Refaktie* nÜ Ter!»ft Brndual, TSrtktrafie 11» Telefoa Nr. 2121 Bni|ipr ei» : Monatlich DM 2.80 einadiHeBlich Trigergebüh*, Potfcnutallaiif DM 2.45 nufigÜdi ZwteßfebSlir. — Erif heiat •a jode» Tat 8er Tod»» avfier aom- nnd feiertags. Süddeutsche *d'ö&gemeitie SdLeitun# FÜR KRAICHGAU UND BR U H R AI N Ans eigen preise hat Preisliste. — Bankkonten: Spar- Kredit» bank Brachsal Nr» 603; Stadt. Sparkasse Philippsbnrg Nr. 1032« Postscheckkonto* Amt KarUrnhe Nr. 36440« — Bel Störung durch hoher« Gewalt bestellt kein Emefanspnuh. Nummer 116 Dienstag, 20. Mai 1952 Einzelpreis 20 Piennig Außenminister sollen endgültig entscheiden BONN. Bundeskanzler Dr. Adenauer und die drei alliierten hohen Kommissare haben am Montag noch nicht über alle noch offenen Fragen des Deutschlandvertrages nnd der Zusatzabkommen Einvernehmen erzielt. Sie haben daher vereinbart, daß der Bundeskanzler und die Außenminister der drei großen Westmächte über diese Punkte — darunter besonders die Aufteilung des finanziellen deutschen Verteidigungsbeitrages — auf einer letzten Konferenz kurz vor der Unterzeichnung des Vertragswerkes entscheiden sollen. Wie der Bundeskanzler in einer Konferenz pause erklärte, sind die Besprechungen auf der Ebene der Hohen Kommissare soweit fortgeschritten, daß „mit allergrößter Sicherheit“ ein Abschluß der Gespräche noch in dieser 31. Zusammenkunft heute abend erwartet werden kann. Auch die Hohen Kommissare äußerten sich in dieser Beziehung zuversichtlich. Vertragsverhandlungen nochmals vertagt Bundeskanzler Dr. Adenauer und die drei Hohen Kommissare wollen am Mittwoch noch einmal Zusammenkommen, um vor der Außenministerkonfe- ree-’ über den Deutechlandvertrag und die Zusatzverträge zu sprechen. In den Verhandlungen am Montag, die bis 23 Uhr dauerten, sind noch einige Punkte, darunter die Aufteilung des deutschen Fi-' nanzbeitrages, offengeblieben. Kohlenexportquote gesenkt DÜSSELDORF. In der bisher kürzesten Sitzung — sie dauerte nur zwei Stunden — hat der Rat der Ruhrbehörde am Montag für das dritte Jahresquartal 1952 eine Kohlenexportquote von 6 050 000 Tonnen (gegenüber von 6,14 Mülionen im zweiten Quartal)' festgelegt. Der Beschluß wurde einstimmig gefaßt. Der Sprecher der deutschen Delegation in der Ruhrbehörde, Dr. Potthoff, bezeichnet« die niedrigere Quote für das dritte Quartal als das Ergebnis des ernsthaften Versuchs aller Delegationen, die Inlands- forderungen mit den deutschen Exportverpflichtungen in Einklang zu bringen und einen einstimmigen Beschluß zu fassen. Potthoff gab die Kohlezuteilungen an die Zweige der Wirtschaft bekannt. Die Zuteilungen werden zum Teil fühlbar erhöht. So soll für den Hausbrand und Kleinverbrauch die Zuteilung des vergangenen Quartals von 5 Millionen Tonnen auf 6,4 Millionen Tonnen erhöht werden. Informatorische Besprechung Kaiser-Fette BONN. Die beiden Vorsitzenden der CDU-Sozial- ausschüsse, Bundesminister Kaiser und Bundestagsabgeordneter Albers, trafen am Montagnachmittag mit dem DGB-Vorsitzenden Christian Fette zu einer informatorischen Besprechung über die Wünsche des DGB zum Betriebsverfassungsgesetz zusammen. Beide hatten bereits am Montagvormittag eine Besprechung mit dem Bundeskanzler. Das zwischen dem Bundeskanzler und Fette vorgesehene Gespräch wird nach in Bonn vorliegenden Informationen voraussichtlich erst Ende Mai stattfln- den können, da Dr. Adenauer durch seine Verhandlungen mit den Westmächten bis Mitte nächster Woche in Anspruch genommen ist. Vertrags-Unterzeichnung verzögert sich Konierenzen in Poris und Strnfiburg machen kurzfristige Verschiebung notwendig BONN. Ueber den endgültigen Termin der Unterzeichnung des Deutschlandvertrages und seiner Zusatzverträge haben die beteiligten Regierangen bisher noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Bonner Regierungkreise rechnen mit einer geringen Verzögerung bis etwa kommenden Montag. Ursprünglich sollten die Verträge schon am Sonnabend unterzeichnet werden. Die Verzögerung um zwei Tage dürfte sich, aus der Notwendigkeit ergeben, daß die vor der Unterzeichnung vorgesehene Konferenz der Außenminister der drei Westmächte mit dem Bundeskanzler nicht vor dem Wochenende Stattfinden kann. In Bonn wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß in der Hauptsache Terminschwierigkeiten die Ursache der Verzögerung sind, da in dieser Woche eine Reihe wichtiger Konferenzen in Paris und Straßburg stattfinden. Das Auswärtige Amt arbeitet gegenwärtig mit Hochdruck am Unterzeichnungsprogramm. Der feierliche Akt soll vormittags im Plenarsaal des Bundesrates stattfinden, an der gleichen Stelle, wo 1949 das Bonner Grundgesetz verabschiedet wurde. Die Außenminister der Westmächte und der Bundeskanzler werden in Anwesenheit des Bundeskabinetts, der alliierten Hohen Kommissare und der Verhandlungsdelegationen das fast vierhundert Seiten umfassende Vertragsdokument unterzeichnen. Anschließend ist ein Essen im Palais Schaumburg vorgesehen, das der Kanzler zu, Ehren der Anwesenheit der Außenminister der Westmäehte geben wird. Es ist das erstemal, daß die Außenminister gemeinsam Gäste der Bundesregierung sind. An dem Essen im Palais Schaumburg sollen neben den Kabinettsmitgliedem, den alliierten Hohen Kommissaren und der Begleitung der Außenminister auch die Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen und Vertreter des Bundesrates teilnehmen. Später findet ein Empfang der Außenminister durch den Bundespräsidenten in der Villa Hammerschmidt statt. Der Tag der Unterzeichnung des Deutschlandvertrages soll mit einem großen Empfang im alten kurfürstlichen Schloß Brühl zwischen Bonn und Köln schließen, zu dem neben dem Diplomatischen Korps zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens der Bundesrepublik eingeladen werden. Neue Unterzeichnungs-Version • Die neueste Version für die Unterzeichnung der vorgesehenen neuen Vertragswerke lautet, daß der Deutschlandvertrag und der Vertrag über die Europäische Verteidigungsgemeänschaft beide am kommenden Montag unterzeichnet werden. Nach den Vereinbarungen soll der Deutschlandvertrag am Montagvormittag in Bonn unterzeichnet werden, anschließend soll das Essen im Palais Schaumburg für die Außenminister der Westmächte und der Empfang durch Bundespräsident Heuß folgen, während der EVG-Vertrag am Montagnachmittag in Paris unterschrieben wird, wohin die drei Außenminister und Dr. Adenauer fliegen. Unterrichtete Kreise halten es aber für möglich, daß das Programm noch einmal geändert wird. Vorher noch Dreierkonferenz? Dem geplanten Vierertreffen der westlichen Außenminister mit Bundeskanzler Dr. Adenauer vor Unter- EVG-Außenministerkonferenz in Paris Letzte Tagung vor der Unterzeichnug - Adenauer durch Hallstein vertreten PARIS. Die letzte Pariser Konferenz der sechs Europaarmee-Staaten vor der Unterzeichnung des Vertragswerkes, bei der auf Ministerebene eine Reihe von noch of/enstehenden Fragen geklärt werden soll, begann am Monlagnachmittag um 17 Uhr im französischen Außenministerium. Von deutscher Seite nimmt in Vertretung des Bundeskanzlers der Staatssekretär des Aeußeren, Professor Hallstein teü, der von dem deutschen Delegationschef bei der bisherigen Plevenplan-Konferenz, Sicherheitsbeauftragter Theodor Blank unterstützt wird. Der italienische Ministerpräsident und Außenminister de Gasperi läßt sich ebenfalls von seinem Staatssekretär vertreten, während für Frankreich* Belgien. Holland und Luxemburg die Außenminister Schuman, van Zeeland, Stikker und Bech teilneh- men. Es wird mit einer Verhandlungsdauer von drei Tagen gerechnet. Zu den noch zu behandelnden Problemen zählt vor allem der künftige Sitz der Obersten Behörde der Europaarmee, wobei Paris als bisherigem Verhandlungsort der Plevenplan-Konferenz eine starke Chance eingeräumt wird. Ferner muß noch die Dauer des Vertrages — 50 Jahre wie bei der Montanunion oder aber nur 20 Jahre wie bei der Atlantikpaktorganisation — festgelegt werden. Auch die Verbuchung des deutschen Verteidigungsbeitrages, die allerdings erst in Bonn bei der Unterzeichnung des Generalvertrages endgültig geregelt werden soll, dürfte zur Sprache kommen. Die westalliierten Gesprächspartner sowohl in Paris wie in Bonn sind in letzter Zeit stark dem Wunsch der Bundesrepublik entgegengekommen, neben dem direkten Beitrag zur gemeinsamen Kasse der EVG auch die zukünftigen Kosten für die in Deutschland stationierten Sicherheitstruppen der Westmächte zumindest rein formal durch das Budget der Europa- Armee laufen zu lassen. Endlich wird vielfach vermutet — wobei eine Bestätigung allerdings noch aussteht — daß die bisher von den sechs Delegationen noch nicht angeschnittene Frage der Beteüigung des Saarlandes an der EVG erstmalig behandelt werden könnte. Sozialistische Europabewegung für EVG PARIS. Das Internationale Komitee der Sozialistischen Bewegung für ein Vereintes Europa, das am Wochenende unter dem Vorsitz des französischen Abgeordneten Andre Philip in Paris getagt hat, _bil- ligte in einer Entschließung die Errichtung einer europäischen Verteidigungsgemeinschaft. Als Vorbedingung für die Ratifizierung des EVG-Vertrages Frist eine übernationale politische Behörde geschaffen wird. In der Entschließung wird weiter an die Notwendigkeit der Bildung einer Europa-Föderation erinnert und die Beteiligung Deutschlands an dieser Föderation als unumgänglich bezeichnet. Das Komitee empfiehlt in diesem Sinne die Schaffung weiterer Solidereinrichtungen für die Landwirtschaft, den Verkehr, die Energiewirtschaft, eine Investitionsbank usw., die notwendigerweise einer politischen Behörde unterstellt werden müssen. Daher sei, so heißt es in der Resolution abschließend, die sofortige Einberufung einer Konstituante erforderlich, die zwischen den sechs Ländern des Schumanplanes eine politische Behörde errichtet und zu gleicher Zeit ein Abkommen über die Zusammenarbeit mit Großbritannien und den skandinavischen Ländern abzuschließen sucht. Zeichnung des Deutschlandvertrages soll, wie am Montag in London verlautete, eine gesonderte Konferenz zwischen Acheson, Eden und Schuman vorausgehen. Wo die beiden Konferenzen stattfinden werden, steht noch nicht endgültig fest. Zum mindesten sieht man Straßburg als günstigsten Ort für das 'Dreiertreffen an, das einen Gedankenaustausch über die außenpolitische Gesamtsituation ermöglichen soll. Nach vorliegenden Berichten soll Schuman für diesen Plan sein. Die nachfolgende Viererkonferenz zur Lösung der entscheidenden Frage des deutschen Verteidigungsbeitrages könnte dagegen nach Londoner Ansicht auch unmittelbar vor der Unterzeichnung des Deutschlandvertrages in Bonn stattflnden. Gesonderte Berlin-Deklaration der Westmäcbte BERLIN. Die drei Stadtkommandanten Westberlins haben dem regierenden Bürgermeister Berlins, Prof. Reuter, am Montagnachmittag eine Deklaration überreicht, die die künftige Grundlage für die Beziehungen zwischen der alliierten Kommandantur und Berlin enthält. Diese Deklaration dient vorerst zur Unterrichtung. Sie wird das „kleine Besatzungsstatut“ Berlins ab lösen. Wie in einer amtlichen Verlautbarung der Alliierten betont wird, sind die von Bürgermeister Reuter und dem Berliner Senat zum Aus- dfuck gebrachten Ansichten in der Deklaration berücksichtigt worden. Wie von allüerter Seite bekanntgegeben wird, wiesen die Kommandanten bei der Uebergabe der Deklaration darauf hin, daß die Herausgabe einer getrennten Erklärung für Berlin beschlossen wurde, weil das vorgesehene neue deutsch-alliierte Verträgs- werk zwischen den Westmächten und der Bundesrepublik keine direkte Beziehung zu dem Status Berlin habe, Berlins Status sei wesentlich anders gelagert und müsse unter den gegebenen Umständen auch anders bleiben als der Status der Bundesrepublik. Schumacher: Einheit vor Integration BONN. Der SPD-Vorsitzende Dr. Schumacher, warnte zu Beginn der außenpolitisch entscheidenden Woche in einem in Bonn veröffentlichten Artikel davor. Integrationsverträge zu unterzeichnen, „die — nach den Worten eines Beamten — die Wirkung eines ,Teilungsdokumentes‘ haben würden“. Für die SPD habe die deutsche Einheit — auch in der Zeitfolge — den Vorrang vor der „Integratierung eines Teiles Deutschlands in ein internationales System“. Siebzig Millionen Deutsche hätten ein anderes Bewußtsein ihres Wertes und andere praktische Möglichkeiten als ein geteiltes Deutschland. Die Teilung Deutschlands sei eine Bedrohung des Friedens. Sie zu beseitigen sei die dringendste Aufgabe. Schumacher schlägt dazu direkte Verhandlungen und nicht einen „fortgesetzten Notenaustausch“ vor. Soldaten appellieren an Adenaner BONN. Ein „letztes Wort in diesen entscheidungsvollen Tagen“ hat der Verband Deutscher Soldaten (VDS/BVW) am Montag an Bundeskanzler Dr. Adenauer gerichtet und ihn aufgefordert, für eine Amnestie für die sogenannten Kriegsverbrecher zu kämpfen. Die Lösung dieses Problems bleibe die entscheidende Voraussetzung für jeden ehrliebenden Soldaten zur Bejahung des Wehrbeitrags. Sie allein könne den kommenden deutschen Waffenträgern Gewissenskonflikte ersparen und die Möglichkeit einer aus innerer Ueberzeugung geborenen Bereitschaft zum Waffendienst schaffen. Britische Firmen verlassen China Weitere Tätigkeit aussichtslos - Regierung will angemessene Entschädigung verlangen LONDON. Die großen britischen Handelsniederlassungen im kommunistischen China werden geschlossen und zurückgezogen. Dieser Schritt, der nach Beratungen der betreffenden Firmen mit der britischen Regierung erfolgt, wird der chinesischen Regierung in einer Note zur Kenntnis gebracht, die am Montag durch den britischen Geschäftsträger in Peking, Lamb, überreicht wurde. Ein Sprecher des Foreign Office teilte am Montag mit, daß die Maßnahme nichts an den diplomatischen Beziehungen Großbritanniens mit China ändere. Außenminister Eden oder sein Stellvertreter Lloyd werden im Unterhaus eine Erklärung zu dem Problem abgeben. In der Note wird der Beschluß der britischen Firmen, die in China ein Kapital von über 300 Millionen Pfund investiert haben .damit begründet, daß. sie. ihre Geschäfte unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht weiterführen können. Ihre Schwierigkeiten hätten sich seit der kommunistischen Machtübernahme ständig vergrößert. Obwohl ihre Tätigkeit praktisch schon seit einiger Zeit zum Erliegen gekommen sei, hätten sie ihre chinesischen Angestellten weiter bezahlen müssen. Die britische Regierung will im Namen der betroffenen Finnen eine angemessene Entschädigung verlangen. Die Pekinger Regierung wird gebeten, die Ausreise der Angestellten der liquidierten britischen Firmen zu gestatten. Der Vorsitzende der britischen China-Vereinigung, wild jedoch die Garantie verlangt, daß in kurzer Mitchell, sagte am Montag, dies bedeute nicht das Ende des britischen Exporthandels mit China oder andererseits der britischen Einkäufe in China. „Die britische Gemeinde in China hat durchaus begriffen, daß sich die Zeiten geändert haben, aber sie haben sich so sehr geändert, daß die Engländer in China nunmehr der Ueberzeugung sind, daß es für sie unter den gegenwärtigen Umständen keine Zukunft dort gibt. Es hat keinen Zweck, daß sie dort bleiben, wo sie so eindeutig unerwünscht sind.“ Schorle Kontroverse in Pan Man-jon TOKIO. Zu einer scharfen Kontroverse zwischen dem Leiter der UNO-Waffenstillstandsdelegation, Vizeadmiral Joy und dem nordkoreanischen Verhandlungsführer, General Nam Jl, kam es bei den Verhandlungen am Montag. Die Kommunisten behaupteten, sie hätten nie ihre Zustimmung zu einer Ueber- prüfung und Befragung der kommunistischen Gefangenen im UNO-Gefangenenlager über ihre Bereitschaft zu Rückkehr nach Nordkorea gegeben. Vizeadmiral Joy behaupete das Gegenteil und beschuldigte die Kommunisten, daß alles,, was sie Vorbringen, „durch und durch verlogen sei“. Nach 37 Minuten trennte man sich ohne jedes Ergebnis. Der amerikanische Generalmajor William Harrison wird am kommenden Freitag die Leitung der UNO- WaffenstillStandsdelegation übernehmen. Er löst damit Vizeadmiral Joy ab, der gleichzeitig zum Leiter der Marineakademie in Annapolis, Maryland, ernannt wurde. < Die Unterschrift des Kanzlers von Fritz Lichtenberg Dem Bundeskanzler bleibt die peinliche Situation; erspart, in die ihn die Opposition hineinmanövrieren wollte. Er wird seine Unterschriften unter das deutsch- alliierte Vertragswerk setzen dürfen, ohne dabei den Vorbehalt machen zu müssen, daß sie keine Rechtswirkung erzeuge. Die Sozialdemokratie und die mit ihr verbundene Föderalistische Union hatten alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Dr. Adenauer diesen verfassungsmäßigen Klotz ans Bein zu binden. Nach der Feststellungsklage beim Bundesverfassungsgericht, ob der deutsche Wehrbeitrag vom Bundestag mit einfacher oder Zweidrittel-Mehrheit angenommen werden müsse, beantragten sie in Karlsruhe den Erlaß einer einstweiligen Verfügung gegen den Bundeskanzler, und die SPD-Fraktion brachte im Bundestag noch einen Antrag ein, der den gleichen Tenor hatte: Eine Beteüigung der Bundesrepublik an denr Vertrag über die Europäische Verteidigungsgemeinschaft ist nur unter der Voraussetzung möglich, daß die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts gewahrt werde; Unterschriften und Erklärungen seien’ nicht rechtswirksam, falls sie dieser Entscheidung und somit auch dem Grundgesetz nicht genügen sollten. Man muß wohl ein Kronjurist der Opposition sein, um nicht zu erkennen, daß hier drei getrennte Dinge zusammengemixt werden sollten, um die Verwirrung noch zu vergrößern, die das Grundgesetz fein säuberlich getrennt hat, nämlich: die Unterzeichnung, die Ratifizierung und die Verkündung. .Nach der Verfassung bestimmt der Bundeskanzler die Richtlinien der Politik, für die er verantwortlich ist. Wie in jedem demokratischen Staat ist er als Außenminister berechtigt, Verträge mit ausländischen Mächten zu unterzeichnen. Weder werden sie mit seiner Unterschrift für die Bundesrepublik rechtswirksam, noch treten sie in Kraft. Im Grundgesetz wird ausdrücklich bestimmt, daß Verträge, die die politischen Beziehungen des Bundes regeln, der Zustimmung der jeweils für die Bundesgesetzgebung zuständigen Körperschaften bedürfen. Der Deutschlandvertrag und der Verteidigungspakt müssen also vom Bundestag ratifiziert werden. Rechtswirksam aber werden sie für uns erst, wenn der Bundespräsident sie verkündet, denn er schließt als Staatsoberhaupt die Verträge mit auswärtigen Staaten. Ueberdies wird sogar im Schlußkapitel des Generalvertrages ausdrücklich gefordert, daß sämtliche Ratiflzierungsurkunden einschließlich der sechs des europäischen Verteidigungspaktes hinterlegt sein müssen, ehe er in Kraft treten kann. Die Zustimmung aller Parlamente-ist also doppelt verankert, und es ist logischerweise deshalb wirklich nicht einzusehen, weshalb Dr. Adenauer einen Vorbehalt machen soll, der durch den verfassungsmäßigen Zwang zur Ratifizierung selbstverständlich ist. Das Bundesverfassungsgericht hat aus diesem Grunde gar nicht anders entscheiden können, als den Antrag auf eine einstweilige Verfügung abzulehnen. Tatsächlich wird der Bundestag durch Adenauers Unterschrift nicht vor eine vollendete Tatsache gestellt, er wird sich im Gegenteil noch ausführlich mit dem Vertragswerk beschäftigen können. Darüber hinaus hat der Senat die berechtigte Frage aufgeworfen, ob die Hüter der Verfassung mit ihrer Aktion nicht gerade das Gegenteil erreichen würden, nämlich eine unzulässige Beeinträchtigung des politischen Ermessens des Bundeskanzlers, mit anderen — unjuristischen — Worten also: eine Verletzung des Grundgesetzes. Zu dem gleichen Urteil mußte auch der Bundestag kommen, obwohl Dr. Arndt als Prozeßbevollmächtigter der SPD es als einen „Schritt in die Illegalität“ bezeichnete, wenn die Bundesregierung ihre Verhandlungspartner nicht auf die bestehenden Verfassungsschwierigkeiten hinweisen würde. Diese Sorge berührt etwas eigenartig in einem Augenblick, in dem das höchste Gericht, dessen Stellung der gleiche Abgeordnete „in der ganzen demokratischen Welt einzigartig“ nannte, die Legalität bereits einwandfrei geklärt hatte Die Richter in Karlsruhe sind eben keine Politiker, sondern Juristen, die sich vor keinen Parteiwagen spannen lassen. Wie sie über das Mehrheitsverhältnis beim Wehrbeitrag entscheiden werden, wird man abwarten müssen. Auf jeden Fall herrscht nun Klarheit darüber, daß Dr. Adenauer die Vollmacht zur vorbehaltlosen Unterzeichnung besitzt. Die Ratifizierung büdet erst das nächste Kapitel. Hene Verhaltung in Schweden STOCKHOLM. Die schwedische Sicherheitspolizei verhaftete am Sonntag einen Metallarbeiter in Lulea. Er war früher in der Festungsstadt Boden ansässig und soll dem Spion Enbom militärisches Material geliefert haben. Seit der im Februar begonnenen Aufrollung des kommunistischen Spionageringes in Nordschweden sind bisher acht Verhaftungen erfolgt. Bertrond Russell 80 Jahre alt Der britische Mathematiker und Phüosoph, Nobelpreisträger Bertrand A. W. Russell vollendete das 80. Lebensjahr. Der europäische Denker von Rang wurde am 18. Mai 1872 in Trelleck geboren und ist ein Enkel des berühmten liberalen Staatsmanns Lord John Russell, der in dritter Ehe mit der deutschen Gräfin von Arnim verheiratet war. 1916 wurde Bertrand Russell wegen seiner pazifistischen Gesinnung seiner Professur in Cambridge enthoben und erst im Februar 1920 wieder eingesetzt. Russell. der an den Universitäten Cambridge, Harward, Los Angeles, Peking und New York lehrte, hat eine Reihe bedeutender Werke veröffentlicht, darunter „Geschichte der westeuropäischen Philosophie“, „Macht“, „Leibniz“ usw. Der „Apostel der Humanität und Gedankenfreiheit“ erhielt 1950 zur Würdigung seiner vielseitigen und bedeutenden Schriften den Nobelpreis. Seite 2 / Nummer 116 «i Dienstag, 20. Mai 19S2 McCloy: Westdeutschland bejaht Demokratie NEW YORK. Der amerikanische Hohe Kommissar ist der Ueberzeugung, daß die große Mehrheit der westdeutschen Bevölkerung die Demokratie wegen der in den Nachkriegsjahren erzielten Erfolge in Westdeutschland als die „einzig richtige und praktische Regierungsform“ betrachtet. McCloy äußerte diese Auffassung in einem am Montag aus Anlaß seines vor drei Jahren erfolgten Amtsantritts veröffentlichten Interview mit dem Bonner Korrespondenten der „New York Times“. Der Hohe Kommissar bezeichnete in dem Gespräch die Errichtung einer wahrhaften demokratischen Regierung, die Festigung des sozialen Lebens und die wirtschaftliche Wiedergesundung in Westdeutschland als die drei „überragenden Leistungen“ seit 1945. Abschließend betonte McCloy, daß die Tätigkeit der amerikanischen Kreisverbindungsoffiziere und die Besuche zahlreicher amerikanischer Regierungsbeamter an der Aufwärtsentwicklung in der Bundesrepublik „maßgeblichen Abteil“ gehabt hätten. Stellvertretender Leiter des Israel-Delegation zuttckgetreten BONN. Der stellvertretende Leiter der deutschen Wiedergutmachungs-Delegation bei den Verhandlungen mit Israel, Rechtsanwalt Otto Küster, hat dem Bundeskanzler seinen Rücktritt angeboten, da nach seiner Auffassung „auf seiten der deutschen Finanzexperten nicht genügend die Priorität der Leistungen“ Berücksichtigung finde. Offiziell wird in Bonn der Eingang des Schreibens Küsters noch nicht bestätigt. Küster ist Staatsbeauftragter für die Wiedergutmachung in Württemberg-Baden. Der Leiter der deutschen Delegation bei den Wiedergutmachungsverhandlungen mit Israel, Prof. Dr. Böhm, Frankfurt, erklärte zu dem Rücktrittsangebot Küsters, daß er die Begründung für zutreffend halte. Auch er habe die Auffassung, daß die deutschen Finanzexperten das Gewicht der moralischen Verpflichtung Deutschlands zur Wiedergutmachung nicht genügend würdigten. Die Frage, ob er selbst zurücktreten wolle, beantwortete Prof. Böhm ^nicht, Hoch keine deutschen Schuldenvorschläge LONDON. Der Leiter der deutschen Delegation bei der Londoner Schuldenkonferenz, Dr. Abs, erklärte am Montag in London, daß er hoffe, die deutschen Vorschläge für eine Schuldenregelung noch in diesen Tagen vorlegen zu können. Die erforderlichen Weisungen der Bundesregierung seien wegen der Ueber- lastunig Bonns durch che Ausarbeitung des Deutschlandvertrages erst Ende der vergangenen Woche eingelaufen. Die Londoner Schuldenkonferenz hatte am Montag mit einer Sitzung ihres Lenkungsausschusses nach sechswöchiger Verhandlungspause die Beratungen wieder aufgenommen. Eine Vollsitzung fand am Montag noch nicht statt. Senatorenwahlen ein Erfolg Pinays PARIS. Obwohl noch keine offiziellen Ziffern über die Ergebnisse der Wahl zum Rat der Republik von Frankreich vorliegen, steht doch fest, daß die Mitte, vor allem die Konservativen des Ministerpräsidenten Pinay, ihre Position verbessern konnten. Ihre Erfolge gingen auf Kosten der Gaullisten und Sozialisten. Nach einem Zwischenergebnis vom Montagmittag ergaben sich folgende inoffizielle Zahlen (der vorhergehende Stand in Klammem): Gaullisten: 26 Senatoren, (34), Kommunisten: 15 (15), Sozialisten: 19 (23), Radikale: 35 (40), MRP: 12 (9), konservative Gruppen 40 (30). Kleini JhuiduUau BONN. Bundespräsident Prof. Heuß würdigte ln einem persönlichen Schreiben an den Vorsitzenden des Bundes- tagsausschusses für den Lastenausgleidi, Johannes Kunze (CDU/CSU), die große Leistung, die mit der Verabschiedung des Lastenausgleichsgesetzes vollbracht worden sei. DETMOLD Ein „Luftwaffenring e. V.“, der alle ehemaligen Soldaten der Luftwaffe im Bundesgebiet zusammenfassen will, wurde am Wochenende in Detmold gegründet. MUNSTER. Der ehemalige Chef der deutschen rallsehirm- truppe, Generaloberst a. D. Student, warnte am Sonntag die Westmächte davor, die Bedeutung der Luftlandetruppen zu unterschätzen. Er wies darauf hin, daß die Sowjets in aller Stille eine gigantische Luftlandewaffe aufbauten. WIESBADEN. Der französische Wiederaufbauminister Petit begann am Sonntag in Wiesbaden eine mehrtägige Reise zum Studium des Wiederaufbaus im Bundesgebiet. WASHINGTON. Das amerikanische Außenministerium bestätigte am Montag Berichte, nach denen sich führende japanische Geschäftsleute zur Zeit in Moskau um den Abschluß eines japanisch-sowjetischen Handelsabkommens bemühen. BREDA. General Eisenhower besichtigte am Montag die königlich-holländische Mlltärakademie in Breda. Anschließend begab sich der General nach dem Haag. STOCKHOLM. Die schwedische Regierung hat am Montag die Weiterbeförderung einer japanischen Note an die Sowjetunion abgelehnt, in der die Aufforderung an die Sowjetunion enthalten ist, die sowjetische Mission aus Tokio zu rückzu ziehen. „Die Frau oom Moor" Hai'matromon von Maria Berchtanb reifer Alle Rechte: Prometheus-Verlag, Gröbenzell 6 (Nachdruck verboten) „Was sonst?“ Er wurde schon ungeduldig. „Meinst, ich möcht midi schinden und rackem auf dem schlechten Baden, der nix abwirft? Mühselig ein paar Stück Vieh durchfüttern? Ewig ein Fretter bleiben? Mit fufzig Jahr* zaundürr unter die Erden wie dein Vatter? Nein, Walp, das ist nix für mich!“ „Nix für dich . . flüsterte die Walp. „Für dich auch nix, Walp! Bist eh viel zu mager. Hast zuviel schwere Arbeit, da fällt das sauberste Madl vom Fleisch Walp, ich hab gern Holz bei der Wand . . .“ Er kniff sie vertraulich, sie rückte beiseite. Da lachte er dröhnend, aber es klang nicht ganz rein. In einem Rauchkringel, der sich langsam in die Länge zog, sah die Walp sein Gesicht wie in einem ovalen Rahmen. Sie starrte es unverwandt an. Und plötzlich sagte sie überlaut: „Warum hast me ein Wörtl verlauten lassen, daß du kein Moorbauer sein willst?“ „Hast mich ja nie darnach gefragt ... „Und weißt, warum ich dich nie gefragt hab? Weil ich mir nicht denken hab können, daß sich ein Kerl an che Weidacher-Walp heranmacht, der die Bauem- arbeit scheut. Ich hab nix gelernt als meine Arbeit da auf dem Hof und meiner Lebtag will ich nix anders lernen. Verkauf du von mir aus allein deinen Staubzucker und dein Seifenpulver und deinen Feigenkaffee. Ich mag einfach nicht!“ Er sprang auf, daß der klobige Stuhl wider die Wand polterte. . „Und wegen was magst denn nicht?“ sehne er sie am. Sie aber saß und starrte blicklos auf ihre Hände, die leer und arm und gottverlassen auf der Tischplatte lagen, genau so, wie sie heute schon einmal gelegen hatten, als ein anderer Mänmermumd die Walp angebrüllt hatte. „Ach Gott!“ seufzte sie müde. „Du verstehst mich ja doch nicht . . Sie schüttelte den Kopf, als begriffe sie die Welt nicht mehr. Was war denn nur irti Tübinger und Freiburger Regierung aufgelöst Abschiedserklärungen der beiden Kabinette TÜBINGEN. Die bisherige Regierung von Würt- temberg-Hohenzollem, deren Amtszeit am vergangenen Samstag mit der Verkündung des Ueberleitungs- gesetzes für das neue südwestdeutsche Bundesland, Baden-Württemberg, abgelaufen ist, verabschiedete sich in einer am Montag veröffentlichten Erklärung von der Bevölkerung des Landes Württemberg- Hohenzollern. Mit dem Dank für die Mitarbeit der Bevölkerung, deren Fleiß es gelungen sei, die schwersten Wunden des Krieges zu heilen oder zu lindern, verbanden die Mitglieder der Regierung in ihrer Abschiedsbotschaft den Wunsch, daß der Zusammenschluß der drei südwestdeutschen Länder das von der Tübinger Regierung begonnene Werk vollenden und daß die größere Heimat Jahren des Friedens und des Wohlstandes entgegen gehen möge. Die Erklärung ist von allen Mitgliedern der Regierung unterschrieben. Die südbadische Regierung stellte in einer am Montag veröffentlichten Erklärung fest, daß sie nach Inkrafttreten des Stuttgarter Ueberleitungsgesetzes keine Möglichkeit mehr sehe, die Auflösung des Landes Baden von sich aus abzuwenden. Die Landesregierung könne angesichts des formal geschlossenen Zustandes ihre Tätigkeit nicht mehr förtsetzen. Es sei nun Sache der Bundesregierung, als die Hüterin der verfassungsmäßigen Ordnung, den bisher mißachteten Rechten Badens Geltung zu verschaffen. Die südbadische Regierung wiederholt ihre schon bei früheren Anlässen vertretene Ansicht, daß das Neugliederungsverfahren in Südwestdeutschland einer echten Rechtsgrundlage entbehrt und schließt mit den Worten, daß das badische Volk in der Gewißheit seiner demokratischen Ueberlieferung und geschichtlichen Leistung der Heimat immer die Treue wahren werde. Der bisherige südbadische Staatspräsident Wohieb sagte nach der Kabiriettsitzung, daß er nun zuerst Das Gallup-Institut zur Erforschung der öffentlichen Meinung legt Weiten Kreisen der amerikanischen Bevölkerung fast jede Woche Fragen vor, deren Beantwortung einen Hinweis auf die Stärke der einzelnen Kandidaten bei der Präsidentschaftsnominierung geben soll. Dagegen hat Gallup die Bevölkerung nicht gefragt, ob sie einer Fortsetzung der Waffenstillstandsverhandlungen in Pan Mun-jon — so gering die Aussichten für einen Erfolg auch wieder einmal zu sein scheinen — ein „Showdown“'in Korea vorziehen würde. Wenn es allein nach den Aeußerungen verschiedener Politiker oder den Leitartikeln vieler amerikanischer Zeitungen ginge, könnte man glauben, daß ein Großteil, vielleicht sogar der überwiegende Teil der Bevölkerung eine Waffenentscheidung in Korea fordert. In Wirklichkeit kann man auf Grund dieser Aeußerungen und Leitartikel nicht sagen, daß die amerikanische Bevölkerung der Verhandlungen so müde ist, daß sie, wie man sich hier ausdrückt, ein „Showdown“ tatsächlich wünscht. Denn es darf nicht vergessen werden, daß der Krieg in Korea gerade im Wahljahr politisch ausgeschlachtet und der Regierung von republikanischer Seite vorgeworfen wird, auf dem fernöstlichen Kriegsschauplatz unnötig amerikanische Soldaten zu opfern, ohne ein festes Ziel zu haben. Einen Krieg führe man, um ihn zu gewinnen, und nicht zur Herstellung eines Status quo. . . ' Wäre man vor einem; Jahr den Vorschlägen General MacArthurs gefolgt, so erklärte der republikanische Senator Taft kürzlich, dann wäre der koreanische Krieg heute schon vergessen. MacArthur hatte die Bombardierung mandschurischer Luftstützpunkte und die Blockade chinesischer Häfen gefordert. Es steht aber fest, daß viele Amerikaner die Folgen scheuen, die eine Seeblockade und eine Bombardierung chinesischer und mandschurischer militärischer Stützpunkte mit sich bringen könnte. Diese Kreise sagen, daß das Andauem des bereits bestehenden „Teilwaffenstillstandes“ einer Ausweitung des Krieges vorzuziehen wäre. Nur wenn die kommunistischen Streitkräfte zu einer Großoffensive übergehen sollten, dann allerdings müßten die Gegenschläge der UNO-Trupnen hart sein und sollten, wenn notwendig, auch über das Gebiet Koreas hinausgetragen werden. Aber ehe es dazu kommt, müßten alle hoch bestehenden Möglichkeiten zum Abschluß eines Waffenstillstandes — auch wenn sich die Verhandlungen noch monatelang hinziehen sollten — ausgeschöpft werden. Selbst nach einem endgültigen Zusammenbruch der Verhandlungen sollte abgewartet werden, was die kommunistischen Streitkräfte tun. Himmelswillen in die Mannsleut gefahren? Gab es denn keinen mehr wie der Vater gewesen? Wie geschah ihr denn, ihr, der Weidacher Walp, der die* Botmäßigkeit ihrer Bauemmütter im Blut saß, die alle gern und fügsam unter dem Willen des Mannes gedient hatten? Warum mußte sie, die gleiche Walp, die immer getreulich dem Vater gehorcht hatte, jetzt plötzlich aufstehen mit Zorn und Widerstand gegen die Männer, die um sie waren? Stephan und Lorenz, alle zwei verachteten sie den uralten Hof, Ihren Hof . . . Gut! So sollte einzig und allein der Hof der Walp Weidacherin bleiben. Der Lorenz stand noch immer hinter ihr an der Wand und starrte verbissen auf ihren schlichten Scheitel herab. Seine Gedanken wanderten wirr. Höhnisch verzog sich sein Mund. „Ohne Geld nimmt dich keiner, Zaunstechen,, dürrer!“ sagte er roh. „Gibst den Hof nicht her. dann hast auch kein Geld. Dann ist bei dir da im Moor nix zu finden als die liebe Not . . .“ „Und Arbeit! Viel Arbeit . . sagte die Walp mit seltsamem Tonfall. „Ja, Arbeit! Schinderei bis aufs Blut! Schön dumm müßt“ das Mannsbild sein, das dir einen billigen Knecht abgibt ..." Sie züchte nun doch. „Lorenz!“ sagte sie leise. Er ging zur Tür, kochend vor Zorn. Der Boden schüttelte unter seinen Tritten. Ihre Lippen fingen an zu beben, schweigend wand sie sich unter dem Unbegreiflichen, das ihr Herz zusammenpreßte. Ungläubig und wie von einem bösen Traum befangen, blickte sie dem Lorenz noch einmal ins Gesicht, als er sich unter der Tür nach ihr unwandte. Stumm, lautlos, flehend, hob sie die Arme. Da war er schon wieder bei ihr. Sie war aufgeschnellt und an seine Brust getaumelt, sie preßte den hartgeschlossenen Mund an seine Schulter, um das Stöhnen zu unterdrücken, das ihr die Qual erpreßte. „Ich kann nicht, Lorenz! Ich kann ja nicht, Lieber!“ Aber er verschwendete bewußt und sieghaft seine erfahrene Zärtlichkeit an sie. Seine dunkle, werbende Stimme machte sie wehrlos. „Willst, Walp? Willst jetzt, Mädel dummes?“ Ihre Knie wurden schwach. Ihr Kopf sank vornüber. Es war wie ein Nicken. Hatte sie wirklich Ja und Amen gesagt? einmal in Urlaub gehen werde, den er seit sieben Jahren nicht mehr gehabt habe. Als Beamter sei er an übrigen im Range eines Staatssekretärs in den Ruhestand versetzt Er wolle die künftige Entwicklung zuerst einmal abwarten. Starker Bückgang der Arbeitslosigkeit BONN. Die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik ist in der ersten Maihälfte um 76 598 auf 1 365 340 zurückgegangen. Wie die Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung am Montag in Bonn mitteilte, war die Abnahme in der ersten Monatshälfte damit größer als im ganzen Monat Mai des Vorjahres und auch des Jahres 1950. Der Rückgang betrug in Württemberg- Baden 2874, in Württemberg-Hohenzollern 846 und in Baden 478. Lastenaasgleich am 6. Juni im Bundsrat BONN. Der Bundesrat will das Lastenausgleichsgesetz auf seiner übernächsten Sitzung am 6. Juni behandeln. Die Ausschüsse des Bundesrates haben den Gesetzentwurf bereits ausführlich beraten, jedoch noch keine endgültigen Empfehlungen an das Plenum formuliert. Osthandelskontor in Bonn errichtet BONN. Ein „Kontor für den West-Ost-Handel“ ist in Bonn gegründet worden. Nach einer Mitteilung seines Geschäftsführers Rehm, der an der Moskauer Wirtschaftskonferenz teilgenommen hat, will das Kontor vor allem den Handelsverkehr mit den Ostblockstaaten vorbereiten und ausführen, mit denen keine Handelsverträge bestehen. Das Kontor kündigt eine enge Zusammenarbeit mit dem Bundeswirtschaftsministerium an. Das Bundeswirtschaftsministerium stellte dazu fest, daß ihm weder von der Gründung des Kontors noch von einer vorgesehenen engen Zusammenarbeit etwas bekannt sei. So fragt die amerikanische Oeffentlichkeit nach Ablehnung der letzten UNO-Vorschlage durch die Kommunisten wieder einmal: Was nun? Das UNO- „Package“-Angebot sa)i einen Kompromiß in der Frage der Errichtung von Flugplätzen in Nordkorea und der neutralen Beobachtungskommission vor, blieb aber in der Frage des Austausches der Kriegsgefangenen hart. Es lautete: Wir erlauben euch, Flugplätze in Nordkorea auszubauen und Werden sie nicht bombardieren. Wir sind damit einverstanden, wenn ihr Polen und Tscheche!} in die neutrale' Kommission entsendet; aber wir sind nicht mit einer Teilnahme der Russen an dieser Kommission • ein-| verstanden. Wir lehnen eine zwangsweise Rückfüh-I rung von Kriegsgefangenen, die nicht zurückkehren wollen, ab. Die Kommunisten hatten sich mit den ersten beiden Punkten einverstanden und den dritten für unannehmbar erklärt. Die Bedingung der UNO-Unterhändler lautete jedoch von vornherein: Entweder alles oder nichts. So bleibt der Seitenblick auf die" militärische Stärke. Die UNO-Streitkräfte können heute , nach hiesiger Ansicht eine Großoffensive aufhalten. Nach Beginn einer solchen Offensive könnte immer noch erwogen werden, ob es zweckmäßig wäre, ein „kalkuliertes Risiko“, wie es die Bombardierung militärischer Stützpunkte außerhalb Koreas bedeuten würde, einzugehen. Nach vorliegenden Informationen stehen zur Zeit auf der UNO-Seite insgesamt 900000 Soldaten: '350 ODQ.. Amerikaner, 400 000 Südkoreaner und 150 000 Soldaten anderer Nationen. Weiterhin stehen den UNO-Streitkräften ungefähr tausend Flugzeuge, 275 Schiffe und riesige Mengen von Waffen und Ausrüstung zur Verfügung. Es wird geschätzt, daß die Kommunisten ungefähr die gleiche Zahl von gut ausgerüsteten Soldaten in Korea haben, daß ihre Luftflotte ungefähr ebenso stark wie die der UNO-Streitkräfte ist und daß sie während der Zeit der Waffenstillstandsverhandlungen ungefähr tausend Panzer nach Korea geschafft haben. Unzweifelhaft haben Chinesen und Nordkoreaner ihre Streitkräfte, besonders die Luftwaffe, seit Beginn der Waffenstillstandsverhandlungen wesentlich verstärkt. Doch wird im Pentagon erklärt, daß auch die UNO-Truppen jetzt bedeutend stärker sind als vor einem Jahr. Nachteilig würde sich, wie allgemein zugegeben wird, bei einem Wiederaufflammen des Kampfes besonders die Tatsache bemerkbar machen, daß die UNO-Streitkräfte nicht mehr die absolute Luftherrschaft besitzen. Die UNO-Bomber fliegen jetzt nur noch nachts und erleiden auch dabei durch die kommunistische Luftabwehr ständig zunehmende Verluste. Als General Ridgway im Januar 1951, zu einer • Da ging es wie ein Hallen durchs Haus: Walp! Walp! Und die Walp schrie auf. Sie riß sich los von dem Mann, dem sie Leib und Leben verschrieben hatte. Sie strich eine Haarsträhne aus der Stirn. Sie strich damit alles Unordentlich aus ihrem Gesicht. „Nein!“ sagte die Walp. In alle Ewigkeit nein! Sie fügte den Schwur nimmer hinzu. Aber es klang so. Da fluchte der Mund, »den sie eben noch warm und wild auf dran ihren gefühlt hatte, fluchte so schrecklich, daß die Walp sich bekreuzigte. Sie riß jetzt selber die Tür auf. Geh! deutete sie, Reden konnte sie nimmer. Erst nach einer Weile, als draußen die schwere Haustüre schon lange ins Schloß gefallen war, kam wieder ein wenig tappendes und abseitiges Leben in die Walp. Sie schraubte den Docht der Lampe, der rußig hinaufgebrannt war, etwas tiefer, wischte 1 mit der Hand ein Häuflein Zigarettenasche vom Tisch und starrte nachdenklich der alten Stockuhr in das Messinggesicht, ohne bewußt die Zeit abzulesen. Dann brach plötzlich ein Fieber bei ihr aus. Sie rannte in den Hausflur und stieß sich zum ersten Mal in ihrem Leben an einem Quader, der kantig aus der alten Mauer sprang. Sie stolperte weiter, riß die Haustüre auf, flatterte hinaus ins Dunkel und stürmte die Birkenstraße entlang. „Lorenz!“ Langgezogen heulte der Ruf durch die Nacht. „Lorenz!“ Das war nicht mehr die grundgescheite, besonnene und oft 60 überschlaue Walp, die hier rannte. Das war ein wirres, wehendes Weibwesen voll verzweifelter Sehnsucht und Leidenschaft. Die Walp wollte in dieser Nacht nichts anderes mehr, als ihr kleines Weiberschicksal haben, mochte draus werden, was wolle. Aber die Straße, auf der die Walp dahintorkelte, schluchzend und schreiend, war so rauh und rissig und voller Wasserlachen, daß kein schnelles Laufen möglich war. „Lorenz ich will ja — ich will ja . . weinte die Walp. Aber im unendlichen Moor war ein eisiger Wind aufgestanden, der-den Ruf vertrug, daß er das Ohr des Mannes nicht mehr erreichte. Und die Straße war klüger, viel klüger als die Walp. Sie und alle guten Moorgeister ließen die Walp nicht ins Unglück rennen. Sie schoben einen Riegel vor. Nur bis zur siebenten Birke kam die Walp. Dort unter dem verwaschenen Totenbrett verlor sie den Strafantrag gegen Noack: 1 200 DM WÜRZBURG. Im Noack-Prozeß beantragte am Montag der Staatsanwalt gegen Professor Noack wegen Beleidigung in Tateinheit mit übler Nachrede eine. Geldstrafe von 1200 Mark oder ersatzweise 30 Tagen Haft. Noack soll außerdem die Kosten des Verfahrens und die Kosten des Nebenklägers Dr. Pechei tragen. Der Anwalt Dr. Pecheis, Rechtsanwalt Dr. Vocke, beantragte, sträfverschärfend zu berücksichtigen, daß der Beleidigte eine bedeutende, im öffentlichen Leben stehende, Persönlichkeit sei und berief sich dabei auf eine Notverordnung vom Jahre 1931, die eine solche Strafverschärfung vor sieht. Hitzewelle in London - Schnee in Stockholm HAMBURG. Wer am Montag mit dem Flugzeug von einem Teil Europas in den anderen flog, mußte sich auf erhebliche Wetterüberraschungen gefaßt machen. Während die Millionensadt London ani Montag unter einer Hitzewelle stöhnte, die schon den dritten Tag auf dem größten Teil Großbritanniens lastet, wurde Stockholm mitten im Mai mit einem Schneefall beschert, und man sah die Bevölkerung fröstelnd in Wintermänteln bei einer Temperatur von etwa null Grad über die Straße gehen. Weiter im Norden Skandinaviens — in Lappland — wurden sogar Temperaturen bis zu zwölf Grad unter dem Nullpunkt gemessen. In Kopenhagen wehte ein scharfer Nordwind, aber der warme Frühlingssonnenschein milderte die Kälte etwas. In der Nacht lagen die Temperaturen jedoch bei null Grad. In Westeuropa — Holland, Belgien und Frankreich — herrscht warmes SommerWetter und die Badeorte an der Kanalküste waren am Wochenende überfüllt wie in der Hochsaison. Als Folge der Hitzewelle brachen am Montagnachmittag über viele Teile Großbritanniens schwere Gewitter herein, die teilweise von Wolkenbrüchen begleitet waren. In den tieferliegenden Teilen einiger Städte kam es zu meterhohen Ueberflutungen. Teilweise waren die Gewitter von schwerem Hagelschlag begleitet. London ist bisher gewitter- und regenfrei geblieben. In den oberbayrischen Alpen gab es am Montag noch einmal einen kräftigen Wintereinbruch. Auf der Zugspitze fielen 30 Zentimeter Neuschnee, so daß die Schneehöhe jetzt 3,20 Meter beträgt. Der Neuschnee reicht bis zu Höhen von 1850 Meter herab. Die Zugspitzen-Meteorologen teilten mit, daß dieser Kälteeinbruch auffallehd einer Vorjahres- Parällele entspricht, die Mitte Mai noch einmal eineinhalb Meter Neuschnee auf die 2,50 Meter hohe Schneedecke des Zugspitzblattes aufschüttete. Mit Nachtfrösten und kühlem Maiwetter müsse noch ge-, rechnet werden. 45 Tote bei Zugunglück in Indien NEU DELHI. Bei einem schweren Zusammenstoß in Zentralindien in der Nacht zum Montag sind 45 Personen ums Leben gekommen. Bei dem Unglück war ein Personenzug auf einen Güterzug aufgefahren. Flugzeugtote im Urwald beigesetzt BUENOS AIRES. Die fünfzig Personen die beim Absturz des Stratosphärenkreuzers „Good Hope“ der Pan-American Airways vor drei Wochen im braliani- schen Urwald den Tod fanden, wurden am Sonntag neben dem Wrack der Maschine beigesetzt. Die Luftverkehrsgesellschaft teilte mit, daß die Geländebeschaffenheit einen Abtransport der Toten unmöglich gemacht habe. Brasilanische Berichte, daß einige der Flugzeuginsassen unmittelbar nach der Katastrophe hoch am Leben gewesen seien und erst spater gestorben wären, wurden von der PAA als unzutreffend bezeichnet. Die fünfzig Insassen des Flugzeuges seien bei der Katastrophe auf der Stelle-getötet worden. Eine Mitteilung über die Ursache des Absturzes soll später veröffentlicht werden. In Rio de Janeiro wurde am Montag mitgeteilt, daß drei Flugzeuge mit Fallschirmspringern an die Unglücksstelle entsandt werden, damit der brasilianische Major und der amerikanische Beamte, die von Abenteurern als Geiseln festgehalten werden, befreit werden können. Zeit, als sich die UNO-Truppen auf der ganzen Linie im Rückzug befanden, nach Korea kam, nahm der Krieg eine Wende, und die chinesischen und nordkoreanischen Streitkräfte wurden bald wieder, über den 38. Breitengrad zurückgeschlagen. Die nächsten Wochen müssen zeigen, ob der Krieg in Korea jetzt, wo Ridgway seinen Posten verließ, um General Eisenhower abzulösen, wiederum eine Wende — zum Besseren oder Schlechteren — nehmen wird. Ridg- ways Nachfolger, General Clark, ist sowohl ein erfahrener Feldgeneral als auch ein Diplomat. Er könnte mithin weiter verhandeln oder auch kämpfen. R. schlappenden Hausschuh und knickte im linken Knöchel ein. Der Schmerz war so arg, daß die Walp stöhnend vornüber sank, hin an den Wegrand, mitten ins nasse Gras. „Was hast denn? Was machst denn?“ forschte auf einmal eine fremde Stimme neben ihr. Die Walp konnte noch gar nicht recht sehen vor lauter Schmerz, obwohl die Dunkelheit sich für ihre guten Augen längst zu einem fahlen Zwielicht aufgehellt hatte. Wie ein geprügelter Hund kauerte die Walp am Boden und antwortete nicht „Laß nachschauen, ob der Fuß gebrochen ist!“ sagte die Stimme wieder. Die Walp spürte, wie sich eine kalte nasse Hand an ihrem Knöchel zu schaffen machte. Das tastete und fingerte und griff plötzlich wie eine Zange zu. Ein Ruck — die Walp jammerte auf... „Schon vorbei!“ tröstete die Stimme „Mußt nicht so wehleidig sein . . Und dann kicherte etwas seltsam, fast unheimlich. „Was rennst auch herum bei nachtschlafender Zeit? Voller Fußangeln ist die Welt Mitten in ihrem noch immer rotglühenden Schmerz sah die Walp jetzt schattenhaft ein Gesicht über ihren Fuß geneigt, ein Profil, merkwürdig verborgen, verschrumpfelt, verholzt, aus dem eine spitze Nase stach. Ein verwachsenes Gesicht, meinte die Walp still und verwundert bei sich. Solche von Alter und Wetter krummgezogenen Gesichter hatten sonst nur die brüchigen Weiden am Krottenweiher, Gesichter aus Flechte. Rinde, Moos und mancherlei Wucherung. Aber die Walp flog jetzt ein aufatmendes Eikennen an. „Rake, du?“ fragte sie scheu. Die Alte nickte und sah nicht auf. Sie knetete jetzt bedachtsam an Walps Fuß herum, ihre Finger waren wie geschmeidiges Leder, sie suchten den versteckten Bluterguß lockten ihn hervor und ordneten ihn wieder den alten Gesetzen unter. Dazu murmelte die Alte irgend einen dunklen Bespruch in sich hinein. Die Walp schloß zufrieden die Augen. Ein Wohlbehagen war plötzlich in ihr, als wäre sie einer großen Gefahr entronnen. Als sie den Kopf zurückbog, fühlte sie Widerstand: den Stamm der siebenten Birke, die das Totenbrett trug. Ein Schauer von niederfallenden Tropfen aus dem Laubwerk übersprühte Walps Gesicht Sie fröstelte leicht. (Fortsetzimo fr>M) Korea-Unterhändler treten auf der Stelle % •• Beik sucht ein Abenteuer Eine heitere Eskimo-Geschichte / Von Per Alf Jenson Beik stand am Gestade seiner Heimat und schaute interessiert dem Landungsmanöver des großen Schiffes zu. Er wußte, was das für ihn und seinen Stamme bedeutete, wenn die Weißen hier landeten. Sie brachten so wunderbare, nützliche Sachen mit, und Tauschen war eine Leidenschaft der Eskimos. Doch wie erstaunt war er, als die Fremden das Land betraten. Schwarze Kästen mit langen Beinen stellten sie auf. Das hatte Beik noch nicht gesehen. War das Zauber? Wie angewurzelt blieb er stehen. Die schwarzen Kästen surrten. Einer der Männer winkte Beik, näherzukommen und nickte ihm aufmunternd zu. Wieder traten die Kästen in Tätigkeit. Zögernd gehorchte er. Als die' Ankömmlinge Petroleumlampen, Kämme, Messer und Aexte auspackten, strahlte Beik und führte die Gäste zu den bunten Zelten. Ein langer, hagerer Mann — wohl der Anführer — bedeutete Beik, ihm zum Schiff zu folgen. Dieses Angebot war verführerisch genug, als daß er widerstehen konnte. Die Weite des Meeres, dahinter das rätselvolle Land der Weißen. Diese Dinge erweckten in ihm die Sehnsucht nach Abenteuern, von denen er nur träumen konnte. Er konnte es kaum fassen, er sollte reisen. Ein Traum sollte Wirklichkeit werden. Trunken vor Glück sagte er zu und nahm Abschied von den zurückbleibenden Stammesgenossen. Stolz erfüllte ihn — er, der Eskimo Beik, durfte reisen. Nach langer Fahrt legte das Schiff an. Eine große Stadt mit riesigen Steinbauten. Das hatte Beik noch nicht gesehen, und er konnte nicht glauben, daß in diesen Steinkästen Menschen wohnen sollten. Wie staunte er, als er mit seinen Freunden in einem riesigen, taghell erleuchteten Atelier stand. Wieder surrten die schwarzen Kästen. Müde schlief Beik und erwachte am anderen Tag, als die Freunde ihn wieder ins Atelier brachten. Ein richtiges Eskimozelt stand in einer Ecke, mit Rentierfellen und einer Tranlampe. Beik mußte sich setzen, Heimatlieder singen und so tun, als ob er zu Hause wäre. Aber er gewöhnte sich an die merkwürdigen Wünsche seiner Freunde, und er war ja so dankbar, obwohl er nicht begriff, warum das alles gemacht wurde. Am Abend fuhren sie mit dem Auto zu einem großen Haus. Sein Begleiter führte ihn in einen schwacherleuchteten Raum und deutete ihm, Platz zu nehmen. Das Licht ging vollends aus und an einer weißen Wand ersdiienen Menschen und Landschaften — seine Heimat. Erschrocken staunte Beik auf die Geisterwand. Das — natürlich, er sah sich selbst und hörte sich sprechen. Ein Grauen packte ihn und eine namenlose Angst überfiel ihn. Eist als sein Begleiter ihn am Aermel zupfte und ihm erklärte: „Beik — Film. Du auch Film machen“, war er beruhigt. Aber das Heimweh ließ ihn nicht mehr los. Der Regisseur händigte Beik am nächsten Tage eine Menge Geldscheine aus und klopfte ihm anerkennend auf die Schulter. Noch wußte Beik nicht, was er mit dem Geld anfangen sollte, er kannte nur den Tausch — Ware gegen Ware. Trotzdem beschloß er, einen Bummel in die Stadt zu machen — heimlich und allein, ohne Begleiter. Als er in der Stadt war, wurde er von allen Seiten neugierig angestaünt, hinter ihm zog eine Schar der ansässigen Jugend, die nodi niemals einen Eskimo gesehen hatten. Ein Friseurladen wurde zum Anziehungspunkt und Beik betrat neugierig das Geschäft. Erstaunt schaute ihn der Inhaber an, aber er begriff sofort, als er die verfilzten, störrischen Haare des seltsamen Kunden bemerkte. Bald saß Beik auf dem Stuhl und die Haarschneidemaschine fraß sich surrend durch den Haarwust. Als Beik in den Spiegel schaute, prallte er entsetzt zurück und stellte fest, daß er seines Haarschmucks beraubt worden war. Er sprach nichts, hielt dem Friseur mechanisch einen Geldschein hin und konnte nicht begreifen, daß er eine Menge kleinerer Münzen zurück erhielt Ein Kunde, der die Szene verfolgt hatte, nahm Beik am Arm und zog ihn mit sich fort. Vor einem Textilgeschäft blieben sie stehen und der Fremde versuchte ihm zu erklären, daß er in der Stadt einen Anzug tragen müsse, er würde sonst überall auffaßen. Beik nickte willenlos und so betraten sie das Geschäft. Der Anzug stand ihm gut, aber er fühlte sich beengt in diesem lüei- dungssriick. Was sollte er mit seiner bunten Heimattracht nun anfangen. Doch der Fremde wußte Rat. In einem Antiquitätenladen wurde Beik die bunten Kleider los und erhielt dafür Geldscheine. Nach langem Umherirren erreichte er das große Haus, das ihm eine neue Heimat geworden war. Doch warum machten seine Freunde solch entsetzte Gesichter? Warum begrüßten sie ihn nicht freundlich wie immer? Der Regisseur rang die Hände, als er Beik erblickte, der auf alle Fragen nur den Kopf schüttelte. Da durchzuckte den Regisseur ein rettender Gedanke, er zog Beik die Jacke aus und entdeckte darin das Firmenschild. Bald sauste ein Auto in schneller Fahrt der Stadt entgegen. In dem Textilgeschäft erfuhr man alle Einzelheiten. Der Antiquitätenhändler händigte dem Regisseur die Bekleidungsstücke Beiks aus. Jubelnd preßte dieser seine heimatliche Tracht, eine letzte Erinnerung, an sich. Eine Perücke ersetzte den fehlende» Kopfschmuck. Die Mienen seiner Freunde waren wieder freundlich, und die langen schwarzen Kästen surrten. Biologisches Rätsel am Kongo Ein Tier treibt Blüten, eine Pflanze geht spazieren Der am Ufer des nördlichen Kongobogens anzutreffende sogenannte „Kombus“-Igel zeigt ein merkwürdiges Zwitterleben. Wie namhafte Tropenbiologen festgestellt hatten, ist der Kombus-Igel, der sich im Laufe seines Wachstums von der Größe einer Walnuß bis zur Kokosnuß entwickelt, nicht ohne weiteres in die Gruppe der Pflanzen oder Tiere einzuordnen. Als Tier könnte er nicht zu bestimmten Jahreszeiten Knospen tragen und rot, gelb oder violett blühen. Andererseits ist es unmöglich, daß eine Pflanze plötzlich ihre Wurzeln aus der Erde zieht, sie zum Teil verdorren läßt, um sich mit dem verbleibenden Rest, der sich gewissermaßen in Füße verwandelt, in Bewegung zu setzen, bis eine Stelle erreicht ist, deren mineralische Zusammensetzung genügend Nahrung für drei Monate zu bieten verspricht Von der gläsernen Kugel zur Brille Einen Gegenstand vergrößert zu sehen • •. Von Kaiser Nero wird überliefert, daß er kurzsichtig gewesen sei und deshalb die Zirkusspiele durch einen geschliffenen Smaragd betrachtet habe. Es ist durchaus unwahrscheinlich, daß man es hier mit einem wirklichen Augenglas zu tun hatte. Vermutlich diente der grüne Smaragd dem Kaiser nur als Schutz für seine schwachen, kranken Augen gegen das grelle Sonnenlicht Das Gesetz der Lichtbrechung dagegen kann damals noch nicht bekannt gewesen sein. Zum ersten Mal finden wir dieses optische Gesetz erwähnt bei dem 996 zu Basra geborenen Araber Eben el Heitham. Er sprach den Gedanken aus, daß man durch ein gläsernes Kugelsegment einen Gegenstand vergrößert sehen könnte. Zu einem praktischen Versuch kam es noch nicht Dann griff Roger Bacon, der berühmte, 1214 geborene Franziskanermönch, diesen Gedanken wieder auf. .Er meinte, daß ein solches Kugelsegment für alte Leute mit schwachen Augen sehr vorteilhaft wäre. Sie würden damit kleine Buchstaben in genügender Größe sehen. Die betreffende Schrift Bacons wurde im Jahr 1267 nach Italien geschickt und hier ging man endlich daran, die Idee praktisch zu verwerten. Alles weist darauf hin, daß diese Umsetzung in die Praxis zwischen 1270 und 1280 in Venedig oder Murano bei Venedig erfolgte. Der Name des Mannes, der das erste Augenglas fertigte, ist vergessen. Um 1300 waren Augengläser in Oberitalien schon ziemlich bekannt und verbreiteten sich von da aus nach dem übrigen Europa. Zunächst benutzte man das Leseglas, das über die Schrift gehalten wurde und diese vergrößerte. Daraus entwickelte sich das eingefaßte und mit einem Stiel versehene Einglas. Dann hielt man vor jedes Auge ein solches Einglas und verband endlich der leichteren Handhabung wegen die beiden Gläser. Nun erst war die eigentliche Brille fertig. Wie viele andere Erfindungen sollen die Chinesen auch das Augenglas schon vor den Europäern besessen haben. In diesem Falle aber ist die Ueberlieferung bestimmt falsch. Frühestens im 14. Jahrhundert, wahrscheinlich sogar erst später, wurden Brillen von Jesuiten nach China gebracht. Die eingeborenen Dschungelbewohner am Kongo prägten den Namen Kombus-Igel, was soviel wie „Weicfanuß“-Igel bedeutet. Sie wissen nicht recht, was sie mit dieser sonderbaren Erscheinung anfangen sollen. Wie der südafrikanische Professor Dullner berichtet, ist das Vorkommen dieses seltsamen Wesens nicht groß. Man trifft vielleicht alle paar hundert Meter auf eine Kolonie von fünf bis zwanzig dieser Gewächse oder Halbtiere. So wie sie nach dem letzten Wechsel ihres Standortes hegen blieben, bohren sich die zu unterst befindlichen Fußwurzeln bis zu 50 Zentimeter tief in die Erde. Das während der Fortbewegung angenommene gelbliche Grün wechselt mit einem Saftgrün, und schon nach wenigen Tagen brechen aus dem kakteenartig aussehenden Gebilde fingerlange Stiele hervor, von denen bald jeder eine anders gefärbte Blüte trägt Sobald der „Kombus-Igel“ seine Blüten abgeworfen hat, schießen an seiner Oberfläche kleine weißliche Gewächse wie Fadenwurzeln hervor, die sich wie die Stiele fleischfressender Pflanzen langsam suchend hin- und herbewegen. Zu gleicher Zeit verkümmern die sogenannten Wurzeln, sterben ab und machen ebenfalls den oben beschriebenen Fadenwurzeln Platz. Sodann beginnt die grüne Kugel langsam zu rollen, wobei sie 70—80 Meter pro Tag zurücklegt. Ein ausgeprägter Instinkt führt sie stest zu guten „Futterplätzen“, denn 6—lOmal im Jahre schlägt sie immer dort ihren Lagerplatz auf, wo der Boden bestimmte Salze, Phosphate und ziemlich hohen Eisengehalt hat. Etwas geschützt vor Niederschlägen muß die betreffende Stelle auch sein. Es gelang bisher nicht, wie sonst selbst bei den niedrigsten Tieren, das sog. Lebenszentrum dieses Organismus festzustellen. Dennoch pulsiert der rötlich-milchige Fruchtsaft durch die grüne Kugel, allerdings sehr langsam, und zwar durch rein Röhrensystem in der Form hohler Butterblumenstengel, die miteinander verbunden sind. Der Fruchtsaft scheint einem gewissen Stoffwechsel zu dienen, wenn auch das Prptoplasma nicht die Zusammensetzung hat, wie sie sonst bei allen niedrigen Tierarten zu finden ist. Zwölf Wörter — eine Weisheit! Silbenrätsel Aus den Silben: a — a — a — a — an— ard — bend — bi — ca — dba — eben — dam — de — dem — di — don — dorff — due — e — e — e — e — ei — ex — flo — ga — gall — gra — haut — hum — ib — in — ir — jo — ka — ka — ka — ki — ko — la — land — land — li — lo — Ion — ma — me — men — mi —na — na — nah — netz — ni — ni — no — o — phie — — pi — pi — pik — plan — re — ri — — rung — sa — sa — sa — se — sen — so — ta — tos — up, sollen 26 Wörter gebildet werden, deren erste und letzte Buchstaben, von oben nach unten gelesen, einen Kalenderspruch ergeben — (ch = ein Buchstabe). Bedeutung der Wörter: L Okzident, 2. Stadt in Schweden, 3. Schutzheiliger gegen Feuersnot, 4. Männemame, 5. Wagenschuppen, 6. Stimschmuck, 7. holländische Käsestadt, 8. Rechnung, 9. europäische Hauptstadt, 10. erzählende Dichtung, 11. Lebensbeschreibung, 12. italienischer Dirigent, 13. Rauschgift, 14. vorübergehendes Ereignis, 15. norwegischer Dichter, 16. biblischer Prophet, 17. Töpferkunst, 18. Prüfung, 19. Lebensgrundlage, 20. Oper von Richard Strauß, 21. moderner Maler, 22. romantischer Dichter, 23. Stadt in Japan, 24. Geistlicher, 25. europäischer Staat, 26. Teil des Auges. 1) Un .. n . 2) Be .. nd.. ung 3)... lache 4) . es . ... ne 5) Un . . . . 6) G . . . e 7) Kü . . . . nis 8) . . . stand 9) Melo ... 10) .Stellung 11) G... Ile 12) Term... An Stelle der Punkte sollen Buchstaben gesetzt werden, so daß zwölf Wörter entstehen. Im Zusammenhang gelesen, ergeben die eingesetzten Buchstaben eine Lebensweisheit Kreuzworträtsel Waagerecht: 1. Europäische Hauptstadt 3. Kopfbedeckung, 5. indischer Strom, 8. Industrienorm, 9. geistige Hilfe,' 10. verirrter Vogel, 12. Schlangenfisch, 13. Teil der Kleidung, 14 Gewürz, 15. Tanzschritt 17. deutscher Komponist („Hymne an Deutschland“), 18. Eingang, 19. Donauzufluß, 21. vorderasiatische Göttin, 22. Landbesitz, 23. Märchengestalt. — Senkrecht: 1. Wagenteil, 2. Kabinettssitzung, 3. kath. Sendschreiben, 4. Handlung, 6. Dunstkreis, 7. Treibstoff, 11. Mineral, 15. Teil des Schulzimmers, 16. Singvogel, 18. Zeitabschnitt 20. heftige Verneinung Auflösungen ans der vorigen Nummer Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Kork, 4 Soda, 61 Elster, 8. Ei, 9. Schokolade, 14. He., 15. a. D., 16. Sm., 17. Serpentine, 21. Ostern, 22. Robe, 23 Aida. — Senkrecht: 1. Kurs, 2. Re, 3. Klio, 4. Seil, 5. Arie, 7. Schnee, 8. Edmund, 10. Heer, 11. Kate, 12. Odin, 13. Asti, 17. Saar, 18. Pose, 19. Tara, 20. Elba, 21. Ob. Seltsamer Selbstmord: a) ist richtig. Ein Mensch kann sich nicht selbst erwürgen. Sobald er nämlich bewußtlos ist läßt er die Hände wieder los und bekommt also wieder Luft Da außer Frau Meyer niemand die Wohnung betrat mußte sie ihn erwürgt haben. Von Kopf bis Faß: Elle — Kelle — Ellen. Hütet euch vor den Sprichwörtern! Sie sagen nicht immer die Wahrheit Sprichwörter gleichen den Aphorismen kluger Denker, aber Aphorismen sind nicht wie man sagt, „Gedankensplitter“, sondern sie umfassen eine ganze Welt von Gedanken, zumindest aber haben sie' einen Gedanken, der durch seine Tiefe oder durch seinen Weitblick mehr als ein üblicher Gedanke verrät. „Ein Aphorismus ist ein Kapitel in einem Titel“, hat einmal ein Schriftsteller gesagt. Man kann eigentlich nicht viele Aphorismen hintereinander lesen, es sei denn, man läse sie nur mit den Augen. Aehnlich verhält es sich mit jener tiefgründige Aufmerksamkeit fordernden Sprucfaweisheit, die für unsere überlieferte Lebensauffassung bezeichnend ist. Doch man spricht die Wörter so hin. Man achtet nicht auf ihre wahre Bedeutung und bedenkt nicht den Sinn, der eine gewisse Unsterblichkeit verlieh. So wurden aus vielen Sprichwörtern „unverbindliche“ Redensarten, abgegriffene Münzen, die man in Zahlung gibt, ohne sich ihres besonderen Wertes bewußt zu sein. Im Volk besteht ein großes Bedürfnis, auch gedanklich dem großen Rätsel „Leben“ auf die Spur zu kommen; man sucht nach den besten Lösungen, und man sucht nach Waffen, mit denen man den Widersprüchen dieses Daseins gewachsen ist. Die Sprichwörter waren einmal solche Waffen. Sie waren aus tiefer Erkenntnis entstanden. Inzwischen haben sie schon viel von ihrer ursprünglichen Bedeutung verloren. Reichtum und Vielfältigkeit des Lebens brachten es mit sich, daß die Fülle der Sprichwörter unzählbar ist, daß anscheinend für jede nur erdenkliche Lage ein passendes Sprichwort zur Hand ist. Wie es aber eine besondere Kunst erfordert, philosophische Bücher richtig zu lesen, so setzt es auch ein besonderes Verständnis voraus, jeweils die richtigen Sprichwörter anzuwenden. Es ist so weit gekommen, daß der Faule sich mit einem Sprichwort entschuldigt, das für den Fleißigen bestimmt ist, daß der allzu Bedenkliche sich mit einem Ausspruch verteidigt, der gar nicht ihm, sondern dem Tollkühnen gilt. Durch Verallgemeinerungen wird der Sinn der Sprichwörter entstellt. Sprichwörter stehen sich mit gegensätzlichen Behauptungen gegenüber — ist die Wahrheit hier und dort. „Einmal ist keinmal“, das ist eine bedenkliche Beruhigung des Gewissens, geradezu eine Aufforderung zu Wiederholungen. 9» ist nicht wahr, daß der Klügere immer nachgibt — jedenfalls kann er dann leicht, wie der Volksmund sagt, der „Dumme“ werden. Wer um des „lieben Friedens“ willen nachgibt, ist oft nur zu bequem, seine Rechte oder seinen Vorteil zu wahren. Daß man mit den Wölfen heulen muß, mag eine berechtigte Feststellung sein, aber sie darf nicht zur Charakterlosigkeit verleiten. Gefährlich ist das auch häufig im Französischen gebrauchte Wort;: „Alles verstehen, heißt alles verzeihen!“ Nach dieser Sentenz könnte eigentlich kein guter Menschenkenner Richter sein. Unsere Seelenforschung drang in die Untiefen des menschlichen Gemüts; dort entdeckte sie die Antriebe zu allerlei Sonderheiten und Verbrechen. Psychologisch, wenn man immer genau der jeweiligen, seelischen Entwicklung folgt, erscheint heute fast jedes Verbrechen „irgendwie“ verständlich — entschuldbar ist es darum nicht. Wenn jemand das Unglück hatte, keine gute Kinderstube zu genießen, so hat er nicht das Recht, sich als Erwachsener schlecht zu benehmen, sondern er hat die Pflicht, als Erwachsener noch einmal in die Schule des guten Tons zu gehen. Daß ein gebranntes Kind das Feuer scheut, ist — wörtlich genommen — richtig, aber im übertragenen Sinne, wie das Sprichwort meist angewandt wird, trifft es weit seltener zu. Immer wieder erleben wir es, daß die meisten Menschen nur wenig aus ihren Erfahrungen lernen; nicht in einer einmal begangenen Torheit liegt ihre Lebenstragik, sondern gerade in der Wiederholung ihrer Torheiten. Wie Motten drängt es sie immer wieder zum Licht. Leute ohne höheren Antrieb, die sich mit einer bescheidenen Schicksalsrolle begnügen, die ewig um die Sicherheit ihres kleinen Glücks besorgt sind, erklären sich mit dem Sprichwort: Ein Spatz in der Hand ist besser als eine Taube auf dem Dach. Derartige Genügsamkeit kann kämpferischen und vor» wärtsstrebende» Naturen nicht entsprechen — wie kann man Tauben fangen, wenn man die Händer voller Spatzen hat? Die Wahrheit der Sprichwörter war ursprünglich so gewiß wie ihre Tiefe. Erst mit der Zeit wurden sie durch Willkür und Gedankenlosigkeit immer fragwürdiger und viele wurden schießlich bis zur Lüge entstellt Der Mond verspätet sich regelmäßig Die Verzögerungen sind Im Sommer jedoch geringer Trotz des annähernd gleichen Himmels- weges hält sich der Mond durchaus nicht an den geregelten Tageslauf der Sonne. Er kommt und geht — scheinbar — wie es ihm gerade paßt. Wir möchten aber gern wissen, wann wir ihn zu erwarten haben. Wie erkennt man nun, ob der Sichel- oder Halbmond kommt oder abnimmt? Wenn man die Sichel zu einem deutschen „Z“ ergänzen kann, nimmt er zu (Z = Zunahme), läßt sie sich zu einem „A“ ausmalen, nimmt er ab (A = Abnahme), Sichel am Abendhimmel nimmt zu, Sichel am Morgenhimmel nimmt ab. Der Vollmond geht immer zur selben Zeit am Osthimmel auf, Wenn die Sonne sich am Westhimmel verabschiedet. Am folgenden Tag erscheint der Mond, immer nodi ansehnlich „voll“, auf jeden Fall mit bemerkenswerter Verspätung, d. h. die Sonne ist schon längst verschwunden, ehe er sich über den Horizont bequemt. Am zweiten Tag nach dem Vollmond ist er gegenüber dem ersten erheblich im Rückstand, also doppelt verschuldet. Und Abend für Abend kommt er um eine gewisse Zeitspanne später als am Tage vorher. Diese Spanne schwankt je nach der Jahreszeit ungefähr zwischen 20 Minuten und Vit Stun- denl Wir veranschaulichen es an den Beispielen aus einem der letzten Jahre: Im Januar war am 16. Vollmond. Er ging um 17,31 auf. Am folgenden Tag erhob er sich erst um 18.54, am zweiten um 20.13, am dritten um 21.30, am vierten um 22.44 und am fünften Tag um 23.55. Er verspätete sich also jeweils gegenüber dem Vortag um 83, 79, 77, 74, 71 Minuten. Die Zeiten für den Juni: Vollmond 20.48, erster - Tag danach Aufgang 21.25, an den felgenden Tagen: 21.47, 22.24, 22.48, 23.10 Uhr. Verspätung von Tag zu Tag 37, 32, 27, 24, 22 Minuten. Die Verzögerungen sind also im Sommer geringer als im Winter. Entsprechend entwickelt sich der Neumond, den wir nicht sehen und der darum für uns gleichgültig ist. Der Mond wandert zusammen mit der Sonne über den Himmel. Tag für Tag nach Neumond bleibt er immer etwas hinter ihr zurück, bis er schließlich am Abendhimmel als schüchterne Sichel steht Doch schon drei Tage nach Vollmond hinkt er wieder merkbar der Sonne nach. Im Gegensatz zur Sonne steht er im Winter hoch am Himmel, während er im Sommer dicht am Horizont entlangschleicht Unsichere Verhältnisse Hühnerzucht Ein Tischler wurde wegen einiger kleiner Reparaturen geholt Sein Geselle begleitete ihn. Kaum waren sie gekommen, da rief die Dame des Hauses ihr Mädchen: Frau Schmitz: „Sagen Sie, Frau Müller, legen Ihre Hennen gut?“ Frau Müller: „Ich sage Ihnen, ganz vorzüglich. Bis jetzt haben sie noch kein faules Ei gelegt“ Bürogespräcb Lisa las im Büro einen Roman. Da trat der Abteilungsleiter herein. Schnell setzte sich Lisa auf das Buch. Ein Eckchen sah aber doch noch hervor. „Sagen Sie mal“, sagte der Gestrenge, „womit lesen Sie eigentlich?“ Der Pelz Emma kauft einen Pelz. Aus Privathand sozusagen. Der Verkäufer lobt seine Ware. „Ein neuer Pelz!“ Bemerkt Emma: „Er ist aber schon entsetzlich abgetragen.“ „Ausgeschlossen! Vielleicht stammt er aber von einem alten Tier, das ihn selber so lange getragen hat“ Der hohe Hat Erwin war im Kino. Vor ihm saß eine Dame mit einem turmartigen Hut Ein Leichenzug lief über die Leinwand. Da tippte Erwin der Dame auf die Schulter und flüsterte: „Entschuldigen Sie, gnädige Frau, würden sie wenigstens jetzt den Hut abnehmen?“ „Marie“, sagte sie, „sehen sie doch gleich mal nach, ob mein Schmuckkasten verschlossen ist.“ Der Tischler wandte sich an seinen Gesellen und rief: „Bring meine Uhr und Kette ins Geschäft, Georg, hier scheint es nicht sicher zu sein.“ Das Interview ..and wer war bisher Ihr hartnäckig- — I^ae Cinanvamll^ ^ Dienstag, 20. Mai 1952 Nummer 116 / Seite ^ SUDWESTDEUTSCHER SPIEGEL Jungfernfahrt der „Friedridishafen" Das neue Fahrgastschiff der deutschen Bodenseeflotte, die „Friedridishafen“, trat am Sonntag bei sonnigem Wetter mit Bundesverkehrsminister Dr. Seebohm an Bord die Jungfernfahrt an. Die Bezeichnung „Schwäbisches Meer“ für den Bodensee, sagte der Minister in einer Ansprache, sei nicht berechtigt, da an diesem größten europäischen Binnensee eine ganze Reihe europäischer Länder als Anlieger Anteil habe. Die ideellen Gesichtspunkte, die die Deutsche Bundesbahn beim Bau der neuen Schiffe geleitet hätten, seien symbolhaft für den Wiederaufbau in Deutschland. Gesellschaft für Weltraumforschung tagte Mit den Problemen der Hochfrequenztechnik und der Raketentriebwerke in der Raumschiffahrt befaßten sich am Freitag und Sonntag 200 Mitglieder und Gäste der Deutschen Gesellschaft für Weltraumforschung auf der Jahreshauptversammlung der Gesellschaft in Stuttgart Der Vorstand der Gesellschaft sprach eich für die Freigabe der Raketenforschung in Deutschland und für die Errichtung eines europäischen Instituts für Raumfahrt und Raumforschung aus. Der von Emst Heinkel 1951 gestiftete Preis für Astronautik verlieh die Gesellschaft an Dr. H. Krause für eine Arbeit über das Problem der Bahnbe- I Stimmung einer Weltraumstation in einer zum Erd- ’ äquator geneigten elliptischen Bahn. Prof. Dr. h. c. Emst Heinkel und DT. Walter Dornberger wurden wegen ihrer Verdienste um die Raketenforschung zu Ehrenmitglieder' der Gesellschaft ernannt. Prof. Dr. Heinkel stiftete auch für 1952 einen Preis für die beste wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Raumforschung. In der Hauptversammlung wurde der dritte internationale astronautische Kongreß vorbereitet, der vom 1. bis 6. September in Stuttgart stattfindet. Rund 25 Millionen Mark für den Wohnungsbau Die Landesversicherungsanstalt Württemberg hat' für den sozialen Wohnungsbau in Nord- und Südwürttemberg 24,8 Millionen Mark bereitgestellt, ein Teil der Mittel, die größtenteils die gemeinnützigen Wohnungsbauunternehmen als erste Hypotheken erhalten, soll für das Umsiedler-Bauprogramm verwendet werden. Insgesamt waren bei der Landesversicherungsanstalt von gemeinnützigen Wohnungs- bauuntemehmen und von privaten Bauherrn Darlehen in Höhe von 47 Millionen Mark beantragt worden. Mit der Bereitstellung von 24,8 Millionen Mark sind jedoch die Kreditmöglichkeiten der Landesversicherungsanstalt für dieses Jahr erschöpft. So sieht sich der vorläufige Ausschuß der LVA außerstande, die von württembergisch-badischen Kommunalverbänden für den Krankenhausbau erbetenen Darlehen von insgesamt 14 Millionen Mark zu bewilligen. Frühjahrstagung des 1/Veinhauvereins Ministerpräsident Dr. Maier Ehrenmitglied - Gegen Xusweitung des Weinbaues Der badisch-württember gische Ministerpräsident, Dr. Reinhold Maier, wurde am Sonntag während der Frühjahrstagung des württembergisch-badischen Weinbauvereins im Heidelberger Schloß zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt. Dr. Maier nahm die Ehrenurkunde aus der Hand der württembergi- schen Weinkönigin, Gisela der Ersten, entgegen. Der Ministerpräsident betonte, daß er immer ein Freund und Gönner des Weinbaus gewesen sei. Vor Weinbauern könne er auch sagen, ohne mißverstanden zu werden, „daß ich ein Freund des Weines bin“. Zur Regelung der Absatzsorgen riet er den Winzern, sie sollten den Wein ganz einfach selbst austrinken. Dr. Maier überreichte anschließend im Namen des Bundespräsidenten dem Vorsitzenden des Weinbauvereins, dem DVP-Landtagsabgeordneten Hermann Schneider, das Verdienstkreuz der Bundesrepublik. An der Tagung nahmen als Ehrengäste der Innenminister von Baden-Württemberg, Fritz Ulrich, der Präsident der Verfassunggebenden Landesversammlung, Dr. Karl Neinhaus, Landtagspräsident Wilhelm Keil und der Präsident des Deutschen Weinbauverbandes, Graf Matuschka, teil. Ferner waren auf der Tagung zahlreiche Landtagsabgfeordnete sowie Vertreter der staatlichen Weinbauschulen und Institute anwesend. Der Direktor der Weinbauschule Geißenheim, Professor Dr. Steinberg, wies in einem Referat darauf hin, daß eine Ausweitung des Weinbaus künftig vermieden werden müsse. Der deutsche Wein könne mit den Quantitäten des aus dem Ausland importierten Weines sowieso nicht konkurrieren. Professor Steinberg trat dagegen für eine Steigerung dar Qualität der deutschen Weine ein. Nur darin sei eine Chance für die Erhaltung des deutschen Weinbaus gegeben. Bauernhof durch Brandstiftung vernichtet Im Gehöft des Landwirts August Kiefer in Döttingen im Kreise Müllheim' brach am Samstag ein Großfeuer aus, durch welches das ganze Anwesen samt Schuppen und Stallungen bis auf die Grundmauern zerstört wurde. Sämtliche landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte, darunter ein neuer Traktor, fielen den Flammen zum Opfer. Außerdem verbrannten ein Motorrad und drei Fahrräder. Im Stalle kamen vier Schweine um, während eine Kuh notgeschlachtet werden mußte. Der Gesamtschaden wird auf 60 000 Mark geschätzt Als Urheber des Brandes wurde der 26 Jahre, alte Franz Ritte aus Feudenberg (Ostpreußeh), zuletzt ln Laufen bei Müllheim wohnhaft, ermittelt. Er konnte bald nach Ausbruch des Brandes in einem Schuppen, wo er genächtigt hatte, festgenommen werden. Der Täter, der nach anfänglichem Leugnen zugab, das Feuer angelegt zu haben, konnte keinerlei Gründe für seine verbrecherische Handlung angeben. Es handelt sich um den gleichen Täter, der im März 1951 im Ortsarrest Laufen aus Verärgerung die Matratze angezündet hatte, wobei er durch die Rauchentwicklung beinahe selbst umgekommen wäre. Im Zeichen besserer Völkerverständigung Wlrtscbaftsvertreter der Bodensee-Uferstaaten tagten In Konstanz Vertreter de? Wirtschaft aus allen Bodenseeuferstaaten vereinigte am Wochenende in Konstanz das traditionelle Bodenseetreffen der Industrie- u. Handelskammern Konstanz, Lindau und Ravensburg. Der Präsident der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, Dr. Walter Raxmond, befaßte sich während der Tagung in einem Referat ausführ- 3 jh mit der Forderung der Gewerkschaften zum itbestimmungsrecfat, wobei er die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern betonte, eine Mitbestimmung durch außerbetriebliche Funktionäre jedoch entschieden ablehnte. Raymond sprach sieh für den vorliegenden ; Regierungsentwurf des Betriebsverfassungsgesetzes aus. Der neue deutsche Gesandte in Bern, Dr. Friedrich Holzapfel, unterstrich, daß internationalen wirtschaftlichen Zusammenkünften wie diesem Treffen eine ganz bedeutende Rolle im Rahmen der Völkerverständigung zukomme. Ingenieur Riedl von der österreichischen Handelsdelegation in Frankfurt erklärte, sein Land sei wegen der drastischen Kürzung der ERP-Zuteflungen für Oesterreich vor die Aufgabe gestellt, den Export nach Deutschland zu intensivieren. Andererseits bestünden in Oesterreich gute Absatzmöglichkeiten für deutsche Erzeugnisse. Der Präsident der Vereinigung schweizerischer Unternehmer in Deutschland, Rinderknecht, Basel, wandte sich gegen eine zu starke staatliche Einmischung in die Wirtschaft, wie sie in Deutschland zu finden sei. Bei aller Anerkennung der von Deutschland verfolgten Wirtschaftspolitik sei in der Schweiz doch ein Kurzmeldungen aus :: Ein amerikanisches Gericht in Stuttgart verurteilte dieser Tage den amerikanischen Soldaten James E. Fowlkes wegen eines Ueberfalls^ auf. einen deutschen Taxifahrer zu drei Jahren Gefängnis, unehrenhaftem Ausschluß aus der Armee und Einbehaltung des Soldes. Der Amerikaner wurde für schuldig befunden, Mitte April in Bechhofen bei Ansbach einen deutschen Taxifahrer überfallen, mit einem Stock geschlagen und ihm Fußtritte versetzt), zu haben. :: Auf der Bundesstraße 10 in Uhingen bei Göppingen prallte ein Leichtmotorrad mit hoher Geschwindigkeit gegen den Anhänger eines parkenden, beleuchteten Lastzuges. Der Motorradfahrer wurde bei dem Anprall sofort getötet, der Soziusfahrer starb am Samstagmorgen im Göppinger Kreiskrankenhaus. Nach den Ermittlungen der Landespolizei ist das Motorrad kurz vor dem Unfall vor einer Göppinger Gaststätte entwendet worden. :: Bei der Schiffslandestelle Westbahnhof in Ueberlingen wurden kürzlich 35 Kisten Flakmunition gefunden, die in den letzten Kriegstagen im Jahre 1945 in den See geworfen worden waren. Ein besonderes Kommando mit einem Feuerwerker und vier Hilfskräften ist zur Zeit mit der Bergung von Waffen und Munition am Seeufer vot Ueberlingen beschäftigt. Diese Arbeiten werden entlang des ganzen badischen Seeufers fortgesetzt werden, da immer wieder Munition gefunden wird. Buch der Retter ertrank Zwei Opfer holte sich der nasse Tod am Sonntagnachmittag in einer Bodenseebucht vor Fnedrichsha- fen. Die 22jährige Irmgard Laube aus Frommenried fiel während* einer Kahnfahrt beim Wechseln des Platzes ins Wasser. Der 28 Jahre alte Franz Strauß aus Lindau sprang von seinem etwa 25 Meter entfernten Segelboot ins Wasser, um die Ertrinkende zu retten. Diese klammerte sich in ihrer Todesangst verzweifelt an ihn und zog ihn dabei mit in die Tiefe. Die Verlobte des Unerschrockenen mußte vom gewisses Mißtrauen gegenüber dem deutschen Devisenrecht und der Schuldenregelung mit Deutschland, sowie den Forderungen der Gewerkschaften zum Mitbestimmungsrecht vorhanden. Demgegenüber betonte Ministerialrat Dr. Müller-Graef vom Bundeswirtschaftsministerium, daß die deutsche Devisenwirtschaft durch die schwere Verschuldung des Reiches im Jahre 1931 notwendig geworden sei. Heute sei die Situation nicht anders. Bundeswirtschaftsminister Prof. Dr. Ludwig Erhard, der sich ursprünglich bereiterklärt hatte, ein Referat zu halten, war in Bonn unabkömmlich. Eichstetten leierte sein 900jähriges Bestehen Die Weinbaugemeinde Eichstetten am Kaiserstuhl konnte am Sonntag ihr 900jähriges Bestehen feiern. Ueber die Gründung des Dorfes, das trotz schwerer Notzeiten immer den Charakter eines rein bäuerlichen Gemeinwesens bewahrt hat, berichtet eine alte Urkunde, daß im Jahre 1052 Hesso von Uesenberg die Perterskirche erbaut habe. Bald danach soll innerhalb dieser Kirche eine kleine St. Nikolauskapelle errichtet worden sein, in der der Gründer Hesso von Uesenberg und sein Bruder Lambert beigesetzt wurden. Seinen wirtschaftlichen Aufstieg verdankt das Dorf, das der Markgraf von Baden im Jahre 1416 von den Gebrüdern Uesenberg erwarb, der Verleihung des Marktrechtes durch Kaiser Sigismund im Jahre 1418. Der 30jährige Krieg zerstörte dann einen großen Teil der Gemeinde. Von den heute 2 200 Einwohnern können sehr viele auf eine 400jährlge Familiengeschichte im Dorf zurückblicken. Südwestdeutschland Segelboot aus untätig zusehen, wie die beiden ertranken. Zu Dritt auf dem Motorrad - Zwei Tote Ein mit drei Personen besetztes Motorrad wurde in der Nacht zum Sonntag auf der Landstraße nach Nordhalben bei Steinwiesen in der Nähe von Kro- nach (Oberfranken) aus der Kurve getragen. Die 19- jährige Elfriede Simon aus Schwarzenbach und der 21jährige Franz Wolfram aus Nordhalben waren sofort tot. Der Fahrer wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Bahnbuslinien zum Schwarzwald und Bodensee Aehnlich wie die Bundespost wird auch die Bundesbahn während ihres Sommerfahrplanes verschiedene Autobuslinien in den Schwarzwald und an den Bodensee einrichten. Neben den Strecken von Straßburg nach Reutlingen und von Freiburg nach Stuttgart werden seit Sonntag als neue Femlinien die Verbindungen Karlsruhe — Konstanz, Offenburg — Meersburg — Lindau. Tübingen — Baden-Baden und Reutlingen—Meersburg befahren. Toto-Quoten . West-Süd-Block Zwölferwette: 1. Rang: 110 Gewinner mit je 4277.80 DM. 2. Rang: 2469 Gewinner mit je 190.— DM. 3. Rang: 25 487 Gewinner mit je 18.45 DM. Zehnerwette: 1. Rang: 1837 Gewinner mit je 166.50 DM. 2. Rang: 29 650 Gewinner mit je 10.32 DM. 3. Rang: 171 819 Gewinner mit je 1.78 DM. Wetterbericht Bei hohem Druck über dem skandinavischen Raum, dringen erneut etwas kühle Luftmassen aus Nordosten ein. Tagsüber wolkig bis aufheiternd, Temperaturen nicht mehr über 20 Grad. Kühle, klare Nächte, mäßige Winde aus Nordost bis Ost. HANDEL UND WIRTSCHAFT J Freie Wohnungswirbcholt noch nicht möglich Eine sofortige Ueber lei tung des Wo hnung swesens in die freie Marktwirtschaft ist im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht vertretbar, stellte der erste Vorsitzende des Verbandes freier Wohnungsuntemehmen e. V., Hamburg, F. H. Frank, in Hamburg vor der Presse fest. Das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage von Wohnraum habe sich noch nicht normalisiert. Außerdem sei eine befriedigende und trag* bare Mietangleichung im Augenblick kaum zu erwarten, obwohl laufend über diese Frage diskutiert wird. Die Durchschnittsmiete liege zwar z-.Zt. unter dem als tragbar anerkannten Satz von einem Fünftel des Einkommens. Diese Regel entspreche jedoch kaum mehr den gegenwärtigen Verhältnissen, weil sich das Nettoeinkommen der Bevölkerung seit 1945 erheblich verringert haben, hauptsächlich infolge der höheren Steuer- und Sozialabgaben. Der Redner betonte, daß auch in absehbarer Zeit noch zinsverbilligte Hypotheken oder Mietsubventionen zur Deckung der Kosten erforderlich sein werden, solange es nicht möglich ist, den Satz von einem Fünftel des Einkommens wieder herzu stellen. Die ersten Hypotheken werden in diesem Jahr, wie Frank erklärte, im Gegensatz zu 1951 wahrscheinlich etwas reichlicher fließen, während die öffentlichen Mittel geringer sein werden. Die Baukosten hätten sich in letzter Zeit etwas stabilisiert Die Heraufsetzung der Eisenpreise könnte jedoch das Preisgefüge wieder etwas ins Schwanken bringen. Fünf Milliarden für Wohnungsbau 1952 Der Staatssekretär im Bundeswohnungsbauministerium Dr. Hermann Wandersieb erklärte in Frankfurt, daß für den Bau von 375 000 Wohnungen ln diesem Jahr fünf Milliarden Mark notwendig sein werden. Er hoffe, daß dieser Betrag aufgebracht werden könne. Erfolg oder Mißerfolg des sozialen Wohnungsbaues, der ln diesem Jahr den Bau von 300 000 Wohnungen vorsehe, werde davon abhängen, ob genügend öffentliche Mittel bereitgestellt werden können. Zwei Milliarden Mark an öffentlichen Mitteln seien vorhanden oder mit Sicherheit zu erwarten. Wandersieb rechnet damit daß im ersten Halbjahr 1952 mit dem Bau von rund 160 000 Wohnungen begonnen wird, die noch in diesem Jahr fertiggestellt werden sollen. 13 500 Mark Baukosten je Wohnung Wandersieb erklärte, zur Zeit müsse mit mindestens 13 500 Mark, unter Umständen sogar mit 14 000 bis 16 000 Mark Baukosten je Wohnung gerechnet werden gegen 11500 Mark im vergangenen Jahr. Allerdings dürften erststellige Mittel und Gelder zur Restfinanzierung vom Kapitalmarkt und als Arbeitgeberdarlehen in genügender Höhe zur Verfügung stehen. Industrielle Produktion Europas stagniert Die industrielle Produktion in den Mitgliedsländern der OEEC blieb in den ersten Monaten 1952 nahezu unverändert, nachdem sie nach der Koreakrise rasch zugenommen hatte, im letzten Vierteljahr 1951 jedoch nur geringfügig gestiegen war. Der Index der industriellen Produktion der Mitgliedsländer erreichte im vierten Quartal 1951 auf der Grandlage von 1948 seinen Höchststand von 142 Punkten. Die einzelnen Industriezweige wiesen jedoch eine sehr ungleiche Entwicklung auf. Während die Produktionsgüterindustrien ihre Erzeugung weiter erhöhen, zeigen die Konsumgüterindustrien, vor allem auf dem Textilgebiet, einen gewissen Rückgang, der nach dem Bericht teils mit dem Sinken der Rohstoffpreise, teils mit dem Auftreten deutscher und japanischer Konkurrenzen auf den Weltmärkten zusammenhängt Deutsches Memorandum zur Sperrmarkfrage Die deutsche Delegation auf der Londoner Schuldenkonferenz hat den Gläubigern im April ein Memorandum zur Sperrmarkfrage überreicht. Darin wird gefordert, die Richtlinien über die Verwendung gesperrter DM abzuändern, um weitere Schädigungen der deutschen Wirtschaft und der einen Transfer beanspruchenden ausländischen Gläubiger zu vermeiden. In materieller Hinsicht steht die deutsche Delegation auf dem Standpunkt, daß die Verwendung von Sperrguthaben grundsätzlich nur nach volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten genehmigt werden sollte, wobei zugunsten der originären Guthaben erweiterte Freigabemöglichkeiten in Betracht zu ziehen wären. Wirtschaftspolitik des Bundes beispielgebend Der österreichische Handelsminister Boeck-Greis- sau bezeichnet« die Wirtschaftspolitik der Deutschen Bundesrepublik in Wien als in vieler Beziehung für Oesterreich beispielgebend. Die deutsche Wirtschaft habe nach der Währungsreform einen derartigen Aufschwung genommen, daß ihre Konferenz heute in der Welt wieder gefürchtet werde. Vorbildlich sei die Bundesrepublik unter anderem bei der Lenkung der Investitionsmittel gewesen. Sie habe in erster Linie die verarbeitende und exportnahe Industrie bei der Verteilung von Krediten bevorzugt Wirtscfiafisnolizen vom In- und Ausland Der kaiserlich Iranische Wirtschaftsminister Dr. Aß Amini ist zu einem zehntägigen Deutschland-Besuch in Hamburg eingetroffen. Als Hauptzweck seines Besuches bezeichnete der Minister die Ausweitung, des Wirtschaftsverkehrs zwischen der Deutschen Bundesrepublik und Iran. Die erste Sendung deutscher Fleischwaren seit Aufhebung der amerikanischen Einfuhrbeschränkungen für Fleisch ist in den USA eingetroffen, wie das Bundesemährungsmini- sterium bekanntgibt. Nach Mitteilung amerikanischer Importeure ist der gesamte Posten von 2 009 Kisten Büchsenfleisch und Schinken im Gesamtgewicht von rund 60 Tonnen bereits verkauft. Die Vermögenskontrolle über die Persll-Gesellschaft ln Dänemark ist nach einer amtliche! dänischen Bekanntgabe aufgehoben worden. Das Gesellschaftskapital beläuft sich auf 1,5 Millionen dKr. In jahrelangen Verhandlungen ist Jetzt festgestellt worden, daß das in der dänischen Gesellschaft arbeitende ausländische Kapital als schweizerisches Vermögen anerkannt werden muß. Durch das Erfolgsanteilsystem im Bergbau sind auf einzelnen Schachtanlagen des Ruhrgebiets Zu den Untertagelöhnen Zuschläge bis zu 22 Prozent gezahlt worden: Im Durchschnitt sämtlicher Zechen wurde im ersten Quartal 1952 für die Untertagearbeiter ein Erfolgsanteil von fünf Prozent ausgeschüttet. Jean Guedj aus Paris, Generalsekretär der „Confideratlon Internationale du Credit Populaire“ weilte ln offiziellem Auftrag mehrere Wochen bei der Bausparkasse der deutschen Volksbanken A.G. in Schwäb. Hall, um deren Einrichtungen und Leistungen zu studieren. In seinem abschließenden Bericht für die voh ihm vertretene internationale Vereinigung der Volksbanken, zeichnete Generalsekretär Guedj die von 'hm besuchte Bausparkasse in Schwäb. Hall als ein Vorbild von Internat ionalem Ruf. Nach ihrem Muster soll zunächst in Paris von den französischen Volksbanken unter ihrem Generaldirektor M. P. Montfajon eine gleichartige Bausparkasse ins Leben gerufen werden. Der Wiederaufbau de* demontierten stahl- und Walzwerks der Reichswerke AG in Watenstedt-Salzgitter ist nunmehr gesichert. Für die erste Aufbaustufe stehen aus der Investitionshilfe 32 Millionen DM bereit. Der Tankstellendurchschnittsprels für Benzin in 50 repräsentativen Städten der USA. belief sich 1951 einschließlich Steuern auf 27,64 cts. p. Gail. (30,6 Pfg p. Ltr.). In den verschiedenen Distrikten ist der normale Abgabepreis allerdings zeitweise sehr beträchtlich unterschritten worden. Die inländischen Zeichnungen der achtprozentigen bayerischen Schatzanweisungen haben einen Betrag von 160 Millionen DM erreicht. Die Hauptversammlung der Deutsche Linoleumwerke AG beschloß ln Bietigheim, das Grundkapital um fünf Millionen auf 18 Millionen DM zu erhöhen Die neuen Stammaktien sind vom 1. Januar 1952 an gewinnberechtigt. Die Rapitalerhöhung dient vor allem der Finanzierung von Bauvorhaben und der Rationalisierung. Ferner ermächtigte die HV den Vorstand, eine Wandelanleihe bis zu sechs Millionen DM zu pari zu geben. Die FleisChpreise in Kanada haben zur Zeit ihren tiefsten Stand seit fünf Jahren erreicht Das Fleisch wird zu der Hälfte und teilweise sogar nur zu einem Drittel des Preises verkauft, der noch vor einigen Wochen gefordert wurde. Elnlagenentwicklung bei den Volksbanken Die Spareinlagen bei den 90 badischen gewerblichen Kreditgenossenschaften — Volksbanken — haben im I. Quartal 1952 um 6,4 Millionen, das sind 11,8 Prozent des Jahresendbestandes, zugenommen. Die steuerbegünstigten Spareinlagen, die in den Monaten Januar und Februar infolge der Rückzahlung der ersten fälligen Verträge leicht rückläufig waren, sind im März wieder gestiegen und betragen am Quartalsende 16,8 Prozent der gesamten Spareinlagen. Die gesamten Einlagen haben sich im I. Vierteljahr 1952 um 21 Millionen = 12,8 Prozent des Jahresendbestandes erhöht und damit den Betrag von 185,6 Millionen erreicht. Die von den Volksbanken gewährten Kredite sind im Berichtszeitraum von 139,8 auf 149,6 Millionen angestiegen. Wirtschaftsliteratur Im Bundesgesetzblatt T S. 247 wurde ein Gesetz zur Aen- derung der Lohnpfändungsvorschriften verkündet, welches seit 23. April 1952 in Kraft ist Für die Betroffenen bringt das neue Gesetz ganz erhebliche Vorteile gegenüber der bisherigen Regelung. Bei einem ledigen Arbeitnehmer mf' einem Netto-Monatslohn von DM 240.— ermäßigt sich z. B. der Pfändungsbetrag von bisher DM 17.— nunmehr auf DM 49.70 monatlich. Da die amtlichen Berechnungsvorschriften sehr kompliziert sind, ist die vom Presto-Tabel- lenverlag W. stumme. Mannheim, Schimperstr. 11, neu herausgegebene Lohnpfändungstabelle (Preis DM 2.40) ein wertvolles Hilfsmittel. Die Tabelle enthält das vollständige Gesetz in Neufassung und ermöglicht ln übersichtlicher Anordnung das einfache Ablesen des pfändbaren Lohnteiles. Goldstücke im Wiesengrün Nun hebt wieder das goldene Glänzen auf den Wiesen an, als ob blanke Goldstücke auf sie gestreut wären. Es ist ein entzückendes BiId, diese Goldstücke schimmern zu sehen. Natürlich. ist es der goldgelbe Löwenzahn, der diese lllussion hervorzaubert. Nebenbei gesagt, liefert der Löwenzahn einen ausgezeichneten Tee bei Darmträgheit, der Leber und der Milz, bei Gelbsucht, Nierenleiden, Bleichsucht und Hautkrankheiten. Dieses Unkraut, das mit tiefen Wurzeln in die Erde geht und sich rasend in die Breite vermehrt, kann zugleich ein segenspendendes Heilkraut sein. Der Löwenzahn wird besonders gern in dieser Jahreszeit, in Form seiner jungen. Blätter und Stengel, die roh als Salat gegessen werden, als Blutreinigungsmittel im Frühjahr angewendet. Außerdem ist er ein Leckerbissen für das Vieh. Im Kindermunde heißt der Löwenzahn „Ketten- oder Butterblume"; denn die hohlen Stengel werden von den Kindern gern zu Ketten benutzt, während die ganze Pflanze als Lieblingsfutter der Kuh von vorteilhaftem Einfluß auf den reichen und fetten Milchertrag ist. > Dieser Löwenzahn, der uns die Goldstücke im Wiesengrün vorgaukelt, hat einen Konkurrenten, der genau so goldgelb, aber hochmütiger glänzt, wo die Wiese sumpfig ist oder ein Bächlein sich hindurch windet: der goldene Hahnenfuß. Wenn der Abend seine Schwingen'ausbreitet, sind alle seine leuchtenden Blüten entschwunden. Mehr Schiffe als vor dem Krieg Nach dem neuen Sommerfahrplan werden ln Ueberlingen in der Hochsaison mehr Kurschiffe anlegen als vor dem Krieg. Sechs Hauptkurse zwischen Konstanz und Ueberlingen werden den ganzen Sommer über gefahren, dazu noch in der Hauptreisezeit erstmals vier Schnellkurse. Außerdem verkehrt erstmals in der Zeit von Anfang Juli bis Mitte September ein durchgehender Kurs zwischen Lindau und Ueberlingen. Es gibt wieder Pilze - aber auch giftige Mit der beginnenden warmen Jahreszeit erscheinen auch wieder unsere Pilze im Wald, die vielen Hausfrauen eine erfreuliche Abwechslung in ihren Küchenzettel bringen. Pilze sind sehr schmackhaft, doch mit Vorsicht zu genießen, denn viele enthalten heftig wirkende Gifte. Also Sorgfalt beim Sammeln, womöglich sich ganz wenig Arten beschränken, deren Merkmale man genau kennt! Beim Kauf von Händler/? darauf achten, daß die Pilze frisch sind und nur in ganzen Exemplaren a»geboten werden. Bei Händlern sind Mischungen von Pilzen, die sie verbotenerweise anbieten, unter allen Umständen abzulehnen. Aber auch gute Pilze können zu Gesundheitsschädigungen Anlaß geben, da diese schnell hochgeschossenen Gewächse rasch in frischem, wie im gekochten Zustand unter Umständen innerhalb weniger Stunden unter Bildung giftiger Stoffe in Zersetzung übergehen. Vermischtes Der „König der Briefmarkensammler“ . . . i . . Oberst Hans Lagerlöf, ist im Alter von 72 Jahren in den USA verstorben. Lagerlöf, der vor einem halben Jahrhundert nach den Vereinigten Staaten auswanderte, besaß bei seinem Tode mit rund neunhundert Bänden mit Briefmarken aus aller Welt, eine der größten bekannten Sammlungen. Mehrere Hundert Bände hatte er bereits zu Lebzeiten verschenkt Untätig . . . . . . mußte der Heimatvertriebene Landwirt Lei- betseder von Oberarsach im Mühlviertel an der österreich-tschechoslowakischen Grenze zusehen, wie sein auf tschechoslowakischem Gebiet liegender Hof abbrannte. Oesterrelchische Feuerwehren durften die Grenze zu Löscharbeiten nicht überqueren. Ein Familienratsbeschluß . . . . . . verdammte einen 24jährigen Bauern in Niederösterreich dazu, seinen Hof anzuzünden. Er war erbittert darüber, daß sein Haus als einziges noch mit Stroh gedeckt war.. Ein Familienrats-Beschluß hatte das Feuer heraufbeschworen, um die Feuerversicherung ausnutzen zu können. Der Polizei war aber aufgefallen, daß Fleischvorräte und Wertgegenstände verlagert waren. Gegen einen Land g erlchtsarat ... . . . und einen Leichenbeschauer hat die Staatsanwaltschaft Würzburg Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben. Die beiden hatten Herzschlag als Todesursache angegeben, als ln einem Zimmer morgens zwei tote Frauen aufgefunden wurden. Erst als kurz .darauf auch ein junger Student morgens in dem Zimmer tot gefunden wurde, wurde festgestellt, daß Kohlenoxydgas in das Zimmer eindrang. Mit einer Handgranate ... . . . wollte ein Ehemann seine Frau loswerden. Er warf ihr von einer Leiter einen Pappkarton mit einer russischen Eierhandgranate zu. Sie explodierte und verletzte die Frau so schwer, daß ihr ein Bein amputiert werden mußte. Der Täter wurde zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Das Dole Kreuz billet um Ihre Spende • Aufruf des Kreis- und Ortsvereins an die Be völkerung in Stadt und Land Schon wieder sammeln? Wir haben doch gerade etwas gegeben! Das Jahr ist um und die Wirklichkeit der Rot-Kreuz-Arbeit erfordert neue Mittel! Natürlich sind wir alle gebe- und sammelmüde geworden, die Bevölkerung, an die wir uns mit der Sammelbüchse wenden, und die Aktiven in unseren Reihen, die wieder die Opfergroschen zusammenholen sollen. Das ist menschlich nur zu sehr begreiflich. Das Geld ist knapp wie eh und je und die Lust und die Freudigkeit am Sammeln sind nicht größer geworden. Aber wir wissen alle, daß mit Idealen und mit Hilfsbereitschaft allein niemand praktisch „Erste Hilfe“ leisten kann. Wir wissen auch, daß die Zeit der Zuschüsse „von oben“ vorbei ist Keine Unterkunft im neuen Feuerhaus Auch wir in Bruchsal wissen davon, wie schwer es Brudisaler Filmsdiaii „Stürmische Jugend“ im Casino Die Geschichte spielt während des ersten Weltkrieges in einem französischen Vorort. Geschildert wird die Ließe des 17jährigen Francois zur junverheirateten Martha, deren Mann im Felde steht. Die jungen Leute leiten eine ausweglose Tragödie ein. Martha geht daran zugrunde. Der Regisseur Autänt-Lara will an einem Einzelfall fall zeigen, daß der Krieg Lebensbedingungen schafft, die die Familie der Zerrüttung ausliefern und die Jugend aus dem Gleichgewicht werfen. Nirgendwo frivol, spüren wir doch die grundheidnische, ins Leere starrende Haltung der Tragödie. Der Filmtitel würde in christlicher Komentierung lauten: „Durch die Sünde ist der Tod in die Welt gekommen“. Leider bringt die Masse — das Lachen an erschütterndsten Stellen beweist es — kaum Verständnis für tiefere Auseinandersetzungen mit dem Problem der Schuld auf. ist, bei den Städtischen Dienststellen Verständnis für die Belange und die Lebensnotwendigkeiten des Roten Kreuzes zu finden. Ein Beispiel dafür bietet die erlittene Enttäuschung, die der Kreisverein. wie der Ortsverein in Bruchsal zu buchen hat bezüglich der versprochenen Unterbringung des Roten Kreuzes im neuen Feuerwehrhause. Heute will kein Mensch mehr etwas davon wissen, nachdem vor nicht gar zu langer Zeit sich der Stadtrat dafür ausgesprachen hatte, das Rote Kreuz mit in das neue Haus, das rein .aus öffentlichen — nicht städtischen — Mitteln errichtet wird jund seiner Bezugsfertigkeit entgegengeht, einzubeziehen. Nach wie vor stehen die Wagen des Roten Kreuzes auf der Straße, die Unterbringung der Kreisstelle, vom Ortsverein gar nicht zu reden, ist nach wie vor äußerst dürftig. Eine schriftliche Anfrage des Kreisvereins bei der Stadtverwaltung hatte keinen weiteren Erfolg; aus der dem Roten Kreuz gegenüber angebracht erscheinenden SDarsamkeit ersparte sich die Stadt eine Antwort. Von der öffentlichen Hand ist danach kaum etwas zu erwarten. Selbsthilfe nun erstes Gebot Somit werden Wir uns selbst so gut es geht, helfen müssen, indem wir an die durchschnittlich sehr große Gutwilligkeit und Hilfsbereitschaft in unserem Volke apellieren. Wie viel an gutem Willen, an Kraft und Güte zu helfen in unserem Volke noch vorhanden ist, hat die Hilfsaktion für Italien im vergangenen Jahr gezeigt. Selbstverständlich wird es immer Leute geben, denen das Geklapper einer Sammelbüchse unangenehm oder gar ärgerlich ist. Dadurch aber dürfen wir uns bei der Sammlung nicht stören lassen, denn in allen Kreisen unseres Volkes weiß man vom Sinn und der Notwendigkeit des Roten Kreuzes, von seinen zahlreichen Aufgaben, die ohne die freiwillige Spendeleistung des Volkes nicht durchgeführt werden können. Durch Krankentransport, Suchdienst, Heimkehrerbetreuung, Alters- und Kinderheime, um nur einiges zu nennen, sind weite Schichten mit der Arbeit des Roten Kreuzes täglich in Berührung. Wenn wir vom Roten Kreuz aus mit der erforderlichen Freude und Begeisterung an die Sammlung herangehen schon in ihrer Vorbereitung, hoffen wir, das passive Verhalten der angesprochenen Seite überspielen und das Stückchen guten Willen, das in jedem unserer Mitmenschen bereit liegt, ansprechen und für unsere Aufgaben nutzbar machen zu können. Aller Dienst Ist freiwillig Wenn am 2. Junisonntag das Rote Kreuz sammelt, dann erinnern Sie sich an die vielen, zum Teil selber erlebten Fälle, wo das Rote Kreuz in Tätigkeit treten mußte. Erinnern Sie sich daran, daß unsere Rotkreuzleute ihren Dienst freiwillig, ohne Bezahlung und ohne Murren tun, daß niemand auf uns einen Druck ausübte, es sei denn unsere Gesinnung, die von uns verlangt, zu helfen, wo wir es können. Nach dem Zusammenbruch 1945 waren wir die erste Organisation, die wieder aufleben durfte, weil man uns gebrauchen konnte, wir waren die Einzigen, die damals am Anfänge den Kontakt mit dem Auslande wieder aufnehmen konnten, viele Werte wurden dort durch uns dem armen Volke vermittelt, lebhaft war das Interesse aller Kreise einschließlich der Regierung am Erhaltenbleiben und Gedeihen des Roten Kreuzes: heute ist in weiten Kreisen der Regierenden und der Besitzenden die Erinnerung daran am Verblassen. Viele der ärmeren Leute denken noch an uns, helfen können Sie uns durch ihre kleinen Gaben, die dankbar angenommen werden, wenn wir aber nun einen neuen Wagen nötig haben, und dies ist der Fall, werden die Scherflein der Armen leider nicht mit dem Maßstabe des Evangeliums gemessen, sondern wir haben größere Mittel nötig. Deshalb muß das Rote Kreuz auf die Straße und in die Häuser gehen, wir müssen Sammelerlaubnis ausnützen und versuchen, an Alle Mozarts „Requiem” liir das Kreissänqerfest Aufführung durch den Mozartchor am 6. September in der Lutherkirche „Die Taverne von New Orleans“ im Europa Ein reicher Schurke namens Georges Brissac bringt ein unschuldiges Kreolen-Mädchen beilfehe als angebliche Mörderin an den Galgen. Gerade noch rechtzeitig erscheint der rettende Held in Gestalt eines Kapitäns und verliebt sich in das Mädchen. Trotzdem heiratet sie den reichen Schurken, um die reiche Dame spielen zu können, während der Kapitän unter Mordverdacht ins Gefängnis wandert. Am Schluß wird er von seinen getreuen Mannen befreit. Die Beurteilung lautet: Gekünstelte Abenteuer in einem ungesunden Klima primitiver Leidenschaften. Abenteuerfilm von der billigsten Sorte. Wegen brutaler Szenen und des ungesunden Milieus für Kinder und Jugendliche untragbar. „Der letzte Bandit“ im Schloßtheater In diesem amerikanischen Wildwestfilm muß Billy als Zwölfjähriger erleben, wie der Mörder seines Vaters ungestraft davonkommt. Seitdem verläßt er sich nur noch auf seine Pistole und nimmt selbst Rache. Schließlich fällt er durch die Kugel eines Freundes, der ihn zu einem friedlichen Cowboy-Dasein zurückführen will. Die Beurteilung lautet: Ein gepflegter Wildwester mit schönen Landschaftsaufnahmen und prächtig photographierten Fluchtbildern einer riesigen Rinderherde. Nach den glanzvollen Aufführüngen von Haydns großem weltlichen Oratorium „Die Jahreszeiten“ geht der Mozartchor an das Studium von Mozarts herrlichem ..Renuiem“ für Soli. Chor und Orchester, das am 6. September anläßlich des Kreissängerfestes in der Lutherkirche zur Aufführung kommt. Um eine würdige musikalische Darstellung dieses Werkes zu erreichen, sind Verhandlungen mit ersten Solisten und einem Kulturorchester im Gange, die die Gewähr dafür bieten, daß eine Aufführung von überdurchschnittlichem Niveau zustande kommt. Ti/Tr.-orts „Requiem“, unter großen Schmerzen auf dem Krankenlager geschrieben und durch den frühen Tod unvollendet geblieben, ist das „erhabene Werk eines erhabenen Menschen“, wie J. A. Hiller im Jahre 1800 schrieb. Es bildet die letzte Verklärung von Mozarts genialem Künstlertum und enthält Musik reichsten melodischen Inhalts, vollendeter Form und tiefer christlicher Frömmigkeit. Daß es zu allen Zeiten dem Gedenken großer Geister erklang und Jahr für Jahr bei den „Salzburger Festspielen“ einen krönenden Abschluß bildet, spricht für das Werk, das in seiner Vollendung Gnade eines überreichen Künstlertums ist. Die Uraufführung des Werkes, die zu Mozarts Gedenken unter der musikalischen Leitung von van Swieten stattfand, war ein außergewöhnliches Ereignis. Haydn sagte allein auf dieses eine Werk Mozart die Unsterblichkeit zu. In kürzer Zeit eroberte es sich die ganze musikalische Welt und verdrängte auf lange Zeit hinaus alle ähnlichen Werke noch so berühmter Meister aus dem Konzertsaal. Mozarts Lieblingsschüler Süßmayer, mit dem sich der Meister gerade in den Monaten während der Arbeit am „Requiem“ viel beschäftigt und ihm Einblick in die Arbeit am „Requiem“ gegeben hatte, unterzog skh nach dem 1791 erfolgten Tode Mozarts der Aufgabe, die Partitur zu vollenden. Es ist bis heute wissenschaftlich nicht geklärt, wieweit Süßmayers Vervollständigungen auf Mozarts Anweisungen beruhen. Wir dürfen aber annehmen, daß Mozarts Einfluß sehr weitgehend gewesen sein muß, so vollendet in der Nachempfindung, so einzigartig im Geiste Mozarts nachgeschaffen erscheinen uns diese Ergänzungen. Wie dem auch sei, wir Heutige sehen in dem von Todesahnungen durchschauerten Werk des Meisters das Höchste, was er geschaffen hat. F. B. heranzukommen, jede Gabe ist willkommen, wer wenig hat, gebe wenig, wer viel hat, gebe deshalb nicht weniger. . Jeder tue seine Pflicht! Halten Sie deshalb, bitte, für die zu erwartende Sammlung Anfang Juni eine kleine Gabe bereit, wenn Sie sich eine kleine kurze Ireude deshalb versagen müssen, denken Sie an die vielen Stunden, die unsere Leute zu jeder Tag- und Nachtzeit geopfert haben und es weiter tun. Wir tun unsere Pflicht bei Jedem, auch der geringste unter unseren Brüdern wird als Mensch geachtet, lassen Sie sich nicht sagen. Sie hätten gezaudert, Ihre Hand zu öffnen, wenn wir im Namen dieser unserer Brüder und Schwestern anklopfen. K* i« Stadlumschau Dienstag, den 2Q. Mai 1952 Obst- und Weinbauverein. Am Mittwoch, 21. und Donnerstag, 22. Mai, ab 18 Uhr, werden beim Kassier Huber, Frohndberg II, Nr. 18, Rebspritzmittel ausge- . geben. Wer noch Stäubschwefel benötigt, wolle seine Bestellung an diesen beiden Abenden aufgeben. Treffen der Ost- und Westpreußen. Die Ost- und Westpreußen treffen sich am Samstag, 24. Mai, 20.00 Uhr, im Gasthaus zum „Engel“. Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen wird um vollzähliges Erscheinen gebeten. • Kirschen- und Spargelpreise. Am Sonntag, 18. Mai, wurden in der Bruchsaler Markthalle folgende Preise erzielt: Kirschen, I. Sorte, 50 bis 53 Pfg. Spargel, I. Sorte, 1,54 bis 1,66 DM, II. Sorte, 1,32 bis 1,41 DM, III. Sorte, 1,13 bis 1,20 DM, IV. Sorte, 38 bis 63 Pfg. Geburten: Bernhard, V. Landwirt Willi Hartsch, Förster Landstr.; Bertram, V. Kraftfahrer Wilhelm Springer, Petersgasse 7; Wera, V. Postinspektor Erich Nonnenmacher, Kasernenstr. 2. ' TSG-Leichtathletikabteilung. Heute von 18—20 Uhr Training. Wegen der Anmeldung für die am 25. Mai stattfindenden Kreismeisterschaften ist vollzähliges Erscheinen erforderlich. Marktbericht. Spargel I. Sorte 1.28 bis 1.40 DM, II. Sorte 1.11 bis 1.17 DM, III. Sorte 0.90 bis 1.01 DM, IV. Sorte 0.45 bis 0.56 DM. Tageskalender für 20. Mal Europa-Lichtspiele Bruchsal, 17, 19 und 21 Uhr „Die Taverne von New Orleans“. Casino-Lichtspiele Bruchsal, 17 und 20 Uhr „Stürmische Jugend“. Schloßtheater Bruchsal, 18.30 und 20.45 Uhr „Der letzte Bandit". Badisches Staatstheater, 19.30 im Großen Haus „Die goldene Meisterin“. Koipingsfamilie Bruchsal, 18.30 Uhr Fußballspiel auf dem Reserveplatz. Schwimmverein Bruchsal, 20 Uhr Treffen aller Jugendlichen, die an den Jugendspielen teilnehmen, im Schwimmbad. Herausgeber: C. & H. Kruse, Bruchsal. Geschäftsstelle nnd Redaktion: Bruchsal, WorthBtr. 11. Redaktion: Hans Stander, Bruchsal. Verantwortlich für Anzeigen: Reinhold Bork, Bruchsal. Z. Zt. tat Preisliste Nr. 3 vom 1. April 1952 gültig. SEEFISCH« Goldbarsch- flld 500 g 59 # morpsee Zu verkaufen: 2 Acker Klee Zu erfragen: Bruchsal, am Schloßgarten 3 (Beim Damianstor) Zu verkaufen: Guterhalt. Kinderwagen Zu erfr. in der Gesch.-St. BP. 1 Morgen Wiesengras gegen junge Miiduiege zu tausdien oder zu verkaufen. BRUCHSAL» Neutorstraße 8 Gartenschläuche x* und mit Zubehör ftebspritzenschläuche Membranen, Ventilscheiben, Kugeln für Rehspritzen Gummi-Fachgeschäft Hermann Wächter Bruchsal Schönbornstraße 51 Ruf: 2164 Für geschmückt bei C Schöpf isl's geglückt Ob für die Dame, den Heim, oder das Kind, die Großauswahl in Fertigkleidung sowie S.t o f f e n erfüllt alle Wünsche Deshalb: Man gehl iu Karlsruhe > Am Marktplatz 'Unsec Qeschä(t ist am Mittwoch vor Christi Himmelfahrt auch am Nachmittag geöffnet. Kruse&Kurzenberger Das Fachgeschäft für Herren- und Knabenkleidung BRUCHSAL Wörthstraße 11 VOLKSHOCHSCHULE BRUCHSAL . Aula Gewerbeschule, 21. Mal 1952, 20.00 Uhr Serenaden-Abend mH Kerzenbeleuchtung des Pforzheimer Kammerorchesters. r Eintritt: DM 1.—, 1.50, 2. —, Hörer der Volkshochschule, Versehrte, Arbeitslose, Schüler und Studenten 20 % Ermäßigung. Vorverkauf: Sekretariat der Volkshochschule, Baracke : Unterführung. Ermäßigte Karten nur im Vorverkauf. WER LANGE LEBEN WILL braucht’ nur alt zu werden. Wer aber Ws ins hohe Alter gut sehen will, sollte rechtzeitig Optikermeister MÖRKE Kaiserstraße 80 (Roter Hahn) fragen, denn besser sehen gibt mehr Verdienst s-x ß _/i ? Schmerzhaftes Rheuma I Ischias, Neuralgien, Gicht ä ' l Kreuzsdxmerzeu, heftige Muskel-u • And\ ft/Jjlr GelenkschmerzenwerdenseitJahref | m durch das hochwertigeSpezUlmitte: n «PArtl selbst ln hartnäckigen l Fällen mit bestem Erfolg bekämpft. »\ 4600 schrlftl. Ameenerkennungent \ l Jf\ Harnafiurelösond. unschädlich Romigal ist ein polyvalentes (=smehrwertiges) Heilmittel und greift daher Ihr quälenden Beschwerden gleichzeitig von verschiedenen Richtungen her wirksam Romigal wirkt rasch. 20 Tabletten M 1.29, Großpackung M 3.20. 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Artikel 3 % Rabatt in Sparmarken $ / I f Dienstag, den 20. Mai 1952 Der Stelleinnarkt des Arbeitsamtes Mi §&on f pßi Reit-, Spring- und Fahrtnrnier in Kirrladi Der Kirrlacher Reiterverein veranstaltete am Sonntag ein großes Reit-, Spring- u. Fahrtumier, an dem sich eine Reihe auswärtiger Vereine beteiligten. Als Preisrichter fungierten die Herren Tierarzt Hillenbrandt-Wiesental und Reitlehrer Heinz Zimmermann. Die Ergebnisse: Jungreiterprüfung: 1. Schlauder Herbert; Forst; 2. Käppiein Lukas, Wiesental; 3. Fimkes B., Forst; 4. Brandei, Hockenheim. Jungreiter-Jagdspringen: 1. Schlauder H., Forst; 2a Brandei, Hockenheim; 2b Rita Frank, Forst; 3. Träut- lein B., Hockeneim; 4. Schuhmacher Hugo, Kirrlach. Materialprüfung: a) Einspänner: 1. Belle W., Philippsburg; 2. Hintermeier E., Forst; 3. Schimmel L., Kronau, b) Zweispänner: 1. Rothenberger J., Rheins- flllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllimillllllllllllllllH An unsere Leser: Da Christi Himmelfahrt gesetzlicher Feiertag ist, erscheint am Donnerstag keine Zeitung. Redaktions- und Anzeigenschluß für die am Freitag, 23. Mai, herauskommende Zeitung ist am Mittwoch, 21. Mai, 15 Uhr. Familienanzeigen und dergL werden bis 18 Uhr entgegengenommen. Verlag und Redaktion llllllllllllllllllllllllllflllllllllllllllllH heim; 2. Just, Kronau; 3. Degen W., Rheinsheim; 4. Frank P., Forst. Dressurprüfung Klasse A: 1. Amann A., Wiesental; 2. Blau Herrn., Graben; 3» Schlauder Manfred, Forst; 4. Brandei, Hockenheim. Dressurprüfung Klasse L: 1. Schlauder O., Forst; 2. Amann A., Wiesental; 3. Steidle Walter, Kirrlach. Jagdspringen Klasse A: 1. Süß H., Graben; 2. Frank B., Forst; 3, Frank Rita, Forst; 4. Träutlein A., Hok- kenheim; 5. Lehn, Kirrlach. Jagdspringen Klasse L: (Schweres Jagdspringen) 1. Amann K., Wiesental; 2. Fimkes B., Forst; 3. Haag P., Kirr lach; 4. Träutlein, Hockenheim. Puppenreiten: 1. Haag P., Kirrlach; 2. Etzkom B., Forst; 3. Haag K., Kirrlach. Scfairmreiten: 1. Lehn K., Kirrlach; 2. Haag P., Kirrlach; 3. Etzkom B., Forst; 4. Heger J., Kirrlach. Pandurenritt: 1. Etzkom B., Forst; 2. Träutlein, Hockcjnheim; 3. Schütt L., Oberhausen; 4. Blumhofer, Forst. Ringen KSV Kirrlach — KSV Tennenbronn 7:1 In einem Freundschaftskampf standen sich die Vereine Tennenbronn und Kirrlach gegenüber. Tennenbronn strengte sich mächtig an, aber der Klassenunterschied (Tennenbronn ringt in der Landesliga) war zu groß. Federgewicht: Haag (K) gegen German (T). Nach 5,41 Min. schulterte Haag seinen Gegner mittels Hüft- zug. Bantamgewicht: K. Martus (K) gegen Scherrs (T). Scherrs gab Martus manche harte Nuß zu knacken. Peronospora. Die ab 11. Mai in zahlreichen Rebgemeinden niedergegangenen starken Gewitterregen dürften zu Erstinfektionen durch den Pero- nosporapilz geführt haben, so daß vom 25. Mai ab mit Erstausbrüchen des Peronosporapilzes zu rechnen ist. Bis zu diesem Zeitpunkt sollte daher in den gefährdeten Gebieten die erste vorbeugende Spritzung gegen Peronospora durchgeführt sein. Heu wurm. Seit Anfang Mai ist teilweise schon recht erheblicher Mottenflug festzustellen. Die überwiegend warme, sommerliche Witterung bietet für die Vermehrung dieses Schädlings sehr günstige Voraussetzungen. Daher sollte überall mit der ersten Peronosporabekämpfung auch eine Bekämpfung des Heuwurmes verbunden werden. Oidium. Meldungen über Auftreten von Oidium liegen bisher noch nicht vor. Es kann aber angenommen werden, daß diese Pilzkrankheit, wenn auch erst vereinzelt, in ausgesprochenen Mehltauen und bei stark oidiumanfälligen Sorten festzustellen ist. Eine gleichzeitige Bekämpfung des Rebenmehltaues ist daher ebenfalls zu empfehlen. Bekämpfung: Es wird empfohlen, bis zum 25. Mai eine Spritzung der Reben mit neutralen Kupferspritzmitteln des Handels durchzuführen. Bei niederprozentigen Kupferkalken (Wacker, Spieß- Urania, Bordola u. a.) werden l%ige Lösungen verwendet, bei 45%igen Kupferkalken (Ob 21, Viti- gran konz. u. a.) genügen 0,5%ige Lösungen (Vi kg auf 100 Liter Wässer). Zur Bekämpfung des Heu- wurmes wird der Zusatz von DDT-Präparaten (u. a. „Gaserol 50“ — 200 g je 100 Liter) empfohlen. Sollten bereits vereinzelt Würmer vorhanden sein, Die Partie war ziemlich gleichwertig. In der 8. Min. siegte Martus durch Ueberstürzer Fliegengewicht: O. Heiler gegen W. Lehmann (T). Der schlaue Fuchs Lehmann verstand es gut, sich aus brenzlichen Lagen zu befreien. Doch in der 10. Min. ereilte ihn sein Schicksal. Heüer drückte die Brücke ein. Leichtgewicht: Schuhmacher (K) gegen Hilser (T). Schuhmacher hatte in Hilser einem ihm ebenbürtigen Gegner, Man glaubte allgemein, daß der zweite Zähler für die Gäste fällig wäre. Es gab aber lange Gesichter, als der Kampf durch Selbstfaller von Hilser endete. Weltergewicht: Schmalzhaf (K) gegen Broghammer* (T). In überlegenem Kampf schulterte Schmalzhaf seinen Gegner nach 4,52 Min. durch Eindrücken der Brücke. Mittelgewicht: L. Martus (K) gegen E. Heiges (T). Ueber den Ausgang des Kampfes bestanden nie Zweifel. Zwar wehrte sich Heiges verbissen, doch mußte er sich nach 1,40 Min. infolge Ueberstürzer geschlagen geben. Halbschwergewicht: M. Heger (K) gegen E. Schubert (T). Heger bewies mit seinem schnellen Sieg, daß er ein Ringer ist, mit dem man immer rechnen muß. Schwergewicht: Wittmer (K) gegen F. Schubert (T). Beide Kämpfer gefielen gut. Wittmer, der favorisiertem, bezwang S. nach 5,32 Min. durch Hammerlock. Fußball FC Odenheim — FC Kronau 3:4 Der FC „Viktoria“ hatte am Sonntag den FC Kronau zu einem Freundschaftsspiel zu Gast. Die erste Mannschaft mußte eine unglückliche 3:4-Niederlage hinnehmen. An dem Sieg der Gäste hatte deren hervorragender Tormann entscheidenden Anteil. Dagegen mußte sich die II. Mannschaft der Gäste mit 5:1 Toren geschlagen geben. Das Rückspiel wird am Christi Himmelfahrtstag in Kronau ausgetragen. Ziemlich stürmisch ging es bei der letzten Versammlung der Tabakpflanzer zu. Obwohl das Hauptgut bereits vor drei Monaten bei der Einschreibung in Mannheim verkauft werden konnte, haben bis heute 28 Pflanzer der Gruppe 2 ihr Geld noch nicht erhalten. Die Ware dieser Gruppe wurde damals von einer in der Pfalz ansässigen Firma aufgekauft. Nun stellte es sich heraus, daß diese Firma inzwischen die Hälfte der Ware an eine andere Firma weiterveräußert hat. Diese gewisse Firma ist zwar gewillt Zahlung für die weiterverkaufte Ware zu leisten, da sie jedoch einen zugesagten Kredit in Höhe von 50 000 DM infolge eingetretener Kreditrestriktionen nicht bekam, können die betroffenen Pflanzer ihr Geld erst bis Ende dieses Monats bzw. zu einem noch späteren Zeitpunkt erhalten. Der Vorstand des Tabakbauvereines, Eugen Försching, schlug den Pflanzern vor, den 1. Käufer zur sofortigen Zahlung des Gesamtpreises aufzufordern, da so ist die Verwendung von E 605 f, eines Nikotinoder Pyrethrum-Derris-Spritzmittels, in den den Packungen aufgedruckten Mengen zu empfehlen. Der Zusatz von 100—200 g Kolloid- oder Netzschwefel (Cosan, Borchers, Kumulus u. a.) zur fertigen Spritzbrühe dient der Bekämpfung des Rebenmehltaues. Auch das Kupferschwefelspritzmittel „Wacker 83“ (750 g je 100 Liter Spritzbrühe), dem gegen Wurm ein Wurmbekämpfungsmittel zuzusetzen ist, kann verwendet werden. In Gebieten, in denen seit dem Austrieb noch kein stärkerer Regen gefallen ist, kann mit der ersten Spritzung gegen Pemospora ohne Gefahr noch zugewartet werden. Das gilt besonders für Gemarkungen und Lagen, die weniger peronosporagefähr- det sind und Betriebe, die in der Lage sind, binnen kurzer Zeit ihre Rebbestände zu spritzen. Eine Heuwurmbekämpfung dürfte sich aber auch dort als notwendig erweisen. In diesen Fällen sind Wurmbestäubemittel wie Stäubegesarol, E 605 Staub, Pyrethrumstäubemittel u. a. anzuwenden. In Junganlagen und Rebschulen muß in Abständen von 10 Tagen eine Peronosporabekämpfung durchgeführt werden. Für diesen Zweck hat sich u. a. Cuprenoxen (3 kg auf 100 Liter)- gut bewährt. Sonstiges: Das Ausbrechen der überflüssigen Triebe und das laufende Heften, vor allem in Junganlagen, ist für die gute Entwicklung der Reben wichtig. Die Lockerhaltung des Bodens und die Vernichtung des Unkrautes fördert das Wachstum und sollte häufig erfolgen. Hierbei ist der vermehrte Einsatz von Pflügen zu empfehlen. Angestelltenberufe: 1 Schaufenster-Dekorateur, jüngere tüchtige Kraft mit Kaufhauspraxis, von größerem modernen Kaufhaus in Bruchsal; 1 Strickmeister auf Ein- oder Doppelzylindermaschinen bewandert, von Strumpffabrik im Landkreis. Zweizimmerwohnung' ist vorhanden. 1 Möbelpoliermeister, der Poliererei eines größeren Betriebes leiten kann, von Unternehmen im Kreis Bruchsal. 1 Jungingenieur als Nachwuchskraft, der einschlägiges Fachgebiet in einer TH oder HTL absolviert hat und sich praktisch auf diesem Gebiet betätigen will, von Unternehmen für Heizungs-, Lüftungs- und sanitäre Anlagen im Kreis Bruchsal. Zimmer kann beschafft Werden. 1 Fachkaufmann, jüngere, strebsame Kraft, für Offerten- und Auftragsbearbeitung von größerem Papierverarbeitungsbetrieb in Bruchsal; 1 technischer Zeichner oder Maschinenbau-Ingenieur für allgemeinen Maschinenbau und in Eisenkonstruktionen bewandert durch Arbeitsamt Tuttlingen 1 Hochbau-Ingenieur, muß dem Personenkreis zu Art. 131 GG angehören, für Stadtbauamt einer Kreisstadt, durch Arbeitsamt Rottweil; mehrere Sachbearbeiter, die dem Personenkreis zu Art. 131 GG angehören, für Amt für Soforthilfe, durch Arbeitsamt Mannheim; 1 Bilanzbuchhalter bis zu 40 Jahre alt, bilanzsicher, Helmsheimer Allerlei Helmsheim. Die Fragebogen zur Bodenbenutzungserhebung mit Stichtag 26. Mai sind von den Landwirten, die mehr als 50 Ar bewirtschaften, sorgfältig auszufüllen und umgehend auf dem Rathaus abzugeben. Der evang. Kirchenchor macht am Himmelfahrtstag, 22. Mai, einen Ausflug nach Schloß Lichtenstein und Bärenhöhle., die Pflanzer nicht mit dem 2. Käufer, sondern mit ihm den Kaufvertrag geschlossen hätten. Wenn man berücksichtigt, daß die Tabakpflanzer auf den Eingang ihres Tabakgeldes dringend angewiesen sind, da sie sonst ihren eigenen Verbindlichkeiten nicht nachzukommen vermögen, ist die Erregung der Pflanzer über diese Hinauszögerung der Zahlung durchaus verständlich. Die 70jährigen trafen sich am Sonntag zu einem gemeinsamen Mittagessen im Gasthaus zum „Sternen“. Vorausgegangen war am Vormittag ein geschlossener Besuch des Hauptgottesdienstes, der vom Männergesangverein mit Liedvorträgen würdig umrahmt wurde. Geboren wurden: Anna Maria, V. Waldarbeiter Eduard Zoz; Emil, V. Schneider Johann Dopf; Ger- linde, V. Landwirt Hermann Bott; Maria, V. Schreiner Wendelin Rüderer. — Geheiratet haben: Rolladenmacher Ludwig Friedrich und Schneiderin Anna Fehrer. — Gestorben sind: Emma Bahm Ww, 79 Jahre alt; Steinhauer Anton Kring, 71 Jahre alt; Sabine Phüipp, 66 Jahre alt; Schmiedemeister Franz Dezenter, 59 Jahre alt. — Aufgeboten sind: Monteur Otto Schäfer und Sprechstundenhilfe Franziska Maria Havran, Sinsheim; Mechaniker Otto Weiß und Florentine Wirth, Mingolsheim. Aufgeschreckt durch einen plötzlich davonspringenden Hasen, scheuten die Pferde eines hiesigen Landwirtes und rasten mit der Egge davon. Glücklicherweise hakte sich die Egge unterwegs aus, so daß größeres Unheil vermieden wurde. Die davonrasenden Pferde konnten erst durch den Hund des Landwirtes, der mit lautem Gebell gegen die Pferde sprang und einem der Tiere einen Biß am Maul beibrachte, zum Stehen gebracht werden. w. Die Vertreter der nordbadischen Jungen Union trafen sich am Samstag und Sonntag in Plankstadt zu einer Arbeitstagung, um den Deutschlandvertrag, die Kampfansage des DGB an die Bundesregierung und die Koalitionsbildung in Stuttgart zu behandeln. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, in der es heißt: Der Landesverband Nordbaden der Jungen Union hat mit Empörung von dem Versuch des Gewerkschaftsbundes Kenntnis genommen, durch politische Streikdrohung dem Bundestag seinen Willen aufzuzwingen. Die Junge Union sieht darin eine Nötigung der parlamentarischen Volksvertretung und erwartet von ihr und der Bundesregierung, daß sie diese Angriffe gegen die rechtsstaatliche Ordnung zurückweist. Der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Dr. Kenntnisse im Steuerrecht, überdurchschnittliche Kraft, für Steuerberater, durch Arbeitsamt Göppingen; mehrere perfekte Stenotypistinnen, Kurzschrift 180_ 200 Silben, für auswärtige und Bruchsaler Betriebe. Gewerbliche Berufe: Für Großbetrieb der Elektrotechnik in Bruchsal werden weibliche Arbeitskräfte im Alter von 18 bis 30 Jahren gesucht, die über gutes Sehvermögen und Fingerfertigkeit verfügen. 1 Spulerin von neu einzurichtender Strumpfabrik im Kreis Bruchsal; 1 Modelltischler, perfekte Kraft mit guten Fachkenntnissen von Pumpenfabrik Bruchsal; 1 Zigarrensortierer, jüngere gelernte Kraft zwecks Ausbildung als Sortiermeister von größerem Zigarrenfabrikbetrieb in Heidelberg; 1 zweiter Zuschneider bis 30 Jahre alt, vertraut mit Bandmeßmaschine von Herrenwäschefabrik in Bruchsal; Arbeitskräfte für den Ruhrbergbau im Alter von 17 bis 32 Jahren in Dauerarbeit. Interessenten wenden sich an die für ihren Wohnort zuständige Arbeitsamtdienststelle. Sprechstunden täglich von 8—12 Uhr und für Berufstätige mittwochs von 17—19 Uhr. Schlosser Hermann Blum, Eberhardstr. 10, feierte am Montag seinen 76. Geburtstag. Seine Ehefrau Luise Blum geb. Götz, vollendete am selben Tage ihr 70. Lebensjahr. Heute, 20. Mai, begeht Frau Marie Schwedes geb. Westenfelder, . Jöhlingerstr. 10, in voller Rüstigkeit ihren 83. Geburtstag. Den Alters- jubilaren unsere herzl. Glückwünsche! 77 Jahre alt Neuenbürg. Landwirt und Rechenmacher Max Hubbuch, Haupstr., begeht heute, 20. Maf, in voller körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische sein 77. Wiegenfest. Wir gratulieren recht herzlch und wünschen weiterhin gute Gesundheit. k. Theaterfahrt nach Karlsruhe Untergrombach. Die für Donnerstag, Christi, Himmelfahrt, vorgesehene Theaterfahrt nach Karls-: ruhe wird um einen Tag, also auf Mittwoch, den 21. Mai, vorverlegt. Das Theaterstück bleibt das gleiche, aufgeführt wird die „Geliebte Manuela“. Die Abfahrt erfolgt um 19.15 Uhr bei der Post. Schweres Verkehrsunglück an der Rheinhäuser Fähre Auf der Speyerer Seite der Fähre versagte vermutlich einem schwer beladenen Lastauto die Bremsen. Durch Anfahren der seitlichen Böschung wurde einem 66jährigen Mann beide Beine abgefahren. Nähere Einzelheiten sind noch nicht bekannt. Omnibuslinie Karlsruhe-Bruchsal-Wertheim-Würz- bürg. Die Bundesbahn ünd die Bundespost, die die Omnibuslinien Karlsruhe-Wertheim-Würzburg gemeinsam betreiben, befahren die Strecke während des Sommers zweimal im Tag. Der erste Omnibus verläßt Bruchsal um 8.05 Uhr und trifft um 12.50 Uhr in Wertheim ein, der zweite Omnibus geht nach Würzburg, Bruchsal ab 17.50 Uhr, Würzburg an um 22.10 Uhr. Haltepunkte sind unter anderem Langenbrücken, Oestringen, Sinsheim, Neckarelz, Mosbach, Buchen, Hardheim, Tauberbischofsheim. Die Rückfahrten liegen so: Wertheim ab 5 Uhr, Bruchsal an 9.20 Uhr, weiter nach Karlsruhe an 10.10 Uhr, Würzburg ab 16.30 Uhr, Bruchsal an 21.10 Uhr, Karlsruhe an 22.00 Uhr. Gurk-Karlsruhe, berichtete über die Vorgänge in Stuttgart. Die SPD und die DVR betrieben eine Macht- und Nützlichkeitspolitik, die mit Demokratie nicht mehr viel zu tun habe. Zum gleichen Thema stellte der Präsident der Verfassunggebenden Landesversammlung, Dr. Neinhaus- Heidelberg, fest: Der südbadische Staatspräsident Leo Wohieb habe mit seinen düsteren Prophezeihungen recht behalten. Man müsse sich jetzt darum bemühen, in den alten Ländern die Eigenständigkeit weitgehend durchzusetzen. Der Landesvorsitzende der Jungen Union, Gönnhei- mer, forderte die führenden Politiker innerhalb der CDU auf, solange gegen die Stuttgarter Koalition zu kämpfen, bis ihr auf legalem Wege jede Arbeitsmöglichkeit ohne die CDU entzogen sei und sie abtreten Erregung unter Odenheimer Tabakbauern Wegen Verzögerung in der Auszahlung der Tabakgelder Was fetzt den Winzer interessiert . • • Der Rebschutzdienst Nordbaden, Weinbauamtmann Meinke, gibt bekannt: Dentsditandverlrag kein Diktat Arbeitstagung der nordbadischen Jungen Union in Plankstadt 40 Jahre FV 1912 Wiesental Weitere Spielergebnisse der Jubiläumsspiele beim Fußball-Verein 1912 Wiesental Der Fußballverein 1912 hatte anläßlich seines 40- jährigen Vereinsjubüäums ein Spielprogramm aufgestellt, das wirklich einen hervorragenden Sport bot. Den Hauptschlager des Tages bildete das Spiel DSC (jetzt TSG. Heidelberg gegen VfL Neustadt (Südwestdeutsche Oberliga). FV 1912 Wiesenta.1 I gegen FV 08 Hockenheim 2:5 Beide Mannschaften traten in stärkster Aufstellung an, sodaß man ein ausgeglichenes Spiel erwarten konnte. Es sollte jedoch anders kommen, da der Erst-Ligist eine außerordentlich gute Form auf wies und ein planvolles Flachpaß-Spiel den Gastgebern das Nachsehen gab. Bereits zehn Sekunden nach Anpfiff leistete sich die Wiesentaler Verteidigung einen schweren Abwehrfehler, den der wieselflinke Lehn auch prompt zum 1. Tor ausnutzte. Man merkte den Einheimischen diesen Schock sichtlich an, denn es wollte und wollte , nichts klappen. Die Gäste dagegen zogen ein Stürmerspiel auf, das vor allem durch den ausgezeichneten Brauh dirigiert wurde. In der 26. Minute war es Braun, der wiederum einen krassen Abwehrfehler zum 2. Tor ausnützte. Inzwischen hatten sich die Gastgeber etwas gefangen und drückten ihrerseits auf Resultatverbesserung. In der 29. Minute konnte auch der einsatzfreudige Hatzier, übrigens mit Abstand der beste Mann im Sturm, einen unhaltbaren Flachschuß ins Gästenetz senden. — Hockenheim setzte nun einen starken Zwischenspurt an und erzielte in der 35. B^inute durch Lehn das 3. Tor. Im Gegenzug war es jedoch wiederum Hatz- ler, der in der 36. Minute den 2. Treffer erzielte. — Nach dem Wechsel lief das Spiel der Einheimischen wesentlich besser und nur der massiven Gästeverteidigung war es zu verdanken, daß vor allem in den ersten 20 Minuten keine Tore fielen. In der 57. Minute konnte der Gästetorwart einen Handelfmeter zur Ecke abwehren. Im Endspurt kamen die Gäste jedoch in der 58. und in der 61. Minute beide Male durch Lehn zu zwei weiteren Toren. Bei etwas mehr Glück und Konzentration hätten fiie Gastgeber das Ergebnis etwas freundlicher gestalten können, denn das Eckenverhältnis lautete 10:2 für WiesentaL Der Sieg der Gäste geht aber in Ordnung, da sie konditionsmäßig weit überlegen waren. DSC (jetzt TSG Heidelberg) gegen VfL Neustadt 3:1 Die beiden Klassemannschaften wurden durch Kreisfachwart Baumann und den Präsidenten des VfL Neustadt herzlichst begrüßt. Es wurden Vereinswimpel ausgetauscht. Die Dresdner, Vertreter eines ruhmreichen deutschen Fußballvereins, stellten sich als eine äußerst stabile, durchtrainierte Mannschaft vor, die einen Fußball demonstrierten, der jeden begeisterte. Was soll man besonders hervorheben, das herrliche Flachpaß-Spiel, genau auf den Mann gelenkt, das ausgezeichnete Stellungsspiel und die hervorragende Kopfballtechnik, oder die temporeichen Tricks? Alles war Klasse, die ihrem Namen alle Ehre machte. Die Neustädter, körperlich leicht unterlegen, dabei aber den Dresdnern an Wendigkeit und Kampfgeist unbedingt überlegen. Mit flinken Steüdurchbrüchen setzten sie dabei ihren Gegner schwer unter Druck. — Das Spiel bot zwei grundverschiedene Halbzeiten. In der ersten Halbzeit war der DSC eindeutig überlegen und sicherte sich auch in dieser Spielphase .den Gesamtsieg. Immerhin waren es die Neustädter, die den ersten kräftigen Schuß aufs Tor setzten, jedoch konnte der DSC-Hüter klären. Dann aber lief die Dresdner Kombinationsmaschine, flach, schnell, sicher über mehrere Mann hinweg mit einem kräftigen Torschuß als Abschluß. In der 21. Minute war es Seiferth, der den DSC in Führung brachte. Im Gegenzug verfehlten die Neustädter nur knapp das Tor. Aber in der 31. Minute gab es durch Kreische das 2. Tor und in der 36. Minute konnte Breuning sicher den 3. Treffer einschießen. Diese Tore wurden in geschlossener Sturmkombination sicher herausgespielt. In der 38. und 39. Minute hatten die Neustädter außerordentliches Pech, als sie einmal an die Latte schossen und das andere Mal am leeren Tor vorbeisetzten. — Nach dem Wechsel spielte Neustadt auf und man darf sagen, daß sie streckenweise denDSC- lem überlegen waren. Leider waren sie etwas zu unkonzentriert und konnten selbst die sichersten Chancen nicht verwerten. Was sie nicht über die Latte oder an den Pfosten setzten, wurde eine sichere Beute des erstklassigen und vielbeschäftigten DSC- Hüters. Die Dresdner hatten nach dem Wechsel ihre Verteidigung wesentlich verstärkt und beschränkten sich nur auf sporadische Durchbrüche, die aber eine sichere Neustädter Verteidigung auf dem Posten fand. DSC mußte beim Pfälzer Sturmwirbel auch alles aufbieten, um den Vorsprung zu wahren, der mehr als einmal bedroht war. In der 47. Minute konnte Pfaff eine Ecke durch Kopfball sicher zum Ehrentreffer verwerten. Fast die ganzen 45 Minuten blieben die Pfälzer im Angriff, dabei erzielten sie acht Ecken, denen der DSC nur vier entgegenzetzen kann. Das faire Spiel hatte in Schiedsrichter Grun- eisen-Mannheim, der mit großzügiger Regelauslegung das Spiel nicht hemmte, einen ausgezeichneten Leiter. Mit diesen Jubiläumsspielen hat sich der FV 1912 sicher wieder zahlreiche Freunde gesichert, für die dieser Tag zu einem schönen Sporterlebnis wurde. —AP— müsse. Der Bundestagsabgeordnete Emst Majonica behandelte den Deutschlandvertrag. Innenpolitisch stünden, so sagte er u. a., die Zeichen auf Sturm. Zu hoffen sei nur, daß die vom Bundeskanzler dem Vorsitzenden des DGB angebotenen Verhandlungen zu einer Lösung führten. Sonst gerate eine Kette von Aktionen und Reaktionen in Bewegung, von der man nicht wisse, wo sie einmal enden werden. Majonica appellierte an alle „vernünftigen Kräfte innerhalb der Gewerkschaften“, sich für eine Verständigung mit dem Bundeskanzler einzusetzen. Er forderte Christian Fette auf, sich von der Wahlkampfatmosphäre freizumachen, damit Europa vor den aus dem Osten drohenden Gefahren in sachlicher Arbeit gerettet werden könne. Wenn man eine ehrliche Bilanz des Deutschland- Vertrages ziehen wolle, so dürfe man nie vergessen, daß er vor dem Hintergründe eines verlorenen Krieges abgeschlossen würde, den auch die besten deutschen Unterhändler nicht nachträglich zu einem gewonnenen machen könnten. Die lange Dauer der Verhandlungen und die Tatsache, daß etwa 160 deutsche Aenderungsvorschläge berücksichtigt worden seien, beweise zur Genüge, daß es sich um kein Diktat handele. Die Voraussetzungen des Inkrafttretens der vielbesprochenen „Notstandsklausel“, nach welcher die Alliierten die Exekutive wieder übernehmen können, falls deutsche Kräfte nicht mehr zur Sicherung der Ordnung ausreichten, dürften praktisch kaum jemals in Frage kommen. Es sei’ bedauerlich, daß die jetzige Haltung der SPD anstatt durch gesunde Opposition die Verhandlungen zu fördern, sie geradezu blockiere. Denn gerade dieses Vertragswerk gebe zusammen mit der europäischen Verteidigungsgemeinschaft der Bundesrepublik jene Stärke, die den Osten verhandlungsbereit und damit die Chancen der Wiedervereinigung Deutschlands einschließlich .der Gebiete jenseits der Oder-Neiße-Linie verstärken würde. I