BRUCHSALER POST SÜDD. HEIMATZEITUNG FÜR KRAICHGAU UND BRUHRAIN Nummer 1S8 Dienstag, den 11. Juli 1950 Jahrgang 2 Verstärkte Abwehrfront in Südkorea * ÜS-Luftwaffe greift ununterbrochen ein - Kommunisten noch einen Tagmarsch von Taejon entfernt „Napalambombe" verbreitet Schrecken Tokio (ZSH). Auf dem sfidkoreanischen Kriegsschauplatz hat sich im Laufe der vergangenen 24 Stunden nichts ereignet, was die Gesamtlage wesentlich verändert hätte. Aber wenn man den Korrespondentenberichten Glauben schenken kann, liegt einiges in der Luft. Es zeigt sich unter anderem, daß die amerikanische Front in den vergangenen Tagen sowohl durch Mannschaften, wie durch Kriegsmaterial und Flugzeuge erheblich verstärkt worden ist, so daß im Laufe dieser Woche einige Überraschungen durchaus im Bereich des Möglichen liegen. Zwar lassen die Truppenzusämmenziehun- gen und sonstigen Vorbereitungen der Nordkoreaner darauf schließen, daß sie so schnell wie möglich einen Generalangriff gegen die provisorische #Udkoreanische Hauptstadt Taejon durchführen wollen. In amerikanischen Kreisen rechnet man schon für Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag mit einer nordkoreanischen Großoffensive gegen die amerikanischen Verteidigungslinien am Kum-Fluß. Die Nordkoreaner stehen mit ihrer Vorhut bereits 25 bis 30 km vor Taejon. Auch an der Ostküste herrscht, wie ein Kommunique General McArthurs besagt, verstärkte kommunistische Tätigkeit, um den Vorstoß auf Fussn fortzusetzen. Pusan ist der wichtigste amerikanische Nachschubhafen im Süden Koreas, der einzige Hafen in südkoreanischen' Händen, der genügende Mengen von Schiffsladungen aufnehmen kann. Man gibt sich in amerikani- ; sehen Kreisen keinem Zweifel darüber hin, daß auch dieser Vorstoß nicht unbedenklich ist und daß infolgedessen vor jedem übertriebenen Optimismus gewarnt werden muß. , Luit^vaife scblägtpausenloszu Inzwischen bekommen die Nordkoreaner die Schlagkraft der amerikanischen Luftwaffe mehr und mehr zu spüren. Neuerdings steigen die Flugzeuge der Vereinten Nationen von Flugplätzen auf Korea auf, was zur Folge hat, daß sie sich viel länger im Kampfraum aufhalten können als bisher, da sie von Japan kamen und nach Japan zurückkehren mußten. Bombenangriffe werden jetzt während 24 Stunden bei Tag und Nacht fast pausenlos durchgeführt. Kampfflugzeuge greifen an der Front ein, Bombenflugzeuge stürzen sich auf die militärischen Ziele im Rücken des Gegners. Man hat den Eindruck, daß nunmehr mit jedem Tage unbarmherziger zuge- tchlagen wird und daß inzwischen die Aktivist der amerikanischen Luftstreitkräfte noch weiter verstärkt wird. Über 50 kommunisti- uhe Panzer wurden innerhalb von 24 Stunden außer Gefecht gesetzt, 46 erhielten Treffer aus der Luft, 150 amerikanische Flugzeuge überraschten eine auf einer Straße zusammengepferchte kommunistische Kolonne und führten Angriff auf Angriff gegen sie. Nach einem UP-Bericht ist unter dem Eindruck der amerikanischen Luftwaffe die moralische Widerstandskraft der Nordkoreaner bereits stark zurückgegangen. Es heißt weiter, daß an vielen Stellen der Front der nordkoreanische Vormarsch sich bereits fühlbar verlangsamt habe. Insbesondere soll" der Vormarsch der Nordkoreaner bei Tschonui, 15 km südlich Schonan zum Stehen gebracht worden sein. Ein Kriegskorrespondent der UP schreibt, die kommunistischen Tanks hätten sich wie Konservendosen geöffnet, als sie von den Raketen der Düsenjäger getroffen worden seien. Die Straßen seien buchstäblich mit Fahrzeugen verstopft Ein amerikanischer Offizier habe geäußert: „Ich glaube, sie haben jetzt ihr südlichstes Ziel erreicht und von jetzt ab gehts rückwärts.“ Durch Jagdbomberangriffe wurde am Sonntag ein Tankbataillon und ein Infanterieregiment der Nordkoreaner praktisch völlig aufgerieben. 1570 Einsätze sind ron den Amerikanern seit Beginn der Kampfhandlungen geflogen worden und es wurden bereits so viel nordkoreanische Panzer zerstört daß kein anderer Schluß möglich ist als daß die Nordkoreaner von irgend einer Seite neue Panzer zu ihrer Unterstützung zur Verfügung gestellt bekamen. Schwere Artillerie greift ein Zum ersten Mal seit Kriegsausbruch wurden in Korea am Montag schwere amerikanische 15A4 cm Haubitzen gegen die vorstoßenden Kommunisten eingesetzt. Ihre Granaten trugen ebenfalls erheblich zu den Ausfällen der kommunistischen Panzerwaffe bei. Das Feuer, das die Amerikaner vor Taejon auf ihre Gegner abgeben, wird als das schwerste des ganzen koreanischen Krieges bezeichnet Außerdem wird gemeldet daß die US-Luftwaffe neben Maschinengewehren, Raketen und Bomben die gefährliche „Napalam- Bombe“ einsetzt, die mit einer Füllung von dickflüssigen) Benzin versehen ist und sich bei Angriffen auf gegnerische Truppenansammlungen als sehr wirkungsvoll erwies. Diese Bomben lösen sich beim Aufschlag in zahllose Splitter auf. Die Flüssigkeit haftet als klebrige Masse an allem, mit dem sie in Berührung kommt, um sich kurz darauf selbst zu entzünden. Eine feste Verteidigungslinie Übereinstimmend berichteten die Korrespondenten, daß die amerikanischen Streitkräfte nunmehr eine feste Linie ausbauen, die mit allen Mitteln gehalten würde. Die Moral der südkoreanischen Truppen sei ebenfalls wesentlich besser geworden, als in den’ ersten Wochen, in deren Verlauf es lediglich gegolten habe, durch hinhaltende Kämpfe Zeit zu gewinnen, um das Nachschubproblem zu lösen. Nach neueren zuverlässigen Berichten befinden sich unter den Gefangenen, die die amerikanischen Truppen machten, Soldaten, die aus der Mandschurei stammen und erst vor kurzem aus der Mandschurei nach Korea kamen. Dies deutet darauf hin, daß sich unter den nordkoreanischen Truppen bereits kommunistische Verbände aus der Mandschurei befinden. Ob diese Hilfe den Nordkoreanern noch rechtzeitig kommt, wird sich jedenfalls bald herausstellen. Alles in allem läßt man sich nunmehr in amerikanischen Kreisen von einem gemäßigten Optimismus leiten und ist der Überzeugung, daß es schließlich, wenn auch langsam, gelingen wird, den nordkoreanischen Vormarsch aufzufangen. Schwere Verstöße gegen das Kriegsrecht Wachsende Erbitterung der Kämpfe Tokio (UP). Mit Erbitterung haben die Truppen der USA festgestellt, daß die Nordkoreaner sieben amerikanische Soldaten erschossen haben, die in Gefangenschaft geraten waren. Die Amerikaner waren mit einem Jeep versehentlich in die feindlichen Linien gefahren. Als sie sich von den Kommunisten umstellt sahen, hoben sie die Hände. Wenige Minuten später wurden sie von einem amerikanischen Stoßtrupp erschossen aufgefunden. ♦ Aber nicht nur die Kommunisten verstoßen gege» das Kriegsrecht, berichtet UP-Korre- spomjent Poats, der am Montag zusehen mußte, wie die Südkoreaner vierzig Menschen mit dem Gewehrkolben das Rückgrat brachen und anschließend erschossen. Die Hingerichteten standen unter dem Verdacht, kommunistische Freischärler gewesen zu sein. Einem amerikanischen Bataillon gelang es am Montag, einen nordkoreanischen Kessel zu sprengen und sich zu den eigenen Linien durchzuschlagen. Die Einheit steht bereits wieder im Gefecht. London in weiterer Fühlung mit dem Kreml Neuer Schritt in Moskau — Angeblich kein bestimmter „Friedensvorschlag“ London (UP). Die britische Regierung will nach Mitteilnng diplomatischer Kreise in London die Sowjetregiernng erneut auffordern, sich an einer Beilegung des Krieges ln Korea zu beteiligen. Eine Verbal-Note der Regierung ging an den britischen Botschafter in Moskau, Sir Kelly, der sie dem sowjetischen Außenministerium überbringen soll. Der stellvertretende sowjetische Außenminister Andrej Gromyko hatte in der vergangenen Woche mit Sir David eine kurze Unterredung, in der die erste englische Aufforderung besprochen wurde, nach der die Sowjetregierung ihren ganzen Einfluß zur Beendigung des koreanischen Krieges aufbieten sollte. Gromyko soll Kelly dabei gesagt haben, eine eingehende Stellungnahme der Sowjetregierung erübrige sich, da in der englischen Note keine detaillierten Vorschläge enthalten seien. Mit dem neuen Schritt will Großbritan-. nien jetzt darauf weiter eingehen. Man unterstreicht in London, die britische Regierung habe ihr Vorgehen in London mit Washington abgesprochen. England unterstütze zwar alle Bestrebungen zur Einstellung der Feindseligkeiten in Korea. Die Regierung wJrde aber nichts unternehmen, was die Haltung der USA im Hinblick auf Korea beeinträchtigen oder schwächen könnte. Informierte' Kreise erklärten dazu weiter, die britische Antwort enthalte keinen bestimmten „Friedensvorschlag“, sondern lenke lediglich die Aufmerksamkeit der Sowjetunion auf die Resolution des Sicherheitsrates, in der alle Mitglieder der Vereinten Nationen aufgefordert werden, dem militärischen Angriff auf Südkorea entgegenzutreten. Prag protestiert pflichtgemäß Gegen „Kartoffelkäferabwurf“ und US-Agenten Prag (UP). Gegen die Tätigkeit amerikanischer Agenten innerhalb des tschechoslowakischen Hoheitsgebietes und den Abwurf vqn Kartoffelkäfern durch amerikanische Flugzeuge hat die tschechoslowakische Regierung in zwei Noten an die Botschaft der USA in Prag protestiert. Darin wird behauptet, amerikanische Flugzeuge hätten über Böhmen die Insekten abgeworfen, um die „Versorgung der Werktätigen und den Wiederaufbau der tschechoslowakischen Wirtschaft zu behindern.“ Damit hätten die USA gegen das Völkerrecht verstoßen. Prag erwarte „unverzüglich“ eine Antwort. Österreich-Besprechungen ergebnislos Sowjets verlangen vorher Triest-Lösung — „Der Staatsvertrag ist tot“ London (UP). Die Sonderbeauftragten der vier Großmächte für den Staatsvertrag mit Österreich haben ihre wieder aufgenommenen Verhandlungen bis zum 7. September vertagt. Vorher hatte der sowjetische Delegierte Sa- rubin verlangt, daß zunächst die Frage Triest behandelt werden solle. Die Vertreter der drei westlichen Großmächte wiesen die Behauptung des sowjetischen Delegierten zurück, daß die Klärung der Triest-Frage mit dem österreichischen Staatsvertrag eng verbunden sei. Saru- bin begründete seine Ablehnung mit dem Hinweis, daß sich die Sowjetunion — nachdem der Westen den italienischen Friedensvertrag verletzt habe — sich erst über die Haltung des Westens gegenüber Friedensverträgen im allgemeinen und den österreichischen Staatsvertrag im besonderen vergewissern müsse. Ebenso lehnte der sowjetische Delegierte den Vorschlag seiner westlichen Kollegen ab, eine Einigung über den strittigen Artikel 48 herbeizuführen (Rückerstattung für’ sowjetische Nahrungsmittellieferungen an österreichische Bevölkerung). Amerikanischerseits wurde im Anschluß an die Besprechungen darauf hingewiesen, daß die Westnationen nicht die Absicht hätten, mit Österreich einen Separatfrieden abzuschließen, weil dies zu einer endgültigen Teilung Österreichs führen und der Regierung in Wien die Kontrolle über österreichisches Gebiet vollkommen genommen würde. Damit schwinden die Aussichten auf einen Staatsvertrag immer mehr. UnterrichteteKreise haben den Eindruck, mit dem Ausbruch des Krieges in Korea sei die letzte Möglichkeit einer Einigung zwischen den vier Großmächten über Österreich vergangen. „Der Staatsvertrag ist tot“, resignieren die Österreicher. Koordinierung der Söwjetblodk-Heere Sowjetische Maßnahmen in Satellitenstaaten Zugleich starke Produktionssteigerung London (UP). Während die Westmächte dem Fernen Osten ihre größte Aufmerksamkeit schenken, beschleunigt die Sowjetunion Maßnahmen zur Koordinierung der Armeen der osteuropäischen Satellitenstaaten.- Berichte, die diplomatischen Kreisen Londons zugingen, besagen, daß die 35 oder mehr Divisionen der osteuropäischen Satellitenstaaten gegenwärtig unter sowjetisch kontrollierten Kommandeuren organisatorisch koordiniert und einheitlich ausgerüstet werden. Die neueste Entwicklung wird von militärischen Sachverständigen in London als „Teil eines sowjetischen Hauptplanes“ bezeichnet, der das Ziel verfolge, Osteuropa in den Zustand höchster Bereitschaft zu versetzen. Gleichzeitig mit diesen militärischen Maßnahmen sollen unter sowjetischer Leitung alle nur erdenklichen Anstrengungen unternommen werden, um die Produktion der osteuropäischen Schwerindustrie zu steigern. Trumans Plan für den „Propagandakrieg“. Es ist zu erwarten, daß Präsident Truman dem amerikanischen Kongreß noch im Laufe dieser Woche einen Plan für einen neuen „Propagandakrieg" gegen die Sowjetunion vorlegen wird. Die Meinung der anderen Korea-Krieg im Spiegel des Auslandes (ZSH). Der Fall München, wo soeben ein wildes Flugblatt, verbunden mit einer jener Prophezeiungen, die uns heute auf Schritt und Tritt begegnen, Frauen und Männer in Unruhe versetzte, sie zu Angstkäufen in Läden und Geschäfte triefe und der Stadt für einige Stunden das Aussehen eines aufgeregten Bienenschwarmes gab, gibt erneut Veranlassung, die Geschehnisse in Korea zwar mit der notwendigen Ruhe, aber auch an Hand von Beurteilungen zu verfolgen, wie sie uns täglich aus dem Ausland zugehen. Es sind dieser Tage vor allem englische Blätter, die häufig so gründlich wie möglich den Stand der militärischen Auseinandersetzungen beurteilen, analysieren, und die sich immer wieder alle Mühe geben, etwaige Möglichkeiten, die sich aus dem Korea-Konflikt für Gegenwart und Zukunft ergeben können, den Lesern vor Augen zu führen. Obwohl, gemessen an den militärischen Ereignissen, die Lage der Amerikaner in Korea gegenwärtig äußerst ungünstig ist, bringen die Kommentare angesehener englischer Blätter zu Beginn der Woche hinsichtlich der Erfolgsaussichten der UN-Streitkräfte in Korea einen gemäßigten Optimismus zum Ausdruck. „Manchester Guardian“ schreibt, in der Luft und zur See habe General McArthur die Trümpfe in der Hand. Seine Landstreitkräfte würden von Tag zu Tag stärker. Noch könne Nordkorea einen durch äußerste Anstrengungen erzwungenen Sieg erzielen, bevor die amerikanischen Verstärkungen einträfen, aber das würde ein großes Wagnis in sich schließen. Während der vergangenen Woche habe die freie Welt beobachten können, wie General McArthur eine Flucht in einen Rückzug umgewandelt habe. Die Zeitung kritisiert dann die USA, weil sie den Südkoreanem vor der Auseinandersetzung veraltete Waffen geliefert habe. „Daily Herald“ führt aus, es könne vorausgesagt werden, daß die Flut gebrochen werde, aber dies werde weder schnell noch ohne Schwierigkeiten geschehen. Die wirkliche Absicht der sowjetischen Politik in Korea sei es, „die kommunistische Aggression gegen alle schwachen Stellen-zu ermutigen, dabei aber solange als möglich einen größeren internationalen Krieg zu vermeiden", schreibt die Londoner „Times“. „Dies ist, wie dies schon lange ersichtlich war, eine schlau gelenkte Politik des Fortschrittes durch Bürgerkriege... die die Sowjetunion immer als Triumph hervorheben kann, wenn sie Erfolg haben, und die sie verleugnen kann, wenn sie scheitern.“ Die sowjetische Haltung gegenüber „jeglicher kommunistischen Revolte oder einem kommunistisch inspirierten Bürgerkrieg“ sei durch das Maß des Erfolges bestimmt, den solche Aktionen verzeichneten, und durch das Risiko eines ausgedehnteren Krieges. Es beständen bisher keine Anzeichen dafür, daß sich die kommunistische Politik hinsichtlich Koreas in irgendeiner Beziehung von der in der Vergangenheit befolgten, Linie unterscheide. Die „Times“ kommt dann auf den kommunistischen Appell an den Landhunger der asiatischen Bauern zu sprechen. In diesem Zusammenhang wollen wir unsere Leser hin und wieder auch mit Meinungen der Schweiz bekanntmachen, die, wie man weiß, besonders gut unterrichtete Zeitungen hat. Unter der Überschrift „Station Korea“ schreibt die Züricher Tageszeitung „Die Tat“ u. a.: „Die Stationen auf dem Weg zum zweiten Weltkrieg liegen klar und deutlich vor uns: Spanien, Abessinien, Österreich, die Tschechoslowakei, Danzig. Aus dem Kursbuch der Zukunft kennen wir bisher nur die eine größere Station Korea und fragen uns besorgt, wie weit sie von der Endstation, dem dritten Weltkrieg, entfernt ist. Am naheliegendsten ist die spanische Parallele: einmal wegen der äußeren Form, zum andern wegen des Deckmantels der ,Nichteinmischung‘, unter dem sldi die Unterstützung zum mindesten des einen der beiden .Bürgerkriegspartner 1 vollzieht. Moskau hat bekanntlich offiziell seine Neutralität bekundet, gleichzeitig aber erklärt, daß es die Pläne der .imperialistischen Angreifer* vereiteln werde. Diese sonderbare Mixtur aus Neutralität und Intervention ist ja gerade das, was man seit dem Krieg in Spanien unter .Nichteinmischung* versteht.“ „Die Ähnlichkeit mit Spanien nützt uns jedoch nicht viel bei der Bestimmung des Abstandes der Station Korea von der Endstation. In manchem erinnert Korea bereits an die Dienstag, den 11. Juli 1950 Fettsteuer bereitet neue Sorgen Besprechungen mit Bauern — DGB mahnt Endstation Danzig — die feindlichen Blödes für den eigentlichen Waffengang- sind schon heute so klar abgegrenzt wie seinerzeit erst zur Mt der Polenkrise, und — für ,Korea zu sterben“ scheint, an sich betrachtet, ebenso sinnlos für jeden nicht unmittelbar Beteiligten wie .mourir pour Dantzig.“ Wie sehr wir uns auch anstrengen und wie unheilvoll deutlich uns die Parallelität der beiden ,Eisenbahn- strecken“ vor Augen zu liegen scheint: die letzte Station ist uns dennoch unbekannt, genau wie die letzte Stunde.“ Konferenz Adenauer-Schumacher Besprechung aktueller politischer Fragen Bonn (UP). Bundeskanzler Dr. Adenauer hat den ersten Vorsitzenden der SPD, Dr. Kurt Schumacher, zu einer Aussprache über allgemeine politische Fragen in die Bundeskanzlei gebeten. Unterrichtete Kreise sind der Meinung, daß vor allem außenpolitische Probleme diskutiert werden. Neben der weltpolitischen Situation im Hinblick auf Korea dürften die bevorstehenden Verhandlungen des Europarates in Straßburg sowie die Revision des Besatzungsstatutes erörtert werden. Auch eine Besprechung innenpolitischer Probleme, wie sie sich nach den Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen ergeben haben, erscheint möglich. Der Kanzler auf Urlaub In der Schweix.. Die seit längerem gemeldete Urlaubsreise des Bundeskanzlers Dr. Adenauer verträgt nun keinen längeren Aufschub mehr. Ab Mitte der Woche wird der Kanzler 21 Tage Erholungsurlaub in Burgerhrück am Vierwaldstättersee verbringen, wo auch ein kleines Regierungsbüro etabliert wird. Bonn (UP). Der Bundeskanzler empfing eine Delegation des „Deutschen Bauernverbandes“ unter Führung seines Präsidenten, Reichsminister a. D. Hermes, zu einer eineinhalbstündigen Aussprache über die gegenwärtige agrarpoiitische Lage. Die Aussprache behandelte in ihren Details die Fragen der Brot- und Getreidepreise sowie das Problem der Fettsteuer und der Margarinepreisentwicklung. „Mit großem Erstaunen hat der Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes davon Kenntnis genommen, daß die Bundesregierung die Einführung einer Margarine- Ausgleichsabgabe beabsichtigt“, heißt es in einem von Dr. Böckler Unterzeichneten Brief des Bundesvorstandes des DGB an Bundeskanzler Dr. Adenauer. Diese Ausgleichsabgabe bedeute eine Umgehung der den Gewerkschaften gejubenen Zusage, keine Fettsteuer einzuführen. Das Vertrauen der arbeitenden Menschen und ihrer Familien müsse aufs schwerste erschüttert werden, wenn ein eindeutiges Kanzlerwort in solcher Weise mißachtet werde. Niklas über Fett- und Brotpreise Heidelberg (UP). Bundesemährungs- minister Niklas erklärte auf der Landestagung des Bauernverbandes von Württemberg-Baden, an eine erhebliche Preiserhöhung der Grundlebensmittel Brot und Fett glaube er nicht. Allerdings seien beim Brot „geringfügige Erhöhungen“ möglich. Von einer weiteren Senkung der Weltmarktpreise erhoffte sich Niklas eine bessere Angleichung. Als unverständlich bezeichnete Niklas die Aufregung über die geplante Margarineausgleichsabgabe. Milch- und Butterpreise könnten ohne eine vorherige Regulierung de« Margarinepreise nicht geregelt werden. Die geplante Ausgleichsabgabe von 25 Pfennig pro Kilogramm Margarine werde wahrscheinlich den Verbraucherpreis nicht steigern, da man billiger zu importieren versuche. Zur Stützung des gegenwärtigen Butterpreises kaufe die Regierung zur Zeit 10 000 Tonnen Butter an. Die Mühlen, den Getreidehandel und die Bäcker warnte Niklas im Namen der Bundesregierung nach- drücklichst, die Preise zu- erhöhen. Es dürfe auch in der Wirtschaft keine „Erbhöfe“ mehr geben. Die neuen Preisverordnungen sollen nach drei Monaten auf ihre Auswirkungen überprüft werden. Tausende Demontagearbeiter arbeitslos. Seit April dieses Jahres sind bei den ehemaligen Kruppwerken in Essen rund 2500 Demontagearbeiter entlassen worden. Bis Ende Oktober, dem voraussichtlichen Ende der Demontage^ werden wahrscheinlich alle 4500 Demontage-' arbeiter ihre Beschäftigung verlieren. Am Rande bemerkt Der Südwesten wählte ... Wochen-, ja monatelang wurde nicht nui in Württemberg, Baden und Hessen, sondern auch in anderen süddeutschen Staaten von den „Wahlen“ im Südwestraum gesprochen. Die Stimmen für und gegen die Wahl hielten sich die Waage. Während die Anhänger der einen Richtung meinten, die ganze Angelegenheit sei eine verzwungene Sache und man solle alles lassen wie bisher, führte die Gegenseite den Beweis ins Feld, daß durch eine Wahl sich endgültig zeigen werde, wer was wolle. Nun sind die Wahlen vorüber. Im großen Ganzen verlief der Gang zur „Wahlstatt“ ruhig. Teilweise soll es allerdings zu heraushängenden Augen und verkrampften Fingern gekommen sein. Verschiedentlich wurde auch die Zusammensetzung der Wahljury kritisiert, die man als zu wenig objektiv bezeichnete. Zahlreiche Stimmen beschwerten sich darüber, daß aus den Wahlen ein großer Rummel gemacht worden sei, überhaupt, so wurde gesagt, sei die ganze Sache ein wenig unmoralisch und von westlichen Staaten abgeguckt. Ja, geguckt wurde sehr und gesehen oft viel, zum Leidwesen mancher Fanatiker auch zu wenig — bei den Wahlen von „Miß Württemberg“, „Miß Baden“, Miß Hessen" und wie sie alle heißen. st Ein Schauprozeß in Güstrow Anklage und Verfahren nach sowjetischem Muster Flüchtlingspartei in der Regierung? Ergebnis der Wahlen in Schleswig-Holstein Bundesgerichtshof In Köln? Der Bundeskanzler hat, wie verlautet, dem Präsidenten dels Bundesrates bereits am L Juli Köln als Sitz des Bundesgerichtshofes vorgeschlagen. Ans Versehen — Mussolini-Film. Die Polizei schloß in Monticelli ein Kino, in dem ein Film vbrgeführt wurde, der Mussolini zeigte, wie er eine Parade der faschistischen Jugendorganisationen abnimmt. Der Vorführer wurde verhaftet. Er erklärte, er habe aus Versehen einen falschen Film gezeigt Sicherheitsgarantie „überflüssig“. Ein Sprecher des britischen Außenministeriums betonte erneut, Großbritannien halte eine Sicherheitsgarantie für Westdeutschland für „überflüssig“, solange westalliierte Truppen ln Westdeutschland seien. Frankfurt (ZSH). Die Politiker, die mit einer schwachen Wahlbeteiligung, aber mit einer sicheren Annahme des Gesetzes zur Verfassungsänderung rechneten, haben recht behalten. Mit einer Wahlbeteiligung von 33,8% hat die Bevölkerung allerdings noch weniger Interesse gezeigt, als man ursprünglich annahm. Dies wird einerseits auf eine mangelhafte Aufklärung, andererseits auf das an sich schon komplizierte Problem des Wahlrechts zurückgeführt. Von. den 1007 305 hessischen Wählern, die ihre Stimme abgaben, haben 739 947, das sind 78,4%, sich für die Abänderung der hessischen Verfassung entschieden. Damit kann das von den beiden Regierungsparteien SPD und CDU geforderte Mehrheitswahlsystem mit Landeslistenausgleich für die im November fälligen Landtagswahlen eingeführt werden. Die im Landtag in Opposition stehende FDP verlangte zwar das reine Mehrheitswahlrecht, netzte sich aber doch für ein „Ja“ beim Volksattscheid ein. 203 804 oder 21,6% der gültigen Stimmen waren für die Beibehaltung des reinen Verhältniswahlrechts und stimmten mit „Nein“. Das reine Verhältniswahlrecht wurde von den Parteien der äußersten Unken und Rechten verteidigt 63 554 Stimmen, das sind 3,3%, waren ungültig. Die höchste Wahlbeteiligung wies der Landkreis Kassel mit 63,4% auf. Ihm folgten der Landkreis Hanau mit 53,9 und der Landkreis Pleven gelingt Kabinettsbildung Sozialisten wollen für Um stimmen Paris (UP). Der mit der Reglerungsbil- hing beauftragte ehe m a l ige Verteidigungsminister Pleven wird nunmehr der Nationalversammlung sein Programm darlegen und m das Vertrauen bitten. Da die Sozialisten ärklärt haben, daß sie ihre 99 Stimmen für ihn abgeben werden, dürfte die Neubildung des Kabinetts gesichert sein. Unklar Ist nur, ob die Sozialisten sich am Kabinett Pleven beteiligen werden. Einberufung von 20000 Amerikanern Frermlligenmeldangen r e ich e n sidit aas Washington (UP). Das amerikanische 'Jerteidigungsmmisterium hat die Einberu- fungsbehörde ersucht, so schnell wie möglich 20000 Mann einzuberufen. Diese Einberufenen sollen der Armee zugeteilt werden. Nach Ansicht gutinformierter Kreise wurde diese Maßnahme beschlossen, da die Armee ihren Bedarf an Ersatz nicht aus Freswilligenmel- dungen allein decken zu können scheint. % Zahlungs uniou — guter Auftakt Die Bedeataag der seaai Vcnubanaagea Bonn (ZSH). Vizekanzler und ERP-Minl- (ter Blücher berichtete vor Pressevertretern über die europäische Zahlungsunion. 5er Vizekanzler bezeichnete es als besonders »edeutungsvoü, daß der gesamte Sterlingraum an der Zahlungsunion teilnimmt Er cklärte ferner, den gesamteuropäischen Wirt- whaftsplan des holländischen Außenministers Btikkor, der eine Ergänzung des Sdnmuin- wojekts darrteJl«, komme ebenfalls große Kiel. (UP). Die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein brachten erhebliche Überraschungen und Verschiebungen. Nach dem vorläufigen amtlichen Wahlergebnis verteilen sich die 69 Sitze des schleswig-holsteinischen Landtages .auf die Parteien wie folgt: SPD direkt 8, Landesliste 11, zusammen 19 (bisher 40), CDU direkt 16, Landesliste 0, zusammen 16 (bisher 20), FDP direkt 8, Xandes- liste 0, zusammen 8, DP direkt 7, Landesliste 0, zusammen 7, SSW direkt 2, Landesliste 2, zusammen 4 (bisher 6), BHE direkt 5, Landesliste 10, zusammen 15 (bisher 0). Das Ergebnis zeigt daß sowohl der Deutsche Wahlblock (CDU, FDP, DP), als vor allem auch die SPD einen großen Teil der Stimmen an die erstmalig in Schleswig-Holstein in Offenbach mit 52,4%. Die niedrigste Beteiligung verzeichnete der Landkreis Frankenberg, wo nur 18,1% der Wahlberechtigten zu den Urnen gingen. In dem Dorf Kleeberg im Kreis Wetzlar erreichte die Wahlbeteiligung gar nur 3%; von den 480 Stimmberechtigten gaben dort nur 16 ihre Stimmen ab. 14 Wähler stimmten mit „Ja“, einer mit „Nein“, und eine Stimme war ungültig. Nach den vorliegenden Meldungen haben nur zwei hessische Gemeinden — Schotten am Vogelsberg und Überau im Kreis Dieburg — mehr Nein- als Ja-Stimmen für die Verfassungsänderung aufgebracht. In Überau stehen 462 Nein-Stimmen gegen 290 Ja-Stimmen. Die Wahlbeteiligung betrug dort 76%. In Uberau wurde vor einigen Tagen dem vor Jahresfrist verunglückten kommunistischen Funktionär Fritz Wörtge ein Denkmal gesetzt. In Groß- zimm em im Landkreis Dieburg hielten sich die Stimmen etwa die Waage: 1074 bejahten und 1054 verneinten die vorgelegte Frage. Trotzdem erreichte der Wahlkreis Dieburg 77,- 3% Ja- gegen 22,7% Nein-Stimmen. Bei der Ja-Stimmen liegen Limburg mit 90,6%, Marburg-Stadt mit 90,1% und Darmstadt mit 85,6% an der Spitze der hessischen Städte. Weitere Ja- und Nein-Stimmen in Prozentzahlen: Bergstraße Ja 79,4, Nein 20,6; Darmstadt Land: Ja 77,4, Nein 22,6; Groß-Gerau: Ja 72,2, Nein 27,8; Erbach: Ja 83,1, Nein 16,9. Bedeutung zu, da in diesen Plan die Beseitigung der strukturellen Arbeitslosigkeit in Europa vorgesehen sei. Es ergäbe sich daraus vielleicht ein verheißungsvoller Auftakt für eine vernünftige Lösung verschiedener Probleme. WIRTSCHAFTS-NACHRICHTEN Margarine wird 25 Pfennige billiger Die Margarine wird bald um 25 Pfennige billiger werden, nachdem die neue Margarine- Ausgleichsabgabe nur noch 0,25 DM anstelle von bisher 0,50 DM je kg betragen soll Dieser Beschluß des Bundeskabinetts ist in einem Bericht des Bundesemährungsmini- sters «ithalten, den dieser an den Ernährungsausschuß des Bundesrates leitete. Dadurch wird der Margarinepreis für alle Sorten bald um 0,25 DM für ein kg gesenkt werden können. Der Kabinettsbeschluß, diese Übergangsregelung für die Zeit bis Ende September zu treffen, bringt dem Finanzminister zusätzlich etwa 47 Millionen DM ein. Zusammen mit 53 Millionen DM Ersparnissen aus den Subvention«! während der Monate April bis Juni versetzen die Regierung in die Lage, die Subvention des Getreidepreises noch für drei weitere Monate fortzufübren. Wie das Bundesernährungministerium hierzu weiter mitteüt, ist die Frage der Subvention der Düngemittelpreise noch nicht geklärt - 11 Ein deotsch-bkliadies Handelsabkommen Die deutsche Bundesregierung Unterzeichnete ein Handelsabkommen mit Indien im Werte von fast 220 Millionen DM. Deutschland wird Rohstoffe, Nahrungsmittel und Tabak einführen und Maschinenteile und andere Fertigwaren nach Indien ausführen. Erscheinung getretene Flüchtlingspartei (BHE) abgeben mußten. Der BHE ist als zweitstärkste Partei aus dieser Wahl hervorgegangen und wird vermutlich seine Ansprüche bei einer Regierungsbildung geltend machen. Ohne Mandate sind die DRP, die SRP und die KPD geblieben. Besonders schwer ist die Niederlage der Kommunisten. In 37 von den 46 schleswig-holsteinischen Wahlkreisen konnten sie nur 21 066 Stimmen auf sich vereinigen, gegenüber 34711, die sie in der gleichen Anzahl von Kreisen in Schleswig-Holstein bei den Bundestagswahlen im vergangenen Jahr erzielten. Sie haben daher mehr als ein Drittel ihrer damaligen Stimmen eingebüßt. In den beiden Wahlkreisen der Stadt Flensburg gelangten die beiden dänischen Kandidaten Miinchow und Olson (SSW) in direkter Wahl in den neugewählten schleswig-holsteinischen Landtag. Schwierig wird in Schleswig-Holstein die Regierungsbildung werden, da die Wahlen keine eindeutigen Mehrheiten gebracht haben. Die SPD will als stärkste Partei die Pflicht der Regierungsbildung übernehmen. Da weder der SPD und BHE, wenn sie zusammen eine Koalitionsregierung bilden — die SPD ist hierzu geneigt — noch der Deutsche Wahlblock — im Parlament über eine Mehrheit verfügen, bilden die vier Abgeordneten der SSW das Zünglein an der Waage. Der zweite Vorsitzende des BHE, Dr. Gille, erklärte, einem Zusammengehen mit dem Deutschen Wahlblock stehe seiner Ansicht nach entgegen, daß in der Bundesregierung ein Mann wie Schäffer, der die wesentlichen Ansprüche der Flüchtlinge nicht berücksichtige, gestützt werde. Die Kluft zwischen Alt- und Neubürgern werde durch den Wahlerfolg des Bundes der Heimatvertriebenen und Entrechteten in Schleswig-Holstein erneut aufgerissen, stellt der offiziöse Deutschland-Union-Dienst der CDU/CSU in einem Leitartikel fest. „Der soziale Zug der Flüchtlinge führe sie notwendigerweise an die Seite der Sozialdemokratie“, schreibt der SPD-Vorsitzende Dr. Schumacher. SPD und BHE hätten über fünfzig Prozent aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinigt. Durch Beteiligung der SSW sei sogar eine Mehrheitsbildung auf Grund der neuen Verteilung der Abgeordnetensitze möglich. Vollsitzung der Ruhrbehörde. Der Rat der Internationalen Ruhrbehörde wird in Düsseldorf zusammentreten, um neben der Regelung des Zuteilungsverfahrens für das vierte Quartal 1950 vor allem die deutschen Kohleausfuhrpreise' zu besprechen. Gewerkschaftsjugend gegen Arbeitsdienst. Die Wiedereinfühurung eines Arbeitsdienstes in irgend einer Form wird von der Gewerkschaftsjugend im DGB mit Nachdruck zurückgewiesen. Der neue Landeskommissar für Bayern. In Frankfurt traf der neue Landeskommissar für Bayern, Dr. Schuster, ein. Seine 1848 nach den USA ausgewanderten Großeltern mütterlicherseits stammen aus Bayern. 20 Jahre Zugspitzbahn Garmisch-Partenkirchen (UP). V« 20 Jahren, am 8. Juli 1930, wurde nach zweijähriger Bauzeit die Strecke Garmisch— Schneefemerhaus der bayerischen Zugspitzbahn, der höchsten und längsten Bergbahn Deutschlands, durch den Münchener Kardinal von Faulhaber feierlich «ngeweiht. Seither .haben eineinhalb Millionen Besucher aus aller Welt mit der Zugspitzbahn den höchsten Gipfel Deutschlands in 2966 Meter Höhe besucht. In den 20 Jahren seit Inbetriebnahme hat es noch keinen Unfall gegeben, obwohl oft bis zu 2000 Personen an einem Tag befördert wurden. Das Gästebuch der „Bayerischen Zugspitzbahn AG." verzeichnet Namen aller Nationen. Gäste aus aller Welt besuchten das Gipfelparadies in Sonne und Schnee, das früher nur für den geübten Kletterer in müh samer Acht-Stunden-Tour erreichbar war. Acht schwere Erdstöße in Kolumbien Bogota, Kolumbien (DF). Der Nordosten von Kolumbien wurde von acht schweren Erd- Berlin (UP). Als „Anklageerhebung gegen die typischen Junker-Agenten und Helfershelfer ■ der anglo-amerikanischen Kriegstreiber“ bezeichnete der Anklagevertreter den Prozeß gegen zehn leitende Angestellte der landwirtschaftlichen Genossenschaften Mecklenburgs bei der VerhandluSgseröffnung vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Güstrow. Den Angeklagten wird vorgeworfen, dem Land Mecklenburg durch „Sabotage und Schiebungen“ einen finanziellen Verlusl von über 30 Millionen DM zugefügt zu haben Von westlicher Seite wird dieses Gerichtsverfahren als neuer „Schauprozeß“ bezeichnet . Brünings Ruf an die Frontsoldaten Mahnung zu aktiver politischer Arbeit Köln (UP). Eine möglichst schnelle Beteiligung .der deutschen Akademiker unter den Kriegsteilnehmern an der aktiven Politik forderte der ehemalige deutsche Reichskanzler Dr. Brüning in einer Rede vor Studenten iii Köln. Bereits nach dem ersten Weltkrieg und während der Zeit der Weimarer Verfassung hätte vielfach unter den Kriegsteilnehmern ein besseres Vertrauensverhältnis als unter den übrigen Parlamentariern bestanden. Frontsoldaten, so betonte Brüning, hielten keine Reden, sondern schafften etwas, das Bestand habe. In einer anschließenden Pressekonferenz wandte sich Dr. Brüning dagegen, daß die frühere nationalsozialistische Betätigung der Jugend als Hindernis für eine Betätigung in der Politik betrachtet werden könne. Wer nifc verzeihen könne, sagte Brüning, werde auct nie Frieden haben. München war aus dem Häuschen Panikmadie verursachte Angstkäufe München (UP). „Irlmaier hat Recht — Mobilmachung in Amerika“. Ein von Werner Schoknecht, München, verfaßtes „Extrablatt“ unter dieser Überschrift, das im ganzen Stadtgebiet ausgerufen wurde, versetzte am Montag die Münchener Hausfrauen in Aufregung; Sie stellten sich auf dem Markt in Gruppen zusammen, diskutierten Schoknechts Behauptungen und begannen mit größeren Vorratskäufen. Auch die Münchener Banken wollen bereits eine gewisse Nervosität unter ihren Kunden festgestellt haben, die größere Geldbeträge abgehoben hätten. In dem „Extrablatt“ wird auf gewisse Prophezeihungen des niederbayerischen Wahrsagers Alois Irlmaier Bezug genommen, in denen es unter anderem heißt: „Wenn das Getreide reif ist, gibt er Krieg. Das Jahr weiß ich nicht...“ Der Verfasser des heute verteilten Flugblattes meint in seinem Text zur Kriegsgefahr: „.. .macht was ihr wollt, aber laßt uns in Ruhe. Unser«! deutschen Staatsmännern aber rufen wir zu: Haltet euch zurück. Bewahrt die Ruhe. Fangt ihr schon wieder an mit der Soldatenspielerei? Noch ein Wort von 25 000 Bundespolizisten und die Entrüstung des Volkes wird euch von euren Sesseln fegen. Einhundert Nachtwächter können den Regierungsitz bewachen .. Stößen erschüttert, durch die eine Reihe von Ortschaften praktisch völlig zerstört wurden. Es ist zu fürchten, daß mehrere hundert Personen getötet und schwer verletzt wurden, ln Cuzco, der Stadt, die erst kürzlich von einem Erdbeben schwer mitgenommen wurde, verursachten drei Beben eine Panik unter der Bevölkerung. Bis jetzt wurden 260 Tote gezählt. In der Provinzhauptstadt Cucuta wurden über dreihundert Personen verletzt, von denen in der Zwischenzeit sechs gestorben sind. Wenigstens drei Dörfer wurden völlig zerstört, während drei weitere Dörfer schwere Schäden erlitten 80 000 Menschen wurden von der Katastrophe betroffen, 40 000 von ihnen sind obdachlos 700 Menschen wurden verletzt Schwerer Sturm über Tokio Tokio (UP). Tokio wurde von einem schweren Sturm heimgesucht, der über hundert Häuser zerstörte. Sieben Personen würden durch einstürzende Häus«mauern getötet. In der Nähe von Tokio richtete der Sturm auch starke Schäden an. „Ja" zum hessischen Mehrheitswahlrecht Nachlese von der Volksabstimmung NEUES AUS ALLER WELT Dienstag, den 11. Juli 1950 Disziplinarverfahren gegen Kettnaker Justizaffäre vor dqm Rechtsausschqjß WWW VVVVrr VfB Stuttgart stellt 6 Vertreter Stuttgart, (lwb). Der württemberg-badische Justizminister Beyerle bestätigte vor dem Rechtsausschuß des württemberg-badischen Landtags, daß der Stuttgarter Amtsgerichtsrat Kettnaker in einem Zivilverfahren erklärt habe: „Für mich ist es völlig gleichgültig, ob jemand Gauleiter oder dreimal erfolglos vergaster Rabbiner war“. Beyerle sagte, Kettnaker habe diese Äußerung im Unmut getan, sie sei jedoch „unglücklich und in höchstem Maße verwerflich“. Das Justizministerium habe gegen Kettnaker ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Der Stuttgarter Rechtsanwalt Ostertag hatte kürzlich die Suspendierung Kettnakers wegen dessen Äußerung beantragt. In einer Erklärung des württemberg-badischen Staatsministeriums zu dem Vorfall heißt es, Amtsgerichtsrat Kettnaker habe die zitierte Äußerung im Laufe eines Mietaufhebungsverfahrens gegen einen Beklagten gemacht, der mit einer Jüdin verheiratet ist, nach Zeugenaussagen gleichzeitig aber auch als Sohn eines „verdienstvollen alten Kämpfers“ bezeichnet wurde. Die Parteien hätten isich während des Verfahrens darüber gestritten, ob der Betroffene „alter Kämpfer, politisch Verfolgter oder beides zugleich“ sei. Der Rechtsausschuß des württemberg-badischen Landtags beschloß ferner, den Gesetzentwurf der Regierung über die Rechtsverhältnisse bei beschlagnahmten Wohnungen zur nochmaligen Beratung an die Regierung Es ist eine nicht zu leugnende Tatsache, daß der moderne Mensch sich mit einer Selbstverständlichkeit der technischen Neuerungen beidient, die geradezu eine Nichtachtung der ■Großtaten des menschlichen Geistes gleichkommen. Flugzeug, Auto, Maschinen, Femseh- technik oder sonstige technische Wunderdinge, interessieren nur, wenn es sich um den letzten Typ oder die letzte technische Neuheit handelt. Dinge, die einmal eine Generation technisch revolutionierten, tut der heutige Mensch mit einem Lächeln der Überlegenheit und des Mitleids ab. Es wundert darum nicht groß, wenn der heutige Mensch so gut wie nichts darüber .weiß, daß auch frühere Kulturen ihren nie 'mehr erreichten Hochstand hatten. Rostfreies Eisen der Inder Es ist bekannt, daß der Wunsch unserer /Techniker über rostfreies Eisen verfügen zu können, immer noch keine Erfüllung gefunden |hat. Alle Mittel, das Rosten zu verhindern, ‘waren lediglich ein Hinausschieben, eine kurzfristige Verhinderung der gefürchteten und lästigen Oxydation. Interessant ist, daß uns hier das Altertum voraus war. Die Inder haben ■ s