Der Lan-bote. Verkündigungsblatt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. M r0, 135. Dienstag, den 14. November 1854. [938] Das Halten der Nachtwache betr. Beschluß. Nro. 27,199. Vom 15. dieses Monats an ist die Nachtwache zu halten von Abends 8 Uhr bis Morgens 5 Uhr. Sinsheim, den 11. November 1854. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Otto. £925] Die ordentliche Ko»skriprion pro 1855, Altersklasse 1834 betr. Beschluß. Nro. 17,388. Die Aushebung der Konskriptionspflichtigen pro 1855, Altersklasse 1834, findet dahier Donnerstag den 7. Dezember d. I., Morgens 8 Uhr, statt, was hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird. Ncckarbischofsheim, den 5. November 1854. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Scheuermann. [932] Die U nterstützungen aus dem allgemeinen Lehrgelderfonde betr. Beschluß. Nro. 17,361. Die Gemeinderälhe des Amtsbezirks werden angewiesen, etwaige Gesuche in obigem Betreffe, welchen die Lehraccorde anzuschließen sind, längstens bis Iten Dezember d. I. dahier einzusenden. Neckarbischofsheim, den 4. November 1854. - Großherzoglich bad. Bezirksamt. Schcuermann. [933] Die Vertilgung der Raupen betr. Beschluß. Nro. 17,382. Sämmtliche Bürgermeisterämter des Amtsbezirkes werden auf §. 2 der Verordnung Großh. Ministeriums des Innern vom 26. November 1839, Verordnungsblatt Seite 149, zur Befolgung aufmerksam gemacht. Neckarbischofsheim, den 4. November 1854. Großherzoglich bad. Bezirksamt. S ch e u c r m a n n. [934] Die Preise der Lebensmittel btr. Beschlu ß. Der Preis des Hammrlfieisches für das Pfund wird auf zehn Kreuzer herabgesetzt. Heidelberg, den 10. November 1854. Großherzoglichcs Oberamt. G r o s ch. 1917] Sinsheim. Nro. 25,871. Die Wittwe des verlebten Gutspächkers Samuel Mosemann zu Unterbiegelhof, und Bürgers zu Daisbach, Christene geborne Mußelmann hat dahier das Ansuchen gestellt, sie, da die gesetzlichen Erben ihreS Mannes der Erbschaft entsagt haben, in den Besitz und Gewähr der Vcrlassenschaft desselben einzuweisen. Diesem Gesuche soll entsprochen werden, wenn nicht innerhalb 6 Wochen Einsprache dagegen erhoben wird. SinSheim, den 25. Oktober 1854. Großherzoglich bad. Bezirksamt. B o d e müll er. 1936] Sinsheim. Ankündigung. In Folge richterlicher Verfügung werden dem Jakob Geiger in Sinsheim die nachver« zeichneten Liegenschaften Mittwoch den 29. November l. I., Nachmittags 2 Uhr, auf dem Rathhause zu Sinsheim öffentlich versteigert, wobei der endgiltige Zuschlag erfolgt, wenn der Schätzungspreis auch nicht geboten wird. Beschreibung der Liegenschaften. Eine zweistöckige Behausung, Scheuer und Stall nebst 24 Ruthen Garten, karirt zu 1200 fl. circa 5 Viertel Acker, 7 S tück 353 fl. zusammen 1553 fl. Sinsheim, den 10. November 1854. Der Bollstreckungsbeamte Schneider. [935] Sinsheim. Ankündigung. In Folge richterlicher Verfügung werden der Jo, _Hann Hohlweg Wittib in Sinsheim die nachverzeichneten Liegen, schäften Samstag den 9. Dezember l. I., Nachmittags 2 Uhr, auf dem Rathhause zu Sinsheim öffent» lich verstcigeri, wobei der endgiltige Zu« schlag erfolgt, wenn der SchätznngspreiS geboten wird. Beschreibung der Liegenschaften. Tai. Ein zweistöckiges Wohnhaus ge, gen dem untern Thor 250 fl. sodann 2 Viertel 50 Ruthen Acker - und Gartenland, 3 Stück 127 fl. Sinsheim, den 6. Rovbr. 1854. Der Vollstreckungsbeamte Schneider. 377 fl. — 548 — [937] Grombach. Liegenschaftsversteigerung. Dienstag den 14. dieseü MonalS, Nachmittags 1 Uhr, läßt Bernhard Wimmer von hier das seinen minderjährigen Kindern als: Wilhelm, Maria, Elisabetha und Ro-sa Wimmer mit deren übrigen zwei Geschwistern gemeinschaftlich angehörige halbe Wohnhaus, Scheuer und Stallung mit Garten und Hofraithe- platz, im Untcrdorfe gelegen, so wie die den Erster» gehörigen Güterstücke, bestehend in 4 Morgen 2 Viertel 6 Ruthen Aecker und Wiesen, zusammen im waisengerichtlichen Anschlag zu 1810 fl- unter Vorbehalt obervormundschaftlicher Genehmigung, auf dem Rathhause öffentlich versteigern. Grombach, den 7. November 1854. Daö Waisengericht. Hemmer, Bürgermeister. Zur Geschichte des Tages. * Wir haben unsere Leser früher schon darauf aufmerksam gemacht, daß die königl. preußische Regierung beschlossen hat, die dermalen noch im Umlauf befindlichen Darlchenskassenscheine vom 15. April 1848 gegen vom 2. Nov. 1851 dakirte Kassenanweisungen von gleichem Werkhe umzutauschen. In einer neneilichen Bekanntmachung vom 15. Okibr. d. I- hat nunmehr die königl. preußische Hauptverwaltung der Staatsschulden zur Bewirkung dieses Umtausches einen letzten und präklusiven Termin auf den 15. Mai 1855 anberaumt. Mit dem Eintritte dieses Termins sollen alle nicht cingelieferte» Darlrhenskassenschciiw von 1848 als ungiltig, alle Ansprüche aus denselben an den Staat als erloschen betrachtet, und die bis dahin nicht umgctauschten Dar- lchenskassenschcine, wo sie noch zum Vorscheine kommen, angehalten und ohne Ersätzen die Staatsschuldcnverwaltuiig abgelte* fort werden. Der Umtausch von jetzt an und bis znm 15. Mai 1855 kann in Berlin selbst bei der Kontrole der Skaatspapiere, auswärts aber bei den Regierungshanpikassen und den hiezu von den königl. Regierungen bezeichneken sonstigen Kassen bewirkt werden. Wer nun im Besitze von preußischen Darlehenskassenscheinen sich befindet, oder solche als Zahlung annimmt, wird zur Vermeidung von Verlusten wohl thun, dieselben bei erster Gelegenheit zu Zahlungen nach Preußen oder nach benachbarten Zollvereins-Bezirken zu verwende», wo der Umtausch in Kassenanweisungen leicht zu bewirken ist. Bei dieser Gelegenheit wollen »vir nicht versäumen, unseren Lesern noclunals in Erinnerung zu bringen, daß hinsichtlich der Kassenanweisungen von 1835, »velche ebenfalls gegen neue Kassenanweisungen vom 2. Nov. 1851 nm- gekauscht werden, der Präklusivtermin zur Bewirkung dieses Umtausches »nit dem 31. Januar künftige» Jahres abläuft. Heidelberg. (M. I.) Eine Untersuchung, die hier gegen einige ledige und verhcirathctc Frauenspersonen wegen einer unsittlichen, verbrecherischen Handlung, beziehungsweise wegen Anleitung hiezu, eingeleitct worden, har boshaften, verläumderi- schen Zungen zur Erfindung des Gerüchts Veranlassung gegeben, daß Töchter angesehener hiesiger Familien darein verwickelt, ja sogar gefänglich eingezogen seien, und unbedachtsame, geschwätzige Personen haben dies Gerücht mir geschäftiger Eile herumge« tragen, thcilweise vergrößert und durch alle »ndglichcn Nebenumstände glaublich zu mache» gesucht. Zur Beruhigung darf man aus guter Quelle versichern, daß diese Untersuchung durchaus eine solche Tragweite nicht har und den gute» Ruf der den hiesigen Familienkreisen angchörenden Töchter in keiner Weise verdächtigt, die Angeschuldigten vielmehr hauptsächlich der dienenden Klaffe oder fremden Familien angehörcn. Die boshaften, sowie die unbesonnenen Lästerzungen, denen man bereits ans der Spur zu sein scheint, dürfen sich aber vorschrn, daß ihnen die Erfindung oder Verbreitung ihrer Verläumdungen nicht noch theuer zu stehen komme. * In der Kirche,-gemeinde Kirrlach scheinen nunmehr die kirchlichen Verhältnisse im Allgemeinen, sowie die pfarrlichcn im Besonder« wieder geordnet zu sein. Die beide» Pfarrverwalter, der landesherrliche lHörth) und der erzbischöfliche (Finncisen), haben beide die Pfarreien verlassen, und diese »vird nun von dem Priester Zugschwerd versehen, welcher in Uebereinstimmung mit der Staatsregierung von dem Ordinariat ernannt worden sein soll. Aus Baden. Nachdem die östreichische Regierung in neuerer Zeit aufgchört hak, ihre Tabakseinkäufe am Rhein zu machen, da das eigene Produkt ihr jetzt so ziemlich ausreicht, beginnt Frankreich sich Behufs seiner Einkäufe an uns zu wenden. Bereits sind im Obei lande beträchtliche Tabakeinkäufe gemacht lind solche in der jenseitigen Pfalz gegenwärtig im Werke, worauf die Käufer auch in unsere Pfalz "kommen dürften. * Die rheinpfälzischen Weinproduzcntcn petilioniren um --energische Maßregeln gegen die Weinschmiererci. * I» Frankfurt ereignete sich vor einigen Tagen ein Un- glücksfail seltener Art. Ein Mann ging mit seinem 3—4jährigen Kinde auf dem Arme an dem Bauplatz der neuen Synagoge vorbei, als auf einmal eine von einem hohen Hause herabgefallene oder heruntergeworfene Katze auf das unbedeckte Köpfchen des Kindes fällt, sich fest einfragt und so die ganze Haut desselben herunterrcißt. Es soll kaum Aussicht vorhanden sein, daß das Kind gerettet wird. Frankfurt, 9. Nov. Gestern sind die beiden Nachtzüge der bayrischen Wcstbahn zwischen Aschaffenblirg und Würzburg zusam- mengcstoßen, in Folge dessen die beiden Lokomotive und gegen 12 Wagen mehr oder weniger stark beschädigt sein sollen. Zwei Maschinisten und Heizer, sowie ein Postkondukteur soll ans der Stelle geködtek worden sein und viele Passagiere Verwundungen und Kontusionen eihalten haben. — Nach den neusten Berichten wäre nur ein einziger Passagier verletzt und von den 19 Wagen nur 6 beschädigt worden. München. Im verflossenen Monat Oktober sind in unserer Stadt leider noch 113 Personen an der Cholera gestorben, also immerhin noch 3 bis 4 per Tag; auch die beiden in den jüngsten Tagen gestorbenen Abgeordneten Hoffmann und Weigl, letzterer nach zweitägigem Verweilen in unserer Stadt, erlagen dieser Krankheit. Unter den 113 an der Cholera Gestorbenen befanden sich 13 Kinder von 1 bis 5 Jahren, 21 Personen von 60 bis 70 Jahren, 7 von 70 bis 80 Jahren und 2 im Alker von 80 bis 90 Jahren. Im Ganzen starben hier im Oktober 417 Personen. * In Bingen ist der Gemeinde-Einnehmer Hr. v. St. mit 5—6000 fl. flücbkig gegangen, bereits der dritte oder vierte derartige Fall in dortiger Stadt. * Die Erbauung einer festen Rheinbrückc bei Köln und einer Eisenbahn von Köln-Deutz nach Siegen-Gießen hat die landesherrliche Genehmigung erdalte». * AuS Berlin, 6. Nov., wird der --A. Z.« geschrieben: Man wi>d allmälig darauf gefaßt, daß wir im Frühjahr ebenfalls »üsten werden, und baß es bei der Aufstellung des Bundeskontin- gentS von 80,000 Mann nicht sein Bewenden haben wird. Im Allgemeinen hält man den europäischen Frieden für verwirkt und die Behauptung der Neutralität, wie sich aucb Rußland zu den vier Punkten stellen mag, für ein Ding der Unmöglichkeit. In keinem Fall »vird Rußland irgend einen neuen herausfordernden Schrill gegen Oestreich thun, vielmehr Alles aufbieken, um die Ursache seiner Beschwerden wegzuräumen. In Berlin wollte man u» verschiedenen Kreisen Nachricht von lebhaften Unterhandlungen haben, »velche gegenwärtig zwischen England und Oestreich über den Abschluß eines wichtigen - 549 — und weikgrcifenden Vertrags schweben. Es wurde behauptet, England habe Oestrcich für den Fall, daß es zur Aktion gegen Rußland schreite, bedeutende Subsidien zugesichert. * Die Neue Preußische Zeiiung berichtet unterm 8. Nov aus Berlin: eine entsetzliche Nachricht geht heute durch Berlin. Ein Vater soll gestern Abend seine 4 Kinder, das älteste 6 Jahre, das jüngste L Jahr alt, in der Gegend des Schlesischen Thores ertränkt haben. Von glaubwürdiger Seite wird uns mirgetheilt, daß der Vater selbst gestern Abend in einem Polizeibureau diese schreckliche Aussage gemacht habe. Auch waren die 4 Kinder nicht in der Wohnung des Mannes zu finden, und da dieser bei seiner Angabe beharrte, auch die Mutter, welche außer dem Hanse mir Waschen beschäftigt war, in Verzweiflung um ihre fehlenden Kinder hinzukam, so wurde der Mann zur Hast gebracht. * Auch die preuß. Eisenbahnen sollen demnächst für Gekraide und Karivfieln billigere Frachten beiechnen. * Am 31. Okr. ist in der Kirche der Nenstädiischen evangelischen Gemeinde der ehemalige Seelsorger der deuischkalhvlischen Gemeinde mit 29 andern Miigliedcrn derselben Gemeinde — 15 Männern und 14 Frauen — zur evangelischen Landeskirche über- gckrcten. * Vor dem Schwurgerichte in Danzig ist der vielleicht bisher einzige Fall vorgekommcn, daß der Gerichtsdof von seiner Bcfug- niß Gebrauch machte und das gegen zwei Mörder auf "Schuldig" lautende Berdict der Geschwornen, als irrthümlich abgegeben, kassirte, so daß die Anklage zur nochmaligen Verhandlung vor neuen Geschwornen und Richtern gelangt. * Aus Wien, 6. Nov., schreibt man: Die Hoffnung auf Herstellung der Einigkeit zwischen Oestreich, Preußen und dem deutschen Bunde in Bezug auf die orientalische Angelegenheiten ist neu belebt, und dem Vernehmen nach alle Aussicht vorhanden, daß das gerechte Ve»langen Oestrcichs werde befriedigt werden. Wien. Au der Ergänzung der Wehrkraft wird fortwährend gearbeitet. Neuerdings ist der Ankauf von 4000 Artillcrr'epferden angcordnet worden, die blos in Niederöstrcich beigeschaffl werden. In Folge eines allerhöchste» Befehls wird die Ausrüstung von 10 neuen Raketenbatterie» cifrigst betrieben. * In Paris trifft man schon Vorbereitungen zu einem großen Triumphzug, um die Einnahme von Sebastopcl z» feiern, — wenn mau es nämlich eingenommen haben wird! — Man spricht von einer neuen Anleihe von 750 Mill. Fr. * Die ganze französische Ostseeflokie ist jetzt nach Frankreich zurückgekehrr. * Die Königin Viktoria hat der Wiltwe des Marschalls St. Arnaud ihr Beileid ausdrücken lasse». * Die Maschinenbauer Armstrong zu Newcastle haben eine Reihe von Experimenten angestellr, um die Wirkung der volrai- schen Elektricität in Bezug auf die Erplosion mehrerer unterseeische» Pulvermagazine zu erproben, welche sie für die Admiralität hergestellk haben, um die bei Sebastvpol versenkten Schiffe in die Luft zu sprengen. Im ganzen sind dieser Apparate 25, die bereits größteniheils nach Woolwich gesandt worden sind. * Die Brücke, welche Warschau und Praga verbindet, wird „aus strategischen Gründen" abgebrochen und »ach der Zitadelle verlegt, so daß diese mir dem jenseitigen Ufer verbunden wird. Ein Wink über die Ansicht der russischen Behörden über die Kriegsfrage. * Die beiden Großfürsten Nikolaus und Michael haben sich, wie die »N. Pr. Z." berichtet, von Kischeneff nach der Krimm begeben. * Ei» Bericht ans Balaklava vom 26. Oktbr. im franz. "Moniteur" gibt die Zahl der Russen, welche am 25. eine türkische Bakterie angegriffen, ans 20,000 an. Eine sehr glanzende Charge der französischen und briktischen Kavallerie zwang den Feind zum Rückzug; fünf Minuten lang focht man mit der blanken Waffe. Die Britten verloren 124 Mann von der erst jüngst angekommenen Schwadron der Königin. Im Ganzen beliefen sich ihre Verluste auf 400 Mann. Die der Franzosen waren weniger zahlreich; doch befanden sich unter ihren Tobten zwei Offiziere. * Eine telegr. Depesche aus Wien, 10. Nov., meldet: Dem hiesigen "Frcmdenblatte" (einer bisher nicht sehr verlässigen Quelle) und anderen Nachrichten zufolge will Omer Pascha seine längst vorbereiteten Offensiv - Operationen gegen den Pruth hin demnächst in der Moldau beginnen; er soll den Befehl, seinen - Marsch dorthin zu beginnen, von Konstantinopel aus erhalten haben. * Fürst Menschikoff berichtet unterm 3. d. aus Scbastopol: „Die Belagerungsarbeiten unserer Feinde dauern ohne sichtbare Resultate fort. Das Feuern von Seiten der Engländer ist schwächer geworden. Unser Schaden, wenig beträchtlich, wurde sofort wieder hergestellt." * Direkte Nachrichten, welche ein Wiener Bankhaus aus Varna erhalten har, wiederhole», daß die Russen bei ihrem Ausfall am 26 Okr. einen sehr bedeutenden Verlust erlitten haben und setzen bei, daß das Fort Konstantin zum großen Theile demontirt sei. — Nach gleichfalls über Varna aus der Krimm eingelangten Berichten hat ein früherer Tatarenhänptling, Namens Achmed, auf eigene Faust eine Schaar Tataren anfgcboten, mit welcher er auf eine ebenso kühne, als glückliche Weise einen Gucrillakampf gegen die Russen führt und ihnen besonders Zufuhren an Proviant und Munition abschncidet. — Die Morgenpost meldet aus Ezcr» nowitz vom 9. d. Abends: Ein Angriff auf Scbastopol der heftigsten Art ist unternommen. In Scbastopol wüthet ein unbc- wältigtcr Brand. Mentschikoff bat um 12stündigen Waffenstillstand, um die Tobten zu begraben. Lord Raglan hat abgelehnt; er solle selbst sorgen. * Aus Konstantinopel wird berichtet, daß dieAlliirten die Unmöglichkeit eines Seeangriffs auf Scbastopol erkennen und manche an dessen Fall zweifeln. Die Russen armirten wieder das Fort Konstantin und erhielten bedeutende Verstärkungen. Vier Dampfer mit Verwundeten sind in Konstantinopel angckommen, und Verstärkungen von da nach der Krimm abgegangen. Ei» Kriegsrath bestimmte für Asien weitere 50,000 Mann, worunter Aegypter, Tuniser u. s. w." * Ueber 40 des Hoch - und Landesverraths angeklagte Griechen und Armenier und rin russischer Agent sind nach Konstanti- »opcl gebracht worden. Sie werden wahrscheinlich alle hinge- richret. Vorbereitungen zur Pariser Weltausstellung. Paris, 20. Okr. I? mehr der Augenblick näher rückt, wo die Eröffnung der große» Weltausstellung stattfinden soll, desto größere Thätigkeite» bemerkt man an den öffentlichen Bauten in Paris. Der Kaiser, der eine-Art Ehrgeiz darein setzt, daß die Ausstellung am 15. Mai und nicht später eröffnet werde, will auch, daß die fremder! Besucher Paris so schön und bequem als möglich finden. Daher kömmt es denn auch, daß die Hauptstadt in diesem Jahr eine allgemeine Toilette ihrer Häuser vorgenommen bat, denn mährend der Dauer der Ausstellung will die Regierung nirgends Gerüste oder sonstige Arbeiten auf offener Straße dulden. Alle großen Bauten sollen bis dahin vollendet sein, wenigstens im Aeußern, und alle Reparaturen sollen ebenfalls zu jenem Zeitpunkte ausgeführt sein. Die Besitzer der Häuser auf de» Boulevards, den Quais und i» allen Hauptstraßen haben in diesem Sommer die Fronten abwaschen und frisch anstreichen lassen müssen. Aehnliche Prozeduren haben fast mit allen öffentlichen Gebäuden stattgkfunden. Die Rue Richelieu bot früher ein wahrhaft grauenhaftes Ausseben dar, wegen der riesigen rußschwarzen Fa^ade der kaiserlichen Bibliothek; seitdem der Pinsel der An, strcichcr darüber gefahren, sieht die Straße wie neu geschaffen aus. So bot auch die Front des Palais-Royal, von der Gar- — 550 - tenseite aus betrachtet, einen höchst melancholischen Anblick dar; auch hier hat man abgeputzt und gefirnißt, und nun treten die überaus reichen architektonischen Schönheiten des Gebäudes hervor. Es gibt fast keinen Stadttheil, wo nicht jetzt gebaut und gezimmert würde. Im Faubourg Sk. Honore zeigt seit einigen Wochen daü Palais Elysce-Napoleon seine neue monumentale Fayade. Man glaubt, baß der Kaiser unb die Kaiserin ihre Win- terrrfidenz nicht in den Tuilerien, sondern in dem Elysee aufschla- gen werden. Letzteres ist außerordentlich vergrößert und mit seltener Pracht ausgestattet worden. Man hat neue Flügel ange- baut und in denselben eine Reihe von Prachtzimmern, die bisher allerdings dem Gebäude fehlten, eingerichtet. Der Kaiser hat persönlich eine große Vorliebe für das Elysee, wo er sich auch häuslicher und, so weit in so hohen Positionen davon die Rebe sein darf, gemnihlicher einrichte» kann. So z. B. ist ihm in den Tuilerien die Gartenpromenade fast versagt, da jener Garie» ein öffentlicher ist, während er im Elysee dagegen einen herrlichen, wohlversteckten Garten hak, in dessen Hinterer Trraffe man über- dem das Treiben in den elyseeischen Feldern übelschauen kann. Während der Hof so im Elysce residlrk, werde» in den Tuilerien bedeutende Reparaturen und Verschönerungen vorgcnvmmen wer» den. Einmal ist das Palais ziemlich eingewohnr, sodann aber bildet sein äußeres Aussehen jetzt eliien sehr scharfen Kontrast mit den neuen Pavillons des Louvre, die sich gegenüber zu erheden beginnen. Die Architekten werden also die Aufgabe haben, eine gewisse Uebereinstimmung zwischen dem Alten und dem Neuen zu bewerkstelligen. Selbst des NachkS ruhe» diese verschiedenen Arbeiten nicht. In de» Chroniken des vorigen Iahrhliiideris lesen wir als ein großes Wunder jener Zeit, wie der Graf von Ariois in wenigen Wochen für die Königin Marie Aiilvinetke im Bois de Boulogne den Pavillon de la Bagadelle erbauen ließ, der später der Lieblingsaufcnthalt der Herzogin von Beriy wurde rknb jetzt Lord Hertford gehört. Es wurde nämlich des Nachts bei Fackelschein an jenem Baue gearbeilct, waö den Zeitgenossen als eine große Merkwürdigkeit erschien. Jene Ärbeilen bei Nacht finden nun heute nicht bei Fackelschein, sondern bei elektrischem Lichte statt, und namentlich in der Rue Rivoli darf man jetzt behaupten, daß sie die Nacht nicht kennt. Kaum sinkt die Sonne, so beginnen an verschiedenen Punkte» elektrische Sonnen „n Rücke» der Arbeit ihre blendenden Strahlen auszusendeii. Es gewahrt das ein eigenthümliches Schauspiel, das noch durch die Stille der Straßen und das weithin tönende Geräusch der Arbeiter und ihrer Werkzeuge erhöht wird. Nur der Beschauer mag sich von diesen Arbeiten eine Idee wachen. Wo man am Abend zuvor kaum die Kellerwölbung geschloffen gesehen, erhebt sich am Morgen schon ein Theil des ersten Geschosses; man kann fast wörtlich sagen, daß die Häuser aus der Erde herauswachsen. Und »och ist da» Projekt der Verlängerung der Rue Rivoli nicht völlig abgeschlossen, es wird augenblicklich eine zweite Verlängerung vorgcnom« men, so daß dir Straße vom Siadthause aus, biö wohin sie jetzt führt, durch daS siebente Arondiffement, das volkreichste von Paris, hindurch, in die Rur Sr. Ankoinc hineinmüvden wird. Das Stadthaus selbst wird, in Folge dieses Planes, eine würdigere Umgebung erhalten, und wahrlich es verdient eine solche Ehre, denn es ist eincö der schönsten, wen» nicht das schönste Gebäude in ganz Paris. Der Umbau und die VerschöncrungSarbci- re» des Stadthauses, die in diesem Jahre vollendet wurden, haben 1834 begonnen und somit 20 Jahre Zeit so wie einen Kostenaufwand von über 14 Millionen Francs erfordert; die bloße Möblrrung des Festzinrmer hat eine Million gekoster. Die Pracht im Innern steht kaum der in den Tuilerien nach. Die Gäste der Industrieausstellung werden vermuthlich selbst sich hievon überzeugen können, da die Stadt beabsichtigt, mehrere große Festlichkeiten in den Räumen ihres Palastes zu veranstalte». Auch auf die Brücken erstreckt sich der Unternehmungsgeist der Behörden. Zwei der Hauptbrückcn von Paris, die Austerlitzbrücke, und die Jnva- lidenbrücke, werden in diesem Augenblicke fast ganz neu wieder aufgcbaut, eine dritte, die von Areole, ist ebenfalls im Umbau. Alle diese Bauten kosten mehrere Millionen, Staat und Stadt trage» die Kosten zur Hälfte. Vergessen wir endlich die Hauptsache nicht: den Jndustriepalast. Im Aeußeren steht dieses kolossale Gebäude vollendet da, und die Gerüste beginnen bereits zu verschwinden. Bekanntlich hat sich dasselbe in seinem ursprünglichen Umfange als unzureichend erwiesen, und man hat dazu schreiten müssen, an der hintern Seite, nach dem Quai zu, sogenannte Aneren zu errichten. In letzteren werden nur die Maschinen ausgestellt sei», und nachdem ein kaiserliches Dekret angeord- net hat, daß dir Kunstausstellung nicht, wie es Anfangs beabsichtigt war, im Jndustriepalast, sondern in dem neuen Pavillon des Louvre stakkfinden soll, wird also der Palast in den elyseeischen Feldern ausschließlich die feineren Jndustricprodukte aufnehmen. Von alle» Seiten, im In» und Auslande, gehen der französischen Regierung Berichte zu über die Vorbereitungen, welche man trifft, um auf der JndustrieaiisstcUnng von 1855 würdig vertreten zu sein. Fast alle auswärtige Staaten haben Komitees ernannt, welche mit dem hiesigen Zentralkomitc in Verbindung zu treten habe». Die meisten Lvkalkomite'S haben denn auch mehr oder minder lebhaften Schriftwechsel mit dem Zentralkomitc eröffnet. Nur ein einziger großer Staat ist im Rückstände mit seinen Mittheilungen — nämlich Preußen. Man weiß sich dieses Zögern hier nicht zu erklären, da man unmöglich annehmen kann, daß dieses vorzugsweise industrielle Land auch auf diesem Gebiete «n einer neutraleii Stellung seinen Vortheil suche» wolle. Hoffentlich wird das Versäumte schnell wieder nachgeholt werden. Landwirthschaftliches. Belgische Landwirthe veröffentlichen, daß sie inmitten der allgemeinen Calamität der Kartoffel-Krankheit ihre Kartoffeln beständig gesund und einträglich erhalten haben, indem sie beim Legen der Kartoffeln in jedes Loch zuvor und auch über die eingelegte Kartoffel eine Handvoll Steinkohlenasche gestreut haben. Miszellen. — Von zwei Stuzern, welche beisammen auf der Straße standen, fragte einer den andern : „Wie viel hast Du üuf Deiner Uhr?" — „Drei Gulden," antwortete dieser. „Mehr haben sie mir im Versayhause nicht gegeben." — Association. Knobelmaier. „Hört! da sprechen sie jetzt von Associren. Wir wollcn'S auch lhun!" — Knödelmaie r. „Ja, aber wo anfangen?" — Knüttrlmaier. „Narr! am Tabak. — Schau, wir kaufen ein Pfund zufamme. Ich kauen z'erst, nachher kan en der Knobelmaier trocknen und rauchen — und Du, Knddelmaier, kannst en nachher schnupfen." Frucht -Mittelpreise. Bruchsal, 8. Nov. Waizen nener 19 ff. 22 kr., Kernen neuer 19 ff. 4 kr., Gerste neue 10 fl. 56 kr., Haber 6 fl. 22 kr., gem. Frucht 13 ff. lv kr. Heilbronn, II. Novbr. Der Scheffel Walten 22 ff., Kernen 22 ff. 48 kr., Gemasch 16 ff., Gerste 12 fl. 37 kr., Tmkel 9 ff. 27 kr., Haber 7 fl. 34 kr. Mainz, 10. Novbr. Walzen 18 fl., Roggen 15 fl. 45 kr., Gerste 12 st., (pr. 100 Kilo.) — Haber 6 fl., (pr. 60 .Kilo.) — Kohlsanien 18 fl. 30 fr., Mohnsamen 20 ff. 30 kr., (Pr. Malter.) — Kleesamen, beulscher 27 fl. — Roher Talg 29 fl. (pr. 50 Kilo.) Linsen 15 fl., Erbsen 14 fl., Bohnen 18 fl., Leinöl 47 Thlr., Rüböl 52 Thlr. (pr. 280 Pfund l. G. mit Faß). — Branntwein 52 fl. (pr. Lhm 50% >ncl. Steuer.) Redigirt, Druck und Verlag von D. Pfisterer in Heidelberg.