ßRÜCHSAlER POST Redaktion und Verlag: Bruchsal, WorthstraSe 11« Telefon Nr. 2121 Besngapreia: Monatlich DM 2.80 einschließlich Trägergebflhr. PoatzasteUong DM 2.45 snzöglich Znstellgehühr. — Erscheint es Jedem Tag der Woche, außer sonn« and feiertags RHEINISCHES TAGBLATT SÜDDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG Anzeigenpreise hot Preisliste. *— Bankkonten! Spar, und Kreditbank Bruchsal Kr. 603j Stadt. Sparkasse Philippeburg Nr. 1037. Postscheckkonto! Amt Karlsruhe Nr. 36440. — Bei Störung durch höhere Gewalt besteht kein Ersaganspruch. Kammer 162 Mittwoch, 16. Juli 1952 Einzelpreis 20 Mennig SRP-Propaganda verboten Bundesverfassungsgericht erlöst einstweilige Verfügung - Endgültiges Urteil Anfang September KARLSRUHE. Der Sozialistischen Reichspartei ist am Dienstag durch einstweilige Verfügung des Bundesverfassungsgericht jegliche Propaganda im Bundesgebiet verboten worden. Die SRP und ihre Unterorganisationen dürfen bei Strafandrohung keine Versammlungen nnd Kundgebungen veranstalten. Darüber hinaus wurden der Druck und die Verbreitung jeglicher Propagandaschriften untersagt. Die einstweilige Verfügung wurde von Präsident Dr. Hoepker-Aschoff damit begründet, daS das endgültige Urteil in der Verfassungsklage der Bundesregierung gegen die SRP voraussichtlich erst Anfang September zu erwarten und wegen des agitatorischen Verhaltens der SRP ein Zwi«ohenentsehc*M aus Gründen des Gemeinwohls dringend geboten sei. Ibscfaiedsempfmig für McCloy in Bonn BONN. Bundeskanzler Dr. Adenauer gab am Dienstagabend einen Abschiedsempfang für den scheidenden amerikanischen Hohen Kommissar Mc Cloy. Neben den Hohen Kommissaren, dem gesamten Bundeskabinett, den Präsidenten von Bundestag und Bundesrat, dem stellvertretenden SPD- Vorsitzenden Ollenhauer und dem diplomatischen Corps mit Erzbischof Münch an der Spitze waren zahlreiche Abgeordnete des Bundestages, hohe Beamte der Bundesministerien und der hohen Kommission mit ihren Damen erschienen. In einer Begrüß ungsansprache erinnerte der Bundeskanzler an die Zeit vor drei Jahren, als Mc Cloy noch Müitärgouvemeur in Deutschland war. In diesen Jahren habe er sich die Herzen der Bevölkerung erobert McCloy habe ein großes Verdienst um den Wiederaufbau Deutschlands, und es sei ihm und seiner Gattin persönlich zuzuschreiben, daß sich der Beitrag der Vereinigten Staaten für den Wiederaufbau Deutschlands so positiv ausgewirkt habe. McCloys tiefes Verständnis für die deutschen Probleme und gegenüber dem deutschen Volke habe ihm auf die Dauer einen hervorragenden Platz im Herzen der deutschen Bevölkerung gesichert. McCloy erinnerte daran, daß er schon gegen Kriegsende als stellvertretender amerikanischer Verteidigungsminister nach Deutschland gekommen sei. In einem Rückblick auf die seitdem vergangene Zeit bezeichnete er Bundeskanzler Dr. Adenauer als einen der größten Architekten des neuen Europas. Europa werde Teil einer neuen Welt werden, die siih als Bollwerk der Freiheit und des Friedens allen Angriffen gegenüber behaupten werde. Mit innerer Bewegung sagte McCloy, daß er und seine Familie Deutschland nie vergessen könnten. Nach einem „auf Wiedersehen“, das er dem Bundeskanzler und dem deutschen Volke zurief, brachte Dr. Adenauer ein dreifaches Hoch auf den scheidenden Hohen Kommissar aus. Nationaler Gedenktag am 7. September BONN. Das Bundeskabinett hat am Dienstag beschlossen, den 7. September, den Tag der dritten Wiederkehr der konstituierenden Sitzung des Deutschen Bundestages, als Nationalen Gedenktag zu begehen. Im Bundeshaus soll eine Feier stattfinden. Der Redner der Feierstunde steht noch nicht fest. Wie ein Sprecher der Bundesregierung mitteilte, hat das Kabinett davon abgesehen, den Nationalen Gedenktag zum gesetzlichen Feiertag zu erklären. Ein derartiger Feiertag müsse aus dem Willen der Bevölkerung heraus wachsen. Er könne nicht angeordnet werden. „Kalter Papierkrieg" USA - Sowjetunion WASHINGTON. Das amerikanische Außenministerium ordnete am Dienstag an, daß die Sowjetbotschaft in Washington die Veröffentlichung und Verteilung aller Druckschriften in den USA von sofort an einzustellen hat. Dies ist, wie ein Sprecher des USA-Außenministeriiums mitteilte, die Vergeltung dafür, daß die Sowjets der Verbreitung der amerikanischen Zeitschrift „Amerika“ in der UdSSR alle erdenklichen Hindernisse in den Weg legten. Die Zeitschrift war, wie der Sprecher sagte, in der Sowjetunion so beliebt, daß sie jeweils wenige Stunden nach Erscheinen ausverkauft war, sofern nicht die sowjetischen Behörden intervenierten. Die alten Exemplare wurden sogar auf dem Schwarzen Markt gehandelt. Der Rechtsbeistand der Bundesregierung Dr. Horst Pelckmann hatte zuvor in seinem Schlußplädoyer des SRP-Prozesses darauf hingewiesen, daß die SRP nach Ansicht der Bundesregierung die freiheitliche demokratische Grundordnung beeinträchtigen, ja beseitigen wolle. Es wäre kaum zu verstehen, wenn die sich aufdrängenden Parallelen aus der jüngsten Vergangenheit nicht ausreichen sollten, um die SRP für verfassungswidrig zu erklären. Das von Hitler propagierte System der dauernden Verleumdungen und Lügen trete bei der SRP erneut frech zutage. Auch Staatssekretär Ritter von Lex stellte fest, daß zwischen der NSDAP vor der Machtübernahme und der heutigen SRP eine geradezu bestürzende Aehn- lichkeit bestände. Deutschland habe mit der Entwicklung der NSDAP zur staatszerstörenden Diktaturpartei furchtbare Erfahrungen gemacht. Die Schöpfer der neuen Verfassung hätten daraus die Lehre gezogen, daß Volk und Staat vor einer neuen unheilvollen Entwicklung geschützt werden-müßten. Auch Ritter von Lex sprach die Hoffnung aus, daß das Verfas- BONN. „Für die Sozialdemokratische Partei gibt es in der Frage der deutschen Einheit keinen letzten Versuch, sondern nur das Andauern der Bemühungen, bis das Ziel der deutschen Einheit erreicht ist“, erklärte der SPD-Vorsitzende Dr. Schumacher am Dienstagabend in einer Rundfnnkansprache. Schumacher wandte sich über den Rnndfunk im amerikanischen Sektor Berlins (RIAS) an die Bevölkerung der Sowjetzone. Er betonte, es sei gefährlich, eine etwa zustandekommende Viermäcfatekonferenz als „letzten Versuch“ anzusehen. Der Bundesregierung warf Schumacher vor, daß sie die Versuche der SPD, zu einheitlichen Handlungen zu kommen, abgelehnt habe. Die Vereinigung Deutschlands könne nur durch gemeinsame politische Anstrengungen und durch eine gemeinsame Ueber- nahme des Risikos für alle Teile Deutschlands erreicht werden. Wer sich dieser gemeinsamen Aktion entziehe, verweigere den Bewohnern der Sowjetzone die nationale Gemeinsamkeit, die demokratische und menschliche Solidarität. Wer die Einheit mit militärischen Drohungen betreiben zu können glaube, zeige, daß er sie im Grunde gar nicht wolle. Ein Krieg würde das, was vereinigt werden solle, auslöschen. Schumacher wandte sich gegen die Eile, mit der die sungsgericht die SRP für verfassungswidrig erklären möge. Der Vertreter der SRP, Prof. Dr. Noack, hatte auf eine Stellungnahme verzichtet. Verfassungsklage auch gegen Generalvertrag BONN. Die 144 Bundestagsabgeordneten, die beim Bundesverfassungsgericht Klage wegen Verfassungswidrigkeit des EVG-Vertrages erhoben haben, dehnten diese Klage auch auf den Generalvertrag aus. In einem Schriftsatz vom 7. Juli wird, ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, die Verfassungsmäßigkeit des vorgesehenen Schiedsgerichtes, des Artikels VII, Absatz 2 über die Wiedervereinigung Deutschlands durch eine Integration in die Europäische Gemeinschaft, und der Notstandsklausel bestritten. Schließlich weisen die Antragsteller darauf hin, daß sich die Bundesrepublik im Generalvertrag zu einer Beteiligung an der EVp verpflichtet, was durch Gesetz deutsches Recht werden soll. Die gesamten Vertragswerke zusammen sollten die Beteiligung Deutscher an einer bewaffneten Streitmacht regeln und Deutsche zu einem Wehrdienst verpflichten. Das sei ohne vorausgegangene Ergänzung und Abänderung des Grundgesetzes nicht möglich. Ratifizierung der Bonner Verträge in der Bundesrepublik betrieben werde. Sie beschränke in gefährlicher Weise den Raum der Verhandlungen. Zu den nach der Wiedervereinigung notwendigen Maßnahmen sagte Schumacher, daß die SPD gegen eine Reprivatisierung des Großvermögens in der Sowjetzone sei. Etwas anderes sei die Entschädigung für die vergesellschafteten oder enteigneten Produktionsmittel. Hier vertrete die SPD den rechtsstaatlichen Standpunkt, wie sie es auch beim Bonner Grundgesetz getan habe. Die Bevölkerung der Sowjetzone könne sich darauf verlassen, daß die. SPD ihrer Aufgabe treu bleibt, die Sowjetzone mit gleichen Rechten und Pflichten zum Bestandteil eines in Frieden und Freiheit vereinigten Deutschlands zu machen. Sie denke auch in erster Linie an die Menschen in der Sowjetzone, wenn sie auf Bundestagsneuwahlen dränge. Schumacher widersprach Behauptungen, daß die Bevölkerung der Sowjetzone für die Vertragspolitik der Bundesregierung sei. Die SPD habe ganz andere Informationen. Sie werde stets dagegen ankämpfen, daß die Bundeserpublik größere Verpflichtungen und engere Bindungen zum Ausland übernehme als zu den Deutschen in der Sowjetzone. Eine Aktionseinheit mit den Kommunisten leimte Schumacher ab. Ebenso unwahr sei aber auch die Behauptung, daß sich Sozialdemokratie und Bundesregierung im Grunde einig seien. Sowjetzonenparteien stinunen SED-Bescblüssen za DGB warnt Bundesregierung und Parlament Gewerkschaften wünschen neue Aussprache - Keine Streikaktionen beschlossen Schumacher spricht zur Sowjetzone Viermüchte-Konferenz darf nicht letzter Versuch sein - Keine Reprivatisierung des GroBvermögens DÜSSELDORF. Der Bundesausschuß des Deutschen Gewerkschaftsbnndes appellierte am Dienstag an die Bundestagsabgeordneten, die noch vor den Parla- mentsferien für Freitag dieser Woche angesetzte dritte Lesung des Betriebsverfassungsgesetzes von der Tagesordnung abzusetzen und die Möglichkeit zur erneuten Aussprache über die stritten Punkte zu schaffen- Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion bestätigte jedoch am Dienstag in Bonn den Beschluß der Fraktionsvorsitzenden der Regierungskoalition, das umstrittene Gesetz noch vor den Parlamentsferien in zweiter und dritter Lesung zu verabschieden. Der DGB-Bundesausschuß, das zweithöchste Gewerkschaftsgremium, warnte die Bundesregierung und die Bundestagsabgeordneten in einem einstimmig gefaßten Beschluß davor, ein Betriebsverfassungsgesetz gegen den Willen der Arbeitnehmerschaft zu verabschieden. Neue Streikaktionen wurden nicht beschlossen. Ebenso wurde nicht entschieden, was die Gewerkschaften tun werden, falls ihrem Appell auf Vertagung des Gesetzes nicht entsprochen wird. Von maßgeblicher Seite des DGB-Vorstandes wurde am Dienstag die Ansicht geäußert, daß sich in der Regierungskoalition der Wille der „kleineren Gruppen“ durchgesetzt habe. Es sei jedoch möglich, daß die CDU/CSU in der zweiten Lesung des Gesetzes ihre Ansichten noch in konkreten Abänderungsanträgen zum Ausdruck bringen werde. Der DGB werde sein künftiges Verhalten nach dem Verhalten des Bundestages richten. CDU: DGB-Beschlüsse gemäßigt Ein Sprecher der CDU/CSU bezeichnete. die Beschlüsse des DGB-Bundesausschusses als gemäßigt. Die Verhandlungsbereitschaft der Gewerkschaften zeige, daß die radikalen Elemente nicht die Oberhand gewonnen hätten. Die Entscheidung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zugunsten einer VerabSchiebung des Betriebsverfassungsgesetzes noch vor den Parlamentsferien fiel nach einer bewegten, über vier Stunden dauernden Sitzung, in der die Meinungen für und gegen eine schnelle Behandlung des Entwurfes aufeinanderprall- ten. Der Fraktionsvorsitzende Dr. von Brentano teilte anschließend mit, daß 9ich die Verabschiedung des Gesetzes nicht mehr aufschieben lasse. Der CDU- Abgeordnete Aloys Lenz, der dem linken Flügel der Partei angehört, kündigte mögliche Ueberraschungen bei den Abstimmungen über das Gesetz an. Er deutete an, daß einige seiner politischen Freunde unter Umständen für Gewerkschaftsanträge der SPD stimmen werden. SPD beantragt Vertagung Die SPD-Fraktion wird im Bundestag beantragen, daß die zweite Lesung des Gesetzes einstweilen von der Tagesordnung abgesetzt wird. Andernfalls will sie rund 50 Abänderungsanträge einbringen. Der DGB-Vorsitzende Christian Fette berichtete der SPD- Fraktion am Dienstagnachmittag über die Beratungen des DGB-Bundestagsausschusses. Bundeskanzler Dr. Adenauer wies vor dem Kabi- net darauf hin, daß es nicht in seiner Macht stehe, den Ablauf der parlamentarischen Behandlung des Betriebsverfassungsgesetzes vorzuschreiben. Er unterrichtete das Kabinett über seine Verhandlungen mit dem DGB und den Koalitionsparteien vom Montag. BERLIN. In den Ostberliner Blättern der Sowjet- zonen-CDU, -LDP und -NDP wird am Dienstag übereinstimmend der von der SED-Parteikonferenz geforderte „Uebergang zum Sozialismus“ in der Sowjetzone begrüßt. Die „Neue Zeit“, das Organ der Sowjetzonen-CDU, schreibt: „Ein Uebergang zum Sozialismus bedeutet eine entscheidende Etappe vorwärts auf dem Weg in den Frieden.“ Daran mitzuarbeiten „muß gerade den Mitgliedern und Freunden der CDU leichtfallen“, weil sie sich in der Vergangenheit „bereits mehrfach und mit der notwendigen Entschiedenheit zum Sozialismus bekannt hat.“ Der „Morgen“, das Zentralorgan der Sowjetzonen-LDP, erklärte: „Die werktätigen Kräfte unserer DDR haben hier mit dem Beschluß, daß der Sozialismus aufgebaut werden soll, den Weg beschritten, um das Schicksal Deutschlands in die rechte Bahn zu lenken“. Badebetrieb auf Helgoländer Düne Mehr als sieben Jahre nach dem Kriege begann am letzten Wochenende auf der Düne vor der Insel Helgoland wieder sommerlicher Badebetrieb. Die ersten Badegäste, die gegen Mittag mit einem Ausflugsschiff nach stürmischer XJeb erfahrt aus Cuxhaven ankamen, wurden in einem Zeltrestaurant und an mehreren Verkaufsständen mit zoll ■ freien Zigaretten und unversteuertem Alkohol überrascht. | Schlimmer als befürditet /on unserem Berliner KR-Vertreter Bereits in den Wochen vor der Parteikonferenz der SED in Ostberlin hatte es aus eingeweihten Kreisen gerüchtelt, daß umwälzende Beschlüsse zu erwarten seien hinsichtlich des Staatsaufbaues der Sowjetzonenrepublik wie bezüglich der Agrarverfassung. Für den ersteren wurde ein straff zentralistischer Einheitsstaat, für die letztere die berüchtigte Kolcho- sierung angekündigt. Das vom Generalsekretär der Partei, dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Ulbricht, in über dreistündiger Rede verkündete Aktionsprogramm bleibt in diesen beiden Punkten zwar hinter den Voraussagen zurück; in anderen, noch wesentlicheren aber läßt es jegliche Befürchtung hinter sich. Nachdem es die SED-Presse schwarz auf weiß über die ganze Zone verbreitet hat, entstand in der Bevölkerung geradezu eine Verzweiflungsstimmung. Denn eine Durchführung bedeutet einen revolutionären Umsturz der ganzen bestehenden staatlichen, wirtschaftlichen und rechtlichen Zustände mit dem Endergebnis einer völligen Sowjetisierung. Angesichts dieses Programms kann die knapp drei Jahre alte sowjetzonale Verfassung ebenso in den Papierkorb wandern wie die seit sieben Jahren gepriesene Blockpolitik, wenngleich diese angesichts der immer unverhüllteren Diktatur der SED ohnehin schon zur Farce geworden war. Ulbrichts Ankündigungen machen zunächst einen Strich durch die fünf Länder der Sowjetzone, durch ihren Regierimgsapparat und ihre Parlamente. Statt ihrer wird die Zone in 15 „Bezirke“ aufgeteilt, mit einem Präsidenten an ddr Spitze, der unmittelbar von der Zentralregierung resörtiert und dem ein „Bezirksrat“ zur Seite steht, der aufrichtiger Bezirks- Sowjet hieße. Für die Wirtschaft hat der heimliche Zar Mitteldeutschlands als „ökonomische Grundlage den volkseigenen Sektor der Wirtschaft, die volkseigenen Güter und die Maschinen-Ausleih-Stationen“ bezeichnet und angekündigt, von dem „verschärften Klassenkampf“ sollten lediglich „kleine Privatunternehmen“ verschont bleiben, mit der zynischen Begründung: „Wir sind nicht gewillt, dem Staate die Last des Unterhalts dieser Schichten aufzubürden.“ Wobei er nicht versäumte, die verhaßten „Großbauern“ noch mit einer besonderen Kampfansage zu bedenken. Zwar fehlt noch der letzte Schritt, die Kolchose, aus einstweiligem Respekt vor dem Eigentumsgefühl der Kleinbauern und Neusiedler, aber sie zeichnet sich als Endziel deutlich genug ab. Die wirtschaftliche und soziale Bedeutung dieses Marsches in die Vollsozialisierung wird klar, wenn man weiß, daß heute noch zahlenmäßig die Privatbetriebe etwa 60 Prozent der Gesamtzahl au9machen, freilich mit einem weit geringeren Prozentanteil an der Produktion in Industrie und Handwerk, nicht wegen ihrer minderen Leistungsfähigkeit, sondern als Folge der Benachteiligungen bei der Material- und Auftragszuteilung, bei Vertragsabschlüssen. Submissionen, nicht zuletzt auch in der Besteuerung. Um an dem angestrebten sowjetischen Vorbild keinen Zweifel zu lassen, empfahl Ulbricht dem Handwerk dringend den Zusammenschluß in Genossenschaften, die vermutlich ebenfalls getreu nach der Art der sowjetischen „Artels“ organisiert werden sollen. Man könnte sagen, das alles beträfe nicht die breite Masse, sondern nur die Schicht des Unternehmertums im weitesten Sinne. Aber in dem Programm ist auch für den letzten einzelnen gesorgt, von der Seite des Rechts her. Auf diesem Gebiet soll zunächst völliges Brachland geschaffen werden mit der Beseitigung aller bestehenden Rechtsgrundlagen, des BGB, des Strafgesetzbuches, der zivilen und strafrechtlichen Verfahrensordnungen und des Familienrechts. Aus diesem Chaos soll dann ein „sozialistisches Recht“ emporwachsen, Instrument nicht mehr eines objektiven Rechtgedankens, sondern der subjektiven Staatsgewalt. Ein Zukunftbild, für das die „Rechtsprechung“ der östlichen Volksrichter schon weitgehend Vorarbeit geleistet hat. Aus dem mit all diesen „Fortschritten“ angestrebten Endziel hat Ulbricht kein Hehl gemacht; er hat offen betont, daß es sich darum handele, die Sowjetzone zur „Volksdemokratie“ fortzuentwickeln, worin schwerlich etwas anderes erblickt werden kann als die endgültige Einbeziehung in das politische, wirtschaftliche und neuerdings auch unverhohlen militärische System des Kommunismus und in den Moskauer Machtbereich. Woraus in politischen Kreisen der Zone und Westberlins Zweifel abgeleitet werden, ob man nicht in Moskau bereits einen Schlußstrich unter die gerade von dort her so eifrig gestarteten Gedanken der deutschen Wiedervereinigung und einer gesamtdeutschen Regierung gezogen hat Denn dieses Aktionsprogramm der SED praktisch durchführen, heißt die Kluft zwischen den beiden Teilen Deutschlands bis zur Unüberbrückbarkeit erweitern. Noch keine Einigung im Stahlstreik WASHINGTON. Die am Dienstag in Pittsburgh zwischen Vertretern der amerikanischen Stahlarbeiter-Gewerkschaft und der Industrie geführten Verhandlungen über eine Beilegung des schon über sechs Wochen dauernden Stahlarbeiterstreiks in den USA blieben ergebnislos. Beide Verhandlungspartner warten jetzt auf neue Maßnahmen der Regierung. Die amerikanische Regierung gab am Dienstag alle Stahlvorräte für den zivilen Bedarf frei, die nicht unmittelbar für die Rüstung benötigt werden. Mit dieser Maßnahme soll ein weiteres Ausbreiten der Arbeitslosigkeit verhindert werden. Der Stahlarbeiterstreik hat bisher über eineinhalb Millionen Menschen arbeitslos gemacht. Der Produktionsausfall wird bis Ende dieser Woche fünfzehn Millionen Tonnen Stahl betragen. Nach einem zweieinhalb Monate dauernden Streik nahmen am Dienstag die Arbeiter der Shell Oel- gesellschaft und der „Shell Chemical Corporation“ in Houston (Texas) die Arbeit wieder auf. Damit ist der große Oelarbeiterstreik, der im Mai und Juni zu starken Einschränkungen des Flugverkehrs geführt hatte, im wesentlichen beigelegt. Seite 2 / Nummer 162 Mittwoch, 16, Juli 1952 Stuttgart stimmt Lastenausgleichgesetz zu Verh a ndlun g en über die Besetzung der BegierangsprBsidieii »Berlin gehSrt ganz Deutschland" Reuter wieder Präsident des Deutschen Städtetages BERLIN. Zum Präsidenten des Deutschen Städtetages wurde am Dienstag — dem zweiten Tage der Hauptversammlung in Berlin — der regierende Bürgermeister von Berlin, Prof. Reuter, einstimmig wiedergewählt. Vizepräsident des Deutschen Städtetages wurde der Kölner Oberbürgermeister Dr. Schwering. Zu stellvertretenden Präsidenten wurden der Kieler Oberbürgermeister Gayk und der Augsburger Oberbürgermeister Dr. Müller gewählt. Reuter betonte nach seiner Wiederwahl, daß der Deutsche Städtetag das Interesse der Gesamtheit des Bundes und seine Ziele verfolgen werde. Als bleibendes Zeichen des Dankes für die Baumspende deutscher Städte und Länder für den Berliner Tiergarten enthüllte Prof. Reuter am Dienstag in Anwesenheit der Mitglieder des Deutschen Städtetages einen Gedenkstein. Der Stein trägt die Namen aller Städte und Länder, die zur Aufforstung des Tiergartens Bäume und Sträucher spendeten. Der Hamburger Bürgermeister Brauer hob hervor, daß es sich alle deutschen Städte und Länder zur Ehre anrechnen, an diesem Wiederaufbauwerk mitzuarbeiten. „Berlin gehört nicht nur den Berlinern, diese Stadt gehört ganz Deutschland“, rief er aus. Ganz Deutschland müsse auch dazu beitragen, daß die Arbeitslosigkeit, Berlins dringendstes Problem, beseitigt wird. Carlo Schmid dementiert „Expressen" BONN. Prof. Carlo Schmid (SPD) dementierte am Dienstag einen Bericht der schwedischen Abendzeitung „Expressen“, in dem ein Gespräch zwischen ihm und dem Bonner Korrespondenten des Blattes über die Ziele der SPD veröffentlicht wurde. Prof. Schmid betont hierzu, daß die Veröffentlichung das Gespräch in fast allen Punkten entstellt wiedergegeben und zum Teil ins Gegenteil verkehrt habe. Hobe USÄ-RiistungsauftiSge an Europa PARIS. Die amerikanische Streitkräfte in Europa haben, wie am Dienstag in Paris bekanntgegeben wurde, in dem Ende Juni abgelaufenen Finanzjahr in Europa Rüstungsaufträge in Höhe von rund 684 Millionen Dollar (2,9 Milliarden DM) vergeben. BONN. Das Bundeskabinett verabschiedete am Dienstag den Entwurf eines Familienrechtsgesetzes, das die Gleichberechtigung von Mann und Frau sichern soll. Der Entwurf kommt damit vor den Bundestag und Bundesrat Die Mehrheit des Kabinetts vertrat, wie ein Regierungssprecher mitteilte, die Ansicht, daß es dem Grundgesetz nicht widerspricht, wenn die Entscheidung über gemeinsame eheliche Angelegenheiten dem Manne verbleibt. Daher wurde der Antrag des Bundesjustizministeriums abgelehnt, den Paragraphen 1354 des BGB, ln dem die Entscheidungsbefugnis des Mannes verankert ist ersatzlos zu streichen. Die Kabinettsmehrheit wies darauf hin, daß nach dem Artikel VI des Grundgesetzes Ehe und Familie unter besonderen Schutz gestellt werden. Ein Abweichen vom Prinzip der Gleichberechtigung sei deshalb zu recht- fertigen. Ministerialdirektor Dr. Petersen vom Bundesjustizministerium teilte mit, daß nach dem Gesetz Entscheidungen über gemeinsame Angelegenheiten im allgemeinen von den Ehegatten gemeinschaftlich getroffen werden sollen. Nur dann, wenn eine Einigung nicht zustande komme, erwachse für den Mann das Recht und die Pflicht, eine für beide Teile tragbare Regelung zu treffen. Das Kündigungsrecht des Mannes für Arbeitsverhältnisse der Frau sei abgeschafft worden. Die Frau habe ein Recht zur selbständigen Arbeit, soweit dadurch ihre ehelichen Pflichten nicht verletzt werden. Die Schlüsselgewalt liege ln Zukunft nicht mehr einseitig bei der Frau. Auch der Ehemann werde berechtigt sein, mit auch seine Frau verpflichtender Wirkung Vorkehrungen zum allgemeinen Familienunterhalt zu treffen. Die Unterhaltspflicht für die Familie, die bisher fast ausschließlich dem Mann auf- etlegt war, bestehe in Zukunft für beide Teile. Die Frau habe aber da® Recht, ihre Unterhaltspflicht durch Hausarbeit abzugelten. Auch im Verhältnis der Eitern zu den Kindern soll das Gesetz dpa Gleichberechtigungsprinzip verwirklichen. Vater und Mutter sollen gleichrangig die volle elterliche Gewalt haben. Nur dann, wenn ein gütlicher Ausgleich nicht möglich ist, aoll die Entscheidung vom Vater gefällt werden. Diese Bestimmung, so erklärte Petersen, sei notwendig, um aus der Uneinigkeit der Eltern entstehende Schäden für STUTTGART. Die Vertreter des Landes Baden- Württemberg werden in der kommenden Bundesratssitzung am Freitag dem Lastenausgleichsgesetz entsprechend den Vorschlägen des Vermittlungsausschusses zustimmen. Diesen Beschluß faßte die Landesregierung von Baden-Württemberg am Dienstag in einer Ministerratssitzung. Vertriebenenminister Fiedler (BHE) erklärte nach der Sitzung vor der Presse, das Lastenausgleichsgesetz könne keineswegs als gut bezeichnet werden. Aber es müsse einmal ein •Anfang gemacht werden. Er hoffe, daß das Gesetz später noch verbessert werde. Dagegen bat die vorläufige Regierung von Baden- Württemberg in der Dienstagsitzung noch keinen Beschluß darüber gefaßt, wie sich die Vertreter des Landes im Bundesrat bei der gleichfalls für Freitag vorgesehenen Abstimmung über das Gesetz über die Inanspruchnahme.der Länder durch den Bund verhalten sollen. Ministerpräsident Dr. Maier erklärte dazu vor der Presse, daß das Land Baden-Württemberg viele der geplanten großen Aufgaben, wie Wohnungsbau, Elektrifizierung und Ausbau der Wasserversorgung, nicht in dem geplanten Umfang durchführen könne, wenn das Gesetz in der vorgesehenen Form verabschiedet werde. Dr. Maier kündigte an, daß Justizminister Renner und einige Beamte des Finanzministeriums in den nächsten Tagen mit dem Bundesfinanzminister Besprechungen führen und ihn auf die besondere finanzielle Lage des Landes Baden-Württemberg hinweisen werden. Die Regierung hat Ministerpräsident Dr. Maier beauftragt, wegen der Besetzung der Aemter der Regierungspräsidenten im neuen Bundesland mit drei Persönlichkeiten Besprechungen zu führen, und zwar im Landesteil Südbaden mit dem DVP/FDP-Abgeordneten der Verfassunggebenden Landesversammlung Dr. Wäldlin, im Landesteil Nordbaden mit Landgerichtsdirektor Dr. Hans Huber, Heidelberg, und im Landesteil Südwürttemberg mit Landgerichtspräsident Hermann Bendel, Ravensburg. Wie Ministerpräsident Dr. Maier nach der Ministerratssitzung mitteilte, wird als Sitz des Regierungs- das Kind zu vermeiden. Die Mutter erhalte das Recht, das Vormundschaftsgericht anzurufen, das dem Vater die elterliche Gewalt entziehen könne. Bei Scheidungen soll die volle elterliche Gewalt dem Eltem- teil übertragen werden, dem die Kinder zugesprochen sind. Ein Aufteilen der elterlichen Gewalt, wie eg nach dem jetzigen Rechtzustand möglich ist, soll unterbleiben. Der Vatemame ist der Name des Kindes. Der Aussteueranspruch der Tochter soll in Zukunft fortfallen. Beim ehelichen Güterecht ist die allgemeine Gütertrennung als gesetzlicher Güteretand vorgesehen. Bei Auflösung der Ehe soll aber ein Ausgleich der erworbenen Vermögenswerte stattfinden. Der Teil, der mehr Vermögen angesammelt hat, wird verpflichtet, etwas mehr als ein Drittel dem anderen Ehegatten abzugeben. Doch bleibt die Möglichkeit unberührt, andere Güterstände zu vereinbaren. BONN. Der russische Ingenieur Eugenij Sergeje- witsch Wolchansky, der sich vor kurzem mit Hilfe deutscher Freunde nach Westen abgesetzt und von den Amerikanern Asyl als politischer Flüchtling erhalten hat, erklärte am Dienstag in Bad Godesberg, die Angst der Sowjetregierung vor dem eigenen Volk sei nach seiner Ansicht der wesentliche Grund, der die Sowjetunion davor zurückschrecken läßt, einen offenen Krieg zu beginnen. Kein Spitzel und keine politische Polizei sei in der Lage, die wachsende Unzufriedenheit und den wachsenden Widerstandswillen der Bevölkerung der Sowjetunion und der sowjetischen Armee aufzuhalten. Wolchansky, der zuletzt als Ingenieur und Vorgesetzt«: von 150 deutschen Technikern in der Sowjetzone tätig war, sagte, ein Krieg könne eine Revolution in der Sowjetunion auslösen, sofern er sich nur gegen das sowjetische System richte. Rn zweiten Weltkrieg sei eine Revolution unterblieben, weil das russische Volk überzeugt war, daß Hitler das russische Volk zu einem Kolonialvolk machen wollte. Wolchansky erklärte, daß die sowjetischen Behörden in den Jahren 1947 und 1948 begonnen hätten, bezizks für den Landesteil Nordwürttemberg voraussichtlich Ludwigsburg bestimmt werden. Die Frage der personell«! Besetzung des Regierungspräsidenten für Nordwürttemberg könne jedoch erst später behandelt werden. Wie Dr. Maier weiter sagte, wird Tübingen vorerst Sitz des Regierungspräsidenten für Südwürttemberg bleiben, eine endgültige Entscheidung könne erst nach der Verabschiedung der Verfassung getroffen werden. Dann könne auch über eine Verlegung des Sitzes von Tübingen nach Sigmaringen gesprochen werden. Ministerpräsident Dr. Maier erklärte ferner, die Landesregierung werde die Bestrebungen der Stadt Karlsruhe unterstützen, daß die Eisenbahndirektion Karlsruhe wieder ihren früheren Zuständigkeitsbereich erhält. DVP-FDP-Froktion billigt Maier STUTTGART. Die DVP/FDP-Fraktion der Verfassunggebenden Landesversammlung Baden-Württemberg büligte am Dienstag in Stuttgart einstimmig die Haltung der Delegierten der Landesverbände Württemberg-Baden und Südbaden auf dem FDP- Bundesparteitag in Essen. Ferner begrüßte die Fraktion einmütig die von Ministerpräsident Dr. Maier und dem Landesvorsitzenden Dr. Haussmann zu dem Beschluß des Parteitages in Essen abgegebenen Erklärungen, nach denen zu einer Auflösung oder einer Umbildung der Koalition in Baden-Württemberg kein Anlaß besteht. Die SPD-Fraktion der Verfassunggebenden Landesversammlung nahm am Dienstagabend „mit Genugtuung“ von der Erklärung der DVP/FDP-Fraktion zu den Beschlüssen des FDP-B undesparteitages in Essen Kenntnis. Die SPD-Fraktion ist davon überzeugt, daß die vorläufige Regierung des Landes Baden-Württemberg ihre Aufgaben „trotz aller Ein- mischungsversuche von Unberufenen außerhalb des Landes“ zum Wohle der Bevölkerung des neuen Bundeslandes lösen wird. Amerika - Frankreich - Deutschland STUTTGART. Waldemar Gurian, Professor für politische Wissenschaft an der Universität Notre Dame im Staate Indiana (USA) erklärte am Montag in Stuttgart, viele amerikanische Politiker neigten dazu, ihre Eur'opapolitik mehr auf die Bundesrepublik zu gründen als auf Frankreich mit seinen ständigen Kabinettkrisen und seiner starken Kommunistischen Partei. Frankreich, das sich von der Niederlage im Jahre 1940 noch nicht erholt habe und in der Europa-Armee und im Schumanplan das Gegenmittel gegen die befürchtete Wiedererstarkung Deutschlands sehe .werde die amerikanische Deutschland-Politik nicht behindern können. Im Gegensatz zu Frankreich glaube Amerika, daß man das Risiko einer deutschen Aufrüstung getrost auf sich nehmen könne. Amerika teüe auch nicht die französische Furcht, daß eines Tages deutsche Kontingente über die Oder-Neiße-Linie marschieren würden. Der Glaube Amerikas, daß sich die Einigung Europas in kurzer Frist vollziehen könne, habe sich jedoch als ein Irrtum erwiesen. Man habe in Amerika geschichtliche Belastungen und Traditionen unterschätzt, die einer raschen europäischen Vereinigung im Wege stehen. die deutschen Kriegsgefangenen systematisch vor der Oeffentlichkeit zu verbergen. Trotzdem wisse das russische Volk, daß immer noch deutsche Kriegsgefangene in abgelegenen Lägern zurückgehalten würden. Dem sowjetischen Militär- und Zivilversonal in Deutschland wird nach Angabe Wolchanskys der Glaube eingehämmert, daß es in Feindesland unter einem Volk lebt, das die Sowjets haßt und jede Gelegenheit benutzt, der Sowjetunion Schaden zuzufügen. Aus dieser Einstellung heraus sei die ganze Politik der Sowjetunion in der Sowjetzone zu verstehen. Wolchansky sagte, daß eine Politik wirklicher Freundschaft in Deutschland den Sowjets noch größeren Schaden zufügen würde als die gegenwärtige Isolierungspolitik. Wenn den Russen der freie Umgang mit Deutschen erlaubt würde, würden sie die Freiheit kennenlemen, deren sich die Menschen selbst noch in der Sowjetzone erfreuen. Derartige Vergleiche können die Sowjets jedoch nicht zulassen. Den Hauptgrund für die Errichtung der toten Zone zwischen der Bundesrepublik und der Sowjetzone sieht Wolchansky darin, die Jugend der Sowjetzone daran zu hindern, sich der Wehrpflicht zu entziehen. Kein Untersnchungstribunal für „Boten Dekan" LONDON. Die Einsetzung eines Untersuchungstribunals, vor das der Dekan von Canteibury, Dr. Johnson, gestellt werden könnte, lehnte Churchill am Dienstag im Unterhaus ab. Er sagte, durch die Bildung eines solchen Tribunals würde man der Tätigkeit des Dekans mehr, Bedeutung beimessen als sie verdiene. Anlaß zu dem Vorschlag war die öffentlich Behauptung des Dekans gewesen, er habe Beweise dafür, daß die UNO-Truppen im Femen Osten Bakterienkrieg gegen Nordchina führten. Auf die Frage eines Abgeordneten, ob der Premierminister „diese traurige Figur“ zu einem Psychiater schicken könne! gab Churchill keine Antwort. Zweiter Bekord der „United States" • AN BORD DER UNITED STAATES. Auch auf der Rückreise in ost-westlicher Richtung über den Nordatlantik errang der neue amerikanische Luxusdampfer „United States“ den Rekord, der bisher von dem britischen Dampfer „Queen Mary“ gehalten wurde. Um neun Stunden 33 Minuten schlug die „United States“ die Zeit der „Queen Mary“. Während die „Queen Mary“ in ihrem bisherigen. Rekord — der vor 14. Jahren aufgestellt worden war — drei Tage 21 Stunden und 45 Minuten zur Ost-West- Ueberquerung gebraucht hatte, benötigte die „United States“ nur drei Tage 12 Stunden, 12 Minuten. Mit Hubschraubern über den Itlantik FLUGPLATZ WESTOVER. Zum erstenmal in der Geschichte der Luftfahrt starteten am Dienstagmittag (deutscher Zeit) vom amerikanischen Militärflugplatz Westover im Staate Massachusetts zwei große Hubschrauber zu einem Flug über den Nordatlantik nach Europa. Schwerbeladen mit großen Benzinvorräten rollten die beiden Hubschrauber langsam die Startbahn entlang — ein seltsamer Anblick im Vergleich zu den Starts in Höchstgeschwindigkeit, mit denen normale Flugzeuge aufsteigen. Die beiden Hubschrauber werden von einer viermotorigen „Skymaster“ der USA-Luftstreitkräfte begleitet. Der Flug, der in sechs Abschnitten durchgeführt werden soll, dient zur Erkundung der Möglichkeiten der Ablieferung von Hubschraubern in Europa auf dem Luftwege. KoiroexpieB entgleist im Nil-Delta KAIRO. Der Schnellzug Kairo — Damiette entgleiste am Dienstag in der Nähe von Tantafa im Nil- Delta. Mehrere Personen fanden dabei den Tod, zahlreiche andere erlitten Verletzung«!. Das Unglück geschah, als der Zug nach Passieren des Bahnhofs von Tantah über eine Weiche fuhr. Dabei sprang die Lokomotive aus den Schienen und riß die Wagen der ersten Klasse mit sich. Zu den Opfern des Unglücks, unter denen sich auch der. Lokführer befindet, sollen mehrere prominente Persönlichkeiten gehören. Ankara fürchtet Pest-Epidemie von Mekka ISTANBUL. Die türkische Regierung hat am Montag die Polizeibehörden angewiesen, für Mekka-Pilger keine Pässe mehr auszustellen. Als Begründung wird angegeben, in Mekka und Umgebung herrsche eine Pest-Epidemie. Selbst Inhaber von Pässen, die bereits den Sichtvermerk tragen, soll«i an der Ausreise gehindert werden. Schreckenszenen bei Hotelbrand in Alaska FAIRBANKS (Alaska). Zu Schreckensszenen kam es, als am Montagabend ein aus Holz errichtetes dreistöckiges Hotel in Fairbanks (Alaska) niederbrannte. In dem Hotel waren mehr als zweihundert Menschen untergebracht. Es wird angenommen, daß sich fünf vor den sich schnellausbreitenden Flafßnj£$ nicht mehr retten konnten und umkamen. lieber- lebende behaupten allerdings, daß die Zahl der Todesopfer eine Vielfaches dieser Zahl beträgt. Acht Personen wurden mit schweren Brandwunden in das Krankenhaus eingeliefert. Die Polizei hat die Ueber- lebenden aufgefordert, sich zu melden, um durch eine Zählung Gewißheit über die Anzahl der Opfer zu erhalten. BONN. Der ehemalige Feldmarschall Kesselring, der, zur Zeit eine von einem britischen Militärgericht verhängte lebenslängliche Haftstrafe in der Strafanstalt Werl verbüßt, ist von den britischen Behörden beurlaubt worden, um sich in einer Privatklinik in Bochum einer Operation unterziehen zu können. LONDON. Königin Elizabeth II. mußte sich am Dienstag mit einer leichten Erkältung nach einem offiziellen Empfang im Buckingham-Palast in ihre Gemächer zurück ziehen. Die Königin hat ihre weiteren Verpflichtungen einstweilen abgesagt. UNO —NEW YORK. Die Bemühungen der arabisch-asiatischen Staatengruppe, eine Sondersitzung der UNO-Vollversammlung zur Behandlung der Tunesienfrage einzuberulen, sind, wie unterrichtete Steilen bei der UNO mitteiiten, gescheitert. TOKIO. Die Japanische Polizei verhaftete am Dienstag 116 Personen, als die japanischen Kommunisten im ganzen Lande rund 200 Treffen zur Feier des 30. Jahrestages der Gründung der Japanischen KP abhielten. Keine volle Gleichberechtigung Bundeskabinett verabschiedet neues Famiiienrectrisgesetz - Unterhaltspflicht für beide Teüe Sowjetzone wird als Feindesland betrachtet Isolierangspolltik der Sowjets aus Mißtrauen und Furcht vor dem deutschen Beispiel „Die Frau oom Moor" Haimotromaa von Maria Barehianb raitar All« Reihte: Prometheus-Verlag, Gröbenzell 52. (Nachdruck verboten) „Lies das, Hartl!“ sagte sie schwer. „Du hast dich getäuscht, Blindwütiger du! Eine Diebin ist die Elis nicht gewesen. Sie bat mir geschrieben, daß ich dir das Geld gleich zurückgeben soll, sie hätt's bloß geliehen. Und ich schwör dir, Hartl, bei meinen toten Eltern schwör ich dir: ich hätt's dir gegeben. In drei Tagen hättest du dein Geld wieder gehabt und wenn ich es einstweilen hätt zusammenbetteln müssen. Sag also nicht, daß eine Weidacherin dich bestohlen hat, du!“ Ist es so recht, Elis? dachte die Walp. Ist das der Kranz, den du verlangt hast von mir, der deckende, schmückende Kranz für dein Grab? Hast mich deshalb so gerufen, immerzu nach mir gerufen, mir keine Ruh gelassen bei Tag und bei Nacht und mich hinaufgelockt in deine Kamm«-, daß ich es endlich finden tu, das Geschriebene von dir? O Elis! Elis! längeschüchtert bückte der Knecht auf die Walp, die so seltsam fremd und hochmütig dreinschaute wie noch nie. Denn trat der Hartl dicht unter die Lampe und las mit zwinkernden Augen den Brief der Elis den sie geschrieben hatte, ahnungslos eine Stunde vor ihrem Tod. Und der Hartl schluchzte, daß es ihn stieß. Ganz naß war das alte Schulheft, als er es endlich zurückgab. Dabei berührte seine Hand Walps Finger. Sie zuckte. Da nickte er bitter. Aber die Walp sah ihn gar nimmer an. Ihre Augen suchten die Rake. Und die Alte begriff, daß nun auch sie vor den Richter zu treten hatte, der heute noch — Walp Weidacherin hieß. Lautlos glitt sie neben die Walp ans Fenster. „Schau, Walp“, deutete sie, „da drüben hinter dem Heckenzaun, da hab ich der Elis die Augen zugedrückt. Der Hartl hat sie dorthin geschleppt, von der Straße weg, wie der Breitlechner mit seinem Fuhrwerk dahergekommen ist Ich bin abgestiegen und der Bauer ist weitergefahren. Aber im Haus war alles leer. Kein Hartl, keine Elis! Ich hab eine Weile gerufen und bin dann wieder hinaus. Und da ist auf einmal der Hartl dahergekeucht, schwankend wie ein Betrunkener. Komm schnell! hat er gesagt Grad ist die Elis gestorben . . „Hat sie nix mehr sagen können? Kein Sterbens- wörti?“ „Es war gleich aus . . .“, sagte der Hartl und stieß mit der Fingerkuppe gegen seine linke Schläfe. „Da hinein ist der Schuß“. Da nickte die Walp, die es ohnehin wußte. Ein langes Schweigen trat ein. Die drei Menschen Starrten vor sich hin, als stünden sie an einem offenen Grab. Dann begann die Alte behutsam: „Es war mein Gedanke, Walp, die Elis im Moor zu bergen: denn wie mir der Hartl alles erzählt hat, hab ich wieder soviel Uhehr heraufsziehen sehen über den Hof, soviel böses, neues Dorfgeschrei hat mir in den Ohren geschrillt und war doch das alte noch nicht vollends verstummt Da hab ich mir geschworen: Das erspar ich der Walp! Dieser Sarg aus dem Moorhof kommt mir nimmer unter die Leut! Und schau, Walp, das Pia tri, das ich der Elis bereitet hab, ist soviel schön und voller Frieden. Du kennst es ja schon“. Die Augen der Walp wurden weit: Dr« grüne Jungfräulein, drei Moorbirken wehten im Wind — darunter ein Hügel, den die Rake mit wilden Rosen bepflanzen wollte. Noch einmal durchbrauste die Walp tief innen ein tosender Sturz von Schmerz. Aber sogleich legte sich wieder die Ruhe jener einsamen Birkenbank darüber, die blaue Unendlichkeit von Himmel und Moor, der Schlaf unter Mohn, der Herzschlag der großen Stille: dah-doom — dah-doom — dah-doom . . . Und die Alte fuhr fort: „Wir haben sie einige Zeit in meiner Hütte verwahren müssen, die Elis, bis es nimmer möglich war. Dann haben wir dich in die Stadt geschickt, Walp, zum Peter. An diesem Tag haben wir sie begraben. Den Sarg hat der Hartl gezimmert Meinst nicht Walp, daß er bei so einer Arbeit seinen gachen Zorn gebüßt hat?“ Fast war es der Walp, sie müsse nun nicken, alles gutheißen, was die Rake angeordnet hatte, alles geben und fließen lassen wie es wollte nur manchmal zur schlafenden Elia gepilgert kommen mit einem Arm voll Blumen, lauter Moorblumen, gelben Ginster, blauen Günsel, Heidekraut und — roten Mohn. Schön war das Sommermoor. Aber wollte die Elis wirklich darin schlafen? Sie, die es im Leben nie so einsam haben wollte? Hatte nicht jene freundliche Traum-EIis so reisefertig auf dem Hügel gesessen, den Kaffer neben sich, als wollte sie sagen: Ich bleib fein nicht da. Ich will hier wieder weg . . . Man muß der toten Elis unbedingt zu Willen sein, sonst kam sie wieder, immer wieder, sonst stünde sie wieder einmal abends unter der Kucheltür und schaute zu der werkenden Schwester herein. Aber das wollte sie nun doch nimmer, die Walp. Und so sagte sie mit tiefem Emst: „Die Elis gehört zu Vater und Mutter hinein. Die Elis bleibt nicht im Moor. In geweihte Erde will sie. In unser altes Weidacher- grab“. „Walp! Walp!“ „Sei jetzt still, Rake, du alte Mooreule! Wie denkst du dir das? Heut verschwindet niemand mehr spurlos im Moor. Heut geht ein Fragen und Forschen hinter jedem Menschen her. Sein Name ist vermerkt, sein Kommen und Gehen, sein Leben und Sterben. Verlaß dich drauf, Rake: es dauert gar nicht lang und sie kommen und fragen: wo ist die Elis?“ „Laß sie fragen und suchen und schnüffeln. Wir schweigen. Sie finden nix . . .“ „Sie werden finden. Und dann geht das Geschrei los, das der Hartl so fürchtet: Mord, Mord!“ „Und jetzt schreien sie nicht?“ „Jetzt können wir ihnen den Mund stopfen. Alles sagen, wie's war, Rake, wir müssen uns fügen. Wir stehen nicht außer dem Gesetz, wenn wir auch einschichtige Leut sind mitten im Moor.“ „Walp,“ Mit zitternder Stimme mischte der Hartl sich ein. „Willst mich denn anzeigen, Walp? Walp, hab ein Einsehen. Die Rake hat mir geschworen, nix zu verraten, wenn ich dir zeitlebens treu und ehrlich dien. Walp, du sollst einen Knecht an mir haben, wie's keinen zweiten mehr gibt. Einen ewigen Knecht Und wenn dein Moorbauer, der Peter, marod bleibt und ein Hinker, das macht nix. Bin ich da. Laß mich nicht ein sperren, Walp!“ „Es war doch ein Unglück, Hartl, ein Mißgeschick, ein furchtbar trauriger Unverstand. Ich glaub nicht, daß du deswegen eingesperrt wirst Du hast dein Recht gesucht, wohl zu gach und zu wild und zu roh, aber halt doch — dein Recht. Die Elis hält' es nicht nehmen dürfen, dein Sparbüchl, ohne ein Wort Und schau, ihr Brief ist ja auch da, ihr kostbarer Brief! Das ist der Beweis, daß sie das Schießeisen dabei gehabt hat und nicht du. Man muß das alles ruhig überdenken und nicht blind und toll sein vor Angst Ein bißl Untersuchungshaft wird's dich wohl kosten. Es war halt viel gescheiter gewesen, ihr hättet gleich geredet, du und die Rake. Der Hartl legte seine Tatzen zusammen zu einer flehentlich«! Bitte. Und wie ihn die Walp so sah, - schwitzend wie ein Roß und kalkweiß im Gericht, schwand ihr Zürnen dahin. .Elis?' dachte sie fragend. .Bist ihm noch bös?' Und die Walp, die immer dje Toten reden hörte, tief in der eigenen Brust vernahm das leise Lachen der Elis: ,Er ist ein Kamped, ein grober, aber bös bin ich nimmer ..." Die Walp ging entschlossen zum Tisch und kramte ein Tintenzeug aus der Schublade. „Willst schreiben?“ fragte die Rake beklomm«!. „Heut noch? An die Herren vom Gericht?“ „Ja, jetzt gleich. Ihr müßt dann eure Namen drunter setzen. Und morgen fahr ich selber mit dem Brief in die Stadt“. In dieser Nacht brannte bis zum Morgengrauen ein Licht im Moorhof. „Und wenn ich kriechen müßt auf allen Vieren, ich wül zu ihr!“ Der Sterzer Peter hatte seinen Dickkopf aufgesetzt Er wollte zur Walp ins große Moor. Im Krankenhaus war er nimmer zu halt«! gewesen und auf dem elterlichen Hof erst recht nicht. Aerzte und Pflegerinnen hatten ihre liebe Not mit ihm gehabt und daheim der Sterzervater, der das Gespann zur Moorfahrt nicht hergeben wollte, mußte schließlich auch ein Einsehen haben; denn kriechen auf allen Vieren, nein, das konnte man den Peter doch nicht lass«!. Und so wurden die zwei Schecken der Stolz von Obersterz, halt doch eingespannt Das war die große Maien- und Brautfahrt deß Peter Sterzer durchs blühende Moor. Neben ihm saß der Jungknecht von Obersterz, der Sepp. Der mußte dem Peter beim Ein- und Aussteigen helfen und ihm den Stock mit dem Gunurüstöpsel reichen. Dann mußte der Sepp unterwegs manchmal auch in ein Wirtshaus hineinspringen und eine schäumende Maß herausbringen, wenn der Hochzeiter dürstete. Und so geschah es im Dorf am Rande des großen Moores, in der Heimatgemeinde der Walp. Ein Aufsehen war das, nicht zum sagen. Ein Geschau, ein Gewisper! An «dien Fenstern tauchten Gesichter auf. Ellenbogenspitz lehnte die Kramerin über ihren Zaun und die Steckzwiebel waren ihr aus der Hand gefallen. Auf der Kegelbahn verstummte das Rumpem und Rollen, die Burschen kamen mit neugierigen Aug«i und betrachteten den Peter und sein Gefährt mit den weit und breit bekannt«! Sterzerschecken. Es war ein Sonntag im Mai. (Fortsetzung folgt) * * dämmet Qentiemen t KURZGESCHICHTE VON EDGAR HILLER Es ist zwrffellos wahr, daß die amerikanischen Männer meistens äußerst bescheiden sind, was Anstand anbelangt. Und es ist ebenso wahr, daß Mr. Harry Taylor in Chicago, Illinois, diesen Anstand auf eine Stratosphäre Höhe getrieben hatte. Die Temperatur während des August in Chicago ist so hoch wie der Tribüne Tower. Die zweitgrößte Stadt Amerikas schwelt in einer Hitze, zu der noch die ihrl innewohnende Feuchtigkeit hinzukommt, daß die Menschen tagsüber apathisch werden und nachts froh sind, wenn" sie Schlaf finden können. Während dieser Hitzeperiode ist es Mr. Harry Taylors Gewohnheit, sich ohne Pyjama im Urzustand zur Ruhe zu begeben. Eines nachts um zwei Uhr früh schlief Mr. Taylor wieder ohne Pyjama tief den Schlaf des Gerechten. Neben ihm lag seine Frau, Mary, die allerdings mit einem Nachthemd bekleidet war. Keiner von beiden merkte, daß eine schlanke, geheimnisvolle Gestalt sich in diesem Augenblick von außen der Küche näherte, wobei die Gestalt in der einen Hand eine Taschenlampe, in der anderen aber einen Revolver hielt Der Einbrecher attackierte das Küchenfenster mit dem Revolver, da er scheinbar wenig Erfahrung in derartigen Dingen besaß. Darum dauerte es eine Weile, bis er von innen das Fenster öffnen konnte. Oben in der Wohnung wurde Mrs. Taylor plötzlich wach. Ein fremdes Geräusch hatte sie aus dem Schlaf gerissen. Sie lag einige Augenblicke da und lauschte, dann glaubte sie, Schritte zu hören. Mary Taylor war keine furchtsame Frau; sie weckte ihren Mann nicht. Statt dessen stand sie auf, nahm einen Schlafrock um und begab sich in die Küche. Von der Tür aus sah sie, wie sich eine schlanke Gestalt in dem unbeleuchteten Raum bewegte, die durch die, außenstehende Straßenlaterne zur klaren Silhouette wurde. Mary Taylor fragte gleichmütig: „Wer sind Sie? Was wollen Sie?“ Der Eindringling schwang sich herum, starrte auf Mrs. Taylor und fluchte. Seine Hand faßte nach einem Bügeleisen, das auf einem Bord neben dem Herd stand. Da erst merkte Mary Taylor, daß Sie Hilfe benötigte, und rief: „Harry, komm schnell herunter! Harry, schnell!“ Harry Taylor war im Augenblick wach, sprang aus dem Bett und raste in die Küche. Dort sah er im Dämmerlicht von der Straße, wie der Eindringling seine Frau mit einem Bügeleisen auf den Kopf schlug. Mary Taylor stöhnte und fiel zu Boden. Harry Taylor hingegen sprang vorwärts und packte den Einbrecher hart am Handgelenk, wobei das Eisen hinfiel. Die Arme Taylors legten sich alsdann wie Klammern um die Gestalt und wollten sie ebenfalls auf den Boden legen. Zu seinem Erstaunen aber fühlte Taylor einen weichen, schmiegsamen Körper und hörte gleichzeitig etwas, das wie ein Schluchzen aus weiblicher Kehle klang. Verdutzt machte Taylor Licht und sah, daß er ein hübsches Mädel von etwa neunzehn Jahren im Arm hielt. Sie sah ihn mit tränen- überströmten Augen an. Harry betrachtete sie sich genauer; plötzlich wurde er. rot. Er ließ das Mädchen los wie eine glühende Kohle. Es war ihm zum Bewußtsein gekommen, daß er vollkommen nackt vor einer fremden Frau stand. Er sagte peinlich verlegen: ,,E S tut mir leid. Warten Sie bitte einen Augenblick.“ Er ließ die Diebin und seine bewußtlose Frau allein und sprang in sein Schlafzimmer hinauf, wo er eilig Hemd und Hose anzog. Als er in die Küche zurückkehrte, lag seine Frau stöhnend am Boden, und die Diebin war verschwunden, mit ihr das Haushaltsgeld von fünfzig Dollar, das in der Tischlade gelegen hatte. So wurde Mr. Harry Taylor fünfzig Dollar los. Aber er behielt seine Ehre. Ein Gentleman steht nicht nackt da in Gegenwart einer Lady — nicht einmal einer Einbrecherin. 2Benn fpetni im 2oto getoinnf Der Minderjährige und sein Gewinn In einer kleinen westdeutschen Stadt lebt ein Mann, der eirien 19jährigen Sohn hat. Da der Sohn noch kein Geld verdient, erhält er von seinem Vater jede Woche fünf Mark Taschengeld. Nach einem Einsatz von 1,15 DM gewann der Junge kürzlich eine beachtliche Summe im Fußballtoto. Den größten Teil des Geldes verwandte er, um sich ein fabrikneues Auto zu kaufen. Er bezahlte bar. Vater und Sohn waren aber in puncto Motorisierung noch niemals einer Meinung gewesen. Als der Sohn mit seiner „Überraschung“ vor der elterlichen Wohnung vorfuhr, reagierte der Vater sehr schroff. Er verlangte von dem Händler, daß er den Wagen zurücknehmen und den Kaufbetrag zurückgeben solle Der Händler lehnte natürlich ab. So mußte das Gericht entscheiden. Der Autohändler führte den § 110 des BGB an, wonach ein Kaufvertrag nicht rückgängig gemacht werden kann, wenn der Minderjährige seine Verpflichtung mit Mitteln erfüllt, die ihm von seinem gesetzlichen Vertreter zur freien Verfügung überlassen wurden. Der Autohändler bekam Unrecht, er mußte den Wagen zurücknehmen und den Kaufpreis ohne jeden Abzug zurückzahlen. Begründet wurde dies damit, daß Verträge, die ein Minderjähriger abschließt, solange unwirksam sind, wie sein gesetzlicher'Vertreter (Vater oder Vormund) sie nicht genehmigt. Wohl wollte der Vater seinem Sohn mit dem wöchent- ,liehen Taschengeld die absolute Herrschaft über eine gewisse Summe gewähren. Das schließt aber nicht die Möglichkeit ein, den mit diesem Taschengeld gewonnenen Geldbetrag in einer Weise auszugeben, die der Lebenshaltung der Familie keineswegs entspricht. Der Minderjährige hatte also den Kaufvertrag über den. Wagen nicht mit Mitteln erfüllt, die er zur freien Verfügung besaß. Eine nachträgliche Genehmigung erteilte der Vater nicht, so daß der ohne Wissen des Vaters geschlossene Kaufvertrag ungültig war. Der Händler hatte das Nachsehen. Um begabten jungen Malern Gelegenheit zu verschaffen, ihre Werke ohne finanzielle Belastung einem breiten Publikum zugänglich zu machen, hat der Besitzer einer Hamburger Milchwirtschaft seine Gasträume für eine ständige Kunstausstellung zur Verfügung gestellt. $$$$$$$$ ■ilMiiiM ggpllg '&\ wm tg»! •\ 5s S s. BilM mm 28te au3 (£ntfein 6d)to&ne Serben Die geheimnisvollen Wandlungen der Amerikanerin — Vom unausstehlichen „teenager“ zur schönen Frau — Bericht aus New York von Friedrich Koch Wenn ich jetzt einen Stahlhelm aufsetze und mich tief in die Erde eingrabe, dann hat das nichts mit Kriegsfurcht oder Remilitarisierung zu tun. Ich ergreife diese Vorsichtsmaßnahmen nur, um mich vor dem geballten Zorn aller Frauen Europas zu schützen. Denn ich möchte eine Behauptung aufstellen, die weitaus gefährlicher ist als eine Atombombenexplosion oder ein nächtlicher Sturmangriff mit aufgepflanztem Bajonett über ein modernes Minenfeld. Ich will erklären, daß und warum die amerikanischen Frauen durchweg bedeutend besser aussehen als ihre europäischen Schwestern. Um das zu beweisen, werde ich sie Ihnen vorführen — von der Kindheit an bis ins noch diskutierfähige Alter. Und wir werden leicht beschämt zugeben müssen, daß wir noch manches zu lernen haben. Beginnen wir bei den Kindern. Professor C. E. M. Joad aus New York erklärte hier soeben, die amerikanischen Kinder seien „häßlich und verdorben“. Wahrscheinlich werden ihn die Zeitungen und eine Legion erzürnter Mütter in Grund, und Boden verdammen. Ich kann aber nicht umhin, ihm wenigstens bedingt recht zu geben. Amerikas Schulkinder sind in der Tat unausstehlich. Nirgendwo in der Welt sind die Jugendlichen derart altklug, verwöhnt und von sich selbst eingenommen wie in den Vereinigten Staaten. Gewiß kommt das daher, daß die besorgten Mamas ihnen zu viele Rechte einräumen. „I wanna (I want = ich will) sagen die jungen Untertanen Trum ans im üblichen Slang, und was sie wollen, erreichen sie auch meistens. Schuld daran sind nicht zuletzt die Reklamesendungen in Rund- und Fernsehfunk, die sich weitgehend an Jugendliche wenden. „Bitte Mom (Mutti), sie möge dir das und das kaufen“, sagt am Schluß eines Wildwest-Fernsehfilms der Cowboy zu dem mit glühenden Wangen vor dem Empfänger sitzenden Jungen, und „Erzähle Mom . . .“ sagte der kühne Mann, dessen abenteuerliche Reise zum Mars man noch eben auf dem Bildschirm verfolgt hat. Und Mom wird gebeten, und Mom wird erzählt, und die Buchhalter der Firmen, die die Fernsehsender finanzieren, können auf der Haben-Seite dicke Gewinne buchen. Kommen wir zu den Backfischen und Halbwüchsigen, den sogenannten „teenagers“. Sie sind in Amerika zu einem Problem geworden — ihrer Ungezogenheit, ihrer Wüdheit und ihres Hochmuts wegen. Sie sind — kurz gesagt — scheußlich. Auch sie kriegen alles, was sie wollen; das brauchte für sie aber kein Grund zu sein, sich in Geschmacklosigkeiten von unvorstellbarem Ausmaß auszutoben. In ihren Socken, halblangen Hosen, billig-knallbunten Hemden und Blusen bieten sie alles andere denn einen erfreulichen Anblick. Wohlgemerkt: ich spreche hier hauptsächlich von den Mädchen! Ihre Mamas entschuldigen allg^. Auf Vorhaltungen würden die Mütter antworten, der Dreß ihrer Kinder sei zwar phantastisch, leider aber üblich. Und das Benehmen könnte zwar besser’ sein, aber es sei eben ein „Ausdruck von Individualität“. Es gibt nichts Heiligeres in den USA als „Individualität“ — vorausgesetzt, daß sie auf dem politischen Sektor nicht zufällig nach links tendiert. Professor Joad hat leider in seiner Beschreibung der Amerikanerinnen einen großen Fehler gemacht. Er hätte wenigstens andeuten sollen, welche überraschende, beinahe unheimliche Wandlung diese ungezogenen, scheußlichen Wesen durchmachen, wenn sie flügge werden. Denn aus den jungen häßlichen Entlein entstehen in Amerika fast immer strahlend schöne Schwäne. Während — mit Verlaub gesagt —. in nicht wenigen europäischen Ländern aus den hübschen Küken sehr leicht unansehnliche Hennen werden. Stehen wir uns doch einmal die lieben Nachbarn in Europa genau an. Ihr Makeup erinnert oft erschreckend an die Gesichtsfarbe buntlackierter Nußknacker. Genau wie das Feuer ist auch ein Napf mit Rouge ein sehr nützlicher, aber auch sehr gefährlicher Diener. In Europa haben das fast nur die Französinnen begriffen. Im allgemeinen behandelt man sonst die Schminktöpfe mit dem Leichtsinn eines Sprengmeisters, der sich auf einer Luftmine sitzend die Pfeife anzündet. Der Erfolg ist dementsprechend. / Radioaktiver Zucker ist das neueste Ergebnis von Arbeiten, durch die die Wissenschaft neue Erkenntnisse über die Fundamentalprozesse im menschlichen und tierischen Organismus zu gewinnen hofft. Nach Science News Letter ist es neuerdings Dr. H. Isbell am amerikanischen Bureau of Standards gelungen, einen Zucker herzustellen, der ein radioaktives Kohlenstoffatom enthält, dessen Weg und Schicksal im lebenden Organismus daher durch Strahlungsmessungen verfolgt werden kann. Man hofft, mit Hilfe dieses Zuckers, der vorläufig noch etwa tausend Dollar, pro Gramm kostet, wertvolle Anhaltspunkte für eine wirksamere Bekämpfung von Krebserkrankungen, aber auch der Zahnfäulnis und anderer Krankheiten erlangen zu können. Die schöne Geschwulst Professor Hartmeier genießt als Diagnostiker Weltruf. Aber wie das nun einmal so ist bei berühmten Leuten — nach tausend glücklichen Prognosen wird man doch etwas zu selbstsicher und glaubt, man könne sich überhaupt nicht mehr irren . Eines Morgens betrat ein Herr das Sprechzimmer des Professors. Er war ein bißchen bleich, hielt sich aber gut und Andere in den Vereinigten Staaten. Die Gesichtshaut der Amerikanerin ist des trockenen Klimas wegen nicht so schön wie die ihrer europäischen Konkurrentinnen. Aber ihr aus Fläschchen und Näpfchen aufgefrischter Teint ist begeutend hübscher. Den ihre Augenlider beschattende blaue Hauch hält der strengsten Untersuchung stand, der rosige Farbton auf ihren Wangen wirkt natürlich wie die Glut der untergehenden Sonne, und die Farbe ihrer Lippen erinnert an das Rot reifer Kirschen. Es gibt kein Geschmiere, keinen schief gezogenen Schminkstrich, keinen Mißgriff in der Farbenwahl. Alles sitzt, als habe ein Künstler an den Gesichtern gearbeitet. Kaum eine Frau der Welt opfert ihrem Aussehen so viel Sorgfalt und Geduld wie die Amerikanerin. Amerikas Backfische werden immer ungezogener und selbstherrlicher. Ihre Hosen; Hemden, Socken und Unterwäsche sind an Verrücktheit kaum mehr zu überbieten. Werden sie aber erwachsen und sind sie erst Frau und Mutter, dann entwickeln sie einen Geschmack, um den sie manche Europäerin beneiden könnte. Ihre Kleider können ohne Schwierigkeiten mit den besten Pariser, Berliner, Düsseldorfer oder Hamburger Modellen konkurrieren. Womit zum Schluß gesagt ist, daß sieh ohne den Geschmack und die Bekleidungskultur der Frauen Mitteleuropas eben kein Vergleich anstellen läßt. Darf ich jetzt den Stahlhelm wieder abnehmen? sah im Gegensatz zu anderen Patienten geradezu optimistisch aus. Professor Hartmeier blickte ihn eine Sekunde lang an und sagte: „Sie brauchen sich nicht äuszu- ziehen. Ich weiß schon Bescheid- An der linken Brust6eite haben Sie eine Geschwulst. Aber keine Bange, Sie werden sehen, wie schnell ich sie Ihnen wegzaubere!“ Da wurde der Patient noch um eine Idee bleicher und erwiderte: „Lieber nicht, Herr Professor! Das ist meine Brieftasche!“ 50 Prozent Farbfilme Die amerikanische Filmgesellschaft Metro-Goldwyn-Mayer kündigte ein Produktionsprogramm von 81 Filmen an, darunter 39 Farbfilme, die bis Ende dieses Jahres fertiggestelit werden sollen. Von der 20th Century Fox sind für 1952/53 46 Filme, einschließlich 23 Farbfilmen, geplant. *RKO will von 33 Spielfilmen 15 in Farbe drehen, und die Paramount beabsichtigt, im kommenden Produktionsjahr 32 Spielfilme herauszubringen. Die Ankündigung dieser Projekte durch die Filmgesellschaften hat in der amerikanischen Filmindustrie allgemein eine optimistische Stimmung erzeugt. 1Oeamm Zucket füt 1000 OoUai Seite 4 / Nummer 162 ha mm ün d wirttchatt Mittwoch, 16. Juli 19S2 Ausländer lehnen Lastenausglefch ab Die Vereinigung für ausländische Vermögensinteressen in Deutschland appellierten an die Bundes regierung, bei der Behandlung ausländischen Vermögens in Deutschland keine Bestimmungen zu treffen, die nicht vorher auf ihre völkerrechtliche Zu lässigkeit geprüft sincK Jede völkerrechtswidrige Behandlung des ausländischen Vermögens müsse der Bundesrepublik wirtschaftlich und politisch schwersten Schaden zufügen. Eine Heranziehung des Ausländervermögens zum Lastenausgleich sei nach Ansicht führender Völkerrechtler unstatthaft. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der Vereinigung, die am Wochenende in Düsseldorf stattfand, wurde mit Befremden zur Kenntnis genommen, daß die Bundesregierung dem Wunsch der Ausländervereinigung nach Einsetzung einer internationalen Kommission zur Prüfung dieser Frage bisher nicht entsprochen hat. Es wurde betont, daß das Problem notfalls vor die höchsten internationalen Gerichte gebracht werden soll- Erörterung« Ober 80prozentige Liberalisierung Die Erörterungen über eine Erweiterung der deutschen Liberalisierung auf etwa 80 Prozent gehen in den zuständigen Ressorts weiter. Man versucht, die Arbeiten an der neuen Freiliste so rechtzeitig fer- tigzustellen, daß der. Europäische Wirtschaftsrat in »einer am 21. Juli beginnenden Sitzung dazu Stellung nehmen kann. Wandel im Weit-Chemiegeschäft Der Weltmarkt für chemische Erzeugnisse hat grundlegende Wandlungen erfahren. Die Vereinigten Staaten, die vor dem Krieg lediglich 15,7 Prozent der Weltausfuhr chemischer Erzeugnisse stellten und da mit in der Weltrangliste an dritter Stelle hinter Deutschland und Großbritannien standen, haben heute einen ganz bedeutenden Vorsprung. 1951 betrug der amerikanische Anteil an der Weltchemieausfuhr 27,9 Prozent. An zweiter Stelle stand Großbritannien mit 13,1 Prozent vor Westdeutschland mit 12,6 Prozent und Frankreich mit 9,1 Prozent An nächster Stelle folgt Belgien mit einem Marktanteil von 6 Prozent, vor der Schweiz mit 4,9 Prozent, Italien mit 4,5 Prozent, den Niederladen mit 4 Prozent und Kanada mit 3,0 Prozent Ch, DM-Kapilalumstellungen in Wastbarlin Bis Ende Mai 1952 haben 243 Aktiengesellschaften in Westberlin, d. h. fast 90 Prozent ihr Kapital umgestellt, wie die Berliner-Bank-AG in ihrem neuelften Wirtschaftsbericht mitteilt. Insgesamt wurde für die 243 Aktiengesellschaften ein Umstellungsdurchschnitt von zehn zu 4,48 errechnet. Die Bank nimmt an, daß höchstens 280 Gesellschaften eine DM-Eröff- nungsbilanz aufstellen weiden. Es gibt zwar in Westberlin 527 im Handelsregister eingetragene AG‘s, von ihnen sind aber weniger als die Hälfte tätig. Zu dem Durchschnittssatz zehn zu 4,48 bemerkt die Berliner Bank, daß die Westberliner Umstel- lungsquote nur rund halb so hoch ist wie die des Bundesgebiets mit zehn zu 8,2. Sie spiegelt die großen Verluste wider, die die Berliner Industrie erlitten hat. 125 Jahre Gothaer Lebensversicherung Uft Juli begeht Sie Gothaer tebensveratehmung aut Gegenseitigkeit in Göttingen den Tag ihres 125jährigen Bestehens Im Jahre 1827 ist die Gesellschaft als „Lebensversicherungsbank für Deutschland“ von dem Kaufmann Ernst Wilhelm Arnoldl in Gotha gegründet worden. Er errichtete sie nach dem Grundsatz der Gegenseitigkeit. Alle Ueberschüsse sollten den Mitgliedern unverkürzt als Versichertendividende wieder zufließen. Den Grundsatz der Gegenseitigkeit hat die Gothaer bis zum heutigen Tage beibeiialten; sie ist heute wie vor 125 Jahren ein« Vei> sicherungsgenossenschaft in der Rechtsform des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit. _ _ Auch in den schwierigen Jahren des Wiederaufbaus zeigte es sich, daß trotz aller Erschütterungen das Vertrauen zur deutschen Lebensversicherung nicht verlorengegangen war Und daß sie eine volkswirtschaftlich notwendige Aufgabe nu erfüllen hatte Es gelang der Gothaer, Ihre Versicherten, soweit diese im Bundesgebiet waren wieder zu erfassen, den Versicherungsbestand neu zu ordnen und durch einen wachsenden Neuzugang zu erweitern. Der Zugang an neu beantragten Versicherungen stieg von Jahr zu Jahr und betrug im vergangenen Jahre 82,7 Millionen DM. An Versicherungsleistungen wurden von der Währungsreform bis Mitte 1952 rund 29,2 Millionen DM an Versicherte und ihre Hinterbliebenen ausgezahlt. In der gleichen Zelt wurden 69,5 Millionen DM an Beiträgen und 11,3 Million«! DM an Kapitalerträgen vereinnahmt Das Vermögen der Gothaer beträgt Mitte 1982 188,8 Millionen DM. Darin sind 55,8 Millionen DM an Ausgleichsforderungen enthalten, die sich nach Durchführung der Wertpapierbereinigung auf etwa 50,8 Millionen DM, d. h. auf 47 7 /. des Vermögens vermindern werden. Durch neue Kapitalanlagen hat die Gothaer der deutschen Wirtschaft «eit der Währungsreform 28 Millionen DM zur Verfügung gestellt. I?,» Millionen DM wurden unmittelbar dem Wohnungsbau zugeführt Einzelhandel braucht Betriebskapital Bundesverband Textlleinzelhandet in Nagold - Für Klarheit im Warenangebot Die Umbenennung in „Bundesverband des Deut- I Uebereinstimmung mit Wünschen, die auch im Versehen Textileinzelhandels in der Hauptgemeönschaft braucherausschuß im Bundeewirtschaftsministerium des T^ltt7oHlQttf4ftlf* /lfl 11 rv ■ 12llw/taci*«AM . «rnwc* cf An «mrilAn nnllin i A -«.77« Ucmaw J/\_ Deutschen Einzelhandels“ (kurz: „Bundesverband Textileinzelhandel“) beschlossen die Mitglieder dea bisherigen Hauptverbandes des Deutschen Textilverbandes bei ihrer Jahreshauptversammlung 1952 in Nagold. Damit wird auch in der Namensgebung zum Ausdruck gebracht, daß der Verband die Tradition der Spitzenorganisation des Textileinzelhandels im früheren Deutschen Reich fortführt. Nach der ebenfalls in Nagold vollzogenen Aufnahme des Verbandes des Berliner Textileihzelhandels in den Bundesverband hat die Organisation mehr als 28 000 Mitglieder. Präsident Illerhaus, Vizepräsident Krumbacher und Ehrenvorsitzender MdB Nagel stellten in ihren Ansprachen die Forderung, daß die ln Länderverfassungen und Gesetzen, Parteiprogrammen und politischen Erklärungen verankerten oder anerkannten Grundsätze der Mittelstandspolitik endlich zu konkreten Maßnahmen auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet führen müßten. ■ Steuerliche Maßnahmen seien nötig, um auch beim Einzelhandel eine Kapitalbildung zu ermöglichen, welche der Erhöhung der Leistungsfähigkeit des Textileinzelhan- dels dienen soll. Besonders erwähnt wurde dabei der Wunsch auf Einkommensteuerbegünstigungen für mitarbeitende Ehefrauen. Im Hinblick auf die Betriebsstruktur des Textileinzelhandels sollte im Betriebsverfassungsgesetz die Mindestgröße statt auf fünf nun auf zehn Arbeitnehmer festgesetzt werden. Sowohl das Zusatz-Umsatz-Steuer-Gesetz wie auch das Investitionshilfe-Gesetz sollten den oft geäußerten Wünschen des Einzelhandels entsprechen. Hier wurde besonders die Frage eines Verbots des Werkhandels für Investitionshilfe-empfangende Betriebe genannt. Im gemeinsamen Interesse von Textileinzelhandel und Verbraucherschaft sollen Klarheit und Wahrheit im Warenangebot herrschen, den Verbraucher irreführende Bezeichnungen abgeschafft und nur noch die Angaben „I, oder II. Wahl“, verwendet werden. Lediglich bei den Saisonsschlußverkäufen sollte auch das Angebot einer III. Wahl zugelassen sein. In vorgetragen wurden, sollte die Herstellung besonderer Ausverkaufswaren abgestellt und die Negativliste wieder eingeführt werden, um die Saisonschlußverkäufe auf ihren eigentlichen Zweck der Bereinigung des Warenlagers von saisongebundenen Artikeln zurückzuführen. Geringes Messekontingent für Innsbruck Zu der diesjährigen Export- und Mustermesse in Innsbruck vom 21. bis 31. August haben sich bisher 370 Ausländsaussteller angemeldet, davon 350 deutsche Firmen. Das deutsche Ausstellungsgut, das noch stärker als Im Vorjahr die Messe beherrschen wird, soll zum Teil allermodernste Maschinen umfassen, die erstmals auf einer Auslandsmesse gezeigt werden. Das deutsche Messekontingent beträgt 806 400 Marie, beantragt waren 4,3 Millionen Mark. Der Ankauf von Exporttratten Die Bank deutscher Länder hat die Richtlinien für den Ankauf Und die Rückberechnung von Exporttratten neu gefaßt. Damit sind zahlreiche der bisherigen BdL-Mitteilungen auf diesem Gebiete aufgehoben worden. Die BdL weist darauf hin, daß jetzt auch Exporttratten, die der Vorfinanzierung von Reparaturarbeiten deutscher Firmen an ausländischen Schiffen (unsichtbare Ausfuhr) dienen, zum •Ankauf zugelassen sind, und zwar unter denselben Bedingungen wie Exporttratten für Warenlieferungen aus dem Ausland. Deutschland yfertgrüßter Woilverbraucher In der Rangliste der wollverarbeitenden Länder nimmt die Deutsche Bundesrepublik seit dem Jahr 1950 hinter den USA, Großbritannien und Frankreich den vierten Platz ein, wie aus einem Bericht des Commonwealth Economic Committee und der Internationalen Wollvereinigung hervorgeht, Ueber den Wollverbrauch in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands liegen keine Angaben vor. Anhaltender Optimismus in der Auto-Wirtschaft 900 Millionen Mark Exporterlös erwartet - Keine Hoffnung auf Preissenkung 400 000 neue Kraftwagen, Trecker und Motorräder werden in diesem Jahre über die Straßen der Bundesrepublik oder über die Grenzen rollen, wenn sich Produktion und Absatz weiterhin so entwickeln wie bisher. Jedenfalls konnte die Rekorderzeugung von 36 700 Kraftfahrzeugen im Mai nach vorläufigen Zählungen auch im Juni gehalten werden, Mit einem solchen Produktionsstand wird sogar die Vorkriegszeit übertroffen. Die Automobilwirtschaft beurteilt die Aussichten für die Zukunft auch deshalb günstig, weil die bisherigen Engpässe bei Eisen und Stahl, besonders aber bei den Feinblechen ausgeweitet werden konnten. Diese auch international wahrnehmbare Besserung hat die Ausweitung der Kraftfahrzeugproduktion überhaupt erst ermöglicht. Fachleute aus der Automobilwirtschaft glauben, daß die Aufwärtsbewegung ln der gesamten Investitionsgüterindustrie Kurze Wirtschafisnolizen vom Tage Die Spitzenverbände der mtttetttändischen Wirtschaft haben den Bundestag in einem letzten Appell aufgefordert, die besondere Struktur der mittleren und kleineren Betriebe im Betriebsverfassungsgesetz zu berücksichtigen. Sie verlangen, daß Betriebe bis zu zehn Mitarbeitern aus dem Gesetz h#rausgehal ten werden und daß in Betrieben bis zu zwanzig Beschäftigten nur ein Betriebsobmann eingesetzt wird. Wegen Brennstoffmangel liegen im Bundesgebiet noch dreißig Hochöfen still, während von den nicht der Demontage verfallenen Einheiten zur Zeit 93 in Betrieb sind, teilte der Vorsitzende der Gruppe Roheisen der Wirtschaftsvereinigung ^ Eisen- und Stahlindustrie, Direktor Georgen, auf 'der Jahreshauptversammlung in Essen mit. Weiter gab er bekannt, daß im zweiten Quartal 1952 rund 26 Prozent der Einfuhrkohle in zechen- und hüttenfremden Kokereien im Lohnverfahren verkokt werden mußten, da die' KöKska'pazitäten bei den Zechen- und Hüttenkokereien nicht ausreichten. Die Steinkohlenförderung im Bundesgebiet erbrachte nach Mitteilung der DKBL im ersten Halbjahr 1952 mit 60 661 980 Tonnen eine Steigerung um rund 1,6 Millionen Tonnen gegenüber dem ersten Halbjahr 1951. Die diesjährige ZwiSehenzählung für Schweine, Rinder und Schafe vermittelt wertvolle Anhaltspunkte für den Marktablauf und die Versorgung mit Vieh und Fleisch in den nächsten Monaten. Bei Schweinefleisch ist mit einer gewissen Verknappung des Angebots zu rechnen. Der hohe Bestand schlachtreife Rinder läßt dagegen im Vergleich zum Vorjahr ein verstärktes Angebot an Rindfleisch erwarten. Die Kirschernte Im Bodenseegebiet ist nahezu beendet. Die heiße Witterung der letzten Wochen ließ gesunde, eüße Kirschen heranreifen, die zu hohen Preisen flott abgesetzt wurden. Mit der Reife der Frühäpfel, die nun auf den Markt kommen, ist ein, kleiner Preisrückgang auf dem Kirschenmarkt eingetreten. Für Ebneber werden noch 36 bis 38 Mark, für Linde 18 bis 24 Mark bezahlt. Johannisbeeren kosten 25 bis 26 Mark je Zentner. Der Vorsitzende des Viehzuchtvereins Südwürt-' temberg, Bürgermeister a. D. Renz, forderte in Ehingen eine Erhöhung der Staatspreise bei Viehschauen. Die heutigen Prämien seien etwa halb so hoch wie früher und stellten daher' weder eine Anerkennung noch ein Ansporn dar. Nicht einmal die Transportkosten würden durch die Prämien gedeckt. Der Hauptvorstand der Gewerkschaft Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft äußerte sein Befremden darüber, daß die Länder Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg beabsichtigen, ausländische Land- und Forstarbeiter anzuwerben. Angesichts der erheblichen Arbeitslosigkeit in der deutschen Landend Forstwirtschaft müßten zunächst die eigenen Reserven untergebraeht werden! Der Internationale Erfinderschutzverband (Sitz Speyer) will im Rahmen der Saar-Handwerksmesse vom 23. August bis 3. September auf dem Messegelände in Saarbrücken die größte Internationale Erfinderschau nach 1945 veranstalten. Die Schaffung einer europäischen Flugzeugindustrie in Nordafrika und eine gemeinsame deutsch-französische Luftfahrtforschung in französischen Laboratorien und Versuchsanstalten gehörten zu den Gesprächsthemen, mit denen sich deutsche und französische Flugzeugkonstrukteure bei ihrer ersten inoffiziellen Nachkriegszusammenkunft in Paris beschäftigten. Von den deutschen Konstrukteuren waren zu dem Gespräch E. Heinkel und W. Dornier erschienen. Der Welt-Kraftfahrzeugbestand Anfang 1952 belief sich nach einer Statistik der amerikanischen Fachzeitschrift „The American Automobile“ auf insgesamt 73 194 000 Einheiten ohne Motorräder Die Zahl der zugelassenen Motorräder wird auf 5,6 Millionen geschätzt. ein gutes Konjunkturbarometer gerade auch für sie sei. Was die Absatzlage für Kraftfahrzeuge angeht, so glaubt man ebenfalls Anlaß zum Optimismus zu haben. Verglichen mit anderen Ländern ähnlicher Wirtschaftsstruktur ist Westdeutschland sehr viel weniger motorisiert. Das Kraftfahrzeug-Bundesamt hat ausgerechnet, daß 1951 im Durchschnitt von 1000 Bundes^epublikanern 52 ein Kraftfahrzeug und nur 14 einen Wagen hatten. Dagegen kamen in England 46 und in Frankreich 39 Personenkraftwagen auf 1000 Einwohner. Man glaubt nun in Kreisen der Automobilindustrie, daß sich jetzt nach und nach diejenigen ein Auto kaufen werden, die es zwar bisher schon beruflich dringend benötigten, aber noch nicht das Geld dafür beisammen hatten. Allerdings muß die Hoffnung auf einen billigen neuen Wagen vorläufig begraben werden. Die Autoindustrie sieht sich außerstande, ihre Kosten zu senken. Es wird zwar zugegeben ,daß die Ertragslage in den Jahren 1949 und 1950 glänzend gewesen sei; inzwischen hätten sich aber die Kraftwagenpreise zu echten, eingespielten Preisen entwickelt. Hemmnisse für den Inlandabsatz sieht man darin, daß die direkten und indirekten Steuern den Kraftverkehr stark belasten. Der Fahrzeugexport hat im Jahre 1951 mit 120 000 Einheiten einen sehr starken Auftrieb erfahren. 1948 wurden nur 7000 Fahrzeuge ausgeführt, und auch vor dem Krieg (1938) waren es trotz aller Exportförderungsmaßnahmen nicht mehr als 79 000. Den Exporterlös von 750 Millionen D-Mark des vergangenen Jahres hofft die Kraftfahrzeugwirtschaft in diesem Jahre sogar auf 900 , Millionen D-Mark heraufzudrücken. Der Kampcf lim die Exportmärkte wird jedoch ständig härter. Die Forderung nach einer wirksamen steuerlichen Ausfuhrförderung ist daher begreiflich. Dr. H. Ludwig « Wiederaufbau des Stahlwerks Salzgitter Das niedersächsische Wirtschaftsministerium Ist der Ansicht, daß in den Beratungen des Stahlausschusses der OEEC die erste Schranke für den Wiederaufbau des Siemens-Martin-Stahlwerks und des Grobblechwalzwerks' in Salzgitter gefallen ist. Das Ministerium begrüßt diesen Schritt und äußert die Hoffnung, daß die zweite Schranke spätestens dann fallen wird, wenn nach der Errichtung der Hohen Behörde der Montanunion die Aufgaben des Sicher- heitsamtes an diese Behörde übergeben. Die Kapazität des SM-Stahlwerks würde in der ersten Stufe 250 000 Tonnen Rohstahl jährlich und die des Grobblech-Walzwerks maximal 400 000 Tonnen betragen. Die erste Stufe des Walzwerks könnte im Frühsommer 1953 betriebsbereit sein, das Walzwerk könne etwa ein Jahr später die Erzeugung aufnehmen. • 6 Prozent Dividende bei Daimler-Benz Dem Aufsichtsrat der Daimler-Benz Aktiengesellschaft hat in der Sitzung vom 12; Juh 1952 die Bilanz für das Geschäftsjahr 1951 Vorgelegen. D:^ Verwaltung beschloß, der zum 4. August 1952 einberufenen Hauptversammlung vorzuschlagen, aus dem Gewinn des Jahres 1951 eine Dividende von 6 Prozent auf das umgestellte Aktienkapital von DM 72 080 008 auszuschütten. Der bisherige Ablauf des Geschäft“ - jahres 1952 wurde von der Verwaltung als zufriedenstellend bezeichnet. SPORT-NACHRICHTEN Neuhaus kommt ten Hof! entgegen Ein« überraschende Wendung nahm in der am nächsten Sonntag etattfindenden Europameisterschaft ffrin ten Hoff — Heinz Neuhaus der Konflikt um die Punktwertung. Unabhängig von der Entscheidung des Bundes Deutscher Berufsboxer erklärte sich Europameister Neuhaus aus sportlichen Gründen bereit, den 15-Runden-Kampf um die Europameisterschaft am 20. Juli im Dortmunder Stadion den Wünschen ten Hoffs gemäß nach der EBU-Wertung aus- zu tragen. Danach genügt der ‘ „Ein-Punkte-Vorsprung zu einem Sieg. Mit dieser Entscheidung bewies Neuhaus nach Ansicht der Experten nicht nur ein hohes Maß an Selbstvertrauen, sondern auch europäisches Denken. Manager Josef Steinacker erklärte: „Wir halten den ganzen Regelkrieg bei einem 15-Runden-Kampf für ein überspitztes Manöver Im Ring allein wird die Entscheidung vielleicht klarer ausfallen, als viele heute annehmen.“ Nach der fortschreitenden Gesundung Hein ten Hoffs und dem Einverständnis des Europameisters Neuhaus bestehen min keinerlei Bedenken mehr gegen die Austragung des TiteJkampfes in Dortmund im Stadion Kote Erde. Selbst sich jetzt der Bund Deutscher Berufsboxer für eine Austragung nach deutschen Regeln (vier Punkte) entscheiden sollte, müßte diese Entscheidung hinter dem freien Entschluß beider Kämpfer zurückstehen. 1. FC Saarbrücken unterlag im Bio-Cup Der deutsche Vizemeister 1. FC Saarbrücken unterlag am Sonntag in seinem ersten Spiel um den Rjo-Pokal in Rio de Janeiro der brasilianischen Fußballelf „Cocrinthians“ glatt mit 1:6 (0:2) Toren. Erfolgreichster Torschütze bei den Brasilianern war dadio mit fünf Treffern, Baltzar vervollständigte das halbe Dutzend. Den Gegentreffer der Saarländer erzielte Martin. Mercedes-Benz trainiert auf dem Nfirburgring Die Werkmannschaft von Mercedes-Benz mit den Fahrern Lang, Kling, Rieß, Klenk und Helferkh begann am Dienstag auf dem Nürburgring unter der Regie von Rennleiter Alfred Neubauer und Chefkonstrukteur Ullenhaut mit Probefahrten ihrer Dreiliter- Sportwagen. Einer der Wagen vom Typ SL 300 ist mit einem Kompressor ausgerüstet. Das Fahrzeug zeichnet sich durch besondere Schnelligkeit im Anziehen und großes Beschleunigungsvermögen aus. Die Trainingsfahrten sollen bis heute dauern. Bereits in den Morgenstunden des Dienstag hatten sich entlang der abgesperrten Strecke viele Zuschauer eingefun- den. 59jähriger Marathonläufer hielt durch Der älteste unter den deutschen Marathonläufern, der 59jährige Eduard Kreglinger aus Bad Pyrmont, lief am Sonntag auf der Bundesstraße 25 bei Nörd- lingen zum 50. und letzten Male die historischen 42 km und benötigte für diesen klassischen Marathonlauf 3:24 Stunden, obwohl Hitze und harte Bahn ihm sehr zu schaffen machten. Mit dieser für sein Alter erstaunlichen Leistung will Kreglinger seine sportliche Laufbahn beschließen. Leitsätze für kommunale Sportpflege Die Hauptversammlung des Deutschen Städtetages in Berlin nahm am Dienstag die von dem Frankfurter Oberbürgermeister Dr. Walter Kolb in einem Referat aufgestellten Leitsätze für die kommunale Sportpflege an. In der Erkenntnis, daß Körpererziehung, Turnen und Sport wichtige gesellschaftliche Faktoren im Leben der Städte sind, wird in den Leitsätzen empfohlen, in den größeren Städten zur Erfüllung dieser Aufgaben eine besondere Dienststelle und einen Fachausschuß zu errichten. Dieser Dienststelle sollen auch die Angelegenheiten des Berufssports übertragen werden. Die Vereine sollen durch Bereitstellen von Uebungsstätten, durch Beratung, Förderung der Lehrarbeit und finanzielle Beihüfen gefördert werden. Außerdem werden Belebung des Schulunterrichts und gemeinsame Veranstaltungen von Schulen und Vereinen empfohlen. Bei den finanziellen Beihilfen soll jedoch beachtet werden, daß der Sport grundsätzlich eine Sache der Selbstfinanzierung ist, Jean Deckers gewann 19. Etappe Die 19. Etappe der Tour de France von Pau nach Bordeaux über 195 Kilometer gewann am Dienstag der Holländer Jean Deckers in 5:15:16 Stunden vor seinem Landsmann Geerit Voorting und dem Franzosen Pierre Pardoen, die beide in 5:15:25 Stunden einkamen. Seinen fast halbstündigen Vorsprung hielt Fausto Coppi auch auf der Dienstag-Etappe ,die in ebenem Gelände keine Schwierigkeiten bereitete. Der Stand der Gesamtwertung nach der 19. Etappe: 1. Fausto Coppi (Italien) 122:33:31 Stunden. 2. Stan Ockers (Belgien) 123:00:32. 3. Jean Robic (Frankreich) 123:04:08. 4. Bemardo Ruiz (Spanien) 123:04:20. 5. Gino Bartali (Italien) 123:06:20. 6 . Alex Close (Belgien) 123:06:26. Im nächsten Jahr reguläres Fernsehprogramm Mit den ersten regelmäßigen Fernsehsendungen im Bundesgebiet ist etwa Im Februar 1953 zu rechnen, teilte der Femsehfachmann Dr. Rudolf Urtel, Pforzheim, auf einer Presseveranstaltung der Standard Elektrizitätsgesellschaft AG und der ihr zugehörigen Firmen C. Lorenz AG und Mix & Genest AG in Stuttgart mit. Bis dahin sollen das Rhein-Ruhrgebiet mit zwei Fernsehsendern versorgt werden und die Femsehverbindung Hamburg—Berlin fertiggestellt sein. Im süddeutschen Raum ist nicht vor Ende 1953 mit einem regelmäßigen Femsehbetrieb zu rechnen. In der Bundesrepublik befassen sich nach Mitteilung Urtels zur Zeit etwa zwanzig unabhängig von einander arbeitende Firmen mit Entwicklungsarbeiten auf dem Gebiet des Fernsehens. Den deutscher Bedarf an Fernsehempfängern in den nächsten füll bis sechs Jahren veranschlagte er äuf etwa zwei Millionen Apparate. Den Preis für einen Fernsehempfänger, der bisher noch bei etwa 1500 bis 160Q Mark liege, hoffe man nach Anlaufen der Serien auf etwa 1 200 Mark herabsetzen zu können. Die Teilnehmergebühren dürften sieh nach einer Berechnung des NWDR auf 5 Mark monatlich belaufen. Etwa vom vierten bis fünften Jahre an könne sich das Fernsehen selbst tragen. Wer wird Bassermanns Nachfolger f Der fetzte Träger des Iffland-Ringes, Albert Bassermann, ist tot. Der Ring ruht seit 17 Jahren im Wiener Bundestheatermuseum. Die „Neue Zeitung“ hat jetzt einige Schauspieler. Regisseure, Theater 7 kritiker, Theaterwissenschaftler und am Theater interessierte Persönlichkeiten nach ihrer Ansicht über die weitere Bestimmung des Ringes gefragt. Zweck dieser Umfrage war nicht, wie die Zeitung betont, für die das Interesse eines weiteren Leserkreises vorausgesetzt werden könne. Die Befragung von 24 Persönlichkeiten ergab 8 (7) Stimmen für Werner Krauss, 7 ( 8 ) für Fritz Kortner, 2 für Gustaf Gründgens, 2 für Käthe Gold, 1 für Hermann Thimig und 1 für Erich Ponto Für Krauss stimmten Hanns Braun, Kärthe Dorsch, Wolfgang Goetz, Heinz Hilpert, Hans Knudsen, Arthur Kutscher und Hans Schalla. Schweikart würde den Ring Werner Krauss zusprechen, wenn der Würdigste und Reifste damit ausgezeichnet werden solle, am liebsten Fritz Kortner, wenn unter den geeignetsten Bühnenkünstlern der verstanden werden dürfe, der stilbildend, weiterzeigend' und anstoßerregend sei. Für Kortner entschieden sich außerdem Günther Birkenfeld, Otto Kurth, Friedrich Luft, Hans Sdja- roun, Bruno E. Werner und Mary Wigman. Für Gründgens entschieden sich Elisabeth Flitkenschildt und Paul Hoffmann, für Käthe Gold Gerhard F. Hering und Hans Weigel.- Hermann Thimig erhielt die Stimme von Alfred Polgar, Erich Ponto — der in sei- er eigenen Stellungnahme erklärt hat: „Wer ist würdig? — Laßt den Unglücksring im Museum“ — wurde von Gustav Rudolf Sellner nominiert. Butter, Fleisch, Kartoffeln in Brbeitsminuten Wie lange muß ein durchschnittlich verdienender Industriearbeiter arbeiten, um ein Kilogramm-Butter, Schweinefleisch und Kartoffeln kaufen zu können? Das Statistische Landesamt von Nordrhgin-Westfalen hat festgestellt, daß ein USA-Arbeiter 68 Minuten für ein Kilo Butter, 65 Minuten für ein Kilo Schweinefleisch und fünf Minuten für ein Kilo Kartoffeln arbeiten- mußte. Dagegen brauchte ein Arbeiter in Dänemark für ein Kilo Butter 95, ein Kilo Schweinefleisch 92 und ein Kilo Kartoffeln sechs Minuten. In England waren es: Butter 91 Minuten, Schweinefleisch 90 Minuten und Kartoffeln sechs Minuten. Für die Erstellung einer Dreschhalle auf dem ehemaligen Viehmarktplatz an der Büchenauerbrücke sieht der Etat 12 000 DM vor. Für die Erwerbung von Grundstücken und für Entschädigungen, die durch Aenderung von Straßenfluchten erforderlich wurden, enthält der außeror- -dentliche Etat 60 ÖÖO DM. * In diesem Zusammenhang wäre eine Bitte an die Stadtverwaltung auszusprechen: Mit allen Mitteln eine möglichst baldige Fertigstellung der Weststadtschule zu ereichen, im Interesse der 600 oder gar 700 Kinder, die für dieses Schulhaus in Frage kommen. Man stelle sich einmal den weiten. Schulweg von der unteren Rheinstraße, vom Weidenbusch oder gar von der Nebenerwerbssiedlung im Büchenauer Wald zur Styrumschule in der ehemaligen Dragonerkaserne vor!; Erst- und Zweitkläßler benötigen eine Dreiviertelstunde, eine ganze Stunde, manchmal sogar noch mehr, vor allem bei schlechtem Wetter. In der hinter uns liegenden Hitzeperiode begann der Unterricht z. T. schon um 7 Uhr früh, für die Kinder drunten im Bü- chenauerwald bedeutete dies ein Aufstehen schon um 5 Uhr oder spätestens um 5.30 Uhr. (!!) Kraft und Schönheit. Tief beeindruckt von den Schönheiten der Stadt verließen die Fahrtteilnehmer diese Stadt. Das nächste Reiseziel war der bekannte Wallfahrtsort Walldürn, wo dem durch eine Hagen-Messe verschönerten Gottesdienst in der geräumigen Wallfahrtskirche beigewohnt wurde. Talabwärts' fuhren die beiden Omnibusse über Amorbach nach Miltenberg am Main, dem Endpunkt der Fahrt. Dieser so malerische Fremden- und Ausflugsort, in dem sich neue und mittelalterliche Baukunst zu glückhafter Synthese verbinden und der Deutschlands ältestes Gasthaus, Hotel „zum Riesen“ birgt, bietet eine Fülle von Erholungsmöglichkeiten. Die Besichtigung dieser zu Bayern gehörenden Stadt, vermittelte unvergeßliche Eindrücke. In den Mittagsstunden wurde das hochgelegene Kloster und die prächtige Wallfahrtskirche auf dem Engelsberg bei Großheubach besucht. Den mühevollen Aufstieg belohnte ein weiter Blick über die Hänge ins Tal bis zum Main hinab. Am späten Nachmittag kam man in Amorbach an, einer an geschichtlicher Vergangenheit reichen Stadt, die sehr viel von Fremden besucht wird. Die weltberühmte Abteikirche, nach Plänen von M. v. Welsch erbaut, ist eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges. Fresken und Gemälde von Günther und Asam, der ja auch in der Hofkirche und der Peterskirche zu Bruchsal malte, und selten schöne Stückarbeiten Feuchtmayrs machen den Wert dieser einzigartigen Kirche aus, die durch die 1803 erfolgte Säkularisation den Fürsten von Leiningen zugesprochen wurde und seitdem der evangelischen Gemeinde als Gotteshaus dient. Ein Juwel dieser viertürmigen Kirche ist die 1782 erbaute Barockorgel, die mit ihren 3 Manualen als „klangreinstes Instrument“ bezeichnet wird. In einem kleinen Orgelkonzert führte Freiherr v. Droste sämtliche Klangmöglichkeiten dieses einzigartigen Instrumentes vor. 18.30 Uhr fuhren die Omnibusse weiter über Emsttal nach Eberbach und von da durch das burgengekrönte Neckartal mit seinen vielen Windungen nach Heidelberg, das in seiner romantischen Einheit beliebter Ausflugsort ist. Nach kurzem Aufenthalt in Wiesloch, wo noch einmal die Möglichkeit bestand, einen kleinen Imbiß einzunehmen, wurde die Heimfahrt nach Bruchsal angetreten, das gegen 21.30 Uhr erreicht wurde. f. Tageskalender für 16. Juli Schloßtheater Bruchsal, 18.30 und 20.45 Uhr „Die Försterchristel“. Europa-Lichtspiele Bruchsal, 17, 19 und 21 Uhr Dr. Fu Man Chu, II. Teil: „Geheimnis des goldenen Drachens“. Stadtrat Bruchsal, 17 Uhr öffentliche Sitzung im städtischen Altersheim. Danksagung Allen denen, die beim Heimgang unseres lieben Vaters, Schwiegervaters, Großvaters, Bruders, Schwagers und Onkels Josef Zimmermann ihre herzliche Anteilnahme bewiesen haben, besonders dem Männergesangverein Cäcilia und dem Ka- narienzucht- und Vogelschutzverein, sagen wir auf diesem Wege unser tiefempfundenes „Vergelt's Gott“. Die trauernden Hinterbliebenen Bruchsal, im Juli 1952 Ihre Anzeige im Heimatblatt sichert den ERFOLG! fasundUeit tcUdccn: Remstal-Sprudel gegen Stein- und Grie'fjbildung Vertretung: Hermann Kochendörfer, Mineralwasser, Bruchsal, Durlacher Straße 85 und Unteröwisheim. Jetzt - unentbehrlich! „Als Gehbehinderter litt ich gerade In den Sommermonaten unter Wundsein und starker Schweißabsonderung. Nach dem Gebrauch von Klosterfrau Aktiv-Puder jedoch kenne ich kein Wundsein mehr! Und auch die unangenehmen Folgen des Schwitzens sind behoben!" So schreibt Herr Schmitt, Köln-Süiz, Zülpicherstraße 197. UnxXhlige können das gleiche bestätigen: Aktiv-Puder — verblüffend auftrocknend und geruchbindend- Ist das fortschrittliche Mittel zur verbildlichen Körper- und FuSpflegel Jetzt — — einfach unentbehrlich! Aktiv-Puder: Streudosen ab 75 Pfg. in allen Apotheken und Drogerien. 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Dabei wurden 13 Sieger ermittelt: Beißmann, Walter (40) mit 49 P.; Lanz, Rudi (40) mit 48,5 P.; Schuster, Heinz (41) mit 46 P.; Wüst, Wilhelm (39) mit 46 P.; Blan- kenhorn, Johann (42) mit 46 P.; Schnatterbeck, Emil (39) mit 45 P.; Klein, Gerhard (38) mit 44,5 P.; Eiser, Norbert (42) mit 44 P.; Scheuermann, Wolfgang (39) mit 42 P.; Fuchs, Alfred (39) mit 41 P.; Klinger, Wendelin (39) mit 40 P.; Weiler, Ludwig (41) mit 40,5 P. und Beyerle, Werner (42) mit 40 P. Den Abschluß der Spiele bildete ein Fußballspiel zwischen dem Entlaß] ahrgang 52 und der 8. Klasse, das der Entlaß- jahrgang mit 3:2 gewann. Die diesjährigen Emteferien beginnen am 17. Juli und sind von dreiwöchiger Dauer. Die Schulentlassungsfeier findet am Mittwochabend (16. 7.) im Saal des Gasthauses zum Ritter statt. sch. Oberöwisheimer Jugend sah „Wilhelm Teil Schön verlaufene Bundesjugendspiele — Feierliche Entlassung aus der Volksschule 99 Am 5. Juli besuchte die 8. Klasse mit ihrem Klassenlehrer Baier das Naturtheater in Oetigheim, nachdem zuvor im Unterricht „Wilhelm Teil“ gelesen und eingehend behandelt war. Mit der Bahn ging es nach Karlsruhe. Den ganzen Vormittag konnten sich die Schüler im Karlsruher Stadtgarten ergehen. Die Aufführung von „Wilhelm Teil“ machte auf die Schüler einen tiefen Eindruck, nicht minder der große Andrang von Schulklassen. Da waren Schüler vertreten aus Süd-, Mittel-, Nordbaden, dem Bauland, aus der Pfalz. Die Aufführung fand vor ausverkauftem Hause bei tropischer Schwüle statt. Die Jugend zollte reichen Beifall. Am Freitag wurden auf dem Sportplatz die Bundesjugendspiele ausgetragen. In Anbetracht des warmen Wetters begannen die Wettkämpfe bereits um 7 Uhr. Es beteiligten sich 111 Schüler und Schülerin- Jugend von heute, fiemeinde von morgen Gut besuchte Schulentlassungsfeier in Neudorf Am Freitagabend fand im Gasthaus zum „Lamm“ die Entlassungsfeier der 8. Klasse statt. Die Feier war von den Eltern sehr gut besucht, so daß trotz des Werktages der Saal bis auf den letzten Platz besetzt war. Das Gerippe der Feier bestand im Vortrag von Liedern und Gedichten, welche auf die Bedeutung des Tages hinwiesen. Den Mittelpunkt bildete ein chorisches Spiel, betitelt „Der geizige Müller“, das aus dem Leben gegriffen ist, und dessen Grundgedanken sich in jedem Kreis, jeder Gemeinde und Gemeinschaft wiederholen kann. Habsucht und Geiz beherrschen den Müller, der erst durch den Armen wieder in die Gemeinschaft aufgenommen worden ist. In seiner Ansprache gedachte Rektor Eberhard des großen Erziehers Fröbel und stellte seine Bedeutung für Erziehung und Schule heraus. Den Kindern gab er die vier Worte: „Frisch, fromm, fröhlich, frei“ mit hinaus. ins Leben. Wenn diese Worte ihre Lebensdevise sind, werden sie den Lebenskampf bestehen können. Pfarrer Schmidt ermahnte die Eltern, ihre Kinder weiterhin in strenge Obhut zu nehmen. Der von Schule und Kirche in die Kinderherzen gelegte Samen muß durch die Eltern weiter gehegt und gepflegt werden. Von den Entlaßschülern verlangte er, stets innerlich feine Menschen zu bleiben. Bürgermeister Notheis appellierte an die Schüler und wies sie darauf hin, daß sie einmal später die Bürger der Gemeinde sind, denen dann das Wohl und Wehe der Gemeinde anvertraut ist. Die Jugend von heute ist die Gemeinde von morgen. Alle müßten sich stets so führen, daß sie ihrer Heimatgemeinde nur Ehre machen. Nachdem jedes Kind ein Exemplar des Bonner Grundgesetzes erhalten und der Rektor den Dank für den zahlreichen Besuch ausgesprochen hatte, wurde mit einigen Liedern die Feierstunde geschlossen. Am Samstagmorgen versammelten sich die Kinder zum letzten Male in ihren Klassenzimmern, die sie mit Blumen und frischem Grün geschmückt hatten, um nun endgültig der Schule Valet zu sagen. Die Klassenlehrer Eberhard und Vetter gaben ihnen die letzten Ermahnungen, händigten ihnen die Entlaß- zeugnisse aus und entließen sie durch Händedruck mit den besten Wünschen. Mit der Entlassung der 8. Klasse schloß am Samstag die Schule für 3 Wochen ihre Pforten. Die Ernteferien sollen den Kindern die Möglichkeit geben, ihren Eltern bei der Einbringung der Ernte, bei den Drescharbeiten und Aussaat des Spätfutters behilflich zu sein. Am 4. August beginnt wieder der Unterricht. Das Sommerfest des MGV „Liederkranz“ im nahen Kammerforst war von Seiten der Bevölkerung sehr gut besucht. Alle benützten den Sonntagnachmittag zu einem Spaziergang in den kühlen, schattigen Wald. Da für Labung und Stärkung bestens gesorgt war, bildete sich bald eine unterhaltende Gemeinschaft. Den musikalischen Teil bestritt der Musikverein „Concordia“, den gesanglichen der MGV „Liederkranz“, MGV „Frohsinn“ und MGV „Liederkranz“ Graben. Alle Vereine traten mehrmals auf den Plan und erfreuten die Anwesenden durch Chöre, die reichen Beifall auslösten. Bei magischer Beleuchtung des Waldes wurde in den Abendstunden das Fest beendet. rm. Hochbetrieb im Turnerlager Gondelsheim. Das schöne Wetter der Sommermonate ist die Zeit der Turner. Jetzt gilt es, die in harter Winter- und Frühjahrsarbeit erlernten Übungen im harten Konkurrenzkampf zu erproben. Das Kreistumfest des • Turnkreises Bruchsal in östringen und das Jubiläumsturnfest des TV Obergrombach brachten unseren Aktiven viel schöne Erfolge. Bereits eine Woche später traten unsere Oberstufenturner beim TV Jöhlingen zu einem Geräte- Fünf-Kampf mit Mannschaftswertung an. Trotz Einsatzes einiger Nachwuchskräfte siegten sie hierbei überlegen mit 437,4 Punkten vor TV Obergrombach mit 405,8, TV Jöhlingen mit 393,4 und TV Zaisen- hausen mit 392,4 Punkten. Als beste Einzeltumer erwiesen sich Albert Schabinger, Hillenbrand von Jöhlingen und Gerhard Schwedes. Trotz der Erntearbeit werden die Turnstunden fleißig besucht, denn unser Sommerziel muß auch dieses Jahr heißen: Verteidigung des Mannschafts- Wanderschildes des Bruchsaler Turnkreises im Geräteturnen. Mitte August werden die Vereinsmeisterschaften ausgetragen, verbunden mit dem Rückkampf gegen TV Jöhlingen und einem abendlichen Gartenfest der Turnerfamile. Auch ein Vereinsausflug nach dem schön gelegenen Tumerheim Brandeck-Lindle im Schwarzwald ist in Aussicht genommen. In Kür^e wird auch, zum 1. Male nach dem Kriege, die Volksschule Gondelsheim wieder sportlich durch die Ausrichtung der Bundesjugendspiele in Erscheinung treten. Die turnbegeisterte Bevölkerung Gondelsheims wird interessiert die Leistung der Jungen und Mädel verfolgen, denn gerade diese Veranstaltung war früher von der Lehrerschaft immer zu einem besonderen Festtag unserer Jugend gestaltet worden. uf. Heidelsheimer Notizen Heidelsheim. Im Alter von 27 Jahren starb an einer kurzen heimtückischen Krankheit Schreiner Adolf Honig. Der schwer geprüften jungen Frau wendet sich allgemeine Teilnahme zu. — Johann Georg Zutavern, in der Judengasse, konnte seinen 81. Geburtstag feiern. Wir gratulieren herzlich. Silberne Hochzeit. Helmsheim. Am 16. Juli feiern die Eheleute Bundesbahnsekretär Gustav Schmidt und Frau Lina, geb. Huber, am Bahnhof, das Fest der Silbernen Hochzeit. Den Jubilaren herzliche Glückwünsche! — u — nen. Bei dem Dreikampf konnten 40 Schüler 40 und mehr Punkte erreichen und erhielten somit ein Diplom. Es wurden teilweise ausgezeichnete Leistungen gezeigt, ganz besonders im Laufen und im Weitsprung. Dahinter standen die Leistungen im Ballweitwurf etwas zurück. Nach Beendigung des Dreikampfes erfreuten die Mädchen durch ein lustiges Ballspiel. Die Knaben der 8. und 9. Klasse spielten in einem Fußballspiel gegen die 6. und 7. Klasse, wobei die älteren Schüler 4:2 gewannen. Die Aussrichtung und Gesamtleitung der Jugendspiele hatte Lehrer Schmidt, der von den übrigen Lehrern tatkräftig unterstützt wurde. Das Erfreuliche der Veranstaltung kann dahin zusammengefaßt werden, daß die durchschnittlichen Leistungen durchweg gut waren und daß einige Talente entdeckt wurden, die bei intensivem Training und fachlicher Betreuung, zu den schönsten Hoffnungen berechtigen. Im Interesse des Sports wäre es sehr zu begrüßen, wenn der Sportplatz in unmittelbare Nähe des Dorfes gelegt würde. Die große Entfernung des Sportplatzes wirkt sich auf die breite Entfaltung des Sports hemmend aus. Am vergangenen Wochenende fand im Schulhaus die Entlassung der vierzehnjährigen Schüler und Schülerinnen statt. A. Baier, der derzeitige Schulleiter, begrüßte Vertreter der Gemeinde, der Geistlichkeit und die Elternschaft, die sehr zahlreich erschienen war. Sein Gruß galt auch dem Lehrerkollegium und hier vor allem Oberlehrer i. R. Rudolf Burkard. Die Feierstunde wurde umrahmt von Gedichtvorträgen und musikalischen Darbietungen. In der Festansprache, die der Klassenlehrer an die nun ins Leben hinaustretenden Schüler hielt, wurde ein Lebensbild des großen Pädagogen Fröbel gegeben. Dessen Leitsatz: „Laßt uns unseren Kindern leben“ gab der Festredner vor allem den Eltern und Erziehern mit auf den Weg. Im Auftrag der Gemeinde sprach Gemeinderat Kolb der Schule seinen Dank aus und lobte vor allem das gute Verhältnis zwischen Schule und Elternhaus. Der evangelische Ortsgeistliche, Pfarrer Arnold, ermahnte in warmen Worten die Entlaßschüler, das in der Schule erworbene Wissen im Leben praktisch anzuwenden. Er gab fernerhin der Hoffnung Ausdruck, daß alle die, die er und sein katholischer Amtskollege Pfarrer Schmitt im Religionsunterricht betreut hätten, auch im Lebenskampf die Religion als Maßstab aller Dinge betrachten mögen. Am Wochenende veranstaltete die Freiwillige Feuerwehr ein Gartenfest, das von nah und fern gut besucht war. Neben musikalischen Darbietungen gab es am Samstag und Sonntag mannigfache Abwechslungen, u. a. einen Festzug mit zahlreicher Beteiligung auswärtiger Wehren. Frau Frieda Mayer, geb. Bühn, feierte ihren 73. Geburtstag. Am 19. Juli begeht Herr Gustav Diemer, Badstraße, seinen 74. Geburtstag. Wir gratulieren den beiden hochbetagten Jubilaren herzlich. 1. Wieder zwei Tote dtirili I/erkehrsnntälle Aus dem Wochenbericht des Landespolizeikommissar riates in Karsruhe Als ein auf der Straße Bretten — Rinklingen fahrender Kraftradfahrer zum Ueberholen einer Radfahrerin ansetzte, fuhr diese, ohne die Fahrtrich- tungsänderüng änzüzeigen, nach links. Dadurch stießen beide zusammen, stürzten zu Boden und wurden verletzt. Die Radfahrerin wurde in das Krankenhaus eingeliefert. Beide Fahrzeuge wurden beschädigt. * Auf der Dertinger Straße bei Bretten geriet ein Pkw. in einer Kurve aus der Fahrbahn und überschlug sich mehrmals. Die Ehefrau des Fahrers wurde aus dem Wagen geschleudert. Sie erlitt schwere Verletzungen, an denen Sie nach Einlieferung im Krankenhaus verstarb. * Als ein Lchw-Fahrer auf der Bundesstraße S vor der geschlossenen Schranke des Bahnüberganges an- halten wollte, wirkten die Bremsen des Fahrzeuges nicht. Infolgedessen stieß der Lkw auf einen in gleicher Fahrtrichtung haltenden Pkw. Dieser wurde stark beschädigt. Die Weiterfahrt des Lkw mußte verhindert werden. Auf der Bundestraße 36 stieß nachts ein Kraft'rad- fahrer mit einem Fußgänger zusammen. Der Kradfahrer erlitt einen Schädelbruch, an dessen Folgen er im Krankenhaus verstarb. Der Fußgänger brach sich den Oberschenkel. * Beim Ueberqueren der .Linkenheimer Landstraße sah eine von der Feldarbeit heimkehrende 72jährige Frau zwar nach links — aber nicht nach rechts. Die Folge davon war, daß Sie den von rechts kommenden Pkw erst bemerkte, als sie schon'auf der Straßenmitte war. Unsicher geworden, ging sie zuerst rückwärts und dann wieder vorwärts und wurde so von einem anderen angefahren, zu Boden geworfen und verletzt. Lebensgefahr besteht nicht. • Auf der Bundesstraße 10 versuchte der Fahrer eines Dreiradlieferwagens eine seitlich der Straße aufgestellte Zugmaschine in dem Augenblick zu überholen, als ein Lkw aus entgegengesetzter Richtung auf ihn zukam. Beide Fahrzeuge stießen zusammen. Es entstand Sachschaden. Am 9. Juli brach im Hardtwald seitlich der Straße Leopoldshafen-Spöck ein Brand aus. Die vom Bürgermeister aus Friedrichstal alarmierte Bevölkerung, die dortige Feuerwehr und die Berufsfeuerwehr Karlsruhe leisteten sofort Hilfe, so daß der Brand auf eine Fläche von 1,5 ha Jungwald beschränkt wurde. Der Sachschaden wird auf etwa 5000.— DM geschätzt. Nach Ermittlung ist der Brand seitlich der Straße, vermutlich durch Wegwerfen brennenden Raucbmaterials oder durch Funkenflug einer Zugmaschine, entstanden. * Eine aus dem Mädchenheim Bretten Entwichene konnte ergriffen und wieder zurückgebracht werden. Ebenso gelang es, einen aus der Anstalt in Baden- Baden entflohenen Jungen zu ergreifen. • Wegen Verfälschung- und irreführender Bezeichnung von Lebensmitteln mußten verschiedene Personen angezeigt werden. 'faideu, (jem’niäeul Erfolgreicher Pferdezüchter Menzingen. Bei der Stutenschau des Hengsthaltungsringes Bruchsal—Münzesheim konnte Waldmüller Otto Bergdolt zwei Preise erringen. In den einzelnen Klassen errang der Züchter einen lb-Preis und für die beste Stutenfamilie wurde er mit dem 2. Preis ausgezeichnet. Die Landwirtschaftliche Berufsschule führte ihren Ausflug in das Kniebisgebiet durch. Die Fahrt ging durch das schöne Murgtal. Die Kinder erhielten viele Eindrücke von den Sehenswürdigkeiten des nördlichen Schwarzwaldes. In Peterstal wurden die Quellen besichtigt. Auf der Rückfahrt machte man kurz in Baden-Baden Station. Seit Anfang dieser Woche sind die Emtearbeiten in vollem Gang. Der Stand der Früchte ist als gut zu bezeichnen. Franz Habiger, Neubürger, beging am 15. Juli seinen 72. Geburtstag. Theresia Wöhrle, Kirchstr., wird am 18. Juli 78 Jahre alt. Am 19. feiert Gottlieb Schuster, Kirchendiener a. D., seinen 74. Geburtstag. Luise Pfeil, Schafstraße, kann am 21. auf ihr 80. Lebensjahr zurückblicken, ebenso am gleichen Tage Josefa Peichel, Neubürgerin, auf ihr 76. Lebensjahr. Den Jubilaren alles Gute. G. Entlassungsfeier der Schuljugend Oberhausen. In einer Feierstunde wurden die Schüler und Schülerinnnen der achten Klassen, 71 Knaben und 39 Mädchen, aus der Schule entlassen. Nach der Begrüßungsansprache des Herrn Rektor Dieringer wurde eine wohlgelungene Aufführung eines Spieles nach dem Märchen vom Wunschring gezeigt. Im zweiten Teil wandte sich Rektor Dieringer in einer Ansprache an Eltern und Schüler, wobei er die Schwierigkeiten aufzeigte, unter denen gerade bei dem zur Entlassung ■ kommenden Schülerjahrgang die Erziehungsarbeit zu leisten war. Es handelte sich um den Geburtsjahrgang 1938, der im Jahre 1944 wohl schulpflichtig wurde, damals aber keinen ordentlichen Schulunterricht erhalten konnte, dies war erst vom Jahre 1946 an möglich, aber auch damals krankte der Schulbetrieb noch an dem Mangel an Lehr- und Lernmittel. Unterstützt wurde die Erziehungsarbeit durch verständnisvolle Mitarbeit der Gemeindeverwaltung, die der Schule helfend zur Seite stand. Nicht zuletzt aber hat sich die Zusammenarbeit mit der Geistlichkeit als erfolgbringend erwiesen. Durch das Zusammenwirken aller Kräfte konnte so das schwierige Werk der Erziehungsarbeit gelingen. Gertrud Maier, Robert Machauer, Fritz Mösch, Konrad Gäng, die sich durch Fleiß, emsige Mitarbeit und besonders lobenswerte charakterliche Haltung hervorhoben, konnten aus der Hand des Bürgermeisters Buchpreise in Empfang nehmen. Lobend erwähnt und durch Ueberreichung eines Bildes ausgezeichnet wurden: Gertrud Scheurer, Rolf Kull- mann und Helmut Neher. Gedicht- und Liedervorträge der Entlaßschüler umrahmten die Ausführungen des Schulleiters. Schulentlafifeier in Wössinger Turnerheim Bei der Schulentlafifeier am Freitagabend im Turnerheim, konnte Rektor W. Brauch eine große Schär Eltern und die gesamte Gemeindeverwaltung mit Bürgermeister Schmidt, sowie Pfarrer Heuser begrüßen. In seinen Ausführungen stellte er in launigen Worten die Freisprechung der 62 Schüler und Schülerinnen vor Augen, die nun einen neuen Lebensabschnitt antreten. Gleichzeitig dankte er dem Klassenlehrer Heid und Pfarrer Schmidt für ihre Erziehungsarbeit. Mit Liedern, Gedichten und 2 Ausschnitten aus „Jedermann“ und Teils Apfelschußszene zeigten die Kinder, daß sie fleißig geübt haben. Auch das Lustspiel von der Kochschule und ein Tanz ernteten reichen Beifall, daß sie nochmals wiederholt werden mußten. Bei Kaffee und Kuchen blieb man noch lange beisammen. Rheinwasserstände Konstanz 389 (—3), Rheinfelden 266 (+2), Breisach 218 (+12), Straßburg 270 . (—8), Karlsruhe 431 (—9), Mannheim 281 (—7), Mainz 264 (—4), Bingen 176 (—4), Caub 189 (—4). • • ein Blümelein, mul das heißt: Erika 8 Monate Gefängnis für unverfrorene Diebstähle Wegen bedenkenloser Diebstähle, die das normale Maß von Unverfrorenheit weit überschreiten, stand dieser Tage die 19 Jahre alte Erika R. aus F. vor dem Strafrichter. U. a. hatte sie bei einem Schuhmacher ein Paar Schuhe gestohlen, die aber, wie sie zu Hause feststellen mußte, nicht paßten. Ohne Hemmungen ging sie zum Schuster zurück, erklärte, die Schuhe hier gekauft zu haben und verlangte ein kleineres Paar. Ein solches war nicht vorhanden und Erika forderte deshalb den Kaufpreis zurück. Dummerweise war der Bestohlene an diesem Morgen ins Krankenhaus gekommen und seine Frau kannte den Kaufpreis nicht. Doch Erika wußte Rat; sie steckte ihre Schuhe wieder ein, wanderte ins Krankenhaus und ließ sich dort sagen, daß die Stiefelchen 19,— DM wert seien. Um aber den Weg nicht umsonst gemacht zu haben, schrieb sie nicht 19,— sondern 24,50 DM auf die Schuhschachtel und kassierte prompt diesen Betrag von der doppelt geprellten Schuhmachersfrau. Ein weiteres Gaunerstückchen leistete sie sich in Großes Musikfest in Gondelsheim: SO Jahre Musikkapelle in Grondelsheim Zahlreiche Ehrungen für Gründungsmitglieder. und langjährige aktive und passive Mitglieder. — Höhepunkt am Festsonntag: die Musik vorträge zahlreicher Kapellen Eduard Retzbach, Walter Rätz, Wilhelm Mohr,. Jakob Mohr, Fritz Dittes, Ludwig Übelhör, Heinrich Ries, Wilhelm Hartmann, Wilhelm Hahn, Karl Steinbach, Hermann Deiniger, Wilhelm Ries, Robert Schmidt, Fritz Hauser, Karl Rätz, Emil Häfel, Wilhe lm Feßler, Oskar Albrecht, Karl Steinbach. Die Gondelsheimer Vereine sind, den Liederkranz ausgenommen, alle um 1900 entstanden und haben darum ihre goldenen Jubiläen zum Teil schon gefeiert. Nun ist der Musikverein „Harmonie“ in diesen Tagen als Festveranstalter aufgetreten und hat gleich 2 Gedenktage begangen: 50 Jahre Musikkapelle und 25 Jahre Musikverein „Harmonie“. Der Auftakt begann am Samstag mit einer Totenehrung auf dem Friedhof .und vor dem Kriegerdenkmal. In der harmonisch und originell geschmückten Turnhalle fand sodann ein Festbankett statt, bei voll besetztem Hause. Der Jubel verein, von Fritz Rätz sicher und aufmerksam geleitet, zeigte in seinen vielen Vorträgen eine beachtliche Stufe musikalischen Könnens und fleißiger Vorarbeit. Märsche, Ouvertüren, Charakterstücke und Walzer kamen zu präzisem und klangvollem Vortrag und fanden vollen Anklang. Prologe der Festdamen leiteten zum offiziellen Teil des Abends über und in zahlreichen Ansprachen kam die enge Verbundenheit des Vereins mit der Gesamtbevölkerung zum Ausdruck. Als 1. Gratulant sprach Bürgermeister Schwarz für die politische Gemeinde Lob- und Dankesworte für das der Gemeinschaft dienende Wirken der „Harmonie“. Er übermittelte eine Spende der Gemeinde, die dazu dienen soll, das kulturelle Erbe weiter zu pflegen. Die Glückwünsche der Kirchengemeinde entbot Pfarrer Bär und dankte für die wertvolle Unterstützung, die der Verein dem kirchlichen Leben stets angelegen sein ließ. Auch die Vorstände des Liederkranzes, des Turnvereins, der Feuerwehr und des Musikvereins Obergrombach sprachen ihre Glückwünsche aus. Für alle Gratulationen dankte der 2. Vorstand Emil Bertsch, der anstelle des erkrankten 1. Vorstandes Jakob Wagner in umsichtiger Weise als Organisator und Festleiter tätig war, in herzlichen Worten. Ueber seine umfassende Festansprache werden wir in einer späteren Nummer berichten. Der Turnverein und der Liederkranz bereicherten die Vortragsfolge durch ihre Mitwirkung. Zahlreiche Ehrungen konnte der Bezirksleiter des Bundes südd. Volksmusiker, Herr Hohn, Karlsruhe, vornehmen. Es erhielten ‘das Bundeszeichen in Gold: die Gründungs- und Ehrenmitglieder Wilh. Heck, Adolf Heck, Fritz Rätz sen., Fritz Stemm- ler, Emil Steeb (USA). Bundeszeichen in Silber: 25 Jahre aktive Mitglieder: Fritz Rätz, Chorleiter, Wilhelm Leicht, Heinrich Gaukel, Richard Steinbach, Wilhelm Wittmann, Johann Schäfer, Wilhelm Dittes. Bundesabzeichen in Silber für passive Mitglieder, Ehrenmitglieder 25 Jahre: Albert Lansche, Gottlieb Ratzle, Jakob Walz, Jakob Heck, Jakob Heck sen., Karl Hermann, Gustav Ratzel, Jakob Häfele. Bundesabzeichen in Silber für passive Mitglieder: Gustav Rätz, Jakob Schwarz, Heinrich Heck, Philipp Bläsi, Eugen Walz, Herr Hohn übermtitelte auch Wünsche des Verbandes der Volksmusiker, lobte den Opfergeist der Har- moniegemeinde und die positive Einstellung der Gemeindeverwaltung zur Musikpflege. Erwähnenswert ist noch die Tatsache, daß ein früheres Mitglied aus Amerika herzliche Grüße und eine Dollarspende gesandt hatte. Das herrliche Sonntagswetter brachte einen ungeahnt großen Zustrom von Besuchern aus der Umgegend. Vormittags fand ein Festgottesdienst unter Mitwirkung der „Harmonie“ und des Liederkranzes statt. Um 13 Uhr sammelten sich die Ortsvereine und die erschienenen Musikkapellen in der Mühlstraße zu einem stattlichen Festzug, den Festreiter eröff- neten und dem buntgeschmückte Radfahrergruppen und Festwagen neben dem Weiß der Turnerinnen ein farbenfrohes Bild gaben. Auf dem Festplatz konzertierten die Spielmannszüge und Kapellen und boten ihr Bestes. Gewaltig wirkten die Massenchöre aller anwesenden Musiker, denen die Ausgabe der Erinnerungsplakette an die Gastvereine folgte. Abends wurde lebhaft dem Tanze gehuldigt und gemütliche Stunden bei Musik und froher Zwiesprache verbracht. Ein Brillantfeuerwerk und bengalische Beleuchtung bildeten den Abschluß des schönen Festtages. K. B. einem Uhrengeschäft. Ohne Geld, aber mit Heiratsund sonstigen Absichten ließ sich Erika den ganzen Vorrat an Eheringen vorlegen, allerdings nur 14karä- tige, die anderen waren zu wenig standesgemäß. Aber auch unter den guten und besten fand sie nicht das Richtige, zumal sie in einem unbewachten Augenblick bereits „englisch“ eingekauft hatte. Unverrichteter Dinge — so meinte wenigstens der Uhrmachermeister — zog sie wieder ab. Zu Hause besichtigte sie den Ertrag ihrer Bemühungen und fand, daß sie keinen schlechten Griff getan hatte, nur fehlte noch ein Etui, um die Ringe darin zu verwahren. Bedenkenlos. sprach sie am nächsten Morgen im gleichen Geschäft wieder vor, behauptete, die Ringe hier gekauft zu haben und erbat und erhielt ein Etui dazu. Das waren ihre beiden Bravourstücke, aber nicht die einzigen Taten, deretwegen sie angeklagt war. Einem Kohlenhändler hatte sie 530,— DM aus dem Büro gestohlen, in einem Kurzwarengeschäft Handschuhe und Tischtücher in ihrer Tasche verschwinden lassen und noch anderes mehr. Insgesamt wurden ihr 6 Straftaten vorgeworfen, die sie auch alle zugab. In der Verhandlung saß Erika in sturer Gleichgültigkeit in der Anklagebank. Ungerührt nahm sie den Strafantrag des Staatsanwaltes hin und ebenso ungerührt hörte sie sich das Urteil an, das auf 8 Monate Gefängnis lautete. Was soll aus diesem Mädchen werden? Wird sie die Strafe bessern oder lernt sie in der Haftanstalt nur neue Kniffe dazu, die ihr das Stehlen und Betrügen leichter machen und sie letzten Endes wieder ins Gefängnis oder Zuchthaus führen? Eier Richter sprach die Hoffnung aus, daß sie noch einmal in sich gehe und nach ihrer Entlassung den richtigen Weg einschlage. m.