9RCICHSALER POST SÜDD. HEIMATZEITUNG FÜR KRAICHGAU UND BRUHRAIN V ummer 146 Dienstag, den 27. Juni 1950 Jahrgang 2 Die Kommunisten in der Hauptstadt Seoul Die südkoreanische Regierung ging nach Taejon — Hilferufe an die Regierung in Washington Kraftprobe für die USA-Politik Washington (UP). Im Hinblick auf die Ereignisse, die sich auf dem koreanisdien Kriegsschauplatz in den letzten 24 Stunden abgespielt haben, hat der südkoreanisehe Präsident Rhee Präsident X r u m a n und den amerikanischen Kongreß gebeten, der sfidko- 'eanijschen Republik mit jeder nur möglichen nilitäriscben Hilfe beizustehen, damit der (ommunistiscfae Angriff aus dem Norden zu- ückgew’iesen werden kann. Gleichzeitig hat die südkoreanische Regierung beschlossen, nach Taejon umzuziehen. Die Evakuierungaus Seoul in die 90 Meilen südlich davon liegenden neuen Hauptstadt ist bereits im Gange. Diese kurzen Meldungen kennzeichnen in vollem Umfange die militärische und politische Lage, wie sie sich im Laufe von 48 Stunden nach der nordkoreanischen Kriegserklärung entwickelt hat. Während noch in den Morgenstunden des Montags in militä- • Q. 9 » 9 • WlADIWOSrOHj TSCHMG- rscwN MSAN PORTARTHUR (Ud.S.$.R* ONGjm* HAIBINS. iSOUi. KOREA FLACHT ZZOOOOx^m BEVÖLKERUNG: NORD • 11 MiUfithi* SUD-* WMilEmr.' 300 Km rischen Berichtfen davon die Rede war, daß sich in Korea das Blatt zu wenden scheine und daß der Widerstand der südkoreanischen Gruppen immer größere Erfolge zeitige, sind nach Durchbrechung der südkoreanischen Verteidigungslinie bewaffnete nordkoreanische Streitkräfte in den frühen Morgenstunden des Dienstags (Ortszeit) in die Vororte der südkoreanischen Hauptstadt Seoul eingedrungen. Amerikanische Kreise nehmen an, daß die Evakuierung von Seoul nur noch eine Frage von Stunden sei. Der Befehlshaber der nordkoreanischen Truppen forderte Südkorea zur Kapitulation auf. Geheimarchive verbrannt Angesichts dieser Lage haben die amerikanischen Stellen in Seoul begonnen^, ihre Geheimarchive zu verbrennen. Der kommunistische Angriffskeil auf Seoul soll aus mindestens fünf Divisionen gebildet werden und es heißt, daß die kommunistische Artillerie derjenigen der Südkoreaner überlegen sei. Auf der anderen Seite wurde gemeldet, daß es in anderen Gebiet®bschnitten südkoreanischen Einheiten getttaghi sei, Gelände zurückzugewinnen oder ■ %^f »r auf nordkoreanisches Gebiet vorzustopp. Nach wie vor halten die Kommunisten cfie Stadt Keusöng (65 km nordwestlich von Seoul) sowie die Stadt Tschun-. tschon (80 km nordöstlich von Seoul) besetzt. Auf der Halbinsel Ongjin soll die militärische Lage für die Südkoreaner erfreulich sein, und entlang der Ostküste wird die Situation als statisch bezeichnet. Klar übersehen läßt sich indessen die Gesamtlage an keinem Frontabschnitt. Waffentransporte zurückgehalten? Nach nichtoffiziellen Meldungen hat General McArtbur mit der Überführung von Waffen nach Südkorea in größerem Umfang begonnen. Weiter wird gemeldet, daß Marine- und Luftstreitkräfte der USA den Auftrag erhalten haben, unverzüglich Waffen und Munition nach Südkorea zu transportieren. Die Lieferungen erfolgen unter dem Schutz amerikanischer Kriegsschiffe und Jagdflugzeuge. Amerikanische Zerstörer erhielten den Auftrag, den Abtransport amerikanischer Frauen und Kinder zu schützen. Im Zuge dieser Maßnahme wurde ein amerikanisches Flugzeug von einem Flugzeug sowjetischer Bauart der nordkoreanischen Truppen beschossen. Augenzeugen berichten, daß die amerikanische Maschine das Feuer nicht erwiderte, sich vielmehr den Angriffen des nordkoreanischen Jägers entzogen habe. Auffallend war eine Meldung, die am Montag abend eintraf und in der es hieß, die amerikanischen militärischen Dienststellen in Tokio hätten angeordnet, infolge der „sich vfr-c rh ] echternden Lage“ einige Lufttransporte nach Korea zurückzuhalten. Auf der anderen Seite gab das Hauptquartier McArthurs bekannt,, daß die USA den Südkoreanern zehn „Mustang“-Jagdflugzeuge, die bekanntlich auch leichte Bombenlasten mitführen können, zur Verfügung gestellt haben. Diplomatie im Alarmzustand Sofort nach der Rückkehr Präsident Tru- mans nach Washington begannen eingehende Besprechungen mit Außenminister Acheson und Verteidigungsminister Johnson. Der Sonderberater des amerikanischen Außenministers Dulles führte mit General McArthur fast ununterbrochen Beratungen über die Lage in Südkorea, wobei, wie in amerikanischen Kreisen angedeutet wird, insbesondere das Problem einer Revision der Pläne bezüglich der Friedensregelung mit Japan zu% Debatte gestanden haben soll. Der Reihe nach waren die bedeutendsten Persönlichkeiten des amerikanischen Außen- und Verteidigungsministe- riums bei Präsident Truman, und die republikanische Senatsfraktion beschloß, daß der Krieg in Korea nicht als „Provokation“ angesehen werden solle, da die Vereinigten Staaten sonst in einen Krieg gezwungen werden können. Gewöhnlich gut unterrichtete Kreise Washingtons sprechen in diesem Zusammenhang von der Notwendigkeit und Möglichkeit einer Überprüfung und Rivision der amerikanischen Chinapolitik. Washington (UP). Präsident Truman erklärte, die Verantwortlichen für den „grundlosen Überfall“ auf Südkorea müßten sich „darüber im klaren sein, wie ernst die Regierung der Vereinigten Staaten eine derartige Gefahr fii? den Weltfrieden betrachtet“. In der Erklärung Trumans heißt es: „Ich habe am Sonntag abend mit dem Außenminister und dem Verteidigungsminister sowie mit ihren Beratern und den Stabschefs über die im Fernen Osten durch den nicht provozierten Angriff auf die Republik Korea entstandene Lage konferiert. Die Regierung der Vereinigten Staaten freut sich über die Schnelligkeit und die Entschlossenheit, mit der der Sicherheitsrat den Rückzug der nordkoreanischen Truppen anordnete. In Übereinstimmung mit der Resolution des Sicherheitsrates werden die Vereinigten Staaten die Bemühungen des Rates, diesem ernsten Friedensbruch ein Ende zu setzen, nach Kräften unterstützen. Unsere Besorgnis wegen des rechtswidrigen Vorgehens der nordkoreanischen Streitkräfte und unsere Sympathie und Unterstützung der Bevölkerung von Südkorea in dieser Lage werden durch das hilfsbereite Handeln der amerikanischen Stellen in Korea bewiesen, wie auch durch die Schritte, die unternommen wurden, um Hilfslieferungen der Art, wie sie im Programm zur gegenseitigen Verteidigung vorgesehen sind, bereitzustellen und auf den Weg zu schicken. Die willkürliche Mißachtung der Verpflichtung, den Frieden zu halten, kann von Nationen, die zur Charta der Vereinten Nationen stehen, nicht geduldet werden.“ Im Rahmen einer Orientierungskonferenz des amerikanischen Verteidigungsministeriums erklärte Verteidigungsminister Johnson, die Auswirkungen des gegenwärtigen Angriffes könne man erst nach mehreren Tagen übersehen. Sollte es Südkorea nicht gelingen, den Angriff zurückzuschlagen, dürfte dies als Zei- Bonn (UP). Mit großer Besorgnis verfolgen Mitglieder der Bundesregierung und Abgeordnete des Bundestages seit über 24 Stunden die Entwicklung auf dem neuesten Kriegsschauplatz der Welt — Korea. Hohe Regierungsbeamte und Kenner der ostasiatischen Verhältnisse weisen mit imverhohlener Beunruhigung auf die Ähnlichkeit der Verhältnisse in Deutschland und Korea hin. Der einzige Schutz gegen ähnliche Übergriffe in Deutschland stellt nach Ansicht maßgeblicher Regierungskreise in Bonn die Anwesenheit der alliierten Besatzungstruppen dar. „Die Entwicklung in Korea zeigt deutlich, daß die Besatzungstruppen der Westmächte noch lange Zeit in Deutschland bleiben müssen“, erklärte ein leitender Beamter der Bundesregierung. Alle Kabinettsmitglieder, an der Spitze der Bundeskanzler, werden laufend über den Fortgang der Kriegshandlungen und die Maßnahmen in den Hauptstädten der Westmächte informiert Presse sagt: Nun beweisen! Es liegt auf der Hand, daß die Zeitungen so ziemlich aller Länder der Welt eingehend die Ereignisse besprechen. In den • Spalten , der Blätter kommt deutlich zum Ausdruck, daß der koreanische Krieg als die zweite Phase des sowjetischen Planes angesehen werden müsse, nachdem die erste Phase mit der Eroberung Chinas durch die Kommunisten abgeschlossen worden sei. Nun werde versucht, in einer weitumfassenden Zangenbewegung von China aus weitere asiatische Staaten an sich zu reißen. Verschiedene Zeitungen weisen in diesem Zusammenhang insbesondere auf die Bedrohung der Philippinen hin. Übereinstimmend sind die Zeitungen der Meinung, daß die Entwicklung in Korea die Frage nach den wahren Absichten der Sowjetunion im Fernen Osten eindeutig beantworte und daß die friedliebenden Staaten nunmehr beweisen müssen, was sie aus den für die Sicherung des Friedens geschaffenen Vereinten Nationen machen könnten. Die Londoner „Times“ meinen, die Führer dieses Angriffs hätten nicht gehandelt, ohne vorher Moskau konsultiert zu haben, und „Daily Graphic“ erklärt, es habe wirklich den Anschein, als ob die Sowjets bereit seien, alle Chancen auszunutzen, um einen neuen Weltkrieg vom Zaun zu brechen. Alles in allem: kein Zweifel, daß der Korea-Krieg eine erstrangige Kraftprobe für die amerikanische Außen-, und Asienpolitik ist. zung angesehen werden. Johnson betonte sein volles Vertrauen auf die Bereitschaft der amerikanischen Streitkräfte. „Sollte das- Schlimmste eintreten, sind wir bereit, ohne Verzug nach einem Plan anzutreten, der schon gebilligt wurde. Die Luft- und Seestreitkräfte stehen bereit und befinden sich in einer wesentlich besseren Verfassung als vor einem Jahre.“ Der amerikanische Außenminister Acheson erklärte in einer geschlossen Sitzung des Bewilligungsausschusses des Senats, die Entscheidung über amerikanische Maßnahmen im Fernen Osten liege bei Präsident Truman. Der Präsident habe ihn angewiesen, nichts über eventuelle amerikanische Gegenmaßnahmen im Fernen Osten zu sageq. Wird Nordkorea Folge leisten? UN-Kommission befürchtet das Schlimmste London (ZSH). Die Kommission der Vereinten Nationen für Korea erklärte in einem Telegramm an die Vereinten Nationen, sie glaube nicht, daß Nordkorea der Anordnung des Weltsicherheitsrats, die Feindseligkeiten einzustellen, Folge leisten werde. Die Lage werde sich vielleicht schnell verschlechtern, die im Gange befindlichen kriegerischen Operationen würden möglicherweise in wenigen Tagen zum Abschluß gelangen. Die Frage der Einstellung der Feindseligkeiten und des Rückzugs der nordkoreanischen Truppen würde dann nur akademischer Natur sein. Ausschluß Nationalchinas gefordert Aus dem Kontrollrat in Japan Tokio' (UP):*Die Sowjetunion forderte den Ausschluß Nationalchinas aus dem alliierten Kontrollrat in Japan. Gleichzeitig wurde gefordert, Rotchina als Mitglied in den Kontrollrat aufzunehmen. Aus unterrichteter Quelle verlautet, daß Dr. Adenauer die koreanische Entwicklung zunächst nicht zum Anlaß nehmen wird, erneut um eine formelle alluerte Sicherheitsgarantie für Westdeutschland nachzusuchen. Auch die Behandlung des Problems einer Bundespolizei sei zur Zeit „eingeschlafen“. Deutsche Diplomaten vertreten die Ansicht, daß die Auseinandersetzungen zwischen Nord- und Südkorea leicht zu einem „Prestige-Streit“ zwischen der Sowjetunion und den USA werden könnten. Das Nachgeben einer oder der anderen Partei werde -nur zu schnell als Propagandawaffe im kalten Krieg ausgenützt und könnte schwerwiegende Folgen für die gesamte weltpolitische Lage — vor allem aber in Europa — haben. Überall wird der Hoffnung Raum gegeben, daß die koreanischen Feindseligkeiten lokalisiert werden können. „Wir wären unvermeidbar die nächsten,' die dran sind“, meinte ein deutscher Diplomat. Risiko für Deutschland l Fragen, die der Korea-Krieg aufwirft (UP). Die Welt ist so klein geworden, der verhängnisvolle Ost-West-Gegensatz in ihr so allgegenwärtig, daß angesichts der bestürzen- den Vorgänge in Korea niemand in Deutschland mit dem gleichgültigen Ausruf reagieren kann: „Was gehen uns die da hinten in Korea an?“ Die Erde gleicht heute einem riesigen Munitionslager, das — wenn man es an irgendeiner Ecke anzündet — leicht überall explodieren kann. In Deutschland erinnert man sich mit einem gewissen Unbehagen daran, daß man sich in mancher Hinsicht in einer ähnlichen Lage befindet wie Korea: Hier wie dort zwei in eine scheinbar hoffnungslose Feindschaft verstrickte Systeme, die das Land geteilt haben. Hier wie dort die fieberhafte Aktivität des kommunistischen Systems. Dennoch darf man sagen: Deutschland ist nicht Korea. Aus folgenden Gründen: Während in dem angegriffenen Südkorea das Besatzungsregime offiziell aufgehört hat, stehen in der Bundesrepublik Besatzungsarmeen, deren berufene Sprecher mehr als einmal erklärt haben, daß sie sich für den Schutz des besetzten Gebietes verantwortlich fühlen. Ein etwaiger Angreifer würde in Westdeutschland sofort in Kampfhandlungen mit den alliierten Truppen verwickelt werden. Hinter solch einem Zusammenstoß aber steht das furchtbare Risiko des dritten Weltkrieges. Das Risiko in Korea scheint für den Angreifer außerdem weniger groß: Wenn auch die Vereinigten Staaten Südkorea wahrscheinlich in irgendeiner Form unterstützen werden, so ist doch eine direkte Intervention, welche die Gefahr einer unmittelbaren militärischen Auseinandersetzung mit der Sowjetunion herauf- beschwör«** würde, vermut lich nicht geplant. Abgesehen von diesem Vergleich zwischen Korea und Deutschland drängen sich dem Deutschen noch andere Fragen auf: Hat man in Moskau Interesse daran, den neuen Brand zu lokalisieren? Wenn nicht, was soll aus unserem Land werden, wo sich die beiden Weltmächte unmittelbar gegenüberstehen? Prophezeien kann heute niemand. Aber es ist nicht einzusehen, warum der Kreml von der Taktik abgehen sollte, die schwachen Punkte des Westens abzutasten und immer wieder zu versuchen, irgendwo ein Stück aus dem westlichen Machtsystem herauszubrechen. Vom Standpunkt Moskaus betrachtet, ist dies sicher vorteilhafter und weniger riskant als ein Krieg auf allen Fronten. Grob gesprochen, hat nach Ansicht zahlreicher Beobachter der „dritte Weltkrieg“ längst begonnen. Aber es ist ein moderner „Krieg“ — ein Krieg der Worte, der politischen Propaganda, der Wirtschaftsblockaden. Nur dort, wo es dem Osten vorteilhaft erscheint, geht er zur direkten militärischen Aktion über. Und selbst da läßt er irgend eine nationale „Befreiungsarmee“ oder „Volksarmee“ kämpfen, so daß er sich notfalls ohne Frestigeverlust von der Sache distanzieren kann. Weder politische Ressentiments noch Prestigegründe werden für den eventuellen Beginn einer so gigantischen Unternehmung wie der Allfrontenkrieg zwischen Ost und West entscheidend sein, sondern vermutlich in erster Linie strategische und taktische Gründe Da solche Gründe aber jetzt und in absehbarer Zeit noch immer gegen eine militärische Auseinandersetzung an sämtlichen Fronten zugleich sprechen, besteht für' Westdeutschland nach wie vor eine gute Chance, verschont zu bleiben. Die Kräfte aber, die zum Zusammenschluß des Westens unter deutscher Beteiligung drängen, werden durch das Sturmsignal aus dem Fernen Osten wahrscheinlich neuen Auftrieb erhalten. Nicht nur Deutschland, ganz Westeuropa blickt heute nach Korea und von vielen Westeuropäern wird die Befürchtung geäußert, daß der dort ausgebrochene Krieg nur der Vorläufer eines neuen Weltkrieges sein könnte. Die Europäer wünschen nichts sehnlicher, als daß sich solche Befürchtungen als falsch erweisen. Sie sind aber übereinstimmend der Ansicht, daß die Kämpfe in Korea mehr #fnd als eia Bürgerkrieg und deshalb eine Bewährungsprobe für das Prestige und die Stärke der USA und der Sowjetunion zu werden. Selbst das britische Unterhaus, das soeben zusammentrat, um über den Schumanplan zu debattieren, richtet sein Hauptinteresse auf Korea, weil alle Beratungen über die europäische Einheit solange völlig thoretisch bleiben müssen, bis sich die Krise im Fernen Osten geklärt haben wird. In Frankreich beschleunigt Staatspräsident Auriol im Blick auf Truman: Mißachtung wird nicht geduldet Erklärung zum Koreakonflikt — Johnson zur Lage choa einer von außen kommenden Unteretüt- Einziger Schutz: Besatzungstruppen Bonn verfolgt die Lage mit Besorgnis Dienstag, (Jen 27; Juni 1950 Korea die Bemühungen um die Beendigung der Regierungskrise. Mit Ausnahme der kommunistischen Presse stimmen praktisch alle Leitartikel der westeuropäischen Presse darin 'iberein, daß nur eine schnelle und wirksame Aktion zur Beendigung der Korea-Krise geeignet sein kann, die Gefahr eines dritten Weltkrieges zu beseitigen. In allen westeuropäischen Hauptstädten ist fühlbar, daß angesichts der Korea-Krise die Regierungskrise in Frankreich und die britischen Differenzen über den Schuman-Plan an Bedeutung verloren haben. Nicht umsonst hat Premierminister Attlee versichert, daß zwischen den Westmächten engste Fühlung auf genommen wurde, um alles zu tun, damit der Korea-Krieg nicht zu einem neuen „spanischen Bürgerkrieg“ wird; Erweiterung des deutschen Handels Abkommen mit Portugal und Indien Bonn (UP). In Frankfurt ist soeben ein 60 Millionen Dollar Handelsabkommen zwischen der Bundesrepublik und Portugal paraphiert worden. In erster Linie ist aus Portugal die Einfuhr von Olivenöl, Ölkuchen, Frisch- und Trockenfrüchten, Frühkartoffeln, Tee, Sardinen, Wein, sowie Wolle, Pyrit, Kolonialhölzern und Korkerzeugnissen vorgesehen. Aus der deutschen Bundesrepublik werden Maschinen, Personenkraftwagen, Fahr- und Krafträder, Eisen-, Stahl-, Blech- und Metallwaren, Kameras, Uhren, Blei-, Farb- und Kopierstifte, Baumwollgewebe für die Kolonien, Chemiekalien und Pharmazeutika, Erzeugnisse aus Holz, Papier, Kautschuk, Asbest und Leder, Rauchwaren, Glas, Keramik sowie Bier, Wein, Saatkartoffeln und Malz ausgeführt. Diesen Vereinbarungen ist ferner ein Zahlungsabkommen beigefügt. Auch ein deutsch-indisches Handelsabkommen mit einem gegenseitigen Warenaustausch in Höhe von 52 Millionen Dollar wird in Kürze unterzeichnet werden, wie der indische Arbeitsminister, Jivan Ran, der zur Zeit in Europa weilt, in Bonn bekanntgab. Ferner wurden zwischen der deutschen Bundesrepublik und Venezuela Besprechungen öber den Zahlungsverkehr aufgenommen. Endlich eine Handhabe! Zur Bekämpfung des Schmuggels Fankfurt (UP). Zur Bekämpfung des Schmuggels hat die alliierte Hohe Kommission der Bundesregierung die Gesetzgebung über Liebesgabensendungen und die Vollmacht zur Abänderung von JEIA-Verfügungen über Liebesgabensendungen erteilt. Gleichzeitig erklärt sich die alliierte Hohe Kommission mit einer Übertragung der seitens der Bundesregierung geforderten vollen Gerichtsbarkeit über Zwangsverschlepptenlager zur Eindämmung des Schmuggelunwesens einverstanden. Kongreß für kulturelle Freiheit Unverschämte Glossen der Ostzonenpresse Berlin. (ZSH. Im amerikanischen Sektor von Berlin eröffnete Oberbürgermeister Reuter den internationalen Kongreß für kulturelle Freiheiten, an dem über 100 Delegierte aus 19 Ländern teilnahmen. Die russisch lizenzierte Presse veröffentlicht längere Angriffe auf den Kongreß, der von ihr, als» eine Versammlung der Kriegshetzer bezeichnet wird. Das wagt die gleiche Presse, die bisher ihren Lesern so gut wie nichts über den kommunistischen Einfall in Südkorea mitgeteilt hat. Sowjetische Lastkähne freigegeben. Der britische Stadtkommandant in Berlin, Generalmajor Boume, hat die Freigabe der 76 Lastkähne aus dem Ostsektor angeordnet, die im britischen Sektor aufgehalten wurden. Russische und britische Besprechungen über die Transportfrage stehen unmittelbar bevor. 17 700 DP’s deutschen Behörden unterstellt. 17 700 bisher von der IRO betreute Personen werden noch im Laufe dieser Woche verwaltungsmäßig und finanziell deutschen Behörden unterstellt. Schumanplan kann verwirklicht werden Die Auffassung der deutschen Delegation Bonn (UP). Die deutsche Delegation bei den Sechsmächte-Verhandlungen über den Schumanplan, die in Bonn eingetroffen ist, hat Bundeskanzler Adenauer Bericht über die ersten Beratungen in Paris erstattet, und dabei die von Monnet übermittelten französischen Vorschläge vorgetragen. Aus unterrichteten Kreisen verlautet, daß sieh die Mitglieder der deutschen Delegation sehr zuversichtlich über den Fortgang der Beratungen geäußert hätten. Trotz gewisser Bedenken, die vor allem von den Benelux-Län- dem geltend gemacht werden, glauben die deutschen Vertreter, daß der „Pool“ auf jeden Fall verwirklicht werden kann. Neben dem starken Willen der französischen und deutschen Delegationen sei vor allem die Unterstützung des Planes durch die Italiener bemerkenswert, die lediglich die Frage der Stahlkapazität Italiens mit Sorge betrachten würden. Mitglieder der deutschen Delegation halten es für unwahrscheinlich, daß die französische Kabinettskrise bemerkenswerte Folgen für die Verwirklichung des Schumanplanes haben wird. Die Delegation der Bundesrepublik wird voraussichtlich eine Woche in Bonn bleiben, um die deutschen Gegenvorschläge zu den Ausführungen Monnets auszuarbeiten. Die deutschen Argumente werden sich vor allem mit den Befugnissen und der Rolle der sogenannten Hohen Behörde für den Schumanplan befassen. Die Nachrichten vom koreanischen Kriegsschauplatz überschatten allerdings sogar die Vorbereitungen für die Beratungen des Ministerausschusses (unter Vorsitz des Bundeskanzlers) mit der deutschen Schumanplan- Delegation und den Ausschüssen für Wirtschaft und internationales Recht. Eden fordert Verbindung der freien Völker Unterhausdebatte begann mit Korea — Debatte über die Montanunion London (UP). Mit einer Diskussion des Kriegsausbruchs in Korea begann die außenpolitische -Debatte des britischen Unterhauses. Der frühere britische Außenminister Eden forderte, alle freien Länder der Welt sollten im Hinblick auf die mit der Entwicklung in Ostasien aufgetretenen Gefahren gemeinsame Pläne festlegen. Mit dieser Feststellung eröffnete Eden, der 1938 aus Protest gegen die britische „Befriedigungspolitik“ gegenüber Hitler als Außenminister zurücktrat, die Debatte. Vorher verurteilte Ministerpräsident Attlee scharf das Vorgehen der Nordkoreaner und meinte, es bestehe kaum Aussicht, wegen der Frage Korea direkt mit der Sowjetregierung verhandeln zu können. Eden betonte, der Kriegsausbruch in Korea beweise wieder einmal, wie notwendig es für alle freien Länder im Westen und Osten sei, sich zu verbinden. So gesehen, komme auch dem Schuman-Projekt besondere Bedeutung zu. Das Problem der deutsch-französischen Beziehungen sei auch heute, da der Frieden der Welt dauernd bedroht werde, noch nicht gelöst. In der Debatte fragte der konservative Abgeordnete Roberts den Ministerpräsidenten: „Würden Sie in der UN den Abwurf einer Atombombe auf die Hauptstadt Nordkoreas verlangen, falls die nordkoreanische Regierung die Aufforderung des Sicherheitsrates zur Einstellung der Feindseligkeiten nicht befolgt?“ Der Sprecher des Hauses wies die Frage als „außerhalb der Ordnung“ stehend zurück. Damit wurde aber zum ersten Mal im britischen Unterhaus die Möglichkeit des Abwurfs von Atombomben angeschnitten. Der Schuman-Plan Im Anschluß daran forderte der frühere Außenminister Eden als Sprecher der Opposition die Teilnahme Großbritanniens am Schuman-Plan für die Zusammenfassung der westeuropäischen Grundindustrien. Eden betonte, es wäre ein „Unglück für den Frieden“, wenn der Plan für die Industrie-Union fehlschlüge. Lasse sich Großbritannien in die „Rolle des Beobachters deutsch-französischer Beziehungen“ zurückdrängen, so lasse es seine Verpflichtung als Weltmacht außer acht. „Das aber ist es, was der Kreml wünscht.“ Er warnte besonders davor, daß es Deutschland ohne Beteiligung Großbritanniens unter Umständen gelingen könnte, in der Partnerschaft die führende Rolle zu erlangen. Eine derartige Entwicklung könnte eine künstliche Neutralität zur Folge haben. Für die Regierung antwortete Schatzkanzler Cripps, wenn Großbritannien die französische Einladung zur Teilnahme an der Industrie-Union annehme, würde es sich „fest binden“. Die britische Regierung erkenne zwei- Es geht um das liebe Geld Ministerpräsident Dr. Maier über Südweststaat und Gewerbefreiheit Tübingen (lwb). Ministerpräsident Dr. Maier sagte in Tübingen auf der Landesverbandstagung des württembergischen Bäckerhandwerks, es gehe bei der Südweststaatfrage vor allem um das „liebe Geld“. Seit altersher seien die Württemberger „die Melkkuh der Nachbarländer und anderer deutscher Länder.“ Im letzten Jahr habe Württemberg 130 Millionen DM an andere deutsche Länder geleistet und dazu noch das De- fi- von Nordbaden mit 31 Millionen DM übernommen. Dieses Geld möchten die Württemberger aber lieber den stammesgleichen und stammesverwandten Nachbarn geben. Am Tag der Volksbefragung müsse man aufs ganze gehen. Ein Unentschieden wäre der ungünstigste Fall, Weiter forderte Dr. Maier, daß man die von den Amerikanern angeordnete Gewerbefreiheit revidiere, ehe sie auf das britische und das französische Besatzungsgebiet ausgedehnt werde. Alle verantwortlichen deutschen Politiker, ohne Rücksicht auf ihre parteipolitische Einstellung, seien überzeugt, daß die Amerikaner mit ihrer Ansicht über die Gewerbefreiheit auf dem Holzweg seien. Öffentliche Sitzung des Finanzausschusses? Stuttgart (lwb). Der geschäftsführende Vorsitzende des Finanzausschusses, Möller (SPD), wird beantragen, daß der erste Punkt der Tagesordnung mit der Erklärung von Ministeipräsident Maier öffentlich behandelt wird. Von der morgigen Finanzausschuß Sitzung wird erwartet, daß es zwischen dem Ministerpräsidenten und den Mitgliedern des Ausschusses zu einer Klärung kommt, wieweit in dem zur Beratung vorliegend«! Etatplan bereits Personaleinsparungen im Sinne fellos den Wert des Vorschlages für das deutsch-französische Verhältnis an. England könne jedoch nicht „blind“ einem Projekt zustimmen, das die Grundindustrien des Landes schwächen würde. Die Stellungnahme der Labour-Party zum Schuman-Plan sei nicht gleichbedeutend mit der offiziellen Ansicht der Regierung. Die Abstimmung im Unterhaus über die Teilnahme am Schuman-Plan wird für Dienstag abend erwartet. Falls die Regierung eine Niederlage erleiden sollte, dürfte das Parlament aufgelöst werden. Es wird allerdings mit einer leichten Regierungsmehrheit gerechnet. Queuille verhandelt mit Parteien Frankreich soll schnell Regierung erhalten Paris (UP). Der frühere Ministerpräsident Queuille hat mit den Parteien Verhandlungen zur Bildung einer neuen französischen Regierung aufgenommen. In getrennten Gesprächen traf er mit Vertretern der katholischen Volkspartei (MRP), den Sozialisten und mit den Radikalsozialisten zusammen. Das Ergebnis der Unterredungen ist nicht bekannt. Queuille hat von Staatspräsident Auriol den Auftrag, mit den großen Parteien ein Übereinkommen über eine Koalitionsregierung zu finden. Falls ihm das gelingt, dürfte er nach Ansicht unterrichteter Kreise die vom Staatspräsidenten angebotene Ministerpräsidenten- schaft endgültig annehmen. Auriol legt im Hinblick auf die Entwicklung in Korea größten Wert darauf, daß Frankreich so bald als möglich wieder eine aktionsfähige Regierung erhält. Er will aber keine Regierung ohne Beteiligung der Sozialisten bilden. Duvieusart verhandelte mit König Leopold. Der belgische Ministerpräsident Duvieusart hatte eine fünfstündige Unterredung mit König Leopold in Pregny bei Genf. Er gab zu verstehen, daß der König bald nach Aufhebung des Verbannungsgesetzes zurückkehren werde. Amerikanischer Militärzug anfgehalten. Acht. Stunden lang wurde von sowjetischen Kon- trollbehörden der amerikanische Militärzug Berlin—Frankfurt bei Marienbom am Weiterfahren gehindert. Am Rande bemerkt Um die Würde des Staates Kürzlich wurde ein bekannter Pariser Komiker während der Eisenbahnfahrt zum Vorzeigen der Fahrkarte aufgefordert. Er verweigerte dies mit der Begründung, daß es ein Gesetz gebe, daß den Kontrolleuren das Tragen weißer Handschuhe vorschreibe, dieser Kontrolleur aber nackte Hände habe. Vor den Kadi zitiert erklärte er, es seiner Würde als Staatsbürger schuldig zu sein, auf die Ausfüh. r.ung der vom Staate erlassenen Gesetze zu achten. Das Gericht belehrte ihn aber, daß er geträumt haben müsse, denn ein solches Gesetz gebe es nicht und habe es auch noch nie gegeben. Jedoch vertrat das Gericht die Ansicht, das Wahren der Würde des. Staatsbürgers komme dem Hochhalten der Würde des Staates selbst gleich. Wer aber die Würde des Staates hochhalte, der könne nicht bestraft werden. Demgemäß müßte also der bestraft werden, der die Würde des Staates nicht hochhält. Es ist sehr schade, daß dem ein Immunitätsgesetz im Wege steht! st. Kein Bundeskongreß der Heimatvertriebenen Ravensburg (UP). Auf einer Protestkundgebung von 1500 Heimatvertriebeneri wurde in Ravensbürg bekanntgegeben, daß der für das gleiche Wochenende geplante „Tag der Heimatvertriebenen“, auf dem Bundesflüchtlingsminister Dr. Lukaschek zu 30 000 Heimatvertriebenen aus ganz Deutschland sprechen sollte, vom südwürttember- gischen Innenministerium verboten worden sei. Wie der Vorsitzende des Kreisvertrauens* rates Ravensburg des Bundes der Heimat* vertriebenen, Böttcher, mitteilte, waren die Vorbereitungen für das Deutschlandtreffen bereits abgeschlossen, als beim Landesvos* Sitzenden des Bundes der Heimatvertriebene» in Tübingen ein Brief des südwürttembergi* sehen Innenministers Renner eintraf, in dem Bedenken gegen die Abhaltung des Kongres* ses geäußert und unter anderem mit seine* Verhinderung gedroht wurde. Immerhin hätte der darauffolgende Briefwechsel di? Hoffnung auf Abhaltung des Kongresses ir August eröffnet. „Kreuz des deutschen Ostens“ an. der . nettgrenze. Das „Kreuz des deutschen C tens“, ein Mahnmal der Heimatvertriebenen wurde bei Bad Harzbug an der britisch-sowjetischen Zonengrenze durch den Bundes- flüchtlingsminister Lukaschek eingeweiht und in die Obhut des Landes Niedersachsen genommen. Ultra-Rechtsgruppen wollen Zusammenarbeiten. Vertreter von sechs rechtsgerichtete* Splitterparteien beschlossen auf einer zwei» tägigen Geheimkonferenz in Neuwied, eint Arbeitsgemeinschaft zu bilden. Deutscher General vor italienischem Ge. rieht. Vor einem italienischen Militärgericht i$ &om begann der Prozeß gegen den frühem Kommandeur der „Division Hermann Göring“, General Schmalz, der u. a. beschuldigt wird, 944 die Ermordung von italienischen Zivil?* sten befohlen zu haben. Ü! Franco „leicht erkrankt“ Korea-Konflikt die Ursache? Madrid (UP). Der spanische Staatschel Franco konnte wegen einer „leichten Erkrankung“ nicht an der Eröffnungsfeier einer Ölraffinerie in Cartegna tedlnehmen. Beobachter in Madrid behaupten jedoch, Franco wolle in der Hauptstadt bleiben, um sich über die Entwicklung in Korea laufend unterrichten zu lassen. NEUES AUS ALLER WELT der Verwaltungsreform vorgenommen worden sind. Kein Gegenbesuch der TWS in Dresden Stuttgart (lwb). Der Betriebsrat der Technischen Werke Stuttgart hat beschlossen, keine Delegation z u einem«Besuch nach Dresden zu entsenden. Der Dresdener Oberbürgermeister Weidauer und das „Kommunalwirtschaftliche Unternehmen“ der Stadt hatten fünf Mitglieder des Betriebsrates der TWS und einen Abteilungsdirektor zu einem dreitägigen Besuch nach Dresden eingeladen. Der Dresdener Oberbürgermeister Weidauer hatte im Juni mit einer Delegation der Dresdener Stadtverwaltung zu einem Besuch in Stuttgart geweilt. In einem Schreiben der TWS an den Dresdener Oberbürgermeister wird die Ablehnung damit begründet, daß durch den Besuch in der politischen Presse „eine strittige Auseinandersetzung entfesselt werden könnte,“ die der Betriebsrat der TWS nicht entfachen möchte“. Landesjngendring will FDJ ausschließen Stuttgart (UP). Die „Falkenjugend“ — die Jugendorganisation der SPD — hat ihren Austritt aus dem nordwürttembergischen Lan- desjugendring erklärt, weil ihrem Antrag, die kommunistische Jugendorganisation FDJ aus dem Landesjugendverband auszuschließen, nicht entsprochen wurde Die katholische Jugend hat sich einen ähnlichen Schritt Vorbehalten. Bei der Abstimmung über den Antrag auf Ausschluß der FDJ hatte der Vertreter der „Naturfreundejugend“ für ein Verbleiben der Jungkommunisten im Landesjugendring gestimmt. Einbruch bei Königinmutter Mary Haushälterin von einem Iren niedergestochen London (UP). In das Marlborough-Haus, Residenz der Königin Mary von England, wurde ein Einbruch verübt. Der Einbrecher griff die Haushälterin der Königin'mit einem Messer an und verletzte sie schwer. Man nimmt an, daß der Einbrecher über die hohe Umfassungsmauer in das Gebäude eingestiegen ist Er wurde von der 60jährigen Haushälterin in ihrem Schlafzimmer gestellt. Der Fremde brachte ihr schwere Wunden am Kopf und an der Schulter bei. Eine andere Hausangestellte, die zu Hilfe eilte, wurde ebenfalls angegriffen, aber nur leicht verletzt. Inzwischen war es gelungen, die Polizei zu verständigen, die sofort den Palast umstellte. Sie ging in aller Stille vor, um die schlafende Königin Mary, die von dem ganzen Vorfall nichts gemerkt hatte, nicht zu wecken. Nach stundenlanger vergeblicher Suche fand die Polizei im Keller des Hauses verstecht einen etwa 26jährigen Mann, der sich dann als der Täter entpuppte. Es handelt sich um den Iren 0’Brien, der sich wegen seiner Tat schon in den nächsten Tagen vor dem Polizeigericht verantworten muß. Was gestohlen wurde und ob dem Einbruch irgendwelche anderen Motive zugrunde lagen, ist noch nicht bekannt. Gerüchte wollen wissen, daß möglicherweise ein Racheakt beabsichtigt war. Schwedisches Wikingerschiff gestrandet Schicksal der Besatzung noch ungewiß Hamburg. (UP). Die „Normen Friske“, ein schwedisches Wikingerschiff, das sich auf dem Wege von Stockholm nach Paris befand, strandete auf der nordfriesischen. Insel Pellworm. Das Schicksal der fünfzehn Besatzungsmitglieder ist noch ungewiß. Die „Normen Friske“ war eine naturgetreue Kopie der echten Wikingerschiffe. Das Schiff war im vergangenen Sommer von der schwedischen „Vereinigung für gesunde Lebensweise“ gebaut worden. Hunderte Geistliche verhaftet Ungarns Kampf gegen die Kirche Vatikanstadt (UP). In Ungarn sind in der Nacht vom 9. auf 10. Juni „hunderte“ von Katholischen Geistlichen und Nonnen verhaftet worden, verlautete aus Kreisen des Vatikans. Die gewöhnlich gutinformierte Nachrichtenagentur ARI berichtete, die Zahl der Verhafteten betrage über tausend — mehr als 600 Nonnen und 332 Priester und Mönche. Ingrid und Roberto mußten fliehen Rapallo. (UP). Als die amerikanische Besatzung eines in Rapollo ankernden amerikanischen Schiffes erfuhr, daß sich Ingrid Berg- man und Rossellini in Portofino aufhielten, mieteten sie alle in Rapollo aufzutreibenden Kraftwagen und fuhren dorthin, um das Ehepaar zu sehen. Sie kamen zu Hunderten an, so daß Ingrid Berginan T und Rosellini aus Portofino flüchteten und sich an Bord dei Yacht Kordas begaben. Neues in Kürze Epilepsie als Lebensretter. Ein 27jähriger Einwohner aus Meuchefltz (Kreis Dannenberg) unternahm einen Selbstmordversuch, indem er sich um den Hals eine Schnur legte, die er fest anzog. In diesem Augenblick wurde er durch einen epileptischen Anfall überrascht, durch den sich die Schnur wieder lockerte. Die Wiederbelebungsversuche waren erfolgreich. Neue Methode der Wildscbweinbekämpfung. Eine neue Methode der Wildschweinbekämpfung haben die Bauern der Gemeinde Glesse bei Holzminden eingeführt. Sie legen ihren Hofhunden einen Schellenkranz um den Hals und binden sie nachts auf den gefährdeten Feldern an. Vier Jahre lang die Schale geschwänzt. Vier Jahre lang hat der 12jährige Dieter Schmidt aus Wilhelmshaven mit Einwilligung seiner Eltern die Schule geschwänzt. Erst erklärten die Eltern, das Kind habe keine Schuhe, spater entschuldigten sie den Jungen immer mit Nervenschwäche. Währenddessen mußte das Kind auf dem Werftgelände Schrott sammeln. Im Rollstuhl nach Rom gepilgert. Der 29- jährige gelähmte Franzose Potigny aus Vig- neux Sur Seine, ist in seinem Rollstuhl m Rom als Pilger des Heiligen Jahres eingetroffen. Er begann seine Reise in Paris am ö. Mai und hat etwa 1800 km zurückgelegt. Dienstag, den 27. Juni 1950 SkOMt^HiUidsduui Radar revolutioniert die Kochkunst Geheimnisvolle Wellen erobern Weltenraum und Köche Fische und Regentropfen werden geortet Das Radargerät war sozusagen das enfant terrible des letzten Krieges. Die geheimnisvollen Ultrakurzwellen haben die Luft- und Seekriegfüh nftig revolutioniert und entscheidend zum Sieg der Westmächte über Deutschland beigetragen. Inzwischen hat die Radar- technilj weitere und so erstaunliche Fortschritte gemacht, daß man mit Recht von einem technischen Wunder sprechen kann. Erfreulich ist dabei, daß Radar sich jetzt den zivilen Sektor erobert Das zivile Anwendungsgebiet reicht dabei vom Radarherd, auf dem ein Schnitzel in 30 Sekunden gebraten werden kann, bis zur Radar-Ortung von Regengebieten auf den großen Fluglinien. Radarwellen gegen Regentropfen Die in allen zivilisierten Ländern üblich gewordene Voraussage des Wetters für den nächsten Tag und die gewaltige Zunahme des Weltluftverkehrs haben es notwendig gemacht, die Erde mit einem Netz von Wetterstationen zu überziehen. Doch trotz eines pausenlos durchgeführten „Überwachungsdienstes“ geht in der Atmosphäre immer noch einiges vor, was den Meteorologen entgeht oder was sie nicht vorausberechnen können. Das gilt vor allem für die Wetterlage über dem wetterunsicheren Nordatlantik. Seit einiger Zeit sind nun 13 Schiffe auf dem Atlantik stationiert, die das Wetter zu beobachten und Flugzeuge und Schiffe mit Wettermeldungen zu versehen haben. Da die Schiffe jedoch jeweils rund 100 Kilometer auseinanderliegen, kommt es vor allem im Sommer immer wieder vor, daß zwischen den Schiffen örtliche Schlechtwetterzonen auftreten, die nicht rechtzeitig erkannt werden können. Diese Mängel in der Wetterbeobachtung können durch Radargeräte abgestellt werden. Die elektrischen Wellen, die von einem Radargerät ausgeschickt werden, werden zwar von den winzigen Wassertröpfchen, die die Regenwolken bilden, nicht zurückgeworfen, doch sie werden von den viel größeren Regentropfen reflektiert. Damit aber ist es möglich, die Bildung und das Wandern von Regenzonen auf dem Radar-Leuchtschirm zu verfolgen. Die Wetterschiffe im Atlantik können jetzt den Flugzeugen Regenzonen melden, die sich 300 Kilometer vom Standort des Schiffes entfernt bilden. Der Pilot kann sich also einen Gutwetterkurs suchen. Diese neue Art der Verwendung des Radargerätes läßt sich selbstverständlich auch auf dem Land übertragen. Günstige Mai-Außenhandelsbilanz Die Einfuhr der Bundesrepublik nahm von April zu Mai ab, während sich die Ajjsfuhr vergrößerte. Die Außenhandelsbilanz weist bei Abzug der Marshallplan- und GARIOA-Ein- fuhren sogar für diesen Monat einen Ausfuhrüberschuß auf. Dem Bericht zufolge nahm der Gesamtwert der Einfuhr von 744 Millionen DM im April auf 678 Millionen DM im Mai ab, während die Ausfuhr in der Vergleichszeit von 542 Millionen DM auf 595 Millionen DM erhöht wurde und damit das höchste Ergebnis der Nachkriegszeit erreichte. Das besondere Kennzeichen der Außenhandelsenwicklung waren erhöhte Exporte von Fertigwaren Lastenausgleichssenkung für Landwirtschaft? Der landwirtschaftliche Betrieb stelle im eigentlichen Sinne keinen Besitz, sondern vielmehr ein Werkzeug dar, erklärte dieser Tage vor Delegierten des hessischen Bauernverbandes Bundestagsabgeordneter Preiss. Diese Auch auf dem Gebiet der astronomischen Forschung ist durch die Entwicklung des Radargerätes zum Radar-Teleskop eine neue Phase der Erforschung des Weltraumes eingeleitet worden. Es kann erwartet werden, daß mit diesem neuen Zweig der astronomischen Forschung die Kenntnis des planetarischen und makrokosmischen Stemenraumes wesentlich erweitert und daß gleichzeitig auch neue Entdeckungen auf dem Gebiet der Radiotechnik gemacht werden. Radar, Stütze der Hausfrau So banal es klingen mag: Radar erobert sich nicht nur den Weltenraum, es erobert sich auch die Küche. In den USA gibt es schon heute regelrechte Radarkochkurse, die gut besucht sind. Die Industrie bringt laufend neue Radarherde heraus. In großen Hotels und in Schnellgaststätten haben sie sich bereits glänzend bewährt. Das Kochen mit Radar spielt sich buchstäblich in Sekunden ab. Wasser siedet bereits in drei Sekunden, eine Fleischpastete ist in 120 Sekunden gar und ein Schnitzel kann bereits nach 30 Sekunden dem erstaunten Gast frisch aus der Radarpfanne serviert werden. Die Sache grenzt fast an Hexerei und ist doch nüchterne technische Wirklichkeit. Zur Zeit sind die amerikanischen Rasthäuser, die an den großen Autostraßen stehen, dabei, ihre Küche auf Radarherde umzustellen. Ein Autofahrer, der es eilig hat, braucht erst gar nicht den Motor seines Autos abzustellen, wenn er an einem Rasthaus mit Radarküche vorfährt und einen warmen Imbiß einnehmen will. Es wird also vielleicht gar nicht mehr lange dauern, bis sämtliche Kochbücher einer Revision unterzogen werden müssen und die Hausfrau der Zukunft ihr Mittagessen in Sekundenschnelle nach der Stoppuhr kochen wird. Doch damit sind noch lange nicht alle zivilen Möglichkeiten des Radargerätes erschöpft. Für Fischereifahrzeuge gibt es ebenfalls schon Spezialradargeräte, mit denen Fischschwärme geortet werden können. Die Kapitäne der Fischdampfer fahren also in Zukunft gemütlich durch die Fischereigründe, schauen auf ihren Radar-Leuchtschirm und wenn darauf ein Fischschwarm erscheint, werden die Netze ausgeworfen. Das Radargerät, bisher ein gefürchtetes Kriegsihstrument, macht sich somit auf vielen zivilen Gebieten nützlich. Tatsache sei bei der Heranziehung des lebenswichtigen landwirtschaftlichen Besitzes zum Lastenausgleich in Rechnung zu stellen. Von den maßgebenden Stellen der Bundesregierung werde daher erwogen, diesen Besitz nur mit 25 Prozent bei einprozentiger jährlicher Amortisation zum Lastenausgleich heranzuziehen. Wieder Einbettabteile in Schlafwagen Ihren neuen Einbettabteil-Schlafwagen hob die Deutsche Schlafwagen- und Speisewagen- Gesellschaft auf einer Probefahrt nach Würzburg aus der Taufe. Ein besonderer Vorzug der neuen Wagen, die jeweils 20 Abteile enthalten, ist, daß nun auch der Reisende der 2. Klasse ein Abteil für sich hat, während dieser Vorteil bisher nur der 1. Klasse Vorbehalten war. Ab Juli werden acht im Bundesbahnverkehr eingesetzt. Der Preis für ein Einbettabteil berechnet sich aus dem jeweiligen 2.-Klasse-Fahrpreis zuzüglich 12,50 DM Schlafwagenzuschlag. „Viktoria“ erstmals im Schwabenland Die 90 000 im Berliner Olympiastadion werden das 39. Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft nicht sö schnell vergessen. Es war so recht ein Kampf nach dem Herzen der Zuschauer. Flach wurde. von beiden Mannschaften der Ball gehalten, mit Energie und Zähigkeit setzten sich alle 22 Akteure ein, dabei stets die Regeln der Fairneß beachtend. Der VfB Stuttgart dampfte, wie zu Hause die „Schwäbische Eisenbahn“, in ruhigsicherer Fahrt dem Sieg entgegen. Als dann der berühmte „Offenbach-Expreß“ sich anschickte, den Vorsprung einzuholen, gelang ihm dies nicht mehr ganz. Aus dem 2:0 des VfB wurde nur noch ein 2:1. Die Mannen aus Stuttgarts Brunnen- und Badestadt Cannstatt holten zum ersten Mal in der 47jährigen Geschichte der „Viktoria“ den wertvollen deutschen Meistertitel ins Schwäbenland. Das Endspiel in der Kritik Dr. Bauwens, Präsident des DFB: „Beide Mannschaften hätten den Sieg verdient. Besonders erfreulich die Ritterlichkeit beider Mannschaften. Gegenüber dem letztjährigen Endspiel mit den damals unglücklichen Begleitumständen herrschte eine auffällig angenehme Atmosphäre.“ Sepp H e r b e r g e r, . Bundestrainer des DFB: „Dieses Endspiel hatte Niveau. Der VfB war taktisch klug beraten, als er in der zweiten Hälfte auf Halten spielte.“ Hans Huber, Vorsitzender des SFV: „Wir freuen uns, daß der süddeutsche Fußball seine Klasse in Berlin so überzeugend demonstriert hat. Offenbach hatte in der zweiten Halbzeit Vorteile, operierte aber nicht ganz so glücklich wie der VfB in der ersten Hälfte.“ Favoriten im Pokalkampf ausgeschieden In der dritten württembergischen Pokalrunde gab es zwei große Überraschungen. Die TSG Ulm 46 mußte sich beim SG Geislingen mit 3:2 geschlagen geben und schied damit aus dem weiteren Pokalwettbewerb aus. Für die zweite Überraschung sorgte die Bezirksklassen-Elf des SC Nordheim, die Union Böckingen mit 4:1 aus dem Pokal warf. Der SV Stuttgart-Vaihingen hätte beinahe für die dritte Überraschung gesorgt, als er gegen die Stuttgarter Kickers, die wieder mit Conen antraten, am Ende der regulären Spielzeit ein 3:3-Unentschieden herausholte, so daß das Spiel verlängert werden mußte. Durch eine Einzelleistung vermochte Grziwok (Kickers) das 4:3 herauszuholen. Jugendfußballmeister: FC Bayern München Bei dem am Wochenende in Bad Wöris- hofen durchgeführten Turnier der vier süddeutschen Jugendfußball-Landesmeister ging die Jugendelf des FC Bayern München mit 5:1 Punkten als Sieger hervor und wurde damit Süddeutscher Jugendfußball-Meister vor dem Württ. Meister, Stuttgarter Kickers, FC Freiburg und 03 Kassel. Über 2900 Zuschauer verfolgten an beiden Tagen die Spiele, die über jeweils zweimal 40 Minuten angesetzt waren. Die einzelnen Ergebnisse: Bayern München — Stuttgarter Kickers 4:1 FC Freiburg — 03 Kassel 3:2 Bayern München — FC Freiburg 2:2 Stuttgarter Kickers — Kassel 1:0 Bayern München — Kassel 3:0 Stuttgarter Kickers — FC Freiburg 5:0 Südd. Wasserballmeisterschaft abgebrochen Das Entscheidungsspiel um die Süddeutsche Wasserballmeisterschaft! zwischen Blauweiß Pirmasens und dem SV Ludwigsbafen mußte infolge Gewitters vier Minuten vor Halbzeit beim Stande von 2:1 für Pirmasens abgebrochen werden. Es wird voraussichtlich am nächsten Samstag in Pirmasens wiederholt. Bis zum Abbruch waren die Pirmasenser tonangebend und lagen durch Tore von Wehrum 2:0 in Führung, als Ludwigshafen durch Latour ein Tor aufholen konnte. Endstand 2:1. Trierer Gewichtheber freuten sich umsonst Bei den Schwerathleten will es in diesem Jahr mit der Ermittlung der deutschen Mannschaftsmeister nicht richtig klappen. Schon beim Ringen traten unvorhergesehene Zwischenfälle ein. Der Leidtragende war der badische Meister „Eiche Sandhofen“, der kampflos ausscheiden mußte. An den Kämpfen urr, die deutsche Meisterschaft im Mannschaftsgewichtheben waren fünf Mannschaften teilnahmeberechtigt: 1888 Essen, SV Fellbach 1860 München. ASV Trier und AC Weinheim Der Sportwart für Gewichtheben, Hans Kest- ler (Mannheim), setzte zwei Vorkämpfe an und paarte ASV Trier gegen SV Fellbach und 1860 München mit AC Weinheim. Auf Wunsch aller vier Teilnehmer wurden die Kämpfe abgesetzt und Leistungsabnahmen an eigener Hantel durchgeführt. Die größten Leistungen erreichten die Staffeln von ASV Trier und SV Fellbach. Trier, als die leichtere Mannschaft, sollte somit in den Endkampf kommen, während Fellbach gegen den Titelverteidiger Essen 88 den Zwischenkampf bestreiten sollte. 1860 München, die 10 kg weniger schaffte als Trier und Fellbach, legte Protest ein und bestand darauf, daß in jedem Kampf, auch bei einer Leistungsabnahme, ein Vor- und Rückkampf stattfinden muß.. Der Vorkampf zu der angesetzten Zwischenrunde soll am 2. Juli, der Rückkampf am 9. Juli stattfinden. Die beiden Sieger aus diesen Treffen werden am 22. und 29. Juli die Entscheidungskämpfe um die deutsche Meisterschaft bestreiten. Franzose gewann 24-Stunden-Rennen Louis Rosier/Frankreieh auf Talbot (4483 ccm), der das 24-Stundenrennen auf dem Le Mans-Kurs überlegen gewinnen konnte, brach den seit 1939 bestehenden Bahnrekord der von dem im vergangenen Jahr tödlich verunglückten französischen Rennfahrer Pierre Wimille aufgestellt und bisher nicht gebrochen worden war. Rosier legte während des 24- Stunden-Rennens insgesamt 256 Runden =* 3467,85 km gleich einem Durchschnitt von 144,362 std/km zurück. Quoten des württ.-badischen Sport-Totos Hauptwette: 1. Rang 12 Gewinner je 8206 DM; 2. Rang 310 Gewinner je 316 DM; 3. Rang 3202 Gewinner je 30.70 DM Kurzwette: 71 Gewinner mit je 459 DM. Um Deutschlands Frauen-Handballmeister- schaft gab es folgende Ergebnisse: VfL München gegen SC Südwest-Berlin 7:1 (3:1) und SV 04 Düsseldorf gegen TV Kiel 7:3 (4:1). Das Finale bestreiten also VfL München, des Südens Meister, und SV 04 Düsseldorf, der westdeutsche Meister. Wetterbericht Übersicht: Von Südwesten her baut sich allmählich hoher Luftdruck über Südwestdeutschland auf. Dadurch wird die atlantische Störungstätigkeit stärker als bisher nach Norden abgelenkt, Vorhersage: Am Dienstag und Mittwoch wolkig bis heiter und im allgemeinen niederschlagsfrei. Tagestemperaturen zum Teil über 25 Grad ansteigend. Schwachwindig. AUS DEM WIRTSCHAFTSLEBEN Ein neues Rundfunkstatut? Keine Auflösung des Südwestfunk erörtert Baden-Baden (Id). Der Justiz- und Kultmindster von Rheinland-Pfalz, Dr. Sü- sterhenn, erklärte einem Vertreter des Südwestfunks, daß alle im Zusammenhang mit der Erörterung von Rundfunkfragen durch den Ministerrat von Rheinland-Pfalz aufgetauchten Kombinationen über ein Verschwinden des Südwestfunks entgegen anderslautenden Pressemeldungen in das Reich der Fabel zu verweisen seien. Auch vo n ei ner Veränderung des Sendegebietes des SWF sei im Ministerrat Rheinland-Pfalz in keiner Weise gesprochen worden. Dr. Süsterhenn erklärte, der Ministerrat habe einstimmig beschlossen, der deutschen Anstalt öffentlichen Rechts Südwestfunk, deren Rechtsgrundlage bisher fra- zösische Ordonnanzen bildeten, nun eine deutsche Rechtsgrundlage zu geben. Der Ministerrat halte es für notwendig, mi t den beiden anderen Ländern des SWF-Sendegebiets Baden und Württemberg-Hohenzollem, in Verbindung zu treten, um mit deren Regierungen ein neues Rundfunkstatut auszuarbeiten, das im Wege eines Staatsabkomm ens zwischen den beteiligten Ländern in Kraft zu setzen ist und der Zustimmung des Landtags bedarf. Jubiläuustage in Gmünd EM. Schwäb. Gmünd. Anläßlich eines Festakts beim 125jährigen Jubiläum dep Lehrerbildungsanstalt, das vom 23. bis 25. Juni mit einer Reihe von Veranstaltungen und unter Teilnahme zahlreich» prominenter Vertreter des Kultministeriums von Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollem sowie der katholischen und evangelischen Kirche festlich begangen wurde, hielt pult- minister Bäuerle die Festrede. Er bezeichnete die Geschichte der Lehrerbildung als Spiegelbild der Entwicklung unserer Volksschule. Bis in die neue Zeit seien Volksschule und Lehrerbildung das Aschenbrödel der Bildung gewesen. Die Kirche mit ihren kulturellen Einrichtungen war die einzige Stelle für echte Volkserziehung. Synode der Methodistenkirche abgeschlossen Heilbronn (lwb). Die Jahressynode der Methodistenkirche Süddeutschlands wurde in Heilbronn mit einem Festgottesdienst abgeschlossen. Im Mittelpunkt der Beratungen unter Vorsitz von Bischof Sommer standen der volksmissionarische Auftrag der Methodistenkirche, der kirchlich soziale Hilfsdienst sowie Fragen des Wiederaufbaus von Wohnungen und Kirchen, der kirchlichen Jugendarbeit und der Arbeitsgemeinschaften der Kirchen. An der Synode nahmen auch Gäste aus den USA, England und der Schweiz teil. Probleme der Caritaswissenschaft Freiburg (Id). Die internationale Kommission für Caritaswissenschaft hielt in der Caritaszentrale in Freiburg unter Vorsitz von Msgr. Jörger eine Arbeitssitzung ab.. Außer Problemen der Caritaswissenschaft selbst wurde auch über Fragen der caritativen Ausbildung beraten, besonders im Hinblick auf die an den Universitäten Freiburg L Br., Salzburg und Freiburg i. d. Schweiz bereits bestehenden Institute für Caritaswissenschaft. Weiterhin wurden auf internationaler Basis Aufgaben der Caritas-Statistik sowie Vorarbeiten für eine Gesamtgeschichte der kirchlichen Liebestätigkeit besprochen. Elgißer beim Fest der Breisacher Stadtpatrone Breisach (ld). Etwa 400 Elsäßer kamen bei Breisach über die deutsch-französische Grenze, um am Fest der Breisacher Stadtpatrone teilzunehmen. Zum ersten Mal nach dem Kriege hatten die linksrheinischen Nachbarn wieder Gelegenheit, sich nach altem Brauch an der Prozession zu beteiligen, in der die Reliquien der Stadtpatrone, Gervasius und Protasius, mitgeführt werden. Aus Kühnheim im Oberelsaß war als geschlossene Gruppe die Musikkapelle des Dorfes gekom- Der Mensch — Motor der Geschichte Frankfurt (lh). Jean Paul Sartre, der in einer öffentlichen Kundgebung zum Volksbühnentag in der Frankfurter Paulskirche sprach, stellte sich zuvor der Frankfurt er Presse auf einem kleinen Empfang im Intimen Theater zur Verfügung. „Ich lehne den Marshallplan und den Atlantikpakt ab“ v erklärte Sartre, als er um eine Stellungnahme gebeten wurde, „weil sie die Mobilisation der Geister ständig fortsetzen und nicht nur Deutschland, sondern auch Frankreich in zwei entgegengesetzte Lager spalten“. Sartre, der den Menschen als den Motor der Geschichte bezeich- nete, vertrat die Ansicht, daß die moderne Gesellschaft durch gewisse Unterdrückungsformen gekennzeichnet sei. Dabei werde jedoch der Unterdrücker selbst durch seine eigene Unterdrückung unterdrückt und verliere so ebenfalls seine Freiheit. Es gebe heute zwei geschichtliche Entwicklungsmöglichkeiten: die zum Sozialismus und die zur Barbarei Eine Jagdausstellung in Offenbnrg Offenburg (lds). Eine Ausstellung, die einzig in ihrer Art in Südwestdeutschland sein dürfte, wurde im Offenburger Bürgersaal in Anwesenheit des Oberbürgermeisters Heitz und der Stadträte eröffnet. Es handelt sich um die Cron’sche Jagdausstellung, die sich vor dem Kriege in Berlin befand und dann im Hotel „Quellenhof“ in Wildbad in Sicherheit gebracht wurde, wo sie bis zum Herbst 1949 untergebracht war und einen Anziehungspunkt für alliierte Offiziere aus ganz Westdeutschland bildete. Frau Cron hat die Sammlung mit Trophäen aus den bekanntesten Jagdgebieten der Welt der Stadt Offenburg gestiftet, und zwar zum Andenken an ihren verstorbenen Mann, den früheren Jagdpächter Hermann Cron in Offenburg. Institut für mineralogische Reihenuntersuchungen Haslach (lds). In Haslach im Kinzigtal wurde die „ Chemotechnische und Laborantenschule Dr. Vetter“ eröffnet Der Schule ist ein „mineralchemisches und gesteins technisches Laboratorium“ angegliedert, das das einzige Institut dieser Art im Bundesgebiet ist. Es ist, wie bei der Eröffnung der Schule erklärt wurde, aus dem Bedürfnis heraus entstanden, den Universitäten, Hochschulen und der Industrie die Möglichkeit zu geben, in größerem Umfang Serienanalysen von Mineralien und Gesteinen vornehmen zu lassen, was bisher meist im Ausland gemacht werden müßte. Eine entsprechende Einrichtung bestand früher lediglich in Berlin-Charlottenburg und war dem Kaiser-Wilhelm-Institut angegliedert. Die „Miss Baden 1950“ Baden-Baden (lwb). In dem von der Stuttgarter Zeitschrift „Das Magazin“ veranstalteten ersten westdeutschen Wahlakt zur Wahl der „Miß Germany“ wurde im Kurhaus Baden-Baden Fräulein Gisela Wahl mit der überwältigenden Mehrheit von 256 Stimmen zur „Miß Baden“ gewählt. Fräulein Wahl ist 1923 in Cuxhaven geboren und seit 1946 als Heilgymnastikerin in Baden-Baden tätig. Neue Professoren der Mainzer Universität. Zu außerplanmäßigen und außerordentlichen Professoren an der Johannes-Gutenberg-Uni- versität in Mainz wurden ernannt: Privatdozent Dr. Hans Dietrich Cremer (psychologische Chemie), Privatdozent Dr. Gerhard Franz (mittlere und neue Kunstgeschichte), Privatdozent Dr. Hans Mislin (zoologische und vergleichende Psychologie. Eh 1 . Gerhard Thei- ßing, bisher Chefarzt am städtischen Krankenhaus in Ludwigshafen. Kunstpreis für Ludwigshafener Maler. Der in Ludwigshafen wohnende 31jährige Maler Rudolf Scharpf hat vor kurzem den Kunstpreis des rheinschen Kulturinstituts in Koblenz erhalten. Der Kunstpreis ermöglicht ihm einen einjährigen Studienaufenthalt in Paris bei freiem Atelier und freier Wohnung. Rudolf Scharpf gehört dem Kreis der Mannheimer Galerie Egon Günther an. Neuer Rektor der Universität Heidelberg. Der Professor für romanische Philologie, Dr. Gerhard Hess, ist vom großen Senat der Universität Heidelberg zum Rektor für das Studienjahr 1950/51 gewählt worden. Universitäts-Studiobühne mit Singspiel- und Operaabteilung. Als erste deutsche Universitätsbühne hat jetzt die Studiobühne der Universität Heidelberg eine Singspiel- und Opernabteilung eingerichtet. Die neue Abteilung wurde der Schauspielerabteilung angegliedert. KULTUR UND LEBEN Ein naturwissenschaftliches Rätsel Die Palolo-Orgie / Bericht von Clara Z w a h 1 e n Vor der märchenhaften Südseekulisse der Samoainseln spielt sich jährlich zweimal die rätselvollste Massenorgie der Tierwelt- ab. Der Palolowurm, ein Wassertier, feiert dann Hochzeit. Das Meer scheint plötzlich zum überdimensionalen Kochtopf zu werden, in dem eine dicke Nudelsuppe quirlt. Der Vergleich stimmt auch insoweit, als man nur ein großes Sieb ins Wasser zu tauchen braucht, um es randvoll mit 20 bis 40 cm langen, äußerst munteren, aalförmigen Lebewesen zu füllen. Für die Polynesier bedeutet ein solcher Fang eine langersehnte Delikatesse, die roh oder gebraten verzehrt wird. Auch der verwöhnte europäische Gaumen findet daran seine Freude. Brehm wußte nichts davon Aber das konzentrierte Auftreten von hunderttausenden Wassertieren an eng begrenzten Stellen zur Laichzeit ist noch nicht besonders verwunderlich. Das Phänomen der Palolozeit liegt darin, daß sich unserem Auge hier garnicht ein Hochzeitsreigen von Tieren, sondern von Tierstücken bietet. Der Palolowurm hat sich zur Feier des Tages halbiert. Sein etwa 25 Zentimeter langes Kopfstück haust nach wie vor in den Schlupfwinkeln, die die vom Meer zerfressenen Korallenkalkbänke des seichten Wassers dem vollständigen Wurm schon immer boten, und setzt dort einen neuen Schwanz an. Zur Hochzeit hat der Palolowurm nur sein Endstück ausgesandt, das bei den Weibchen prall mit „Kaviar“, bei den Männchen mit „Milch“ gefüllt ist. Nach einem tollen Tanz von wenigen Stunden haben die Milchnerstücke ihre Aufgabe erfüllt und der Spuk des Meeres verschwindet so schnell, wie er aufgetreten ist. Die Palolo-Schwanzstücke liegen tot auf dem Meeresgrund und verwesen, während in dem befruchteten Laich neues Leben im Werden ist. Noch Brehm wußte ebensowenig von dem ■wirklichen Sachverhalt der Palolo-Orgien, wie irgendein Samoaner. Es war nämlich nicht leicht, diese quicklebendigen Schwanzstücke als solche zu erkennen. Ihnen sind Augen, sogenannte Bauchaugen, gewachsen, deren schwarze „Pupillen“ deutlich erkennbar sind. Sie geben den fortpflanzungswütigen Palolo- segmenten das Aussehen vollständiger Organismen. Doch das alles ist noch nicht das größte Wunder an der Palolo-Orgie. Als dieses muß Rnhrfestspiele 1950 eröftnet Recklinghausen. Die Ruhrfestspiele 1950, das Kulturwerk der Deutschen Gewerkschaften, wurden am Mittwoch in Recklinghausen eröffnet. „Die Gewerkschaften‘als Träger der Festspiele wollen“, so betonte der zweite Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftbundes, Mathias Föeher, „die Sachwalter der großen Masse derjenigen sein, die in der Vergangenheit nicht nur materiell, sondern auch kulturell abseits stehen mußten. Die Verbindung zwischen der Welt der Arbeit und der Welt der Kunst soll vorbereitet werden. Die Ruhrfestspiele mit ihrer in- und ausländischen Beteiligung sollen im Herzen des Ruhrgebiets wie eine kulturelle Atombombe wirken.“ Am Eröffnungstage wurde' in einem zu einer schlichten, eindrucksvollen Kunststätte ausgebauten Hochbunker eine deutschfranzösische Kunst-Ausstellung der Öffentlichkeit übergeben. Die „deutschfranzösische Begegnung in der Kunst“ soll im Sinne eine: - echten Begegnung darzustellen versuchen, daß die Kunst der beiden Völker auf das gleiche Ziel „Europa“ gerichtet ist und die deutschen und französischen Künstler dieser Aufgabe mit der gleichen Begeisterung dienen. man die noch ungeklärte minutiöse Pünktlichkeit ansehen, mit der' sie in Erscheinung tritt. Sie steht in engstem Zusammenhang mit den Rätseln, die uns die Mondeinflüsse stellen. Seit Ewigkeit gibt es eine große und eine kleine Palolozeit, und diese „Mblalolos“ ersetzen den Eingeborenen die genaueste Sternwartezeit. Nach den Palolozeiten kann man die Uhr stellen. Um vier Uhr morgens des Tages vor dem letzten Mondviertel und zur selben Stunde an diesem Tage selbst, beginnt das Wimmeln der Paloloschwanzstücke vor den samoanischen Küsten, — nicht später und nicht früher. Allerdings beschränkt es sich auf ein Auftreten im ersten und zweiten Monat des vierten Jahrviertels. Theorien Verschiedene Erklärungen wurden bisher für diese Hypergenauigkeit der Palolozeiten gegeben, und keine erwies sich als stichhaltig. Springflut und Springebbe reißen den leicht zerbrechlichen Palolo nicht auseinander. Dann müßten die Schwanzstücke bei Neu- oder Liebesbriefe sind so alt, wie die Liebe selbst. Schon lange, bevor Tinte und Feder erfunden wurden, gelang es der erfinderischen Liebe, sich zu ihren notwendigen Mitteilungen auch alles Notwendige dazu zu erfinden. So verfiel vor tausenden Jahren der Cuajirosindianer darauf, sein eigenes Gesicht, seine Arme und Beine als Briefpapier zu verwenden und war zufrieden mit dem Erfolg, daß er es heute noch tut. Wenn dieser merkwürdige Liebesbrief in schönster, roter Erdfarbe v sgeführt ist, spricht diese Art seiner Abfassung ganze Bände, die sogar auf weite Entfernung lesbar sind und immer verstanden werden. Ein Liebesbrief in altperuanischer Knotenschrift dagegen, war nebstbei ein richtiges Gedenkschreiben — in Knoten aus Wurzel- fasem. Wenn diese Knotenschrift im Dienste der Liebe sprach, so bezeichnete außerdem noch jeder Knoten die Dauer eines Tages und der Liebende bat, für die Zeit der Trennung täglich einen Knoten zu lösen und dabei seiner zu gedenken. Die Art jedoch, wie die Knoten geschürzt waren, bargen den eigentlichen Inhalt der Mitteilungen. Doch nicht nur im klassischen Amerika und bei den alten Völkern Asiens, bei Chinesen, Persern und anderen war die Knotenschrift gang und gebe. Noch im späteren Mittelalter blieb bei erschiedenen Völkern Europas die Sitte bestehen, durch bedeutungsvolles Knüpfen von Knoten Verträgen besonders bindende Kraft zu geben. Sie spielten demnach eine entsprechende Rolle bei Liebesmitteilun- gen, denn was will fester und unlöslicher binden aL die Liebe. — Die Entwicklung der Schrift selbst ging Hand in Hand mit dem Schreibmaterial. Die Schriftzeichen, die sich fast überall aus der Bilderschrift entwickelten, fanden auch immer mehr Ausdrucksformen für gefühlte Vorstellungen und Begriffe. Die Bilderschrift auf dem ältesten mexikanischen Papier, aus der Faser der Aloe oder der Palme Jezotl hergestellt, zeigen bereits die Reichhaltigkeit einer Hieroglyphenschrift, die zwar an bildhaft ansprechender Deutlichkeit verloren hatte, aber eine so vielfältige Ausdrucksmöglichkeitbesaß, daß sie gerade der Überschwenglichkeit liebender Herzen gerecht wurde. Ausserdem gestattete das verbesserte Schreibmaterial nicht nur gefälliger und flüssiger, sondern auch müheloser zu schreiben. Vollmond zur Hochzeit ziehen. Auch die starke Durchwärmung des Seichtwassers im ersten und dritten Mondviertel erklärt das zuverlässig genaue Eintreten der Geschlechtsreife des Palolo nicht. Sie vollzieht sich niemals im ersten Mondviertel. Arrhenius glaubte dann im Tiefstand des Mondes über Samoa während des dritten Mondviertels eine Begründung für die stets zur gleichen Stunde auftretende Palolo-Orgie erblicken zu können, Bekanntlich schwellt die luftelektrische Spannung bei niedriger Standhöhe des Mondes an und beeinflußt damit irdische Vorgänge. Inzwischen wurde aber der atlantische Palolo beobachtet, der seinen Hochzeitssaal in den floridanischen Gewässern hat. Seine Schwanzsegmente tauchen ebenfalls im dritten Mondviertel, allerdings im Juli, auf. Aber zu dieser Zeit steht über Florida der Mond höher als im ersten Mondviertel. Logischerweise ist die Palolo-Orgie also auch nicht von den luftelektrischen Spannungen abhängig, — und bleibt ein Rätsel. Wie sagte Goethe zu Eckermann? „Wir stehen in lauter Wundern, und das Letzte und Beste der Dinge ist uns verschlossen.“ Dabei wird es wohl bleiben, denn jede Entdeckung ist nur ein Schlüssel zur nächsten, hinter der neue Geheimnisse stecken Wie die Schönheit der Schrift, so war auch der Umfang der Schreiben, auch jener der Liebesbriefe, immer von der Vollkommenheit des Materials abhängig. Ägypten hatte eine berühmt schöne Schrift. Ägypten war aber auch von der Natur verschwenderisch mit Schreibmaterial ausgerüstet worden. Vorerst durch unerschöpflichen Kalk- und Sandstein, namentlich im arabischen Gebirge, dann aber vor allem durch die herrliche Papyrusstaude. Nicht minder berühmt waren die Länge und der Schwung ägyptischer Liebesbriefe. Hingegen mußten sich die Babylonier mit Selbstgebrannten Ziegeln als Schreibmaterial behelfen, da ihnen jedes geeignete Naturprodukt — selbst als Schreibmaterial für Liebesbriefe — fehlte. Es ist begreiflich, daß selbst die feurigste liebessehnsucht, mit dem Griffel mühsam in hart' Platten eingekrazt, eine andere Formulierung wie auf dem vorher beschriebenen Material bekommen mußte. Auch bei Japanern und Chinesen war die Art ihrer Schreibutensilien nicht nur von formgebendem Einfluß auf die Schrift, sondern auch auf die Schreibfreudigkeit der Liebe. Da sich ihr fasriges Papier nicht mit spitzen Federn beschreiben ließ, wurde es mit Pinseln beschrieben. So entstand nicht nur diese merkwürdige Schrift mit sonderliche Anhängseln und Schnörkeln, sondern färbte euch auf ihren Inhalt ab, der nicht weniger verschnörkelt wurde, wenn sich auch das scheinbar verschnörkelte ins Zärtlich- bizarre der Liebesbriefe wandelte. Eine weitere Eigenart dieser Liebesbriefe besteht darin, daß jeder von ihnen, wie bei unseren Vorfahren Glückwünsche enthält. Wie unsere Ahnen ihre Liebesbriefe abfaßten, beschreibt ganz richtig Franz Schubert: „Id schnitt es gern in alle Rinden ein —“ Erfunden wurde iiese Art, seine Liebe zu gestehen, bereits vor tausenden Jahren. Abgeschälte Baumrinde, glatte Felswände und vor allem Rindenblättchen, die sogar versandfähige Liebesbriefe ergaben — ohne vorher in Papier verarbeitet zu werden — stellten das Material vor. Und die Schrift? Die Volksstämme, che hier bei uns daheim waren, waren Bauern und Jägervölker, also Menschen, die auch noch heute mit mehr Bedachtsamkeit ihre Worte wählen und sparsamer — als das schwatzhafte Stadtvolk — verwenden. Auch in der Liebesbeteuerungen in Knoten Eine Plauderei um zeitlose Dinge / von E. M.von Rochefort ■ - - Frans Horny von dessen zartem Strich unsere Abbildung zeugt, ist einer der Unbekannten unter den deutschen Künstlern. 1793 in Thüringen* geboren, starb er bereits 1824, in Rom und hinterließ eine Reihe meisterlicher Blätter, in denen das frühromantische Naturge- fühi Ausdruck fand. Es ist dankenswert, daß Bernhard Dörries sich durch einen Bildband des Bruckmann-Verlages dieses Vergessenen angenommen hat. Obige Zeichnung einer Korbträgerin entnehmen wir dem Juni-Heft „Die Kunst und das schöne Heim“ des gleichen Verlages, aus dessen reichem Inhalt ein von Frans Roh gegebener Querschnitt durch die Neuerwerbungen der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und ein Bildbericht von Guido Harbers „Neues Bauen in Italien“ hervorstechen. Hans Hildebrandt stellt den Bildhauer Alfred Lörcher vor und Toni Fiedler berichtet über neue Bronzetüren für den Petersdom in Rom. Liebe. Für unsere Voreltern waren Worte Symbole für Begriffe und die Schrift ihrer Runen nichts anderes als Ausdruck dieser Symbole. Deshalb umfaßt der Futhark, die Runenreihe, die unserem Alphabet am nächsten kommt, nicht nur eine ähnliche Anzahl Buchstaben wie dieses, sondern ebensoviel* Worte und Vorstellungsverbindungen, zu deren Wiedergabe wir heute ganze Sätze brauchen. Die Deutung der Runen wurde von besonderen Runenmeistem vorgenommen, nur die Liebenden verstanden sicher auch ohne diese Deuter den Inhalt ihrer Runenbotschaften, die ihre Wünsche und Hoffnungen zum Ausdruck brachten. Unter dem einfachen Volk erhielt sich die Runenschrift erstaunlich lang. Da sie nicht auszurotten war, wurde sie mit dem Beginn der Religionswirren vor dem dreißigjährigen Krieg verboten. Um'dem Verbot mehr Nachdruck zu verleihen, wurde noch 1626 in Augsburg ei Mann öffentlich verbrannt, bei dem sich F.unen gefunden hatten — Liebesrunen. Das var zu einem Zeitpunkt, an dem bereits seit einigen hundert Jahren in den Klosterschulen die Schrift mit der Kielfeder gelehrt und geübt wurde und sich die vornehmen Liebespärchen schon längst alles Notwendige in Tusch und auf Pergament zu sagen verstanden. IM SPIEGEL DER ZEITSCHRIFTEN Prof. Dr. Theodorescu: Rückblick auf den Mai Als der kalifornische Emigrant Theodor Wiesengrund-Adorno, der musiktheoretische Berater von Thomas Mann für „Dr. Faustus“ und jetzige Professor der Philosophie in Frankfurt, nach Deutschland zurückkehrte, war er höchst erstaunt: er erwartete, wie alle Emigranten „Stumpfheit, Unbildung, zynisches Mißtrauen gegen jegliches Geistige“ — und fand das Gegenteil. Solche intellektuelle Leidenschaft und echte, obwohl altmodische Kultur gäbe es nur in Deutschland, meint Adorno in den „Frankfurter Heften“. Das wäre zwar gut, berge aber in sich die Gefahr, daß der Geist ein „alibi“ wird, Selbstzweck und Flucht aus der Wirklichkeit. Die gesamte geistige Produktion scheine tatsächlich, trotz ihrer Regsamkeit, irgendwie steril zu sein. „Niemand traut sich recht an das Drängende und Brennende heran.“ Der letzte Grund dafür liegt, nach Adornos Meinung, im Politischen: man hat ein Gefühl der Ohnmacht gegenüber den großen Machtblöcken und planetarischen Kraftfeldern. Der Begriff des Geistes müßte aber neu gedacht werden. Man darf sich nicht mehr an den Traum der Macht und Größe hängen. „Heute braucht man nicht mehr Macht “ Subjekt zu sein, um als Subiekt zu existieren*, sondern — hier meldet sich der maxistische Soziologe — „die Maschinerie durchschauen, wissen, daß de-* • iCois Unmenschlichen menschliche Verhältnisse verbirgt." Der Geist muß sich der sozialen Wirklichkeit stellen, um wieder lebendig zu werden. Ein zweifellos richtig gesehenes Problem, nur leicht verschoben in Begründung und Lösungsvorschlag. Als Emigrant sieht Adorno manche Aspekte der Realität nicht. Die Aktualität der Kultur, die er sieht, betrifft eher das ewige Pubertätskapital der Jugend, die immer ein „herrlicher Snort" bleiben wird. Gleich daneben. in ausgereiften Jahrgängen, herrscht vorwiegend Gleichgültigkeit und Apathie vor. Und was es poch an Zirkeln gibt, ist meist sektiererisch und nicht eigentlich repräsentativ. Auch sein Lösungsvorschlag ist, im großen und ganzen, gültig — nur braucht man dafür eine viel immanentere Wendung des Geistes als die Ausrichtung auf die Gesellschaft. „Spengler nach dem Untergang“ Adorno, der kurz vor 33 eine brillante, aber unerträglich affektierte Habilitationsschrift über Kierkegaard schrieb, greift im „Monat“ auch das längst fällige „Problem Spengler“ an: Was hat sich aus all den Prophezeiungen und Prognosen Spenglers als wahr erwiesen? „Die Geschichte hat Spengler erstaunlich bestätigt“, meint Adorno. Der deutsche Geist hat aber diesem großen Geschichtsdenker gegenüber versagt. „Spengler hat kaum einen Gegner gefunden, der sich ihm gewachsen gezeigt hatte ...“ Seine Thesen, haben immer noch Gewalt, trotz offensichtlicher Unzulänglichkeiten. Bestätigt wurden tatsächlich folgende speng- lerische Prognosen: der Cäsarismus, die Massenherrschaft, die Physiognomie der Großstädte, die geschichtslose Zivilisation des neuzeitlichen Nomadentums. Darin hat Adorno zweifellos recht. Das Elend und die Verwilderung aller Lebensgewohnheiten haben wirklich den neuen „Fellachen“ geschaffen. Ebenso unheimlich genau waren die Prophezeiungen Spenglers über den modernen Tyrannen, der mit Hilfe seiner Mordspezialisten herrscht. Jenseits dieser visionären Beschreibung der unmittelbaren Zukunft fängt aber die kritische Entlarvung Adornos an: da, wo Spengler anfängt, die letzten Gründe und Mächte der Geschichte zu konstruieren. Sein archimedischer Punkt ist: die ewiggleiche Menschennatur. die Kurzatmigkeit des Geistes. Herrschaftsgelüste und Blutsentscheidungen wirken als physiognomisches Organ. „Spengler verfährt mit Bildern und Kategorien“ rücksichtslos und selbstherrlich -wie „ein preußischer Herrscher“. Der letzte Entlarvungsgrund ist aber sehr charakteristisch für Adorno selber: Spengler ist für ihn ein „Kleinbürger“. Seine Philosophie sei „der ressentimenterfüllte Drang des mittelständischen Gelehrten, den Schatz seines Wissens ins industrielle Kapital zu investieren“. Aus Angst vor seiner eigenen Hilflosigkeit „witd er Überläufer und Denunziant“. „Der Geist, der sich verneint, hofft auf Pardon...“ Das ist ein Muster marxistischer Analyse. Hinter den Ausführungen des Frankfurter Sozialphilosophen sind zweifellos edle Anstrengungen spürbar, die uns u. a. auch viele Äußerungen Thomas Manns verständlicher machen. Aber auch bei ihm sind krampfhafte Versuche eines Bourgeois deutlich vorhanden: er möchte mit allen Mitteln modern, und fortschrittlich sein. Gerade das also, was er Spengler vorwirft. „Stastsmetaphysik und Wirklichkeit“ „Merkur“, die sonst vortrefflich intellektuelle Zeitschrift, hat bis jetzt wenig Glück mit hochpolitischen Beiträgen gehabt. In der Mainummer brachte sie aber einen schönen und reifen Aufsatz von Alfred Weber mit dem obigen Titel. Um Klarheit zu bringen in die tiefgreifenden Paradoxien und Antinomien, die alles Staatliche heute belasten, gibt uns der große Gelehrte einen großgeschauten Umriß über die Urformen des Staates, deren es drei gibt: 1. östlich von Hindukusch, in China und Indien, war der Staat eine „unmittelbare Projektion der kosmischen Ordnung auf die Erde“, ohne gesetzlich formuliertes Recht c ld bürokratisch fixierte Organisation. Der Kaiser regierte als „Sohn des Himmels" mit Hilfe seiner in die Geheimnisse enigeweihten Beamten. 2. Westlich davon, in Ägypten und Sumero- Baylonien entstanden zuerst festorganisierte Staaten, mit magisch-sanktionlerter Bürokratie und Heerwesen, gestützt auf eine kodifizierte Gesetzgebung. Hier ist der Ursprung aller Staatsmetaphysik und Bürokratie, die sich nach dem Westen ausgebreitet haben, bis in unsere Tage hinein: Reste davon sind das Gottes- gnadentum, die LigitimitatsKteE so gut wie, der russisch-byzantinische Aufqiratismus. 3. In Griechenland und dem rejgblikanischen Rom entstand die Gegenform zu"wgpen Staaten: ein Gemeinwesen — die Polis —,r öuw. ! meäme üummtSuMd! Wird von vielen Frauen bevorzugt, weil es alle Haare, ob blond, braun oc'erschwarz, wunderschön macht u. z u g I e i c h heilsam aui den Haarboden wirkt. Preis 25 Pf. AusdrOckl. Heiipon verlangen. EUROPA-LICHTSPIELE zeigen vom 27. bis 29. Juni „Jxauentemd“ mit Stewart Granger in seiner ersten großen Lustspielrolle. Anfangszeiten: Täglich 17 und 20 Uhr Vom 27. bis 29. 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