Bnoifme Dolhs(Hm UJorhenblatt Öec ßomraunilti[dien Partei öeut|rblonÖs / lanöesbejich Baben Jahrgang 1, Nr. 21 Mannheim, den 21. September 1946 Preis 10 Pfg. Die Staatsgewalt geht vom Volke aas „Der Verfassungsausschuß der Verfassunggebenden Landesversammlung für Württemberg-Baden stellt mit Besorgnis fest, daß laufend Gesetze vorbereitet und verabschiedet werden, ohne daß eine Vertretung des Volkes gehört wird. Das trifft z. B. zu auf das geplante Verwaltungsgerichtgesetz, das Beamtengesetz, das Sozialversicherungsgesetz, das Siedlungsgesetz und auf die gesamte Gesetzesund Verordnungstätigkeit des Länderrates. Daraus ergibt sich die Gefahr, daß einzelne Gesetze den jetzt zu beschließenden Verfassungen vorgreifen oder zuwiderlaufen. Der Verfassungsausschuß ersucht daher die Regierung, sich dafür einzusetzen, daß der Einfluß der gewählten Verfassunggebenden Landesversammlung oder ihres ständigen Ausschusses auf die gesetzgeberische Tätigkeit beratend, wie zugesagt, sichergestellt wird.“ Diese Erklärung ist unterzeichnet von den Vertretern der vier Parteien im Verfassungsausschuß: Sie wirft ein bezeichnendes Licht auf gewisse Praktiken des Länderrats, die nicht dazu angetan sind, im deutschen Volke Anteilnahme für seine ureigensten Belange zu erwecken. Der Vorgang gewinnt noch an Bedeutung im Zusammenhang mit einem anderen Problem, das auf der gleichen Ebene liegt. Seit Monaten spielt sich zwischen der jungen demokratischen Presse und den von der Militärregierung eingesetzten Behörden und Regierungsstellen ein mehr oder weniger ver- i steckter Kampf ab, der auch bereits zu öffentlicher Stellungnahme beider Parteien geführt hat, Hier wie dort handelt es sich im wesentlichen darum, daß Regierung und Behörde die von außen verliehene Autorität in bedenklichem Maße noch nicht zu handhaben verstehen. Oberster Grundsatz jeglichen demokratischen Lebens lautet: „Alle Macht geht vom Volke aus.“ Wie weit jedoch sind alle Betroffenen noch von diesem Ziel — noch>st es ein Ziel — entfernt! Die Anteilnahme des Volkes an einer solch entscheidenden Frage, wie sie die Vorbereitung der Verfassung darstellt, ist erschreckend gering. Die täglichen Nöte stehen weit im Vordergrund. Es fehlt bei den Massen noch das Verständnis dafür, daß eines ohne d£fs andere auf die Dauer nicht lösbar ist. Wir Kommunisten sehen uns mit den anderen Parteien der schweren Aufgabe gegenüber, das deutsche Volk an den brennenden politischen Fragen zu interessieren, es aus seiner Teilnahmslosigkeit herauszuführen und zu einem lebendigen Träger der künftigen Demokratie zu machen. Das kann nur gelingen, wenn die Parteien als Verfechter der politischen Belange des Volkes in die Lage versetzt werden, durch ihre Vertreter in den Parlamenten dem nautische* Wfftex» ihre* Wähle* Ausdrude zu verleihen. Es genügt keineswegs, daß man einfach Vertrauen fordert und dabei über das Volk hinweg Demokratie „verordnet“, auch wenn man beauftragte Regierung ist. 0 Wir Kommunisten werden jegliche den Fortschritt hemmenden und eine demokratische Entwicklung verzögernden Beschlüsse, gleich von welcher Seite sie kommen, ablehnen. Wir fordern dagegen, daß Verordnungen und Gesetze, deren Erlaß unumgänglich ist, nur nach Befragen der Ver- ' f Wenn die Luft wird wieder „rein“ Witterung: - „Ob «* »ehon etwas vor. wagen könnenr K Znchnung: Wi«* Muß uns Wühlen Freude sein fassunggebenden Landesversammlung verabschiedet werden dürfen. Die Volksvertretung hat in jedem Falle erste und letzte Instanz zu sein. Wir begrüßen daher die Erklärung der vier Parteien, die einen Beweis mehr darstellen, daß eine fruchtbare Zusammenarbeit aller fortschrittlichen Kräfte möglich ist. _ Der Weg des Intellektuellen Flucht ins Fachgebiet oder enge Verbindung mit Volk und Nation? Haben die geistigen Arbeiter, d. h. die Schriftsteller, Künstler, Lehrer, Wissenschaftler, Aerzte, Ingenieure, Rechtsvertreter und Techniker bereits eine ernsthafte Bilanz nach dem totalen Bankrott des Hitlerregimes gezogen? Haben sie erkannt, daß der Zusammenbruch des faschistischen Systems den unseres Landes zur Folge hatte? Und haben sie daraus schon die Konsequenzen für ihre eigene Stellung und Zukunft gezogen? Die Zahl der Intellektuellen mag im Vergleich zum Volksganzen von untergeordneter Bedeutung sein, desto größer ist ihr Einfluß und ihre Verantwortung. Ihnen war bisher die Verwaltung des geistigen Erbes unserer Nation anvertraut Wie haben sie diese Aufgabe gelöst? Schulung und Bildung befähigen den Intellektuellen, rascher und eindringlicher als andere zu erfassen, was im öffentlichen Leben geschieht. Leider mußte man gerade in der Hitlerperiode bei ihm oftmals die Einschränkung machen, die Goethe im Faust ausspricht: „Du hast wohl recht, ich finde nicht die Spur Von einem Geist, und alles ist Dressur.“ Während der letzten Jahrzehnte haben unsere Hochschulen Intellektuelle „am laufenden Band produziert“. Sie wurden nicht zu Intellektuellen erzogen, sondern dressiert. Man braucht keine Beispiele aus der Hitlerära anzuführen, um dafür den Beweis zu erbringen. Sie sind jedem denkenden Menschen geläufig. Vor etwa einem Jahrhundert schrieb Karl Gutzow in seinem „Ritter vom Geiste“ ein Zeitdokument aus der UebergangspAiode vom Früh- zum Hochkapitalismus. Hier sehen wir bereits die Korruption, Fäulnis und Verwirrung des Geistes, die im letzten Jahrzehnt Triumphe feierten. Aber können wir hier noch die Auseinandersetzung der Intellektuellen mit allen_ politischen Erscheinungen und gesellschaftlichen Tendenzen ihrer Umwelt verfolgen, spannen sie noch den Rahmen über das gesamte Volk und die ganze Zeit — so müssen wir feststellen, daß die literarischen Nachfolger Gutzows vom goetheschen Weg, den "5t mit „Wilhelm Meister“ bahnte, abrücken. Sie gehen zum „Bildungsroman“ über, der einseitig die Betonung auf das Individium und seine innere Entwicklung verschiebt und dessen geistiger Weitblick sich verengt. Nach 1848 trat der deutsche Geist den Rückzug aus der Arena des gesellschaftlich-politischen Kampfes an. Er schreckte vor den Kräften, die er selbst, ausgelöst hatte, zurück. Von der „furcht- Samen Nachgiebigkeit der Seele“ (Theo- phrastos) führte der gerade Weg zum Mangel an „Zivilcourage“. Die deutschen Schriftsteller verschlossen sich in ihrer privaten Existenz zu einer Zeit, wo ein Balzac und ein Zola, ein Gogol und Tolstoi alle Seiten des Lebens beleuchteten. Wurden in Frankreich und Rußland beispielsweise Probleme angeschnitten und gemeistert, so entstanden bei uns zwar unbestrittene Kunstwerke (Rilke), meist aber waren es Tändeleien ohne Bezug zur Wirklichkeit, ohne Einfluß auf sie. Die Wissenschaftler verloren ihren Weitblick und vergruben sich in ihre Fachgebiete. Blind für das reale Leben wühlten sie in Laboratorien und Archiven. Große Könner in ihrer Spezialität, wußten sie nichts vom Staatsgeschehen. Sie kannten die Geschichte der Vergangenheit, aber waren weltfremd. So kam es, daß hochgelehrte Menschen in ihrer Weltfremdheit politische Meinungen vertraten, die nur der Reaktion dienen konnten oder das Gelächter jede* V «B.-. WfrHhWü großen Aufgaben I «rieftmg un wnntttieh ttooca eine halbwegs g vollbringen. • Rück- werden. Darum mein Ruf für das Jahr iS? 1 * 1 *! elna leidenschaftliche KÄ(n 1947 an alle Mitglieder der sozialdemokratischen Kampf gegen den Mflitarismus, in der er de- and der kommunistischen Partei: Gedanken verfocht, den Klassenkampf in d. , Vereinest Euch! Durch Einheit zum Sozialismus. Heer m tragen. Diese fand unter dem Tü ' Wilhelm Ploeie. .Milltarismu» *ind Antimilitarismus ihren Weg Seite 2 Badische Volksstimme Samstag, den 21. September 1946 mitten im Leben stehenden Werktätigen herausforderten. Ärzte, Lehrer, Ingenieure, Musiker machten es ähnlich. Sie „lebten nur ihrer Arbeit", höchstens noch ihrer Familie. Sie waren in der Welt gesuchte Spezialisten. Aber diese Welt mußte bald die riesige Spanne zwischen ihrem Fachkönnen und der ins Verantwortungslose gehenden Ahnungslosigkeit dieser Menschen feststellen. Welch erstaunliche Leichtigkeit brachten sie auf, um allen unangenehmen Dingen des "öffentlichen Lebens auszuweichen! Zum Schluß sahen sie selbst über die offenbaren Verbrechen der nationalsozialistischen „Führung“ hinweg. So ließen viele Intellektuelle, die den Nazismus innerlich ablehnten und den Hitler-Krieg für Wahnsinn hielten, die Unterdrücker und Verführer unseres Volkes gewähren. Wie ihre Väter sich mit der Reaktion nach 1848 und nach 1871 mit Junkertum und Großkapital abgefunden hatten, so fanden sie sich nach 1933 mit der Entwürdigung des Geistes und sogar mit der physischen Vernichtung der besten ihrer Kollegen ab. Als der Charakter des nationalsozialistischen Regimes klar wurde, als im Kriege Deutschland einer beispiellosen Katastrophe offensichtlich entgegenging, zeigten sich die moralischen Folgen dieser Flucht der Intellektuellen aus der realen Welt: sie hatten verlernt, sich mitverantwortlich für die Geschicke ihres Volkes zu fühlen; sie konnten nur noch die Welt betrachten, nicht | aber ändern. Hier liegt die Schuld der Intellektuellen, von der sie niemand losspreefaen kann: es ist .der Verrat an ihrem Volke, den sie unbewußt aus Egoismus und Kastengeist begangen haben. Von dieser Schuld können sie sich nur selbst befreien. Dazu gehört in erster Linie der Wille zur rücksichtslosen Selbsterkenntnis und zum Entschluß, begangene Fehler in Zukunft zu vermeiden. Ist dieser Wille vorhanden, dann kann es - für die Intellektuellen nur eine Möglichkeit zur Wiedergutmachung an Volk und Nation geben: an der Seite aller Schaffenden für ein neues und besseres Deutschland zu kämpfen, und nicht als Betrachter diesen Kampf mit klugen und kritischen Bemerkungen zu verfolgen. Der Geist gehört heute in die Arena des Kampfes um die Erneuerung von Staat und Volk im Interesse eines fortschrittlichen und friedlichen Lebens. Der Intellektuelle ist Teil des schaffenden Volkes und darf sich nicht zum Angehörigen einer Kaste erniedrigen, die sich über oder bestenfalls neben die Werktätigen stellt. Nur wenn er die Verbindung zum Volke und zu den realen Gegebenheiten des täglichen Lebens wiederflndet, wird der Intellektuelle auch eine fruchtbare Arbeit für das Gesamtwohl leisten. Sprechstunden der Sindirnie Die kommunistischen Stadträte sind für alle Einwohner, ohne Unterschied der politischen Einstellung, zu sprechen: ln Mannheim: Montag u. Freitag von 16—18.30 Uhr, C 7, 5 In Pforzheim: bienstag u. Freitag v. 16—19 Uhr, Westl. 277 In Heidelberg: Dienstag und Donnerstag von 9—11 Uhr, • Rohrbacherstraße 13—15 ln Karlsruhe: Mittwoch von 17—19 Uhr, Amalienstr. 69. Ernährungsfrage Deutschland kann sich auch nach der diesjährigen Ernte nicht selbst ernähren. Im Jahre 1936 hatten wir 66 Millionen Einwohner, heute wahrscheinlich ebenfalls 66 Millionen. 1936 ernteten wir 11,8 Millionen Tonnen Brotgetreide, 46,3 Millionen Tonnen Kartoffeln und 12 Millionen Tonnen Zuckerrüben. Die Ernte in diesem Jahre wird von Fachleuten auf 7,2 Millionen Tonnen Brotgetreide, 33,4 Millionen Tonnen Kartoffeln und 10,9 Millionen Tonnen Zuckerrüben geschätzt. Die wahnsinnige Politik der Hitlerbande hat zum Verlust wichtiger landwirtschaftlicher Gebiete für unser Volk geführt. In dem uns verbliebenen Rest Deutschlands ist die agrarische Erzeugung infolge der Auswirkungen des Krieges, Düngemittel- Kn ’ppheit, Fehlen von hochwertigem Saatgut usw. sehr stark zurückgegangen. Die russische Zone wird nach der neuen Err e verhältnismäßig am günstigsten ab- sch -eiden. Aber auch dort kann der Bedarf der Bevölkerung nicht aus eigener Erzeu- gur.g gedeckt werden, was aus folgender Ste istik hervorgeht: Selbstversorgungsgrad der Zonen nach der neuen Ernte: BrotKarZuckergetreide toffeln rüben Milch am< r. Zone 63 % 72% 25% 60% brit. Zone 46 % 48 % 64% 45% f 17.. Zone 53% 83% 27 % 51 % russ. Zone 81% 95 % 156 % 33% Diese Feststellungen sind notwendig, weil eine gewisse Propaganda die Lage völlig falsch darstellt. So schreibt Z.B. der „Volks- willo“ vom 27. Juli 1946 folgendes: „Die russ'sche Zone erzeugt mehr „Nahrungsmittel", als sie benötigt.“ „Bewiesen“ wird diese Behauptung durch eine Statistik. Diese besagt, daß in den Jahren 1939 bis 1944 in Deutschland durchschnittlich 13,539 Millionen Tonnen Brotgetreide geerntet würde®, 7,6 Millionen Tonnen entfielen allein auf die ri ssisehe Zone, der Rest auf die andern Zonen. 1939—1944 war Deutschland erheblich größer wie jetzt. Das weiß jedes Kind. Wie kann man die Getreideernte 1939—14 einfach mit dem, was wir jetzt in Deutschland erzeugen, gleichstellen? Inzwischen hat sich der „Volkswille“ selbst revidiert und gibt zu, daß die Getreideernte in der russischen Zone nur zu vier Fünftel für eine Normalversogung reicht (s. Ausg. v. 24. 8.). Es muß einmal untersucht werden, ob alles getan wurde, um aus dem deutschen Boden das größtmöglichste herauszuholen. Es ist eine nationale Notwendigkeit, bei unserer Notlage die landwirtschaftliche Erzeugung bis zur Höchstgrenze zu steigern. Es wurde aber im amerikanischen Sektor nicht einmal das Anbausoll erfüllt. Die Stuttgarter „Wirtschaftszeitung“ vom 2. 8. 1946, der wir auch die obigen Zahlen entnommen haben, stellt folgendes fest: „Die jetzt beim Länderrat einlaufenden Berichte über die 5945/46 tatsächlich bestellten landwirtschaftlichen Nutzflächen zeigen, daß das Anbausoll in der amerikanischen Zone mit 90 bis 93 Prozent erfüllt werden konnte.” Dieses Anbausoll war vom Interallüerten Kontrollrat festgelegt worden. Für das Jahr 1947 haben Agrarwissenschaftler des Länderrats für dis amerikanische Zone einen Anbauplan auf gestellt Man verlangt und Bodenreform jetzt Verbesserung der Ernährung unserer Bevölkerung auf Kosten der Ostzone, hat aber nichts getan, um alle vorhandenen Möglichkeiten bei uns zur Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung auszunutzen. Die Bevölkerung der Ostzone hat sich unter Führung demokratischer Kräfte in harter Arbeit die Grundlage einer besseren Ernährung erkämpft, wobei wir nicht vergessen dürfen^ daß auch dort es noch nicht möglich ist, aus eigener Erzeugung alle Bedürfnisse zu befriedigen, wie oben gezeigt wurde. Nicht einmal die Anbaufläche ^von 1938 wird also erreicht. Wie liegen die Verhältnisse in der. russischen Zone? Der Präsident der Zentralverwaltung für die Landwirtschaft in der russischen Zone stellt fest: „Die vorbildliche und opferreiche Arbeit der Bauern und Landarbeiter und die Hilfe von selten der Industriearbeiterschaft ermöglichte einen lOOprozentigen Anbau. Es zeigt sich also, was das deutsche Volk unter der Leitung wirklich fortschrittlich demokratischer Kräfte zu leisten vermag. Die Bodenreform hat die Grundlage geschaffen für die Erreichung dieser Erfolge. In der amerikanischen Zone sind die reaktionär-feudalen Großgrundbesitzer im Besitze ihrer riesigen Ländereien. Dieselbe Schicht, die Hitler an die Macht gebracht hat,, die Hauptschuldigen an dem verbrecherischen Krieg, sie besitzen immer noch ihre Machtpositionen. Millionen von Menschen haben ihr gesamtes Hab und Gut verloren, der feudale Großgrundbesitz aber soll jetzt nach dem neuesten Länderratsbeschluß für Siedlungszwecke einen kleinen Teil seines Besitzes zur Verfügung stellen und dafür noch großartig entschädigt werden und Rente erhalten. . Aller Großgrundbesitz über 100 ha muß enteignet werden, die großen Güter müssen aufgeteilt werden, das ist im Interesse unserer Ernährung dringend notwendig, denn nur der kleine Landwirt wird die Höchsterträge aus dem Boden herausholen. Die an Kleinpächter verpachteten Großgrundbesitze müssen in deren Eigentum übergehen. Die Bodenreform ist eine wichtige Voraussetzung für die Steigerung unserer landwirtschaftlicher} Produktion und für die Verbesserung unserer Ernährung. Darüber hinaus ist eine Säuberung aller Verwaltungen von reaktionären und nazistischen Elementen und ihre Besetzung durch fortschrittliche demokratische Kräfte notwendig. Nur unter diesen Bedingungen kann eine Wendung zum Besseren erreicht werden. Dafür müssen die Werktätigen in der Stadt ebenso wie die Landbevölkerung, unabhängig von ihrer Parteirichtung, ein- treten. Zur Beachtung! Das Mitgliedsbuch mit der Nummer 2612 (Inhaber: Gustav S i e gj i n g, Mannheim- Feudenheim) ging verlustig. Es wird deshalb ab sofort als gesperrt erklärt. Weiterhin ist das BÄtgliedsbuch Nr. 2278 ungültig. Kommunistische Partei Deutschlands Landesleitung Baden. Berichtigung In der vorigen Nummer 20 „Vereinigung ehemaliger republikanischer Spanienkämpfer“ muß die Adresse für Nordbaden Gustav Müller, Mannheim, Untere Mühlau- straüe 172, nicht 114, lauten. Samstag, den 21. September 1946 Badische Volksstimme Seite 3 i , ■ Heimkehrer entlarvt Nazi-Lügen Ein Rückkehrer aus russischer Kriegsgefangenschaft berichtet: „Was mir am meisten aufgefallen ist, daß die deutsche Bevölkerung uns sozusagen als vom Tode auferstanden ansieht. Hier sieht man erst, wie tief die Nazipropaganda noch verwurzelt ist, daß Rußland während des Krieges keine Gefangenen machen würde. Demgegenüber muß i<$i folgendes feststellen: Ich kam am 11. August 1943 bei Charkow in russische Kriegsgefangenschaft. Ich hatte auch meinerseits mit dem Leben abgeschlossen. Aber ich muß sagen, daß ich vom ersten Tag meiner Gefangenschaft ab menschlich behandelt wurde. Eine körperliche Mißhandlung habe ich nie erfahren. Ich hatte in den drei Jahren Gefangenschaft jede Nacht ein Dach über dem Kopf. Die russische Lagerleitung ist in den Gefangenenlagern auf peinlichste Ordnung und Sauberkeit bedacht. Das Lagerleben wird zum größten Teil durch die deutsche Lagerleitung geregelt. Wenn in den verschiedenen Lagern Mißstände vorhanden waren, dann war dieses auf Maßnahmen der deutschen Leitung zurückzuführen. (Ein kürzlich nach Heidelberg zurückgekehrter Kriegsgefangener machte die gleiche Feststellung, er erzählte auch, daß auf Veranlassung der russischen Lagerleitung die Kriegsgefangenen in den letzten Monaten weiße Bettwäsche erhalten hätten. Anmerkung der Redaktion.) Von sehr großer Bedeutung ist natürlich die Verpflegungsfrage. Die gewöhnliche Heimkehrer aus Rufilanr A n t o n i, Bruno, 10. 9. 19, Karlsruhe Baumann, Hans, 2. 10. 15, Ettlingc, Rohrackerweg B ü h 1 e r, Friedrich, 26. 2 12, Heidelberg- Wieblingen B a u m a n n, Waldemar, 1912, Karlsruhe B r e h m, Georg, 1907, Schwetzingen-Baden D e h o r s t, Heinrich, 20. 12. 12, Männheim- Friedrichsfeld D e b a t i n, Gregor, 4. 4. 10, Hambrucke» Dirapf el, Jakob, 17. 6. 07, Karlsruhe Ei er mann, Hans, 18. 12. 16, Mannheim- Waldhof Eck, Robert, 18. 6. 18, Boxberg/Baden Fröhlich, Otto, 16. 10. 07, Jöhlingen bei Karlsruhe Förderer, Rene, 12. 2. 12 Karlsruhe Gremm, Franz, 27. 2. 14, Mannheim, Gartenfeidstraße G e r 1 a c h, Hermann, 1910, Heidelberg H i e f n e r, Andreas, 15. 12. 02, Eppelheim bei Heidelberg Holzer, Erwin, 31. 5. 07, Karlsruhe H ö f 1 e r, Rudolf, 27. 4. 89, Heidelberg, Beethovenstraße Hennhöfer, August, 1910, Karlsruhe Hummel, Adolf, 13. 4. 16, Heidelberg Hartmann, Fritz, 16. 7. 98, Pforzheim J a k o b y, Gustav, 15. 9. 06, I^adenburg Koch, Engelbert, 5. 7. 05, Völkersbach bei Karlsruhe K a 11 e n, Willi, 28. 6. 09, Mannhehn- Friedrichsfeld K a r c h e r, Otto, 3. 4. 10, Spielberg bei Karlsruhe Kühner, Otto, 10. 3. 21, Heidelberg Kühn, Hermann, 6. 4. 13, Heidelberg- Kirchheim K a t z, Karl, 4. 8. 03, Büchenau b. Bruchsal Ko pp, Manfred, 1926, Pforzheim (Stein) K a n e 1, Karl, 3. 1. 27, Durmersheim/Baden K i r c h, Kurt, 6. 1. 25, Bammental/Baden Etwas für unsere Raucher Das Kontrollratsgesetz Nr. 26 über die Erhöhung der Tabaksteuer hat sich in seinen Folgen für alle Kreise katastrophal ausgewirkt. Wie uns von fachmännischer Seite berichtet wüd zeigt sich bis heute, daß ein großer Teil der werktätigen Bevölkerung aus allen Berufsschichten sowie Pensionäre, Kleinrentner, Sozialversicherungsempfänger und Kriegsversehrte nicht in der Lage sind, diese Phantasiepreise zu bezahlen. Am 25. Mai erhielt nun der Fachhandel eine Mitteilung, daß er laut Gesetz verpflichtet ist, seine Lagervorräte zu alten Preisen unter Vermeidung schwerer Strafen restlos zu verkaufen. Der Handel befolgte bis zu 99 Prozent diese Anordnung und war bis zum 15. Juli 1946 mit seinem Ausverkauf der alten Warenbestände nachgekommen. Und das restliche ein Prozent? Heute, Mitte September, gibt es in Mannheim noch ein Fachgeschäft, welches immer noch unbegrenzt zu alten Verkauspreisen abgeben kann. Es handelt sich hier um das Haus S a t o r in O 5. Wie uns mitgeteilt wurde, hat dieses Haus ein übemormal großes Lager, das dem Wirtschaftsamt Mannheim schon seit längerer Zeit bekannt war. Unverständlich ist für uns, daß das Wirtschaftsamt hier nicht aus sich heraus schon vor langer Zeit eingegriffen hat und zwar in dem Sinne, daß das Haus Sator verpflichtet ist, ständig an alle Leute, die im Besitze von Raucherkarten sind, Ware abzugeben, zumal allgemein bekannt war, daß nur zu oft ein Schild auf dem Ladentische stand: „Rauchwaren ausverkauft” oder „Infolge mangelnder Warenzuteilung kann nur ein Punkt Ware abgegeben werden. Dadurch entstand der groteske Zustand, daß am Ende der 89. Zuteilungsperiode Tausenden von Rauchern ihre Punkte verfielen. Heute benötigt ein mittleres 'Fachgeschäft bei einigermaßen Warensortierung ein Betriebskapital, bei einem ganz bescheidenen Warenlager, von 6—7000 Mark. Es ist natürlich für dieses Geschäft bei den jetzigen Preisen fast kaum möglich, auf Punkte seine Waren abzusetzen während die Abgabe ohne Punkte mit schweren Strafen geahndet wird. Andererseits ist die Firma Sator in der Lage, zu alten Preisen nunmehr die gesamte Kundschaft zu bedienen, was natürlich für die Gesamthändlerschaft, die nur zu hohen Preisen verkaufen kann, eine schwere Schädigung bedeutet. Vermutlich wollte sich das Haus Sator durch Hortung der Ware vor eventuellen Währungsmaßnahmen „ schützen. Dieser Fall zeigt uns wieder erneut die alte Feststellung, daß im Handel, egal welcher Branche, noch Warenbestände von erheblichem Ausmaße vorhanden sind, die der Öffentlichkeit aus rein egoistischen Gründen vorenthalten werden. Außerdem kommt hierzu noch der Umstand, daß die verantwortlichen Stellen des Wirtschaftsamtes versagt haben müssen, da ihnen ja der hohe Warenbestand bekannt war. Die wahren Schuldigen sind aber die verantwortlichen Stellen des Wirtschaftsamtes, die „Fachleute“, welche aus bürokratischer Beschränktheit den Dingen nicht gewachsen sind. Deshalb sagen wir Kommunisten, daß nur volksnahe Verwaltungen in der Lage sein werden, die Probleme zu meistern. Man muß die reaktionäre Bürokratie zum Teufel jagen und an ihre Stelle fortschrittliche demokratische Kräfte aus dem Volke selbst setzen. Bestellungen auf die Badische Volks stimme nehmen alle Postanstalten, Postagenturen, Briefträger und Landpostboten entgegen. - Monatsabonnement: 0.50 RM zuzügl. Zustellgebühr. Norm eines jeden Gefangenen war 600 Gramm Brot täglich. Diese Ration erhöhte sich bei entsprechender Arbeitsleistung bis zu 1000 Gramm täglich. Dazu gab es täglich dreimal warme Suppe und zu Mittag den sogenannten Kascha, was bei uns als Brei bezeichnet wird. Auch mit Tabak waren wir meist ausreichend versorgt. Bei Kränkheit wird von russischer Seite alles getan, um die deutschen Kriegsgefangenen wieder gesund zu machen, sie in den Besitz der vollen Körperkräfte zu bringen. Die Behandlung, Verpflegung und Unterbringung der Kranken ist einfach hervorragend. Auch in kultureller Beziehung wird von russischer Seite alles getan, um das Los der Kriegsgefangenen zu erleichtern. In den Lagern sind Bibliotheken vorhanden, die den Interessen jedes Einzelnen Rechnung tragen. Durch die deutschen Lagerkapellen werden Konzerte veranstaltet, Film- und Theatervorführungen wechseln in bunter Reihenfolge, um den Gefangenen nach schwerer Tagesarbeit Erholung und Zerstreuung zu bieten. Durch die antifaschistischen Lageraktivs werden Vorträge gehalten, die das Wesen der wahren Demokratie heraussteilen und das Verbrecherische der Ziele der Hitler- Faschisten anprangem. — Wenn ich mir überlege, daß wir in Rußland eingefallen sind, um dieses Land zu unterdrücken und heute meine Erfahrungen in der Gefangenschaft gegenüberstelle, dann bin ich mir bewußt, daß eine Verständigung mit Rußland für das deutsche Volk nur zum Besten ausschlagen wird. Und wer baut auf? Ruinen, Trümmer, Schutt und Dreck Sie hemmen unsern Schritt, Wir gehen ran, wir räumen weg, Doch wer hilft uns noch mit? Kusinchen zieht die Brauen nach, Kusinchen malt die Zehen rot, Kusinchen hilft uns keinen Schlag Durch Liebe kommt sie auch zu Brot. Die bessere Dame wieder geht ins liebe Kränzchen, neu geföhnt zum Schuften nimmt man den Prolet er ist’s nun mal gewöhnt. „Vertreter" haben keine Zeit am Clo-Papier die Well erstarkt Vom Schippen ist man so befreit In Anspruch, nimmt nur „Schwarzer Markt”. Und Darmverschlingung, Hexenschuß auch alles andere Weh Wenn er jetzt einmal schaffen muß Bescheinigt bringt es der Pg. Doch wird ihm das Attest verwehrt als Tellerspüler geht er dann, Die Küchenarbeit ist begehrt Sie nähret Mann für Mann. Doch wären Nazis heute Herr die Trümmer wären schnell verschwunden • von Schutt und Dreck säh’st Du nichts mehr Wir hätten ihn hinweggeschunden! Paul Lenins, M'hm-Seckenheim. i i f ‘ i i ii i •i i, i ; i ausfall gerissenen Lücken zu füllen. Bleibt die Kürzung bestehen, dann wird ein weiterer Rückgang in der Leistung unvermeidlich sein. Kein Mensch kamt bei Hungerrationen eine halbwegs normale Arbeitsleistung vollbringen. Kraft für die Ärfömmg dieser großen Aufgaben geschaffen werden. Darum mein Ruf für das Jahr 1947 an alle Mitglieder der sozialdemokratischen und der kommunistischen Partei: Vereinigt Euch' Durch Einheit zum Sozialismus. ' Wilhelm Pieck, knecht eine leldenschaftficSe fted^ Kampf gegen den Militarismus, in der er der Gedanken verfocht, den Klassenkampf in dr Heer zu tragen. Diese Fcdc fand unter «tewlSi*' „MlUtarismu* und Antimflßgiri «nute (Men Weg Seite 4 Badische Volksstimme Samstag, den 2L September 1946 JmSJm msg. Mannheim Mannheimer imLager der Armut ln einer stillgelegten Zigarrenfabrik in Hockenheim, Hauptstraße 20, sind Menschen untergebracht, Evakuierte, die früher in Mannheim gelebt und gearbeitet haben. Aus Bunkern und Kellern hat man sie herausgeholt, wo sind sie jetzt? Wir sehen in mehrere frühere- Werkräume, schmutzige Wände, rohes Mauerwerk, umgeben in jedem Raum 30—40 Männer, Frauen und Kinder jeden Alters. Die Kinder sitzen auf Pritschen — Betten genannt — oder auf dem Boden herum, stumpfsinnig und ohne., jeden Lebenstrieb. Kinder, die nicht mehr Spielen! Das eine oder das andere weint, Hunger mag die Ursache sein, vielleicht auch Krankheit. In einer Ecke steht ein Ofen mit nur einer Feuertang, da warten sie, die abgehärmten Frauen, die Mütter der Kinder, um irgendetwas kochen zu können. Es sind meistens Frauen, deren Männer gefangen pder gefallen sind. Die ehemalige Fabrik hat viele solcher Räume, überall das gleiche Elend, das gleiche Grauen. Menschen, die jeden Halt verloren zu haben scheinen. Es muß etwas geschehen, Mannheimer Stadträtä aller Parteien seht Euch das an! Diese armen Menschen sind Mannheimer, das geht uns Mannheimer an. Das Verbrechen der Hitler- Banditen hat diese Unglücklichen ins Verderben gestürzt, ohne Hilfe der Behörden müssen sie untergehen. Alle Parteien, alle fortschrittlichen Kräfte in Mannheim ‘sollten sich zusammentun um diesen, unseren Mitbürgern zu helfen. Nochmals Briketts Wie wir erfahren, soll in Mannheim- Waldhof vor einem Hause in der Oppauer- straße (Namen liegen uns vor), vor kurzer Zeit eine volle Fuhre Briketts angeliefert worden sein. Unsere Fragen „Wohin, wes Nam’ und Art“ blieb leider ohne Antwort, so daß wir auch in diesem Falle, wie schon oft ergebnislos, die Kohlenstelle fragen, ob sie uns auch jetzt keine Antwort gibt. In diesem Zusammenhang ein weiteres . „brennendes“ Problem. Warum erhalten die alten Leute, die nicht mehr in der Lage sind, sich etwas Holz herbeizuschaffen, nicht dieselbe Sonderzuweisung wie die Schwerbeschädigten, bei denen man von derselben Voraussetzung, also der Gebrechlichkeit, ausging? Oder sollte bei der Kohlenstelle oder den maßgeblichen 'Instanzen noch der „Adolf- sche“ Geist herumspucken, der einmal sagte: „Die Alten sind unbelehrbar und haben im künftigen Deutschland keinen Platz mehr“?. Mangel an Organisation Interessante Dinge werden uns aus Sandhofen berichtet. Seit Wochen stehen am Polizeirevier 11 in Sandhofen seit 4 Uhr morgens Schlangen von Menschen, darunter auch alte Frauen und Männer und warten auf eine Nummer für die Ausstellung einer Kennkarte. Sind diese Wartenden um 6 Uhr glücklich in den Besitz einer solchen Aufrufnummer gelangt, dann können sie wieder heimgehen, um sich dann in einigen! Stunden nochmals auf das Revier zu bemühen, wo dann die Kennkarte endgültig ausgestellt wird. Kommt aber ein Berufstätiger kurz nach 6 Uhr auf das Revier, dann kann er wieder ohne Aufrufnummer nach Hause gehen. Das Ausstellen der .Kennkarte hat man auf eine Stelle konzentriert, einbegriffen die Schönausiedlung (5000 Einwohner, eine halbe Stunde von Sandhofen entfernt) und die Blumenau. Weshalb werden hier nicht mehrere Abfertigungsstellen eingerichtet? Mangel an Organisation wirkt sich in Sandhofen sehr hemmend gus. Weit praktischer geht die Heddesheimer Behörde vor. Dort werden von 16—22 Uhr täglich die Kennkarten für die Berufstätigen ausgestellt. Bei dieser Tätigkeit helfen Kriegsversehrte mit, in fünf Minuten bekommt jeder seinen Ausweis. Vielleicht wirkt das Beispiel Heddesheim befruchtend auf Amtsstuben ohne Organisationstalent. Warum Unterschiede? Laut Anordnung des Landesernährungsamtes erhalten (he in Arbeit stehenden Beinamputierten des Krieges 1939—1945 Ernäh- nungszulage. Desgleichen wurde an die Schwerbeschädigten desselben Krieges eine,. Weinzuteilung vorgenommen. Begreiflicherweise hat diese Anordnung bei den Amputierten und Schwerbeschädigten des • ersten Weltkrieges, 1914—1918, starke Erregung hervorgerufen. Wie uns auch von ärztlicher Seite versichert wurde, sei die Amputation eines 1939 abgenommenen Beines immerhin einer Amputation von 1914 gleichzustellen. Warum diese Unterschiede? In diesem Zusammenhang eine weitere Frage: „Warum werden die Zulagen nur für Amputierte und nicht auch für Vermehrte mit B ei n- und Fußlähmungen gewilligt? 3*fevzheim Holz für jeden Haushalt Zur Brennholzversorgung in Pforzheim ist durch die Kommunistische Partei schon wiederholt Stellung genommen worden. Die Zuteilung von 1—1% Ster Holz ist an sich schon viel zu gering. Es ist aber ganz abwegig, wenn verheiratete Kinder, die durch die Wohnungsnot bei den Eltern wohnen müssen, bei der Holzzuteilung in den Haushalt der Eltern einbezogen werden. Sie gehen dadurch der auf ihren eigenen Haushalt fallenden Zuteilungsquote verlustig. Wir sind der Auffassung, daß jeder Haushalt das für den Haushalt festgesetzte Quantum Holz bekommen muß, und daß für die Zuteilung Verwandtschaftsverhältnisse absolut keine Rolle spielen. Besonders sind aber die Einwohner, die in ihrem Stadtteil noch nicht an der Gasversorgung teilnehmen, auf die Holzversprgung angewiesen, denn sie benötigen das Holz auch zum Kochen. Die kommunistische Rathausfraktion wird sich in Zukunft für die gerechte Regelung der Brenn- stoffversorgung' einsetzen. Für Baden nur Schwarzmehl? Wie uns mitgeteilt wird, sollen die Vertreter des Landesernährungsamtes Württemberg ein Ansinnen gestellt haben, das die Badener Bevölkerung als Stiefkind betreffs der Versorgung mit Weißmehl behandelt. Bei einer Sitzung der Landesernährungsämter Baden und Württemberg wurde unlängst über die Mehlversorgung beraten. Baden bekommt die Mehltype 1950 (95 Prozent Ausmahlung, Schwarzmehl), Württemberg erhält dagegen die Type 1050, das ist Weißmehl. Als sich die Vertreter Badens gegen eine solche unterschiedliche Behandlung wandten, meinten die Vertreter des Landesernährungsamtes Württemberg, daß für Baden das Weißmehl nicht lange; im Übrigen solle man doch das Weißmehl in Württemberg lassen, damit die Württemberger ihre altgewohnten „Spätzle“ machen könnten. Wir fragen an, mit welchem Recht Württemberg Weißmehl verlangt und weshalb gerade die Badener nur Schwarzmehl haben sollen? Dem Vernehmen hach soll es auch in Wür- temberg Schweinefleisch gaben, während die Badener seit der Besatzungszeit nicht mehr wissen, wie überhaupt Schweinefleisch aussieht. Es wäre doch wünschenswert, wenn bei einheitlicher Verwaltung auch eine einheitliche Verteilung der Lebensmittel stattfinden würde. Karlsruhe Eine mysteriöse Holzfahrt Fährt doch vor einiger Zeit ein Wagen der „S ü d k r a f t“ in Karlsruhe mit einer Ladung Holz unter fürsorglicher Begleitung der Inhaberin dieser „Südkraft“ in die englische Zone, um auch ihren Teil am Interzonenaustausch beizutragen. Doch wer beschreibt das Erstaunen der an der Zonengrenze kontrollierenden Beamten, als unter dem Holz versteckt auch einige Kisten Mehl, Kartoffeln und Zigaretten gefunden wurden. Zu dem Verlust dieser Sachen kam natürlich auch der Verlust des Wagens wie auch dem Fahrer sämtliche Papiere abgenommen wurden. Vielleicht verrät uns die „Südkraft“, um welche Mengen es sich handelte und woher denn diese Sachen stammten und an wen sie verschoben werden sollten. War dies die erste Fahrt? Die Öffentlichkeit ist auf die Lösung dieser Sache gespannt. Meckenheim Wo bleibl die Preiskoutrolle? Am 14. September 1946 wurden mehrere Lastautos mit einer Ladung von Gelbrübeij nach Hockenheim zum Verkauf gefahren. Die Ware wurde auf der Straße von den Lastwagen aus zentnerweise verkauft, so daß die Händler keine besonderen Absatzschwierigkeiten hatten. Es wurden von mehreren Händlern Preise von 9,. 10 und 12 RM für den Zentner erzielt. Es würde uns interessieren, wie diese Preise errechnet wurden. Weshalb werden Milchpantscher nicht öffentlich genannt? Mehrere Bauern aus Hockenheim wurden zur Anzeige gebracht, weil sie Milch verwässert hatten. Man hört nichts mehr von dieser Angelegenheit. Wenn ein Flurdieb erwischt wird, so wird er öffentlich genannt? Ist Milch volkswirtschaftlich nicht genau so wichtig? Weshalb nennt man die Milchpantscher nicht, damit die Öffentlichkeit gewarnt wird? Weinheim „Weinheim bildet auf Grund seiner industriellen Struktur mit dem vorderen Odenwald und den beiden Tälern, wie Birkenauerund Gorxheimertal eine Wirtschaftseinheit, die ohne Grund und ohne daß die Arbeiter dieser Gegend die Leidtragenden sind-, nicht durchbrochen werden sollte. Dem trug man auch vor 1933 Rechnung. Mit großem Verständnis, sowohl auf der hessischen, als auch auf der badischen Seite, wurden damals die hessischen Odenwaldorte dem Arbeitsamt Weinheim zugeführt. Dies wurde unter Hitler anders. Was wurde da nicht alles anders? Man glaubte sich an alten, vernünftigen demokratischen Einrichtungen zu infizieren. Darum: Namen weg, Einrichtungen weg. Was schadete es, daß die Arbeiterschaft Schaden erlitt? Sie hielt ja den Mund. Sie war scheinbar zufrieden. War sie es wirklich?' O nein — sie durfte nur nichts' sagen. Um den damaligen Zustand wieder herzustellen, und die hessischen Odenwaldorte, die wirtschaftlich nach Weinheim tendieren, wieder dem Arbeitsamt Weinheim zuzuführen, hat der Freie Deutsche Gewerkschafts- Bund Weinheim eine Eingabe an die zuständigen Ministerien gerichtet. Hoffentlich ist dieses Mal das gleiche Verständnis für die wirtschaftliche Struktur des genannten Gebietes wie vor 1933 auf hessischer, sowohl als auch auf badischer Seite vorhanden, um diesen Mißstand zu beseitigen. Herausgegeben von der Landesbezirksleitung Baden der KPD, Mannheim, S 3, 10. Verantwortlich: Kurt W. Weber, Telephon 42 561, Mannheim, S 3, 10. / Auflage 45 000 / Druck: Gebrüder Diesbach, Weinheim/Bergstr., Fried- richstr. 24 / Authorized by Military Government for Württemberg and Baden, Fr. 10. 4.46