fM B lUHiai g JlUW it Reitktioo nnil Vertat i BrnAaal, Wörths traße 11, Telefon Nr. 8121 Bosnfapreiei Monatlich DM 2.80 einschließlich Trlgergebihr. Poatasatellnng DM 2.45 anzüglich Zustellgebühr. — Erscheint an jedem Tag der Woche, anfier sonn* tmd feiertags RHEINISCHES TAGBLATT SÜDDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG Anzeigenpreise hnt Preisliste. — Bankkonten! Spats and Kredits bank Brnchsal Nr. 603; Stadt. Sparkasse Philippsbnrg Nr. 1087. Postscheckkontos Amt Karlsruhe Nr. 36440. — Boi Störung durch höhere Gewalt besteht kein Ersaßantprnch. Nnmnier 193 Donnerstag, 21. lugust 1951 Einzelpreis 20 Pfennig Ei» nicht alltäglicher Unfall ereignete sich auf einer Landstraße in Arizona (USA). Nach einem Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug durchbrach ein Tankwagen ein Brückengeländer und schwebte dort über sieben Stunden über dem Abgrund, ehe es gelang, ihn wieder auf die Fahrbahn zu ziehen. Stalin löst Politbüro auf 19. Parteikongreß der sowjetischen KP einberufen - Reorganisation der Parteispitze beschlossen MOSKAU. Eine weitgehende Reorganisation der Spitze der sowjetischen KP wurde am Mittwoch in Moskau angekündigt. Das bisher als allmächtig geltende Politbüro soll aufgelöst und mit dem Organisationsbüro zu einem Präsidium verschmolzen werden, das die Tätigkeit des Zentralkomitees der sowjetischen KP zwischen den einzelnen Vollsitzungen leiten wird. Die bevorstehenden Aenderungen sind in einem Satzungsentwurf der Kommunistischen Partei der Sowjetunion enthalten, der auf dem 19. Parteikongreß verabschiedet werden soll. Die Einberufung dieses Kongresses, der am 5. Oktober beginnt, wurde am Mittwoch von der sowjetischen Presse in größter Aufmachung der Sowjetöffentlichkeit mitgeteilt. Der-Beschluß ist von Stalin als Sekretär des Zentralkomitees unterzeichnet. Nach den alten Parteisatzungen hätte der Kongreß spätestens 1942 stattfinden müssen, er war aber immer wieder verschoben worden. Auch eine • Aenderung des Namens der KP ist vorgesehen. Der neue Satzungsentwurf enthält die Formulierung „Kommunistische Partei der Sowjetunion“, während bisher die Bezeichnung „Kommunistische Partei der Sowjetunion (Bolschewiki)“ gültig war. Auch der Begriff der kommunistischen Parteimitgliedschaft wird neu definiert. Während es in dem bisherigen Status hieß, die KP der Sowjetunion sei die „organisierte Avantgarde der UdSSR ünd die höchste Form ihrer Klassenorganisation“, wird sie in dem neuen Satzungsentwurf als „freiwillige kämpfe- NATO-Rüstungssoll bleibt unverändert Ständiger Bat tagte in Paris - Draper unterstreicht die bisher erzielten Fortschritte PARIS. Das Rüstungssoll der NATO-Staaten bleibt unverändert so, wie es im Frühjahr 1952 auf der NATO-Konferenz in Lissabon festgesetzt wurde. Der Ständige Rat der NATO, der am Mittwoch im Palais de Chaillot in Paris — dem ständigen NATO-Hauptquartier — zur Vorbereitung der nächsten Ministerkonferenz der Staaten des Nordatlantikpaktes tagte, stellte dies in einem nach der Sitzung veröffentlichten Kommunique fest. Der Vertreter Frankreichs, Herve Alphand, erklärte im Verlauf der Sitzung, daß auch die französische Regierung glaube, die in Lissabon übernommenen Verpflichtungen einhalten zu können. Er schlug jedoch gleichzeitig vor, daß jedes Land, das bei der Durchführung seines Rüstungsprogrammes auf besonders gelagerte Schwierigkeiten stoße, seinen Fall der NATO zur Prüfung unterbreiten soll. Bisher wurde die NATO noch von keinem der Mitgliedstaaten mit einem entsprechenden Anliegen befaßt Der Ständige Rat der NATO gab am Mittwoch der Ansicht Ausdruck, daß das beschlossene - Rüstungsprogramm auf keinen Fall verlangsamt werden dürfe, weil die Beweggründe zur Aufstellung starker Verteidigungsstreitkräfte die gleichen geblieben seien. Auf die seit Lissabon erzielten Fortschritte wurde Insbesondere von dem amerikanischen Vertreter William Draper hingewiesen. Durch ihre gemeinsamen Anstrengungen hätten die NATO-Mätgliedstaaten einen großen Schritt zur Erreichung der militärischen Ziele zurückgelegt, die sie sich gestellt haben. Seines Wissens werde kein einziger NATO-Mitgliedstaat. in diesem Jahre die Zielsetzungen nicht erreichen, die er sich gestellt habe. Die Streitkräfte der NÄTO seien wesentlich umfangreicher, besser ausgebildet und besser ausgerüstet als noch vor sechs Monaten. Die Kriegsmateriallieferungen seien dauernd gesteigert und dadurch das Programm der Aufstellung neuer militärischer Formationen beschleunigt worden. Die auf militärischem Gebiet bereits gewachsene Stärke Westeuropas sei durch mehrere entscheidende Ereignisse auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet noch erhöht worden. Der Vertrag über die Euro- CDU für Bnndestagsneuwahlen im Juni 1953 BONN. Bundeskanzler Dr. Adenauer und die CDU- Folitiker, die auf dem Bürgenstock waren, ‘sind nach in Bonn vorliegenden Informationen übereingekommen, darauf zu drängen, daß die Bundestagsneuwahlen schon im Juni 1953 stattfinden. Die CDU will den Plan, die Bundestagsneuwahl schon im Juni 1953 stattfinden zu lassen, bei den Verhandlungen über das neue Wahlgesetz zur Geltung bringen. Ein Entwurf des neuen Wahlgesetzes ist gegenwärtig im Innenministerium zur Bearbeitung. Wie von zuständiger Regierungsseite erklärt wird, wird es nach diesem Gesetz Sache des Bundespräsidenten sein, den Wahltermin zu bestimmen. Bundeskanzler Dr. Adenauer und führende CDU- Politiker sind übereingekommen, daß der nächste gesamtdeutsche CDU-Parteitag nicht, wie ursprünglich vorgesehen, in Berlin, sondern in der Zeit vom 14. bis 17. Oktober in Hamburg stattfindet. SPD fordert Butter-Höchstpreis BONN. Der SPD-Presseddenst forderte am Dienstag von der Bundesregierung, daß sie einen Butterhöchstpreis einführt, um Preiswucher zu verhindern. Die Molkereien und der Buttergroßhandel sollten, heißt es in dem Artikel, „den Bogen nicht überspannen“, weil sonst die Konsumenten zu billigeren Fetten abwandem würden. Da die deutsche Butterproduktion bei einem vernünftigen Preis nicht ausreiche, müßten durch Einfuhren Reserven geschaffen. werden. Strafantrag gegen Renner BONN. Das Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen hat am Mittwoch Strafantrag gegen den kommunistischen Bundestagsabgeordneten Heinz Renner wegen Verleumdung, Beleidigung und übler Nachrede gestellt. Der Strafantrag erfolgte nach Mitteilung des Ministeriums auf Grund von Pressemeldungen, wonach Renner behauptet habe, der Einbruch in das Bonner KP-Kreisbüro sei von „bezahlten Agenten des Kaiser-Ministeriums“ verübt worden. päische Verteidigungsgemeinschaft und der Deutschlandvertrag seien unterzeichnet. Die Montanunion sei praktische Wirklichkeit geworden, und die Europäische Zahlungsunion bestehe weiter. Für die auf Wunsch der USA bis nach den Präsidentenwahlen verschobene nächste Ministerzusam- menkunft der NATO-Staaten, die ursprünglich für September in Paris geplant war, wurde noch kein endgültiges Datum festgesetzt. Es güt als wahrscheinlich, daß diese Konferenz im Dezember in Paris stattfinden wird. Wieder Standrecht in Teheran TEHERAN. Ueber Teheran wurde arr. Mittwoch nach einer Konferenz Ministerpräsident Mossadeqs mit Offizieren und Polizeichefs für eine Woche wieder das Standrecht verhängt Damit ist eine Ausgangssperre von 23.00 bis 5 Uhr verbunden. Die Maßnahme wurde beschlossen, weil es zu Beginn der Woche in der persischen Hauptstadt zu blutigen Zusammenstößen zwischen Anhängern der verbotenen kommunistischen Tudeh-Partei und rechtsradikalen Organisationen gekommen war. Das Standrecht war von Mossadeq erst am 12. August aufgehoben worden. Nagib eiwartet wichtige Geständnisse KAIRO. Der ägyptische Oberbefehlshaber General Nagib beschloß am Mittwoch, den von einem militärischen Sondergericht als Haupträdelsführer bei den Unruhen in der Textilstadt Kafr el Dawar zum Tode verurteüten Angestellten Mustafa Khamis zu empfangen. Khamis hatte mit der Erklärung um die Unterredung gebeten, er wolle „bestimmte Geständnisse“ machen, die „wichtige Persönlichkeiten“ betreffen sollen. Der Verurteilte soll Gelegenheit erhalten, sich ungehindert äußern zu können. In der ägyptischen Hauptstadt erwartet man von den Enthüllungen des zum Tode verurteilten Haupträdelsführers bei den blutigen Zwischenfällen in den Textilwerken von Kafr el Dawar, Mustafa Khamis, eine Sensation. Die Schuldigen an den Zwischenfällen werden immer stärker in den Kreisen um Exkönig Faruk vermutet. In Kairo waren am Dienstag schon Gerüchte im Umlauf, daß der frühere Kabinettschef Faruks, Dr. Hafiz Afifi, der in dem Prozeß in Kafr el Dawar vernommen wurde, verhaftet sein soll. Der Sohn Dr. Hafiz Afifis ist bereits festgenommen worden. Stalin empfing Chon En-lai MOSKAU. Generalissimus Stalin empfing am Mittwoch den Ministerpräsidenten und Außenminister der Volksrepublik China Chou En-lai im Kreml. Wie der Moskauer Rundfunk berichtet, nahmen der stellvertretende sowjetische Ministerpräsident Molo- tow und Außenminister Wyschinski an dem Empfang teiL » rische Vereinigung von gleichgesinnten Kommunisten“ bezeichnet, die sich aus der Arbeiterschaft, dem Bauerntum und den Intellektuellen rekrutiert. Das Politbüro wurde 1917 gebildet. Ihm gehörten in den letzten Jahren durchschnittlich neun Vollmitglieder und drei Kandidaten an. Seine Mitglieder saßen fast ausnahmslos gleichzeitig im sowjetischen Ministerrat. Es galt daher als Körperschaft, die sowohl die Richtlinien der Staatspolitik als auch die der Partei formulierte und ihre Durchführung beaufsichtigte. Der neue Satzungsentwurf legt ferner Nachdruck auf die Disziplin und die Wachsamkeit der Parteimitglieder. Der Parteiausschluß von Mitgliedern des Zentralkomitees kann nach den neuen Satzungen nur mit Zweidrittelmehrheit des Parteikongresses oder einer Vollsitzung des Zentralkomitees beschlossen werden. Malenkow Berichterstatter Auf dem 19. Parteikongreß wird der stellvertretende Ministerpräsident Malenkow den Bericht des Zentralkomitees der KP erstatten. Ferner werden dem Kongreß Richtlinien für die Durchführung des fünften Fünf jahresplanes in der Zeitspanne von 1951 bis 1955 zur Beschlußfassung vorgelegt. Sie sehen eine Steigerung der sowjetischen Industrieproduktion um etwa siebzig Prozent, eine Erhöhung der Erzeugung rüstungswichtiger Nichteisenmetalle um das Zwei- bis Dreifache und eine Steigerung des Sozialprodukts um sechzig Prozent vor. Zu den Aufgaben des bevorstehenden Parteikongresses schrieb die „Prawda“ am Mittwoch: „Die Hauptaufgabe der Bolschewistischen Partei, besteht jetzt darin, durch die Entwicklung des Sozialismus zum Kommunismus eine kommunistische Gesellschaftsordnung aufzubauen, die Parteimitglieder im Geiste des Internationalismus zu erziehen, brüderliche Beziehungen zu den Arbeitern aller Länder herzustellen und auf jede denkbare Weise die aktive Verteidigung des sowjetischen Vaterlandes gegen die feindliche Aggression zu stärken“. Um Stalins Nachfolge? Das amerikanische Außenministerium rechnet damit, daß der Parteikongreß der Sowjetischen KP wertvolle Hinweise auf die künftige Nachfolge Stalins und etwaige wesentliche Aenderungen in der sowjetischen Außenpolitik nach der gegenwärtigen sowjetisch-chinesischen Konferenz in Moskau geben werde. Obgleich in den Ankündigungen über den Parteikongreß nichts darüber gesagt ist, daß die Frage eines Nachfolgers für Stalin zur Debatte gestellt werden soll, erwarten amerikanischen Beamte doch, daß die Zusammenkunft Klarheit über die Machtverteilung im Kreml bringen wird. Da Malenkow auf dem Kongreß das Hauptreferat hält — früher gab Stalin den Bericht des Zentralkomitees — wird in Washington der Schluß gezogen, er komme in erster Linie als Nachfolger Stalins in Frage. Krisenstimmung um Peron Die Krise um General Peron, die in politischen Kreisen Argentiniens als unmittelbare Folge eine« Ablebens von Evita Peron vorausgesagt worden ist, zeichnet sich bereits ab. Die Schwierigkeiten, mit denen der General in den nächsten Monaten zu kämpfen haben wird, treten schon deutlich am argentinischen innerpolitischen Horizont hervor. Im Regierungslager nimmt man die Infonnationen sehr ernst, daß es die älteren Müitärkredse und Unternehmer, die Peron und der Sozialpolitik seiner verstorbenen Gattin Evita feindlich gegenüberstanden, verstanden hätten, einen großen Teil der studentischen Jugend für sich zu gewinnen. Nur so erscheint es auch erklärlich, daß fast zur gleichen Stunde in mehreren Universitäten die Büder Evita Perons von der Wand genommen und zerschlagen wurden. Derartige Zwischenfälle werden in besonderer Schärfe aus La Plata berichtet, das soeben erst in „Evita Peron“ umgetauft worden ist Viel gefährlicher für die Regierung Peron aber ist der Umstand, daß von Gegnern der Gewerkschaften mit Enthüllungen gedroht wird, wobei man sich speziell auf die gewaltigen Summen 6pitzt, die im sogenannten „Sozialen Hilfswerk“ Evita Persons zusammengeflossen sind. Bei der Verwaltung der „Evita-Peron-Shltung“ sollen die argentinischen Gewerkschaften mitgewirkt haben. Eis handelt sich um Beträge ihn Höhe von 40 Milliarden Pesos, die bis zum Ableben Evitas jeder Finanzkontrolle entgangen waren, denn Evita hat über diese Fonds ihre schützende Hand gehalten. Diese Kontrolle muß aber nun, nachdem das „Hilfswerk Evita Person“ über die Gewerkschaften und unter Staatskontrolle gestellt werden soll, durch Spezialisten durchgeführt werden, die angeblich schon bei dem ersten Versuch einer Einsichtnahme teils auf Boykott, teils auf verwirrende Mißstände stießen, welche die Wahrscheinlichkeit großer Unterschlagungen und Skandale offen lassen. Dabei ist die Zukunft der Regierung Peron nach der Ansicht diplomatischer Kreise in Argentinien davon abhängig, in welcher Art und Weise nicht nur das Gedenken an Evita von Peron als politischer Faktor eingesetzt werden kann, sondern auch davon, wie die Verwaltung des sozialen Hilfswerks gehandhabt wird. Es liegt nahe, daß die Gegenspieler Perons, die älteren Offiziere und Generale, die Industriellen und Großgrundbesitzer alles zu tun bereit sind, um Perons Stellung bezw. die Erinnerung an Evita zu unterminieren, um so den Boden für einen eventuellen Militärputsch vorzubereiten. Zwar behauptet Peron, daß er sich auf die jüngeren Militärs stützen könne. Aber diese Erwartung ist nach Ansicht politischer Kreise Argentiniens eine sehr zweischneidige Angelegenheit, weil die Tendenzen dieser jüngeren Militärs vielfach derart extrem link stehen, daß Peron sich eines Tages nur dadurch gerettet seihen könnte, daß er sich einer extremen Linksströmung verpflichtet. Die Krise um General Peron ist also bereits im vollen Gang. Das Gedenken an Evita Peron beginnt schon abzubröckeln. Die Gegner Perons tun alles, was in ihren Kräften steht, um dies zu beschleunigen. dsi Zurückhaltung auf beiden Seiten Bonn in Erwartung weiterer Saargespräche - Schuman: Normaler Verlauf BONN. Bundeskanzler Dr. Adenauer und CDU- Politiker, die ihn auf dem Bürgenstock besuchten, haben während ihrer zweitägigen Besprechungen zu Beginn dieser Woche ausführlich die Saarfrage erörtert. Sie sollen dabei übereingekommen sein, zunächst die weiteren Verhandlungen zwischen Staatssekretär Prof. Hallstein und dem französischen Außenminister Schuman am 29. August in Paris abzu- warten. Erst dann dürfte über die weiteren Schritte der Bundesregierung beraten werden. Ueber die Aussichten einer positiven Lösung äußert man sich in Bonner amtlichen Kreisen zurückhaltend. Man erwartet, daß noch weitere Verhandlungen notwendig sein werden, die über den Rahmen deutsch-französischer Einzelbesprechungen hinausgehen dürften. Schuman hatte am Mittwoch dem französischen Ministerrat erklärt, die deutsch-französischen Saarbesprechungen nähmen einen „normalen Verlauf, ohne daß sich die Regierungen im Augenblick festlegen“. Dies wurde in dem Kommunique bekanntDiskontsatz auf viereinhalb Prozent gesenkt Präsident Bemard: Beine wähmngspolitischen Gefahren BONN. Der Zentralbankrat der Bank deutscher Länder hat am Mittwoch in Kiel beschlossen, den Wechseldiskontsatz der Landeszentralbanken von 5 auf 4Vi Prozent, der Lombardsatz der Landeszentralbanken von 6 anf 5Vs Prozent und den Diskontsatz der Landeszentralbanken für Schatzwechsel von 5 anf 4 y 2 Prozent herabzusetzen. Der Zinssatz der Bank deutscher Länder und der Landeszentralbanken für Kassenkredite an die Bundesrepublik Deutschland, an die Deutsche Bundesbahn, die Deutsche Bundespost oder ein Land wird von 5 auf 4K Prozent ermäßigt. Die neuen Sätze treten heute, am 21. August 1952, in Kraft. Der Zentralbankrat hat ferner die Sätze für die von den Kreditinstituten zu haltenden Mindestreserven für Sicht- und Termineinlagen gesenkt. Mit Wirkung vom 1. September 1952 an gelten folgende Sätze: Bei Kreditinstituten mit mindestreservepflich- tigen Einlagen (ohne Spareinlagen) von 100 Millionen DM und mehr für Sichteinlagen an Bankplätzen 12 Prozent und an Nichtbankplätzen 10 Prozent sowie für Termineinlagen 7' Prozent; bei Kreditinstituten mit mindestreservepflichtigen Einlagen von 50 bis unter 100 Millionen DM für Sichteinlagen an Bankplätzen 12 Prozent und an Nichtbankplätzen 10 Prozent sowie für Termineinlagen 7 Prozent; bei Kreditinstituten mit mindestreservepflichtigen Einlagen von 10 bis unter 50 Millionen DM für Sichteinlagen an Bankplätzen 11 Prozent und an Nichtbankplätzen 9 Prozent sowie für Termineinlagen 6 Prozent; bei Kreditinstituten mit mindestreservepflichtigen Einlagen von 5 bis unter 10 Millionen DM für Sichteinlagen an Bankplätzen 11 Prozent und an Nichtbankplätzen 9 Prozent sowie für Termineinlagen 6 Prozent; bei Kreditinstituten mit mindestreservepflichtigen Einlagen von 1 bis unter 5 Millionen DM für Sichteinlagen an Bankplätzen 10 Prozent und an Nichtbankplätzen 8 Prozent sowie für Termineinlagen 5 Prozent; bei Kreditinstituten mit min- destreservepSichtigen Einlagen unter einer Million DM für Sichteinlagen an Bankplätzen 9 Prozent und an Nichte ankplätzen 8 Prozent sowie für Termineinlagen 5 Prozent Der Reservesatz für Spareinlagen bleibt auf dem gesetzlichen Mindestsatz von 4 Prozent Präsident Karl Bemard erklärte zur Diskontsenkung, daß sich der Zentralbankrat zu dieser Herabsetzung entschlossen habe, weil die kreditpolitische Entwicklung es nicht mehr rechtfertige, durch Beibehaltung der bisherigen Sätze einen „besonderen restriktiven Drude“ auszuüben. Die Senkung könne ohne währungspplitische Gefahren vorgenommen werden. Andererseits dürfe daraus nicht geschlossen werden, „daß wir im Gelde schwimmen.“ gegeben, das am Mittwoch nach der Sitzung des Ministerrates veröffentlicht wurde. „Beide Seiten beschränken sich darauf“, heißt es weiter, „ihre Gesichtspunkte und die Möglichkeiten einer Lösung der Frage darzulegen“. Außenminister Schuman hatte dem Ministerrat einen ausführlichen Ueberblick über die außenpolitische Lage gegeben. Der Sprecher des Quai d'Orsay lehnte am Mittwoch unter Hinweis auf das zwischen Außenminister Schuman und Staatssekretär Hallstein vereinbarte Stillschweigen ab, nähere Einzelheiten über die Saarausführungen Schumans vor dem Auswärtigen Ausschuß der Nationalversammlung mitzuteilen. Er wandte sich gegen Darstellungen in der Pariser Presse, die dem Außenminister ganze Sätze unterlegt hätte, welche dieser nie geäußert habe. In der Mehrzahl der französischen Morgenblätter war u.a. als angeblicher Ausspruch Schumans zitiert worden, daß „die Zeit an der Saar gegen Frankreich arbeitet“. Schumans Erklärungen vor dem Außenpolitischen Ausschuß der Nationalversammlung am Dienstag haben nach Ansicht politischer Kreise die Position des Außenministers weiter geschwächt. Wie. am Mittwoch bekannt ■wurde, ist Schuman von den Radikalsozialisten, den Sozialisten, den Gaullisten und den Kommunisten im Ausschuß scharf kritisiert worden. Nur die Beschlußunfähigkeit des Ausschusses habe die Regierung vor einer für sie ungünstigen Entschließung bewahrt Der Ausschuß beschloß, Ministerpräsident Pinay selbst zur außenpolitischen Lage zu hören. Ein Zeitpunkt dafür wurde noch nicht festgesetzt. Die französische Prese bemängelt am Mittvoch insbesondere, daß Schumans Ausführungen über die Frage einer Europäisierung des Saargebietes und über das Tunesienproblem zu wenig präzise gewesen seien. In dem Prozeß, den die verbotene Demokratische Partei Saar gegen die Regierung des Saarlandes angestrengt hat, ist der ursprünglich auf den 2. September angesetzte Termin auf den 2. Oktober verschoben worden. Frankreichs Botschafter in Born Kandidat für Bonn PARIS. Frankreichs Botschafter in Rom, Jacques Fouques-Duparc, soll — wie die Wochenzeitung „Car- refour“ am Mittwoch berichtet — entweder für den Posten des Generalsekretärs des französischen Außenministeriums oder als erster französischer Botschafter in Bonn vorgesehen sein. Ursprünglich sei als Vertreter Frankreichs in der Bundeshauptstadt an den Botschafter in Kairo, Maurice Couve de Murville, gedacht worden. Doch lasse die politische Entwicklung in Ägypten einen Botschafterwechsel zur Zeit nUrten Und Schwan S' erschaftsunt erbrechungen aufge BERLIN. Die Bedingungen für den Erwerb des Sportlei Sowjetzone sind durch eine Reih, vormilitärischer Uebungen erweitert worden, die den Be dingungen des ehemaligen SA- Sportabzeichen* ähneln KIEL. Generalfeldmarschau von Manstein, der im britl sehen Gefängnis von Werl inhaftiert ist, traf am Dienstag abend in Kiel ein, um sich dort wegen eines Star-Leiden operieren zu lassen. Die britischen Behörden haben ihn einen Krankheitsurlaub gewährt. BÜREN. Als erster Ordensschwester verlieh der Bundes Präsident dieser Tage der Schwester Januaria aus dem Or den der Augustinerinnen das Bundesverdienstkreuz an Bande. PARIS. Der französische Ministerrat ernannte am Mitt woch den früheren Justizminister Pierre Henri Teltgen zun französischen Mitglied des Hohen Gerichtshofs der Mon tanunion. PARIS. Eine französische Wirtschaftsdelegation wird zi Besprechungen über den Handelsverkehr zwischen der Bun desrepublik und Frankreich, im vierten Quartal dieses Jah res in der nächsten Woche nach Bonn kommen. AMSTERDAM. Der Generalsekretär des indonesischen Au. ßenministeriums, Dr. Darmasetiawan, erklärte am Mittwod bei seiner Ankunft in Amsterdam, Indonesien werde balc eine Botschaft in Bonn errichten. ISTANBUL. Die französische Expedition, die auf d^p Berge Ararat vergebens nach den Ueberresten der Arch, Noah suchte und nach Erreichen des Gipfels ihre Arbeiter einstellte, wird im nächsten Jahr einen neuen Versuch ''n- ternehmen. w i iiy tust KHIMlMA IKOMAH Copyright by Verlagshaus Reutlingen, Oertel i Spörer 26. “* (Nachdruck verboten) Aber das war ja Unsinn! Die Frau hatte doch dunkles Haar und Dorothy Matthew war weißhaarig. Der Kerkeraufenthalt hatte das Haar des Mädchens vorzeitig gebleicht. Allerdings stimmte es: seit Sonntag war die Matthew verschwunden, und am Samstagabend war auch der Mord in der Untergrundbahn passiert. Roscoe wurde mit einem Male sehr aufgeregt und lebendig. „Komm, Jimmy! Ich ahne Furchtbares!“ Mit langen Schritten eilte er hinter Crack her, überholte ihn auf dem Korridor und sprang in den Lift Der Chefinspektor und der Sergant bekamen erst den nächsten Stuhl zu fassen Als sie ausstiegen schlug ihnen feuchte, kalte Uift entgegen. Am Ende des Ganges, der durch trüb brennende elektrische Birnen nur notdürftig erleuchtet war, befanden sich links und rechts mehrere Eisentüren mit Kreuzschienen. Eine davon öffnete Cradc mit einem Schlüssel, den er schon in der Hand hielt Eine sehr helle Glühbirne flammte auf und beleuchtete einen kleinen gekachelten Raum von höchstens sieben bis acht Quadratmeter. Eisige Kälte schlug den Eintretenden entgegen. Rechts an der Wand befand "sich eine Pritsche. Darauf lag ein menschlicher Körper, der mit einem weißen Bahrtuch zugedeckt war. Die Formen prägten sich jedoch deutlich aus. Crack schlug den oberen Teil des Tuches zur Seite, und Sherlock Roscoe und Jimmy Pond er standen Wie erstarrt. Trotz der dunklen Haarfarbe erkannten sie auf den ersten Blick in der Toten Dorothy Matthew, die Frau die von sich behauptete, daß sie zu Unrecht eine langjährige Zuchthausstrafe verbüßt habe. Es dauerte eine ganze Weile, ehe Leben in Roscoe kam. Seine Augen brannten erst Jimmy, dann Crack an. Der Chefinspektor brauchte erst gar keine Frage zu stellen. „Es ist unfaßbar!“ flüsterte der Sergeant erschüttert Roscoe war noch immer keines Wortes mächtig. Mit leisem Kopfschütteln stand er da und starrte auf die tote Frau herab. Sorgenvoll und gequält schöpfte er tief Atem und strich sich über die hohe, kantige Stirn. „Ein Zweifel ist also ganz ausgeschlossen?“ fragte Crack mit leiser Stimme, als fürchte er, die Ruhe der Toten zu stören. „Ja“ antwortete Roscoe und ging hinaus. Der Chefinspektor gab Jimmy ein Zeichen, das Bahrtuch wieder über den Kopf zu ziehen. Der Sergeant war es auch, der die Türen von außen wieder verschloß. Seine Gedanken arbeiteten ganz sprunghaft . . . eilten nach Surbiton und wieder nach London zurück. Der mysteriöse Mord in der Untergrundbahn hing also ganz unzweifelhaft mit den dunklen Begebenheiten in Surbiton zusammen. Und Roscoe hegte schlimmen Verdacht gegen Ethel Wigmore! Jimmy konnte es nicht fassen. Er konnte nicht glauben, daß dieses hübsche junge Mädchen irgend etwas mit den Verbrechen zp tun haben sollte. Er brannte auf die Nacht, und er hoffte nur, daß die nachtwandelnde Frauengestalt mit der Wachskerze sich wieder im Arbeitszimmer und in der Gemäldegalerie zu schaffen machen würde. Jedenfalls war er entschlossen, so lange nachts draußen zu warten bis er sich Gewißheit verschafft hatte. „Ich wußte“, erklärte Crack, als sie sich in seinem Arbeitszimmer befanden, „daß du wegen der Sache in Surbiton mit einer jungen Dame zu tun hast, deren Haar infolge Kummers und langjährigen Zuchlhausaufenthalts weiß geworden ist, Sherly. Als mir Doktor Purley vorhin die sensationelle Mitteilung machte, daß das Haar der Toten erst vor ganz kurzer Zeit gefärbt sein müsse schöpfte ich noch keinerlei Verdacht, weil er glaubte, das ursprüngliche Haar habe eine hellblonde Farbe gehabt. Dann rückte Dr. Fadden mit der weiteren sensationellen Mitteilung heraus, daß die Farbe nicht hellblond, sondern weiß sei. Ich habe mich selbst davon überzeugt Im selben Augenblick schoß mir der Gedanke durch den Kopf, daß die Tote womöglich dieselbe Person sei, mit der du zu tun hast. Ich hielt telephonisch Rückfrage und hörte zu meiner nicht geringen Verwunderung daß Fräulein Dorothy Matthew seit Sonntag spurlos verschwunden sei. Ich rief erst bei dir an, Sherly, erhielt aber keine Antwort.“ „Ja wir waren beim .Alten“, der sich grätig und übelgelaunt zeigte, weil wir mit der Affäre in Surbiton nicht so recht weiterkommen. Es ist aber auch ein verdammt schwieriger Fall. Immer tauchen neue Momente auf, und man kommt trotz aller Anstrengungen nicht recht vom Fleck. Jetzt diese Geschichte ,noch! Es ist zum Aus-der-Haut-Fahren! Wahrscheinlich wäre die Frau, die jetzt unten im Kühlkeller liegt, noch am Leben, wenn ich auf Jimmy gehört hätte“ erklärte Roscoe bekümmert und selbstan- klägerisch. „Aber ich sah durchaus keinen Grund, die Frau unter Beobachtung zu stellen, nachdem sie bei mir gewesen war und mir ihr überaus dramatisches Leidensschicksal erzählt hatte.“ „Du hast keinen Grund, dir Vorwürfe* zu machen, Sherly“, beschwichtigte der Chefinspektor Roscoe kopfschüttelnd. „Wahrscheinlich hätte ich genau so gehandelt wie du. Es ist gar nicht anders möglich, die Frau muß ihre Haare doch erst in den letzten Tagen haben färben lassen.“ „Es kann nur Sonnabend gewesen sein, und ich denke, wir haben den Friseur bald herausgefunden, der die Prozedur vorgenommen hat. Man kann es ja verstehen, daß sie sich zu diesem Schritt entschloß, wenn man bedenkt daß sie eben erst Dreißig ist und schon weißes Haar hat. Hinzu kommt aber noch, daß ihr Bild von allen bedeutenden Blättern der Welt veröffentlicht worden ist, nachdem sie jenen Brief an den Generalstaatsanwalt in Kalifornien gerichtet hatte und ihre Entlassung aus dem Zuchthaus bevorstand“. „Natürlich kann man das verstehen. Hast du eine Ahnung, wer Fräulein Matthew umgebracht hat?“ Roscoe richtete seine Augen auf Jimmy, als wolle er ihn auffordem die Frage Cracks zu beantworten. „Hegst du einen Verdacht, Jimmy?“ fragte er, als der Sergeant schwieg. „Ja, ich hege einen Verdacht, und wahrscheinlich ganz denselben, den auch du hast, Sherly. Ich denke an den Mann mit dem kleinen schwarzen Schnurrbart ä la Kratzbürste der Dorothy Matthew um die halbe Welt gefolgt ist, nachdem das Mädchen nach seiner Entlassung aus dem Zuchthaus in San Quentin sich aufgemacht hatte, Arbuthnot Kimicby zu finden, um ihn zu töten.“ Roscoe nickte lebhaft. „An denselben Mann denke ich auch, Jimmy.“ „Kommt, setzt euch, Kinder und erzählt mal ein bißchen ausführlicher. Ich bin an der Surbiton-Sache jetzt aber ja gewissermaßen auch interessiert. Zigarre gefällig?“ „Nur, wenn du welche von den ganz guten hast, Charlie“, frotzelte Roscoe Zier es Crack noch nicht vergessen konnte, daß er ihm einmal eine fürchterlich schmeckende Zigarre angeboten hatte. „Keine £ngst, meine Lieben, ich habe echte deutsche Zigarren. Langt zu!“ (In London und überhaupt in England waren Zigarren sehr teuer, wirklich gute Zigarren aber sündhaft teuer. Deshalb wurde auch in jedem guten Reiseführer Englandbesuchem anempfohlen sich Zigarren mitzubringen, wenn man keine Enttäuschungen erleben wollte. Zigaretten hingegen waren merkwürdigerweise billig, selbst die guten, erstklassigen Sorten. Deutsche Zigarren waren überaus begehrt). Während Roscoe die Spitze seiner Zigarre sorgfältig abschnitt, bissen die beiden anderen sie einfach ab und spieri eie in die Ecke. Der Inspektor schilderte Crack die „Surbiton-Affäre“ in kurzen, treffenden Worten und schloß: „Zu allem Unglück hat Jimmy sich auch noch in die schöne Ethel Wigmore verliebt, und dadurch wird alles noch komplizierter und schwieriger.“ Der Sergeant wurde rot und warf seinem Vorgesetzten einen stinkwütigen Blick zu. Crack lachte amüsiert. Roscoe beschönigte: „Mein Gott, in irgendeinen Menschen verlieben wir uns ja früher oder später alle einmal. Ich gebe sogar zu, daß Dorothy Matthew einen sehr tiefen Eindruck auf mich gemacht hat, und aus diesem Grunde geht mir ihr tragischer Tod doppelt nahe. Wer konnte auch diese Entwicklung der Dinge vorausahnen? Fräulein Matthew ist ja selbst der Ueber- zeugung gewesen, daß der Mann, der sie verfolgte, nicht mehr hinter ihr her war. Daß sie sich getäuscht hat steht für mich ziemlich außer allem Zweifel. Der Kerl hat gewußt, daß sie hinter James F. Burlington her war. Also muß der Mann für Burlington selbst ein großes Interesse gehabt haben. Er hat sich die Sache aber sehr einfach gemacht, indem er das Mädchen suchen ließ und sie verfolgte. Denn es ist doch auffällig, daß der Unbekannte in demselben Augenblick verschwindet, wo die Matthew den Mann, den sie so fieberhaft suchte gefunden hatte. Das muß uns zu denken geben, und von dieser Tatsache müssen wir ausgehen.“ (Fortsetzung folgt) Nummer 193 / Seite 3 Donnerstag, 21. August 1952 HANDEL UND WIRTSCHAFT Pariser Goldpreis leicht abgeschwächt Am Pariser freien Goldmarkt ging die Notierung für Barrengold am Mittwoch auf 517 000 fFrs je kg zurück nach 521 000 fFrs am Vortage und 525 000 fFrs am 18. August. Diese Rückbildung wird mit der Ermächtigung der britischen Regier'ung an die britischen Kolonialgebiete in Zusammenhang gebracht, künftig auch Barrengold' neben Industriegold zu Aufpreisen an den freien Geldmarkt zu verkaufen. Erheblich weniger ist der Preis für Münzgold gefallen. Der Napoleon ging nur von 3990 auf 3980 fFrs zurück. Neue Richtlinien Ober unlauteren Wettbewerb Dem Deutschen Industrie- und Handelstag (DIHT) wurde seitens des Bundesjustizministeriums mitgeteilt, daß die Richtlinien für das Strafverfahren wegen unlauteren Wettbewerbs entsprechend den Anregungen des DIHT durch die Justizministerkonferenz geändert worden sind. Danach ist das Öffentliche Interesse an der Strafverfolgung wegen unlauteren Wettbewerbs künftig insbesondere dann zu bejahen, wenn ein Verband zur Förderung gewerblicher Interessen den Strafantrag gestellt hat oder wenn durch Bestechungen gegen Treu und Glauben im geschäftlichen Verkehr verstoßen wird (§ 12 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb). Eine Verweisung auf die PcjvatkLage soll nur noch dann erfolgen, wenn der Verstoß leichter Art ist und lediglich die Interessen eines eng umgrenzten Personenkreises berührt werden. Zur Erteilung sachdienlicher Auskünfte an die Strafverfolgungsbehörden sollen insbesondere dfe örtlichen Industrie- und Handelskammern herangezogen werden. VerlSngerungsantrSge im Einfuhrverfahren Die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels fordert kurzfristige Entscheidungen über Verlängerungsanträge im Einfuhrverfahren. In einer Eingabe an den Bundeswirtschaftsminister und den Präsidenten der Bundesstelle für den Warenverkehr der gewerblichen Wirtschaft betont die Haupt- gemeinschaft, es komme häufig vor, daß bis zum Entscheid über eine etwa notwendig werdende Fristverlängerung der Einfuhr- und Zahlungsb«villigun- gen inzwischen die Waren einträfen und mehrere Wochen beim Zoll eingelagert werden müßten. Dies führe nicht nur zu erheblichen Lagerungskosten, sondern behindere in den meisten Fällen eine termingebundene Disposition über die Ware. Außerdem werde auch der Transfer des Rechnungsbetrages verzögert. Deutsche Devisenreserve steigt Die Devisenreserve der Bundesrepublik hat nach dem letzten Ausweis der Bank 'deutscher Länder die Summe von vier Milliarden DM überschritten. Sie betrug am 7. August 4,049 Milliarden DM, das entspricht etwa einer Einfuhr von drei Monaten. Damit hat die Bundesrepublik den international anerkannten Mindestsatz für Devisenreserven erreicht. Von den vier Milliarden bestehen fast 500 Millionen aus Gold, das die Bundesrepublik von der EZU zur Abdeckung von deutschen Exportüberschüssen erhalten hat. Die deutsch-schweizerisch. Handelsbeziehungen Die Schweizer Handelsbeziehungen mit der Bundesrepublik hätten sich in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres weiter intensiviert, heißt es in- einem Rechenschaftsbericht über den Warenverkehr mit dem Ausland, den die Schweizer Bundesregierung . jetzt der Bundesversammlung vorgelegt hat. Die 'Steigerung"des Deutschland-Exports hänge vor allem mit dem am 24. April 1952 in Kraft gesetzten Zollvertrag und dem neuen Handelsabkommen vom gleichen Monat zusammen. Die durch das neue Handelsabkommen mit Deutschland für den Schweizer Export geschaffene Lage könne im großen und ganzen als günstig beurteilt werden. .Beispiel für alliierte Wandlungsfähigkeit" Der SPD-Pressedienst schreibt zu dem alliierten Plan über die Rückgabe des Krupp-Vermögens: „Da wären wir als Deutsche nach allen Diffamierungen, Demontagen, Restitutionen, Reparationen, mit alliierter Hilfe also wieder einmal da angelangt, wo mit der Förderung und Finanzierung der Nazis durch die gleichen Personen die deutsche Katastrophe begann“. Uebrig bliebe nur die Reparations- und Besatzungslast der Gesamtbevölkerung in ihrer Eigenschaft als Steuerzahler, als Vertriebene, als Fliegergeschädigte, als Arbeitslose nach Demontagen usw. Die SPD bezeichnet den Vorschlag als ein Beispiel alliierter Wandlungsfähigkeit, an das sich nachdenkliche Betrachtungen über die alliierten Vorstellungen von der Rolle der Industrie knüpfen ließen. Die Bundesregierung werde zu dem alliierten Vorschlag nicht nein sagen, da er sich „mit ihren eigenen Vorstellungen über die Wiederkehr der alten Rüstungsindustriellen in die deutsche Wirtschaft deckt“. SPORT-NACHRICHTEN Bilanz dei Deutschland-Rundfahrt 1952 Die internationale Deutschland-Rundfahrt 1952, das größte radsportliche Ereignis des Jahres, ist zu Ende gegangen. Mit dem Belgier Isidor de Rijck, der nach dem dritten Tag in Essen das Grüne Trikot des Spitzenreiters übernahm und es über neun Etappen bis nach Frankfurt brachte, konnte sich damit zum dritten Male ein ausländischer Fahrer in die Siegerliste der Deutschland-Rundfahrten nach dem Kriege eintragen. Trotz zahlreicher organisatorischer Mängel kann die veranstaltende Zweirad- GmbH, die eine Vereinigung aller deutschen Fahrrad- und Motorrad-Hersteller sowie der Zubehörteil-Firmen darstellt, einen außerordentlichen Publikumserfolg verbuchen. In sportlicher Hinsicht gingen nicht alle Erwartungen in Erfüllung. Zwar hatte man diesmal die schwerste Streckenführung aller deutschen Nachkriegsrundfahrten ausgesucht. Die Meinung aller Rundfahrtteilnehmer, daß nach den ersten drei Etappen'die Deutschland-Rundfahrt in ihrem sportlichen Verlauf auch alles andere nach dem Kriege übertreffen würde, wurde im späteren Verlauf nicht bestätigt. Die vierte Etappe von Essen nach Köln, die zum größten Teil in strömendem Regen gefahren wurde, brachte mit dem Vorstoß der Belgier de Rijck und Demulders bereits die Entscheidung, da diese in ihrer Alleinfahrt über 22 Minuten herausfahren konnten. Diesen Vorsprung behaupteten sie bis zum Endziel erfolgreich, da sie in ihren Mannschaftsgefährten die denkbar beste Unterstützung fanden. Mit sieben deutschen Etappensiegen und dem vierten Platz in der Gesamtwertung durch Heinz Müller (Schwenningen) schnitten die deutschen Fahrer weit besser als im Vorjahr ab. Ein günstigeres Ergebnis, das durchaus noch möglich gewesen wäre, wurde durch die Aufteilung der besten deutschen Fahrer in verschiedene Fabrikmannschaften verhindert, deren Spitzenfahrer sich im Gegensatz zu den Ausländem nicht unterstützten, sondern sich zugunsten ihrer Firmeninteressen noch gegenseitig nachstellten. Der Osthandel ist unentbehrlich Die Bundesrepublik leidet am meisten Not - England dagegen hielt den Vorkriegsstand Allmählich sieht man in den USA ein, daß man von den westeuropäischen Ländern, die amerikanische Hilfe erhalten, nicht beides verlangen kann: eine strikte Embargopolitik gegenüber dem Osten einzuhalten und gleichzeitig drastische Behinderung dös Exports nach den Vereinigten Staaten hinzunehmen. Es ist niemals zu erwarten, daß das, was für Westeuropa durch eine konsequente Einhaltung der Ost - Embargopolitik aufgegeben werden muß, in einem verstärkten Handel mit der westlichen Hemisphäre ausreichend ersetzt werden kann. Osthandel bleibt also für Westeuropa unentbehrlich, wenn es das, durch die amerikanische Marshallplanhilfe gesetzte Ziel erreichen soll, nämlich sich selbst zu helfen. Die Dänen haben trotz des amerikanischen Protestes den Tanker, den sie auf Grund eines vor 4 Jahren abgeschlossenen Vertrages für die Sowjetunion gebaut haben, abgeliefert. Zur Zeit werden fast 60 weitere Schiffe, darunter mehrere Tanker, in den westeuropäischen Werften für die Sowjetunion gebaut. Bedeutet das 60 neue Proteste der USA? Nejn, sie sind nicht zu erwarten. Die Amerikaner werden sich damit abfinden müssen, daß der Osthandel für Westeuropa notwendig ist, wenn man ihm nicht andere Exportchancen zu eröffnen vermag. die Erweiterung des Warenaustausches mit China verzichten. Wichtig ist dabei aber, daß durch die Bildung eines verantwortlichen Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft dafür Sorge getragen wird, daß zwischen den westdeutschen Exporteuren und dem Ost-Mark bzw. dem chinesischen Markt direkte Beziehungen hergestellt werden. • W.P. Zweite Investitionshilferate ist fällig Am 22. August 1952 ist nach Mitteilung des Bundesfinanzministers im Einvernehmen mit dem Kuratorium für das „Industrie-Kreditbank-Sondervermö- gen Investitionshilfe“ die zweite Rate der Investitionshilfe der gewerblichen Wirtschaft in Höhe von 25 Prozent des vorläufigen Aufbringungsbetrages fällig. Die fällig werdenden Beträge sind spätestens bis zu dem angegebenen Termin von dem Aufbringungspflichtigen unter Angabe seines Finanzamtes und seiner Steuemummer sowie seiner genauen Anschrift an die Industriekreditbank AG Düsseldorf, Postscheckkonto Essen 61 566 oder an eine der als Hilfsstellen fungierenden Banken für Rechnung» des „In- dustriekreditkank-Sondervermögens“ zu entrichten. Deutsch-Österreichisches Arbeitsabkommen Deutsche, die in Oesterreich leben, und Oesterreicher, die in der Bundesrepublik wohnen, können jetzt nach einem deutsch-österreichischen Abkommen im Gastland Arbeit aufnehmen, sofern sie dort am ersten Januar 1951 ihren ständigen Wohnsitz hatten. Sie erhalten einen sogenannten Befreiungsschein, der ihnen die Arbeitsaufnahme zunächst für die Dauer von zwei Jahren ermöglicht. Die Erleichterung gilt sinngemäß für Grenzgänger, die an diesem Datum in beiden Ländern beschäftigt waren. Auch engere Familienangehörige, die erst nach diesem Termin in das Gebiet des anderen Landes eingereist sind oder noch einreisen, erhalten auf Antrag diesen Befrei- ungsschein. Grundsätzliche Freizügigkeit in der Arbeitsaufnahme genießen nach der Vereinbarung in beiden Ländern landwirtschaftliche Arbeitskräfte, Schauspieler, Sänger und Musiker. Drei Rekordergebnisse dei westdeutschen Wirtschaft ”»l AUSSENHANDEL mit dem OSTBLOCK >00 rn ZOO P i Einfuhr I * 19)6 1951 SB t Ausfuhrt DEUTSCHER. OSTHANDEL 4 Einfuhr ^ Ausfuhr UdSSR Unaarn Ruman We*c ■ Grob' Belgien- Frankreich Peutschlä. Britannien Luxemburg Tschechoslowakei 5 0 Bulgarien J/lUUone*u $ il I > 195fr * f Ch ‘ na >1951 I Einfuhrgüter nach Westeuropa 195^ Ausfuhrgüter n.Osteuropa EUkiromasctun Maschinen/ 0 Hohle Nahrungsmittel e&wmmmm HoLz, u. Holz&rz. i“’ Textilien/ Unser Schaubild vermittelt eine Vorstellung von dem Stand des Ostblockhandels Westeuropas und Deutschlands vor dem Kriege und heute. Es fällt auf, daß von den westeuropäischen Ländern sich vornehmlich die Bundesrepublik in bezug auf Osthandel äußerste »bschränkungen auferlegt hat. Und andererseits fällt auf: Großbritannien hat es verstanden, trotz der gegenüber dem Osten errichteten Kontrollen den Außenhandel mit dem Ostblock etwa auf dem Vorkriegsstand zu halten. Es ist notwendig, daß die der Bundesrepublik auf erlegte Embargopolitik gegenüber dem Ostblock revidiert wird. Der Osthandel muß wieder in Gang koihmen, vor allem auch deshalb, um das illegale Ostgeschäft auszuschalten: Insbesondere kann Deutschland nicht auf Leichter Rückgang der Besonders in der Investitionsgüterindustrie Die industrielle Produktion im früheren Land Württemberg-Baden hat im Monat Juli 1952 leicht ab genommen. Wie aus einem Bericht der Abwicklungsstelle des württembergisch-badischen Wirtschaftsministeriums hervorgeht, ist die Indexziffer der Industrieproduktion im Juli um 4,3 Prozent auf 147,0 (1936 = 100) zurückgegangen. Die Indexziffer liegt jedoch noch immer um 6,8 Prozent über dem Stand vom Juli vorigen Jahre®. Der Produktionsrückgang ist hauptsächlich jahreszeitlich bedingt. Auch in den vergangenen drei Jahren war im Juli eine Produktionsabnahme zu verzeichnen. Die rückläufige Entwicklung hat sich besonders in der Investitionsgüterindustrie bemerkbar gemacht. Im Gesamtdurchschnitt war in dieser Wirtschaftsgruppe eine Produktionsabnahme von 5,9 Prozent zu verzeichnen. Das Produktionsvolumen der allgemeinen Produktionsgüterindustrie blieb um 9 Prozent hinter dem Ergebnis des Vormonats zurück. Innerhalb der Verbrauchsgüterindustrie weist die Industriegruppe Textil und Bekleidung erstmals wieder einen leichten Produktionsanstieg auf. Die Bautätigkeit hat sich im Juli erneut verstärkt. Die Zahl der Beschäftigten in den Betrieben des Bauhauptgewerbes mit 20 und mehr Beschäftigten hat sich um 2 500 auf 57 000 erhöht. Trotzdem ist das Baugewerbe noch immer nicht voll beschäftigt. Der Wert der Ausfuhrerklärungen, die von Außenhandelsbanken im früheren Land Württemberg-Baden ausgegeben worden sind, betrug im Juli 134,4 Millionen Mark gegenüber 116,3 Millionen Mark im Juni. Die Preise im Einzelhandel sind nach der Preisindexziffer für die Lebenshaltungskosten im Gesamtdurchschnitt um ein Prozent zurückgegangen. Der Rückgang ist vor allem darauf zurückzuführen, daß die Preise für Gemüse und Obst im Juli durchschnittlich um rund 24 Prozent gefallen sind. , Die kurzfristigen Ausleihungen der württembergisch-badischen Geldinstitute an Wirtschaftsunternehmen und Private ist im Juli um 0,9 Prozent auf Bester deutscher Fahrer war ohne Zweifel der spurtschnelle Heinz Müller, der auch mit drei Etappensiegen seine ausgezeichnete Form unterstrich. Auch Ludwig Hörmann, Werner Holthöfer, Sepp Berger, Pankoke und Steinhilb haben sich ausgezeichnet behauptet. Die Verantwortlichen werden gemerkt haben, daß zur Förderung des deutsch«! Radsports dringend Nachwuchs gebraucht wird. Die Zweirad- GmbH will im deutschen Berufsradsport verbesserte Bedingungen schaffen. Bereits in den nächsten Wochen sollen die Vorbereitungen in Frankfurt für die Deutschland-Rundfahrt 1953 beginnen. Nominierungen für Weltmeisterschaft Für die Weltmeisterschaft der Berufsstraßenfahrer wurden im Anschluß an die Deutschland-Rundfahrt vom Bund Deutscher Radfahrer folgende Straßenfahrer nominiert: Heinz Müller (Schwenningen), Heiner Schwarzer (Hannover), Peter Schulte (Köln), Ludwig Hörmann (München), Werner Holthöfer (Bielefeld) und Valentin Petjy (Wiesbaden). Rux - Sys endgültig in Berlin Der schon in der vorigen Woche abgeschlossene Boxkampf zwischen dem früheren Europameister im Schwergewicht, Karel Sys (Belgien) und dem jetzigen Europameister im Halbschwergewicht, Conny Rux (Berlin), findet endgültig am 7. September in der Berliner Waldbühne statt. Der Kampf geht über zehn Runden. Neuhaus - Williams in Dortmund Nach einem am Mittwochfrüh in Berlin eingetroffenen Entscheid der Europäischen Boxunion (EBU) wurde den Veranstaltern Göttert/Englert der Zuschlag für den auf dem Versteigeruneswege vergebenen europäischen Titelkampf im Schwergewicht zwischen Meister Heinz Neuhaus (Dortmund) und dem britischen Herausforderer Johnny Williams zuerteilt. Der Kampf soll am 21 Sentember in Dortmund stattfinden, wo sich die beiden Boxer bereits einmal über 10 Runden bei einerrr Unentschieden trennten. Die wenigsten Arbeitslosen - Stahl- und Erdöl Produktion erreichte Höchststand Der nach dem Urteil des Bundeswirtschaftsministeriums freundlicheren Wirtschaftsentwicklung Westdeutschlands wurden im Juli drei Glanzlichter aufgesetzt: Die Zahl der Arbeitslosen unterschritt mit 1,155 Millionen den niedrigsten im Vorjahr erreichten Stand. Die Eisen- und Stahlerzeugung erreichte mit 1,4 Millionen Tonnen Rohstahl und 1,1 Millionen Tonnen Roheisen einen neuen Produktionsrekord, und die deutsche Erdölförderung betrug im Juli erstmalig 150 000 Tonnen. Seit der Währungsreform ist keine derartig bemerkenswerte Expansion zu verzeichnen. Der Niederschlag dieser Entwicklung zeigt sich in einem Höchststand der Beschäftigung, die im zweiten Quartal 1952 um eine industriellen Produktion bemerkbar - Zunahme der Gewerbebetriebe 1602,5 Millionen Mark angestiegen. Im Juli haben sich 1740 neue Gewerbebetriebe angemeldet. 1684 Betriebe wurden abgemeldet. Die Zahl der Abmeldungen hat sich gegenüber dem Monat Juni um fast ein Drittel erhöht. Wünsche zu Handelsverträgen äußern Das Bundeswirtschaftsministerium hat die Spitzenverbände der Wirtschaft nach Mitteilung aus Außenhandelskreisen gebeten, ihre Wünsche für die vom 15. September bis 15. November 1952 geplanten Handelsvertragsverhandlungen bzw. Wirtschaftsbesprechungen mit Ceylon, Australien, Indien, Pakistan und dem Irak zu äußern. Auch Beschwerden, die sich auf den Wirtschaftsverkehr mit diesen Ländern beziehen, sollen vorgebracht werden. Kurze Wirtschaftsmeldungen vom Tagt Delegationen landwirtschaftlicher Organisationen von 22 Ländern Europas finden sich vom 7. bis 19. September in Wiesbaden zur 4. Generalversammlung des Verbandes dir europäischen Landwirtschaft (CEA) ein, zu dem auch Bundeskanzler Dr. Adena- auer, Bundesminister Prof. Dr. Niklas und weitere Bundes- und Länderminister ihr Erscheinen zugesagt haben. Das Amtliche Tarifregister des Landes Baden- Württemberg verzeichnet monatlich sämtliche abgeschlossenen und registrierten Tarifverträge für Arbeiter und Angestellte aller Berufszweige. Das Tarifregister ist dem Mitteilungsblatt des Arbeitsministe- riums Baden-Württemberg „Arbeite- und Sozialrecht“ beigegeben und durch die Post beziehbar. halbe Million zunahm, so daß Ende Juni über fünfzehn Millionen Menschen in Brot und Arbeit standen. Im Juli nahm die Beschäftigung hauptsächlich in der Bauwirtschaft zu. Auch die Landwirtschaft nahm für die Ernte Arbeitskräfte auf. Die Eisen- und Metallindustrie stellte in größerem Umfang neu ein. Die Konjunkturpessimisten aller Schattierungen, die eine Stagnation von Produktion und Beschäftigung Voraussagen zu können glaubten, wurden widerlegt. Die Rekordzahlen beweisen im Gegenteil das Vordringen belebender Kräfte, die der nicht genügenden Ertragslage nicht resignierend gegenüberstehen, sondern nach vom ausweichen durch Produktionserhöhung und Umsatzsteigerung. Das ist um so beachtlicher, als im allgemeinen im Juli eine gewisse sommerliche Stille 'einsetzt. Wahrscheinlich werden sich die von der erhöhten Eisen- und Stahlproduktion ausgehenden Auftriebskräfte gegenüber noch zu erwartenden saisonalen Abschwächungen durchsetzen. Die größte Ueberraschung war zweifellos die Rohstahlproduktion. Rechnet man die Julierzeugung auf das Jahr um, so ergeben sich über 16 Millionen Tonnen. Eine solche jährliche Rohstahlproduktion ließe sich durchaus erreichen, wenn genug Koks für die Hochöfen da wäre. Nicht die Anzahl der Hochöfen und auch nicht die Menge des angebotenen Schrotte bestimmen heute, wieviel Rohstahl verschmolzen werden kann, sondern vor allem die Kohle. 30 von 123 vorhandenen Hochöfen liegen still weil der Koks fehlt. Der Fehlbedarf beträgt monatlich 100 000 Tonnen. Der Mangel an Kohle Ist der dunkle Punkt in unserer Wirtschaft. Zwar ist die Kohleversorgung für Hausbrand und Industrie — außer Eisen- und Stahlerzeugung — vorläufig gesichert, und der Marktausgleich wird durch den Import amerikanischer Kohle vorgenommen. Aber die Ausdehnung der Wirtschaft schafft neuen Kohlebedarf, während andererseits die Förderergebnisse zur Zeit leider absinken. Die in den letzten Wochen rückläufigen arbeitstäglichen Förderziffem werden in der Hauptsache auf Urlaubsschichten zurückgeführt. Der Hinweis .der Deutschen Kohlenbergbauleitung, daß sich im Juli betriebliche und geologische Störungen gehäuft hätten, gibt indessen Anlaß, einmal darüber nachzudenken daß 30 Prozent der Zechenlagen zwischen 75 und 100 Jahre alt sind 15 Prozent sogar über 100 Jahre. Wenn irgendwo Investitionen drinr gend erforderlich sind, dann hier im Bergbau, um eine ausreichende inländische Kohleversorgung zu gewährleisten. Dr. H. L. Trockenheit trifft Bauern härter als Verbraucher Das Organ des Landesbauernverbandes Württem- berg-Hohenzollem, „Schwäbischer Bauer“, bemerkt in seiner letzten Ausgabe, daß der Bundeswirt- sdiaftsminister Dr. Ludwig Erhard es sich leicht mache, wenn es auf Kosten der Bauern gehe. Dr. Erhard habe den Spitzenverbänden der westdeutschen Frauenorganisationen in einer Besprechung zugesagt, die Interessen der Verbraucher bei der Einfuhr stärker als bisher zu berücksichtigen. Die Trockenheit, die in erster Linie die Schuld an einer tatsächlichen Preisteigerung für einige Nahrungsmittel trage, treffe den Bauern viel härter als den Verbraucher Er könne die erlittenen Schäden bei weitem nicht durch Preiserhöhungen kompensieren. Ganz entschieden müsse man sich dagegen verwahren, daß der natürliche Aerger des Verbrauchers über zu hohe Preise bewußt und planmäßig auf die Lebensmittel konzentriert werde. Die Tatsachen besagten, daß der landwirtschaftliche Erzeugerpreisindex bei 202 gegenüber 100 im Jahre 1938 liege, während sich der industrielle Erz,eugerpreisindex auf 226 stelle. Man müsse also den Bundeswirtschaftsminister daran erinnern daß die Erzeugnisse, für die er zuständig sei, wesentlich teurer seien als die Nahrungsmittel. Im einzelnen sei zu sagen, daß die derzeitigen Preise für Otyt und Gemüse nicht deshalb verhältnismäßig hoch sind, weil etwa die Einfuhr abgestoppt wurde, sonderen weil das Ausland genau so unter der Trok- kenheit leide und deshalb gar nicht daran denke, billiger zu liefern. Die drohende Versteppung des Oberrhefns Abgeordnete der kommunistischen Gruppe der Verfassunggebenden Landesversammlung Baden-Württembergs haben die Landesregierung um Auskunft darüber ersucht, was sie unternehmen wird, um die infolge des Baues des Rheinseitenkanals drohende Versteppung des Oberrheins zu verhindern In der Kleinen Anfrage wird darauf hingewiesen, daß durch die Versteppung die Existenzgrundlage der Bewohner dieses Gebietes stark beeinträchtigt werde. Ein neuer Schödling im Obstbau In Württemberg und in vielen anderen Ländern des Bundesgebietes wird nach einer Mitteilung des Pflanzenschutzamtes Stuttgart seit einiger Zeit ein neuer Schädling im Obstbau beobachtet. Es handelt sich um einen zu den Wicklern gehörenden Schmetterling mit dem Namen Capua retuculana. Einen deutschen Namen hat der Schädling bis heute noch nicht erhalten. Die Schäden werden von der Raupe des Falters verursacht und machen sich vor allem am Tafelobst bemerkbar, das häufig Pfenniggroße Frasstellen aufweist. Das Tier ist nach Auskunft des Pflanzenschutzamtes in Deutschland schon lange bekannt, hat aber erst seit dem vergangenen Jahr größere Schäden verursacht „Modisches" von den alten Germanen Trugen die alten Germanen Leinenwäsche? An der Ostfriesischen Küste stießen Forscher in etwa 1400 Jahren alten Kulturschichten auf merkwürdige Faserstücke. Im „Urzustand“, eingepackt in Marschenerde und prähistorischen Kuhdung wanderten die Fetzen zur Deutung zu dem Wissenschaftler Dr. Schlabow. Er entwickelte aus den Klumpen mit destilliertem Wasser und Alkohol eine Fülle wertvollster Textilreste, die Auskunft über die germanische Textilwirtschaft geben. Danach war bei den Germanen Wolle die große Mode. Auch 'andere Zufallsfunde enthalten keinen Leinenrest, so daß es fraglich ist, ob die Germanen Leinenwäsche trugen. Der „Rheinische Merkur“ stellt dazu fest, daß die Wolle nicht immer die gleiche war wie heute. Zwar kannte man in früher Zeit auch die weiche Wolle des Hausschafes, aber es fanden sich auch Wollsorten, die mit groben Haaren durchsetzt sind wie heute gewisse Loden, denen man Hirschhaare beimischt, damit das Wasser besser abläuft. „Selbstkontrolle der Verkebrsdisziplin" Der Geschäftsführer der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels, Franz Effer, regte eine Selbstkontrolle der Verkehrsdisziplin durch die Wirtschaft an. Sie soll vor allem den Lastwagenfahrem gelten. Nach dem Vorschlag soll während einer gewissen Zeit jede Beobachtung vorschriftswidrigen Verhaltens eines Lastwagenfahrers bei einer zentralen Stelle geneidet werden, und zwar — wenn ifgend möglich — mit Firmennamen. Auf diese Weise sollen undisziplinierte und rücksichtslose Fahrer den betreffenden Betrieben gemeldet werden. In Verbindung mit dieser Aktion solle auch geprüft werden, inwieweit einzelne Unternehmer die Leistungsfähigreit ihrer Fahrer zu stark ausnutzen. Donnerstag, 21. August 1952 SUD WESTDEUTSCHER SPIEGEL Nummer 193 / Sexta 8 Jugendbotschaften zum Kirchentag Zehn Sendegruppen der evangelischen Jugend treten in diesen Tagen in den Ländern der Bundesrepublik, in Westberlin und im Saargebiet auf Fahrrädern, Omnibussen oder Lastkraftwagen die Reise nach Stuttgart an, um eine Botschaft dej evangeli- *chen Jugend ihrer Länder zum Kirchentag zu über- fcnringen. Bei der Eröffnung des Deutschen evangelischen Jugendtages am 27. August werden die Sendgruppen vor dem Jugendlager auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart die Fahnen ihrer Länder oder Städte aufpflanzen. Die gleiche Reise hatten auch fünf Sendgruppen der Sowjetzone vorbereitet. Da diese jedoch die Zonengrenze nicht überschreiten dürfen,. werden sie Fahrten in ihrer Zone veranstalten. Fernblick-Schneisen an der Schwarzwald- Hoehstrafie In Zusammenarbeit mit den Foratämtern und den Straßenbauämtem werden gegenwärtig entlang der Schwarzwaldhochstraße über Bühl Schneisen in den Wald geschlagen, um Ausblicke in die Rheinebene und die Vogesen zu ermöglichen. Die Omnibusse, die die Hochstraße regelmäßig befahren, werden künftig an den Schneisen anhalten, wobei die Fahrer auf die besonderen Sehenswürdigkeiten aufmerksam machen werden. Noch ein Protest gegen Obst-Importe Vertreter des Badischen Obst- und Gemüsebaues und der Badischen Absatzorganisation für gartenbauliche Erzeugnisse haben in Heidelberg in einer Resolution einen sofortigen Einfuhrstop für sämtliche Obstfrüchte „bis zur Stabilisierung der deutschen Märkte“ gefordert. Nachdem infolge der hemmungslosen Einfuhren die Preise auf den Obstmärkten in den letzten vierzehn Tagen einen noch nie erlebten Niedergang erlitten .hätten und bereits auf den Erzeugergroßmärkten tausende von Zentnern Obstfrüchte unverkäuflich geblieben seien, sei unter den Obsterzeugern größte Unruhe entstanden, heißt es in der Resolution. Gefängnis für falschen CID-Agenten Das Mannheimer Schöffengericht verurteilte einen 23jährigen Polen wegen Erpressung, versuchten Betrugs, Diebstahls und unerlaubten Waffenbesitzes zu acht Monaten Gefängnis. Der Angeklagte, der bei einer amerikanischen Dienststelle beschäftigt war, hatte sich einem Kaffeehausbesitzer und einem Portier gegenüber als CID-Agent ausgegeben und erklärt, er könne eine drohende Razzia nach PX-Karten und Dollars von dem Cafö abwenden, wenn man ihm dafür Geld zahle. Der Besitzer gab ihm zwanzig Mark, während ihn der Portier, den er mitten in der Nacht mit im Gürtel stuckernder Pistole aufsuchte, hinauswarf. , Lastwagen flog 70 Meter durch die Luft Ein schweres Autounglück ereignete sich oberhalb von Ebersdorf ton Frankenwald. Auf einer Serpentinenstraße flog ein Lastzug aus einer scharfen Kurve in die Tiefe. Er legte dabei einen „Luftweg“ von rund siebzig Metern zurück. In dieser Länge waren die Spitzen der Tannenbäume abrasiert. Nach den Aufprall glitt der Lastzug noch etwa fünfzig Meter weiter und riß dabei die im Wege stehenden Bäume um. Der Beifahrer wurde aus dem Wagen geechleu dert. und beim Aufprall schwer verletzt. Der Fahrer wurde tot aus den Trümmern geborgen. Geistesgestörte Meistersohwimmerin , Eine sportliche Hochleistung vollbrachte eine 45- Jihrige Schweizerin, die zur Zeit im Kantonspital in Münsterlingen- untergebracht ist. Die geistesgestörte Frau war aus der Anstalt geflohen und versuchte, ihre Flucht über den See fortzusetzen. Sie ging bei Botthofen ins Wasser und schwamm in Kleidern Richtung Konstanz. Am östlichen Leuchtturm des Konstanzer Hafens wurde sie von der Wasserschutzpolizei in Empfang genommen. Die etwa 7 km lange Strecke hatte der Kranken kaum Mühe gemacht „Halber Herbst", aber ein guter Tropfen Trockenheit schadete auch den Reben - Die Weinernteanssichten im nördlichen Landesteil Wie wird das Wetter? Langsame Wetterbesserung, immer noch kühl Auf der Rückseite des sich nach Osten verlagernden Tiefdruckgebietes hält £ie Zufuhr kühler Meeresluft an, so daß sich eine Wetterbesserung nur zögernd einstellen kann. Immer noch stark bewölkt, mit gelegentlichen Auflockerungen und Temperaturen wieder etwas über 20 Grad ansteigend. Mäßige Winde aus Südwest bis Nordwest. Die außergewöhnliche Trockenheit der letzten Wochen, die nun endlich durch Niederschläge unterbrochen worden ist, hat auch in den Weinbaugebieten unseres Landes erhebliche Schäden angerichtet. Dadurch sind die Ertragsauasichten für 1952 weiter vermindert worden. Die Sachverständigen der Statistischen Landesämter Stuttgart und Karlsruhe rechnen nach dem gegenwärtigen Wachtumsstand mit einem knappen „Halben Herbst“ unter der Voraussetzung, daß der weitere Wittertmgsverlauf normal bleibt und die Weinberge die Regenmengen erhalten, deren sie dringend bedürfen. In den einzelnen Weinbaugebieten sind die Ertragsaussichten durchaus verschieden. Weinbaubetriebe, die in der Lage waren, durch Bewässerungsanlagen den Reben die notwendige Feuchtigkeit zuzuführen, dürften besser abschneiden als diejenigen die dazu^ nicht imstande wären. In Stuttgart-Cannstatt hat man sich dadurch geholfen, daß man mit Feuerwehrsjhlänchen aus dem Neckar den Weingärten .Wasser zuführte. Größere Weinbaubetriebe, wie etwa die Weinbauschule Weineberg, das Wein- und Obstgut Dietzsch in Lehrensteinsfeld, die Staatliche Hofkammer in Mundelsheim und einige andere konnten durch Beregnungsanlagen die schwersten Trockenschäden eindämmen. Für die Masse der Betriebe stehen solche Einrichtungen jedoch nicht zur Verfügung. Im unteren Neckartal, dem größten württembergi- schen Weinbaugebiet, wirkte sich die Trockenheit besonders nachhaltig aus. Man -kann dort jedoch dank einer intensiven Schädlingsbekämpfung mit einem Zweidrittelherbst rechnen, wenn der weitere Witterungsverlauf günstig bleibt. Auch im Remstal ist man bezüglich der Erträge etwas zuversichtlicher geworden als vor einigen Wochen, wenngleich auch hier die Trockenheit schwere Wachstumshemmungen verursacht hat. Dag Zabergäu, das zweitgrößte würt- tembergische Weinbaugebiet, erwartet nur einen „Drittel-Herbst“, auch im Kocher- und Jagsttal verzeichnet man einen befriedigenderen Wachstumsstand als ursprünglich, desgleichen im württember- gischen Taubertal. Etwas ungünstiger, aber ebenfalls uneinheitlich, scheinen die Emteaussichten in den nordbadischen Weinbaugebieten zu sein. Doch auch hier nehmen die Fachleute an, daß ein guter „Drittelherhst“ eingebracht werden kann. Die Schädlingsbekämpfung wurde überall gründlich durchgeführt, unterstützt vornehmlich auch durch den Rebschutzdienst. Die Ernte wird also, wie von Anfang an erwartet, mengenmäßig hinter den guten EmtejahrejHzurüekblei- ben. Die Qualität jedoch — das kann man heute schon sagen — wird überdurchschnittlich werden. Es steht also wieder ein „guter Tropfen“ in Aussicht! Heilgymnastische Kuren für Kriegsbeschädigte Im Versorgungskrankenhaus Bad Tölz haben heil- gymnastische Kuren für Kriegsbeschädigte begonnen. Wie das Arbeitsministerium Baden-Württemberg mitteilt, können zu diesen Kuren Beschädigte zugelassen werden, die nach dem Bundesversorgungsgesetz Anspruch auf Heilbehandlung haben. Kuranträge nehmen die Versorgungsämter entgegen. Keine Preistreiberei der. Milchwirtschaft Die Dürre ist schuld - Preise „nach Gesetzen der freien Marktwirtschaft gestiegen 11 Der Bauernverband Württemberg-Baden bezeich- net in einer Erklärung die Nachrichten über angebliche Preistreibereien der Milchwirtschaft als üble Hetze gegen die Landwirtschaft. Der Bauernverband betont, die Milch- und Buttererzeugung sei in den letzten Wochen infolge der anhaltenden Dürre so rapide zurückgegangen, daß die .Nachfrage nun nicht .mehr gedeckt werden könne. Die Weiden seien vertrocknet, der Futtermangel zwinge zu Notverkäufen bei Vieh. Es sei kein Wunder, daß bei einer solchen Dürrekatastrophe die Preise anzögen. Die Preise seien nicht sprunghaft, sondern ganz allmählich nach den Gesetzen, der freien Marktwirtschaft gestiegen. Der Molkereiabgabepreis von 5.80 Mark .sei nirgends überschritten worden. Dieser Preis erscheine in Anbetracht der erheblichen Einnahmeverluste der Landwirtschaft durch den unverschuldeten Erzeugungsrückgang durchaus angemessen. Die Landwirtschaft sei an stetigen, aber ausreichenden Preisen interessiert. Sie verurteile jede künstlich Preistreiberei. Man könne die Landwirtschaft aber nicht immer das Risiko allein tragen lassen. Es sei ungerecht, wenn man bei Ueberangebot die Preise, wie im ersten Halbjahr 1952, ins uferlose absinken lasse und bei Preisanstiegen als Folge der Verknappung gleich mit dem Staatsanwalt drohe. Bibeln aus alter und jüngster Zeit Die Württembergisehe Bibelanstalt in Stuttgart zeigt vom 26. August an in ihren Räumen eine Ausstellung von über 3000 Bibeln aus der Zeit Luthers bis zur Gegenwart. Den Besucher der Ausstellung erwartet keine Sammlung kostbarer Seltenheiten in einem Umfang, wie ihn die Bibelsammlung der Wtlrt- tembergischen Landesbibliothek aufweist. Es werden vornehmlich „Normalbibeln“ gezeigt, wie sie in den 400 Jahren seit der Reformation gedruckt, verbreitet und von- Gläubigen gelesen wurden. Sehr mannigfaltig ist die äußere Gestalt der ausgestellten Lutherbibeln, der katholischen und anderen Bibelübersetzungen, sowie der Ausgaben in den Urtexten und der Missionsbibeln. Chronologisch geordnet, breiten sich vor dem Besucher mächtige Folianten früherer Jahrhunderte sowie die Dünndruckausgaben der Gegenwart aus. Eine kleine Rarität stellt eine Taschenbibel dar, die ein Tübinger Drucker im Jahre 1629 herausgebracht hatte. Derartige kleine Taschenbibeln — ihr schlechtes Papier erinnert an die Not des Dreißigjährigen Krieges — führten die Gläubigen in den Wirren jener Zeit auf der Flucht vor feindlichen Horden mit sich. Unter der Sammlung befindet sich auch die Bibel des Dominikaners Dietenberger, der mit dem Erscheinen der Lutherübersetzung im Jahre 1534 eine katholische Bibel herausgebracht hatte. Dann zeigt die Ausstellung zahlreiche Bibelausgaben privater Drucker des 17. und 18. J^rhunderts, die oftmals den Luthertext abgeändert haben, wo er ihnen unverständlich erschien, ferner die im Jahre 1728 erschienene Berleburger Bibel, die in Erklärungen den „geheimen“ Schriftsinn herausarbeitete und in den mystischen Kreisen des Pietismus höchstes Ansehen gewann. Mit Bibeln in allen Ausstattungen und für alle Bedürfnisse gibt schließlich die Württembergisehe Bibelanstalt eine Uebersicht über ihre gegenwärtige Produktion. Vermischtes Einen tragischen Ausgang ... . . . nahm das Lampionfest eines Bremer Kleingarten Vereins. Als zwei junge Männer in vorgerückter Stunde um eine abgerissene Papierlaterne in einen Streit gerieten, zog der eine plötzlich ein Messe® und verletzte seinen Widersacher durch einen Stich in die Halsschlagader tödlich. Einen ungewöhnlichen Selbstmordversuch . . . . . . unternahm eine vierzigjährige Frau in der an der Zonengrenze liegenden oberfränkischen Gemeinde Autenhausen. In einem Anfall von Schwermut nahm sie zu Hause ein größeres Quantum Lysol zu sich und ging dann zur Kirche beichten. Der Pfarrer, dem das zerfahrene Wesen und der starke Lysolgeruch der Lebensmüden bereits aufgefallen war, mußte die Beichte abbrechen, als die Frau plötzlich laut zu stöhnen begann. Entsetzt stellte der Geistliche fest, daß sich die Frau mit einer Rasierklinge auch noch die Pulsadern aufgeschnitten hatte. Die Blutüberströmte wurde bewußtlos ins Krankenhaus Coburg geschafft, wo sie durch schnelle Hilfe gerettet werden konnte. Im Westberliner Zoo . . . . . . feierte der Nilpferdbulle „Knautschke" zum vier- tenmal seit Kriegsende Hochzeit mit einer au* dem Leipziger Zoo herangebrachten Braut Für diese „Ost- West-Begegimngen“ haben die Zoodirektionen von Leipzig und Berlin einen besonderen Vertrag abgeschlossen, nach dem jeder Zoo abwechselnd eines der Jungtiere erhalten soll. Nur mit Hemd, Unterhose ... . . . und Ringelsöckchen bekleidet, bezog ein junger Dieb die Zelle eines Düsseldorfer Polizeigefängnisses. Diese Kleidungsstücke gehörten ebenso wie die vorher schon abgelegte Oberbekleidung einem holländischen Reisenden, dem der junge Mann einen Koffer mit Anzügen, Schuhen und Wäsche aus dem parkendem Auto gestohlen hatte. Die Freude an den Sachen war nur sehr kurz. Bald fand ihn ein Funkstreifenkommando der Polizei. Die Polizei nahm ihm sofort alle entbehrlichen Kleidungsstücke ab und ließ ihm die Unterwäsche nur solange, bis seine eigene Kleidung aus der Wohnung herbeigeschafft worden war. Durch die Straßen Neapels . . . . . . zog kürzlich ein durchdringender Geruch nach Knoblauch, der allmählich die ganze Stadt erfüllte. Tausende von Neapolitanern riefen bei den Gaswerken und Feuerwehrstatiohen um Auskunft nach der Ursache dieses Angriffs auf ihre Geruchsnerven an. Ein Beamter der Hauptfeuerwache erklärt«: „Wir haben keine Ahnung, woher der Geruch kommt, es sei denn, es handle sich um eine neue Art Gas, das dem Vesuvkrater entströmt.“ Kurzmeldungen aus Südwestdeutschland :: Die für die zweite Septemberhälfte in Karlsruhe geplante Ausstellung „Das Internationale Plakat“ ist auf Wunsch ausländischer Teilnehmer auf nächstes Jahr verschoben worden. Die Ausstellung, deren Schirmherrschaft Bundeskanzler Adenauer übernommen hat, wird in der Zeit vom 8. bis 17. Mai 1953 in Karlsruhe gezeigt werden. :: Im Landkreis Karlsruhe sind vier verdiente Persönlichkeiten mit dem Verdienetkreuz am Bande ausgezeichnet worden: Bürgermeister Karl Ehrmann, Neureut, Bürgermeister Kurt Riem, Mörsch, Brandinspektor Kehrbeck, Ettlingen, und der langjährige Leiter des Erziehungsheimes Stufensee Moritz Krit- zer, Blankenloch. :: Der frühere Direktor der WürtC Land'wirt- schaftskammer, Dr. Wilhelm Ströbiel, ist in Beutelsbach im Alter von 82 Jahren gestorben. Dr.. Stfö- bel war einer der führenden Männer'der württem- bergischen Landwirtschaft. :: In einer Protestversammlung in Achern wurde darauf hingewiesen, daß die ohnehin geringe landwirtschaftliche Nutzungsflädhe im Achertal durch den geplanten Kasemenbau derart beeinträchtigt würde, daß viele Bauern ihre Existenz verlören. :: In Obersasbach. bei Bühl .ist ein 19jähriger Installateur vom Kirchturm vier Meter tief auf eine Betonplatte gestürzt Er zog sich dabei schwere Verletzungen zu, denen er bald darauf erlag. :: Auf der Eisenbahnstrecke Ludwigsburg—Kornwestheim ist beim Ueberschreiten des Gleises ein 43 Jahr alter Zugführer von einem Zug erfaßt und tödlich verletzt worden. :: In der Schillerstraße in Stuttgart wurde am Mittwochfrüh eine 47 Jahre alte Frau von einem Straßenbahnzug überfahren. Die Verunglückte erlag wenige Stunden später im Krankenhaus ihrem schweren Verletzungen. :: Al« ein Motorradfahrer aus Pfullingen auf der Bundesstraße 312 bei Unterhäuser! einer Fußgängerin ausweichem wollte, wurde er von einem anderen mit hoher Geschwindigkeit fahrenden Motorrad angefah- ren. Der Beifahrer des überholten Rades wurde tödlich verletzt. :: Im Park von Inzigkofem bei Sigmaringen stürzte ein 17jähriger über eine zwölf Meter hohe Felswand ab. Er zog sich so schwere innere Verletzungen zu, daß der Tod bald eintrat :: Auf dramatische. Weis», machte ein 52jährig«r Metzger aus Ulm seinem Leben ein Ende. In. Abwesenheit seiner Familie legte er Feuer in. seiner Etagenwohnung und zündete besonders das Bett an. Als diese® in hellen Flammen stand, legte er sich hinein und schoß sich in die Stirn. :: Wegen Abtreibung wurde ein wiederholt einschlägig vorbestrafter Frauenarzt aus Reutlingen vom Landgericht Tübingen zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Außerdem wurde dem Arzt die Ausübung seines Berufes auf die Dauer von zwei Jahren untersagt. Der Verurteilte hatte an einem siebzehnjährigen Mädchen Eingriffe vorgenommen. Das Mädchen wurde zu vier Wochen Jugendarrest verurteilt Die Mutter und eine Tante des Mädchens erhielten wegen Beihilfe .Gefängnistrafen von je drei Wochen. :: In Singen a. H. wurde ein 87 Jahre alter verheirateter Arbeiter wegen Mordversuchs verhaftet Er hatte aus Eifersucht seiner 25jährigen Geliebten mit einem Rasiermesser die Halsschlagader angeschnitten. Weifenschatz nach Berlin zurückgekehrt Berühmte kunstgewerbliche Arbeiten des Mittelalters Der Weifenschatz, der seit 1935 zum Besitz der Berliner Museen gehört, ist jetzt wieder nach Berlin gekommen und wird aus Anlaß des Deutschen Katholikentages - in neuen Räumen des Dahlemer Museums gezeigt. Damit werden diese berühmten kunstgewerblichen Gegenstände des Mittelalters — nach der Auslagerung in die Bundesrepublik — zum erstenmal seit dem Krieg in Berlin zu sehen sein. Ob sie endgültig dort bleiben werden, hängt von den Ausstellungsmöglichkeiten ab und soll voraussichtlich im Herbst entschieden werden. Von dem Schatz, der sich ursprünglich aus 140 , - rji .&'« Ä Atts Anlaß des 75. Deutschen Katholikentages, der seit 19. bis 25. August in Berlin stattfindet, wurde im Dahlemer Museum eine Ausstellung des Welfen- schatzes und der religiösen Malerei des 14. bis 17. Jahrhunderts “aus Beständen der ehemaligen Berliner Museen eröffnet. Unser Bild zeigt Bischof Weskamm und Geheimrat Zimmermann während des Rundgangs durch die Ausstellung. Teilen zusammensetzte, wurden 43 Stücke von der preußischen Staatsregierung für das Berliner Schloß- museum erworben, als Herzog Ernst August von Braunschwefg den Weifenschatz 1935 zum Verkauf anbot. Der Rest ging an Privatsammler oder ausländische Museen über. Die Sammlung — Tragaltäre, Standkreuze, Reliquienbehälter, Monstranzen und andere liturgische Geräte — repräsentiert das mittelalterliche Kunstgewerbe. Ihre Gründung geht auf das Jahr., 1030 zurück. Nach der Reformation sind nur noch wenige Stücke hinzugekommen. Als wertvollstes Stüde des Schatzes gilt der berühmte Tragaltar des Eilbertus. Die Ausstellung des Welfen- schatzee wurde zusammen mit einer Gemäldeschau von Andachtsbildern und Gemälden religiösen Inhalts u. a. von Raffael, Lippi, Botticelli, Tintoretto und Bellini, im Dahlemer Museum eröffnet. Mit mehreren Passagierflugzeugen sind diese Schätze in den letzten Tagen von Frankfurt nach Berlin geflogen worden. Die ganze Sendung wurde mit mehr als 21 Millionen DM versichert. Davon entfallen fast elf Millionen allein auf den Weifenschatz, Der Tragaltar des Eübertus hat einen Versicherungswert von zweieinhalb Millionen Mark. „Die Kunst ist dem Guten verbunden" Thomas Manns Absage an die Kommunisten Als eine Absage an die Kommunisten wertet das Zentralorgan der österreichischen Sozialisten Arbeiterzeitung die Rede, die der Dichter Thomas Mann in Salzburg zum Thema „Die Stellung des Künstlers in der Gesellschaft“ gehalten hat. „Der Künstler verbessert die Welt nicht durch die moralische Lehre, sondern, indem er sein Leben stellvertretend macht und ihm Sinn und Wort verleiht“, sagte Thomas Mann in seiner ästhetisch-sozialistischen Analyse, die vor der geistigen und moralischen Ueberlegen- heit des Künstlers über die bürgerliche Gesellsd%ft ausging. An den Beispielen Balzacs, Hamsuns und Ezra Pounds zeigte Thomas Mann, daß der Künstler auch politisch „rechts“ stehen könne. Ihn selbst habe der Faschismus, der überhaupt keine Idee, sondern eine Schlechtigkeit sei, auf die Seite der „Linken“ getrieben und zu einem „Wänderredner der Demokratie“' gemacht. Zu seinem Verhältnis gegenüber dem bolschewistischen Osten sagte Thomas Mann: „Was sollte ich dort für eine Anerkennung finden können: Formalismus, Psychologismus, die Neigung zur Dekadenz — all das findet sich ja in meinen Büchern.“ Der Kommunismus als Idee reiche jedoch in seinen Wurzeln tiefer als Marxismus und Stalinismus. Seine reine Verwirklichung werde sich die Menschheit immer wieder als Aufgabe und Forderung stellen. Seine Bücher bezeichnete Thomas Mann als „verzweifelt Deutsch“. Er habe nicht viel Glauben, glaube auch nicht sehr an Glauben, sondern „weit mehr an die Güte, die ohne Glauben bestehen und geradezu das Produkt des Zweifelns sein kann“. Die Kunst könne den Sieg des Bösen nicht aufhalten. Sie sei keine Macht, sie sei nur ein Trost und doch ein Spiel tiefsten Ernsles. Thomas Manns. illusionsloses, nach eigenem Bekenntnis durch den Schoppenhauerschen Pessimismus geschultes künstlerisch-gesellschaftliches Fazit gipfelte in den Worten: „Die Kunst ist dem Guten verbunden und auf ihrem Grunde ist Güte. Paradigma allen Strebens nach Vollendung, ist sie der Menschheit zur Begleiterin gegeben von Anfang, und diese wird von ihrer Unschuld nie ganz das «diuldgetrübte Auge wenden können“. Gastspielkonzerte in Südafrika Auf 1,7 Mill. Ichätzte der Direktor der Südafrikanischen Kunstvereinigung S. A. M. U. T., Ernst Schutte, die Besucherzahl der nach dem Krieg in Südafrika veranstalteten deutschen Gastspielkonzerte bei einem Empfang zu Ehren der deutschen Koloratursängerin Ilse Hollweg in Pretoria. Die deutschen Künstler dürften im Zeitraum von drei Jahren Bruttoeinnahmen von etwa zwanzig Millionen Mark gehabt haben. Die südafrikanische Presse habe die Veranstaltungen ausnahmslos sehr possitiv beurteilt. Die im Hinblick auf die Besucherzahl erfolgreichste Künstlerin war Erna Sack: nach Berechnungen wurden ihre Konzerte, die sie in die entlegensten Siedlungen Südafrikas führten und in deren Verlauf sie etwa fünfzigtausend Kilometer zurückzulegen hatte, von 480 000 Personen besucht Außer Erna Sack und Ilse Hollweg hatte die Agentur SAMUT Heinrich Schlusnus, Marcel Wittrisch, Elisabeth Schumann Julius Patzak und Sebastian Peschko, den Begleiter Erna Sacks, als Solisten verpflichtet. Eine zweite Agentur brachte Erna Berger, Elisabeth Schwarzkopf und die Wiener Sängerknaben nach Südafrika. Aus dem kulturellen Leben Das Karlsruher Zimmertheater „Die Insel“ will in der kommenden Spielzeit Kurt Becsis „Spanisches Dreieck“ und Kjeld Abells „Tage auf einer Wolke“ in deutscher Erstaufführung herausbringen. Außerdem ist die Uraufführung des Schauspiels „Die Welt ist Tau“ von dem Franzosen Jean Boulmer vorgesehen. Mit Mitteln des Werbefunks des Süddeutschen Rundfunks wurden verschiedenen Museen in Baden-Württemberg wichtige Ankäufe ermöglicht. So konnten die staatliche Kunsthalle in Karlsruhe das bedeutende Frühwerk Hans Thomas „Die Geschwister" aus dem Jahre 1873 erwerben, das kurpfälzische Museum in Heidelberg ein Bildnis der Liselotte von ‘der Pfalz und die Württembergisehe Staatsgalerie Stuttgart Kokoschkas „Dame in Blau“ sowie ein Bild von Oskar Schlemmer. Christopher Frys kürzlich bei den Recklinghauser Festspielen viel diskutiertes Stück „Der Erstgeborene“ wird am 21. September als Hörspiel im Süddeutschen Rundfunk unter der Regie von Cläre Schimmel urgesendet. Das Hörspiel wird im Rahmen der Britischen Woche am 15. Oktober wiederholt. Gerhard Uhlfelder, der Direktor der größten Opern- und Konzertagentur in Buenos Aires, der sich zur Zeit in Bayreuth aufhält, teilte mit, daß er mit Wieland und Wolfgang Wagner über ein Gastspiel der Bayreuther „Ring“-Inszenierung, wenn möglich mit dem gesamten Festspiel-Ensemble, in Buenos Aires verhandeln wolle. Die Aufführungen sollen während der „Deutschen Saison“ im Herbst 1953 im Teatro Colon stattflnden. Der vierzig Jahre alte Autoindustrielle Georg von Opel, Protektor des Kunsthistorischen Instituts der Universität Mainz und Präsident der Deutschen Olympischen Gesellschaft, ist von der philosophischen Fakultät der Mainzer Universität zum Ehrendoktor ernannt worden. Die Ehrung ist wegen der Verdienste Opels i um die Pflege mittelalterlicher Kunstwerke ausgesprochen worden. Der Dichter Fritz von Unruh, der seit 1936 in New York im Exil lebte, wird, von Paris kommend, Ende August in Frankfurt eintreffen. Unruh, der den Goethepreis der Stadt Frankfurt trägt und 1948 zur Wiedereröffnung der Pauls-Kirche die Festrede hielt, wird vorerst in Frankfurt seinen Wohnsitz nehmen. Das' Grab von Franz Xaver G r u b e r, dem Komponisten des Weihnachtsliedes „Stille Nacht, Heilige Nacht“, der 1863 als Chorregent in Hallstein gestorben ist wird wieder errichtet Es war 1945 beim- Einsturz des Kirchturmes der Stadtpfarrkirche zerstört worden. I -v • ' Sem Bruder die Hand» der Heimat das Herz! Im 5.« 6. und 7. September fesllidier Kreissfingertag in Brnthsal Oer Vorsitzende des Sängerkreises Bruchsal, Pieloth: „Wir wollen der großen Öffentlichkeit Zeugnis geben, mit welcher Begeisterung wir Sänger uns bemühen, hohes Kulturgut zu erhalten und zum Segen aller zu nutzen“. * Der Sängerkreis Bruchsal, dem fast ein halbes Hundert Gesangvereine angehören, steht vor einem Höhepunkt seines kulturellen Wirkens. Am Freitag, 5. Sept.. Samstag, 6. Sept., und Sonntag 7. Sept., tritt er mit einem Kreissängertag vor die Bevölkerung des ganzen Kreises. Das Ziel der Veranstaltung ist, wie der Vizepräsident des Badischen Sängerbundes, Fr. Hespeler, in seinem Geleitwort sagt, Zeugnis abzulegen für den festen Willen aller Sänger, durch ernsthafte Liedpflege der Kultur einer neuen Zeit und damit friedlichen Aufgaben zu dienen. * • Von Angelus Silesius stammt das Wort: „Zwei Augen hat die Seele, eines schaut in die Zeit, das andere richtet sich hin in die Ewigkeit“. — Der ausgesprochene Materialist, wie es deren heute so viele gibt, wird nur den ersten Teil dieses Spruches bejahen, „das drüben soll mich wenig kümmern!“, der Sänger dagegen, sofern er es ernst nimmt mit seiner Aufgabe, legt den Hauptton auf das ideelle Streben, ihm sind die Güter dieser Erde nur ein Mittel zum Zweck, sich für alles Große und Schöne und Edle einzusetzen. Öde und Leere ohne das Lied Ohne die erhebende Macht des Gesanges, ohne die schönste Blüte am Baum der Kultur, ohne das Lied, wäre das Menschenleben nur öd und leer. Die Sänger sind es, die die Menschen begeistern, die an den Saiten ihrer Herzen rühren, sie empfänglich machen für das Gute, ihnen künden, daß droben über den Sternen ein ewiger Vater wohnt, der alle, ob arm, ob reich, ob hoch, ob nieder mit gleicher Liebe umfängt. Der Kreissängertag will nichts anderes sein als eine machtvolle Manifestation aller Sänger zu diesen hohen Zielen. In einer Zeit der Vermassung, die beim Festefeiern fast nur noch das Materielle kennt — sagen wir es einmal ganz deutlich und ganz offen: den Suff und die Liebe —i ist gerade der Sänger berufen, für die große und echte Freude, die den ganzen Menschen, Leib und Seele in gleicher Weise erfaßt, Zeugnis abzulegen, durch die Macht der Töne, durch die Macht des Liedes. Das ist es doch, was dem Menschen von heute fehlt, jene Freude, die sich über das Materielle erhebt, die sich nach der Ewigkeit hin richtet, d. h. ihre letzte Ursache im Schöpfer des Himmels und der Erde findet. — Für diese Freude wollen die Sänger beim Kreissänger tag sich einsetzen und sich mühen, „auf Photo: Speck) Die neue Weinkönigin Frl. Ilse Müller-Obergrombach, die am vergangenen Sonntag in Rauenberg zur Weinkönigin für die südliche Bergstraße und den Kraichgau gewählt wurde. daß die Erde trotz aller Not und. Sorge, trotz aller Mühsal des Lebens wieder ein Paradies der Freude werde“. ' Das Programm der Sängertage Vorgesehen sind eine ganze Reihe bedeutsamer Konzertveranstaltungen, in denen wertvollstes Chorgut erklingt, das die Besucher erfreuen und erheben soll. Das Sängerfest beginnt am Freitag, 5. Sept., 20 Uhr, mit einem Eröffnungskonzert in der Aula der Ju- stus-Knecht-Schule. Die reichhaltige Vortragsfolge mit Liedern von Schubert, Brahms, Weber, Pracht, Stange, Neumann usw. bestreiten die Bruchsaler Vereine, die Liedertafel, der Liederkranz, der Mozartchor, die Lyra und die Cäcilia. Als Solistin tritt Frl. Anneliese Gehring, Sopran, auf. Am Samstag, 6. Sept., 14.30 Uhr, schließt sich wiederum in der Aula der Justus-Knecht-Sehule ein Schülerkonzert an, das die Volksschule, das Gymnasium und das Realgymnasium bestreiten. Das Programm enthält u. a. ein festliches Präludium des Schülerorchesters, mehrstimmige Madrigale von Do- nati und Gastoldi, Chor und Terzett aus dem Oratorium „Die Schöpfung“ von Haydn, den vierstimmigen gemischten Chor „Grünet die Hoffnung“ von Kremberg mit Instrumentalbegleitung. Einen besonderen Höhepunkt bildet an diesem Tag die festliche Aufführung des Requiem von Mozart um 16»30 Uhr in der Lutherkirche. Die Ausführenden sind: Der Bruchsaler Mozartchor, das Badische Konzert-Orchester Karlsruhe, Frl. Anneliese Gehring, Sopran, Frau Martha Weymann, Karlsruhe, Alt, Philipp Stork, Heidelberg, Tenor, und Ru- dols Schellhammer, Speyer, Baß-Bariton. Um 20 Uhr folgt im Europa-Saal ein Festkonzert mit der Cäcilia Bruchsal, dem Liederkranz Kirrlach, dem Sängerbund Mingolsheim, der Lyra Bruchsal, dem Frohsinn Kirrlach, dem Frohsinn Forst und dem Badischen Konzert-Orchester. Aus der Vortragsfolge stehen u. a. die Ouvertüre zu „Iphigenie in Aulis“ von Gluck, eine Festkantate von Mozart, Cbfire von Schubert, Wittmer, Lißmann, Gotvac, Send und Eckartz. — Der Tenor Philipp Stork von den Städtischen Bühnen Heidelberg wartet mit der „Widmung“ von Schumann, dem „Heimweh“ von Hugo Wolf und der „Heimatlichen Aufforderung“ von Richard Strauß auf. Die Festlichkeiten am Sonntag, 7. Sept., werden durch Gottesdienste vor der Stadtkirche und in der Lutherkirche eröffnet. — In der Stadtkirche singen der MGV Weiher und der Frohsinn Kronau, beide Vereine unter Kurt Pfenninger, und in der Luther- Eine Philippsbnrger Plauderei: kirche der Bruchsaler Liederkranz unter Rob. Pracht, Um 9 Uhr folgt in vier Sälen der Stadt, im Europa- Saal, im Schloßtheater, in der Aula der Justus- Knecht-Schule und in der Aula der Balthasar-Neu- mann-Schule das Freundschaftssingen aller Kreisvereine. — Eine beachtliche Zahl unserer Vereine steht auf einer ungewöhnlich hohen Leistungsstufe, so daß das Freundschaftssingen einen besonderen Genuß darstellen dürfte. — Das Kreissängerfest beendet um 14 Uhr eine Kundgebung aller Sänger im Ehrenhof des Bruchsaler Schlosses. Die Begrüßung hält der Vorsitzende des Sängerkreises Bruchsal, Pieloth. Im Mittelpunkt stehen die Ansprachen des Landrats L. Weiß, des Bürgermeisters Prof. Bläsi und des Vizepräsidenten des Badischen Sängerbundes, Hes- peler-Kgrlsruhe. Die Sänger selbst warten mit Gruppenchören auf, die Gruppe Nord singt den Chor „Lob des Liedes“ von Pracht, die Gruppe West den Chor „Die Feier“ von Hugo Hermann, die Gruppe Süd den Chor „Es mag sein“ von Hermann Grabner. Zum Schluß erklingt unter Kreischormeister Hermann Nikolaus der machtvolle Gemeinschaftschor aller Sänger „Feiger Gedanken“ von Lißmann. Nach der Kundgebung treffen sich die Sänger auf dem Kastanienplatz der Reserve zur gemütlichen Unterhaltung mit Darbietungen der einzelnen Vereine, Ausgabe der Erinnerungsmedaillen und dergl. (ü) Der Tag der Heimat Eine Resolution des Bundes der Heimatvertriebsnsa Bei der Kreiskonferenz der S udetendeutaehen Landsmannschaft wurde eine Entschließung aller in Bund der vertriebenen Deutschen vereinigten Lands* mannschaften zum „Tag der Heimat“ verlesen. In der Entschließung heißt es: „Wir begehen zum drittenmal den Tag der Heimalj nachdem er 1949 — damals von der deutschen Allgemeinheit ziemlich unbeachtet — von allen Vertriebenen zu einem wichtigen Bestandteil ihrer Politik erklärt worden ist. Es wurde ein gemeinsamer Feiertag der Vertriebenen, der heute bereits einen festen Platz im Jahresablauf einnimmt. Doch das ist nicht genug, dieser Tag soll durch die Beteiligung des ganzen deutschen Volkes ein wahrer nationaler Feiertag werden. Durch den Tag der Heimat ringen wir im eigenen Volk auch um ein echtes Verständnis für unser hartes Schicksal, und wir werden nicht aufhören, darum zu ringen, bis das ganze deutsche Volk unser Vertriebenengeschick als ein gesamtdeutsches Schicksal empfindet. Der Bund der vertriebenen Deutschen (BvD), dessen Träger sämtliche Landsmannschaften sind, fordert daher, daß die Belange seiner Mitglieder (aufgegliedert in Sudetendeutsche Landsmannschaft, Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen, die Südost- detitsche Landsmannschaft mit den Ungarn- und Ju- goslowiendeutschen) im Kreis Bruchsal künftig in des einzelnen maßgeblichen Aemtem und deren Abschüssen durch Berufung von Vertretern der im Kreisgebiet bestehenden Landsmannschaften gewahrt werden.“ sr JCceuz und quer durchs Siadtqeschehm Lichtbildervortrag über P. Rupert Mayer. Der Jesuitenpater Fritz Weber, St. Blasien, wird am Freitag, 22. August, abends 8 Uhr im Jugendheim St. Peter einen Lichtbildervortrag halten über den im Jahre 1945 in München im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Pater Rupert Mayer. R. Mayer, ein gebürtiger Stuttgarter, war jahrzehntelang der Männerseelsorger Münchens. Alle, besonders die Männer und Jungmänner, sind zu diesem gegenwartsnahen Vortrag eingeladen. Sonderzug nach Schönmünzach. Am Sonntag in acht Tagen, dem 31. August, verkehrt ein Sonderzug der Bundesbahn von Mannheim nach Schönmünzach. Mannheim ab 6.38 Uhr, Bruchsal ab 7.46 Uhr. Der Fahrpreis ab Bruchsal beträgt für die Hin- und Rückfahrt 5,90 DM. Der Aufenthalt in Schönmünzach dauert von 9.36 Uhr bis 19.43 Uhr. Die Rückkunft in Bruchsal erfolgt gegen 21 Uhr. Die Karten sind am Schalter des Bahnhofes Bruchsal erhältlich. Vorsicht beim Umgang mit Gift. Von den Apotheken und Drogerien wird in letzten. Zeit „Klage darüber geführt, daß zum Abfüllen von Salzsäure und ähnlichen hochgiftigen Stoffen oft Bier- oder Selters- flaschen mitgebracht werden. Es liegt im Interesse eines jeden einzelnen, solche Gifte in vorschriftsmäßig etikettierten Medikamentenflaschen aufzubewahren, um verhängnisvolle Verwechslungen zu vermeiden. Frohes Wiedersehen nadi 33 Jahren Es hat wohl jeder schon bei sich selbst die Beobachtung gemacht, daß Schulerlebnisse bis ins hohe Alter hinein im Gedächtnis haften. Auch wenn man über 30 Jahre den Schulbänken entwachsen ist, so wird doch alles Gegenwärtige schnell unbedeutend und versinkt neben dem Einst, wenn ehemalige Klassenkameraden miteinander Schulerinnerungen auffrischen. Weil ein Ehemaliger des Jahrganges 1905 als Gast aus Amerika hier weilte, war ein triftiger Anlaß zum Gegenseitig mit heißem Wasser übergossen Ans dem Wochenbericht des Landespolizeikommissariats Bruchsal In einer Gemeinde des Landkreises Bruchsal kam es zwischen mehreren Familien, die in einem Anwesen untergebracht sind, immer wieder zu Auseinandersetzungen. Diese arteten vor kurzer Zeit so aus, daß im Verlauf der Streitigkeiten neben anderen Mißhandlungen zwischen Männern und Frauen ein 20 Jahre alter Bursche bewußtlos geschlagen wurde. An den Streitigkeiten beteiligtem ich aüch mehrere Frauen, die sich gegenseitig mit heißem Wasser, dem zum Teil Salmiakgeist zugesetzt war, überschütteten. Gegen alle Beteiligten an den Auseinandersetzungen wurde Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Karlsruhe wegen Körperverletzung, Mißhandlung und dergleichen erstattet. „Knüppel aus dem Sack“ Nach vorausgegangener Meinungsverschiedenheit, versetzte ein Mann in Mingolsheim einem Gesellen mit einem Holzknüppel solche Schläge auf den Kopf, daß der Geselle ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Selbstmord durch Erhängen In einer Landgemeinde nahm sich ein Handwerker durch Erhängen das Leben. Nach den gemachten Feststellungen liegt einwandfrei Selbstmord vor. Das Motiv der Tat dürfte in wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu suchen sein. Verkehrsunfälle durch verkehrswidriges Verhalten Am vergangenen 'Sonntag sprang in Kirrlach ein 5jähriger Knabe ln die Fahrbahn eines auf der Kro- nauer Straße fahrenden Kraftrades. Der Fahrer des Kraftrades "konnte sein Fahrzeug nicht mehr Zum Halten bringen, so daß das Kind angefahren und verletzt wurde. Auch der Lenker des Kraftrades stürzte und zog sich Hautabschürfungen zu. Ein ähnlicher Fall ereignete sich einige Tage vorher «ebenfalls in Kirrlach. Audi in diesem Falle wurde ein über die Kronauer Straße springendes Kind von einem Kraftrad erfaßt und zu Boden geschleudert. Das 3jährige Kind wurde hierbei so schwer, verletzt, daß es in das Krankenhaus Bruchsal verbracht werden mußte. Auf Grund der in letzter Zeit zunehmenden Verkehrsunfälle in Kirrlach, bei den fast jeweils Kinder beteiligt sind, ergeht an alle Erziehungsberechtigten die dringende Mahnung, die Kinder von den verkehrsreichen Straßen in Kirrlach fernzuhalten bezw. zu begleiten. Es wird sich bei solchen Verkehrsunfällen nicht vermeiden lassen, auch die Eltern bezw. Erziehungsberechtigten, die für ihre Kinder voll verantwortlich sind, zur Rechenschaft zu ziehen. Auf der Landstraße zwischen Hambrücken und Wiesental kam ein Mann aus dem Landkreis Heidelberg von der Fahrbahn ab und fuhr mit seinem Fahrrad mit Hilfsmotor auf den rechten Straßenwasen, wobei er zu Boden stürzte und sich Verletzungen zuzog. Der Verunglückte mußte in das Krankenhaus Bruchsal verbracht werden, wo auch noch eine Blutprobe entnommen wurde. Diebstahl eines Fahrrades Einem Mann aus einer Hardtgemeinde, der unweit der Bundesstraße 35 bei Karlsdorf auf dem Felde seiner Arbeit nachging, wurde sein abgestelltes Herrenfahrrad von einem bis jetzt noch unbekannten Täter entwendet. Die erforderlichen Fahndungsmaßnahmen wurden eingeleitet. Klassentreffen gegeben. Ernst Pfeiffer der seine Heimat Philippsburg besuchte, wollte vor der Rückreise seine Klassenkameraden zu Gast bitten. Herr Otto Bauni lud also die 60 Ehemaligen des Jahrganges 1905/06 ein, ünd im „Schwanen“ gab es ein Wiedersehen nach 32 Jahren. Fünf Ehemalige blieben aus. Sie sind bereits zur Ewigkeit abberufen. Fast alle anderen kamen jedoch aus Philippsburg, Altlußheim, Rheinsheim, Wiesental, Mannheim, Karlsruhe, Wald- kirch herbei. Frau Schmitt, geb. Rappmann, aus Heidelberg hatte die im Jahr 1916/17 bis 70 Schüler zählende Klasse geleitet. Sie mußte viel aus der Schule plaudern. Die „Mädle“ hatten Frl. Vetter, ihre Handarbeitslehrerin, eingeladen. Bel Würstchen, Torten, Kaffee und gutem Wein wurden die Gemüter der Ehemaligen in den Tiefen bewegt. Kapelle Belz-Lindemann bestritt den musischen Teil. So wurde manches Stillverborgene und Verschwiegene zutage gefördert. Mancher heimliche Spaß kam jetzt zur Sprache. Gerade der Jahrgang 1905/06 stand, wie unsere Jugend heute, sehr unter der Ungunst der Kriegs Verhältnisse. Fräulein Rappmann, damals 20jährig, mußte fest am Zügel reißen. Die Devise „Sein oder Nichtsein“ galt auch für sie; und jeder schmunzelt beim Gedanken an kleinere und größere Streiche, für die ein handfestes Strafgericht fällig war. Nun, es sind alle, die hier an der Musik, der Festrede, den Gesprächen und Späßen froh teil hatten, zu lebenstüchtigen Menschen geworden. Dabei mag die Notzeit als erzieherischer Faktor ihren Teil bewirkt haben. Und weil es so nett war: Auf Wiedersehen 1955! Mostfässer Inhalt Ltr-Preis „Unangenehmes Hautjucken machte mir während der letzten Monate meiner Schwangerschaft sehr zu schaffen. Nichts was man mir anriet brachte auch nur den geringsten Erfolg. Da nahm ich Aktiv-Puder: Schon nach kurzer Benutzung war ich vollständig von dem lästigen Hautjucken befreit. Auch bei meinen Zwillingen verwende ich nur Aktiv-Puder mit bestem Erfolg." So schreibt Frau Maria Friedrich, Koblenz, Bechelsir. 4. Immer und Immer wieder wird es bestätigt: Aktiv- Puder ist der groBe Fortschritt zur Pflege der gesunden und kranken Haut! Aktiv-Puder: Streudosen ab 75 Pfg. in allen Apotheken und Drogerien. r_L h f • • /(| . 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