B a disches L JL IS Wochenblatt der Kommunistischen Partei Deutschlands /Landesbezirk Baden Mannheim, den 16. Oktober 1941 Preis 15 Pfg. Reaktionäre Fassung des Wahlgesetzes Gewerfccehaften nrfekle* in« allgemeinen ihren Zweck, wenn aie sich auf einen Guerilla- krieg gegen die Wirkungen des bestehenden Systems beschränken, statt gleichzeitig zu versuchen, es zu ändern und ihre organisierten Kräfte als einen Hebel zur endgültigen Befreiung der Arbeiterklasse... zu gebrauchen. Karl Mart DVP und CDU in Württemberg-Baden die Einpeitscher der Reaktion. - Parteien allein für Demokratie und Fortschritt. Die beiden Arbeiter- DflS Gesicht der Rpdktion Die Beratungen im Landtag über das Gesetz zur Neuwahl der G'e- meinderSte, Bürgermeister, Kreistage und Landräte beweisen mit erschreckender Deutlichkeit, daß die DVP und CDU die Einpeitscher der Reaktion in Württemberg-Baden verkörpern. Sie haben den Ehrgeiz, dem Wahlgesetz eine Fassung zu geben, das es zum reaktionärsten ganz Deutschlands macht. Geschlossen stimmten sie jeden Antrag der SPD und KPD nieder. Klar ergab sich das Bild, daß allein die beiden Arbeiterparteien die Hüter demokratischer Rechte des Volkes und des Fortschrittes sind. DVP und CDU lehnten den Antrag der Kommunisten ab, daß bereits ein dreimonatlicher Aufenthalt in der Gemeinde für die Wahlberechtigung genügen solle. Ebenso wurde von ihnen der Antrag niedergestimmt, den Mitläufern kein passives Wahlrecht zu geben. Es tritt der gfoteske Zustand nunmehr ein, daß diese zwar nach dem Gesetz nicht J’olizeibeamte. dafür aber Bürgermeister und Chefs der Polizei werden können. Direktor Schwammberger vom Innenministerium leistete Sich in der Debatte bei dieser Angelegenheit eine unverfrorene Frechheit .gegen die derzeitig tätigen Bürgermeister, indem er diese herabsetzte, um die Notwendigkeit zu begründen, die ehemaligen Nazibürgermeister wieder in Amt und Würden zu bringen. DVP und CDU sorgten dafür, daß der Standpunkt Schwammbergers im Gesetz die Grundlage findet, auch verwirklicht zw werddn. Die Herabsetzung des wählbaren Alters auf 21 Jahre, wie es in einem kommunistischen Antrag verlangt wurde, verfiel der Ablehnung. Gegen die Stimmen der KPD und SPD wurde die Wahlperiode für den Gemeinderat auf 6 Jahre festgelegt. In Anbetracht der noch ungeklärten zukünftigen Gestaltung der Gemeinden, der notwendigen Eingliederung der Neubürger und zurückkehrenden Kriegsgefangenen, hatte die Kommunistische Partei vorerst eiÄe Wahlzeit von 2 Jahren und anschließend dann als normale Wahlperiode eine solche von 4 fahren verlangt, wie es auch in einem Antrag der SPD gefordert worden war. Mit der Festsetzung der Wahlperiode auf 6 Jahre wird dem Recht der demokratischen Selbstverwaltung ein schwerer Schlag versetzt. Die Geschädigten sind die Neubürger und Rückkehrer, die nicht vergessen sollen, daß ihre künftigen Rechte durch die DVP- und .CDU-Ab- geordneten , empfindlich beschnitten wurden Bei der Amtszeit der Landräte war das Begehren der CDU noch unverschämter. Auf 9 Jahre sollten diese gewählt werden. Ihr fehlte bei der Abstimmung nur 1 Stimme, was verhinderte, daß ihr Antrag durchkam. Landräte werden für 6 Jahre nunmehr gewählt. Gemeinderat und Kreistag werden in Württemberg- Baden gleichzeitig am 7. Dezember gewählt. y. m. Unternehmeranschfag auf Mitbestmunungsrecht Schenkt Ministerpräsident Dr. Maier den Scharfmachern sein Ohr? — Mannheimer Betriebsräte gegen die Verschleppung des Ausführungsgesetzes zu Artikel 22 der Verfassung. Unter Führung der „Vereinigung der MaschinenbauanstaJten“ von Wfti t- Es -wirkt ■ um so eigenartiger, wenn teinberg und Baden haben die Unternehmer-Kreise einen VorstoB unternom- der Verdacht nicht unausgesprochen men, die Verwirklichung de« Artikels 32 der Württembergisch-Badischen bleiben darf, daß das "Schreiben der Verfassung zu verhindern, ln dem Artikel 22 der Verfassung ist der Arbeiter- Unternehmerkreise Offenbar nicht Schaft das Mitbestimmungsrecht in der Verwaltung und Gestaltung der ohne Wirkung geblieben ist. Wie wir Betriebe zugestanden. Die Realisierung dieses elementaren Rechtes bedurfte unterrichtet sind, sollte in der Sitzung bisher noch eines Gesetzes über entsprechende Ansfiihrungsbestimmungen. des Landtages am 15. Oktober die Dieses Gesetz zu verhindern ist die Absicht des reaktionären Unternehmer- Frage der Ausführungsbestimmungen Vorstoßes in Württemberg und Baden. zum Artikel 22 der Verfassung auf der _ . _ . Tagesordnung stehen. Es istküies nicht In einem Brief an den württember- Unternehmertums zur Geißei des Vol- der Fall. Hat der Ministerpräsident gisch - badischen Ministerpräsidenten kes geworden sind und drohen, sein ein empfänglicheres Ohr für die Dr. Maier wird dieser beschworen, Tod zu werden. Wenn angesichts dieser selbstsüchtigen Interessen scharf- das Ausführungsgesetz zu Artikel 22 Zustände eine Notwendigkeit besteht, macherischer Unternehmerkreise, als der Verfassung nicht „übereilt“ zur dann die, das Mitbestimmungsrecht für die Nöte des Volkes? Wenn es Annahme bringen zu lassen. „Ueber- unverzüglich Tat werden zu lassen. so weit ist dann ist es schlimm! eilt“ nennen die Scharfmacher, wenn Der Ministerpräsident Dr. Maier hat Dann besteht aber um so dringender endlich, fast ein Jahr nach Annahme in seiner Regierungserklärung die be- das Gebot, daß die Betriebe die es in der Verfassung, sich die zuständigen schleunigte Durchführung des Mitte- erster Linie angeht, entschieden Stel- Stellen im Arbeite- und Wirtschafts- stimmungsrechtes und die Heran- Tung nehmen und jede Verzögerung ministerium mit der Frage de« Aus- Ziehung des werktätigen Volkes zur des Ausführungsgesetzes zum Artikel füjirungsgesetzes und seiner Vorlage Lösung der Lebensfragen versprochen. 22 der Verfassung verhindern, beim Landtag befassen. Dies, nachdem Das Recht mit eigenen Mitteln erkämpfen Die Betriebsräte und Vertrauens- einer Kundgebung, nachdem den Funk- der Gewerkschaften die w das werktätige Volk vor einem Hungerwinter weit schlimmer als die vergangenen steht. Dies, nachdem die verantwortlichen Kreise in Verwaltung und Wirtschaft bisher nur den Nachweis ihrer Unfähigkeit im Wirt- männer des Gewerkschaftsbundes tionären .... _ Schäften und „Größe“ in der Desorga- Mannheim tagten am Montag im Ro- Treibereien der württembergisch-bg- nisation bewiesen haben. Dies, nach- sengarten. Die ursprünglich zu einem dischen Unternehmerkreise zur Ver- dem Schwarzer Markt und Kempen- Vortrag Dr. Cahn-Garniers einberu- hinderung des Mitbestimmungsrechtes sationsgeschäft in den Händen des fene Versammlung gestaltete sich zu bekanntgeworden waren. Mit allgemeiner Empörung wurde die Tatsache zur Kenntnis genommen und kein Zweifel darüber gelassen, daß die Be r triebe willens sind, zur Durchsetzung des Mitbestimmungsrechtes in den Kampf zu treten. In dem Anschlag der reaktionären Unternehmerkreise wurde eine klare Sabotage des demokratischen Aufbaus und der Verwaltung der Wirtschaft gesehen. Die angenommene Entschließung lautet:, „Die versammelten Betriebsräte und Vertrauensmänner fordern von den im Landtag vertretenen Parteien den Erlaß gesetzlicher Bestimmungen, die das Mitbestimmungsund Gestaltungsrecht der Betriebsräte in der Praxis auch verwirklichen. Werden diese gesetzlichen Voraussetzungen jetzt nicht geschaffen, dann ist die organisierte Arbeiterschaft gewillt, sich dieses Recht mit den ihr eigenen Mitteln zu erkämpfen.“ Wie wir erfahren, fanden gestern in der Mehrzahl der Betriebe Mannheims Belegschaftsvereammlungen statt, die im Sinne der Betriebsräte- und Funktionärkonferenz des Gewerkschaftsbundes verliefen. Der Arbeiterschaft ist es ernst, ihren Forderungen Nachdruck au verleihen. W. G. Er afmef sozialistischen Qeisf“ Der Marschall-Plan: Zwei Stimmen der SPD und eine aus Amerika Zu der Aeußerung Dr. Schumachers nach seiner Ankunft in New York: „Die Verwirklichung des Marshall-Planes wird die wirtschaftliche Gesundung nicht nur Deutschlands, sondern ganz Europas zur Folge haben“, haben sich inzwischen weitere hinzugesellt. die- im Marshall-Plan - noch mehr sehen wollen. Dr. Cahn-Garnier, jetzt Vertreter der SPD im Wirtschaftsrat, verstieg sich soweit, auf dem Bundestag der Gewerkschaften in Stuttgart zu verkünden, er „atme sozialistischen Geist“. Verantwortungsloser kann das werktätige Volk ln Deutschland nicht irregeführt werden. Wir stellen den Lobpreisungsaposteln des Marshall-Planes in Deutschland eine Stimme aus Amerika gegenüber. Der bekannte amerikanische Leitartikler John. O’Donnel erklärt (nach der „Weltpresse“ zitiert): „Was diese besonders teuren, schnorrenden, bettelarmen Nationen in Europa betrifft, so sollte man diese ewig zankende, üble Brut übers Knie legen und ond ihr diese Wahrheit einbläuen: Der Marshall-Plan bedeutet für uns Steuerzahler, daß wir alljährlich fünf Milliarden Dollar an eine Horde •(reitender Strolche zahlen müssen.“ Die Verfassung, so meint er, verbiete es Tnuman und MarshaU, irgendwelche Bindungen einzugehen. Alles, was sie versprächen, sei bedeutungslos, wenn der Kongreß „nein“ sage; uftd selbst, wenn dieser Kongreß zustimme, so würde der nächste be- «titnmt anderer Meinung sein. Man kamt dieser Auslassung O'Doanels nur noch hinzufügen, wa« er IJ^Kessen hat, «der vergessen wollte, die Frage, für wen die amerikani- f r£i n Steuerzahler die 5 Milliarden Dollar jährlich aufbringen müssen, f Rentite, die Einkünfte dieser Kapitalanlage, sollen den Herren von ; Wallstreet, dem amerikanischen Finanz- und Monopolkapital, zufließen. Von der Reaktion und ihren Absichten wird oftmals in recht verschwommenen Begriffen geredet. Die Reaktion hat ein konkretes Gesicht. Bei uns nicht weniger, wie anderswo. Die Absicht beispielsweise, mittels Ermächtigungsgesetz der Staatsbürokratie' die Möglichkeit willkürlicher Entscheidung auf dem Gebiete demokratischer Grundrechte in die Hand zu geben, hat in Württemberg-Baden deutlich das Gesicht der Reaktion gezeigt. Noch deutlicher wurde dieses Gesicht, als diese Absicht vereitelt wurde, und dann im Landtag DVP und CDU steh bequemen mußten, offen als die Einpeitscher der Reaktion in Erscheinung zu treten. Da« reaktionärste Wahlgesetz ganz Deutschlands durchzudrücken, das sich beide Parteien zum Ziele gesetzt hatten, hat den letzten Flitter demokratischer und sozialer Verbrämung, mit dem sie sich umgaben, wie Spreu in alle Winde verwehen lassen. Darüber gibt es feinen Zweifel mehr: DVP und CDU, ungeachtet der Namen, verkörpern in Württemberg-Baden die Reaktion. Bei dem Vorstoß der Unternehmerkreise, das Ausführungsgesetz über das Mitbestimmungsrecht im Landtag nicht zur Beratung zu bringen und damit seine Verwirklichung zu vereiteln, haben wir nur eine andere Seite des Gesichtes der Reaktion in Württemberg- Baden vor Augen. Wer schrieb jenen besagten Brief an den Ministerpräsidenten Dr. Maier? Wer sammelte di® Unterschriften der verschiedenen Unternehmerorganisationen? Wer trommelte, um die ganze reaktionäre Brut für das volksfeindliche Vorhaben mobil zu machen? Das Schreiben trägt die Unterschrift eines J. G. Liebe-Harkort. Harkort ist äber kein unbekannter Name in den ' Konzernkreisen des rheinisch-westfälischen Industriegebietes. Konzernherren und ihre Sprößlinge benützen in Württemberg-Baden die Freiheit der Demokratie als Freiheit, sie'zu sabotieren und ihr den Todesstoß zu versetzen. Der Ernährungs- und Landwirtschaftsminister Stooß ist ebenso ein Gewächs im Garten der Volksfeinde. Daß er auf einer beachtlichen Sprosse der Leiter steht, die in ihrer Spitze zu Schlange-Schöningen führt, sei-* nicht vergessen. Daß er sich in einigen Nuancen von diesem unterscheidet, für das sind wir in Württemberg-Baden. Daß er der Mann ist, wie ihn die Reaktion in unserem Lande braucht, hat sich erwiesen, als er sich ln voller Breite im Landtag vor den Ernährungssaboteur von Weiler stellte. Nicht nur deshalb, wen er eine Bankerotts- wirtsohaft, sondern well er damit all die Absichten verteidigte, deren Ziel die Verhinderung der Bodenreform in • Württemberg-Baden ist. W.G. Die Saarländer Die heutige französische Regierung hat mit den im Saargebiet durchgeführten Wahlen zwar ein Veto für sich gewollt, aber sie hat alles verhindert, um eine Volksbefragung, in der Frag® des Anschlusses mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten zu lassen. Ueber die heutige Stimmung im Saargebiet äußerte sich ein französischer Beobachter, daß die Saarländer im Herzen gute Deutsche seien, abgestimmt aber hätten ihre Mägen. Wie sie sich’s-vorstellen Auf der letzten Pressekonferenz des Lantfwirtschaftsminlsteriums, in der Dr. Eisemann den Bericht zur Woche gab, stellte der Gewerkschaftavertreter fest, daß die Abteilung Vieh keine Beiräte einlade, obwohl diese schon lange vom Ministerium bestätigt seien. Bet der Durchführung unpopulärer Maßnahmen aber wolle man jedoch die Gewerkschaften an die Spitz® stellen. Aachs** «n. t kt; i •• '! f Seite J Badisches Volksecho Donnerstag, den 16. Oktober 1947 I / ff. «i ■ st Ir. Demontagen im Westen Im Zeichen des Industrieplans, der endlich die Rettung aus dem Chaos der westlichen Industrie und ihres verzweifelt geringen Produktionssian- des hätte bringen sollen, erleben wir die Geburt eines umfangreichen £>e- montageprogrammes, das die westlichen Alliierten willens sind durchzuführen Nach den Berichten des englischen „Oeconomist“ ist. in der Bizone die Demontage von etwa 2000 Betrieben vot gesehen. Damit ist ein Reif in die Frühlings- nacht der Glückseligkeitsapostel und Heiligsprecher aller Maßnahmen, wenn sie nur aus dem Westen kommen, gefallen. Ihre Lesart ging doch dahin, zu verkünden: Die Russen schleppen alles fort, währenddem die westlichen Alliierten geradezu die Verkörperung der Selbstlosigkeit und Hilfe für das deutsche Volk darstellen. Sie hat dabei noch nicht einmal gestört, wenn sie sich die Frage voriegten: wohin geht die deutsche Kohle? Wohin das Holz, das in bestimmten Gebieten bei dem Maß seines Einschlagens die Gefahr der Versteppung heraufbeschworen hat? Wohin gehen verschiedene andere Artikel, die zwar produziert werden, die aber nie dem deutschen Volke zu Gesicht kommen. Daß den Dr. Adenauer und Dr. Schumacher ein gewisser Unterschied bei den Demontagen im Osten gegenüber dem Westen nicht auf gefallen ist, erscheint uns nicht verwunderlich. Im Osten wurde Kriegsindustrie demontiert und Demontagen nur in dem Umfange durohgeführt, daß sie die wirtschaftlichen Grundlagen einer Friedensproduktion nicht zerstörten. Bei den Demontagen in der britischen Zone sind es mehrfach Gesichtspunkte der Ausschaltung der deutschen Konkurrenz, die maßgebend sind. Im neuen Industrieplan ist beispielsweise von Industriewerken die Rede, „die überflüssig sind.“ Ein dehnbarer Begriff. wobei nicht gesagt ist, warum sie überflüssig sind, ln der Ostzone sind die Demontagen abgeschlossen, im Westen beginnen' sie. In der Ostzone pulsiert das Leben, rauchen die Schornsteine, bei uns sind die Merkmale des Verfalls unverkennbar. Sowjetrußland hat sich nie zu einer Ent- industrialisierung Deutschlands bekannt. aber die entsprechenden Pläne aus dem Westen sind uns zur Genüge noch in Erinnerung. Sollte darin der Unterschied liegen^? W. G. „Kommunistischer Angriff“ auf’s Ruhrgebiet? Mit der Meldung von, der Gründung des Informationsbüros iiurch kommunistische Parteien in Belgrad kam gleichzeitig eine andere Meldung. Diese hieß: „Kommunistischer AngrifI auf's Ruhrgebiet". Der Korrespondent der „Associated Press“, Gallagher, hatte sie in Berlin fabriziert. Die Lügenmel- Die Wahrheit Einet Abend* ließ Pawei nach dem EsM*n den Vorhang am Fenster herunter, setzte sich in die Ecke, härmte an der Wand über seinem J&opf ü’e ilechlampe auf und begann zu lesen Die Mutter räumte da>. Geschirr ab. uhd ai* <;ie aus der Küche kam. trat sie behutsam auf ihn zu. Kr hob den Kopf und olickte ihr fragend ins Gesteht. ,,Nichts. Pascha *, sagte sie schnell und bat mit einem verlegenen Stirnrunzeln beiseite. Ai« sie dann aber in der Küche einen Augenblick unbeweglich und bekümmert dagesianden. trat sie wieder zum Sohn. ..Ich möchte dich fragen was du immer liest?”, sagte sie leise. Er schlug das Buch zu. ..Setz dich. Mama D)P Mutter ließ sich schwer nebgn ihm nieder, richtete sich gerade und gab genau acht, als erwartete sie etwas Wichtiges. Ohne sie anzusehen, begann Pawel halblaut und auffallend finster: ,,lch lese verbotene Bücher. Sie sind deswegen verboten ... weil sie die Wahrheit über unser Leben, da.? Leben der Arbeiter sagen Sie werden heimlich gedruckt, und wenn man sie bei mir findet, komme ich ins Gefängnis, ins Gefängnis. weil Ich die Wahrheit wissen will. Hast du verstanden?“ Ihr wurde plötzlich der Atem schwer. Sie blickte den Sohn mit weit gdbffneten Augen an. und er erschien ihr fremd. Er hatte eine andere, eine tiefere, kräftigere Stimme. Er zupfte mit seinen Fingern an seinem feinen, dichten Schnurrbart und blickte mit sonderbarem Ausdruck finster in die Ecke. Sie empfand Angst und Kummer um ihren Sohn ..Warum tust du das. Pawluscha?“, fragte sie. Er erhob den Kopf und erwiderte leise smd ruhig- „Ich will die Wahrheit wissen/* Seine Stimme klang Verhöhnung der Neubörger! ' DVP und CDU Verteidiger junkerlicher Lotterwirtschaft! — Minister Stooß belohnt Ernährungssaboteur von Weiler. In einer der letzten Landtagssitzun- geh wurde von der DVP und CDU gegen die Kommunisten und Sozialdemokraten ein von der KPD-Fraktion gestellter Antrag niedergestimmt, in dem verlangt worden war, das Iiol- gut' Liehtenberg des Freiherrn von Weiler in Oberstenfeld unter Heranziehung des Gesetzes zur Beschaffung von Siedlungsland und der wordenem Junker vor* der Enteignung zu schützen. oder ob es Neusiedler bekommen sollen. Erst geht es jetzt einmal darum, ob dieser Mann, der Baron von Weiler, der die einfachsten Gesetze unserer Emährungswirtschaft immer wieder verletzt hat, das Gut behalten soll.“ Das Niederstimmen des kommuni- Die Verpac/htung an die „Innere stischen Antrages zeigt jedem, daß Mission“ sollte den Kern der Frage man das Volk noch und noch schädi- verschleiern und die Auseinandersetzung verschieben. Abgeordneter Nu- ding (KPD) brandmarkte diese Tatsache mit den Worten: „Es dreht sich gar nicht um die „Innere Mission“. Wir streiten nicht darüber, wer das Bodenreform zu enteignen. Das Land Gut nach der Enteignung pachten soll. gen kann, wenn man junkerlicher Großgrundbesitzer ist. Die DVP und CDU stellen sich schützend vor die Interessen eines Volksverbrechers und verhöhnen die der Neubürger und der unmögliche Ernährungs- und Landwirtschaftsminister' Stooß gibt stets sollte den Neubürgern überwiesen ob. das die Innere M^fsion, die Cari- aufs neue Proben seiner Unmöglich' werden. Dem Antrag, der von dem Abg Schätele (KPD) begründet wurde, lag der Tatbestand zugrunde, daß das t junk erliche Gut unter oer Leitung von Freiherrn von Weiler durch und durch verlottert ist und es in keinem Falle seiner Ablieferungspflicht auch nur annähernd Genüge tat. Freiherr von Weiler ist einer der 150 Grundbesitzer, die in 979 landwirtschaftlichen Betrieben über insgesamt 431 290 ha land- und forstwirtschaftlicher Nutzungsfläche in Württemberg-Baden verfügen. Das ist das tas oder die Arbeiterwohlfahrt ist, keit. y. m, Im Zeichen dei Gewerkschaftseinheit Der zweite Jahreskongreß der Gewerkschaften Württemberg-Badens Minister Veit: „Lassen Sie uns nach uHSCrer Fasson selig werden“ In Kornwestheim fand v.om 3. bis zum 5. Oktober der zweite Bundestag der Gewerkschaften Württemberg-Badens statt. Die im Gewerkschaftsbund zusammengeschlossenen 15 Industrie- und Berufsverbände. vertraten mit ihren 200 Delegierten 370 000 Mitglie- Land, das durch die Bodenreform er- der. Bundespräsident Schleicher konnte faßt und den Neubürgern gegeben werden müßte. Im Falle des Freiherrn von Weiler wurde der Beweis absqluter Mißwirtschaft und Sabotage der Ernährung des Volkes erbracht. Trotzdem fand dieser nichtsnüizige Großgrundbesitzer in der DVP und CDU Beschützer und im Landwirtschaftsminister Dr. Stooß einen Fürsprecher. Dies, obwohl Minister Stooß nicht umhin konnte, den ganzen Umfang der Lotterwirtschaft des Freiherrn von Weiler zu bestätigen. Um die Enteignung zu verhindern, wurde das Gut an die „Innere Mission“ verpachtet, obwohl dies durch nichts gerechtfertigt war und nur zu dem Zweck erfolgte, den an der Volksernährung schuldig ge- auf die Kraft dieser Bewegung hin- weisen: Wer glaubt, ohne die Gewerkschaften die sozialen und wirtschaftlichen Probleme lösen zu können, wird scheitern! Der Bundestag stand im Zeichen des deutschen Schicksals. „Acht Millionen Gewerkschaftler warten darauf, eine einheitliche deutsche Volkswirtschaft und einen deutschen Gewerkschaftsbund errichten zu können.” Trotz aller weltanschaulichen Unterschiede der im Bund organisierten Gewerkschaftler gab es in dieser Frage keine Meinungsverschiedenheiten. Man war sich auch einig darin, daß der Beschluß, Vorarbeiten für bizonale Abmachungen aufzunehmen, der starken Gegenargumenten begegnete, keinesfalls das Streben nach der Gewerkschaftsein- Kampfes um das Mitbestimirpmgs- J*eit über ganz Deutschland gefährden recht. Diese zentrale Forderung der würfe. Arbeiterschaft auf die Verwirklichung ihrer gesellschaftlichen Gleichberechtigung wurde noch unterstrichen durch die Aeußerung des Bunöespräsidenten, daß die soziale Existenz des Arbeiters ebenso verbürgt werden müsse, wie die der anderen Schichten dfes Volkes. Mit der gleichen Stärke äußefte sieh auf dem Bundestag das Verlangen nach der einheitlichen Gestaltung des düng lautete: „Einer der ersten Vorstöße im Rahmen der Offensive der europäischen* Kommunisten gegen die Vereinigten Staaten wurde in Kreisen der westlichen Militärregierung als fast unmittelbar bevorstehend -bezeichnet. Schauplatz dieser Aktion wird nach Meinung der, alliierten Behörden das Ruhrgebiet seih. Das kommunistische Vorhaben bezweckt einen Zusammenbruch des ganzen Marshall- Programms für Westeuropa, dem ein deutscher Zusammenbruch vorhergehen soll.“ Die Absicht ist klar: Mit dieser Meldung soll berits die andere genügend diffamiert werden. Es sollte auch davon abgelenkt werden, daß der Angriff auf's Ruhrgebiet ja vom arnui- kanischen Monopolkapital mit arten Mitteln betrieben wird. Zum andern auch noch das, daß die Kommunisten für die hoffnungslose Bankerottswirtschaft in den Westzonen verantwortlich gemacht werden sollen. * Die Kommunistische Partei Rheinland-Westfalen hat die einzig richtige Antwort auf die Tatarenmeldung amerikanischer Kreise gegeben. „Am Anfang aller Vorstöße gegen die Arbeiter- . _ j Schaft stand die Provokation. Um die ** en Kommunisten, dann Sozialdemokraten und danach die gesamte deutsche fortschrittliche Bevölkerung zu knebeln, ließ Göring 1933 den Reichstag in Flammen aufgehen und erklärte die KPD für Schuldig>... Ein deutscher nicht genüge.-- -. . . - Zusammenbruch wird nicht von der stischen Geiste neu zu gestalten, son- KPD, sondern von den Monopolkapi- dem daß sie ihre Ergänzung finden talisten Amerikas und ihren Lakaien müsse in der politischen Einheit der in Deutschland vorbereitet.“ ym Arbeiterbewegung. Die Aeußerungen des ehemaligen württembergisch - badischen Finanzministers Cahn-Gärnier, daß der Mar- hall-Plan „sozialistischen Geist atme“, stieß auf spontane Ablehnung, während Wirtschaftsminister Veit, der an die Hilfe der Welt für Deutschland appellierte, gut verstanden wurde, als er sagte: „Machen Sie Ihre Hilfe nicht davon abhängig, daß win unsere Wirtschaft so einrichten, wie sie bei Ihnen bisher war, und wie es Ihren Beifall gefunden hat. Lassen Sie uns nach unserer Fasson selig werden. Wir haben vielleicht schon Erfahrungen gemacht, die Sie noch vor sich haben. Machen Sie nicht den Versuch, uns zu zwingen, daß wir unsere Ideen gegen Kalorien kompensieren. Wenn das deutsche Volk in seiner Mehrheit den Sozialismus als Wirtschaftsform wünscht, dann lassen Sie nach demo- Willen des Volkes gelten.” Mit lebhafter Zustimmung begrüßten die Delegierten die Ausführungen des dänischen Gastes, der betonte, daß die gewerkschaftliche Kraft allein Deutschland im soziali- leise, abej fest, seine- Augen glänzten trotzig. Sie fühlte in ihrem Herzen, daß ihr Sohn sich für immer einem geheimnisvollen, schrecklichen Werk geweiht habe. Alles im Leben erschien Ihr unvermeidlich. Sie war gewohnt, sich gedankenlos unterzuordnen und so weinte sie jetzt nur «tili vor sich hin und fand ln ihrem kummer- und gramerfüllten Herzen keine Worte. „Weine nicht“, sagte Pawel freundlich und leise; und es war Ihr, als wenn er sich verab- seb ledete. „Denk einmal nach, welches Leben wir t ihren! Du bist vierzig Jahre, und hast de überhaupt gelebt? Der Vater hat dich «^schlagen . . k ich verstehe Jetzt, daß er an dir all seinen Kummer ausgelassen hat. . . den Kummer seines Lebens; der hat ihn erdrückt. Und er verstand nicht, woher er rührt. Fr hat dreißig Jahre gearbeitet, hat angefangen zu arbeiten,, als die ganze Fabrik noch in zwei Gebäuden untergebracht war, und jetzt sind es sieben.“ Sie hörte ihm aufmerksam zu Die Augen des Sohnes glühten in schöner Helle Er lehnte sich mit der Brust gegen den Tisch, rückte näher an sie heran und hielt ihr gerade in das tränenfeuchte Gesicht seine erste Rede über die von Ihm begriffene Wahrheit. „Welche Freuden hast du kennenge- lernt?\ fragte er. „Was hast du von deinem Leben gehabt?“ Sie hörte ihm zu und schüttelte traurig den Kopf: sie empfand ein neues, ihr unbekanntes, gleichzeitig trauriges und freundliches Gefühl, das ihr schweigendes, schmerzerfülltes Herz welch umschmeichelte. Solche Reden Ober sich und ihr Leben hörte sie zum erstenmal, und sie erweckten in ihr längst entschlafene Gedanken, «ntfachten erloschene Gefühle, dunkle Unzufriedenheit mit ihrem Leben, Gedanken und Gefühle einer fernen Jugend Sie hartte mit Ihren Freundinnen Über das Leben gesprochen, hatte lange über alles geredet, aber alle und auch sie selbst hatten nur geklagt, und niemand hatte zu erklären versucht, warum das Leben so schwer und mühsam ist. — Jetzt sitzt ihr Sohn vor ihr, und was seine Augen, sein Gesicht und seine Worte sprechen, das alles packt ihr Herz, erfüllt es mit einem Gefühl des Stolzes über den Sohn, der das Leben der Mutter richtig verstanden hatte, zu ihr über ihr Leiden spricht und Mitgefühl für sie hat. Für Mütter hat man kein Mitgefühl. Sie wußte das. Alles, was er über ihr Leben sagte, war bittere, ihr wohlbekannte Wahrheit, und ln ihrer Brust zitterten Gefühle, die sie immer mehr mit einer ihr unbekannten Zärtlichkeit erwärmten. „Was hast du denn vor?“, fragte sie, ihn unterbrechend. „Lernen und dann andere lehren. Wir Arbeiter müssen lernen^ Wir müssen herausbekommen, müssen begreifen, warum unser Leben so schwer ist.“ „Liebling, was kannst du ausrichten?" Aber sie wollte sich nicht die Freude verkümmern, ihren Sohn zu betrachten, der dir plötzlich so klug, wenn auch , so fremd erschien. „Ist das wirklich so, Pascha?“ „Ja“, erwiderte er fest und bestimmt. Und er erzählte ihr von Menschen, die dem Volk Gutes wünschten, die die Wahrheit unter das Volk gesät hatten, wofür die Feinde des Lebens ihnen wie wilden Tieren nachgestellt, sie ins Gefängnis geworfen Und in die Verbannung geschickt hatten. „Ich habe solche Leute gesehen“, rief er hitzig: „Es sind die besten Menschen von der Weit.“. In ihr dagegen erweckten diese Leute Furcht, und sie wollte den Sohn fragen: „Ist das wirklich so?**. Aber sie konnte sich nicht entschließen und hörte zaghaft die Erzählungen von den Leuten, die ihren Sohn solch gefährliche Dinge reden und denken gelehrt hatten. Endlich sagte sie zu ihm: „Es wird bald hell, du solltest dich schlafen legen.“ „Ja, ich lege mich sofort hin“» stimmte er ihr zu. Und dann beugte er sich zu ihr nieder und sagte: „Hast du mich verstanden?'* „Jawohl“, erwiderte sie mH einem Seufzer. „Du gehst in dein Verderben.“ Er stand auf, ging im Zimmer hin und her und sagte dann: „Jetzt Weißt du alles, was ich tue und wohin ich gehe. Ich habe dir alles gesagt. Ich bitte dich» Mutter, wenn du mich lieb hast, hindere mich nicht. „Nein, Liebling“, rief sie» „Vielleicht wäre es besser für mich, wen* ich ^nichts wüßte. Ich werde nichts tun" sagte sie gpit versagender Stimme. „Nu? nimm dich in acht.. . Gott mit dir. Lehe wie du willst, ich werde diel? nicht stören. Nur um eines bitte ich dich •*" sprich nicht ohne Furcht mit den Mefl^ sehen. Man muß die Menschen fürchten, sie hassen sich alle gegenseitig, leben vo« Gier, voll Neid. Alle haben Freude e® Bösen. Sobald du anfängsi, sie anzuj klagen und zu richten werden sie diu* hassen und zugrunde richten.“ Als die Mutter geendet hatte. metri' er lächelnd: „Die Menschen sind schlecht ja . . . Seitdem ich aber weiß, daß ** Wahrheit in der Welt gibt, sind Menschen besser geworden.“ Er lächelte wieder und fuhr fort: »»IJJ verstehe selbst nicht, wie das gekon un” A ist. von klein auf habe ich alle £**“**2 tet, als ich heranwuchs, begann ich zu hassen, die einen wegen ihrer meinheit, die andern — ich weiß weshalb — einfach so. Jetzt sind alle andei% geworden — vielleicht, sie mir so leid tun. Ich kann e* nicht erklären, aber mein Herz irt eher geworden, seit Ich weiß, daß «He an ihrem Schmutz schuldig sind Er. schwieg, als horchte er auf in seinem Innern, dann sprach er laus und nachdenklich: „So wirkt * Wahrheit“. ^ * (Aus dem Roman „Die Mutter" von Maxim Gorki) Donnerstag, den 16. Oktober 1947 Badisches Volksecho Seite 3 -• Anonyme SPD - Pamphlete Es gibt nicht wenige sozialdemokratische Führer, für deren Tun es nur ein einziges Leitmotiv gibt, nämlich: Der Feind steht links! Sie sind sich dabei des Beifalls aller Reaktionäre in Deutschland sicher, bestimmt ebenso, wie Dr. Schumacher des Beifalls der Wallstreetmagnaten sicher ist, wenn er aus dem Marshallplan eine die Menschheit beglückende Heilsbotschaft macht. Es sind schon seltene Früchte, die ■ auf dem Boden dieser Haltung gedeihen. Ein halbes Dutzend infamer Pamphlete gegen die KPD und SED scheinen die neueste Frucht zu sein. Sie sind anonym, tragen als Unterschrift: SPD, keinen Lizenzvermerk, sind also auch illegal in den Drude gegeben. Damit allein schon beweisen die Herausgeber, daß sie sich ihrer Schändlichkeit bewußt sind, denn sie dokumentieren damit, für ihre Mißgeburten nicht in der Oeffentliehkeit die Verantwortung tragen zu können. „In der Ostzone wird Schnaps gebraut,“ so heißt es in einem Schtjtäh- zettel, und wird am Ende die Frage gestellt: „Was sagt die SEI*... was sagen die Kommunisten hier bei uns?“ Wir antworten: In der Ostzone gibt es 3 Zentner, bei uns in der Westzone nur 1 Zentner Winterkartoffeln. Bei uns weiß man offiziell nichts von einem Schnapsbrennen, umsomehr wird er aber geschoben und auch getrunken. Von wem? Die totgeborene Münchener Konferenz sollte durch einen der Schmähzettel ihre Wiederauferstehung feiern Es ist ihr zuviel Ehre angetan worden, aber warum sollte man ihr auch nicht soviel Gunst schenken, wenn man dabei das Wort von den „ferngelenkten“ Ostzonen-Ministern anbringen kann. Die Hefe ist zu abgestanden, um noch Blüten zu treiben. „Die KPD schützte ihn!“, verkündet ein anderes Pamphlet. Hitler ist damit gemeint! Ausgerechnet! Wodurch? Sie haben 1939 ein Attentat auf Hitler vereitelt. Nicht ganz wird das behauptet, aber die Frage ist so gestellt, daß man es mindestens als naiver Leser meinen könnte. Ausgerechnet die Kommunistische Partei, die Zehn- und Hunderttausende von Anhängern während des Wütens der Hitlerdiktatur als Opfer bringen mußte. Dieses Pamphlet ist wahrhaft an infamer Gemeinheit nicht zu überbieten. Und dann kommt uns ein Wisch vor die Augen — wir trauen nicht richtig zu sehen — Friedrich Engels wird als Kronzeuge der Spalter angeführt. In den Tagen nach Ziegenhain mutet’g wahrhaftig wie ein Wunder an, auf einem SPD-Flugblatt den Namen Friedrich Engels, des Marxisten, zu lesen. Was lesen wir: „Engels gegen die Einheit der Arbeiterklasse“, weil er sich gegen gewisse „Einheitsschreier“ im vergangenen Jahrhundert in einem Brief an Bebel ausläßt. Es ist die Spekulation, daß kaum ein Leser den geschichtlichen Tatbestand, der dazu Veranlassung bot, kennen wird. Die anonymen Pamphletisten der SPD unterstellten, daß niemand bei ihrer Frechheit auf den Gedanken kommen könnte, daß der Sozialist Engels mit den „Einheitsschreiern“ eben jene Revisionisten und Reformisten meinte, deren unrühmliche Nachfahren sie selber sind. Die Wirkung dieser .Verfälschungen und Verleumdungen? Ein ehrlicher Sozialdemokrat, ob Funktionär oder einfaches Mitglied, schämt sich des Tuns seiner Mitgenog- sen, die gegen die Kommunistische 4 Ne^bürger! Der neue Winter droht! Eure Notlage wird sich durch die Kälte und die mangelhafte Versorgung mit den notwendigen Lebens- und Gebrauchsgütern noch verschalten. Eure gerechten Forderungen nach 1 " Arbeit, Wohnung, Band und Gleichberechtigung werden mit scheinheiligen Parolen und Phrasen von verantwortungslosen Elementen erstickt. Die zuständigen Behörden scheitern am zähen Bürokratismus der'staatlichen Verwaltungsmaschinerie. In Anbetracht dieser Situation wendet sich die Zonenleitung der Kommunistischen Partei in der amerikanischen Zone in Deutschland an die Neubürger, und ruft Euch auf, rückhaltlos mit den fortschrittlichen Kräften Deutschlands für die Belange der Neubürger einzutreten. „ - Ueber sjwei Jahre lang hat man Euch mit phrasenhaften Versprechungen seitens der anderen Parteien hingehalten, so daß sich Eure ■ Lage stetig verschlechtern mußte, Euer Geld aufgebraucht wurde. Eure Kleider sowie Haushaltsgegenstände sind abgetragen und verbraucht. Auf amerikanischen Feldbetten verbringen Hunderttausende von Euch die Nächte und ebenso viele arbeiten noch in unwürdigen Verhältnissen. Ansfett sich ernsthaft für Euch einzusetzen, hetzen verantwortungslose Scheindemokraten in Neubürgerversammlungen gegen die Alliierten, stellen Herrn Wenzel Jaksch als den alleinigen Retter der Sudetendeutschen hin und lassen Euch Kettenbriefe schreiben - an den Alliierten Kontrollrat in Berlin. Damit, Neubürger, wird Eure trostlose Lage nicht verbessert. Denn kein Mensch, keine Verwaltung, wird Euch helfen können und helfen wollen, wenn Ihr nicht selbst für Eure gerechten Forderungen eintreten wollt. Stellt einmal an Eure Regierungen die Fragen: Was ist aus dem sogenannten Flüchtlingswohnbauprogramm. aus der arbeits- und berufsmäßigen Umsetzung und aus der wirtschaftlichen Versorgung geworden? Das Echo wird sehr, kärglich sein. Um so mehr jedoch sind die Schieber und Schleichhändler aktiv. Gegen sie, gegen die Saboteure der Demokratie wendet sich der Flüchtlingsausschuß der KP in der amerikanischen Zone und mit ihm alle Neubürger. Wir fordern: fftifbau und Ausbau neuer Industrien und gewerblicher Betriebe, Konsequente Durchführung der Bodenreform, Dmqnartierung in bessere Wohnungen, \ Großzügigen Wohnungs- und Siedlungsbau, Durchführung eines gerechten Lastenausgleichs, Praktische Herstellung der Gleichberechtigung. Zur Verwirklichung dieser gerechten Forderungen der Neubürger, die erfüllt werden müssen, fordern wir Euch auf, in den bestehenden Verwaltungen und Ausschüssen die unfähigen und unsauberen Elemente herauszuwählen und in freier, demokratischer Wahl geeignete, Eure Sorgen und Nöte vertretende Bürger und Bürgerinnen unserer Zone zu berufen. Nur s o können die Existenzgrundlagen für Euch, für Männer und Frauen, Greise und Kinder, gesichert und der drohende Winter nicht zur Katastrophe werden. Kommunistische Partei Zonenleitung amerikanische Zone, Abt. Neubürgerwesen. Funktionärkonferenz der KPD nimmt Stelliing 500 Funktionäre der KPD Mannheims beraten über die Aufgaben der Gegenwart. Vorbereitung der Gemeindewahlen i * am 7. Dezember. Vor 500 Funktionären des Stadt- und Landkreises Mannheim der KPD sprach am Samstag, den 11. Oktober, der Vorsitzende des Landesbezirks Nordbaden, Willy Grimm, über die Aufgaben der Kommunistischen Partei im Hinblick auf den bevorstehenden Winter und der Schwere seiner Partei das an Gemeinheit zu überoie- ten versuchen, was zu „gewissen Zeiten" gang und gäbe gegen die Sozialdemokratische Partei war, als sie in Deutschland die link; Partei verkörperte und es nur eine Arbeiterpartei gab. Die hetzenden Auchsozialisten 'leitet in ihrem verwerflichen Tun die Furcht, daß es doch in Deutschland wieder eine einige sozialistische Arbeiterpartei geben könnte. Das richtet sie selbst. W. G. Lebensprobleme. Das werktätige Volk in Deutschland wird nur bei einer erfolgreichen sozialistischen Realpolitik in der Lage sein, Hunger und Kälte zu bannen. Demokratisierung von Wirtschaft und Staat bedeutet den Kampf gegen den Würgegriff des Schwarzen Marktes und des Kompensationsgeschäftes, den Kampf um die Einschaltung des werktätigen Volkes selbst auf allen Gebieten des Lebens. Im Mittelpunkt dieses Kampfes steht die Durchführung des Mitbestimmungsrechtes. Genosse Grimm behandelte die internationalen Probleme, die sich in Deutschland schneiden und um Marshall-Plan und kommende Londoner Konferenz gruppieren, unter dem Gesichtspunkt der Ergebnisse und Stel- ' lungnahme des zweiten Parteitages der SED in Berlin. Seinen Ausführungen schloß sich eine rege Diskussion an, wobei insbe- 15. H. 1114 M. J. Lermontow, russischer Dichter geboren. 15. 10. 1854 Karl Kautsky geboren. 11. 18. 1840 F irdene Chopin, Komponist, gestorben. 1013 Georg Büchner, Dichter, radikaler Demokrat, geboren. 1700 st. Simon, franz. utop. Sozialist, geboren.' 10.10. 1031 Th. A. Edison, amerikanischer Erfinder, gestorben. 1777 Heinrich von Kleist, Dichter, geboren. ■21 10.1878 Sozialistengesetz zur Unterdrückung der deutschen Arbeiterbewegung tritt in Kraft. 22.10.1011 Franz Liszt, Komponist, geboren. Hetze gegen die Sowjetunion bricht zusammen Gegen die Greuelmeldungen, die täglich über die Lage.. unserer Kriegsgefangenen in der Sowjetunion verbreitet werden wendet sich unser sich in russischer Kriegsgefangenschaft befindlicher Freund Helmuth S c h ü r i g • „Ihr wißt, daß Kriegsgefangenschaft kein Vergnügen ist. Wir werden aber hier in jener Beziehung human und anständig behandelt. Ich glaube nicht, daß die Bevölkerung in Deutschland, wie wir 2200 bis 3600 Kalorien täglich erhält und sich außerdem noch zusätzlich Butter und Eier auf dem freien Markt kaufen kann Bis jetzt siqd aus der Sowjetunion fast nur Kranke entlassen worden, von denen eine Vielzahl • durch freiwilliges Salzessen und Selbstbeschädigung die Krankheit selbst verschuldet haben. Bald werden die Gesunden eintreffen und die Wahrheit über unser Leben in sowjetischer Gefangenschaft berichten. Dann werden die Hetzer verstummen müssen.“ Lüge und Gemeinheit entlarven sich selbst und die Wahrheit bricht immer durch. sondere hervorgehoben wurde, keine Zeit zu versäumen in der Mobilisierung der Betriebe gegen die erstarkende Unternehmerreaktion, wie sie in deren Absicht, in Württemberg- Baden das Durchführungsgesetz zu Artikel 22 zu vereiteln, zum Ausdruck kommt. Einen wesentlichen Raum nahm auf der Funktionärkonferenz die Behandlung der Gemeindewahlen am 7. Dezember auf Grund des jetzt durch- gepeitsohten Wahlgesetzes ein. Genossin Anette Langendorf legte in eindringlichen Ausführungen die sachlich^ Seife unserer Arbeit, die auf ein Mindestmaß von Zeit zusammengedrängt sein wird, zu den Gemeinde- und Kreistagswahlen am 7. Dezember dar. An der Aktivität unserer Organisation wird es liegen, ob das „Wahlklima" am 7. Dezember so günstig für die Reaktion ist. wie diese es erhofft. . Die stark besuchte Funktionärversammlung. der in ihr herrschende Geist, versprechen, daß die Hoffnungen der Reaktionäre von der DVP und CDU zu Schanden werden. Die Kommunistische Partei wird ihre ganze Kraft einsetzen, den Kampf um die Gemeindewahlen zum Kampf um die Lösung der elementaren Lebensfragen des Volkes zu machen. Brot und Kohle in ausreichendem Maß für die Hungernden und Frierenden, ist der Kampfruf. Wie wird man heuie satt? .i. Nichts leichter als das, wenn man verstent. Die Sache richtig zu starten; Da wird so ’n kleines Ding gedreht: Man lebt von gefälschten Karten! Und andre, die leben vom schwarzen Markt (Die weit von der Arbeit entfernten) Die niemals an Aufbau geschippt und geharkt, Wie säen, doch immer ernten! Dann gibt es ’ne dritte Kategorie, Die spielen die Klugen und Schlauen: Sie leides an chronischer ■ Kleptomanie, Auch die leben prima - - vom Klaue». Es folgen die, die aus . „eigener Kraft , Durch Kompensationen sich mästen. Die „Sachwert-Besitzer“, die haben’s geschafft Sie lebe« von allen am besten. Soll, der die Wirtschaft stütz» und erhält. Nur hungern, we andere raffen? Mitnichten! Br hant an der neuen Well. We «ia aasen, die dafür schaffe»! / I ) |;s » fll- ! U Ssite * Badisches Volksecho Donnerstag, den 16. Oktober 184T Vnterjg# upe Landwirtschaft in Noi! Karlsruhe AertttiAM ^Schwein“ Ina Keller des Herrn Dr. med. Henkes, Karlsruhe, OetotaMtlstraQe 3V, grunzt ein Schwein. Da der Herr Doktor nur für zweibeinige Patienten zuständig ist» sagten «ich hungrige Bttrger aus der Nachbarschaft, daß hier ein verdächtig „schwarzer Fall“ eorkiegen muß. Die Polizei kam, sah und fand nichts. Das geschah am heilen Tag und der Herr Doktor wies entrftstet den Verdacht von sieh, irgend etwas Verbotenes zu beherbergen, Ist er doch ein sehr christlicher Herr, wenigstens dem Schein nach. Zu nächtlicher Stunde erscheint die Polizei erneut und entdeckt endlich in der Waschküche das noch lebende Borstentier. Damit erübrigte sich die beabsichtigte Schwarzschlachtung durch akademisch vorgebildete Hände, denn im Städt. Schlachthof bedarf es solcher Voraassetzungen nicht. In der Schweineangelegenheit hat Jetzt der Staatsanwalt das Wort und es ist nur zu hoffen, daß dem Herrn von der anderen Fakultät eine derartige Bereicherung seiner ärztlichen Tafel für die Zukunft gründlich versalzen wird. Es wird Ihm an dieser Stelle nur noch anempfohlen, sich in Zukunft auch den in seinem ‘Hause wohnenden Mietern als Christenmensch zu zeigen, ansonsten wir uns noch einmal mit ihm beschäftigen rnüß- ten. Kann aber die Bevölkerung zu einem Molchen Arzt noch das Vertraue« haben, daß die ihm für unterernährte Patienten mir Verfügung stellenden Malzextrakt- marken und der KZankenzusatz korrekt verteilt wird« wenn Herr Doktor Henkes auch sonst über Nahrungsmittel verfügt, welche für die arbeitenden Bürger unserer Stadl einfach unerreichbar sind? Im Icker esse der Sauberkeit verlangen wir darüber Aufklärung. In der Regel sind die schwarzen Sünder vielseitig engagiert. Gibt es einen Ausweg? Auch die Landwirtschaft leidet neu hinzukommt, Verminderung des unter den Folgen des hitlerischen Viehbestandes. Dauernder Rückgang Raubkrieges und der Mißwirtschaft der Ernteergebnisse in den letzten Jah- der derzeitigen Verwaltung. Die Mot- ren pro Flächeneinheit und Rückgang läge wird durch die Dürre dieses Jah- der angebauten Flächen sind die Fol- res erheblich verschärft. Mittel und gen des Niederganges unserer Land- Wege müssen gesucht und gefunden Wirtschaft. Folgen, die das Volk täg- werden, um die Not zu überwinden lieh zu spüren bekommt und die durch und eine Gesundung der Landwirt- das Versagen, ja durch die Sabotage achaft herbeizuführen. Dies ist mit unserer Verwaltung nur noch gestei- eine der wichtigsten Voraussetzungen gert-werden. für die Sicherstellung der Ernährung Ist da« deutsche Volk in der Lage, des Volkes. diesen Prozeß des Niederganges der Die Dürre-Katastrophe hat außer den Landwirtschaft aufzuhalten, einen für die menschliche Ernährung wiebti- neuen Aufstieg herbeizuführen und da- gen Produkte auch die Futtermittel- durch die Ernährungagrundlage zu ver- erzeugung erhebtioh betroffen. Das bessern? Wir sind der Meinung, daß Vieh muß nun massenweise ahge- dies möglich ist. Bei der Erreichung schlachtet werden und für die Zukunft von Höchsterträgen ln der Landwirtwird sich ein Viehdeflzit ergeben, wel- Schaft und bei Steigerung des Exports ches nur in einem längeren Zeitraum für hochwertige Industrieerzeugnisse wieder ausgeglichen werden kann. zur Bezahlung notwendiger ^Einfuhren Der seit Jahren schon festzustellende wird es sehr wohl möglich sein auch Niedergang in der Landwirtschaft ist, für Deutschland wieder einen ertrag- abgesehen von der diesjährigen Dürre, hohen Lebensstandard zu erreichen, im Speziellen verursacht durch fol- P™ a £® r m ^er Landwirtschaft gerade Umstände: Zunehmende Er- Hochstertrage zu erzielen, sind unserer Schöpfung des Bodens infolge fahre- Auffassung nach folgende Maßnahmen langen Raubbaus. Fehlen von Arbeit»- unumgänglich notwendig, kräften, Mangel an Düngemitteln, Ge- 1. Durchführung der Bodenreform. Aufräten und Maschinen. Fehlen von teihmg der großen Güter an Landhochwertigem Saatgut und, was jetzt arbeiter, Neubürger und Kleinbauern. Fragwürdiges Ablieferungssoll der Großgüier Die .Volksstimme“ Stuttgart bringt am 9. Oktober ein bezeichnendes Beispiel für die Erfassungsmethoden unseres Ministers Stooß, dieses „ersten Fachmannes“ des Landes, wie ihn die „Union“ neuerdings bezeichnet. \ Wer baut in Steinsfurt? Nicht viele Bürger haben heute die Gelegenheit, bauliche Veränderungen vornehmen oder gar Neubauten aufstellen zu lassen. Wir brauchen dabei nur an die vielen Flüchtlinge zu denken, die noch nicht menschenwürdig untergebracht sind und dem Winter mit Schrecken entgegensehen. Eine gewisse Schicht scheint sich aber keinerlei Beschränkungen in dieser Hinsicht auferlegen zu müssen. Daß es sich dabet um ausgesprochene Nazis handelt, dürfte einen Kenner unserer Bizonen- Demokratie nicht in Erstaunen versetzen. So ließ sich in Steinsfurt der Lehrer Otto Keitel, verflossener Hoheitsträger und Propagandaredner der NSDAP nach dem Kriege einen Wohnhaus-Neubau aufsteifen. Der Getreide- und Mehlgroß- Händler Kart Wand res, alter Kämpfer und Sturmfflhrer der Reiter-SS errichtete ein neues Lagerhaus am Bahnhof und ließ sich außerdem sein Wohnhaus neu verputzen. Der ehemalige Nazi- tdrgermeister und „Goldfasan“ Otto Backfisch fand es für angebracht, gerade Jetzt den Total-Verputz seiner sämtlichen Gebäude vornehmen zu lassen. Für das 125 ha große Schloßgut in Burgberg, Kreis Heidenheim, wurde im Jahre 194* ein Ablieferungssoll von 518 Zentner Getreide f es gelegt. Das Soll wurde auch, sogar mit 15 Zentner Ueberschuß erfüllt Die Brotgetreideernte jedoch betrug mindestens 1198 bis 1200 Zentner und somit standen dem Schloßgut mehr als 50 Prozent der Ernte zur freien Verfügung. „Man kann fragen“, so schreibt die Volksstimme, „ob Minister Stooß daran unmittelbar schuldig sei. Wir fragen, wo ist die Anordnung, die den früheren Bürgermeister von Burgberg und den ehemaligen Ortsbauemführer daran hinderten, dieses lächerliche Ablieferungssoll von nur 518 Zentner in voller Uebereinstimmung mit dem Gutsherrn und nach dgssen Bodenbenutzungsangaben aufzustellen?“ Im Mai dieses Jahres fand nun eine Hofbegehung statt, wobei die Kommission unter Führung des neuen Bürgermeisters von Burgberg 645 Zentner Brotfrucht aus der letzten Ernte beschlagnahmte und durch Versiegelung der Fruchtkammer sicherstellte. Unverfroren erklärte der Gutsbesitzer, daß er dieses Getreide für den Lebensunterhalt des Schwiegersohnes braucht, eines ehemaligen „Verschleppten", der in München studiert Nach 6 Tagen wurde dem Bürgermeister durch den stellvertretenden Amtsleiter des Lan- wirtschaftsamtes in Heidenheim bestätigt, daß die Fruchtkammer geöffnet und das Siegel des Bürgermeisters erbrochen war. Der Bürgermeister wandte sich schriftlich an das Ministerium und dieses ist ihm bis heute eine Antwort schuldig geblieben. Wir sind gespannt, welche Antwort der Herr Minister Stooß auf die Frage der „Volksstimme“, wo der größere Teil der Ernte geblieben ist, geben wird. Um das Nllbeslimmiingsreciil Antwort auf ene unverantwortliche Hetze In einer der letzten Landtagssitzun- Landtag eine Mehrheit von CDU und gen beantwortete Minister Kohl eine DVP gegen die Mitwirkung der Be- sozialdemokratische Anfrage über die triebsräte fiel der Kontrolle der Kom- Vorlage eines neuen Betriebsräte- pensationsgeschäfte stimmte. Der Nicht jeder hart bekanntlich das GfQck, Mitglied der NSDAP gewesen zu »ein. Den Arbeitern und Angestellten, die keine KompensetiofwArtikel verschieben können, ist es unmöglich auch nur ' die dringendsten Reparaturen ihrer Wohnungen auszuführen. gesetzes; wdfehes das durch die Ver- „Volkswille" weiß also, daß es nicht fagsung gewährleistete Recht der Mit- arr> Arhpi tjfmfnigtoriiirw wenn die bestimmung enthalten soll. Minister Frage des Mitbestimmungsrechts Kohl gab bekannt, daß ein Ge*et%«nt- schwer vorwärts kommt. Er muß wi®- wurf zu Artikel 22 der württember- sen, daß alles darauf Aar in grsch-badischen Verfassung der Re- dieser Frage die beiden sozialistischen Es wäre Aufgabe des i^ndratsamtes, diese Mißstände abzustelien. gierung vorliege und daß es möglich Parteien Zusammenhalten. Vielleicht sei* ihn in einer der nächsten Land- ist es für ihn eine Lehre, rfaft die tagssitzungen zu behandeln. chrls tlich-sozfile „Union" schon eines Rätselfrage: Wird man etwas unternehmen? Der Minister wies auf die Schwie- Tag später mit den gleichen Argumen- rfgketten hin, für ein solches Gesetz ten die Nichtdurchführung der Ver- 2 Ferkel = 2 Pfennig die Zustimmung der Militärregierung faasung den sozialdemokratischen Mi- zu erhalten und welche Bemühungen nistern zuschieben will. Der Sinn die- Ein Bauer, der an die Deutsche Vieh- verwertungs - GmbH., Geschäftsstelle Nürnberg, zwei Ferkel ablieferte, erhielt dafür folgende Abrechnung: 9*erkel je 3,5 kg ä kg 1,16 RM = 8,12 RM Frachtkosten 7,— RM Marktunkosten 1,— RM Vermittlungsgebühr 0,1» RM 8,1» RM er unternommen habe, damit nicht ses A ng riffs, Mißtrauen in die Reihen von vorneherein die Arbeit des Land- der Arbeiterschaft zu s5«.n. ist klar. tags durch eine Nichtzustimmung von Solche Artikel, wie der 'im „Volks-' °MGUS Berlin zum Scheijern ve*tr- W ilJ e “, können nur dazu führen, daß teilt würde. die Kampfkraft der Arbeiter und An- Das habe allerdings' zu einer Veg- gestellten in den Betriebern für die zogerung der Gesetzesvorlage geführt. Durchsetzung ihrer verfassungsmäßiger Minister konnte mitteilen, daß gen Rechte geschwächt wird. Die die Militärregierung bisher in der kommenden Entscheidungen erfordern page kein Entgegenkommen gezeigt aber, daß beide Arbeiter Parteien ihre Rest 8,02 RM Für ein Ferkel also einen Pfennig. habe, aber es den deutschen Verwat- ganze Kraft einsetzen müssen, daß die tungen, also dem Landtag überlassen Arbeiterschaft die Rechte erhält, die Chef der Gendarmerie muß gehen Det Chef der Hessischen Gendarmerie, Max Martin, wurde vom Innenminister Zinnkann beurlaubt, und wind, wie offiziell bekanntgegeben wunde, sein Amt nicht wieder antreten. habe, zu einem solchen Gesetz Stellung zu nehmen. Der sozialdemokratische „Volks- Wille“ versucht nun, die berechtigte ihr in der Verfassung aisgesagt werden sind. Ä SSu'S'SSkÄ ««S Erfolgreicher Landarbeiterstreik Verwirklichung der Verfassung führt, Wie das Informationsblatt der KP zu einem Angriff auf den kommuni- Hessen mitteilt, sind auf dem Gut Am- Durch die Schaffung neuer Bauernwirtschaften, an Stelle der großen Güter, ist eine intensivere Bearbeitung des Bodens und eine Erzielung besserer Ernten möglich, ^uf der Grundlage der Bauernwirtschaft ist die Umstellung unserer Landwirtschaft aui Hackfruchtbau und Viehwirtschaft das Gegebene. Und gerade diese Veredelungswirtschaft muß von der deutschen Landwirtschaft gefordert werden. Die Bodenreform macht auch den Kleinpächter unabhängig vom Groß- - grundbesitz, indem sie demselben das verpachtete Großgrundbesitzerland zum Eigentum gibt. Dies dürfte geeignet sein, die ewige Unsicherheit zu beseitigen, die Arbeitsfreudigkeit beim Kleinpächter zu erhöhen und ihn zu veranlassen, seinen Boden intensiver und gründlicher zu bearbeiten. Schließlich wird durch die Bodenreform das Problem des Landarbeitermangels teilweise gelöst, denn gerade der Großbetrieb ist es. den in erster I.inie der Landarbeitermangel betrifft. 2. Versorgung der Landwirtschaft mit Düngemittel, Geräten und Maschinen. Ohne genügenden Kunstdünger können keine Höchsterträge erzielt werden. Mittels 125 000 t Reinstickstoff ist man z. B. in der Lage, 2 Mill. t Weizen mehr zu erzeugen. Dieser Stickstoff kann in deutschen Fabriken aus 500 000 t Kohlen hergestellt Werden. Steigerung der Düngemittelproduktion und der Produktion landwirtschaftlicher Geräte und Maschinen — Abgabe dieser Industriepro- dukte an die Landwirtschaft auf normalem Wege, nicht über den schwarzen Markt oder durch graue Kompensationsgeschäfte, das ist also ein weiteres Mittel, um eine Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion zu erreichen. Notwendig ist aber dabei eine wirkliche Kontrolle, eine planmäßige Leitung und Lenkung der Industrieproduktion und die vollberechtigte Mitwirkung der Gewerkschaften und Betriebsräte bei Produktion und Verteilung der Pro~- dukte. 3. Landwirtschafts-Planung. Aufstellung von Anhauplänen für jeden Ort, für jedes Land.-und für Gesamtdeutschland und Schaffung einer zentralen, landwirtschaftlichen Verwaltung. Ferner Einführung eines neuen Erfassungssystems für die landwirtschaftlichen Produkte. Dieses Erfassungssystem muß bei Festlegung eines tragbaren Ablieferungssolls dem Bauern einen Teil seiner Produktion belassen. Dies ist unerläßlich, um dem Bauern einen Anreiz für die Steigerung seiner Produktion zu geben. 4. Gegenseitige Bauernhilfe. Die Dürre- Katastrophe rückt einige weitere Probleme in den Vordergrund. So die Notwendigkeit der Einfuhr von Futtermitteln, die Verhinderung der Ab- schlachtung von Milch-, und Zuchtvieh und schließlich die Organisierung der gegenseitigen Bauernhilfe. Während die Westzonen bisher verhältnismäßig reichlich noch mit Vieh geeegnet waren, hatte die Ostzone schon als direkte Folge des Krieges starken Viehmangel zu verzeichnen. Wenn es trotzdem dort möglich war, die Anbaufläche von Jahr zu Jahr noch zu vergrößern, dann nur äuf Grund der Durchführung der Bodenreform, ferner durch die planmäßige Lenkung der Landwirtschaft durch die demokratische Verwaltung und schließlich durch die gegenseitige .Bauernhilfe. Auch unsere Bauern in den .Westzonen werden sich diestr gegenseitigen Bauernhilfe bedienen müssen, um die Schwierigkeiten infolge des Viehmangels, des Mangels an landwirtschaftlichen Maschinen zu überwinden. Bodenreform, Versorgung der Landwirtschaft mit Industrieprodukten un« Düngemitteln, Organisierung der ge* genseitigen BauernKlife und Beseitigung der alten reaktionären Kräfte aus der Verwaltung für Landwirtschaft und Ernährung. — Einheitliche Landwirtschaftsplanung für ganz Deutschland, das tot der Weg, durch den