BRUCHSALER POST Redaktion and Verlag: Bradisal, Worthstraße 11, Telefon Nr. 2121 Btsi|spreii: Monatlich DM 2.80 einnfaliefilid TriferKcbnhr. Poatanatellnng DM 2.48 anzüglich Zustellgebühr. — Erscheint ■■ jedem Tag der tfoche« außer sonn* und feiertags RHEINISCHES TAGBLATT SÜDDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG Anzeigenpreise laut Preisliste* — Bankkonten] Spar- oad Kredite bank Bruchsal Nr. 603; Stadt. Sparkasse Philippsburg Nr. 1037. Postscheckkonto: Amt Karlsruhe Nr. 36440. — Bei Störung durch höhere Gewalt besteht kein Ersa£snsprnch. Nummer 156 Mittwoch, 9. Juli 1952 Einzelpreis 20 Pfennig Intwort an Moskau am Donnerstag PARIS* Außenminister Schuman teilte am Dienstag mit, daß die Antwort der Westmächte auf die letzte Deutschlandnote der Sowjetunion am Dienstag in Moskau überreicht wird. Der Text der Note werde dann am Donnerstagabend veröffentlicht. Schuman sprach vor dem Außenpolitischen Ausschuß der Nationalversammlung. Die alliierten Hohen Kommissare haben am Dienstagabend Bundeskanzler Dr. Adenauer den endgültigen Text der Antwortnote der Westmächte an die Sowjets übermittelt. Gleichzeitig wurden Dr. Adenauer drei Briefe zugeleitet, in denen die drei Regierungen der Westmächte ihre Ansichten über die von Bundeskanzler Dr. Adenauer vorgetragenen Abände- rungswünsche zum Entwurf der Antwortnote zum Ausdruck bringen. Wie aus alliierter Quelle verlautet, Wurden die Abänderungsvorschläge Dr. Adenauers von den Westmächten zum Teil al s nützlich angesehen und in den endgültigen Text der Note eingearbeitet. USÄ-Kongrefi vertagt WASHINGTON. Der 82. USA-Kongreß vertagte sich am Montag und ging in die Ferien. Er wird, wenn nicht der ungewöhnliche Fall eintritt, daß er vom Präsidenten zu einer Sondersitzung einberufen Wird, nicht mehr zusammentreten. Ein neuer Kongreß wird im November gewählt und tritt im Januar zum. erstenmal zusammen. Mitarbeiter der„Freiheitlichen Juristen" verschleppt Sorgfältig vorbereiteter Menschenraub in Westberlin - Sicherheitsmaßnahmen an der Zonengrenze BERLIN. Unbekannte verschleppten am Dienstagmorgen gegen 7.30 Uhr den 49 Jahre alten Leiter des Referats Wirtschaft im Westberliner Untersuchungsausschuß freiheitlicher Juristen, Dr. Walter Linse, in die Sowjetzone. Linse, der 1947 als politischer Flüchtling aus Chemnitz nach Westberlin kam, wurde nach Zeugenaussagen etwa zehn Meter von seiner Wohnung in der Gericfatstraße im amerikanischen Sektor von einem Mann angesprocfaen, plötzlich mit der Faust ins Gesicht geschlagen und von drei anderen Männern in einen schwarzen Opel Kapitän mit der Westberliner Nummer KB 060 223 gezerrt. Mehrere Privatfahrzeuge nahmen die Verfolgung der Entführer auf, konnten sie jedoch nicht erreichen. Aus dem Opel Kapitän — einer Westberliner Taxe — wurden Eisenspitzen und Kanten gestreut, um die Reifen der verfolgenden Fahrzeuge zu zerstören. Au ßerdem schossen die Entführer auf ihre Verfolger. Das Entführungsauto konnte in die Sowjetzone entkommen. Der Schlagbaum auf sowjetischer Seite war schon vor Eintreffen des Autos geöffnet. Nach den bisherigen Ermittlungen war die Entführung Linses schon seit längerer Zeit geplant. Vor drei Monaten hatte sich bei der Westberliner Polizei ein Jura-Student aus Potsdam gemeldet, der einen Ent- Verhandlungen mit DGB gescheitert Beide Seiten lehnen Verantwortung ob - Fette weiter gesprächsbereit HAMBURG* Die Verhandlungen zwischen den Regierungsparteien CDU/CSU und FDP und dem Deutschen Gewerkschaftsbund über das Betriebsverfassungsgesetz, das die Mitbestimmung der Arbeitnehmer regeln soll, sind gescheitert. Schon auf der zweiten Zusammenkunft der Vertreter beider Seiten am Montag wurden sie nach achtstündiger Beratung abgebrochen. Am Dienstag wurde der vom DGB an gegriffene Gesetzentwurf der 1 Regierungskoalition über die Betriebsverfassung von den beiden zuständigen Bundestagsausschüssen in Abwesenheit der SPD-Abgeordneten gebilligt. Er kommt jetzt zur Beratung vor den Bundestag. Der DGB-Vorstand hat hach dem Scheitern der Verhandlungen das zweithöchste Gremium der Gewerkschaft, den Bundesausschuß einberufen, der über die neue Situation ent scheiden soll. Anlaß für das Scheitern der Verhandlungen war vor ' allem die Tatsache, daß die Bundesregierung ihren Entwurf für ein Personalvertretungsgesetz, das die Mitbestimmung speziell für den öffentlichen Dienst regelt, formal an den Bundestag weiterleitete. Der DGB wirft der Bundesregierung vor, daß sie damit vollendete Tatsachen schaffen wolle, denn er lehnt dieses Gesetz scharf ab. Er wünscht, daß die Mitbestimmung auch für den öffentlichen Dienst in dem allgemeinen Betriebsverfassungsgesetz geregelt wird, so daß ein spezielles Personalvertretungsgesetz überflüssig wäre. Beide Seiten lehnten die Verantwortung für das Scheitern am Dienstag in grundsätzlichen Erklärungen ab und beschuldigten den Gesprächspartner. • Das Bundeskabinett ließ sich ausführlich über den Verlauf der Verhandlungen berichten. In einer Erklärung wies das Kabinett darauf hin, daß die Bundesregierung und die Vertreter der Koalition keinen Zweifel darüber gelassen hätten, daß das Mitbestimmungsrecht für den öffentlichen Dienst in einem besonderen Gesetz geregelt werden soll. Dem DGB sei jedoch zugesichert worden, daß Abweichungen des Personalvertretungsgesetzes vom allgemeinen Mitbestimmungsrecht auf, das unbedingt notwendige Maß beschränkt werden sollten. Der Entwurf des Personalvertretungsgesetzes sei bereits im März im Bundesrat behandelt und jetzt nach erneuter Vorlage im Kabinett formal dem Bundestag zugeleitet worden. Die Zurückziehung der Vorlage hätte die gesetzliche Regelung des Mitbestimmungsrechts verzögert. Im übrigen zeigten die Gesetzentwürfe, daß die Bundesregierung gewillt sei,'die Mitbestimmung in fortschrittlicher Weise zu regeln. Der Vorwurf des DGB daß den zwischen Bundeskanzler Dr. Adenauer und dem DGB-Vorsitzenden Fette getroffenen Vereinbarungen die Grundlage entzogen worden sei, müsse zurückgewiesen werden. In Nord-Venezuela wird gegenwärtig an der teuersten Autobahn der Welt gearbeitet, bei der die Meile (1609 Meter) sechs Millionen D-Mark kostet. Die Strecke ist nur zehn Meilen lang und zieht sich durch die nördlichen Ausläufer der Anden. Auf unserem Bild wird gerade ein Träger an einer der riesigen Brücken der neuen Autobahn eingebracht, Der DGB-Vorstand erinnert in seiner Erklärung daran, daß die gesamte Gesetzesmaterie erörtert und die parlamentarischen Verhandlungen deshalb ausgesetzt werden sollten. Die Gewerkschaftsvertreter hätten am Montag mit Befremden festgestellt, daß die Bundesregierung ihren Entwurf für ein Personalvertretungsgesetz, ohne etwas darüber mitzuteilen, noch einmal durchgesprochen und ohne Rücksicht auf die laufenden Verhandlungen an den Bundestag geleitet hat. Der DGB kritisiert außerdem, daß die Vertreter der Regierungsparteien eine Vermittlung durch Ministerpräsident Arnold abgelehnt und daß Vertreter der Deutschen Partei entgegen den Abmachungen nicht an den Aussprachen teilgenommen hätten. Der DGB wünsche ein einheitliches Betriebsverfassungsgesetz, das auch den öffentlichen Dienst umfaßt, er habe darüber nie Zweifel gelassen. Die Vertreter der Regierungsparteien, die an den Verhandlungen beteiligt waren — Dr. Gerhard Schröder, Anton Sabel (beide CDU/CSU) und Dr. Hans Wellhausen (FDP) —, betonten, daß auf ihrer Seite in den Verhandlungen mit den DGB-Vertretem — Hans vom Hoff, Erich Bührig, Adolf Kummernuß und Hugo Karpf — ein ernster Verständigungswille vorhanden gewesen sei. „Man mußte den Eindruck gewinnen, daß hier eine Sache abgedreht werden sollte“, sagte Wellhausen. Da ein sachliches Gespräch mit dem DGB nicht mehr möglich sei, hätten die Bundestagsausschüsse über den Entwurf des Betriebsverfassungsgesetzes am Dienstag entschieden. Christian Fette erklärte am Dienstag nachdrücklich, daß die Gewerkschaftsvertreter jede Verhandlungsmöglichkeit ausnutzen werden. Auf die Frage, ob der DGB zu neuen Verhandlungen bereit sei, erklärte er knapp: „Von mir aus noch heute abend, sonst morgen früh“. führungsauftrag hatte. Nachbarn Linses hatten in den letzten zwei Wochen verdächtige Männer beobachtet, die in der Nähe seiner Wohnung Passanten mit Lichtbildern verglichen. In der Nähe parkte im allgemeinen ein graues Personenauto mit Ostberliner Kennzeichen. Westberlin wird alle Straßenübergänge, die in die Sowjetzone führen, zum Schutz gegen Menschenraub durch feste Barrieren sperren oder unpassierbar machen. Der Berliner Senat beschloß diese Sicherheitsmaßnahmen am Dieenstag als Reaktion auf die gewaltsame Entführung Dr. Linses. Außerdem wurde angeordnet, daß der Kraftwagenverkehr von Westberlin nach dem Sowjetsektor verstärkt polizeilich überwacht wird, um Entführungen auch in dieser Richtung zu verhindern. Der Senat weist ausdrücklich darauf hin, daß die Sperren keineswegs Berlin von der Sowjetzone einseitig abschnüren sollen. In einer Erklärung wird versichert, daß der Berliner Senat alle ihm zur Verfügung stehenden polizeilichen und anderen Mittel einsetzen wird, um Verbrechen gegen Leben, Freiheit und Sicherheit der Bewohner Westberlins rücksichtslos zu verfolgen. Das Westberliner Taxi, das die Nummer des Wagens trägt, mit dem am Dienstagmorgen Dr. Linse entführt wurde, ist am Dienstagmittag mit über sie- benstündiger Verspätung bei seinem Neuköllner Autofuhrgeschäft eingetroffen. Der seit vielen Jahren als zuverlässig bekannte 68jährige Fahrer berichtete, daß er im Sowjetsektor vorübergehend festgesetzt worden sei. Gegen 4 Uhr am Dienstagmorgen habe sich ein Fahrgast vom Kurfürstendamm nach dem Senefelder Platz im Sowjetsektor fahren lassen. Er bezahlte im voraus mit 20 Mark in Westgeld, als der Fahrer zögerte, den Auftrag anzunehmen. Als der Wagen die Volkspolizeikontrolle in der Leipziger Straße passiert hatte, warf der Fahrgast eine Stange amerikanischer Zigaretten auf den Sitz neben den Fahrer. Auf dem Senefelder Platz seien zwei Männer aus einem Hausflur auf den Wagen zugestürzt, hätten den Fahrgast festgehalten und gerufen: „Jetzt haben wir dich endlich“. Dann sei auch er selbst zu einem Polizeirevier gebracht, durchsucht, verhört und in eine Zelle eingesperrt worden. Seinen Wagen habe er auf dem Hof des Polizeireviers stehen sehen. Gegen Mittag wurde er ohne Begründung wieder aus der Haft entlassen und konnte mit seinem Wagen nach Westberlin zurückkehren. Da der Entführungswagen als neuer Opel Kapitän oder Mercedes beschrieben wurde, wird angenommen, daß von der Taxe nur das Nummernschild entfernt und für die Entführung benutzt wurde. Die Westberliner Polizei hat den Taxifahrer vorläufig festgenommen und'das Fahrzeug beschlagnahmt. Atempause für Pinay Vertrauensfrage zu seinen Gunsten - Gaullistische „Rebellen" bilden eigene Fraktion PARIS. Der französische Ministerpräsident Pinay hat bis zum Oktober eine Atempause. Die Nationalversammlung, die voraussichtlich Ende dieser Woche in die Sommerferien geht, hat ihm am Dienstagnachmittag mit 267 gegen 216 Stimmen ihr Vertrauen ausgesprochen. Die Regierung hat ihr eigenes Schicksal an die Annahme der gleitenden Lohnskala in der von ihr vorgesdilagenen Form gebunden. Von Arbeiterseite wird die gefundene Form einer zwar automatischen aber nur langsamen Angleichung der Löhne an steigende Preise als unzureichend bezeichnet. Kommunisten und Sozialisten haben deshalb vereint gegen die gleitende Lohnskala in der heutigen Form gestimmt. Aber auch Vertreter der Arbeiterschaft in den Reihen der Volks republikaner und der Gaullisten stimmten gegen den Regierungsentwurf, der von Ministerpräsident Pinay in einem' letzten Appell vor der Abstimmung von der Rednertribüne der Nationalversammlung herab lebhaft verteidigt worden war. 28 Abgeordnete der gaullistischen Sammlungsbewegung haben sich am Dienstagabend endgültig von der RPF losgesagt und eine eigene neue Fraktion gebildet. In der Vertrauensabstimmung hatten sie für Pinays gleitende Lohnskala gestimmt, und dem französischen Ministerpräsidenten geholfen, auch diese neue Klippe zu überwinden. Kreise, die mit den Verhältnissen in der RPF vertraut sind, erwarten, daß in den nächsten Tagen noch weitere Abgeordnete aus der gaullistischen Fraktion austreten werden. Sie nehmen an, daß die Fraktion de Gaulles bis auf etwa 85 Abgeordnete dezimiert und damit an Stärke auf die fünfte Stelle hinter die Sozialisten, die Kommunisten, die Konservativen und die MRP zurückfallen wird. Ursprünglich hatten die Gaullisten mit 115 Abgeordneten die stärkste Fraktion. Neue Generallinie der SED zu erwarten Ulbricht fiel an! gefälschtes Exemplar des Generalvertrages herein BERLIN. Einige tausend sorgfältig überprüfte SED- Funktionäre treten heute in Ostberlin zur „Zweiten Parteikonferenz der SED“ zusammen, auf der Generalsekretär Ulbricht eine neue politische Generallinie festlegen wird. Sie soll nach Angaben gut unterrichteter Funktionäre der Berliner SED durch die Aufstellung einer „Nationalarmee“, durch die völlige Umgestaltung des Sowjetzonen-Staats- und Verwaltungsapparates nach volksdemokratischem Muster und durch eine noch schärfere Abschnürung der Sowjetzone gegenüber der Bundesrepublik und Westberlin eine neue Phase der betonten „Eigenstaatlichkeit“ der Sowjetzonen-Republik einleiten. Ein Wechsel im Führungsgremium der SED als eigentlichem Machtfaktor in der Sowjetzone sei nicht vorgesehen. Die Parteikonferenz als Ersatz des Parteitages, der frühestens im nächsten Jahr stattfindet, soll lediglich die auf sowjetische Weisungen abgestimmten neuen politischen und propagandistischen Richtlinien des SED-Politbüros festlegen. Ulbricht ist auf Schwindler hereingefallen. Der angebliche „Wbrtlaut des Generalvertrages“, den er am 16. Januar in Händen zu haben behauptete, ist eine (Fälschung. Ein Sprecher des B undesinnenministe- riums teilte am Dienstag in Bonn mit, daß die zuständigen Stellen des Ministeriums einen „Spionagering“ aufgedeckt haben, der den angeblichen Text selbst verfaßt und Ulbricht gegen Honorar in die Hände gespielt hat. Ulbricht hatte dann am 16. Januar auf einer Pressekonferenz „aufsehenerregende Enthüllungen“ angekündigt und aus dem angeblich in seinen Händen befindlichen Originaltext wörtliche Zitate verlesen. Den zuständigen Stellen sei dann auch der volle Wortlaut des Textes in die Hände gefallen, der Ulbricht zugespielt worden war. Der Verfasser sei ein belgischer Staatsangehöriger und Mitglied des Ringes. Er habe das angebliche Dokument absichtlich in französischer Sprache abgefaßt, um die Echtheit glaubwürdiger erscheinen zu lassen. Der Sprecher zitierte als Beweis dafür, daß Ulbricht tatsächlich diesen Test benutzt hat, Beispiele aus dem gefälschten Text und den Ausführungen Ulbrichts. Es sei nicht ohne Reiz, sagte der Sprecher, die deutsche Oeffentlichkeit am Vorabend der zweiten SED- Parteikonferenz über diese Tatsache an Hand von Beweismaterial zu unterrichten. Der große Auftakt Von Fritz Lichtenberg An diesem Mittwoch, dem 9. Juli, ist es nun soweit. Der Bundestag beginn seine mit großer Spannung erwartete Aussprache über den Generalvertrag und die Europaarmee. Zwei heiße Tage lang werden die beiden Fronten der Regierungskoalition und der Opposition ihre Rednerkanonen gegeneinander auffah- ren, und nach dem ursprünglichen Wunsche des Bundeskanzlers hätte es bereits der Beginn der Entscheidungsschlacht sein sollen. Nachdem jedoch auch die Regierungsparteien für eine gründliche Prüfung in den Ausschüssen eingetreten sind, handelt es sich gewissermaßen nur um eine Art Felddienstübung, bei der die Gegner einander auszumanövrieren versuchen, um eine überlegene Ausgangsposition für den Endkampf zu gewinnen. Denn wie bei einem Manöver steht der Ausgang * erst einmal fest: Die Gesetzentwürfe zum deutsch- alliierten Vertragswerk werden nach der ersten Lesung an die zuständigen Ausschüsse überwiesen werden. Der Bundestag wird pünktlich am 20. Juli bis zum 31. August in die verdienten Sommerferien gehen, und erst im September werden demnach die Beratungen in den verschiedenen Bundestagsausschüssen beginnen. Vor dem Oktober, werden die zweite und dritte Lesung deshalb schwerlich angesetzt werden können. Und das ist das einzige, was man heute Voraussagen kann, denn wie die Weltpolitik im Herbst aussehen mag, das weiß niemand. Nur daß ihre Konstellation die letzte Entscheidung ebenso beeinflussen wird, wie sie den Entschluß zur Verschiebung bewirkt hat, dürfte sicher sein. Sensationen und Ueberraschungen sind somit von der zweitägigen Debatte nicht zu erwarten. Nur noch einmal eine ausführliche Darlegung der beiderseitigen Standpunkte, die nachgerade hinreichend bekannt Alle Rundfunksender der Bundesrepublik bringen heute und am Donnerstag Uebertragungen der Bundestagsdebatte über die neuen deutsch-alliierten Verträge. Der Süddeutsche Rundfunk, überträgt die Bundestagsdebatte an beiden Tagen unmittelbar vollständig. Der Südwestfunk Baden-Baden will die Debatten nach 19 Uhr bringen. sind. Sie sind diametral entgegengesetzt, und es ist nicht, zu erkennen, wie es zu einer „Aufweichung“ der Fronten kommen kann. Der Bundeskanzler sieht in _den Verträgen nicht nur den entscheidenden Durchbruch zur Vereinigung Europas, sondern auch den einzigen Weg zu einem Deutschland in Frieden und Freiheit. Bei aller Kritik aus den Reihen der Koalition besteht doch kein Zweifel mehr, daß die Regierungskoalition diese Zielsetzung geschlossen bejahen und die einfache Mehrheit somit heute schon gesichert ist. Der Unsicherheitsfaktor ist hauptsächlich durch die Verkoppelung des Generalvertrages mit der Europaarmee entstanden, die von den Westmächten als unbedingte Voraussetzung gefordert worden ist. Aus Mißtrauen, wie nicht zu bezweifeln ist: Man Will so etwas wie eine Wiederholung des Rapallo-Vertrages mit der Sowjetunion verhindern. Um das Vertragsgebäude zum Einsturz zubringen, ist die Opposition mitten in diese Schwäche hineingestoßen, indem sie für die Annahme des Europa-Armee-Vertrages die verfassungändernde Zweidrittelmehrheit fordert, die nur mit ihren eigenen Stimmen erreicht werden kann. Solange diese Frage vom Bundesverfassungsgericht nicht entschieden ist, bewegt sich der ganze Bundestag gewissermaßen in einem luftleeren Raum. Vielleicht wäre es deshalb besser gewesen, wenn die Regierung von sich aus die Rechtslage hätte einwandfrei klarlegen lassen, statt den aussichtslosen Verbuch zu unternehmen, dem Bundes rat das Recht der Zustimmung zu bestreiten. Die Klage in Karlsruhe ist nur ein Teil der oppositionellen Offensive. Der andere, nicht minder geschickte taktische Schachzug ist die Forderung nach einer Viermächtekonferenz vor der Ratifizierung der Verträge. Für eine Deutschlandkonferenz tritt auch der Bundeskanzler ein, aber nur dann, wenn Garantien einen gewissen Erfolg wahrscheinlich machen. Hier hat die Opposition im Laufe ihres Kampfes jedoch eine bemerkenswerte und höchst gefährliche Schwenkung vollzogen: Sie verlangt inzwischen nicht mehr und nicht weniger als die Neutralisierung zwischen West und Ost. Nach Carlo Schmdd soll Deutschland dem Westen „ideologisch“ nur so weit verbunden sein, daß sich der Osten nicht bedroht fühle. Wo ist hier eine Abgrenzung möglich? Praktisch ist die sozialdemokratische Opposition also drauf und dran, das auch von ihr bisher vertretene Programm der Eingliederung Deutschlands in den Westen zu zerreißen und die Moskauer These, wie sie von allen sowjetischen Noten vertreten wird, mehr! und mehr als ihre außenpolitische Konzeption zu vertreten. Und nachdem vor ihr sogar die Konferenz von Pan Mun-jon als ein erstrebenswertes Ziel einer Deutschland-Konferenz hingestellt worden ist, scheint die SPD auch die Bedingung, die Voraussetzung freier Wahlen durch eine neutrale Kommission prüfen zu lassen, fallengelassen zu haben, um wirklich alle Hebel einer unentwegten Opposition gegen die Ratifizierung zu ziehen. Neben den Gesetzentwürfen zum deutsch-alliierten Vertragswerk steht auch ein sozialdemokratischer Antrag auf eine Viermächtekonferenz zur Beratung im Bundestag an, für den Carlo Schmid mit dem Vergleich von Korea seiner Partei einen Bärendienst geleistet haben dürfte. Denn das deutsch-alliierte Vertragswerk soll nicht nur ein zweites Korea, sondern auch ein zweites Pan Mun-jon verhindern, wo man ja nicht über die Vereinigung des zerstörten Landes, sondern günstigenfalls über seine weitere Teilung zu einer Vereinbarung zu gelangen hofft. Man wird deshalb besonders gespannt auf die Reden der Opposition sein dürfen, denn plädiert Carlo Schmid auch im Parlament für Neutralisierung und Pan Mun-jon, dann würde der Auftakt der Ratifizie- rungsdebatte auf eine unerträgliche Verschärfung des Entscheidungskampfes im Herbst hlndeuten. Seite 2 / Nummer 156 Mittwoch, 9. Juli 1952 Keine Heimatichutz-Pläne _ BONN. Ein Sprecher der Bundesregierung dementierte am Dienstag in Bonn Meldungen, wonach von der Bundesregierung die Aufstellung eines freiwilligen Heimatschutzes an der Zonengrenze erworgen werden soll. Auch im Innenministerium, das »ich angeblich mit diesen Plänen beschäftige, ist davon nichts bekannt SPD-Klage vor dem BundesverfaHungsgericJit KARLSRUHE. Am Dienstag befaßte sich der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts mit der Klage der SPD-Ba»destag*fraktion gegen die Bundesregierung wegen des deutsch-französischen Wirtschaftsabkommens vom Februar 1950. Nach der Klage aoll das Bundesverfassungsgericht feststellen, daß die Bundesregierung das Grundgesetz verletzt hat, indem sie es unterließ, das Abkommen dem Bundestag zur Zustimmung vorzulegen. Das Gericht wird am 29. Juli über den Fall entscheiden. HSpker-Ascboff bedauert XeaBernng Lehre KARLSRUHE. Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Dr. Höpker-Asehoff, bedauerte am Dienstag die Aeußerung von Burudeamnenminister Dr. Lehr, wonach die „erste Runde der SRP-Klage eindeutig zugunsten des Bundes gegangen ist“. Es gezieme keinem Beteiligten, in ein schwebendes Verfahren einzugreifen. Ala Vertreter der Bundesregierung erwiderte Staatssekretär Ritter von Lex, er habe darüber bereits mit Minister Lehr gesprochen. Die in der Presse, wiedergegebenen Aeußerungen seien von Bonn in keiner Weise bestätigt worden. Im -Übrigen verlief der siebente Verhandlungstag über die Klage der Bundesregierung auf Verbot der SRP ohne Höhepunkte. Blankenborn will „Spiegel* verklagen BONN. Der Leiter der politischen Abteilring im Auswärtigen Amt, Ministerialdirektor Blankenborn, will den „Spiegel“ wegen Verleumdung verklagen, weil er ihn- in seiner letzten Ausgabe einer Verbindung zum französischen Nachrichtendienst beschuldigt hat. _ WEEDEN. Vier tschechische Soldaten flüchteten am Montag nach Bayern und stellten sich der deutschen Grenzpolizei. USA beschuldigen Sowjets der Kriegshetze USÄ-flntrag auf Verurteilung verlogener Propaganda - Malik kündigt neues Veto an UNO / NEW YORK Der amerikanische Delegierte Emest Gross beschuldigte die Sowjetunion am Dienstag im Sicherheitsrat, sie habe sich durch die Verbreitung ihrer Beschuldigungen, die UNO-Streitkräf- te in Korea hätten bakteriologische Waffen eingesetzt, der Kriegshetze schuldig gemacht. Gross stellte den Antrag, der Sicherheitsrat solle eine derartige Propaganda, die von „erlogenen Beschuldigungen“ gestützt werde, verurteilen. Der Sowjetdelegierte Malik kündigte in seiner Erwiderung an, er werde gegen den amerikanischen Antrag ein Veto einlegen» Ohne Beteiligung von Vertretern der Chinesischen Volksrepublik und Nordkoreas sei die Debatte „illegal“. Gross hatte im Laufe seiner Ausführungen gesagt, die Kommunisten hätten ihre Haß- und Lügenkampagne durch offene Weigerung des sowjetischen Delegierten, einer Untersuchung der Beschuldigungen über eine bakteriologische Kriegführung in Korea zuzustimmen, bis zum äußersten gesteigert. Malik lehnte in seiner Erwiderung auf die Darlegungen des amerikanischen Delegierten den Vorschlag auf eine unparteiische Untersuchung erneut ab und bezeichnet« das Internationale Rote Kreuz als eine rein Schweizerische Organisation, die im zweiten Weltkriege „Kriegsverbrechen Hitlers zu vertuschen versucht hat“. Xcheson warnt vor Spaltungsversuchen SAO PAULO. USA-Außenminister Acheson sagte am Montag in Sao Paulo, daß die politischen Ziele der Vereinigten Staaten eindeutig darin bestehen, Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit zu erlangen. „Wir bedrohen niemanden“, versicherte Acheson und betonte, daß die militärische Stärkung der freien Welt nur unter dem Druck der Verhältnisse erfolge, da die Segnungen des Friedens nur durch Stärke erreicht werden könnten. Der amerikanische Außenminister warnte vor den Versuchen der Sowjets, Uneinigkeit in die Reihen der freien Nationen zu bringen. „Wo sie nicht herrschen können, wollen sie schwächen, indem sie Mißtrauen unter den Nationen Rote Blockwarte für die Sowjetzone Fast genau sieben Jahre nachdem die vier Alliierten gemeinsam in ganz Deutschland den braunen „Blockwart“ der Nationalsozialisten abschafften, meldete sich in den ersten Junitagen dieses Jahres an den Wohnungstüren im sowjetisch besetzten Gebiet ein neuer, — diesmal roter „Blockwart“. Nach der Verstaatlichuiig des öffentlichen Lebens vom Schwerindustrie-Betrieb bis zum Zeitungshändler an der Straßenecke, der Ersetzung des Textilkaufmapnes wie des Kaffeehauskellners durch „Staatsfunktionäre“, will das kommunistische Regime der Sowjetzone nun auch die häusliche Sphäre der Menschen in seinem Machtbereich unter seine Kontrolle bringen. Das für diesen Zweck wiedererstehende System der „Block- und Zellenwarte“ wird künftig — nach sowjetischem Muster — die neue Bezeichnung „Haus und Straßenvertrauensleute“ tragen. Die neue Einrichtung wurde im März 1952 vom Sowjetzonen-Innenministerium angeordnet, um — wie es in dem betreffenden Erlaß heißt — „einen erfolgreichen Kampf um die Einhaltung der demokratischen Gesetzlichkeit“ zu führen. Das Ministerium bezog sich, dabei auf angeblich gute Erfahrungen, die Ostberlin und einige Städte der Sowjstzone mit den dort nach dem Zusammenbruch von den sowjetischen Kommandanten eingesetzten „Vertrauensleuten“ gemacht hätten. Die „Hausvertrauensleute“ mußten nach der Anordnung auf Grund gemeinsamer Vorschläge der örtlichen Verwaltung und der kommunistisch gelenkten „Nationalen Front“ in sogenannten Hausversammlungen bis spätestens 31. Mai dieses Jahres von den Bewohnern „gewählt“ werden. Je nach, den örtlichen Verhältnissen soll ein „Hausvertrauensmann“ acht bis zwanzig Haushaltungen „betreuen“. Jeweils acht bis zwölf von ihnen sollen sich einen „Straßenvertrauensmann“ bestimmen. Die neuen Funktionäre sollen vom Sowjetzonen- Innenministerium bezw. den Landesinnenministerien für ihre Tätigkeit geschult werden. Für die ständige Zusammenarbeit der aktiv tätigen „Vertrauensleute“ mit der Verwaltung muß ln den Großstädten ein besonderer „Mitarbeiter“ bei den Bezirksorganen benannt werden, während sie in den anderen Orten von den Stadt- bezw. Gemeinderäten für „Innere Verwaltung“ wahrgenommen werden soll. „Die Hausvertrauensleute sollen die von ihnen betreuten Bewohner zu einer festen Hausgemeinschaft zusammenschließen“, beginnt der Aufgabenkatalog der „Vertrauensleute“. In „enger Zusammenarbeit“ mit der kommunistisch gelenkten „Nationalen Front“ sollen sie „regelmäßig Hausversammlungen“ stattflnden lassen und dabei „die freiwillige Mitarbeit der Bevölkerung zum Verwirklichen bestimmter Aufgaben, wie z. B. Aufbauarbeiten, Verschönerung des Stadtbildes, Kartoffelkäferbekämpfung, Erntehilfe usw. organisieren“. Außerdem sollen die „Hausvertrauensleute" u. a. „bei der Feststellung von freiem und unterbelegtem Wohnraum“ und „bei statistischen Erhebungen und Zählungen“ mätwirken. Für den allgemein gehaltenen Text der neuen Sowjetzonen-Anordnung lieferte das SED-Zentralor- gan „Neues Deutschland“ bereits einige Hinweise. „Es ist nicht nur das Recht, sondern Pflicht der Hausgemeinschaften, jene Hausbewohner, die heute noch die westlichen Sender hören und deren Lügen verbreiten, über ihr falsches Verhalten aufzuklären“, instruierte das Blatt in seiner Ausgabe vom 15. Mai die künftigen „Vertrauensleute“. Im Anschluß daran gab es den Rat, die Hausgemeinschaften sollten rieh von „unverbesserlichen Hörem der westlichen Sender distanzieren und sie öffentlich anprangern“. Darüber hinaus wird das kürzlich herausgebrachte Ehrenbuch der Familie“, das bis Anfang Juni an alle Familien im sowjetisch besetzten Gebiet verteilt werden soll, den roten „Blockwarten“ Gelegenheit geben, den Angehörigen ihrer Hausgemeinschaften „Zensuren in Patrcasmus“ zu erteilen. Nach Anweisung des Präsidiums der „Nationalen Front“ sollen in dieses Buch „alle patriotischen Taten der Mitglieder der Familie zur Unterstützung des Neuaufbaus der deutschen Hauptstadt eingetragen werden“. Die Eintragungen sollen vom „Betriebs- oder Hauskomitee“ vorgenommen und jeweils am Monatsende vom Leiter des zuständigen „Aufklärungslokals“ durch Gegenzeichnung „bestätigt“ und „der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht weiden.“ Die meisten Menschen in der Sowjetzone hoffen angesichts der neuen Maßnahmen ihrer Machthaber darauf, daß Ihre künftigen „Vertrauensleute“ aus eigenem inneren Widerstand oder persönlicher Unzulänglichkeit die Aufgabe der kommunistischen Durchdringung der ihnen unterstellten Familien nicht werden erfüllen wollen bezw. können. Aber viele fürchten sich auch davor, daß die neuen „Blockwarte“ auf die Länge der Zeit häufiger klingeln könnten, als Ausreden vorhanden sind. Durchaus nicht alle werden die neue Anordnung so gelassen' hingenommen haben, wie der Ostberliner Müllkutscher, der nach dem Studium eines Maueranschlages mit ihrem Text lakonisch zu einem Kollegen bemerkte: „Bei mir können sie kratzen, mein Lieber“, und mit einer Handtoe- wegung zur Stirne hinzufügte: „Zement!“ säen“, erklärte Acheson. „Zusammenarbeit muß das Leitmotiv der demokratichen Welt sein und bleiben, wenn sie fortbeatehen will“. Sowjetregierang kündigt Botschaftsgebäude MOSKAU. Die USA-Botschaft in Moskau hat eine auf sechs Monate befristete Kündigung der Sowjetregierung zum Räumen des zur Zeit von ihr bewohnten Gebäudes erhalten. Die Botschaft teilte am Montag mit, die Sowjetregierung habe in dem Kündigungsschreiben eine Verlängerung des am 31. Dezember dieses Jahres ablaufenden Mietvertrages abgelehnt Die Sowjetregierung begründete die Kündigung damit, daß das Gebäude von der Moskauer Universität benötigt wird, und versprach, ein anderes Gebäude für die amerikanische Botschaft bereit- zustellen. Auch die indische Botschaft soll, wie gleichfalls am Montagabend verlautete, ein Kündigungsschreiben zur Räumung ihres Gebäudes erhalten haben. Das amerikanische und das indische Botschaftsgebäude liegen im Stadtzentrum von Moskau. Vor neuen Stürmen im Unterhaus LONDON. Die Regierung Churchill legte am Dienstag dem Parlament das heikle „Transportge- eetz“ vor. Es soll die Reprivatisierung des verstaatlichten Femlastverkehrs festlegen. In parlamentarischen Kreisen wird erwartet, daß damit die letzten großen Stürme in der britischen Innenpolitik vor den Sommerferien des Parlaments beginnen. Die Labour-Partei betrachtet das Gesetz als eine Herausforderung der Opposition. Das Transportwesen war von der früheren Labour-Regierung verstaatlicht worden, und nach Ansicht der Labour- Partei gehört es zu der politischen Tradition Großbritanniens, daß einmal durchgeführte Maßnahmen auch von späteren Regierungen anerkannt werden. Für die Konservativen ist jedoch die Reprivatisierung eine Grundsatzfrage. Beide Parteien rüsten sich für die erbittertste Auseinandersetzung dieser Sitzungsperiode, vielleicht dieses Parlaments überhaupt. Die Verabschiedung des Gesetzes vor den Ferien ist jedoch nicht mehr möglich. Wieder schwere Zwischenfälle in Japan TOKIO. In Nagoya, Zentraljapan, kam es in der Nacht zum Dienstag zu schweren Zusammenstößen zwischen der Polizei und kommunistischen Demonstranten. Die Polizei berichtet, daß sie von der Waffe Gebrauch machen mußte, als die Kommunisten „Mo- lotow-Cocktails“ zu werfen begannen. 117 Personen, darunter viele Koreaner, wurde festgenommen. 60 Polizeibeamte und eine größere Anzahl von Demonstranten erlitten Verletzungen. Todesfälle wurden nicht berichtet DGB sichert Pressefreiheit zu DÜSSELDORF. Nach einer Aussprache zwischen Vertretern des Gesamtverbandes der Deutschen Zeitungsverleger und des Deutschen Gewerkschaftsbundes wurde in einem gemeinsamen Kommunique am Dienstag festgestellt, daß die Auffassung, der DGB wolle durch das Mitbestimmungsrecht die Pressefreiheit und che freie Meinungsäußerung unterbinden, „auf irrtümlich«! Informationen beruht“. In der Aussprache erklärten die Vertreter der Gewerkschaften Erich Bührig und der Erste Vorätzende der IG-Druck und Papier, Heinrich Jansen, im Namen der Gewerkschaften, daß eine Beeinträchtigung der Pressefreiheit niemals beabsichtigt gewesen sei. Diese Einstellung der Gewerkschaften gelte sowohl für die parteinahen als auch für die unabhängigen Zeitungen. Sommerliche Kleiderordnung für Verfragsdebotfe BONN. Unter dem Eindruck der Hitze hat sich der Aeltestenrat des Bundestages am Dienstag zu einem beinahe revolutionären Schritt entschlossen: er hat genehmigt, daß die Abgeordneten heute zur Vertragsdebatte ohne Rock erscheinen dürfen. Bei 30 Grad Hitze, wie äe am Dienstag im Rheintal gemessen wurden, und bei der feuchten schwülen Luft bestand ein allgemeiner Wunsch nach einer solchen „Marscherleichterung“, die dam Plenarsaal im Bundeshaus ein völlig neuartiges Bild verleihen wird. Die Bundestagsabgeordneten wurden aber zugleich gebeten, das Bild nicht durch Hosenträger oder aus den Hemden herausstehende Kragenknöpfchen unästhetisch zu machen. Als ein sehr kräftig gebauter Abgeordneter das Verbot der Hosenträger mit dem Hinweis bedauerte, daß er Zeit seines Lebens Hosenträger getragen habe, -wurde ihm. aus dem Kreis seiner Kollegen erwidert, dies liege dann wahrscheinlich an seinem Schneider. Monnet bei Hallstein in Bonn BONN. Der französische Planungskommdssar Monnet verhandelte am Montag in Bonn mit Staatssekretär Prof Hallstein über den noch ungeklärten Sitz der Behörden der europäischen Montanunion. Die Gesprächspartner dürften auch Probleme erörtert haben, die mit dem europäischen Zusammenschluß Zusammenhängen. Monnet ist am Dienstagmorgen nach Paris zurückgekehrt. PARIS. Eine Gruppe deutscher Flugzeugtechniker und Luftfahrtsachverständiger traf am Montag zu einem Besvch französischer Flugzeugwerke in Paris ein. KOPENHAGEN. Der in Dänemark im Aufträge der Scv wjetunion gebaute 13 000 Tonnen-Tanker „Aspheron“ verließ am Dienstag den Hafen von Kopenhagen und begab sich auf die Fahrt nach Odessa. TEHERAN. Entgegen allen Erwartungen hat Mossadeq am Montagabend nach einem zweistündigen Gespräch des Schahs von Persien noch keinen neuen Regierungsauftrag erhalten. Als Ursache für das Ausbleiben einer Entscheidung wird die Haltung des Senats zu Mossadeq angesehen. PRETORIA. Zu schweren Zusammenstößen zwischen Gefolgsleuten des in der Opposition stehenden sogenannten „Fackelkommandos“ und Anhängern der nationalistischen Partei des Ministerpräsidenten Malan kam es am Montag auf einer von etwa 10 000 Personen besuchten Kundgebung in Pretoria. Erbitterte Kampfstimmung in Chikago Scharfer republikanischer Angriff auf Demokraten - Mc Arthur rechnet ab CHIKAGO. Trotz gegenseitiger Beschuldigungen, trotz Tumult und Lärm und einer Atmosphäre heftigen Kampfes fehlt es auf dem Natkmalkonvent der Republikanischen Partei nicht an ernstem Willen zu Fairness und auch nicht an Humor. Die erste Runde auf dem Boden der „Convention Hall“ konnte Eisenhower. für sich buchen. Dennoch ist.der Aus-, gang vorläufig noch völlig ungewiß. Die Mehrzahl der politischen Beobachter in Chikago glaubt, daß sich die Aussichten Eisenhowers wesentlich verbessert haben. Erfahrene amerikanische Politiker weisen jedoch darauf hin, daß in diesem Kampf, in dem für die Republikanische Partei und für die USA für vier Jahre alles auf dem Spiel steht, mit allen Mitteln gekämpft wird. Es sei nicht ausgeschlossen, daß das Taftiager sich absichtlich ruhig verhalten hat, um die Eisenhower-Anhänger überoptimistisch und unvorsichtig zu machen. Im Zeichen schärfster Kritik an der Arbeit der Demokraten stand die Grundsatzerklärung der Republikaner, die in den späten Abendstunden am Montag von Generell MacArthur auf dem republikanischen Nationalkonvent in Chikago vorgetragen wurde. General MacArthur, der vor über einem Jahr von Truman seines Postens als Oberbefehlshaber in Japan und Korea enthoben worden war, forderte die Republikanische Partei auf, Amerika von den „tragischen Fehlentscheidungen“ der Truman- Regierung zu befreien. Mit schonungslosen Worten gritt MacArthur die Außenpolitik der demokratischen Regierung und die Behandlung des Verteidigungsprogramms an. Das Ergebnis sei die drohende Gefahr eines dritten Weltkrieges. „Wir haben die sowjetische Beherrschung der freien Völker Osteuropas durch strategische Dispositionen im Endstadium des zweiten Weltkrieges in Europa geradezu herausgefordert“, rief MacArthur. „Wir haben unsere Armeen freiwillig aus einem Tausende von Quadratkilometern umfassenden, in schweren Kämpfen gewonnenen Gebiet zurückgezogen-* und den Sowjetarmeen den Vormarsch nach Westen , ermöglicht. Diese konnten dann die rote Flagge des is Kommunismus in Berlin, Wien und Prag — Zentren der westlichen Zivilisation — aufpflanzen. In leichtsinnigster Weise haben wir die Kontrolle über Gebiete aufgegeben, in denen sich gewaltige Uranvorkommen befinden, ohne die die Sowjets vielleicht niemals in den Besitz der Atomenergie gelangt wären. Wir waren so töricht, den sowjetischen Truppen die Einkreisung Berlins zu ermöglichen. Dadurch wurden die-hohen Kosten unvermeidlich, die wir zu zahlen hatten, um uns die Nachrichten- und Nachschubverbindungen zwischen unserem dortigen Besatzungsgebiet und der amerikanischen Zone in Westdeutschland offenzuhalten. Hunderttausende von deutschen Kriegsgefangenen haben wir unter Verletzung aller Grundsätze der Menschenrechte und aller Traditionen den Sowjets als Sklavenarbeiter ausgeliefert.“ MacArthur schloß mit dem Hinweis, daß sich das Gleichgewicht der Kräfte in der Welt infolge der „tragischen Entscheidungen eigenwilliger und ahnungsloser Männer, die uns in Teheran, Yalta, Potsdam und bei anderen Anlässen vertraten“, in alarmierender Weise verschoben habe. „Die Frau oom Moor" Helmatroman von Maria Berchtenb reifer Alle Rechte: Prometheus-Verlag. Grßbenzell 48. (Nachdruck verboten) Aber die Begegnung mit dem Breitlechner hatte in der Walp eine drückende Erinnerung auf gescheucht: an jenen regenverhangenen Moorabend, an dem die Elis verschwunden war. Warum sie denn gar so hartnäckig schwieg? War sie denn wirklich so ein Traunicht? Sie hatte doch sonst auch einen redseligen Schnabel gehabt. Aus Tagen waren wieder Wochen geworden. Auf den Fingernägeln hatte die Arbeit gebrannt. Der Boden hatte nach seinem Recht geschrien, und die Walp war die letzte, das nicht zu hören. Man hatte nimmer Zelt gehabt, nach der Elis zu forschen. Aber nun preßte die seltsame Angst wieder Walps Kehle zusammen. Das hatte sie früher nie gekannt, dieses Ferzflattem, das mit der Elis zusammenhing. Wenn das begann, dieses stumme Fieber, dieses ungewisse Grauen, dieses jäh aufbrodelnde Mitleid, dann wäre die Walp am liebsten weggelaufen wie sie ging und stand, sinnlos Irgendwohin ins Moor, durch Sumpf und Wollgras patschend, durch Rankendom und Struppwerk krauchend, atemlos, als hätte sie das Sumpfweib selber vernommen: dah-doom — dah- d*—* — da-doom ... Aber es war wohl das eigene Herz, das dumpf r>^---T7r>n schlu'*: Elis — Elis — EMs- U->d so kauerte die Walp noch immer vor dem Sack, lauschend den Kopf seitwärts geneigt, als ob ihr Botschaft aus der Erde käme. „Walp!“ sagte die Rake auf einmal neben ihr. „Was hockst denn da und sehaust? Sollen dir die Spatzen dein Brot vertragen?“ Vorwurfsvoll scheuchte d ! e Alte ein Daar Sner- linge. die keck vor Walps Knien zu picken begonnen hatten. Den Blick abwesend und leer, hob die Walp die Augen: „Ich hab nicht Rast und Ruh. bevor ich weiß, was aus der Elis geworden ist . . .“ Dann senkte sie wieder den Kopf und sah die Gebärde stummer Verzweiflung nimmer, womit die Alte fahrig in den Himmel langte: „Was soll denn sein mit ihr? Ist ihr halt wieder zu langweilig worden bei uns-ist ausgerissen in die Stadt, in die ganz große, wo bei der Nacht der Himmel brennt — — unter lauter junge und lustige Leut . . „Sie geht ja mit einem Kind“, sagte die Walp. Da war ein heiserer Laut neben ihr, ein unterdrückter Schrei. Die Rake stand da wie erstarrt, die gefalteten Hände mit der Kante an die Lippen gelegt. „Woher weißt denn das, Walp?“ „Der Lorenz hat mir‘s eingestanden . , „Ja, dann — dann . . „So ein Kind ist noch nicht daß Aergste. Das füttert der Moorhof auch noch durch. Bloß wissen möcht 1 ich, wo die Eiis ist. Das siehst doch selber ein, Rake, daß ich mich kümmern muß um sie“. Rake preßte die Lippen zusammen, die dünn und blutleer waren und vor lauter Zittern nimmer zum Reden taugten. Und dann, als trügen sie ihre Beine nimmer, sank die Rake an den Feldrain hinter die Walp. Schurz und Kittel über ihren spitzen Knien bebten. Den Rücken lehnte sie an die Birke mit dem morschen, zerbröckelten Totenbett. Das hing nimmer lang an dem abgestorbenen Baumleib. Der nächste Sturm mochte es qiitnehmen. So kauerten sie beide, die Alte und die Junge, und über ihren Köpfen rauschte der Wind in den Wipfeln. „Rake . . .“ tastete sich die Walp endlich ganz leise in das Schweigen hinein. „Rake, warum hilfst mir denn nicht? Hast doch sonst auch, immer geholfen. Hast den Steffen gespürt, den Moorschreck, den groben Polterer, und um sein Kommen gewußt bevor er da war. Ins Verborgene kannst schauen, das Unbekannte deuten, Rake, das Dunkle tuts aufhellen. Warum, sagst mir nicht, wo die Elis ist und wie es ihr geht?“ Die Alte schwieg. Und dieses Schweigens wegen geriet die Walp immer tiefer in einen verhaltenen Zorn. „Ja, schweig nur!“ sagte sie bitter. „Schweig nur solang, bis du meine Lieb ganz verloren hast durch deine Hinterhältigkeit. Tät not, ich lief ins Moor und suchte das Sumpfweib auf, das Sumpforgelweib . . .“ „Und das, meinst, tät reden?“ fragte die Rake jetzt, indes ein seltsames Licht sich über das alte Gesicht verbreitete. „Das, meinst, wüßt mehr als ich? O Walp!“ „Das Sumpfweib hat mehr Erbarmnis als den Mund verpappen mit sieben Siegeln . . .“ „Grad aus Erbarmnis muß man sich oft du . . .“ „Rake!“ Die Walp hob bettelnd die Hände. „Wo ist die Elis? Wie geht es ihr?“ Die Alte wickelte ihre eiskalten Hände in den Schurz. Von ihrer Schläfe flatterte eine lange weiße Strähne. „Wo sie ist, dgs kann ich dir nicht sagen. Aber gehn tut‘s ihr gut ..." „Gut?“ „Ja . . * „Das weißt du?“ „Das spür ich. Sie ist ganz still und zufrieden. Mit allen Sinnen, den offenen und verschlossenen, spür ich das. Sie hat eine lange Wanderschaft hinter sich . . .“ „Uebers Moor? Rechtsanwalt wegen Betrags verurteilt Das Stuttgarter Landgericht verurteilte einen Rechtsanwalt aus der Umgebung von Stuttgart wegen Gebührenüberhöhung und Betrugs zu einer Geldstrafe von 2500 DM. Der Anwalt hatte als Rechtsbeistand in Zivil- und Strafprozessen verschiedentlich überhöhte Gebühren verlangt. Außerdem hatte er sich als Pflichtverteidiger für einen Mandanten aufstellen lassen, für den er das Armenrecht erwirkt hatte. Der Anwalt wäre also in diesem Prozeß vom Staat bezahlt worden, dabei hatte er mit seinem Mandanten ein Honorar von 300 Mark vereinbart und davon 200 Mark bereits erhalten hatte. Der Rechtsanwalt hat gegen das Urteil bereits Revision eingelegt. Schwere Explosion durch Brandstifter In einem Reihenhaus in Heilbronn erfolgten am Montagvarmittag kurz nach acht Uhr zwei heftige Explosionen. Unmittelbar darauf schlugen aus einigen Fenstern des Hauses Flammen. Die Hausbesitzerin rettete sich durch einen Sprung aus dem Fenster. Ihr geschiedener Mann, der im Hinterhaus wohnte, erlitt schwere Verbrennungen und starb später im Krankenhaus. Die Ermittlungen ergaben, daß der tödlich verletzte Mann nach einer Auseinandersetzung mit seiner früheren Frau das Haus in Brand gesteckt hatte. Dem 60 jährigen Mann war in einem vermögensrechtlichen Streit ein großer Teil des Gebäudes abgesprochen worden. Nachbarn hatten beobachtet, wie er am frühen Morgen mit zwei Benzinkanistern das Haus betrat. Kurze Zeit später erfolgten die Explosionen. Die Feuerwehr fand in dem Haus noch zwei Benzinbehältem. die den Verdacht auf Brandstiftung bestätigten. Der Mann hatte früher verschiedentlich gedroht, es werde das ganze Haus in Brand stecken. Die Lokomotive fuhr ins Schlafzimmer Die Lokomotive eines Kohlenzuges, der bei Uhingen auf ein Abstellgleis geleitet worden war, überfuhr am Dienstagmorgen den Prellbock und durchstieß die Wand eines einstöckigen Wohnhauses der Bundesbahn. Knapp 30 cm vor den Betten eines in dem Hause wohnenden Ehepaares blieb das Ungetüm stehen. Der Vorbau der Lokomotive verhinderte, daß das Haus sofort einstürzte. So konnten die Eheleute, die geistesgegenwärtig gleich aus den Betten sprangen, sich noch retten. Einige Sekunden später war die Schlafzimmereinrichtung von herabstürzenden Steinen der Hauswand bedeckt. Der 52 Jahre alte Bahnbeamte, in dessen Schlafzimmer die Lokomotive landete, erlitt einen Nervenzusammenbruch. Von den übrigen fünf Hausbewohnern wurden zwei Kinder leichter verletzt. Der Lokomotivführer war nach dem Ueberfahren des Prellbocks abgesprungen und blieb unverletzt. Das Haus, das aus vier Wohnräu- men und einer Küche bestand, ist völlig zerstört. Der i Kohlenzug hatte eine Geschwindigkeit von 30 bis 40 Kilometern. * Im Dienste der allgemeinen Fürsorge Sammlung des Deutschen Paritätischen Wohliahrtsverbandes in Nordbaden Unter dem Leitspruch „Helft uns helfen“ führen die im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband zusammengefaßten Hilfswerke der freien Wohlfahrts- pflege eine ministeriell genehmigte Sammlung durch, um sich die notwendigen Geldmittel zur Weiterführung der vielseitigen Fürsorgeeinrichtungen zu beschaffen, über die im folgenden kurz berichtet werden soll: Ueber die große Bedeutung der Tuberkulosefürsorge durch das „TBC-Krankenhaus Rohrbach“ für die Volksgesundheit bedarf es wohl keiner besonderen Erläuterung. Durch die „Erholungsfürsorge Pro Juventute Mannheim“ werden alljährlich über 500 mittellose Schüler Höherer Schulen in Erholung geschickt. Dadurch konnte schon vielen begabten Jugendlichen zur Erhaltung der Gesundheit verholfen werden. Für viele abgearbeitete und kranke Mütter übernahm die „Vereinigung für Hauspflege Mannheim“ Pflege und Haushaltführung. In über 200 oft monatelangen Pflegefällen wurde so den meist mittellosen Familien geholfen. Auch der „Agnes-Krall- Verband Karlsruhe“ trägt durch seine 500 ausgebildeten Schwestern an vielen Krankenhäusern, Kin- derheilstätten und Gemeindekrankenstationen zur Bo'^uunq und Pflege der kranken Mitmenschen bei und in seinen Mütterkursen haben schon viele Mütter die notwendigen Kenntnisse für die Pflege von Kleinkindern und kranken Familienangehörigen erhalten. Das Fürsorgewerk der Heilsarmee unterhält im Bundesgebiet 20 Heime für heimatlose, streunende Jugendliche, die durch Berufsausbildung z. T. in besonderen Lehrlingsheimen wieder zu geordneter Tätigkeit und Berufsarbeit erzogen werden. In ihren Obdachlosenheimen soll den Aermsten der Armen in ihrer Not geholfen werden. Das „Advents- Hilfswerk“ unterhält Kinder- und Altersheime sowie vorbildliche Nähstuben, wo bedürftige Mütter zur Instandsetzung abgelegter Kleidung angeleitet werden. Organisationen mit Sonderaufgaben sind die ..Studentenhilfe Heidelberg“, der „Stadentendienst Karlsruhe“ und das „Studentenwerk Mannheim“ mit ihren Studentenheimen und Kosttischen für Kriegsversehrte, Spätheimkehrer usw. Durch wirtschaftliche Förderung wurde schon vielen begabten Studenten das Studium ermöglicht, das ihnen durch die Kriegsfolgen verwehrt war. Der Verein für badische Taubstumme hat die Fürsorge für Mitmenschen übernommen, die durch ihren Gehörmangel und die Minderung der sprachlichen Verständigung es besonders schwer haben, sich im harten Existenzkampf zu behaupten. Ihre Arbeita- losenziffer ist doppelt so hoch wie bei uns Hörenden, beruflicher Aufstieg und soziale Verbesserungen werden meist durch die Taubheit und — das Vorurteil der hörenden Mitwelt — unmöglich gemacht. Durch den Bau eines Wohnheimes für taubstumme Lehrmädchen in Heidelberg soll jetzt vor allem die existenzlose und gefährdete weibliche Gehörlosenjugend geeigneten Berufen zugeführt werden. Alle diese Fürsorgeeinrichtungen erfordern neben vielen tausend ehrenamtlichen Helfern auch Geldmittel, die aus Mitgliedsbeiträgen nicht mehr bestritten werden können. Darum richten wir an alle die herzliche Bitte: „Gebt den kleinen und großen Sammlern vom 13. — 19. Juli eine Geldspende! Sie hilft mit die Not auch dort zu lindem, wo staatliche Mittel hierfür nicht mehr ausreichen und — die christliche Nächstenhilfe beginnen soll. Stuttgarts Milchversorgung gefährdet Die Leiter der Molkereibetriebe aus Württemberg besprachen am Montag in Stuttgart Maßnahmen zur Sicherstellung der Milchversorgung für die Stuttgarter Bevölkerung. In der Versorgung mit Frischmilch sind durch die gegenwärtige Trockenheit erhebliche Schwierigkeiten aufgetreten. Die Butterund Käseprouktion im Einzugsgebiet der württem- bergischen Milchverwertung, das sich bis ins Allgäu erstreckt, wurde vorläufig eingestellt, um möglichst viel Trinkmilch zur Verfügung stellen zu können. Während der Besprechungen wurde mitgeteilt, daß die tägliche Anlieferung von Milch von 320 000 auf 160 000 Liter zurückgegangen sei. Zur Linderung dieser Notlage sei in der letzten Woche von Wasserburg im Inn Milch nach Stuttgart gebracht worden. Diese zusätzliche Milchanlieferung sei jedoch jetzt nicht mehr möglich. Den Vorschlag der Milchverwertung, große Mengen Trockenmilch aufzulösen und dadurch täglich etwa 50 000 Liter Milch zu gewinnen, sei vom Innenministerium aus grundsätzlichen Erwägungen heraus abgelehnt worden. SPORT-NACHRICHTEN Kid Gavilan blieb Weltmeister Der Boxweltmeister im Weltergewicht, Kid Gavilan (Kuba) verteidigte am Montagabend in Philadelphia vor 35 000 Zuschauern seinen Titel durch einen ko-Sieg in der 11. Runde über den bisher ungeschlagenen Herausforderer Gil Turner (Philadelphia) erfolgreich. In den ersten fünf Runden lag der 21 Jahre alte Herausforderer nach Punkten vom, doch holte Gavilan" bei nachlassendem Tempo bis zur zehnten Runde den Gleichstand heraus. Gegen Ende der elften Runde fiel nach einem genauen linken Haken Gavilans die Entscheidung. Turner fiel nach diesem Schlag in die Seile und mußte zahlreiche weitere Treffer ohne Gegenwehr hinnehmen. Der Ringrichter brach in dieser Situation den Kampf ab und erklärte Gavilan zum Sieger. Dr. Frowein schnellster Segelflieger Kurzmeldungen aus :: Das schweizerische Konsulat in Baden-Baden hat für die Dauer von drei bis vier Monaten im Freiburger Rathaus eine Visastelle eingerichtet, die Einreisevisen nach der Schweiz erteilt. Die Einreisegesuche für einen Stellenantritt in der Schweiz werden jedoch nach wie vor vom Konsulat in Baden- Baden bearbeitet. :: In Winnenden wurde in der Nacht zum Montag der 22 Jahre alte Arbeiter Joseph Hauck in einem Streit mit zwei jungen Burschen erstochen. Die Ermittlungen der Polizei führten zur Festnahme der Täter, über die von der Stuttgarter Kriminalpolizei jedoch noch keine Angaben gemacht wurden. Die Gründe für die Auseinandersetzung sind noch nicht bekannt :: Die Milch Versorgung der Bevölkerung Karlsruhes ist wieder sichergestellt, nachdem die in den letzten Tagen aufgetretene Knappheit durch den Bezug von Frischmilch aus Bayern und Württemberg beseitigt werden konnte. In den letzten Tagen hatte Wetterbericht Die eingedrungenen feuchten Luftmassen haben nur vorübergehend eine leichte Abkühlung gebracht. Zunächst wechselnd bewölkt und geringfügiger Niederschlag möglich Im Laufe des Tages jedoch wieder aufheitemd und Temperaturen bis 30 Grad ansteigend. Mäßige westliche Winde. S üd Westdeutschland es bereits in den Mittagsstunden keine Milch mehr gegeben. In Karlsruhe werden täglich etwa 100 000 Liter Frischmilch ausgegeben. Badische Ratschreiber schließen sich zusammen Die Ratschreiber- und Rechnervereine Nord- und Südbadens haben sich dieser Tage in Offenburg zu einem gemeinsamen Verband zusammengeschlossen. Die bisherigen Gesamtvorstände und Verwaltungsräte sollen bis zur nächsten Hauptversammlung noch im Amt bleiben. Die Jahresversammlung der Ratschreiber soll am 21. September, die der Gemeinderechner voraussichtlich im Oktober in Bühl stattfinden. Ueber die Bildung eines Gesamtvorstandes der Gemeindebeamten und -angestellten Badens soll zu einem späteren Zeitpunkt beraten werden. Mosel-Weinkönigin hat es satt „Ich habe die Weinfeste und vielen Repräsenta- tionsfeiem gründlich satt“, erklärte die Weinkönigin der Mosel Bemanda von Nell, am Montag auf der Siebenhundert-Jahrfeier der St Paulus-Schifferbruderschaft in Trier. Die jetzt Neunzehnjährige betonte, sie werde sich auf keinen Fall „wiederwählen“ lassen. Sie möchte endlich ihr begonnenes Dolmetscher-Studium fortsetzen. Bei den vielen Weinfeiem sei sie nicht zum Lernen gekommen. Bei der Geschwindigkeitsprüfung zum Zielpunkt Torres Sabinan (123 km von Madrid entfernt), dem dritten Wettbewerb der Segelflug-Weltmeisterschaften, schnitten die deutschen Teilnehmer am Montag wieder recht gut ab. Dr. Emst Frowein erzielte bei den Zweisitzern die beste Zeit. Bisher wurden folgende Zeiten festgestellt. Zweisitzer: Dr. E. Frowein (Deutschland) 1:46:48 Stunden. 2.Beuby (USA) 1:47:51. 3. Luis Juez (Spanien) 1:53:50. 6. Hanna Reitsch (Deutschland) 1:57:34. Einsitzer: 1. Wills (England) 1:24:25. 2. Forbes (England) 1:29:56. 3. Ordelmann (Holland) 1:29:58. 6. Emst Günther Haase (Deutschland) 1:43:04. Der bei den Einsitzern in der Gesamtwertung führende Franzose Gerard Pierre benötigte 1:50:07 Stunden. Union Böckingen als Aufsteiger geleiert Ein begeisterter Empfang wurde in der Nacht zum Montag der Fußballmannschaft der Union Böckingen zuteil, die in Würzburg durch ihren Sieg über die Bayrischen Meister FC Amberg sich den Aufstieg in die Zweite Liga Süd erkämpft hatte. Mehrere tausend Menschen hatten sich vor dem Hedlbronner Hauptbahnhof versammelt und begrüßten Ihre Mannschaft nach dem Einlaufen des Zuges mit stürmischem Beifall und allen nur erdenklichen Lärminstrumenten. Auch eine Blaskapelle hatte sich zu der mitternächtlichen Stunde eingefunden. Schließlich wurde ein Fackelzug formiert und die Anhänger der Union marschierten bei schmetternder Marsch- Gramfeiätzllche Feststellungen der DVP/FDP Die geschäftsführenden Landesvorstände der DVF/ FDP in den früheren Ländern Württemberg-Baden und Südbaden und die DVP/FDP-Fraktion der Verfassunggebenden Landesversammlung Baden- Württemberg stellten am Montag in einer Sitzung in Stuttgart fest, daß die FDP ihrem liberalen Wesen nach mit jeder anderen demokratischen Partei für zeitlich und sachlich begrenzte Aufgaben im Bund wie in den einzelnen Ländern eine Koalition bilden könne. Parteiwidrig und aufzulösen sei nur jede Koalition, die unverzichtbare Grundprinzipien der Partei preisgebe. Zu diesen Grundprinzipien gehöre die Gewissensfreiheit des einzelnen und die freie Wirtschaft. Diese Ansicht soll — wie verlautet — auf dem Bundesparteitag der FDP am kommenden Wochenende in Essen vorgetragen werden. Dr. Wolfgang Haußmann betonte, daß nach wie vor ein Zusammenschluß der Landesverbände der FDP in Südwestdeutschland angestrebt wird, der jedoch, mit Rücksicht auf die Urlaubszeit nicht mehr vor den Ferien erfolgen könne. Paracelsus-Medaille für verdiente lerzte Das Präsidium des Deutschen Aerztestages hat am Sonntag in Stuttgart die Stiftung einer Paracelsus- Medaille beschlossen. Die Medaille wird alljährlich in der Regel an drei Aerzte verliehen, die sich durch vorbildliche ärztliche Haltung, durch erfolgreiche berufständische Arbeit oder durch hervorragende wissenschaftliche Leistungen besondere Verdienste um das Ansehen des Arztes erworben haben. Die Verleihung erfolgt auf Vorschlag des Gesamtvorstandes der Arbeitsgemeinschaft des westdeutschen Aerztekammem durch Beschluß des Plenums des Deutschen Aerztetages. Dar Beschluß wird auf dem Deutschen Aerztetag verkündet. Ueber die Verleihung wird eine Urkunde ausgestellt, Inder die besondere! Verdienste gewürdigt werden. musik hinaus nach Böckingen. Fast die ganze Gemeinde war auf den Beinen. Le Mans-Sieger eröffnen Solitnde-Rennen Das Internationale Solituderennen am 20. Juli wird von den beiden Siegern von Le Mans, Lang auf Mercedes 300 SL und Helmuth Polensky auf Porsche 1500. um 8.25 Uhr mit zwei Ehrenrunden eröffnet. Dieser Tage wurde gemäß den internationalen Bestimmungen die Rennstrecke auf der Fahrbahnmitte von einem Geometer ausgemessen. Die Strecke mißt jetzt, nach den verschiedenen Ausbauen und Verbesserungen, genau 11475 (11475) Meter. Die neuen deutschen Keglermeister In Augsburg wurden am Wochenende die Deutschen Keglermeisterschaften entschieden. Sieger im Einzelkegeln (200 Kugeln) wurde der Münchner Matthias Strixner, der es auf insgesamt 808 Holz brachte. Ebert (Weinheim) belegte mit 807 Holz knapp den zweiten Platz. Auch in der Deutschen Vereinsjunioren-Mei- sterschaft gab es einen Münchner Sieg mit 2595 Holz vor Frankfurt (2575), Karlsruhe (2526), Hlldesheim (2486) und Wuppertal (2471). Deutscher Seniorenmeister wurde Moeller (Offenbach), Frauenmeisterin Lutz (Lampertheim) und Jugendmeister Stenger (Aschaffenburg). Bei den Vereinsmannschaften waren die Vertreter von Mannheim am erfolgreichsten, bei den Frauenmeisterschaften die vom Riederwald, während bei den Klubmannschaften der Verein „Schwabenkugel“ (Stuttgart) Sieger wurde. Bei den Vereins- Jugendmannschaften stellte Heidelberg den Sieger. „BhSnvotei" Ursinus gestorben „Rhönvater“ Oskar Ursinus ist am Montag im Frankfurter Städtischen Kankenhaus im Alter von 74 Jahren gestorben. Er lag dort seit einigen Tagen mit einem Schlaganfall. Eine Lungenentzündung setzte seinem Leben ein Ende. Ursinus ist als Schöpfer des Segelflugs bekanntgeworden. Er hat die Wasserkuppe in der Rhön dem Segelflug zugänglich gemacht und dort nach dem ersten Weltkrieg das Segelfliegerlager gegründet Bereits 1909 hatte er mit einem 9elbstgebauten Flugapparat die ersten Flugversuche in der Nähe von Frankfurt unternommen. Im gleichen Jahre rief er den „Flugsport“, die älteste flugtechnische Zeitschrift, ins Leben. Die erste internationale Luftfahrtausstellung in Frankfurt, die ILA, hat er mit organisiert. Auch nach dem zweiten Weltkrieg nahm Ursinus wieder an Segdflugveran- staltungen teil. Mit Sirahlriditang nach Nordosten Seit letzter Woche läuft der Kurzwellensender des Süddeutschen Rundfunks in Mühlacker auf Welle 49,75 m, 6030 kHz, mit der verdoppelten Leistung von 20 kW. Der Sender arbeitet auf eine Richtantenne, die ihre Hauptstrahlrichtung nach Nordosten hat Er überträgt das erste Programm des Süddeutschen Rundfunks und wird besonders in der Sowjetzone Deutschlands und in den skandinavischen ländern gut gehört Ausländer im Schnellverfahren abgenrteilt Dieser Tage ereignete sich gegen 7.30 Uhr auf der Autobahn bei der Ueberfahrt der Wurmberger Straße ein schwerer Verkehrsunfall. Ein schwedischer Staatsangehöriger, der sich mit seiner Familie auf »iwr Ferienfahrt durch Deutschland befindet fuhr von der Landstraße auf die dortige einspurige Autobahn, ohne auf den Gegenverkehr zu achten. So kam es, daß ein . Motorradfahrer aus dem Kreis Leonberg, der vor sich noch ein dreijähriges Kind sitzen hatte, auf den schwedischen Wagen auffuhr. Der Fahrer und das Kind wurden dabei so erheblich verletzt daß beide ins Krankenhaus eingeliefert werden mußten. Wie es bei derartigen Verkehrsunfällen üblich ist, wurde vor dem Amtsgericht Pforzheim sofort ein Schnellverfahren anberaumt, das mit Hilfe eines Dolmetschers durchgeführt wurde. Dabei ergab sich, daß der Schwede die Vorfahrt des Motorradfahrers nicht beachtet und sich dadurch der fahrlässigen Körperverletzung schuldig gemacht hat Andererseits wurde auch anerkannt, daß der Motorradfahrer durch das vor ihm sitzende Kind an der Lenkung behindert gewesen sein muß und er zu schnell fuhr. Unter Berücksichtigung dieser Umstände wurde der angeklagte Schwede zu 250 Mark Geldstrafe verurteilt. Er nahm das Urteil an, bat aber um Zahlungserleichterungen, um seine Ferienkasse nicht allzu sehr schwächen zu müssen. Ferngelenkte Lokomotiven Die Deutsche Bundesbahn hat dieser Tage eine Reihe neuartiger Diesel-Lokomotiven in Dienst gestellt, deren elektrische Vielfachsteuerung es gestattet bis zu sechs Lokomotiven von einem Führerstand aus femzusteuem. Bei diesem neuartigen Typ „V 80“ handelt es sich um eine Mehrzwecklokomotive die für den leichteren Strecken- und schweren Rangierdienst gleichermaßen geeignet ist. Die Vielfachsteuerung wurde von der Firma Brown, Bavert & Co. entwickelt die Lokomotive selbst ist eine Gemeinschaftskonstruktion der Deutschen Bundesbahn und führender Lokomotivfabriken. Drei Tote durch Explosionsunglück Ein schweres Brandunglück forderte am Montag abend in den Schonungen bei Schweinfurt drei Todesopfer. Als der 39 Jahre alte Schireinermeister Georg Werner in seiner Werkstatt einen Motor anstellte, entzündeten sich explosive Dämpfe und setzten die Werkstatt in Brand. Durch die Gewalt der Explosion wurde die Seitenwand des Gebäudes herausgerissen. Der Schreinermeister und seine beiden Söhne im Alter von 16 und 12 Jahren wurden in den angrenzenden Garten geschleudert, Ihre Kleidung brannte. Obwohl sofort Hilfe zur Stelle war, erlagen alle drei wenige Stunden später ihren schweren Brandwunden. Ein dritter Sohn entging dem gleichen Schicksal dadurch, daß er wenige Augenblicke vor der Explosion seinen Hund auf die Straße geführt hatte. Die Werkstatt und das angrenzende Möbellager brannten innerhalb einer halben Stunde nieder. Der Sachschaden beträgt 25 000 Mark. Die Ehefrau als Detektiv Es ist nicht bekannt, wie lange das Ehebarometer auf Sturm stand, bis endlich der Ehemann, ein Wein- gartener Geschäftsmann, seine Ehefrau zu überzeugen vermochte, daß ihm die laut Gerichtsurteil zuerkannte Ehre oder vielmehr Unehre einer außerehelichen Vaterschaft nicht gebührte. Aber was nützte der Ehefrau die in ihren Augen erwiesene Unschuld des Gatten, solange aus der gemeinsamen Kasse Unterhaltszahlungen zu leisten waren für ein Kind, das nicht dem Schoße der Familie entsprossen war. So zog die Ehefrau aus, den richtigen Vater für das fälschlicherweise ihrem Mann unterschobene Kind zu suchen. Sie fand bald heraus, daß die Kindsmutter, eine 22jährige Ravensburgerin, auch zu Besatzungsangehörigen Beziehungen unterhielt. Kurz entschlossen suchte sie die in einem französischen Haushalt in Friedrichshafen beschäftigte Kindsmutter auf, und sagte ihr auf den Kopf zu, daß nicht ihr Mann der Vater des Kindes sei. Jene bekannte dann auch unter Tränen, daß sie vor Gericht einen falschen Eid geschworen als sie den Weingartener Geschäftsmann der „fruchtbaren“ Tat bezichtigt habe. Dieses Ge- OTTO UNVERHOFFT KLEINER HUND GANZ GROSS ständnis ließ sich die ihre Detektivrolle ausgezeichnet spielende Ehefrau schriftlich geben. Der Kindsmutter brachte der falsche Eid zehn Monate Gefängnis ein. Houbüberiall aui offener Straße Auf offener Straße wurde in Darmstadt ein Raubüberfall verübt Eine Angestellte, die 1200 Mark Lohngelder von der Städtischen Sparkasse abgeholt hatte, wurde von einem Unbekannten in der Innenstadt angerempelt, zu Boden geworfen und der Geldtasche beraubt. Als sich die Ueberfalleae von ihrem Schreck erholt hatte, war der Unbekannte bereits in den Trümmern der Innenstadt verschwunden. Eine sofort mit Spürhunden von der Polizei eingeleitete Suchaktion hatte bisher keinen Erfolg. Blutiges FomlUendrama sin Weinheim versuchte in einer der letzten Nächte eine 62jähriger Frau ihre 24jährige Tochter zu töten und dann thron eigenen Leben ein Ende zu bereiten. Die Frau war vermutlich durch den Tod ihres Mannes schwermütig geworden. Sie schlug ihre Tochter mit einem schweren Eisengegenstand nieder und brachte sich selbst eine lange Schnittwunde am Bauch sowie andere Verletzungen bei. Die Verletzungen der Tochter waren nicht lebensgefährlich. Die Frau wurde in die Chirurgische Klinik in Heidelberg und an - schließend in die Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch gebracht Schäferlaui and Helmattag ln Wildberg Seit dem Jahre 1723 führt die Stadt Wildberg im Schwarzwald ihren traditionsreichen und althistorischen Schäferlauf durch. Von Herzog Eberhard Ludwig erhielt die Stadtgemeinde dieses Recht auf Errichtung einer Nebenlade der Schäferzunft. Alle 2 Jahre feiert nun die Stadt, zusammen mit dem Schäferverband Württemberg dieses Fest in dem romantischen und schön gelegenen Städtchen an der Nagold. In diesem Jahr wird der Schäferlauf am 20. Juli durchgeführt. Ein prächtiger und historischer Festzug bietet dem Besucher viel Sehenswertes. Trachtengruppen aus Bad Liebenzell, Schwenningen a. N, Machtolsheim, Laiehingen, Wurmlingen, Loßburg, Domhan und Liebeis berg-Sommenhardt haben ihre Teilnahme zu diesem Fest bereits zugesagt. Insgesamt werden ca. 300 Trachtenträger mit teilweise eigenen Musikkapellen erwartet Am Vorabend, 19. Juli, feiert Wildberg den jetzt zum zweiten Male durchgeführten Heimattag für die auswärtigen Wildberger. Nach Einbruch der Dunkelheit ist die Aufführung eines FreLlichtspieles „Mittsommertag“ vorgesehen, anschließend ein Feuerwerk und die Beleuchtung des Schloßberges. t Seite 4 / Nummer 156 Mittwoch, 9. Juli 1958 Untor der Bahnhotsuhr Uhren sind unentbehrliche Helfer im Betrieb der Eisenbahn. Nach ihr richten sich unzählige Hände an den Signalen und Fernsprechern, auf den Bahnsteigen, Lokomotiven, in den Zügen, im Bahnhofsund Abfertigungsdienst. Oft, wenn wir erst in letzter Sekunde zum Bahnhof kommen, möchten wir ihre Zeiger dufhalten, aber sie . ist unnachsichtig und objektiv. Wo kämen wir anders wohl auch hin? Nicht nur der Fahrplan der Bahn, sondern gewiß auch der unseres Lebens würde in Unordnung geraten. So ist die Bahnhofsuhr der ruhende Pol in der Hast des Eisenbahnbetriebes. Freundlich lächelt sie die Reisenden an: In einer halben Minute ist es so weit. Dann geht es in die weite Welt oder aber bloß nach Unterreichenbach — wie's beliebt . . . Schon gestern und vorgestern war es so, und morgen wird es wieder so sein. Stumm erfüllt die Bahnhofsuhr ihre Pflicht. -I. Abschlagszahlung für die 131er-Pensionäre Der Haushaltsausschuß des Bundestages hat sich damit einverstanden erklärt, daß die durch die 20- prozentige Erhöhung der Versorgungebezüge der 131er-Pensionäre sich ergebenden Mehrbeträge ab 1. 4. 1952 vorschußweise gezahlt werden. Um die durch die Ausrechnung entstehenden Verzögerungen Bl vermeiden, erklärt sich der Bundesfinanzminister mit der Leistung von Abschlagszahlungen nach folgenden Faustregeln einverstanden: 1. falls die Nachzahlungen im Juli erfolgt, für die Monate April bis Juli 1952 in Höhe von 40 bis 80 v. H. der Nettobezüge für Juni. 2. falls die Nachzahlung erst im Monat August erfolgt, für die Monate April bis August 1952 in Höhe von 50 bis 60 v. H. der Nettobezüge von Juni. Damit findet endlich eine Frage ihren Abschluß, die sich nach den Worten des Abgeordneten Dr. Miessner infolge der wiederholten Verzögerungen allmählich zu einem „politischen Skandal“ auszuwachsen begann. Katholischer Fernseharbeitskreis vorgeschlagen Die Einrichtung eines Fernseharbeitskreises der katholischen Kirche, der nach dem Anlaufen von Fernsehsendungen in der Bundesrepublik beratend wirken solle, schlug der Zeitungswissenschaftler Prof. Dr. Emil Dovifat, Berlin, in einem Referat vor. Dovifat warnte vor den „Gefahren des Fernsehens“, die nach seiner Ansicht darin liegen, daß der Fernsehempfang die um den Bildschirm versammelten Familienmitglieder nicht etwa zusammenführe, sondern in der Verschiedenheit von Beteiligung und Konzentration isoliere. Darum sollten die Sendezeiten begrenzt werden. Sommer - Sonne - Hygiene Ultraviolett-Strahlen sind gefährlich - Was man in diesen heißen Julitagen beachten sollte Der Sommer sei keine günstige Urlaubszeit, behaupten amerikanische Wissenschaftler. Erholung benötige der Mensch viel eher im Januar oder Februar, wenn die letzten Kraftreserven des Körpers verbraucht sind. Und doch spricht manches dafür, die alte Gewohnheit — den Urlaub auf den Sommer zu verlegen — beizubehalten. Denn Schönwetter fördert die Arbeitsleistung entgegen der allgemeinen Ansicht nicht, im Gegenteil. In Begleitung der feuchtwarmen, gewitterschwülen Tage treten Müdigkeit, Kopfschmerz und Unlustgefühle in vermehrter Zahl auf; auch die statistische Kurve der Gewalttaten, Unruhen und Ehestreitigkeiten steigt erschreckend. Da wirkt die Ruhe der Ferien dann wie ein linderndes Pflaster. Vorsicht vor allzuviel Sonne Die sommerlichen Freuden sollen allerdings mit Maßen genossen werden. Daß das Gegenteil geschieht, ist indessen die Regel. Man wirft den Hut in die hinterste Ecke des Kleiderschrankes, springt kopfüber ins nasse Element, schleckt gegen den Durst Unmengen von Eis und aalt sich stundenlang in der Sonne, ohne daran zu denken, daß die Sonne neben ihren segensreichen Eigenschaften auch zahlreiche Gefahren in sich birgt. Zuviel Hitze bewirkt zum Beispiel ein Herabsinken des roten Blutfarbstoffes bis auf 65 Prozent des ursprünglichen Wertes und mindert so die Leistungsfähigkeit des Körpers. Gleichzeitig verändert sich der Säurespiegel im Magen und verursacht Appetitlosigkeit oder Schmerzen. Auch die Bräune des Körpers ist eine sehr fragwürdige Errungenschaft. Nicht umsonst gilt eine zu dunkle Hautfarbe — im allgemeinen ein „Attribut „wahrer Männlichkeit“ — bei Sportlern als verdächtig. Während selbst Gesunde nach mehrstündigem Sonnenbaden eine gewisse körperliche und psychische Erschlaffung feststellen können, ist zuviel Hitze für Lungenkranke sogar lebensgefährlich. Das heißt natürlich nicht, daß man die Sonne meiden soll. Im Gegenteil! Nur soll man dabei in Bewegung bleiben: Sport und Spiel, möglichst häufiger Wechsel zwischen Sonne und Schatten beschleunigen den Blutkreislauf. Menschen mit besonders empfindlicher Konstitution können das Sporthemd dabei ruhig anbehalten; bekanntlich arbeitet der Bauer selbst in der brütenden Hitze der Erntearbeit nicht mit entblößtem Oberkörper. Sonnenbrand und Sonnenstich Die braune Hautfarbe verdanken wir den unsichtbaren Ultraviolett-Strahlen, die zwar nur ein Prozent der gesamten Sonnenenergie ausmachen und dennoch eine bedeutungsvolle Rolle spielen. Auf ihr Konto kommt auch der gefürchtete Sonnenbrand. Auf der anderen Seite aber fördern sie die Entstehung von antirachitischem Vitamin-D und regen die Hormon- und Ferment-Funktionen an. Die blasse und welke Haut spannt sich unter ihrer Berührung: Mit Maß genossen, sind die UV-Strahlen ein wahrer Jungbrunnen, ein Quell körperlicher Schönheit und Selbstsicherheit. Dem Sonnenstich, einer anderen typischen „Sommerkrankheit“, sind vor allem Kinder mit spärlichem Haarwuchs, Blonde und Männer mit Glatzen ausgesetzt — vor allem, wenn sie den Kopf und damit das Gehirn, das den Wärmehaushalt des Organismus reguliert, nicht schützen. Einen hellen, leichten Hut sollte eigentlich jedermann besitzen und . . .tragen. Der Hitzschlag schließlich ist eine Folge einer ungenügenden Transpiration oder tritt dann auf, wenn der Schweiß nicht schnell genug verdunstet Dann legt sich eine Art Isolierschicht vor die Poren, die Temperatur steigt bis zu 40 Grad oder darüber, und das Gehirn versagt in der Treibhausluft: Der Mensch sinkt mit einem Schlage um. Sommerliche Kleidung Ebenso warnen die Aerzte eindringlich davor, Magen und Darm im Sommer zu sehr zu belasten, vor allem mit Alkohol. Schwere körperliche Arbeiten erledigt man besser am frühen Morgen oder in den späten Abendstunden. Vor allem aber soll man sich möglichst leicht kleiden. Ob man dabei, der Mode folgend, am Badestrand so gut wie hüllenlos erscheinen soll, ist eine Frage, mit der sich die Wissenschaft nicht beschäftigt. Die Zeiten, da man selbst im Hochsommer noch schwarzen Gehrock oder hochgeknöpfte dunkle Uniform trug, sind jedenfalls vorbei. Glatte, glänzende, weiße Stoffe, die außerdem porös sind, setzen sich mehr und mehr durch und entsprechen ganz der Forderung der Hygiene. Sie reflektieren nicht nur den größten Teil der Sonnenstrahlen, sondern lassen gleichzeitig, den Schweiß verdunsten. Barfuß im Freien herumzutollen, ist zwar sehr gesund und nützlich, darf aber .nicht zur Gewohnheit werden, da der Fuß sich zu leicht deformiert. Keine plötzliche Abkühlung Den Durst, eine ständige Begleiterscheinung des Sommers, bekämpft man am besten mit Kaffee oder ungesüßtem, schwarzen Tee. Erreicht der Wasserverlust einnv.l die Höchstgrenze von etwa 18 Litern am Tag, hilft eine leichte Kochsalzlösung. Nach Möglichkeit soll man aber nur ganz wenig trinken, denn der Körper wirkt gerade im Sommer ähnlich wie ein Sieb: Das Wasser läuft einfach hindurch. Auch gegen das beliebte und so begehrte Speiseeis wird von den Aerzten vielfach Bedenken erhoben. Denn unter die hygienische Lupe genompen, erweisen sich viele Erzeugnisse als sehr unzulänglich. Man soll Eis nur dort kaufen, wo Sauberkeit und einwandfreie Ausgangsstoffe garantiert sind. Und selbst dann mit Vorsicht: Magen und Darm, Mandeln und Nieren empören sich nämlich sehr schnell gegen zu kalte Leckereien. Ueberhaupt wehrt sich der ganze Körper entschieden gegen jede plötzliche Abkühlung. Die Blutgefäße versagen den Dienst, besonders wenn der Magen überfüllt ist. Jedes Jahr fallen dem Leichtsinn eine Reihe Menschen zum Opfer. Man soll daher nie ohne vorherige Abkühlung kopfüber ins Wasser springen, sondern stets erst Pulsadern und Herzgegend reichlich benetzen. „V 80 " - das jüngste Kind der Bundesbahn Eine neuartige Diesel-Lokomotive mit elektrischer Vielfachsteuerung Die Bundesbahn hat in den letzten Monaten eine teilergetriebe alle vier Achsen an. Diese moderne Reihe neuartiger Diesellokomotiven vom Typ V 80 Konstruktion ermöglicht es, die Höchstgeschwindigin Dienst gestellt. Es handelt sich dabei um eine keit von 100 Kilometer in der Stunde bei der Strek- Mehrzwecklokomotive, die für den leichteren Strek- kenfahrt auf 50 Kilometer beim Rangierdienst um- ken- und schweren Rangierdienst gleichermaßen geeignet ist. Schon die äußere Form mit den großen Vorbauten und dem hochgezogenen mittleren Führerhaus läßt erkennen, daß beim Bau der „V 80“, dieses jüngsten Kindes der Bundesbahn, neue Wege beschritten worden sind. Aber nicht nur der voll-, kommen geschweißte Fahrzeugteil, sondern die technische Ausbildung des Antriebs zeigt, daß man die Lösung gefunden hat, den leistungfähigen Dieselmotor als Zugantrieb zu verwenden. Die Diesellokomotive ist eine Gemeinschaftskonstruktion der Deutschen Bundesbahn in Zusammenarbeit mit den Lokomotivfabriken Krauß- Maffei und MAK Kiel, den Motorenfabriken Daimler-Benz, MAN und Maybach und den Getriebefir- men Maybach und Voith. In der neuen Lokomotive arbeitet ein Dieselmotor von 800 bis 1000 PS Leistung auf ein hydraulisches oder mechanisch-hydraulisches Getriebe und treibt über' zwei Umschalt- und Ver- Der Griff nach den Trümmergrundstücken Einwände gegen das Baulandbeschaifungsgesetz als flngriif auf das Privateigentum ~ Der Begriff des Grundbesitzes hat vor allem in den zerstörten Städten und Gemeinden in der Nachkriegszeit eine gründliche Wandlung erfahren. Viele Grundbesitzer sind zu Trümmerbesitzern geworden, und die Lage auf dem Geldmarkt, die überhöhten Zinsen und Baupreise stemmen sich gegen ihren berechtigten Wunsch, ihre zerstörten Anwesen wieder aufzubauen. Eine fühlbare Lockerung der Wohnungsnot wird trotz aller Anstrengungen auf dem Sektor des sozialen Wohnungsbaus, die unbedingt notwendig sind, aber erst eintrete n, wenn es auch dem privaten Grundbesitz in breitem Rahmen ermöglicht wird, an den Wiederaufbau heranzugehen. Verschiedene Einsprüche in einigen größeren Städten gehen neuerdings nun gegen das geplante Baulandbeschaffungsgesetz, und sie werden von den Betroffenen, den Trümmergrundbesitzern, als Angriff auf das Privateigentum empfunden. Der folgende Aufsatz befaßt sich Im Grundsätzlichen mit dieser Frage: Welche Verwirrung über gewisse verfassungsrechtliche Wandlungen des Eigentumsbegriffes und über die Sozialgebundenheit des Eigentums in vielen Köpfen besteht, zeigen neuerdings verschiedene öffentliche Angriffe gegen den Entwurf des Baulandbe- £in dteifache* -ffoch auf die ^.eltta-Wtetyänfa In Stuttgart plant man neuerdings „Zebrs-Ueibergänge“ für Fußgänger zur Verbesserung der irmerstädtisehen Verkehrsverhältnisse. In England haben sich diese Zebra. Übergänge sehr bewährt. Es sind durch schwarz-weiße Querfelder gekennzeichnete Fahrbahnstücke, auf denen der Fußgänger ungehindert die Straße überqueren kann. Alle Fahrzeuge müssen an den „Zebras“ seinetwegen hatten, denn er hat hier „Vorgehrecht". Aus der englischen Zeitung „Daily Graphic“ übersetzte die „Bng- Usche Rundschau“ einen netten Aufsatz von Paul Galileo über diese „geliebten Zebras“: Gestatten Sie mir, auf die Einrichtung der Zebra- Uebergänge für Fußgänger und die Neuigkeit, daß ■ie von jetzt ab des Nachts auch Blinklichter haben sollen, ein dreifaches lautes und deutliches Hoch auszubringen. Ich schreibe dies als Autofahrer, der praktisch in seinem Wagen wohnt. Ach. aber auch ich war einmal ein Fußgänger. Ich habe es niemals vergessen, und ich werde es niemals vergessen. Mit dem Mann, der ein Auto erwirbt, geht etwas vor, das anscheinend den Schweinehund in ihm zum Vorschein bringt. Es ist an der Zeit, daß etwas für dm Fußgänger getan wird. » Wenn ich an einem Zebra-Uebergang anhalten muß, weil Fußgänger im Vollgefühl ihrer neuen Macht über den ohnmächtigen Feind in seinem Teufelsgefährt gemächlich über die Straße schlendern, dann achüttelt's mich innerlich vor Freude und Vergnügen, daß es doch noch eine Gerechtigkeit in der Welt gibt Wir sind es alle gewohnt, uns vor der Majestät eines Polizisten zu beugen und anzuhalten, dessen weißbehandschuhte Hand uns befiehlt, den Fußgängern ein paar Sekunden zu lassen, damit sie von einem Bordstein zum anderen hasten können. Diese Zebra-Uebergänge sind aber etwas anderes: Geheiligte Stätten, wo der Fußgänger König ist und sein Wille geschieht. Und wem's nicht gefällt, der kann platzen. Und nicht zu knapp wird eine ganze Reihe von uns platzen, nachdem wir uns jahrelang so aufgeführt haben, als gehörten die Straßen in Stadt und Land uns, und als seien alle — ob Mann, Frau oder Kind —, die nicht in einem Wagen berumkutschieren, eine Beleidigung fürs Auge. Wie oft habe ich es an Straßenübergängen erlebt, wie Frauen mit Kinderwagen und Kindern an der Hand warten und warten mußten, während ein Prinz nach dem anderen ln seinem Mondschloß mit Selbstantrieb vorüberbrauste und nicht einer auf dm Gedanken kam, anzuhalten und zu sagen: „Nach Ihnen, meine Dame. Bitte, gehen Sie hinüber“. Beim Himmel, jetzt werden wir anhalten, oder aber ins Kittchen mit uns, wo wir hingehören. Psychologisch gesehen, ist die ganze Sache eigentlich verrückt. Ein Mann, der das Glück hat, sich einen Wagen leisten zu können, sollte unsäglich dankbar sein für die Wohltat dieses großartigen persönlichen und privaten Fortbewegungsmittels und sich bescheiden und zurückhaltend benehmen. Statt dessen führt er sich wie ein jähzorniges, ungezogenes und halbhysterisches Kind auf, das sich jedem Fußgänger geistig und gesellschaftlich meilenweit überlegen dünkt und ihn außerdem noch als seinen persönlichen Feind betrachtet In Berlin lehnt er sich aus seiner Gondel und brüllt: „Himmeldonnerwetterwojlobensedennwose- sindjehnsedochuffnbürgersteichl“ In Großbritannien durchbohrt er den Fußgänger mit Blichen und jagt geradenwegs auf ihn zu, um ihn Mores zu lehren. In Frankreich nimmt er ihn mit seinen beiden Scheinwerfern aufs Korn, gibt Gas und versucht es zumindest, ihm den Garaus zu machen. Verwundbar und panzerlos in seinen Kleidern, besitzt der Fußgänger keinen Schutz vor diesen Teufelskarren. Greift er sich einen Stein, wie er es oftmals eigentlich tun sollte, und schmeißt ihn durch das rückwärtige Fenster eines entschwindenden Trampels auf Rädern, dann angelt ihn sich die Polizei wegen Eigentumsbeschädigung. Gesegnet also, sage ich, die Zebra-Uebergänge — und dabei bin ich doch selber ein alter Autofahrer! Allerdings machen uns im Augenblick eine ganze Menge dieser Zweibeiner an den Uebergängen das Leben sauer. Sie bummeln bei ihrer Ueberquerung, genießen den neugewonnenen Luxus, gehen, ja, sie schlendern gemächlich, anstatt rennen zu müssen, um zu vermeiden, daß ihnen ein Kotflügel die .Rückenpartie ramponiert; aber schließlich haben wir uns das alles selbst zuzuschreiben. Nur zu, ihr Fußgänger! Auf stehe der getretene Mensch! Wer keinen Wagen besitzt, ist darum nicht weniger ein Steuerzahler wie der Fahrer einer Galoppkutsche. Jetzt ist ihm endlich ein Stück der auch ihm gehörenden Straßen zurückgegeben worden. Bisher auf das schmale Band des Fußsteigs beschränkt, während der in beiden Richtungen dahinbrausende Verkehr alles übrige für sich beanspruchte, hat man jetzt ein kleines Stück der Fahrbahn ganz für ihn abgesteckt. Und des Nachts soll dieses Zauberlatid durch Blinklichter gekennzeichnet werden, als Anerkennung der neuentdeckten Tatsache, daß der Mensch ging, ehe er fuhr. Was nun den aufgeblasenen und reizbaren Autofahrer angeht, werde ich ein Vermögen aus ihm herausschlagen. Ich werde den- Leuten vom Vergnügungspark die Idee verkaufen, sie sollten Puppen aufstellen — Nachbildungen des Fußgängers von einstmals. Für ein paar Groschen sollte den Be-1 sozialethischen Wandlungen des Eigentumbegriffes suchem erlaubt sein, sie zu überfahren. Schaffunggesetzes, der zur Zeit noch im Wohnungsbauausschuß des Bundestages beraten wird. Vom Bundestag war anläßlich der Verabschiedung des ersten Wohnungsbaugesetzes im März 1950 die Vorlage ^ines Gesetzentwurfes zu Enteignung von Grundstücken zugunsten des Wohnungsbaues verlangt worden. Darin sollten Bestimmungen getroffen werden, die — gegebenenfalls unter Aenderung des Grundgesetzes — die schnelle, endgültige und zu günstigen Preisen mögliche Enteignung vorsehen. Die Regierung hat einen solchen Gesetzentwurf auch vorgelegt, hat ihn aber so gestaltet, daß eine Aenderung des Grundgesetzes nicht notwendig wäre. Dies ist ganz schlicht und einfach dadurch geschehen, daß bei den Bestimmungen über Enteignungen und Entschädigungen die Grundrechte des Artikels 14 des Grundgesetzes Anwendung finden sollen, wonach Enteignungen nur zum Wohle der Allgemeinheit erfolgen dürfen und die Entschädigung „unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten“ festgesetzt werden muß. Die Regelung der Enteignungsfrage zeigt sich so recht verständlich. In einem Rechtsstaat und in einer geordneten Wirtschaft muß jedermann für alles, was er erstehen will, einen angemessenen Preis zahlen. Warum sollen dies der Staat und die Gemeinden nicht auch für die Grundstücke, die sie zu erwerben gedenken, tun? Und doch kommen gerade aus den großen Stadtgemeindea neuerdings Widerstände und Einwände gegen die geplante Regelung. Der Stuttgarter Oberbürgermeister Dr. Klett hat kürzlich als Vorsitzender des Bauausschusses des Deutschen Städtetages erklärt, daß der Bundestag den „großen Impuls, der mit der eingangs erwähnten Entschließung spürbar war, offensichtlich nicht realisiert“ habe, und der sozialdemokratische Bürgermeister Dr. Nevermann hat im Hamburger Senat erklärt, daß „die Konstrukteure des Baulandbeschaffungsgesetzes in Bonn einen Eiertanz um das goldene Kalb des Grundeigentums voll führt“ hätten. Es gefällt vielen Stadtvätern nicht, daß die Gemeinden für die Trümmergrundstücke einen „angemessenen Preis“ bezahlen sollen, und sie führen das Versagen der Stadtverwaltungen beim Wiederaufbau der Innenbezirke in vielen Städten darauf zurück, daß die Stoppreise für Grundstücke überhöht seien. Sie bedauern, daß die Wohnbautätigkeit sich überwiegend auf Stadtrandgebiete verlagert habe, was hohe Erschließungskosten und kostspielige Anlagen für öffentliche Einrichtungen und Verkehrsverbindungen erfordere. Nun, die Besitzer von Trümmergrundstücken sind in der überwiegenden Mehrzahl wirklich keine geeigneten Objekte für derartige Enteignungsexperimente. Sie haben vielfach ihre gesamte Existenzgrundlago durch den Krieg verloren, und es sind in der Mehrzahl alteingesessene Bürger, deren Steuer- groschen in den Zeiten ihres Wohlstandes den Städten sehr willkommen wären. Wenn man also von zuschalten. Sämtliche Lokomotiven der Baureihe V 80 sind mit einer von Brown Boveri entwickelten elektrischen Vielfachsteuerung ausgerüstet, die es gestattet, bis zu sechs Lokomotiven von einem Führerstand aus femzusteuem. Die Motoren und Kraftübertragungselemente werden selbständig überwacht; eintretende Störungen werden durch Aufleuchten von Lampen im Führerstand angezeigt. Die neue Diesellokomotive V 80 hat je nach Belastung einen Aktionsradius bis zu 1800 Kilometer und zählt augenblicklich zu den modernsten Fahrzeugen der Eisenbahn.. ^ /4u(]eM auf Im ^itaßenoetkekt! Badener Tischtennisspieler waren besser Die Tischtennis-Ländermannschaften von Baden und Rheinland trugen in Mülheim (Mosel) einen Vergleichskampf aus, den die Gäste im Gesamtergebnis mit 7:5 gewannen. Die Herrenauswahl der Rheinländer behielt mit 4:2 die Oberhand, die Damen jedoch mußten die Ueberlegenheit der Badener, die 5:1 gewannen, anerkennen. Bei den Rheinländern schlug der Koblenzer Raetsch den ausgezeichneten Ransen- berg (Karlsruhe) imt 3:1, H. Guilleaume (Trier) besiegte den Karlsruher Herrmann mit 3:0. Bei den Damen lieferte die für Baden startende französische Jugendmeisterin Frl. Rogagnou eine überragende Partie und gewann sicher alle Begegnungen. Den Ehrenpunkt für die rheinischen Mädels erkämpften Frl. Schneider (Morbach) Frl. Mees (Koblenz) im Doppel, die Kupfer/Grassert mit 3:2 schlagen konnten. Windhundrennen in Stuttgart Mit rund 55 km Stundengeschwindigkeit rasten am Sonntag beim dritten Windhundrennen in Stuttgart die schlanken Hunde bei glühender Hitze über die Rennbahn im „Tal der Rosen“ auf der Stuttgarter Gartenschau. Sieger der Klasse der Greyhounds und schnellster Hund des Tages wurde der englische Importhund „Wee Willie“ aus einem Züricher RennstalL Er legte die 375 m lange Rennstrecke in 24,9 Sekunden zurück und gewann damit das von Oberbürgermeister Dr. Arnulf Klett gestiftete „Goldene Band von Sttuttgart“. Als schnellster Hund in der Klasse der Whippets errang der ebenfalls aus einem Schweizer Zwinger stammende englische Importhund „Mar- tyn of all ways“ das „Porsche-Band“. Auch bei den Ausscheidungsrennen am Samstag lief „Wee Willie* die beste Zeit. BMW startet nicht auf der Solitude Die Bayerischen Motorenwerke gaben bekannt, daß sie wegen der Entwicklungsarbeiten an der neuen 500-ccm-Rennmaschine beim Weltmeisterschaftslauf auf der Solitude am 20 Juli nicht teilnehmen, da die Arbeiten noch nicht zum Abschluß gebracht wurden. Das Werk will jedoch seinen Fahrern Georg Meier, Walter Zeller und Kraus/Huser beim Rennen „Rund um den Schotten, das am 13. Juli als deutscher Meisterschaftslauf ausgetragen wird, eine Startmöglichkeit bieten. BMW will außerdem mit seinen Fahrern am Ende der Rennsaison noch bei einem anderen Weltmeisterschaftslauf starten. spricht, so hätten sie in erster Linie Anspruch auf die Anwendung sozialer und ethischer Grundsätze, nämlich den Anspruch auf eine angemessene Entschädigung wenigstens für den Rest dessen, was ihnen im Trümmerfeld der Städte noch übrig geblieben ist. Es liegt hier also kein „Eiertanz um das goldene Kalb des Grundeigentums“ vor, sondern, auf der Seite der Gegner, ein Anschlag auf das vezfassungsmäßig garantierte Privateigentum als unabdingbares Kulturgut. Denn das Privateigentum ist nicht nur im Grundgesetz, sondern auch in allen Länderverfassungen gewährleistet. Wohl fc-ang es auf Grung von Gesetzen eingeschränkt oder gar auf- gehoben Dann ist aber eine angemessene Entschädigung dafür zu zahlen, und zwar gleichzeitig mit der Enteignung. Mittwoch, 9. Juli 1952 HANDEL UND WIRTSCHAFT Nummer 156 / Seite 8 Uebergrlffe gegen deutsches VermBgen In Holland Die Studiengesellschaft für privatrechtliche Auslandsinteressen erfährt aus der Debatte in der 2. Kammer des holländischen Parlaments im Haag, daß im Laufe der Jahre eine Fülle von rechtswidrigen Uebergriffen der Treuhänder gegen das ihnen anvertraute Vermögen bekanntgeworden sind. Die Kammer erhob dabei heftige Vorwürfe gegen die Arbeit des Amtes für Verwaltung von Feindvermögen. Der holländische Rechnungshof hat seine Prüfung mit dem Beschluß beendet, die Rechnungslegung des Instituts für 1946 bis 1949 nicht anzuerkennen und der Verwaltung des Instituts keine Entlastung zu erteilen. Nordwesteuropäische Seehafen-Konferenz Die Hafendirektoren und die Direktoren der Seehafenbetriebe von Antwerpen, Gent, Rotterdam und Amsterdam sind zu eine Tagung am 8. August in Hamburg eingeladen worden und werden mit den Vertretern deutscher Hafenstädte über das Zusammenwirken der Häfen im nordwesteuropäischen Raum beraten. Der erste Vorsitzende des Zentralverbandes der deutschen Seehafenbetriebe, des Initiators der Tagung, Emst Plate, stellte auf einer Pressekonferenz in Hamburg fest, daß sich die Tagesordnung bewußt auf ein realistisches Gespräch auf der eigentlichen Hafenebene beschränken werde. Es sei aller- dinggs an einen konkreten organisatorischen Arbeitskreis zunächst in Form einer Union der nord- kontinentalen Hafenbetriebe gedacht Deutscher EZU-UeberschuS im Juni Der Ueberschuß der Bundesrepublik bei der EZU bewegt sich im Juni auf Grund vorläufiger Berechnungen ungefähr in der gleichen Höhe wie im Mai, wo er 66,4 Millionen Verrechnungseinheiten erreichte. Beteiligung an ausländischen Warenterminmärkten erwünscht Die Einfuhrwirtschaft de# Bundesgebietes hat beim Bundes Wirtschaftsministerium und der Bank deutscher Länder nachdrücklich eine deutsche Beteiligung an den Warenterminmärkten des Auslandes gefordert, um das Marktrisiko de« Importeurs zu vermindern. Der Importhandel wünscht eine Zulassung zu den im Dollarraum gelegenen Terminmärk- ten für Baumwolle in New York, für Oele und Fette in New York und Chicago, für Blei und Zink in New York, und für die im EZU-Raum gelegenen Märkte für Kautschuk in London, für Zinn in London, für Wolle in Antwerpen und Roubaix und für Rohkakao in London. Das deutsche Auftreten auf Warenterminmärkten setzt vorraus, so heißt es in der Eingabe, daß alle Devisenbewegungen, die automatisch zu erfolgen haben, auch in dem notwendigen Umfange und zum erforderlichen Zeitpunkt von der BdL sichergestellt werden. Schwieriger Wettbewerb auf Käufermärkten Die Kriegsfolgen machen sich bei ständig schwieriger werdender Konkurrenz auf Käufermärkten zunehmend bemerkbar, stellt das erste Halbjahresheft 1952 des Kieler Instituts für Weltwirtschaft „Die Weltwirtschaft“ fest. Die Modernisierung der deutschen Produktionsanlagen habe zwar beachtliche Fortschritte gemacht, bleibe aber hinter der konkurrierender Länder zum Teil noch weit zurück. Eine weitere Ausfuhrsteigerung sei unter den gegebenen Umständen nur bei einer wesentlich verstärkten Marktpflege möglich. Baldige Verabschiedung des Investitionshilfegesetzes gefordert In der siebenten Sitzung de# Kuratorium# für das Industrfe-Kreditbanksonder v ermögen Investitionshilfe in Bonn, wurde über die Aenderung de» Investitionshilfegesetzes berichtet Das Kuratorium sprach die dringende Erwartung aus, daß das Gesetz zur Aenderung des Investitionshilfegesetze# nach der zur Zeit noch ausstehenden Genehmigung durch den Bundesrat unverzüglich in Kraft tritt Die# sei zur Ausnutzung der Bausaison für die zw finanzierenden Vorhaben von entscheidender Bedeutung. Auf die beschleunigte Durchführung der Arbeiten zur Erhöhung der Kapazitäten in den Grundstoffindustrien und auf dem Gebiet der Wasserwirtschaft zur Beseitigung der immer noch bestehenden Engpässe lege auch die aufbringende Wirtschaft den größten Wert. Mehr Inlandskohle Im dritten Quartal Im dritten Quartal 1952 sollen nach den Berechnungen des Bundeswirtschaftsministeriums insgesamt 29,62 Millionen Tonnen feste Brennstoffe zur Verfügung stehen.. Für den Inlandsverbrauch verbleiben nach Abzug der Exportmenge 24,35 Millionen Tonnen. das sind rund 2,3 Millionen Tonnen mehr als im zweiten Vierteljahr. Dadurch werden vor allem die Richtmengen für Hausbrand und Kleinverbrauch erhöht werden können. Revision des ersten Wohmingsbaugeseizes Bund soll 500 Millionen Mark garantieren - Zweifache Erhöhung der Mietrichtsätze geplant Das Erste Wohnungsbaugesetz, das seit April 1950 in Kraft ist, muß geändert werden. Es entspricht nicht mehr den Verhältnissen, die bei seiner Verabschiedung vor über zwei Jahren maßgebend waren. Der wichtigste Grund ist die seither eingetretene Steigerung der Baukosten, mit der offenbar nicht gerechnet worden ist, denn sonst hätte das Gesetz keine festen Mietrichtsätze enthalten dürfen. Eine Aenderung ist aber auch deshalb nötig, weil in der Zwischenzeit auf dem Neuland einer zentral gesteuerten Wohnungspolitik wertvolle Erfahrungen gesammelt wurden, die jetzt nutzbringend verwertet werden können. Und schließlich bietet die Neufassung des Gesetzes Gelegenheit, eine Unterlassungssünde wiedergutzumachen, die im Frühjahr 1950 begangen wurde. Das Gesetz schreibt nämlich der Bundesregierung vor, dafür zu sorgen, daß in sechs Jahren 1,8 Millionen Wohnungen im sozialen, das heißt öffentlich geförderten Wohnungen errichtet werden; es sagt jedoch mit keinem Wort, woher die Bundesregierung die Mittel hierzu nehmen soll. Aus allen diesen Gründen wird im Bundesfinanzministerium für Wohnungsbau eine Novelle zum Ersten Wohnungsbaugesetz vorbereitet, die vermutlich schon bald dem Kabinett zugehen wird. Sie sieht unter anderem vor, den jetzt geltenden Mietrichtsatz im sozialen Wohnungsbau von 1,10 DM je Quadratmeter allgemein auf 1,30 DM zu erhöhen. Dieser neue Richtsatz soll um ein weiteres Drittel gesteigert werden können, wenn die Wohnung in einer günstigen Gegend liegt oder besonders gut ausgestattet ist. Die Mietpreiserhöhung im sozialen Wohnungsbau, die wohlverstanden nicht für die bereits bestehenden Wohnungen gedacht ist, leitet ihre Berechtigung aus der Tatsache her, daß der Mietrichtsatz von 1,10 DM zu einer Zeit festgesetzt wurde, als die gesamten Herstellungskosten je Wohneinheit rund 10 000 DM betrugen. Bereits im Jahre 1951 kletterten die Kosten auf 12 000 DM, und für das laufende Baujahr wird mit einer Größenordnung von 13 bis 14 000 DM gerechnet. Auf einen noch höheren Durchschnittsbetrag gelangt man, wenn — wie geplant — der Anteil der familiengerechten, also größeren Wohnungen am Gesamtprogramm erhöht wird. In diesem Zusammenhang dürfte es interessieren, daß sich der wohnungswirtschaftliche Beirat des zuständigen Bundesministeriums in einem Gutachten für die Zahlung individueller Mietbeihilfen an Bedürftige ausgesprochen hat Die Verwaltungsarbeit, die hierdurch entsteht, ist jedoch so kostspielig, daß es angesichts des immer noch gewaltigen Wohnraummangels besser wäre, das Geld für den Bau neuer Wohnungen zu verwenden, ganz abgesehen davon, daß die Hydra des Bürokratismus im sozialen wie im privaten Wohnungsbau kosten stehen in keinem gesunden Verhältnis zur Leistung mehr. Dagegen ist es lebhaft zu begrüßen, daß die Novelle zum Ersten Wohnungsbaugesetz die Bundesregierung verpflichten will, in den Haushalt alljährlich einen Posten von 500 Millionen DM einzusetzen, die ausschließlich dem sozialen Wohnungsbau dienen sollen. Eine solche Regelung würde die Finanzierung der rund 900 000 Wohnungen, die in den nächsten drei Jahren noch gebaut werden müssen, bedeutend erleichtern. AL. Deutsche Textilindustrie in Südafrika nicht konkurrenzfähig Die Textilindustrie des Bundesgebietes ist nach den bisher vorhegenden Informationen auf dem südafrikanischen Markt gegenwärtig noch nicht konkurrenzfähig. Wie vom Afrika-Verein Hamburg—Bremen e. V. zu erfahren ist, haben südafrikanische, niederländische, britische, belgische und nordamerikanische Textilfirmen Zuschläge erhalten auf Angebote anläßlich einer Ausschreibung der Südafrikanischen Union zur Lieferung von Textilien für die Wehrmacht des Landes. Dagegen sind deutsche Firmen in keinem Falle zum Zuge gekommen. Der Mißerfolg der deutschen Unternehmen soll in erster Linde darauf zurückzuführen sein, daß die Angebote nicht den in den Ausschreibungen gestellten Bedingungen entsprachen. Außerdem seien die deutschen Preise zu hoch gewesen. Schweizer Presse zum „Uhrenkrieg” Im „Uhrenkrieg“ mi den USA, der sich neuerdings wegen der angedrohten Erhöhung der amerikanischen Einfuhrzölle für Uhren verschärft hat, richtet die Schweizer Presse massive Vorwürfe an die Adresse Washingtons. Der Berner „Bund“ schreibt: „Auf der grundsätzlichen Ebene betrachtet, können wir gar kein Verständnis für die amerikanischen Absichten empfinden, stehen diese doch in einem geradezu flagranten Gegensatz zu den handelspolitischen Prinzipien, die Amerika sich sonst berufen glaubt, den europäischen Staaten bei jeder Gelegenheit zu preisen. Es ist in der Tat so, daß jedesmal, wenn eine europäische Industrie in der Lage ist, ihre Produkte auf dem amerikanischen Markt einzuführen und abzusetzen, ihr vorgeworfen wird, sie gefährde die amerikanischen Konkurrenten in ihre* Existenz. Dann spricht man eben nicht mehr von einer liberalen Wirtschaft, dann feiern die protektionistischen Begehren wahre Orgien“. Dollardafizit das Bundas sinkt Das Dollar-Defizit in der deutschen Außenhandelsbilanz ging von sechzig Millionen im Monatsdurchschnitt des ersten Quartals 1952 auf 21,6 Millionen Dollar im Mai zurück, wie das Bundeswirtschaftsministerium berichtet. Den von 93 Millionen Dollar im Februar auf 50 Millionen Dollar im Mai gesunkenen Einfuhren aus dem Dollarraum stehen von 23 auf 28 Millionen Dollar gestiegene Ausfuhren gegenüber. Allerdings wurden zugunsten einer Verbesserung der Dollarbilanz Importwaren aus Weichwährungsländern zu Preisen bezogen, die höher waren als in Dollarländern. Die Freiheit des Wettbewerbs Kartellgesetz - eine schwere Geburt / Abreden schädigen Gesamtwirtschaft Der Entwurf des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen hat im Bundestag seine Feuertaufe bestanden: Er wurde in erster Lesung allgemein gutgeheißen. Wer die Vorgeschichte kennt, weiß dieses Ereignis zu würdigen. Mehr als ein Jahr hat das federführende Bundeswirtschaftsministerium über das Thema „Kartelle“ mit der amerikanischen Besatzungsmacht einerseits und den Vertretern der deutschen Wirtschaft andererseits verhandelt. Mehrere Dutzend Vorläufer des jetzt eingebrachten Entwurfs sind mal von dieser, mal von jener Seite verworfen worden und im Papierkorb gelandet Beamte und Angestellte des Staates mußten in dieser Zeit den Dienst quittieren, weil sie ihre Geheimhaltungspflicht verletzt haben sollen. Der Andrang derjenigen Wirtschaftskreise, die glauben, durch das geplante Gesetz unbilligerweise Nachteile zu erleiden, hat zu keiner Stunde nachgelassen. Und als der Generalvertag formuliert wurde, bestanden che Besatzungsmächte auf längst zu vielköpfig geworden ist: Die Verwaltungs-~Einfügung eines Paragraphen, der die prompte Ab- Die Bundesregierung hat sich nach Mitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums in diesen Tagen mit der wichtigen Frage des Osthandels beschäftigt. In einer Kabinettssitzung ist dabei von sämtlichen Ministern betont worden ,daß der deutsche Handel mit dem Ostraum von größter Bedeutung für die deutsche Wirtschaft sei. Soweit nicht Handelsvertragsvereinbarungen mit Staaten des Ostblocks bestehen, soll ein Güteraustausch im Wege von Einzel- und Gegenseitigkeitsgeschäften in die Wege geleitet werden. Die von der Bundesregierung eingegangenen Verpflichtungen auf dem Gebiet der Embargo-Politik werden jedoch auch in Zukunft loyal eingehalten. Im Interesse der Förderung eines gesunden Osthandels soll der illegale Handel weiterhin unnachsichtlich bekämpft werden. Wasfdautsch-chinasischa Handelsvereinbarungen Die Unterzeichnung einer Handelsvereinbarung zwischen einer Gruppe westdeutscher Teilnehmer an der Moskauer Wirtschaftskonferenz, die als „Ostag“ zeichnet, und Vertretern der Volksrepublik China soll laut ADN in Ost-Berlin erfolgt 6ein. Sie sieht auf der Ex- und Importseite spezifizierte Warenlisten im Werte von je 150 Millionen Rubel vor. Die Vereinbarung soll ein am 10. April 1952 in Moskau abgeschlossenes Rahmenabkommen ergänzen. Nach der Vereinbarung sollen au« der Bundesrepublik Chemikalien, Zellstoff, Papier, Werkzeug- und andere Maschinen, 4 elektrische Ausrüstungen, medizinische Instrumente, Textilien und Pharmazeutika geliefert werden. Die rotchinesischen Gegenlieferungen sollen «us Erzen, NE-Metallen, Sojabohnen, Oelsaaten, Mais, Eiern und Ei-Produkten, Häuten, Fellen und Pelzen sowie Därmen, Borsten, Bawmwollabfällen und ätherischen Oelen bestehen. Wachsender Auftragseingang bei der Industrie Der Auftragseingang bei der Industrie im Bundesgebiet hat sich im Mal weiter belebt Die Indexziffer Verstärkter Osthandel geplant des Auftragsvolumens (1949 — 100) stieg nach Mitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums von 146 im April auf 150 im Mai und erhöhte sich damit um drei Prozent. Von der Auftragsbelebung profitierte erstmals wieder die Verbrauchsgüterfndustrie mit einer Zunahme um sechs Prozent Die Entwicklung des Auftragseingangs im Mai ist trotz der Abschwächungen in einzelnen Zweigen im Gesamtdurchschnitt kennzeichnenä für die weiter anhaltende Stabilität der Nachfrage. Eisenpreisänderungen durch Schrottverbilligung Die Tatsache, daß der Schrotthandel für die Zeit vom 16. Juni bis 31. August Schrott der Sorte null (Frachtgrundlage Essen) zu einem Preis von 170 DM je Tonne statt bisher 184 DM je t liefern wird, zieht einige Aenderungen bei den Preisen für Eisen und Stahl nach sich. Zunächst entfällt vom 16. Juni an der bisher für Siemens-Martin-Stahl gewährte Kostenausgleich von 10,20 DM je t Walzstahl, der vom 10. April an erhoben werden durfte. Weiterhin ergeben sich einige Aenderungen bei den Roheisenpreisen und wahrscheinlich auch für Schmiedestücke und rollendes Eisenbahnmaterial. Uruguay möchte neuen Handelsvertrag Die Ausfuhr der Bundesrepublik nach Südamerika hat sich seit 1949 verzwölffacht, Uruguay ist jedoch wegen der bestehenden Einfuhrbestimmungen an dieser Steigerung nicht angemessen beteiligt. Dies erklärte der Präsident der deutsch-uruguayischen Handelskammer, Inciarte, vor einigen Tagen bei einem Empfang der Handelskammer für den Gesandten der Bundesrepublik in Uruguay, Professor Gustav Herbig in Montevideo. Es sei beunruhigend, daß der Handel zwischen den beiden Ländern fast völlig stilliege. Man müsse zum Abschluß eines neuen Han- desvertrages kommen. lösung der alliierten Bestimmungen durch ein entsprechendes deutsches Antikartell-Gesetz sicherstellen soll. Es hätte dieses Eifers nicht bedurft, denn die Bundesregierung vertritt nicht erst seit gestern die Auffassung, daß auf diesem Gebiet gesetzgeberische Maßnahmen getroffen werden müssen, die im Einklang mit den Grundsätzen der freien Marktwirtschaft für die Freiheit des Wettbewerbs sorgen. Bei den Verhandlungen mit dem Petersberg ging es auch gar nicht um das Prinzip, sondern um dessen praktische Anwendung. Es mußte mir verhindert werden* daß das Kind mit dem Bade ausgeschüttet würde. Das Gesetz will den Verbraucher schützen, indem es den Unternehmern verbietet, sich durch Verträge oder unter der Hand zu Kartellen zusammenzuschließen. Solche Einheitsfronten in ganzen Wirtschaftszweigen sind zwar für die Kontrahenten ganz einträglich, bedeuten aber eine ernste Gefahr für das Wohlergehen der Gasamtwirtschaft. Ob die Vereinbarungen lediglich die Preise oder auch den Umfang und Qualität der Produktion einschließen, der Zweck ist immer gleich: Man möchte eine marktbeherrschende Stellung gewinnen, um den Konsumenten jederzeit varschreiben zu können, was für den jeweiligen Artikel zu zahlen ist. Diese menschlich verständliche Neigung, den Wettbewert» einzuschränkeo* um hieraus den höchstmöglichen Nutzen zu ziehen, stellt eine der Unzulänglichkeiten in der kapitalistischen Wirtschaftsform dar, und deshalb müssen ihr mit gesetztllchen Mitteln Zügel angelegt werden. Kartelle brauchen sich um die Gunst oder das Vertrauen der Verbraucherschaft nicht bemühen; beider Herstellung und dem Vertrieb ihrer Erzeugnisse brauchen sie sich nicht einmal anzustrengen; denn eine Konkurrenz, die besser und billiger ist, gibt es nicht Derartige Abreden sollen also grundsätzlich verboten werden, wobei nach der jetzt vorliegenden Fassung gewisse Ausnahmen zulässig sind. Der Staat will in den Marktablauf nur noch dann ein- greifen, wenn — wie beispielsweise in der Wohnungswirtschaft — die Marktform des vollständigen Wettbewerbs noch nicht erreichbar ist In Bonn zweifelt niemand an der Notwendigkeit des Gesetzes, das hoffentlich bald verabschiedet wird — übrigens auch deshalb, weil dann eines der letzten alliierten Wirtschaftsgesetze in der Versenkung verschwinden kann. Oie G. Lorenz AG. in Stuttgart erzielte lm Geschäftsjahr 1951 mit etwa 24 Millionen DM einen Gewinn, der nur unbeträchtlich Uber dem für 1950 mit rund 25 Millionen DM lag. Bei einer Umsatzerhöhung von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr Ist der Erlös eue den Exportgeschäften von etwa drei Millionen auf rund zehn Millionen DM gestiegen. Die C. Lorenz AG beschäftigte am Ende des Geschäftsjahres etwa 5000 Personen. Auf der Groflkundgebung der Edeka ln Düsseldorf forderte Verbandsdirektor Dr. P. König nochmals- ein Verbot des Werks- und Behördenhandels. Die Robert Bosch GmbH., Stuttgart, konnte ln dem Geschäftsjahr 1951 ihren Umsatz mengenmäßig um 39 Prozent erhöhen. Der Rohertrag stieg von rund 125 Millionen DM lm Jahre 1950 auf etwa 194 Millionen DM im Jahre 195L Es wird eine Dividende ln Höhe von drei Prozent auf das Stammkapital von 49 Millionen DM gezahlt Der Exportenteil Ist lm Berichtsjahr von 7 Prozent auf 17 Prozent des Gesamtumsatzes gestiegen. Wie spielt mai Die festlichen Operntag« Einer der musikgeschichtlich wichtigsten Orte in Süddeutschland ist das Schloß Schwetzingen mit seinem herrlichen Park. Hier regierte, dem Vorbild Ludwigs XIV. folgend, der Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz. An seinem Hof spielte Mozart, bei ihm weilte Gluck als hochgeehrter Gast Heute, wo so viel Schönheit in Deutschland für immer zerstört ist, lag es nahe, das entzückende kleine Rokokotheater für Festspiele zu verwenden. In früheren Jahren hatte man damit nur geringen Erfolg. Nun hat es in diesem Jahr — das Schwetzinger Theater besteht gerade 200 Jahre — der Süddeutsche Rundfunk übernommen, in Schwetzingen „Festliche Operatage“ zu veranstalten. Und man hat anerkennenswerterweise den Plan gefaßt, hier Werke zu bieten, die dem Charakter des Ortes wie der technischen Leistungsfähigkeit der Bühne entsprechen — und die man sonst an deutschen Bühnen kaum mehr hört So entstand der Gedanke eifter zyklischen Aufführung von Werken Glucks: „Iphigenie in Aulis“, „Iphigenie in Tauris“, „Der betrogen« Kadi", das Ballett „Don Juan“ und „Orpheus und Eurydice“. Um jede Einseitigkeit zu vermeiden, wurden die vier größten Bühnen der Umgebung, das Badische Staatstheater Karlsruhe, die Württerabergischen Staatstheater Stuttgart die Städtische Bühne Heidelberg und das Nationaltheater Mannheim eingeladen, je ein Werk aufzuführen. So viele Theater, so viele leitende Männer, so viele Auffassungen, so viele Lösungen des Problems „Wie spielt man heute Gluck?“ Eines stand von vornherein natürlich fest: eine Darstellung im historischen Gewände der Entstehungszeit war ausgeschlossen, selbstverständlich aber auch eine rein theatermäßige Darstellung wie vor etwa fünfundzwanzig Jahren. Es mußte zum Ausdruck kommen, daß die Bühne uns heute ein Symbol bedeutet. Und diese Auffassung trifft auch mit Glucks Reformbestrebungen zusammen, der ja auch über das Individuelle hinaus das Typische, das Symbol gestaltete. So beruhten alle Schwetzinger Gestalten auf einer i heute Gluck? im Schwetzinger Schloß Stilisierung, ausgenommen natürlich das Singspiel „Der betrogene Kadi“, das als reizendes anspruchsloses kleine» Werk rein der Unterhaltung diente. Aber wie verschieden waren alle Inszenierungen, denn um diese handelt es sich ja in erster Linie; das Musikalische steht ja eindeutig fest. Den Reigen eröffnete Karlsruhe mit der „Iphigenie in Aulis“, musikalisch geleitet von Otto Matzerath, Regie von Leuchtzifferblatt Zum Gedenken an den erste] Der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braun schweig wurden vor einiger Zeit sogenannte Radiumstandards von seiten der Besatzungsmacht zurückerstattet, die Grundlage aller exakten Messungen der Radiumstrahlen und ihrer Begleiterscheinungen sind. Damit ist Braunschweig wieder ein Zentrum der deutschen Radiumforschung geworden, als das es sich um die Jahrhundertwende ausweisen konnte. Von hier aus gelangten die ersten hochgradigen und qualitativ sich gleichbleibenden Radiumsalze auf den Markt, das Ergebnis mühseliger Untersuchungen. Aus dem gleichen Laboratorium stammt die Erfindung der Leuchtfarbe, ohne die der moderne Verkehr sich nie zur heutigen Präzision hätte entwickeln können, wenn wir allein an die vielen leuchtfarbenbestrichenen Uhren und an die Instrumente in der Kanzel eines Großflugzeuges denken. Friedrich Giesel, der dies schuf, wurde vor 100 Jahren, am 20. Mai 1852, lm schlesischen Winzig geboren. Vor 50 Jahren entdeckte er als Chefchemiker der weltbekannten Braunschweiger Chininfabrik nach einer Reihe anderer Erfindungen die Leuchtfarbe. Später wurde er Dr. h. c. und Professor. Vor 25 Jahren — am 14. November 1927 — starb er in Braunschweig. Als Erster entdeckte er die schädlichen Verbrennungen der menschlichen Haut durch Radium- Werner Kelch. Hier war man in der Stilisierung sehr weit gegangen, so weit, daß sie manchmal Selbstzweck zu werden drohte. Das Szenenbild sehr modern mit durchsichtigen gläsernen Wänden. Für die Stuttgarter Aufführung der „Iphigenie in Tauris“ unter Ferdinand Leitner hatte Rochus Gliese ein Bühnenbild geschaffen, das man am besten als vom Vorexpressionismus beeinflußt bezeichnen kann Hier war die Stilisierung wesentlich gelockert zum Vorteil der Theaterwirkung. Regie: Kurt Puhlmann, ln der Inszenierung von „Orpheus und Eurydice“ ging der Mannheimer Regisseur Joachim Klaiber zum rein fünfzig Jahre alt i deutschen Radiumforscher strahlen, als Forscher wurde auch er das Opfer der tückisch lang dahinschleichenden Verbrennungen. Nobelpreisträger Otto Hahn nennt den Braunschweiger Gelehrten den Altmeister der deutschen Radiumforschung. Radium bedeutete die Sensation der Jahrhundertwende, alle physikalischen und chemischen Forschungsinstitute stiirtzten sich auf die neue Elementreihe, die alle bis dahin geltenden Theorien auf diesem Gebiet über den Haufen warf. Giesel arbeitete an diesen Forschungen zum eigenenen Vergnügen, gewissermaßen im Nebenberuf. Diese Forschungen aber ließen die deutsche Wissenschaft Schritt halten mit den Entdeckungen des Auslandes, sie führten in gerader Linie zu den fundamentalen Erkenntnissen Otto Hahns über Atomverfall, die ihm den Nobelpreis einbrachten. Mit seherischem Blick erkannte Giesel sofort die praktische Anwendbarkeit seiner Entdeckungen. Er schuf das handelsübliche Radiumsalz, er entwickelte aus der zufälligen Beobachtung, daß Sidotsche Blende im Radiumbeschuß aufleuchtet, die Leuchtfarbe. Wir können nicht alle seine Erfindungen nennen. Nur eines sei erwähnt: Als selbstloser Forscher schenkte er alle seine Arbeit der Allgemeinheit, er nahm nie ein eigenes Patent. K.L. Symbolhaften über, alle rein menschlichen Züge diesem unterordnend. Ein einziges Bühnenbild für das ganze Werk ohne eine Konzession ans Leben: Puritanismus und Surrealismus. (Musikalische Leitung: Kart Fischer). Den stärksten Eindruck des ganzen Zyklus aber hinterließ keine der großen Opern, sondern das gewaltige, aber fast unbekannte Ballett „Dem Juan“* Hier hatte Heidelberg mit seinen bescheidenen Mitteln eine Wiedergabe gefunden, die jede Uebertrei- bung streng vermied und choreographisch unter Leitung von Emmy Köhler und Johannes Richter mit Oswald Buchholz am Dirigentenpult ausgezeichnetes leistete. Diese Gegenüberstellung verschiedener Ausdeutungen von Partitur und Bühnenbild waren für alle Besucher ein ungewöhnlich anregendes Erlebnis* Noch schöner aber war die eine Erkenntnis, die man nach Hause trug: daß uns Gluck noch heute sehr rtel zu sagen hat, beinahe mehr als früher. Dr. Brandl Deutscher Tänzer-Kongreß Der zweite Deutsche Tänzer-Kongreß nach dem Kriege, der während der Ruhrfestspiele vom 12. bis 15. Juli in Recklingshausen stattfindet, steht in engstem Zusammenhang mit den dort zur Sprache kommenden künstlerischen, pädagogischen und organisatorischen Zielen der Berufsgruppe Tanz. Er findet in der Zusammenarbeit ihrer Initiatoren Olga Brandt-Knack, Lola Rogge, Else Lang und Kurt Peters seinen der deutschen Tänzerschaft verbundenen Ausdruck. Der Kongreß umfaßt Referate, Vorträge mit praktischen Demonstrationen, Tanzabende, Arbeitsgemeinschaften und Diskussionen, zu denen Mary Wigman, Professor Rosalie Chladek (Wien), Harald und Oni Lander (Kopenhagen), Olga Brandt- Knack (MDB), Kurt Jooss, Albrecht Knust und Fritz Heerwagen zugesagt haben. Als Solisten treten die Tänzer Harald Kreutzberg, Dore Hoyer, Marianne Vogelsang, Toni Lander, Rosalie Chladek. Lisa Czobel, Alexander von Swaine, Natascha Trofimova, Roger George, Kurt Paudler, Ruth Boin und die Geschwister Sie (Bali) auf. Der Steinsberg und das Dort Weiler Ans der Schäler- und Elternzeitscfarift „Frohe Jagend“ Aus dem welligen Hügelland des Kraichgaus, nahe bei dem schmucken Landstädtchen Sinsheim, erhebt sich kegelförmig aus dem Löß- und Keuperboden der Umgebung der Basaltstumpf des Steinsbergs. Als Kompaß des Kraichgaus überragt er alle Erhebungen der Umgegend und weist seit alters her den Wanderern den Weg durch dieses gottgesegnete Land. Der Gipfel dieses von gepflegten Weinbergen überzogenen Kegelstumpfes wird fast vollständig von den verwitterten Resten der alten Ringmauern eingefaßt, während sich in der Mitte der 32 m hohe, achteckige Turm der einstigen Schutz- und Trutzburg erhebt. Von seiner Spitze schweift das Auge weit über die freundlichen Dörfer des Elsenztales, die wie Blumensträuße in den bunten Landschaftsteppich eingewoben sind, hin zu den blauen Bergen des Odenwaldes, der Hardt und des Schwarzwaldes; manchmal blitzt das Silberband des Rheins. Nicht selten erscheinen die Spitzen des alten Kaiserdoms zu Speyer , am Rhein. Die Burg ist für jeden, der dieses Land liebt und seine Geschichte kennen lernen will, trotz ihres baulichen Zerfalls ein ehrwürdiges Denkmal der mittelalterlichen Ritterzeit. Die meterdicken Burgmauern mochten einst dem anstürmenden Feind fast uneinnehmbar vorgekommen sein, im Innern der Burg wird man heute zwischen dem grobgefügten, grauen Gemäuer von dem kühlen Hauch längst verwehter Zeiten umfangen. Ueber die Zeit ihrer Erbauung gibt keine Urkunde Aufschluß, niemand weiß, wer die ersten Bewohner der Burg waren. Im Mittelalter mag sie Raubrittern als bewehrter Schlupfwinkel gedient haben, von welchem AusfäEe auf die benachbarten Handelsstraßen zwischen Odenwald und Schwarzwald gewagt werden konnten. Eingestürzt sind die Rittersäle, Kemenaten und Verließe, wilde Kräuter und Sträucher wuchern üppig zwischen den Mauern, in denen einst übermütige Gesellen ihre tollen Streiche ausgeheckt hatten. Um die Burg auf dem Steinsberg rankt sich auch die Sage: Einst soll ein böser Riese hier oben gehaust haben. Unten am Berg lag ein See, an dessen Ufer ein kleines Kirchlein stand. Darin dankte einmal ein schönes holdes Mägdlein Gott für die Genesung seines Mütterleins. Der Riese, der es sah, schlich herzu, um das Mädchen auf die Burg zu schleppen. In seiner Angst sprang es in den See, doch die Engel Gottes geleiteten es sicher ans andere Ufer. Der nachstürzende Riese aber ertrank. Die Flurnamen „See- berg" und „Seewiesen“ erinnern an die alte Sage. Für die fahrenden Dichter des Mittelalters bildete die weithin sichtbare Burg ein lockendes Ziel. So weilte der ritterliche Minnesänger Spervogel im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts als Gast des „herren“ Wemhart hier, „uff Steinesberc sas“. Die Burg war zuerst in pfälzischem Besitz, wurde vorübergehend den Grafen von Oettingen zu Lehen gegeben und fiel später wieder an die Kurpfalz zurück; schließlich kam sie 1517 in den Besitz der Herren von Venningen, die ungefähr 200 Jahre oben wohnten. Mannigfach waren die Geschicke der Burg in der Folgezeit: Im Bauernkrieg zündeten die erbosten Bauern ein „hübsches Lustfeuerlein“ an, 1632 waren die Schweden hier. 1777 schlug der Blitz in das Turmdach ein, so daß der damalige Besitzer Karl Philipp von Venningen Dach und Gebälk abbrechen ließ, wodurch die stattliche Burg Ruine wurde. Während der Französischen Revolution wurden die starken Kellergewölbe gesprengt, und dadurch zerfiel die Burg vollends. Im Rahmen der Bundesjugendspiele veranstaltete der Turnverein „Eintracht“ am Sonntag ein großes Sportfest, an dem sich die Turnvereine Langenbrücken, Huttenheim und Ubstadt sowie die Turnerinnen aus Oestringen beteiligten. Am Sonntagvormittag wurden die Wettkämpfe (Dreikampf) für 15- 18jährige zwischen Turnverein und FC Weiher ausgetragen. Die höchste Punktzahl erreichte mit 54 Punkten Karatschonji, Franz (FC). Es folgen Bader, Erhard (TV) mit 52 Punkten, Gärtner, Friedbert (FC) 50 Punkte,Bertsel, Karl (FC) 47 Punkte und Kneller, Edgar (TV) 41 Punkte. Mittags 12 Uhr Hefen 5 Staffeln der Volksschule und 2 Staffeln des TV und FC durch die Hauptstraße. Trotz glühender Hitze konnten gute Zeiten gelaufen werden. Die Bevölkerung nahm an dem Lauf regen Anteil. Um 14 Uhr formierte sich der Festzug. Wohldiszipliniert marschierten die schmucken Turner und Turnerinnen, voraus die Musikkapelle, zum Festplatz. Der spiritus rector des Sportplatzes, Josef Stadler, begrüßte die Tumerschar, besonders die auswärtigen Gäste, vor allem aber die Kreisspitzenturner aus Oberhausen und Karlsdorf. Dabei wies er in seiner Ansprache auf die Bedeutung des Turnens, als die große Willensschule, in beredten Worten hin. Es begannen nun die Wertungskämpfe der einzelnen Turnvereine, aus denen Langenbrücken mit 340ta Punkten als Sieger hervorging. Die Spitzenturner aus Oberhausen und Karlsdorf zeigten am Reck, Barren und Pferd wahre Meisterleistungen, die mit stürmischem Beifall aufgenommen wurden. Schlag auf Schlag wechselten an diesem Nachmittag die Vorführungen. Mit Frei- und Keulenübungen zeigten die Turnerinnen aus Oestringen und Ubstadt ihr exaktes Können. Um 6 Uhr nahm der Vorstand des Turnvereins die Siegerehrung vor und dankte nochmals allen Mitwirkenden. Für jeden Jungen mußte es Ehrensache Tageskalender für 9. Jnli Scbloßtheater Bruchsal, 18.30 und 20.45 Uhr „Herz der Welt“. Casino-Lichtspiele Bruchsal, 17 und 20 Uhr „Verträumte Tage“. Europa-Lichtspiele Bruchsal, 17, 19 und 21 Uhr „Käp‘n China“. Ehemalige Volkswagensparer, 20.30 Uhr Zusammenkunft im „Jägerstüble“. Realgymnasium Bruchsal, Schul- und Händelchor, 19 Uhr Probe für Tenor und Baß zu Händels „Mes-- sias“. Herausgeber: C. & H. Knie, Brachial. GeschiftuCeUe and Redaktion: Bröchet!, Worthetr. 11. Redaktion: Hane Stander, Brachst!. VerantwartKch für Anieigen: Reinhotd Bork, Brachse!. Z. Zt. int Preisliete Nr. 3 tob 1. April 1952 gültig. Hand in Hand mit der Geschichte der Burg geht die des zu Füßen des Steinsbergs gelegenen Dorfes Weiler, dessen Besiedlung von einem römischen Meierhof her als bestimmt anzusehen ist. Die Herren des Dorfes und der Burg erkannten laut Urkunde aus dem Jahre 1516: „den pfalzgrafen für ihren rechten herren und obersten vogt und gerichtsherren an“. Mit der Besitzübernahme der Burg durch die Herren von Venningen im Jahre 1517 kam auch das Dorf unter deren Botmäßigkeit, so daß die Geschicke der Burg Anläßlich einer in Münzesheim abgehaltenen Kreistagssitzung nahm Bürgermeister Prof. Bläsi scharf gegen das übertriebene Festefeiern Stellung. Wörtlich erklärte er: Viel Geld fließe heute in falsche Kanäle, was unser Volk in erster Linie wieder lernen müsse, sei das Sparen! In dem folgenden Artikel nimmt ein Geschäftsmann zu dem gleichen Thema, nur von anderer Warte aus, Stellung. Er schreibt u. a. Fährt man gegenwärtig zum Wochenende über das Land, so zeigen Transparente, Fahnen und Wimpel bald in jedem Dorf, daß hier wieder einmal ein Fest gefeiert wird. Man staunt über die Erfindergabe der Veranstalter. Neben den Jubiläumsfesten tauchen Namen auf wie Sommemachtsfest bis zum frühen Morgen, Strandfest mit Nixen und dergl. mehr. Alle diese Feste erfordern eine Unmenge von Vorbereitungen, Arbeit, Zeit und Geld. Die Ausgaben müssen von den Besuchern in Form von Verzehr und Getränken aufgebracht werden. Grundsätzlich ist gegen das Festefeiern im vernünftigen Rahmen nichts zu sagen. Es kommt in einer Generation wohl nur einmal vor, daß der Gesangverein oder die Feuerwehr ihr 50., 75. oder gar 100. Jubläum begeht. Die Frage ist nur die, ob es nötig und schicklich ist, die Feste in einem Ausmaß anzulegen, daß für das Feiern drei und vier Tage gebraucht werden. Das deutsche Volk ist verarmt, mehr wie verarmt, die Folge von zwei verlorenen Kriegen mit allen Begleiterscheinungen. Ueberall ist Not und jeden Tag hört man den Jammer: Wir haben kein Geld. Selbst geringe Anschaffungen für Familie und Kinder werden zurückgestellt. Ist aber ein Fest, dann ist alles vertreten, das Geld fließt wie in den besten Zeiten. Wir wollen keine Moralpredigt halten. Gewiß ist niemand gezwungen, alle 3 Tage mitzumachen. Aber genau so sicher ist es, daß viele nicht so mitmachen würden, wenn die Gelegenheit und die Versuchung nicht so groß wären. Es liegt mehr an den Veranstaltern, den Vereinen und Organisatoren, die ein Fest so groß aufziehen, um bei den Festen „Geld zu machen“. Nach unserer Meinung kann es aber so nicht weitergehen. Das kommt auf eine Verantwortungslosigkeit hinaus. Die Vereine sollten im Bewußtsein ihrer in Reden so oft zum Ausdruck kommenden ideellen Sendung — sich selbst eine Beschränkung auferlegen. Müssen es immer drei Tage sein, um ein Jubiläum zu begehen. Es wäre doch richtiger, wenn man das ganze Festprogramm auf kurze Feiern an einem Tag zusammenzieht. Vormittags ein Festakt mit gutem Programm, anstelle des bald ausgewachsenen Festbanketts von 20 bis 30 Nummern, nachmittags Festzug und Festesfreude auf dem Festplatz. Dann aber sein, sich dem Turnverein anzuschließen, um durch Übung und Sport seinen Körper zu stählen. Am Abend versammelte sich nochmals die gesamte Einwohnerschaft auf der Festwiese. Musikverein und MGV 1876 sorgten bestens für Unterhaltung. Der Turnverein kann mit Stolz auf das wohlgelungene Fest zurückblicken. D. und des Dorfes aufs engste miteinander verknüpft sind. Früher Wilre, auch Wiler und Wyler genannt, gehörte Weiler lange Zeit zum Ritterkanton Kraich- gau, bis es 1806 badisch wurde. Heute freuen sich alle Schulklassen der Kraichgau- dörfer zwischen Wiesloch und Bruchsal, wenn zur Sommerszeit ein Ausflug nach dem Steinsberg steigt, und der Lehrer oben auf dem Kompaß des Kraichgaus praktischen Heimatkundeunterricht treibt. Schluß! Der Eindruck wäre viel nachhaltiger und würde den heutigen Verhältnissen entsprechen. Es bedarf nur des Mutes einiger einsichtigen, verantwortungsbewußten Vereinsführungen, die sich damit Anerkennung und Lob verdienen würden, einmal den Anfang zu machen. Wäre es nicht auch zu empfehlen, wenn die Staatsbehörde — der Landrat — und che Bürgermeisterämter aus ihrer Verantwortung heraus für das allgemeine Wohl die Frage aufgreifen und alle Vereine bitten würden, der „Festseuche“ aus Verantwortungsbewußtsein Einhalt zu gebieten. Dazu noch eine andere Frage? Wie stellt sich das Finanzamt zu den Umsätzen und Verdiensten, die die Veranstalter haben? Die kleinen Betriebe, Geschäfte wie Gastwirte, haben es heute sehr schwer. Sie müssen große Steueraufkommen aufbringen, bei Betriebsprüfungen wird der letzte Rest noch herausgeholt nach dem Spruch, daß man die Kleinen Die Gelder, die bei den vielen Festen vertan werden, gehen der normalen Wirtschaft verloren. Die Geschäftsleute wissen ein Lied darüber zu singen, wie oft wochenlang danach eine Geldflaute herrscht. Da und dort läßt man sogar Brot und Milch aufschreiben, weil kein Geld mehr da ist. Umsatzsteuer und Einkommensteuer müssen von den Geschäftsleuten bezahlt werden. Das Finanzamt kümmert sich nicht darum, ob der Geschäftsmann die Gelder auch tatsächlich hereinbringt! Deshalb: Macht endlich Schluß mit dem übertriebenen Festefeiern und lernt auch wieder bescheiden, d. h. gebt euer Geld erst für das Nützliche, dann erst für's Angenehme aus K. E. Ein Jahr Gefängnis für schwere Unzucht Das Bruchsaler Schöffengericht verurteilte in seiner letzten Sitzung den 36-jährigen H. aus N. wegen schwerer Unzucht mit Kindern in drei Fällen zu einem Jahr Gefängnis. Die Untersuchungshaft wurde angerechnet. N. hatte in einem Fall unter starker Alkoholeinwirkung sich in schwerster Weise an einem minderjährigen Mädchen vergangen. In zwei anderen Fällen hatte er ebenfalls Kinder in eindeutiger Weise belästigt. Die Vorfälle erreigneten sich im Sommer 1951 im Büchenauer Wald. Stadtrentamt Bruchsal. Das Stadtrentamt erinnert an die fällig werdenden Verbindlichkeiten; und zwar Grundsteuer 1952 mit einem weiteren Zwölftel (insgesamt 4/12 des Jahresbetrages) auf 15. Juli und Gebäudeversicherungsumlage mit dem 2. Viertel 1951. Die Pflichtigen werden darauf hingewiesen, daß bei nicht fristgemäßer Zahlung Säumniszuschläge verwirkt sind und mit Betreibung gerechnet werden muß, wodurch weitere Mahngebühren und Zwangsvollstreckungskosten entstehen. Skifclub Bruchsal. In der letzten Monatsversammlung des Skiklubs wurde beschlossen, sich am 10. Aug. an dem Sonderzug zu beteiligen, den die „Cäcilia“ Bruchsal in den Pfälzer Wald nach Annweiler durchführt. Von Annweiler aus ist Gelegenheit zu schönen Fußwanderungen ins Burgen- und Felsenland gegeben. Der Fahrpreis beträgt nur 4,50 DM. Bei Bäckermeister Kimmes, Kaiserstraße, liegt bis 1. Aug. eine Teilnehmerliste auf. Es wird gebeten, daß sich alle Interessenten bis dahin dort eintragen. Genauere Besprechungen über die Fahrt erfolgen bei der Monatsversammlung im August. Und wieder ist Erntezeit Holzschnitt von Hermann Schiebel vfc :V ÄÜ' W- ! *, wmimw s pJ* Das Forum des Lesers Gegen die immer mehr fiberhand nehmende „Festseucfae“ Sportfest der Turner in Weiher Turnverein Langenbrücken Sieger im Wertungssingen I Ursädiliche Zusammenhänge Die ursächlichen Zusammenhänge zwischen Jugendnot und Jugendkriminalität sind in der Debatte über das Jugendgerichtsgesetz erneut umrissen worden: 1945 verloren 5 % Millionen Kinder ihre Heimat.— Es gibt im Bundesgebiet etwa 250 000 Vollwaisen. — 1250 000 Kinder verloren ihren Vater. — Fast die Hälfte unserer Kinder lebt in unvollständigen Familien. — Die aus der Ostzone illegal herübergewechselten Jugendlichen- die völlig wurzellos im Bundesgebiet herumlaufen, stellen eine besondere Gefahr für die übrigen Jugendlichen dar. — Zahlreiche Jugendliche leben noch in Baracken- und Flüchtlingslagern. — Im Bundesgebiet haben wir etwa 3 Millionen Wohnungen zu wenig. So wird verständlich, woher die gesteigerte Jugendkriminalität in den letzten Jahren gekommen ist. Hinter diesen eben erwähnten Tatsachen steckt eine ungeheuere menschliche und wirtschaftliche Not. Hinzu kommen alle die Schwierigkeiten, die sich durch das Hereinströmen neuer Gedanken und neuer Sitten mit einer starken Veränderung unserer gesellschaftlichen Struktur ergeben haben. Ein Großteil der Jugendlichen ist straffällig geworden, weil ihnen das sittliche Wertungsvermögen fehlte, weil das Elternhaus versagt hat (rund 2 Millionen Kinder aus geschiedenen Ehen!), weil die Gemeinschaft, der Staat versagt hat (rund 1200 000 Jugendliche ohne Lehrstellen!); aber auch, weil die Jugend infolge unserer Arbeitsweise keine innere Beziehung zur Arbeit gefunden hat. Damit -soll gesagt sein, daß ein großer Teil von Straftaten der Jugendlichen in den letzten Jahren auf die äußerst ungünstigen Umweltsbedingungen zurückzuführen sind. (DCV) Stadtumschau Mittwoch, den 9. Juli 1952 Glocken von St. Peter im Rundfunk. Am kommenden Samstag, 12. Juli, überträgt der Südwestfunk um 18.25 Uhr über die Mittelwelle das Glockengeläut von St. Peter. Die DAK in neuen Räumen. Am 3. Juli wurden die neuen Räume der Bruchsaler Geschäftsstelle der Deutschen Angestellten-Krankenkasse im Rahmen einer kleinen Feier unter gleichzeitiger Uebergabe an den neuen Geschäftsführer Walter Speh, eingeweiht. Zur Uebergabe war Landesgeschäftsführer Vogt von Karlsruhe nach hier gekommen. In seiner Festrede begründete Vogt die Neubauten der Krankenkasse mit dem Verlust der alten Räume durch Kriegszerstörung — 60 Prozent der Geschäftsstellen im Bundesgebiet sind ausgebombt — und der Notwendigkeit einer Vergrößerung durch die steigenden Mitgliederzahlen. Die Mitgliederzahl sei bei der DAK von 400 000 gegen Ende des Krieges in den letzten Jahren auf ca. 800 000 gestiegen und habe sich in Baden mehr als verdoppelt. Diese Entwicklung sei ein erfreulicher Vertrauensbeweis für die Kasse, die in ihrer nun fast 180- jährigen Geschichte stets nach dem Grundsatz gehandelt habe, für ihre Mitglieder mehr zu sein, als schlechthin eine Krankenkasse, sondern vielmehr im wahrsten Sinne des Wortes der erste Diener jedes Versicherten. Landesgeschäftsführer Vogt übergab anschließend die Geschäftsstelle an Geschäftsführer Speh, der die Uebernahme als eine Verpflichtung be- zeichnete. Zur Feier waren außer den Angestellten der Kasse verschiedene Betriebshelfer gekommen, sowie die Mitglieder des Beratungsausschusses. Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer. Der Bundesminister für Arbeit hat, wie an dieser Stelle bereits bekanntgegeben wurde, nach Uebereinkunft mit den Besatzungsmächten erklärt, daß die Verordnung über ausländische Arbeitnehmer Bundesrecht geworden und in der Bundesrepublik in vollem Umfange gültig und wieder anzuwenden ist. Trotz unserem Hinweis, daß ausländische Arbeitnehmer, ähn- lieh wie in anderen Staaten, ohne diese besonderen Genehmigungen nicht beschäftigt werden und nicht arbeiten-dürfen, gehen die entsprechenden Anträge auf Beschäftigungsgenehmigung und Arbeitserlaubnis oder einen Befreiungsschein bei den Arbeitsämtern und den Ausländer-Polizeibehörden nur zögernd ein. Arbeitgeber und ausländische Arbeitnehmer seien hiermit nochmals an ihre Verpflichtung, die sich aus der Verordnung ergibt, erinnert. Wer seinen Antrag vor dem 31. Juli 1952 einreicht, spart unter Umständen auch die Gebühren. m ihrer letzten Ausgabe eine Liste ihrer 108 C gruppen. Die Bruchsaler Ortsgruppe hat 85 Mit; der, darunter 20 weibliche und 12 Jugendliche. Beteiligung an den Wanderungen betrug du 5 2,^® r fT en - — Für Heidelsheim la die Zahlen. 93 Mitglieder, darunter 35 weibliche 12 Jugendliche. nihe aus eine Schwarzwaldfahrt nach Freudens P 1 ® Anfährt erfolgt durch das Nagoldtal, die B fahrt über das Murgtal. Abfahrt in Karlsruhe Uhr, Ankunft in Freudenstadt um 10.57 Uhr. Freudenstadt aus besteht Gelegenheit zu einem Stecher nach Baiersbronn. Die Heimfahrt wird nach 16 Uhr angetreten. Ankunft in Karlsruhe Uhr. Der Fahrpreis beträgt 5,80 DM. Jahrgang 1907/08. Am Donnerstag, 10. Juli, 20 Uhr, hält der Jahrgang 07/08, männlich und weiblich, im Gasthaus zum „Engel“ eine Schülerbesprechung ab. Die Einberufer bitten um eine möglichst große Teü- nahme. Vergeßt nicht eure Haustiere! Der Tierschutzverein teilt mit: Nicht nur die Menschen, auch die Tiere leiden unter der tropischen Hitze. Vergeßt deshalb nicht, ihnen regelmäßig frisches Wasser zu geben! Denkt vor allem an die Kettenhunde, die nur zu oft der prallen Sonnenhitze ausgesetzt sind. Ihnen ist in diesen heißen Tagen besondere Sorgfalt zu widmen! 80 Jahre alt. Am Dienstag, 8. Juli, vollendete Landwirt Karl Dehmer, Kirdistraße 1, sein 80. Lebensjahr. Wir gratulieren dem alten Herrn recht herzlich und wünschen einen noch langen und gesegneten Lebensabend. MGV „Cäcilia“. Am heutigen Mittwoch findet die Beerdigung unseres Ehrenmitgliedes Josef Zimmermann statt. Sammlung der Sänger um 13.30 Uhr im „Ochsen“. Es wird um zahlreiche Beteüigung gebeten. Mittwoch, den 9. Juli 1952 Blitze aus heiterem Himmel Gibt es wirklich Gewitterfabriken? Stimmt es, daß Gewitter an Flußläufen halt machen, nicht über den Berg können oder einen Fluß entlangziehen? Auch wird oft gesagt, daß es an bestimmten Stellen von Landschaften besonders häufig Gewitter gäbe, man spricht von „Gewitterlöchern“. Diese und ähnliche Redewendungen werden immer wieder laut, wenn Gewitter heranziehen oder stundenlang an einer Stelle zu verweilen scheinen. Es hat sich im Volksglauben eine regelrechte Gewitter- Psychose herausgebildet, die besondere, an die Landschaft gebundene Eigenarten erkennen will. So spricht man auch von „Stehgewittern“, solchen Gewittern, die sich an Ort und Stelle austoben und eine überaus deprimierende Wirkung ausüben, weil sie meistens sehr schwer sind. Diese im Volke herrschenden Ansichten sind sehr interessant. Bei den sogenannten stehenden Gewittern handelt es sich immer um Wärmegewitter, die sich an heiteren, schwülen Sommertagen bilden. Sie entwickeln sich über bestimmten, den Einheimischen genau bekannten Stellen der Landschaft. Aus anfangs harmlosen Wölkchchen werden schnell Gewitterköpfe, die wie eine gewaltige Explosion ausquellend immer höher steigen und bald als „Blumenkohl“ am Himmel hängen. Schon donnert es in diesem „Blumenkohl“. Das Wärmegewitter, kaum 1000 Quadratmeter groß, ist fertig. Es liefert die überraschenden und sehr gefährlichen „Blitze aus heiterem Himmel“. Beobachten wir diese Gewitter weiter, so bemerkt man zwar seine ständig größere Ausweitung, aber mit seinem eigentlichen Massiv hängt es unbeweglich in der Luft. Es ist wie mit unsichtbaren Fesseln an die Landschaft gebunden. Der Gipfel eines solchen Gewitters erreicht bis zu 10 000 m und besteht in seinem oberen Teil fast ausschließlich aus Hagel und Schnee. Da sich bei schwülem Wetter im Laufe des Tages viele derartige „Gewitterpilze“ bilden, schließen sie sich bald zusammen, so daß man das eine Gewitter nicht mehr von dem anderen unterscheiden kann. So entsteht also der Eindruck, die Gewitter „kämen zurück“ oder es könnte nicht von der Stelle und säße irgendwo fest. Letzteres geschieht tatsächlich vor Flußläufen, und zwar aus folgendem Grunde: Über den kühlen Wasserflächen ist keine hochsteigende Warmluft anzutreffen, sondern die Luft steigt hier von oben nach unten, wie vom Wasser magnetisiert. Dieser Vorgang wirkt auf das Gewitter „ernüchternd“, es vermag die Wasserfläche nicht zu überschreiten und tobt sich an den Ufern aus, wo seine Energie langsam erlischt. Von ganz anderem Temperament sind die sogenannten Frontgewitter. Sie entstehen mit heranflutender Kaltluft schlagartig in einer viele hundert Kilometer betragenden Front und ziehen oft mit großer Geschwindigkeit, von Sturmböen und Temperatursturz begleitet. Diese Gewitter reagieren besonders stark auf Unebenheiten der Landschaft, namentlich auf Gebirgszüge. Während sie über flaches Land schnell hinwegbrausen, stauen sie sich an einer Bergfront. Die Gewitterluft muß hier, wenn sie den Kamm übersteigen will, in die Höhe. Dabei gewinnt sie nach bestimmten physikalischen Gesetzen erheblich an Energie. Aus diesem Grund sind Gewitter vor einer Gebirgslinie gewöhnlich sehr schwer und energiegeladen. Haben sie aber den Kamm erreicht, werden sie wieder harmlos und lösen sich manchmal auf der anderen Seite des Gebirges völlig auf.'TTolgt jedoch ein Weiterer Gebirgsrücken, erwachen sie zu neuer Kraft. Im Volksmund behauptet man ferner, daß sich Gewitter teilen. Auch dieser Eindruck ist richtig. Wenn ein Gebirge keilförmig in die Landschaft ragt, zieht das Gewitter manchmal mit der einen Hälfte links und mit der anderen rechts um den Gebirgskeil herum. Jede Gebirgslandschaft weist Bergkessel und Talniederungen, mal in abgerundeter, aber auch in gestreckter oder geschlängelter Form auf. Solche Gebiete sind wahre Spielplätze für Gewitter. Es gibt Bergkessel in denen es an jedem zweiten Tag gewittert. Gebirge sind außerdem eifrige Gewitterproduzenten. Man kann oft beobachten, wie die Gewitter aus den Bergtälern herausquellen und allmählich das flache Land erfassen. A. L. Feierliche Investitur in Oberhansen Amtseinführung des neuen Pfarrherrn durch Dekan Gothe gangenen Jahr erzielten Fortschritte zu beraten. Wegen der großen Hitze verzichtete man auf die althergebrachte Ausstellung und Prämiierung der besten Tiere. In schlichter, aber umso eindrucksvoller Weise wurde am vergangenen Sonntag der neue Ortsgeistliche, Pfarrer Franz Hirt, durch Dekan Gothe von Huttenheim in sein Amt eingeführt. In der Festpredigt rief der H. H. Dekan u. a. auch die Erinnerung an die früheren Seelorger wach, an die lebenden und an die toten, sie alle hätten sich für die Vertiefung des christlichen Geistes in der Gemeinde eingesetzt. Der Herrgott schaue nicht auf Äußerlichkeiten, ihm komme es ausschließlich auf das gute Herz an. Aufgabe des neuen Seelsorgers werde es sein, die Gemeinsamkeit zu pflegen und zu festigen, auf daß das kirchliche Leben noch mehr wachse und gedeihe." Die Vorbereitung des Festes der Investitur war dazu angetan, dieses Vertrauensverhältnis zwischen Gemeinde und Seelsorger zu begründen. Mit bewußter Absicht hatte Pfarrer Hirt gebeten, von äußerem Prunk abzusehen, lediglich Pfarrhaus und Kirche waren in geschmackvoller Art mit Fahnen, Blumen und Girlanden geschmückt. Die Orchestervereinigung begleitete die erschienenen Geistlichen, denen Vertreter der politischen Gemeinde mit dem Bürgermeister und Vertreter der Schule sowie der Stiftungsrat folgten. Kirchenchor und Orchestervereinigung verschönten den feierlichen Gottesdienst. Die Predigt des H. H. Dekan drang zu jeder Seele und ließ in allen Zuhörern den Wunsch aufklingen, mit dem neuen Seelsorger zusammenzuarbeiten zum Wohle der Gemeinde und zum Segen jedes einzelnen Gemeindegliedes. Der Abend brachte eine Priesterfeierstunde mit einer Predigt des H. H. Pfarrers Frey, die nochmals die Herzen und Sinne hinlenkte zu den höchsten und heiligsten Dingen. Kirchenchor, Orchestervereinigung und die Männergesangvereine boten ihr Bestes, um die Stunde recht feierlich zu gestalten. H. H. Pfarrer Hirt, der nunmehr seine erste Pfarrstelle angetreten hat, wünschen wir ein langes, segensreiches Wirken in Oberhausen. ue. Mahnung zur Vorsicht Rheinhausen. Die Tücken des Rheins hätten Sonntag beinahe ein Menschenleben gefordert. Ein junger Mann geriet durch einen Stromwirbel unter die Fähre, konnte aber durch mutiges Zugreifen einiger beherzter Männer gerettet werden. Badegäste, die mit den Eigenheiten des Rheins nicht vertraut sind, sollten das Baden in der Nähe der Fähre unterlassen, um nicht durch Leichtsinn ihr eigenes bzw. das Leben der Rettungsschwimmer zu gefährden. Der Kaninchenzuchtverein hielt am Sonntag am Rhein sein Sommerfest ab. Gleichzeitig versammelten sich die Züchter des Kreises, um über die im ver- Philippsbnrger Stadtnotizei" Amtstag des Landrats in Philippsburg Für die Gemeinden des Amtsgerichtsbezirkes Phi- lipppsburg findet allmonatlich am zweiten Donnerstag im Rathaus in Philippsburg der Amtstag des Herrn Landrats statt. Auf die Möglichkeit der Vorsprache der Angehörigen dieser Gemeinden wird hierdurch hingewiesen. Für den Monat Juli findet dieser Amtstag am Donnerstag, den 10. Juli 1952, vormittags, im Rathaus in Philippsburg — Dienstzimmer des Bürgermeisters — statt. Todesfälle Unerwartet rasch starben Weichenwärter Eugen Kunze, 72 Jahre alt und die Ehefrau des Maurers Karl Reinhard, Skalstr. 56. Den Leidbetroffenen unsere herzliche Anteilnahme. Filmschau der Gloria-Lichtspiele Im neuen Programm kommen zur Aufführung: Am Freitag und Samstag, jeweils 20.30 Uhr, der Groß- Film von der Olympiade: „Olympische Winterspiele 1952 Oslo“, und am Samstag, 22.30 Uhr, Sonntag 19 und 21 Uhr, und am Montag, 20.30 Uhc, „Die drei Musketiere“ nach dem Roman von Alexander Dumas — ein großer Abenteurerfilm aus der Zeit des 16. Jahrhunderts mit June Allyson — Van Heflin — An- gelan Lansbury. Aeltester Einwohner t Huttenheim. Am Sonntag wurde der im Alter von 88 Jahren verstorbene Landwirt Theodor Weser, Waldstraße 17, zu Grabe getragen. Der älteste Einwohner Huttenheims verschied nach langem Leiden. Ebenfalls am Sonntag wurde die im 81. Lebensjahr stehende Frau Marie Brecht, Rheinstraße 67, beerdigt. Den trauernden Hinterbliebenen der Verstorbenen wendet sich die Teilnahme der ganzen Bevölkerung zu. Sedis Hnndesportvereine in Kirrladi Ausgezeichnete Leistungen und zahlreiche Preise für die Züchter Der Verein für deutsche Schäferhunde hielt zur Eröffnung des neu erworbenen Übungsplatzes ein schönes Fest ab. Obwohl der Verein erst ein Jahr besteht, blickt er auf eine reiche Tätigkeit zurück. Wenn aus dem Dorfbild der „Dorfköter“ verschwunden ist, so sei das ein Verdienst des Hundevereins, sagte der Stellvertreter des Bürgermeisters beim Festbankett am Samstag. Am Festzug am Sonntag nahmen die Hundesportvereine von Wiesental, Philippsburg, Forst, Oberhausen und Neulußheim teil. Wiesental erhielt für seine ausgezeichnete Haltung bei dem Festzug den ersten, Phflippsburg den zweiten Preis. Nach der Ankunft auf dem Festplatz und der Begrüßung hielt Tierarzt Hauck die Festrede. Er kennzeichnete den Hund als treuen Freund, als Lebensgefährten und Helfer des Menschen. In der Gruppenarbeit erreichte Wiesental mit 28 die höchste Punktzahl und damit den ersten, Forst mit 24 Punkten den zweiten, Oberhausen mit 22 Punkten den dritten und Neulußheim mit 16 Punkten den vierten Preis. Bei der Mannarbeit erhielt Neulußheim mit 10 Punkten den ersten, Forst mit 9 Punkten den 2. und Wiesental mit 8 Punkten den 3. Preis. Beim Hochsprung erreichte der Hund des Züchters Artur Simon von Wiesental 2,80 m, der Hund von Rohrbacher, Oberhausen, 2,40 m. Bei den Spezialarbeiten der Hunde erreichte Forst mit 20 Punkten den 1., Oberhausen mit 10 Punkten den 2., und Wiesental mit 9 Punkten den 3. Preis. Am 5. Juli feierten die Eheleute Komel Ulrich und Frau Maria geb. Haag, das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Das Ehepaar wohnt in'der Werderstr. 4. Am 10. Juli begehen Werkmeister a. D. Peter Maier und Frau Katharina geb. Haas, Rosenstr. 13, gleich- ialls das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Unseren Glückwunsch! w. “jäjjKjiar:'' 1 KtiÄteH: t.tW- Die Deutsche Bundesbahn im Bild Links : Der Deutsche Fußballmeister, der VfB Stuttgart, im Aussichtstriebwagen der DB, auf der Fahrt von Ludwigshafen nach Stuttgart. — Mitte: „Winke, winke!“ — Mit Volldampf in den wohlverdienten Urlaub. — Rechts Ein Schnappschuß vom Schlesiertreffen in Hannover, eine Frau aus dem Erzgebirge in ihrer alten Tracht. (Aufnahmen: Deutsche Bundesbahn). „Was das wirklich heifjt, dieses ewige Baden, Verbinden usw., das weiß nur der, der so wie ich unter hUlidien Eckzemen an Händen und FiiBen litt! Aktiv-Fuder hat mich encfiich davon befreit) Nun gebraucht ihn auch mein Bruder an den Fußen. Er ist ebenfalls so zufrieden wie ich!" So schreibt Charlotte Sikora, Gelsenkirchen, Josefstr. 42. Aktiv-Fuder Ist der große Fortschritt zur Pflege der gesunden und kranken Haut; als geruchbindender Puder zur Körper- und FuBpflege, als SSuglingspuder, gegen Wundsein aller Art, gegen Ausschlag und pldcel, bei Abschürfungen und Verbrennungen sollte er überall stets griffbereit sein! Aktiv-Puder, Streudosen ab 75 Pfg. in allen Apotheken und Drogerien. Denken Sie auch an Klosterfrau Melissengeist für Kopf, Herz, Magen, Nerven! Danksagung Für die herzliche Anteilnahme beim Ableben unseres lieben Verstorbenen Otto Riedfnger sagen wir unseren aufrichtigen Dank. Josi Riedinger Cornelia Riedinger Malsch (Kr. Heidelberg), 8. Juli 1952 Todesanzeige Nach Gottes heiligem Willen ist heute, 10 Uhr, meine liebe Schwester, Schwägerin und Tante Anna Delßler im Alter von 85 Jahren, versehen mit den hL Sterbesakramenten, in die ewige Heimat eingegangen. Wir sagen den lieben ehrwürdigen Schwestern im Versorgungsheim ein herzliches „Vergelts Gott“ für ihre utfopfernde Pflege. Die trauernden Hinterbliebenen. Bruchsal, den 8. Juli 1952 Die Beerdigung findet am Donnerstag, 14 Uhr, statt man s aus! und gonioBr auch di« wärmsten Urlaubstoge unbeschwert: In leichten Shorts und einem kühlen Polohemd! ...so preiswert, daS die Urlaubs kasse nichts davon spürt! Kruse & Kurzenberger Fachgeschäft für gut« Herren- und Knabenkieidung Bruchsal - Worthstrasse 11 (faundUitt tcürlceH: Remstal-Sprudel hilft gesundes Blut bilden Vertretung: Hermann Kochendörfer, Mineralwasser, Bruchsal, Durlacher Straße 85 und Unteröwisheim. Geschäftsempfehlung Ab heute habe ich mein OftaCet- und '&apeiUetyedchä(t in der Joß-Fritz-Siedlung, Franz-Siegel-Weg 18 eröffnet. Um geneigten Zuspruch bittet KARL SCHILLING c^mgrofo^äeSe sind die bekannten 7 Hühnchen, die immer im Vorratssdirank bereitstehen. Die ganze Familie liebt als schmackhaftes Gericht Eiernudeln „Birkel 7 Hühnchen". Ein Mahl, einfach und köstlich wie alle guten Dinge der Welt: BIRKEL 7 HÜHNCHEN UNGEFÄRBT - US! 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Es war ein gemütlicher Tag, wobei die einzelnen Vereine durch Liedvorträge, meistens einfache Volkslieder, alle Anwesenden bestens unterhielten. Nicht vergessen sei der Musikverein, der mit seinen Vorträgen Abwechslung in die Programmgestaltung brachte. Waldbrand in der Nähe von Kronau Kronaü. In einem an der Autobahn gelegenen Waldstück entstand am Sonntagmorgen ein kleiner Waldbrand. Aller Wahrscheinlichkeit war von parkenden Kraftfahrern ein Zigarettenstummel achtlosweggeworfen worden. Das Feuer wurde von der Bruchsaler Weckerlinie gelöscht. Sperre der Landstraße Nr. 152 Oberöwisheim. Wegen Verbreiterung ud Anlage einer Walzschotterdecke mit Oberflächenbehand-: lung wird'die Landstraße II. Ordnung Nr. 152, km 2,47 bis 2,87 bei Oberöwisheim ab 1. Juli 1952 auf die Dauer von voraussichtlich einem Monat für Kraftfahrzeuge aller Art gesperrt. Die Umleitung erfolgt über die Landstraße II. Ordnung Nr. 153. Die Anordnung ist durch Aufstellung der amtlichen Verkehrszeichen getroffen. Wieder Scfaulentlassungsfeler Obergrombach. Da infolge der anhaltenden Trockenheit und der außergewöhnlichen Hitze schon in Kürze mit dem Beginn der Getreideernte zu rechnen - ist, beginnen die Sommerferien an der hiesigen Volksschule bereits am kommenden Montag. Die Ferien -sind gekürzt und dauern 18 Tage, sodaß am 4. August 1952 der Unterricht wieder beginnt. Gleichzeitig mit dem Beginn der Sommerferien endet das frühere 8. Schuljahr. Aus diesem Anlaß wird Klassenlehrer Bauschke am letzten Schultag mit seiner Klasse eine Entlassungsfeier veranstalten. Die kirchliche Entlassungsfeier des 8. Schuljahrgangs wird voraussichtlich am Sonntag während des Hauptgot- tesdienstes stattfinden. Sommerfest der „Liederhalle“ Karlsdorf. Die „Liederhalle“ veranstaltete am Sonntag ihr Sommer- und Gartenfest. Die Gästevereine Liederkranz Spöck, Eintracht Spöck, Eintracht Neuthard und Sängerbund Mingolsheim trugen wesentlich zur Gestaltung des unterhaltsamen Nachmittags bei. Vorstand Heinrich Weschenfelder entbot den vielen Freunden und Gönnern ein herzliches Willkommen. Mit dem Vortrag der beiden Preischöre „Die Ablösung“ und „Ein Jäger aus Kurpfalz“ erntete die „Liederhalle“ wiederum. stärksten Applaus. Dazu wartete der Musikverein mit netten Melodien auf. Die musikalische Umrahmung am Montag besorgte die Hauskapelle Antoni. w. 30 Jahre Priester Oberöwisheim. Am Sonntag beging Pfarrer Georg Schmitt sein 30. Priesterjubiläum und seinen 60. Geburtstag. .Nach der Rückkehr aus den Exerci- tien in Gengenbach, brachten am Samstag der kath. Kirchenchor, der Liederkranz und der Musikverein, bei denen Pfarrer Schmitt Mitglied ist, dem Jubilar ein Ständchen dar. In den Ansprachen der Vorstände kam die Verbundenheit mit dem Jubilar zum Ausdruck. Am Sonntag nach dem Amt wurde Pfarrer Schmitt von den Schülern der Volksschule mit Gesang und Gedichtvorträgen überrascht. Die Freiwillige Feuerwehr hält am Sonntag ihr Gartenfest ab. Altlöwenwirtin Anna Bürck feiert am Freitag ihren 74. Gburtstag. Wir gratulieren herzlich und wünschen alles Gute. Festliche Glodienweihe durch Dekan Urban Drei neue Glocken: Die Christus-, die Gedächtnis- und die Taufglocke Nach dem so erfolgreichen Heimat- und Glockenfest beging am Sonntag die Kirchengemeinde in einem Festgöttesdienst die Glockenweihe. Unter starker Beteiligung der Bevölkerung weihte Dekan Urban, Bretten, die drei neuen Glocken, die Christus-, die Gedächtnis- und die Taufglocke. Zuerst wurde jede Glocke einzeln geläutet. Als dann die neuen Glok- ken mit ihrer älteren Schwester, der Türkenglocke, zusammenklangen, lauschte in Ergriffenheit die Festgemeinde dem stattlichen harmonischen Geläute. In einer tief zu Herzen gehenden Festpredigt wies Dekan Urban in feiner Symbolik auf die Bedeutung der Glocken für den Christen hin. Der Posaunen- und Kirchenchor unter Leitung von Kurt Gromer, ein Schülerchor und der Vereinigte Männergesangverein unter Stabführung von Chormeister Linnebach Die gefährlichen Mißverständnisse So beginnen Mißtrauen und Entfrem düng — Verhängnisvolles Schweigen „Na, gib schon her“, sagte der Mann, nimmt mürrisch die beiden Eimer und geht in den Keller, um Köhlen zu holen. Als er wieder hereinkommt, stellt er sie stumm auf ihren Platz und verläßt wortlos die Küche. Auch die Frau, die gerade dabei ist das Geschirr abzutrocknen, spricht kein Wort. „Auch das ist ihm jetzt schon zu viel“, denkt sie bitter, „und dabei weiß er doch, daß mir das Kohlentragen so schwer wird. Ach, im Grunde ist er doch ein großer Egoist und denkt immer nur an sich“, stellt sie düster fest. Die kleine Freude auf den gemütlichen Abend zu zweit ist wie fortgeblasen. Nein, sie hat eigentlich gar kein Verlangen mehr, sich zu ihm ins Zimmer zu setzen, wenn sie an sein Unfreundliches Benehmen denkt, und so geht ihr die Arbeit viel langsamer als üblich von der Hand. Währenddessen hat ihr Mann seine Zeitungslektüre wieder aufgenommen. „Muß sie mich immer unbedingt dann rufen, wenn ich gerade einen spannenden Artikel angefangen habe?“ denkt er ärgerlich, „und meine Zigarette hat sich auch allein aufgeraucht. So eilig war es schließlich nicht mit den Kohlen, und nicht einmal ,danke“ hat sie gesagt.“ Natürlich, es war, ja selbstverständlich, daß er sie herauf holte, aber so eine kleine Anerkennung hört er ab und zu ganz gerne. Und überhaupt, warum richtet sie ihre Hausarbeit nicht so ein, daß sie sich abends zu ihm setzen konnte? Schließlich hatte er sich den ganzen Tag darauf gefreut. Na, dann wäre es wohl unterhaltsamer, abends auszugehen. Als die Frau dann endlich hereinkam, waren beide so verbittert, daß sie kaum noch ein Wort miteinander sprachen. Jeder fühlte sich verletzt, von dem andern enttäuscht, jeder glaubte, daß ihm unrecht geschehen sei und nährte seinen Groll. Dabei war alles doch nur ein kleines Mißverständnis, das mit ein paar Worten hätte aufgeklärt werden. können, eines von jenen vielen Mißverständnissen, die sich in jede auch noch so gute Ehe einschleichen, sie — wenn sie nicht aus der Welt geschafft werden — trüben und die erste, oft kaum merkliche Entfremdung zwischen den Ehegatten her- vorrufen. Darum sollte man diese ungeklärten Mißverständnisse nicht unterschätzen. Sie siijd meistens viel gefährlicher, als man im allgemeinen denkt, denn — wenn man sie längst vergessen zu haben glaubt — sind sie bei einem anderen ähnlichen Anlaß plötzlich wieder da und machen alles schlimmer, als es in Wirklichkeit ist. Wie ein Zerrspiegel steigern sie die kleinen Schwächen des Partners ins Groteske, so daß der andere garnicht mehr “imstande ist, sich ein richtiges Bild von ihm zu machen. Das ist dann der Beginn der Tragödie, die in vielen Fällen vor dem Scheidungsrichter endet. Scheidungsanwälte und Richter bestätigen, daß viele, wenn nicht die meisten Ehezerwürfnisse in kleinen, unbedeutenden Dingen des täglichen Lebens ihre Ursache haben. Und dabei spielt das Mißverstehen des anderen, dessen Handlungen, Worte oder Gebärden, man falsch auslegt und Motive zugrundelegt, die gar nicht existieren, eine große Rolle. Darum sollte jeder Mann, dem etwas an seiner Frau mißfällt, und jede Frau, die sich durch ihren Mann gekränkt fühlt, dafür nicht gleich eine Lieblosigkeit oder einen Fehler des andern verantwortlich machen, sondern den wahren Ursachen und Gründen für das Verhalten des Partners auf die Spur zu kommen suchen. Und in diesem Fall ist Reden Gold. Selbst ein Vorwurf der zu einer Auseinandersetzung führt, oder ein heftiges Wort, das einen kleinen Streit heraufbeschwört, ist besser als ein stummer Ärger, der nie durch einen erlösenden Redestrom hinweggeschwemmt wird, sondern sich tiefer und tiefer einfrißt, das Vertrauen untergräbt und somit das Fundament der Ehe erschüttert. erweiterten wesentlich die Liturgie. Innigschön erklang das „Wenn die Kirchenglocken läuten“ des Männergesangvereins. Am Sonntagabend fand dann anläßlich der Glok- kenweihe eine schlichte Dankfeier in der Kirche statt. Gedichte und Lieder und ein eigens für die Glockenweihe verfaßtes „Gespräch der vier Glocken“ kamen zum Vortrag. Mit Erfolg und viel Hingabe wurde das Evangelienspiel „Der Ruf“ von Erich Klapproth aufgeführt. Bei der Abendfeier wirkten mit: Kirchen- und Posaunenchor, CVJM, Gemeindejugend, EC. Am letzten Wochenende startete der VdK mit zwei Omnibussen zu einer Rheinfahrt, die einen stimmungsvollen Verlauf nahm. Die Reise ging über Mannheim, Ludwigshafen, Frankenthal nach Worms, woselbst der Dom und das Lutherdenkmal besichtigt wurden. Von Bingen aus fuhren die Teilnehmer mit dem Schiff an sagenumwobenen Burgruinen, an schmucken Städtchen vorbei nach St. Goar. In St. Goarshausen wurde in einem Strandhotel das Mittagessen eingenommen. Weiter gings mit dem Omnibus rechtsrheinisch nach Rüdesheim, hinauf zum Niederwalddenkmal. Drunten im weinfrohen Rüdesheim fühlte man sich anschließend in der Drosselgasse ganz heimisch. Im 74. Lebensjahr starb Maurer Karl Gebhardt, Luisenstraße. Mit ihm hat ein stiller, gütiger Mensch, ein tüchtiger Handwerker, ein großer Freund der Musik das Zeitliche gesegnet. Ueber 50 Jahre gehörte er dem Gesangverein an und war viele Jahre aktiv im früheren Musikverein tätig. Eine große Trauergemeinde gab dem allerorts geachteten Mitbürger das letzte Geleite. Der Gesangverein ehrte sein treues Mitglied durch erhebenden Grabgesang und .Kranzspende. Am 5. Juli feierte Luise Katharina Oberst, geb. Glück, Witwe, ihren 72. Geburtstag. Am 6. Juli wurde Frieda Lautenschläger, Witwe, Luisenstraße, 70 Jahre alt und am 7. 7. vollendete Luise Katharina Oberst, Brückstraße, ihr 73. Lebensjahr. Allen Altersjubila- ren für die Zukunft alles Gute und einen beschaulichen Lebensabend! b. DER Sp&it DER HEIMAT Ia Preis für Nendorf er Liederhranz Hervorragender Sängererfolg beim Preissingen in Nußloch Am Sonntag beteiligte sich der MGV Liederkranz anläßlich eines Sängerjubiläums beim Preissingen in Nußloch. Trotz großer Hitze vollbrachte der Verein eine sehr gute Leistung und errang in seiner Klasse unter stärkster Konkurrenz mit 186,5 Punkten den Ia- Preis. Größte Freude löste dieses Ergebnis bei allen Sängern aus und war der verdiente Lohn für die vielen Mühen und den eifrigen Probenbesuch. Mit Spannung wurde der 105 Sänger starke Chor erwartet. Am Dorfeingang hatte der Spielmannszug der Freiw. Feuerwehr und die Musikkapelle Aufstellung genommen und begleitete den Verein in sein Lokal. Der errungene Majolika-Pokal war der sichtbare Lohn für die gute Leistung. Chorleiter Fritz Groß darf auf seine Sänger stolz sein; denn er hat neben dem Preis auch noch den Dirigentenpreis in Form von einer Majolika-Blumenvase erhalten. Mit einem fröhlichen Beisammensein im Vereinslokal wurde der erfolgreiche Tag beschlossen. Von schwerem Leid wurde die Familie Metz in der Kapellenstraße heimgesucht. Der Vater Ludwig Metz war bei der Firma Gebrüder Prestel, Kieswerke, in Auenheim bei Kehl als Kraftfahrer beschäftigt. Nach Feierabend wollte er sich durch ein Bad erfrischen und schwamm zweimal in das Wasser. Beim zweiten Male versank er lautlos in den Fluten. Trotz eifrigen Suchens konnte seine Leiche erst in den Abendstunden des nächsten Tages gefunden werden. Am Montagabend wurde der auf so tragische Weise Verunglückte unter großer Beteiligung der Bevölkerung zu Grabe getragen. Unter ehrenden Worten wurden Kränze niedergelegt vom Turnverein, von der Firma Gebrüder Prestel, welche besonders die Gewissenhaftigkeit und den Pflichteifer des Verstorbenen hervorhob. Die Firma sieht es als ihre Ehrenpflicht an, der trauernden Gattin und den drei unmündigen Kindern ihre Unterstützung angedeihen zu lassen. Ferner sprachen die Schulkameraden und Arbeitskollegen von Auenheim und Neudorf. Der Kirchenchor sang dem so jäh aus dem Leben Gerissenen am Hause und am Grabe das letzte Lied. Am 7. Juli konnte Rosa Kistner, Bruchsalerstraße, ihren 71. Geburtstag feiern. Herzlichen Glückwunsch. Der MGV Frohsinn beteiligt sich am Sonntag beim Freundschaftssingen anläßlich des 80jährigen Bestehens des MGV Armin Kronau. Er hinterließ mit seinen beiden Chören den besten Eindruck und erhielt reichen Beifall. TSV Brudisal stellt 3 l»i. Meister Großer Erfolg bei den gesamtbadischen Meisterschaften in St. Georgen Die diesjährigen gesamtbadischen Schüler- und Juniorenmeisterschaften der Ringer in St. Georgen bei Freiburg unterstrichen die erfolgreiche Arbeit, die der ASV „Germania unter Leitung seines Trainers Willi Nassner seinem Nachwuchs entgegenbringt. Drei von acht zu vergebenden badischen Meistertiteln der Schüler ist ein großer Erfolg für diesen Verein, zumal nur die besten von Süd- und Nordbaden zugelassen wurden. . , _. _ In der Klasse bis 70 Pfund sicherte sich Kurt Lautenschläger mit 6 Siegen die badische Meisterschaft und hat damit seinen in den letzten Kämpfen immer an den Tag gelegten Kampfgeist erneut bewiesen. Sämtliche Gegner erlitten Schulterniederlagen. In der Klasse bis 90 Pfund verteidigte Wolfgang Scherer .seinen bereits im Vorjahr errungenen Titel erfolgreich und wurde nach sieben harten Kämpfen ebenfalls badischer Meister. Erfreulich ist auch die Tatsache, daß in dieser Klasse Karl-Heinz Hauser hinter Scherer 2. badischer Meister wurde und sich auch Hans Ebersoll an 4. Stelle plazierte. Ebersoll hatte in den Endrunden das Pech, daß er mit seinem Vereinskameraden Scherer und Hauser gepaart wurde. Die dritte badische Meisterschaft holte Rud. Schmitt mit 4 Siegen in der Klasse bis 100 Pfund. In der Klasse bis 50 Pfund war Franz Selna der jüngste Teilnehmer und schaffte trotzdem mit 4 Siegen den Titel eines 2. badischen Meisters. Nach diesen Meisterschaften können vor allem Rudolf Schmitt und Heinz Lautenschläger auf eine sehr erfolgreiche Saison zurückblicken, denn beide wurden neben Kreismeistern auch nordbadische Meister und jetzt gesamtbadische Meister. , , _ Nun folgen am kommenden Wochenende in Bruchsal die gesamtbadischen Meisterschaften der Aktiven. Rund 600 Teilnehmer werden am Start erscheinen und neben der gesamtbadischen Elite wird auch Karl Wolf von Germania Karlsruhe vor seiner Reise zur Olympiade sein großes Können im Hammerwurf nochmals unter Beweis stellen. Gekämpft wird bei dieser Großveranstaltung in sämtlichen schwerathletischen Wettbewerben. Nach den großen Erfolgen der Bruchsaler Schüler in St. Georgen, wäre auch zu wünschen, daß die Aktiven des ASV „Germania“ Bruchsal mit dem gleichen Einsatz gegen die starke Konkurenz antreten und ebenfalls ein günstiges Ergebnis erzielen. 90 Jahre Feuerwehr Wiesental Ehrungen — Enthüllung der Ehrentafel Kameradschaftlicher Ausklang Für 5Öjähr. treue Mitgliedschaft ehrte der Kreisbrandinspektor folgende Veteranen; Max Mayer, Anton Mayer, Otto Mail, Josef Sälzler Gustav Heger, Engelbert Lang, Karl Kremer und Wilhelm Zepp. Mit dem Leitwort: „Der Nächstenliebe heilige Pflicht, vergißt ein rechter Bürger nicht!“, beendete er seine Ehrungsrede. — Mit Chorvorträgen des „Sängerbundes“ sowie Kon- zertvorträgen des Musikvereins e. V. und der „Handharmonikafreunde“ unter Musiklehrer Wefle, fand der offizielle Teil seinen Abschluß. Höhepunkt des Festbanketts, der zugleich tausende von Besuchern auf die Beine brachte, war das ausgezeichnete „Jubi- läums-Feuerwerk“. Nach dem allgemeinen Wecken am Sonntagmorgen wurde von Kommandant Wagenhahn in der Friedhofskapelle eine Ehrentafel für die acht gefallenen und vermißten Feuerwehrleute feierlich enthüllt. — Um 13 Uhr fand auf dem Marktplatz eine große Einsatzübung der Wiesenteller Wehr in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz statt. Der schlagkräftige Einsatz der Wehr wurde eindeutig unter Beweis gestellt. Zum Abschluß erfolgte noch eine interessante Brandbekämpfungsschau der Total-Gesellschaft mit modernsten Feuerlöschgeräten. Um 14 Uhr zog ein großer Festzug sämtlicher anwesenden Wehren unter Vorantritt der Feuerwehrkapelle Stettfeld durch die geschmückten Straßen zum Festplatz. Nach der Begrüßung durch Kommandant Wagenhahn, bei der er auch den Dank für die zahlreiche Beteiligung 2 um Ausdruck brachte, folgten Musikvorträge der Feuerwehrkapelle Stettfeld und der elf anwesenden Spielmannszüge. Mit einem allgemeinen kameradschaftlichen Beisammensein fanden die Jubiläumstage einen harmonischen Abschluß. — Der Leitsatz: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“, ist auch weiterhin die heiligste Verpflichtung aller Wiesentaler Wehr- hänner. -ap- Beim Baden tödlich verunglückt Rh ei ns heim. In Pirmasens kam der von Rheinsheim stammende 28 Jahre alte Otto Sturm beim Baden ums Leben. Bei einem Kopfsprung in nicht genügend tiefes Wässer, erlitt er Verletzungen an der Wirbelsäule. Einen Tag darauf starb Sturm im Krankenhaus. Um ihn trauern neben der Frau auch noch zwei unmündige Kinder. SIEG UBER DAS DUNKEL Unsere Biidgeschichte aus dem gleichnamigen Film der'Universal International mit Arthur Kennedy und Peggy Dow in den Hauptrollen. SCHLUSS 2f. An diesem Abend wollte Chris zu ihm kom- man, um ihm zu sagen, obsie zu ihm hielte oder nicht. Chris war reich und verwöhnt, ihre Eitern waren gegen eine Heirat, seit er blind war. “■*•** Optvj - « meinten sie, könnte man nicht verla ngen. Er wartete, wartete stundenlang. On» karnain and «ab ihm sein War* zurück. .-«dprfF*: 30. Erfuhr wieder nachValley Forge. DerUrlaub war doch schnell zu Ende gegangen. Da stand Joe Morgan am Zug., Joe, bist du es?" - Ja, Larry!" - Joe, wir sind doch nach wie vor Freunde, nicht wahr?“ - Ja, wenn du es willst.“ . Ja, Joe, ich will, ich will sogar sehr, wir brauchen uns!“ Und er schämte «ich der Tränen nicht. 31. Als er avsstieg, Stand sie plötzlich vor ihm. fir rach ihren garten Duft und tastete vorsichtig das liebe Gesicht ab - und dann nahm er sie in seine Arme« Nichts hatte er verloren! Er hatte seine geliebten Eltern, und er hatte Judy, die zu Htm hielt. Er hatte das Herrlichste gefun* den» was einem Mann» zuteil werden kann. I 32. Jetzt sah er seine Zukunft vor sich, und ar sprach es aus: „Wir werden Rechtsanwalt“, und das junge Mädchen verstand das Wort „Wir", verstand, daß er den Sieg Ober das Dunkel errungen hatte, verstand, daß dem Geliebten ein Leben bevorstand, das größer und leuchteader zu w erde » versprach als da» der Iriieedn Heilige Erde HeiTge Erde, So nahm Gott dich einst zur Hand, Sprach: Es werde! Bis Gebild aus Staub und Sand Als sein Gleichnis vor ihm stand. Erde, Erde, Vater-, Mutter-, Bruderland, Unserm Herde Schenke Heimstatt, Fracht nnd Brand, Unsrer Blöße das Gewand! Heimaterde, Gottesgabe, Himmelspfand, Werde, werde! Reichste Habe, verkannt, Sei bewahrt vor Schad und Schand! Josef Bauer.