheidung von Streitigkeiten aus dem personellen, sozialen und wirtschaftlichen Mitbestimmungsrecht berufen sind, konstituiert und ihre Vorsitzenden feierlich auf ihr Amt verpflichtet worden. Zur Zeit bestehen in Darmstadt, Frankfurt a. M., Fulda, Gießen, Kassel und Wiesbaden derartig« Ausschüsse und ein Oberschiedsausschuß in Frankfurt a. M. Große Erfolge der Warmblutzucht Viele erste und zweite Preise In Frankfurt Auf der Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in Frankfurt haben die Sammlungen aus Württemberg an Pferden, Rindern, Schafen und Schweinen mit vielen Preisen und Siegerpreisen ehrenvoll abgeschnitten. Auch die württ Warmblutzucht konnte besondere Erfolge für sich buchen. Folgende Preise konnte Württemberg u. a. erringen: 1. Preis und Ehrenpreis des Verbandes Hannover. Warmblutzüchter: Hengst „Felleisen“, Besitzer: Württ. LandesgestütMarbach- L.; 2. Preis: Hengst „Fechterkönig“, Besitzer: Württ Landesgestüt Marbach-L. 1. Preis und Ehrenpreis des Landwirtschaftsministeriums Stuttgart: Stute „Christrose“, Besitzer: Albert Unger, Bemhausen Kr. Saulgau; 1. Preis und Ehrenpreis des Verbandes württ. Warmblutzüchter Stuttgart: Stute „Iddel“, Besitzer: Friedrich Adlung, Domäne Sindlingen bei Herrenberg; 1. Preis und Ehrenpreis des Verbandes hannoveran. Warmblutzüchter: Stute „Isbe“, Besitzer: Friedrich Adlung, Domäne Sindlingen bei Herrenberg; 2. Preis: Stute .„Fahne“, Besitzer: Graf von Rechberg, Donz- dorf bei Göppingen; 2. Preis: Stute „Iswalde“, Besitzer: Friedrich Adlung, Domäne Sindlingen bei Herrenberg; 2. Preis: Stute „Eraldine“, Besitzer: Josef Wetzel, Ergetsweiler Kr. Ravensburg; 2. Preis: Stute „Midri“, Besitzer: Martin Reiner, Langgut - Ravensburg. Die Nachzuchtsammlung des Hengstes „Fechter“ erhielt einen 1. Preis und den Ehrenpreis des Landwirtschaftsministeriums Tübingen. Die Qualität unserer Pferde wurde noch durch Hengste des Hauptgestüts Marbach unterstrichen, das mit 8 Hengsten gleichzeitig eine Schaunummer mit einer Quadrille aus 8 Traberwagen und 2 wunderbar ausgeglichenen Viererzügen stellte. Diese beiden Vorführungen machten einen glänzenden Eindruck. Industrielle Produktion steigt weiter Nach Berechnungen des „Statistischen Bundesamtes“ betrug die Gesamtziffer der Produktion im Mai arbeitstäglich 105 Prozent der Erzeugung von 1936 gegenüber 102 Prozent im Monat April. Damit ist der Höchststand der Produktion im November des Vorjahres um acht v. H. überschritten worden. Es wurde eine 22prozentige Steigerung gegenüber dem Mai 1949 erreicht Auf den Kopf der um rund 25 Prozent gegenüber der Vorkriegszeit angewachsenen Bevölkerung bezogen, stellt sich dei Gesamtindexziffer der industriellen Produktion im Mai auf 84 Prozent von 1930. Das Gesetz über Geschäftsspesen Das Gesetz über Geschäftsspesen sieht, wie das Bundesfinanzministerium bestätigte, folgende Sätze vor: Eine Sonderabgabe von 10 Prozent bis zu 6000 DM im Jahre, 15 Prozent bis zu 12 000 und 20 Prozent für Beträge über 12 000 DM. Ist diese Abgabe entrichtet, dann kann der Gesamtbetrag dieser Art von Geschäftsunkosten vom steuerpflichtigen Einkommen abgezogen werden. Das Gesetz spricht ausdrücklich von „Ausgaben für Bewirtung“, damit werden sowohl die Aufwände in Gaststätten als auch in Privatwohnungen erfaßt. Die dem Finanzamt vorgelegte Rechnung muß vom Inhaber oder dessen Geschäftsführer abgezeichnet sein. Für Bewirtungen in der Wohnung werden noch gesonderte Kontrollvor- schriften erlassen. Arbeitslosigkeit geht zurück Die Zahl der Arbeitslosen in Württemberg- Baden ist im Monat Mai um 5600 auf 68 000 zurückgegangen. Seit dem Höchststand der Arbeitslosigkeit Mitte Februar dieses Jahres beträgt der Rückgang rund 25 000 Personen. Kirschen-Auktionen am Bodensee Die Kirschen-Auktionen in der Versteigerungshalle der Bodensee-Obstverwertung in Tettnang finden an jedem Werktag statt. Die Anlieferungen aus dem Kreis Ravensburg werden gleichfalls in Tettnang versteigert. Obsternte und Preise an der Bergstraße Die Obstbauern an der Bergstraße konnten folgende Preise erzielen: Süßkirschen 15—40, Sauerkirschen 15, Erdbeeren 45—65, Stachelbeeren 11—12, rote Johannisbeeren 30, schwarze Johannisbeeren 45—50 Dpf. je Pfund. Versteigerung Hallgartener Naturweine Die Winzergenossenschaft „Die Engländer“ versteigerte 65 Halbstück des Jahrganges 1949 mit einem Gesamttagesumsatz von 72 380 DM. Im Durchschnitt wurde das Halbstück mit 1115 DM verkauft Am Schluß stand ein Halbstück Jungfer A lese, das 3010 DM brachte. Am Donnerstag wird die Winzergenossenschaft „Die Buren“ ihre Weine zum Ausgebot bringen. ttetU en ende det Sensationen Entscheidung um Fußballmeisterschaft in Berlin —Wer kommt ins OkerhausT Der VfB Stuttgart und die Offenbacher Kik- kers sind die Kontrahenten am kommenden Sonntag im 39. Endspiel des Deutschen Fußbail-Bundes. Mag das Treffen aüsgehen wie es will, der Süden wird damit seinen 16. deutschen Meistertitel erringen und den Vorsprung weiter ausdehnen. Der Westen folgt erst mit weitem Abstand mit sieben Meisterschaften, Mitteldeutschland, und Berlin brachten es zu fünf Endspielerfölgen und der Norden zu vier. Wenn der Zeiger der Riesenühr im Berliner Olympiastadion am 25. Juni auf 16 Uhr springt, wird Schiedsrichter Kormannshaus mit seiner bekannten westfälischen Ruhe folgenden Mannschaften den Ball freigeben: VfBStuttgart: Sehmid; Retter,Steimle; Otterbach, Ledl, Barufka; Tapple, Schlienz, Buhler, Baitinger, Biessing. Kickers Offenbach: Schepper; Em- berger, Magel; Schreiner, Picard, Keim; Kaufhold, Wirsching, JBuhtz, Weber, Baas. Wenn auch in beiden Mannschaften keine Alt-Nationalspieler stehen, so sind unter den 22 doch einige vielversprechende Nachwuchstalente, die in Herbergers berühmtem Notizbuch verzeichnet sind. Der Tabellenzweite und Tabellendritte Süddeutschlands haben in ihrer Spielweise manches Gemeinsame. Beide lieben Wenn die sowjetischen Frühjahrsmanöver beendet sind, veröden die militärischen Dienststellen in Moskau und Karlshorst und di« Marschälle und Generäle fahren in ihr Dorado. den ehemaligen Sommersitz der Zaren, Krasnaja Poljana, im Kaukasus. Dort hat jeder seine eigene Villa. Die Zeiten militärischer Einfachheit sind vorbei, und jeder der hohen Militärs versucht den anderen an Luxus zu übertreffen. Hier herrscht die festumrissene Etikette, die der Duzfreund Stalins, Woro- schilow, für das sowjetische Offizierskorps auf stellt. Den Damen küßt man die Hand und Fluchen ist verboten. Es gab sogar Versuche, das Duell wieder einzuführen, um den Ehrenkodex für hohe russische Militärs zu vervollständigen, der dem des ehemaligen preußischen Offizierskorps kaum nachsteht. Hinter den Kulissen . . . Dort treibt denn auch das Intrigenspiel seine schönsten Blüten, das ständig zwischen den sowjetischen Marschällen im Gange ist. Es entstehen Cliquen, die nach den Läeblingsspielen der Marschälle bezeichnet werden. So spielt die des Erziehers der russische^ Jugend, General Malinowski, Kegel, die des Oberbefehlshabers in Polen, Rokossowski, Tennis. Der Chinafachmann Wassilewski bevorzugt Schach, der zeitweilig in Ungnade gefallene Shukow ist ein leidenschaftlicher Wasserballspieler, der berühmte alte Reitergeneral Budjenny hat sich dem klassischen russischen Krokett verschrieben Zwischen den Villen Sokolowskis und Was- silewskis steht ein unsichtbarer Zaun bitterer Feindschaft, obwohl beide äußerlich glänzend Zusammenarbeiten Vielleicht ist es aber auch, der Gegensatz zwischen dem adliggeborenen „Ritter von Sokolowski“ und dem einfachen Bauernjungen Wassilewski, der die beiden und ihre Anhänger sich fruchtbar ergänzen und sicfc gegenseitig kontrollieren läßt. Sokolowski, der mit dem „Roten Kronprinzen“ Bulganin befreundet ist, hat dem populären und vor allem bei seinen Soldaten als Truppenführer beliebten Shukow ein Bein gestellt, indem er ihn als „Freund der Amerikaner“ denunzierte. Als Shukow davon erfuhr, ohrfeigte er Sokolowski. Es wird erzählt, daß ein hoher, in Karlshorst tätiger Offizier, der dann später geheimnisvoll in Berlin umkam, das Material für diese Denunziation gegeben habe. Freunde und Feinde Sokolowski ist bei all seiner Neigung zu diktatorischen Maßnahmen, die er auch während seiner Tätigkeit als Oberbefehlshaber in der Ostzone zeigt, sehr vorsichtig. Seinen Untergebenen gibt er keinen Befehl, sondern nur unklare Hinweise, was ihm notfalls immer ge- es, den Ball durch die ganzen Reihen laufen zu lassen und beide verzichten im allgemeinen auf sporadische Durchbrüche und das sogenannte kick- und rush-System, mit dem beispielsweise Preußen DeUbrück als Neuling unter die Semifinalisten gelangte. Das für das Auge gefällige Spielsystem beider Vereine wird deshalb auch die 95 000 Berliner begeistern. Offenbach liegt dem VfB nicht Es ist ein offenes Geheimnis, daß man sich in Bad Cannstatt einen anderen Endspielgegner als die Offenbache’- Kickers gewünscht hat. In den letzten fünf Oberligaspielen vermochten die Vf Bier gegen Offenbach nie zu gewinnen und kamen lediglich zu Ehrentoren. Die jüngsten Ergel a sse von 1947 bis 1950 lauten 3:1, 1:0, 4:1, 2:1 und 4:1 zugunsten der Offenbacher. Diese Erfolge waren die Auswirkung der revolutionären Spielumstellung des früheren Bundessportlehrers Oßwald. Oß- wald verstand es, aus einer durchschnittlichen Ma nn sc h aft den „Offenbach- Expreß" mit blitzschnellem Starttempo und Tempcerhöhungen auf der Strecke zu fermen. Demgegenüber wirkt die Spielanlage des VF~ wie jenes im Volkslied besungene „schwät he Eisenbähn- le“. Im Wettrennen zwischen ,em Expreß aus stattet, sich unbeschadet zurückzuziehen. Man erinnert sich noch der glänzenden Empfänge Sokolowskis, die er den westlichen Alliierten in Cäcilienhof gab. Auf einem der letzten dieser Empfänge beteuerte er gegenüber dem damaligen amerikanischen Oberbefehlshaber, General Clay, mit dem Sektglas in der Hand;. „Wir waren immer gute Freunde, und wir werden es immer bleiben.“ Wenige Tage danach endete die Viermächteverwaltung Berlin und die russische Blockade begann. Sokolowskis Freund, der kultivierte und verbindliche Bulganin mit dem gut geschorenen Spitzbart, gilt als Gegenspieler Molotows. Man hat oft davon gesprochen, daß Bulganin mit seinem Feind Molotow und seinem Freund Ma- lenkow ein Triumvirat bilden würde, um di« Nachfolge Stalins zu übernehmen. Wieder aufgetaucht ist der rote Volksheld Timoschenko, der einst sang- und klanglos verschwand, als ihn der Blitz der Ungnade vom Kreml traf. Eine der schönsten Villen hat der elegante, ganz unrussische und dem Kreml wohl zu westlich und konziliant eingestellte General Kotikow, der beinahe von dem Westenhasser Jelisarow, dessen Onkel mit einer Schwester Lenins verheiratet ist, aus seiner Stellung in Berlin verdrängt worden wäre. Sein Vorstoß gegen die Radikalen in der Partei unter Shdanow war sicher der schärfste, den die russischen Militärs jemals führten. Und das Gerücht, das Shdanow von „verwestlichten“ Offizieren ermordet wurde, will nicht verstummen. Um was es geht Was sich in Krasnaja Poljana abspielt, ist Bicher mehr als der persönliche Kampf um höhere Posten oder den Platz an der Sonne des roten Zaren. Es ist der Kampf für oder gegen die Verwestlichung Rußlands, der die Sowjetunion wie ein Fieber schüttelt, seitdem allzuviel seiner Söhne den Westen gesehen haben und an seinen Ideen und Lebensformen Gefallen gefunden haben. Daher forderte Shukow auch kurz nach dem Kriege, daß die aus dem Krieg heimkehrenden Bauern als Besitzer auf ihren Grund und Boden zurückkehren sollten. Vielleicht wiederholen sich einmal die Erscheinungen, die sich in der russischen Armee nach den napoleohischen Kriegen abzeichne-* ten. Damals waren die bis dahin in völliger Abgeschlossenheit lebenden zaristischen Offiziere von ihren Erfahrungen im Westen so beeindruckt, daß nicht zuletzt aus ihren Reihen die Reformer und späteren Revolutionäre kamen, die den weißen Zaren von seinem Throne warfen — um einen roten an seine Stelle zu setzen. H. K. . Offenbach and dem Zügle aus dem Schwabenland könnte einem um die Stuttgarter angst und bang werden, wüßte man nicht, daß es ein Grundprinzip der „schwäbischen Eisenbahn“ ist, zwar langsamer, aber desto beständiger ans Ziel zu gelangen. Trainer Wurzer hat es verstanden, seine Mannschaft ln eine solche Kondition zu bringen, daß sie ihr fliegendes Kombinationsspiel und das ständige Vortragen der Angriffswellen 90 Minuten lang ohne sonderliche Anstrengung durchzuhalten vermag. Ensplelbeginn um 16 Uhr Das Endspiel im Berliner Olympiastadion wird um 16 Uhr beginnen. Insgesamt stehen 95 033 Karten zur Verfügung. 3000 Jugendliche haben freien Eintritt. Zusammen mit Pressevertretern, Bildberichtern und Ordnern wird das Olympiastadion am 25. Juni voraussichtlich rund 100 000 Personen aufnehmen. Im sowjetischen Sektor Berlins kommen für die Fußballanhänger, die nur über Ostmark verfügen, rund 10000 Karten zum Verkauf. Abfahrt des Sonderzuges Der Sonderzug des VfB Stuttgart zum Endspiel fährt am Samstag, 24. Juni, um 16 Uhr in Stuttgart ab und ist am Sonntagvormittag um 7 Uhr in Berlin. Die Rückreise wird am Sonntagabend zwischen 20 und 21 Uhr angetreten. Mit der Ankunft in Stuttgart ist am Montag zwischen 8 und 10 Uhr vormittags zu rechnen. Zusteigemöglichkeiten bestehen in Ludwigsburg, Bietigheim, Mühlacker, Bruchsal und Heidelberg. Di« Reisenden müssen im Besitz eines gültigen Interzonenpasses sein, der innerhalb von drei Tagen vom Amt für öffentliche Ordnung Stuttgart ausgestellt wird. Einlage: Leichtathletik Im Rahmen des Endspiels im Berliner Olympiastadion werden als Einlage auch leichtathletische Wettkämpfe ausgetragen werden. Die letzten 25 Minuten vor dem Anpfiff zum Endspiel sind den Leichtathleten Vorbehalten. Dabei treffen Berliner Spitzensportler auf westdeutscheN- cmalmannschafts-Aspiranten, die einen 800-m-Lauf und eine 4 X 400-m- Staffel bestreiten. Die Frauen starten eine 4 X 100-m-StafTsl. In den Staffelwettbewer- bern laufen lie msten deutschen Mittelstreckler in vom Deutschen Leichtathletikverband gesetzten Stc ^eln. Aus Württemberg sind zu diesem Leich ta+H'etiktreffen zwei Läufer des Endspielvereins VfB Stuttgart eingeladen worden. Rolf Wernicke nicht Reporter In Auswirkung seiner von einigen Seiten heftig angegriffenen Boxreportage vom Mannheimer Kampf Walcott gegen ten Hoff haben die westdeutschen Sender — mit Ausnahme des Süciwestfunks — Rolf Wernicke für weitere Reportagen „gesperrt“. Schon bei den Berichten vom Nürburgring-Rennen, wo Wernicke die Ansage bei Start und Ziel hatte, wurde seine Reportage aus den Berichten westdeutscher Sender „herausgeschnitten“. Damit dürfte auch die Hoffnung vieler Sporthörer, Wernicke als Sprecher des Fußballendspieles am 25. Juni im Berliner Olympiastadion zu hören, nicht in Erfüllung gehen Letzte Entscheidung im Aufstiegskampf In der süddeutschen Aufstiegsrunde hat Darmstadt 98 als Erster die Oberliga erreicht. In einem Entscheidungsspiel auf dem neuen VfR-Platz in Heilbronn wird nun am kommenden Samstag um 18.30 Uhr festgestellt, ob U1 m oder Neckarau ins Oberhaus einzieht. Die vorausgegangenen Spiele endeten 1:2 und 1:0. Ein weiterer Platz in der süddeutschen 18er- Oberliga ist dem besten Verein Südbadens reserviert. Der Spielplan sieht für 25. Juni ein letztes Qualifikationsspiel in Schwenningen zwischen dem FC Freiburg und FC Singen vor. Oberliga Südwest — Meisterschaft VfL Neustadt — TuS Neuendorf FSV Trier-Kürenz — 1. FC Kaiserslautern Aufstiegsspiele zur Südwest-Oberiiga Konz — Zweibrücken Neuenahr — Herdorf Bad Kreuznach — Tura Ludwigshafen Endrunde südd. Jugend-Fußballmeisterschaft In Bad Wörishofen (bayr Allgäu) kommt am Samstag/Sonntag die Endrunde um die süddeutsche Jugendfußballmeisterschaft zum Austrag. Neben dem südwestdeutschen SC Freiburg sind Bayern München, Kickers Stutt- Roter Handkuß im Zarenschloß Das Leben auf dem Sommersitz der Sowjet-Marschälle — Die Zeiten der Einfachheit sind vorbei — Von glänzenden Namen und gefährlichen Intrigen Sirenen-Mädchen gesucht „Water-Sbow" — neuer Profisport in USA Tn einer großen französischen Tageszeitung las man unter der Überschrift: „Wollen Sie eine Sirene werden?“ kürzlich folgende Anzeige: „Hübsche Mädchen, hervorragende Schwimmerinnen, mit choreographischen Kenntnissen und dem Temperament einer Meisterin, für ein Wasserballett gesucht. Monatssalär 100 000 Francs.“ Diese Anzeige lenkt die Aufmerksamkeit auf einen Sportzweig, der — vor allem in Amerika — einen erstaunlichen Aufschwung genommen hat. So wie bei einer Eisschau die Kunstläuferin«! und Kunstläufer die Hauptakteure sind, so bilden die „Sirenen“ — moderne Meermädchen — die Attraktion in einer „Wasser-Schau“. Annette Kellermann, die australische Meisterschwimmerin, war die Erste, die eine „Wasser-Schau“ herausbrachte. Die Stars dieser Schau waren zwei Zwillingsschweste m, die sich so ähnlich sahen, daß man sie weder unter noch über Wasser unterscheiden konnte. In völlig gleichem Rhythmus vollführten sie ihre Darbietungen. Leider wurde eine von ihnen später allzu vollschlank, so daß die Nummer „platzte“. Im Jahre 1938 präsentierte dam) die gefeierte Olympiasiegerin Eleanor Holm in Cleveland die erste amerikanische Wasser-Schau schwimmender Berufsartisten. Unter der Regie von Johnny Weißmüller, Buster Crabb, Eleanor Holm uk. haben «ich inzwischen in USA Wasser-Varietö-Trupps gebildet, die mit noch raffinierteren Lichteffekten aufwarten als etwa die Eis- und Rollschuh- Revuen. Meist arbeiten diese Wasserartisten in einem transportablen Schwimmbecken, das (ähnlich wie die künstlichen Eisbahnen) in Music-Halls, Theater- und Festsälen in kürzester Zeit auf- und abmontiert werden kann. Bei einer solchen „Aqua-Parade“ wird das Wasser durch Riesenscheinwerfer taghell beleuchtet, damit die Zuschauer jede einzelne Bewegung der Wassernixen und Wellentänzerinnen genauestem verfolgen können. Die Stars in einem solchen Wasser-Ballett erhalten wöchentlich zirka 65 Dollar. Das ist nicht zu viel, wenn man bedenkt, welch ungeheures Training die minutenlange Unterwasserarbeit und der schnelle Ablauf der Figuren erfordert. Das sogenannte Figuren!egen im Amateur- Schwimmsport hat in der Nachkriegszeit ebenfalls eine Entwic kl u n g in Richtung auf das Wasser-Ballett genommen. In Amerika kam zuerst das „Synchronized-Swimming“ auf, bei dem Gruppen von vier bis zwölf Schwimmerinnen ein Sechs-Minuten-Programm, mit oder ohne Musik, abzuwickeln haben. Genau wie beim Kunstspringen gibt es für saubere Haltung, Ausführung und Schwierigkeitsgrad der Figuren (wie Flamingos, Catalinas, Delphins) eine Punktwertung- Es gibt dabei Meisterschaften für Solisten, Duettisten und größere Gruppen. Die Duettis tea-Meisterschaft holten rieh beispielsweise die Schwestern June und Gale Taylor von der Ontaria-Universitäi. Sie zeigten ,JSe Feuervögel“, wobei sie ihre Darbietungen in einem diesen Vögeln überaus ähnlichen Kostüm zum Besten gaben. Aufstrebender Verlagsort Heidelberg Heidelberg (lds). In einer Sonderausgabe des in der „Heidelberger Veriagsanstalt" erscheinendes „Heidelberger Fremdenblattes“ werden Zahlen über die Verlagstätigkeit in Heidelberg veröffentlicht Danach hatte Heidelberg kn Jahre 1949 71 Verlagsunternehmungen aufzuweisen. 52 Verleger konnten Neuerscheinungen, Neuauflagen und Neudrucke melden, bzw. Zeitschriften oder Zeitungen neu herausgeben Insgesamt sind im vergangenen Jahr in Heidelberg 97 Zeitschriften — darunter 87 Fachzeitschriften — erschienen In der schönen Literatur wurden 72, in der Fachliteratur 378 Neuerscheinungen verzeichnet. Insgesamt erschienen 571 neue Verlagstitel mit einer Gesamtauflage von 2 735 250 Exemplaren. Seltsamer Rekord: 125 Stunden Klavierspiel Heidelberg (Iwb). In einer Heidelberger Gaststätte erhob sich am Dienstagabend um 23.00 Uhr der Meister im Dauerklavierspielen Heinz Amtz schwankend von seinem Stuhl, auf dem er 125 Stunden klavierspielend zugebracht hatte. Damit hat Amtz seinen eigenen Weltrekord, den er erst kürzlich in Dortmund mit 124 Stunden aufgestellt hatte, um eine Stunde überboten. Die zahlreich erschienenen Musikfreunde spendeten lauten Beifall, als der Meister reichlich mit Blwnen- Jubiläumsrennen um Schotten Motorsport-Elite vollzählig am Start Wenn am Wochenende das große Motorrad- uad Automobil-Rennen „Rund um Schotten“ wieder Klassefahrer am Start sehen wird, ist es genau 25 Jahre her, seit man 1925 das erste Rennen dieser - Art am Vogelsberg durchführte. Und was für ein Unterschied zwischen den damaligen Rädern und den jetzigen 500-ccm-Maschinen eines Schorscb Meier und Heiner Fleischmann! Steinbach (Mannheim), der dann später nach einem Unfall sein Leben aushauchte, fuhr 1936 mit 120,85 Stdkm. Streckenrekord. Als dann abei 1948 Schorscb Meier mit seiner BMW daherbrauste, waren sofort 125 Stdkm. fällig, die er 1949 auf 128 Stdkm. (wenn auch nur im Training) schraubte. Der „Motorsportclub Rund um Schotten“ hofft diesmal auf neuen Streckenaekord, da die Betondecke der weiter ausgebauten Rennstrecke jedes Ausfahren der Maschinen ermöglicht. Es soll dann 1951 versucht werden, einen „Großen Preis“ auf Rund um Schotten zu erhalten. gart und Hessen Kassel an den Endkämpfen * beteiligt. Freundschaftsspiele VfB Mühlbtirg — Mainz 05 Rotweiß Lörrach — FC Basel TuS Neuendorf — St Pauli Phönix Ludwigshafen — SV Waldhof FK Pirmasens — Schwaben Augsburg 1. FC Pforzheim — Eintracht Frankfurt Hannover 96 — Schalke 04 Horst Emscher — Eintracht Braunschweig VfR Kaiserslautern — Schwaben Augsburg Rotweiß Essen — 1. FC Kaiserslautern VfL Neustadt — TuS Neuendorf SpFr. Siegen — Fortuna Düsseldorf VfB Oldenburg — VfR Mannheim Eintracht Trier — Rheydter SV Borussia Velbert — Vohwinkel 80 SV Wölfenbüttel — Arminia Hannovei FV Offenburg — Essen/Kamap Länderspiel Dänemark — Norwegen Fußball-Weltmeisterschaft England Favorit der ersten Runde Bei den am Sonntag in Brasilien beginnenden Spielen um die Weltmeisterschaft im Fußball spielen 6 europäische Mannschaften in der ersten Runde. Es stehen sich gegenüber Brasilien — Mexiko Schweiz — Jugoslawien England — Chile Italien — Schweden Spanien — USA Fünf Nationen in Stuttgart am Start Aus Anlaß ihres 30jährigen Bestehens führt die Eisenbahner-Sportgemeinschaft Rotweiß Stuttgart am kommenden Sonntag ein internationales Leichtathletikfest durch, zu dem neben deutschen Sportlern Vertreter aus der Schweiz, Schweden, Finnland und Österreich erscheinen werden. Die ausgeschriebenen Wettbewerbe wurden auf das Können der Ausländer abgestellt In den Laufdisziplinen (100, 200, 400, 800 und 7500 Meter) treffen die deutschen Spitzenkönner auf die schwedische Läufergarde Im Dreisprung wird der finnische Landesmeister Uuisihauta am Start erscheinen. Besonders reizvoll dürfte das Kugelstoßen werden, wo Deutschlands größte Nachkriegshoffnung, der Mehrkämpfer Hipp- Balingen, auf den finnisch«) Meister Saari- koski trifft. Hipp wird sich auch im Hammerwerfen versuchen, wo die deutsche Elite mit Wolf, Storch und Blask an treten wird. Wetterbericht Übersipht: Nach Abzug des mitteleuropäischen Hochdruckgebiets gerät Südwestdeutschland wieder zunehmend unter den Einfluß eines ausgedehnten Tiefdruckgebiets über England und der Nordsee. Die von ihnen ausgehenden Rahdstörungen erfassen zeitweise auch unseren Raum und lassen bei anhaltender Zufuhr kühler Meeresluft den unbeständigen Witterungscharakter fortdauern. Vorhersage: Am Donnerstag und Freitag wechselnd bewölkt mit Zwischenaufheiterungen. Weiterhin Neigung zu Schauern, teils gewittriger Art Nur mäßig warm, aber schwül mit Höchsttemperaturen um 20 Grad Südwestliche bis westliche Winde. Sträußen und Anerkennungsansprachen bedacht wurde. Selbst vor dem Fenster der Gaststätte drängten sich viele Schaulustige. Am 28. Juni wird Amtz in München erneut an den „Start“ gehen. Am Flügel begleitet der Oberbürgermeister Freiburg. (lds). Bei einem Liederabend zugunsten des weiteren Wiederaufbaues des Freiburger Stadttheaters am Freitag wird Oberbürgermeister Dr. Hoffmann die Freiburger Kammersängerin Hanne Schmitz am Flügel begleiten. Auf dem Pogramm stehen Lieder von Schubert, Schumann, Cornelius, Brahms sowie Goethelieder von Armin Knab. • Prof. Dr. K i e n 1 e von dar Humboldt-Universität Berlin erhielt einen Ruf auf den ordentlichen Lehrstuhl für Astronomie an der Universität Heidelberg. — Dr. Helmut Haselmann wurde die venia legendi für das Fach „Anatomie“ erteilt. • Die Germania-Haus eGmbH. in Stuttgart plant, das kriegszerstörte Uhlandshaus in Tübingen, Ecke Mühl- und Gartenstraße wieder aufzubauen. * Der Landtag von Südwürttemberg- Hohen- zollern bewilligte mit knapper Mehrheit einen Staatszuschuß von 255 000 DM für das bisherige Städtetheater Tübingen-Reutlingen. Mit Beginn der neuen Spielzeit «oll das Theater als Landesbühne weitergeführt werden. KULTUR UND LEBEN Gustave Courbet Roman eines Malerlebens Der Name Gustave Courbet (1819—1877) ist auf dem Wege zur Kunst der Gegenwart ein Eckstein zwischen den Feldern geworden, ein Eckstein, der Klärung durch das Ärgernis, das er für die akademische Kunst seiner Zeitgenossen bedeutete Ein ewiges Kind mit athletischen Naturburschenmanieren, befehdet der Gutsbesitzersohn aus Omans, der eine schweizerische Mutter hat, alles Stilisieren und Heroisieren, wie di* Klassizisten und Romantiker seiner Jugendtage es lieben „Stil ist Humbug!“, ruft er aus und sucht sich seit 1838 in Paris seinen Weg ohne Akademie. Er findet ihn durch die Natur. Sie wird ihm bald zur einzigen Wahrheit, die ein Künstler zu gestalten hat: „Der Maler hat kein Recht, etwas zu dieser Ausdruckssprache der Natur hinzuzufügen, ihre Form zu ändern und sie dadurch zu schwächen.“ So wird ihm das Auge -zum eigentlichen Werkzeug: Wirklichkeit, Natur ist für ihn nur das, was er sehen und sehend betasten kann: „Es ist Unsinn für talentierte Maler, mit Themen aufzuwarten, an die sie nicht glauben, weil sie andern Epochen zugehören.“ Courbet. kennt kein Ideal, keinen Traum, keinen Glauben: er ist fanatischer Realist. Gustave Courbet: In der Hängematte (1844; ' . r Jip* i.p.piin• iiiiillHSi ^nn»jiigi Moderne Musik in Stuttgart Stuttgart. Der erste Kammermusikabend in der vom Süddeutschen Rundfunk veranstalteten Reihe „Tage zeitgenössischer Musik“ war bei ausgezeichnetem Besuch ein voller Erfolg. Ein Konzert für Violine und Kammerorchester des Stuttgarter Komponisten Paul Groß wurde ur- aufgeführt. Tiefen Eindruck machte ein Kam- f cerkonzert für Flöte, Englisch-Horn und treichorchester von Arthur Honegger. Honegger hat in diesem Konzert seine schwere, leidenschaftliche Art verlassen und ist viel gelöster und durchsichtiger als in seinen übrigen Werken. Den größten Erfolg des Abends brachte Bela Bartoks Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug, ein in seiner vitalen Kraft und barbarischen Wildheit hinreißendes Werk. Der zweite Kammermucikabend der „Tag der zeitgenössischen Musik“ war in seinem ersten Teil Vertretern dar ZwS'tf-Tonmusik gewidmet. An der Spitze stand Arnold Schönberg selbst, der erste Anreger der neuen Entwicklung der Musik zu Beginn Oes Jahrhunderts. Sein drittes, aus dem Jahie 1927 stammendes Streichquartett wurde durch das Schimmer-Quartett hervorragend interpretiert. Von Hans Werner Henze wurde eine Kantate *ür Sopran und Klavier nach einem Gedicht von Whitmann durch Sybille Ursula Fuchs, von Franz Zubai begleitet, eindrucksvoll vorgetragen, fm- zweiten Teil sang der Bruckner-Chor unter der Leitung von Johann Nepomuk David sechs Capella-Chöre von Paul Hindemith nach mittelalterlichen Texten. Die zehn Volksliedersätze Johann Nepomuk Davids, die dann folgten, sind unproblematische Musik voll ehrlichem, niemals übertriebenem Gefühl und Geist. Diese Musik ist sogar für die weitesten Kreise der Musikfreunde ohne weiteres eingängige „neue Musik“. Zola feiert Courbet als den ersten Naturalisten, als er dessen Bilder sieht: die Landleute aus Courbets Heimat, die einem Be- jräbnis beiwohnen; die Steinklopfer und absichtslos an die Seine sich lagernden Spaziergängerinnen; die Rehe und Forellen, die der „Selfmademan“ wie Momentaufnahmen aus dem Naturgeschehen gegriffen hat. Aber die Akademiker und auch Umstürzler wie Delacroix sind empört über so viel „Geistlosigkeit und Formlosigkeit“, die es wagt, auf großen Formaten Alltagsmenschen im Alltagsgewand zu zeigen. Noch geht ja der Zug der Zeit nach dem Erhabenen, dem Großartigen, dem Vorbildhaften, der parkhaft stilisierten Landschaft. Mit den Männern, die mit dem stillen Corot in diesen Jahren im Walde von Fontainebleau sich zum Erlebnis der Naturschönhßit zusammenfinden, kann man sich allenfalls noch abfinden, ihr Naturrealismus kommt auf Sammetpfoten. Aber dieser Courbet greift mitten in das nackte Dasein, erlebt es mit Jägeraugen und schiebt allen holden Schein mitleidlos beiseite. £k> verdrängt man Courbet 1855 aus der Weltausstellung. Doch Courbet baut sich kurzerhand eine Holzbaracke, stellt aus und schreibt über den Eingang: „G. Courbet: Realisme.“ Das Publikum geht lachend hindurch, wie durch ein Panoptikum. Es ficht den Rebellen nicht an Er prahit wider alles Gespött, selbstbewußt bis zur Kraftmaierei. Noch 1866 droht Königin Eugenie mit der Schließung des offiziellen Salons, wenn ein gewisses unverschämtes Bild Courbets nicht entfernt werde. Napoleon III. schlägt sogar mit der Reitpeitsche auf ein Aktbild des Künstlers ein, um seine Empörung zu demonstrieren, denn Courbets Akte sind ungeschönt und nackt. Aber um diese Zeit beginnt das Auge des Publikums sich bereits zu wandeln. Es ist der 500 Jahre gedruckte Bibeln Württemberg — ein-Zentrum verlegerischer Tätigkeit /■ Im Jahre 1460 erschien die erste Gutenberg-Bibel. Auf Grund dieses 500jährigen Jubiläums beabsichtigen die United Bibel- Societies, die ihren Sitz in New York haben, ihre Jahresversammlung 1950. ln Deutschland, der Heimat der Buchdruckerkunst, abzuhalten. Fündundzwanzig Millionen Bibeln werden in normalen Zeiten alljährlich in der Welt oenötigt. Dieser riesige Bedarf der christlichen Menschheit ist, den politischen Verhältnissen auf der Erde entsprechend, zum größten Teil immer von englischen und amerikanischen Bibelgesellschaften gedeckt worden. Aber auch von Deutschland ist viel für die Verbreitung des gedruckten Gotteswortes getan worden, und zwar ganz besonders von Württemberg aus. Schon während der Reformationszeit begründete Primus Trüber, ein Freund Luthers, in Urach unter der Schwäbischen Alb eine Bibelstiftung, worauf neute noch eine Gedenktafel hinweist. Als sich nach der Erfindung der Schnellpresse durch Friedrich König zu Anfang des 19. Tahrhunderts in verschiedenen deutschen und ausländischen Städten Bibelgesellschaften bildeten, entstand in Stuttgart die Würt- tembergische Bibelanstalt, die als das größte Institut dieser Art in Deutschland bisher fünfundreißig Millionen Bibeln -in verschiedenen Sprachen in die Welt geschickt hat. Und nach dem letzten Krieg ist in Metzin g e n, unweit der Heimat der ersten Bibelstiftung der Reformationszeit, aus der Preußischen Hauptbibelgesellschaft und von Cansteinschen Bibelanstalt in Berlin die Bibel- und Missionsstiftung hervorgegangen. „Exzellenzbibel“ Seit vor 500 Jahren die. erste Gutenberg- Bibel, die lateinische sogenannte „Zweiund- vierzigzeilige“ erschien, und seit Martin Luther in dreizehnjähriger Arbeit die Bibel in die deutsche Sprache übersetzte, hat es seitens der Kirchen nicht an Bemühungen gefehlt, ihren Gläubigen die Heilige Schrift in gedruckter Form auch für den Hausgebrauch zugänglich zu machen. Ehe die Bibelgesellschaften, die anfangs die Bibeln nicht selber verlegten, sondern von anderen Verlagen aufkauften, jedoch ihre Arbeit richtig aufnehmen konnten, sahen sie sich veranlaßt, die deutschen Bibeltexte, die als „Luther - Übersetzung“ im Umlauf waren, wieder von ihren nach Luthers Zeit aufgekommenen sprachlichen Verschiedenheiten zu reinigen und für einen gleichlautenden Bibeltext zu sorgen. Diese umfangreiche Arbeit wurde während der Jahre 1845 bis 1855 geleistet. Von dieser Zeit ab ist jede Bibel im gleichen einwandfreien Wortlaut erschienen. Von den sprachlich unterschiedlichen Bibeltexten, die es vor dieser Treuhänderschaft der Bibelgesellschaften gab, wurde die Braunschweiger Bibel im Volksmund die „Exzellenzbibel“ genannt. In ihren Evangelien war nicht von „Kaiser Augustus“ die Rede, wie es uns jetzt geläufig ist, sondern von „Seiner Majestät dem römischen Kaiser*. Diesem Stil entsprechend hieß es dort auch nicht „Nimm dein Bett und gehe heim“, sondern „Nimm dein Kanapee und gehe heim“. Bibeln in 1 090 Sprachen Eine ihrer heutigen Hauptaufgaben sehen die bedeutendsten Bibelgesellschaften darin, das von den Missionaren in allen Erdteilen verkündete Wort Gottes in andere Sprachen zu übersetzen und zu verbreiten. Von den ungefähr dreitausend Sprachen, die es gibt, sind etwa tausend im Aussterben begriffen. Wenn die Bibel auch noch nicht in allen übrigen zweitausend lebenden Sprachen vorliegt, so ist sie nach den neuesten Meldungen doch schon in ungefähr tausendundneunzig Sprachen übersetzt worden. Den größten Teil dieser Arbeit haben die englischen Bibelgesellschaften geleistet, die Bibeln oder Bibelteile in über siebenhundert Sprachen herausgegeben haben. Die amerikanischen Bibelgesellschaften haben es erst auf dreihundert- undsechzig verschiedensprachige Bibeln gebracht. Auch die Württembergische Bibelanstalt ist in der Übersetzung tätig gewesen. Sie hat sich vor allem um die Urtext-Bibeln für wissenschaftliche Zwecke in griechische?, hebräischer und lateinischer Sprache verdient gemacht. Ihre Ausgaben erlangten Weltbedeutung. Sie hat ferner die Missionsbibeln um die Suaheli-Bibel des deutschen Missionars Dr. Roehl und einige andere bereichert. Nicht alle Bibeln haben die handliche, seit langem gebräuchliche Form. In vielen Familien sind noch kostbare alte, illustrierte Bibeln zu finden, die die ganze Schublade einnehmen, irr der sie aufbewShrt werden. Und trotz des umfangreichen Textes gibt es Bibelausgaben, die zu den kleinsten Büchern der Welt gehören. So wurde in New York und in Leipzig eine deutschsprachige Bibel nach photographisch verkleinertem Satz gedruckt, die kleiner ist als eine Streichholzschachtel aber trotzdem den vollen Wortlaut enthält. Man möge hierbei bedenken, daß die Bibel aus 31173 Versen, 773 692 Worten oder 3 566 260 Buchstaben besteht! In Kriegszeiten In Deutschland wurden in normalen Zeiten jährlich eine Million Bibeln benötigt. In Kriegszeiten stieg der Bedarf, der im Jahre 1915 beispielsweise drei Millionen betrug. In Nachkriegszeiten stieg die Nachfrage ebenfalls. Nach dem letzten Kriege wurde der Bedarf in Deutschland wegen der Heimatvertriebenen und Ausgebombten auf über vier Millionen Vollbibeln und sechs Millionen Neue Testamente geschätzt. In den ersten Nachkriegs jahren standen den deutschen Bibelgesellschaften nur Schweizer und amerikanischer deutschsprachige Bibelausgaben zur Verfügung, die zu Zehntausenden auch in die russische Zone versandt wurden. Jetzt ist der Bibeldruck in Deutschland wieder in vollem Gange, und die Württembergische Bibelanstalt hat in den letzten Jahren fast dreihunderttausend Bibeln und über sechshunderttausend Neue oder Alte Testamente verlegt. H. U. (Omnip) Schönfärberei der klassizistischen Epigonen müde geworden und sucht Wahrheit, Wirklichkeit. Die Saat der Stendhal, Balzac, Constable, Corot geht auf. So gewinnt das Publikum auch Zugang zu der elementaren Daseinsfreude des Mannes aus Omans. Die Weltausstellung von 1867 wird zu einem ersten Erfolg, und 1870 findet sich sogar der Kaiser bereit, die Reitpeitsche mit dem Orden der Ehrenlegion vergessen zu machen. Courbet, der Demokrat und Sozialist, lehnt ab: „Der Staat ist in Kunstfragen nicht kompetent! ... Wenn ich tot bin, soll man von mir sagen: Er hat keiner Schule, keiner Kirche, keiner Richtung, keinem System angehört, nur dem der Freiheit.“ Wirre Tage kommen. Der „rote“ Maler Courbet scheitert menschlich. 1877 stirbt er im Schweizer Exil. Die schwere Buße für einen ihm zur Last gelegten, politsch bedingten Kunstfrevel aus den Tagen der Communards hat den Riesen zerbrochen. Er muß das Odium des Bilderstürmers mit ins Grab nehmen. Aber das, was Courbet als Bildner für die Zukunft bedeutete, war in diesen Jahren seines langsamen Hinsterbens nicht nur in Frankreich offenbar geworden: Hans Thoma, Leibi, Menzel, und viele andere Wegebahner einer naturnahen Kunst hatten seinen Atem gespürt und scheuten sich nicht, gleich ihm auf die überlieferte Tonmalerei zu verzichten und ihrem subjektiven Seherlebnis auch in der malerischen Technik Ausdruck zu geben: die Prima Malerei, die die Farbe direkt — al prima — in der gewünschen Wertigkeit aufträgt, anstatt vom Grundton ausgehend langsam Farbsehicht über Farbsdiicht zu legen, begann ihren Siegeszug über die Tonmalerei anzutreten. Der Weg zur direkten Farbe — und damit zu einer Kette von neuen Ausdrucksmöglichkeiten und Experimenten — war beschritten. Dieser von Delacroix und dem reifen Courbet eingelei- E‘isen. Der Präsident des Zentralkomitees dei Deutschen Katholikentage, Erbprinz Karl zu Löwenstein, wird einer Einladung des Präsidenten des Deutschen Evangelischen Kirchentages, D. Dr. von Thadden, folgend, am Essener Kirchentag telnehmen, der vom 23. bis 27. August stattfindet. teten Maltechnik gegenüber erscheint heute von untergeordneter Bedeutung, was Courbet als „Realist“ und Naturfanatiker an Neuem brachte, und es ist mit Recht schon früh erkannt worden, daß es Courbets Bedeutung einengt, wollte man ihn nur als Naturalisten oder gar als naturalistischen Sozialreformer der Kunst ansehen. Seine Bedeutung liegt weit über dem, was er selbst von seiner Kunst zu sagen wußte und worauf ihn Zola und die Communards festgelegt wissen wollten. Soeben veröffentlicht der W. Klein-Verlag in Baden-Baden ein Buch über „Gustave C o u r b e t“. Es ist geschrieben von Marie Luise Kaschnitz und trägt den Untertitel „Roman eines Malerlebens“. Die Ausstattung dieses schlicht und spannend erzählten Werkes zeugt von der Gediegenheit des bekannten Kunstverlages. 16 Bildtafeln sind dem Text angefügt, der Courbets Wesen treffend in den Schlußsätzen eingefangen hat: „Courbet... steht an der Schwelle jener Epoche, die man die materialistische nennt. Die Wahrheit, nicht der Traum, die Wirklichkeit, nicht die Welt der Phantasie waren der Ausgangspunkt und das Ziel seiner Bestrebung. Aber durch das Wunder seiner ungebrochenen Natur vermochte der Geistfeindliche den Geist der Wirklichkeit zu beschwören. Und durch die Gnade seiner Allverbundenheit drang er, Bildungswelt, Relir. gion und Philosophie wie Spielzeug beiseite schiebend, wie ein Riese noch einmal an die Quellen mythischer -Kraft.“ Dr. H. Baumhaüer. Liebhabereien berühmter Leute „Ach, haben’s die gut!“ seufzt der Kinobesucher, wenn er auf der Lein vand einen gefeierten Filmstar im Sechszylinder oder auf einer märchenhaften Luxusjacht die Schönheiten der Welt genießen sieht. Dabei haben berühmte Künstler in Wirklichkeit ganz dieselben kleinen Passionen wie der Mann an der Drehbank, sein Kamerad auf dem Büroschemel oder das Mädchen hinter dem Ladentisch. Benjamino Gigli „Ich bin ein leidenschaftlicher Briefmarkensammler“, erklärt der große italienische Tenor, doch habe ich auch Freude an alten Münzen und Teppichen, sowie guten Bildern Geradezu versessen bin ich auf Spielkarten. Meine Manager können ein Lied davon singen. Kaum bin ich mit einem von ihnen im Hotelzimmer oder,Zugabteil allein, so hole ich mein Päckchen Spielkarten hervor und beginne zu mischen. Mein Gegenüber aber weiß in diesem Falle immer: Jetzt verliere ich wieder, daß es nur so flutscht. Tatsächlich habe ich bisher fast jede Partie gewonnen. Man muß eben nicht nur im Beruf, sondern auch im Spiel Glück haben ..,“ Brigitte Horney „Ihre Frage ist schnell beantwortet“, meint Brigitte Horney. „Schwimmen — das ist alles, was man mir an außerberuflichen Passionen nachsagen kann. Allerdings bin ich diesem schönen Sport von ganzem Herzen ergeben. Ich war daher sehr froh, daß, ich in meinem Film „Der grüne Domino“ ganze Konversationsszenen im Badeanzug mitten in einem Schwimmbassin spielen durfte. Arbeit und Vergnügen in einem vereint — das findet man gewiß nicht alle Tage “ Brigitte Horney leistet Hervorragendes in ihrem Sport und hat sich daher schon manche Prämie erscbwommen. Heinz Rühmann „Das Luftreich war einst mein Element“, bemerkte Heinz Rühmann bekümmert. „Es gab für mich einfach nichts Schöneres, als sich als Sportflieger in den Wolken zu tummeln. In dem Film „Quax — der Bruchpilot“ konnte ich mich dieser Liebhaberei auch im Atelier so recht nach Herzenslust widmen. Damit ist es heute leider wohl für immer vorbei. Geblieben ist mir nur das Schwimmen, dem ich mich in der Sommerfrische mit meiner Frau eifrig hingebe.“ Willy Birgel „Auf dem Rücken der Pferde“, bekennt Willy Birgel, liegt für mich das Glück dieser Erde. Ich diente schon im ersten Weltkrieg als Kavallerist. Seitdem hat mich die Leidenschaft für das Reiten nicht mehr verlassen. Ich benütze fast jade freie Stunde dazu, mich in den Sattel eines edlen Pferdes zu schwingen. In meinen drei Filmen „Schwarze Rosen“, „Ritt in die Freiheit“ und „Reitet für Deutschland“ hatte ich Gelegenheit, mich auch beruflich diesem schönen Sport zu widmen. Hans Söhnker „Zu jeder freien Stunde“, erzählt der bekannte Schauspieler, „zieht es mich an die Stätten der Kindheit zurück. Kiel ist meine Heimatstadt, wo ich jahrelang mit den biederen Küstenschiffern und Hochseeflschern meine Spässe getrieben habe. Diese wackeren Alten suche ich wieder auf, sowie es meine Zeit erlaubt. Und es ist für mich das höchste der Gefühle, wenn mir einer von ihnen wie in meiner Kindheit begütigend auf die Schultern klopft und dazu im schönsten Plattdeutsch sagt: „Hans, kam rin, t gifft frische Schulln ut de Pann!“ In derartigen Augenblicken sind Laufbahn und Ruhm vergessen, und ich bin wieder ein sorgloser Junge, der in Wind und Wellen sein Spiel treibt und nicht daran denkt, daß dies alles einmal ein Ende haben muß.“ AAD Berlin. Albert Sörgel, der Autor der bekannten Literaturgeschichte „Dichtung und Dichter der Zeit“ und „Im Banne des Expressionismus“, vollendete am 15. Juni in Chemnitz das 70. Lebensjahr. Er wirkt in seiner Vaterstadt als Professor an der Akademie für Technik. Die 1911 bzw. 1925 zum erstenmal erschienenen und in großen Auflagen verbreiteten Werke haben zuverlässiges Material zur modernen deutschen Literatur übersichtlich geordnet und tendenziös aargestellt. ^4 ®t Schicksal eines Flüchilingsbetriebs: Hansi-ftdiokoladentalirik kommt nach Brudisal Schon in den ersten Julitagen Aufnahme der Produktion In 14 Tagen ist Bruchsal um einen neuen größeren Industriebetrieb reicher. In der „Fortuna“ nimmt die Schokoladenfabrik Otto Rüger, Kommanditgesellschaft, die Herstellerin der bekannten „Hansi“-Marke, ihren Betrieb auf. Möglich wurde die Niederlassung durch das Entgegenkommen der Stadtverwaltung, die der Besitzerin der „Fortuna“, der Pforz- heimer Schmuckwarenfirma Rodi & Wienenberger, einen Kredit in Höhe von 60 000 DM zur endgültigen Fertigstellung des Gebäudes verschaffte. Rodi & Wienenberger verpachten nach Abschluß der Wiederaufbauarbeiten die „Fortuna“ an die „Hansi-Werke. Otto Rüger wollte sich ursprünglich in Heidelberg niederlassen. Trotz aller Bemühungen des Heidelberger Oberbürgermeisters fand «ich aber kein geeignetes Objekt, das den bekannten „Hansi“-Werken die Unterbringung ihrer schweren Maschinen ermöglicht hätte. Die Stadt Heidelberg wäre sogar bereit gewesen, dem Unternehmen die erforderlichen Kredite für einen Neubau zu gewährleisten. Die Maschinen aber waren bereits im Anrollen, sodaß nicht mehr lange gebaut werden konnte. So entschlossen sich die „Hansi“-Werke nach Bruchsal zu gehen, nachdem die Stadtverwaltung weitgehende Unterstützung zusagte. Der Initiative des Bürgermeisters ist es vor allem zu danken, daß die Verpachtungen der „Fortuna“ zum guten Ende geführt wurden. Das Heidelberger Tageblatt widmete dieser Tage den „Hansi“-Werken einen Abschiedseine kleine Vertretung, dort arbeiteten sie auf der Bahnstrecke. Geblieben aber war ihnen das Fachwissen und die Zähigkeit, die eine der wertvollsten Eigenschaften des sudetendeutschen Grenzvolkes ist. Mitte 1949, als der Import des Rohmaterials für die Schokoladenfabrikation anlief, meldete die Otto Rüdiger KG ihre Ansprüche auf Kontingente an und bald darauf stellte sie ihre altbekannte und bewährte „Hansi“-Schokolade nach ihren alten Rezepten im Werklohn bei der Schokoladenfabrik Franz Haaf in Ziegelhausen her. Ein neuer Start, ohne die Kraftreserven eigenen Kapitals war gelungen. Nun ging die Schokolade wieder hinaus, die mit dem Kennzeichen des kleinen „Hansi- buben“ verkauft wird. „Schau, unser Hansi ist wieder da“, sagten die Sudetendeutschen, denn sie kannten ihn alle, den „Hansibub“, von frühester Jugend an. Das ist auch kein Wunder, denn die Otto Rüger K.-G. beherrschte im Sudetenland mit Schokoladentafeln, Pralinen, Bonbons, Dauerbackwaren und anderen süßen Schleckereien den Markt. In zwei Fabriken wurden alle diese leckeren Erzeugnisse hergestellt und die Belegschaft der Werke belief sich in normalen Zeiten auf 500 bis 600 Leute. „In Bruchsal werden wir, so erklärten die beiden Inhaber, nun Schritt für Schritt wieder aufbauen. In Bruchsal haben wir genügend Platz und brauchen nicht mehr die Nacht zum Tage zu machen, weil in dem kleinen Büro in Heidelberg in den üblichen acht Stunden unser Arbeitspensum nicht bewältigt werden kann.“ — Der Heidelberger Berichterstatter schließt seine Reportage mit den anerkennenden Worten: „Vor fünf Jahren standen diese Menschen auf einem Bahnsteig im Sudetenland. Das Mitgefühl, das wir zu Beginn unseres Besuches empfanden, ist angesichts dieser Leistung einer Achtung gewichen, und dem Bedauern, daß Heidelberg aus Gründen seiner drückenden Raumnot solche Mitbürger verlieren muß“. — Heidelberg bedauert, Bruchsal freut sich. — Das ist nun mal der Lauf der Welt. — Jedenfalls wünschen wir den „Hansi“-Werken für den neuen Anfang in Bruchsal einen recht glückhaften Start und alles Gute für die Zukunft. st. Die Lyra dankt Nachdem unser Sängerfest anläßlich unserer zweiten Fahnenweihe einen so glücklichen Verlauf genommen hat, ist es uns ein Bedürfnis, allen denen, die zum guten Gelingen beigetragen haben, herzlich zu danken. Besonders danken wir Herrn Bürgermeister Prof. Bläsi und der Stadtverwaltung Bruchsal für die tatkräftige Unterstützung und das freundliche Entgegenkommen. Herzlichen Dank auch dem Musikverein 1837, der TSG Bruchsal, dem I. ASV Bruchsal sowie der Stadt- und Feuerwehrkapelle für die bereitwillige Mitarbeit. Dank auch den Bruchsaler Vereinen, den hiesigen und auswärtigen Sangesbrüdern, sowie den vielen Helfern in- und außerhalb des Vereins, die sich selbstlos in den Dienst der Sache gestellt haben und nich^zuletzt der Bevölkerung von Bruchsal. Wenn unser Sängerfest ein Erfolg war, so ist dies nicht zum kleinsten Teil auf die harmonische Zusammenarbeit und die freudige Einsatzbereitschaft aller zurückzuführen. Bruchsal, den 20. Juni Männergesangverein „Lyra“ Der Vorstand: Der Festausschuß: Karl Gierich Fritz Kleemann Q Kreuz und quer durchs Stadtgeschehen artikel, dem wir die folgenden Darlegungen entnehmen. Die „Hansi“-Schokoladenfabrik Otto Rüger kommt aus dem Sudetengau und eine fast hundertjährige Tradition schien zerschlagen zu sein, als Heinz Rüger und sein Gesellschafter Fritz Ehinger von Egnfeld im Jahre 1945 zusammen mit allen Mitarbeitern die alte Heimat verlassen mußten. Alles mußten sie zurücklassen: die Maschinen und das persönliche Eigentum. In den folgenden Monaten versuchten die beiden in Westdeutschland Fuß zu fassen. Niemand wollte sie. Da hatten sie Sonderzug nach Walldürn. Am Sonntag, den 25. Juni, verkehrt ein Sonderzug mit 60 Proz. Fahrpreisermäßigung von Bruchsal nach Walldürn. Abfahrt in Bruchsal 5.37 Uhr, Ankunft in Walldürn 8.24 Uhr. In Walldürn findet ein gemeinsamer Gottesdienst für alle Teilnehmer statt. Rüdefahrt Walldürn ab 17.38 Uhr, Bruchsal an 20.26 Uhr. Der Fahrpreis beträgt für Hin- und Rückfahrt 6.20 DM . Scheffelklub Bruchsal. Die Exkursion nach Landau, Annweiler mit dem Trifels, nach Neustadt und Speyer, findet am kommenden Sonntag statt. Einzelne Karten sind noch im Reisebüro Debatin erhältlich. Fahrpreis DM 4.50. Gäste sind willkommen. Abfahrt pünktlich 8 Uhr am Bahnhofsplatz. Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr. Am Freitag* den 23. Juni, 20.00 Uhr, findet im Gasthof zum Engel eine Mitgliederversammlung statt. Zu den gegenwärtigen Gewerkschaftsfragen spricht Kollege Kunz. Alle Kollegen und Kolleginnen, die im öffentlichen Dienste, Transport und Verkehr beschäftigt sind, einschließlich der Gruppe der Ruhestandsbeamten sind freundlichst eingeladen. Theaterabend der Volkshochschule. Der römische Schauspieler Titus M. Plautus, der im dritten Jahrhundert v. Chr. lebte, gilt in der ganzen Weltliteratur als Vater der Komödie. Die Volksbühne „Der Morgenstern“ führt am Donnerstag, 29. Juni, im Festsaal der Europa- lichtspiele auf Veranlassung der Volkshochschule das berühmteste Werk dieses Plautus, seine „Zwillinge“ aut Gespielt wird das Stück an antiker Aufführungstechnik, u. a. unter Verwendung von Masken, Chören und Tänzen. Karten zu 1.—, 1.50 und 2.— DM sind im Vorverkauf beim Zigarrenhaus Kußmann, den Buchhandlungen Greulich-Waas sowie Ott & Braunbarth erhältlich. Teure Zitronen. Der Einzelhandelsverband Unterbaden schreibt uns zur Preisentwicklung für Zitronen: Die seit einigen Wochen anhaltende Steigerung der Zitronenpreise ist sehr bedeutend und wird vom Großhandelsverband dem Einzelfaandelsverband gegenüber mit der Verknappung der Ware in Italien sowie andererseits mit Spekulationen der Münchener und Hamburger Importeure begründet. Für die Erhöhung der Ladenpreise in Zitronen kann also der Einzelhandel nicht verantwortlich gemacht werden. Da gegenwärtig genügend inländisches Frischobst zu billigen Preisen zur Verfügung steht, liegt es am Ver- *Die cCinden Mühen Die Linde ist der im deutschen Volkslied am meisten besungene Baum. Am Brunnen vor dem Tore . . . Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde . . . Lindenwirtinr du junge, . . . Ein Dutzend Lindenlieder könnte man aufzählen. Die Linde ist auch ein Baum Schwetzingens. Die großartigsten Lindenalleen nicht hur Deutschlands, sondern ganz Europas stehen im Schwetzinger Schloßgarten. Auch innerhalb der Stadt sind in einigen Straßen Linden als Alleebäume angepflanzt. Nun blühen die Linden. Nach der Fliederblüte erfüllt der herrliche Duft der Lindenblüte die Stadt. Es ist schon der Duft des Sommers, ein köstliches Aroma der Sonnenzeit des Jahres. Die Bienen summen in den Wipfeln und sammeln den köstlichen Honig, Schwalben flitzen pfeilgeschwind über den Dächern dahin, Spatzen lärmen in den dichten Zweigen — man sollte schon mal den Kopf und den Blick heben und sich an den Wundern der Natur erfreuen, die sich von Tag zu Tag in immer üppigerer Fülle entfalten. _ braueher, insbesondere der Hausfrau, dieses zu bevorzugen und auf Zitronen zu verzichten, denn durch Absatzverringerung dürfte der notwendige Preisdruck am schnellsten zu erzielen sein. Heimatabend der IDAD. Wie immer war auch die Zusammenkunft vom 19. Juni im „Engel“ gut besucht. Der Leiter, Goldschmiedemeister Wuchsa, berichtete u. a. über den Siedluhgsbau, wobei sich für die Vertriebenen günstige Finanzierungsmöglichkeiten ergäben. Mit Freuden nahm die Versammlung die Verleihung eines Diploms für die Beteiligung am Sommertagszug entgegen. Die Singgruppe unter Leitung von Chormeister Baldas verlieh dem Abend durch den Vortrag einiger Lieder eine heimatliche Note. Die nächste Zusammenkunft findet voraussichtlich am 3. JuM statt. Bund der Fliegergeschädigten. Bei der Bestellung von Hypotheken für den Wiederaufbau von zerstörten Häusern kann beim Notariat ein Antrag auf Niederschlagung der Kosten eingereicht werden. Eine Anordnung des Justizministeriums vom 25. Oktober 1949 sieht vor, daß in bestimmten Fällen eine kostenlose Eintragung von Hypotheken möglich ist. Als Voraussetzung gelten u. a. auch wirtschaftliche Notlage, finanzielle Hilfebedürftigkeit, was für die meisten Flieger geschädigter wohl zutreffen mag. Vor dem Bruchsaler Strafrichter 5 bzw. 2 Monate Durchaus beeindruckt schien der Angeklagte B. aus Oestringen, als man ihm zu Beginn der Hauptverhandlung die einzelnen Punkte seiner Vorstrafen ins Gedächtnis rief. B., obgleich erst 23 Jahre alt, hat schon viel vollbracht auf dieser Welt, wenn auch manchmal nicht viel Positives. 1947 wurde er vom Militärgericht wegen unerlaubten Waffenbesitzes verurteilt. Noch im selben Jahr brummte er wegen einfachen und schweren Diebstahls eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten ab. Weil er sich daraufhin noch mit einem „Spielzeug“, wie er sich ausdrückte, abgab, verhängte das amerikanische Gericht Weitere 30 Tage Haft über ihn. Diese Strafe verbüßte er noch, als man auf seine letzten Untaten aufmerksam wurde: Sport-Toto-Vorsdiau für den 45. Üß-Tip Mit Beendigung der Spielzeit 1949/50 endet — selbstverständlich — auch die Totosaison. Noch einmal haben alle Tipfreunde Gelegenheit, ihr Glück zu versuchen. Die auf dem 45. Tipschein aufgeführten Paarungen Sind reizvoll genug und lassen wieder viele Möglichkeiten offen, zumal gerade in den Freundschaftsspielen oftmals junge Spieler eingesetzt und ausprobiert werden. Noch einmal wollen auch wir mit ihnen tippen. 1. Kickers Offenbach — VfB Stuttgart jm Olympiastadion in Berlin Halbzeitergebnis Das Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft 1950 kann selbstredend auf dem letzten Tipzettel nicht fehlen und wie im Vorjahr. so wird auch dieses Mal neben dem End- auch das Halbzeitergebnis verlangt. Nun der VfB konnte nach dem anstrengenden Vor- schlußrundenspiel am dritten Junisonntag ausruhen, während die Offenbacher noch einmal mit Dellbrück die Klingen kreuzen mußten. Man düfte nicht fehlgehen, wenn man schon auf einen Halbzeitvorsprung der Stuttgarter tippt. Tip: 2 (0). 8. Kickers Offenbach — VfB Stuttgart Endergebnis Schließlich sollten die Stuttgarter kampfkräftig genug sein und einen einmal errungenen Vorsprung bis zum Schlußpfiff erfolgreich verteidigen. Unser Tip: 2 (1). Und nun noch alle bisherigen Oberligaergebnisse der beiden Kontrahenten: 1945/46: 6 :0 und 6 :1 für Stuttgart — 1946/47: 3 :2 für VfB und 4:1 für Offenbach — 1947/48 : 7 :0 für VfB und 1:3 für Offenbach — 1948/49: 1:0 und 4 :1 für Offenbach — 1949/50 4 :1 und 1 2 :1 für Offenbach. 8. FC Freiburg — FC Singen in Schwenningen In diesem Treffen geht es um den 18. Platz der Südoberliga. Während Singen gegen Konstanz verlor, gewann der FFC mit 3 :0 überraschend glatt und muß daher auch gegen Singen als Favorit angesehen werden. Tip: 1 (0). 4. Dänemark — Norwegen in Kopenhagen Die Publikumsunterstützung dürfte der dänischen Mannschaft sehr zugute kommen. Mehr als eine Remischance kann man den Norwegern wohl nicht einräumen. Tip: 1 (0). 5. TuS Neuendorf — St. Pauli St. Pauli überraschte am Sonntag durch einen 4:3-Sieg über den italienischen Zweiten FC Mailand, Auch in Neuendorf sollten die Hamburger keine schlechte Vorstellung geben und wenigstens ein Unentschieden erziel«!. Tip: e (2). 6. Phönix Ludwigshafen — SV Waldhof in Reinheim In einem Platzeinweihungsspiel stehen sich die beiden Nachbarvereine gegenüber. Der Südoberligist Waldhof erscheint uns stärker und sollte das Treffen siegreich beenden können. Tip: 2 (0). 7. FK Pirmasens — Schwaben Augsburg Auf eigenem Platz sollte Pirmasens stark genug sein und die Augsburger Schwaben besiegen können. Tip: 1 (0). 8. 1. FC Pforzheim — Eintracht Frankfurt Schon acht Tage nach Beendigung der Aufstiegspiele empfängt der 1. FC Pforzheim die Frankfurter Eintracht. Wieder einmal wurden die Pforzheimer kurz vor dem Ziel abgefangen. Sie werden daher ihr Bestes geben, um gegen die Eintracht gut abzuschnedden, wobei ein Sieg gegen die „Adlerträger“ durchaus nicht überraschend kommen würde. Tip: 1 (2). 9. Hannover 96 — Schalke 04 In den auf fremden Plätzen ausgetragenen Freundschaftsspielen konnten die Schalker bislang nicht völlig überzeugen. Auch in Hannover wird es für die Knappen schwer werden. Tip: 1 (0). 10. Horst/Emscher — Eintracht Braun schweig Horst müßte auf eigenem Platz für ein Sieg gegen Braunschweig stark genug sein. Tip: 1 11. VfB Kaiserslautern — Schwaben Augsburg Im zweiten Spiel ihrer Pfalzreise treffen die Augsburger Schwaben auf den VfR Kaiserslautern und sollten sich hierbei schadlos halten. Tip: 2 (0). 12. SC Baden-Baden — Phönix Karlsruhe Trotz des Platzvorteiles kann man Baden- Baden nur eine Außeneeiterchanee einräumen. Tip: 2 (0). 13. FV Kornwestheim — VfL Sind eifingen Der Verlierer dieses Aufstiegsspieles zur württembergischen Landesliga dürfte seine Aussichten auf das gesteckte Ziel ziemlich zurückschrauben müssen. Der Platzvorteil spricht für Komwestheim. Tip: 1 (0). 14. Kidcers Vöhringen — Spfr. Eßlingen Für beide Mannschaften steht nichts mehr auf diesem Aufstiegspiel. Ein Platzsieg liegt näher als ein Erfolg der Gästeelf. Tip: 1 (0). Gefängnis für Diebstähle Zuerst war es die Geschichte mit der Fuchs- . falle. Bei einem Spaziergang in Oestringens . Umgebung hatte er im Eichtersheimer Bruch bei einem Fuchsbau eine Fuchsfalle entdeckt. Wem die Falle gehörte, weiß man bis heute noch nicht. Doch er nahm sie mit, denn die Feder der Falle war aus gutem Stahl, womit sich, wie B. meinte, schon allerhand anfangen ließ. Einige Wochen später kam er an einem Garten vorbei. Hinter dem Zaun sah er an der Leine Wäsche im Wind flattern. B. ging vorbei, kam aber nach Einbruch der Dunkelheit wieder. Durch die Hintertüre des Gartens, die, wie er sich zuvor versichert hatte, offen stand, schlich er vom Feld her in das Anwesen und hängte in aller Stille 6 Paar Socken ab. B. war gerade dabei, sich im Speicher eine Dachgaube auszubauen. Dazu fehlte ihm aber ein großer Teil des notwendigen Materials. Ende März kam er am Waldparkring vorbei. Im Start- und Zielhaus war eine Scheibe kaputt. B. denkt daran, daß er für die Gaube auch noch Fenster brauchte, steigt ein und nimmt etliche Flügel mit. Der Bau seiner Gaube macht Fortschritte. Jetzt braucht er nur noch etwas Holz. Er besorgte es! Früh morgens um halb 5 Uhr suchte er einen Neubau auf, an dem er fast täglich vorbei mußte. Da der noch halbfertige Bau weder durch Fenster und Türen noch durch Bretterverschläge gesichert war, hatte B. wenig Mühe: 11 gehobelte Bretter und 10 Dachlatten im Gesamtwert von 35 DM. wanderten an jenem Morgen in seine Dachgaube und wurden verarbeitet. Aber auch die Polizei hatte inzwischen von B‘s Bautätigkeit Notiz genommen. Man stellt einerseits fest, daß B. ohne Genehmigung baut und hört zum anderen zugleich von gestohlenem Baumaterial. Eine Haussuchung bestätigte den Verdacht und brachte zugleich auch die Fuchsfalle und die Socken ans Tageslicht. B. wurde zu einer Gesamtstrafe von 5 Monaten abzüglich einm Monat Untersuchungshaft verurteilt. Kn psychologisches Rätsel Ein Sonderfall unter den Diebstahldelikten nahm die Angeklagte S. ein. Nicht aus Not stahl sie, aber auch nicht aus Gewohnheit; sie hatte früher sogar eine Vertrauensstelle bekleidet. Bisher unvorbestraft, tadelloser Lebenswandel, aus guter Familie — das Gericht stand vor einem Rätsel. Die Angeklagte selbst kann nicht erklären, wie es zu folgenden 6 Diebstählen gekommen war. Das eine Mal hatte sie in der Wohnung einer Verwandten einen Geldbeutel mit 45 DM mitgehen heißen. Dann wieder bei einer Bekann- Donnerstag, 22. Juni 1950 ten eine Briefmappe (aus der Einkaufstasche) mit 30 DM genommen. In einem Ladengeschäft war Ausverkauf. Als die Angeklagte auf dem Büro ein Kleid anprobierte, benützte sie die Abwesenheit der Verkäufer dazu, aus der offenen Schreibtischschublade 25 DM zu nehmen. Auf dieselbe Art und Weise verschwanden wenig später in demselben Geschäft 5 bis 6 Meter Stoff. Damit noch nicht genug. Im Büroraum einer Seifenfabrik tätigte sie einige Einkäufe. Der Inhaber mußte für einen Augenblick aus dem Büro. Bis er wieder kam, hatte sie 20 DM aus der Schreibtischschublade genommen. Ende Februar holte sie in einem Geschäft eine Reparatur ab. Dabei hat sie Gelegenheit, einen Blick in die Ladenkasse zu werfen. Dieses Mal verlangte sie einen Artikel, dessen Besorgung den Verkäufer in den anliegenden Raum führen mußte. 57 DM verschwanden in seiner Abwesenheit AUS KRAICHGAU UND BRÜHRAIN Hitzige Hochzeit In Erfurt bespritzte ein verschmähter Liebhaber das weiße Brautkleid seiner Angebetenen, die sich jedoch mit einem anderen Manne trauen lassen wollte, mit einer Luftpumpe voll Tinte. Der erboste Bräutigam entriß seiner Braut den Rosenstrauß und stürzte sich auf den Angreifer. Er schlug diesem die Rosen ins Gesicht, so daß die Haut in Fetzen hing. aus der Ladenkasse. Der Schaden von insgesamt 230 DM konnte inzwischen in allen Fällen ersetzt werden. Mildernd berücksichtigt das Gericht die volle Geständigkeit der Angeklagten und verurteilte sie wegen einfachen Diebstahls in 6 Fällen tu einer Gesamtstrafe von nur 2 Monaten. H. 1/ereinskalender Frankonia Bruchsal. Am Freitag, den 23. Juni, findet unsere Spielerversammlung um 20.30 Uhr im Gasthaus zum „Klosterberg“ bei Mitglied Duttenhofer statt. Jugendtraining für A-Jugend und Schüler heute Abend um 19 Uhr. VfB. 1899 Bruchsal. Am Donnerstag, den 22. Juni, 21 Uhr, findet im Gasthaus zum goldenen Lamm eine Spielerversammlung statt. Sämtliche Spieler wollen anwesend sein. Das Fußballtraining fällt diese Woche aus. Rheinwasserstände Konstanz 40« (— 2), Rheinfelden 288 (—4), Breisach 242 (—7), Straßburg 303 (—8), Karlsruhe 473 (—5), Mannheim 336 (+2), Mainz 298 (unv.), Bingen 205 (+1), Caub 224 (+2). Pbilippsburg Die Gloria-Lichtspiele bringen von Freitag bis einschließlich Montag den Film „Leidenschaft“ mit Olga Tschechowa u. Hans Stüwe in der Hauptrolle. Anfangszeiten: werktags 20.45 Uhr, sonntags 19 und 21 Uhr. Ab Mittwoch bis einschließlich Donnerstag (Peter und Paul) zeigen wir im neuen Programm „König der Dschungel.“ Voranzeige: Ab Freitag, den 30. Juni bringen wir den englischen Farbfilm „Königsliebe“ mit Stewart Granger in der Hauptrolle. Hambrücken Am Sonntag rief Bürgermeister Debatin die Einwohnerschaft nach dem Hauptgottesdienst zu einer Bürgerversammlung zusammen. Den Landwirten, bei denen ein Stück Vieh als tuberkulose-verdächtig festgestellt wurde, wurde der dringende Hinweis gegeben, diesbezüglich so rasch wie möglich das Vieh abzuschaffen. — Für die Hundesteuer bleiben voraussichtlich die Sätze des letzten Jahres mit 15.00 DM bestehen. Zum Vermieten einer Wohnung ist immer noch die Genehmigung des örtlichen Wohnungsamtes notwendig. Die Sprechstunden beim Wohnungsamt sind mittwochs und freitags von 20—21 Uhr im Rathaussaal. Durch das verstärkte Auftreten der Kartoffelkäfer wurde erneut eine umfangreiche Bekämpfung notwendig. Spritzmittel werden jeden Dienstag und Freitag morgens von 8—9 Uhr im Schulhof ausgegeben. Am letzten Freitag fand in der Kinderschule eine Filmvorführung für die Jugend statt. Gezeigt wurden u. a. einige Wochenschauen, zwei Lustspielfilme und ein Märchenfilm, k. Karlsdorf Am Sonntag gastierten unsere sämtlichen Ortsvereine in den umliegenden Nachbarorten. Am Vormittag zog der Turnverein mit seiner ersten Tischtennismannschaft nach Obergrombach zum fälligen Pokalspiel. Die Mannschaft kehrte als Sieger zurück. Die Feuerwehr war am Fuße des Michaelsberges zu Gast, da in Untergrombach eine große Schauübung stattfand. Die Mannschaft des FC German, mit ihren zahlreichen Anhängern war in Heidelsheim beim 5ten Fußballturniersonntag. Unsere Männer siegten sicher mit 0:3 Toren. Die „Liederhalle“ versammelte sich um 13.45 Uhr beim Vereinslokal und fuhr geschlossen nach Spöck, um beim 50jährigen Jubiläumsfeste des „Liederkranzes“ teilzunehmen. Der Ortsverein des deutschen Roten Kreuzes war zum 40jährigen Stiftungsfest nach Ubstadt eingeladen. Der Musikverein war mit seiner stattlichen Kapelle in Hambrücken, woselbst ein Waldfest stattfand. — Großes Ringer-Turnier in Riesental Die Ringerhochburg Wiesental steht am 24. und 25. Juni wieder im Mittelpunkt eines großen ringsportlichen Ereignisses. Der Kraftsport-Verein Wiesental ist vom Badischen Schwer-Athletik-Verband mit der Durchführung eines Ringer-Turniers der besten badischen Federgewichtler und Weltergewichtler beauftragt worden. Durch dieses Turnier sollen die besten Ringer dieser beiden Gewichtsklassen für die Badische Länder-Aus- wahlmannschaft ermittelt werden. Im Federgewicht starten folgende bekannte Ringer: Goetz-Sandhofen, Kunkel-Ladenburg, Schmitt-Bruchsal, Mueller-Eppelheim, Suchaneck und Kneller-Germania Karlsruhe, Hirsch E. und Hirsch B.-Oestringen, Michel- Brötzingen, sowie Grund und Ehmann-KSV Wiesental. Im Weltergewicht treten an: Seeburger A. und Schmitt-Wiesental, Lang-Mannheim 84, Scherz-Rohrbach, Scheib und Göbel-Wein- garten, Martus und Stassen-KSV Kirrlach, Held, Schneider und Mürrle-Brötzingen, Sammet und Böhm-Heidelberg, Müller-Sandhofen, Benz-Neulußheim, Helmig und Schweiß-Ladenburg, und die Vertrexer vom KSV Wiesental mit Maier H., Mayl A., Mayl Hub., Mayl Helm., Gentner R. und Gentner G.- Sämtliche Kämpfe werden im Saal der „Rosenhalle“ ausgetragen. Beginn des Turniers am Samstagabend um 20 Uhr — Fortsetzung am Sonntagmorgen um 8 Uhr. — Die Endkämpfe werden etwa gegen 13 Uhr beginnen. Am kommenden Sonntag geht die erste Elf des FC Germania nach Untergrombach. Beim letzten Tumiertreffen wird das in Unteröwis- heim nicht gewertete Spiel gegen Forst wiederholt. Der Sieger aus dieser Paarung ist sodann dritter Turniersieger. Untergrombach Der Verkehrsverein veranstaltet vom 8. bis 10. Juli ein großes Bergfest. Im Mittelpunkt steht ein großer historischer Festzug mit vielen Wagen und Gruppen. Auf dem Michaelsberg wird am 9. Juli um 23 Uhr ein Brillantfeuerwerk abgebrannt. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag verunglückte der hier wohnende Artur Lechner. Er stürzte die Treppe hinunter und trug so schwere Verletzungen davon, daß bald darauf der Tod eintrat. Die Freiwillige Feuerwehr veranstaltete am Sonntag zusammen mit den Wehren von Gondelsheim, Obergrombach, Büchenau, Neuthard und Karlsdorf eine große Schauübung. Den zahlreichen Zuschauern zeigte diese Rot Die Ortsgruppe Rot des VDK hielt am Sonntag in der Sonne eine gutbesuchte Mitgliederversammlung ab. Als Redner über das zur Zeit stark erörterte Thema „Stand der Versorgung der Kriegsopfer und Hinterbliebenen“ .sprach Kamerad Westermann aus Ziegelhausen. Er gab in kurzen und aufschlußreichen Worten Erklärungen über den augenblicklichen Stand des Versorgungsgesetzes. Kamerad Schäffner, als Vorstand der Ortsgruppe, erwähnte mit Recht, daß heute noch viele Schwerbeschädigte und Hinterbliebene dem Verband noch fernstehen, weil ihnen der Sinn und der Zweck eines Verbandes nicht bekannt ist. Eigentlich müßte es eine Selbstverständlichkeit eines jeden Beschäftigten sein, auch den Beschädigten zu bewegen einem Verband beizutreten. Durch seine Ausführungen konnte Kamerad Schäffner am Schluß der Versammlung neue Mitglieder aufnehmen. sr. Rettigheim Seit einiger Zeit weilt die Tochter des Uebung, daß unsere Feuerwehr zu jeder Zeit Schreinermeisters Nikolaus Kamuf, die seit _,— 1Q5W in ripn Vprpiniptpn Ktantpn Ipht 711 Tipeinsatzbereit ist, wenn ein Ernstfall eintreten sollte. Unteröwisheim Der Vereinigte Männergesangverein Unteröwisheim begeht am 24., 25. und 26. Juni sein 80. Stiftungsfest, verbunden mit einem großen Wertungssingen des Kraichgausängerkreises Bretten. Insgesamt beteiligen sich 20 Vereine am Wertungssingen und zum SängeVtreffen selbst werden sich gegen 2 000 Sänger zu einer machtvollen Kundgebung für das deutsche Lied zusammenfinden. Eine eigens dazu ausgebaute Sängerhalle mit einem großen Zelt sind hierfür bereits gestellt.“ — 1930 in den Vereinigten Staaten lebt, zu Besuch in’ Rettigheim. Wir wünschen frohe Tage in der Heimat. Bei dem trockenen und warmen Wetter in diesem Jahr konnte die Heuernte gut eingebracht werden. Auch der Fruchtansatz in den Weinbergen läßt auf eine gute Ernte schließen, falls die Reben zuvor nicht durch Unwetter oder Krankheiten Schaden leiden. In dieser Woche wurde die Pockenimpfung durchgeführt. Unter den Impfpflichtigen waren 32 Erstimpflinge. Am 22. Juni vollendet Anna Karolus ihr 71. Lebensjahr. Herzlichen Glückwunsch. d. Erregte SüdweststaaUDislinssion Kaufmann und Zürcher sprachen in Konstanz läuft der spannende Filmstreifen „Walcott — ten Hoff“. — Als Zwischenprogramm wird am 28. und 29. Juni der englische Film „Goldgräber“ aufgeführt. Waldfest: Am Sonntag veranstaltet der Hundesport-Verein Wiesental sein traditionelles Waldfest. Neben zahlreichen anderen Ueberraschungen, sind auch Vorführungen von Schutz- und Polizei-Hunden vorgesehen, u. a. Spezialübungen, Sprung über die brennende Hürde. Mehrere auswärtige Vereine haben ebenfalls ihr Erscheinen mit dem besten Hundematerial, zugesagt. Beginn des Volksfestes um 14.30 Uhr auf dem Trainingsplatz. A. P. Konstanz (lds). Einen durch Zwischenrufe häufig durchsetzten lebhaften Verlauf nahm eine öffentliche Versammlung des Südweststaatkomitees Konstanz am 19. Juni, auf der der württemberg-badische Finanzminister Dr. Kaufmann einen Überblick über die Südweststaatfrage gab, dessen Schaffung er empfahl. Der Südweststaat werde, so führte Dr. Kaufmann aus, ein Gegengewicht zu den großen Ländern des Bundes, wie Nordrhein- Westfalen und Bayern sein können. Der Redner vertrat die Ansicht, der Südweststaat werde ein sozial und wirtschaftlich ausgeglichenes Ganzes sein und könne kl finanzpolitischer Hinsicht unabhängig von der Hilfe des Bundes und anderer Länder bestehen. Schwache Länder stärkten nur den Zentralismus. Die Rede Dr. Kaufmanns wurde häufig durch Zwischenrufe gestört. In der anschließenden Diskussion ergriff Oberlandesgerichtspräsident Dr. Zürcher, Freiburg, das Wort und sagte u. a., die Trennung des Landes Baden sei durch den Spruch der Besatzungsmächte erfolgt. Man könne jetzt nicht mit dem Einwand kommen, durch Annahme der württemberg-badischen Verfassung sei ein Rechtszustand geschaffen worden, der nicht mehr rückgängig gemacht werden könne. Ais die Konstanzer Südweststaat-Redner, Stadtrat Fischer und Bürgermeister Schneider und ein Saarländer, der die aitbadener Politiker „Postenjäger“ nannte, von einem jun- Jiibilänms-FiißbaHliiriiier In Oberöwisheim Film-Vorschau: Im „Palast-Theater“ kommt vom 23. bis 26. Juni der ausgezeichnete Wiener Film „Der Tanz mit dem Kaiser“ mit Marika Rökk und Wolf-Albach-Retty in der Hauptrolle zur Aufführung. Gleichzeitig Anläßlich seines 30jährigen Bestehens führte der SV Oberöwisheim ein Jubiläumsturnier durch. Den Auftakt gaben am Samstag die Spiele zwischen MGV Eintracht — MGV Liederkranz 3:2' und AH Oberöwisheim — AH Oberöwisheim — AH Unteröwisheim 3:6. Die Tumierspiele am Sonntag nahmen einen reibungslosen Verlauf. Die Ergebnisse waren: Mürfeesheim — Zeutem 0:0 (Sieger durchs Los: Münzesheim), VFB Bruchsal lb — Odenheim lb 1:2, Odenheim verzichtete zugunsten des VFB auf den Sieg. Forst lb — Neibsheim 1:0, FC Weiher — Menzingen 1:0, Propagandaspiel: Oberöwisheim — Unteröwisheim 3:2. Endspiele: Münzesheim — FC Weiher 0:1, FC Weiher — Viktoria Ubstadt 1:0. VFB Bruchsal lb — FC Weiher 1:0. — Somit konnte bei der Siegerehrung dem VFB Bruchsal der erste, dem FC Weiher der zweite und Viktoria Ubstadt der dritte Turnierpreis überreicht werden. Schiedsrichter Dopf von Menzingen leitete die Spiele zur vollen Befriedigung. Nach der Siegerehrung nahm Vorstand Gö- bel die Gefallenenehrung vor. In den Kriegsjahren 1939/45 starben 16 aktive und 24 passive Mitglieder des Vereins den Heldentod. Außerdem hat der Verein noch 12 Vermißte, von denen noch keine Nachricht vorliegt, zu beklagen. Bei der Ehrung langjähriger Mitglieder wurden Anton Loes und Lorenz Zoz für 30jährige Mitgliedschaft mit der silbernen Ehrennadel ausgezeichnet, ferner erhielten Emil Zimmermann, Richard Böß, Franz Zoz, JuL Winter, Reinh. Friedrich, Emil Schneckenburger, Franz Weiß, O. Haußer, Karl Haußer, Gustav Ockert und Karl Weiß, für langjährige Mitgliedschaft eine Ehrennadel. Der Montagnachmittag gehörte der Jugend, die sich an den Volksbelustigungen ohne Ausnahme lebhaft beteiligte. Zo. gen Badener als „Quislinge“ bezeichnet wurden, erreichte der Turnult seinen Höhepunkt. Dr. Zürcher und seine Anhänger verließen den vollbesetzten Saal vor Schluß der Kundgebung, die sich zum Süd-West-Staat bekannte. Ausgemeindungsantrag: Dnrlachs abgelehnt Stuttgart (lwb). Der Verwaitungsaus- schuß des württemberg-badischen Landtags hat den Antrag Durlachs auf Ausgemeindung aus dem Stadtverband Karlsruhe abgelehnt. In einem Zusatzantrag an das Plenum forderte der Ausschuß, daß die von Karlsruhe der Teilgemeinde Durlach versprochenen Zugeständnisse, die hauptsächlich eine größere Selbstverwaltung Durlachs vorsehen, bald verwirklicht werden. Der Ausgemeindungs- antoag Mergelstettens aus Heidenhehn wurde von dem Ausschuß ebenfalls einstimmig abgelehnt. Heidelberger Spielbank in Frage gestellt Karlsruhe. (UP). Die Verwirklichung des Planes, in Heidelberg ein Spielkasino zu errichten, wird durch die ablehnende Haltung* des württemberg-badischen Finanzministers und Landesdirektors von Nordbaden, Dr. Kaufmann, in Frage gestellt. Dr. Kaufmann erklärte, er sei ein Gegner aller Spielbanken und sehe nicht ein, daß in Heidelberg ein zweites Baden-Baden aufgezogen werden solle. Schwetzinger Mörder verhaftet Mannheim (lwb). Der Mörder der 47jähri- gen Frau, die in der Toreinfahrt eines Schwetzinger Gasthauses tot aufgefunden worden war, ist von der Mannheimer Kriminalpolizei verhaftet worden. Der Täter, der in Schwetzingen wohnt und 25 Jahre alt ist, war bei seiner Tat beobachtet worden und der Polizei seit Montag bekannt. Da er aber flüchtete, konnte er erst jetzt verhaftet werden. Es wird vermutet, daß er die 47jährige Frau aus sexuellen Motiven ermordete. Landrat beim Bundeswirtscbaftsminister Buchen. (SWK). Landrat Schmerbeck weilte mit Bundestagsabgeordnetem Wacker zu einer Besprechung bei Bundeswirtschaftsminister Professor Erhard, um ihm einen Bericht über die wirtschaftliche Lage des Landkreises Buchen zu überreichen. Die Aussprache hatte vor allem den Zweck, das Wirtschaftsministerium auf die besondere, strukturmä- ßig bedingte Situation innerhalb des Kreises und auf die Notwendigkeit einer Neuordnung zur Unterstützung notleidender Gebiete aufmerksam zu machen. Amtliche Bekanntmachungen Auf den am 14. 4. 1950, 19.55 Uhr, eingegangenen Antrag der Geschäftsführer Mitek Finkeistein u. Abraham Danziger der Firma Europa- Lichtspiele G.m.b.H., in Bruchsal, am Bahnhof, Peter-StraBer-Anlage 5, auf Eröffnung des gerichtlichen Vergleichsverfahrens zur Abwendung des Konkurses wird Dipl.-Votkswirt Or. Bürk, Bruchsal, Huttenstr, Ifel. Nr. 259 zum vorl. Verwalter bestellt. Der Vergleichsschufdnerin werden folgende Verfügungsbeschränkungen auferlegt: a} Gegen die Schuldnerin wird mit Wirkung vom 14. 4. 50, 18.35 Uhr, ein allgemeines VeräuBerungsverbot erlassen, das auch dasjenige Vermögen ergreift, das die Schuldnerin nach Erlaß dieses Verbotes erwirbt. Drittschuldnern wird die Leistung an die Schuldnerin verboten, b) Verbindlichkeiten, die nicht zum gewöhnlichen Geschäftsbetrieb gehören, darf die Schuldnerin nur mit Zustimmung des vorl. Verwalters eingehen. Die Eingehung anderer Verbindlichkeiten hat zu unterbleiben, wenn der vorl. Verwalter Einspruch dagegen erhebt. Bruchsal, 15. 3uni 1950 Amtsgericht Auf den am 14. 4. 1950, 14.50 Uhr, eingegangenen Antrag des August Brändfe als alleinigem Inhaber der Firma August Brändle, Papierverarbeitung, PapiergroBhandel, Schreibwarengroßhandel u. Bürobedarf in Bruchsal, Kalserstc. 4, auf Eröffnung des gerichtlichen Vergleichsverfahrens zur Abwendung des Konkurses wird Steuerberater Dr. jur. Otto Schmitt in Heidelberg, Kaiserstr. 25, Tel. 5841, zum vorläufigen Verwal- er bestellt. Der Vergleichsschuldnerin werden folgende Verfügungsbeschränkungen auferlegt: a) Gegen die Schuldnerin wird mit Wirkung vom 14. 4. io, 14.30 Uhr, ein allgemeines VeräuBerungsverbot über nicht zum normalen Geschäftsbetrieb gehörige Gegenstände erlassen, das auch das- enige Vermögen ergreift, das die Schuldnerin nach Erlaß dieses Verbotes erwirbt, b) Verbindlichkeiten, die nicht zum gewöhnlichen Ge- •chiftsbetrieb gehören, darf die Schuldnerin nur mit Zustimmung des foriäuligen Verwalters eingehen. Dia Eingehung anderer Verbindlichkeiten hat zu unterbleiben, wenn öor vorl. Verwalter Einspruch dagegen erhebt. 14. 3uni 1950 Amtsgericht AUFRUF Kartoffelkäferbekämpfung auf der Gemarkung Bruchsal. Durch die warme Witterung sind an allen Kartoffelgrundstücken die Larven des Kartoffelkäfers in Massen aufgetreten. Wenn Larven aufgetreten sind, so werden in wenigen Tagen die Grundstücke völlig kahl gefressen. Es ist deshalb dringend erforderlich, daß sämtliche Kartoffelpflanzer sofort ihren Kartoffelbestand spritzen. Spritzmittel wird täglich, morgens von 7—8 Uhr im städtischen Gutshof, Württemberger Straße 115, ausgegeben. Wer keine Spritze hat, kann sich dort eine ausleihen, Bruchsal, den 19. Juni 1950 Stadt. Güteramt ntiiiimiiiimiimmiimmiiuimtEmiimnimumumiiituflutii ~ -— 1950 er Gewandte Verkäuferin IlinnilPnnon (Textil) in gutgehendes Laden- jungnennen geschäftgesucht Zeugnisu. Naturbrut, abgehärtet, kern- ®i^, un ^ er Nr. 401a an die Ge- gesund, beste Legeleistung. schaftsstelle. Preisliste kostenlos. ; - ■ .. .. »"■= L. Scbillinger, Geflügelhof Ottobrunn über München 2 Ihre Anzeige in die B. P. Most zu verk. (1000—1500 Liter). Schmitt, Bauerbach, Haus 49 unschädlich ‘bochmksaa -mfi pftinifkh iH APSTHBKSH u. ÖRQGERIEH Dr. Eitles Möbelputz | »Wunderschön«| Das Mittel der Hausfrau Wirksam gegen Holzwurm DROGERIE WOLL alwurz-Fluid zial-ftcppelstarh 1 Ihre Schmerzen bei Rheuma, ia n. 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In den nächsten 3 bis 5 Jahren werden dem Tabakanbau und der Tabakwirtschaft eine ganz andere Bedeutung zukommen, als dies bisher der Fall war, daher müssen die Tabakbauern besonders neben guten Preisen, auch ungestörte Absatzmöglichkeiten fordern. Zur Zeit strömt geldmäßig zu viel Tabak nach Deutschland. Der Bundesfinanzminister erwartet im Jahr 2,4 Milliarden DM an Einnahmen aus der Tabaksteuer: hierbei stellen das Hauptkontingent die Zigaretten, denen an 2. und 3. Stelle die Zigarren und der Rauchtabak folgen. Nachdem die Senkung der Zigarrensteuer erreicht wurde, wird jetzt eine Senkung der Steuer für den Rauchtabak und die Zigarette angestrebt. Die Wiedereinführung der im Jahre 1922 durchgesetzten Verordnung muß kommen, welche den 50pro- zentigen Beimischungszwang für den einheimischen steuerbegünstigten Feinschnitt beim Rauchtabak und die Herstellung der steuerbegünstigten schwarzen Zigarette brachte. Diese Verordnung ist seit dem Umbruch in Vergessenheit geraten. Wenn der Beimischungszwang nicht kommt, sind größte Schwierigkeiten für den Absatz der Inlandstabakernte 1950 zu erwarten, da auch bei den Fabrikanten und beim Tabakhandel das Geld fehlt. Mit Recht fordern die Tabakbauem einen Verkauf ihrer Ware zu wirtschaftlich vernünftigen tragbaren Preisen. Es muß soweit kommen, daß die Landwirtschaft und Industrie in ihren Preisen gleich liegen, denn der Arbeitslohn der Bauern steckt in den Preisen für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Wenn der deutsche Arbeiter und der deutsche Bauer Hand in Hand gehen, dann muß der Wiederaufstieg kommen! Wir brauchen in den Westzonen 1,2 bis 1,5 Millionen Zentner Rohtabak für die Tabakverarbeitung. Um diese Menge zu beschaffen, müßtra 500 000 bis 600 000 Zentner Tabak im Inland erzeugt werden, während die Ernte 1949 nur 410 000 Zentner dachreifer Ware erbrachte. Dazu wären noch etwa 900 000 Zentner ausländischer Tabak einzuführen. Vor edlem muß das bis 1939 geübte Quali- tätstabEikprinzip im Tabakanbau wieder zurückerobert werden. Seit 1948 trifft der Inlandstabak auf die Konkurrenz des Auslandes. Daher müssen jetzt die Tabakbauem wieder zeigen, was der deutsche Qualitätstabakanbau zu leisten vermag. Besonderer Wert muß in Zukunft auf ehrliche Büschelung und Sortierung bei den Verwiegungen gelegt werden. Das Anbaukontingent wird in diesem Jahre nicht weiter erhöht, und bleibt in erster Linie für den langjährigen Landwirt im Hauptberuf Vorbehalten. Heute gilt wieder mehr denn je für den Tabakpflanzer die Verpflichtung, ehrliche und saubere Arbeit zu leisten und anständige Kaufmannsware abzuliefem und auf den Markt zu bringen. Der inländische Tabakanbau kann nur dann die Konkurrenz mit dem Ausland erfolgreich aufnehmen, wenn wertvolle und brauchbare Ware abgeliefert wird. Wenn auch die Landwirtschaft und speziell der Tabakanbau schweren Zeiten entgegengehen, so ist kein Grund zum Verzweifeln gegeben, wenn jeder Bauer treu, gewissenhaft und ehrlich seine Pflicht erfüllt. Fröhlidie Geselligkeit in Heidelsheim Freundschaftsturnier des FC 07 — Ehrungen bei den Kleintierzüchtern Im Rahmen des Freundschaftstumiers, das sich am vergangenen Sonntag in Heidelsheim abspielte, hatte die Spvgg. FC 07 ein Programm aufgestellt, das jedem Liebhaber des Festens und Feierns wieder hinreichend Möglichkeiten bot, seinen Passionen Genüge zu tun. Der fahnengeschmückte Platz, die Zelte mit Getränken — sogar an Bohnenkaffee und Kuchen war gedacht — und den sonstigen Objekten zur Befriedigung des leiblichen Wohls, dazu für die sonntäglichen Meisterschützen ein Schießstand, das alles gab der bunten Volksmenge Anlaß zu guter Laune und Stimmung. Als gar am Abend bei Musik und' froher Unterhaltung nach den spannenden sportlichen Ereignissen noch weiter gefeiert wurde und dazu der Reiz der Sommernacht durch glühende Lampione erhöht wurde, war der Gipfelpunkt fröhlicher Geselligkeit erreicht. Der Montag gehörte der Jugend. Von 17 Uhr ab wurden unter der Regie von Vorstand Kempf allerlei Belustigungen für die Kinder geboten, darunter machte ihnen das Sackhüpfen, Wurstschnappen, Eierlaufen u. ä. mehr größten Spaß. Die Hauptattraktion bildete der Ballonstart. Ueber 100 Kinder hatten sich in der Mitte des Sportplatzes eingefunden, als vom Vorstand das Signal zum AufAmerikanisdie Gäste nahmen Abschied Beste Wünsche der Odenheimer Bevölkerung für ihre Zukunft Die seit 9 Wochen bei Frau Emma Bücher, Hofstraße, zu Besuch weilenden _Deutsch- Amerikaner Mr. Otto Fitterer, Mrs. Lina Fitterer, geb. Faulhaber, haben am Montag die Rückreise nach- den USA angetreten. Per Auto ging es nach Frankreich. In Cherbourg wird sich Familie Fitterer am 24. Juni auf der „Queen Elizabeth“ einschiffen. Die amerikanischen Gäste haben die Zeit ihres Aufenthaltes in Deutschland gut genützt. Sie haben nicht nur viel von Deutschlands landschaftlichen Schönheiten kennengelemt, sondern darüber hinaus sich auch ehrlich bemüht, dem deutschen Menschen der Gegenwart mit all seinen Sorgen, Nöten und Problemen näher zu kommen. Mr. Fitterer betonte, daß es sehr von Nutzen wäre, wenn möglichst viele Amerikaner mit dem deutschen Menschen persönlich Fühlung nehmen könnten. Sicherlich würden sie dann ihre oft ungerechten Vorurteile über Deutschland über Bord werfen. Er sei auf das Angenehmste überrascht gewesen von dem heutigen Deutschland. Er habe ein Deutschland kennengelemt, das sich mit gewohntem Fleiß und verbissener Zähigkeit bemühe, durch friedliche Arbeit die Schäden des Krieges zu beseitigen, um sich wirtschaftlich wieder auf eigene Füße zu stellen. Er sei fest davon überzeugt, daß Deutschland schon in kurzer Zeit in der Lage wäre, sich selbst zu helfen, wenn die Alliierten die bewußt aufgebauten Schranken fallen ließen. Mr. Fitterer versprach, in den USA im Rahmen der ihm gegebenen Möglichkeiten Edles zu tun, um seine Landsleute über die wirklichen Verhältnisse in Deutschland aufzuklären. Besonders gefreut haben sich die amerikanischen Gäste über die überherzliche Aufnahme in Odenheim, die sie bei den zahlreichen Verwandten, Freunden und Bekannten gefunden haben. Unter diesen Umständen fiel das Abschiednehmen doppelt schwer. Wir wünschen unseren rückreisenden Gästen eine glückliche Ueberfahrt und alles Gute für die Zukunft. Uns Zurückgebliebenen bleibt der Wunsch, daß die Gäste aus USA recht viel gute Eindrücke mit nach drüben genommen haben. * Am Kirchturmdach der St. Michaelskirche wurden in der vergangenen Woche dringend' notwendige Ausbesserungsarbeiten vorgenommen. Die Arbeit der Männer in schwindelnder Höhe fand natürlich bei unserer Jugend lebhaftes Interesse. Am Samstag -wurde das im Alter von 80 Jahren verstorbene Frl. Magdalena Baumann unter großer AnteilnEihme der Bevölkerung zu Grabe getragen. w. stieg gegeben wurde und die farbenprächtigen Luftballone unter Musik und dem Freudengeheul der Kinder in den abendlich durchsonnten Himmel stiegen. Jeder der Ballone ist mit einer Postkarte versehen, auf der der Finder um Rücksendung des niedergegangenen Ballons gebeten wird. Für die Absender, deren Ballone den weitesten Weg zurücklegten, stehen schöne Preise bereit. Die Durchführung dieser reizvollen Idee hatte auch viele Erwachsene auf den Platz gelockt und beim gemütlichen Zusammensein klang der Abend und damit das wohlgelungene Fest aus. Bei der Monatsversammlung der Kleintierzüchter äm Samstag wurde der Termin für die Jungtierschau auf den 9. Juli festgelegt. Auf der Schau werden Kaninchen und Geflügel ausgestellt, sie wird' in der Sporthalle stattfinden; Preisschießen, Gabenverlosung und sonstige Belustigungen werden für Kinder und Erwachsene gleichermaßen die Möglichkeit zu netter Unterhaltung bieten. Im Laufe der Versammlung wurden einige Mitglieder geehrt. Vorsitzender Ernst Jpger überreichte im Namen des Verbandes fiord- badischer Kaninchenzüchter Heinrich Gottlob Jäger und Otto Grieshaber für ihre 40jährige erfolgreiche Tätigkeit in der Kaninchenzucht je eine Ehrenurkunde und Ehrennadel. Der Vorstand betonte, daß ein großes Maß an Geduld, Energie und Ausdauer nötig seien, um trotz mancher unvermeidlicher Rückschläge und Mißerfolge der züchterischen Arbeit treu zu bleiben. Auch der Zuchtwerbe- wart Jakob Greiner wurde geehrt und zwar durch die Ueberreichung der Beurkundung seines Titels als „Badischer Landesmeister“, den er sich auf der Landeskaninchenschau in Heidelberg-Kirchheim mit 204 Punkten erworben hat. — Am kommenden Sonntag findet bei genügender Beteiligung der Jugend im Gasthaus zum „Kaiser Friedrich“ die Gründung einer Jugendgruppe statt. Beginn 13 Uhr. Beschlüsse des Gemeinderats: Betreffs der Vergebung der Bauarbeiten für die Trafo- Station soll mit dem örtlichen Unternehmer der das niedrigste Angebot einsandte, weiter verhandelt werden, da von einem auswärtigen Unternehmer ein noch niedrigeres Angebot vorliegt. — Zur Festsetzung der Feuerschutzabgabe nach den neuesten Richtlinien wurde eine Kommission zusammengestellt. — Der Wasserzins für die Gewerbebetriebe soll in Zukunft je nach dem Umfang des betreffenden Betriebs vom Gemeinderat bestimmt werden. Ihren 75. Geburtstag feiert am 24. 6. Mag- dalene Ihle, geb. Feldmann, Turm weg. Wir gratulieren! o. Der Wlrtsdiaftsanfbau ln Baden Die Ausstellungen eines umgrenzten Wirt- schaftsraums sind neben den großen Messen zu unentbehrlichen Helfern des Wiederaufbaus geworden. Der große Erfolg des Mann- heimer Maimarkts im vergangenen und in diesem Jahr beweist, daß Industrie, Handel und Handwerk diesen direkten Kontakt mit der Bevölkerung brauchen und zugleich sind solche Ausstellungen zu wahren Volksfesten geworden. An den Mannheimer MEiimarkt schloß sich im Jahr 1949 die Jubiläumsausstellung der alten Stadt Ladenburg, eine Heidelberger Sommerschau und die Weinheimer Woche an. Für das Frankenland wurde die Landwirtschaftsschau in Mosbach zu einem herbstlichen Treffpunkt und zum Jahresende brachte der Weihnachtsmarkt in Mannheim eine lichte Note in die sorgen- und trümmerbelastete Großstadt. Alle diese Ausstellungen wurden vom „Haus für Wiederaufbau und Wirtschaftswerbung“ (HfW) errichtet, das in Freiburg seinen Sitz hat und dort auch 1947 und 1948 die Badische Landesexportschau durchführte. Jetzt hat das HfW auch in Mannheim (Rosengarten) eine Zweigstelle errichtet, so daß es als ein wesentlicher Faktor des gesamten badischen Wirtschaftslebens angesehen werden kann. Auch die soeben eröffnete „Badische Leistungsschau“ in Karlsruhe ist dem HfW zu verdanken, dessen Leiter Dr. Karl Heinz Ki- kisch anläßlich der Eröffnung einen Ueber- blick der Bestrebungen seines Institutes gab. Für Mitte August ist die Ausstellung „Kraich- gau und Bruhrain“ in Bruchsal vorgesehen und nach einer Weinbau-Lehrschau in Bad Kreuznach wird Mannheim Anfang Dezember wieder seinen Weihnachtsmarkt haben. ,Hoffnung und Freude sollen diese Veranstaltungen vermitteln“, so erklärte Dr. Ki- kisch, der dem amerikanischen Resident Offi- cer Mr. Gardener die Versicherung gab, daß die USA-Hilfe nicht unnütz vertan sei, sondern die badische Wirtschaft zur Selbsthilfe angeregt habe, bei der Unternehmer und Arbeiter gut Zusammenwirken. Ein Land wie Baden, das in so glücklich ausgestattete Wirtschaftsräume längs des Oberrheins gegliedert ist, wird durch diese Ausstellungen noch mehr an Schaffensfreude gewinnen. Von der badischen Landesdirektion für Wirtschaft und Arbeit und den anderen beteiligten Behörden wurde darauf hingewiesen, daß alle verantwortungsbewußten Kreise des Landes sich be- mühen, die schweren Schäden und Nöte de.« Krieges, die größer sind als anderwärts, zu beseitigen. Die Karlsruher Ausstellung soll« zur Belebung und Stärkung der badischen Leistungsfähigkeit beitragen. Bei der Eröffnung wurde es besonders dankbar vermerkt, daß auch der südliche Teil des Landes durch Finanzminister Dr. Eckert und Landtagspräsident Perron vertreten war. Der Badischen Leistungsschau in Karlsruhe möchte man wünschen, daß sie zu einem Kraftquell für das ganze Land wird und dadurch über die 14tägige Ausstellungsdauer hinaus für die badische Wirtschaft segensreich wirkt. Heilung dun.. ... .unter Blutschrein? Walldürn (dpa). In das Protokollbuch der' Walldümer Wallfahrtskirche sind dieser Tage zwei Heilungen eingetragen worden, die während der diesjährigen Wallfahrt durch direkte oder indirekte Berührung mit dem Blutschrein erfolgt sein sollen. Ein von verschiedenen Ärzten bisher angeblich erfolglos behandelter blinder fünfjähriger Junge soll nach Berührung ies Blutschreins sehend geworden sein. Ferner soll der steife Arm einer Frau nach indirekter Berührung am nächsten Morgen wie- der Oas ßiesebethli Roman aus den Schweizer Bergen von Doris Eicke Copyright by Verlngiihwa BeutUngcm Oartel St Sparer 13. Fortsetzung. „Ja, ja,“ antwortete der Uli für die Schwester und nahm das Mariggi um die Hüfte, „Du bist ein patentes Fraueli, und das Herzli hast alleweil auf dem rechten Fleck.“ Dem Liesebethli tat es wohl und weh zugleich, daß sie so schön miteinander taten. „Es ist recht, daß Ihr‘s so gut miteinander könnt, es ist dem Uli zu gönnen, nach allem,“ sagte es, in seiner herben Art ein wenig auf- geschlossen. Der Uli schaute zufrieden von einer zur an- deren. „Das wird ein Leben jetzt auf dem Nieder- häusernhof! Wir drei allein —“ Das Liesebethli legte erschrocken die Hand auf den Mund. War es nicht eine Sünde, den Vatter schon totzusagen und sich darüber zu freuen? Auf einmal, mitten im schönsten Tafeln, ging im Hintergrund der immer etwas dämm- rigen Küche eine Türe auf. Das Liesebethli ließ erschrocken die Gabel sinken. Dort im Türrahmen stand, in eine Decke gewickelt, der Niederhäuser, oder das, was die Krankheit von ihm übergelassen hatte. Erschreckend mager sahen die bloßen Beine unter der Decke hervor, das filzige, weiße Haar hing unordentlich um das abgezehrte Gesicht, aus ilem die tiefeingesunkenen Augen böse funkelten „Das frißt und sauft und laßt sich's wohl sein, und ich kann derweil verrecken,“ sagte er mit einer hohlen, heiseren Stimme. Das Liesebethli hatte sich zögernd erhoben und kam auf ihn zu. Die kleine Wärme, die eben der Zutraulichkeit der Geschwister in ihm erblühen wollte, versank. „Grüß Euch Gott, Vatter, da bin ich wieder.“ „Ja, da bist!“ Der alte Bauer musterte die Tochter scharf. „Willst auch dabei sein, wenn den Alten der Teufel holt, he? Kannst‘s sun End nit derwarten?“ Ein furchtbarer Husten brach rasselnd aus der eingesunkenen Brust und schüttelte und stieß den Niederhäuser so unbarmherzig wie ein Bündel alter Lumpen. Keines seiner Kinder sprang herzu, um ihn zu stützen. Als der Husten verebbte, schob der Uli die Schwester mit seiner breiten Tatze beiseiten und hob den Alten ohne viel Federlesens auf die Arme. „Ihr gehört ins Bett,“ sagte er ruhig, „dort könnt Ihr weiterschmähen, so lang Euch der Schnaufer langt Das Bethli könnt Ja rein meinen, es war nit daheim, wenn Ihr ihm ein einziges gutes Wort gönntet.“ Die ausgemergelte Gestalt des Alten verschwand in der Schlafbutze. Das Mädchen folgte ihm zögernd. Er hustete wieder. Sein fsihles Gesicht lag gespenstisch auf den rotgewürfelten Kissen. „Da, hock Dich nieder, ich hab mit Dir zu reden,“ befahl der Bauer streng, kaum daß er wieder zu Atem gekommen war. „Und Ihr zwei seid hier vorig (übrig), macht, daß Ihr hinauskommt Wird's bald?“ schrie er zornig, als sie seinem Gebot nicht gleich Folge leisteten. Uli wandte sich achseizuckend zur Tür. „Nimm‘s halt nit schwer, Bethli,“ sagte er halblaut im Abgehen, so daß das harte Gehör des Alten es nicht aufnehmen konnte, „es ist bald das letzte Mal, daß er Dich plagt“ Als die Tür sich hinter Mariggi und Uli geschlossen hatte, holte das Liesebethli einen Schemel und setzte sich neben das mächtige Bett Das Herz lag ihm schwer wie ein Bleiklumpen in der Brust, und es verbarg die zitternden Hände unter der seidenen Schürze, damit sie seine Angst nicht verrieten. Es wagte nicht, den Vater anzusehen, diesen Schatten eines Menschen, in dem doch noch die böse, friedlose Seele geistert. Auch der Niederhäuser verfiel in Schweigen Nach dem Auftritt von vorhin kam die Schwäche mit doppelter Gewalt zurück. Seine Gedanken zerflatterten, und seine krallenähnlichen Finger tasteten ruhelos über das Federbett. Für ein paar Augenblicke überfiel ihn der Schlaf, die Hände kamen zur Ruhe, das Gesicht glättete sich und wurde ein altes, müdes Menschenantlitz, in dem Stürme und Not zu Ende kamen. Der Niederhäuser hatte sein Leben lang außerhalb der menschlichen Gemeinschaft gelebt, so weit das einem Bauern möglich ist Er ging nie zu Fuß durchs Dorf, in der Sorge, es könnte jemandem einfallen, ein Wort mit ihm zu wechseln. Einsiedlerisch war das Geschlecht schon immer gewesen und hatte weit draußen vor dem Dorf seine Heimstatt gebaut, aber in diesem Träger des alten Namens war diese Sonderlichkeit bis zur Manie gesteigert Mit Zähneknirschen hatte er es dulden müssen, daß das Dorf sich auf seine Seite hin weitete und ihm nachgelaufen kam Nur der Hügel, auf dem sein Heimwesen stand, schützte ihn jetzt noch vor allzu großer Nähe der Menschen. Jetzt aber lag er krank und hilflos seit vielen Wochen in seiner Schlafbutze und mußte es leiden, daß dieWelt in guter Meinung und mehr den jungen Leuten zu Ehr als ihm zulieb an seine Tür pochte und zu wissen begehrte, wie's mit ihm stand. Erschreckend schnell waren ihm die Zügel aus den Händen geglitten, ein neuer Geist beherrschte den Hof und kümmerte sich nicht viel um das entweichende Leben, das noch ohnmächtig und in aller Verlassenheit, die eines bösen Lebens Erbe ist, in der hinteren Stube geisterte. Ebenso plötzlich wie der Schlaf ihn überfallen, verließ er ihn wieder. Der Bauer schlug die Augen auf und schaute eine Weile verwundert auf die zusammengesunkene Gestalt seiner Tochter. Wo kam denn das Bethli auf einmal her? Allmählich kam ihm die Erinnerung wieder, auch an das, was er dem Mädchen hatte sagen wollen. Da sie nicht zu ihm hinschaute, ruhte sein Blick einen Augenblick mit verstecktem Wohlgefallen auf ihrer blühenden Jugend. „Hast jetzt genug vom Dienen, he? Hast Dir die Hörner abgestoßen in der Fremd?“ Das Liesebethli schrak zusammen. Es war in Gedanken jenseits des Berges gewesen, während der Vater schlief, auf dem Simmis- hof und beim Hanstöni, und Sehnsucht nach dem Liebsten, seiner Stimme, seinen Augen und dem guten Streicheln seiner Hände wollte es fast übermannen. Jetzt richtete es sich ein wenig auf und faltete die Hände unter der Schürze. Auch dieses hier wollte überstanden sein. „Meinst, ich hätt‘s schon vergessen, daß Du bei Nacht und Nebel weggelaufen bist und mich in die Mäuler der Leut gebracht hast, meinst, die Schand war kleiner geworden in all den Jahren?“ fragte er lauernd. Das Liesebethli duckte sich hilflos. „Ich hab‘s halt nimmsr ausgehalten,“ sagte es leise „Nimmer ausgehalten? Was denn, wenn die Frag veriaubt ist?“ geiferte der Alt«. „Hast Du‘s nötig gehabt zu dienen? Hättest selber auf der Grasegg die Bäuerin spielen können, mit Knechten und Mägden. Aber das hat der Mamsell nit gepaßt, wär ja noch der Vatter über ihr gewesen, hätt sich ja noch ducken müssen unter seinem Wort“ Fortsetzung folgt DIE ERZÄHLUNG Die richtigen Fehlfchlüffe Ein Romänchen in Bruch ftüchen / oon Wenöelin Überzroerch „Also die Sache war so“, erzählte Heinz Wolfrum den Freunden, die sein Bett in der Klinik umstanden, „ich fuhr mit meiner kleinen Himmelskutsche auf der Straße nach Neustadt, Tempo: 80 Sachen. An der Kurve, kurz vor dem Waldstück, Ihr wißt Bescheid, da wo man vorsichtig einbiegen muß, stand ein Mädel und machte Winke-winke. Es war jung und hübsch, das merkt man ja 100 Meter vorher; sie hätte Astrid heißen können, so hell und schmuck sah sie aus! Bei so etwas hält man immer an — man hat ja kein Herz von Stein, nicht wahr? Schön: ich bremse, halte. „Nehmen Sie mich nach Neustadt mit?!“ fragt das nette Fräulein und mustert mich blitzschnell. „Bitte!“ sag’ ich und mache den Schlag auf, sie steigt zu. Sie ist noch reizender als ich gedacht hatte. Ein süßes Geschöpf, so recht zum Liebhaben. Glück habe ich. Glück! Ich guck’ sie so von der Seite an — Kinder, ich bin begeistert, ich stehe in Flammen! Ich fange an, ihr einiges Nette zu sagen — ja und dann, ich kann nicht anders, muß ich den Arm um sie legen, ein alter Kutscher wie ich fährt auch mit einer Hand — und will sie küssen, das überkommt mich einfach so. Ich spüre, daß sie ein rassiges Mädel ist, sie macht zu heftig mit, drückt sich an mich — und das Unglück ist geschehen, das Steuerrad verrutscht mir, wir fahren gegen einen Baum — und dann hat man uns aufgelesen. Zum Glück sind wir beide mit einigen Quetschungen davongekommen. Ein Mädel ist das! Wenn ich wieder auf dem Damm bin, werd’ ich zu ihr gehen und das schöne Abenteuer fortsetzen! — Hat einer ’ne Zigarette für mich?!“ * „Also die Sache war so“, erzählte Leni Wilke den Freundinnen, die ihr Bett in der Klinik umstanden, „ich war im Neustadter Wald zum Beerenpflücken gewesen u. furchtbar müde. „Gehst halt zum Anhalter Bahnhof“, denk’ ich und stell’ mich an der Kurve beim Wald auf, ihr wißt ja: da wo die Autos langsam fahren müssen. Da kommt auch schon eins angeflitzt, ich sehe, daß ein junger Mann am Steuer sitzt. Junge Männer sind mir lieber als ältere Herrn, die werden immer leicht zudringlich, nicht wahr, man kennt sich ja aus. Ich mache also Winke-winke. der Wagen hält auch gleich, der Jüngling-sieht eigentlich nicht übel aus. „Darf ich mitfahren?“ frag’ ich; er lächelt, macht den Schlag auf, ich steige ein. Nach ein paar Minuten fängt er an, Süßholz zu raspeln „Um Gotteswillen!“ denk’ ich, „vielleicht wäre ein älterer Herr doch besser gewesen!“ Aber schließlich weiß ich mich ja meiner Haut zu wehren. Ich sag’ ihm deutlich, er solle das lassen, ich sei nicht so eine. Aber er gibt nicht nach, wird frech, legt den Arm um meine Schulter und will mich küssen. Ich nicht faul — kleb ihm eine! Das sollte man ja während des Fahrens nicht tun, das Steuer rutscht ihm aus der Hand, wir fahren gegen einen Baum — und dann hat man uns auf gelesen! Zum Glück sind wir beide mit einigen Quetschungen davongekommen. Wenn ich wieder mobil bin, werd’ ich mir den Burschen aber kaufen, der kriegt nochmals eine verpaßt, der freche Kerl! — Hat eine ’ne Zigarette für mich?!“ * Polizeibericht des Kommissariats Neustadt. Heute Nachmittag fuhr ein Personenkraftwagen auf der Neustadter Landstraße gegen einen Baum, und war derselbe mit zwei Personen verschiedenen Geschlechts besetzt. Der Insasse bzw. die Insassin kamen mit einigen Quetschungen davon, mit welchen sie in die Klinik zur Einlieferungen kamen. Der Fahrer gibt als Ursach des Unfalls das Fliegen eines Insekts gegen sein Gesicht an und habe er dadurch momentan die Gewalt über die Steuerung verloren. Die Verletzten dürften in den nächsten Tagen zur Entlassung gelangen. * Tagebuch-Eintragung von Heinz Wolfrum: Ich habe es mir zum Grundsatz gemacht, in meinem Tagebuch ganz ehrlich zu sein. Ich schreibe in der Klinik — Auto-Unfall! Ich habe gestern ein Mädchen — ein entzückendes Mädchen übrigens! — in meinem Wagen mitgenommen: es stand am Weg und winkte. Ich tändelte etwas mit ihr herum, weil sie mir so gut gefiel, es schien ein lustiges Ding zu sein. Ich rücke ihr nahe, lege den Arm um sie, will sie küssen. Zuerst kommt es mir vor, sie wehre sich nicht groß, aber dann hab’ ich plötzlich eine niedliche Ohrfeige sitzen! In der Verwirrung verliere ich die Steuerung und fahre gegen einen Baum. Ich möchte wissen, was das Mädel von mir denkt, hoffentlich nichts Böses. Sie liegt in der gleichen Klinik wie ich, aber ich scheue mich, ihr unter die Augen zu treten. Schließlich bin ich ja am Unfall schuld — und wenn ich mir erst ausdenke, es wäre schlimmer ausgefallen! Ich schäme mich sehr. — Den Freunden hab’ ich natürlich vorgeschwindelt, wir hätten uns abgeküßt, und dabei sei das Unglück geschehen. * Tagebuch-Eintragung von Leni Wilke. Ich hab’ mir geschworen, in meinem Tagebuch ganz aufrichtig zu sein. Ich schreibe in der Klinik — Autounfall! Ich stellte mich gestern, wie ich vom Beerenpflücken kam, an der Straße auf und winkte einem Auto. Ein junger Mann — ein sympathischer Bursche übrigens! — ließ mich zusteigen. Ich schien ihm zu gefallen, er himmelte mich sehr an. Und wollte mich dann küssen. W'eil er mir wirklich sehr gut gefiel, war ich nicht sehr spröde. Aber es kam mit etwas überraschend, und ein bißchen muß man ja so tun als ob, sonst glauben sie, man sei so ’ne leichte Fliege, und das bin ich eigentlich auch gar nicht. Ich wehre mich also leicht, dabei komme ich ihm mit der Hand ins Gesicht — womöglich hat er’s für eine Ohrfeige genommen, war aber gar nicht so gemeint. Es ist mir recht peinlich. Er liegt in der gleichen Klinik wie ich, aber ich fürchte, er wird mich noch zur Rede stellen. Wenn ich mir ausdenke, es wäre schlimmer ausgefallen — schließlich bin ich ja an dem Unfall schuld. Ich schäme mich sehr. — den Freundinnen habe ich natürlich vorgeschwindelt, ich hätte ihm eine geknallt, und dabei sei das Unglück geschehen. (Schade um den versäumten Kuß — es war wirklich ein Junge zum Verlieben! So: jetzt war ich ganz ehrlich!) * Brief von Heinz Wolfrum an Leni Wilke: Sehr verehrtes, liebes Fräulein Leni! Bei unserem heutigen nochmaligen Verhör vor der Verkehrspolizei hatte ich den Eindruck, daß Sie mir nicht mehr allzusehr zürnen, schon indem Sie meine Angaben deckten. Es fiel mir, offengestanden, ein Stein vom Herzen, denn ich weiß mich Ihnen gegenüber sehr schuldig. — Ihr Verhalten gibt mir den Mut zu einem Vorschlag: darf ich Sie zu einer Fahrt in meiner inzwischen gründlich überholten Himmelskutsche einladen? Wollen Sie mir die Freude machen? Ich verspreche auch ganz artig zu sein.. 1 „Gebrannte Kinder!“ Ihr aufrichtig ergebener Heinz Wolfrum. * Brief von Leni Wilke an Heinz . Wolfrum. Sehr geehrter Herr Wolf rum! Nein: nachtragend bin ich gamicht veranlagt! Und ich muß auch noch etwas aufklären — von unserer Fahrt neulich. Auch ich habe etwas abzubitten. Ich nehme Ihre freundliche Einladung gerne an. Wann und Wo? Mit freundlichen Grüßen Ihre Leni Wilke. * Leni Wilke Heinz Wolfrum Verlobte Kein ehelicher Himmel ist ohne Wolken. — Aber es gibt dabei mannigfache Unterschiede, die von den zarten Federwolken über die anmutigen Schäfchen bis zu den Kumuli, den dichten Haufenwolken reichen, die wohl die gefährlichsten sind und einem Gewitter gerne vorhergehen. In solch gewittriger Atmosphäre befand sieh das Ehezelt des Herrn Jakob Bensle und seiner angetrauten Ehehälfte Elise. Das kam daher, daß der Frau Elise eine Behauptung ihres Eheliebsteh einfach nicht einleuchten wollte, daß nämlich zu einem „rechten Mann“ so alle vierzehn Tage eine mehr oder weniger feuchte Ablenkung vom Alltag gehöre. Ja, so ein Viertele ab und zu konnte sie schon verstehen, aber daß er darnach jedesmal Zeichnung: Hilde Sdilotterbeck gar so voll „geladen“ hatte, das ging ihr doch zu weit. Jaköble war dagegen ganz anderer Ansicht. Er meinte, daß sein Weib davon einfach nichts verstehe, denn erst beim fünften Viertele komme man so richtig auf den Geschmack — und das sei doch das Wichtigste beim Wein. JASMIN Nun sind sie gekommen, die Tage, in denen der Jasmin erblüht, und voll oon Sehnsucht’ger Klage mein Herz zu Dir hinßiehtl Weißt Du es noch, wie wir brachen die weißen Blüten zu zwein und dabei von Liebe sprachen, als könnte es immer so seinP Nun muß Uh einsam gehen zum duftenden lasminstrauch, wenn lau die Winde wehen im sommerlich-süßen Hauch ... H.K. Wie gesagt, der Benslesche Ehehimmel hatte deswegen schon mancherlei Bewölkung erlebt. Aber immer wieder war’s zu der ersehnten Aufheiterung gekommen und die Sonne hatte wieder geblinzelt. — Eines Tages jedoch schien die Sache aussichtslos. Schwerste Gewitterwolken, durchzuckt von wohlgezielten Blitzen aus Frau Elisens wohltrainiertem Mundwerk, wetterleuchteten, während drohend dumpfer Donner und Groll ihres Mannes die Szene begleitete. „Die Sauferei hab’ ich jetzt satt, daß du’s weißt. Komm mir noch einmal so heim wie heut’ — dann kannst du fort bleiben und ich laß mich scheiden!“ Mit dieser fürchterlichen Drohung flog das eheliche Schlafzimmerfenster zu. Jakob war sprachlos. So etwas war ihm noch nie passiert. — Seine „bessere Hälfte“ hatte jedoch inzwischen die Haustüre geöffnet, um noch einmal Gnade vor Recht ergehen zu lassen. Unserem Jaköble fiel es aber gar nicht ein, von dieser letztmaligen Freundlichkeit Gebrauch zu machen. Sei es, daß er sich an diesem Abend doch etwas zu viel zugemutet hatte, sei es, daß er die ausgesprochene Drohung seiner Frau noch übertrumpfen wollte, jedenfalls legte er los und versuchte seiner Frau in heftigen Worten klar zu machen, daß er durchaus im Recht sei. Und dann kam der Schluß seiner Rede: „So, und jetzt kannst mich gern haben. Scheiden laß ich mich nicht, da geh ich lieber vorher ins Wasser! — Jawohl, ins Wasser! das tu ich!“ Sprachs und ging. Da war Elise sprachlos. Das war wirklich ein einmaliger Fall in der Praxis ihrer sieben- undzwanzigjährigen Ehe. Jakob war inzwischen um die Ecke verschwunden. Was blieb seiner Frau also anderes übrig, als sich ins Bett zu legen. Sie kannte ja ihren Mann. Ganz wörtlich war seine Rede nicht zu nehmen. Und siehe da, sie behielt recht (Frauen tun das bekanntlech ja immer!) Am nächsten Morgen, gegen 4 Uhr stand Herr Bensle reumü ig vor der Haustüre. Ob er sich in diesem Augenblick bessern wollte, oder ob ihm nur das Wasser des Flusses zu kalt gewesen war, war nicht zu erraten. Jedenfalls klopfte er heftig an die Haustüre, worauf Elise auch prompt erschien. Sie war nun anscheinend bereit, sich zu versöhnen — wenigstens meinte sie nur kurz und etwas brummelig: „Jetzt hab ich aber die Störungen in der Nacht satt, wenn du ’s nächstemal ins Wasser gehst — nimm wenigstens den Hausschlüssel mit!“ Katja Nicht ohne Hauefchlüffel Leb roohl, Matheei Ein Nachruf auf Mathias Ludwig Schroeder Der Mai ist der Monat aller fahrenden Gesellen. So hatte auch Matthias Ludwig Schroeder mehr als einmal den Verlockungen des Frühlings und dem ungeduldigen Drängen des Blutes nachgegeben, Arbeit und Sicherheit hinter sich gelassen und war von seiner rheinischen Heimat — er war ein Trierer Junge, wenn auch auf einer Reise in Saarbrücken zur Welt gekommen —. in 'die Fremde gezogen. Von der Lehrzeit bis zur Gesellenprüfung stromerte er an der Mosel und walzte danach kreuz und quer durch Deutschland, besonders durch den Süden. Sein Vagabundenbuch „Auf zerissenen Sohlen“ erzählt davon. Es zeigt aber auch, daß er überall die Augen offen hielt für die Schönheiten am Wege wie für die Eigenarten und Absonderlichkeiten der Menschen, denen er begegnete und denen er tief in die Herzen schauen lernte. Wieder einmal wurde es Mai, für Schroeder zum letztenmal, und nun hat „unser Mathes“ unerwartet seine letzte Wanderung angetreten, von der es keine Heimkehr mehr gibt. Kurz nach seinem 46. Geburtstag führte den fröhlichen Burschen ein tragischer Unglücksfall aus unserer Mitte hinweg, viel zu früh für die Ungezählten, denen er mit seinen frohen Erzählungen aus dem Tag der Werkleute Sonne, Freude und Kraft geschenkt hatte. Ihm waren nur wenige Jahre gesammelten Schaffens gegönnt. Es war im Jahre 1934, als Heinrich Lersch mir seine ersten Arbeiten schickte und darum bat, über die grauenhaften Schreibfehler hinwegzulesen, weil der junge Rohrleger ein so unverdorbenes Deutsch schreibe und ein so echter und anständiger Kerl sei. Heinrich Lersch hatte den Spürsinn für das »Echte. Schroeder hatte damals seine Arbeitsstätte beim Wasserwerk in Hilden im Rheinland verloren und begonnen, seine er- ten, so unbekümmert-köstlichen Geschichten ju erzählen, und schon diese ließen ahnen, daß Sie stumme Kameradschaft der Werkleute in chm einen wahrhaft begnadeten Gestalter gefunden hatte. Nur ein Bruchteil von dem, was er schrieb und meist an die Zeitungen gab, erschien gesammelt in seinen Büchern wie „Der lachende Hammer“, „Lehrbuben-Lausbuben“, „Lachende Kameradschaft“, Männer und Herzen“ und anderen. Vielen wurde er zum „rheinischen Eulenspiegel“, wie ihn sein Freund und Förderer Heinrich Lersch genannt hatte, aber die ernste Novelle „Das Beichtrohr“ zeigte bereits, daß Schroeder über das fröhliche Fabulieren zu echter dichterischer Gestaltung und Formbeherrschung emporzuwachsen begann. Nach sechs Schaffensjahren kam eine große Pause, als er 1940 Soldat und später am Wol- chow verwundet wurde. Sie mag dem leidenschaftlichen Gestalter schwer genug geworden sein. Ende 1945 kehrte er aus englischer Kriegsgefangenschaft zurück, „immer noch nur vom Schreiben gepackt“, wie er mir schrieb. Nach kurzer Zeit der Sammlung ging er wieder ans Werk, zwar körperlich geschwächt, aber mit ungebrochenem und zuversichtlichem Herzen. „Man darf nicht zurückschauen“, sagte er damals, „nur vorwärts, vielleicht, daß dort noch etwas zu erhoffen ist . . .“ Wer konnte ahnen, daß ihm nicht viel mehr als vier Jahre neuen Schaffens bleiben sollten! Was das „Beichtrohr“ versprochen hatte, setzte er mit dem von Lebensernst wie Lebenszuversicht erfüllten Roman „Der Zauberer“ fort, in dem das für sein Schaffen so bezeichnende Wort steht: „Auch das bescheidenste Leben hat seine Hoch-Zeiten.“ Manche seiner ersten Bücher wurden neu aufgelegt, betreut vom Thomas-Verlag in Kempen und vom Paul-List-Verlag. Aber viel von dem, was er schrieb, wartet noch auf die Veröffentlichung, so die Erzählung aus dem Leben eines Hilfsarbeiters „Klees mit dem Kännchen“, der seine einfachen Jahre im Gaswerk verbringt und doch inhaltsvoll, wie es nur Schroeder zeigen kann — dazu die Erzählung „Meister von eigenen Gnaden“, der Ingenieur-Roman „Das Himmelshaus“ und nicht zuletzt die „Nickelgeschichten“, von denen er sich vor allen anderen eine bleibende Wirkung erhoffte. Eins zeigt sein Werk: Mathias Ludwig Schroeder war ein Dichter ursprünglicher Begabung, nicht nur Berichter aus der Welt der Arbeit wie manche andere, sondern ein unbestechlicher Sucher der Wahrheit hinter den Erscheinungen und ein Gestalter ganz eigener Prägung. So steht er in der Reihe derer, die von Gerrit Engelke über Heinrich Lersch bis in unsere Zeit führt. Allen Lockungen der Konjunktur hielt er sich fern, er war ganz „unliterarisch“, er sprach das ungebrochene Deutsch der Werkleute. Gerade darum liegt über seinem ganzen Schaffen ein unnennbarer Zauber der Frische, des Unmittelbaren, der Natürlichkeit, dem sich niemand entziehen kann. Wenn in seinen frohen und ernsten Geschichten eine Tendenz verborgen war, so allein die echter Menschlichkeit, das Bemühen eines im Tiefsten gütigen Herzens, dem Ordnenden, dem Ausgleich, der Liebe und dem Frieden zu dienen, wie er es in der vor einigen Wochen bei Butzon & Bercker in Kevelaer erschienenen Schrift „Dichter und Arbeiter“ formulierte. Eine bemerkenswerte Ausstellung von „Madonnen am Bodensee“ hat in Meersburg der einstige Kustos an der Berliner Nationalgalerie, Dr. Benno Griebert, mit viel Liebe und großer Sachkenntnis zusammengetragen. Von den Madonnen der romanischen Zeit bis zu den flatternden Schwingen des Barock und der höfischen Eleganz des Rokoko sind alle wesentlichen Kunststile in ausgewählten und kennzeichnenden Werken vertreten. So sieht man zwei Arbeiten des „Meisters der schönen Madonnen“, dessen Weg im Anfang des 15. Jahrhunderts aus dem Deutschordensland über Böhmen nach Süddeutschland führte. Aus der Hand des Meisters von „Emiskirch“ stammt eine der ausdruckstiefen trauernden Madonnen. Eine Arbeit fällt auf, die aus der frühen Zeit von Veit Stoß herrühren könnte. Aus Überlingen kommt Feichtmeyers Rokoko- Madonna. Auch viele rheinische und mainfränkische Arbeiten, die in oberschwäbischen Kirchen aufgestellt waren, sind zu sehen. Der Oberbürgermeister von Ulm hat schließlich aus dem dortigen Museum den herrlichen Flügelaltar von 1518 zur Verfügung gestellt. Geschichtenerzähler, Vagant, ein fröhlicher Bursch, der sich auch auf mancherlei Zauberkunststückchen verstand, zugleich ein Träumer und Dichter war „unser Mathes“, vor allem aber einem großen Freundeskreis, den er in der Nachfolge von Heinrich Lersch zusammenhielt, der zuverlässigste und beste Kamerad, der niemand im Stich ließ, der dem Mutlosen auf die Schulter schlug, ihn aufrichtete und ihm half, wo er nur konnte, der zuletzt noch den Plan hatte, seine Freunde in einer musischen Siedlung in Hilden auf dem „Künstlerbuckel“ zu vereinen. Wer seine Geschichten las und lieb gewann, hat einen unbekannten Freund verloren, der seinen Alltag mit Frohsinn erfüllte. Wir, die in seinem Kreis standen, verloren mehr: den guten und anständigen Kerl, den Kameraden Mathes! . Leb wohl, Mathes! Hans Teichmann der früher in Hagnau am Bodensee stand. Schmerzlich vermißt wird allerdings die schwer zugängliche und selbst vielen Kunstfreunden im Bodenseegebiet noch unbekannte Verkündigungsgruppe aus Meersburg selbst: Es wäre Gelegenheit gewesen, sie in einem würdigen Rahmen einer größeren Öffentlichkeit zu zeigen. Man sieht auf dieser Ausstellung viele Werke, denen man, weil sie aus Privatbesitz, zum Teil aus dem oberschwäbischer Bauern und Handwerker stammen, kaum begegnet. Dazu gehört die romanische Modanna von Ittenhausen (von 1150) sowie der fast unbekannte „Tod der Madonna“ aus der Franziskanerkirche in Uberlingen, der seinen Platz in dem unzugänglichen „Nonnenchörlein“ hinter dem Hochaltar Die starke Wirkung dieser Ausstellung geht auch davon aus, daß sie kein „totes Museum“ ist: jedes Einzelstück ist mit besonderem Bedacht aufgestellt worden, es kommt in seiner Eigenart voll zur Geltung, so daß man sich keine anschaulichere Stilkunde vorzustellen vermag ßoöenfee*Maöonnen in Meereburg