BROCHSALER POST Kcxiiktfo« ul Verla*: Bruchsal, VorthstraBe 11, Telefon Nr. 2121 B**e|t Monatlich OM 2.80 einschließlich Trigergebtfkr. Poetsustellung DM 2.45 laifiglich Zustellgebühr. —"Erseheiat an jedem Tag der Vodie, anfier sonn, and feiertags RHEINISCHES TAGBLATT SÜDDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG ▲nsetgeaprelse l»nt Preisiisto« Bankkonten Spar* oad KrctBt* bank Brndual Nr. 603; Stadt. Sparkasse PbiUppsbnrg Nr. 1057. Postsdietkkontat Ast Karlsrubo Nr. 36440. — Bei Störung dordi hShere Gewalt besteht kein Ersagatuprudt. Nummer 253 Donnerstag, 30. Oktober 1952 Einzelpreis 20 Pfennig Säi|äS$ ■ * mmm : Der erste motorisierte Bereitschaftswagen des Technischen Hilfswerks wurde in Düsseldorf vorgeführt. Der 1,5-Tonner ist auf Grund längerer Erfahrungen und Beobachtungen mit allen für die notwendigsten Hilfeleistungen bei Katastrophen erforderlichen Werkzeugen ausgerüstet. Die Besatzung trägt Schutzkleidung aus hellem Drillich, die sich auch gegen Atomstrahlen am besten bewährt haben soll. Für 729 Millionen Dollar „Off Shore"-Aufträge PARIS. Amerikanische „Off Shore“-Aufträge in Höhe von 729 Millionen Dollar sollen in diesem Jahr an die Rüstungsindustrie der europäischen Länder vergeben werden. Der Leiter des Amtes für gemeinsame Sicherheit, William Draper, teilte am Dienstag in Paris mit, daß Frankreich an diesen Aufträgen fast mit der Hälfte, nämlich mit 350 Millionen Dollar beteiligt ist. Die Bundesrepublik erhält Aufträge für 10 Millionen Dollar. Mit den im Rahmen der amerikanischen Off Shore-Aufträge hergestellten und von Amerika finanzierten Rüstungsgütern werden die amerikanischen und europäischen Verbände der NATO-Streitkräfte ausgerüstet. Diese Aufträge sind damit zum Teil eine indirekte Finanzierung der Aufrüstung der europäischen NATO-Staaten. 34 Tote bei Scbulausflug RI© DE JANEIRO. Bei einem Schulausflug ertranken am Mittwoch 32 'Schulkinder und zwei Nonnen, als ihr Ausflugsboot auf dem brasilianischen Fluß Sal kenterte. Bisher wurden nur zehn Leichen geborgen. Fischer, die in der Nähe der Unglücksstätte arbeiteten, konnten viele Kinder, die gleichfalls in dem Unglücksboot waren, vor dem Ertin- ken retten. Frankreich zu Revision der Saarkonventionen bereit Anpassung der Abkommen an neue Verhältnisse - Schutnan wird Saarerklärung abgeben PARIS. .„Frankreich ist bereit, mit .der saarländischen Regierung Verhandlungen über eine Revision der französisch-saarländischen Wirtschaftsabkommen einznleiten", erklärte am Mittwoch ein Sprecher des Quai d'Orsay. Wenn Frankreich dies nicht schon früher angeboten habe, fügte er hinzu, so sei das auf die Besprechungen zurückzuführen, die die französische Regierung mit der Bundesregierung über die Europäisierung der Saar geführt hat. Die Regierung ist damit einverstanden, daß die französisch-saarländischen Besprechungen über die Anpassung der Wirtschaftsabkommen sofort beginnen. Der Sprecher versicherte, daß sich Frankreich niemals der Anpassung der Saarkonventionen an neue Verhältnisse widersetzt habe. Bei der Europäisierung des Saargebietes und bei der Schaffung einer europäischen Förderation müßten die Konventionen der Entwicklung angepaßt werden, doch könne solche Anpassung nur schrittweise erfolgen. Auf keinen Fall könne nach französischer Ansicht eine Lösung des Saarproblems von der Aufhebung der Konventionen ausgehen. Der Sprecher betonte,, daß Frankreich jeder Zeit zur Wiederaufnahme der deutschfranzösischen Saarbesprechungen bereit ist, selbst wenn inzwischen die Landtagswahlen im Saargebiet stattgefunden haben sollten. Außenminister Scbuman berichtete am Mittwoch der Regierung über die Entwicklung der deutschfranzösischen Besprechungen über die Saarfrage. Im Außenministerium wurde am Mittwoch abend mitgeteilt, daß Schuman in der nächsten Zeit öffentlich eine Saarerklärung abgeben wird. Er werde hierbei vor allem über die deutsch-französischen Saarverhandlungen sprechen. Nach Abschluß ' der Sitzung wurde ein Kommunique veröffentlicht, in dem es heißt: Bisher ist es nicht möglich gewesen, sich über den Text einer gemeinsamen Erklärung zu einigen, die. als Grundlage für ein Abkommen dienen und eine Verschiebung der saarländischen Wahlen rechtfertigen könnte“. Der Außenpolitische Ausschuß der Nationalversammlung beschloß am-Mittwoch auf Antrag der Gaullisten, daß noch vor dem Abflug Schumans zur New Yorker UNO-Vollversammlung in der nächsten Woche eine Debatte stattfinden soll, bei der die Regierung über ihre Deutschland- und Europapolitik Aufschluß geben müßte. Saoiwahlen am 30. November ? SAARBRÜCKEN. Der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Saar (SPS) Richard Kirn erklärte am Mittwochabend vor Beginn der Sitzung des saarländischen Landtags einem dpa-Vertreter, es stehe jetzt bereits fest, daß im Saarland am 30. November gewählt werde. In dieser Frage, bestehe zwischen der Christlichen Volkspartei (CVP) und der SPS Uebereinstimmung. Die Sitzung des saarländischen Landtages, in der das Wahlgesetz zur.'dritten Lesung kommen sollte, war ursprünglich auf 20 Uhr angesetzt worden. Da im Rechtsaussdhuß jedoch über Aenderungen in dem Entwurf beraten wurde, vertagte man den Beginn der Sitzung auf die späten Abendstunden. Kirn teilte weiter mit, daß sich an den Wahlen auch die Kommunistische Partei des Saarlandes beteiligen könne. Möglicherweise werde auch die Demokratische Volkspartei (DPS), über deren Registrierungsantrag noch nicht entschieden wurde, an den Wahlen teilnehmen können. Verteidigung planmäßig weiterführen Lord Ismay über die Pariser NATO-Tagang - Bundesrepublik soll berücksichtigt werden PARIS. Der NATO-Generalsekretär Lord Ismay erwartet, daß bis Mitte November die Antworten aller NATO-Staaten auf die Fragebogen über ihre militärisch-wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in Paris vorliegen werden. Am Mittwoch teilte Lord Ismay in Paris vor der Presse mit, daß bisher erst acht NATO- Staaten ihre Unterlagen eingereicht • haben. Wegen der für Mitte Dezember angesetzten Ministerkonferenz der Atlantikpaktorganisation sei es aber notwendig, daß schon vorher alle Antworten von den Fachleuten des NATO-Stabes geprüft werden können. Lord Ismay teüte mit, daß der Ständige Militärausschuß bei seiner ersten gemeinsamen Sitzung mit dem NATO-Rat am Dienstag einen Gesamtüberblick über die strategischen Planungen nach dem Stand von Ende 1951 gegeben habe. Alle Konferenzteilnehmer seien sich darüber einig gewesen, daß die Verteidigungsanstrengungen trotz der jetzt verfügbaren neuen Waffen planmäßig weitergeführt werden müßten. Eine Mitwirkung der. Bundesrepublik an der westlichen Verteidigung müsse bei den NATO-Beratungen insofern berücksichtigt werden, als nach der Unterzeichnung der deutsch-alliierten Verträge nunmehr auch mit deren Ratifizierung gerechnet werde. PJeven begründet Militärbudget 1953 im Unterhaus, die am Koreakrieg beteiligten Nationen seien auf das Aeußerste bemüht, durch nichts die Rückkehr ihrer eigenen Kriegsgefangenen zu gefährden. Die Vorschläge des UNO-Oberkommandos in der Kriegsgefangenenfrage seien die vemüftig- sten, die man nach menschlichem Ermessen habe machen können. Eden verwies auf die Bedeutung der bevorstehenden Koreadebatte bei der New Yorker UNO-Tagung, wo er selbst jede sich bietende Gelegenheit für eine Verständigung in der Koreafrage nutzen werde. Unter dem Beifall des Unterhauses sprach sich Eden gegen ein nationalchinesisches Angriffsunternehmen gegen das Festland aus. „Es bleibt die Politik der britischen Regierung, eine Ausweitung des Koreakrieges zu verhindern“, sagte Eden. Er verwies auf eine Erklärung Churchills vom Februar, daß nur wenige Abenteuer von geringerem Erfolg oder Nutzen sein könnten als ein Vorstoß Tsching- kaischeks gegen das Festland. Ferner sagte Eden, er habe bei seinem Besuch in Belgrad herausgefunden, daß die Ansichten Marschall Titos über die Weltlage im allgemeinen und über viele Fragen gemeinsamen Interesses in Europa und anderen Gebieten denen der britischen Regierung sehr nahe kommen. Eden fügte hinzu, er begrüße vor allem die offensichtliche Entschlossenheit Jugoslawiens, unabhängig zu bleiben und seine Beziehungen zu seinen Nachbarn ständig zu verbessern. Das Triest- Problem sei umfassend erörtert worden, doch wolle er darüber gegenwärtig nichts weiter in der Oeffent- lichkeit sagen. Siebzehn Begnadigungsvotlagen verworfen LONDON. Der britische Außenminister Eden teilte am Mittwoch im Unterhaus mit, daß er von 43 ihm in letzter Zeit unterbreiteten Begnadigungsvorlagen für Kriegsverbrechen 17 verworfen habe. In 26 Fällen, die der britische Hohe Kommissar in Deutschland ihm vorgelegt habe, habe er positiv entschieden. Nach Mitteilung Edens waren im Juni vergangenen Jahres rund 200 wegen Kriegsverbrechen verurteilte Deutsche in britischem Gewahrsam. 42 seien im Dezember auf Grund des Beschlusses freigelassen worden, daß die Untersuchungshaft auf die Strafe angerechnet wird. Weitere 26 seien in diesem Jahre nach Verbüßung ihrer Haftstrafe entlassen worden. Bevan-Gruppe löst sich auf LONDON. Der Machtkampf innerhalb der britischen Labour Party wird in veränderter Form weitergehen. Die Bevan-Gruppe hat ihre Auflösung beschlossen, gleichzeitig aber angekündigt, daß jedes ihrer bisherigen Mitglieder „mit allen legitimen Mitteln“ eine Revision der Entscheidung der Labour- Parlamentsfraktion anstreben wird, in der diese Auflösung ultimativ gefordert wurde. Bevan und seine Anhänger gaben dies am Donnertag in der neuesten Ausgabe ihrer Zeitschrift „Tribüne“ bekannt. Sie drücken ihr Bedauern über die Entscheidung der Labour-Fraktion aus, die als antiliberal und ohne Beispiel in der Parlamentsgeschichte bezeichnet wird.' Die Forderung, daß Abgeordnete nicht ohne offizielle Billigung Zusammentreffen sollten, gebe der Parteimaschine eine bisher ungekannte Macht. Die Entschließung stützte sich ferner auf unwahre Anschuldigungen und gefährde die Parteiednheit. „Dennoch akzeptieren wir die Mehrheitsentscheidung unserer Kollegen und werden uns loyal daran halten. Jeder von uns wird jedoch eine legitime Möglichkeit wahrnehmen, um die Fraktion zur Rückgängigmachung des Beschlusses zu bewegen und so bald wie möglich den Labour-Abgeordneten die vollen Rechte der freien Zusammenkunft wiederzugeben“. Unabhängigkeitsfront wurde am Mittwochabend in Kairo ein Abkommen über den Sudan unterzeichnet. Für Aegypten signierten Ministerpräsident General Nagib und sein Vorgänger Ali Mäher, für die Unabhängigkeitsfront der Führer der Umma-Partei Abder- rahman El-MahdL Nach dem Abkommen erhält der Sudan eine Selbstregierung. Seiner Bevölkerung wird das Recht auf Selbstbestimmung unter Ausschluß jedes ausländischen Einflusses zugestanden. Eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Sudan, Aegypten und Großbritannien ist vorgesehen, um den Lebensstandard der Bewohner des Niltales zu heben. Das Abkommen enthält drei Hauptpunkte. Alle sudanesischen Parteien büden danach eine gemeinsame Front und befürworten das in der Sudanverfassung dargelegte System der Unabhängigkeit und Selbstregierung. Die Sudanbevölkerung nimmt durch ihr Parlament und ihre Regierung ihre innenpolitischen Belange selbst wahr. Das System der Unabhängigkeit und Selbstregierung soll einige Jahre in Kraft bleiben. In dieser Zeit entscheiden die Sudanesen über ihre Zukunft in internationaler Hinsicht. Deutsch-arabisches Einvernehmen ? BONN. Zwischen der Bundesregierung und der arabischen Delegation, die sich gegenwärtig in Bonn aufhält, wurde am Mittwoch vereinbart, daß die arabischen Wünsche an Deutschland in normalen PARIS. Vor dem Verteidigungsausschluß der Nationalversammlung begründete Verteidigungsminister Rene Pleven am Mittwoch den Militärbudgetentwurf der Regierung für 1953. Der Entwurf gewährleiste eine weitere Verstärkung der französischen Stredt- kräft im kommenden Jahre und enthalte im Gegensatz zum laufenden Jahr keine noch unsicheren Einnahmeposten für die Rüstungsaufträge der USA. Vietminh-Ängriffe im Tonking-Delta PARIS. Während im Kampfgebiet des Schwarzen Flusses Ruhe herrschte, griffen Verbände der Viet- minh-Aufständischen am Mittwoch an zehn Stellen die französischen Befestigungen im Tonking-Delta an. Die französische Luftwaffe bombardierte am Mittwoch Nachschubwege der Vietminh-Truppen. Dabei wurden auch Maschinen eingesetzt, die von dem Flugzeugträger „Arromanches“ aufstiegen. Oesterreich-Wahlen im Februar ? WIEN. Die beiden österreichischen Koalitionsparteien OeVP und SPOe sind in einer Parteivereinbarung übereingekommen, als Termin für die vorverlegten Nationalratswahlen den 22. Februar 1953 varzuschlagen. kommen-, gegen das arabische Kritik geübt worden war, bleibt von diesen Verhandlungen unberührt und soll demnächst vom Bundestag ratifiziert werden. Der Delegationsführer der Araber, der libanesische Botschafter in Paris, Ahmed Daouk, wurde am Mittwoch von Bundeskanzler Dr. Adenauer empfangen. Die arabischen Länder werden nun die Bundesregierung um die Entsendung von Delegationen bitten, die dann mit den arabischen Regierungen über den Abschluß von Wirtschafts- und Handelsabkommen verhandeln. Eine erste deutsche Delegation ist bereits nach Saudi-Arabien abgereist. Die mehrtägigen Besprechungen, die die arabischen Delegierten hauptsächlich mit Staatsekretär Hallstein- in Bonn hatten, haben zu einem freundschaftlichen Einvernehmen geführt. Die Handelskammern der arabischen Staaten haben nach einer Meldung des libanesischen Rundfunks vom Mittwoch mit dem Abbruch ihrer Geschäftsbeziehungen zur Bundesrepublik gedroht, falls das deutschisraelische Wiedergutmachungsabkömmen ratifiziert wird. In Kairo weist man in diesem Zusammenhang darauf hin, daß die Schließung der Nahostmärkte für deutsche Exportgüter im - letzten Weltkrieg starke Rückwirkungen auf die deutsche Wirtschaft gehabt habe. Es liege jetzt beim Bundestag, ob Deutschland die Handelsbeziehungen zu den arabischen Staaten endgültig verlieren wolle oder nicht. Eden will sich um Korea-Lösung bemühen England gegen nationalchinesisches Angriffsunternehmen LONDON. Außenminister Eden sagte am Mittwoch Sudanabkommen in Kairo unterzeichnet Sudanesen erhqlten Selbstregierung - Enge Zusammenarbeit mit Aegypten und England KAIRO. Zwischen Aegypten und der sudanesischen Wirtschaftsverhandlungen berücksichtigt werden sol- ‘ len. Das deutsch-israelische Wiedergutmachungsab- Alt und müde? Dr. E. G. Frankreich ist keine alte und müde Nation, sagte der französische Staatspräsident Auriol, als er kürzlich das große Rhöne-Kraftwerk in Don- zere-Mondragon seiner Bestimmung übergab. Er sagte es mit Nachdruck, und er sagte es mit einem deutlichen Hinweis auf Deutschland und mit einer unverkennbaren Spitze gegen die Vereinigten Staaten. Die Franzosen fühlen sich durch die amerikanische Kritik an ihrer Unschlüssigkeit beschwert, und es war daher ihrem Staatsoberhaupt sehr ernst mit seiner Feststellung, „daß gewisse Vergleiche zwischen ihrer (der deutschen) Disziplin und Tatkraft und unserer angeblichen Untätigkeit und Interesselosigkeit uns schwer verletzt haben“. Der amerikanische Botschafter Dünn hat denn auch bei erster Gelegenheit Oel auf die Wogen des Unmuts gegossen, indem er die „gewaltigen Anstrengungen“ der Franzosen würdigte und die unverbrüchliche Freundschaft der beiden Völker bekräftigte. Aber es ist mehr als der aktuelle politische Anlaß, der Auriol zu seiner Feststellung drängte, hinter seinen Worten steht vor allem ein inneres Anliegen aller Franzosen, das sie aus begreiflichen Gründen stark bewegt und hier seinen politisch-demonstrativen Ausdruck fand. Es ist ein Anliegen der französischen Geschichte. Denn das Schlagwort von der alten und müden Nation ist ja keineswegs eine Erfindung unserer Tage, die der französische Staatspräsident als Novum hätte zurückweisen müssen, es ist alt und gehört in der Form des „degenerierten Frankreich“ schon seit Jahrhunderten zu den Leitfossilien der europäischen Irrtümer. Hitler hat es verkündet und der Einfachheit halber (mit bekanntem Erfolg) gleich auf alle Demokratien ausgedehnt, und sein Zunftgenosse Stalin hat es, wenn auch für seine Zwecke abgewandelt, übernommen. Auch Bismarck ist ihm einmal erlegen, allerdings nur kurze Zeit, denn schon 1871 verglich er Frankreich mit einem Fuchs, der längst totgeschossen und von den Hunden zerbissen ist, dem man die Sehnen der Sprunggelenke zerschnitten hat, den man als tot fortträgt, und der „trotzdem noch den Treiber in den Hintern beißt“. Ein Volk auf Schlagworte festzulegen, zeugt immer von Bequemlichkeit des Denkens und ist außerdem dumm und ungerecht — wie sehr, das haben wir Deutsche nach dem Krieg ja wohl zur Genüge am eigenen Leibe erfahren. Mit dem Altem und Müdewerden ist es so eine Sache. Ein Volk, das aus der ersten Reihe zurücktreten mußte — und Frankreich steht in Europa noch immer in der ersten Reihe —, ist. deshalb noch nicht gleich „fertig“. Von den europäischen Nationen ist bisher jedenfalls noch keine so müde geworden, daß sie hätte vom Schauplatz ahtreten müssen und ihre Stimme nicht mehr zu Gehör bringen könnte. (Auch die Völker hinter dem Eisernen Vorhang sind, wie sich eines Tages zeigen wird, noch keineswegs tot.) Wohl haben im Laufe der Jahrhunderte Macht und Ansehen unter den einzelnen Nationen gewechselt, wohl sind Höhepunkten der Machtentfaltung Perioden der Ermattung gefolgt, aber sie sind noch alle da, die schon vor tausend Jahren das christliche Abendland ausmachten, und es ist noch nicht bewiesen, daß sie nicht ihren Mann stehen würden, wenn sie zu einem Kampf um die Existenz Europas aufgerufen werden. Das darf auch Frankreich für sich in Anspruch nehmen. Wer die französische Geschichte seit 1789 Vorurteils- und schlagwortfrei betrachtet, der wird über den Erschöpfungszuständen, die Frankreich so wenig wie anderen Völkern erspart geblieben sind, nicht die Regenerationskraft übersehen, die es unserem westlichen Nachbarn bisher immer wieder ermöglicht hat, sich aufzuraffen und seine Rolle zu spielen. Allein der zur Zeit amtierende Ministerpräsident Pinay, der nichts anderes als der solide Hauptbuchhalter seines Staates sein will, ist ein Beweis für die Zähigkeit der französischen Substanz, die alle Krisen überdauert hat. Die Meinungsverschiedenheiten, die wir mit den Franzosen — z. B. über die Saarfrage oder die EVG — zu bereinigen haben, sind ebensowenig wie ihre innenpolitischen Auseinandersetzungen, die wir nicht mit deutschen Maßstäben messen können, ein Zeichen, daß die Franzosen schon am Ende ihres Lateins sind. Mögen uns viele Einzelheiten in der französischen Politik problematisch erscheinen, einen negativen Schluß aufs Ganze zu ziehen, wäre schon unter dem Aspekt der französischen Geschichte zumindest voreilig. Schließlich sollte man auch nicht außer Acht lassen, daß der ebenso, kostspielige wie mörderische, aber doch im Interesse der gesamten westlichen Welt geführte Krieg in Indochina wesentlich mit dazu beigetragen hat, den Erschöpfungszustand, in den auch Frankreich durch den zweiten Weltkrieg versetzt wurde, zu verlängern. Dennoch ist es das gute Recht Auriols, an die Regenerationskraft seines Volkes zu glauben, und man sollte seinen Appell an die Welt nicht in den Wind schlagen. Am wenigsten wir Deutschen, die wir mit den Franzosen eine europäische Ehe eingehen wollen. (Wer wollte denn schon eine alte und müde Braut heiraten?) Wenn man Frankreich einmal die mißverständlichste aller europäischen Nationen genannt hat — es wäre das größte Mißverständnis, ein Volk unter einem Schlagwort abzutun, nur weil dieses Schlagwort alt — aber immer noch nicht müde — ist. Falsche Voraussetzungen haben sich im politischen Kräftespiel oft genug verhängnisvoll ausgewirfö. Sowjetzonen-Flfichtlinge: Weiterhin Pakete schicken BONN. Die Arbeitsgemeinschaft der Verbände der Sowjetzonenflüchtlinge wandte’ sich am Mittwoch gegen die Ansicht, daß der Paketversand in die So- wjetzone grundsätzlichen Beschränkungen unterliegen solL Es bestünden jetzt noch keine gewichtsmäßigen und zeitlichen Beschränkungen für Pakete. Auch- ihre Zahl sei nicht begrenzt. Die große Zahl. Notleidender in der Sowjetzone bedürfe nach wie vor der stärksten Hilfe des Westens. Je mehr Pakete und je rascher sie zum Versand kommen, umso weniger könnten sich spätere Verzögerungen und Hindernisse auswirken, die besonders zu Weihnachten nicht ausgeschlossen wären vJkouber laog Kummer 253 Högner: Partisanengruppen auch in Bayern Wir bedanken uns für Vaterlandsverteidiger mit dun Dolch des Fememörders im Gewand' Persien bleibt hart TEHERAN. Persien lehnte am Mittwoch den. vom schweizerischen Gesandten übermittelten Wunsch ab, zeitweilig einen britischen Konsul in Persien zu belassen. Der persische Außenminister Dr. Fatemi erklärte dran Schweizer Gesandten in Teheran, der die britischen Interessen in Persien wahmimmt, Persien sei nicht bereit, irgendjemanden, der auf der britischen Botschaft gearbeitet habe, als britischen Konsul im Lande zu belassen. Er erinnerte in diesem Zusammenhang daran, daß Persien niemals einen Briten für einen solchen Posten akzeptieren würde, der jemals zuvor in irgendeiner Kolonie tätig war. Vondenberg informiert sich ln Madrid MADRID. General Vandenberg, der Stabschef der amerikanischen Luftstreitkräfte, hatte am Mittwoch in Madrid eine einstündige Unterredung mit dem spanischen Luftfahrtminister Gallarza und beriet später mit dem USA-Botschafter MacVeagh. Vandenberg war am Dienstag zu einem zweitägigen Besuch in Madrid eingetroffen. Man erwartet, daß General Franco ihn empfangen wird. Vandenberg will sich dem Vernehmen nach über den Stand der Militär-Verhandlungen zwischen den USA und Spanien unterrichten. In Madrid rechnet man damit, daß diese Verhandlung»! noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Paris« Weltausstellung im Jahre 1964 PARIS. Zum erstenmal seit 1937 wird Paris wieder im Jahre 1964 eine Weltausstellung veranstalten. Die französische Regierung gab am Mittwoch diesen Termin gegenüber dem ursprünglich erwogenen Jahr 1961 den Vorzug, da die belgische Regierung im Jahre 1958 eine Weltausstellung veranstalten wilL MÜNCHEN. In einer Regierungserklärung wandte sich der bayerische Innenminister Dr. Högner (SPD) am Mittwoch vor dem Landtag scharf gegen die Tätigkeit von Partisanengruppen in Bayern. „Wir bedanken uns für Vateriandsverteidiger mit dem Dolch des Fememörders im Gewand“, rief er unter Beifall der Landetagsabgeordneten aus. Deutschlands Verteidigung gegen einen Angriff von außen könne nicht Sache einer geheimen Verschwörergesellschaft, sondern nur Sache des ganzen deutschen Volkes ein. Die bayerische Regierung bedauere, daß gewisse amerikanische Dienststellen hinter ihrem Rücken deutsche Staatsbürger zu Partisanen ausgebildet und mit geheimen Waffenlagem ausgerüstet habe. Besondere empörend sei, daß sich die Besatzungsmacht auch solcher Kreise bedient habe, die geschworene Feinde des demokratischen Staates seien. „Die Werbung von Deutschen für eine Fremdenlegion ist uns immer verhaßt, auch wenn diese Legion im amerikanischen Sold steht“. Die bayerische Regierung halte es auch für unerträglich, daß Geheimoiganisationen ohne Wissen der Landesregierungen von Bundesbehörden geduldet und gefördert würden. Wenn künftig wieder Bundesmittel für unbekannte Zwecke an unbekannte Organisationen und ohne genügende Kontrolle gegeben würden, müßte das zu einer schweren Belastung des guten Verhältnisses zwischen Bundesregierung und Landesregierungen führen. Högner hieß die Mitarbeit der Bevölkerung im Kampf gegen bolschewistische Zersetzung willkommen, warnte aber davor, „braune Böcke zu unseren Gärtnern zu machen“. „Der bayerische Staat ist durch den groben Unfug einiger Tausender zwar nicht in ernste Gefahr gekommen“, sagte Högner, „die Regierung wird aber äußerst wachsam sein. Wir wollen unsere bayerische Ruhe haben“. Der sogenannte Technische Dienst, der in Hessen .aufgedeckt worden sei, habe auch Vertreter in Bayern besessen, teilte Dr. Högner den Landtagsabgeordneten mit. Unter ihnen habe sich eine führende Persönlichkeit befunden, die ins Ausland geflohen sei. Dieser Persönlichkeit seien, wie bei einer Haussuchung festgestellt worden sei, 70 000 Mark aus amerikanischen Quellen zugeflossen, von denen noch 30 000 gefunden wurden. Erste Vernehmungen in der Partisanen-Afföre FRANKFURT. Der deutsch-amerikanische Untersuchungsausschuß zur Prüfung der Hintergründe der Partisanenaffäre“ hat am Mittwoch mit Vernehmungen einzelner an dem „Technischen Dienst des BDJ“ Beteiligter begonnen. Namen wurden nicht bekanntgegeben, um die Ermittlungen nicht zu stören. Der Ausschuß war nach sechzehntägiger Pause im Frankfurter Polizeipräsidium wieder zusammenge- teten, nachdem er um den juristischen Beauftragten des amerikanischen Außenministeriums, S.H. Gaines, erweitert worden ist. Die Kommission will vor allem prüfen, inwieweit amerikanische Offiziere oder Beamte von dem illegalen „Abwehrdienst“ und seinen Plänen Kenntnis gehabt haben. Auf deutscher Seite gehören dem Ausschuß Landgerichtsrat Manek vom hessischen Innenministerium, der Referent Brandt vom Bundesamt für 'Verfassungsschutz und der Wiesbadener Kriminal- und Regierungsrat Kreifae an. Gastfreundliches Marokko Von Fritz Christophei In Marrakesch wollte ich einen bekannten Kaufmann aufsuchen. Die Auskünfte, die ich von den Europäern über die Adresse erhielt, brachten mich jedesmal an einen anderen Platz, nur nicht in die gewünschte Straße. Schließlich fragte ich einen Eingeborenen, der schwarz wie Ebenholz am Steuer eines eleganten amerikanischen Autos saß. Er bat mich in deutscher Sprache in den Wagen und fuhr mich an das gewünschte Ziel. Unterwegs erzählte ich ihm, daß midi dort ein Herr erwarte, um mich durch Marrakesch zu führen. Als ich nach 15 Minuten wieder auf die Straße kam, erwartete uns der freundliche Fahrer und stellte uns seinen Wagen und sich für die Besichtigung der Stadt zur Verfügung. Diese liebenswürdige Bemühung war keine Ausnahme, sondern ein Beispiel für das freundliche Entgegenkommen, das alle Marokkaner zeigten, sobald sie hörten, daß man aus Deutschland komme. • ' Im Hafen von Casablanca begrüßten die marokkanischen Schauerleute freudig den Hamburger Dampfer, kramten voller Stolz ihre deutschen Vokabeln hervor und erkundigten sich nach den ihnen bekannten, aber in der Heimat gebliebenen Besatzungsmit- gliedem. Sie verzichteten auf ihre Gewohnheit, zwischendurch ein Schläfchen einzulegen, und wurden auch nach der Schicht nicht müde, nach Deutschland zu fragen und alles, was ihnen als „made ln Germa- ny“ bekannt war, zu loben. Ihr Vorarbeiter Mohammed freute sich dankbar, als er wieder ein paar Deutsche einladen konnte, um ihnen in seiner kleinen Wohnung die neuerständenen Eisenbettstellen und den Küchenschrank zu zeigen, die nach den landesüblichen Maßstäben einen bescheidenen - Wohlstand repräsentierten. ■ ■ > • Selbst der unsentimentale und geschäftstüchtige Händler im Basar verzichtete bei einem deutschen Käufer auf ein raßnessenreiches und langes Handeln und berechnete für eine Ledertasche 1000 Fr. unter dem Durchschnittspreis für Ausländer. Die Gründe für diese Freundschaftsbeweise faßte ein englischer Schiffsmakler, der schon seit 30 Jahren in Casablanca wohnt, folgendermaßen zusammen: Deutschland ist seit über 30 Jahren keine Kolonialmacht mehr. Die Passagiere und Besatzungen der deutsche Schiffe waren und sind nicht überheblich und halten Marokko nicht für eine bezahlte Völkerschau. Die ehemalige Existenz des deutschen Afrika-Korps unter Rommel strahlt heute noch unter der Bevölkerung sympathische Wirkung aus. _ • Aber auch sonst braucht man Deutschland nicht zu verschweigen. Die Behörden sind zuvorkommend und hilfsbereit. Die europäische Zivilbevölkerung ist mehr als korrekt, ja liebenswürdig in ihren Einladungen, mit denen sie den bisher unbekannten deutschen Reisenden zur Abendgesellschaft bittet. Als 'ich mein dankbares Erstaunen über das Maß der gezeigten freundschaftlichen Fürsorge gestand, antwortete ein Kolonialarzt mit der Freude des Franzosen am Bonmot: „Was uns trennt, ist die Internationale unserer Politiker.“ Diesen Worten schlossen sich aber doch reale Begründungen an. Er und andere Gäste dieses Abends und weiterer Gespräche zeigten sich beeindruckt von den Anstrengungen um den deutschen Wiederaufbau seit 1945 und lobten die korrekte Haltung der deutschen Schiffsbesatzungen vom Kapitän bis zum jüngsten Matrosen, die für den Kolonialeuropäer ein verständlicher und zur Verallgemeinerung geeigneter Maßstab sei. Bei allen ‘ Gesprächen tauchten die Fragen nach der Möglichkeit eines Krieges und nach dem politischen Standort Westdeutschlands auf. Der Wunsch, daß sich Deutschland für den Westen entscheiden möge, schien von Herzen zu kommen. Regierungsparteien gegen Nachwahl BONN. Die drei Bonner Regierungsparteien CDU/ CSU, FDP und DP haben am Mittwoch einen Antrag eingebracht, nach dem Nachwahlen in direkten Wahlkreisen zum bestehenden Bundestag nicht mehr erfolgen sollen. Wie der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSÜ-Bumdestags-Fraktion, Dr. Gerhard Schroeder, am Mittwoch der Presse erklärte, hat es nach Auffassung der Regierungsparteien keinen Zweck mehr, wenige Monate vor der Wahl noch Nachwahlen in den Wahlkreisen stattfinden zu lassen. Sollten direkt gewählte Abgeordnete wegen Sterbefalls oder aus anderen Gründen aus dem bestehenden Bundestag ausscheiden, soll an Stelle einer Nachwahl ein Aufrücken auf • der Landesergänzungsliste erfolgen. Der Gesetzentwurf der Regierungsparteien, der eine Aenderung des entsprechenden Artikels des Wahlgesetzes vorsieht, soll am 1. November in Kraft treten. Mit der sozialdemokratischen Bundestagsfraktion haben ausführliche Besprechungen stattgefunden, um auch eine Unterstützung der SPD zu erreichen. Die SPD-Fraktion habe, wie Schroeder erklärt, jedoch dem Antrag nur unter der Bedingung zustimmen wollen, wenn grundsätzlich auch im neuen Wahlgesetz eine Bestimmung aufgebaut werde, nach der überhaupt auf Nachwahlen verzichtet werden soll. // Weltstaat Nuretana" „Staatschef" erhält Zuchthausstrafe wegen Gehehnbündelei und Betrug WIEN. Ein Wiener Schöffengericht verurteilte am Dienstag den Gründer und Chef des „Weltstaats Nuretana“, den 49jährigen Mysiklehrer Robert Kreißl wegen Gehedmbüödelei und Betruges zu vierzehn Monaten Zuchthaus. Kreißl hatte 1948 in Leonding bei Linz einen Wohltätigkeitsverein gegründet und seinen Mitgliedern versprochen, daß sich daraus ein Weltstaat entwickeln werde, in dem sie maßgebende Posten bekleiden würden. Medizinische Sachverständige bezeichneten den aus der Tschechoslowakei stammenden Flüchtling als schweren Psychopathen, der aber trotzdem zurechnungsfähig sei. Als „Innenminister von Nuretana“ wirkte die 21- jährige Hermine Gun. Sie arbeitete auf de» geheimen „Kabinettsitzungen“ im Dorfwirtshaus' von Leonding mit einem „magischen Bleistift“ und einer Reihe von hypnotischen Tricks. Unter den anderen Amtsutensilien der Weltstaatler befand sich ein Kasten mit Asche, die als sterbliche Reste Mahatma Gandhis ausgegeben wurde und eine „Bibel von Nuretana“ mit lateinischer Aufschrift. Die „Regierungsmitglieder" warben Bürger für ihren Weltstaat an, gaben ihnen in lateinischer Sprache beschriftete Pässe auf grünem Papier und kassierten regelmäßig hohe „Steuern“ ein, die allem Anschein nach auch bereitwillig gezahlt wurden. Nur als zwei Mitglieder des Bundes des Steuerzahlens müde wurden und aus dem Weitstaat ausscheiden wollten, kam es zu einem Skandal. Die beiden wurden von „Ministerpräsident“ Kreißl zum Tode verurteilt Zuvor sollten sie gefoltert werden. Ein Mädchen, ebenfalls Mitglied des Bundes und in einen der Verurteilten verliebt; rannte daraufhin schleunigst zur Polizei und bat sie um Schutz für ihren .Auserkorenen. Neues kurz gesagt: * Köln wurde am Mittwoch offiziell als der Sitz der israelischen Einkaufsgesellschaft in Deutschland von der Reparationsstelle in Tel Aviv bestätigt. * Der neue türkische Botschafter in Bonn Suat Hayri Uergueblue ist am Mittwoch nach Deutschland geflogen um sein Amt anzutreten. * Der Bericht der UNO-Deutschlandkommission wird wahrscheinlich noch in dieser Sitzungsperiode von der Vollversammlung behandelt werden, teilte der Vertreter Hollands in der Kommission, Dr. Max Kohnstamm, am Mittwoch in Luxemburg mit. * Der argentinische Präsident Peron will seinen Besitz nach seinem Tode dem argentinischen Volk vermachen. * Der bolivianische Zinnbergbau, der an der Welt- Zinnprodüktion mit etwa einem Fünftel beteiligt ist, soll Ende Oktober verstaatlicht werden. * UNO-Bomber und Kampfflugzeuge griffen in den letzten 24 Stunden zwei kommunistische Hauptquartiere in Nordkorea an, wurde am Mittwoch ln Tokio bekanntgegeben. * Der sowjetische Außenminister Wyschinski hatte am Montag abend bei einem Essen im sowjetischen Generalkonsulat in New York mehr»» asiatische Politiker zu Gast. * Charlie Chaplin wurde am Mittwoch von der französischen Regierung zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. * Das amerikanische Verteidigungsministerium gab am Mittwoch bekannt, daß die USA-Truppen in Korea mit 1278 Mann in der vergangenen Woche die höchsten wöchentlichen Verluste seit einem Jahr erlitten haben. Diskussion Hallstein - Pfleiderer BONN. Zwischen Staatssekretär Hallstein und dem FDP - Bundestagsabgeordneten Dr. Pfleiderer fand am Mittwoch im Auswärtigen Ausschuß des Bundestages eine lebhafte Diskussion über die von Pfleiderer vorgebrachten Vorschläge zu einer Lösung der Deutschlandfrage statt. Zunächst hatte Pfleiderer seine Vorschläge entwickelt und Fragen aufgeworfen, die von Hallstein beantwortet wurden. Der Staatssekretär wies auf den wertvollen Beitrag hin, den die Denkschriften Pfleiderers darstellen, und betonte, daß eine Reihe der Ueberlegungen Pfleiderers auch von der Bundesregierung geteilt würden. Treuhandgesellschaft für Vertriebene BONN. In Bonn ist, wie der Bund der vertriebenen Deutschen am Mittwoch mitteilt, eine „Treuhandgesellschaft der Vertriebenen mbH.“ gegründet worden. Die Gesellschaft hat den Zweck, der wirtschaftlichen Eingliederung der Vertriebenen und Flüchtlinge im Wege der Selbsthilfe zu dienen. Die Fraktionen der Koalition, der SPD und der FU haben im Bundestag gemeinsam einen Antrag eingebracht, die steuerlichen Begünstigungen für veranlagte Vertriebene und NS-Verfolgte zu erweitern. Dem Antrag liegen entsprechende Beschlüsse der zuständigen Bundestagsausschüsse zugrunde. Sowjetzonen-CDU erhält Staatssubventionen BERLIN. Die Sowjetzonen-CDU hat, wie am Dienstag aus führenden Funktionärskreisen verlautet, seit etwa einem Vierteljahr mehrere hunderttausend Ostmark Subventionen aus Sowjetzonen-Haushaltsmit- teln erhalten. Die Zahlung erfolge, seitdem die Parteiführung offiziell die Aufgabe übernommen habe, den von den Kommunisten verlangten Aufbau des Sozialismus in der Sowjetzone unter dem christlichen Bevölkerungsteil zu propagieren. Auch die Kosten des kürzlich in der Ostberliher Staatsoper veranstalteten ■ Zonehparteitages in Höhe von etwa einer halben Mil->* lion Ostmark seien zu einem großen Teil aus Sowjet- zonen-Haushaltsmitteln bestritten worden. Die SED und die beiden kommunistisch gelenkten Parteien, die National-Demokratische Partei und die Bauernpartei der Sowjetzonen-Republik erhalten nach den Angaben dieser Funktionärskreise bereits seit längerer Zeit Subventionen aus einem besonderen, im Sowjetzonen-Haushalt vorgesehenen Fonds. Nur die Sowjetzonen-LDP bekomme wie verlautet, bisher noch keine derartigen Mittel. Der von ihren führenden Funktionären seit einiger. Zeit vertretene „soziale Liberalismus“ sei von den zuständigen Sowjetzonenstellen bisher als „nicht hinreichende Rechtfertigung“ für solche Zahlungen betrachtet worden. ROMAN VON GUSTAV R E N K E R Copyright by G«yda-Pr«sa. Ottazburg/Bay, 36. (Nachdruck verboten) Als auch sie die jenseitige, schmale Plattform erreicht hatte, unter welcher es tief in das Inferno der stürzenden Wasser hinabging, glitt wie ein flammende Schlange eine Blitzader über die Wellen hin. Ein gespenstisches blaues Licht durchflutete die Höhle — in seinem Schein stand plötzlich, aus einer Fel- Mimische vorschnellend, Anka Pedmezi da. Ihr Gesicht hatte kaum mehr etwas Menschliches. Es war von den Furchen des Hasses zerrissen wie ein Gorgonenhaupt, die nassen schwärzen Haare ringelten sich gelöst gleich Schlangen über Schulter und Brust. Und die Augen waren wie die starren, dunklen Edelsteine, welche in die Masken heidnischer Götter als Augen eingesetzt werden. In dem fahlen blauen Lichte schien die furchtbare Gestalt überlebensgroß, gleich einem Dämon der brüllenden, Vernichtung jauchzenden Unterwelt. Was nun geschah, war der Vorgang etlicher Herzschlaglängen. Das Weib, in dessen Hand ein langes, leicht gekrümmtes Messer funkelte, stürzte sich auf Aya. Ein heiserer Ruf „Für Jule!“ schien gar nicht aus ihrem Munde zu kommen, sondern war ein Schrei, der wie ein Regen von Giftpfeilen von allen Seiten niederprasselte. Ehe Imre sein Mädchen, welches noch an seiner Hand vor ihm stand, zurückreisen konnte, stürzte sich der Vater vor sein bedrohtes Kind. Der Dolch, schon im Schwünge, fuhr ihm wie eine blauschillem- de Natter in die Schulter. Bengassun taumelte nach rückwärts und stürzte lautlos in die Tiefe. Im gleichen Augenblick jedoch hing Diable an der Kehle des Weibes, dieses fiel nach vorne und folgte, ein Knäuel mit den} Hunde, den dunklen Weg in die brodelnde Gischt des_ Abgrundes. Ein Schrei, aber aus leidvoller menschlicher Kehle, taumelte über das Heulen der Ströme. „Vater!“ Dann riß Imre Aya mit sich, und sie folgte ihm willenslos, in der Erkenntnis, daß es keine Hilfe gab. Ueber ihnen kam neues Donnern und Brausen in einem andern Tonfall als früher. Imre wußte, daß der überschäumende Bach in den Seitengang eingedrungen war. Unmittelbar beim Ausgang erreichten sie die gierigen Massen und schleuderten sie aus der Höhle hinaus. Im strömenden Regen standen sie seitwärts des Stollens, der jetzt das Maul eines grauschlammigen Stromes war, hielten sich wortlos umschlungen, und Aya weinte in wilden Tränenstößen an der Brust ihres Verlobten. In einem Bauernhaus von Rekopanje fanden sie Unterkunft und die Möglichkeit, von den Hirten entliehene trockene Kleider anzuziehen. Gegen zehn Uhr vormittags hörte der Regen auf, und die glühende Sonne trocknete die gleißend überrieselten Felswände. Sie blickten zum Höhleneingang empor — noch immer strömte das Wasser aus ihm. Auch nachmittags — auch abends — immer, immer! Offenbar war durch die Wucht des Wasseranpralles im Innern der Höhle eine Felsschranke zerborsten, so daß der Abfluß, des Sees nun zweigeteilt aus dem Berg strömte. Der Weg in das verwunschene Tal der Ocinja war für immer verschlossen. Aya nahm die Hand Imres und sagte: „Nun habe ich nichts als dich!“ XII. Fünf Jahre später besuchte der Privatdozent für Zoologie an der Universität Lausanne, Doktor Imre Haller, mit seiner Frau wieder die nordalbanischen Alpen. Zuerst fuhren und gingen sie ins Pronjtal. Noch immer war das Gehen der bedeutend angenehmere Teil des Ausfluges, denn bis Rzeta rumpelte nach wie vor der vorsintflutliche Autobus, derselbe Chauffeur hatte noch immer den Ehrgeiz, den Rennfahrer zu spielen, und die Knoblauch-Zwiebel-Atmosphäre im Wagen war nicht gewichen. Sie hatte sich offenbar in den verwetzten Lederpolstem imprägniert und gehörte ebenso dazu wie Motor oder Bremsen. Sie gingen nach Rekopanje und stiegen das steile Geröllfeld hinauf. Die Wegspuren von ehedem waren nun fast verschwunden. Aus dem Höhleneingang wirbelte der Bach hervor, aus der unzugänglichen Fluh stürzte der andere nieder. Es war ein heißer, trockener Frühling gewesen, und der Sommer war nicht anders. Imre und Aya hatten gehofft, daß der Bach versiegt sei oder zumindest ganz schwach fließe, so daß es ihnen möglich sein würde, auf dem alten Pfad ins Tal vorzudringen. Das war nicht der Fall. Der Bach entquoll in stattlicher Fülle dem Loch; das Wasser hatte den Weg wiedergefunden, den es sich vor Jahrmillionen durch den Berg gebahnt und nur für eine knappe Frist den Menschen überlassen hatte. Eine Viertelstunde saßen sie neben dem Bach und sprachen nichts. Die Gestalt des Vaters stand vor ihnen — stolz und groß, der kühnste Jäger der Berge! Aya wußte, daß es gut gewesen war, wie alles gekommen war. Er war für sie gestorben, und das war besser gewesen, als wenn er sein Kind verloren hätte. Sie war glücklich an der Seite ihres Gatten und dankte in diesen Minuten des Schweigens dem, der ihr dieses Glück und das wunderschöne Leben gerettet hatte. Als sie dann abstiegen, sagte Imre: „Wenn alte Sagen wahr wären, dann müßte jetzt der Weg zum See offen sein.“ „Wieso?“ „Weißt du denn nicht mehr, wie es in der Geschichte der armen Ocinja heißt: .Dann wird sich der Weg wieder öffnen, wenn ein anderer Vater das Verbrechen des Orebnic dadurch sühnt, daß er für sein Kind sein Leben opfert?*“ Aya blieb stehen. „Ja, du-hast recht — das hatte ich vergessen! Und nun ist der Weg fester verschlossen als je.“ Sie gingen dann auch auf die Alp Katun Lovikje und stiegen zum Felsenfenster hinauf. Heulend und winselnd preßte sich der Wind durch die Lücke. Den See sahen sie natürlich nicht; weit wölbte sich unter dem Fenster die steinerne Bastion vor, welche den Blick in die Tiefe versperrte. Auf der Alp hirtete ein anderer Senn, noch älter als Gosilne gewesen war. Dieser sei vor zwei Jahren beim Suchen nach verstiegenen Ziegen abgestürzt Sie saßen vor der Hütte, über dem offenen Feuer in derselben baumelte wieder ein Ziegenmagen, in welchem der Hirt Milch kochte. Fremdlinge schienen sie, sprachen absichtlich gebrochen albanisch und fragten,, neugierig wie Reisende sind, was hinter jenem Berge sei. „Berge, immer wieder Berge.“ „Und Täler dazwischen mit Dörfern, nicht wahr?“ „Ja, Täler schon, aber Dörfer nicht allzuviel. Wenig Ackerboden, wenig Weide!“ Imre gab ihm eine dicke Zigarre. Der Alte biß schmunzelnd ein Stück ab und begann es zu kauen. „Sind auch Seen dort?“ stieß Haller jetzt gerade vor „Seen? Nein ■— das heißt —“ er wackelte mit dem Kopf, der auf einem dünnen Hals saß wie eine Kartoffel auf einem Bleistift. „Sie sagen es. Gosilne hat es gesagt — der Hirt, der vor mir hier war. Er hat den See gesehen und hat sterben müssen, weil er gelogen hat. Es ist verboten, den See zu sehen, wenn man jemals gelogen hat. Je, je! Wer hat in seinem Leben noch nie gelogen? Du nicht, ich nicht, niemand!“ „Das wird wohl sein.“ Der Alte kam nun ins Plaudern. „Ein wunderschönes Mädchen lebt dort am See — eine verwunschene Prinzessin, weißt du! Und ein großer starker Mann, der hütet sie. Soll ein Zauberer sein — der hat den Bann über den See verhängt, daß niemand ihn sehen darf, der jemals eine Lüge ausgesprochen hat. So wird viel Zeit vergehen. Wir Menschen sind ja so schlecht, wir lügen und betrügen, und alles wegen des Geldes. Aber einmal“, er stand auf und zeigte mit zitternder Hand auf den Grat — „siehst du, dort oben, fremder Mann! Auf dem Felsen, der wie ein Menschenkopf aussieht — dort ist Stein, nichts als Stein. Kaum ein kleinstes Moos kann dort Wurzel fassen. Einmal aber, in hundert oder tausend Jahren, wird dort eine Fichte wachsen. Ein kühner Bergjä- ger wird sie fällen und daraus Bretter sägen. Undaus den Brettern wird er eine Wiege zimmern — in dieser Wiege wird ein Knäblein ruhen. Das wird der erste Mensch sein, der nie lügt. Und der wird zum verwunschenen See hinabsteigen, wird das Mädchen erlösen und sie werden sehr, sehr glücklich sein!“ —r „So entstehen Sagen“, meinte Imre, als sie von der Alp abstiegen. „Ich habe an mich halten müssen, wie er das erzählt hat.“ Ab morgen veröffentlichen wir den Liebesroman IJUwnet um Ttlkhada von Harald Baumgarten. Alle Liebhaber des Theaters werden an dem Roman ihre besondere Freude haben. „Vater hat“, fuhr Imre fort, „den braven Gosilne durch sein Märlein abhalten wollen, dem Weg nachzuschnüffeln, und nun ist eine Sage daraus geworden“ „Die Menschen hier sind einsam und grübeln viel. Was Gosilne im Felsentor erlebt hat, das hat sich in ihm ausgebreitet und vertieft, hat andere Sagenelemente dazugetan wie die bekannte Verheißung von dem Kinde, das einmal für die Erlösungstat geboren würde. Drüben in Jesernji ist es der See der Ocinja — hier ist's eine verwunschene Prinzessin. Immer aber ist es ein Geheimnis — das ewige Menschheitsgeheimnis vom verlorenen Paradies!“ Und sie sahen es, obwohl sie sündige Menschen waren, welche auch schon gelogen hatten: von jenem Platz aus blickten sie in die Tiefe, wo vor fünf Jahren Zimmermann und Haller den See entdeckt hatten. Unergründlich in seinem kristallenen Glanz lag er dort unten, weltenfern und menschenfern. Ein Ort, der außer aller Zeit schien! „Wenn mair hinab könnte!“ seufzte Aya. „Man könnte! Wenn man sich die Führung durch so einen modernen Mauerhakenkletterer sichern würde, welcher die Wände mit Nägeln spickt, und an sehr langen Seilen den Abstieg ermöglicht. Man könnte, aber man soll nicht. Das ist zu hart und fein, um so grob angefaßt zu werden. Wir tragen es ln uns, schöner und reiner, als wenn wir es durch die brutale Technik erzwingen würden.“ Aja gewahrte durch das Glas das Dach des Hauses und den Felsblock am See. Alles war wie ehedem. „Und die verwunschene Prinzessin?“ scherzte Imre. „Wo ist die?“ Aya lehnte sich innig an ihn. „Die ist bei dir und ist erlöst.’* f ENDE' Donnerstag, 30. Oktober 1952 Nummer 253 Z Sette S SPORT-NACHRICHTEN Silberlorbeer für Olympia-Sieger Bundespräsident Prof. Theodor Heuß empfing am 27. Oktober in der Villa Hammerschmidt in Bonn die 34 Medaillen-Gewinner, die ihm von dem Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees, Ritter von Halt, vorgestellt wurden. Professor Heuß überreichte ihnen den Silberlorbeer, der in diesem Jahr die fünf Olympischen Ringe zeigt und nur an Olympia-Sieger verliehen wird. — Unser Bild zeigt den jüngsten Medaillen-Gewinner, den Weinheimer Boxer Edgar Basel, im Gespräch mit dem Bundespräsidenten Prof. Heuß. Niederlage der Sowjetzonen-Fußbailaüswahl In einem am Sonntag vor 50 000 Zuschauern ausgetragenen Fußball-Länderkampf in Bukarest unterlag die Sowjetzonen-Auswahl der rumänischen Nationalelf mit 1:3 Toren. Entscheidend für den Sieg der Gastgeber war die bessere Besetzung ihres Angriffes. Während die schnellen Flügel die Torgelegenheiten ausgezeichnet vorbereiteten, konnte der Mittelstürmer Vasci alle drei Tore erzielen. Der Ehrentreffer für die Sowjetzone fiel durch den Halbrechten Schnieke in der 25. Minute und brachte vorübergehend das 1:1 Unentschieden. Noch vor der Pause wurde der Sieg der Rumänen sichergestellt. In der deutschen Mannschaft zeichneten sich der Dresdener Schoen und Scherbaum (Leipzig) besonders aus. Auch der Torwächter Klank (Dessau) bildete eine Stütze der Elf und verhinderte durch seine ausgezeichneten Leistungen in der zweiten Halbzeit weitere Tore. Olympiade soll reformiert werden Zum ersten Male seit seiner Wahl als neuer Präsident des Internationalen Olympischen Komitees hat Avery Brundage (USA) von sich reden gemacht. Er übersandte an alle Olympischen Komitees der Welt und an alle Sportfachverbände Vorschläge, um das Programm der Olympischen Spiele zu reduzieren. Brundage, der schon in Helsinki bald nach seiner Wahl erklärte, daß er hinsichtlich der Sauberhaltung im Amateur-Sport mit eisernem Besen gehren werde, hat nun mehrere Punkte ausgearbeitet, um schon bei den nächsten olympischen Spielen nach seiner Ansicht bisher aufgetretene Mißstände zu beseitigen. Brundage fordert, daß einige Wettbewerbe der Sommerspiele in das Programm der Winterspiele aufgenommen werden sollten. Er möchte auch mehrere Mannschaftswettbewerbe (Fußball, Basketball) nicht mehr im olympischen Programm sehen. Außerdem ist er der Ansicht, daß Ausscheidungskämpfe nicht in dem Land ausgetragen werden, in dem die Olympischen Spiele stattfinden und daß regionale Ausscheidungsspiele in allen Erdteilen vorher abgehalten werden. Umwälzend ist sein Vorschlag, alle Frauenwettkämpfe aus dem olympischen Programm zu entfernen. Die Sportlerinnen sollen, laut Brundage, eigene olympische Spiele austragen. Um zu verhindern, daß Aktive mit schwachen Leistungen in die Olympiaorte fahren, fordert der ClO-Präsident die Festsetzung von Mindestleistungen für alle Olympiakämpfer und eine Herabsetzung der Teilnehmerzahl pro Nation. In scharfer Form sprach sich Brundage in dem Rundschreiben dagegen aus, daß einzelne Länder ihre Aktiven zu „Staatsamateuren“ machen. Olympia sei ein Fest des Sportes, und über die Ideale der Olympischen Spiele müsse besonders gewacht und Profitgier von Aktiven müsse ausgeschaltet werden. Herbergers Generallinie für den 9. November In Augsburg keine Experimente, in Basel junge Talente am Werk Bundestrainer Sepp Herberger ist von seiner Inspektionsreise nach Bern nicht gerade erleichtert zurückgekehrt. Was er dort bei der fünfstündigen Fußballparade von den Eidgenossen sah, stimmte ihn im Hinblick auf den 9. November mit den Länderspielen der A- und B-Mannschaften Deutschlands und der Schweiz in Augsburg und in Basel alles andere als zuversichtlich. „Die Schweizer haben taktisch viel gelernt. Natürlich riegeln sie noch immer, aber der Organisator Bouquet sorgt schon aus der Verteidigung heraus dafür, daß der Sturm genügend Luft für eigene Aktionen bekommt.“ Herberger nahm Fritz Walter mit Uebrigens ist es kaum bekanntgeworden, daß Herberger bei dieser Reise von Fritz Walter begleitet wurde. Es ist ein neuer Beweis dafür, daß Fritz Walter auch im Augsburger Stadion wieder Regie führen wird — wenn ihm die Eidgenossen dazu mehr Zeit und Raum lassen, als die Franzosen in Paris. Herberger hat inzwischen die voraussichtlichen Spieler bekanntgegeben. Ob der junge Eckel aus Kaiserslautern •zum erstenmal das Nationaltrikot trägt, hängt immer noch von der endgültigen Aufstellung der Schweizer ab. Eckel—Schanko oder Posipal—Schanko wird das deutsche Außenläuferpaar heißen. Der Hamburger Posipal ist auf jeden Fall dabei. Falls Streitle die Stopperrolle einnehmen sollte, rückt Posipal wie in Paris auf den Außenläuferposten. Wahrscheinlich aber wird Posipal in Augsburg die Nummer 5 tragen und der Münchner Streitle in Reserve bleiben, um bei einer Verletzung als Stopper oder Verteidiger einzuspringen. Schlußdreieck steht fest Das Verteidigerpaar wird, wenn am ersten Novembersonntag nicht eine Verletzung eintritt, Retter und Kohlmeyer heißen. Das ist ebenso sicher wie Turek als erste Wahl im Tor. Die Lage im Sturm ist nach der Absage von Rahn und Termath ziemlich klar. Herberger hat mit dem Schalker Klodt und dem Kölner Schäfer zwei Spieler zur Verfügung, die in ausgezeichneter Form sind, und deren Einstellung dem taktischen Plan für das Augsburger Spiel entgegenkommt. Das Innentrio kann dann nur Morlock—Otmar Walter—Fritz Walter heißen. Nur bei einer erneuten Verletzung von Fritz Walter bekäme Röhrig die Chance, neben seinem Kölner Vereinskameraden Schäfer eingesetzt zu werden. Wer spielt in der B-Mannschaft ? Es wird angenommen, daß für die B-Mannschaft in Basel folgende Spieler ausgewählt werden: Wunstorf (Hamburg), Mirsberger (Nürnberg), Geruschke (Hannover) oder Bauer (München), Schäfer (Siegen), Lie- brich (Kaiserslautern), Sommerlatt (Mühlburg), vielleicht auch Harper (Sodingen) oder Derwall (Aachen). Im Sturm rechnet man als Mittelstürmer mit Prei- ßendörfer (Offenbach), Schreiner oder Kaufholz (Offenbach). Falls Preißendörfer nicht spielt, hat der Angriff Gerritzen—Preißler—Schröder—Metzner—Flügel die meisten Chancen. Herbergers Rezept für Augsburg und Basel ist: in Augsburg keine Experimente', in Basel freie Bahn den jungen Talenten. Schweizer Auswahl in Paris hoch geschlagen Die Fußball-Verantwortlichen der Schweiz sind sehr bemüht, zum Länderkampf gegen Deutschland am 9. November in Augsburg die stärkste Mannschaft aufzustellen. Das bewiesen bisher zwei Auswahlspiele gegen französische Mannschaften. Das zweite Spiel wurde am Dienstagabend im Pariser Prinzenpark-Stadion gegen den Racing-Club Paris ausgetragen, wobei die Eidgenossen vor 10 000 Zuschauern mit 2:5 (2:2) hoch unterlagen. Hörmann/Strom fahren in München Als Partner für den Münchener Lokalmatador und Weltmeisterschaftsdritten, Wiggerl Hörmann, wurde der Australier Alfred Strom für das heute beginnende Münchener Sechstage-Rennen verpflichtet. Stroms ständiger Gefährte, Reg. Arnold, verletzte bei seinem letzten Start in Zürich einen Rückenwirbel und liegt in Gips. Als Ersatzmann für den durch einen Unfall ausgeschiedenen Heinz Müller (Schwenningen) und den verletzten Reg. Arnold hat man die Holländer Gerrit Boeyen und Wim van Est unter Vertrag genommen. Achtfacher Weltrekordler Zatopek Nach den Rekordleistungen vom vergangenen Sonntag ist der tschechoslowakische Langstreckler Emil Zatopek nunmehr Inhaber von folgenden acht Weltrekorden: über 10 000 m mit 29:02,6 Minuten, auf gestellt am 4. 8. 1950 in Turku. Ueber 15 000 m mit 44:54,6 Minuten, aufgestellt am 29. 9. 1951 in Stara Boleslav. Ueber 10 Meilen mit 48:12,0 Minuten, auf- gestellt am 29. 9. 1951 in Stara Boleslav. Ueber 20 000 m mit 59:51,8 Minuten, auf gestellt am 29. 9. 1951 in Stara Boleslav. Ueber eine Stunde mit 20,052 km, aufgestellt am 29. 9.1951 in Stara Boleslav. Ueber 15 Meilen mit 1:16:24,4 Stunden, aufgestellt am 26. 10. 1952 in Stara Boleslav. Ueber 25 000 m mit 1:19:21,8 Stunden, aufgestellt am 26. 10. 1952 in Stara Boleslav. Ueber 30 000 m mit 1:35:23,8 Stunden, auf gestellt am 26. 10. 1952 in Stara Boleslav. Vermischtet Vierlinge . . . . . . und zwar vier Mädchen brachte die 34jährige Frau eines chinesischen Schneiders zur Welt. Das Quartett wurde in einen „Brutkasten“ gesteckt und schien froh und munter zu sein. Die fernöstlichen Erdenbürgerinnen litten allerdings unter erheblichem Untergewicht. Eines wog nur ein Kilogramm. Ein Mädchen ist inzwischen gestorben. Der Kassierer . . . . . . der Spar- und Darlehenskasse in Hengelo bekam als er dieser Tage abends die Bank abschließen wollia. einen schweren Schlag auf den Kopf. Trotzdem konnte er die beiden Räuber an einem Bankraub hindern und die Hengeloer Bauern alarmieren. Diese zahlten den Banditen den Ueberfall „in harter Währung“ aus, bevor der Kassierer triumphierend die Räuber im eigenen Auto zur Polizei brachte. Den Gedanken . . . ... in einer Zelle gelebt zu haben, erträgt das „zarte“ Gemüt des Benedito Moreira de Carvalho nicht. Er will sich deshalb in seiner Gefängniszelle zu Tode hungern. Der Häftling — genannt „das blonde Monstrum von Sao Paulo“ — ist einer Rehe von Sexualmorden überführt. Er betonte aber, die Erinnerung an seine Schandtaten quäle ihn nicht. Der „Hauptmeister vom Barhocker“ . . . . . . wurde ermittelt. Hinter einer mit allen Schikanen ausgerüsteten Riesen-Bar in der Roten Veranda der Berliner Zoo-Festsäle kämpften im ersten Berliner Amateur-Cocktail-Turnier 32 Amateurmixer unter Verschleiß großer Mengen verschiedenster Alkoholika um den Titel. Nach zweieinhalbstündigem Wettstreit hatte sich ein 53jähriger Berliner Kaufmann mit seinem Cocktail „Goldengel“ — einer Mischung aus einem Drittel Weinbrand, einem Drittel Gin und Spritzern Curacao und Apricot, aufgefüllt mit Sekt und einer Kirsche — die Siegerkrone er- mixt. Die Jury stand am Schluß des feuchten Wettbewerbs merklich unter der Wirkung, die sich gewöhnlich nach dem Genuß von 32 verschiedenen Cocktails einzustellen pflegt Auf ihren Wunsch . . . . . . erschoß ein 53jähriger Düsseldorfer seine schweif kranke Frau. Die Frau, die geglaubt habe, nie wieder gesund werden zu können, habe ihm selbst die Pistole in die Hand gedrückt, und einer qualvollen Szene folgte der tödliche Schuß. Der Mann stellte sich sofort der Polizei. Die Strafkammer hatte ihn zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil wurde jedoch vom Bundesgericht aufgehoben. Das Landgericht sprach nun eine Strafe von einem Jahr neun Monaten aus, die durch die Untersuchungshaft fast verbüßt sind Asta Nielsen . . . . . . klagt gegen die Innsbrucker Straßenbahn auf Schadensersatz in Höhe von 428 000 Schilling (rund 85 000 DM). Asta war von dem Fahrer Calvagni beim Einsteigen in die Straßenbahn zurückgedrängt worden, war rücklings auf die Straße gestürzt und hatte dabei eine Wirbelsäulenverletzung erlitten. Der Fahrer des Straßenbahnwagens ist von einem Innsbrucker Gericht wegen dieses Unglücksfalls bereits mit Bewährungsfrist zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. In einer abgelegenen Farm . . . . . . im Departement Cher hat die französische Polizei eine zwei Hektar große Anpflanzung von indischem Hanf entdeckt. Der Besitzer der Farm, ein Armenier, verarbeitete diesen Hanf zu Haschisch oder, wie es in Mexiko heißt, zu Marihuana. Die Polizei konnte über 200 Kilogramm Haschisch sicherstellen. Zu den Kunden gehörten neben den Lieferanten des Pariser Rauschgiftmarktes zahlreiche farbige amerikanische Soldaten in der Bundesrepublik. die einen regelrechten Kurierdienst nach Paris eingerichtet hatten. HANDEL UND WIRTSCHAFT Das nützt allen und jedem Zum Weltspartag Sparen ist das Vorsorgen selbstverantwortlicher Menschen, die in den Wechselfällen des Lebens nicht allein auf die Unterstützung einer Gemeinschaft (Staat, Gemeinde, Versicherung) angewiesen sein wollen. Ein Sparguthaben verschafft seinem Inhaber Freiheit und Beweglichkeit. Wer nur über das laufende Einkommen verfügt, kann plötzlichen Anforderungen, z. B. Krankheiten, schutzlos gegenüberstehen. Ein Berufs-, ein Wohnungswechsel werden ohne Reserven oft zu unlösbaren Problemen. Jeder, der beim Versiegen aller Barmittel auf ein Sparkonto zurückgreifen kann, wird sich dann zu seinem vielleicht mißmutig gefaßten Sparentschluß beglückwünschen. Deshalb lohnt sich Sparen immer. Selbstverständlich muß der Sparer die Gewähr haben, daß er nicht um die Früchte seiner Sparsamkeit gebracht wird. Der Sparer hat darum einen Anspruch darauf, daß der Staat und die Notenbank alles tun, um die Kaufkraft seiner Ersparnisse zu erhalten. Jeder Sparer kann das Bewußtsein haben, daß er durch seinen zeitweiligen freiwilligen Verzicht den größten und wirkungsvollsten Beitrag zum Wiederaufbau unseres Wirtschaftlebens leistet! Und darüber kann kein Zweifel bestehen: Der Sparer ist ein verantwortungsbewußter und deshalb auch sehr wertvoller Staatsbürger, der als Kapitalbildender die Voraussetzung für den wirtschaftlichen Fortschritt, für den Bau neuer Wohnungen, für die Eingliederung der Flüchtlinge und gesunde Preisverhältnisse schafft. Der Sparer kann darum auch mit Recht verlangen, daß seine Sicherheitsforderung vom Staat respektiert wird. Der Sparer ist in der besonderen und glücklichen Lage, durch seine Sparleistung sowohl sich selbst als auch der Gemeinschaft zu nützen, DurcH die private Reservebildung kann er in einer gewissen Gelassenheit allen unerwarteten Beanspruchungen begegnen; durch seinen Beitrag zur Kapitalbil- dung fördert er aber zugleich entscheidend die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage und damit die Festigung unserer politischen Verhältnisse. Wir würden unserer persönlichen, aber auch unserer politischen und wirtschaftlichen Zukunft den schlechtesten Dienst erweisen, wenn wir vergäßen, wie sehr sich das Sparen für jeden lohnt und welche große Bedeutung es für unseren Wiederaufbau hat. Dr. Sp. Nebenkosten und Dienstleistungen Im Bundeswirtschaftsministerium ist der Entwurf eines Runderlasses fertiggestellt worden, der die Einführung einer Sammelgenehmigung zur Bezahlung von Nebenkosten und Dienstleistungen bei der Warenausfuhr vorsieht. Die Sammelgenehmigungen sollen danach im allgemeinen mit einer Gültigkeitsdauer bis zu sechs Monaten erteilt werden. Im Einvernehmen mit der Bank deutscher Länder wird in dem Runderlaß bestimmt, daß Exporteure zur Erfüllung von Verpflichtungen für Nebenkosten und Dienstleistungen Sammelgenehmigungen für folgende Zwecke erhalten können: Transportkosten, Lagermiete, Gehälter und Löhne für Arbeiter und Angestellte im Ausland, Provisionen sowie Auslagen und Vergütungen von Vertretern im Ausland, Werbekosten im Ausland, Auskünfte, Messekosten, Mitgliedsbeiträge an ausländische Wirtschaftsorganisationen, Rechtsanwaltsgebühren und sonstige Prozeßkosten im Ausland, Zahlungen im Zusammenhang mit Ersatzansprüchen vertraglicher und außervertraglicher Art in Höhe bis zu 500 Dollar oder deren Gegenwert, Zahlungen von Montagekosten, Marktanalysen, Geschäftsreisen, sowie Aufenthaltskosten von Devisenausländern für deren Aufenthalt im Bundesgebiet im Zusammenhang mit Ausfuhrgeschäften. Ein Kardinalproblem des Handwerks Kammerberichte über wachsende Kreditnot - Banken zeigen wenig Verständnis Geklagt wird viel, nicht immer mit voller Berechtigung, aber die Kreditklagen des Handwerks sollten ernst genommen werden. Auch der Bundeskanzler hat sie mehrfach anerkannt und Abhilfe versprochen. In Bonn wird an einem kreditpolitischen „Mittelstandsprogramm der Bundesregierung“ gearbeitet. Für das Handwerk waren zunächst zwölf Millionen DM aus Rückflüssen der ausgeglichenen Marshallplan-Gegenwertmittel vorgesehen; doch hat der Zentralverband des Deutschen Handwerks diesen Betrag für unzulänglich erklärt. Nach dem Septemberbericht der Bank deutscher Länder hat das Handwerk mit seinen 865000 Betrieben und einem Jahresumsatz von 32 Milliarden DM bis Mitte 1952 nur 2,5 Prozent der laufenden kurzfristigen und 3,1 Prozent der seit der Geldreform hergegebenen mittel- und langfristigen Bankkredite erhalten. Wer die Berichte der Handwerkskammern regelmäßig durchsieht, kommt zu dem Ergebnis, daß die Kreditnot ein Kardinalproblem des Handwerks geworden ist. Zweifellos ist der Kreditbedarf dieses Berufsstandes viel größer als früher. Das gilt einmal für die Betriebsmittel, denn die Außenstände steigen und liegen ständig auf weit über einer Milliarde DM. Dazu kommt vor allem der Bedarf an Investitionsmitteln. Der technische Fortschritt hat ein rasendes Tempo angenommen, und die Maschinen und Geräte vieler Handwerksbetriebe sind veraltet. Die Selbstfinanzierung, früher die Hauptquelle handwerklicher Investition, ist durch die überhöhten Steuern radikal beschnitten. Andererseits steht dem Handwerkskredit zweierlei im Wege. Die Handwerker, von denen die Hälfte in gemieteten Räumen ; arbeitet, können meist nicht die dinglichen Sicherheiten stellen, die von den Kreditinstituten gefordert werden. Ferner geben die Banken ihre Ware, das Geld, möglichst in großen Posten ab, weil sie dadurch Verwaltungsaufwand sparen. Das stolze Bewußtsein eine volkswirtschaftliche Aufgabe zu erfüllen, für die auch Opfer gebracht werden müssen, hat sich bei den Kreditinstituten anscheinend noch nicht wieder so entwickelt wie früher. Sollten sie sich nicht, so muß man fragen, schon im eigenen Interesse um das Gedeihen der breiten klein- und mittelbetrieblichen Schicht der Wirtschaft ernsthaft bemühen? Solange hier kein Wandel geschaffen wird, verlangt das Handwerk einen angemessenen Teil an den zentral gelenkten Kreditaktionen, auch an den zurückfließenden ERP-Mitteln. Ferner prüft man in Handwerkskreisen, wie weit das bewährte schweizerische Vorbild der vom Staate geförderten Bürgschaftsgenossenschaften für Deutschland anwendbar ist; sie nehmen durch Garantien und Betriebsüberwachung den Banken das Risiko weitgehend ab und ermöglichen so auch den Personalkredit, den der Handwerker braucht. Mit Bitterkeit wird in den Berichten der Handwerkskammern darauf hingewiesen, daß die öffentliche Hand oder genauer gesagt, ein großer Teil unserer vielen „öffentlichen Hände“ dank ihren hohen Steuereinnahmen im Gelde schwimmen und zur Zeit fast vier Milliarden DM Bankguthaben: (Sicht- und Termingelder) unterhalten und daß sie. seit der Währungsreform etwa 12 Milliarden DM für Vorhaben investiert haben, deren Notwendigkeit und sparsame Ausführung nicht immer über jeden Zweifel erhaben ist. Eine wirksame Finanz- und Steuerreform könne deshalb zur Verminderung des handwerklichen Kreditbedarfs beitragen. Dr. Arnold Zelle Handwerk fordert Betriebsmittelkredite Das Ausbleiben von verbilligten und langfristigen Betriebsmittelkrediten für das Handwerk wird vom Württembergisch-Badischen Handwerkstag in Stuttgart scharf kritisiert. Die Kreditnot wirke sich umso krasser aus, betont der Handwerkstag, als sich die Außenstände ständig vergrößerten und das Handwerk praktisch zum Bankier der Kundschaft werde. Aufbauhilfe-Kredite, Darlehen zur Schaffung von Dauerarbeitsplätzen, Flüchtlingsfonds und ähnliche Einrichtungen könnten den Kreditbedarf der Handwerkswirtschaft nur in geringem Maße decken. Es sei dschgr .dringend notwendig, daß für den normalen Bedarf der Handwerksbetriebe Betriebsmittelkredite zu tragbaren Bedingungen und zum Teil auch Investitionskredite mittel- und langfristig zur Verfügung gestellt würden. Der Bundesfinanzminister hat die Umsatzausgleichsteuer für Gruben- und Faserholzimporte bis zum 30. September 1954 ausgesetzt. Das alte Leistungsverhältnis zwischen der Bundesbahn und der Binnenschiffahrt und damit die Kontinuität im Verkehr sei jetzt wiederhergestellt, erklärte Prof. Dr. Otto Most, Präsident des Zentralvereins für deutsche Binnenschiffahrt in Köln. Während das Beförderungsvolumen der Bundesbahn 1948 90 Prozent, das der Binnenschiffahrt aber nur 50 Prozent des Standes von 1936 erreichte, betrage diese Relation zwischen beiden Verkehrsträgern gegenwärtig 115 zu 113 Prozent. Sparsam sein! In diesen Tagen war an den Anschlagsäulen im ganzen Bundesgebiet ein Plakat zu sehen, das durch seine Eigenart auffiel und darum die Aufmerksamkeit auf sich zog. Es trug nur zwei Wörter, Wörter aber, die durch ihren Inhalt manchen Beschauer nachdenklich gestimmt haben mögen: „Sparsam sein“. Wer noch eine Erinnerung an die Zeit vor 1914 oder zwischen den beiden Kriegen hat, wircUaus eigener Anschauung wissen, was den Menschen damals die Sparsamkeit bedeutete. Um sparsam zu sein, bedurfte es keines Vorsatzes, keines Entschlusses und keiner Mahnung. Man war es. Sparsamkeit war eine Eigenschaft der Menschen jener Zeit und mancher drehte einen Groschen dreimal um, ehe man ihn aus- Spendet zur Haus- und Straßensammlung vom 1. Ins 9. November fus GBÄ8£8. gab, und wer eine Mark ausgeben sollte, ging vorher mU sich hart zu Rate. In dieser Hinsicht hat sich vieles geändert. Wir haben erlebt, daß 1923 ein Briefporto zehn Milliarden Mark und 1948 ein Pfund Butter 200 R-Mark kostete. Dadurch sind vielen Leuten die Wertbegriffe bis in unsere Tage hinein verwirrt worden, und auch die Währungsumstellung mag daran ihren Anteil Schuld haben. Aber — mit der Einstellung zur Sparsamkeit hat das alles im Grunde nichts zu tun. Sparsamkeit ist ja nichts anderes als vernünftiges Handeln und das ist unabhängig von Zeit und Geldverhältnissen: Man kauft nicht mehr als man braucht; man wirft nicht weg, was noch verwendbar ist; man heizt nicht und brennt kein Licht, wenn es keinem nützt; man geht mit seinen Sachen pfleglich um; man plant und teilt ein. Nur darum geht es. Wer den Rat gibt, sparsam zu sein, meint weder Geiz noch Verzicht auf jeden Genuß. Allerdings wendet er sich bewußt gegen jede Verschwendung. Zwischen Geiz und Verschwendung liegt aber ein Drittes: Die Sparsamkeit, und richtig verstanden ist sie weises, maßvolles Haushalten mit dem Gegebenen. Es will scheinen, daß vielen Menschen unserer Zeit diese Einsicht verloren gegangen ist, obwohl es ungezählte Beispiele gibt, die ihr recht geben. Wir brauchen uns nur umzusehen: Wer in den letzten Jahren sparsam war, ist vorwärtsgekommen, und wer sich im Verbrauch einschränkte, hat Lücken auf füllen und Anschaffungen machen können. Darum kann man die Mahnung, die die öffentlichen Sparkassen in diesen Tagen vor dem Weltspartag am kommenden Donnerstag aussprechen, nur gutheißen Die Aufforderung „Sparsam sein “ sollten alle hören, die sie angeht. Und wen ginge sie'nicht an? h. Einmalige Verlängerung der Schulzeit am besten „Die im Zuge der Verlegung des Schuljahranfangs durch das Gesetz 408 verfügte Regelung der Schulzeitdauer wirkt sich auf die Entwicklung der Jugendlichen und den gesamten Unterrichtsbetrieb so nachteilig aus, daß die derzeitigen Zustände unter keinen Umständen wedterbestehen dürfen. Unmöglich ist vor allem die bis 1959 dauernde Entlassung der Schüler im Herbst.“ Das stellten die in Bad Freyersbach versammelten Vertreter der Eltern und Lehrer fest und forderten dringend, daß durch eine einmalige Verlängerung der Schulzeit ab Oktober 1953 Einscho'ung und Entlassung zum gleichen Zeitpunkt erfolgen. Der Mensch und das Sparen Ist der Mensch von Natur aus sparsam? Wenn ja: Liegt es nur an widrigen Umständen und schlechten Einflüssen, wenn man Sparsamkeit heute bei ihm nicht mehr findet? Wir möchten es nicht wagen, diese Frage rundweg zu bejahen. Zweifellos gibt es Verschwendernaturen, denen es von Kindesbeinen an selbstverständlich ist und bis zum letzten Atemzug bleibt, alles sofort zu verzehren oder unbekümmert zu verbrauchen, was sie besitzen. Aber es ist doch eine Minderheit, die sich nach diesen Regeln durchs Löben „schlängelt“. Ihr steht die — ebenfalls kleine — Gruppe derjenigen Menschen gegenüber, denen Sparsamkeit, eifriges Vorsorgen und die ständige Selbstprüfung, ob sich eine Aufwendung auch wirklich lohnt, als beherrschende Wesenszüge eigen sind. Zwischen diesen beiden Extremen aber bewegt sich die überwiegende Mehrzahl der Menschen. Sie tragen beide Veranlagungen in sich; welche dann ein Leben lang die Oberhand behält, hängt von Erziehung, Beispiel, persönlichen Schicksalswegen und nicht zuletzt von den Zeitumständen ab. Man darf aber doch wohl sagen, daß die meisten Menschen von sich aus mehr zum Sparen als zum Gegenteil neigen, sobald ihnen die Umwelt nur einigermaßen den Weg dazu freigibt. Kein irdischer Besitz ist vor dem Zugriff des Unheils sicher. Diese praktische Erfahrung hat der Menschheit von jeher als vermeintlicher Beweis dafür gegolten, daß es sinnlos sei, sich wieder zum Spa- Die Forderungen der Katholischen Aktion: 1/erankenuig des Elternredits Im Verfassnngsentwnrf Eine Resolution an die Stuttgarter Regierung, den Wünschen des katholischen Volkes Rechnung zu tragen! Mehrzahl der evangelischen Eltern hat sich für die- näherung der Konfessionen erfolgt, daß sie durchweg se Schulform entschieden. Warum verschweigt man das Gemeinsame betonen und wissen, daß sie nur das? Auch von maßgebender evang. Seite ist oft er- einen gemeinsamen Feind haben. CDU-Kreisverband Bruchsal Am kommenden Sonntag, den 2. November, findet nachm. 2 Uhr im Saale des „Prinz Max“, Durlacher Straße, eine Kreisdelegierten-Versammlung statt. MdB Neuburger wird über die Bundespolitik und MdL Prof. Bläsi über die Landespolitik referieren. Anschließend ist Aussprache. Alle Mitglieder der CDU, insbesondere die CDU-Gemeinderäte, Stadträte, Kreistagsmitglieder und Bürgermeister, ferner alle örtlichen Vorstände und Vertrauensleute aus den Gemeinden des Kreises Bruchsal sind dazu herzlich eingeladen. ren, zu neuer Vorsorge, aufzuraffen. Ebenso klar ist aber aus der Geschichte abzulesen,, daß diese Reaktion stets wieder abklang, und schließlich auch ab- klingen mußte, weil eine solche negative Haltung weder für den einzelnen Menschen zweckmäßig und sinnvoll, noch für das Gemeinschaftsleben tragbar ist. Weil es aber so ist, deshalb ist die heutige Zeit trotz mancher gegenteiligen Einzelbeobachtung nicht sparfeindlich in dem Sinne, daß die Menschen der Sparsamkeit abgeschworen hätten. Neben jeden Fall leichtsinnigen oder verbitterten Verschwendens kann man viele andere stellen, die, eindringlich in die andere Richtung weisen. Die letzten Jahre haben auch bereits erwiesen, wie nützlich es für den einzelnen ist, sparsam zu sein und etwas vor sich zu bringen. Solche Beispiele, die jeder in seinem Umkreis sehen kann, sind die beste Propaganda für die Sparsamkeit als Lebensstil. Dr. Br. Bauernhaus Holzschnitt von Nitsche Einen vollen Saal fanden die Veranstalter der Versammlung der Katholischen Aktion im Dekanat Bruchsal am vergangenen Sonntag, 26. Okt., im Jugendheim von St. Peter vor. Etwa 200 Vertreter aus 27 Gemeinden des Kraichgaus hatten sich eingefunden, um zu dem Verfassungsentwurf Stellung zu nehmen, den die Koalitionsparteien des badisch-würt- tembergischen Landtags zur Grundlage der Verhandlungen im Verfassungsausschuß gemacht haben. Die Versammlung wurde eröffnet durch den H. H. Pfarrer Krems-Neuthard. Er wies auf das Christkönigsfest hin, das Hochfest der Katholischen Aktion. Er gedachte auch der Kriegsgefangenen und Vermißten und entbot ihnen einen Treugruß aus der Heimat. Dann legte Studienrat Dr. Böer die Aufgaben der Katholischen Aktion dar und zeigte die augenblicklich dringendste Aufgabe der Aktion auf, die katholische Bevölkerung über den mangelhaften und vom christlichen Standpunkt aus in vielen Punkten abzulehnenden Verfassungsentwurf der Koalitionsparteien aufzuklären. Dr. Lauinger-Spessart sprach anschließend eingehend über die Forderung der Katholischen Aktion an die kommende Verfassung. Er befaßte sich ausführlich und warm mit der hohen Aufgabe der Ehe und der Familie und ihre Bedeutung für Staat und Kirche. Mit Bedauern stellte er fest, daß der Verfassungsentwurf keinen Schutz der Ehe und der Familie enthält, ja sie nicht einmal erwähnte. Er verwies auf das naturrechtlich begründete Elternrecht, das allerdings auch die entsprechenden Eltempfliehten mitumfässe. Die Kirche kämpft, so legte er dar, wenn sie für das Elternrecht eintritt, auch für die unveräußerlichen Rechte des Staatsbürgers. Voraussetzung für christliche Erziehung der Kinder an allen Schulen und allen Schulformen sei der in konfessionellen Lehranstalten aus.gebildete Lehrer, denn die christliche Erziehung erstreckt sich nicht nur auf den Religionsunterricht, sondern auf alle Fächer. Der Redner forderte den Einbau des Reichskonkordates von 1933 und des Preußischen Konkordates in die Verfassung, da beide bisher die Grundlage des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche in den drei Ländern waren, nicht allein das Badische Konkordat von 1932, wie es der Koalitionsentwurf wolle. Mit Entrüstung lehnte der Redner den Kanzelparagraphen ab (Art. 9,2 des Entwurfs); er nannte ihn ein Ausnahmegesetz, wie es sonst gegen keinen Stand und Organisation gerichtet sei. Er verlangte schließlich eine Volksabstimmung über den Verfassungsentwurf. In einer Aussprache über diese Punkte 'wurde klar, daß die Teilnehmer der Versammlung dem Redner voll _und_ ganz zifstimmten. Die Versammlung nahm einstimmig eine Resolution an, die den Landtag, den Ministerpräsidenten und den Kultminister auffordert, den gerechten Wünschen des katholischen Volkes und der katholischen Kirche, wie sie in der Denkschrift des Hochwürdigsten' Herrn Erzbischofs Dr. Wendelin Rauch vom 19. Juli 1952 grundgelegt sind, Rechnung zu tragen. • Im Zusammenhang mit dieser Verlautbarung der Katholischen Aktion dürften die Ausführungen des ehemaligen südwürttembergischen Staatspräsidenten Dr. Gebhard Müller in der am letzten Sonntag in Stuttgart abgehaltenen CDU-Kundgebung interessieren: . Zum Elternrecht sagte Dr. Gebhard Müller: Elternrecht bedeutet nicht Konfessionsschule, sondern die Schule, welche die Eltern wollen, und bedeutet vor allem auch für die Minderheit die Schule, die sie will. Das zeigt am deutlichsten die Entwicklung in Württemberg-Hohenzollern, wo das Elternrecht in der Verfassung verwirklicht wurde. Dort gibt es Konfessions- und Simultanschulen, Daß sich 80 Prozent für die Konfessionsschule entschieden haben, ist doch ein schlagender Beweis dafür, daß es sich dabei weder um ein Anliegen der CDU, noch der kath. Bischöfe allein gehandelt hat; auch die klärt worden, daß man grundsätzlich die Bekenntnisschule für die beste Schulform halte. Dr. Müller fuhr dann fort: Man soll doch nicht die törichte Behauptung aufstellen, als werde durch die Konfessionsschule die konfessionelle Zwietracht gefördert. Ein Schulrat in einem Bezirk, der 103 Schulen und zwar Bekenntnisschulen umfaßt, hat letzthin in aller Oeffentlichkeit erklärt, daß ihm in Jahren nicht eine einzige Beschwerde von Eltern zugegangen sei, obwohl in jeder dieser Schulen eine kleine Minderheit der anderen Konfession ist. Es ist doch eigenartig, daß derartige Behauptungen nie von den christlichen Eltern aufgestellt werden, sondern von Kreisen, die mit den Konfessionen mindestens nur in loser Berührung stehen. Wir können die Glaubensspaltung mit staatlichen Mitteln und Zwangsschulen nicht beseitigen. In den letzten Jahren ist Gott. sei Dank eine solche An- Bei dem Elternrecht handelt es sich gar nicht um eine ursprünglich kirchliche Forderung, sondern um ein natürliches Recht der Freiheit, um die Auffassung, daß nicht der Staat in seiner jeweils wechselnden machtmäßigen Zusammensetzung seiner Parteien den Eltern vorschreibt, in welche Schule sie ihre Kinder zu schicken haben, sondern daß darüber die Eltern bestimmen. Wenn jemand der Auffassung ist, daß die Simultanschule die seinem Kinde gemäße Erziehung gewährleistet, so soll er diese Schule haben, wenn die Mindesterfordernisse pädagogischer Art erfüllt sind. Wenn jemand meint, daß die religiöse Erziehung und die Erziehung zum Leben überhaupt, zu Charakter und Willensbildung in der Konfessionsschule besser gewahrt ist, so soll man ihm diese Auffassung nicht bestreiten, sondern sich auch vom staatlichen Standpunkt aus darüber freuen, daß diese Eltern ihren Kindern das Beste mitgeben wollen ins Leben, was es gibt, eine religiös fundierte Erziehung. JCceuz und quec ducchs S.tadtgescfiehm Pockenschutzimpfung. Heute Donnerstag, 30. Okt., findet die Pockenschutzimpfung der Kleinkinder im Staatl. Gesundheitsamt statt (jetzt gegenüber Finanzamt). Mozartchor. Heute Donnerstag, 20 Uhr, Singstunde, anschl. Programmfestlegung für die Weihnachtsfeier und wichtige Vorstandsitzung. Sonderzug nach Augsburg zum Fußball-Länderspiel Deutschland-Schweiz. Am Sonntag, 9. Nov., verkehrt von Mannheim aus mit Halten in Graben- Neudorf, Bruchsal und Bretten ein Sondertriebwagen der Bundesbahn zum Fußball-Länderspiel Deutschland — Schweiz nach Augsburg. Der Fahrpreis beträgt ab Bruchsal und Graben-Neudorf für die Hin- und Rückfahrt 14,60 DM. Graben-Neudorf ab 6.15 Uhr, Bruchsal ab 6.26 Uhr, Augsburg an 11.06 Uhr, Augsburg ab 18 Uhr, Bruchsal an 22.37 Uhr, Graben-Neudorf an 22.49 Uhr. Die Bundesbahn bittet um möglichst baldige Lösung der Sonderzugfahrkarten, da nur eine beschränkte Anzahl von Plätzen vorhanden ist. Auf den Anschlußstrecken wird eine 50- prozentige Fahrpreisermäßigung gewährt. Reisebüro Herberger. Am Buß- und Bettag, 19. Nov., veranstaltet das Reisebüro Herberger eine Fahrt nach Straßburg. — Am 9. Nov. wird eine Omnibusfahrt nach Augsburg zum Fußball - Länderspiel Deutschland — Schweiz durchgeführt. Herberger bittet um möglichst baldige Anmeldungen. Für die Fahrt nach Straßburg z. B. muß ein Sammelvisum beschafft werden, was einige Zeit in Anspruch nimmt. Fahrpreisermäßigung zum Gräberbesuch an Allerheiligen und am Totensonntag. Die Bundesbahn gewährt auch dieses Jahr an Allerheiligen und am Totensonntag wieder eine besondere Fahrpreisermäßigung zum Gräberbesuch. Diese beträgt auf Entfernungen bis 51 km 33 % % und auf höhere Entfernungen für den 51 km übersteigenden Entfernungsanteil 50 %. Die Rückfahrkarten zum Gräberbesuch werden an jedermann und nach allen Bahnhöfen ausgegeben. Ein Nachweis über den Gräberbesuch wird nicht gefordert. Die Karten bis 51 km gelten wie Sonntagsrückfahrkarten, und die über 51 km zur Hinfahrt wie Sonntagsrückfahrkarten und zur Rückfahrt am Feiertag (1. Nov. und 23. Nov.) von 12.00 Uhr an bis zum folgenden Tag 24.00 Uhr. Wochenmarkt schon am Freitag. Infolge des auf Samstag, 1. November fallenden Feiertags Allerheiligen, wird der Wochenmarkt vom 1. 11. 1952 auf Freitag, 31. Oktober vorverlegt. „Globetrotter durchs Welt-Theater“. Kleine Weltreise gefällig? Bitteschön! Einsteigen in die Europa- Lichtspiele, wo heute Donnerstag, 30. Okt., um 20 Uhr. „die Globetrotter“ gastieren werden. Und schon gehts los. Rund um den Globus. In einer Geschwindigkeit wie noch nie. In zwei Stunden. Alles, weis das paro- distische Kabarett „die Globetrotter“ auf seinen Streifzügen durch Westdeutschland und Europa an Humor aufgelesen hat, das wird uns in ihrem Programm „Von Happy bis End“ serviert. „Wer hier nicht Tränen lacht, dem ist nicht mehr zu helfen!“ DTR tagt in Bruchsal. Am Freitag, 31. Okt., findet in Bruchsal eine Tagung des Presseausschusses des Deutschen Turnerbundes und des deutschen Kunst- Allerheiligen — Allerseelen Es ist die Zeit, da wir unserer Toten gedenken, die Zeit der inneren Einkehr. Wir ziehen zu den Gräbern unserer Lieben und schmücken sie mit den schönsten Blumen, die uns der späte Herbst brachte: Goldene, weiße und warmbraune Astern, Erika, die letzten Dahlien, dazu die Zweige unserer schönen Tannen. Und während wir ihnen, den Unvergessenen, diese äußerlichen Zeichen unserer tiefen Liebe darbringen — ach, es sind uns nur noch diese geblieben — halten wir Zwiesprache mit ihnen und über sie mit denen, die fern von uns in fremder oder geraubter Erde bleiben mußten. Allerheiligen, Allerseelen! Letzte Pracht der Blumen soll Euch, die Ihr nah und fern von uns ruht, ein inniges Grüßen sein! Denn in diesen Tagen seid Ihr uns näher! „Der Wüstenfuchs“ Erwin Bommel nnd der Teufel Bruchsaler Erstaufführung des Rommel-Films Der nach der Biographie des englischen Brigadegenerals Desmond Young geschriebene und von dem amerikanischen Regisseur Henry Hathaway inszenierte Film „Rommel — der Wüstenfuchs“ steht schon lange im kritischen Kreuzfeuer der Welt. Man hat ihm allerorts und ganz besonders jetzt, wo er nach Deutschland kommt, vorgeworfen, er heroisiere einen deutschen General, um daraus Geschäfte zu schlagen. Selbst wenn dies so ist — und es pflegt bei fast allen Filmen so zu sein — bleibt er ein interessantes Zeitdokument, denn gerade wo es um ein Geschäft geht, wird ja nichts Neues erfunden, sondern Vorhandenes ausgenutzt. Ergo: Es gibt eine Rommel-Mythe, es gibt sie in aller Welt und es gibt sie sowohl beim ehemaligen Freund wie beim ehemaligen Feind. Das sind die Voraussetzungen und das sollte zu denken geben. Zum sagenumwobenen „Wüstenfuchs“ ist Rommel nicht durch seine Landsleute geworden, obwohl er auch bei ihnen wohl der erste (der einzige?) wirklich populäre Soldat seit dem ersten Weltkrieg war und ist, sondern durch seine ehemaligen Feinde. Der Sinn des Engländers für die taktischen und strategischen Finessen eines genialen Wüstenfeldherrn ist viel größer als der der Deutschen jemals gewesen ist. Und der Sinn für Ritterlichkeit und Fairneß so stark ausgeprägt, daß er sich auf Freund und Feind glei- ilhermaßen erstreckt. Desmond Young ließ 1950 seine Biographie erscheinen. Feldmarschall Auchinleck gab ein Vorwort dazu find verteidigte sich, als Ernest Bevin darauf zynisch fron einer „Gewerkschaft der Generale“ sprach, mit $en Worten: „Dann ist jedes Mitglied dieser Gewerkschaft, der einen tapferen, fähigen und anständigen Gegner achtet und der den geschlagenen Feind so behandelt wissen will, wie man selbst behandelt werden möchte... Früher nannte man das Ritterlichkeit“. Solchem Geist also entstammt die Hochachtung, die man Rommel entgegenbringt. Ob zu Recht, ob zu Unrecht — eine „Gewerkschaft der Generale“ hat nichts damit zu tun. Viel eher vielleicht ein Satz, der gleichfalls in Auchinlecks Vorwort zu finden ist: „Solange wir gezwungen sind, unsere Jugend im Gebrauch der Waffen und unsere Offizere in der KampffüÜhrung auszubilden, können wir viel von seinen Methoden und aus einem Studium der Persönlichkeit Rommels lernen“. Die Engländer ehren also zweierlei: die Ritterlichkeit Rommels und sein Handwerk. Aus solcher Haltung war die Biographie erwachsen, nach der nun dieser Film entstanden ist. Desmond Young spielt in ihm sich selbst, er spielt den gefangenen englischen Offizier, der von einem deutschen Offizier den Befehl erhält, die eigenen Truppen um Feuereinstellung zu bitten, der diesen Befehl verweigert und von dem zufällig eintreffenden Rommel Recht eqhält. Der sich dann, nach dem Kriege, nach Deutschland begibt, um dem Schicksal des Feldmarschalls nachzuforschen und der auf Grund von Gesprächen mit Deutschen und Engländern, auf Grund deutscher und englischer Akten feststellt, daß Rommel nicht nur seinen Feinden gegenüber ein ritterlicher Feldherr, sondern auch eine Persönlichkeit war, die für seine Ueberzeugung zu sterben wußte. Für uns Deutsche ist das gerade das Wesentlichste: daß ein Mann wie Rommel gegen Hitler und für sein Volk in den Tod ging. Dieses Thema ist küpstierisch schon einmal überlegen gelöst worden: von Carl Zuckmayer in seinem Schauspiel „Des Teufels General“. Der deutsche Film hat sich seine Gestaltung entgehen lassen und dem amerikanisch-englischen Film ist dieses Thema am Beispiel Rommel mißlungen. James Mason ist ein großer Schauspieler. Sein Rommel aber ist kein deutscher General. Die Gesten mögen sehr echt abgeguckt, die Utensilien wie Marschallstab und Feldmütze sogar von der Witwe zur Verfügung gestellt worden sein: der General Harras bei Zuckmayer leibt und lebt wie -ein deutscher General (mit allen guten und allen schlechten Eigenschaften) leibte und lebte. James Mason aber zeigt das Bild, wie man es sich in England oder Amerika vorstellt: um etliches zu starr, zu unbewegt, zu ausdruckslos. Es gibt, schauspielerisch, überhaupt nur zwei Lei- stupgen: die Darstellung des Dr. Karl Strölin, Mitverschworenen vom 20. Juli durch Cederic Hardwicke und ganz besonders die des Feldmarschalls von Rund- stedt durch Leo G. Carroll. Dieser Rundstedt, der im Dienst ergraute, der väterlich gewordene Offizier, im Aeußeren korrekt, im Innern fast zögernd, aber bewußt ehrlich in der Haltung, ist eine meisterliche Studie. Carl Zuckmayer wußte sehr wohl, warum er zwar des Teufels General, nicht aber den Teufel selbst auf- treten ließ. Der Film stellt die beiden unbekümmert gegenüber und gerade in diesen Szenen, die die ganze wirkliche Tragik Rommels atmen müßten — Rommel und der Teufel — gerade sie wirken wie Marionettentheater. Die Hitler-Maske von Luther Adler mag nicht schlecht sein. Merkwürdigerweise muß man la- phen, wenn sie auftaucht (obwohl es da für uns Deutsche weiß Gott nichts zu lachen gibt). Die vielen Einblendungen authentischer Wochenschauaufnahmen unter reichlicher Verwendung der allzu bekannten Motive von nächtlichem Geschützfeuer und hagelnden Bomben, die Invasionsszenen (mit eingeblendeten Märschen von Sousa) können dieses Mißbehagen gerade an den entscheidenden Punkten nicht glätten. Weder die Kerbe: Rommel als ritterliche Persönlichkeit noch die Kerbe: Rommel als General und schließlicher Widersacher des Teufels wird getroffen. Was bleibt, ist eigentlich nur das interessante Zeitdokument, die Tatsache, daß der Name Rommels so stark ist, daß er solchen Film durch alle Welt trägt. Da aber, wie wir festgestellt haben, der Name Rommel in englischer Prägung soviel wie Ritterlichkeit, handwerkliche Meisterschaft und Ueberzeugungstreue heißt, wollen wir ihn ohne Protest (gegen etwaige Hintergedanken, gegen das Geschäft, was der Film machen will, gegen die Heroisierung eines Generals, gegen was schon alles bei diesem Film protestiert worden ist) zur Kenntnis nehmen. Und daß er nicht gerade ein Meisterwerk der Filmkunst geworden ist, liegt vielleicht am geringen zeitlichen Abstand. Obwohl. und hier zeigt sich, daß wie immer bei solchen Streifen in Wahrheit nur der Dichter fehlt, obwohl das Rommel-Problem aller aufrechten Deutschen der Jahre 1942 bis 1945. obwohl das Problem: Diener und zugleich Gegner des Teufels bereits seine künstlerische Gestaltung gefunden hat. Wenn man schon überhaupt dieses Thema im Film anschneiden will. ob bei uns oder im Ausland: warum nicht Zuck- mayers „Teufels General“? H. 0. 1 1 e r von Grundstücken versicherungspflichtig sind. turnauschusses in Bruchsal statt. Nachdem in den Nachkriegsjahren bereits der süddeutsche Fußballverband in Wiesental tagte, werden nun durch die neuerliche Wahl von Bruchsal als Tagungsort auch von höchster turnerischer Stelle die bisher erzielten Leistungen des Kreises Bruchsal auf dem Gebiete der Leibesübungen unterstrichen. Dies umso mehr, als die im Zuge des Turnländerkampfes Deutschland-Finnland nach Süddeutschland verlegte Tagung in Bruchsal stattfindet, obwohl der Länderkampf am Sonntag in Karlsruhe ausgetragen wird. An der Tagung nehmen u. a. teil DTB-Pressewart Dr. Goehler-Würz- burg, Frieder Körner-Stuttgart, Hans Reipp-Ham- burg, Liesel Niemeyer-Bremen, Heinrich Meusel-Düsseldorf, Susi Gärtner-Freiburg, Arthur Adler-Mannheim, Walter Hulek-Bremen. Eventuelle Anfragen über diese kurzfristig angesetzte Tagung sind von Seiten der Vereine und Funktionäre des Kreises an Kreispressewart Kuni Hettmannsperger, Bruchsal, Bismarckstraße 4, zu richten. Gewerkschaft „öffentliche Dienste, Transport und Verkehr". Im Gasthaus zum „Ochsen“ fand am Sonntag eine Mitgliederversammlung der Gewerkschaft statt. Kollege Schlindwein vom Landratsamt konnte eine große Zahl von Mitgliedern aus Stadt und Land willkommen heißen. Im Mittelpunkt der Debatten stand das Referat des Kollegen Heil-Karlsruhe über die Gewährung von Weihnachtsgratifikationen an Angestellte und Arbeiter der öffentlichen Dienste, die Kindergeld-Zuschläge, die Wohnungsgeld-Zuschüsse, die Änderung der Ortsklasseneinteilung und dergl. mehr. Schlindwein machte auf die Kurse der Volkshochschule aufmerksam. Den im DGB organisierten Teilnehmern würden die Gebühren von der Gewerkschaft zurückerstattet. Die nächste Versammlung wurde auf 16. November festgesetzt. Kreditinstitute an Allerheiligen geschlossen. Die Bruchsaler Kreditinstitute machen heute schon darauf aufmerksam, daß ihre Schalter am Allerheiligentag, Samstag, 1. Nov., geschlossen bleiben. Auszahlung der Unterhaltshilfe. Die Auszahlung der Unterhaltshilfe erfolgt auf Grund des Feiertages (Allerheiligen) bereits am Freitag, 31. Oktober, in der Zeit von 8 bis 12 Uhr beim Stadtrentamt Bruchsal. Radio-Club Bruchsal. Der Radio-Club Bruchsal bittet zum nächsten Vortragsabend des Kurses „Einführung in die Fernsehpraxis“ am Freitag, 31. Okt.. 20 Uhr, im Nebenzimmer des „Merkur“ um zahlreichen Besuch. Landwirtschaftliche Unfallversicherung: Das Städt. Güteramt teilt mit: Das Verzeichnis der Bad. landw. Berufsgenossenschaft Karlsruhe wird auf 15. Nov. neu aufgestellt. Sämtliche Betriebe, bei denen sich Aenderungen wie: Neueröffnung oder Einstellung eines Betriebes. Aenderung der Betriebsgröße, Todesfall, Erbschaft und sonstige Aenderungen ergeben haben, wollen wegen Berichtigung des Verzeichnisses spätestens bis zum 14. November 1952 beim Städt. Güteramt, Wilderichstr. 34, vorsprechen. Die Betriebsinhaber, die keine Aenderungen vornehmen lassen, werden nach den Unterlagen des Katasters des Jahres 1949 neu veranlagt. Es liegt nun im Interesse jedes einzelnen Betriebsunternehmers, sich über die Richtigkeit des Katasters 1949 zu überzeugen, da nach der erfolgten Neuaufstellung des Katasters Aenderungen nicht mehr angenommen werden können. Um Unklarheiten zu vermeiden, machen wir besonders darauf aufmerksam, daß nur die Bewirtschaf- Donnerstag, 30. Oktober 1952 SUDWESTDEl/TSCHER SPIEGEL Nummer 253 / Seite 5 Ein Buchungsautomat für 19 500 Mark - Lne Büromaschinen-Ausstellung in Düsseldorf wartete mit einer Anzahl umwälzender Neuheiten auf und zeigte, daß der deutsche Büromaschinenbau wieder den Anschluß an den internationalen Leistungsstand erreicht hat. Auf einzelnen Gebieten nimmt er sogar eine führende Rolle ein. Besonderes Aufsehen erregte dieser Buchungsautomat, der nach dem Prinzip des Fernschreibers arbeitet und alle Buchungsvorgänge in Banken, Krankenkassen, Versorgungsunternehmen, sowie Industrie- und Handelsbetrieben bewältigt. Der Automat, der im nächsten Jahr auf dem Weltmarkt erscheinen wird, kostet 19 500 Mark. Bürgergesellschaften und Verfassung In einem vorläufigen Entwurf für eine Stellungnahme zur Frage der Schaffung einer Verfassung für das neue Bundesland Baden-Württemberg äus- sem sich die nordwürttembergischen Bürgerrechtsgesellschaften kritisch zu den Verfassungsentwürfen der Regierungsparteien und der CDU sowie über die bisherigen Beratungen über die neue Verfassung. In dem Entwurf heißt es, die künftige Verfassung solle sich nur mit solchen Angelegenheiten befassen, die zur Zuständigkeit des Staates gehören, und von der Regelung von Angelegenheiten, die bereits von übergeordneten Organisationen getroffen worden sind, absehen. Dieser Forderung sei bisher von keiner Seite in ausreichendem Maße Rechnung getragen worden. Auflösung des Kreises Buchen ? Der CDU-Bundestagsabgeordnete Oskar Wacker (Buchen) gab am Dienstag in Tauberbischofsheim auf einer Pressekonferenz bekannt, daß der Kreis Buchen im Rahmen der Neuordnung des südwestdeutschen Raumes wahrscheinlich aufgeteilt werde. Seiner Ansicht nach dürften die Städte Buchen, Walldürn und Osterburken mit dem nördlichen Gebiet zum Kreis Tauberbischofsheim kommen. Die übrigen Teile des Kreises müßten wohl zu einem neuen Kreis verschmolzen werden. Greisin mit dem Beil erschlagen Eine grauenhafte Mordtat wurde in der Gemeinde Diefmatten im Oberelsaß begangen). Eine 65 Jahre alte Bäuerin wurde von ihrem früheren Dienstknecht mit einem Beü erschlagen und anschließend durch Dolchstiche im Gesicht und Brust schwer verstümmelt Als der Sohn der Bäuerin nach Hause kam, fand er seine Mutter in einer großen Blutlache- in der Küche des landwirtschaftlichen Anwesens liegen. Der sofort der Tat verdächtigte, vor kurzem fristlos entlassene landwirtschaftliche Arbeiter Joseph Emy, der aus Freiburg im Breisgau stammt aber die französische Staatsangehörigkeit besitzt wurde noch am gleichen Tag nach umfangreichen Fahndungen) unter Einsatz von Polizeihunden in einem nahen Walde aufgestöbert und festgenommen. Er hatte sich nach der Tat betrunken. Bei der Vernehmung gab er an, er habe aus Rache gehandelt Seit seiner fristlosen Entlassung vor drei Wochen hatte er im Walde gehaust und sich bei Einbrüchen in Bauernhäuser Nahrung verschafft. Landtag faßte Verwaltungs-Beschlüsse Badisches Gemeindewahlgesetz erneut an Verwaltungsausschufi verwiesen Die Verfassunggebende Landesversammlung von Baden-Württemberg verwies am Mittwoch den Regierungsentwurf eines Gesetzes über die Gemeinde- und Kreiswahlen im Regierungsbezirk Südbaden in zweiter Lesung zur erneuten Beratung an den Verwaltungsausschuß zurück. Der Entwurf sieht eine Verschiebung der im November dieses Jahres fälligen Wahlen für die Gemeinderäte und Kreisvertretungen in Südbaden um ein Jahr vor. Durch diese Verschiebung soll eine Angleichung der über einen Zeitraum von zwei Jahren verteilten Wahltermine in den einzelnen Landesteilen ermöglicht werden. Außerdem hofft die Regierung, daß bis zum Herbst nächsten Jahres eine für das ganze Land gültige Gemeindeordnung geschaffen werden kann. Zu Beginn der Plenarsitzung hatte Präsident Dr. Carl Neinhaus den SPD-Abgeordneten Dr. Klaus- Peter Schulz (Baden-Baden) begrüßt, der sein Mandat des aus persönlichen Gründen zurückgetretenen Abgeordneten Richard Jäckle (Singen) übernimmt. Eine Große Anfrage mehrerer CDU-Abgeordneter wegen der Vorwegbewilligung von Planstellen für Studienreferendare zur Behebung des Lehrermangels an den Höheren Schulen beantwortete Finanzminister Dr. Karl Frank mit der Erklärung, daß er in den nächsten Tagen dem Staatsministerium und dem Finanzausschuß der Landesversammlung einen entsprechenden Antrag vorlegen werde. Ueberleitungsgesetz nicht das Recht ableiten könne, ohne Zustimmung der Verfassunggebenden Landesversammlung zentrale Landesbehörden zu errichten. Sie beanstandeten ferner, daß den Regierungspräsidenten viel zu wenig Zuständigkeiten übertragen worden seien. Eineinhalbstündige Handwerksdebatte Zu einer eineinhalbstündigen Debatte führte eine Große Anfrage der CDU über Maßnahmen zur Förderung des Handwerks. Die von dem Abgeordneten Anton Hilbert begründete Anfrage regte die Gewährung zweckgebundener Förderungsmittel, Einschränkung der staatlichen Regiebetriebe und der handwerklichen Beschäftigung Strafgefangener, eine stärkere Bekämpfung der Schwarzarbeit und eine intensivere Nachwuchsförderung an. In der Schlußabstimmung erklärte das Plenum mit den Stimmen der Regierungsparteien die Anfrage als durch die Antwort des Wirtschaftsministers erledigt. Das Plenum verwies ferner eine große Anzahl von Anträgen zur weiteren Beratung an die zuständigen Ausschüsse. An den Finanzausschuß verwies das Plenum den Antrag des Wohnungsbauausschusses, wonach das Land zur Gewährung von Darlehen für die Instandsetzung des Althausbesitzes rund fünf Millionen Mark bereitstellen soll. Um einen Feiertag zu kurz gekommen Die Einwohner der nordbadischen Kreisstadt Mosbach kommen um einen Feiertag zu kurz. Die Stadt hat 10 033 Einwohner, davon sind 4926 katholisch, 4581 evangelisch, 526 andersgläubig. Damit hat keine Konfession die vom Gesetzgeber verlangte überwiegende Mehrheit, um einen Feiertag für sich in Anspruch nehmen zu können. Am kommenden Allerheiligenfeiertag sind in Mosbach die Geschäfte geöffnet. Wohl wird der katholische Teil der Bevölkerung diesen Feiertag halten, gesetzlich ist er aber nicht für die ganze Stadt gültig. Bei den evangelischen ist es ähnlich: Der Buß- und Bettag gilt ebenfalls nicht als gesetzlicher Feiertag. Dieses Mosbacher Feiertags-Kuriosum wird erst dann aus der Welt geschafft sein, wenn eine der beiden führenden Religionen die überwiegende Mehrheit haben wird. Dauerregen über dem Bodensee Ueber dem Bodenseegebiet ging über das Wochenende ein 39stündiger Dauerregen nieder. Wie die Konstanzer Wetterwarte mitteilte, wurden während dieser Zeit in Konstanz 49 Liter Regen auf den Quadratmeter gemessen. Der langjährige Durchschnitt für den ganzen Oktober beträgt 62 Liter. In den Alpen trat zur gleichen Zeit die erste Schneeschmelze ein. Auf der Zugspitze schmolzen mehr als siebzig cm Schnee. Als unmittelbare Folge des Regens und der Schneeschmelze stieg der Bodenseespiegel vom Freitag bis zum Montagmorgen um 16 Zentimeter an. Die Befugnisse der Regierung Eine staatsrechtliche Debatte in der Mittwochsitzung der Verfassunggebenden Landesversammlung wurde durch eine Große Anfrage der CDU ausgelöst, in der Anfrage wurde die Regierung um Auskunft darüber ersucht, ob sie bereit sei, die Zuständigkeiten zwischen den Ministerien und den Mittelinstanzen so abzugrenzen, daß die Regierung neben den Aufgaben der Gesetzgebung und Regierung nur Verwaltungsfragen von grundsätzlicher Bedeutung bearbeite und die sonstigen Verwaltungsaufgaben der bisherigen Länderministerien den Mittelinstanzen zufallen. Ferner wollte die CDU in ihrer Großen Anfrage wissen, von welcher Grundlage die Regierung die Befugnisse ableite, durch Verordnungen ohne Zustimmung der Landesversammlung obere Landesbehörden der bisherigen Länder zu einer zentralen Behörde zu vereinigen. Ministerpräsident Dr. Reinhold Maier wies in einer Regierungserklärung darauf hin, daß das Ueberleitungsgesetz für die Zuständigkeitsabgrenzung zwischen den Ministerien und den staatlichen Mittelinstanzen bindende Weisungen enthalte. Danach stünden Befugnisse der Ministerien der bisherigen Länder grundsätzlich den Ministerien des neuen Landes zu. Die vorläufige Regierung habe zu bestimmen, wann und in welchem Umfang sie die einzelnen Geschäfte übernimmt. Diese Geschäfte sollten nur übernommen werden, wenn eine einheitliche Ausübung für das ganze Land zweckmäßig erscheine. Bei der Beratung des Staatshaushaltsplanes könne das Parlament die Maßnahmen der vorläufigen Regierung korrigieren. Sprecher der CDU stellten in der Debatte vor allem fest, daß die Regierung aus dem Entwicklung des Ausstellungswesens in Stuttgart Bau einer Kongreßhalle auf dem Killesberg gefordert Die beiden Direktoren der Stuttgarter Ausstellungs- GmbH. auf dem Killesberg, Dr. Heinrich Schiebe und Diplomvolkswirt Albert Ellwanger, berichteten vor Vertretern der Stadtverwaltung, den Gemeinderäten und der Presse über die Entwicklung des Ausstellungswesens in Stuttgart seit dem Jahre 1950. Dr. Schiebe dankte dem Bürgermeisteramt und dem Gemeinderat dafür, daß sie sich vor drei Jahren dazu entschlossen haben, das im Kriege fast völlig zerstörte Gelände der Reichsgartenschau wieder erstehen zu lassen. In einem Rückblick auf die von der Aus- stellungs-GmbH. in den vergangenen drei Jahren geleistete Arbeit bezeichnete Dr. Schiebe das Jahr 1950 als das Jahr der experimentierenden Improvisation, das Jahr 1951 als das der Konsolidierung und das Jahr 1952 als das Jahr der Bewährung. Er verwies auf die Aeußerungen von Ausstellern, daß sie Stuttgart als Ausstellungsplatz vor allem deshalb vorziehen, weil hier alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Werbung in idealer Weise gegeben seien. Dieser Erfolg ist nach Ansicht Dr. Schiebes nicht zuletzt der besonderen Atmosphäre des Killes- berges zu verdanken. Dr. Schiebe betonte, daß mit jeder erfolgreich abgeschlossenen Ausstellung der Kreis der Interessenten für Ausstellungen in Stuttgart wachse. Dr. Schiebe unterstrich die Notwendigkeit des Baus einer Kongreßhalle auf dem Killesberg. Bei vielen der bisher veranstalteten Ausstellungen hätte mehr Hallenraum vermietet werden können, wenn nicht für die gleichzeitig abgehaltenen Tagungen und Kongresse ein entsprechender Raum Kurzmeldungen aus Süd Westdeutschland :: Die französischen Behörden haben am Dienstag das Kehler Rathaus und das nach Süden daran angrenzende Gebiet mit mehreren größeren Gebäudekomplexen an die deutsche Verwaltung zurückgegeben. Auf diesem Gelände soll das neue Verwaltungszentrum der Stadt Kehl entstehen. Die Pläne dafür wurden bereits fertiggestellt. :: Als erste Bank Heidelbergs hat die Filiale der „Rhein-Main-Bank AG.“ (frühere Dresdner Bank) eine moderne Nachttresoranlage eingerichtet, die un- entgeldlich in Anspruch genommen werden kann. Die Kunden der Bank haben damit die Möglichkeit erhalten, außerhalb der Schalterstunden auch an Sonn- und Feiertagen Bargeld, Wechsel, Schecks und andere Werte der Bank zur sicheren Verwahrung zu übergeben. :: Einem Großbrand in Stuttgart-Hedelfingen fielen zwei Wohnhäuser und eine Werkstatt zum Opfer. Der Schaden wird auf mehr als 20 000 Mark geschätzt. Die Ursache des Brandes, der nach mehreren Stunden gelöscht werden konnte, ist noch nicht bekannt. :: Eine neun Zentner schwere Glocke der Pfarrkirche in Neibsheim stürzte am Dienstag beim Abendläuten ab. Nur dem Umstand, daß sich die Glocke im Kirchturmgebälk verfing, war es zu verdanken, daß keine Menschen zu Schaden kamen. Nach den bisherigen Untersuchungen ist die Glocke infolge eines Bruches des Jochs, an dem sie verankert war, abgestürzt. :: In Stuttgart-Weil im Dorf verunglückte ein 8 V 2 jähriges Mädchen tödlich. Das Kind wurde mit seinem Roller beim Einbiegen in eine Straße von einem LKW erfaßt und zu Boden geschleudert. Es wurde dabei so schwer verletzt, daß es noch an der Unfallstelle starb. Lohnverhandlungen gehen weiter Die Lohnverhandlungen in der Metallindustrie Nordwürttemberg-Nordbadens zwischen der Industriegewerkschaft Metall und dem Verband württem- bergisch-badischer Metallindustrieller werden heute fortgesetzt. hätte bereitgestellt werden müssen. Mit dem Bau einer Kongreßhalle könne zugleich auch das Büroraumproblem auf der Freilichtbühne, um die Stuttgart von vielen Städten beneidet werde, bei schlechtem Wetter in die Kongreßhalle verlegt werden. Direktor Schiebe gab bekannt, daß sich die Ausstellungsstädte Hamburg, Düsseldorf, Berlin, Essen, München und Stuttgart kürzlich auf einer Arbeitstagung zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen haben, um die Arbeit dieser Städte auf dem Gebiet des Ausstellungswesens aufeinander abzustimmen. Dr. Schiebe fügte hinzu, diese Städte könnten mit Recht für sich beanspruchen, der Fachausstellung, die sich von der Großmesse grundlegend unterscheide, internationale Geltung verschafft zu haben. Direktor Ellwanger gab in einem Ausblick auf das Jahr 1953 bekannt, daß Ende Mai 1953 auf dem Killesberg eine neuartige Fachausstellung für das Gipser- und Stukkateur-Gewerbe und im Juli eine große Fleischereiausstellung gezeigt wird. Den Höhepunkt der Ausstellungssaison 1953 bildet nach einer Mitteilung Ellwangers die 4. Bundesfachschau für das Hotel- und Gaststättengewerbe. Verzweiflungstat einer Mutter Kurz vor ihrem Scheidungsprozeß versuchte in der Nordschweizer Gemeinde Megelsberg die 30jährige Frau eines Kleinbauern sich und ihren drei kleinen Kindern das Leben zu nehmen. Dem ältesten Kind, einem drei Jahre alten Knaben, versetzte sie Stockschläge auf den Kopf und würgte es, während sie die beiden jüngeren Knaben von zwei Jahren und acht Monaten durch Bettdecken zu ersticken versuchte. Dann kam ihr das verbrecherische ihres Handelns zum Bewußtsein, und ohne Hand an sich selbst zu legen flüchtete sie und verbarg sich in einer Scheune. Der am Mittag heimkehrende Vater konnte die beiden kleineren Kinder aus ihrer gefährlichen Lage befreien. Der älteste Knabe befindet sich aber in einem bedenklichen Zustand. Die Mutter wurde verhaftet. Sie legte ein Geständnis ab, aus dem hervorgeht, daß die Ehezerrüttung, die bevorstehende Scheidung und die Angst, daß die Kinder in fremde Hände kommen, die Motive zu ihrer Tat zu s ein scheinen. Wie wird das Wetter? Veränderlich und kühler Ein breiter Strom kühler Meeresluft gelangt von dem umfangreichen Nordmeertief nach Mitteleuropa und verursacht veränderliches Wetter. Wechselnd bewölkt, Neigung zu Schauemiederschlägen bei frischen westlichen Winden. Tagestemperaturen zwischen 10 und 13 Grad. Nächtliche Tiefsttemperaturen um 5 Grad Die Problematik des Lebens Max-Planck-Gesellschaft in Hamburg Jahrestagung der Die Problematik des Lebens, jenes am tiefsten verschleierten Urgeheimnisses der Natur, stand unter dem Aspekt der Biochemie und der Hydrologie im Mittelpunkt der diesjährigen Hauptversammlung der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, die am letzten Wochenende über 500 Wissenschaftler aus dem Bundesgebiet und Westberlin in Hamburg vereinigte. Der geschäftsführende Direktor des Max-Planck-Instituts für medizinische Forschung in Heidelberg, Professor Dr. Richard Kuhn, stellte in seinem Festvortrag nachdrücklich fest, die langjährige Auffassung der Wissenschaft, daß ein keimfreies Leben unmöglich sei, müsse revidiert werden. nähme der natürlichen Wasservorräte in der Bundesrepublik hin, die im Allgemeinen auf die unüberlegten Eingriffe des Menschen zurückzuführen seien. Kahlschläge der Wälder, die Begradigung der Flußläufe und die Entwässerung von Mooren hätten den Grundwasserspiegel so weit gesenkt, daß der Boden stellenweise schon zu versteppen drohe. Die Überbevölkerung und der steigende Wasserverbrauch der Industrie, die allein für die Produktion einer Tonne Zellulose 400 000 Liter Wasser benötige, verschärfen die drohende Situation von Tag zu Tag. Daneben habe die Verunreinigung der Flüsse durch häusliche und industrielle Abwässer ein unerträgliches Ausmaß erreicht. Es sei nicht ausgeschlossen, daß der Kinderlähmung durch diese hygienischen Mißstände Vorschub geleistet worden sei. In einem Sechs-Punkte-Programm trat Professor Thienemann für die Schaffung einer Wasserbehörde auf Bundesebene an, da die Kompetenz für die Ströme und Gewässer nicht an die Landesgrenze gebunden werden dürfe. Der Mensch des technischen Zeitalters müsse sich wieder daran erinnern, daß auch er ein Glied der Natur ist, die er in seinem Sinne wohl gestalten, nie aber beherrschen kann. Er müsse wieder die Ehrfurcht vor der Natur zurückgewinnen, schloß Professor Thienemann. Nur sie werde uns die Krise überwinden lassen, in die das Wasser, unser wertvollstes Gut, durch unsere eigene Schuld geraten sei. Die Frage, ob die höheren Tierformen und der Mensch ohne Bakterien zu leben vermögen, hat bereits vor rund 70 Jahren der große Bahnbrecher der Bakteriologie, Louis Pasteur, aufgeworfen. Neuere Versuche haben nach den Worten von Professor Kuhn jedoch gezeigt, daß nicht etwa der Mangel an Darmflora, sondern Vitaminmangel die Gesundheit von Versuchstieren erschütterte, wenn ihre Nahrung durch hohe Hitzegrade keimfrei gemacht worden war. Anhand von Lichtbildern berichtete Professor Kuhn, der für seine Verdienste um die biochemische Forschung den Nobelpreis des Jahres 1938 erhalten hat. über die Arbeiten des amerikanischen Forschers Professor Reyniers, der mit Erfolg keimfreie Ratten, Hühner und Affen gezüchtet hat, das heißt Tiere, die keine Darmflora mehr besitzen. Keimfreie Hühner können danach Eier legen, aus denen wiederum keimfreie Nachkommen hervorgehen, die sich durchaus normal entwickeln, aber keine serologischen Abwehrkörper besitzen, da sie nie mit Bakterien in Berührung kamen. Diese außerordentlich kostspieligen Versuchstiere sind für das Studium verschiedener medizinischer Probleme, unter denen die Zahnfäule an erster Stelle steht, von großem Wert. Ferner hat sich bei Fütterungsversuchen in den USA gezeigt, daß Schweine bei dem Zusatz von zwei Gramm Aureomycin oder Terramycin je Tonne Futter erstaunliche Gewichtszunahmen erzielten. Es steht jedoch noch nicht fest, in wieweit eine Beein-^ flussung der Darmflora dabei eine Rolle spielt. Die erste Voraussetzung des organischen Lebens überhaupt, nämlich die Problame des Wassers in Natur und Kultur, erörterte Professor Thienemann, Direktor der Hydrobiologischen Anstalt in Plön (Schleswig-Holstein), in ' einem zweiten Feslvm l -. ag. Er wies in ernsten Worten auf die ständige AbEin Historiker de Zum 9 0. Geburtstag des Geschicl Der Senior der deutschen Historiker, Professor Friedrich Meinecke, Ehrendoktor der Freien Universität in Berlin, Ehrendoktor der Universität Bonn und der Ha- vard-Universität in Amerika, wird am 30. Oktober 90 Jahre alt. „Nicht Fortschritte oder Rückschritte festzustellen, sondern Schicksal zu ergründen, ist die höchste Aufgabe der Historie.“ Zu dieser Definition gelangt Professor Meinecke, der 'in seinem weit umspannenden Werk „Die Entstehung des Historismus“ Grundlagen der historischen Forschung in neuen Deutungen enthüllte. Die Gedankenwelt des jungen Historikers, der seine Doktorprüfung bei Treitschke, dem Historiker des Preußentums, ablegte, ist nicht frei vom Einfluß der damaligen Autoritäten: Ranke, Treitschke, Sybel. Als Kind hatte er die Aufrichtung des Bismarckreiches erlebt, und er wurde Zeuge einer gefährlichen Scheinblüte. Als seine ersten Werke erschienen, warf man ihm Idealisierung, Verdünnung des geschichtlichen Lebens vor. Aber der Gelehrte verschloß sich nicht den großen Wandlungen der Zeit; seine historischen Forschungen werden immer mehr durchströmt von den Erfahrungen, die sich ihm durch die politischen und schließlich aueh militärischen Ereignisse aufdrängten. Schon nach dem ersten Weltkrieg revidierte und vertiefte er seine Anschauungen. Er rückte angesichts der Tatsachen von der These ab, daß Krieg eine sittliche Notwendigkeit sei, und als großer liberaler Geschichtsforscher verteidigte er die Gewissens- und Gedankenfreiheit, das unveränderliche Recht jedes einzelnen Menschen. Ein Kompro- r Menschlichkeit tsfors chers Friedrich Meinecke miß mit dem Nationalsozialismus war daher für ihn unannehmbar. Geschichtsphilosophische Aussagen drängten sich für Meinecke in den Vordergrund und machten ihn zu einem bedeutenden Historiker des Abendlandes. In seinem Werk „Die Idee der Staatsräson in der neueren Geschichte“ zählt er die verhängnisvollen Merkmale des Staates „Dämonie und Macht" klar heraus; es war nicht nur die Auseinandersetzung mit Hegels Staatslehre, es war eine Vorschau auf die kommende Entwicklung, der noch keineswegs Einhalt geboten ist. Er sieht die sittliche Selbstbestimmung des Menschen durch die Tyrannei der wirtschaftlichen Machtkomplexe bedroht, und damit hat er schon das Kernproblem unserer Zeit berührt, deren Selbstzweck nur noch Zerstörung zu sein scheint. Meineckes Forschungen und Erkenntnisse über den Nationalsozialismus greifen weit über die Beziehungen zu Deutschland hinaus, sein Mahnruf an das Gewissen bleibt nicht räumlich begrenzt, er wendet sich zugleich an die Menschheit, die sich auf einem gefährlichen Weg vorwärtstreiben läßt. Zu den brennenden Fragen der Gegenwart nahm er 1946 in seinem Werk „Die deutsche Katastrophe“ Stellung. Notwendig erscheint ihm vor allem die seelische - Erneuerung, die Wiedererweckung des Gewissens, Humanität, Toleranz. Als Vorbild für diese Höherentwicklung, die im Verlauf der Geschichte schon mehrmals | gegeben war, weist er auf die Ideen und Lebensformen der Goethezeit hin, die er in kleinen Kulturzentren neu beleben möchte. Seine Werke spiegeln die; moderne Entwicklung: „Persönlichkeit und geschieht- Der Senior der deutschen Historiker, der neunzigjährige Professor Friedrich Meinecke liehe Welt“, „Nach der Revolution“, „Weltbürgertum und Nationalstaat“, „Aphorismen und Skizzen zur Geschichte“. Das Ausland hat ihm bemerkenswerte Anerkennung gezollt. Professor Meinecke, ein Förderer des europäischen Gemeinschaftsgedankens, „der Europäer ”® r Historiker“, wurde als erster Deutscher seit Theodor Mommsen zum lebenslänglichen Ehrenmit- glied der American Historical Association ernannt. Nach der Kapitulation nahm Friedrich Meinecke seine Tätigkeit in Berlin wieder auf; er wurde Rektor an der Freien Universität in Berlin, der er jetzt als Ehrendoktor dauernd verbunden bleibt. Als Mitarbeiter bedeutender historischer Zeitschriften pflegt er die großen Linien seines Schaffens m Einzelthemen zu unterbauen. Der Schüler Treitschkes wurde ein moderner Historiker, der, den Spuren schicksalhafter Notwendigkeit nachforschend, an dem neuen Geschieht, bi Id mitzeichnet und eine Distanzierung versucht, di uns das Erkennen der Gegenwart erleichtern könnte ^Qm2DnWiM zürJZdnmwl Oh fit 'Qjtönen ? Qitiiuiiqlieh! Im Hollywood der Philippinen — Jeder Regisseur sein Drehbuchautor — 38 000 Mark Stargage Manila. — Ais ich. im Hollywood der Philippinen eintraf — einem kleinen Filmgelände der Sampaguita-Gesellschaft vor den Toren von Manila — stand die Kamera in Bereitschaft wie überall auf der Welt, wo Filme gemacht werden. Der Hauptdarsteller lag schweißgebadet auf einem alten Feldbett und traf die letzten Vorbereitungen zu einer herzzerreißenden Agonie; auf einem wackligen Hocker daneben seine Geliebte — jeden Augenblick bereit, in Tränen auszubrechen. Wenige Meter von diesem tragischen Idyll entfernt waren der Regisseur und die Leute seines Aufnahmestabs eifrig damit beschäftigt, eine Cricketpartie zu Ende zu bringen. Der Tod mußte warten, bis das Spiel gewonnen oder verloren war. In dieser Metropole des philippinischen Films werden alljährlich etwa 20 Filme fertiggestellt — alle in Tagalog, der melodisch-süßen Malaiensprache von Manila synchronisiert. Fast alle Stories sind herzerweichende Tragödien: eine traumschöne Frau wird ein paar Stunden nach ihrer Trauung von einem heimtückischen Fieber hinweggerafft; ein stürmischer Liebhaber den die Eifersucht zum Amokläufer machte, verschmachtet hinter Kerkergittern; eine vornehme Familie gerät unverschuldet in bitterste Armut und endet in der Gosse. „Wir müssen immer bemüht sein, daß ■die Tränendrüsen nicht zum Versiegen kommen“, sagt Eduardo Andrata, der Produzent, „denn das ist es, was unser Publikum im Kino sucht!" — Wie groß dieses Publikum ist, kann Andrata nicht genau sagen. Nach seiner Schätzung läuft jeder Film in 150 bis 200 Kinos der Philippinen und außerdem noch auf Hawaii. „Wenn ein Film einschlägt, sind die Theater zu jeder Tages- und Nachtzeit zum Bersten voll!“ Die Sampaguita-Gesellschaft hat 110 Mann technisches Personal und rund 100 Schauspieler, die unter Kontrakt stehen. Die berühmtesten Stars sind Carmen Rosales und Leopoldo Salcedo; sie können (NDF/Marhoffer/Deutsche London) Gertrud Kückelmann hat über allerlei nachzudenken. (In „W eibertausch“ mit Viktor Staat, Carola Höhn). sich neben jedem Hollywoodstar sehen lassen. Die Gagen bewegen sich zwischen 8000 und 18 000 Pesos pro Film, das sind 17 000 bis 38 000 Mark. „Und was erhalten Ihre Drehbuchautoren?“ „Drehbuchautoren gibt es bei uns nicht. Hat ein Regisseur einen brauchbaren Stoff entdeckt, so schreibt er ihn in der Form einer Novelle nieder und veröffentlicht sie in irgendeinem Tagalog-Magazin. Wenn sie dort Aufsehen erregt, wird der Stoff verfilmt.“ Inzwischen ist die Cricketpartie zu Ende gegangen. Die Herren des Filmstabs entschuldigen sich flüchtig und eüen hinüber zum Aüfnahmegelände. Dort liegt noch immer der schwitzende Todeskandidat zwischen feuchten Kissen, und seine Partnerin wartet geduldig auf das Startzeichen zur Totenklage. Eine Luftschutzsirene heult auf. Das Mikrophon wird eingeschaltet. Die Kamera beginnt zu surren und hält den traurigen Höhepunkt des neuesten Sampaguita-Films fest, über den bald Tausende von Filipinos und Kanaken bittere Tränen vergießen werden. Lynn Chase Virginia Mayo und Gregory Peck, das wirkungsvolle Liebespaar in „Des Königs Admiral“. Als man „Zwei Menschen" drehte Schlimm war es, wenn der Hauptdarsteller „Berg“ bockte Glimpflich verlief der Grenzübertritt; es wird zwar häufig, aber höflich kontrolliert. Der Aufnahmeleiter bietet alle Energie auf, um das große Gepäck (Kameras und Material) ohne Panne über den Brenner zu bringen; vor seinem waschechten Berliner Jargon kapituliert auch der strengste Zöllner. In Chiusa (Klausen) erwartet uns der Produktionsleiter, der, sein Auto durch die Kurven steuernd, uns mit den Gesten eines Stabschefs über die strategische Lage orientiert. Die Fahrt geht durch das Gröd- nertal auf 1500 m zum Quartier San Chri- stina. Auf den Paß-Straßen höher hinauf bewährt sich unser Volkswagen-Bus, der sich von dem Regie-Auto, einem britischen „Standard“, nicht abhängen ließ. In den Hochsommermonaten ist das Val Gardena Hauptziel des oberitalienischen Ferienverkehrs; aus Mailand, Verona und Rqm flüchten die Städter vor der tropischen Hitze in den kühlenden Schatten der Dolomiten. Die Dreharbeit auf der Felskanzel, der Seiser Alp und den Pässen setzt Schauspieler und Stab täglich für viele Stunden den klimatischen Schwankungen, oft auch plötzlichen Wetterumschlägen, aus; an manchem Tag gibt es hier drei Gewitter. Hinzu kommt, daß der wiederholte Auf- und Abbau an „die Bühne“ außergewöhnliche Anforderungen stellt. Im technischen Stab waren beste Kräfte eingesetzt und durch einheimische Berghasen, erprobte Gipfelstürmer und Skimeister verstärkt. Schlimm war es, wenn der schwierige Hauptdarsteller, der Berg, vor der Kamera „bockte“. In 2500 m Höhe stimmt der Lichtmesser nicht mehr. Das Panorama läßt sich nur mit Spezialstativ im Horizontal- und Vertikal-Schwenk fassen. Allerdings, genug Helle ist hier oben. Die natürliche Ausleuchtung reicht bis in die fernen Tiefen; denn die Sonne Südtirols spendet auch an gewittrigen Tagen, bei zuletzt doch noch aufreißendem Gewölk, im letzten Tageslicht ihren filmfreundlichen Segen. ETWAS FÜR KENNER Han sptidit davon _ ... das Bendestorfer Atelier mitten in die Heide zu verlegen, um dadurch die Herstellungskosten der nächsten 25 Heimatfilme zu senken. . einen ehemaligen Hauptfeldwebel als Beiratsmitglied für die Bürgschaftsvergabe zu verpflichten. Er soll die Drehbücher auf wehrkraftzersetzende Gedanken untersuchen. . daß Geza von Cziffra einen Zirkusfilm drehen will. Er sah nämlich „Die größte Schau der Erde“. . daß „Kolberg“ unter dem Titel „Machen wir’s den Alten nach“ herausgebracht wird. . daß dem Film „Haus des Lebens“ das Mutterkreuz nachträglich verliehen werden soll. ... daß ein Film ausschließlich mit weiblichem Nachwuchs gedreht werden soll. Regie: Arthur Maria Rabenalt. Die Drehzeit ist auf ein halbes Jahr veranschlagt. ... daß der Marschfox von Lothar Olias „Na, wie stehn wir da!“ zur zweiten Nationalhymne proklamiert werden soll. . daß künftig bei der Bürgschaftserteilung ein Mercedes 300 mitgeliefert wird, um den Produzenten nicht in Versuchung . zu führen. Im Falle der Beanspruchung der Bürgschaft muß der. Wagen in gewaschenem Zustand zurückgegeben werden. . daß Herrns Niel die Musik zu dem Film „Auf der Heide blüht ein kleines Blümelein“ (Untertitel: „Erika ist wieder da“) schreibt. „Käpt’n Bay-Bay“ Die Schauspieler Bum Krüger, Rudolf Schündler, Rudolf Fernau und Robert Meyn wurden für tragende Rollen in dem neuen großen Hans-Albers-Musikfilm der Meteor - Produktion „Käpt’n Bay Bay“ verpflichtet. Das Drehbuch schrieben Per Schwenzen und Heinz Pauck. An der Kamera steht Friedei Behn-Grund. Nach Abschluß der Musikaufnahmen in Berlin, sind Stab und Darsteller nach Hamburg übergesiedelt, um dort einen Teil der Außenaufnahmen abzudrehen. Wertvoll Die Filmbewertungsstelle der Länder in Wiesbaden hat die folgenden Bildstreifen als „wertvoll“ erklärt: den amerikanischen Revuefilm „Ein Amerikaner in Paris“, den Wildwestfilm „Karawane der Frauen“, den französischen Film „Fanfan der Husar“ mit Ger- ard Philipe und Gina Lollobrigida und die deutschen Streifen „Nachtwache“ und „Toxi“. Peter Igelhoff schreibt die Musik zu dem Film „Fräulein Casanova“, der in München und Wien mit Gertrud Kückelmann, Loni Heuser, Angelika Hauff und Walter Güler in den Hauptrollen unter der Regie von E. W. Emo gedreht werden soll. Ein Groß-Dokumentarfilm, der in Originalaufnahmen das Kriegsgeschehen des Zweiten Weltkrieges vom Polenfeldzug bis zum Zusammenbruch schildert, wird von der Super-Film-GmbH, Frankfurt, vorbereitet. (Hubmann/Deutsche London) Ingeborg Scholz wird für den Auftritt vorbereitet. Diese köstliche Aufnahme entstand bei den Dreharbeiten zu „Der fröhliche Weinberg“. Acht Freikarten für die Königin Die berühmteste Filmvorstellung der Welt — Detektive sitzen neben Hoheiten im Parkett London. — Eine der wenigen Veranstaltungen Londons, die außerhalb der „Saison“ stattfinden, die in England mit dem Derby und der Ascotwoche Ende Mai beginnt und mit dem Gartenfest im Buckingham-Palast im Juli endet, ist die „Royal- Performance“, die königliche Film-Schau. Eine Frau, die man immer wieder gern sieht: Franziska Kinz in „Die schöne Tölzerin“. (Unitas Film) Keine andere Filmpremiere der Welt'sieht ein derart auserwähltes und prominentes. Publikum wie diese einmal jährlich stattfindende Uraufführung, die zugunsten bedürftiger Filmdarsteller, technischer Arbeiter der Ateliers und Angestellter der Filmtheater abgehalten wird. Jede größere Gesellschaft der Welt bemüht sich, ihren besten Film bis Ende September vorführungsbereit zu haben, damit er dem Londoner Schiedsgericht rechtzeitig zur Prüfung übergeben werden kann. In den letzten Tagen des September tagt dann die Kommission, die aus drei englischen und drei amerikanischen Filrii- verleihern sowie einigen englischen Vertretern der Filmindustrie besteht und mit ihrer Wahl einem Film zum Siegeslauf durch die halbe Welt verhilft. Wenn sich in diesem Jahr am 27. Oktober der Vorhang im „Empire“ am Leice- ster Square für den amerikanischen Film „Because you’re Mine“ öffnet, werden in der Mitte des Theaters, auf acht vergoldeten Sesseln, die Königin, Prinzgemahl Philipp, Prinzessin Margaret und fünf weitere Mitglieder des königlichen Hauses ihre Plätze einnehmen. Von den 3000 Sitzen des Theaters sind diese acht die einzigen, die kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Mr. Rank, Sir Alexander Korda, Herbert Wilcox, Anna Neagle, Margaret Lockwood, Betty Hutton, Charlie Chaplin, Sir Laurence Olivier und die eigens für diesen Abend nach England kommenden Filmstars aus Amerika, Frankreich und Proben Als der große Theaterregisseur Max Reinhardt feststellen mußte, daß einige Mitglieder seines Berliner Schauspielensembles nicht sonderlich viel von einem geregelten Probenbetrieb hielten und es darauf anlegten, die Proben möglichst rasch hinter sich zu bringen, ließ er hinter der Bühne ein Schild anbrrnsen, auf dem in großen Lettern geschrieben stand: „Die Damen und Herren werden freundlichst gebeten, nicht fortzugehen, bevor sie gekommen sind.“ (Minerva-Film /Deutsche London Film) Vom Kampf der Test-Piloten von Düsenflugzeugen und von den Opfern, die dieser Kampf verlangt, berichtet der englische Film „Der unbekannte Feind“ mit Ralph Richardsoli. (Foto: London Film) Ein glückliches Paar läuft ausgelassen ins Tal: Edith Mill und Helmuth Schneider, die beiden Hauptdarsteller der neuen Verfilmung von Richard Voß’ Roman „Zwei Menschen“. Italien müssen genau so bezahlen wie die Mitglieder der Londoner Gesellschaft. Die Eintrittspreise beginnen mit 2 und enden bei 25 Pfund. Für diese erhebliche Gebühr wird ein Film, das Königshaus und die Elite der Filmlieblinge gezeigt. Vor allem kann jeder Besucher das Gefühl haben, daß er für einige Stunden mit seinen bewunderten Helden der Leinwand unter dem gleichen Dach vereint ist. Daß diese Premiere gleichzeitig auch eine Moden- und Juwelenschau ist, muß erwähnt werden, denn umsonst waren die Modeschöpfer des Landes nicht Wochen vorher mit Aufträgen überhäuft Scotland Yard entsendet seine besten Beamten, um über einige Millionen in Form vor Brillanten, Diademen, Disketten und Ohrgehängen zu wachen. Donnerstag, den SO. Otstobav 1852 Audi im Pünzgau wädisl ein guter Tropfen Schon im 10. Jahrhundert pflegten hier die Mönche von Weißenburg den Wein Ellmendingen und Dietlingen haben den unbestrittenen Ruhm, die anerkannten Weinorte des Pfinz- gaues zu sein. In Weingarten knüpft die Winzergenossenschaft an jahrtausendealte Tradition an und sucht für den Weingartener Rebensaft in der Nachbarschaft Freunde und Liebhaber zu gewinnen. Dabei soll nicht vergessen sein, daß vor nicht allzu langer Zeit in vielen Pfinzgaudörfern der Weinbau heimisch ■war und die Rebe mit Sorgfalt gepflegt wurde. Sowohl Berghausen als auch Söllingen trieben einen vorbildlichen Weinbau,, und der Söllinger Klevner lodete noch im vorigen Jahrhundert manchen trink- freudigen Besucher in das Dorf, lieber die Durlacher Weinlese sind uns noch zahlreiche Berichte erhalten, und inGrötzingen ist der Weinbau nie ganz, erloschen. Seine Blütezeit erlebte er schon im Mittelalter. Das Kloster Weißenburg, das einen großen Klosterhof in Grötzingen besaß, pflegte die Reben an den sonnigen Hängen des Pfinztales. Im 10. Jahrhundert, also vor 1000 Jahren, ernteten die Mönche, die einen guten Tropfen wohl zu schätzen wußten, allein in ihren Grötzinger Weinbergen mehrere hundert Hektoliter Wein. Auch die späteren Klosterherren von Herren- alb und Gottesaue ließen sich den Pfinztäler Rebensaft gar trefflich munden. Der Verfasser der Grötzinger Chronik, Dr. Dietrich, nennt in seinem Heimatbuche mehrere Pachtverträge Grötzinger Bürger. So vergab im Jahre 1387 der Gottesauer Abt Albrecht an Klaus Müller und Kuntzel Dorfe in Grötzingen zwei Morgen Reben am Rodberg. Fünf Jahre später, 1392, pachtete Eberhard Kontz vom Kloster Gottesaue einen halben Morgen Weingärten am Rodberg. Gegen Ende ; des 15. Jahrhunderts wird in einer Urkunde ein Weingarten am Hollenbrunnen bei der Werren genannt. Die badischen Markgrafen, die schon vor etwa 500 Jahren Besitzrechte zu Grötzingen erwarben, waren die Erben dieses klösterlichen Reblandes. Sie besaßen drei Keltern im Ort, in denen nicht nur die Trauben aus den markgräflichen Weinbergen gekeltert wurden. Jeder Bürger machte hier seinen Wein und seinen Most, denn die Keltern waren wohl der Herrschaft eigentümlich, wurden aber der Gemeinde zur Benützung überlassen. Allerdings nicht umsonst. Zur Instandhaltung hatte jeder Bürger Fronarbeit zu leisten, und von dem Wein, der gekeltert wurde, verschrieb sich der „gnädige Herr“ einen beträchtlichen Anteil als Zehnt- und Trottwein. Der Zehntschreiber nahm diesen Wein in Empfang und füllte damit die Fässer im Schloßkeller und im Zehntkeller. 150 000 Liter Wein konnten die Fässer auf nehmen, so daß die Herrschaft um einen guten Trunk nie verlegen war. Man darf allerdings nicht vergessen, daß die Besoldungen der Beamten, Geistlichen und Schulmeister in Naturalien abgestattet wurden, unter denen sich immer ein Quantum Wein befand. Ging auch der Weinbau während des Dreißigjährig gen Krieges zurück, so blieb er immerhin in beträchtlichem Ausmaße bestehen. Denn sonst wäre es nicht zu erklären, woher die vier Fuder Grötzinger Wein (6000 Liter) hätten kommen sollen, die beim Hochzeitsfest der Augusta Maria und des Prinzen Friedrich Magnus im Jahre 1678 ausgeschenkt wurden. Hundert Jahre später requirierten die Franzosen nicht weniger als 45 000 Liter Wein im Dorfe. In den letzten Jahrzehnten hat der Grötzinger Weinbau eine Neubelebung erfahren. Zwar ist das bestgeeignete Rebgelände am Rodberg als Rebmuttergarten für amerikanische • Unterlagenhölzer angelegt worden. Aber die Gemeinde verfügt noch über günstig gelegenes Rebland. Die Bestrebungen gehen dahin, auch die Grötzinger Winzer für die Anlage von gemeinschaftlichen Weinbergen zu gewinnen, zumal sich diese Gemeinschaftsanlagen auf vielen Gemarkungen in den badischen Weinbaugemeinden als sehr vorteilhaft erwiesen haben. Geha * Die Bauernschulen beginnen ihre Kurse Im November werden die Bauernschulen in Nordwürttemberg und Nordbaden ihre Arbeit wieder aufnehmen. Diese Einrichtungen sind getragen von der gemeinnützigen Stiftung „Bauernschulwerk Württemberg-Baden“. Sie sind keine landwirtschaftlichen Fachschulen und vor allem keine Konkurrenz der staatlichen Landwirtschaftsschulen. Ihr Ziel ist es vielmehr, der bäuerlichen Jugend eine allgemeine, vielseitige Lebenshilfe zu geben und ihr die Fragen zu beantworten, die sich aus der Stellung des Bauern in unserer Zeit und Gesellschaft ergeben. Sie sollen dazu beitragen, unserer Landjugend die Selbstbehauptung im bäuerlichen Beruf und die Eingliederung in das übergeordnete soziale Ganze zu erleichtern. Darin liegt die große staatsbürgerliche Bedeutung dieser Schulen. Bauernschulen bestehen in Nordwürttemberg in Hohebuch (evangelische Hausordnung), Wernau (katholische Hausordnung), im Waldheim „Frauenkopf“ bei Stuttgart (gemeinsame Kurse für evangelische und katholische Teilnehmer), im Schloß Kirchberg/Jagst, in Nordbaden auf der Gamburg bei Tauberbischofsheim (Kurse für katholische und evangelische Teilnehmer). Auskunft über Kursbeginn und Aufnahmebedingungen erteilen die Leiter der Schule und die Stiftung „Bauernschulwerk Württemberg-Baden“, Süberburgstraße 183. Orlsrnfaiilage in Kronau eingeweiht Zur Zeit modernste Anlage mit 94 Lautsprechern Philippsbnrger Stadtnotlzen Bekanntmachungen der Stadtgemeinde Die auf heute, Donnerstag, den 30. Oktober 1952 engesetzte Hauptkörung der Bullen, Eber und Ziegenböcke, fällt infolge der Weiterausbreitung der Maul- und Klauenseuche aus. Am Mittwoch, den 5. November 1952, beginnt ein Nähkurs im Institut St. Maria in Bruchsal für arbeitslose, heimatlose bezw. noch nicht in Lehrstellen untergebrachte Mädchen. Anmeldungen sind sofort beim Arbeitsamt vorzunehmen. Es wurden 2 Geldbeutel mit Inhalt gefunden. Die Eigentümer wollen sich im Rathaus melden^ Wer seine Jauchegrube entleert haben will, kann sich im Rathaus anmelden. Der Preis für die Anfahrt eines Faßes, ca. 3000 Liter beträgt auf den Acker 8.— DM. In einer Feierstunde übergab dieser Tage die Deutsche Philipps GmbH., Mannheim, die neuerstellte Ortsrufanlage der Gemeinde Kronau. Nach einer Schallplattenaufnahme des Gesangvereins begrüßte der Bürgermeister die Ehrengäste und die Bevölkerung. Sein besonderer Gruß galt dem Vertreter des Landratsamts, Reg.-Rat Gärtner, Dipl.-Ing. Adelmann vom Verband badischer Gemeinden, Direktor Harth sowie Ing. Dickert von der Fa. Philipps, Mannheim, und mehreren Bürgermeistern der näheren Umgebung. Reg.-Rat Gärtner lobte in seinen Worten die Initiative der Gemeinde, die in der heutigen Zeit den Mut gehabt habe, diese neuzeitliche Anlage zu bauen. Dipl.- Ing. Adelmann teilte mit, daß im nordbadischen Raum über 50 neue Anlagen errichtet wurden. Die . Anlage möge der Mittler sein zwischen Verwaltung und den Bürgern. Hierauf übergab Ing. Dickert die technische Anlage der Gemeinde und umriß nochmals die Einzelheiten, die zum Bau führten. Bereits 1941 habe dieselbe Firma die Anlage mit 36 Richtstrahlern übergeben. Heute sei die modernste Anlage entstanden mit einer Verstärkerleistung von 750 Watt. 76 neue und 18 alte Lautsprecher bieten die Gewähr dafür, daß ohne Schallüberschneidung jeder Bürger die Durchgaben vernehmen kann. Die offizielle Ueber- gabe wurde von Dir. Harth durchgeführt mit dem Wunsch, daß die Anlage zum Segen und zum Wohle der Gemeinde dienen möge. Bürgermeister Heilmann dankte zum Schluß für die vielen Glückwünsche und nahm im Namen der Gemeinde die Anlage in seine Obhut. • Das katholische Männerwerk begann am Sonntag abend mit einem Vortragsabend im Saal zum Bad. Hof seine diesjährige Wiriterarbeit. Nach längerem, schwerem Leiden starb in der vergangenen Woche im Alter von 75 Jahren Sim. Knaus, Hauptstraße. Er zählte zu den Gründern der Freiwilligen Feuerwehr. t. Tageskalender für 30. Oktober VfB Bruchsal, 18 Uhr Training für die Aktiven, anschließend Spielerversammlung im Sporthaus. Europalichtspiele Bruchsal, 20 Uhr Parodistisches Kabarett „Die Globetrotter“ mit dem diesjährigen Erfolgsprogramm „Von Happy bis End“. Schloßtheater Bruchsal, 18 und 20 Uhr „Unter Ka- nibalen“. Casino-Lichtspiele Bruchsal, 17 und 20 Uhr „Die Rache der Tuaregs“. Badisches Staatstheater, 20 Uhr im Opernhaus „Bo-' ris Godunoff“, 20 Uhr im Schauspielhaus „Minna von Barnhelm“. Katholischer Frauenbund, 20.15 Uhr im Gasthof zum Wolf, Vortrag von Frl. Dr. Krämer über „Krankendiät“. Jahrgang 1903/04, männlich, 20 Uhr Zusammenkunft 'im „Letzten Brunnen“. Städtische Dienststellen. Die städtischen Dienststellen sind gemäß der Bestimmung in § 8 des Gesetzes Nr. 161 über die Sonntage, Fest- und Feiertage, am Samstag, 1. November (Allerheiligen) geschlossen. fingen auf Im jplzaßenoezkeht! Papst- und Bischofsgrüße an die Mesner. Der Geistl. Beirat der Mesner der Dekanate Mannheim, Heidelberg, Bruchsal, Wiesloch, Bretten und Waibstadt, Stadtpfarrer Hermann Josef Wetzel, und Bezirksobmann Karl Gudernatsch, erhielten ein Handschreiben von S. E. H. H. Bischof Petrus Canisio van Lierde, Generalvikar von Rom, Sakristan des Heiligen Vaters, in dem die väterlichen Grüße des Heiligen Vaters übermittelt wurden und das wiederholte Interesse an dem Mesnerstand. S. E. Bischof Dr. Meile, St. Gallen, (Schweiz) hat an den Bezirksobmann ein Schreiben geschickt, in welchem die große Freude über den Zusammenschluß der Mesner auch in Baden zum Ausdruck kam. Die religiösen und sozialen Belange könnten einem solchen Zusammenschluß nur dienlich sein. Beide Schreiben waren eine Antwort auf die Ergebenheits- und Grußtelegramme anläßlich des Bruchsaler Mesnertages. Rheinwasserstände Konstanz 272 (— 2 ), Breisach 276 (—24), Straßbu^g 370 (—36), Karlsruhe 586 (—32), Mannheim 483 (4-119. Mainz 401 (+20), Bingen 299 (+23)* Caub 342 (+34). Herausgeber: C. & H. Kruse, Bruchaal. Geschäftsstelle u. Rerlak- tion: Bruchaal, Wörthstr. 11. Redaktion: Hans Stauder, Brachial. Zur Zeit iat Preialiate Nr. 3 rem 1. April 1932 gültig. WAHLANKÜNDIGUNG gemäfj § 4 Absatz 2 der„Wahlordnung vom 14. 8. 1952 (Bundesanzeiger Nr. 168/52 v. 30. 8. 1952) I. Allgemein Auf Grund des Gesetzes Uber die SelbJtverwaltung lind über Aenderungen von Vorschriften auf dem Gebiet der Sozialversicherung (GSv) in der Fassung vom 13. 8. 1952 (BGBl. I, S. 427) wählen, nachdem der Landeswahlbeauftragte für die Durchführung der Wahlen in der Sozialversicherung im Staatsanzeiger für Baders.Württemberg Nr. 41 vom 4. 10. 52 die Wahlankündigung gemäß § 4 der Wahlordnung erlessen hat, bei der Allgemeine Orfskrenkenkasse für den Landkreis Bruchsal Bruchsal die Versicherten und die Arbeitgeber je zur Hälfte ihre Vertreter in die Vertreterversammlung und deren erste und zweite Stellvertreter je für sich getrennt in freier und geheimer Wahl nach den Grundsätzen der Verhältniswahl. Der Termin für die Wahlen wird noch festgesetzt. Für die Durchführung der Wahl ist ein Wahlausschuß gebildet worden. II. Auigaben des Wahlausschusses Der Wahlausschuß wird nach der noch ausstehenden Festsetzung der Mitgliederzahl für die Vertreterversammlung sowie nach der für die erstmalige Wahl erfolgten Regelung anderer der Satzung vorbehaltener Bestimmungen durch den Bundeswahlbeauftragten öffentlich zur Einreichung von Vorschlagsfitten für die Vertreterversammlung auffordern. Die Aufforderung wird u. a. die Angabe enthalten, bis zu welchem Zeitpunkt, an wen und an welche Anschrift die Vorschlagslisten einzureichen sind. Ferner wird die Aufforderung die Zahl der zu wählenden Mitglieder und Stellvertreter der Vertreterversammlung getrennt nach den einzelnen Wählergruppen, einen Hinweir auf die Voraussetzungen für die Aufstellung von Vorschlagslisten, über die Wahlberechtigung und die Wählbarkeit sowie einen Hinweis darauf enthalten, daß die einzelnen Wirtschaftszweige und Berufsgruppen angemessen vertreten sein^ sollen. III. Aufstellung der Vorschlagslisten Für die Einreichung der Vorschlagslisten gibt der Wahlausschuß jetzt schon folgende vorläufige Hinweise: Es wählen: a) die Versicherten einschließlich der Rentenberechtigten aus eigener Versicherung auf Grund von Vorsehlagslittan der Gewerkschaften und der selbständigen Vereinigungen von Arbeitnehmern mit sozial- oder berufspolitiacher Zwecksetzung; b) die Arbeitgeber auf Grund von Vorschlagslisten der Vereinig ungen von Arbeitgebern. Den Vorschlagslisten der vorerwähnten Organisationen stehen Vorschlagslisten gleich, wenn sie die Unterschriften von mindestens einbun- dertfünfzig Wahlberechtigten tragen (freie Vorschlagslisten). IV. Wahlberechtigung und Wählbarkeit a) Wahlberechtigung Wahlberechtigt und daher vorschlagsberechtigt sind grundsätzlich. Versicherte einschließlich der Rentenberechtigten aus eigener Versicherung und Arbeitgeber, die das 18. Lebensjahr vollendet haben. b) Wählbarkeit . . Wählbar und daher geeignet, als Vertreter der einzelnen Wählergruppen aufgestellt zu werden, sind nur solche Personen, die das aktive Wahlrecht zum Deutschen Bundestag besitzen, die also vor allem das 21. Lebensjahr vollendet uficf außerdem Im Bezirk der Kasse ihren Wohnsitz haben oder im Bezirk der Kasse regelmäßig beschäftigt sind. Vertreter der Versicherten einschließlich der Rentner aus eigener Versicherung müssen bei der Kasse versichert sein. Arbeitgeber die selbst bei dem Versicherungsträger versichert sind, gelten für die Wahl als Arbeitgeber, wenn sie regelmäßig mindestens einen verslcherungspfljchtlgen Arbeitnehmer beschäftigen. Liegen gleichzeitig die Voraussetzungen der Zugehörigkeit zu verschiedenen Gruppen desselben Versicherungsträgers vor, *o begründet die Beschäftigung einer Hausgehilfin oder Hausangestellten nicht die Arbeitgeberergenschaft im Sinne dieser Vorschrift. V. Form und Inhalt der Vorschlagslisten für die Vertrelerversammlung Die Wahlen der Vertreter sowie ihrer ersten und zweiten Stellvertreter finden auf Grund der für die einzelnen Gruppen getrennt eingereichten gültigen Vorschlagslisten statt. Listenverbindung ist bis zum Ablauf der Einreichungsfrist zulässig. Ist ein WahlkancHdal in mehreren Listen zur Wahl für das gleiche Organ vorgeschlagen, so wird ihn der Wahlausschuß unter Setzung einer Frist zur Erklärung darüber auffordern, für welche Liste der Vorschlag bestehen bleiben soll. Auf Grund der Erklärung hierüber wird der Name in den übrigen Listen gestrichen. Erklärt der Wahlkandidat innerhalb der gesetzten Frist nicht, für welche Liste der Vorschlag bestehen bleiben soll, so wird sein Name auf allen listen gestrichen. Hat ein Wahlberechtigter mehr als eine Vorschlagsliste unterzeichnet, so wird sein Name au» allen Listen gestrichen. Die Vorschlagsliste jeder Gruppe soll insgesamt mindestens so viele Namen enthalten, als Vertreter sowie erste und zweite Stellvertreter zu wählen sind. Die über die erforderliche Zahl hinaus vorgeschlagenen Wahlkandidaten und Stellvertreter gelten in der Reihenfolge, in der sie auf der liste enthalten sind, als Ersatzleute der Liste. ^ . . _. Die Vorschlagslisten müssen zu ihrer Gültigkeit mit Schreibmaschine geschrieben sein und in dreifacher Fertigung eingereicht werden. Die eigenhändigen Unterschriften und etwa sonst eigenhändig gemachte Angaben der Listenunterzelchner müssen daneben oder darunter maschi- n e n Die” Wahl kan dfda ten* sind nach Vor- und Zu- (bei Frauen auch Gebu rts-)name sowie nach Beruf, Geburtstag sowie -ort, Wohnort und Wohnung aenau zu bezeichnen; bei Pflichtversicherten, gesetzlichen Vertre fern, Geschäftsführern und bevollmächtigten Betriebsleitern ist auch der Arbeitgeber (Firma) anzuqeben; freiwillig Versicherte und Rentner sind als solche zu bezeichnen. Die Wahlkandidaten sind fortlaufend mit Ziffern aufzuführen- für leden Wahlkandldaten sind unter Verwendung der Buchstaben a) und b) sein erster und sein zweiter Stellvertreter anzugeben. Der Name des Spitzenkandidaten ist das Kennwort der Li sie; sonst kann als Kennwort nur der Name der vorschlagenden Organisation angegeben werden; andere Kennworte sind unzulässig. . . , , . Für ieden auf der Vorschlagsliste enthaltenen Kandidaten ist mit der Einreichung der Vorschlagsliste eine Erklärung vorzulegen, daB er bereit ist eine Wahl anzunehmen; ferner ist eine — gebührenfreie — Bescheinigung der Gemeindebehörde seines Wohnortes vorzulegen daß keine Gründe vorliegen, welche das aktive Wahlrecht zum deutschen Bundestag ausschließen, wenn der Wahlausschuß dies aus besonderen Gründen im Einzelfall für erforderlich hält. . . . .. . , , . , Die Vorschlagslisten der Gewerkschaften, der selbständigen Vereinigungen von Arbeitnehmern mit sozial- oder berufspo itisjjier Zwecksetzung und der Vereinigungen der Arbeitgeber müssen von den zur Vertretung berufenen Personen unterschrieben sein. Für die Unterschriften unter freie Vorschlagslisten gilt § 4 Abs. 1 Sätze 9 und 10 sowie S 4 Abs. 9 Satz 1 GSv. ... . , , . , In jeder Vorschlagsliste soll ein besonderer Vertreter der Vorschlagsliste (sowie dessen Steifvertreter) angeführt werden, der insbesondere zur Abaabe von Erklärungen gegenüber dem Wahlausschuß berechtigt ist (Listenvertreter). , , . .. . , . . . .... . Als Vertreter von Vorschlagslisten der Gewerkschaften, der selbständigen Vereinigungen von Arbeitnehmern mit sozial-od. berufspolitiseher Zwecksetzuna und der Vereinigungen der Arbeitgeber qf 1t jeder Unterzeichner der Liste. Scheiden solche Vertreter aus Ihrer Organisation aus, so können die Organisationen andere Vertreter benennen. Sind im Falle freier Vorschlagslisten keine Listenvertreter benannt, so gilt der erst» Unterzeichner alsl llstenvertreter. die übrigen Unterzeichner gelten in der Reihenfo ge der Liste als Stellvertreter. t Erklärt bei einer freien Vorschlagsliste mehr als die HäHte der Unterzeichner schriftlich In der für die Einreichung der Vorschlagsliste vorgoschriebenen Form, daß der llstenvertreter oder sein Stellvertreter durch einen anderen ersetzt werden soll so tritt dieser mit Zugang der Erklärung beim Wahlausschuß an die Stelle des bisherigen listen Vertreters oder eines Stellvertreters. Nach Zulassung der Liste Ist keine A,n D*; 0 rr s tinvt*hett , rTs\ Ur bts d wr Ll EMsS^dung t dll* Wahlaussdiusses Uber die Zulassung von Vorschlagslisten berechtigt und' verpfllditet Bean- standunoen zu beseitigen: er kann für Wahlkandidaten, deren Vorschläge den Erfordernissen des Gesetzes und der Wahlordnung nicht genü- gen, auch andere Kandidaten benennen. VI. Wahl ohne Abstimmung Wird aut einer Wählergruppe der Versicherten und Arbeitgeber jeweils nur eine gültige Vorschlagsliste eingereicht oder beibt nur eine gültige Liste bestehen so findet keine Wahl statt. Das gleiche gilt, wenn alle gültigen Listen rechtzeitig zusammengelegt werden, wenn mehrere Vorschlagslisten zusammen -nur die vorgeschriebene Zeit von Vertretern oder weniger enthalten (fehlende Vertreter beruh die Aufsichtsbehörde aus der Zahl der Wählbaren, sie wird hierbei eingereichte Vorschlagslisten zugrunde legen), wenn Vorschlagslisten überhaupt nicht oder nicht rechtzeitig eingereicht.oder nicht zugelassen werden. » , ..... Die in einer Vorschlagsliste Vcugetehlagenen gelten in der Reihenfolge, in der sie auf der Liste enthalten sind, als gewählt. Findet eine Wahl nicht statt, so wird der Wahlausschuß dies dem Listenvertreter rechtzeitig mitteilen und vor dem Wahltage öffentlich bekannt machen, daß kaine Wahl stattfindat. Bruchsal, den 27. Oktober 1952 . , . , Allgemeine Oriskrankenkasse Bruchsal Der Wahlausschuß Vorsitzender: Arbeifgebervertreter: Arbeifnehmervertreter: Hug Kremer Zeh An naßkalten Tagen bieten unsere Schuhe Ihren Füßen Schutz und Wärme. Das. ist wichtig gegen Erkältungen. Also lieber gleich Ins Nord- West-Sehuhgeschäft. Bruchsal. Kaisarstrafea 17 Tafeläpfel, Tafelbirnen Winterobst, reiche Auswahl an Sorten, heute eingetroffen! Abgabe zum billigen Preise. Eugen Henninger & Sohn Bruchsal, Bannweideweg 6 Telefon 2051 Handwagen zweiräderig mit Federn zu verkaufen. Rheinstraße 22, UL Stock ll!lll!lllll!ll! Om,rftiensi a do-ganacn,/*® Familie Stefttcütj Fm g f ß 6eu>afuto sve aäJut «ste_ sic stopft «sie $tü W. u. E. Konrad Am Friedrichsplatz Telefon 2223 „Audi meine Multi will nichts anderes als Aktiv-Puder haben für mein» empfindliche Haut! Deshalb bin ich audi immer so vergnügt, und ich finde: alle Muttis sollten für die Kinderpflege nur Aktiv-Puder benutzenl" Wolf- gang Ley, Berlin-Neukölln, Elsenstr. 83. Bo wie die Eltern hier ihr Böhnchen sprechen lassen, so könnten Unzählige berichten, das sie dank Aktiv-Puder kein Wundsein mehr kennen! Aber auch gegen Hautschäden aller Art, Ausschlag und Pickel, Abschürfungen und Verbrennungen,gegen Körper- und Fußschweiß sollte dieser Universalpuder überall stets griffbereit sein! Aktiv-Puder, Streudosen ab 75 Pfd. in allen Apotheken und Drogerien. Denken Sie auch an Klosterfrau Melissengeist bei Beschwerden von Kopf, Herz, Magen, Nerven. GESÜNDER LEBEN • LÄNGER LEBENI Im Zeitalter der Maschinen und des Tempo« wird der menschliche Körper von ao vielen Krankheitserregern bedroht, daß der Einzelne für die Gesunderhaltung «eine« Körper« Rat und Hilfe in Anspruch nehmen muB. Rat und Milte gibt Ihnen »DIE I/OLKSGESllNDHEIT« Monatszeitschrift für alle naturgemäßen Heilverfahren Täglich geben Sie für eine Menge unnützer Dinge Geld aus, für Ihre Gesundheit, von der Ihr Wohl und das ihrer Familie abhäng], tun sie nichts. Werden Sie Abonnent der Zeitschrift „Die Volksgesundheit" und Sie werden bald angeregt durch die Lektüre der relchiilustrierfen Hefte Ihr Leben entsprechend einrichten, und naturgemäßer leben . { „Die Velk.gesundheit" will nicht nur eine Brücke der Verständigung zwischen biologisch-naturheilkundlichem Gedankengut und deasen Anhängern und Freunden sein, sondern erblickt •ine ihrer bedeutendsten Aufgaben darin, ihrem überaus breitgeschichteten Leserkreis die jeweiligen Fortschritte der biologischen Heilkunde nahezubringen. Ist Ihnen Ihre Gesundheit im Monat 1.- DM wert, «o werden j auch Sie Bezieher der „Velksgesundheit.'' Probehefte jederzeit kontenlatl VERLAß »DIE VOLKSGESLÜiDHEITa Hans Krusa Philippsburg/Baden mm » Bradtsaler Post« die aktuelle Ueimatxeltung An Allerheiligen Samtfag, 1. November ist unser Geschäft von 10 Uhr an durchgehend geöffnet. Kruse & Kurzenberger Herren- und Knabenbekleidung, Bruchaal Donnerstag, den 30. Oktober 1932 Harum ist die Butter so teuer Eine Stellungnahme des Bauernverbandes zum „Butterstreik“ in Karlsruhe Der Vorstand des Bauernverbandes Württemberg- Baden, der erstmals unter Vorsitz seines neuen Präsidenten, Minister a. D. Heinrich Stooß, tagte, nahm iih Hinblick auf den „Butterstreik“ in Karlsruhe auch zur Lage auf dem Milch- und Buttermarkt Stellung. Dabei wurden folgende Feststellungen getroffen: 1. Ein „Butterstreik“ ist nicht geeignet, die Lage auf dem Buttermarkt zu ändern. Nur eine höhere Milcherzeugung kann hier eine Aenderung, auch in preismäßiger Hinsicht, bewirken. 2. Die Preisentwicklung am Buttermarkt ist durch folgende Faktoren bedingt: Aufhebung des amtlichen Höchstpreises, Versagen der Einfuhr- und Vorratsstelle in der Zeit eines hohen Butterangebots, Steigerung der Nachfrage trotz Preisanstieg, Rückgang der Milcherzeugung infolge der Dürre und des Futtermangels, dadurch bedingte Verknappung des Angebots. 3. Da nur eine Erzeugungssteigerung die Knappheit samt ihren Folgen beseitigen kann, muß der Bauer für erzeugungssteigernde Maßnahmen einen Anreiz haben. Dieser kann nur in einem angemessenen Erzeugermilchpreis liegen. 4. Der heutige Erzeugermilchpreis deckt die erhöhten Gestehungskosten' nicht. Auch nach der Butterpreiserhöhung erhält der Erzeuger im Frischmilchgebiet, zu dem Nordwürttemberg und Nordbaden zählen, keinen Milchpreis, der den seit dem Vorjahre gestiegenen Erzeugungskosten entspricht. Dies hat seinen Grund darin,, daß das in der Trinkmilch enthaltene Milchfett durch den gebundenen Verbrauchermilchpreis eine zu geringe Bewertung erfährt. Die Mehrauszahlungen, der Molkereien bieten lediglich einen gewissen Ausgleich gegenüber dem rapiden Absturz der Erzeugermilchpreise im Frühjahr dieses Jahres. Einen Ausgleich für den Erzeugungsrückgang infolge des Futtermangels können sie nicht bewirken. 5. Mit dem seinerzeitigen Molkereihöchstpreis für Butter von 5,70 DM je kg wurde seitens der Bundesregierung im Einvernehmen mit den Gewerkschaften angestrebt, dem Erzeuger einen angemessenen Milch- auszahlungspreis für das ganze Jahr zu gewährleisten. Ein solcher Preis entsprach gegenüber der Vorkriegszeit einem Index von 181, während der Durchschnitt der gegenwärtigen landwirtschaftlichen Erzeugerpreise bei 202 und der industriellen Erzeugerpreise sogar bei 226 liegt. Da im Frühjahr und Sommer dieses Jahres der, Butterabgabepreis jedoch weit unter den Höchstpreis abgesunken ist, kann der Jahresdurchschnitt von 5,70 DM für 1952 nur erreicht werden, wenn im Zeichen des freien Marktes dem Preisabschlag ein ausreichender Preiszuschlag folgt. Zudierrnben-Kampagne drei Hodien später Relativ hoher Zuckergehalt — geringere Mengen Vor 150 Jahren hat Franz Achard in dem schlesischen Ort Cunern die erste Rübenzuckerfabrik gegründet. Damals wurden in der ersten Zuckerrüben- Kampagne sechzehn Tonnen Zucker produziert. Die heutigen Zahlen haben bei weitem die Millionengrenze überschritten, denn neben dreizehn Millionen Tonnen Rübenzucker werden in der Welt außerdem noch 21 Millionen Tonnen Rohrzucker erzeugt. Derzeit ist besonders in Südwestdeutschland die Zuckerrübenemte in vollem Gange. Dieses Jahr allerdings drei Wochen später als sonst. Durch die Trok- kenheit des Sommers hatte sich zunächst ein relativ hoher Zuckergehalt, aber eine geringere Menge er-, geben. Die September-Niederschläge haben den Rüben aber noch gut getan, so daß in den letzten Wodien auch quantitativ noch manches aufgeholt werden konnte. Bei einer Anbaüfläche von etwa 12 500 Hektar rechnet man in diesem Jahr in Baden-Württemberg mit einer Ernte von durchschnittlich 260 Doppelzentnern Zuckerrüben je Hektar. Der Zuckergehalt beträgt ründ 16 Prozent. Im Jahre 1951 wurden vergleichsweise 320 Doppelzentner je Hektar geerntet. __ In Baden-Württemberg werden die großen Mengen abgeernteter Zuckrrü'ben in den Zuckerfabriken Waghäusel (Kreis Bruchsal), Stuttgart-Bad Cannstadt, Heilbronn und Züttlingen (Kreis Heilbronn) verarbeitet. Ende Oktober wird sich auch die neue Zuckerfabrik in Ochsenfurt (Bayern), die modernste Fabrik im Bundesgebiet in die Verarbeitung einschalten. Außer diesen genannten Orten, die über Zuckerfabriken verfügen, gibt es in Süddeutschland noch vier weitere Zuckerfabriken. Nach den Notierungen der Kemptener Börse bis einschließlich September 1952 ergibt sich jedoch für Butter nur ein Durchschnittspreis von 5,56 DM. Dieser Preis liegt unter dem, was Bundesregierung und Gewerkschaften zur Auszahlung eines angemessenen Erzeugermilchpreises für notwendig halten. 6. Eine Angleichung des Erzeugermilchpreises an den Durchschnitt der übrigen landwirtschaftlichen Erzeugerpreise ist notwendig, da die Kosten für die sächlichen Betriebsmittel der Landwirtschaft sich seit dem Vorjahr von 183 auf 213 Prozent ihres Vorkriegsstandes erhöht haben. Die landwirtschaftlichen Lohnkosten sind in wenigen Monaten von 200 auf 225 Prozent gestiegen. Bleiben die Erzeugermilchpreise weiter hinter dieser Entwicklung zurück, so muß mit einem weiteren Rückgang der Milchproduktion mit entsprechenden Rückwirkungen auf die Preisbildung bei Butter gerechnet werden. 7. Zur Verbesserung des Erzeugermilchpreises und zur Steigerung der Milcherzeugung erwartet die Bauernschaft die erbetene und in Aussicht gestellte Hilfe zur Linderung der Dürreschäden und ihrer Folgen. ,Sie erwartet darüber hinaus, daß die Milchverarbeitungsbetriebe angesichts der heutigen Lage alles tun, um dem Erzeuger den höchstmöglichen Auszahlungspreis zu bieten. Aus diesem Grunde sollen vor allem größere Investitionen dieser Werke bis auf weiteres unterbleiben. Ferner ist die Aussetzung des sogenannten Ausgleichspfennigs zu erwägen, der von den Frischmilchgebieten zugunsten der Werkmilchgebiete geleistet wird. Diese Mittel sollten bis auf weiteres dem heute schlechter gestellten Erzeuger in den Frischmilchgebieten zugute kommen. 8. Abschließend wird darauf hingewiesen, daß die Buttermarktlage nicht nur in Deutschland, sondern; auch in allen übrigen Ländern fest ist. Die sogenannten „Ueberschußländer“, die vor Monaten noch Interesse an Butterausfuhren nach Deutschland hatten, fallen heute für solche Lieferungen fast völlig aus oder sind hierzu nur in kleinen Mengen, die keinen Marktemfluß haben, und zu stark überhöhten Preisen bereit. Immer wieder Iterkehrsiinfälle Aus -dem Wochenbericht des Landespolizeikommissariats Karlsruhe Ein junger Mann aus Mörsch, der infolge Volltrunkenheit nicht mehr in der Lage war, sein Fahrrad zu führen, wurde am 19. Oktober gegen 2.00 Ühr auf der Bundesstraße 36 (Gemarkung Mörsch) von einem aus Richtung Rastatt kommenden Lkw gestreift und auf die Straße geworfen. Beim Sturz auf die Straße erlitt er einen Schädelbruch, an dessen Folgen er auf dem Wege nach dem Städt. Krankenhaus Karlsruhe verstorben ist. Ohne auf den übrigen Straßenverkehr zu achten, versuchte beim Bahnhof Busenbach eine Frau hinter einem auf der Albtalstraße abgestellten Omnibus die Straße zu überqueren. Sie wurde von einem in Richtung Ettlingen fahrenden Kradfahrer angefahren und zu Boden geworfen.. Es entstand hierbei Personen- und Sachschaden. Ein unter Alkoholeinfluß stehender Rentner aus Neureut schob am 20. Oktober nach Eintritt der Dun- Die Bränle des schönen Sigismund Er war ein ansehnlicher Mann und nutzte das, weidlich ans: 17 Monate! Er heißt tatsächlich Sigismund und ist ein ansehnlicher Mann, genau wie sein prominenter Namensvetter aus dem „Weißen Rößl“. Von Beruf ist er, wenn man ihm glauben darf, Elektrotechniker, er pflegte sich aber Diplom-Verwaltungstechniker zu nennen. Den Titel hat er eigens für seine Zwecke erfunden. Selbstverständlich gab er sich auch als ehemaliger Offizier aus und viel Gewicht legte er auf die Bezeichnung Spätbeimkehrer, obwohl er bereits 1945 entlassen wurde. In seiner Vorstrafenliste stehen dicke Sachen, Betrügereien und ein Fall von Doppelehe. Wegen einer Serie von Betrügereien mit kleinen Beigaben stand er auch jetzt wieder vor Gericht. Als Werber für einen Buchverlag fälschte er der Einfachheit halber gleich die Bestellscheine, als Liebes- werber schröpfte er schamlos drei Bräute. Sigismund hat eine Schwäche für Küchenpersonal. In Heidelberg machte er die Bekanntschaft mit einer Hausangestellten. Weil sie ihm aber nur Liebe schenken wollte und kein Geld, ließ er bald von ihr ab. Die zweite war auch eine Hausangestellte. Bei ihr saßen die Batzen etwas lockerer. Sie zahlte ihm die Reise für einen Schulungskursus im Schwäbischen — er machte eine Art Europarat aus diesem harmlosen Lehrgang — und schickte ihm auch noch etwas nach, als er telegrafisch darum bat. Dort lernte er wieder eine Hausangestellte kennen, die ihn mit Geld für die Heimreise ausstattete. Und auf der Rückfahrt machte er die Bekanntschaft einer Krankenschwester, mit der er sich nach einiger Zeit verlobte. Dessen ungeachtet schrieb er der schwäbischen Braut noch die schwülstigsten Liebesbriefe mit ungezählten Heiratsversprechen. Sämtlichen Bräuten gegenüber trat er so auf, als ob das Glück bereits vor der Türe stehe. Da besaß er bereits die Zusage eines Bombenpostens, dort erwartete er klotzig Geld für einen Roman, anderswo harrte seiner eine fünfstellige Ueberbrückungssumme. Eine bessere Partie hätten die Bräute gar nicht machen können! Sigismund verkohlte die Mädchen, von denen keines das Zeug zu einer Schönheitskönigin besaß, mit Windstärke 11. Die schwäbische Braut hatte Briefe von ihm mitgebracht, die das Gericht noch nicht kannte. Ein fürchterlicher Schmus, eine ununterbrochene Kette von verunglückten Tiraden — und kein Brief ohne Pumpversuch. Die Korrespondenz mit ihm kostete der schwäbischen Braut 1553 DM und 22 Pfg. Wie man sieht, wußte sie die Summe bis auf den Pfennig anzugeben. Die schwäbische Gewissenhaftigkeit! Das Schöffengericht verurteilte den schönen Sigismund, der alles zu bagatellisieren versuchte, zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und fünf Monaten. Eis waren noch ein paar Kleinigkeiten dabei, die wir des Erwähnens nicht für wert hielten. Sigismund nahm die Strafe an. Wenn er wieder frei ist, will er den ganzen Schaden gutmachen. Das sagen so ziemlich alle Betrüger. 20 Tage Gefängnis Wegen Verletzung der Unterhaltspflicht )er geschiedene Arbeiter St. glaubte, mit der Schei- ig seien alle, auch die finanziellen Brücken zur m und seinen beiden minderjährigen Kindern ab- irochen. Ueber ein Jahr lang trug er deshalb nichts n Unterhalt seiner Kinder bei, obwohl er vom sialamt wiederholt hierzu aufgefordert wurde; ja ging sogar soweit, seine Arbeitsstelle aufzugeben, ihm Vollstreckungsmaßnahmen drohten, nur am • die Kinder nichts zahlen zu müssen. Neue Arbeit bd er in einer Zigarrenfabrik, ließ sich aber nur i Taschengeld auszahlen und hatte dafür freie Kost d Wohnung. Als ihm aber übers Jahr die Chefin i Kind gebar, schüttelte er auch hier den Staub von den Füßen und nahm in Württemberg eine andere Arbeit auf. Es ist schwer, in einem solchen Fall ein Urteil zu sprechen, das dem Täter, aber auch den Geschädigten gerecht wird. Klar ist, daß St. seine Unterhaltspflicht verletzt und sich damit strafbar gemacht hat. Klar ist aber auch, daß die Kinder genau so davon betroffen werden wie der Verurteilte, wenn der Richter eine Geldstrafe verhängt. Wird, was eigentlich angebracht wäre, eine empfindliche Freiheitsstrafe ausgesprochen, dann verliert der Täter seine Arbeitsstelle und die Unterhaltsberechtigten erhalten wieder nichts. Das Gericht verurteilte St. zu einer Gefängnisstrafe von 20 Tagen. Sie wird ihm nicht seinen Arbeitsplatz kosten, gibt ihm aber doch eine deutliche Warnung für die Zukunft. m. kelheit sein unbeleuchtetes Kleinkrad auf der Lin- .kenheimer Landstraße in Richtung Eggenstein. Da keine Sicherung (Rückleuchte) nach hinten vorhanden war, wurde er von einem nachfolgenden Kradfahrer angefahren. Beide kamen zu Fall • und mußten mit einer leichten Gehirnerschütterung in das Städtische Krankenhaus eingeliefert werden. Am 17. Oktober gegen 6 Uhr, fuhr auf der Hauptstraße in Neureut ein Kradfahrer auf einen in gleicher Richtung vor ihm fahrenden Radfahrer auf. Beide kamen zu Fall; während der Radfahrer nur leichtere Verletzungen davontrug, mußte der Kradfahrer mit einem Nasenbein- und Mittelfußknochenbruch dem Krankenhaus zugeführt werden. Der Kradfahrer soll von einem entgegenkommenden Pkw der Besatzungsmacht geblendet worden sein. Eine aus Richtung Malsch kommende Radfahrerin wollte bei Neumalsch im gleichen Augenblick die Bundesstraße 3 überqueren, als ein aus Richtung Ettlingen kommender Pkw die Kreuzung passierte. Die Radfahrerin wurde im letzten Augenblich voin fkw angefahren und derart verletzt, daß.die Einlieferung in das Krankenhaus erforderlich wurde. Auf der Landstraße 562, zwischen Langensteinbach und Auerbach, lief ein Fußgänger in vollkommen betrunkenem Zustande in die Fahrbahn eines Kradfahrers. Kradfahrer und Fußgänger kamen zu Fall, während der Kradfahrer schwer verletzt wurde, trug der Fußgänger nur leichtere Verletzungen davon. Aus bisher unbekannter Ursache stürzte auf der Straße zwischen Langensteinbach und Palmbach ein junger Mann von seinem Krad, wo er bewußtlos auf der Straße aufgefunden wurde. Seine Ueberführung nach dem Krankenhaus wurde veranlaßt. — Die Unfallursache wird noch geklärt. Beim Einbiegen von der Wilhelmstraße nach rechts auf die Bundesstraße 36 in Qraben wurde ein Pferdefuhrwerk von einem entgegenkommenden Fahrzeug der Besatzungsmacht gestreift. Es entstand Sachschaden, Personen wurden nicht verletzt. Dr. Wendel verabschiedet sich von Speyer Letztes Pontifikalamt des Bischofs im Kaiserdom Zum Christ-König-Fest zelebrierte der designierte Erzbischof von München-Freising, Dr. Josef Wendel, im Kaiserdom zu Speyer am Sonntag sein letztes Pontifikalamt vor der Uebersiedlung in seinen neuen Wirkungsbereich. Der Erzbischof, der an diesem Tage zugleich sein sübernes Priesterjubiläum feierte, verabschiedete sich damit von seinen Diözesanen, die zu Tausenden aus der Pfalz, dem Saarland und den angrenzenden Landesteilen gekommen waren. In einer Festpredigt erinnerte Domprobst Karl Hofen-Speyer, an die Verdienste, die sich Dr. Wendel vor allem in den Nachkriegsjahren auf caritativem Gebiefc erworben habe. An dem feierlichen Amt nahmen der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Peter Altmeier, Kultusminister Dr. Albert Finck, Weihbischof Schar- nagl-München, und der Kapitularvikar der Erzdiözese München, Buchwieser, teil. Anschließend ‘fand im bischöflichen Palais ein Empfang statt, bei dem der Klerus und die Vertreter der Regierung Erzbischof Dr. Wendel ihre Glückwünsche überbrachten. Erzbischof Dr. Wendel betonte in seiner Abschiedspredigt an die Katholiken der Pfalz, in der Gegenwart würden starke, charaktervolle und gläubige Menschen gebraucht, um dem seelengefährdeten Materialismus Widerstand zu leisten. Der Erzbischof sprach dem Domkapitel, dem pfälzischen Klerus und den Männern und Frauen aller Berufsstände seinen Dank für ihre Mitarbeit in den vergangenen schweren Jahren aus. Aus Anlaß seines 25jährigen Priesterjubiläums wurde Erzbischof Wendel am Sonntag von Ministerpräsident Peter Altmeier das große Verdienstkreuz der Bundesrepublik mit Stern und Sdrnl- terband überreicht. 82 Jahre alt Obergrombach. Ihren 82. Geburtstag feiert am morgigen Freitag Frau Anna Maria Eppele, geb. Groß, Witwe des Altratschreibers Johann Eppele, Hauptstraße 14. Herzlichen Glückwunsch. Die Donnerstag-Fremdenmiete II des Staatstheaters Karlsruhe zeigt am heutigen Donnerstag im Schauspielhaus Lessings Lustspiel „Minna von Barnhelm“. Abfahrt pünktlich 19 Uhr bei der Kirche. Johanna Matz und Jon Hendriks als Wachtmeisterstochter Kläre Volkhardt und Leutnant Christian von LaufFen. Ein Paar, das gegen Intrigen und Vorurteile der Gesellschaft zusammensteht. Eine Szene aus dem Como-Royol-Film „Der Große Zapfenstreich". * Foto; Como-Royal/AHianz Film (9) Jj „Und wenn das Fräulein oben zehnmal ihre Tochter ist— das ganze Riesenrad ist für heute vermietet!” (Leihberg in der „Frankfurter Jllustriem“ Heft 4t) Goldene Hochzeit Münzesheim. Am Dienstag, 28. Okt., feierten die Eheleute Heinrich Wäckerle, Postschaffner a. D. und Frau Katharina, geb. Gabelmann, das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Während der 75jährige Ehemann noch sehr rüstig seiner ländlichen Arbeit nachgehen kann, ist die 73jährige Ehefrau schon seit einigen Jahren leidend.vWir entbieten dem Jubelpaar die besten Wünsche für ihren weiteren Lebensweg. Ihren 72. Geburtstag feierte am 20. Okt. Frau Elisabeth Mannherz und am 21. Okt. Landwirt Friedrich Wilsser seinen 78. Beiden Jubilaren noch nachträglich die besten Glückwünsche! h. Missionar berichtet über Brasilien Heidelsheim. Am Dienstag abend fand im Pfarheim St. Martin ein Vortrag eines Missionars über Brasilien statt. An Hand von Lichtbildern und Schmalfilmen zeigte er die großen Bezirke, die die katholische Mission umfaßt. Der Missionar erklärte, daß sie in Brasilien noch viele Priester brauchen könnten, da jeder große Gebiete zu betreuen habe. Dazu kommen häufig noch die Gefahren des Urwaldes und die Fieberherde in manchen Gebieten. Zum Schluß zeigte er noch zwei Filme über die Hauptstadt des Landes und über die Industriestadt Sao Paulo. Nach der Kerwe Maul- und Klauenseuche Gondelsheim. Die Kerwe brachte Leben ins Dorf, und die Gastwirtschaften und Tanzlokale erfreuten sich eines guten Besuches. Auch am Montag herrschte noch gute Stimmung. Leider brachte der Dienstag eine wenig angenehme Nachricht, als bekannt wurde, daß die Maul- und Klauenseuche wieder .ausgebrochen ist. Diesmal wurde sie in zwei Schweineställen festgestellt. Die erkrankten Tiere wurden abgeschlachtet und abtransportiert. Für alle Schweine- und Rindviehbestände wurde die Schutzimpfung angeordnet. Da auch alle sonstigen Sicherungsmöglichkeiten getroffen wurden, hofft man, der Seuche bald Herr zu werden. Silberne Hochzeit Hambrücken. Am Mittwoch feierten die Eheleute Otto Gockel, Landwirt und Frau Magdalena, geb. Schwein, Kirchstr., 23 ihr silbernes Ehejubiläum. Unsere besten Glückwünsche! Heute, Donnerstagj vollenden Landwirt Bernhard Müller, Hauptstr. 9, sein 77., Frl. .Ida Stark, Weiherer Straße 26, ihr 73. und Werkmeister a. D. Albert Kretz- ler, Obere Brühlstr. 6, sein 71. Lebensjahr. Am Freitag werden Landwirt' Engelbert Köhler, Brühlerstr. 15, 71 Jahre und Frau Magdalena Grub, geb Soder, Hauptstr. 176, 70 Jahre alt. Allen Jubilaren die besten Glückwünsche! ^