BRÜCHSALER POST Redaktion and Verlag: Bruchsal, Wörthstraße 11, Telefon Nr. 2121 Beangspreis: Monatlich DM 2.80 einschließlich Trägergebühr. PoBtzustellung DM 2.45 anzüglich Zustellgebühr. — Erscheint an jedem Tag der Woche, außer sonn* nndl feiertags RHEINISCHES TAGBLATT SÜDDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG Anzeigenpreise laut PreUliste. — Bankkonten! Spar- onj Kredit* ! bank Brndual Nr. 603-, Stidt. Sparkaeae Philippsburg Nr. 1037«; PostidieAkontoi Amt Karlsruhe Nr. 30440. — Bei Störung dnr«M höhere Gewalt besteht kein ErsaganspruA. Nummer 151 Donnerslog, 3. Juli 1952 Einzelpreis 20 Pfennig -■¥< London dementiert Saarplan Schumanplan-Parlament mit oder ohne Saarvertreter ? - Bonn noch nicht informiert LONDON. Meldungen über einen angeblichen britisch-amerikanischen Saarplan wurden am Mittwoch in London von einem Sprecher des Foreign Office dementiert. Das Saarproblem ist, wie festgestellt wurde, während der Londoner Außenministerkonfereni nicht behandelt worden. Auch in anderem Zusammenhang haben weder Großbritannien noch die USA den Vorschlag gemacht, die Saar unter die Verwaltung des Europarates zu stellen. Der „Manchester Guardian“ hatte ans Bonn berichtet, ein derartiger Plan sei von Eden und Acheson dem französischen Außenminister Schuman während der Besprechungen der letzten Woche vorgelegt worden. Die englische Einstellung zu dem Saarproblem wurde dahin gekennzeichnet, daß Großbritannien sich für eine Verständigung einsetzt, aber keineswegs eine der beiden Parteien zur Wiederaufnahme der Verhandlungen drängen wolle. Der frühere Präsident des Europarates und ehemalige belgische Ministerpräsident Paul Henri Spaak, der am Morgen des 30. Juni von Bundespräsident Heuß in der Villa Hammerschmidt empfangen wurde, war am Abend des gleichen Tages Gast des Bundeskanzlers im Palais Schaumburg. Ädenauer über Verhandlungen mit DGB unterrichtet BONN. Vertreter der beiden Koalitionsparteien CDU/CSU und FDP unterrichteten Bundeskanzler Dr. Adenauer am Mittwoch über den Verlauf der ersten gemeinsamen Konferenz mit Vertretern des Deutschen Gewerkschaftsbundes über das Betriebsverfassungsgesetz in Düsseldorf. Die Verhandlungen mit dem DGB sollen am Montag fortgesetzt werden. Im Zusammenhang mit den letzten Vorschlägen Außenminister Schumans weisen am Mittwoch politische Beobachter in der französischen Hauptstadt darauf hin, daß die Anwesenheit von drei Saardelegierten innerhalb der französischen Delegation der Schumanplan-Versammlung in deutschen Augen ein ernsthaftes Hindernis darstellen könnte. Es sei zu befürchten, so wird von gleicher Seite erklärt, daß sich die Bundesrepublik unter diesen Umständen gegen die Behandlung eines so politischen Problems, wie dem der obersten politischen Autorität in Europa, durch das Schumanplan-Parlament wenden könnte. Die Abendzeitung „Le Monde“ weist im gleichen Zusammenhang darauf hin, daß verschiedene Persönlichkeiten des Europarates es vorzögen, wenn das Schumanplan-Parlament ohne die drei Saarvertreter tagen würde. Wenn erst ranmal eine oberste politische Autorität geschaffen sei, könnte diese dann eine Entscheidung in der Saarfrage fällen. Diese Ansicht scheine jedoch derjenigen Schumans zu widersprechen, der am Dienstag noch von dem gesamten Parlament gesprochen habe. Die Außenminister Acheson, Eden und Schuman haben während ihrer Londoner Konferenz auch das Saarthema erörtert. Der amtliche Sprecher des französischen Außenministeriums wies aber am Mittwoch einschränkend darauf hin, daß es sich lediglich um einen Gedankenaustausch handelte und von keiner Seite besondere Vorschläge unterbreitet wurden. Entsprechend seien auch keine Beschlüsse gefaßt worden, auch sei kein Memorandum ausgefertigt worden, wie vielfach berichtet wurde. Die Bundesregierung ist bisher über Absprachen der drei Westmächte im Hinblick auf eine Regelung der Saarfrage nicht unterrichtet worden. Nach Ansicht maßgebender Vertreter der Bonner Regierungskoalition würde eine Uebergangslösung mit einer freien, den europäischen Organen unterstellten Saarregierung gegenüber dem jetzigen Zustand an der Saar gewisse Vorteile bieten. Als Endlösung jedoch dürften solche Vorschläge in Bonn auf Widerstand stoßen. Mit Besorgnis verfolgt man in Bonn die gegenwärtigen Bestrebungen der saarländischen Regierung, die im Herbst vorgesehene Landtagswahl in ihrem Sinne stattfinden zu lassen. Bisher seien die beiden deutschen Oppositionsparteien CDU und DSP von der Hoffmann-Regierung noch nicht zugelassen worden. Nach Auffassung Bonner Politiker würde eine Nichtzulassung dieser Parteien bedeuten, daß die Wahlen nicht als frei und demokratisch bezeichnet werden können. Weg zum Friedensvertrag in Etappen Die Bildung des Bundeswirtschaftsrates steht in den Koalitionsparteien zur Zeit im Vordergrund der Erörterungen. Maßgebliche Vertreter der CDU und der FDP erklären, daß die von den Gewerkschaften angestrebte Parität von Arbeitgebern und Arbeitnehmern in der Besetzung des Bundeswirtschaftsrates nicht akzeptiert werden kann. Die Koalition wünsche auch, daß andere Wirtschaftsgruppten wie Angestelltenverbände, Einzelhandel-, Handwerker- und Verbraucherorganisationen eingeschaltet werden. Es wird damit gerechnet, daß sich die Verhandlungen mit dem DGB noch über die Sommerpause des Parlaments hinziehen werden. Das DGB-Organ „Welt der Arbeit“ betont in seiner neuesten Ausgabe, daß zunächst nur über die Methode der Verhandlungen Einigung erzielt worden sei. Das Gesetz selbst werde noch eine Reihe von Sitzungen in Anspruch nehmen. Französische Regierung mit Antwortnote offiziell einverstanden PARIS. Die französische Regierung billigte am Mittwoch offiziell den Wortlaut der von den Außenministern der drei Westmächte in London ausgear- fceitelen Antwortnote auf den letzten Deutschland- Vorschlag des Kreml. Nach Mitteilung des Sprechers des Quai d'Orsay soll die Antwort, deren Tenor dem Kabinett von Staatssekretär Maurice Schumann erläutert wurde, noch Ende dieser Woche in Moskau überreicht werden. Der Sprecher betonte, daß die drei Westmächte, abgesehen von gewissen Einzelheiten, in denen verschiedene Auffassungen vorherrschten, im Prinzip über die Antwortnote einig gewesen seien. Sie hielten an der Grundauffassung fest, daß der Weg zu dem von der Sowjetunion vorgeschlagenen Friedensvertrag mit Deutschland in Etappen beschritten wer- Theodor Heuß dankt Hermann Hesse Feierstunde zum 75. Geburtstag des Dichters in Stuttgart STUTTGART. Zum 75. Geburtstag Hermann Hesses fand am Mittwoch im Großen Haus der Württember- gischen Staatstheater in Stuttgart eine Gedenkstunde statt, auf der Bundespräsident Professor Theodor Heuß Worte des Dankes an den in der Schweiz lebenden Dichter richtete. Mit diesen Worten des Dankes, sagte der Bundespräsident, „will ich die Stimme der Heimat zum Klingen bringen“. Er sage „stellvertretend“ für die Heimat aus, ungeachtet der wenigen, die abseits stehen. In seiner Jugend sei er bei der Lektüre des „Peter Camenzind“ einer Verzauberung erlegen. Die gleiche Verzauberung habe ihn im Alter erfaßt, als er das reifste Werk des Dichters, „Das Glasperlenspiel“, gelesen habe. Wenn man Hesse danke, müsse man ihm vor allem für seine Verwaltung des deutschen Sprachgutes danken, denn Hesse schreibe heute das schönste Deutsch. Es gebe heute viele, die es Hesse „noch oder wieder übelnehmen“, daß er die Schweizer Staatsbürgerschaft angenommen habe. Dieser „technische Vorgang“, die Folge einer individuellen Entscheidung, sei völlig unwichtig, erklärte der Bundespräsident. Die Leistung sei wichtiger als das Zivilstandsregister. Hesse habe sich in seinen Werken immer die Forderung gestellt, mit sich selbst im Reinen zu bleiben. Er habe die Einsamkeit zu seinem Schutz und Reichtum gesucht. Die Lyrik Hesses sei die „Musik des Einsamen“, erklärte der Bundespräsident. Im Inneren seines Herzens sei Hesse der Heimat treu geblieben. Beim ersten Wiedersehen nach jahrelanger Trennung, berichtete,, Heuß, habe ihn Hesse nicht nach politischen Ereignissen gefragt. Man habe auch die Literatur nur am Rande gestreift. Aber Hesse habe eingehend Bescheid wissen wollen, was dieser oder jener Bekannte im schwäbischen Heimatland noch tue. Es sei wie eine „Bestandsaufnahme bei einem schwäbischen Familientag“ gewesen. Durch die Träume Hesses in Montagnola bei Lugano rausche immer noch die Nagold und rauschten die Schwarzwaldtannen, deren Rauschen Hesse durch sein ganzes Leben begleitet habe. Der Dichter Rudolf Alexander Schröder würdigte in der von der Technischen Hochschule Stuttgart, der Deutschen Schillergesellschaft, dem Kulturbund Stuttgart und der Württemberg!sehen Bibliotheks-Gesellschaft veranstalteten Gedenkstunde das erzählende Werk Hermann Hesses, den er in die lange, uralte und ruhmreiche Gefolgschaft der Romantiker ein- reihte. Zum Schluß gedachte Schröder des Politikers Hermann Hesse. Der Direktor der Landesbibliothek, Wilhelm Hoff- mann, teilte der Festversammlung mit, daß die Württemberg! sehe Bibliotheksgesellschaft Hermann Hesse eine schwäbische Plastik des Mittelalters schicke, und HnR Hesse in einem Telegramm von der Feier der Dank der Heimat ausgesprochen werde. Er hoffe, daß der Dichter die Stuttgarter Feier am Lautsprecher miterlebe, obwohl Hesse sonst vielleicht den Rundfunk als ein Instrument des „feudlletonistischen Zeitalters“ ablehne. Die Schauspielerin Hellen Hesse, eine Enkelin des Dichters, las in der Feierstunde, an der der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Dr. Maier, und neben anderen Regierungsmitgliedern Kultusminister Dr. Schenkel teilnahmen, aus Hesses Werken. Adenauer gratuliert Hermann Hesse BONN. Bundeskanzler Dr. Adenauer hat dem Dichter Hermann Hesse zu seinem 75. Geburtstag am Mittwoch telegraphisch herzliche Glückwünsche übermittelt und die Hoffnung ausgesprochen, daß Hesse noch lange Jahre literarischen Schaffens beschießen sein mögen. den müsse. Er führe zunächst über Wahlvorbereitungen, dann über die Wahl selbst und dann über die Bildung einer gesamtdeutschen Regierung. Keine de-iacto-Anerkennung von Pankow LONDON, 'er „Manchester Guardian“ deutet am Mittwoch in einem Leitartikel die Möglichkeit einer de-facto-Anerkennung der sowjetzonalen Regierung durch Großbritannien an. Das Blatt zählt Schwierigkeiten auf, die im Falle einer Blockierung Berlins entstehen würden. „Das nächstemal könnten wir es nicht mit den Russen, sondern mit den Ostdeutschen zu tun haben, die nicht durch Abmachungen über Berlin gebunden sind und deren Regime nicht von uns anerkannt ist“, schreibt das Blatt. „Der Gefahr, sich nicht greifbaren Gegnern gegenüberzusehen, könnten wir indessen mit der de-facto-Anerkennung des ostdeutschen Regimes begegnen, etwa wie Großbritannien jetzt die Pekinger Regierung anerkennt. Solange die Hoffnung auf Viermächtebesprechungen besteht, darf eine derartige Anerkennung nicht ausgesprochen werden; aber die Möglichkeit sollte man nun ständig im Auge behalten." Die Betrachtungen des „Manchester Guardian“ über eine de-facto-Anerkennung der sowjetzonalen Regierung durch Großbritannien wurden in amtlichen Kreisen in London am Mittwoch als „recht hypothetisch“ bezeichnet, wenigstens im jetzigen Zeitpunkt. Ein solcher Schritt werde zur Zeit kaum erwogen. Tschuikow inspizierte Zonengrenze ÄRONACH (Bayern). Der Chef der sowjetischen Kontrollkommission in Deutschland, General Tschuikow, hat, wie von gut unterrichteter Seite bekanntgegeben wird, dieser Tage die Grenzgebiete der Sowjetzone entlang der Zonengrenze bereist Am 28. Juni habe er Neuhaus—Schierschnitz gegenüber Burggrub im Landkreis Kronach besucht. Strenge Absperrmaßnahmen gingen allerorts dem Aufenthalt Tschuikows voraus. Neuer schwedischer Protest bei UdSSR Schweden wiU seine Militärflugzeuge weiterhin über der freien Ostsee operieren lassen STOCKHOLM. In ihrer am Dienstag überreichten Note schlägt die schwedische Regierung der Sowjetunion vor, die schwedisch-sowjetischen Flugzeugzwischenfälle vor den Haager Gerichtshof zu bringen. oder sie einer internationalen Untersuchungskommission auf Grund der Haager Konvention von 1907 vorzulegen. Ein internationales Verfahren würde sich jedoch erübrigen, wenn die Sowjetregierung bereit sei, ihren Standpunkt an Hand des schwedischen Beweismaterials zu überprüfen. In der Note wird der schwedische Protest jetzt auch auf das am 13. Juni bei Gotland abgestürzte Dakota-Flugzeug ausgedehnt, da nach schwedischer Darstellung die inzwischen angesteilten Ermittlungen einwandfrei ergeben haben, daß die Dakota ebenso wie das Catalina-Flugboot abgeschossen wurde. Die Note stellt noch einmal ausdrücklich fest, daß beide Flugzeuge unbewaffnet waren und über internationalem Fahrwasser angegriffen wurden. Die schwedische Regierung bringt ihre Entschlossenheit zum Ausdruck, sich auch künftig ihres Rechtes zu bedienen, Militärflugzeuge über der freien Ostsee operieren zu lassen. Falls die Sowjetregierung auf ihrer bisherigen Darstellung der Zwischenfälle beharre, sei die schwedische Regierung bereit, sowjetische Verfahrensvorschläge für eine internationale Behandlung der Angelegenheit zu prüfen. Zu der sowjetischen Behauptung, daß die sowjetischen Streitkräfte niemals fremdes Gebiet verletzten, weist die schwedische Note darauf hin, daß sich die Sowjetregierung 1946 und 1947 wegen Ueberfliegen des Festungsgebietes Karlskrona durch sowjetische Flugzeuge entschuldigte. In einer Anlage zu der schwedischen Note weiden die Bestimmungen bekanntgegeben, die für die Fälle gelten, in denen fremde Militärflugzeuge schwedisches Gebiet überfliegen. In dem Untersuchungsbericht über den Abschuß der Dakota wird festgestellt, daß das aufgefundene Rettungsfloß Splitteischäden aufweist, die von einem Explosivgeschoß herrühren. Aus dem Einschußkaml ergibt sich, daß die Dakota vermutlich schräg von unten angegriffen wurde. Die schwedische Regierung hat in Rumänien und Bulgarien gegen die Ausdehnung der Seegrenzen auf zwölf Seemeilen protestiert. Nach Fühlungnahme mit anderen seefahrenden Nationen hat das schwedische Außenministerium am 27. Juni dem rumänischen und bulgarischen Gesandten in Stockholm gleichlautende Noten übergeben, in denen erklärt wird, daß die Ausdehnung der Seegrenzen den traditionellen Regeln widerspricht und als ein Vordringen auf freies Meer anzusehen sei. Das britische Außenministerium teilte am Mittwoch mit, daß Großbritannien in der vergangenen Woche in Bulgarien und Rumänien gegen die Ausdehnung der Seegrenze dieser Staaten auf zwölf Seemeilen protestiert hat. International wird eine Seegrenze von vier Seemeilen anerkannt. Bulgarien hatte die Erweiterung im Oktober und Rumänien im September vergangenen Jahres vorgenommen. D/e Entscheidung des Senats Dr. E. G. Mit einer Schnelligkeit und Entschlußkraft, wie man sie im alten Europa nicht kennt, hat der amerikanische Senat die Bonner Verträge ratifiziert. Demokraten und Republikaner, also Regierung und Opposition, waren sich (trotz der bevorstehenden Präsidentenwahlen!) vollkommen einig über die Bedeutung der Bundesrepublik für die westliche Völkergemeinschaft Man hielt sich daher nicht bei Wenns und Abers auf, sondern handelte — wobei allerdings nicht verkannt werden darf, daß aus der Entfernung von jenseits des Ozeans das Gewirr der Probleme sich wesentlich einfacher ordnet und sich schärfer in seinen Grundlinien darstellt als in Europa selbst, wo eher umgekehrt die großen bestimmenden Linien oft über kleineren, minder bedeutenden, aber als Differenzpunkte in den Vordergrund geschobenen Fragen übersehen werden. Das hängt mit der europäischen Entwicklung zusammen und ist nur von hier aus zu begreifen. Denn es handelt sich nun einmal in erster Linie um eine europäische Aufgabe, bei der sich di« Europäer — nicht nur von Staat zu Staat, sondern auch jedes Volk für sich — erfahrungsgemäß sehr schwer tun. Unter diesem Gesichtspunkt kommt der Senatsdebatte fast die Bedeutung einer leisen Mahnung zu, das Wesentliche nicht über dem Unwesentlichen aus dem Auge zu verlieren, wie es auch Adenauer immer wieder gefordert hat. Am deutlichsten war dieser Akzent in Connallys Rede zu spüren, als er sich an die Franzosen wandte: die Gefahr kommt nicht von jenseits des Rheins, sondern von jenseits der Elbe. Ebenso waren die Worte des republikanischen Senators Wiley ein nachdrücklicher Hinweis auf die Bedeutung des deutschen Problems. Die europäischen Parlamente werden mehr Zeit brauchen, das sollte man ihnen in Amerika jedoch nicht verübeln — die Hauptsache ist, daß auch sie die großen entscheidenden Fragen nicht aus den Augen verlieren. Sowjetzone will Länder abschaffen BERLIN. Das Sowjetzonenregime soll Maßnahmen zu einer umfangreichen Veränderung seiner Staatsund Verwaltungsstruktur mit dem Ziel eingeleitet haben, die Sowjetzone in einen kommunistisch gelenkten Einheitsstaat unter Ausschaltung der Selbstverwaltungsorgane zu verwandeln. Nach Informationen, die dem Untersuchungsausschuß freiheitlicher Juristen in Westberlin aus allen Länderregierungen der Sowjetzone zugegangen sind, plant das SED-Zentral- komitee, die bestehenden Landesregierungen, Land- und Kreistage aufzulösen und die bishrigen fünf Länder in fünfzehn Verwaltungsbezirke einzuteilen. Der Leiter des Untersuchungsausschusses, Dr. Theo Friedenau, erklärte hierzu am Dienstag, daß besonders wehrpolitische und wehrwirtschaftliche Ueberlegun- gen der Anlaß zu der beabsichtigten Strukturveränderung seien. Labonr-MiStrnuensantrag abgelehnt LONDON. Nach der zweiten Korea-Debatte ira Unterhaus innerhalb einer Woche wurde am Dienstagabend der Mißtrauensantrag der Labourpartei mit 300 gegen 270 Stimmen abgelehnt. Der' iinke Labourflügel hatte auf eine schärfere Formulierung des Labouran- trages gedrängt, jedoch konnte Attlee trotz des Protestes Bevans seinen Entwurf durchsetzen. Neues ägyptisches Kabinett vereidigt ALEXANDRIEN. Das neue ägyptische Kabinett unter Hussein Sirry Pascha wurde am Mittwoch vom König Faruk vereidigt. Sirry Pascha hatte seine Kabinettsliste — auf der ausschließlich Unabhängige stehen — am Mittwochvormittag nach einer fünftägigen Krise, die dem Rücktritt des Kabinetts Hilall Pascha folgte, fertiggestellt. Trygve Lie in Wien WIEN. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Trygve Lie, traf am Mittwochabend aus Genf auf dem britischen Flugplatz Schwechat bei Wien ein. Lie besucht damit zum erstenmal in seiner Eigenschaft als Generalsekretär der UNO offiziell einen Nichtmitgliedstaat. Oilenhnner bei McCloy BONN. Der zweite SPD-Vorsitzende Erich Ollen- hauer war am Mittwoch Gast des amerikanischen Hohen Kommissars McCloy. In Begleitung Oilen- hauers waren die Mitglieder des SPD-Parteivorstan- des Prof. Carlo Schmid, Erwin Schöttle und Herbert Wehner. Die sozialdemokratischen Politiker waren von McCloy zu einem Abschiedsessen eingeladen worden. McCloy verläßt Deutschland in etwa drei Wochen. Die Gründe der Sozialdemokraten für ihr Verlangen, über Deutschland- und EVG-Vertrag erst im Herbst zu entscheiden, erläuterte Ollenhauer am Mittwoch im Bayerischen Rundfunk. Der Kampf um die Termine im Bundestag sei kein technischer Streit, sagte er. Die SPD führe ihn nicht als Mittel einer Obstruktionspolitik. Sie habe für ihr Verlangen wichtige sachliche Gründe. Da das Inkrafttreten der Verträge hach Ansicht der SPD den Spaltungscharakter der Zonengrenze verstärkt, dürften durch die Ratifizierung keine vollendeten Tatsachen geschaffen werden, bevor die Möglichkeit einer neuen Viermächtekonferenz über Deutschland erschöpft ist Koalitionsparteien bereiten Vertragsdebatte vor BONN. Die Vorsitzenden der Koalitionsfraktionen im Bundestag — CDU/CSU, FDP, DP — wollen Anfang kommender Woche Zusammentreffen, um im einzelnen die eiste Lesung des deutsch-alliierten Vertragswerkes im Bundestag — am 9. und 10. Juli — vorzubereiten. Die Koalitionsparteien werden vornehmlich die Aufstellung der Redner untereinander abstimmen, um in Anbetracht der nur knapp bemessenen Diskussionszeit — insgesamt neun Stunden_ alle «ich aus den Verträgen ergebenden Themen zu behandeln. Seite 2 / Nummer 151 Donnerstag, 3. Juli 1953 Rekordhitze im Bundesgebiet Vorübergehender Temperaturrückgang za erwarten HAMBURG. Während die Rekordhitze im Bundes» gebiet am Mittwoch einen neuen Höhepunkt erreichte, stellen die Wetterfrösche dunkle Prognosen: sie kündigen Gewitter und Temperaturrückgänge bis zu 10 Grad an. Aber das soll nur vorübergebend sein. Ueber dem Atlantik liegt, so sagen die Meteorologen, ein neues Hochdruckgebiet. Mit 34 Grad (München, Hamburg, Hannover), 35 Grad (Berlin und Nordrhein-Westfalen), 37 Grad (Frankfurt) und 39 Grad im Pfälzer Wald nahm die Hitze am Mittwoch für deutsche Verhältnisse fast tropische Ausmaße an. Nur die heißen Juni-Juli-Tage von 1947 übertreffen vielerorts für die letzten Jahrzehnte diesen Rekord. Die Münchener Brauereien mußten Privatautos zum Biertransport einsetzen, da der Nachholbedarf der Gaststätten für die vielen ausgedörrten Kehlen die Wagenkapazität überstieg, fm Staffelsee bei Murnau, der zu den wärmsten Seen Deutschlands zählt, ist die Wassertemperatur auf über 25 Grad gestiegen. In Nordrhein-Westfalen häufen sich die Meldungen über Wassermangel in Städten und Kreisen. Große Teile der Stadt Iserlohn sind seit Dienstag ohne Wasser. Mehrere Betriebe mußten die Fabrikation vorübergehend einstellen. Tankwagen der Feuerwehr bringen den Haushalten die notwendigsten Mengen. In Dortmund brachen zwei größere Brände aus, die nach Ansicht der Feuerwehr auf Selbstentzündung zurückzuführen sind. In den Westland-Gummiwerken in Westerhausen bei Melle (Niedersachsen) legte die Belegschaft einer Abteilung wegen der starken Hitze die Arbeit nieder und ging nach Hause. Die Geschäftsleitung erklärte sich mit dem Hitzeurlaub einverstanden. Die Winzer an der Weinstraße sind besorgt, da das Wasser, das sie so nötig zum Spritzen der Weinberge brauchen, knapp wird. Der Mangel hat sich in den Dörfern des walcT- und flußarmen Rheinhessens schon unangenehm bemerkbar gemacht, Die Einwohner .von Nieder-Olm wußten sich nicht anders zu helfen und wuschen sich mit Mineralwasser. Voh vielen Orten wurden Gras- und Moorbrände gemeldet und fast überall weichten die Asphaltstraßen auf. Die heißen Tage bringen aber auch eine besonders hohe Zahl von Unglücksfällen. Allein im Regierungsbezirk Arnsberg ertranken sieben Menschen. In Berlin erlitt ein 55 Jahre alter Mann auf der Straße einen Hitzschlag und brach tot zusammen. Im Rhein und in der Wedau bei Duisburg sind seit Dienstag siebzehn Menschen beim Baden ertrunken. Die Stadt Karlsruhe hatte am Mittwoch mit 38,8 Grad die höchste Temperatur in Süd Westdeutschland und gleichzeitig die seit 80 Jahren höchste in der Stadt zu verzeichnen. Das Stuttgarter Wetteramt gab für die Landeshauptstadt eine Temperatur von 36,7 Grad an. Mannheim meldete 38,5 Grad, die Gebiete am Hochrhein 38,4 Grad. In Freiburg wurden gegenüber 35 Grad am Dienstag 38 Grad im Schatten gemessen. Die gleiche Temperatur wurde von der Station des Landeswetterdienstes auf dem Tübinger Schloß abgelesen. Damit wurde in Tübingen der bisher bekannte .absolute Hitzerekord vom Juli 1921 erreicht. Auf dem höchsten Schwarzwaldgipfel, dem 1496 m hohen Feldberg, wurden 26 Grad registriert, eine für diese Höhenlage unverhältnismäßig hohe Temperatur. Bundesbahn beugt vor Ehe ungewöhnliche Hitze der letzten Tage hat die Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbahn veranlaßt, alle Bahnstrecken verstärkt überwachen zu lassen und Sondermaßnahmen zu treffen, um Gleisverwerfungen vorzubeugen. Durch Gleisverwerfungen sind am Dienstag im Bundesgebiet zwei Züge entgleist. Einige Reisende wurden dabei leicht verletzt. Die Gleisverwerfungen entstehen, wenn die Schienen sich durch die Hitze ausdehnen. Schwere Gewitter über England LONDON. Schwere Gewitter gingen in der Nacht zum Mittwoch über England nieder. Die nahezu tropischen Regenfluten verursachten zahlreiche Ueber- schwemmungen, durch Blitzschlag gingen etwa 40 Gebäude in Flammen auf. Allein in Birmingham wurden mehrere hundert Häuser unter Wasser gesetzt Hagelkörner, die einen Durchmesser von zwei bis drei Zentimeter hatten, verletzten viele Menschen im Gesicht und an den Händen. In Sheffield (York- shire) drangen die Regen fluten in ein Theater ein. Die Zuschauer im Parkett zogen ihre Füße hoch und ermöglichten dadurch die Weiterführung der Vorstellung. Die Wetterstationen haben weitere Gewitter für London und Südostengland in Aussicht gestellt. In verschiedenen Teilen Frankreichs führte die anhaltende Dürre am Dienstag zu weiteren Waldbränden, die beträchtlichen Schaden anrichteten. Die meisten Brände konnten von den Feuerwehren rasch eingedämmt werden. Auch in Belgien brachen am Montag und Dienstag mehrere Waldbrände aus, die mit großer Wahrscheinlichkeit durch die Unachtsamkeit von Spaziergängern verursacht wurden. In der Provinz Limburg und im Kempener Land sind 600 Hektar Wald in Flammen aufgegangen. Schwere, mit Regengüssen verbundene Stürme suchten die japanische Ostküste heim und forderten bisher mindestens zehn Menschenleben. Nach Berichten aus den betroffenen Gebieten wurden 72 Häuser zerstört und über 19 700 Gebäude teilweise überflutet. Ueber 300 Schiffe und zahlreiche Brücken wurden von den Fluten weggetragen. Die Gewitter legten 31 Kraftwerke lahm. Durstiger Schrankenwärter vergaß Eilzug WISCHERHÖFEN. Die Bundesbahn hat einen 59- jährigen Schrankenwärter in Wischershöfen (Kreis Unna) vom Dienst beurlaubt, weil er am Dienstag durch Nachlässigkeit beinahe ein Zugunglück verursacht haben soll. Wie die zuständige Polizeistation in Herringen am Mittwoch mitteilte, habe der Beamte seine Blockstelle verlassen, um sich an einem etwa dreißig Meter entfernt stehenden Milchwagen etwas zum Trinken zu besorgen. Gleichzeitig hätten sich auf den Schienen in hoher Geschwindigkeit der planmäßige Eilzug Hamm—Dortmund und auf der Straße ein Lkw genähert, ohne daß die Schranken an der Blockstelle geschlossen waren. Der Fahrer des Lkws habe im letzten Moment den herannahenden Zug erkannt, Vollgas gegeben und um Haaresbreite die andere Seite des Bahnübergangs erreicht. Er erlitt anschließend einen Nervenzusammenbruch. Totengräberstreik in Santiago SANTIAGO DE CHILE. Auf dem Zentralfriedhof von Santiago häuften sich dieser Tage die Särge, nachdem sämtliche Totengräber in Streik getreten waren. Truppen der Garnison von Santiago mußten eingesetzt werden, um die Toten zu bestatten. Die Soldaten mußten ihr eigenes Gerät mitbringen, da die Totengräber auch ihre Schaufeln mitgenommen hatten. Zur selben Zeit streikte das Pflegepersonal in den öffentlichen Krankenhäusern und der Irrenanstalt. Die Kranken mußten aus den Hospitälern in häusliche Pflege überführt werden. Die Schwerkranken wurden von Aerzten, Medizinstudenten und Helfern des Roten Kreuzes versorgt. Die Regierung hat einen Teil des streikenden Personals entlassen, da die wiederholte Arbeitsniederlegung der Krankenpfleger und Friedhofswärter große Erbitterung in der Bevölkerung hervorgerufen hat. SRP unter der Lupe des Verfassungsgerichtes Ist Doris Doktor ? - Hat Bemer für die Amerikaner gearbeitet ? KARLSRUHE. Am zweiten Tag der Verhandlung vor dem Bundesverfassungsgericht über den Antrag der Bundesregierung auf Feststellung der Verfassungswidrigkeit der Sozialistischen Reichspärtei beschäftigte sich das Gericht mit der inneren Organisation der SRP. Zu Beginn der Verhandlung verwahrte sich der Staatssekretär im Innenministerium, Ritter von Lex, der die Bundesregierung vertritt, gegen die von dem Rechtsvertreter der SRP Dr. Schrieber am Dienstag erneut aufgegriffene Behauptung. die Bundesregierung habe sich bereits Ausweichquartiere im Ausland besorgt Es sei unerhört, daß die SRP diese diffamierenden und unwahren Behauptungen erneut erhebe. Bei dem angeblichen Beweismaterial, das die SRP vorgelegt habe, handele es sich lediglich um „Manöverlagen“ amerikanischer Offiziere, mit denen die Bundesregierung nichts zu tun habe. Bei der Befragung der Vorstandsmitglieder der SRP über ihren persönlichen und politischen Werde- fllle Zeitungen sind Tendenzbetriebe HAMBURG. Die beiden Zeitungsverlegerverbände der Bundesrepublik haben sich gemeinsam in zwei getrennten Schreiben an die Kommission des Deutschen Gewerkschaftsbundes und an die Vertreter der Koalitioneparteien gewandt, die gegenwärtig über das künftige Betriebsverfassungsgesetz beraten. Die beiden Verbände vertreten in diesen Briefen die Ansicht, daß gemäß dem in der Verfassung verbürgten Recht der freien Meinungsäußerung ohne Ausnahme alle Zeitungen als „Tendenzbetriebe“ anzusehen seien. Damit schlagen die Verbände vor, einen Abänderungsantrag des DGB zum Entwurf des Betriebsverfassungsgesetzes fallen zu lassen, der nur die parteipolitisch gebundenen Zeitungen als Tendenzbetriebe anerkennen will. Die politisch ungebundene Presse, der die Mehrzahl der Tageszeitungen zuzurechnen -sei, komme sonst in die Gefahr von Eingriffen in die freie Meinungsbildung. Dies führe dann auf kürzestem Wege von der Demokratie in eine neue Diktatur. Bandosrat geht am 26. Juli in Ferien BONN. Der Bundesrat geht am 26. Juli in die Sommerferien. Die letzte Sitzung davor soll am 25. Juli sein. Erat Anfang September wird dann die nächste Bundesratssitzung folgen, in der u. a. die Neuwahl des Bundesratspräsidenten zur Debatte steht. Dieses Amt wechselt jedes Jahr. Nach einer vereinbarten Reihenfolge, die sich nach der Größe der Bundesländer richtet, wird der Ministerpräsident von Baden- Württemberg, Dr. Reinhold Maler, Nachfolger des jetzigen Bundesratspräsidenten Hinrich Kopf werden. S-Bohnonglück in Westberlin BERLIN. Am Bahnhof Papestraße in Westberlin ereignete sich am Mittwochnachmittag ein S-Bahn- Zusammenstoß. Ein S-Bahnzug fuhr auf einen haltenden Zug auf. Dabei wurden zwei Wagen zertrümmert. Mehrere Fahrgäste wurden schwer oder leicht verletzt und durch die Feuerwehr in Krankenhäuser gebracht. Die genaue Zahl der Verletzten irt noch nicht bekannt. . gang erhoben sich Zweifel an dem Doktortitel von Doris. Da dem Gericht ein Schriftstück vorlag, aus dem hervorging, daß an der Universität Heidelberg von einer Promotion Doris nichts bekannt ist, behielt sich das Gericht nähere Ermittlungen vor. Zweifel ergaben sich auch in der Frage der militärwissenschaftlichen Tätigkeit Remers für die Amerikaner. Remer behauptete, er habe nur an einem Kriegstagebuch seiner Division gearbeitet, dem Gericht lagen jedoch Dokumente amerikanischer Stellen vor, nach denen seine Arbeiten auf einen amerikanischen Auftrag zurückgingen. Bei der Erörterung der Satzungen der SRP wies Dr. Höpker-Aschoff, der Präsident des BVG, darauf hin, daß zum Beispiel der Paragraph 20 der neuen Satzung mit allem Ernst die Frage aufwerfe, ob sie den demokratischen Zielen diene, da nicht die Mehrheit, sondern ein kleines Gremium über die Auflösung einzelner Unterorganisationen der Partei entscheiden könne. Erhard wird deuticher Gouverneur der Weltbank BONN. Das Bundeskabinett hat am Dienstag beschlossen, Bundeswirtschaftsminister Prof. Erhard als deutschen Gouverneur in die Weltbank zu entsenden. Zu seinem ständigen Stellvertreter hat das Kabinett Bundesfinanzminister Schäffer bestimmt. Die Entsendung Erhards folgt nach Ansicht des Kabinetts klar aus seiner Zuständigkeit für das Ressort „Geld und Kredit“, die kürzlich nach längerem Kompetenzstreit zwischen dem Bundeswirtschaftsministerium und dem Bundesfinanzministerium dem Bundeswirtschaftsministerium zugesprochen wurde. Größte USl-Bofschnft in Bonn BONN. Die künftige Botschaft der Vereinigten Staaten in Bonn wird einen Stab von 2 300 Mitarbeitern haben, von denen 600 Amerikaner und 1700 Peutsche sein werden. Die Zahl der amerikanischen Angestellten Wird sich mit der Auflösung der Ruhrbehörde verringern. Neben der Botschaft in Bonn werden die Amerikaner nach Mitteilung des „Diplomatischen Kuriers“ sechs Generalkonsulate, eine besondere konsularische Abteilung in Berlin ud fünfzehn Informationsbüros errichten. Insgesamt werden im diplomatischen Dienst der USA im Bundesgebiet 1000 amerikanische und Abteilung in Berlin und fünfzehn Informationsbüros tralen werden in Berlin, Bonn, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt, Freiburg, Hamburg, Hannover, Kassel, Koblenz, Mannheim, München, Nürnberg, Regensburg und Stuttgart errichtet. Die USA-Botschaft in Bonn wird die stärkste diplomatische Vertretung sein, die von den Vereinigten Staaten im Ausland unterhalten wird. Die Botschaften in London und Paris haben jeweils rund 400 Angestellte. McCloy Dr. Ing. e. h. der TV Charlottenburg BERLIN. Dem scheidenden Höhen Kommissar der USA, John McCloy, ist die Würde eines Ehrendoktors der Westberliner Technischen Universität in Charlottenburg verliehen worden. Auf einem akademischen Festakt, der für den 11. Juli vorgesehen ist, soll ihm die Urkunde feierlich überreicht werden. McCloy erhält als Abschiedsgeschenk von der Stadt Frankfurt die Goethe-Plakette. Düsenjäger mit „Elektronenbesatzung" BURBANK (Kalifornien). In den USA wird jetzt ein neuer Düsenjäger produziert, der automatisch manövriert und feuert. Es ist die „Starfire“ der Lockheed-Flugzeuggesellschaft, wie die amerikanischen Luftstreitkräfte am Mittwoch mitteilten. Der Jäger hat keine Bordgeschütze, sondern ist mit 24 Raketen versehen, die ringförmig um die Nase des Flugzeugs herum angeordnet sind. Außerdem können Reserveraketen an den Flügeln untergebracht werden. Der Pilot und des, Radaroperateur haben lediglich die Aufgabe, die Maschine zu starten, zu landen und in das allgemeine Zielgebiet zu lenken. Dort wird die „Elektronenbesatzung“ eingeschaltet, die den Feind erspäht, das Ziel findet, anvisiert und beschießt. Eine Neuerung in der „Starfire“ ist der „elektrische zweite Pilot“, der das Flugzeug bei Luftkämpfen, wo es auf Bruchteile von Sekunden ankommt, richtig manövriert. Das Herz dieses neuen Gerätes ist eine Metallschachtel von der Größe eines Kofferrundfunkgerätes, die drei Kreiselkompasse enthält. Engtischer „Wahlprophet" LONDON.Der „Wahlprophet“ Dodds sagte die nächste Parlamentswahl in Großbritannien für Ende Juni 1953, die Zeit „nach der Krönung“, voraus. Dodds ist Labourabgeordneter. Es soll das Datum der beiden vorigen Wahlen richtig angegeben haben, lange bevor es offiziell bekanntgegeben wurde. Den neuen Termin erwähnte er am Dienstagabend im Unterhaus. Dodds bemerkte, er habe ihn nicht von Zigeunern. Neuer Präsident Islands REYKJAVIK. Mit knapper Mehrheit wurde Asgeir Asgeirsson zum neuen Präsidenten Islands gewählt Am Dienstagabend wurden in Reykjavik die Ergebnisse der Wahl vom vergangenen Sonntag bekanntgegeben. Asgeir Asgeirsson, der Banddirektor ist und der Arbeiterpartei angehört, erhielt 32 925, der Geistliche Bjami Jonsson 31040 Stimmen. Wellenplan für UKW und Fernsehen STOCKHOLM. Vertreter von 21 europäischen Staaten haben nach einer mehrwöchigen Konferenz in Stockholm ein Abkommen über die Wellenverteilung für Ultrakurzwellenrundfunk und Fernsehen unterzeichnet. Das Abkommen gilt bis 1957 und sieht die Errichtung von 2000 UKW-Sendern und 700 Fernsehsendern im Gebiet der Unterzeichnerstaaten vor. Für die Bundesrepublik Unterzeichneten Vertreter der Bundespost das Abkommen. KJteme ihmdtcUau. BONN. Der Oberkommandierende der kanadischen Brigad* in Deutschland, Brigadier Geoffrey Walsh, hat am Mittwoch, nachmittag in Begleitung des kanadischen Botschafters Thomas C. Davit dem Bundeskanzler einen Höflichkeitsbesuch abgestattet. BONN. Der amerikanische Hohe Kommissar John McCloy überreichte am Mittwoch dem Rektor der Bonner Universität, Prof. D. Dr. Dr. h. c. Richter, einen Scheck über 500 00« D-Mark zum Bau eines neuen Universitätsgebäudes, das als Institut und Studentenheim Verwendung finden wird. BONN. Die Bundesländer haben im vergangenen Haushaltsjahr nach einer am Dienstag veröffentlichten Statistik insgesamt *47 Millionen Mark mehr eingenommen, als sia ausgegeben haben. BONN, zum erstenmal ln der Geschichte des deutschen Auswärtigen Dienstes wurde einer Frau der diplomatische Rang eines Vortragenden Legationsrats verliehen, und zwar dem stellvertretenden Protokollchef der Bundesregierung Frau Erica Pappritz. BONN. Am Dienstag ist in Bonn einer der Pioniere des deutschen Verkehrs, der langjährige Abteilungsleiter im früheren Verkehrsministerium, Ministerialdirektor a. D. Dr. Ing. e. h. Emst Brandenburg, im Alter von *9 Jahren gestorben. Dr. Brandenburg war Träger des Ordens „Pour le merite“. BERLIN. Der amerikanische Botschafter in Moskau, Ge- orf. Kennan, ist am Dienstag von Berlin mit seiner Fgmilie nac.» Moskau zurückgeflogen. LONDON. Die seit Mai vorigen Jahres verschwundenen britischen Diplomaten Burgess und MacLean sind jetzt au» der Liste des Foreign Office gestrichen worden. LONDON. Eintausend Parlamentsabgeordnete aus allen Teilen der Welt, darunter sieben aus Deutschland, sind zu einer Weltkonferenz über die Bildung einer Weltregierung nach London eingeladen worden. TOKIO. Die Waffenstillstandsverhandlungen in Pan Mun- jon wurden am Mittwoch, auf Antrag der Kommunisten, überraschend um 24 Stunden verschoben. STOCKHOLM. In Helsinki starb am Dienstag der frühere finnische Ministerpräsident Pekkala, der ln den Jahren 194* bis 1948 die Nachkriegsverträge mit der Sowjetunion Unterzeichnete. DEN HAAG. Ein israelischer Sprecher dementierte am Mittwoch die Erklärung von Staatssekretär Prof Hallstein, daß die Ernennung Dr. von Trützschlers zum Mitglied der deutschen Delegation „zur großen Befriedigung unserer israelischen Verhandlungspartner“ erfolgt aei. KAIRO. Kairoer Pressemeldungen zufolge bemüht sich das ägyptische Erziehungsministerium gegenwärtig um Lehrer für den Deutsch- und Italienisch-Unterricht in den ägyptischen Mittelschulen. GALATZ. Die sechste Tagung der Donaukommission fand am Dienstag Ihren Abschluß mit einer Zurückweisung der jugoslawischen Vorschläge, die eine Aenderung der „undemokratischen“ Verfahrensregeln und eine. Einschränkung des mächtigen sowjetischen Einflusses in der Kommission wünschen. BUENOS AIRES. Das argentinische Abgeordnetenhaus nahm einen Gesetzentwurf über die Errichtung eines Nationaldenkmals für Eva Feron, die Gattin des argenlnischen Staatspräsidenten, an. 0 „Die Frau oom Moor" Heimatroman von Maria Bar ehtaab raitar Alle Hechte: Prometheus-Verlag, Gröbenzell 41. (Nachdruck verboten) Daß die Eli* fortgelaufen war, so sprunghaft und plötzlich wie sie gekommen war, das nahm die Walp am Morgen nimmer schwer. Das steckte halt in der EUs, dieses Kommen und Gehen, diese Ruhelosigkeit, die vielleicht nichts anderes war als — Heimatlosigkeit. Sie würde schon wiederkommen, wenn die Stadt ihr zuwider wurde und wenn sie das schlechte Gewissen beschwichtigt hatte, die Angst, daß die alte Rake reden würde über den Streich mit der baumelnden Radlateme am Kuhstrick. Merkwürdig, gar keinen Zorn mehr hatte die Walp! Alles konnte *ie jetzt verzeihen. Kein Wort mehr würde sie verlieren, alles Ungute war vorbei und abgetan. Die dumme Elis, hatte sie denn überhaupt noch eine bleibende Stätte auf der Welt, hier oder anderswo? Bei der Walp oder beim Lorenz? Wohin denn wollte sie sonst? Die arme Elis. Und da hakte nun wieder der Traum mit seinem leisen Stachel ein, den er zurückgelassen hafte im Unbewußt«!, im Helldunkel. Da war die Elis nämlich im Traum zur Walp in die Küchel getreten, ein verschwommenes Lächeln um den Mund, ein Lächeln, das eigentlich gar keines war, wenn man näher hin- sah, eher eine verschreckte Verwunderung. Mit der rechten Hand hatte die Elis das unordentliche Haar aus der Stirn gestrichen, das fahlrote, häßlich verfärbte, und in der linken Hand, die steif abwärtshing, einen verwetzten Koffer getragen, mit Stricken verknotet, und dazwischen steckte ein Schirm. Irgendwas hatte die Elis gesagt, was die Walp nimmer wußte. Aber sie hatte es angehört unter dem gleichen seltsamen Tränensturm wie draußen am Totenbrett. Jet ja noch viel zu früh, Elis“, hatte die Walp gesagt, die an den Nachtzug dachte oder an den Omnibus, „hättest noch soviel Zeit gehabt . . .“ Aber die reisefertige Elis hatte den Kopf geschüttelt, auf dem kein Hut saß, merkwürdigerweise und war still zur Tür hinausgegangen. Und als die Walp, wieder von dem jähen Weh gepackt, ihr nachstürmen wollte, war plötzlich keine Tür mehr in der Wand gewesen, in der glatten, kalten, harten Wand, an der sie vergeblich herumtastete und sich die Finger wundrieb. Den ganzen Morgen hatte die Walp an den Traum gedacht, beim Melken, beim Kälbertrankkochen, beim Hennenfüttem und beim eigenen schweigsamen Frühstück über der dampfenden Brotsuppe. Erst beim Mistbreiten in der frischen Luft vergaß sie ihn. Schneewasser gluckste unter den alten bruchigen Soldatenstiefeln, die sie noch vom Vater her hatte und drin sie fest und sicher stand, wenn auch nimmer ganz trocken. Der Boden war wie ein vollgesogener Schwamm, in den Abzugsgräben plätscherte es blau dahin. Auch die Berge waren wieder da als silberne Bogen im Süden. Es war noch zu früh, an den Auswärts zu denken, an den Frühling im Moor, aber die Walp tat es doch, vom föhnigen Wehen verführt. Margen konnte es wieder schneien. Aber heute sang die Walp-sang leise vor sich hin — — weil halt der Peter lebte, der Peter . . . Da streifte sie Hartl, der Knecht, mit einem seltsamen Blick. Und schon war der Argwohn wieder da. Schon war die Walp, die mißtrauische, wieder auf dem Ansprung mitten ins Geheimnis hinein. Sie k ni ff die Augen ein und schaute sich den Hartl näher an, wie er dastand neben der Mistfuhr und zwischen den Hörnern der Zugochsen zu ihr herüberspähte. Sein borstiger Schädel saß geduckt zwischen den Schultern. So wirkte er kleiner als sonst. Und die Walp mußte denken, wie klein, wie überraschend klein auch die Rake in einer einzigen Nacht geworden war, schier wie ein siebenjähriges Kind mit einem greisenhaften Geeicht. „Ihr zwei sagt mir nicht alles“, begann die Walp unvermittelt, „Ihr steckt unter einer Decke, du und die Rake. Aber wenn irgendwas mit der Elis, irgendwas wenn geschehen ist, dann muß ich es wissen. Die Schwester bin ich. Die letzte Weidacherin. Hörst, Hartl! Heraus mit der Sprach!“ Er wandte das Gesicht mit den schweren Hängesäcken unter den Augen verlegen ab. „Hü!“ sagte er nur und schmitzte den Ochsen die Geißel über die Rippen. Aber die Walp faßte mit solcher Kraft seinen Oberarm, daß er stehen bleiben mußte und die Ochsen mit ihm. „Hartl, du weißt was! Hartl, was ist mit der Elis?“ „Was soll denn sein mit ihr? Daß sie liederlich ist, das weißt du eh schon. Fort ist sie. Weg. Und mein Sparbüchl hätf sie gern mitgenommen . . .“ „Dein-Sparbüchl? Die Elis?“ Die Walp wurde glührot. Sie wußte, daß der Hartl sein bißchen Hab und Gut, sein Erspartes im Büchl, säuberlich aufbewahrte in seinem Kommodkasten unter den wollenen Zopfstrümpfen. Jeder im Moorhof hatte das gewußt. Der Vater. Die Elis. Er hatte doch oft genug damit geprahlt, der Hartl; denn sparen, das konnte er . . . Hatte die Elis den Hartl-bestehlen wollen? Denn freiwillig, das wußte die Walp, gab der Hartl sein Büchl nicht her. Freiwillig nie und nimmer. Nicht um die Welt! Der Knecht warf einen scheuen Blick auf die Walp: „Ich hab'e ihr aber wieder abgenommen. Grad noch hab ich sie erwischt.. .“ „Wo?“ „Am Birkenstraßl . . .“ „Beim Totenbrett?“ Erstaunt sah er sie an. Dann nickte er stumm. Mit dem Aermel fuhr er sich über die Stirn und wischte ab wie im Hochsommer. Die Walp war bleich wie der Tod. „Ihr habt gestritten miteinander, du und die Elis? Euch gebalgt wie die Zigeuner?“ Er konnte wieder nur nicken. „Schand!“ stieß die Walp hervor. „Schandl Schand!“ Schier mitleidig schaute er auf sie: „Ich half schon den Mund. Ich sag* nix, Walp. Ich sag überhaupt nix mehr. Gar nix. Still bin ich bis an mein End ..." „Hat euch wer gesehen? Die Rake?“ „Grad noch ist sie dazugekommen. Der Breitlech- ner hat sie abgesetzt vor unser«: Tür“. Und der Breitlechner? Hat der — — vielleicht der?-“ „Der hat nix gehört und gesehen. Der war schon fort“. Die Walp atmete auf. Vielleicht ließ sich doch noch ein Bröslein Ehr für die Weidacherischen retten. Wenn das wieder unter die Leut gekommen wär? Und dem Peter seine Leut wenn das erfahren hätten? Und er selber, der Peter? Nie durfte er davon was hören, nie! Vielleicht wollte er einmal keine Kinder von der Walp, die mitten aus einer solchen Verderbnis kam?: Diebe-Totschläger-Gach- zomige . . . Kein Wunder, wenn einen Mann die Angst anflog vor einer solchen Erbschaft, die dem Moorhof eingebrannt sein mußte, eingebrannt bis unters Dach! Schweigen also! Zudecken! Vertuschen! Nun durfte man den Knecht an Lichtmeß nicht wegschicken, so unleidlich er einem auch geworden war. Nun mußte man ihn halten um jeden Preis und für alle Zeit. Nun war man in seiner Hand ganz und gar. Aber er sah eigentlich nicht aus, wie einer, dem man mit Müh‘ und Not, mit Geld und guten Worten das Schweigen abkaufen mußte. Er schaute selber aus wie-ein Schuldiger. Ein Mitschuldiger . . . Aber vielleicht war er ganz einfach-treu? Anhänglicher, als man bisher gewußt hatte? Sowas sollte es auch geben: Dienstboten, Ehehalten, die zum Hof hielten und schweigen konnten, wenn'* Not tat. Die Rake hatte doch auch schon sowas gesagt gestern abend im Bett — — ein merkwürdiges Wort vom Treusein des Hartl . . . Wirr im Kopf schaute die Walp hinter der Fuhre her, wovon der Hartl mit der Gabel einen kleinen Dunghaufen nach dem anderen herunterriß. Er trieb die Ochsen an, als könnte er nicht schnell genug aus Walps Nähe kommen. Seine Stimme, sein „Hü“ und „Hö“ klang anders als bisher, ganz anders. Und sein Rücken war gebeugt wie unter einer schweren Last. * Es geschah, daß wieder Kätzchen an den Weiden saßen. Das Torfmoos schwoll an in dicken Polstern. Ueber den Birkenwipfeln lag ein Hauch von Violett und Silber. Nur die siebente Birke, die das Totenbrett trug, schweigend wie ein Unschuldiger ein schweres Vermächtnis, fing an zu kranken. Sie hatte genug an dem Fluch, der ihr aufgeladen war. Sie mochte nimmer. Ihr Wipfel blieb unbeteiligt und tot. (Fortsetzung folgt) 0 Ein Luxushotel in Puerto Rico Das der amerikanischen Hllton-Gesellschaft gehörende „Caribe H i 1 - t o n“ ist eins der überzeugendsten Beispiele moderner Hotelbaukunst ■ _ : Das neun Stockwerk hohe „Caribe Hüton“ erhebt sich auf einer Eisenbetonplatte von 92 cm Stärke, die von einer großen Zahl massiver runder Säulen getragen wird. Die Fassade mit den schrägg/estellten Fensterfronten der Hotelzimmer wirkt, zumal in dieser tropischen Landschaft, ungeheuer eindrucksvoll. ’r'Ji »xo©«ewSs*/ Links: Eins der 300 Hotelzimmer, in denen die sonst üblichen Betten fehlen. Moderne Couches, die sich mit wenigen Handgriffen in bequeme Schlafstätten umwandeln lassen, geben den Räumen einen ausgesprochen wohnlichen Charakter. Das Vielfarbenmuster der handgewebten Armsesselbezüge ist auf die allgemeine Farbtönung im Raum abgestimmt, deren Grundton durch die Farbe der linken Wand bestimmt wird. Diese Wand ist außerhalb der Glaswand auf dem Balkon weitergeführt und trägt das Farbmotiv mit ins Freie. Die Fußböden sind mit Zementplatten belegt, die je nach Raumstimmung einfarbig oder gemustert ausgeführt sind. Der auf die Zimmerfarben abgestimmte Fußbodenbelag ist abwaschbar. Unter dem Glasfenster zum Balkon sind die Ein- und Auslaßschächte der Klimaanlage untergebracht, die durch einen langen Blumenkasten abgedeckt sind. — Rechts: Besonders eindrucksvoll ist die Konstruktion und Gestaltung der Haupttreppe. Sie hat massive Betonstufen, von denen jede einen dicken Teppichüberzug trägt. (Fotos: US AD) liill Ü&: Blick aus der großen Hotelhalle auf die See. Die Treppe im Vordergrund ist ein Aufgang für Besucher des Nachtklubs, die nicht im Hotel wohnen. „Hatten da einen guten Rausch" Hans von Schweinichen, Kulturhistoriker wider Willen — Zum 400. Geburtstag des Ritters von Liegnitz Der schlesische Ritter Hans von Schweinichen, den nunmehr schon fast dreieinhalb Jahrhunderte die Erde deckt, war gewiß von sich ziemlich eingenommen und spielte in der schlesischen Geschichte ja tatsächlich eine — allerdings äußerst bescheidene — Rolle. Aber daß man noch im Jahre 1952 seines 400. Geburtstages gedenken würde, hat er wohl kaum geahnt. Wenn das nun doch der Fall ist, dann gilt unsere Aufmerksamkeit keineswegs Schweinichen selbst, der nicht bedeutender öder interessanter ist als Dutzende und Hunderte seiner Zeitgenossen aus den Jahrzehnten vor dem 30jährigen Krieg. Aber Hans von Schweinichen hat tagebuchartige Memoiren hinterlassen, die zu den interessantesten Kulturdokumenten des ausgehenden 16. Jahrhunderts zählen — gerade weil sie vollkommen unkünstlerisch abgefaßt sind. Wir erleben darin in vollster Unmittelbarkeit das Tun und Treiben am Hofe eines ostdeutschen Duodezfürsten, des liderlichen Herzogs Heinrich XI. von Liegnitz. Ein bunter Reigen von Saufgelagen, Bettelreisen, Familienzänkereien, prasserischen Hochzeitsfeierlichkeiten, naivem Aberglauben, Gaunerstreichen und höfischem Ränkespiel tut sich vor uns auf — ein Tagebuch des Fressens, Saufens und Schuldenmachens, vollsaftig bis zur Derbheit und doch mit entwaffnender. Selbstverständlichkeit dahergeplaudert, wobei der methodisch-statistische Sinn des Autors besonders effektvoll wird. So verzeichnet er. etwa sorgfältig auf fast jeder Seite „Hatten da einen guten Rausch“ oder „Ich hatte allda zwei starke Räusche“. Es wurde unbekümmert in den Tag und in die Nacht hinein gelumpt, und so heißt es einmal: „Zu Nürnberg waren wir lustig und guter Dinge und ließen uns nichts anfechten, obgleich der Herr kein Geld hatte. Er spielte oft und viel und gewann auf einmal zu 200 Reichstaler. Ein andermal verspielte er wieder, und der ganze Gewinn, den er in Nürnberg machte, war 255 Reichstaler. In der Herberge aber waren verzehrt 270 Reichstaler, wie mein Register ausweiset. Da der Wirt mit barem Geld nicht bezahlt werden konnte, gab ihm der Herzog ein Kleinod zum Unterpfand. So kamen wir mit gutem Namen davon.“ Immer ging es freilich mit dem „guten Namen“ nicht ab, und wenn einmal auch schon der Schmuck der Frau Herzogin verpfändet war, dann blieben die Schulden eben ohne Unterpfand. Aber in fast jede Situation paßte der Satz, der sich in vielen Variationen im ganzen Buch findet: „Wir waren sonst lustig, und ich hatte diese Tage über zwei Räusche.“ In den letzten anderthalb Jahrzehnten seines Lebens ist der feuchtfröhliche Ritter zeitgenössischen Berichten zufolge etwas solider geworden, aber darüber hat er nicht mehr Tagebuch geführt. Vielmehr schließen seine Aufzeichnungen mit der Wiederverheiratung im 50. Lebensjahr und der schlichten Feststellung: „Ich bin an allen drei Tagen, welche die Hochzeit währte, mit einem guten Rausch zu Bett gegangen.“ Amerikanische Kunstliebhaber geben nach einem Bericht des „Wällstreet Journal“ jährlich rund zehn Millionen Dollar für den Kauf von Öriginalgemälden vor allem junger amerikanischer Künstler aus. Alle finnenmäddien heißen Kaum EINE GESCHICHTE VON EMIL GURDAN Habe ich schon von jenem Haus am Wege erzählt? Es liegt nahe dem Fluß, und am Ufer des Grundstückes habe ich einen Kahn gesehen, dem schon seit einigen Tagen mein Augenmerk gilt. Denn die andere Seite, das Drüben mit dem satten Grün und dem Höhenzug voller Wald, lockt mich seit langem. Wie denn auch sollte ich vorher wissen, daß ein Ausborgen des Bootes zugleich auch . . . nun, gerade heraus, sie heißt Karina Sarkinen — fast alle finnischen Mädchen heißen Karina — ist siebzehn Jahre alt, hat ein Stupsnäschen und unglaublich blaue Augen in einem unglaublich braunen Gesicht, das bis an den von weizenfarbenen Locken gehaltenen Rand mit einem Lächeln angefüllt ist. Als ich bei ihrer Mutter des Bootes wegen anfragte, die in einem Gewimmel von Kindern stand, rief sie nach Karina, denn sie sprach kein Deutsch. Und als Karina meine Bitte ihr übersetzt hatte, bot mir die Mutter Karina als ,Schiffsjungen“ an. Denn es wäre sehr schwer, mit einem finnischen Boot durch die Strömung zu fahren. Ich hatte ein heimlich-spöttisches Lächeln für ihren Einwand, war ich doch in meiner Schulzeit sogar einmal Kassierer unseres Gymnasialwassersportklubs gewesen. Aber man ist Kavalier, und ein solches Angebot lehnt man nicht ab. Ich hatte die Boote immer nur auf dem Wasser, und dieses besondere - nur von weitem, am Strande gesehen. Nun, da wir einstiegen, war ich dem Einwand der Mutter schon etwas geneigter. Und was gar die Ruder betraf, so schleppten vier Kinder an einem; war das ein Anblick, die nackigten Dinger mit den Stangen daherlaufen zu sehen! Selbstverständlich nahm ich die Ruder zur Hand. Und während die ganze Familie mir nachblickte, ja, selbst die Ziege und die beiden grasenden Lämmer hoben prüfend die Köpfe, und Pikku, der Hund, tanzte bellend am Ufer entlang, während alle Blicke uns folgten, steuerte ich das Boot mit gewaltigen Schlägen mitten in die Strömung hinein. In der Mitte des Stromes mußte ich mir einen Weg durch das Treibholz bahnen, und das war gar nicht leicht. Wenn man jedoch ein siebzehnjähriges Ding im Boot hat ... an die andere Seite des Ufers war ich nach hartem Ringen gelangt. Aber plötzlich, ich weiß nicht, plötzlich gehorchte mir das Boot nicht mehr. War es nun in eine unterirdische Strömung geraten oder was sonst, es gab Augenblicke, in denen ich tatsächlich erwog, wie es wohl sein werde: gehen wir drunten in Kemi an Land, oder treiben wir weiter ins offene Meer? Habe ich schon gesagt, daß sie ein Stups— näschen hat? Und dieses Stupsnäschen sagte plötzlich: „Dürfte ich mal versuchen?“ Es war gegen die Ehre, gewiß, aber ich ließ ihr die Ruder, trotz des Kassierers von einst, und sie tat ein paar Schläge damit. In der Sprache, die ein finnisches Ruder zu einem finnischen Strome spricht. Und wie ein Pferd von Rasse nur einem wahrhaften Reiter gehorcht, so gehorchte das Boot ihren Händen. Als wir uns später dann ihrem Grundstück zu nähern begannen, räumte sie mir die Ruderbank wieder ein, und ich sehe darin eine große Ritterlichkeit: Denn da wir zurückkamen, standen die Mutter, die Ziege, die beiden Lämmer und Pikku, der Hund, dicht an der Anlegestelle herum, und alles lachte. Ja, wer weiß, ob nicht sogar die Kaninchen ihre samtweichen Mäuler zu einm Lächeln verzogen. Und in dieses frohe Wohlwollen hinein ist mir dann doch eine elegante Landung gelungen. Fast alle heißen sie Karina, die Mädchen in diesem Lande der Flüsse und Seen. Aus »Die Nachtigallen singen Jetzt wieder*. erschienen im Erich-Schmidt-Verlag, BerUn- , Bielefeld-München.) Der Mann mit den zwanzig Himmeln Father Divine hat Millionen gläubige Anhänger — Negergott mit weißer Fifcu — Einst hieß er schlicht George Baker Philadelphia. — „Friede!“ sagte der Mann, der mir das Himmelstor öffnete. Ich trat ein, eine Frau kam mir entgegen, und auch sie begrüßte mich mit dem schiiditen Wort. Dann führte man mich in einen großen, mit bunten Papiergirlanden dekorierten Saal — den „Himmel“ Philadelphias. Ich befand mich in der Kirche und Verwaltungszentrale des Negerpredigers M. J. Divine, der als „Father Divine“ von Millionen Farbigen und auch Weißen in der ganzen Welt angebetet wird. Seinen ersten „Himmel“ hat dieser selbsternannte Heilige vor über dreißig Jahren in New York gegründet; später Verlegte er sein Hauptquartier nach Philadelphia, well ihn, wie er sagt, „die New Yorker nicht mochten“. Heute besitzt Father Divine wenigstens 20 „Himmel“ und hat Missionen in Panama, Australien, Österreich, Deutschland, Großbritannien und in derSchweiz. Manche seinerVersammlungs- stätten sind ehemalige Millionärs-Landhäuser. Seihe Anhänger behaupten zwar, er besitze keine persönlichen Reiehtümer, Eingeweihte schätzen jedoch das von ihm kontrollierte Vermögen auf umgerechnet über 15)4 Millionen Mark. Diamantringe an den Händen Von seinen Anhängern — sie -rauchen und trinken nicht — wird Father Divine für alterslas gehalten. Die Ungläubigen schätzen ihn auf etwa achtzig Jahre. Ich selbst kann nur sagen, daß der kleine, kräftige und glatzköpfige Mann nicht älter als fünfzig aussieht. Als ich ihm vorgestellt wurde, trug er weiße Flanellhosen und eine Jacke aus dem gleichen Stoff. Von seinem Rockaufschlag leuchtete ein fünfzackiger Stern, und an den Händen trug der besitzlose Heilige vier Diamantringe. Father Divine hat eine weiße Frau: die aus Montreal stammende Edna Rose Rit- chings. Während unseres Interviews saß sie an der Seite ihres Gatten. Stenographen sorgten dafür, daß jedes Wort der Unterhaltung festgehalten wurde. Für seine Anhänger in Europa hatte der Negerprophet diesmal keine persönliche Botschaft — zum Trost gab er mir statt dessen ein Exemplar der von ihm herausgegebenen Wochenschrift mit, in der seine kürzlich erlassenen Botschaften zur gefälligen seelischen Benutzung abgedruckt waren. Ein „bescheidenes“ Mahl Anschließend reichte Father Divine mir die Hand und forderte mich auf, „das Brot mit ihm zu brechen“. Man geleitete mich ki einen mit noch mehr Papierschlangen und Fahnen geschmückten groß«! Eßsaal Wo beim NWDR die Einfälle aufhören, fängt die Unferhaltungsabteilung an. In Hamburg wie in Köln betätigt sie sich hauptsächlich als Schlagerfabrik und Schlagerpropagandistin größten Stils. Unter der fadenscheinigen Devise „Das Publikum will es so“ serviert sie ihren Kunden stets die gleichen schalen Gerichte: Schlager mit faustdicker Erotik (der Generaldirektor Grimme war einst Kultusminister), Schlager mit Texten in mise- rablemDeutsch (der Generaldirektor Grimme war einst . . .), ekelhaft verzuckerte Schlager (der Generaldirektor Grimme war ...), Schlager, deren Dummheit und Verlogenheit den Lautsprecher erröten lassen (der Generaldirektor Grimme . . .). Seit einiger Zeit belästigt Köln die Zwei- Mark-Zahler mit einer Sendung, die „Das ideale Brautpaar“ heißt. Anfangs dachte ich: Na ja, wenigstens mal was anderes! Inzwischen hat man diesen Einfall, der für einen einzigen Abend ausgereicht hätte, zu Tode gequält. Aber das weiß man in Köln nicht, wo das Funkhaus es fertigbringt, nicht nur in der Nähe des Domes, sondern auch hinterm Mond zu liegen. Alle Nasen lang zitiert man prämienlüsteme Brautpaare ans Mikrophon, stellt ihnen Fragen und zwingt den armen Herrn Königstein, um sie herum wahre Eiertänze aufzuführen. Ein Laie würde jetzt vielleicht sagen: Der NWDR hat’s ja auch gar nicht nötig, sich Mühe zu geben. Ob das Programm schlecht ist oder gut, er kriegt unser Geld, und das ist für ihn die Hauptsache. Aber der Fachmann weiß: der NWDR denkt nicht so. Leider nicht. Vielmehr ist er davon überzeugt, daß er allein beurteilen kann, was beim Publikum „an- im Parterre. Am Kopf der langen Tafel verkündete eine Neonschrift von der Wand: „Gottes Heilige Kommunions-Tafel Innere Mission“. Um den Tisch herum saßen weiße und farbige Gläubige und sangen Choräle nach Volkslieder- und Schlagermelodien. Als ihr Prophet mit seiner Gattin eintrat, erhob sich alles, klatschte in die Hände und rief: „Friede, Vater! Friede, Mutter!“ Und Father Divine antwortete würdig: „Friede allen Menschen!“ Das war um. 2.30 Uhr nachmittags. Zwei Minuten später wurde das bescheidene Essen hereingetragen: große Schüsseln mit Reis, Kohl, Karotten, grüne und braune Bohnen, kaltes Fleisch, Fisch, Brathühner und die verschiedensten Sorten Brot und Kekse. Bevor das Mahl begann, erhob sich hinter mir eine Frau und hielt eine Tischrede zum Lobe „Fathers“. Mit vielen blumigen Worten dankte sie ihm für all das Gute, das er für seine Anhänger getan habe. Als si4 endlich fertig war, löste eine ‘andere sie au. Schließlich wurde sogar noch eine aus Australien herübergekommene Schallplatte abgespielt; ein Mann hatte sie besprochen, der vor Jahren einmal mit zwei Pistolen in den Hosentaschen zu Father Divine gekommen war. „Ich war ein internationaler Gangster“, sagte die Gram- mophonstimme, „jetzt bin ich ein internationaler Prediger!“ Die Frauen und Männer am Tisch riefen verzückt: „Es ist wahr! Es ist wahr!“ Daraufhin verkündete der „Heilige“ eine seiner Botschaften. Während er sprach, zitterten die Anwesenden buchstäblich vor Ergriffenheit. Von Zeit zu Zeit schlugen de ekstatisch die Arme über dem Kopf zusammen. Kaum war die Stimme ihres Herrn verklungen, da fielen sie gemeinsam in einen Choral ein. Um 4.30 Uhr wurde die Tafel endlich aufgehoben. „Brüderliche Liebe“ Beim Hinausgehen kam das erwartete dicke Ende. Vor einer demonstrativ am Ausgang aufgestellten Sammeldose blieb mein Begleiter stehen und meinte „Wir bitten Sie nicht, irgend etwas zu bezahlen . . . Geben Sie, was Sie geben können oder was Hie nach Ihrer Meinung geben müßten.“ Ich gab, und der „Sonnige Sonny“ entließ mich mit einem freundlichen Gruß. Sonniger Sonny war sein „heiliger Name“ . . . viele der Jünger Father Divinas haben sich solche Namen zugelegt. Die Frau, die mich zuerst begrüßt hatte, hieß „Gläubige Mary“. Father Divines Wirken wurde am Anfang seiner Karriere als öffentliches Ärgernis angesehen; auf Long Island stand er deswegen einmal vor Gericht. Damals hieß er noch George Baker. Der Richter nannte ihn eine „Bedrohung für die menschliche Gesellschaft“ und verurteilte ihn zu einem Jahr Gefängnis. Ein Berufungsgericht hob dieses Urteil allerdings wieder auf. Später hat Father Divine sich noch häufig mit den Gerichten herumschlagen müssen; er hat aber angeblich jeden Prozeß gewonnen, ohne auch nur ein einziges Mal selbst vor den Richtertisch treten zu müssen. Tom Downes Jth kannte keinen / von g. w. Borth Der Herausgeber eines obskuren Blättchens sagte neulich zu mir: „Menschens- kind, Sie and vielleicht ein Tränentier! Sie haben weder Göring rasiert, noch Hitler im Hauptquartier Vortrag gehalten, Sie hatten keine Unterredung mit Goebbels, und über Dr. Ley’s Säuferwahnsinn wissen Sie ooch nischt Authentisches. Wie wollen Sie bloß als Journalist Karriere machen?“ Ich dachte krampfhaft nach. „Der Bruder des HermBundespräsidenten war in Chemnitz Professor und hat einen Affenpippcher besessen, der Strupp hieß. In meiner Kindheit habe ich diesen Strupp mitunter an die Laterne führen dürfen. Reicht das vielleicht für einen Tatsachenbericht mit sieben Fortsetzungen?“ kommt“. Er ist überzeugt, sein Soll mindestens 150prozentig zu erfüllen, da ja die Kleinkleckersdorfer Obertertianerinnen. ein Babylätzchen für das ideale Brautpaar gestiftet und siebenunddreißig späte Jungfräulein sich in das Stimmchen von Bully Buhlan verhört haben. „Das Publikum will es so“? Angenommen, das träfe tatsächlich zu — angenommen, die überwiegende Mehrzahl der Hörer, ja alle Hörer ohne Ausnahme klatschten dem bräutlichen Abend mit seiner Mischung von Schlagerkitsch und stotternden Pärchen begeistert Beifall — was würde das beweisen? Doch nichts weiter, als daß das Publikum einen schlechten Geschmack hat und der NWDR es als seine Aufgabe betrachtet, diesen schlechten Geschmack zu hegen und zu pflegen. Der Kultusminister a. D. und Generaldirektor Grimme, kürzlich während einer Tagung nach einer Programmeinzelheit befragt, soll (ich war nicht dabei) geantwortet haben: „Ich kann mich doch nicht auch noch um das Programm kümmern!“ Manchmal hat man den Eindruck, keiner der Verantwortlichen kümmere sich um das Programm, zumindest nicht um das von den beiden Unterhaltungsabteilungen gemixte. Sollte das jedoch nicht der Fall sein, sollte die zwischen Halbwelt und Unterwelt angesiedelte Schlpgerfabrik und das Brautpaargestammel höheren Orts als der Weisheit letzter Schluß gelten, dann wäre zu wünschen, die Funkhäuser würden abbrennen und die Insassen der Unterhaltungsabteilungen einer Tätigkeit zugeführt, die sie daran hindert, so viel. Schaden anzurichten, wie sie es heute tun. Der mir wohlwollende Publizist wandt sich. „Es reicht nicht“, stöhnte er. „Wissen Sie denn nischt von Papen und Schacht?“ „Schacht“, sagte ich, „habe ich mal in Chemnitz getroffen.“ „Na, also“, erwiderte mein Partner erfreut. „Los — erzählen Sie!“ „Ja“, sagte ich, „das war so: Ich bin in • der Straßenbahn nach Siegmar- gefahren — da rührt mich doch der Sdilag. Ich sehe, da sitzt Doktor Schacht. Plötzlich drehf er sich tun — da war’s doch gar nicht Doktor Schacht, sondern Studienrat Küntzelmann* vom Realgymnasium. Der trug nämlich auch so einen Betonstehkragen.“ Mein Gesprächspartner wischte sich die Stirn. „Sie können einen weich machen. Voraussetzung für einen Journalisten ist, daß er alle Welt kennt. Internationale Größen. Menschenskind, Sie müssen doch « Ich gab mir die größte Mühe. „Im Jahre 1939“, sagte ich, „habe ich in Berlin den sowjetischen Volkskommissar Mikojan kennengelernt. War damals in einer Firma, die Kabel für Sowjetrußland herstellte. Deshalb erhielt ich eine Einladung zum Empfang in die Sowjetbotschaft Unter den Linden. Und dabei hat Mikojan zu mir gesagt . . .“ Hoffnungsvoll: „Daraus ist vielleicht etwas zu machen. Also was hat der Volkskommissar zu Ihnen gesagt?“ „Sehr erfreut, Sie kennenzulemen — hat er gesagt.“ „Mehr hat er nicht gesagt?" „Nee.“ Der große Mann wischte sich die Stirn. „Eine Unterredung mit Ihnen erspart mir ein römisches Dampfbad. Mensch, ich will Ihnen doch wohl! Aber irgendwen — IRGEND WEN müssen Sie doch kennengelemt haben?“ Ich nuckelte an meiner Pfeife. „Da wäre noch die Sache mit Himmler. Es war im März im Raum von Stettin. War ^maic Oberfeldwebel in einer Sanitätskompanie. Da hieß es: Himmler kommt uns besuchen. Meine Leute haben deshalb extra am Hauptverbandsplatz aus einpm alten Kleiderschrank einen provisorischen, aber gemütlichen Generalslokus gebaut.“ „Und dann . . .?“ drängte mein Gegenüber. „Ja“, fuhr ich fort, „und dann ist Himmler nicht gekommen. Traurig, aber wahr. Ich kannte keinen. Aber — hoppla — eist neulich habe ich in München in der .Kleinen Komödie 1 beim .Professor Unrat* zufällig direkt neben Frau Emmy Göring gesessen.“ „Zu spät“, röchelte der Herausgeber. „Zehn Jahre zu spät.“ \ Donnerstag, 3. Juli 1952 Nummer 151 I Seite (fc \ SUDWESTDEUTSCHER SPIEGEL McCloy über die Landeskommissare Der amerikanische Hohe Kommissar, John J. McCloy, hat in einem Telegramm an den stellvertretenden amerikanischen Landeskommissar für Baden-Württemberg, Harvey M. Coverley, die Tätigkeit der bisherigen Landeskommissare gewürdigt und ihnen höchste Anerkennung ausgesprochen. McCloy stellte lest, daß die Landeskommissare für Württemberg-Baden „hervorragende und aufopferungswillige Männer“ gewesen seien, die sich „um Deutschland und um ihr eigenes Land hoch verdient gemacht haben“. Das Telegramm McCloys stellte die Antwort auf eine telegraphische Mitteilung Cover- leys dar, in der dieser die Auflösung des Landeskommissariat« als selbständiger Dienststelle gemeldet hatte. Steigende Unfallzilfer durch Bitze-Einwirkung Ein Lastkraftwagen ist am Montagabend in Freiburg mit einer Straßenbahn zusammengestoßen. Einige Fahrgäste wurden durch Glassplitter leicht verletzt. Der Straßenbahnwagen wurde schwer beschädigt und konnte die Fahrt nicht mehr fortsetzen. Auch der Lastkraftwagen wurde arg zugerichtet. Der Fah- Für das Land Baden-Württemberg ist vom Dienstag an ein Landesarbeitsamt zuständig. Der Verwal- tungsrat der Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hatte am 20. Juni 1952 beschlossen, daß die Landesarbeitsämter der früheren Länder Württemberg-Baden, Südbaden und Württemberg-Hohenzollern vom 1. Juli 1952 an zu einem Landesarbeitsamt z^sammengelegt werden sollen. Das neue Landesarbeitsamt hat seinen Sitz in Stuttgart. Es führt die Bezeichnung Landesarbeitsamt Baden-Württemberg. Eine Außenstelle des Landesarbeitsamtes Baden-Württemberg wird in Freiburg errichtet Diese Außenstelle, deren Bereich die Arbeitsämter Baden-Baden, Freiburg, Konstanz, Lörrach, Offenburg, Rastatt und Villingen. umfaßt soll u. a. bei Massenentlassungen und Betriebsstilllegungen entscheiden, die Schwerbeschädigten Vermittlung übernehmen und Grenzgängerfragen bearbeiten. Die Außenstelle ist an die Beschlüsse des Verwaltungsausschusses des Landesarbeitsamtes und an die Weisungen des Präsidenten gebunden. Mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Präsidenten des Landesarbeitsamfes Baden-Württemberg ist Dr: Eugen Heinz beauftragt worden. Dr. Heinz war Präsident des bisherigen Landesarbeitsamtes Württemberg-Baden. 6 000 deutsche Flüchtlingskinder leben in Lagern 6000 deutsche Flüchtlingskinder unter sechs Jahren haben nach Feststellungen des Deutschen Caritas- verbandes seit ihrer Geburt in Lagern gelebt und noch nie ein Familienleben gehabt. Weitere 10 500 . Kinder zwischen sieben und 14 Jahren haben mehr als die Hälfte, ihres bisherigen Lebens in Lagerh verbracht. Daneben gebe es im Bundesgebiet etwa, 250 000 Vollwaisen und 1 250 000 Kinder, die ihren Vater im Krieg verloren haben. Etwa 2 Millionen Kinder kämen aus geschiedenen Ehen, und 1 200 000 Jugendliche seien ohne Lehrstellen. Angesichts dieser großen Jugendnot sei der von der Bundesregierung vorgelegte Entwurf eines neuen Jugendstraf- gesetze9 besonders zu begrüßen, heißt es in einer Mitteilung des Caritasverbandes. Ein den heutigen Erfordernissen, den modernen Erkenntnissen der Verbrecherbekämpfung sowie der Jugendpsychologie und der Pädagogik angepaßtes Jugendstrafrecht sei neben positiven Maßnahmen zur Behebung der Jugendnot , von entscheidender Bedeutung. Besonders erfreulich sei es, daß der Gesetzentwurf sich vom nationalsozialistischen Gedankengut des Jugendstraf-' gesetzes von 1943 abwende und der Erziehung straffällig gewordener Jugendlicher den Vorrang gebe. Nasser Tod fordert seine Opfer Beim Großkraftwerk Mannheim ist am Dienstag eine nur mit einer Badehose bekleidete männliche Leiche aus dem Rhein gezogen worden. Nach den ersten polizeilichen Feststellungen handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach, um die Leiche eines jungen Mannes aus Rastatt, der am 26. Juni beim Baden im Rhein in der Nähe von Plittersdorf bei Rastatt ertrunken ist. Im Rhein bei Schwetzingen ist dieser Tage der 11 Jfthre alte Schüler Klaus Fuß an einer gefährlichen Kurzmeldungen aus x In einem Radiogeschäft in der Stuttgarter K5- nigstraße brach am Dienstagabend ein Ladenbrand aus, der einen Schaden von schätzungsweise 6—7000 Mark verursachte. Nach etwa dreißig Minuten konnte das Feuer von der Feuerwehr und dem Ladenpersonal gelöscht werden. Als Ursache des Brandes wird Kurzschluß oder Wärmestauung in einem elektrischen Gerät angenommen. :: Der Aufsichtsrat des Badenwerkes hat beschlossen, am Karlsruher Rheinhafen ein Großkraftwerk zu errichten. Wie Wirtschaftsminister Dr. Hermann Veit in Karlsruhe ferner mitteilte, handelt es sich hierbei um ein Millionenprojekt, für dessen Realisierung der Stadtrat von Karlsruhe 1,5 Millionen Mark in den Haushaltplan eingestellt hat. :: Mehrere tausend Besucher aus Württemberg und Baden, aber auch aus der übrigen Bundesrepublik und aus der sowjetischen Zone, sowie Gäste aus Oesterreich, Frankreich, der Schweiz und Amerika nahmen in Backnang an dem Jahresfest des würt- Silberlorbeer 1952 nur Pech hat der Stuttgarter Fußballmeister in Ludwigshafen doch gehabt, als er im Rheinstadion den Titel für das Sportjahr 1952/53 holte. Den zweiten „Silberlorbeer“ des Bundespräsidenten — die höchste sportliche Auszeichnung der Bundesrepublik — werden sich die VfBler nämlich nicht neben das blauseidene Etui stellen können, in dem das Ehrenzeichen liegt, das sie 1950 als beste deutsche Fußballmannschaft erhielten. Damals, am 25. Juni 1950, bekam der VfB den ersten „Silbernen Lorbeer“ überhaupt, den der Bundespräsident für die besten sportlichen und musischen Leistungen des Jahres vergibt. In diesem Jahre hätte der sieggewohnte VfB den zweiten „Silberlorbeer“ in seinem Trophäenschrank aufbauen können. Aber im Olympischen Jahr verleiht der Bundespräsident die Auszeichnung nur sokhen Sportlern, die in Oslo und — hoffentlich — auch in Helsinki zu olympischen Ehren gekommen sind. Und deshalb erhalten weder die Stuttgarter noch der Amateurmeister aus Schwenningen in diesem Jahre die höchste sportliche Ehrung der Bundesrepublik. Aber so ganz leer wül Professor Heuß die elf Schwaben doch nicht ausgehen lassen — und so rer des Autos gab an, er sei von einem entgegenkommenden Fahrzeug geblendet worden. Mordversuch an hypnotisiertem Opior Vor dem Schwurgericht Karlsruhe begann am Dienstag der Prozeß gegen den 24 Jahre alten sude- tendeutschen Chemiestudenten Karl Kroh, der sich wegen, Mordversuchs zu verantworten hat. Die Anklage wirft Kroh vor, daß er am 26. November 1951 in seiner Wohnung seine 19 Jahre alte Geliebte, die sich in anderen Umständen befand, „hypnotisiert“ und ihr dann den Befehl gegeben habe, den Inhalt eines Glasröhrchens zu sich zu nehmen. Kroh habe seiner Freundin suggerieren wollen, daß sich in dem Glasröhrchen Traubenzucker befinde. In Wirklichkeit habe es sich jedoch um Zyankali gehandelt. Das Mädchen hatte den hypnotischen Einflüssen jedoch Widerstand geleistet, den Trancezustand lediglich vorgetäuscht und das Gift nicht zu sich genommen. Vor dem Schwurgericht behauptete der Angeklagte, er habe mit der Hypnose seiner Geliebten nur einen. Schrecken einjagen und sie dazu bewegen wollen, die Verbindung mit ihm zu lösen. Er sei von vornherein der Ueberzeugung gewesen, daß auch in der Hypnose kein Mensch Befehle gegen sein eigenes Leben ausführe. Die Verhandlung wird voraussichtlich zwei Tage dauern. Stelle ertrunken. Die Leiche des ertrunkenen Knaben wurde am Montag in der Nähe der Unfallstelle geborgen. Zwischen Ketsch und Brühl ist am Sonntag auch der 23jährige August Franke aus Hockenheim beim Baden ertrunken. Brandstiftung aus Liebeskummer Wegen vorsätzlicher Brandstiftung wurde der 33 Jahre alte Otto Deeß aus Welzheim vom Stuttgarter Landgericht am Dienstag zu einer Zuchthausstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Der Angeklagte hatte aus Liebeskummer in der Nacht zum 30. April das Wohnhaus seiner ehemaligen Geliebten, die nichts mehr von ihm wissen wollte, in Brand gesteckt. Dabei war ein Schaden von 15 000 Mark entstanden. Deeß war mit der Frau seit längerer Zeit befreundet. Es wurde anscheinend von der Heirat gesprochen. Im Frühjahr wollte die Frau jedoch nichts mehr Von Deeß wissen und kündigte ihm auch die Wohnung,' die er in ihrem Hause bezogen hatte. Dann faßte Deeß den Entschluß, das Haus seiner ehemaligen Geliebten in Brand zu stecken, um sich an ihr zu rächen. Zwei Tage lang trug er diesen Plan mit sich herum, den er erst verwirklichte, als er sich mit Bier und Schnaps Mut angetrunken, hatte. Das Landgericht billigte dem Angeklagten mildernde Umstände zu, weil er vom medizinischen Gutachter als' hochgradiger Psychopath bezeichnet wurde, der von einem einmal gefaßten Entschluß, selbst, wenn er es wollte, nicht wieder loskommen kann und zu depressiven Zuständen neigt. Zuchthau^rafe für „Lügenbaron" Wegen Bigamie und Abgabe einer falschen eidesstaatlichen Versicherung verurteilte das Schöffengericht Freiburg am Montag den Glashüttemarbeiter Christian Müller aus Reifferscheid in der Eifel zu einem Jahr Zuchthaus. Müller war in seiner Heimat im März 1951 nach seiner sensationellen „Heimkehr aus der Hölle Indochinas“ zu. großer Popularität gelangt. Eine Zeitlang hatte seine angeblichen Erlebnisse in einem Fortsetzungsbericht unter der Ueberschrift „Von Indochina in die Eifel“ und dem Untertitel „Ich kämpfte als Legionär gegen die Rebellen Ho-Chi- Minhs“ veröffentlicht. Auf Grund einer Suchanzeige bei der Staatsanwaltschaft Freiburg stellte sich jedoch im Februar 1952 heraus, daß Müller die Geschichte eines echten Fremdenlegionärs als seine eigene erzählt hatte, um seiner Familie und den Dprf- bwohnem seine späte Heimkehr plausibel zu machen. In Wirklichkeit war der „Lügenbaron“, wie er in der Eifel genannt wird, bereits im April 1947 aus französischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden. Er hatte damals in Burkheim am Kaiserstuhl einer Bau- emtochter, die ein Kind vom ihm erwartete, geheiratet, anstatt zu seiner Familie heimzukehren. Im März 1951 wurde ihm jedoch am Kaiserstuhl der Boden zu heiß. Seiner zweiten Frau waren langsam Zweifel an der Echtheit seiner Angaben gekommen, als er für eine beabsichtigte Auswanderung nach Amerika keine Geburtsurkunde beschaffen konnte. Er reiste unter ■dem Vorwand ab, in Köln seine Papiere beschaffen zu wollen und kehrte als „Fremdenlegionär“ zu seiner ersten Frau in die Eifel zurück. S üd Westdeutschland tembefgischen Gustav-Adolf-Werkes teil. Der Präsident des Gesamtwerkes, Prof. Lic. Lau aus Leipzig, und der württembergische Landesbischof D. Haug bekräftigten die Zusammengehörigkeit der evangelischen Gemeinden diesseits und jenseits aller Zonen- und Staatsgrenzen. Der Gabentisch anläßlich der Jahresversammlung war so reichlich wie noch niemals zuvor. Neben zahlreichen Paramenten, Taufund Abendmahlsgeräten standen wertvolle Industriespenden württembergischer Firmen. * Wetterbericht Die vom Westen vordringenden Meeresluftmassen beenden zwar vorläufig die Hitzeperiode, die gestern absolute Höchstwerte der Temperaturen gebracht hat, doch ist eine wesentliche Wetterverschlechterung damit nicht verbunden. Vorübergehend etwas wolkiger mit einzelnen gewittrigen Niederschlägen, Schwül, mit Temperaturen um 25 Grad. Im Laufe des Tages weiter leichte Abkühlung. Winde auf West drehend. für Olympiamedaillen wird er ihnen" am 11. Juli einen Besuch in ihrem Stuttgarter Klubheini abstatten, vorausgesetzt, daß die Meisterelf dann nicht gerade ihren Erholungsurlaub in der Schweiz verbringt Für besondere Leistungen in Helsinki Die Herstellung des Silberlorbeers für die olympischen Sieger wird inzwischen in einem Juwelierge- schäft in der Bonner Innenstadt vorbereitet. Schweres Sterling-Silber wird zunächst in eine Form gegossen. Dann hämmert ein Ziseleur mit Hammer und Stahlgriffel aus dem einfachen Silberstück das „Lorbeerblatt“ heraus, das übrigens der Bundespräsident selbst entworfen hat. Während der Handwerker auf der Vorderseite die feinen Blattadern aus dem Silber heraushebt — „punzen“ nennt dej Fachmann die peinlich genaue Arbeit mit Hammer und verschieden starken Stahlgriffeln — werden auf der Rückseite in einem zart umrandeten länglichen Rechteck neben das Datum des olympischen Sieges die beiden Worte „Der Bundespräsident“ eingraviert; und die fünf olympischen Ringe weisen darauf hin, daß diese Auszeichnung für bespndere Leistungen während der Spiele in Helsinki verliehen worden ist. HANDEL UND WIRTSCHAFT Vorübergehende Lockerung der NE-Metall* bewlrtschaftung in den USA Die nationale Produktionsbehörde in den USA hat am Montag die Beschränkung«! der Lagerhaltung für Kupfer und Aluminium für die Dauer des Stahlstreiks zeitweilig aufgehoben. Bis zum 30 Juni war vorgeschrieben, daß die Verarbeiter von NE- Metallen nur einen Lagerbestand halten durften, der bei Kupfer dem Bedarf für 60 und bei Aluminium für 45 Arbeitstage entsprach Die Lockerungen sollen wieder aufgehoben werden, sobald die Folgen des Stahlstreiks überwunden sind. Trotz der Aufhebung dieser Beschränkungen wird die nationale Produktionsbehörde der USA durch die Aufrechterhaltung der vierteljährlichen Zuteilung für Kupfer und Aluminium die Kontrolle darüber in der Hand behalten, daß diese Metalle nicht gehortet werden. In einer weiteren Anordnung wurden die Beschränkungen für die Verwendung von Weißblech ip der Lebensmittelindustrie zeitweilig aufgehoben. BMW will Schrotisituaiion prüfen Nach Ablehnung der Schrottverordnung durch den Wirtschaftsausschuß des Bundesrates will das Bundeswirtschaftsministerium mit den Länderaussehüs- sen in Verbindungen treten, um die sich aus der Ablehnung für die Schrottwirtschaft und speziell für die Schrottvermittlungs-GmbH ergebende Situation zu prüfen. Im Bundeswirtschaftsirninisterium wird die Auffassung vertreten, daß an dem gegenwärtigen System der Regulierung des Schrottmarktes im Prinzip nichts geändert werden sollte. Bei den Verhandlungen mit den Länderausschüssen komme es darauf an, unter Umständen gewisse Modifikationen in die Schrottverordnung ej,nzuschalten. Erfreuliche Sparkapitalbildung Der Präsident des Württembergischen Sparkassen- und Giroverbandes. Robert Goetz, sagte in Stuttgart auf einer Versammlung des Verbandes, die in einigen Wirtschaftszweigen noch immer steigende Produktion, die wesentliche Besserung der Außenhandelsbilanz und der Devisenlage sowie die Beruhigung in der Lohn- und Preisentwicklung ließen einen gemäßigten Optimismus über die weitere Entwicklung der westdeutschen Wirtschaft gerechtfertigt erscheinen. Die allgemeine Konsolidierung habe auch zu einer erfreulichen Sparkapitelbildung geführt. In den ersten vier Monaten dieses Jahres hätten die west- Güteiwagen Auf einer kleinen Station sah ich sie. Ich weiß nicht, zu welchem Typ sie gehörten, es ging mich auch in diesem Augenblick gar nichts an, denn ich sah sie als Wesen, als Eigenwesen, so verschroben und merkwürdig das klingen mag. Um das verstehen zu können, muß man wohl auf einem Dorfe, da9 zugleich kleine Eisenbahnstation ist, aufgewadisen sein» man muß seine Jugend in der Nähe einet Bahn gelebt haben und man muß an Sonntagen, wenn der Betrieb ein wenig ruht, zwischen diesen Güterwagen ein wenig herumgekrochen sein. Natürlich ist das verboten, damals genau so wie heute, aber wer kann einem Jungen diese geheimnisvolle Welt verbieten, die nach Oel riecht, so wie die Schiffe, die im Hafen liegen, eine Welt, die sehnsüchtig macht und neugierig auf Abenteuer. Da standen also die vier oder fünf alten Güterwagen und der D-Zug raste an ihnen vorbei. Einer von ihnen hatte noch ein Bremserhäuschen, und das sah aus, als habe er so etwas wie einen Kopf, und dieser Kopf habe dicke Backen, ein bißchen traurige, schlaffe Backen, wie sie alte Männer haben, die mit der Welt und sich nichts rechtes mehr anzufangen wissen Es gibt unendlich viele kleine Stationen im Bundesgebiet, und auf den Abstellgleisen all dieser Stationen werden Güterwagen stehen, um etwas zu holen oder wen sie etwas gebracht haben, das man ausgeladen hat. Sie haben eine kurze Zeit, nachzudenken. Ich weiß, daß Güterwagen nicht denken können, aber die Dinge, mit denen wir uns umgeben, denken das mit, was wir in sie hineindenken. Und so ein Güterwagen hat viel, unendlich viel gesehen, er steht nicht immer nur auf einer kleinen Probieren Sle's mal Vielleicht haben Sie auch schon öfter mal geäußert: „Ach, gegen Verkehrsunfälle ist ja noch kein Kraut gewachsen!“ — Das ist aber eine gefährliche Meinung, eine sehr gefährliche sogar. Und ein fulminanter Irrtum. Auch gegen Verkehrsunfälle gibt es sogar viele heilsame Kräuter, gewissermaßen eine ganze Kräutersammlung! — Und die wirksamsten sind die Kräutlein: Keine übertriebene Hast! — Nimm Rücksicht! — Augen auf im Straßenverkehr! — Brauen Sie sich aus diesen drei Kräutlein jeden Morgen einen Trank! Und dann schlürfen Sie ihn bedächtig Zug um Zug! deutschen Sparkassen mit rund 465 Millionen Mark einen größeren Einzahlungsüberschuß erzielen können als im gesamten Jahr 1951. , „Deutsche Industrieausstellung Berlin 1952' Die kommende Deutsche Industrieausstellung vom 19. September bis 5. Oktober wird, wie der Untertitel „Lebensstandard der freien Welt“ besagt, eine.bedeutende Schau der Konsumgüterindustrie, darunter auch der Uhren- und Schmuckwarenindustrie, bringen. Der Meldeschluß für die Beteiligung ist auf den 20. Juli festgesetzt worden. All« Auskünfte über die Ausstellungen erteilen als Veranstalter die Berliner Ausstellungen, Berlin-Charlottenburg 9, Masurenallee 5—15. Landesproduktenbürse Stuttgart Börsenbericht vom 1. Juli 1952 Das Getreidepreisgesetz für das Wirtschaftsjahr 1952/53 ist vom Bundestag angenmmen worden und dürfte im Laufe dieser Woche vom Bundesrat genehmigt und dann veröffentlicht werden. Es sieht für den Monat Juli folgende Erzeugerpreise vor: Für Roggen in R IV DM 36.90—38.90, für Weizen in W IV DM 40.90—42.90 je kg. Für Brotgetreide alter Ernte besteht bei den Mühlen Interesse, jedoch haben die Angebote der Erzeuger stark nachgelassen. Auslandsweizen wird von der Einfuhr- und Vorratsstelle ausreichend freigegeben. Die Nachfrage nach Futtergetreide hält an. Mehl hat kleinen, aber stetigen Absatz. Die Abrufe sind infolge der heißen Witterung etwas zurückgegangen. Die Preise sind unverändert. Es wird notiert: Weizenmehl Type 550 DM 63.40, Type 630 DM 63.20, Type 812 DM 59.50, Type 1050 DM 57.70, Type 1600 DM 53.—bis 54.—, Roggenmehl Type 1150 DM 55.60, Type 1370 DM 52.60 bis 53—, Großhandelspreis je 100 kg brutto für netto ohne Sack frei Empfangsstation. Mühlennachprodukte sind lebhaft gefragt, jedoch durch den Rückgang der Vermahlung wenig angebo- ten. Wiesen- und Kleeheu neuer Ernte wird vere,inzelt gefragt, jedoch hat sich mangels Angebot noch kein Preis gebildet Heu alter »Ernte ist nicht mehr gesucht Wir notieren- nominell: Wiesenheu, gut, gesund, trocken, lose, neue Ernte, DM 6.—; Rotkleeheu, gut, gesund, trocken, lose, neue Ernte, DM 6.50 bis 7.—; Luzemeheu. gut gesund, trocken, lose, neue Ernte, DM 7.50 bis 8.—, je 100 kg Großhandelspreis frei Verladestation. Drahtgepreßte Ware mit entsprechenden Zuschlägen. Station, wo die Rotschwänzchen auf ihm sitzen oder die Bachstelzen ihn besuchen, wo die Hasen aus dem nahen Feld zu ihm heranhoppeln und der eitle Italienerhahn die Puffer als Podium benutzt, um seinen markigen Angeberruf hören zu lassen. Vielleicht lebt in einem dieser kleinen Städte oder Dörfer ein Junge, der fühlt, daß mit den Güterwagen eine ganze Welt von Gedanken auf ein Abstellgleis geschoben ist. Er sitzt auf dem Trittbrett der Guterwagen, den Kopf in die Hand gestützt. Und der Duft des frischgeschnittenen Grases weht herüber. Der scharfe Geruch von Oel und Wagenschmiere ist dazwischen, der Geruch ferner Häfen und das Rumoren großer Quais. Ein Knistern geht durch das Holz des Güterwagen, es hört sich an, als seufze er. Der Junge aber wird das nicht vergessen, dieses Knistern und Knarren. Und wenn er später einen Güterwagen sehen wird, irgendwo abgestellt auf einer kleinen Station, wird er wieder wissen, daß damals die Sehnsucht geboren wurde, daß der Güterwagen ein Stüde Fernweh mit hinausnahm. Darum wird er sie lieben, die Güterwagen, an die sonst niemand denkt. w t? ti Eiae weitere deutsche Wochenschau ab 4. Juli Die neue deutsche Wochenschau „Welt' im Bild“ v wird vom 4. Juli an in zahlreichen Lichtspielthea- tem der Bundesrepublik anlaufen, nachdem die vom amerikanischen Hohen Kommissariat herges teilte Wochenschau „Welt kn Film“ ihr Erscheinen einstellt. „Welt im Bild“ erscheint — ebenso wie die „Neue deutsche Wochenschau“ — unter deutscher Geschäftsleitung und Chefredaktion. Chefredakteur beider deutscher Wochenschauen ist Heinz Kuntze- Just. Die deutschen Filmtheater werden damit künftig zwischen zwei deutschen Wochenschauen, der amerikanischen Fox-Wochenschau und der französischen Wochenschau „Blick in die Welt“ wählen können. Nur Mittelernte im Obstbau Während die Baumblüte im gesamten Bundesgebiet zunächst eine Vollernte im Obstbau versprach, hat sich in den letzten Wochen das Blatt wesentlich gewendet Direktor Seitzer vom Obst- und Gartenbauverband in Stuttgart erklärte dieser Tage bei ei- n ® r Obstbautagung in Tettnang, infolge der starken Frost- und Raupenschäden sei in diesem Jahr nur eine Mittelemte zu erwarten. Tausende von Bäumen zwischen Sigmaringen und Würzburg seien yöllig kahlgefressen. Den gesündesten Baumbestand weise das Bodenseegebiet auf. Landesarbeitsamt für Baden-Württemberg Nur noch ein Landesarbeitsamt im Südweststaat seit dieser Woche zuständig Wirtschaftliche Eingliederung der Flüchtlinge gefährdet Kredithilfe muB erweitert werden - Xus dem Jahresbericht der Vertriebenenbank Der soeben veröffentlichte zweite Jahresbericht der Bank für Vertriebene und Geschädigte zeigt mit erschreckender Deutlichkeit, daß eine der vordringlichsten Aufgaben unserer Zeit, die wirtschaftliche Eingliederung der neun Millionen Flüchtlinge, immer noch weit von der Lösung entfernt ist. Der Bericht, der sich auf das am 31. Dezember 1951 abgelaufene Geschäftsjahr bezieht, muß im Lichte eines wissenschaftlichen Gutachtens gelesen werden, das das weltwirtschaftliche Institut in Kiel im Auftrag der heimatvertriebenen Wirtschaft vor kurzem über die Kapitalausstattung der Flüchtlingsbetriebe in Westdeutschland erstattet hat. Danach laufen etwa 5000 dieser Unternehmen (ohne die Handwerksbetriebe), die rund 200 000 Arbeitnehmer beschäftigen, wegen völlig ungenügender Kapitalausstattung Gefahr,' schon bei geringfügigen Erschütterungen der allgemeinen Wirtschaftslage ihren finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen zu können und in den Konkurs zu geraten. Im Gegensatz zu den alteingesessenen Firmen verfügen sie weder über ein ausreichendes Eigenkapital noch gar über Reserven, so daß vielfach nicht die primitivsten betriebswirtschaftlichen Finanzierungserfordemisse erfüllt sind. Um die Existenz dieser Betriebe zu sichern, hält das Gutachten eine Erhöhung des Eigenkapitals für notwendig, die sich insgesamt auf mindestens 200 Millionen DM belaufen müßte. Daß hiermit nicht auf den Lastenäusgleich gewartet werden kann, der die Hilfe auf 30 Jahre verteilt, versteht sich von selbst. Die Vertriebenenbank, die bis jetzt die Kredite von über 100 000 Flüchtlingen und sonstigen Geschädigten verwaltet, kann sich diesen Erkenntnissen nicht verschließen. Gemeinsam mit dem Hauptamt für Soforthilfe und der Kreditanstalt für Wiederaufbau trägt sie die Verantwortung für die Schaffung neuer wirtschaftlicher Existenzen mit Hilfe- von Eingliederungskrediten. Soweit dies bisher möglich war, bleiben nach ihrem eigenen Eingeständnis finanzielle Probleme offen, die schon in naher Zukunft gelöst werden müssen, wenn „das gelungene Werk nicht wieder gefährdet werden“ soll. In sehr vielen Fällen, so heißt es, wird die Abtragung der Kredite und die damit Hand in Hand gehende Bildung von Eigenkapital nur dann erfolgen können, wenn die Tilgungsleistungen eine besondere steuerliche Begünstigung erfahren und wenn schon bald die von den Ländern gegebenen Kredite im Zinssatz und in der Laufzeit umgeschuldet werden, damit die Rentabilität und die Liquidität der Betriebe nicht „vorzeitig gefährdet“ werden. Da diese Aufgabe im Interesse unserer Gesamtwirtschaft liegt, wird die Hoffnung ausgesprochen, daß die erforderlichen Mittel im Zusammenhang mit der ohnehin notwendigen Vorfinanzierung des Lastenausgleichs aufgebracht werden. Das Kreditverfahren hat sich bei einem Teil der aus verschiedenen Quellen stammenden Mittel insofern etwas gebessert, als neuerdings den sogenannten Hausbanken auch Liquiditätskredite zur Verfügung gestellt werden, was viele dieser Banken veranlaßt haben soll, zusätzliche Betriebsmittelkredite an Flüchtlinge zu gewähren. Immerhin ist das ganze Bewilligungssystem auch heute noch außerordentlich umständlich und bürokratisch, wie die vielen Klagen aus Flüchtlingskreisen beweisen. Selbst bei genehmigten Anträgen dauert es oft monatelang, bis .die ersten Zahlungen erfolgen i i Sie singen von Lenz und Liebe, von Freiheit, von sei* ger, gold'ner Zeit: 80 Jahre Mannergesangverein „lrmin” in Kronau Stiftungsfest und zweite Fahnenweihe am kommenden Wodienende — Ein kleiner Rückblick auf die Vereinsgeschichte Am kommenden Wochenende begeht der MGV „Armin“ Kronau das 80jährige Bestehen des Vereins. Acht Jahrzehnte steht er in der Pflege des deutschen Liedes, das in der hiesigen Gemeinde stets reichen Nährboden gefunden hat. So werden die Sängerherzen wieder höher schlagen, wenn sich Sangesbrüder von nah und fern beim- Gesangverein „Armin“ einfinden, um ihm zu seinem Jubiläum zu gratulieren und gleichzeitig der Weihe der neuen Fahne beiwohnen. Ein Einblick in die Chronik gibt Aufschluß über das Vereinsgeschehen seit der Gründung und zeigt, daß der Verein manchen Sturm erleben mußte, um zu der Höhe zu kommen, in der er sich heute bewegt. Den Ursprung des Vereins gab die Tätigkeit mehrerer in der Korsettfabrik in Kislau beschäftigten Kro- nauer Bürger. Während bei der monotonen Arbeit, an den Webstühlen leise die Lieder erklangen, versammelten sich die Männer nach der Arbeit, um den Chorgesang zu üben. Nach Auflösung dieser Fabrik wurde die Liedpflege in Kronau fortgesetzt. Bereits am 2. Februar 1872 wurde der Verein unter dem Namen „Armin“ gegründet. Die ersten Mitglieder waren: Ferd. Bindel, Emil Dämmert, Theodor Dämmert, Balthasar Eder, Konrad Föhner, Robert Frank, Thomas Frank, Josef Fried, Alois Fuchs, Lor. Fuchs, Alois, Rupert und Thomas Hillenbrand, Pius Just, Ignaz Kehrer, Nik. Knebel, Robert Knebel II, Rochus Knebel I und II, Baptist Mächtel, Roch. Mächtel, Daniel Modi, Th. Modi, Thomas Schimmel, Balth. Stassen, Gustav Stassen, Andr. Stellberger, Gustav Stellberger, Theodor Stellberger, Alois Vetter und Karl Zimmermann I. Bis zum letzten Jahr war es dem Verein möglich, durch das Gründungsmitglied Thomas Hillenbrand I, sich die Vereinschronik genau erläutern zu lassen. Im begnadeten Alter von 98 Jahren erlebte er 1949 die Wiedergründung des Vereins, bis er, lOOjährig, das Zeitliche segnete und dem Verein das Vermächtnis unermüdlicher Hingabe und Pflege des Chorgesangs hinterließ. Schon 1873 war es der vergrößerten Sängerschar möglich, ihre erste Fahne zu weihen. Unter dem rührigen 1. Vorstand Theodor Stellberger verstand es der Verein, durch die alljährlichen Theater- u. Operettenaufführungen eine Tradition zu schaffen, die bis in unsere Zeit fortdauert. Die Sladtpolizef beridilet. •. Messerstecherei im unteren SchloBgarten In den frühen Morgenstunden des 2. Juli kam es in den Baracken am unteren Schloßgarten zu einer Schlägerei und Messerstecherei zwischen Negersoldaten und Deutschen. Im Verlauf der Auseinandersetzungen wurden einige Personen verletzt. Sie mußten sich in ambulante Behandlung begeben. Eine Person erlitt ernsthafte Stiche, so daß eine stationäre - Behandlung im Krankenhaus notwendig wurde. Lebensgefahr besteht hier nicht. Wie die Stadtpolizei Bruchsal berichtet, hatten zwei Negersoldaten am Dienstagabend zwei im Barackenlager wohnhafte Mädchen besucht. Gegen 1.25 Uhr verwickelte sich ein deutscher Straßenpassant in einen Wortwechsel mit einem dieser Mädchen. Schließlich kam es zu Tätlichkeiten zwischen den beiden, in die die Neger eingriffen. Dabei wurden der Passant und «eine Begleitung verletzt. _ Wie wir schon gestern meldeten, stürzte sich ein 29jähriger Mann in selbstmörderischer Absicht aus einem Fenster des 3. Stockes des Bruehsaler Krankenhaus. Der Mann, der nach Ansicht seiner Aerzte den verhängnisvollen Schritt aus Liebeskummer unternahm, erlag eine Stunde später seinen Verletzungen. Es handelt sich um einen in Weingarten wohnhaften Neubürger, der erst einige Tage vor seinem freiwilligen Tode ins Krankenhaus überführt worden war. Zeugen, die den Mann an seinem Vorhaben hätten hindern können, gab es nicht. Im Jahre 1903 feierte der Verein unter Beteiligung von 24 Gastvereinen sein 30jähriges Stiftungsfest, verbunden mit der 2. Fahnenweihe und Wettsingen. Die stetige Aufwärtsentwicklung wurde durch den ersten Weltkrieg jäh unterbrochen. Von den fast allen zum Kriegsdienst einberufenen Sangesbrüdem konnten 7 die Fortführung des Chorgesangs nicht mehr miterleben. Ueber diese harte Zeit hielt Eugen Schimmel die Geschicke des Vereins in seinen Händen. Für seine unermüdliche Arbeit von 1908 bis 1928 wurde er zum Ehrenvorstand ernannt. Der Verein konnte nach den Kriegsjahren seine Arbeit erfolgreich fortsetzen und große Leistungen erzielen. Dies kam besonders beim 60jährigen Stiftungsfest 1932 zum Ausdruck, welches das frühere Können des Vereins widerspiegelte. Eine folgenschwere Entscheidung brachte das Jahr 1934, in dem verfügt wurde, daß die Gesangvereine Armin und Liederkranz in einem einzigen fortbeste- hen müßten, welcher unter dem Namen „Frohsinn an die Oeffentlichkeit trat. . Mitglieder des früheren Armin fanden sich jedoch im Mai 1949 wieder zusammen, um die Neugründung des Vereins vorzubereiten. Am 12. Juni 1949 wurde diese Idee Wirklichkeit und mit einer Schar von 80 Sängern gab das Wiedererwachen des Vereins berechtigte Hoffnung zu neuem Blühen und Gedeihen. An der Spitze des Vereins verstand es Leonhard Hillenbrand als 1. Vorstand, den neuerstarkten Verein wieder zusammenzufügen und durch die Pflege des deutschen Liedes dem Menschen wieder die Kraft für den Alltag und die Treue für seine geliebte Heimat zu geben. Der Verein hat seit 1950 das Glück, als bewährten Dirigenten Chorleiter Erich Harbarth aus Heidelberg mit der Stabführung betreuen zu können. Unter seiner Leitung wird der Verein immer mehr zu größeren Leistungen herangebildet, welches bereits im Mai 1951 durch die Wiedergabe mehrerer Chöre in der Stunde des Chorgesangs im Süddeutschen Rundfunk seinen Abschluß fand. So schaut der Verein an seinem Jubelfeste auf seine traditionsreiche Geschichte und im Ausblick auf die Inschrift der neuen Fahne: Deutsches Lied, du sollst uns heben Klingend über Raum und Zeit Daß wir Volk und Heimat leben Deutsches Lied in Ewigkeit. Stadtumschau p.j. Das Jubiläum des Musikvereins „Einigkeit Ein ausgesprochenes Volksfest in Rhein hausen — 10 Musikkapellen waren versammelt Bei strahlendem Sonnenschein wurde das 25jähr. Jubiläumsfest des Musikvereins „Einigkeit“ zu einem wahren Volksfest. Schon am Samstag abend beim Festbankett war Jung und Alt auf den Beinen und das Festzelt konnte die Menschen nicht fassen. Nach dem Einleitungsmarsch der Kapelle erfolgte die Begrüßung durch den Vorstand Suckfüll. Ihm schloß sich die Ehrendame Frl. Weick an und überreichte nach dem Prolog dem Musikverein als Geschenk ein Musikstück. Anschließend sprach Festpräsident Böllinger, er schilderte den Werdegang des Vereins. Darnach verlieh er zahlreichen Vereinsmitgliedern die goldene bzw. die silbernen Ehrennadeln. Lebhafter Beifall der Zuhörer dankte den geehrten Mitgliedern für ihre beispielhafte Treue zum Verein. Im Namen der Gemeinde dankte Ehrenpräsident Bürgermeister Guting dem Verein für seine stete Bereitschaft zum Wohl der Gemeinde. Nach dem offiziellen Teil wetteiferte die gastgebende Kapelle mit dem Bruderverein aus Neulußheim zusammen mit dem MGV „Deutsche Einheit“ Rheinhausen, und brachte die zahlreichen Zuhörer in Stimmung, Ehrendirigent Prestel ließ es sich nicht nehmen, in vorgerückter Stunde den Zapfenstreich zu blasen. Nach dem Weckruf am Sonntag früh fand in der Pfarrkirche ein- Gedenkgottesdienst statt, bei dem Dirigent Brand mit der Kapelle des Musikvereins und dem Musikverein Mechtersheim die kirchliche Handlung mit Chören und Liedern untermalte. Pfr. Eiermann sprach in seiner Predigt vom Segen der Musik und des Gesangs. Nach dem Gottesdienst fand am Heldenfriedhof im Kirchengarten eine kurze Gedenkfeier mit Kranzniederlegung durch Vorstand Suckfüll statt. , „ . Durch die festlich geschmückten Ortsstraßen bewegte sich am Nachmittag ein stattlicher Festzug zum Festzelt am Rhein. Nach der Begrüßung durch Vorstand Suckfüll ermahnte die Ehrendame Frl. Weide den Verein mit ihrem Prolog, seinem Namen auch in Zukunft Ehre zu machen und mit seiner Musik die Gemüter von Alt und Jung zu erfreuen. Nach kurzen Ansprachen des Festpräsidenten Oskar Böllinger und des Ehrenpräsidenten, Bürgermeister Gutting, über das Wirken des Musikvereins in unserer Gemeinde kam nach verschiedenen Darbietungen als Höhepunkt des Nachmittags als Gesamtmarsch „Alte Kameraden“, wobei sich sämtliche Kapellen beteiligten. Rauschender Beifall dankte den Kapellen, die unter der Leitung von Dirigent Theodor Brand tatsächlich sich den zahlreichen Gästen und Ehrengästen in die Herzen gespielt hatten. Bei dem anschließenden Freundschaftsblasen wurden die teilnehmenden Kapellen Musikverein und Musikvereinigung Oberhausen, St. Leon, Wiesental, Hambrücken, Reilingen, Heiligenstein, Kirrlach und Mechtersheim und nicht zuletzt die überaus starke Stadt- und Feuerwehrkapelle Hockenheim mit reichlichem Beifall belohnt. Ehrendirigent Josef Prestel ließ es sich nicht nehmen, die Hockenheimer Kapelle selbst zu dirigieren und wurde für seine sehr gute Leistung, trotz seines Alters, stürmisch gefeiert. Nach Beendigung des offiziellen Teils dankte Vorstand Suckfüll den Kapellen und ihren Kapellmeistern für die Teilnahme und ihre Anstrengungen zum guten Gelingen des Jubiläumsfestes. Als Ausklang fand am Montag im Festzelt ein gemütlicher Unterhaltungsabend statt. Alles in allem war dieses Jubiläum für den Musikverein ein voller Erfolg, Ha. Frankonisi Bruchsal. Am Samstag, 5. Juli, findet im „Klosterberg“ eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt. Beginn 20 Uhr. Da wichtige Punkte auf der Tagesordnung stehen, wird um pünktliches und zahlreiches Erscheinen gebeten. Donnerstag, r derT37JuIi 1952 Fahrpreisermäßigung »für Evakuierte auf der Bundesbahn. Die Deutsche Bundesbahn gewährt bedürftigen Evakuierten bis zum 31. 12. 1953 für drei Reisen vom gegenwärtigen gewöhnlichen Aufenthaltsort in den Heimatort, der im Bundesgebiet liegen muß, Fahrpreisermäßigung. Die näheren Bedingungen sind beim zuständigen Wohlfahrtsamt (Stadt- und Kreiswohlfahrtsamt) oder bei den Bürgermeisterämtern zu erfahren. Die Anträge für Fahrpreisermäßigung müssen bis spätestens 31. August bei den betreffenden Wohlfahrtsämtern vorliegen. Stadtkirdiendior. Zur Singstunde am Freitag, 20 Uhr, in der alten Sakristei der Stadtkirche werden die Teilnehmer am Ausflug gebeten, das Fahrgeld mitzubringen. Gleichzeitig ist letzter Tag zur Anmeldung für die Fahrt am 13. Juli in den Odenwald. Die Fahrt geht über Neckarelz, Buchen, Walldürn, Amorbach, Miltenberg, Ernsttal, Heidelberg. Der Fahrpreis beträgt 8.— DM. Kolpingsfamilie Bruchsal. Zu dem heute Donnerstag, 20 Uhr, im Paulusheim stattfindenden Lichtbil- xlervort'rag des H. H. Paters Schrammel über seine Sizilienreise laden wir alle Mitglieder herzlich ein. Radioklub Bruchsal. Morgen Freitag, 4. Juli, 20 Uhr, findet im Gasthaus zum „Merkur“ die nächste Mitgliederversammlung mit Bücherausgabe statt. Fundsachen. Vom 16. bis 30. Juni wurden beim Einwohnermeldeamt — städtisches Fundbüro — folgende Gegenstände als gefunden abgegeben: 1 Ring mit Stein, 1 Lastwagenreifen, mehrere Schlüssel, mehrere Lederhandschuhe, mehrere Stahlrohre, I Motorradbrille, 1 Pullover, 1 Drehbleistift, 1 Befestigungsbolzen, 1 Kaliber, 1 Damenuhr ohne Gehäuse, 1 Damenarmbanduhr, 1 Herrenfahrrad, 1 Damenfahrrad, 1 Windeisen, 1 Gürtel, 2 Damenstrickwesten, 1 Kinderstrickweste, 1 Aktentasche, Inhalt: 1 Paar Herrenhalbschuhe. — Zugelaufen sind 2 Hunde. Tageskalender für 3. Juli Casino-Lichtspiele Bruchsal, 17 und 20 Uhr „Johanna von Orleans“. Europalichtspiele Bruchsal, 17, 19 und 21 Uhr „Winchester 73“. Schloßtheater Bruchsal, 18.30 und 20.45 Uhr „Blutrache in Montana“. Badisches Staatstheater, 20 Uhr im Großen Haus „Der Wildschütz“. Katholische Junge Mannschaft, 20 Uhr im St. Paulusheim Lichtbildervortrag P. Schrammel „Eine Reise nach Sizilien“, Arbeitskreis für Berufsausbildung, 14 Uhr Zusammenkunft in der Winzerstube Göpfrich. Odenwaldklub Bruchsal, 20 Uhr Wanderbesprechung in der Winzerstube Göpfrich. Skiklub Bruchsal, 20 Uhr Mitgliederversammlung im „Jägerstüble“. TSG — Handballabteilung, 18 Uhr, auf dem Platz Handballtraining. Anschließend Spielerversammlung in der „Blume“. Kfirrladier Chronik der Woche Neue Ortsgruppe der IDAD — Beerdi gung von Philipp Heger Philipp Heger, Karlsruherstr. 31, ist im 60. Lebensjahre nach langem, schwerem Leiden verschieden. Die Beerdigung, bzw. die starke Teilnahme der Bevölkerung war ein Zeugnis dafür, welcher Wertschätzung sieh der Verstorbene in allen Kreisen erfreute. Der Vorstand des Kleintierzüchter-Vereins legte einen Kranz am Grabe nieder. Die Fußballvereinigung des Turnvereins hielt ihre abschließende Versammlung ab. Der Spielführer Fritz Oechsler dankte den Spielern für ihren allseits bewiesenen freudigen Einsatz. Der Schriftführer der I. Mannschaft, Wellert, überreichte dem Abteilungsleiter in Anerkennung seiner Verdienste ein BUd der I. Mannschaft. Anschließend gab Vorstand Sand der i Hoffnung Ausdruck, daß die Mannschaft im kommen- Karlsruhe im Spiegel der Woche Kurznachrichten ans der ehemaligen badischen Landeshauptstadt In Kaiserslautern wurde ein Karlruher Soldat von einem US-Hauptgericht zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem man ihn eines Überfalls auf einen deutschen Polizisten, eines Raubüberfalls auf einen deutschen Taxifahrer und eines nochmaligen Überfalls auf einen Taxifahrer in Karlsruhe für schuldig befunden hatte. • Der Stadtrat hat dem aus Karlsruhe stammenden, jetzt in München lebenden Schriftsteller Toni Peter als ehrende Anerkennung für den in Karlsruhe spielenden Roman „Sylvia das Tulpenmädchen“, einen Geldpreis von 300 DM zugesprochen. Er folgt damit einer Anregung des Kulturausschusses, das Schaffen begabter Nachwuchskräfte auf den verschiedensten Gebieten künstlerischer Betätigung zu fördern. * Der erste Vorsitzende des VfB Mühlburg, Felix Rittberger, ist im Alter von 44 Jahren an den Folgen einer Gallensteinoperation gestorben. Rittberger gehörte seit seiner Jugend dem VfB Mühlburg an und ist seit 27 Jahren im Vorstand tätig. Am Aufstieg des VfB Mühlburg in der Oberliga hatte Felix Rittberger hervorragenden Anteil. • Die Arbeitsgemeinschaft der Eltembeiräte aus dem Bereich des ehemaligen Landes Württemberg-Baden hat am Sonntag von Karlsruhe aus an die Verfassunggebende Landesversammlung die Bitte gerichtet, die Elternschaft an der Verwaltung und Gestaltung des Schulwesens zu beteiligen und bei der Neuschaffung oder Änderung von Schulgesetzen ihren Rat zu hören. Die Arbeitsgemeinschaft sprach sich ferner für eine Fühlungnahme mit den Elternbeiräten Südwürttembergs und Südbadens aus. • Nach neun- bzw. achtjähriger Kriegsgefangenschaft in Rußland kehrten die beiden Karlsruher, FrL Jenny Tubach und Ludwig Maier in ihre Heimatstadt zurück. Am 24. Mai hatten sie das Entlassungslager Minsk verlassen, waren aber im Ostzonen-Entlaßla- ger Bischofswerda/Sachsen zurückgehalten worden. Erst ein Hungerstreik brachte ihnen die seit vielen bitteren und entbehrungsreichen Jahren ersehnte Freiheit. • Das Deutsche Gesundheitsmuseum Köln wird in Zusammenarbeit mit der Stadt Karlsruhe in der Stadthalle eine Große Gesundheitsausstellung unter dem T " ; t«edanken „Ein Ja dem Leben“ zeigen, die vom 5. bis 27. Juli 1952 geöffnet sein wird. Ällgemeinver- ituiialiche Darstellungen über den Bau und die Funktionen des menschlichen Körpers und den Ursprung des menschlichen Lebens, Säuglingspflege und Kindererziehung, sowie Krankheiten und Anregungen zu einem gesunden und natürlichen Leben bilden das interessante und jedermann ansprechende Programm. * Dp- bereits wegen. Unterschlagung von 3000 DM mit Gefängnis vorbestrafte Hermann Schm, aus Karls- iuhe, verheiratet, 47 Jahre alt, wurde von einer Karlsruher Baufirma, die keine Auskunft eingeholt hatte, als Buchhalter angestellt. Er verdiente 390 DM im Monat, veruntreute aber seiner Firma rund 10 000 DM und fälschte die Auszahlungslisten entsprechend. Er wurde in Hamburg auf der Reeperbahn festgenommen; rund 6000 DM befanden sich noch in seinem Besitz. Das Schöffengericht Karlsruhe verurteilte ihn zu 16 Monaten Gefängnis sowie 200 DM Geldstrafe. • Der Verband der Heimkehrer in Karlsruhe hat in eiher dieser Tage angenommenen Entschließung erneut die zuständigen Stellen aufgefordert, sich für die Entlassung der noch im Westen zurückgehaltenen Kriegsgefangenen einzusetzen. Erst nach der Entlassung der Westgefangenen werde es möglich sein, mit allem Nachdruck auch die Entlassung der in der Sowjetunion festgehaltenen Gefangenen zu fordern, heißt es in der Entschließung. • Ein amerikanisches Gericht verurteilte einen Arzt wegen Unterschlagung, Betrugs und rechtswidrigen Besitzes von Betäubungsmitteln zu einer Gefängnisstrafe von 9 Monaten. Der Verurteilte stand wegen seiner Süchtigkeit bereits seit 1925 auf der Sperrliste. Als Arzt einer Labour-Service-Einheit verstand er es jedoch, sich dennoch unrechtmäßig Betäubungsmittel zu verschaffen. Durch Erlaß des Landesbezirkspräsidenten für Nordbaden war ihm bereits Anfang März 1952 die Approbation entzogen worden. 3l„p* und Daunendecken Neuanfertigung — Umarbeitung, große Stoflauswahil Betten - Teppiche Bettumrandungen Günstige Preise. Verlange! j Sie bemustertes Angebot! I>. ScHwelktrt, Offenbar 30-sitzIger Mercedes-Benz Omnibus mit Oberlicht und Schiebedach, OM 65/3 Dieselmotor, 8.25 x 20 bereift, in gutem Zustand für DM I TM abzugeben. Teilfinanzierung möglich. Daimler-Benz Aktiengesellschaft Niederfassung Stuttgart Fellbach, SchafTandstr. 3—8 Tel. 30646/47 SCHREIBER GlifCf GCWIIin dunkUmarr /tiSiit-Ksfilai für WiedenirMiiftr grs ^•ztil'Schkkedatu, Fürth/kr. W 1 Feinste Mettwurst Braunschweiger Art kurz abgebunden 2 Stück 4 80 gr DM und dazu -.95 3 % Rabatt in Sparmarken jloiSCHREIBER den Spieljahr einen guten Tabellenplatz einnehmen wird. Der Verlauf der Punktespiele in der abgelaufenen Spielzeit habe ja deutlich bewiesen, daß es aufwärts geht. Im Schwanensaal fand eine Flüchtlingsversammlung statt. Es sprachen der provisorische Kreisvorstand Niedermeyer und der provisorische Geschäftsführer der IDAD, Linhart aus Bruchsal, sowie Herr Frenzei von der Süddeutschen Landsmannschaft. Sie behandelten in ihren Vorträgen den Zusammenschluß der Landsmannschaften und der IDAD. Sie sprachen über den Landesverbandstag der IDAD in Eutingen. Es wurde dort mit der Sudetendeutschen Landsmannschaft eine Vereinbarung getroffen der Art, daß die Landsmannschaft die kulturellen, die IDAD die sozialen Belange der Flüchtlinge vertritt. Im besonderen gelte es nun, die Ortsgruppe der IDAD in Kirr- lach wieder lebensfähig zu machen. Es wurde ein Ausschuß gebildet, der die Vorstandwahl vorzubereiten habe. In einer neuen Versammlung anfangs Juli soll die Neuwahl erfolgen. Am Wochenende hielt der MGV „Liederkranz“ sein traditionelles Sommerfest ab. Es wurde am Samstagabend durch ein Sommernachtsfest eingeleitet, dem am Sonntagnachmittag ein Waldfest folgte. Am Montag wurde es durch ein Fußballspiel „Liederkranz“ gegen „Frohsinn“ beendet, das der „Frohsinn“ 2:0 gewann. Die Veranstaltung war sehr gut besucht. w. Landwirtschaftlicher Unfall Oberacker. Beim Fuhrwerken scheuten die Kühe des Landwirts Kal Christian Mayer. Er wurde ein Stück weit geschleift und erlitt erhebliche Verletzungen an den Beinen. Er mußte ins Krankenhaus überführt werden. Am Samstag, 5. Juli, vollendet Landwirt u. Schuhmacher Emil Mayer sein 68. Lebensjahr. An Peter und Paul beging der Gastwirt zum „Adler“, Fritz Mayer, seinen 50. Geburtstag. Aus diesem Anlaß brachte der Gesangverein seinem treuen Mitglied ein Ständchen dar. m . Ein gelungenes Sommerfest Neudorf. Am Samstag und Sonntag hielt der Musikverein Concordia in der Dreschhalle sein Sommerfest ab. Der Ablauf wurde bereichert durch eine Theatergruppe aus Spöck, die zweimal die Operette „Das weiße Rössel“ zur Aufführung brachte. Im ganzen gesehen war den Spöcker Spielern ein Erfolg gelungen. Die Hauptrollen waren gut besetzt und unter den gegebenen Umständen war wirklich nicht mehr zu bieten. Beide Aufführungen erfreuten sich guten Besuches. Der Sonntag gehörte den Musikkapellen. Als Gastkapellen traten Hambrücken, Graben und Karlsdorf in Erscheinung, welche die Zuhörer durch ihre Melodien zu fesseln wußten. Von seiten der Neudörfer Bevölkerung war der Besuch sehr gut. Das sommerliche Wetter lockte alles ins Kühle, um durch einen frischen Trunk die Kehlen zu erfrischen. Gegen Abend trat dann die einheimische Kapelle erneut auf den Plan und unterhielt die Besucher bis in die späten Stunden. Am 27, Juni wurde August Herzog, Kapellenstr. 38, 74 Jahre alt, am 28. Juni Regina Heilig, Hauptstr. 92, 75 Jahre; am 29. Juni Maria Grub, Hauptstraße 79, 70 Jahre; am 30. Juni Luise Degen, Friedrichstr. 25, 71 Jahre und am gleichen Tage vollendete Rangiermeister a. D. Joseph Herzog, Karlstr. 5, sein 70. Lebensjahr. Allen Geburtstagskindern herzliche Glückwünsche! jjn. Die Oberwindnng des Materialismus Die zweite Predigt des Jesaitenpaters Leppicfa Wie mit magnetischer Kraft haben die Persönlichkeit, die Redegewandtheit und die kristallklare Sachlichkeit des großen Volkspredigers P. Leppich weitere Massen an sich gezogen. Es mögen weit über 20 000 Menschen gewesen sein aus Stadt und Land — z. T. aus einer Entfernung bis zu 50 Küometern gekommen —, die am Montag den weiten Platz vor der St. Stephanskirche in Karlsruhe füllten. In seinem Vortrag über den Materialismus ging P. Leppich von einem in Spanien gesehenen Gemälde — die Sintflut darstellend — aus. Unter anderem sah man da, wie eine Frau mit einem Barren Gold, ein kleines Kind an der Brust haltend, vom Wasser der Sintflut verschlungen wird. Die Menschheit von heute sei wieder reif für eine Sintflut — auch wegen des in ihr wohnenden Materialismus. Wo ist er zu Hause und wie kann er überwunden werden? Das sind die beiden Fragen, die der Redner vor dem Auditorium beantwortete. Zu Hause ist der Materialismus sowohl im Kapitalismus wie im marxistischen Sozialismus. Mit der ihm eigenen Realistik zeichnete der Redner, wie der Kapitalismus wie ein Vampir rücksichtslos und hemmungslos alles ausnützt, um zu Gold und Reichtum zu gelangen. Mag er sich an den Goldgruben Südafrikas bereichern, oder in Großwarenhäusern die Menschen zu Käufen über ihre Verhältnisse locken, oder mag er sich der Vergnügungssucht und der Genußsucht des Volkes bedienen, mag er sich in das fromme Gewand des Kalvinisten kleiden, der die Auffassung hat, Ge- schäftsblüte sei ein Zeichen des Gottessegens, allüberall ist es jener Geist, dessen Gott das Goldene Kalb ist. Wie Jesus, grundgütig und barmherzig gegen die reumütige Dime war, über den Kapitalismus denkt, zeigt die erbarmungslose Verurteilung des Reichen Prassers. Zu Hause ist der Materialismus aber auch im Sozialismus marxistischer Prägung. Denn dieser Sozialismus leugnet die Ewigkeit und ist ganz verhaftet in der Materie, im Wirtschaftlichen, sein Ziel ist der „Rote Messias“, während das Ziel der Christen das Jenseits ist. Der Sozialismus marxistischer Prägung ist voll Durst nach Kapital und ist noch lange nicht geeignet, den Kapitalismus zu überwinden. Die Überwindung des Materialismus! Mit Hetzreden und ewigen Forderungen, die weniger der wirtschaftlichen Notwendigkeit als der Parteidoktrin und Demagogik entspringen, überwindet man das Ungetüm des Kapitalismus nicht. Nicht der „soziale Hexenkessel“, der sich allmählich in Deutschland gebildet hat, wird die Welt erneuern, sondern nur die Revolution der Herzen, wie sie Christus durch Wort und Beispiel gelehrt hat. in Karlsruhe Mit begeisterten Worten wies der Redner auf die sozialen Großtaten hin, die Männer und Frauen, beseelt vom Geiste Jesu Christi, im Laufe der Jahrhunderte geleistet haben. Er erinnerte an die Päpste vom hl. Petrus bis Leo XIII. mit seiner Arbeiterenzyklika und den sozial eingestellten Trägem der Tiara unsrer Tage. Er erinnerte an einen hl. Franz von Assissi, der den Materialismus für ein ganzes Jahrhundert zum Stehen gebracht habe; an einen Bischof Emanuel von Ketteier, den Ritter von Buss im badischen Landtag, Adolf Kolping, dessen soziale, den Kapitalismus überwindende Werke erst ferneren Zeiten sich ganz erschließen werden; er gedachte des protestantischen Apostels der Nächstenliebe Friedrich v. Bodelschwingh und der sozialen Legion der Ordensund anderer Schwestern, die in der Überwindung des Kapitalismus wahrhaftig mehr geleistet haben als Tausend und Abertausend von haßerfüllten Kundgebungen. Der Redner meinte, es wäre jetzt an der Zeit, daß die Kultusminister aus den für die Schulen bestimmten Geschichtsbüchern gewisse „Helden“ imperalisti- scher Prägung streichen und dafür Heroen und Pfadfinder der christlichen Liebestätigkeit beider Konfessionen einsetzten. Mit zu Herzen gehender Eindringlichkeit wandte sich gegen Ende des Vortrages unser Prophet im schlichten Priestergewand an die einzelnen Stände, die Unternehmer, die Arbeiter, die Akademiker, unter ihnen besonders die Juristen, ihnen das Beispiel eines Thomas Morus vor die Seele stellend, an die Kaufleute, das Landvolk, und beschwor sie alle, die breite Straße des Materialismus, die nur zum Verderben führt, zu verlassen und den Kreuzweg der Liebe zu gehen. Am Tage der Gerichte würden wir nicht gefragt nach dem Reichtum, den wir erworben, den Ehren, die wir erlangt, der Gesundheit, der wir uns etwa erfreut, sondern danach, ob wir in uns den Geist des Kapitalismus überwunden und den in Not sich befindlichen Brüdern und Schwestern geholfen hätten. Kr. Wieder Maul- und Klauenseuche Gondelsheim. Nachdem in der Gemeinde Gondelsheim die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen ist, werden folgende Anordnungen getroffen: Die Gemeinde Gondelsheim bildet den Sperrbezirk. Die Gemeinden Helmsheim, Neibsheim und Obergrombach bilden das Beobachtungsgebiet. In der Schutzzone (15 km Umkreis) fallen alle übrigen Gemeinden des Landkreises Bruchsal. Die zu beachtenden gesetzlichen Bestimmungen liegen auf den Rathäusern zur Einsicht off» 1 ". Frohe Festtage in Weiher: Das Jubiläum des Radfahrervereins „Edelweiß’ Ueber das Wochenende feierte der Radfahrerverein Wille, gestärkte Muskeln, aber auch eine gestärkte „Edelweiß“ sein 25jähriges Vereinsjubiläum. Bereits am Samstagabend waren auf dem Festplatz neben dem Jubelverein sämtliche Ortsvereine erschienen, um geschlossen an dem Festbankett teilzunehmen. Nach der Begrüßung gab der Festpräsident Wilhelm Deiß- ler einen Ueberblick über die Geschichte des Vereins, der 1927 gegründet wurde. Vom Gründungsjahr. an beteiligte sich der Verein bei festlichen Anlässen, an Korso- und Rennfahren und konnte durch seine vorbildliche Haltung überall gefallen und hat manch schönen Preis heimgebracht. Seit 1951 steht der Verein unter Leitung des verdienten Vorsitzenden Michel Geider. Im Mai 1952 konnte der Verein in Reilingen die Kreisjugendmeisterschaft erringen. Der Wert des Sports besteht aber nicht nur in der körperlichen Bewegung, mit welcher er verbunden ist, so führte der Redner weiter aus, sondern in der Stärkung des Willens, in der Entwicklung der Energie, in der Ausdauer und des Muts. In der Geschicklichkeit des Körpers soll die Herrschaft des Geistes über den Stoff, das unbedingte Verfügen des Willens über die Glieder, das Mitheranziehen des Körpers in den Dienst des geistigen Lebens angestrebt werden. Ein fester „Frohe Jugend" - eine neue Deimaizeitsdiriit Vier Ausgaben: Für den Brahrain, den Kraichgau, den Pfinz- und den Elsenzgau „Frohe Jugend“ nennt sich eine neue Heimatzeitschrift, die für Schüler, Eltern und Erzieher gedacht ist. „Frohe Jugend“ ist ein schmales Heft, gerade so groß wie eine Schulfibel. Aber was Schulfibeln und Lehrbücher nicht vermitteln können, das finden wir in dieser Zeitschrift: Für die Schüler von 10 bis 14 Jahren einen reichen Schatz heimatkundlicher Betrachtungen, für die Eltern pädagogische Ratschläge, für den Erzieher einen Einblick in die Mentalität der ländlichen Schuljugend von heute. Unterhaltendes, Belehrendes und Besinnliches vereinigt diese Jugendzeitschrift auf knappstem Raum. Kaum glaublich, aber diese Hefte, die monatlich erscheinen, bieten außerdem noch regelmäßig Nachweise für die gute Jugendliteratur, sie haben noch Raum für Illustrationen, Denksportaufgaben und eine in Fortsetzungen erscheinende abenteuerliche Jugenderzählung. 18 Seiten Inhalt von hohem Niveau, umfassend und trotzdem nicht oberflächlich: das ist das erstaunliche Fazit kritischen Blätterns. Aber der kritische Leser fragt mehr. Er fragt nach dem Wie einer Zeitschrift. Vor allem dann, wenn der Stoff in so reichhaltiger Fülle geboten wird wie hier. Der Inhalt allein, auch wenn er noch so sorgfältig ausgewählt ist, macht noch nicht eine gute Jugendzeitschrift aus. Eine Zeitschrift, die sich zum Ziel gesetzt hat, außer den Jugendlichen selbst auch alle mit ihr unmittelbar oder mittelbar in Berührung kommenden Personenkreise: Eltern, Erzieher und Behörden anzusprechen, wird nicht darauf verzichten können, gehr feinfühlig auf deren Mentalität einzugehen. Das muß nicht unbedingt heißen, das zu veröffentlichen, was gerne gelesen wird, was — erwartet wird. Aber es wird heißen, Erkenntnisse zu vermitteln, Verständnis zu wecken und schließlich zur Mitarbeit anzuregen. Dieses Eingehen auf die vielschichtige Mentalität ihres Leserkreises — soweit bis jetzt zu urteilen ist — zeichnet die „Frohe Jugend“ aus. Eines erscheint uns wesentlich: „Frohe Jugend* wird in den Schulen vertrieben. Wer das Ausmaß der Irreführung unserer Schuljugend durch Kino und die vielgestaltigen Versuchungen unserer Tage kennt, wird- bezweifeln wollen, daß eine Zeitschrift ohne marktschreierische Aufmachung, ohne Blickfang auszukommen versucht. Daß sie schließlich versucht, ethische Werte zu vermitteln, überhaupt den Boden zu bereiten für die Aufnahme derartiger Werte, daß sie das Heimatbewußtsein pflegt und vertieft, das alles muß ihr als Verdienst angerechnet werden, umso mehr, als Verlag und Redaktion auf bunt schillerndes Beiwerk verzichten. Wird „Frohe Jugend“ ein Echo finden? Diese Frage wird die Zukunft beantworten müssen. Jedenfalls bietet die Zeitschrift als solche die Voraussetzungen für ein wirklich ernstzunehmendes Sprachrohr der Jugend für die Jugend, der Erzieher für die Jugend und die Elternschaft. Der Zeitschrift „Frohe Jugend“, die jetzt im zweiten Monat erscheint und deren Verbreitungsgebiet den Kraichgau, den Bruhrain, Pfinz- und Elsenzgau sowie die Stadt Karlsruhe umfaßt, für diese Verbreitungsgebiete jeweils mit speziellem Heimatteil, ist ein Bildungswert nicht abzusprechen. Sie füllt unbedingt eine Lücke im heimatlichen Schrifttum aus. Man kann sich sehr wohl vorstellen, daß diese Blätter den jungen heran wachsenden und reifenden Menschen zum Selbsterkennen erziehen, des weiteren aber auch zur tätigen Mitarbeit anregen. Nicht etwa, weil es irgend etwas zu gewinnen gibt, sondern einzig aus dem Bewußtsein heraus, etwas zu schaffen, das bei anderen Gleichgesinnten weiterwirkt. Junge Menschen sind sehr leicht zu begeistern. Die „Frohe Jugend“ will wohl beweisen, daß es nicht unbedingt Sechs-Tage-Rennen, Fußballspiele oder Filmstars zu sein brauchen, um die Jugend für eine schöne Sache zu gewinnen. Es besteht schließlich aber auch kein Zweifel, daß es sich hier um einen Versuch handelt, der nur dann zum erstrebten Erfolg führen kann, wenn die bis jetzt bewiesene Haltung der Zeitschrift ohne Rücksicht auf irgendwelche Anfechtungen strikt eingehalten wird, wenn das stetige Bemühen unserer Jugend in einer kleinen sorgfältigen Auswahl das Beste zu bieten, nicht erlahmt. -wer Seele, das ist das Ideal der Körperabhärtung und der Sinn des Sports, auch des Radsports. — In ehrenden Worten gedachte der Festredner der 23 Gefallenen des Vereins. Gesangverein, Musikverein und Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr trugen zur Unterhaltung bei. Einen weiteren Höhepunkt des abendlichen Festgeschehens bildete die Ehrung der Männer, die seit der Gründung dem Verein angehören. Der Festpräsident würdigte die Verdienste dieser Mitglieder, gab die Namen der Geehrten bekannt und überreichte jedem eine Erinnerungsurkunde. Ihre Namen sind: Die langjährigen Vorstände und jetzigen Ehren Vorstände Ludwig Geider und Emil Möhler, der erste Bannerträger und Fähnrich Pius Bader, die Rennfahrer, die dem Verein die ersten Lorbeeren einbrachten, Jakob Schmitt und Michael Schäfer, ferner Michael Geider, Preisrichter Otto Schmitt, Franz Holzer, Ludwig Hochadel, Josef Barth, Josef Schäfer, Anton Becker, Rudolf Knebel, Josef Baron, Josef Göckel und Wilhelm Heiler. Der Vorsitzende des Freundschaftsbundes, Heinrich Will-Bruchsal, sprach dem Jubelverein die besten Wünsche aus. Emil Gärtner, Vorstand des MGV 1876, überreichte im Namen der Ortsvereine ein Signalhorn als Ehrengabe. Der Sonntag . wurde mit einem Gefallenengottesdienst eingeleitet. Um 10 Uhr begann das große Stra- senrennen. Nahezu 60 Fahrer aus Baden, Pfalz und Württemberg starteten bei strahlender Sonnenhitze, um in 3 Klassen die sportlichen Wettkämpfe auszutragen. Die einheimischen Fahrer konnten trotz stärkster Konkurrenz überraschend gute Ergebnisse erzielen. Siegerliste des Straßenrennens A-KIasse, (60 km): 1. Hans Mai-Weiher, 2. Marx- Mannheim, 3. Fritz Monig-Weiher. A-Jugend, (40 km): 1. Horst Kettenmann-Nußloch, 2. Günther Barth-Brötzingen, 3. David Pfisterer- Weiher. B-Jugend, (20 km): 1. Alexander Heneka-Weiher, 2. Karl Fillinger-Reilingen, 3. Stegmeier-Wehier. Zum Festzug mit Preiskorso, der sich gegen 2 Uhr vor dem Rathaus formierte, vom Musikverein und dem Spielmannszug angeführt wurde, hatten sich neben den Ortsvereinen 14 auswärtige Vereine mit rund 500 Fahrern eingefunden. Der Zug bot ein imposantes Bild. Auf der Festwiese begrüßte der Festpräsiden Wilhelm Deißler die Gäste herzlich und dankte für ihre treue Unterstützung. Bei Unterhaltungsmusik nahm der Mittag einen frohen und harmonischen Verlauf. Um 6 Uhr fand die Siegerehrung mit Preisverteilung statt. Ergebnis des Preiskorso A-Klasse: 1. Kirrlach 474 Pkt., 2. Forst 440 Pkt., 3. Rot 380 Pkt. B-Klasse: 1. Heidelsheim 169 Punkte. Sonderklasse: 1. Untergrombach 432 Pkt., 2. Jöh- lingen 207 Pkt., 3. Bruchsal 160 Pkt. Mit Dankesworten für die gastfreundliche Aufnahme und die schönen Preise schieden die auswärtigen Vereine, indes die hiesige Einwohnerschaft ihre Verbundenheit mit dem Radfahrerverein „Edelweiß“ durch einen nochmaligen Besuch am Abend mit geselligem Beisammensein zum Ausdruck brachte. Das glänzend verlaufene Fest klang am Montag aus mit Kinderbelustigungen, wobei es große Ueber- raschungen gab. Für den Jubelverein war das Fest ein voller Erfolg. Jeder Festteilnehmer wird sich gerne der schönen Stunden erinnern, die er beim Radfahrerverein im gastlichen Weiher erlebt hat. ^OKcku. (jewludeu) Die neue Wasserleitung Mingolsheim. Nach Mitteilung des Bürgermeisteramtes wird die Wasserleitung ab 1. August offiziell in Betrieb genommen. Mit diesem Termin beginnt auch die Erhebung des Wasserzinses. Die Hausbesitzer werden aufgefordert, ihre Anschlüsse bis dahin in Ordnung zu bringen. Versammlung des Heimkehrerverbandes Oberöwisheim. Am letzten Wochenende sprach Kreisvorsitzender Ritter über den Zweck des Heimkehrerverbandes. In seinem Programm wies er auf drei Punkte besonders hin: Er forderte die Entlassung aller noch in Gefangenschaft befindlichen Kameraden und verlangte Aufklärung über die Tausende von Vermißtenschicksalen. Notwendig sei ferner die Eingliederung der Heimkehrer in das Wirtschaftsleben und ein menschenwürdiges Dasein der Vermißten-Frauen. Schließlich hätten die Heimkehrer ein Recht auf Entschädigung für ihre hinter Stacheldraht geleistete schwere Arbeit. oztgjpMt DER HEIMAT Kantersieg der Mingolsheimer Boxer Am vergangenen Sonntag empfing die Mingolsheimer Boxstaffel die Gäste aus Brühl, die sich durch Mitglieder des Boxklubs „Sandow“ aus Heidelberg verstärkt hatten. Im gutbesetzten Engelsaal sahen die Besucher schöne und faire Kämpfe und einen von vornherein in dieser Höhe nicht erwarteten Sieg der Einheimischen. Mit 14:4 Punkten gaben sie Brühl das Nachsehen. Dem jungen Schweinfurt (M) gelang gegen den Kreismeister des Kreises Mannnheim, Herrm I ein haushoher Punktesieg und Metzger I (M) fertigte seinen Gegner Kreß (B) innerhalb 10 Sekunden durch ko. ab. Der mit Spannung erwartete Schwergewichtskampf Eisemann I gegen den Negerboxer und US- Heeresmeister^Harris vom Boxklub „Sandow“ Heidelberg, der auch den Höhepunkt der Veranstaltung bildete, endete mit einem verdienten Punktesieg des Mingolsheimer Eisemann. In der Begegnung Heinle (M) gegen Knobloch (B), den dieser sicher gewinnen konnte,, mißfiel allgemein die unsaubere Boxerei von Heinle. Weitere Ergebnisse waren: Eisemann III siegt durch ko. in der I. Runde gegen Knapp (B); Hees (M) siegt durch ko. in der I. Runde über Hauck (B); Frank (M) gewinnnt durch Aufgabe seines Gegners Herrm (B); Rampp (M) siegt nach Punkten über Schäfer (B); Willfahrt (M) verlor nach Punkten gegen Brücker (B). Die Niederlage von Willfahrt war insoweit bedauerlich, da er absolut der technisch bessere Boxer im Ring war. Ihm fehlt leider noch das entsprechende Stehvermögen und vor allem die erforderlichen Luftreserven. Der vergangene Abend hat wieder einmal gezeigt, daß die Mingolsheimer Boxstaffel sich auf dem richtigen Weg befindet und im badischen Amateurboxverband ein nicht mehr wegzudenkender Faktor geworden ist. FC Huttenheim gastierte bei DJK Sandhofen Huttenheim. Am vergangenen Sonntag gastierte der Fußballklub Huttenheim beim DJK Rhein-Neckar Mannheim-Sandhofen mit drei Mannschaften. Auf der Fahrt nach Sandhofen wurde in Schwetzingen Halt gemacht, um die herrlichen Schloßgartenanlagen zu besuchen. Am Nachmittag standen sich zuerst die Jugendmannschaften gegenüber. Das faire Spiel endete mit einem 2:2 Unentschieden. Die 2. Mannschaften trennten sich nach ausgeglichenem Spielgeschehen mit 3:3. Das Hauptspiel bestritten der A-Klassenvertreter Huttenheim und der B-Klassenverein Sandhofen. Trotz der drückenden Hitze sah man ein schönes und faires Treffen, das die Huttenheimer nicht ganz unverdient mit 1:2 Toren gewannen. Die Torschützen waren in der ersten Halbzeit der Halblinke Ritter und einige Minuten vor Schluß der Halbrechte Le- schinsky. Am Abend trafen sich die beiden Fußballfamilien im Vereinslokal „zum goldenen Hirschen“ zu einem Kameradschafts-Abend. Rheinwasserstände Konstanz 411 (—2), Rheinfelden 282 (+1), Breisach 232 (unv.), Straßburg 290 (—8), Karlsruhe 460 (unv.), Mannheim 310 (—10), Mainz 288 (—4), Bingen 195 (—5), Caub 207 (—8). SIEG UBER DAS DUNKEL Unsere Bildgeschichte aus denn gleichnamigen Film der Universal International mit Arthur Kennedy und Peggy Dow in den Hauptrollen. FORTSETZUNG FOLGT MWM jjgl iliil mm 'mM. 1» Ä _: 9 . Täglich nahm Larry Nevins jetzt an den Kursen teil. Der Arzt hatte mit etwas Bemerkenswertem begonnen. Es sei eines der größten Wunder, hatte er gesagt, daB der menschliche Körper die Augen ersetzen, sich neue „Augen“ schaffen würde. Nicht eine Sekunde dürfe man daran zweifeln. Sollte es dieses Wunder geben? 10. Corporal Flagg wurde sein Trainer. Ei lehrte ihn, wie man den Stock anzufassen unC zu benutzen habe, und Larry Nevins merkte plötzlich, daß es wesentlich leichter war, sich mit den Gängen, Treppen und Sälen vertraut zu machen, als er es ursprünglich dachte. Immerhin, es würde bestimmt lange dauern. II. Dann wieder kamen bange Augenblicke er konnte sich nicht entschließen, seinen Eltern die Wahrheit mitzuteilen. Er hatte Angst davor. Und trotzdem war es nötig. Denn auch seine Eltern und seine Braut brauchten Zeit, um sich mit der Wirklichkeit abzufinden. Und in ein paar Wochen sollte er heim, auf Urlaub. 12. An kleinen Modellen lernte er das riesige Hospital von Valley Forge mit den Sinnen zu erfassen. Die Blindenschule von Valley-Forge war berühmt. Kein anderer Ort hallte so sehr von dem Lachen und der Fröhlichkeit der Blinden wider wie gerade dieser. Die Fortgeschrittenen durften sogar allein in die Stadt geben. „Ich denke nicht daran, eine andere Zeitung 'ns Haus zu nehmen!“ M. R. in O. „Mir gefällt die Heimatzeitung aufs beste, 'ch möchte sie auch im Sommer hindurch nicht missen!“ P. K. in M. »Die Heimatzeitung hat sich trefflich herausgemaefat, seit sie im Großformat erscheint, abbestellen, nie im Leben!“ H. St. in L. „Mir ist die Heimatzeitung ein täglicher Freund. Meine Frau und ich lesen sie von vorn bis hinten!“ Dr. M. in M.