/r f *ch 9 blbh lOtk. SC1DWESTDEUTSCHE ^olFwifuitö für christliche Politik und kultur Nr. 7/2. Jahrgang Freiburg i. Br., Mitfwoch, 22. Januar 1947 Koalitionsregierung in Paris Sozialist Paul Ramadier bildet Regierung aus vier Parteien Paris- Der ehemalige Justizminister Paul Ramadier (SFIO) ist vom Staatspräsidenten mit der Neubildung der französischen Regierung beauftragt worden Ramadier hat eine Koalitionsregierung, der in erster Linie Sozialisten und Radikale angehören, gebildet. Sie unterscheidet sich wesentlich von der vorhergehenden Regierung Leon Blums. Die Ministerliste ist offiziell noch nicht veröffentlicht worden, Ramadier und sein Kabinett werden sich am Dienstagnachmittag der Nationalversammlung zur Bestätigung vorstellen. Das neue Kabinett wird sich voraussichtlich aus sieben Sozialisten, fünf Vertretern der Vereinigten Linksparteien, vier MRP und vier Kommunisten zusammensetzen. Die beiden stärksten Fraktionen des Parlaments sind demnach zahlenmäßig schwach vertreten und in der Minderheit. In der MRP ist man über die Zusammensetzung der Regierung überrascht, um so mehr, als man ihr die Besetzung des Postens des Ministerpräsidenten zunichte machte. Als Ramadier das Außenministerium Bidault (MRP) angeboten hatte, gab es eine lange Diskussion über die Außenpolitik. Die Mitglieder der MRP erhoben außerdem Einwäjide gegen die Übertragung des Ministeriums für Landesverteidigung an einen Kommunisten. Sie forderten zum Ausgleich das Unterrichtsministerium. Montagvormittag wurde in den Wandelgängen des Palais Bourbon, jedoch unter Vorbehalt, folgende Zusammensetzung der Regierung Ramadier als wahrscheinlich bezeichnet: Ministerpräsident Paul Ramadier (Sozialist); Staatsminister ohne Geschäftsbereich Läon Blum (Sozialist), Maurice Thorez (Kommunist) und Yvon Delbos (Zusammenschluß der Linksparteien); Koordinierung der Landesverteidigung Laurent Casanova (Kommunist); Äußeres Geoiges Bidault (Volksrepublikaner); Kolonien Marius Moutet (Sozialist); Inneres Edouard Deppreux (Sozialist); Justiz Henri Teitgen (Volksrepublikaner): Wirtschaft Andre Philippe (Sozialist); Finanzen Robert Schumann (Volksrepublika 1 er); Produktion Robert Lacoste (Sozialist;, Post Eugene Thomas (Sozialist); Krieg Edmond Michelet (Volksrepublikaner); Luftfahrt Marcel Roclore (unabhängig); Marine Andre Maroselli (Zusammenschluß der Linksparteien); öffentliche Arbeiten Jules Moch (Sozialist); Gesundheit Francois Billoux (Kommunist); Landwirtschaft Henri Queullie (Radikal); Arbeit Ambroise Croizat (Kommunist); Erziehung Marcel Naegelen (Sozialist). Ramadier erklärte gegenüber Pressevertretern: „Ich habe den Eindrude gewonnen, daß alle Parteien gegen eine Verlängerung der Krise eingestellt sind, und daß sie diese möglichst schnell überwunden sehen möchten. Die neue Regierung muß die Politik fortsetzen, die von der vorhergehenden Regierung eingeschlagen worden ist. Denn es ist wesentlich, nicht den Elan zu brechen, den Ministerpräsident Leon Blum vor einem Monat dem politischen Leben Frankreichs verliehen hat.“ Paul Ramadier ist am 17. Mai 1888 in La Roche geboren. Als Mitglied der Sozialistischen Partei kandidierte er als Abgeordneter in einem Wahlkreis von 1932 bis 1936. Er hatte im letzten Kabinett Blum das Portefeuille des Justizministers und Siegelbewahrers inne. 1936 war Ramadier zum ersten Mal als Ministerialbeamter tätig. Die kleinen Sfaafen werden gehört Für jede Nation eine Nachmittagssitzung London Von Beginn dieser Woche an werden die Vertreter der eingeladenen Regierungen über Fragen gehört, die im Zusammenhang mit dem Friedensvertrag mit Deutschland stehen. Jeder der sechs Nationen, die bereits beantragt haben, von den Sonderbeauftragten gehört zu werden wird ein Nachmittag zur Verfügung gestellt. Die sechs Nationen sind folgende: Polen, Niederlande, Jugoslawien, Australien, Südafrika und Kanada. Weltjudentum fordert symbolische Reparationen New York. Das Weltjudentum wird, wie der Leiter der britischen Juden, Doktor Maurice L. Perlzweig auf einer Pressekonferenz erklärte, bei der Festsetzung eines Friedensvertrages von Deutschland symbolische Reparationen verlangen. Diese Forderung werde dem Außenministerrat unterbreitet werden. In dem Friedens vertrag müsse ferner in gewisser Form die Schuld Deutschlands anerkannt werden, die es bei dem Versuch auf sich geladen habe, die Juden Europas zu vernichten. Diese symbolische Zahlung werde, so fügte Dr. Perlzweig hinzu, kein Ersatz für die scheußlichen Schandtaten sein, welche den Juden zugefügt wurden, aber es sei als Akt der GertchLgkei. wichtig, daß sie geleistet würden. Oesterreich eingeladen London Auf der Londoner Konferenz beschlossen die Stellvertreter der Außenminister, die österreichische Regierung aufzufordem, ihre Ansichten in Form eines Memorandums vorzutragen und selbst zur Konferenz zu erscheinen. Im weiteren Verlauf der Konferenz erklärte der britische Vertreter, daß der britische Entwurf zum Staatsvertrag mit Österreich abgeändert werden müsse. Auch der amerikanische Entwurf wurde aus demselben Grunde zurückgezogen. Der sowjetische Vertreter erklärte, daß er die Ansicht seiner Regierung im Laufe der Diskussionen bekanntgeben werde. Über die Frage, welche Mächte sich an dem Vertrag mit Österreich beteiligen sollen, konnte keine Einigung erzielt werden. De Gasperi zurückgefreten Rom. Wie wir vor Redaktionsschluß erfahren, ist der italienische Ministerpräsident De Gasperi zurückgetreten. Die seit der Spaltung der Sozialistischen Partei bestehende Regierungskrise ist in eine neue Phase getreten. Außenminister Pietro Nenni, der Führer der Sozialisten, hat sein Amt niedergelegt Man darf darin die logische Folge der Tatsache sehen, daß infolge der Spaltung die Sozialisten vom zweiten auf den dritten Platz gerückt sind. Viermächfekommission überprüft Berlin. Die ersten Viermächte-Untersuchungs - kommissionen zur Überprüfung der deutschen Abrüstung bereisen die vier Besatzungszonen Deutschlands. Im Laufe dieses Jahres werden weitere Kommissionen überprüfen, auf welche Art die vier Besatzungsmächte die durch das Potsdamer Abkommen bestimmte Zerstörung des deutschen Kriegspotentials durchführen. Die Untersuchungskommissionen setzen sich aus Fachleuten der vier alliierten Mächte zusammen. Jede Kommission wird neun Werke in jeder Zone, insgesamt also 36 Werke besichtigen Annähernd 900 Rüstungswerke sollen von den Untersuchungskommissionen überprüft werden, wobei achtzig Prozent der „Kategorie 1“ nur für Kriegszwecke errichtete Werke, wie beispielsweise unterirdische Flugzeug- und U- Boot-Fabriker, angehören. Zu dieser Kategorie zählen in der britischen Zone 276 von insgesamt 340 zur Überprüfung vorgesehenen Werke, in der Sowjetzone 329 von 363, in der amerikanischen Zone 94 von 121 und in der französischen Zone 59 von 68 Werken. Wie lange noch?“ Polnische Wahlen mit Zwischenfällen Mikolajczyk verlangt die Ungültigkeitserklärung der Wahlen Warschau. Die polnischen Wähler haben am Sonntag in geheimer, direkter Verhältniswahl das neue Parlament gewählt. Das Parlament, das „SEJM" genannt wird, muß, bevor es die neue Verfassung ausarbeitet, den Präsidenten der Republik wählen und eine Regierung ernennen, die die derzeitige Regierung ablösen wird. Der SEJM wird aus einer einzigen Kammer mit 444 Mitgliedern bestehen. Unter 1075 Kandidaten, die in 166 Wahllisten zusammengefaßt sind, werden sich die Wähler zu entscheiden haben. Etwa 12 Millionen Wähler sind eingetragen. Die Wahlbeteiligung ist stark angewachsen und übersteigt in den Westgebieten 90 Prozent In den von der polnischen Bauernpartei boykottierten Bezirken ist sie etwas geringer. Sie erreicht in Lodz, der größten Stadt Polens, und in Chrzanow (Bezirk Krakau) 70 Prozent Ohne das Ergebnis der Wahlen, das in spätestens zwölf Tagen amtlich bekannt gegeben wird, abzuwarten, kündigte der Vorsitzende der polnischen Bauernpartei und Oppositionsführer, Stanislaus Mikolajczyk, schon an, daß er beim höchsten polnischen Gericht die Ungültigkeitserklärung der Wahlen verlangen werde. Der Vorsitzende der Bauernpartei wird dem höchsten Gericht innerhalb von sieben Tagen nach Bekanntgabe der Resultate 52 Klagen wegen Verstöße gegen die polnischen .Gesetze im allgemeinen und das Wahlgesetz im besonderen einreichen „Und trotzdem bleibe ich, wenn die Stimmen ordnungsgemäß ausgezählt werden“, so fügte Mikolajczyk hinzu, „davon überzeugt, daß meine Partei den Sieg davontragen wird, ungeachtet der Einschüchterungsversuche, die gegenüber den Wählern gemacht worden sind“. Besonders in den östlichen Gebieten Polens haben sich zahlreiche Zwischenfälle ereignet. Ende der letzten Woche waren bereits in dem nahe der ukrainischen Grenze gelegenen Ort Albinos sieben Soldaten von einer Terroristenbande getötet und drei verwundet worden. Am Sonntag wurden zwei Mitglieder der Arbeiterpartei in Leko von einer ukrainischen Bande ermordet, während der Vorsitzende der Wahlkommission von Radonsko (Niederschlesien) verletzt wurde. Aus Warschau selbst wird kein Zwischenfall gemeldet. Ein- und Ausfuhr der Sowjefzone Das Interzonenabkommen mit der britischen Regierung erneuert Berlin. Im Dezember kamen die britischen und sowjetischen Besatzungsbehörden überein, das Interzonenabkommen vom September zu erneuern. Auf Grund dieses Übereinkommens sollten aus der britischen in die Sowjetzone vom 1. Januar 1947 bis einschließlich 31. März 1947 folgende Waren geliefert werden: Eisen und Stahl insgesamt 75 000 Tonnen, bei einer monatlichen Rate von 25 000 Tonnen, sowie zehntausend Sätze Reifen und Schläuche für Personen- und Lastkraftwagen. Aus der Sowjetzone sollen in der Zeit vom 1. Januar 1947 bis e einschließlich 31. März 1947 in die britische Zone geliefert werden: insgesamt 32 000 Tonnen Weizen und Roggen in monatlichen Raten von je 10 700 Tonnen, 8000 Tonnen Hafer (je 2700 Tonnen monatlich), 100 000 Tonnen Braunkohlenbriketts in Raten von je 50 000 Tonnen im Januar und im Februar. Insgesamt 150 000 Tonnen Festmeter Grubenstützen in monatlichen Raten von 50 000 Festmetem, Brennholz, dessen Gesamtmenge im Protokoll vom 2. Oktober 1946 festgelegt wurde, 1500 Tonnen aufbereitete Zellulose in monatlichen Rajen von 500 Tonnen, 500 Tonnen Zeitungspapier, die im Januar zu liefern sind, 80 Tonnen Leinwand für Automobilreifen in monatlichen Raten von 27 Tonnen. Nach dem Zustandekommen eines deutschen Vertrages wird dieser anstelle des Abkommens zwischen den einzelnen Militärregierungen treten. Die monatlichen Lieferungen der Sowjetzone an die US-Zone umfaßten unter anderem. 250 Tonnen Buna. 250 Tonnen Kohlenstoff, 25 000 Quadratmeter Film, 200 Röntgenröhren, Motorersatzteile im Werte von 50 000 Mark. Vertreter des WGB in Deutschland Berlin. Der Generalsekretär des WGB, Louis Saillant, ist in Berlin eingetroffen. Von dort wird er nach Moskau weiterfahren. Eine Delegation des Weltgewerkschaftsbundes hat am 17. Januar in Baden-Baden eine Informationsreise durch Deutschland angetreten. Den Vorsitz führt der Generalsekretär des französischen allgemeinen Gewerkschaftsbundes und Vizepräsident des WGB. Leon Jouhaux. Weiter gehören der Delegation an: Der Generalsekretär des WGB, Louis Saillant, Carthey von der britischen Trade Union (TUS), Falin (UdSSR), Erban (Tschechoslowakei). Die Delegierten besuchen Deutschland genau zwölf Monate nach ihrer ersten Untersuchungsreise, um festzustellen, welche Fortschritte in der Zwischenzeit von den deutschen Gewerkschaften erreicht worden sind. Es darf erwartet werden, daß bei dieser Gelegenheit ein Plan hinsichtlich der eventuellen Aufnahme der deutschen Gewerkschaften in den WGB geprüft werden wird. Auf ihrer Deutschlandreise berührten die Delegierten am Montag auch Freiburg i. Br. Im Gewerkschaftshaus, wo sich die Vorsitzenden der bis jetzt genehmigten Ortsausschüsse und Landesvereinigungen der Gewerkschaften Südbadens versammelt hatten, wurden die ausländischen Gäste vom Vorsitzenden des Ortsausschusses der Freiburger Gewerkschaften, Peter Kappes, begrüßt. In einer mehrstündigen Aussprache hatten die deutschen Gewerkschaftsvertreter Gelegenheit, ihre Anliegen und Wünsche vorzutragen, die sich nicht nur auf Fragen des gewerkschaftlichen Aufbaues in Deutschland bezogen, sondern auch die brennendsten Tagesfra- gen berührten. Christlich-soziale Konferenz in der Schweiz Sankt Gallen. Eine schvc eizerische christlich- soziale Konferenz wurde in St. Gallen eröffnet. An der Konferenz nehmen unter anderem Vertreter Frankreichs, Belgiens, Hollands, Deutschlands, Italiens, Ungarns, Polens. Österreichs und Luxemburgs teil. _ Wir stehen mitten im Aufbau eines demokratischen Staatswesens, so lesen wir alle Tage in den Zeitungen und hören es am Rundfunk. Auch unsere politischen Parteien- wiederholen es bei jeder sich bietenden Gelegenhit, wobei offen bleiben mag, was sie im einzelnen unter Demokratie verstehen. Nimmt man die Tagespresse vor, so bleibt mindestens zweifelhaft, ob die in Offenburg erscheinende kommunistische Zeitung für die französische Südzone „Der Neue Tag“ die richtige Ausdeutung der demokratischen Idee gefunden hat. Ihre überlaute, Tonart erinnert peinlich an gewisse Presseerzeugnisse der Zeit von Hitler; mancher um das Volkswohl ehrlich besorgte Staatsbürger denkt noch mit Grauen’ an diese oder jene Journale der Nazizeit, die die unheilige Idee des Nazismus in die Scheidemünze des täglichen Lebens umprägten. Dieser sich immer mehr steigernden Tonart entspricht auch der Inhalt dieses Blattes, das fast jede Ausgabe mit Polemiken, Skandalberichten und Diffamierungen seiner politischen Richtung mißliebig oder vielleicht gefährlich erscheinenden Persönlichkeiten oder Personengruppen für Sensationslüsterne pikant zu würzen weiß. Glücklicherweise ist das Volk in unserem Lande doch kritisch genug, um zu erkennen, was es mit diesem Getue auf sich hat. Noch erinnert man sich der Grundsätze vergangener Propagandamethoden und des berüchtigten Satzes in Hitlers klassischem Werk von der granitenen Dummheit des deutschen Volkes, daß man selbst das Absurdeste glauben machen könne, wenn man es ihm nur dauernd einhämmere. Den erregenden Stoff fand diese Zeitung zunächst in der politischen Säuberung, ein Aufgabenkreis, dem jeder, gleich welcher Parteirichtung, die erste Rangstufe einräumen wird. Solange die KPD in Südbaden für sie verantwortlich zeichnete, vernahm man in- und außerhalb dieses Parteiblattes kaum ein Wort der Kritik über die Haltung der anderen Parteien, dafür weitherziges Verständnis für gewisse Betroffene, das sich in Formen äußerte, die, würde man gezwungen werden, sie der Öffentlichkeit preiszugeben, geeignet wären, die Säuberungs-Orthodoxie dieser Parteirichtung doch in einem recht seltsamen Lichte erscheinen zu lassen. Nun aber zeichnet für die politische Säuberung verantwortlich ein Vertreter der CSV und jetzt ist alles, was sich der politischen Säuberung, wie die KPD sie wirklich auf faßt, entgegenstellt, vogelfrei. Die CSV ist jetzt für die bisherigen Fehlsprüche verantwortlich, die insbesondere die vorwiegend mit Männern der Linksparteien besetzten Reinigungsausschüsse der Wirtschaft gefällt haben. Sie hat die von den den örtlichen Ermittlungsausschüssen abweichenden Entscheidungen der Landesreinigungsausschüsse zu vertreten, in denen sie in der Regel über eine.einzige Stimme verfügt, wobei nicht vergessen werden darf, daß die Entscheidungen der Landesreinigungskommissionen nicht selten über die Vorschläge der örtlichen Ausschüsse an Schärfe weit hinausgingen. Und endlich haftet die CSV auch für den Artikel eines ihrer Mitglieder, der jüngst in der „Bad. Zeitung“ erschienen ist, in dem mit bewegten Worten nach einer gesetzlichen Reform des Säuberungswesens gerufen wurde, einer Reform, die es ermöglichen sollte, jeden Säuberungspflichtigen „ohne Rücksicht auf seine neuerlichen parteimäßigen Bindungen“ seinem Säuberungsrichter zur strengen aber gerechten Beurteilung zuzuführen. Gerade dieser Artikel sei Sabotage an der Säuberung gewesen und sei für allen Mißerfolg verantwortlich. Jeder, der die Zusammenhänge kennt, sieht in dieser Kampfesweise eine krampfhafte Übersteigerung politischen Geltungsbewußtseins, oder gar den Versuch der Abreagierung eines Komplexes. Will man damit die kommenden Wahlen empfehlend vorbereiten? Ein Versuch mit untauglichen Mitteln! Ein ergiebiges Thema für die journalistische Auswertung fand „Der Neue Tag“ im T i 11 e s- senprozeß, um so mehr, als sich dabei auch noch die Gelegenheit ergab, über die Justiz herzufallen. Ohne Zweifel ein Fehlurteil, das auch politisch aufs tiefste zu bedauern ist. Aber das kam, verfolgt man die Polemik dieses Blattes aufmerksam, erst in zweiter Linie. Hauptsache blieb, die Justiz zu brandmarken und in ihren Vertretern herabzusetzen. Wir möchten dabei gar nicht auf die mißglückte Neujahrs- nummei abheben, die die Fasnacht vorwegnahm. Nein, wir erinnern vielmehr an den letzten Verhandlungsbericht, in dem der Berichterstatter dem Gerichtsvorsitzenden Kränze flocht und mit andern seiner Gesinnungsgenossen noch im Gerichtssaal unter dem Eindruck des. Plädoyers des Verteidigers keinen Hehl machte aus seiner Auffassung, die vom schließ- lichen Urteil verteufelt wenig abwich. Aber schon in der nächsten Ausgabe des Blattes war aus dem Saulus ein Paulus geworden. Auch ein Komplex, der abzureagieren war? Seither hat die Justiz die zweifelhafte Ehre, die leeren Spalten jeder Nummer dieser Zeitung zu füllen. Unzureichende Säuberung wird ihr vorgeworfen — auch noch in der kommunistischen Erklä- Seite 2 Mittwoch, 22. Jan nur 1947 / Nr. 7 Sfld west den tsehe Volkszeltung Die neue badische Gemeindeordnung Entwurf von der Beratenden Landes Versammlung angenommen rang in der Landesversammlung —, obwohl keine andere Verwaltung eine so hohe Säuberungsquote aulweist. Verschwiegen wird, daß in der maßgebenden Säuberungskommission auch einer der prominentesten Vertreter der KPD saß, dem sicherlich nicht unbekannt war, daß, wie wir hören, sämtlich« KomiBi*siönsb##ehlü##c einstimmig gefaßt wurde«. Ja, durch Vcsröffant. lichung von Zuschrift« wird sogar »dl* kochende Volksseele“ mobili*i«t, ein« Zuschrift z. B-, in der di* Jurtjr und die ihr Dienenden imgestraft al* Gesindel b««himpft wird, eine weitere, der« Urt»*ber im Mw» 1933 sich als Hitlers alt« Kämpfer beaajehnetft heute aber, wie es den Atrich«}» bat, sich als strammer Kommunist ausgibt Daß gerade dl# Justiz es i»t, deren sich »Dar Neue Tag“ so teilnahmsvoll «nnimmt, hat teige Gründe. Sie war schon in der Zeit vor Hitler das beliebt« AnsriSstiö dar KFD — und da« gewiß manchmal nicht zu Unrecht, wenn auch, weniger bei uns in Baden. Eine zuverlässige Justiz ist auch iw demokratischen Staat wesentlicher Garant der Ordnung, ihre Diener sind in erhöhtem Maße verantwortlich für die Gerechtigkeit, das allgemeine Vertrauen in sie ein leicht verletzbares Gut. Wie sollen diese aber Recht sprechen, wenn ihr« Amtshandlungen ungestraft mit persönlichen politischen Angriffen beantwortet werden, sobald ihre Tätigkeit sieh etwa gegen Gesinnungsgenossen des „Neuen Tag" richten? Jede rienterliehe Tätigkeit muß damit zur Farce werden, wenn sie auf diese Weise zu Verlust von Amt und Brot führen kann- Wir denken dabei nicht an den Fall Til- lesen, für den andere Aspekte gelten. Es gibt andere Fälle, die in dieses Bild passen und nicht nur bei der Justiz. Diese Methode der Kritik vernichtet bewußt oder unbewußt das, was sie zu schützen vorgibt noch, schließen wir für heute dieses unbefriedigende Kapitel! Für heute, sagen wir mit Absicht. Penn wir sind uns der Verpflichtung bewußt, von nun an ohne Rücksichtnahme die Dinge offen zu legen, di« die Erhaltung des Burgfriedens unter den politischen Parteien uns bisher zurückzuhalten gebot. Noch vor wenigen Wochen hat der Vorsitzende der CSV in der güdwestdeutschen Vqikszeitung in einem Artikel auf die Notwendigkeit der Zusammenarbeit «Iler Parteien bingewiesen- Der Ruf blieb ungehört Es wird aber künftig nicht mehr hin- genommen werden können, daß ein Parteiorgan wütend in unsachlicher Opposition macht gegen die tragende Partei einer Regierung, in der die KPD durch ihren Vorsitzenden vertreten ist. Die CSV vertritt 60,4 Prozent des badischen Volkes, die KPD den zehnten Teil- Wir denken, diese politische Willensmeinung ist eindeutig genug- Daß sich dieses Starkeverhältnis zugunsten der CSV beim nächsten Wahlgang noch verbessere, dafür — dessen ka n n „Der Neue Tag“ versichert sein — wird gesorgt werden. Mit «einen Methoden jedenfalls wird er der CSV keinen Abtrag tun, höchstens den Eindruck und die Meinung im Land« verstärken, daß wir mehr und mehr einer kommunistischen Diktatur entgegen*ehlittern, die er schamhaft oder unter bewußter Begriffsvertauschung n«ch dem üblen Verbild der letzten ia Jahre Demokratie nennt. Deshalb fragen wir mit der Überschrift des Artikels erneut: „Wie lange nacht" Führer der „Weißgardisten“ hingeriebtet Moskau. Der Moskauer Rundfunk gibt bekannt, daß da? Oberste Militärgericht der UdSSR den Kosaken Ataman Krasnow, die Generale der zaristischen Armee Skur, Uraspow und Diamanow, sowie den Führer der „Befreiungs-Division“, Prinz Sultan Klytsch, «um Tode durch den Strang verurteilt hat Die gleiche Straf# wurde gegen den deutschen SS-General Helmut von Pawite erkannt. - All« Verurteilt« wurden für schuldig befunden, während des Krieges „Weißgardisten“-Einheiten aufgestellt, gegen di« UdSSR gekämpft und Spionage und Sabotage getrieben zu haben. F* «Iburg- In d«r Vor- und Nachmittags- Sitzung der Badischen Landesversammiung stand am 17. Januar der Entwurf einer neuen badischen Gemeindeerdnung zur Beratung. Nach Eröffnung d«r Sitzung durch Präsident Person führte als Berichterstatter des Reehts- pflegMussehusses, er, Knapp, u- *■ aus, daß die alte badische G*meincje@rdnung vom 5. Okt. 1921 allgemein als sehr gut und den demokratischen Forderungen entsprechend bezeichnet werden könne; sie sei aber durch die Deutsche Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 in den meisten Bestandteilen aufgehoben worden. Der neue Entwurf setze sich aus Teilen der früheren Badischen Getnemdeördnuni und der zuletzt gültig gewesenen Gemeindf- ordnung zusammen, wobei aber einzelne Bestandteil« nieht wahllos übernommen worden seien. Um einen Übergang zu Künftigem zu ermöglichen, mußte man rasch zu Entschließungen kommen. Von größter Wichtigkeit in dem Entwurf sei die Tatsache, daß die gemeindliche Selbstverwaltung festgelegt wurde. Anschließend verlas der Berichterstatter den Antrag des zuständigen Ausschusses über Berichtigungen zum Entwurf der neuen Ge- meindeardnung für Baden. Der Antrag betrifft verschiedene verwaltungsrechtliche Teile des Entwurfes und sieht hierfür Abänderungen und Ergänzungen vor. Im Interesse einer gründlichen Durchberatung des Entwurfes stellte Qr. Heffmann für die RCSV einen Antrag auf Fortsetzung der Versammlung am Nachmittag, da bereits bei der Beratung im Rechtspflegeausschuß und auch jetzt in der Landesversammiung im großen und ganzen alle Fraktionen mit dem vorliegenden Entwurf und mit den vorgeschlagenen Abänderungen und Ergänzungen einverstanden waren. In der hierauf folgenden Beratung äußerte im Namen der Demokratischen Partei Abg. Vortisch seine Bedenken, da die neue Gemeindeordnung in einzelnen Teilen an jene von 1935 angelehnt sei; jedoch würde seine Fraktion iq der Voraussetzung, daß verschiedene Änderungen erfolgen, dem Entwurf ihre Zustimmung nicht versagen. Abg. H a «« (SPD) bemängelte, daß die vorgesehene Staatsaufsicht zu straff sei, gibt aber ebenfalls seine Zustimmung, wenn die Vorschläge seiner Partei berücksichtigt werden. Für die kommuni- Dacfaau. Alexander Piorkowski, der ehemalige Kommandant das K3-Lagers Dachau, wurde vom amerikanischen Militärgericht in Dachau zum Tode dureh den Strang verurteilt Piorkowski wurde der „Teilnahme an dem ver- sehwörerischen Plan der Ermordung, Aushungerung upf! Mißhandlung von RZ-Insassen“ für schuldig befunden, Der rnitangeklagte Adjutant Piorkowskis, der 97jährige ' Hein? petmers. wurde wegen der gleichen Verhrechen zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Durch die Aussag« von 3$ ehemaligen Häftlingen ergab sich im Laufe der Verhandlung, daß Piorkowski für die Exekution von hunderten sowjetischer Kriegsgefangener, die Verschickung von Häftlingen in die Gaskammern von Maüthausen und für die Versuche an Häftlingen in den Mtiaria- und Kaltwasserstationen des KZ-Lagers verantwortlich ist Angeklagter Dold vorläufig auf freiem Fufje Rastatt Im Verlaufe des Angeklagtenverhörs, dem am 17. Januar auch Gouverneur Föne, De- leflue Superieur pour la Gouvernement Müitaire du Pays 4« Bade, als Zuhörer beigewohnt hatte, wurde der Angeklagte Dold vorläufig auf freien Fuß gesetzt. Dold, der nun ais Angeklagter n #tische p*rt«i erklärt Ahe- Büche, daß die alte badische Qemeindeordnunj nicht fut gewesen sei« könne, 4 * uns di« Summe «ü«r Beschluss« »wischen 181$ und 1933 den Nationalsozialismus gebracht hätten. Sein« Fraktion fordere an Steile der Aufsichtsbehörden übergeordnete Organe (Kreistag, Landtag). M»n wolle den Entwurf anfl«hmen, obwohl er nicht di« konsequente Anwendung der Selbstverwaltung bringe D r. Knapp (BCSV) stellte fest, daß es eine Selbstverständlichkeit sei, daß die Selbstverwaltung der Gemeinde» in keiner Weise angetastet werden dürf«. Di# Fraktion lege gleichfalls größten Wert auf die Beibehaltung der bewährtes alten badisches Einrichtung des Land«skommlssariats. Wenn die Fraktion Konzessionen gemacht habe, so sei dies im Interesse der Allgemeinheit geschehen. Aber es bestehe auch kein Zweifel darüber, daß bei Nichterfüllung des Unbedingten, wie es im Entwurf und seinen Ergänzungen festgehalten sei, sich die BCSV ihr# B*ndUwgS- freiheit Vorbehalten muss«. In der Nachmittagssitzung betonte Staatssekretär des Innern, Pr. Nordpienn, daß «s sich bei der Vorlage um ein Grundgesetz handle. Er freue sich, daß Ausschuß und Fraktionen den Entwurf im allgemeinen gebilligt haben. Nach Stellungnahme zu einzelnen Anregungen und Kritiken sprach der Staatssekretär den Wunsch aus, daß die kommende Gemeindeordnung sich zum Segen der Gemeinden und des Volkes auswirken möge. Nach der Feststellung, daß sich von keiner Seite Widerspruch gegen den Antrag des Rechtspflegeausschusses und gegen die Vorlage selbst erhoben habe, erklärte der Präsident der Versandung die Annahme der Vorlage als erfolgt. Zum Schlüsse gab Präsident W o h 1 e b eine Erklärung ab zu einem Artikel in der kommunistischen Zeitung „Der Neue Tag“. Im Februar kommt voraussichtlich eine Vorlage über die Verwaltungsgeriehtsbarkeit zur Beratung. Hierbei wies der Präsident der Beratenden Landesversammiung noch darauf hin, wie wichtig eine gute Vorbereitungsarbeit ish weshalb eine gewisse Zeitspanne für die Vorbereitung der Vorlage erforderlich sei. Über die Gemeindeordnung, wie sie als Entwurf von der Landesversammlung angenommen wurde, werden wir noch ausführlich berichten. Freiheit verbleibt, hat sich dem Gericht zu den weiteren Untersuchungen auf Anordnung zur Verfügung zu stellen. Er Ist der einzige Angeklagte, der sieb nichts zu Schulden kommen ließ. Bezeichnend ist, daß Dold von einer Fronttrappe kam, die er infolge einer Verwundung verlassen mußte. Alle anderen Angeklagten bestreiten trotz schwerster Belastungen in ihrem verhör, die ihnen zur Schulet gelegten Verbrechen begangen zu haben. Die Verantwortlichkeit für ihre Tat« tragen immer die höheren- nicht näher bezeichneten Dienststellen- Fragebögen entschied« über den „Gnedentod" Nürnberg. Im Prozeß gegen die 23 Naziärzte und Wissenschaftler ergaben die Aussagen des stellvertretenden Chefarztes der Heil- und Pflegeanstalt Eichberg, Dr. Eugen Walter Schmidt, einen interessanten Einblick in das „Euthanasieprogramm“. Demnach wurden über die Kranken Fragebögen angelegt und nah Berlin eingesandt. Dort wurde nah einem „Fachgutachten“ entschieden, weihe Kranken für den „Gnadentod“ in Frage kamen. Dieser „Gnadentod“ wurde dann in Gaskammern oder durch Injektionen vollzogen. HcuUricUUf% Ut \tüvz& Schacht in Retiert'Bosch-KrankeiihaQ« Stuttgart Hjalmar Schacht wurde zu einer leichten Bruchoperation von der Krankenabteiluna des Ludwigsburger Gefängnisses in das Robert- Bo#ch-KF*Bk*phau6 in Stuttgart überführt Vierzig Angeklagte für schuldig befanden Pacbaq, Du amerikanische Militärgericht, das hier SSH »leben Monaten über die 29 SS-Männer und 16 Kapos des Konzentrationslagers Flossenburg zu Gericht sit^t, erklärte in der Montag- nahmittagitzung 40 Angeklagte für schuldig. Kahne will „verrückt“ seht Stuttgart. Der Attentäter auf die Stuttgarter Spruchkammer, Siegfried Kabu§, weilte des Paragraphen 51 auf sich angewendet wisse». In einem Brief an seinen Recht*a»walt schreibt er unter anderem: „Ich bitte Sie dringlich»t, mir genau mitzuteilen, ob ih verrückt bin oder nicht“. Jedoh wurde auh vom Gerihts- przt Dr. Wilhelm §hw@rb der Paragraph 51 für unzutreffend erklärt. Gestapochef in Norwegen zum Tode verurteilt Oti». Oer früher# Gestapphef Oskar Hans wurde von einem Osloer Gericht zum Tode verurteilt Er wurde für schuldig befunden, füt die Ermordung von etwa 600 norwegischen Patrioten in dem deutschen Lager Tramdum in Mitteinerwegen verantwortlich zu sein. Steigerung ins Ruhrbergbau Esse». Ein« neuerlich« Steigerung der Förderleistung im Ruhrbergbau wurde am 1K Januar mit einer Kehlenförderung vap 311418 Tonnen erreicht Am Vortage waren 269 500 Tonnen Kohl« gefördert worden. * Der Eröffnung der ip Deutschland endenden internationalen Telefon- und Telegraphenverbindungen stimmt# der Alliiert« Koordinierungsausschuß auf seiner 99. Sitzung in Berlin im Prinzip zu- Ei» Fernsprechdienst nach Übersee wurde f ester« in Wiesbaden von dem Stadtkomman- ant#n von Wiesbaden, General William F. Mc. K#e, mit einem Ferngespräch nach New York eröffnet. Von d#r Pflieht zur Vorzensur sind nach «iner Meldung von Radio Berlin 28 von der sowjetischen Militäradministiation lizensierte wirtschaftliche Keilschriften und periodische Druckschriften, die in der Sowjetzon« ersehe}»«», befreit. Di« Landtagswehlen in de» Ländern der britischen Sone Deutschlands sind auf den 30. Mär? diese# Jahres festgesetzt worden. Ei» Übereinkommen über das Wahlsystem wurde nach Besprechungen zwischen den britischen Gebietsbehörden, de» Vorsitzenden der deutschen Parteien und den die Wahlen vorbereitenden deutschen Wahikemmissionen erreicht. Der ehemalige Generalfeldmarsehall vo» Kesselring, früherer Oberbefehlshaber der deutschen Truppen in Italien, wird in der zweiten Hälfte des Februar vor einem alliierten Militärgericht in Venedig erscheinen. Dl« amerikanische» Besatzungsbehörden gebe® bekannt, daß di# zwölfhundert i» Japan ansästigen Deutschen und Österreicher demnächst rückgeführt werden sollen. Verlag: ehrtstlieh-Sazlaler VerUg QmbH-. Piaiburg l. pr., RosastraS# 8, Tel ?7S4. Anschrift dgr SehriftlgituBg: Tennenb 3 eh*rstfaß« Verantwortlicher Redakteur: Dr. Theo Üebsrdlcfe- Druck: H. Rombach & Co. Freiburg 1 . Br. Stadtgeschäftsstelle: Behelfsheim 8- Bertheldsbruimeni, Kaiser-Joseph-Straße- Tel.-Ansohrtft: „Süvoret". Freiburg Todesurteil gegen Dachauer KZ-Kommandanfen Im Spiegel der Woche ßddoglio gjbf Rechenschaft I» den italienischen .Schaufenstern Hegt ein neues Buch aus, dessen Umschlaghild 'einen Mann ln Marschallsuniform mit hoher Denkerstim und von Bitternis durchfurchtem Gesicht zeigt Es ist Marsehall Pietro Badoglio, der Mann, der Abessinien eroberte und Mussolini ablöste, der Politiker, der dem Lande einen Waffenstillstand gab, der nur größer# Kämpfe upd schwereres Leid über Italien brachte. Sein Buch „Italien im zweiten Weltkrieg“ (LTtalia pella seconda guerramondial e, Verlag Mondadori, Mailand) wurde mit Spannung von den Italienern erwartet Upd jetzt entnimmt man seinen Zeilen ausgezeichnete Bemerkungen und Beobachtungen über die innerpolitischen Verhältnisse, das überspannte Geltungsbedürfnis Mussolinis, dessen politische und militärische Großmannssucht Italien den Krieg einbrachte, auf den es weder materiell vorbereitet, noch ihn moralisch zu führen in der Lage war. Das Verhältnis zum deutschen Verbündeten, Sabotage der Rüstungsindustrie, Günstlingswirtschaft im Generalstab und schließlich die warnenden und zur Vernunft mahnenden stimmen, die immer wieder vom Diktator i» den Wind geschlagen wurden, machen die Badoglio- Memoiren zweifellos zu einem aufschlußreichen Bericht, der späterer Geschichtsschreibung reichliches Material liefern wird. Darüber hi' aus ist aber deutlich zu spüren, daß der Feldherr und Staatsmann Badoglio noeh Ding# zu sagen hat und sie in späteren Veröffentlichungen vielleicht auch sagep wird —, die heute noch nicht über seine Uppen kommen. Die sachliche und persönliche Gegnerschaft Badoglios zu Mussolini zieht sieh durch alle seine Erinnerungen. Er kann es Mussolini nicht verzeihen, daß er ihn in seinem letzten Werk „Die Geschichte eines Jahres“, das die Entwicklung des Jahres 1943 aufzeigt, wenn auch unter Wahrung der Form herabgesetzt und auch später immer wieder angegriffen hat Aber auch Mu#«oii»f hat m# vergessen, daß «s Badoglio war, der sich Viktor Emanuel III. im Jahre 1922 angebote» hatte, den ganzen Faschistenspuk innerhalb von 48 Stunden zu beseitigen. Inzwischen aber hat dieser Mann, und das muß heute ebenfalls gesagt werden, bedenkenlos #11# Vorteile des Regimes angenommen. Botschafter- und Gouverneursstellun- gen, Auszeichnungen und schließlich auch das Adelsprädikat eines Herzogs von Addis Abeba, das jhm zweifellos nur durch die Befürwortung der faschistischen Kreise zugefallen war. Aufschlußreich und besonders das Verhältnis zu Deutschland beleuchtend, ist die von Badog- lio geschilderte unmittelbare Vorgeschichte des Krieges. Die haeh außen hin so oft als „unwandelbar“ proklamierte Freundschaft zwischen den Diktatoren sah in Wirklichkeit alles andere als rosig au*. Auch Graf Ci an©, der Außenminister und Schwiegersohn Mussolinis, bestätigt das in seinen Tagebüchern. Es liegt ganz auf dieser Linie, wenn Mussolini im Juli 1939 erregt zu seinem damaligen Stabschef Badoglio sagte: „Hitler und Ribbentrop Sind Nichtskönner' Sie begehen den gleichen Fehler wi# Wilhelm II. und sein Kanzler, als sie annahmen, England würde ungeachtet des deutschen Angriffs auf Belgien nicht intervenieren. Heute weist Hitler unsere Hilf« Zurück- Er wird sie aber verlangen, wenn sich die Dinge komplizieren. Die Deutschen sind als Feinde zu fürchten. Als Freunde aber sind sie unerträglich.“ Und im gleichen Atemzug beauftragte der ehemalige Duce seinen Marschall, die Grepze gegen Deutschland verstärkt auszubauen. Dieser Befehl entsprach zweifellos der persönlichen Einstellung Badoglios, der das Bündnis mit Deutschland als unnatürlich an- §ab und der Achse keinen Bestand vqraussagte, f «schweige sie als Lösung des politischen roblems in Europa betrachtete. Die Intervention Italiens geschah schließlich am 10. Juni 1840 auf alleiniges Betreiben Mussolinis hin, mit dem Argument: „Ich habe einige Tausend Tote notwendig, um am Konferenztisch der Kriegführenden zu sitzen." Dieser Wahn, der den Duce wie ein Taumel erfaßt hatte, ließ ihn alle Warnungen unberücksichtigt lassen. Wenige Wochen vor Kriegseintritt, der zunächst für den 5. Juni festgesetzt war, macht# der Regierungschef dem Generalstab Mitteilung von seinen Inter- ventionsbeschlüssep. Badoglio mußte ernstlich auf die absolute Unfähigkeit der italienischen Streitkräfte hin weise», deren Materialaus- rüstungen mit Ausnahme der der Marine, keineswegs vor 1943 einen Krieg erlaubten, „Wie ist es möglich, unter diesen Bedingungen einen Krieg zu führen?“ fragte Badoglio Mussolini. „Unsere afrikanischen Besitzungen tind von Streikräften so gut wie entblößt. Unsere Handelsschiff# befinden sich auf hoher Sde. Der Krieg ist unser Selbstmord!“, Pie Geschichte nahm ihren Lauf. Griechenland wurde angegriffen. Der unbequeme Generalstabschef, dessen Feldzugsplan verworfen worden war, wurde dureh General Cavaller ersetzt. Badoglio war gekränkt in seiner Eitelkeit. Die weitere militärische Entwicklung im Mittelmeerraum sah ef unschwer voraus. Für ih» war das der gegebene Augenblick, sich endgültig von dem Regime zu distanzieren, von dem er bislang — gewiß ohne große Sympathien für den Faschismus — mit Ehren und vor allem mit den dazugehörigen „Ehrengaben“ überhäuft worden war. Nur aus der Ferne verfolgte er die militärische Entwicklung von El Alainein bis nach Tunesien, das italienische Debakel in Rußland und das zunehmende Rumoren und Krachen im Gebälk des politischen Regimes. Plötzlich aber steht er wieder im Mittelpunkt. Sein Kapitel „Der Staatsstreich“ schildert einen der interessantesten Augenblicke der italienischen Geschieht«. Unter unendlich schwierigen Voraussetzungen wollt« Badoglio einen Status schaffen, den er mit demjenigen von 1915 vergleicht Dabei-hat er die Reaktion auf alliierter Seit# nicht klar genug vorausgesehen. Sein Umsehwenken des 8. September 1943 brachte Italien keineswegs den gewünschten Erfolg. Es mußt# ,4m eigenen Saft schmoren“, wi« sich der damalige englische Premier «u»drückte, aeus Zerstörungen und Bruderkrieg hinnek- men, bis es unter den Trümmern des diktatorischen Regimes die Grundlagen für einen parlamentarischen Staat freilegen kennte. Die Memoiren des Majsdsaiis ve>» Italien, Pietro Badoglio, 4 «r Herzog von Addis Abeba und Nachfolger Mussolinis wurde, zeige» peinvolle Momente im Leben eines Staates um den schmerzliehen Weg, den Italien zu seiner Rehabilitierung besehreiten mußte. E. G. L Drei Parteien in USA Es ixt noch nieht ersichtlich, eh mit der Bildung der ,.Organisation der fortschrittlichen Bürger der Vereinigten Staaten“, die Henry Waifape bekaontgab' pereits der Versuch eingeleitet wurde, das traditionelle amerikanische Zwejparteien-gystem zu durchbrechen. Biß kan» ein« Etappe dazu sein, und di« Tatsache, daß es sich um einen Zusammenschluß vo» zehn liberalen Gruppen, also des Wallaee besonder* nahestehenden Flügel# der herrschenden demokratischen Partei,' handelt, läßt die Frage berechtigt erscheinen, ob dies nicht der Auftakt zur Gründung einer dritten Partei ist, die möglicherweise bereit» in die Präsident- schaftswahJen des nächsten Jahres eingreifen könnte. Ohne E weife} zielt Wallaee, der sich Zunächst selbst noch nicht durch die Übernahme eines Amtes in der neuen Organisation exponiert hat irs Weiße Heus, Ihre Bildung kann vielleicht am besten so verstanden werden, daß Wallaee, "«er sich vornehmlich auf di# allerdings noch rivalisierenden Gewerkschaften stützen würde, mit ihr eine innenpolitische Sondierung verbinden möchte, von deren Ergebnis «r dann seine weiteren Entscheidungen abhängig machen wollen wird. Nach dem Wahlsieg der Republikaner und nach dgr liberalen Neugruppierung scheint sich di« Ankündigung de» demokratischen Senators Pepper, der Rüektiiti Wgllaees von? Post#» des Handelsminlsters werde für das Land und die demokratische Partei »och weitreichende Folgen haben, bestätigen zu wollen. Mittwoch, 22. Januar 1947 / Nr. 7 SfldwestdeatscbeVolkszeltnng Seite 3 Amerikanische Sfimmen über Deutschland Die Welt beschäftigt sich mit dem deutschen Volke, dessen Zukunft und Gegenwart zu einem dringlichen, nach einer Lösung heischenden Problem nicht nur für die Deutschen und nicht nur die Dauer der Zeit vor der Konferenz am 10. März geworden ist. Betrachtet man das gegenwärtige Deutschland als ein politisches Laboratorium, so läßt sich die außerordentliche Bedeutung dieses Problems deutlich einsehen- Es ist daher von besonderem Interesse, die Antworten nachzulesen,' .die die Schweizer Tageszeitung „Die Tat“ auf eine Rundfrage über die heutige Steilung Deutschlands in der Welt erhalten hat. Bisher liegen die Ergebnisse der Rundfrage in den USA. vor. Die erste Frage, die gestellt wurde, lautete: welche Bedeutung dem deutschen Volke im Rahmen der Zivilisation, der Kultur und der Weltwirtschaft beigemessen werden müsse. Der Mann aus dem Volke war bereit, der deutschen Leistung „eine gewisse Bedeutung“ zuzugestehen. Der Kanzler der Universität Chicago, Robert Hutchins, tippte auf eine „sehr große“ Bedeutung des Beitrags an die Weltwerte. Der Anwalt Louis Nizer, der durch das Buch „Was soll mit Deutschland geschehen?“ bekannt geworden ist, erklärte: „Im Augenblick ist kein Zeichen vorhanden, daß die Deutschen wirklich bereuen oder daß sie beabsichtigen, ihre Haltung zu ändern, die sie fünfmal in den letzten achtzig Jahren zum Angreifer gemacht hat — zweimal in den letzten fünfundzwanzig Jahren.“ Ruth Fischer, die bis Mitte der Zwanzigerjahre Mitglied des Politbüros der . deutschen Kommunistischen Partei, Mitglied ^des Präsidiums der Kommunistischen Internationale, Reichstagsmitglied und Fraktionsführerin war und deren nächstes Buch Stalin und dem deutschen Kommunismus gewidmet sein wird, hält das „technische Genie für die Weiterentwicklung der Weltwirtschaft für unentbehrlich“. Die zweite Frage wollte wissen, welche Rolle Deutschland künftig in Europa oder der Welt zu übernehmen habe. Robert M. Hutchins glaubt an „eine Hauptrolle“. Christopher Emmet, der in New York Radiokommentator ist, antwortete: „... Wenn Deutschland nur als friedlicher Staat weiterleben kann, so kann es in fünfzig Jahren ein wertvolles Mitglied der Zivilisation werden.“ Ruth Fischer forderte, daß „Deutschland als gleichberechtigter Partner in die Föderation der Europäischen Staaten eingehen“ möge. Ludwig Marcuse, der Autor von Büchern über Platon und Ignatius von Loyola, der als Professor der Geschichte an der Universität in Süd- kalifomien lehrt, meinte ironisch: „Ich glaube nicht, daß die zukünftige Welt ein Stück ist, in dem Nationen mehr oder weniger große, mehr oder weniger dankbare .Rollen' spielen werden. Deshalb habe ich auch keine ,Rolle* für Deutschland in petto. Mir genügts, wenn man dort gut und reichlich ißt, schön dichtet und weiter immense Wahrheiten entdeckt.“ „Wo sind Ihres Erachtens in Deutschland produktive Ansätze zu bemerken?“ hieß eine weitere Frage. Hutchins verweist auf die amerikanische Mission, die zu erzieherischen Zwecken nach Deutschland ging. Emmet betont das besondere Verdienst der amerikanischen Armee in Bezug auf die Verwaltung Deutschlands, gedenkt der milden Auslegung harter Bedingungen und gesteht zu, daß die Engländer „noch besser waren“. Laguardia glaubt, in der Erziehung einen kleinen Schritt in guter Richtung zu bemerken, während Louis Nizer zugesteht: „Die ursprünglichen Schritte zur Reinigung vom Nazismus wurde durch das Rennen zwischen Rußland und den Westmächten um die Gunst der Deutschen sinnlos und wertlos gemacht.“ Ruth Fischer sieht diese Ansätze in der Arbeiterschaft und der intellektuellen Elite, während Ludwig Marcuse in ihrem Sinn einen Sonderfall aufgreift: Er gewahrt Wege in die Zukunft „bei dem Herausgeber der Zeitschrift ,Die Wand'ung', nicht aber bei dessen prominentesten Mitarbeitern. Dieser Dolf Stemberger hat Bildung, Leidenschaft zum Denken und einen Willen zur Freiheit, der nicht matt wird in der Umarmung konventioneller politischer Schlagworte. Weshalb aber sollte ich so pessimistisch sein und annehmen, daß er der einzige seiner Art ist?“ Der Mann aus dem Volke dagegen sieht den Fortschritt darin, daß man durch Aufteilung der großen Besitzungen kleine Bauerngüter bekommen könne, darin auch, daß der Export eingesetzt habe und die amerikanischen Sportarten in Deutschland eingeführt werden konnten. Eine andere Frage befaßte sich mit den hauptsächlichen Hindernissen der innerdeutschen Entwicklung. Robert M. Hutchins verurteilt in diesem Zusammenhang die Zonenaufteilung und die Störung des Erziehungssystems. Christopher Emmet wendet sich gegen die von Rußland unterstützte Sozialistische Einheitspartei Er erblickt in der Zusammenarbeit von Sozialdemokraten und Christlich-Demokraten die einzige mögliche Grundlage einer Zukunft für Deutschland. Laguardia bestätigt, daß die Zivilregierung und die militärischen Besatzungsbehörden im ganzen Land eine Einheit bilden müßten. Louis Nizer ist wiederum pessimistisch. Er meint, daß eine generationenalte Erziehung zum Nationalismus und die Weltanschauung eines Fichte das vielleicht sonst gute und tüchtige Volk ruiniert haben. Wenige Deutsche seien dies r n Einflüssen entgangen und sie seien wirkungslos. Ruth Fischer, die aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen wurde, sieht die Hindernisse in Stal''ns Regime und in der Besetzung durch fremde Armeen. Ludwig Marcuse dagegen will sie in der offenbaren und' begreiflichen politischen Müdigkeit sowie „in der Uninteressiertheit der Besetzungsmächte, die Revolution, die in Deutschland nicht eintrat, nachträglich zu entfachen“ erkennen. Das Volk verweist mehrheitlich auf die Spannungen zwischen den Weltmächten des Westens und der Sowjetunion. Eine andere Frage lautete: „Welche Staatsform sollte nach ihrer Meinung Deutschland bekommen?“ Hutchins und Laguardia denken an die Republik. Emmet will eine föderalistische demokratische Regierung. Louis Nizer hält konsequent durch: „Deutschland soll für die nächsten 25' bis 50 Jahre durch die besetzenden Mächte regiert werden, bis die Deutschen bewiesen haben, daß sie in Frieden der Völkerfamilie beitreten können. Heute in Deutschland Demokratie zu etablieren, würde heißen, ein zweites Fiasko, wie es die Weimarer Republik war, einzugehen“, meint er. Ruth Fischer glaubt an die föderative Republik, während Ludwig Marcuse mit der Schulter zuckt: „Die Staatsform ist gleichgültig. Der Name für die Exekutive ist bedeutungslos, nur wäre es unpraktisch, sie gerade auf den Namen .Führer' zu taufen.“ Der Mann des Volkes verweist auf die Form der Vereinigten Staaten von Amerika. Die letzte Frage hieß schließlich: „Wie weit interessiert sich die Welt für Deutschland und unter welchen Gesichtspunkten tut sie es?“ Hutchins antwortete: „In großem Ausmaß in jeder Beziehung. Deutschland mag das Schicksal Europas entscheiden, und das Schicksal Europas ist von entscheidender Bedeutung für die Vereinigten Staaten.“ Emmet: „Amerika hat politische, ökonomische und militärische Interessen in Deutschland. Es ist außerdem unbedingt nötig zu einem europäischen Wiederaufbau.“ Laguardia: „Die Vereinigten Staaten sind interessiert an einer Wiederherstellung von Deutschland, daß es eines Tages imstande ist, seinen Anteil an der Erhaltung des Friedens und des Fortschritts in der Gemeinschaft der Nationen auszufüllen. Louis Nizer: „Amerika ist außerordentlich interessiert am deutschen Schicksal, weil es am Frieden interessiert ist. Eine Bedrohung des Friedens ist eine Bedrohung Amerikas Das deutsche Problem ist unser Problem, ebenso wie das Problem der Nationen, denen es dauernd Unrecht zugefügt hat.“ Ruth Fischer: „Amerika hat Jahre einer kommunistisch dirigierten anti-deutschen Propaganda hinter sich, die mit vielen seinen Interessen parallel lief. Infolgedessen ist das ganze deutsche Problem in der Öffentlichkeit völlig verzerrt Es ist eine langwierige Aufgabe, das deutsche Problem vor der amerikanischen Öffentlichkeit richtig darzustellen.“ Ludwig Marcuse: „Die Welt interessiert sich für Deutschland sehr. Im übrigen interessieren sich noch einige G.I.‘s beträchtlich, die Deutschland sehr sauber und die deutschen Mädchen sehr lieb gefunden haben. Darüber hinaus interessieren sich noch einige Emigranten a. D., die angesichts des französischen» Existentialismus beispielsweise abermals eine tolle Begabung der Deutschen fürs Denken entdecken. — Sonst aber interessiert sich wohl wirklich keiner.“ Der kleine Mann dagegen will, daß man sich für Deutschland verwende, damit die Welt Ruhe bekomme. Der Kreml und Europa Berlin, im Januar. Von Moskau gehen seit Jahrhunderten die Ströme des Glaubens, der Mystik und in ihrem Gefolge der Kunst und der „Art zu leben“ zu den kleinen slawischen Völkern im Westen und Süden und entziehen sie auch politisch einem uneingeschränkten europäischen Einfluß. Die jahrelange Abschließung des bolschewistischen Rußlands hatte jedoch zunächst ein Zurückweichen Eurasiens von Europa zur Folge. Der Ausgang des zweiten Weltkrieges aber hat diese Situation sichtbar geändert, in den diplomatischen Auseinandersetzungen stoßen wir täglich auf die Symptome dieser Wandlung. Jugoslawien ist unter der Herrschaft des sowjetischen Titularmarschalls Tito zu den panslawistischen Idealen in bolschewistischer Prägung zurückgekehrt; es erhielt dafür die Unterstützung der slawischen Diplomatie in seinem Anspruch auf Triest, geriet aber mit den USA in einen Notenkrieg, der nahe an den Abbruch der Beziehungen oder an offene Feindseligkeit heranführte. Bedeutungsvoll für die Kampfstellung Jugoslawiens gegen den Westen ist auch die Verfolgung der römisch- katholischen Geistlichkeit wegen ihrer Haltung im Kriege, die man in Belgrad vermutlich unterlassen hätte, wenn nicht die Rückendeckung durch Moskau gesichert wäre. Die politische Umformung Rumäniens und Bulgariens aus halb autoritären Staaten zu Demokratien in sowjetischer Prägung erfolgte in Gegenwart der Roten Armee und unter laufenden anglo-amerikanischen Protesten; beide Staaten erfreuen sich der eifrigen Förderung ihrer nationalen Ansprüche, Rumänien in Bezug auf den noch ungarischen Teil Siebenbürgens Bulgarien auf einen Zugang zum ägeischen Meer auf Kosten Griechenlands. Dieses wieder ist Gegenstand heftigster Angriffe durch die Sowjetunion, weil sich die innerpolitische Aufräumearbeit im Hellas unter der Aufsicht englischer Truppen vollzieht und weil England diesen Mittelmeerposten mit sichtlichem Erfolg zu wahren weiß. Neben Triest und einem bulgarischen Dedeagatschan der Ägeis hat die Sowjet-Diplomatie einen dritten Vorstoß gegen das Mittelmeer gemacht, als sie mit der Revision des Dardanellenstatuts die Forderung nach Beteiligung an der Verteidigung der Meerengen, d. h. nach einem ständigen militärischen Stützpunkt erhob. Es handelt sich also um ein planmäßig angelegtes systematisches Vordringen nach Südosten in politische und wirtschaftliche Räume, die Europa mit Erfolg gegen frühere Expansionsbestrebungen des Zarenreichs zu verteidigen wußte. Die Weigerung Rußlands, an einer Donau- Konferenz mit dem Ziele der Internationaü- sierung dieses Schiffahrtsweges teilzunehmen, und seine Forderung, daß nur die Anliegerstaaten die Kontrolle des Flusses ausüben sollen, ist ebenso eindeutig auf Verdrängung des europäischen Einflusses aus diesem „eura- sischen Gebiet“ zu verstehen. Gehen wir weiter nach Norden, so sehen wir, daß auch in der Behandlung Österreichs die Sowjetunion sich stark von ihren einstigen Kriegsverbündeten unterscheidet, die dem von Hitler-Deutschland „befreiten“ Lande alle Schonung zuzubilligen bereit sind, während Moskau an dem Schicksal Wiens, das es zwar erobern konnte, aber nicht in seine Sphäre bringen kann, wenig Anteil zu nehmen scheint. Der soziologische Unterbau der Tschechoslowakei hat sich durch die Ausweisung von drei Millionen Deutscher ünd einiger Hunderttausend Ungarn von Grund aus geändert, das europäische Ausgleichsmoment ist verschwunden, die Slawisierung des ehemaligen Nationalitätenstaates vollzogen; der Pendel des neuen Staates schlägt nach Osten aus. Daß man in den westlichen Demokratien darüber im klaren ist, beweist der Abbruch der Wirtschaftsverhandlungen mit der Tschecho-Slowa- kei durch die USA Von den großen Siegermächten ist ferner die Sowjetunion die einzige, welche die polnische Verwaltungsgrenze an der Neiße als endgültig betrachtet wissen will, während sie dem befreundeten und verbündeten Frankreich eine stärkere Einflußnahme auf das Ruhrgebiet nicht zuzusprechen bereit scheint. Schließlich zeigt in komplizierteren und weniger durchsichtigen Formen auch der Gegensatz zwischen Moskau einerseits und London—Washington andererseits in Bezug auf die Lösung der deutschen Frage dieselbe Unvereinbarkeit der Theorien. Aus der christlichen Welt Bericht der katholischen Heimatlosenfürsorge. Die katholische Heimatlosenfürsorge in Hamburg gibt einen erschütternden Bericht über die Lage der Flüchtlinge in Schleswig-Holstein. Auf 1,5 M'llionen Einwohner kommen dort 1,3 M'l- lionen Flüchtlinge. Die b'sher 29 katholischen Seelsorgestellen mit 51 000 Katholiken, selbst meist Zugewanderte und mittellose Mensphen, haben nun die Sorge für etwa 250 000 katholische Flüchtlinge zu trägen. Indessen sind 36 neue Flüchtlingsstellen errichtet. 50 Flüchtlingspriester mit etwa ebenso viel hauptamtlichen Helfern und Hunderten von ehrenamtlichen Kräften sind unter den Flüchtlingen tätig. Bei den zahlreichen Kindern ist oft die Konfessionszugehörigkeit nicht zu erkennen. Viele Jugendliche drohen wegen der mangelnden religiösen Führung dem katholischen Glauben völlig verloren zu gehen. Dazu kommt eine beispiellose äußere Not. Die meisten Flüchtlinge sind in Wohnlagem untergebracht, nicht selten drei bis sechs Familien in einem Raum. Auch die katholischen caritativen Einrichtungen, ■ vier Krankenhäuser, zwölf Schwestemstationen mit ambulanter Krankenpflege und sechs Kinderheime leiden bitterste Not. Weltkirchenkonferenz 1948. Das Thema der ersten Plenarversammlung des Oekumenischen Rates der Kirchen, die 1948 zusammentreten wird — „Der Heilsplan Gottes und die Unordnung in der Menschenwelt“ — soll nunmehr von vier Kommissionen unter vier verschiedenen Gesichtspunkten näher ausgearbeitet werden. Die unter der Leitung von Bischof Aulen (Schweden) stehende Studienabteilung veröffentlichte eine Denkschrift, der wir folgendes entnehmen: „Die Kirche, die nicht nur göttlichen Ursprungs ist, sondern auch ein allzu menschliches Gebilde darstellt., ist zugleich örtlich und universal. Über die ganze Welt hin haben die kirchlichen Gemeinden und freikirchlichen Zusammenschlüsse auf tausend verschiedene Weisen neue Formen eines fruchtbaren Lebens entdeckt oder, soweit sie in Vergessenheit gerieten, wiederentdeckt. Es wird von jeder irgendwie möglichen traditionellen Auffassung innerhalb der hierzu bereiten Christenheit ein Beitrag erwartet Vor allem muß die Unterhaltung weitergeführt werden unter gleichberechtigter Anteilnahme der alten Kirchen des Abendlandes und der jüngeren, im Entstehen begriffenen Kirchen in Afrika und im Femen Osten, die für die Zukunft des Christentums ungeheure und nicht vorauszusehende Möglichkeiten haben.“ Ordensfrau als Flugzeugführerin. Zum ersten Male in der Geschichte der Luftfahrt hat sich eine Ordensfrau ans Steuer eines Flugzeuges gesetzt. Es handelt sich um eine Benediktinerin aus Minnesota. Sie ist 39 Jahre eilt und besitzt das Ingenieurdiplom Sie gibt an der katholischen Universität St Claud Unterricht in Aviatik und setzt sich zum Ziel, allen ihren Studenten den Weg zum Flieger zu ebnen. Zur Erlangung des Fliegerbrevets führte die wagemutige Schwester die glänzendsten Akrobatikkunststücke vor und landete nach einem gerissenen Looping in nur geringer Höhe wohlbehalten auf dem Flugfeld. Der christliche Gottesglaube im Atomzeitalter. Die evangelische theologische Fakultät der Universität Berlin erließ für Studierende der Theologie und Naturwissenschaften aller Universitäten und theologischen Hochschulen ein Preisausschreiben über das Thema „Der christliche Gottesglaube im Atomzeitalter“. Die Arbeiten, die höchstens 20 Schreibmaschinenseiten umfassen dürfen, sind bis spätestens 1 April 1947 bei der theologischen Fakultät Berl-'n NW 7, Charlottenstraße 43. einzureichen. Der erste Preis beträgt 500 Mark. Handwerk vor neuen Aufgaben Während sich die deutsche Industrie in allen Zonen abmüht, • ihre Erzeugungsgrundiagen wieder in Ordnung zu br.ngen und ihre Kapazität aufrechtzuerhalten, um Rohstoffe und Verbrauchsgüter in Massen für den Konsum bereitzustellen, kommt dem Handwerk zunächst die Aufgabe der Werterhaltung und der Wiederinstandsetzung beschädigter und abgenützter Sachgüter zu. Je mehr die Massenerzeugung neuer Güter durch Mangel an Kapital und Rohstoffen in Frage gestellt ist oder hinausgezögert wird, um so größere Bedeutung erhalten Kleingewerbe und handwerkliches Schaffen; denn diese sind in erster Linie arbeitsintensiv, sie können ohne" großen Kapitalaufwand mit den vorhandenen Mitteln und Stoffen häufig den dringendsten Bedarf ihres begrenzten Kundenkreises abhelfen und damit gleichzeitig erheblichen volkswirtschaftlichen Nutzen stiften. Von hier aus betrachtet, ergeben sich für das Handwerk drei neue Aufgaben in unserer Zeit: 1. Übernahme und Erledigung von reinen Reparaturarbeiten, für die zusätzliche Hilfsstoffe gar nicht gebraucht werden oder die mit den verfügbaren beschränkten Mitteln ausgeführt werden können, wie zum Beispiel an Kleidung und Schuhwerk. 2. Wiederaufbauarbeiten, die ohne industrielle Rohstoffe nicht ausgeführt werden können, was für den Wohnungsbau und die Instandsetzung beschädigter Häuser zutreffen dürfte, ohne daß aber dabei ein großer Kapitalaufwand notwendig ist. 3. Fertigung von Gebrauchsgegenständen des täglichen Bedarfs, für die in erhöhtem Maße neue Rohstoffe, Werkzeuge, Maschinen und sonstiges Material erforderlich sind, wobei sich Rohstoffe und Kapitalbedarf etwa die Waage heilten. Hiervon werden Wohnungsmobiliar, Küchengeräte u. ä. m. hauptsächlich erfaßt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß bei der Dringlichkeit des gleichzeitigen und umfassenden Bedarfs an Bekleidung, Wohnungsbau und Wohnungseinrichtungen Jahrzehnte notwendig sein werden, ihn voll zu decken. In der gegenwärtigen Lage mit ihrem ausgesprochenen Mangel an industriellen Rohstoffen und Halbfabrikaten für die handwerkliche Weiterverarbeitung und dem ebenso großen Kapitalbedarf der Industrie wird sich das Schwergewicht handwerklicher Tätigkeit auf die reinen Reparaturarbeiten erstrecken und dort zunächst zur vollen Auswirkung gelangen können. Über allem steht aber der Zwang, bei sparsamstem Einsatz der wertvollen Roh- und Hilfsstoffe den größtmöglichen Erfolg zu erzielen. Dieser ist für das Handwerk um so sicherer, als es sich leicht den vorliegenden Einzelbedürfnissen anpassen und die zur Verfügung stehenden Mittel am rationellsten verwerten kann. Vor dem Krieg gab es in Deutschland 1,6 Millionen Handwerksbetriebe mit etwa 4 Millionen Gesellen und Lehrlingen. 5‘/i Millionen Menschen fanden im Handwerk Arbeit und Brot. Die Industrie beschäftigte etwa das Doppelte. Der handwerkliche Umsatz betrug 20 Milliarden Reichsmark jährlich gegenüber 50 Milliarden Reichsmark Industrieumsatz. Heute dürfte der wertmäßige Handwerksumsatz im Vergleich zur Industrie erheblich höher liegen und damit die volkswirtschaftliche Bedeutung des Handwerks ebenso sehr gewachsen sein. Die Zerstörungen des Krieges in der Großindustrie, die Abbaumaßnahmen für Reparationszwecke, die Ungeklärtheit des künftigen Industrieexports, die schwierige Ernährungslage in den Industriezentren im Gegensatz zu den zweifellos besseren Verhältnissen für das mehr kleinstädtisch und ländlich orientierte Handwerk dürften auch auf den Nachwuchs gewisse Wirkungen auslösen. Die Chance, einmal selbständig zu werden, die bei der auf Jahrzehnte hinaus vorhandenen Handwerkskonjunktur mehr als früher gegeben ist, die relativ sichere Existenz und die Möglichkeit des sozialen Aufstiegs werden ihre Wirkungen auf die Jugend in der kommenden Zeit nicht verfehlen. Volkswirtschaftliche Notwendigkeit wird hierbei mit den Berufswünschen der Jugend und den Maßnahmen planvollen Arbeitseinsatzes Zusammentreffen und so zu dem höchst möglichen Nutzen für die Allgemeinheit führen. v Freilich gehören dazu eine gediegene beruflich-technische Ausbildung, charakterliche Erziehung und wirtschaftliche Schulung des Nachwuchses. Die Bedeutung des deutschen Handwerks beruhte stets auf seiner Qualitätsleistung. Wenn auch der Drang nach dem Qualitätserzeugnis heute infolge des Mangels auf allen Gebieten zurückgetreten ist, so wird er eines Tages wieder in Erscheinung treten. Die heute noch tote Konkurrenz wird sich einmal wieder einstellen, und dann werden die Tüchtigen sich allein durchzusetzen verstehen. Gerade auf dem Gebiete der Nachwuchsbildung ist vieles aufzuholen, was Elternhaus, Schule und Lehrherr im letzten Jahrzehnt — besonders während des Krieges — versäumten. Heimkehrer, Kriegsverletzte und junge Flüchtlinge als die besonders notleidenden Schichten unserer Zeit, die Beschäftigung suchen und nach selbständigen Existenzen streben, werden in den Handwerksberufen ein schönes und offenes Feld vorfinden, das ihnen reiche Frucht liefern wird. So hat das Handwerk in unserer Zeit nicht nur eine hohe volkswirtschaftliche Aufgabe im Rahmen des Wiederaufbaus zu erfüllen, sondern gleichzeitig bietet es ein sicheres Mittel zur Überwindung sozialer Nöte und Spannungen. Wegen seiner großen Arbe't-Ieist'ing und seines rationellen Einsatzes von Rohstoffen und Kapital ist es hervorragend geeignet, den Anstoß zur Gesundung unserer schwer leidenden Wirtschaft auszu’ösen und damit die Masse des deutschen Volkes mit neuer Hoffnung und neuem Lebensmut zu erfüllen. Dr. Joseph Koenig. Wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, soll die Zigaretten'abr «c Brinkmann n ert nacn Speyer verlegt werder ’jer Betrieb wiro vi-»’mehr vom t, Januar 1947 an durch die Süddeu sene Tab^kma u- faktur Gm b. H. Weiler im Allgäu in der bisherigen Weise weitergeftihrt I Sette 4 Sfldwestdentsche Volk az eitun* Mittwoch, 22. Januar 1947 / Nr. V Der zufriedene Flachs Eine Erzählung von A. C. Andersen Der Flachs stand in Blüte; er hatte so niedlich blaue Blumen, zart, wie die Flügel einer Motte, und noch viel feiner! Die Sonne schien auf den Flachs, und die Regenwolken begossen ihn; und dies war eben so gut für ihn, wie es für’ kleine Kinder ist, gewaschen zu werden und darauf einen Kuß von der Mutter zu bekommen; sie werden dann viel schöner, und das ward der Flachs auch. „Die Leute sagen, daß ich so ausgezeichnet gut stehe“, sagte der Flachs, „und daß ich so schön lang werde; es wird ein tüchtiges Stüde Leinwand aus mir werden. Nein, wie glücklich bin ich doch! Ich bin gewiß der Allerglücklichste von Allen! Ich habe es so gut, und es wird etwas aus mir werden. Wie der Sonnenschein erfreut, und wie der Regen gut schmeckt und erfrischt! Ich bin grenzenlos glücklich, ich bin der Allerglücklichste!“ „Ja, ja, ja!“ sagte der Zaunstecken, „Ihr kennt die Welt nicht, aber das tun wir“, und dann Dann wurde das Papier in ein Bündel zusammengebunden und in eine Tonne geworfen, die im Waschhaus stand. „Nach vollbrachter Tat ist gut ruhen!“ sagte das Papier. „Es ist sehr weise, daß man sich sammelt und über das, was in einem wohnt, zum Nachdenken kommt! Jetzt weiß ich erst so recht, was auf mir steht! Und sich selbst kennen, das ist der wahre Fortschritt. Was sollte nun wohl mit mir geschehen? Vorwärts wird’s jedenfalls wieder gehen; es geht allezeit vorwärts, das habe ich erfahren!“ Und so wurde eines Tages alles Papier herausin hellen Flammen auf. Uh! Das war eben nicht sehr’angenehm, zu brennen; aber als das ganze in Flammen stand, schlugen diese so hoch in die Höhe, wie der Flachs niemals seine kleinen blauen Blumen hatte erheben können, und glänzten, wie die weiße Leinwand niemals hätte glänzen können. Alle geschriebenen Buchstaben wurden einen Augenblick ganz rot, und alle Worte und Gedanken gingen in Flammen auf. „Nun steige ich geraden Wegs zur Sonne hinauf!“ sprach es in der Flamme, und es war, als ob tausend Stimmen dieses einstimmig sagten, und die Flammen schlugen durch den Schornstein, oben heraus. Und feiner als die Flammen, unsichtbar für menschliche Augen, schwebten da ganz kleine Wesen, ebenso viele, wie Blumen auf dem Flachs gewesen waren. Sie waren noch leichter als die Flamme, die sie geboren hatte; und als diese erlosch und von dem Papier nur die schwarze Asche übrig genommen und auf den Herd gelegt; da sollte war, tanzten sie noch einmal über dieselbe hin, es verbrannt werden; denn es durfte nicht an und wo sie dieselbe berührten, da liefen die den Höker verkauft und zum Einschlag für roten Funken. Und die Kinder sangen bei der Abendlied Von Hojfmann von talUrsIeben Abend wird es wieder: Über Wald und Feld Säuselt Frieden nieder. Und es ruht die Welt. Nur der Bach ergießet Sich am Felsen dort, Und er braust und fließet Immer, immer fort. Und kein Abend bringet Frieden ihm und Ruh, Keine Glocke klinget Ihm ein Rastlied zu. So in deinem Streben Bist, mein Herz, auch du: Gott nur kann dir geben Wahre Abendruh. Butter und Zucker benutzt werden, so sagte man. Und alle Kinder im Hause standen rundherum, denn sie mochten so gerne Papier brennen sehen; das flammte ja so prächtig in die Höhe, und nachher konnte man in der Asche toten Asche: „Schnipp — schnapp — schnurre Baselurre. Aus ist das Lied!“ Aber die kleinen unsichtbaren Wesen sagten alle: „Das Lied ist nie aus! Das ist das Schönste bei dem ganzen. Ich weiß es, und darum bin ich der Allerglücklichste!“ Aber das konnten die Kinder weder hören noch verstehen, und das sollten sie auch nicht; denn Kinder müssen nicht alles wissen. Das Abgründige in Herrn Gersfenberg ' Erstaufführung in den Freiburger Kammerspielen knarrte er ganz jämmerlich: „Schnipp clie vielen roten Punkte sehen, die hin und her schnapp — schnurre / Baselurre / Aus ist das fuhren, einer nach dem andern erlosch, so ge- Lied!“ „Nein, es ist nicht aus.“ sagte der schwind, so geschwind! Alles alte Papier, das Flachs. „Morgen scheint die Sonne, oder der g a ng e Bündel ward aufs Feuer gelegt, und es Regen tut wohl. Ich fühle, wie ich wachse; ich zündete schnell. „Uh!“, sagte es und flackerte fühle, daß ich in Blüte stehe! Ich bin der Allerglücklichste!“ Aber eines Tages kamen Leute, die nahmen den Flachs beim Schopf und zogen ihn mit der Wurzel aus; das tut weh; und er ward ins Wasser gelegt, als ob er ersäuft werden sollte, und dann kam er über’s Feuer, als wolle man ihn braten es war ganz greulich! Wenn der „Zuhörer“ — der Verfasser sagt daß „Schicksal“ nur noch im Theater vorgefun- „Man kann es nicht immer gut haben!“ sagte ausdrücklich nicht Zuschauer — den Raum der den und erlebt — nacherlebt — werden kann? der Flachs; „man muß etwas durchmachen, Kammerspiele betritt, ist der Vorhang bereits Im Leberi des Durchschnittsmenschen gibt cs dann weiß man etwas!“ hochgezogen. Der Theaterbesucher stutzt, denn kein Schicksal. Dieses Fazit wird nicht hier, Aber es kam allerdings schlimm; der Flachs dies ist wider die ihm geläufige Regel Sieht sondern vom Autor in seinem Stück gezogen, ward angefeuchtet und geröstet, gebrochen tmd der Zuhörer dann die kalkweiße, ärmlich sach- Dabei besteht zwischen dem Mangel an Schick- gehechelt — ja, das wußte er, wie das hieß, liehe Bühne, die nicht mehr als einen Weg- sal und dem Fehlen eines Helden ein ursäch- was man alles mit ihm vornahm. Er kam auf weiser zu einem Kino, einen Ascheneimer, eine lieber Zusammenhang. Herr Gerstenberg ist das Spinnrad: schnurr, schnurr! kleine Bank, zwei Podeste und einen Eingang kein Held, wie der Spielleiter mit spöttelnder Da war es nicht möglich, die Gedanken bei- zur Kohlenhandlung Meiners aufweist, so ist Überlegung feststellt, sondern ein Durchschnitts- sammen zu 'halten. „Ich bin außerordentlich er nahezu — von allen Theaterillusionen — er- mensch, und alle Personen, die seinen Weg glücklich gewesen!“ dachte er bei aller seiner nüchtert. Einen solchen ungeschminkten Realis- kreuzen, sind es nicht minder. Durchschnitts- Pein; „man muß zufrieden sein mit dem Guten, mus aber bezweckt der Autor, er sagt: „Dies menschen des 20. Jahrhunderts, des Jahrhun- was man genossen hat! — Zufrieden! Zufrieden! Stück trägt nicht etwa der Theaterlage von derts des kleinen Mannes. Dieser Durchschnitts- G!7 Und das sagte er noch, als er auf 1945 und dem fehlenden Bühnenraum Rech- mensch hat keine Ideale, er hat sie abgestreift, den Webstuhl kam; — und so ward er zu nung, sondern hat die Form, die einzig geeignet wie eine Schlange ihre Haut, ohne jedoch eine einem schönen, großen Stück Leinwand. All ist, das, was gewollt ist, darzustellen.“ Ehe der neue zu gewinnen. So steht er ziemlich nackt der Flachs, bis auf den letzten Stengel, ging Zuhörer mit Bewußtsein fragen kann, Was auf da und hat nur wenig, womit er seine Blöße zu dem einen Stück auf. dieser Bühne wohl vor sich gehen mag, beginnt bekleiden könnte, ein bißchen Geld, ein bißchen „Aber das ist doch ganz außerordentlich! Das bereits das Stück. Es entwickelt sich ganz un- Erotik, einen mißratenen Bildungsdrang, etwas hätte ich nie geglaubt! Nein, wie das Glück mittelbar und wie unvorbereitet mitten aus harmlos schwärmende Liebe, den Film und -mir doch günstig ist! Der Zaunstecken wußte dem Alltag heraus. Ein Spielleiter gibt einige schließlich die Unterhaltung im „Anzeiger“. Er •wirklich nicht übel Bescheid mit seinem Bühnenanweisungen, und das Stück hat an- kennt weder Gut noch Böse, denn absolute „Schnipp-schnapp-schnurre, Baselurre!“ Das gefangen. Wie dieser Anfang (übrigens ein Werte gibt es für ihn nicht mehr; nur ein „bes- Lied ist keineswegs aus! Nun fängt es erst köstlicher Einfall) auf die Traditionen verzieh- serer“ und ein „schlechtererMensch“ sind in ihm. recht an! Das ist wirklich außerordentlich! Hab’ tet, so weicht auch das Stück von allen geläufl- An Stelle des Gewissens ist die Polizei getreten, ich auch etwas gelitten, so ist doch auch etwas gen Formen des Theaters ab. Der Autor verläßt Die Entzauberung des Menschen ist vollstäri- aus mir geworden! Ich bin der Glücklichste von die wohlbekannten,' überlieferten Wege der dig, des Durchschnittsmenschen wohlverstan- allen! Ich bin so stark und so fein, so weiß und Bühnenkunst tmd kann sich dabei, wenn es den. Daher zeigt sich das Abgründige in Herrn solang! Das ist etwas anderes, als bloß Pflanze dieser Hilfe bedürfte, auf Thorton Wilder be- Gerstenberg als ein ziemlich glattes, unbeweg- zu sein. Jetzt werde ich gewartet und gepflegt, rufen, der Ambesser nicht wenig beeinflußt hat. tes Gewässer, in das ein Lot nur eben mit sei- die Magd wendet mich jeden Morgen um, und Es . gt nur einmal Im überlieferten nem Gewicht eintauchen kann. eüf Rlgenbld^die^r^Pastorin St leibst Sinne in diesem Stüde: als der alte Schauspieler So viel und mehr noch zeigt der Verfasser an eine Rede über mich gehalten und hat gesagt, chalon dl % Geschichte seines Schicksals erzählt seinem Demonstrationsobjekt“ Gerstenberg, daß ich das beste Stück in dem ganzen Kirch- a .us den jungen Liebenden einen Romeo der allerdings aus mehr als nur e nem unver- spiel sei Ich kann gar nicht glücklicher werden 1 “ 1111,1 eme Julia zu machen sucht. Aber dieses bmdlichen „allgemeinen Interesse“ betrachtet .' ,. r • ti , Theater — es ist merkwürdig genug — ist kein werden sollte. Hier ließe sich eine Schwäche des dle . Lemwand danr !o Unt< f r Theater, sondern das einzige Stück Wirklichkeit Stückes feststellen, vielleicht aber auch eine SL, S d,“ÄiS, -'S! 7» 7; a Ä¥? 1A “i.t1 s d £V'SS' h S2 ^ d ? ? uto "; d S“ ■ Dur *- war kein Vergnügen- aber aus der Leinwand der »alleralltaglichsten Wirklichkeit“ auf der schnitt 1 mit seinen Auswirkungen bis m seine wurden zwölf 8 Stück’Wäsche von der So-te »höheren Ebene“ ereignet, und die von den übri- letzten Folgerungen teilnahmslos einfach so die man nicht gerne nennt die aber alle Men- gen Personen als für das Dasein des Durch- wie er sich darstellt, schildert. Aber trotz der nur sehen haben müssen; es waren zwölf Stück sdmittsmenschen unnötig und hinderlidi abge- schematisierenden typisierenden und psycho- davon. „Nein, seht doch! Jetzt bin ich erst was ten wird - Dieses Schicksal erscheint in der Welt analysierenden Streiflichter, gegen die stärkste rechtes geworden! Also das war meine Bestim- der Durchschnittsmenschen als Vergangenheit, künstlerische Einwände erhoben werden kön- mung! Das ist ja ein wahrer Segen! Nun schaffe ^ überholt ist und die Gegenwart nicht mehr nen, fällt doch ein helles Licht auf die dar- ich Nutzen in der Welt, und das soll man ja, beeinflussen kann. Es wirkt wie eine Erinne- gestellte Situation der Zeit Hat diese unsere das ist das wahre Vergnügen! Wir sind zwölf ru ng an das Theater und wird so vorgeführt. Zeit noch Form? Wie soll ein so ausgesproche- Stück geworden, aber wir sind doch alle eins Ist dies nicht eine etwas nivellierende Satire, nes Zeitstück mit künstlerischen Maßstäben ge- und dasselbe: wir sind ein Dutzend! Was das . . . . . für ein außerordentliches Glück ist!“ Und Jahre vergingen nicht länger. „Einmal muß es ja vorbei sein!" sagte Jedes Stück. „Ich hätte gern etwas länger gehalten, aber man muß nichts Unmögliches verlangen!“ Und so wurden sie in Stücke und Fetzen zerrissen. Sie glaubten, daß es nun ganz vorbei sei, denn sie wurden zerhackt und eingeweicht, und gekocht, ja, sie wußten selbst nicht, was alles — und dann wurden sie schönes, weißes Papier. „Nein, das ist eine Überraschung, und eine herrliche Überraschung!“ sagte das Papier. „Nun bin ich feiner, als vorhin, und nun wird auf mir geschrieben werden! Was kann nicht alles geschrieben werden! Das ist doch ein außerordentliches Glück!“ Und es wurden wirklich die allerschönsten Geschichten und Verse darauf geschrieben, und es kam nur ein einziges Mal ein Klecks darauf, das war dann freilich ein ganz besonderes Glück; und die Leute hörten, was darauf stand: und es war so gut und so klug; es machte die Menschen viel klüger und besser; es lag ein großer Segen in den Worten auf diesem Papier. „Das ist mehr, als ich mir träumen ließ, wie ich noch eine kleine blaue Blume auf dem Felde war! Wie konnte es mir einfallen, daß ich dereinst Freude und Kenntnisse unter die Menschen bringen sollte! Ich kann es selbst noch nicht begreifen; aber es ist nun wirklich so! Unser Herrgott weiß, daß ich selbst nichts getan habe, als was ich nach schwachen Kräften für mein Dasein tim mußte; und so fördert er mich auf diese Weise von der einen Freude und Ehre zur anderen! Jedesmal, wenn ich denke: „Aus ist das Lied!“, da geht es gerade wieder zu etwas höherem und besserem über. Nun soll ich gewiß reisen, in der Welt herumgeschickt werden, damit alle Menschen mich lesen können. Das kann nicht anders sein! Es ist das einzig Wahrscheinliche! Ich habe köstliche Gedanken, ebenso viele, wie ich früher blaue Blumen hatte! Ich bin der Allerglücklichste!“ messen werden, wenn es — das Stück aus der Zeit — keine Höhen und Tiefen hat, die auszumessen wären? Es scheint nur natürlich, daß es wohl eine Geschlossenheit, aber keine Form hat. Es ist soviel £eitkritik in diesem Stück, daß sie sich hier nicht ausschöpfen läßt. Aber einige wichtige Andeutungen sollten hier gemacht werden, weil die Auseinandersetzungen um Ambesser und Herrn Gerstenberg bereits begonnen haben. Die Freiburger Aufführung entsprach ganz der mittleren Linie des Stückes, die dank der munteren Ensembleleistung vorzüglich getroffen wurde. Lag es am Stück, daß man die Schauspieler in solcher Spiellaune sah? Die Freiburger hatten ihre Freude an der psycho- analysierenden Vivisektion (vor allem an dem „schlechteren Menschen“ in Herrn Gerstenberg), die ihnen Peter Wackemagel, der Gastregisseur, auf der zutreffend gebauten Bühne Friedhelm Strengers so vorführen ließ, daß der erzählende Charakter des Stückes dabei voll zum Ausdruck kam. Die Schauspieler taten das ihre dazu K H. Welke spielte den illusionslosen, erfolgsicheren, wirklich alltäglichen Durchschnittsmenschen überzeugend. Sein „besserer Mensch“ (Willi Ar- low) war, wie vom Autor gewünscht, blaß, bisweilen etwas zu ethisierend, der „schlechtere Mensch“ (H. W. Frye), immer nüchtern, resolut, auch brutal wie ein geistiger Zuhälter des Herrn Gerstenberg. Vater (L. Bühring) und Mutter Meiners (K. Gothe) bemühten sich beide auf ihre Weise um das Glück, alias geschäftsfähige Heirat, ihres Kindes. Beide boten handfeste Individuen, wie sie im Alltag vorgefunden werden. Lolotte Bartels die von H. Schneider- Wenzel gut gespielte Frau, die bei aller Selbstherrlichkeit nicht geliebt sondern versorgt sein will. Dazu die ausgefeilte Leistung Philipp Or- lemanns als Chalon und der sympathische Spielleiter, der seine schwierige Rolle ebenso liebenswürdig wie vorzüglich gestaltete und am Schlüsse das Liebespaar Lieschen Meiners (E. Huber) und Hans Brettschneider (G. Oschmann). E. Huber gab dem Lieschen den Charakter eines liebenswerten, aber unbedeutenden Gänseblümchens, dessen kleine, hilflose Dummheit seiner Unschuld kaum nachsteht. Oschmann ' spielte einen* bildungsbeflissenen Jüngling, voll harmloser Rechtschaffenheit und Gütigkeit und versah diese Rolle mit einem köstlichen Gran Humor. Eine äußerst gelungene Darstellung, die die Durchschnittsmenschlichkeit bereits überwunden hat. Die Schauspieler haben hoffentlich gezählt, wie oft sie am Abend der Erstaufführung an die Rampe mußten, um den Beifall der Freiburger entgegenzunehmen. Dr. Ueberdick. Schloß Schönbusch bei Aschaffenburg, eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Bayern, in d-m von den Mainzer Kurfürster geschaffenen gleichnamigen englischen Park, ist nach Restaurierung und Erneuerung der Inneneinrichtung zur Wiederbesichtigung freigegeben. pf- und da hielten sle Sport-Nachrichten Französische Siege beim Interalliierten Fechtturnier in Baden-Baden wurde in der vergangenen Woche ein von der Besatzungstr„ppe veranstaltetes Interalliiertes Fechtturnier abgewik- kelt, an dem Frankreich, Großbritannien, USA, die Niederlande Dänemark, Belgien, Polen und die Tsehechoelo» ahei teilnahmen. Die französischen Fechter Karner bei diesem Turnier zu schönen Erfolgen. Nach den bis Jetzt vorliegenden Berichten erkämpften sie s'ch den Florett - und Degenmannschaftssieg sowie den Einzelsieg im Florett, während Belgien in den Degen-Einzelkämpfen zu einem Erfolg kam. Die französiche Florett-Mannschaft Cte. Mangleu, Sergant Bousset, Aspirant Girouard. Lieutenant Schärfer, Adjutant Giraud und Sergant Taillancher war ihren Gegnern eindeutig überlegen und siegte über Belgien mit ll:S, Uber Holland mit 12:4 und über die Tschechoslowakei mit 10:8 Siegen. — Auch im Degenmanruchaftsf echten war die Überlegenheit der französischen Teilnehmer sichtbar. So gewann Frankreich über die Niederlande mit lo.s Siegen, über Polen mit 13:3 und über Belgien mit 11:4 Siegln. Sowohl im Florett- wie auch im Degenmannschaits- kampf belegte Beigien den zweiten Platz. In den Einzelkämpfen im Florett setzte sich Gi- rouart, Frankreich, mit sechs Siegen auf den ersten Platz vor Bousset, Frankreich, und Laermans, Belgien, mit Je fünf Siegen. — tm Degen-Einzelkämpf siegte der Beigiei Mollet mit fünf Stegen vor den Franzosen Giraud, Herault und Chambert-Loir mit Je vier Siegen wobei die Anzahl der Treffer für die Reihenfolge der Plazierung ausschlaggebend war Eingeschränktes Zonenliga-Programm Die Spiele in der Gruppe Süd der Zonenliga wollen nicht recht in Fluß kommen. So mußten am Sonntag wiederum z w e ’ Spiele vom Pro* gramm abgese + zt werden, und zwar die Begegnungen Vf*, Freiburg — SV Biberach und VfL Konstanz — SV Schwenningen. In den beiden übrigen Treffen zeigte es sich, daß die Württemberg iscben Partner der Stidgruppe keineswegs zu unterschätzen sind. Der SV Offenburg mußte in f riedrichshafen eine eindeutliche 2:4-Niederlage hinnehmen, wobei noch ein Eigentor der Platzherren den Offenburgem zürn zweiten Toi verhall. Der SV Rastatt, der zwar einen knappen 1:0-Sieg aus Reutlingen mit nach Hause brach.e, hat in spieltechnische; Hins cht stark enttäuscht. Die Zuschauer hatten von dem Bad sehen Meister und Pokalsieger weit mehr erwartet als er in Reutlingen vorführte. Die kommenden Spiele werden weiteren Aufschluß darübei geben, wo die stärkeren Gegner zu Hause sind In der Gruppe Nord dagegen konnte das vorgesehene Programm restlos durchgeführt werden. Hier kann man bereits nach dem zweiten Spieltag sagen, daß der FC Kaiserslautern wohl die Überragende Rolle in dieser Abteilung spielen wird. Am Sonntag blieb er in 1 ritr mit 60 Toren s eg- reich und weist nun nach zwei Spieltagen bereits ein Vorverhältnis von 14:2 auf Etwas überraschend ist das magere 2:2 vor Tus Neuendorf gegen den VfB NeunkiiChen, Mar tutte den Koblenzer Verein hierorts etwas höher eingeschätzt. Daß Mainz 95 ein ernst zu nehmender Gegner sein wird, wurde durch das 0:0 des FC Saarbiücken sehr deutlich WormatU Worcnt» hatte man stärkeren Widertsar.d zugetraut, als er in dem 1:4 gegen Phönix Ludwigshafen zum Ausdrude kommt. Oberraschungen in der Oberliga Die badische O b e r ’ i g a hat am Sonntag in zweierlei Hinsicht Überraschungen gebracht: einmal nach d -1 Seite der Spieiergebnisse. zum anderen aber auch in Bezug aul die Höhe der Resultate. In der Gruppe West hat eigentlich die Begegnung ASV FreDurg — Blauweis Freiburg 3:1 (1:0> noch den normalsten Verlau. g-rommen. Die Platzherren hattei zwar anfangs einigen Widerstand zu Überwinder, jnd anh über geraume Strecken der zweiten Halbzeit mußten .ie c.er Gästen die Direktion des Spieles überlassen Das hinderte sie aber nicht, durch besonderen Einsatz und Elfer die gebotenen Torchancen auszunutzeu und so doch zu einem immerhn kla.en 3 1-Erfolg zu kommen. Einen H uptanteU an diesem Ergebnis hat vor allem die stabile Hintermannschaft des ASV, die auch ln der Drengperiodi der Blauweißen ihre Rune nicht verlor. Sportfreunde Lahr — Fortuna Freiburg 1:0 Die Überraschung des Tages kam in Lahr zustande, wo die dortigen Sportfreunde die Freiou-ger Fortunen um zwei wertvolle Punkte Drachien. Das Lah- rer Pflaster hat Tücken das noch mancher Mannschaft zum Verhängnis werden-wird Wohl drängten die Freiburger in der. zweiten Halbzeit, sie spielten eine überleg .ne Partie, aber greifbare F,rfo’ge waren eben nicht sichtb'r, so daß dt- knappe, kurz vor der Pause errungen« I:0-Vorsprung den Platzherren für Sieg und Punkte ausreichtc. SV Emmendingen — Riegel Btl Die Emmendinger hatten in den bisherigen Spielen noch keine gute Figur gemacht. Zu dem Spiel gegen den New mg war die Mannschaft umgestalt worden, und si he da. es gesch, h ein Kleines Wunder. zwar hatten die Riegeier die Chtnce des ersten Tores, aber d„nn spielten die Platzbesitzer auf und reihten Erfolg an Erfolg, sc daß mit 5:1 der erste Sieg ln dieser Saison errungen wurde. SC Baden-Baden — Oberkirch 9:0 Nicht der Sieg an eich überrascht nler. sondern die Höhe des Ergebnisses. Die 0:?-Nlederlage der Kurstädter in I ehr natte also keine weiteren Rückwirkungen, sondern wirkte geradezu belebend auf Ihren Spieleifer. Der Leidtragende war Oberkirch, das neun Tcre entgegennehmen mußte, ohne auch nur einen Gegentreffer anbringen zu Können. In der Staffel Ost gab es ebenfalls sehr hohe Siege der Platzmarnschaften. Rrfdo'tzell erzielte gegen Neustedt einen 8:2-Erfolg, der beweist, daß die Neuslädter anscheinend nur zu H9use gute Partien zu lieietn vermögen. Auch die Spielstarke von Donaueschlnger ist gegenüber dem Vorjahr ganz beträchtlich Ins Wanken geraten, ander» kann man sich da' ?:7 in Stocka ch n cht erklären. Seine führende Stellung hat Eintracht Singen durch eine 9:0-Erfolg übet GO'tmadidgen weiter gefestigt und weist mit 40:1 ein bezwingendes Torergebnis aul Die Gruppe Süd meldet ihre ÜDerraschung in dem torlosen Ausgang der Begegnung Waldshut — Rheinlalo-, n, womit Rhelnfelden seinen ersten Punk C ■' crlust verzeichnet. Schopfheim ho.te sich erwartungsgemäß gegen Lttia m t 4:1 beide Zähle, Well setzte sich gegen F a h r n a u mit 2:1 durch un* Wehr siegte mit dem gl ichen Ergebnis gegen Zell. In de’ Tabelle führt nach Verlustpunkten nach wie vor Rhelnfelden vor Schopfheim und Weil. Die Handball-Oberliga Nur zwei Spiele verzeichnet« die Handball- Oberliga am Sonntag Dei VfL Freiburg sicherte sich geg.c. den SV Steinbach mit 8:3 zwei ®eltert Punkte, während der SV Rastatt gegen N.ed.rbühl mit 4:» Toren unterlag und damit auch weiterin ohne Punktgewinn das Schlußlicht der Tabelle bildet. Lörracher Tiscfeteimissie* Der SV Waldkirch hatte am Sonntag die spielstarke Mann sei' 'ft des TTC Lörr.cn zu Gast. Die Lörracher spielten eine überlegene Rolle und gewannen hoch m.l 8:1. Mittwoch, 22. Januar 1947 / Nr. 7 Sfldwestdeptscbe Volkszeitnng Seite 5 Nachrichten aus der Badischen Heimat \ Freiburger Nachrichten Lob der Zasiusstrafje oder; Auf der Spur einer Mardsgesthichte I» Freiburg und sogar «hon in seiner engeren und weiteren Umgebung raunt man von schlimmen Dingen, die de in der Zasiusstraße passiert sein sollen- Bis in das Einzelne gehende Dinge dieser „Mordsgeschichten“ wollen und können wir nicht bringen. Datür ist uns das Panier und sind uns die Nerven der Leser zu schade. Daß nichts davon zutrifft, aher auch gar nicht? von dem, was sich einige (leider schon allzu viele) sonst ganz ruhige Bürger zuflüstem, bestätigt uns die zuständige Kriminalpolizei. Man überlege sich doch einmal, wenn ein einziges Mädchen fehlen würde in unserer Stadt oder auch anderswo, so wäre dies doch schon längst den Polizeibehörden bekannt. Wir haben uns selbst (furchtlos, aber treu der Informationspflicht gegenüber den Lesern) ln die genannten' Häuser begeben und dort überall anständige Menschen angetroffen, genau wie sie in anderen Straßen Freiburgs auch wohnen. Und man muß die Leute aus der Zasiusstraße noch loben, weil sie über die Dummheit anderer großmütig hinwegsehen können. Im übrigen würden sich manche Ausgebombte freuen, wenn sie in ein Haus „Zasiusstraße Nummer 13 oder 15“ einziehen könnten. Aber leider müßte dies erst noch gebaut werden. Bis jetzt ist nichts dort. Aber etwas anderes Ist nun doch in der Zasiusstraße passiert. In den Kammerspielen sagt seit Wochen bei jeder Aufführung des Märchenstückes „Stefan mit der langen Nase“ der Küchenmeister von der Hexe, daß er sie „in einen großen Wasserkübel stecken und auf dem großen Herd kochen lassen würde, so lange, bis sie mit dem Wasserdampf in die Höhe steigt. Ahl Das wäre ein richtiger Hexentod!“ Da haben wir es ja! Oder hat einer schon den abgeschlagenen Kopf des Herrn Zasius persönlich gesehen? Vor Wochen nofch lag er —* neben seinem allerdings steinernen Denkmal »- vor dem Bertholdsgymnasium — und wenn ihn niemand gestohlen hat, so lieg! er heute noch dort -rb- Die nächsten Zu'eilgngen Für den Monat Januar wird in diesen Tagen die erste Rate Fett, und zwar für alle Altersstufen 10Q Gramm Butter, und ab Mittwoch die Käsezuteilung für den Monat Januar ausgegeben. Es erhalten Verbrauher von 6 bis zehn Jahren 100 Gramm und Verbraucher über ?ehn Jahren 125 Gramm Käse. In den Kartoffelgeschäften wird eine weitere Rate Kartoffeln ausgegeben. Näheres aus den Anschlägen an den Geschäften. Verbrauher, die bisher in den vom E?- pghnmgsministerium geschlossenen Geschäften gekauft haben, können ihre Ware ln jedem anderen Geschäft einkaufen. Eine Spende für Kinder bis zn drei Jahren Durch Vermittlung des internationalen Rotep Kreuzes werden in diesen Tagen durch das Badische Hilfswerk in Freiburg Spenden der Deutschen in Südafrika ausgegeben. Alle Kinder bis zu drei Jahren erhalten die Zusatz- und Kraftnahrungsmittel „Cenovimalt und Forsanose“ bei Vorlage des Beiblattes K 1 Abschnitt 29. Ab 23. Januar erhalten werdende ' und stillende Mütter auf die Mütterkarte Abschnitt 12 ebenfalls diese Spende. ■ Ab 17. Februar wieder Vorlesungen Pie Vorlesungen der Universität Freibiirg 1. Er, werden entsprechend der zu Beginn des Semesters infolge Heizungsschwierigkeiten beschlossenen Anordnung am Montag, den 17. Februar 194? wieder aufgenommen. Der Ordinarius für Reehtsgesehichtg, Prof. Df. Franz E e y e r 1 e, wurde zum Dekan der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg i. Br. ernannt. Grundkurs für erste Hilfe Die weibliche Bereitschaft der Kreisstelle de? Badischen Hilfswerkes beginnt am 37. Januar, 18.30 Uhr, mit einem Grundkurs für erste Hilfe. Die Kurse werden ip der Landwirtschaftsschule, Fürstenbergstraße 17, abgehalten. Anmeldungen in der Kreisstelle des Badischen Hilfswerkes. 75. Geburtstag Am- 12. Januar feierte in körperlicher und geistiger Frische Frau Annemarie Kränzle, Frei- bürg, Jahnstraße 14, ihren 75. Geburtstag. Gastspiel der Comddie des Champs-EJysbe? gip Gastspiel der Comedie des ChamPS-EH- sdes, Paris, das am Freitag, 34- Januar, 20 Uhr, im Casino stattfindet, bringt die reizende Komödie „Jupiter“ von Robert Boissy. Jupiter, dar in der griechischen Sage so oft vom Olymp herabstieg, um die Töchter der Erde mit seiner Liebe ZU beglücken, kommt ip dem Bühnenwerk Boissys zeitgemäß mit dem Auto, um in des Fgm'lie des ehrenwerten Apothekers Balbuzar Verwirrung zu stiften. War es wirklich Jupiter? Das Stück wird die Antwort geben- Vier Herzen Elp TJpterhaltiwvgsfllm 4P* Raglan^ Wenn der Titel '‘on vier Herzea spricht. da«n dürfte der Film wohl zumindest ein-s haben. Aber leb weiß nicht, is* drs ein Film mit Herz! Er nennt släi Komödie und lustig ur.d das Spiel rechtfertigt diese Attribute im selben Maß wie das Versprechen von den vie- Herzen. Tatsächlich wirbelt die Handlung um vier Junge Menschen, um Qaiina und Sehura, zwei hütf che Mädche. . und um dereB 44^8- haber,' einen sehen Leutnant der Roten, Armee und einen jungen Wissenschaftler, Ser nur noch nicht ganz gebacken Ist. Und desha.b offeriert das Ganze vipi kcmi-che Episoden und lustige Momente, die man aber eher und bes:er mal burlesk, mal possenhaft und wer weiß was neeh nennen könnte. Es ist von allem etwas qrm und also äuAt vom Seher» und ehrnerz der Liebe. Im Grunde ist hier etw# das alte Thema von der Zähmung der Widerspenstigen ins Moderne abgewandelt Aber bei Shakespeare beherrschen Humor und Witz und sprudelnde Lebensfiyie d>e Szene, alles aus einer genialen Qrig'naHtet geschöpft — während hier vor allem das Kintopp reg'ert und Regieeinfälle mit langen Härten über d,e Leinwand springen läßt Man lacht b sweiien. e«w s, und man amüsiert sich, aber im Effekt bieip* pjap doch sehr unbeteiligt. Big MögUchiceit, hier »aeh Jahren wieder einmal einem russischen Film begegnen zu können, hatte die Erwartungen »uma, msa gerade vom russi- g sthen Fiinj immer viel Gu'es erzählen härte — aut® ochstg gesetzu Sie Sind nicä)* erfüll* worden, pepn misch betrachtet, führt d.eser Streifen um Jahre Zurück und schauspielerisch liegen seine Leistungen höchstens au dem Niveau einer mittleren deutschen Prov.nzbühne. AL jej-r mangelhaft müssen auch die deutschen Untei texte empfunden werden. H. Sch. flandhsrmoaika-Konzert Sdlöte Veranstaltungen von Liebhabervereinigun- gen, wie sie aer Erste Freiburger Handhsrmomka- und Ahhordeon-Club mit seinem Kons*r*.abend bot, bringen Innrer eines JrUÖwn lug y n AOWMhalung ln daz tägliche Einerlei und erfüllen damit den ihrer Eigenart und ihren Fähigkeiten angepaßten Zwack, unbeschwerte Btimmi ng zu vermi*td.t. Um 50 mehr Wird dieses 3 ei erreicht wer 1 Bien falscher Ehr- ge-z zu eineir verkennen der eigentlichen Aufgaben führt und mar. sich nicht gegen eine für ganz andere Zwecke geschaffene Musik vergeht. E* glot eine Fülle von Komoositionen und Melcd'en jeglicher Art, die für die Eigcna-, dar Handbarmsniks w denkbar bester Weise geeignet sind daß man es nicht nötig haben sollte. Beethoven (!i dafür zu mißbrauchen. von diesem Schönheitsfehler abgesehen, war es ein freudige, eifriges und triseJ-.es Spielen, das in »bweehslungsts eher Folge die beabsichtigte Aufmunterung a#r vie**n Zuhörer völlig erreichte und mit Ländten , Polkas, Märschen und Wienern die zahlreichen Liebhaber fröhlicher Weisen erfreute; der sich steigernde Beifall belohnt« dig gplelschar, deren Vortrag Ihrem Können sowie dem Leiter Ernst Strub das beste Zeugnis ausstallt«. g. Rund um den Breisgau Pa Europa, Altbaden, zu verkaufen. Angebote unter 254 an die VZ., Freiburg. Biete dkl. blauen, gut erhalt. 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