BRÜCHSALER POST SÜDD. HEIMATZEITUNG FÜR KRAICHGAU UND BRUHRAIN Nummer 160 Donnerstag, den 13. Juli 1950 Jahrgang 2 Jugoslawien ist beunruhigt Bulgarische Truppen auf dem Weg zur Grenze — Ausgehverbot in der Grenzzone Ein Hohn auf dasVölkerrecht 4,7 Mill. Deutsche in UdSSR umgekommen Berlin (UP). 1,73 Millionen Deutsche sind — wie aus einem abschließenden Bericht des Deutschen Roten Kreuzes hervorgeht — bisher in der Sowjetunion zugrunde gegangen. Fast 50 Prozent aller in sowjetischer Gefangenschaft geratenen deutschen Soldaten kamen in der Sowjetunion ums Leben. Mindestens 70 000 deutsche Soldaten werden, den gleichen Berichten zufolge, noch in der Sowjetunion zurückgehalten. Linksruck in Frankreichs Politik Regierung Pleven gebildet Paris (ZSH). Der neue französische Ministerpräsident Pleven hat sein Kabinett gebildet. Der Regierung gehören alle Parteien der Mitte an. Zum ersten Mal seit Februar dieses Jahres sind auch wieder die Sozialisten im Kabinett vertreten. Schuman bleibt Außenminister. Den Posten des Innenministers übernahm der Radikalsozialist und frühere Ministerpräsident Queuille. Der Generalsekretär der Sozialistischen Partei, Mollet, ist Minister für die Beziehungen zum Europarat, Verteidigungsminister der frühere Innenminister Moch, der ebenfalls der Sozialistischen Partei angehört. Finanzminister bleibt der Unab-, hängige Maurice* Petsehe. Zugleich wurden die Staatssekretäre im neuen Kabinett berufen. London (UP). Wie das amtliche Jugoslawische Organ „Borba“ meldet, werden bulgarische Truppen an der jugoslawischen Grenze zusammengezogen. Weiter meldet das Blatt, daß in den rumänischen Grenzbezirken ein Ausgehverbot verhängt worden sei und in den ungarischen Grenzbezirken ein „ausgesprochener“ Ausnahmezustand bestehe. Wörtlich heißt es in dem Bericht, daß das Kominform unter „den Ungarn, Bulgaren und Rumänen eine ausgesprochene Kriegspsychose“ inszeniere. „Bulgarische motorisierte Einheiten bewegen sich durch die Straßen von Sofia und befinden sich auf dem Marsch an die bulgarische Westgrenze ... In der rumänischen Grenzzone, gegenüber jugoslawischem Gebiet, ist ein Ausgehverbot verhängt worden. In Ungarn ist gegen die jugoslawische Minderheit ein tatsächlicher Kreuzzug im Gange. Verhaftungen, Mißhandlungen und zwangsweise Umsiedlungen nicht nur von Einzelpersonen und Familien, sondern von ganzen Dörfern und Gebieten, werden durchgeführt.“ Dem Bericht zufolge haben der stellvertretende Ministerpräsident Ungarns, Rakosi, und seine „Anhänger in den Gebieten an der jugoslawischen Grenze Maßnahmen durchführen lassen, die der Proklamierung eines Ausnahmezustandes“ gleichkämen. Der Korrespondent Pekovic, der die Meldung verfaßt batte, bemerkte zu diesen Maßnahmen, daß sie darauf abgestellt seien, „gegenüber Jugoslawien den Druck zu verstärken und den Anti-Kominform-Geist zu unterdrücken.“ „Vertreter der jugoslawischen Minderheit und frühere Teilnehmer des jugoslawischen Befreiungskrieges“, heißt es' weiter, „werden von der Sicherheitspolizei verhaftet, in Schnellverhandlungen abgeurteilt und verschwinden dann buchstäblich, ohne daß man von ihnen jemals wieder etwas hört.“ In Jugoslawien selbst sind für alle Reisen in die Grenzgebiete mit sofortiger Wirkung Sondergenehmigungen erforderlich. Rot-China als Vermittlungsgrundlage? Fühlungnahme durch London — Gromyko bat um weitere Aufklärung Die neue französische Regierung bedeutet einen „Linksruck“ in der französischen Politik. Die Rückkehr der. Sozialisten in die Regierung bedeutet die Wiederherstellung der alten Koalition der Mittelparteien cfie jmit wenigen Unterbrechungen seit 1947 in Frankreich die Regierungen getragen hat. In unterrichteten politischen Kreisen nimmt man an, daß die Dauer dieser Regierung fürs erste gesichert ist! Das Fehlen von Bidault in der Ministerliste bedeute für viele politische Beobachter eine Überraschung. Ministerpräsident Rene Pleven' stellte sein Kabinett um 18.00 Uhr dem französischen Staatspräsidenten ■ Auriol vor. Von TJP-Korrespondent H. G u a r d London (UP). In britischen diplomatischen Kreisen wird die Ansicht vertreten, es sei möglich, daß die Sowjetunion zu Schlichtungsverhandlungen in Korea ihre Einwilligung gäbe, sobald das kommunistische China in die Weltorganisation der Vereinten Nationen aufg enommen sein würde. Weiter erklären diese Kreise, daß demnach däs Problem der Aufnahme des kommunistischen China in die Vereinten Nationen im Mittelpunkt der Moskauer Unterredungen zwischen dem britischen Botschafter Sir Kelly und dem stellvertretenden sowjetischen Letzte Verteidigungslinie vor Taejon Starke nordkoreanische Kontingente am Kum-Fluß - Vor größeren Zusammenstößen Tokio (ZSH). In Südkorea beziehen amerikanische Streitkräfte nach scharfen Verzögerungsgefechten Verteidigungsstellungen längs ies Flusses Kum. Der Fluß ist die natürliche Verteidigungslinie vor Taejon, der provisorischen Hauptstadt Südkoreas, die 18 Kilometer weiter südlich liegt. Die moderne Brücke über den Kum hat bereits Sprengladungen erhalten, damit sie unverzüglich zerstört werden kann. Einige amerikanische Bataillone stehen noch nördlich des Flusses im Kampf, um den kommunistischen Vorstoß aufzuhalten. Den amerika- nisch-südkoreanischen Streitkräften stehen schätzungsweise 85 000 Nordkoreaner mit Panzertruppen gegenüber. Taejon, die provisorische Hauptstadt Südkoreas, wo sich nach den letzten Frontberichten gegenwärtig das amerikanische Hauptquartier befindet, ist das Ziel der nordkoreanischen Truppen. Das Schicksal dieser Stadt steht daher auf dem Spiele. Die amerikanischen Truppen haben am Mittwoch die Stadt Chochiwan an der Bahnstrecke Taejon—Chonan geräumt. Nordkoreanischen Verbänden gelang es, bei einem Plankenangriff entlang der Bahnlinie von beiden Seiten in die Stadt einzudringen. Unter schwerem Artilleriefeuer der Kommunisten mußten sich die schwächeren amerikanischen Einheitei zurückziehen. Ein zweiter Hauptstoß Der zweite Hauptstoß der nordkoreanischen Streitkräfte geht im Mittelabschnitt vor sich. Nach dem neuesten Kommunique aus General McArthurs Hauptquartier haben die Südkoreaner Verteidigungslinien längs des Flusses Hongang bezogen und halten die Stadt Tan- yang, die im Zentrum des nordkoreanischen Vorstoßes liegt. Der kommunistische Vormarsch an beiden Frontabschnitten wurde wieder durch Angriffe amerikanischer und australischer Flugzeuge verlangsamt. Zum vierten Mal in vier Tagen war das Wetter günstig. Australische Mustangjäger setzten acht kommunistische Panzer und fünf bestückte Lastkraftwagen außer Gefecht. In Berichten. aus der nordkoreanischen äuptstadt Pyongyang wird behauptet, nord- koreanische Marinetruppen seien an der Ost- Irüste gelandet und fast bis Pusan vorgedrun- *en, dem Hauptversorgungshafen der Amerikaner. In McArthurs Kommunique heißt es dagegen, daß von der Ostküste keine größere Entwicklung gemeldet wird. panzerabwehrwaffen erforderlich Amerikanische Infanterieoffiziere glauben, daß sie die in der Sowjetunion hergestellten nordkoreanischen Panzer vernichten können, wenn sie rechtzeitig die neuesten amerikanischen Panzerabwehrwaffen »halten. Aus Tokio wird in diesem Zusammenhang gemeldet, daß zur Beschleunigung des Truppen- und Materialtransports von den USA nach Japan jetzt 16 Frachtschiffe von der amerikanischem Marine zusätzlich gechartert worden sind. Außerdem sind zwei Flugzeugträger der Reserveflotte wieder in Dienst gestellt worden. Todesstrafe für Kriegsverbrechen McArthur zur Erschießung von US-SoIdaten Tokio (UP). General McArthur erklärte, daß die Erschießung von vier amerikanischen Kriegsgefangenen durch nordkoreanische Truppen durch dokumentarische Beweise festgestellt sei. Diese Handlung stelle „Barbarei und Mord“ dar. Die Personen, die sich dieser Verbrechen schuldig gemacht haben, wie auch die Vorgesetzten, die entsprechende Befehle erteilten oder solche Verletzungen gestatteten, müssen bei ihrer Gefangennahme mit der Todesstrafe rechnen. Außenminister Gromyko, stehen dürfte. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, daß bisher weder das kommunistische China noch die Sowjetunion irgendetwas unternommen haben, was die Tür zu einer Lösung der Korea- Krise auf diplomatischem Wege zuschlagen könnte. Moskau ging bisher nur soweit, daß es feststellte, die ausländische Intervention in Korea sei nicht duldbar, während das kommunistische China die Kämpfe in Korea als einen „gerechten und revolutionären Krieg“ bezeichnete. .. ... . Jn diplomatischen Kreisen Londons gibt man zwar zu, daß die Korea-Krise noch lange nicht beigelegt ist, wenn auch das kommunistische China in die Vereinten Nationen aufgenommen werden sollte. Dieser Schritt könnte jedoch der Preis sein, dessen Bezahlung die Sowjetunion fordert, ehe sie auch nur bereit ist, über eine Beilegung des Korea-Konfliktes zu diskutieren. Obwohl das Foreign Office über die Moskauer Unterredungen zwischen Kelly und Gromyko strengstes Stillschweigen bewahrt, wird in diplomatischen Kreisen damit gerechnet, daß Kelly wahrscheinlich innerhalb der nächsten Tage erneut mit Gromyko Zusammentreffen wird. In gutunterrichteten Kreisen wird auch erklärt, daß nicht nur die USA, sondern auch „alle anderen interessierten Staaten“ vqr Einleitung dieser Unterredungen konsultiert worden seien und über ihren Verlauf unterrichtet würden. Der Bericht des britischen Botschafters in Moskau, Sir Kelly, über seine kürzliche Unterredung mit Gromyko, wird zur Zeit von der britischen Regierung geprüft. In London hört man dazu noch, daß Gromyko im Verlauf der letzten Fühlungnahmen um weitere Aufklärung gebeten habe, die ihm nun erteilt worden sei. Es stehe jetzt der Sowjetregierung frei, den nächsten Schritt zu tun, wenn sie den Wunsch dazu habe. Europarat — Kontrollorgan? Umfangreiches Programm für die August-Versammlung — Annahme einer Resolution Paris (UP). Der Wirtschaftsausschuß der Beratenden Versammlung des Europarates befaßte sich erneut mit der Frage der obersten Kontrolle der nach dem Schnmanplan vorgesehenen westeuropäischen Stahl- und Kohle- Behörde. Wie Ausschußvorsitzender Reynaud (Frankreich) nach einer dreitägigen Sitzung mitteilte, habe der Wirtschaftsausschuß einstimmig eine Resolution angenommen, in der zum Ausdruck gebra ht wird, daß die Beratende Versammlung des Europarates ausgezeichnet geeignet sei, die Kontrolle jeder Verwaltungsbehörde des vorgesehenen westeuropäischen Stahl- und Kohle-Pools zu übernehmen. Der britische Labour-Abgeordnete Edelmann hat sich bei der Abstimmung über diejenige Stelle der Resolution der Stimme enthalten,' die von einer „internationalen Hohen Behörde zur Verwaltung der zusammengeschlossenen westeuropäischen Industrien“ spricht. Bekanntlich ist es diese vorgesehene internationale Behörde, gegen die die britische Regierung Bedenken geltend gemacht hat, und wegen der sie eine Teilnahme an den Schumanplan-Ver- handlungen ablehnte. Der konservative britische Abgeordnete Eccles stimmte jedoch für die Resolution in ihrer Gesamtheit. Der Wirtschaftsausschuß der Beratenden Versammlung des Europarates brachte sein Bedauern zum Ausdruck, daß der Ministerausschuß des. Europarates es unterlassen habe, sich mit den vom Wirtschaftsausschuß ausgearbeiteten und von der Beratenden Versammlung gutgeheißenen Empfehlungen zu befassen. Der Wirtschaftsausschuß empfahl schließlich der Beratenden Versammlung des Europarates, sich während der im August dieses Jahres vorgesehenen Konferenz mit folgenden Problemen zu befassen: 1. Wirtschaftliche Fragen des Schuman- planes. 2. Beziehungen zwischen Europarat und OEEC. 3. Vollbeschäftigung. 4. Kontrolle der internationalen Kartelle. 5. Bildung europäischer Gesellschaften ähnlich des geplanten Kohle- und Stahl-Pools. Deutsche und französische Arbeiter Vereinbarungen als Vorstufe eines Vertrages Paris (UP). Über die Beschäftigung deutscher und französischer Arbeiter in Frankreich und der Bundesrepublik ist zwischen den Regierungen der beiden Länder eine Vereinbarung "getroffen worden. Danach werden den deutschen Arbeitern in Frankreich und den französischen Arbeitnehmern in Westdeutschland gleichwertige Sätze der Sozialversicherung zuerkannt. Aufhebung der Einreisebeschränkung in das Saargebiet verlangt. Der Bundestag beschloß mit großer Mehrheit, die Bundesregierung aufzufordem, bei der Hohen Kommission dafür einzutreten, daß die: Einreisebeschränkungen für deutsche Staatsbürger in das Saar- gehiet aufgehoben werden. Der Antrag war von der SPD eingebracht worden. Der Hann, der „gelb sah“ McArthur, der UN-Feldherr in Korea Von Lawrence Brook Während des russisch-japanischen Krieges durfte ein junger Leutnant der amerikanischen Armee seinen Vater, den Oberst McArthur, der als Beobachter auf den Kriegsschauplatz entsandt worden war, auf dieser Mission begleiten, um sich mit den neuesten japanischen Kriegsmethoden Vertraut zu machen. Der junge Offizier erhielt die Genehmigung, eine japanische Abteilung bei ihrem Angriff auf eine russische Stellung zu führen. Er lernte den Japaner also sehr genau kennen. Er erlebte es, wie die von ihm geführte Abteilung fünfmal zurückgeschlagen wurde, um bei einem sechsten Sturmangriff doch die feindliche Stellung zu erobern. Der heutige Oberkommandierende in Japan, der 70jährige Qpneral Douglas McArthur, hat die Lehren seiner Jugend nie vergessen. Als die Japaner an jenem Dezember-Morgen des Jahres 1941 über den Stillen Ozean heranbrausten und die amerikanische Flotte in Pearl Harbour versenkten, wußte er genau, einem wie gefährlichen Feinde Amerika gegenüberstand, und er war auch einer der wenigen Amerikaner, für die der Angriff dieses Morgens keine Überraschung bedeutete. In den Jahren zwisfhen den beiden Weltkriegen hatte Douglas McArthur unaufhörlich vor der japanischen Bedrohung gewarnt, so daß man ihn in USA als dei Mann bezeichnete, der „nur gelb sah." Doch niemand schenkte ihm Gehör, und besonders der Kongreß stellte sich taub, als McArthur die Bereitstellung riesiger Summen für den Ausbau einer starken Luftwaffe forderte. 1935 wurde er General- stabsehef, trat aber schon 1938 enttäuscht und verbittert zurück. Als die Philippinen im gleichen Jahre die Selbstverwaltung und damit eine eigene Armee zugestanden erhielten, bat der philippinische Staatschef Quezon den amerikanischen. Präsidenten, ihm General McArthur als militärischen Berater zur Verfügung zu stellen. Mc Arthur folgte diesem Ruf und wurde somit der Ratgeber des Mannes, dessen Gegner und Gefängniswärter sein Vater gewesen war, als er 1899 den Aufstand auf den Philippinen niederkämpfte. Hier erlebte Douglas McArthur im Jahre 1941 mit 50 000 Mann den Angriff d4r Japaner. Nach dem Fall von Singapur wurde ihm vom amerikanischen Oberkommando befohlen, die Philippinen zu verlassen, er aber schuf die Festung Corregidor in den Felsen der Bucht von Manila. Erst als die Lage sich so entwickelt hatte, daß er dort seinem Vaterlande nicht mehr nützen konnte, verließ er die Insel mit den Worten: „Ich komme wieder!“ Seine Laufbahn als Heerführer des zweiten Weltkrieges begann General McArthur als Verlierer. Doch der Nimbus, der seine Person umgab, litt darunter keineswegs, und seine abenteuerliche Flucht von Corregidor erhöhte ihn nur noch. Mit seiner zweiten Frau und seinem vierjährigen Sohn sowie einigen Offizieren seines Stabes verließ er die Inselfestung an Bord eines Schnellbootes, ständig verfolgt von japanischen Jägern, und landete schließlich auf einer unbewohnten Insel im Pazifik. Drei Tage später brachten ihn amerikanische Flugzeuge nach Port Darwin in Australien, von wo aus er jenen Feldzug organisierte, der im August 1945 nach dem Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki sein Ende fand. Seither ist ,pr der Oberkommandierende in einem Lande, dem er als erster nach 2000 Jahren eine Niederlage beibrachte. Das erklärt die gottähnliche Verehrung, die er unter den Japanern genießt; denn seine amtliche Stellung ordnet ihn sogar dem Tenno über. Nun ist Douglas McArthur Oberkommandierender im Korea-Konflikt, einem Konflikt, der Konsequenzen in sich birgt, die die Welt erschauern lassen. Und sagten die Amerikaner einst von McArthur, er „sehe nur gelb“, so kann man heute davon überzeugt sein, daß er nur rot sieht. Der Bundeskanzler übergab die Geschäfte. Bundeskanzler Dr. Adenauer hat die Regierungsgeschäfte an Vizekanzler Blücher übergeben. Dr. Adenauer reist zur Erholung in die Schweiz. Sowjets hielten Postwagen zurück. Die russischen Behörden an der Zonengrenze Ma- rienbom haben erneut sechs Postwagen nach Berlin angehalten, nachdem sie erst vor wenigen Tagen 22 Güterwagen zurückgehalten und erst nach Tagen freigeeeben hatte». Donnerstag, den 13. Juli 1950 Südweststaat-Volksbefragung endgültig Stuttgart (UP). Nachdem die Einspruchsfrist der Hohen Kommissare gegen das Südweststaat-Volksbefragungsgesetz der 3 Südwest-Länder abgelaufen ist, hat das Gesetz Rechtskraft erlangt. Der Freiburger Landtag hatte dem Gesetz am 25. Mai, der Stuttgarter Landtag am 6. Juni und der Tübinger Landtag am 20. Juni zugestimmt. Das Gesetz regelt die technischen Vorbedingungen für die infor- , mative Befragung der Bevölkerung Südwestdeutschlands über ihre Meinung zum Südweststaat. Die Volksabstimmung soll nach dem Gesetz am 24. Septemb*er stattfinden. Bimdesbahngesetz kommt bald Auch allgemeines Eisenbahngesetz zu erwarten Bonn (UP). Bundesverkehrsminister Seehofern kündigte im Bundestag, in Beantwortung einer SPD-Interpellation, daß ein Bundesbahngesetz in Kürze von der Bundesregierung verabschiedet werde..Es handle sich dabei um einen Gesetzentwurf des Verkehrsministeriums. Auch der Entwurf des Bundesrates für ein Bundesbahngesetz werde noch in diesem Monat dem Bundestag zugestellt. Außerdem kündigte Seebohm noch ein allgemeines Eisenbahngesetz der Bundesregierung und ein neues Güteriemverkehrsgesetz an. Schachts Entnazifizierung erneut verschoben. Der Vorsitzende des Entnaziflzierungs- hauptausschusses für den Regierungsbezirk Lüneburg, teilte mit, daß die Entnazifizierungs-Verhandlung Dr. Schachts, die auf den 24. Juli festgesetzt war, erneut verschoben werden mußte. Ob das Verfahren eingestellt oder ob Anklage erhoben wird, ist noch völlig ungeklärt. SPD kritisiert Bundespersonalpolitik „Fall Globke“ vor dem Bundestag — Die Antwort der Regierung Bonn (UP). Nach einer Unterbrechnng von fast drei Wochen fand wieder eine Plenarsitzung des Bundestages statt. Im Verlauf dieser Sitzung wurde eine scharfe Attacke gegen die Personalpolitik der Bundesregierung von der sozialdemokratischen Fraktion des Bundestages geritten, als eine SPD-Interpellation über die Besetzung von Ämtern beim Bunde zur Debatte stand. Mittelpunkt der Aussprache war der bekannte „Fall Globke“, von dem die SPD behauptete, daß er ein Musterbeispiel der Personalpolitik des Bundeskanzlers sei. Globke wurde von dem SPD-Sprecher Arndt beschuldigt, an den Judenverfolgungen Anteil gehabt zu haben. Vizepräsident Dr. Globke ist jetzt Chef der Bundeskanzlei und für die Personalpolitik in der Kanzlei verantwortlich. Er war im Dritten Reich angeblich auch als Korreferent für Judenfragen im Innenministerium tätig. Die SPD kritisierte ferner, daß die Bundesregierung die Anstellung von Beamten angeblich von ihrem religiösen Bekenntnis abhängig mache. Der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Arndt, der die Interpellation der SPD begründete, wandte sich gegen die Fragebogenaktion der Regierung, bei der die Beamten aufgefordert wurden, ihr Religionsbekenntnis zu offenbaren. Gegenstand heftiger Kritik der SPD war sodann die angebliche Bevorzugung ehemaliger hoher Nazi-Funktionäre in den Bundesbehörden und die „Ämterpatronage“ einzelner studentischer Altherren verbände. Auch der Kulturreferent im Hellwege-Ministerium, Dr. Eh rieh — der einmal Landesgruppenleiter der NSDAP in Italien war — wurde von der SPD scharf angegriffen. Dr. Arndt bezeich- nete ihn als einen der „Manager“ der NSDAP im Ausland. Heinemann antwortet Innenminister Heinemann beantwortete die sozialdemokratischen Vorwürfe hinsichtlich der Konfessionsfragebogen mit dem Hinweis, daß niemand gezwungen gewesen wäre, diese Anfragen zu beantworten. Die Erhebungen über die konfessionelle Zusammensetzung sei erfolgt, nachdem in der Presse unrichtige Behauptungen aufgestellt worden wären. Zur Verteidigung Globkes las er ein Schreiben des ehemaligen amerikanischen Anklägers bei den Nürnberger Prozessen, Professor Kenmpner, vor, in dem dieser sich bereit erklärt, jederzeit für die Person Globkes zu bürgen. Zum Fall Ehrich müsse sich entweder der Bundeskanzler oder Minister Hellwege äußern, sagte Heinemann, beide waren nicht anwesend. Auch der Vertreter der Bayempartei, Staatsrat S e e 1 o s, sprang zur Verteidigung Globkes ein und bezeichnete ihn als eine lautere Persönlichkeit, die dem Naziregime starken Widerstand entgegengesetzt habe. Ein CDU-Redner forderte eine Untersuchung des Falles Globke und meinte, man solle das allgemeine Augenmerk nicht so sehr auf die ehemaligen Nazis als vielmehr auf die Neo-Nazis — vor allem in der SRP — lenken. Finanzbedarf für Heimatdienst genehmigt Einzelpläne des Staatsministeriums, Landtags and Finanzverwaltung gebilligt Stuttgart. (Iwb). Der württemberg-badische Landtag stimmte am Mittwoch bei der zweiten Beratung des Staatshaushaltsplanes für 1950 den Einzelplänen des Staatsministeriums, des Landtags, sowie der Finanzverwaltung zu. Die Regierungsvorlage wurde nur geringfügig abgeändert Auf eine Generaldebatte über den Haushaltsplan verzichteten die Abgeordneten und beschlossen, grundsätzliche Äußerungen zur Finanzpolitik bis zur dritten Lesung zurückzustellen. Der Landtag ermächtigte den Finanzminister, noch vor der Verabschiedung des Staatshaushalts kurz- oder langfristige Staatsanleihen im Gesamtbetrag von höchstens 20 Millionen DM aufzunehmen. Der geschäftsführende Vorsitzende des Finanzausschusses, Abgeordneter Möller (SPD) betonte, diese Summe müsse vorweg genehmigt werden, da man mit verschiedenen im außerordentlichen Etat vorgesehenen Aufgaben schon jetzt beginnen müsse. Zur Abdeckung des außerordentlichen Haushaltsplanes werde man Anleihen in Höhe von insgesamt 55 bis 60 Millionen DM benötigen. Ein Antrag des Finanzausschusses, den für die Besoldung der planmäßigen Beamten bei der Landesbeamtenstelle vorgesehenen Betrag von 122 000 DM auf 112 500 DM zu ermäßigen, wurde gegen die Stimmen der DVP und mehrerer CDU-Abgeordneter abgelehnt. Für die Einrichtung der von der Landesregierung geplanten Zentrale für Heimatdienst genehmigte der Landtag gegen die •Stimmen der KPD 350 000 DM. Abgeordneter Kuhn (CDU) sagte, er vermute, daß diese Zentrale Propaganda für den Südweststaat machen solle. Finanzminister Dr. Kaufmann erwiderte, daß der Heimatdienst vor allem •eine Zeitschrift herausgeben werde, die die Bevölkerung über die parlamentarische Arbeit sowie über alle Fragen des staatsbürgerlichen Lebens unter Wahrung völliger parteipolitischer Neutralität aufklären solL Uber Streitfragen, wie zum Beispiel die Differenzen zwischen der Landesregierung und General Groß über das Flüchtiingsproblem, müsse, wie Möller (SPD) erklärte, eine objektive Stelle über die reinen Tatsachen berichten. Als Sprecher der KPD vertrat Leibbrand die Ansicht, daß der Heimatdienst „gegen links “ gerichtet sei und „in die Linie der reaktionären Entwicklung in Westdeutschland“ hineinpasse. Wie der Berichterstatter des Finanzausschusses, Kling (CDU), berichtete, hat das Staatsministerium im Zuge der Verwaltungs- reform gegenüber dem Vorjahr für Personalkosten rund 16 000 DM weniger beantragt Die Zahl der Beamten beim Staatsministerium sei von 28 auf 23 und die der Angestellten von 31 auf 27 gesenkt worden. Bei der Beratung des Haushaltplanes der Finanzverwaltung stieß ein Antrag des Fi- nanzausschuses, die Stelle des Finanzpräsidenten in Nordbaden zu streichen, auf heftigen Widerspruch des Abgeordneten Ku hn (CDU). Kuhn erklärte, deir Finanzausschuß hätten politische Gründe zu seinem Antrag bewogen. Es gehe nicht an, eine Stelle zu streichen, „nur weil sie dem einen oder dem anderen nicht passe“. Finanzminister Dr. Kaufmann gab bekannt, daß das Ergebnis einer Untersuchung zeigen werde, ob gegen den bisherigen Finanzpräsidenten in Nordbaden ein Disziplinarverfahren eingeleitet werden müsse. Das Plenum beschloß, die Stelle des Finanzpräsidenten in Nordbaden nicht zu streichen. Finanzminister Dr. Kaufmann nahm zu drfr Frage der von den Ländern an den Bund zu leistenden „Interessenquoten“ grundsätzlich Stellung. Nach einem zur Zeit vom Bund vorbereiteten Überleitungsgesetz, sagte der Minister, müßten die Länder 10 Prozent der vom Bund zu tragenden Kriegsfolgelasten übernehmen. Von den 1135 Milionen, die die Länder als sogenannte Interessenquoten zu leisten hätten, entfielen auf das Land Württemberg-Baden 82,8 Millionen. Ein Antrag des Bundesrates, die Interessenquoten nach dem Steueraufkommen der Länder umzulegen, würde bedeuten, daß das steuerkräftige Württemberg-Baden noch weitere 40 Millionen DM an den Bund abführen müßte. Dr. Kaufmann habe im Bundesrat gefordert, daß bis zum Zeitpunkt eines endgültigen Finanzausgleiches die Interessenquoten grundsätzlich gleich festgelegt werden müßten. Große Anfrage über Angstkäufe Die CDU-Fraktion hat die Regierung um Auskunft ersucht, ob sie bereit sei, Angstkäufen der Bevölkerung und der „Flüsterpropaganda“ mit allen Mitteln entgegenzutreten. In der Anfrage wird betont, daß in den letzten Tagen im ganzen Land verschiedene Lebensmittel wie Zucker, Mehl, Fett, Kaffee und Seife von Übervorsichtigen in großen Mengen eingekauft worden seien. Dadurch sei eine Verknappung der betreffenden Lebensmittel entstanden. Die Einkäufe hätten nunmehr auch auf Schuhe und Textilien übergegriffen. Bei den Sparkassen und Banken sei außerdem in den letzten Tagen über das übliche Maß hinaus Geld abgehoben worden. Landwirtschaftsminister Stooß hat zugesagt, den ernährungswirtschaftlichen Teil der Anfrage auf der Landtagssitzung am Donnerstag zu beantworten. Gegen die Angriffe von Gross Gegen die Bemerkung des amerikanischen Landeskommissars, General Gross, er hoffe, daß der württ.-badische Landtag Zeit für das Flüchtlingsproblem finden werde, wenn erst die Frage der Pensionen für den Landtag „und seine Freunde“ erledigt sei, wandte sich bei Eröffnung der Sitzung Landtagspräsident Keil. Er sagte, das Flüchtlingsproblem sei vom Landtag nicht hinter die Frage der Pensionen zurückgestellt worden. Der Landtag habe in Übereinstimmung mit der Regierung den bisherigen Aufwand des Landes von mehr als 330 Millionen DM für die Flüchtlinge längst bewilligt gehabt, bevor er sieh mit der Frage der Ministerpensionen befaßte. Wenn die Diskussion der Ministeipensionen kritisiert werde, so wolle er daran erinnern, sagte Keil, daß es sich hierbei um die Erfüllung einer Pflicht gegenüber Persönlichkeiten handle, die sich dem Land in schwerster Zeit zur Verfügung gestellt hätten. Keil betonte, die Leistungen für die Flüchtlinge seien aufgebracht worden neben hohen anderen Leistungen und neben den Besatzungskosten, die „unseren Landesetat in 4 Jahren mit 1,6 Milliarden DM belastet haben.“ Der Landtag sprach seinem Präsidenten zu dieser Erklärung seine volle Billigung aus. Befinden Dr. Maiers zufriedenstellend Schorndorf (lwb). Das Befinden von Ministerpräsident Maier, der sich seit etwa acht Tagen wegen einer Kniegelenksentzün- dung im Schomdorfer Kreiskrankenhaus befindet, ist zufriedenstellend. Wie dpa vom leitenden Arzt der inneren Abteilung des Krankenhauses weiter erfährt, ist zu Besorgnis kein Anlaß. Uber die Dauerndes Aufenthalts im Krankenhaus kann jedoch noch nichts Näheres gesagt werden. Gewerkschaftsbund gegen neue Getreidepreise Stuttgart (lwb). Der Vorstand des Lan- desbezirks Württemberg-Baden im Deutschen Gewerkschaftsbund hat die Landesregierung in einem Schreiben gebeten, die Anerkennung des neuen Getreidepreises so lange zu untersagen, bis ein Beschluß des Bundesparlaments varliege. Schalen nicht von Rundfunkgebühr befreit Stuttgart (lwb). Das württemberg-badische Kultministerium hatte den Süddeutschen Rundfunk gebeten, die Schulen von der Zahlung der Rundfunkgebühren zu befreien. Der Verwaltungsrat des Süddeutschen Rundfunks hat dies jedoch abgelehnt. Wie aus einem Rundschreiben des Kultmdnisteriums an die Schulen hervorgeht, begründete der Verwaltungsrat des Süddeutschen Rundfunks seine Ablehnung damit", daß bei einer Freistellung der Schulen von der Rundfunkgebühr viele andere Einrichtungen die gleiche Bitte vorbrächten. Dadurch würde die finanzielle Grundlage der Sendungen gefährdet. Der DP-Abgeordnete Mühlenfeld bezeichnete die Interpellation als einen „Versuch, eine Sprengladung anzulegen“, und wandte sich in scharfen Worten gegen die „Farce“ der Entnazifizierung. „Ich denke, man sollte mit der ganzen Entnazifizierung Schluß machen“, rief Mühlenfeld aus. Er erklärte, daß an den SPD-Anschüldigungen gegen Dr. Ehrich kein Wort wahr sei. Dr. Zinn von der SPD wandte sich noch einmal gegen die Personalpolitik der Bundesregierung und bemängelte besonders, daß bei Einstellungen von Anwärtern für den auswärtigen Dienst d«e Frage nach der Konfession mitbestimmend für die spätere Wahl des Beamten sei. Bundesarbeitsminister Dr. Storch erwiderte auf die Anschuldigungen der SPD, das Arbeitsministerium sei von ehemadigen Mitgliedern der NSDAP durchsetzt, ihm sei von solch einem Personenkreis nichts bekannt. Ein Antrag der SPD-Fraktion, bei der Wahl des Sitzes noch zu bildender oberer Bundesbehörden Berlin und die Gebiete der sowjetischen Zonengrenze zu berücksichtigen, wurde ohne längere Aussprache an den Ausschuß für Angelegenheiten der inneren Verwaltung überwiesen. Vizekanzler Blücher wandte sich daraufhin im Namen der Regierung gegen die „Unterstellung“, die Regierung beabsichtige, Bundesbehörden am Rhein zu konzentrieren. Auf einen Zwischenruf des Vertreters Berlins, Dr. Suhr: „Wir haben bisher in Berlin noch nichts von Bundesbehörden gesehen“, erwiderte Blücher, daß bereits alle Ministerien eine Vertretung in Berlin besäßen und weitere Vertretungen des Bundes dort vorgesehen seien. Haushaltausschuß sperrt Mittel für Bonn Erst Unterlagen über Verwendung der Gelder Bonn (UP). Der Haushaltsausschuß des Bundestages hat beschlossen, die vom Finanzministerium geforderten zusätzlichen 25 Millionen DM für den Ausbau Bonns solange zu sperren, bis genaue Unterlagen über die geplanten Bauten vorliegen. Der Bundesfinanzminister hatte weitere 25 Millionen DM für den Ausbau der Ministerien in Bonn verlangt, nachdem bereits 32 Millionen DM für die neue Bundeshauptstadt ausgegeben worden waren. Der Haushaltsausschuß stellte sich auf den Standpunkt, daß zunächst genaue Unterlagen über die Verwendung der Gelder beschafft und die Möglichkeiten einer Verbilligung der Bauvorhaben geprüft sein müßten, ehe diese Gelder bewilligt werden dürften. Der Ausschuß bezeichnete die Entnahme von 6,4 Millionen DM aus den Haushaltsmitteln der allgemeinen Finanzverwaltung für den Ausbau Bonns als „gesetzwidrig“. Diese 6,4 Millionen DM sind ein Teil der bereits ausgegebenen 32 Millionen. Hiervon kamen 23 Millionen DM vom Lande Nordrhein-Westfalen. Wie verlautet, schließt die Geldsperre nicht die Mittel für den Ausbau eines Dienstsitzes für den Präsidenten des Bundestages ein. Hierfür waren 190 000 DM veranschlagt, davon allein 40 000 DM für Möbel. Umzugskosten und Trennungsgelder Was der Umzug von Ministerien verschlingt Bonn (UP). Die Kosten des Umzugs einzelner Ministerien nach Bonn und die Trennungsentschädigungen für Bonner Bundesbeamte werden meiner Übersicht des Bundesfinanzministeriums für ein halbes Jahr mit 355 400 DM beziffert. Die Umzugskosten belaufen sich für den Zeitraum von sechs Monaten für das Personalamt auf 20 000 DM, für das Finanzministerium auf 40 000 DM, beim Wirtschaftsministerium auf 10 000 DM und beim Verkehrsministerium auf 20000 DM. Für Trennungsentschädigungen muß der außerplanmäßige Haushalt des Bundes für ein halbes Jahr 235 400 DM zur Verfügung stellen. 700 000 DM müssen aus außerordentlichen Haushaltsmitteln bereitgestellt werden, um den durch Minenexplosion schwer beschädigten Tonneleger „Coldewey“ wieder instand zu setzen. Die Reparatur des Schiffes mußte, so betont der Bericht des Finanzministeriums, „aus dienstlichen Gründen sofort durchgeführt werden." Am Rande bemerkt Arbeitserleichterungen Was die Minister und Abgeordneten schon längst feststellten und was auch der einigermaßen mit Sitzungen, Konferenzen, Debatten, Diskussionen und Beratungen Vertraute weiß, ist: In einem Landtag kann es sehr langweilig sein. Dies braucht natürlich nicht nur daran zu liegen, wie gesprochen wird, sondern oft daran, was gesprochen wird. Nachdem der Bundestag Erleichterungen für seine Mitglieder einführte, wie Wasserträger und Redestopplicht, hat sich nun auch der bayrische Landtag scheinbar entschlossen, den Abgeordneten die saure Arbeit ein wenig zu versüßen. Zwar mutet den Außenstehenden die Art der Arbeitserleichterung gar seltsam an, doch soll das bei Landtagsangelegenheiten öfters der Fall sein. Die Abgeordneten schienen mit der amüsanten Gestaltung ihrer Landtagssitzungen zufrieden zu sein, nur der bayrische Kultus- und Unterrichtsminister sah sich genötigt, etwas dagegen zu unternehmen. Im „Heidelberger Tageblatt“ steht nämlich: ! „Der bayrische'Kultus- und Unterrichtsminister bezeichnete die Aufführung des Balletts des Landtags als Schreinerei.“ —» Zur Rechtfertigung des bayerischen Landtags sei gesagt, daß es sich um einen Druckfehler handelt. Es sollte heißen: „im Landtag“ und nicht „des Landtags“. st. Überleitung der Besatzungslasten Übernahme von Steuern durch den Bund Bonn (UP). Die Überleitung der Besatzungslasten auf den Bund soll in einem Gesetz verankert werden, mit dessen Entwurf sich am Mittwoch der Bundestag in einer längeren Aussprache beschäftigte. Die Bundesregierung will mit diesem Gesetz alle bislang von den Ländern getragenen Besatzungslasten auf den Bund überleiten, die Länder aber bet der Bereitstellung von Mitteln proportional heranziehen. Das Gesetz trägt daher den Namen „Uberleitungsgesetz“. Gleichzeitig will der Bund mit Wirkung vom 1. April 1950 die Erträge der Umsatzsteuer, die der konkurrierenden Gesetzgebung unterworfenen Verbrauchssteuern (mit Ausnahme der Biersteuer), die Beförderungssteue» und die Erträge der Monopole übernehmen. Nach längerer Aussprache wurde der Gesetz* entwurf dem Finanz- und Haushaltsausschufl zur weiteren Beratung überwiesen. Bundesrat befaßt sich mit Brotpreis , Der Bundesernährungsminister warnt Bonn (UP). Mit der Entwicklung der Brot- und Fettpreise wird sich der Bundesrat in einer Sondersitzung befassen. Die Sitzung wird sich auch mit den Fragen des Mitbestimmungsrechtes der Arbeitnehmer und des Lastenausgleichs befassen. Bundesernährungsminister Niklas hat die Preisbildungsstellen aufgefordert, gegen will* kürliche Preiserhöhungen für Mehl, Brot und Backwaren einzuschreiten. Der Ernährungs* minister weist darauf hin, daß die Preisbestimmungen vom 8. Juni vorigen Jahres nach wie vor in Kraft seien. Mehrere Bäckereien iö Hannover haben die Brotpreise bereits um 4 Dpf. je Kilogramm erhöht. Auch aus anderen Städten Westdeutschlands wird gemeldet, daß die Preise nicht mehr gehalten werden. 60,4 Milliarden Dollar Reparationen Was Rußland ans Deutschland holte Bonn (UP). Unter dem Titel „Die sowjetische Reparationspolitik seit 1945“ übergab der sozialdemokratische Parteivorstand der Presse eine 41 Seiten umfassende Denkschrift^ in der der Nachweis geführt wird, daß die Sowjets seit dem Zusammenbruch für rund 66,44 Milliarden Dollar an Werten aus Deutschland entnommen haben. Dazu heißt es in der Denkschrift des SPD-Vorstandes: „Auf allen Außenministerkonferenzen haben die Sowjets den Standpunkt vertreten, daß sie der Schaffung einer wirtschaftlichen Einheit Deutschlands erst nach Erfüllung der Reparationslieferungen im Werte von 10 Milliarden Dollar zustimmen können. Da die bisherigen Entnahmen der Sowjets diese Forderung sogar weit überschreiten, stände der Schaffung der wirtschaftlichen Einheit Deutschland? nichts mehr im Wege“. 52 Völker der Welt für Frieden Acheson über die Gefahr von Angriffen Washington (ZSH). In einer Pressekonferenz fand der amerikanische Außenminister Acheson Worte höchster Anerkennung für die Bevölkerung der Republik Korea, die trotz der schwierigen Verhältnisse den Mut nicht verloren habe. Acheson gab bekannt, daß von insgesamt 59 UN-Mitgliedem jetzt 57 zur Resolution des Sicherheitsrates Stellung genommen haben. Vier Mächte, nämlich die Sowjetregierung, die Tschecheslowakei, Polen und die Ukraine, haben die Resolution zurückgewiesen. 52 Mächte haben der Entscheidung des Sicherheitsrates moralische, in vielen Fällen aber wirtschaftliche und militärische Unterstützung zugesagt. Eine Antwort ist noch unklar. Der Außenminister wurde auf der Pressekonferenz über die Gefahr von Angriffen auf andere Gebiete der Welt gefragt. Er antwortete. daß in der augenblicklich gespannten Lage jede weitere Aggression die ernstesten Folgen haben müßte Verteidigungsplan wird beschleunigt Var der 1. Tagung des ständigen Atlantikrates London (UP). Die Stellvertreter der Außenminister der Atlantikpaktstaaten werden in der zweiten Hälfte des Juli in London zusammentreten, um die Ausarbeitung der westeuropäischen Verteidigungspläne zu beschleunigen. Dies wird das erste Treffen des ständigen Rats der Stellvertreter sein, der vqn den Außenministern auf ihrer Maitagung äi London gebildet wurde. Schwindler mit dem „Göringschatz" Wie 150 000 DM verloren gingen — Die Dummen werden nicht alle Der Schwindler mit dem Göringschatz ist inzwischen abserviert worden. Das heißt aber nicht, daß die Gönner geheimnisumwitterter Schatzgräber alle geworden sind. Vielen Mitmenschen scheint das Geld für fragwürdige Unternehmen heute, trotzdem nicht gerade von einer allgemeinen Blüte gesprochen werden kann, ziemlich locker in der Tasche zu sitzen. Wäre es sonst möglich gewesen, daß drei ernst genommen sein wollende Berliner Geschäftsleute 150 000 DM und dazu noch „West“-Geld für die Hebung eines sagenhaften Goldschatzes an irgendeiner Bootslege- stelle im Müggelsee anlegten, ohne natürlich jemals eine Unze Gold ans Tageslicht zu fördern? ^ Ein Goldschatzfimmel Es kommt aber noch besser. Mit dem diesjährigen Frühlingsbeginn befiel den Berliner Mechaniker Herbert Sch neide wind der Goldschatzfimmel. Eine größere Berliner Tageszeitung unterstützte ihn und die mehr oder weniger verdutzten Leser des Anzeigenteiles lasen an einem der letzten Märztage: „Hebung eines Goldschatzes zu verpachten. 50 Prozent Beteiligung. Größerer Wert“. Leser, denen der Einfall kam, es könne sich vielleicht um einen Scherz oder einen lieben kleinen „Goldschatz“ mit schwarzen oder blonden Haaren handeln, der hier etwas romantisch ' angepriesen wurde, erlebten durch spätere Publizierung eine arge Enttäuschung. Anwärter wurden- gesiebt Schneidwind, der zunächst einmal mehr als zehn Westmark, ein Gutteil seines Wochenlohnes, für die Annonce mit Strichrand ausgegeben hatte, erhielt sage und schreibe 138 kürzere oder längere Zuschriften, von denen 2 Drittel absolut ernst gemeint waren. Der „Goldschatzbesitzer“ siebte. Schließlich blieben 3 Westberliner Fabrikanten übrig. Sie ließen smarte Bankkonten vermuten. Mit Lageplan und gefälschter notarieller Bestätigung versehen, berief unser Mechaniker eine „Viererkonferenz“ ein. Dabei leuchtet den „gewiegten“ Fabrikanten ein, daß es wohl möglich sein könne, daß an jener Stelle im Müggelsee eine Kiste mit „OKW-Gold“ im Werte von rund einer Million Westmark zwischen Schilf und Seerosen im Schlamm vergraben liegt. Warum auch sollte Schneidewind das nicht wissen? Wies ihn doch sein altes Soldbuch als OKW-Funker aus! Auch das Argument, selbst nicht das Geld für die Hebearbeiten zu haben, zumal natürlich ein Taucher nötig sei, konnte nur nickend bestätigt werden. Der französische Kognak war gut Der im Zimmer schwängernde Rauch ließ die drei Geschäftsleute gerade noch den Scheckblock erkennen, um die 50 000 DM Garantiesumme auszufüllen. Am nächsten Tag wollten sie gemeinsam zum Müggelsee hinaus fahren. AmEnde die grüne Minna Noch schneller aber war Schneidewind bei der Bank. Vorsichtig um sich schauend ging er mit einer inhaltsschweren Aktentasche nach Hause, zog seinen besten Anzug an und fuhr eigenartigerweise nach Frankfurt am Main, wo doch wohl nicht etwa ein ergiebigerer Goldschatz verborgen war, als der im Berliner Müggelsee? Im Kurort Bad Soden ereilte ihn vor wenigen Wochen bei einem Glas Schwefelbrunnen sein Schicksal in Gestalt einer grünen Minna. H. P. Müller startet dreimal — „Säuglinge“ contra Kompressoren Seitenwagenklasse sehr gut besetzt Die einlaufenden Meldungen für das am 15./16. Juli stattfindende Dieburger Dreiecksrennen lassen darauf schließen, daß auch die diesjährige Veranstaltung wieder eine erstklassige Besetzung erfahren wird. So haben in. der kleinen Klasse der 12 5- c c m - Ma s c h i n e n u. a. H. P. Müller, Thorn, Hofmann, Hammer und Pohl ihre Nennung abgegeben. H. P. Müller wird auch das Rennen der 250-ccm-Klasse bestreiten, wobei er auf den Karlsruher Hermann Gablenz auf seiner schnellen, hochtourigen Moto-Parilla, Thorn- Prikker auf der Moto-Guzzi, mit der der Italiener Ruffo 1949 Weltmeister wurde, und ferner auf die schnellen DKW-Fahrer Winkler, Daiker, Kohfink, Rudi Maier und den „Rund-um-den-Schotten“-Sieger Karl Lottes treffen wird. In der 350er-Klasse geht der Bielefelder Müller zum dritten Mal an den Start. Siegfried Wünsche (DKW), Kurt Mansfeld (DKW) und Kurt Nitschky (DKW) werden hier außer der starken Gegnerschaft von Müller auch mit den schnellen „Säuglingen“ von Roland Schnell (Moto-Parilla), Rudi Knees (AJS), Thorn-Prikker und Aldinger (beide auf Velo* cette) zu rechnen haben. In der 500-ccm-Klasse werden die Saugmotorenfahrer unter sich sein. Als klarer Favorit gilt hier von Woedtke auf seiner neuen 1950er Norton, dessen schärfste Rivalen Nitschky (NSU), Ziemer (NSU), Fuß (englische Triumph) und die BMW-Fahrer Hoske, Kellner, Eberlein, Plank und Lamprecht sein werden. Auch die beiden Seitenwagenklassen sind mit bekannten Spitzenfahrern besetzt. U. a. haben hier Müller, Seppenhauser, Schäfer, Ziemer, Mohr, Haselbeck, Strengert und Schmid gemeldet Ein großes Feld von Ausweisfahrern wird bereits am Samstag die Veranstaltung einleiten. 116 Konkurrenten bei „Tour de France 1950" Das Feld der 116 Fahrer der diesjährigen „Tour de France“ ist nunmehr komplett. Es wurden acht Mannschaften zu je zehn Mann und sechs Mannschaften zu je sechs Mann gebildet wobei Italien und Belgien yjiederum zwei Teams zugestanden wurden. Die Zahl der französischen Konkurrenten beträgt 66, denen 50 Ausländer gegenüberstehen. Dem in Konstanz wohnhaften Sportreporter des Südwestfunks, Rolf Wernicke, wurde von Radio Saarbrücken das Angebot unterbreitet, die Reportagen von der diesjährigen „Tour de France“ zu übernehmen. Wernicke hat das Angebot akzeptiert Gut besetzte Mainzer Ruderregatta Insgesamt 950 Ruderer mit 177 Booten aus 36 Vereinen starten bei 44 Rennen im Rahmen der Mainzer Ruderregatta. Höhepunkt der Regatta dürfte der Wettbewerb der großen Achter darstellen, in dem der Deutsche Meister RG Flörsheim/Rüsselsheim auf den Kölner RV 77 treffen wird. Neben den beiden genannten Mannschaften startet der RC „Saar“ Saarbrücken im Rennen der Jubiläumsachter. Im Senioren-Einer treffen ^pneut Günter lange (RG Germania Frankfurt) und Horst Wilke (Hannover) aufeinander. 2i yßi wuLiuiB Süddeutsche Wasserballmeisterschaften Die diesjährigen süddeutschen Wasserballmeisterschaften werden in dem Werkbad der Firma Spießhöfer und Braun in Heubach bei Schwäbisch Gmünd ausgetragen. An den Meisterschaften sind die süddeutschen Landesmeister teilnahmeberechtigt. Es spielen vier Mannschaften, jede gegen jede: Samstag: SV Lüdwigsburg — SV 99 München; Bayern Nürnberg — Nikar Heidelberg. Sonntag: Bayern Nürnberg — München 99; Nikar Heidelberg — Ludwigsburg; München 99 — Nikar Heidelberg; Bayern Nürnberg — Ludwigsburg. Die Stärke der Mannschaften ist ziemlich ausgeglichen, so daß kein ausgesprochener Favorit vorhanden ist. Lediglich der Titelverteidiger Bayern Nürnberg hat durch seine große Spielerfahrung vielleicht ein kleines Plus aufzuweisen. Recht interessant dürfte das Abschneiden des SV Ludwigsburg werden, der auf seiner Westdeutschlandreise vor zwei Wochen gegen die westdeutsche Spitzenklasse beachtliche Erfolge erzielte. Ähnlich ist die Situation bei Nikar Heidelberg, dessen Stütze der Altinternationale Kummer ist. München 99 hat eine sehr junge Mannschaft zur Stelle, die durch den Internationalen Hauser als einzigen älteren Spieler verstärkt wird. Gleichzeitig wird am Sonntagnachmittag zwischen dem ersten und zweiten Spiel die württembergische Meisterschaft über die 1500 m-Strecke im Kraulen ausgetragen, bei der der Gmünder Kühfuß als Favorit gilt. Schwerathletikmeister werden ermittelt Die Metropole der südwestdeutschen Schwerathletik, der Ludwigshafener Vorort Friesenheim, ist am Samstag/Sonntag Austragungsort der deutschen Schwerathletikmeisterschaften. Insgesamt 600 Meldungen sind für die Titelkämpfe eingegangen. In den Ringerwettbewerben haben in den einzelnen Gewichtsklassen folgende Athleten gute Aussichten zum Titelgewinn: Fliegengewicht: Fuldam(Eckenheim), Schwaiger (Bad Reichenhall), Ghirs (Friesenheim). Bantam: Weber (Göppingen), Schlagmüller N. (Eckenheim), Haßlauer (Bad Reichenhall). Feder: Bischoff (Göppingen), Weber (Sandhofen), Haßlöcher (Friesenheim). Leicht: Zubrod (Ludwigshafen), Mundschenk (Eckenheim). Weiter: O. Schlagmüller (Eckenheim), Gocke (Dortmund), Wittmann (Friesenheim). Mittel: Paar (Bad Reichenhall), Fink (Göppingen), Stein (Friesenheim). Halbschwer: Leichter (Eckenheim),Ehret, Böhmer (beide Bad Reichenhall). Schwer: Sieber (Dortmund), Enzinger (Bad Reichenhall). Im Rasenkraftsport, dürften sich Wolf (Karlsruhe) und Storch (Fulda), der bekanntlich vor kurzem die bisher von Wolf gehaltene deutsche Bestleistung im Hammerwerfen auf 58,68 m verbesserte, einen harten Zweikampf liefern. Für eine Überraschung sind der Hamburger Hein, die Gebrüder Zehner (Heilbronn) sowie Seeger (Eßlingen) gut. Mit Laubenheim a. Rh., Gemmrigheim und Endersbach haben die stärksten Mannschaften für das Tauziehen gemeldet. Um den Sieg in den Rundgewichtsriegen bewerben sich Mannheim, Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg, Oßweil und Gemmrigheim. Nun doch Fellbach gegen 1860 München Der am letzten Samstag „abgesetzte“ Kampf um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft im im Gewichtheben zwischen dem SV Fellbach und München 1860 in Stuttgart-Fellbach wird am kommenden Samstag ausgetragen. Großes Fußballturnier in Nürnberg Aus Anlaß der 900-Jahrfeier der Stadt Nürnberg veranstaltet die Hochschule für Wirtschafts- uncf Sozialwissenschaften vom 14. bis 23. Juli in Nürnberg ein internationales Fußball-Turnier. Bisher haben sieben Mannschaften, darunter fünf ausländische, ihre Zusage abgegeben. Aus Skandinavien wird der schwedische Hochschulmeister Fri- borg sowie der dänische Hochschulmeistex Aarhus erwartet. Weitere Vertretungen kommen von der Universität Neapel, von dei Hochschule für Welthandel in Wien und der Handelshochschule St. Gallen. Favorit des Turniers dürfte wohl die dänische Auswahl sein, da die komplette Elf der Uni Aarhus in der dänischen Nationalliga spielt. Jede Mannschaft muß während des Turniers drei Spiele absolvieren. Turner kämpfen um Weltmeisterehren Deutschlands Turner als Zaungäste in Basel Der Internationale Tumverband ermittelt vom 13. bis 16. Juli in Basel seine Weltmeister. Mehr als die Hälfte der 30 dem ITB angehörenden Nationen bieten ihre besten Kräfte auf. Das Programm ist insofern erweitert wor- dep, als neben dem Einzelwettbewerb im Fünfzehnkampf auch an den einzelnen Geräten und in der Freiübung sowie im Mannschaftskampf (Und auch hier wieder in den einzelnen Übungen) Weltmeistertitel vergeben werden. Dazu kommen noch die Turnerinnen, die neben dem Achtkampf auch in den vier Einzelwettbewerben Meistertitel erringen können, ferner noch zwei Mannschaftswettbewerbe So sind rund 130 Gold-, Silber- und Bronce- Medaillen zur Auszeichnung der erstplazier- ten Turner und Turnerinnen notwendig. Deutschlands Turner werden nur als Zuschauer in Basel sein, da der DAT noch nich< Mitglied des ITB ist. Die Schweizer sind Favoriten Bei den Turnern setzt sich der Fünfzehnkampf aus Pflicht- und Kürübung am Reck, Barren, an den Ringen, am Pferd, dem Pferdsprung und im Bodenturnen zusammen, zu denen noch drei leichtathletische Übungen (100-Meter-Lauf, Hoch- und Stabhochsprung) kommen. Es wird auf einen großen Zweikampf Schweiz-Finnland hinauslaufen, in den als Außenseiter auch die Ungarn eingreifen können. Deutsche Amateurstraßenmeisterschaften Am kommenden Sonntag starten die besten deutschen Amateurstraßenfahrer zur deutschen Straßenmeisterschaft mit Start und Ziel auf der traditionellen Solituderennstrecke bei Stuttgart. Mit 180 Meldungen in der Seniorenklasse und 184 Nennungen bei den Junioren haben die diesjährigen deutschen Straßenmeisterschaften ein überaus starkes Teilnehmerfeld erhalten. Im letzten Jahr starteten nur 94 Fahrer. Die Strecke ist etwas kürzer als die des vergangenen Jahres. Sie führt von der Solitude über Eltingen — Calw — Teinach - - Herrenberg und zurück zu Start und Zii 1 (193,6 km). An der Fahrt beteiligen sich die besten Fat rer aus ganz Deutschland einschließlich Bei lins. Wetterbericht Vorhersage: Nach vorübergehender Wetterbesserung bereits am Donnerstag wieder Eintrübung und strichweise Regen. Temperaturen im ganzen ohne wesentliche Änderung. Westliche Winde. „Religion ist Opium" — für Osteuropa Wie die Liquidierung des Christentums inszeniert wird Verhältnisse wie zur Zeit der Märtyrer Voo Michael Bnnt Nach einer Mitteilung des Priesterreferates Königstein befinden sich gegenwärtig in Westdeutschland fast 3000 heimatvertriebene Priester. Noch viel höher dürfte jedoch die Zahl derjenigen Geistlichen sein, ehe in Osteuropa unter Verhältnissen zu leben gezwungen sind, die denen der ersten, christlichen Märtyrer nicht viel nachstebeH. So beziffert das päpstliche Handbuch für 1950, das „An- nuario Pontifieio“ unter den Opfern der Re- ligionsverfolgungen im Osten allein 34 Erzbischöfe, Bischöfe und Generalvikare, die sich ln Gefängnissen und Konzentrationslagern befinden. Östliche Pfarrämter veröden Die Vorgänge, die ln den letzten Jahren aus der deutschen Ostzone bekannt geworden sind, lassen an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig. Bereite Ende vergangenen Jahres waren 900 Pfarrstellen unbesetzt. Prof. Dr. Fischer von der Kirchlichen Hochschule Berlin wies ln diesem Zusammenhang nach, daß dadurch annähernd 4 Millionen evangelische gläubige ohne ausreichende geistliche Ver- orgung wären. Aber selbst die amtierenden rer sind vielfach gezwungen, in Kohlenaben zu arbeiten, um ihre Familien zu er- ren. Kaum, daß für den sonntäglichen ottesdienst oft noch Zeit bleibt. Da die Kir- S en schlechthin als .kapitalistische Mächte erersten Ranges“ angeprangert werden, «heut man auch nicht davor zurück, die bom- »engeschädlgten Gotteshäuser in „Neubürger- vohnungen“ umzubauen. Nach Informationen ler evangelischen Kirchenleitung von Berlin- Brandenburg wurde z. B. der Abbruch der Rüther-Kirche ln Cottbus gefordert und in tinem Dorf in Brandenburg ein Kirchturm )us dem 14. Jahrhundert abgerissen. Ja, die .Chemnitzer Volksstimme“ fordert sogar die Abschaffung der Begräbnisse und schlug statt dessen eine obligatorische Feuerbestattung vor, „um durch die Anlage von Gräbern nicht dem werktätigen Volke wertvollen und für die Volksgesundheit unentbehrlichen Boden zu entziehen.“ Baltische Leiden Wohl mit am schwersten wurde die baltische Bevölkerung betroffen. Der nach Paris geflüchtete litauische Pfarrer Krupavizius gibt darüber folgenden Bericht: Über 60 % aller evangelischen Kirchen Litauens sind geschlossen. Alle Bischöfe bis auf eine Ausnahme deportiert. Ein großer Teil der gesamten Pfarrerschaft umgekommen oder zwangsmäßig ausgesiedelt. Kirchen, die die hohen Steuern nicht aufbringen konnten, verfielen der Beschlagnahmung. Schülern und Studenten ist jegliche Teilnahme am kirchlichen Leben untersagt. In Estland werden die Konfirmation mit 1000 Rubel, die kirchliche Trauung mit 1500 Rubel besteuert, Beträge, die nur die wenigsten mehr aufbringen können. Inzwischen soll nach Informationen aus der Vatikanstadt auch der letzte, in Litauen verbliebene Erzbischof von Kaunas, Mgr. Paltokeras, zurückgetreten sein. Die Bischöfe von Wilna, Kaisedonis und Telsiai wurden amtsenthoben und der Bischof von Telsiai in Wilna darauf öffentlich hingerichtet. Insgesamt wird die Zahl der von den Russen deportierten Katholiken auf 700 000 geschätzt, die der Priester auf 1000. Von den 21 Kirchen in Kaunas soll nur noch eine einzige geöffnet sein. Und auch diese unter staatlicher Überwachung. Tschechoslowakei — ein Kerker In der Tschechoslowakei dauert der Kirchenkampf nun schon über 30 Jahre. Bereite mit der Gründung der CSR im Jahre 1918 führte die Reaktion gegen das vergangene Habsburger Regime zum Übertritt von nahezu 1 Million tschechoslowakischer Katholiken in die „Tschechoslowakische Staatskirche“. Erst der Initiative Josef Berans, des damaligen Professors und späteren Rektors des Prager Priesterseminars, gelang es, diese „Los- von-Rom-Bewegung“ wieder zu besänftigen. 1942 wurde Beran von der Gestapo mit 70 seiner Seminaristen in das Konzentrationslager Dachau gebracht Nach Kriegsende kehrte er an die Prager Universität zurück und wurde dann 1946 zum Erzbischof berufen. Zwei Jahre später siebt sich Josef Beran erneut in seinem eigenen Palais interniert Er darf weder Besuche noch Post empfangen. Die katholische Presse wurde bis auf wenige, streng zensierte Ausnahmen verboten. Die konfessionellen Schulen wurden aufgelöst, die theologischen Fakultäten in Prag und Olmütz, die beiden ältesten tschechoslowakischen Hochschulen, geschlossen. An Stelle der römisch- katholischen Bischöfe legten die nichtkatholischen Würdenträger, der Patriarch ^md vier Bischöfe der Nationalkirche, den Treueid auf die Regierung ab. ...und die polnischen Priester Auch in Polen, dessen katholischer Bevölkerungsanteil über 90 % beträgt zeichnet sich dieselbe Situation ab. Um wenigstens die seelsorgerische Tätigkeit weiter ausüben zu können, nahmen die Geistlichen die Gesetzvorlage an, die ihnen gleichzeitig erhöhte Be- * züge gewährte — und sie praktisch zu Staatsbeamten machte Trotzdem geht der Kampf offiziell und inoffiziell mit derselben rigorosen Entschiedenheit weiter. Nach einer neuen Verfügung wurde der Grundbesitz aller Kirchen dem Bodenreformgesetz von 1948 unterworfen, was der Enteignung der Kirchen gleichkommt. Die Erziehung entgleitet unabänderlich den kirchlichen Stellen. Die Beeinflussung des Staates wächst von Tag zu Tag. Der Vorgang gleicht einem unterirdisch schwelenden Feuer. Ungarns Klerus ohne Gehalt Auch Ungarn galt bisher als eine Domäne der katholischen Christenheit, die über drei Viertel der Bevölkerung ausmacht. Trotzdem ereignete sich gerade hier die Tragödie mit der Verhaftung und Folterung Kardinal Mind- szentys. Doch leisteten die Geistlichen aller christlichen Konfessionen den Loyalitätseid auf das volksdemokratische Regime, der ihnen gebietet, „Dienstgeheimnisse zu wahren und den Interessen des Volkes zu dienen“. Zur selben Zeit wurden die beiden lutherischen Bischöfe Dr. Gabor Vladar und Bischof Ordas zu Gefängnisstrafen'verurteilt. Entgegen den Versprechungen, so betonte der ungarische Minister für Erziehung und religiöse Angelegenheiten, Ortutaty, sei von der katholischen Kirche „bisher kein Zeichen der Verständigungsbereitschaft gegeben worden.“ Eine der Folgen davon ist, daß die staatlichen Gehaltszahlungen an den katholischen Klerus seit Monaten nicht mehr erfolgt sind. An ihrer Stelle wird die orthodoxe Kirche großzügig unterstützt. Ersatz-Religion aus Moskau Dieselben Vorgänge wiederholen sich mit monotoner Gleichmäßigkeit in Rumänien und in Bulgarien. Die rumänischen Bischöfe sind verhaftet und sehen ihrem Prozeß entgegen, die 1400 rumänischen Ordensschwestern aus ihren Klöstern vertrieben. Die noch verbliebenen Priester müssen sich nach den Worten des Patriarchen, Justinian Marina, einer besonderen Ausbildung unterziehen, „um mit dem neuen Geist der Kirche Schritt zu halten“. Den opponierenden Geistlichen wurden die Gehälter gestrichen. Auch in Jugoslawien sieht sich die katholische Kirche demselben Kampf ^uf Leben und Tod ausgesetzt, der nach Aussagen jugoslawischer Flüchtlinge bisher über 500 Priestern das Leben gekostet haben soll. Wer wird bei dieser mit zunehmender Härte geführten Auseinandersetzung als Sieger hervorgehen? „Religion ist eine Art geistiger Wodka“ schrieb Lenin, „in dem die kapitalistisch«! Sklaven ihre Menschenwürde und ihren Anspruch auf ein menschliches Leben ersäufen.“ Nach dem bis jetzt vorliegenden Tatbestand aus Osteuropa dürfte kein Zweifel darüber bestehen, auf welche „Religion“ diese Charakterisierung zutrifft. IE FRAU Ja, Oie Männer ... Es üt auffallend, wie sehr man sieh in allen Frauenzeitschriften bemüht, wieder jenen Typ anzustreben, den man früher einmal mit dem Begriff „Dame“ umriß. Daß die Zeitläufe erheblich dazu beigetragen haben, uns von diese -i Ideal zu entfernen, ist zwar eine Feststellung, aber damit noch keine stichhaltige Entschuldigung. Wie gesagt, man ist bemüht, und wir sind auch bemüht, Saloppheit und Nonchalance zu verringern und zu jenen Formen zurückzukehren, die — äußerlich wie innerlich — das ausdrücken, was man bei einem Mann mit „Haltung“ bezeichnen würde. Apropos, es sei aber .auch einmal erlaubt, den Spieß umzukehren und, ohne dabei den bewußten • Oberlehrerzeigefinger zu erheben, zu fragen: Wie ist es denn mit den Göttlichen, den Starken, den sogenannten Herren der Schöpfung, die uns so besonders gerne einen Spiegel Vorhalten? Was blieb denn bei Ihnen haften von jenem Typ, den man in den angelsächsischen Ländern mit dem Begriff „gent- leman“ umreißt? Oh nein, jetzt kommt nicht das Beispiel von der Straßenbahn, wo man sich geflissentlich hinter der Zeitung vergräbt, um nicht etwa seinen Platz anbieten zu müssen, auch nicht die Sache mit dem eiligen, überlasteten Geschäftsmann, der vor den bereits wartenden Frauen in die Amtszimmer stürzt. Nein, das alles wollen wir heute beiseite lassen. Man kann schließlich keine fremden Menschen erziehen, wenn man im engsten Umkreis noch so viel auszusetzen hat. Es ist sehr viel in Vergessenheit geraten! Vor allem die kleinen Aufmerksamkeiten, die entweder gar kein — oder nur sehr wenig Geld kosten. Wie wenig Männer denken zum Beispiel noch daran, einer Dame in den Mantel zu helfen und welcher Ehemann hilft seiner eigenen Angetrauten hinein? Oder die kleine Aufmerksamkeit bei einem Besuch, ein Blumenstrauß, ein kleines Buch oder um wieder auf .die sich vernachlässigt fühlende Ehefrau anzuspielen, das bewußte kleine Geschenk „außer der Reihe“: ein Fläschchen Kölnisch Wasser, £ine Hautcreme, eine Tafel Schokolade, etwa am Waschtag überreicht mit ein paar lieben Worten, läßt alle Mühen und Plagen in ein Nichts zerrinnen. Und wenn wir schon beim „Vergessen“ sind. Der Frau wurde in den Kriegs- und Nach- ktiegsjahren soviel zusätzliche Last aufgebürdet, die sie — weil sie erledigt werden mußte — selbstverständlich und ohne Murren auf sich nahmen. Aber nun wäre es langsam an der Zeit, daran zu denken, daß ein Großteil dieser Dinge vom Mann erledigt werden könnten und sollten. Wer holt denn immer noch die Kohlen aus dem -Keller? Wer putzt die Schuhe und wer schleppt Pakete oder große Stücke auf die Post? Es fällt auf, daß man zwar von uns ein gepflegtes Aussehen, liebenswürdige Manieren, Charme und Beflissenheit erwartet, daß aber eigentlich auf der Gegenseite wenig geschieht, um uns diese sicherlich erstrebenswerte Vollendung zu ermöglichen. Ich glaube, dem vollendeten Kavalier wird sich sehr schnell eine vollendete Dame präsentieren. Doris Werner Wae Ift „Denier" und „gauge"? Jede Frau schätzt heute die strapazierfähige Qualität von Nylon- und Perlonstrümpfen, aber nur selten weiß sie mit den auf den Verpackungen aufgedruckten Bezeichnungen „de- nier“ und „gauge“ etwas anzufangen. Doch gerade diese Aufschriften sind es, die ihr über die Feinheit des verwendeten Games einerseits und die Fein- oder Grobmaschigkeit des Gewebes andererseits Aufschluß geben können. Jedes Garn trägt eine Nummer, die die Feinheit des Fadens bezeichnet. Bei Seide, Kunst- . se'Ie und synthetisch hergestellten Faden erkennt man die Feinheit des Fadens an der Höhe der Zahl, die dem Begriff „denier“ beigefügt ist. Diese Zahl besagt nämlich, wieviel Gramm ein 9000 Meter langer Faden des Strumpfes wiegt. Trägt ein Strumpf z. B. den Vermerk „30 denier“, so wiegt ein Faden Heiratöziffern - Wieder und wieder beschäftigen sich Zeitungen und Zeitschriften mit der sogenannten „Ehekrise“ und Rechtsanwälte wissen ein Lied von der ständig ansteigenden Zahl der Eheschließungen zu singen. Psychologen und andere Berufene bemühen sich, eine Lösung zu finden und die nur allzu losen Ehen wieder festzufügen, ihnen einen gesunden und beständigen Boden zu schaffen. Und doch müssen alle diese Bestrebungen mehr oder weniger unfruchtbar bleiben, so lange das Übel nur in seinen Auswirkungen geheilt und nicht an seiner Wurzel angepackt und ausgerottet wird. Die Wurzel des Übels aber ist in vielen Fällen die sinkende, oder sogar fehlende Moral und Gläubigkeit und die Leichtfertigkeit, mit der heute oftmals Ehen eingegangen werden, ohne daß sich die Eheleute über den Ernst des Schrittes im klaren sind, oder gar gewillt wären, mit ihrer Ehe eine Verantwortung zu übernehmen und zu tragen. Wenn man einmal in den Statistiken blättert und sieht, in welch krasser Weise die Heiratshäufigkeit in den letzten Jahrzehnten, vor allem bei den jungen und jüngeren Jahrgängen zugenommen hat, dann weiß man, daß hier einer der großen Gefahrenpunkte liegt, an denen die Ehen kranken. Die jungen Menschen sind einfach noch nicht in der Lage, eine Ehe zu führen. Oftmals wissen sie über sich selbst noch nicht Bescheid, wissen nicht, was sie im Leben eigentlich erreichen wollen, und haben keinen Beruf, zumal die meisten Menschen durch die Not und die Umwälzungen der letzten Jahre in innere Konflikte gekommen sind, mit denen sie von heute auf morgen nicht fertig werden können. Und doch wird geheiratet und — in wenigen Jahren wieder geschieden. Mehr und mehr verliert die Ehe ihren Wert als unlösliche Lebens- und Schicksalsgemeinschaft. Lassen wir einmal kurz die nüchternen und trockenen Zahlen sprechen: In den Jahren 1924 bis 1926 wurden in Württemberg jährlich durchschnittlich 17 527 Ehen geschlossen. Von Jahr zu Jahr stieg diese Zahl an und 1948 wurden in Württemberg-Baden bereits 39 438 Ehen eingetragen. Man muß dabei in Rechnung ziehen, daß in Württemberg 1925 nur 2 579 453 Einwohner gemeldet waren, während Württemberg-Baden 1948 3 834 155 Einwohner zählte. Dennoch überraschen diese Zahlen: hat sich die Zahl der Einwohner um die Hälfte erhöht, so ist die Zahl der Eheschließungen um das Doppelte gestiegen. Von 1924 bis zum Kriegsausbruch heirateten nur etwa 0,04 vom Tausend der gesamten unverheirateten männlichen Bevölkerung unter 19 Jahren. Schon kurz nach dem Krieg, im Jahre 1946, heirateten 2,08 und 1948 gar 2,49 vom Tausend der gesamten unverheirateten Bevölkerung unter 19 Jahren. Das ist in kaum einem Jahrzehnt eine Steigerung um das Sechzigfache! dieses Strumpfes mit einer Länge von 9000 Meter 30 Gramm, hat der Strumpf jedoch nur „15 denier“, so wiegt ein Faden der gleichen Länge nur 15 Gramm. Der Strumpf wird dementsprechend leichter, aber meist auch empfindlicher sein. Der Begriff „gauge“ aber verrät, wieviel Wirknadeln auf eineinhalb Zoll (38,1 mm) verwendet worden sind Die meisten Nylonstrümpfe haben „51 gauge“, d. h. auf eine Breite von 38,1 mm kommen 51 Wirknadeln. Je höher diese Zahl ist, je mehr Nadeln also verwendet wurden, desto feiner wird das Gewebe des Sturmpfes sein. einft unö je$t? Bei der weiblichen Bevölkerung steigt die Heiratshäufigkeit in den jüngsten Jahrgängen schon seit 1924 ständig. Aber auch hier brachte der Krieg einen verblüffenden Aufschwung mit sich. 1924 heirateten 1,21 vom Tausend der weiblichen unverheirateten Gesamtbevölkerung unter 18 Jahren, 1938 waren es schon 5,99 vom Tausend und 1948 sogar 15,8 vom Tausend der Altersstufen bis zu 18 Jahren. Von 1924 bis 1948 haben wir hier also eine • Steigerung um das Fünfzehnfache vor uns. Vielfach vertreten Erwachsene die Meinung, die Jugend sei durch ihre schweren Erlebnisse gereift. Ich glaube vielmehr, daß die Jugend heute in einem Leben steht, mit dem sie noch nicht viel anzufangen weiß, das ihr aber bewiesen hat, daß es keine Sicherheiten zu bieten hat. Was waren für sie Heimat, Elternhaus, Eltern, also die größten Sicherheiten, die es für einen jungen Menschen geben kann? Sie wurden vertrieben, ihr Elternhaus wurde zerstört, die Eltern vielfach verschleppt. Diese jungen Menschen haben gelernt, daß sie alles, aber auch alles binnen Stunden verlieren können, so wurde in ihnen der Wunsch geweckt, das Leben zu genießen, mitzunehmen, was nur immer sich bietet, bevor sie ein neuer Schicksalsschlag trifft. Unter diesen Gesichtspunkten werden viele der jungen Ehen gegründet. Es sind nur noch wenige Kreise, die von diesem allgemeinen Zerfall noch nicht angesteckt wurden: die Bevölkerung der kleineren Städte und Dörfer, deren Leben noch heute auf alten Traditionen fußt und noch heute in einem tiefen Glauben wurzelt. Bei diesen Menschen liegen die Kraftquellen für eine Gesundung. Es kommt nur darauf an, daß sie sich dessen bewußt sind und dafür sorgen, daß diese Quellen lebendig bleiben und allen Menschen zugutekommen, die ihrer bedürfen. cb Verkehrte Welt Im Ballfaal Infolge des Krieges herrscht in Deutschland . großer Männermangel. Berlin und Hamburg sind die Städte mit dem größten Frauenüberschuß. Um heiratslustige Frauen „an den Mann zu bringen“, veranstaltet ein Hamburger Gastwirt seit einiger Zeit regelmäßig den „Ball paradox". Dabei stehen die sonst üblichen Umgangsformen Kopf: die Frau gibt den Ton an. Sie kommt allein oder höchstens in Begleitung einer Freundin. Dann wirbt sie um den Mann, bittet ihn zum Tanz, nicht umgekehrt. Die Damen kommen mit festen Absichten, sie wollen sich nicht amüsieren, sondern heiraten. Natürlich muß bei diesen Fällen streng auf Niveau gehalten werden, und unerwünschte Gäste werden höflich, aber bestimmt hinauskomplimentiert. Es hat sich dabei herausgestellt, daß die Frauen ein sicheres Gefühl für das Solide haben. Und.die ersten Ehen sind inzwischen bereits geschlossen worden. Klemer medizinischer Ratgeber Bauchfchmerzen Die Schmerzzustände im Bauch treten meist kolikartig, d. h. anfallsweise auf. Besonders Kinder klagen häufig über „Bauchweh“ und lokalisieren es vorwiegend in die Nabelgegend. Dabei denkt man immer zuerst an Würmer und führt ein paar tüchtige Wurmkuren (heute stehen ja wieder die guten Chenopo- dium- sowie Gentianaviolettpräparate zur Verfügung). Vielleicht klärt auch ein bald einsetzender Durchfall die Lage. Wird aber hartnäckig weitergeklagt und speziell morgens vor der Schule oder vor bevorstehenden Klassenarbeiten, so kann man beinahe überzeugt sein, daß es' sich um nervöse Bauchschmerzen handelt, die sich in den Ferien verlieren werden und dann vielleicht nicht mehr kommen. Bei Kindern und jugendlichen Patienten kann einmal eine Lungenentzündung, besonders eine rechtseitige, mit unklaren Bauchschmerzen beginnen. Der plötzliche Beginn, Fieber und hochrote Wangen zeigen aber bald an, daß etwas Ernsteres vorliegen muß. Das Leibweh kann sebstverständlich von allen in der Bauchhöhle liegenden Organen ausgehen, aber auch aus der Nachbarschaft dorthin projiziert werden: Der Magen kann schon bei bloßer Überfüllung mit Krämpfen reagieren. Kehren allerdings die Schmerzen periodisch wieder und in bestimmtem Zusammenhang mit Nahrungsaufnahme oder Jahreszeit, muß an ein Geschwür in Magen oder Darm gedacht werden. Ein scharfer plötzlicher Schmerz mit Brechreiz und zum Teil blutigem Erbrechen und trockener Zunge zeigt den Durchbruch eines Geschwüres an. Zunächst gilt strengste Ruhe bis zur Möglichkeit der Operation. Wer einen Gallensteinanfall, eine Gallenkolik miterlebt hat, wird diese heftigen Schmerzen unterm rechten Rippenbogen nicht vergessen. Sie strahlen besonders bis in die rechte Schulter aus. In solchen Fällen rufe man den Arzt. Gar nicht so selten gehen die Schmerzen von der Bauchspeicheldrüse aus: sie liegen im linken Oberbauch und strahlen nach links in Rücken und Schultergegend.Auch hier ist Ruhe und völliger Nahrungsentzug erforderlich, später möglichst fettarme Kost! Am häufigsten ist der Darm der Übeltäter: wer dächte nicht an die sogenannte Blinddarmentzündung, wenn er ein schmerzhaftes Rühren im rechten Unterbauch verspürt? Nichts trinken, nichts essen, keine Abführmittel. Alles weitere soll der zugezogene Arzt entscheiden. Beim richtigen Darmverschluß ist Schmerz, Erbrechen und Spannung des Leibes so alarmierend, daß er kaum übersehen werden kann. Ein eingeklemmter Bruch wird meist nur dann übersehen, wenn seither von seinem Vorhandensein nichts bekannt war, oder wenn es ein „innerer“ Bruch ist. Bei diesen Ereignissen ist eine sofortige Operation nicht zu umgehen. Schmerzen rechts oder links in der Art des bekannten „Seitenstechens“ weisen auf kleine Gefäßverschlüsse in Milz oder Leber hin, sind im allgemeinen nicht beängstigend und verschwinden nach einigen Tagen von selbst. In seltenen Fällen lösen Nierensteine den Schmerz aus. Er strahlt besonders in den Unterleib. Bei der Frau kommen noch die Schmerzen ln Betracht, die von den Unterleibsorganen und deren Geschwülsten ausgehen können. Dies sind aber mehr dumpfe und anhaltende Schmerzen, und sind manchesmal auch bei vollkommen normalen Organen vorhanden. Dr. Hnn. Dae Zaubermort ln Oer Klnöerftube Wie oft steht die Mutter noch nicht schulpflichtiger Kinder vor der schwierigen Aufgabe, Tränen zu trocknen, Zomausbrüehe zu besänftigen, Streitfälle zu schlichten! Da die Hausfrau auf den verschiedensten Gebieten immerfort zu tun hat, muß sich ihre Geduld und Aufmerksamkeit vervielfältigen, wenn sie auch die Beaufsichtigung der Kinder richtig leiten will. Es ist Unbedeutendes, was die Kleinen entzweit: Sie wollen zu gleicher Zeit den gleichen roten Knopf, das gleiche Bilderbuch, dasselbe Bauklötzchen, sie glauben zu gleicher Zeit aus demselben Becher trinken zu müssen; jedes wil den Teig rühren, jedes die Löffel abtrocknen, jedes zum Fenster hinausschauen, jedes braucht die Sandschaufel. Der Wunsch nach dem alleinigen Besitz, der Egoismus also und die Rechthaberei 'sind schon im Kleinkind so ausgeprägt, daß es wenig Hemmungen kennt und frühere Ermahnungen zu gutem Betragen und liebevollem Teilen oft vergißt. Die Kinder in solchen Situationen auseinanderzureißen, sie zu schelten und zu schlagen, wo sie selbst meistens sich gegenseitig in die Haare geraten, ist kein wirksames Mittel, denn es zieht Nervosität, Verstimmung und Ärger nach sich. Am meisten wird darunter die Mutter leiden, denn sie beruhigt sich weniger schnell als die Kinder, die sich, wenn sie gesund sind, bald an das laute Wesen der Mutter so gewöhnen, daß ihnen Heftigkeit und Gezeter nichts mehr ausmacht Im Gegenteil: sie leiten sich daraus das Recht ab, ebenso geräuschvoll im Redep und Handeln zu sein, so daß man in vielen Fällen von einem „tumultuösen Hauswesen“ sprechen kann. Die Mutter fühlt sich infolge der ständigen Störungen durch die Kinder bedrückt und ermattet besonders wenn ihre Leistungsfähigkeit durch schweres Kriegsschicksal oder komplizierte Lebensumstände vermindert ist Die Kinder sind ihr manchmal keine Freude, sondern eine Last. Wie ist es möglich, ihr zu helfen, den täglichen Auseinandersetzungen in der Kinderstube wirksam zu begegnen? Die Mutter sollte vor allen Dingen darauf achten, ob Streit durch Hunger, Durst oder Übermüdung der Kinder hervorgerufen wurde. Der Durst der sehr viele Kinder quält ohne daß sie dies genau zu erkennen vermögen — etwa bis zum 4. Lebensjahr — zeigt sich in Weinerlichkeit Ungeduld und zappeligem Wesen. Wenn Kinder Hunger haben, sind sie genau so gereizt wie die Erwachsenen, und Übermüdung bringt auffallende Veränderungen im Wesen auch eines sonst fröhlichen Kindes mit sich. Wenn die Mutter diese drei Faktoren in sorgender Voraussicht beachtet, wird sie viele Unruhe und Aufregungen vermeiden. Die Formel: „Kinder müssen warten“, ist gerade hier nicht angebracht, da hungrige, durstige oder übermüdete Kinder keinen Normalfall darstellen, der erzieherische Versuche zur Bescheidenheit rechtfertigt. Es gibt in der Kinderstube Streitfälle genug, die Überraschungsmomente für die Mutter bringen. Es handelt sich dann darum, sogleich als ruhige Vermittlerin und Friedensstifterin aufzutreten. Und nun soll das Zauberwort gefunden werden — und wirken! Daß es nicht im Gezeter liegt, wurde erwähnt. Es liegt auch nicht im Eingehen auf die Wünsche der Kinder oder in Auseinandersetzungen darüber, wer recht hat Das Zauberwort liegt nur in der Ablenkung vom Streitobjekt: „Schau mal, was macht denn die Fliege an der Wand dort? — Hast du schon die übrigen Kartoffel in der Schüssel gezählt? — Hat der Emil gesagt, daß er dich heute besucht? — Was ist denn das für eine Automarke, die da unten steht? — Wie lange hat das Dornröschen geschlafen? — Wie haben die sieben Kinder der Gaisenmutter geheißen? — Was für ein Küchlein sollen wir backen?“ usw. Die Ablenkung besteht stets in einer Frage, damit die Gedanken der Kinder auf die Antwort und damit auf den neuen Gegenstand gelenkt werden. Es ist nun möglich, daß die erste Frage keinen Eindruck macht Dann frage die Mutter ruhig weiter, irgend etwas aus dem''allernächsten Interessengebiet der Kinder. Durch das gemeinsame ernsthafte Besprechen des Gegenstandes wird sehr bald die Eintracht wiederhergestellt. Das Streitobjekt wegzuräumen, hat die Mutter inzwischen Zeit. An den kleinen Gesprächen der Ablenkung können schon Zweijährige teilnehmen. Die sprachliche Ausdrucksfähigkeit der Kinder wird^ herangebildet und das Gefühl für ihre kleine Umwelt gefördert gleichzeitig aber auch die Autorität der Mutter durch ihre ruhig-feste Haltung gehoben. Handelt es sich um besonders heftige Kin- . der, so ist es zu empfehlen, eines der Streitenden in einen anderen Raum zu führen, indem man etwa fragt: „Hast du gesehen, wie schön dein Bettchen überzogen ist? — Glaubst du, daß dein Bettchen heute Abend auf dich wartet? — Hast du deine Puppe und deinen Etroae zum Die Weisen sagen: „Beurteile niemand, bis du an seiner Stelle gestanden hast.“ (Goethe) Es gibt Menschen, die auf die Mängel ihrer Freunde sinnen. Dabei ist nichts zu gewinnen. Ich habe immer auf die Verdienste meiner Widersacher acht gehabt und davon Vorteil gezogen. (Goethe) Ich habe immer gefunden, die sogenannten schlechten Leute gewinnen, wenn man sie näher kennenlemt, und die guten verlieren. (Lichtenberg) Es ist doch ein Elend mit uns Menschen! Täglich sprechen wir von Liebe und Humanität, und täglich beleidigen wir auf Wegen, Stegen und Treppen irgendein Mitgeschöpf. (Keller) Groß, wahrhaftig groß ist doch nur der . Mensch, der große Liebe besitzt. (Thomas von Kempen) Eine Mutter setzt immer voraus, daß die Welt von ihrem Kummer um ihr Kind erfüllt ist (Bonseis) Bär schon versorgt? — Hast du des Vaters Hausschuhe an den richtigen Platz gestellt?“ usw. Durch die veränderte Umgebung wird sich das Kind beruhigen, und die Geschwister, die sicher bald nachkommen, nehmen an der kleinen Unterhaltung teil. Nachher kann die Mutter sich überlegen, ob sie den Streitfall moralisch betrachten will, um daran in ruhiger Weise Erklärungen und Ermahnungen zu knüpfen. Die Kinder sind dafür aufgeschlossen, da sie schon Abstand von dem Streitfall haben, denn für sie liegt dergleichen bald lange zurück. Freilich — es ist kein Zauberwort stark genug, um den Streit in der Kinderstube ganz auszuschalten. Aber das Zauberwort, die Ablenkung. 4 gjrd der Mutter doch immer und immer wieder willkommen sein. Das trifft auch beim Einzelkind ~u, das durch unerfüllbare Forderungen vorwiegend mit Erwachsenen in Konflikt kommt. E. Denzel Nachdenken Der bei der Arbeit singende Mensch ist das Bild höchster Lebenskraft. (Otto March) Eine rechte Mutter ist aller Söhne Mutter. (Bonseis) Mit wahrhaft Gleichgesinnten kann man sich'auf die Länge nicht entzweien, man findet sich immer wieder einmal zusammen; mit eigentlich Widergesinnten versucht man umsonst, Einigkeit zu halten, es bricht Immer wieder einmal auseinander. (Goethe) Ich habe heilig geschworen, mich mit meinem Maulwurfsgesicht in gar nichts mehr zu melieren und zu mengen, alle kleinen Freuden aufzuhaschen, aber sie ja nicht zu anatomie- ren. Mit einem Wort, — täglich mehr in den Kindersinn hineinzugehen, denn das ist summa summarum doch das Wahre. (Frau Rat Goethe) Man spricht viel zu leichtfertig vom Lachen in der Welt Ich halte es für eine der ernsthaftesten Angelegenheiten der Menschheit. (Raabe) Die Gefahren der Landstraße: 14 Tote und 11S Verletzte im Landkreis Brudtsal 4414 zugelassene Fahrzeuge gegenüber 3000 vor dem Kriege Wie die Verkehrsabteilung des Landratsamtes mitteilt, haben sich im ersten Halbjahr 1950 im Landkreis Bruchsal, einschließlich der Stadt Bruchsal 14 Verkehrsunfälle mit Todesfolge, 115 Verkehrsunfälle mit Personen- und Sachschäden und 100 Verkehrsunfälle lediglich mit Sachschäden ereignet.. Zusammen ergibt das die ungewöhnlich hohe Zahl' von 226 Verkehrsunfällen, von denen mindestens ein beachtlicher Teil bei genügender Aufmerksamkeit aller am Straßenverkehr beteiligten Personen hätte vermieden werden können. Zu berücksichtigen ist, daß die Anzahl der Todesfälle nur die an Ort und Steile getöteten Personen enthält. Von den Verletzten, die cn die Krankenhäuser von Bruchsal oder Heidelberg eingeliefert wurden, ist nachträglich noch mancher gestorben, wie dies u. a. bei dem am Sonntag auf der Autobahn zwischen Leon und Walldorf sich zugetragenen Zusammenstoß der Fall war. Die hohe Zahl der Verkehrsunfälle können wir uns auf die Dauer nicht leisten. Jeder Verkehrsteilnehmer muß schon in seinem eigensten Interesse dazu beitragen, daß Unfälle verhütet werden. Es geht unseres Erachtens, um nur ein Beispiel zu nennen, nicht an, daß in dem den Fußgängern vorbehaltenen gesperrten Teil der Bruchsaler Luisenstraße einzelne Radfahrer zur Mittagszeit rücksichtslos die von der Schule kommenden Kinderscharen gefährden, daß die schmale Passage gar von Motorrädern und Personenkraftwagen zur Durchfahrt benutzt wird. Tödlicher Verkehrsunfall auf der Autobahn Ein aus Richtung Heidelberg kommender Lastzug fuhr am Dienstag auf der Autobahn bei Karlsruhe-Durlach mit voller Geschwindigkeit auf einen stehenden Lastzug auf. Bei dem Zusammenstoß wurde der Beifahrer des auffahrenden Lastzuges getötet. Der Fahrer wurde schwer verletzt. Verkehrsunsichere Fahrzeuge Die Meinung, daß sich eine große Zahl verkehrsunsicherer Fahrzeuge durch die Kriegsund Nachkriegsverhältnisse bedingt, im Verkehr befinde, wird durch die Verkehrsunfallstatistik widerlegt. Nur ein verhältnismäßig geringer Prozentsatz der Unfälle hat seine Ursache in den täglichen Mängeln der Fahrzeuge. Die Hauptgefahrenquelle liegt im fehlerhaften Verhalten der Menschen selbst. Unaufmerksamkeit, Gleichgültigkeit, Leichtsinn und Verkehrsentwöhnung in den Kriegsund Nachkriegsjahren sind die tatsächlichen Ursachen für die besorgniserregende Entwicklung der Verkehrsunfälle. Mit Rücksicht auf die erhöhten Unfälle kann die Behörde z. B. der von der Bevölkerung der Gemeinde Kirrlach geforderten Einrichtung einer Stoppstraße als Autobahn-Zu- und Ausfahrt bei Kronau nicht zustimmen. Die Polizei appelliert daher an alle Teilnehmer am Straßenverkehr, ihr Verhalten so einzurichten, daß kein anderer geschädigt, oder mehr als nach den Umständen unvermeidbar verhindert oder belästigt wird. R. S. dar, die den Menschen dem Vermassungsprozeß unserer Tage entreißt und ihn -wieder zu einer Persönlichkeit werden läßt. Die kapital- bildende Zugkraft des Eigenheimgedankens hat sich bei der GdF Wüstenrot in Spargeldjahre um ein Vielfaches übertroffen. Wüstenrot allein hat seit dem Währungsstichtag für ihre Bausparer 66 Millionen DM, davon im Jahre 1950 über 36 Millionen DM, bereitgestellt. Die Kasse schätzte anfangs dieses Jahres ihren Beitrag für den Wohnungsbau 1950 auf 40 Millionen DM. Dieser Betrag ist schon bis Juni nahezu erreicht worden. Die GdF rechnet damit, für Eigenheime ihrer Bausparer in diesem Jahr noch weitere 35 Millionen DM zur Verfügung stellen zu können und damit nach der Währungsreform auf eine Gesamtleistung von 100 Millionen DM zu kommen. Laß Didt nicht gelüsten . • • Die soll ihren Denkzettel kriegen, sagte sich S., als er ein Huhn seiner Nachbarin ängstlich in seinem Garten herumflattem sah. Nicht das Huhn, die Nachbarin meinte er damit, mit der er seit langem nicht mehr im besten Einvernehmen stand. Also fing S. das arme Huhn ein, sperrte es in seinen Stall und verkaufte es am folgenden Tag. Viele Hüfo- nerhöfe gibt es auf der Welt, aber gerade in den Hühnerhof des betreffenden Käufers hatte die Nachbarin kommen müssen! „Mein Huhn!“ ruft sie freudig überrascht, und der Besitzer schaut sie seltsam berührt an. S. hatte sich zwar nur eines einfachen Diebstahls schuldig gemacht, aber- eines Diebstahls im Rückfall, denn S. ist kein unbeschriebenes Blatt mehr. Bereits 3 Diebstähle sind in seinen Strafakten verzeichnet. Seine letzte Gefängnisstrafe (1 ¥i Jahre) wegen fortgesetzten Diebstahls brummte er 1943 ab. Das Gericht verurteilte den bewährten Langfinger diesmal wegen Diebstahls-Rückfall zu 3 Monaten und 1 Woche Gefängnis. Verkehrsunfall. Am Montag' ereignete sich vor dem Uhrenhaus Stein in der Kaiserstraße ein Verkehrsunfall. Einem Personenkraftwagen folgte in kurzem Abstand ein Motorradfahrer. Als das Auto anhielt, konnte der Motorradfahrer sein Fahrzeug nicht mehr rechtzei, worauf sich herausstellte, daß der Arbeiter geflunkert hatte, in der Meinung, daß ihm sein Arbeitgeber daraufhin den Tag frei geben werde. Diebstähle. Wie sich erst jetzt herausstellte, wurden beim Brand des Radiohauses Leist in Hierbei ist zu beachten, daß es nicht genügt, sich selbst vorschriftsmäßig zu verhalten, es nuß immer damit gerechnet werden, daß der andere Verkehrsteilnehmer sich nicht so.ver- , hält, wie es notwendig ist. Dem Opfer eines Verkehrsunfalles nützt es, wenn er zum Krüppel geworden ist, wenig oder nichts, daß das Recht auf seiner Seite steht. Verdoppelung der Zulassungen In Bevölkerungskreisen wird vielfach die Vermutung geäußert, daß die Ursache der enormen Steigerung der Verkehrsunfälle in der vermehrten Zulassung von Kraftfahrzeugen zu suchen ist. Diese Ansicht trifft zum Teil zu. Am 30. September 1948 hatten wir im Kreis Bruchsal 1926 zugelassene Fahrzeuge: 1052 Krafträder, 404 Personenkraftwagen, 320 Lastkraftwagen, 40 sonstige Fahrzeuge und 146 Anhänger. Bis zum 30. Juni 1950 hat sich die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge mehr als verdoppelt. An diesem Tag liefen im Kreis Bruchsal 2 354 Krafträder, 873 Personenkraftwagen, 653 Lastkraftwagen, 32 sonstige Fahrzeuge und 504 Anhänger, insgesamt 4 416 motorisierte Fahrzeuge, während vor dem Kriege der Höchststand etwa 3000, betrug. Wüstenrot stellte 66 Millionen DM bereit. Bausparen für ein Eigenheim ist heute eine der beliebtesten Sparformen. Das von den Bausparern angestrebte Eigenheim ist sozialpolitisch von besonderem Wert. Als Form der Neubildung kleinen Eigentums stellt es den Kristallationspunkt einer neuen ßozialordnung zeitig zum Stehen bringen. Er bremste zwar* der Bahnhof Straße^ einige ^im Schaufenster noch, kam aber auf der nassen Straße ins * j- * Rutschen und prallte gegen den Personenkraftwagen. An beiden Fahrzeugen entstand geringer Sachschaden. Der freie Ta«. Auf etwas eigenartige Weise versuchte ein auf einer Bruchsaler Baustelle beschäftigter Arbeiter einen freien Tag zu bekommen. Seinem Arbeitgeber erzählte er,.daß er seiner Braut, mit der er in Streit geraten sei, Gift in das Kochsalz geschüttet habe. Der Arbeitgeber verständigte aus Sorge die Poli- Um Artikel 131 des Grundgesetzes Versammlung der verdrängten Beamten, Arbeiter und Angestellten Der Ortsverband Bruchsal des allgemeinen Beamtenschutzbundes hielt am Sonntag in der Brauerei Denner eine gut besuchte Mitgliederversammlung ab, um die Bedeutung von Artikel fSl des Grundgesetzes für die entrechteten Beamten, Angestellten und Arbeiter herauszustellen. Der Vorsitzende des Ortsverbandes, Jösel-Unteröwisheim, entbot den Versammlungsteilnehmern Gruß und Willkomm, insbesondere den beiden Rednern, dem Landesverbandsvorsitzenden Heimle und dem Verbandsgeschäftsführer Heß, beide von Mannheim. Artikel 131 des Grundgesetzes lautet: Die Rechtsverhältnisse von Personen, einschließlich Flüchtlingen und Vertriebenen, die am 8. Mai 1945 im öffentlichen Dienst standen und aüs anderen als beamten- oder tarifrechtlichen Gründen ausgeschieden sind und bisher nicht oder nicht ihrer früheren Stellung entsprechend verwendet werden, sind durch Bundesgesetz zu regeln. Das gleiche Praktische Winke für unsere Winzer Von Weinbauöberinspektor Meinke Sauerwurm. Der Mottenflug hat eingesetzt. Er muß, da er lagenweise nach Stärke und Zeit ganz verschiedenartig verläuft, genau beobachtet werden, um die Bekämpfungstermine örtlich richtig wählen zu können. Ueberall dort, wo mehr als ganz vereinzelt Mottenflug beobachtet wird, ist eine Bekämpfung erforderlich. Hierzu wird eine einprozentige Kupfervitriolkalkbrühe mit dem Zusatz von 1 kg Gesarol oder 25 g E 605 f zu 100 Liter Spritzbrühe empfohlen. Auch Niro- san (1 kg je 100 Liter Spritzbrühe) ist bei frühzeitiger Anwendung wirksam. Die Bekämpfung hat bei der Verwendung von Ge- saroi und Nirosan zum Zeitpunkt des Hauptmottenfluges (in Nordbaden in der Regel um 20. 7.) zu erfolgen. Bei Verwendung von E 605 f, das nur einige Tage wirksam ist, ist der beste Zeitpunkt für den Erfolg acht Tage nach dem Hauptmottenflug. Zum gleichen Zeitpunkt kann man auch anerkannte Nikotinpräparate mit Erfolg verwenden. Die Spritzung der Trauben hat nur durchschlagende Wirkung, wenn neben dem richtigen Zeitpunkt die Trauben unter starkem Drude unter Verwendung von Spritzdüsen mit feiner Bohrung förmlich mit Spritzbrühe gewaschen werden. Odium (Mehltau) tritt vielerorts auf. Es Ist daher zweckmäßig, den Spritzbrühen flüssigen oder Netzschwefel, 100 g je 100 Liter, zuzusetzen. Botrytis (Grauschimmel) bekämpft man durch Zusatz von 150 g Weinbergschmierseife (Hersteller: Bechtold & Förster, Weinheim- Bergstraße) auf 100 1 Spritzbrühe Schmierseife in heißem Wasser lösen, abkühlen lassen und der fertigen Spritzbrühe zusetzen. Sämtliche genannten Schädlinge können in einem Arbeitsgang bekämpft werden. Junganlagen u. Rebschulen sind, solange die feuchtwarme Witterung anhält, in Abständen von 4—5 Tagen bei 15—18prozen- tigen Kupferfertigpräparaten mit lprozentiger, bei 45—5Öprozentigen mit 0,5prozentiger Lösung zu spritzen. Muß auf nasse Reben gespritzt werden, ist eine Erhöhung der Konzentration um K bis % Prozent erforderlich. Bei bereits vorhandenem Peronosporabefall verspricht die Verwendung einer genau nach Vorschrift hergestellten Kprozentigen Kupfervitriolkalkbrühe besseren Erfolg. Auch hier muß, wenn auf nasse Reben gespritzt wird, eine Erhöhung der Konzentration auf L Proz. erfolgen. In Rebschulen muß jede Zeile intensiv von beiden Seiten gespritzt werden. Das Unkrautfreihalten des Bodens und laufende Heften in Junganlagen ist bei der großen Peronosporagefahr in diesem Jahre besonders wichtig. gelte für Personen, die versorgungsberechtigt waren und keine oder keine entsprechende Versorgung mehr erhielten. Der Landesverbandsvorsitzende Helmei erläuterte den bei der Bundesregierung bereits vorliegenden Referentenentwurf für die Regelung der Ansprüche des von Artikel 131 erfaßten Personenkreises. U. a. sehe der Entwurf vor: Volle Pensionszahlung für Pensionäre und Arbeitsunfähige in den unteren Gehaltsklassen, während in den oberen Gehaltsklassen bestimmte Kürzungen einträten, jüngere Leute dagegen erhielten, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt seien, ein Unterhaltsgeld von 58 Prozent des Ruhegehalts. Der Renner kam darauf auf das Verhältnis des Landesverbandes der entrechteten Beamten Zum Beamtenbund zu sprechen und betonte, daß eine loyale Zusammenarbeit erstrebt, werde. Die verdrängten Beamten, Angestellten und Arbeiter kämpften um die Sicherung ihrer eigenen und der Existenz ihrer Familien. Der Landesverband erstrebe keine Sonderrechte, sondern mache lediglieh die im Grundgesetz vorgesehenen Ansprüche geltend. Geschäftsführer Heß hob in seinem Referat besonders auf Sachlichkeit und Disziplin ab, ohne die heute nichts durchgesetzt werden könne. Nicht durch lautes Rufen „Ich will mein Recht!“ werde etwas erreicht, sondern nur durch unermüdliche Arbeit und durch steten Einsatz. An die Darlegungen der beiden Redner schloß sich eine lebhaft geführte Debatte an. Schluß gemacht werden müsse endlich einmal mit der Diffamierung der vom Befreiungsgesetz betroffenen Personen. Nicht alle seien sture Nationalsozialisten gewesen, die nur den eigenen Vorteil im Auge hatten. Im übrigen habe sich gezeigt, daß bei zahlreichen Denazifizierungsverfahren „die Kleinen gehängt, die Großen dagegen laufen gelassen worden wären.“ P. S. Wiesentaler Chronik der Wodte Die Beisetzung von Bezirk smeister Alexander Rolli Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde am Dienstag der Bezirksmeister beim Badenwerk, Alexander Rolli, zu Grabe getragen. Der Gesangverein „Sängerbund“ widmete dem Verstorbenen ein erhebendes Abschiedslied. Am Grabe hielt der Vorstand des Fußballvereins, Rupert Bauxnann, seinem langjährigen Kameraden einen ehrenden Nachruf. Im unerschütterlichen sportlichen Idealismus habe Rolli dem Fußballsport gedient und als Spielausschußvorsitzender lange Jahre hindurch die Geschicke des Vereins mitbestimmt. Besonders lag ihm die Jugend, der Nachwuchs, am Herzen, denen seine ganze Arbeit galt. Als Zeichen der Anerkennung legte er am Grabe, im Namen des Vereins, einen Kranz nieder. Der Sängerbund grüßte sein aktives Mitglied mit einem letzten feierlichen Lied. — Ein Vertreter des Badenwerks würdigte die Verdienste des Verstorbenen. Durch seine Pflichterfüllung, seinen" Arbeitseifer und sein großes Kameradschaftsgefühl, sei Rolli allen Vorgesetzten und bei seinen Kameraden überaus beliebt. Alle würden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. In Anerkennung seiner Leistungen im Dienste des Badenwerks und als Hochschätzung seiner Person wurde Rolli noch am Grabe der Titel „Bezirksmeister“ verliehen. Seine Kameraden grüßten ihn mit einem Kranz. Erschüttert nahm die Aktivität des FV 1912 von ihrem Kameraden Abschied und legte einen Kranz nieder, ebenfalls der Kraftsportverein, der Sängerbund und der Schuljahrgang 1898/99. Am Freitag, 20.30 Uhr, findet in der Rosenhalle die diesjährige Schulentlassungsfeier statt. Die Feier, die von der Schülerschaft und den Ortsvereinen feierlich ausgestaltet wird', steht unter dem Motto „Gott und Heimat.“ Alle Eltern und die gesamte Einwohnerschaft, wird zu dieser Feier herzlichst eingeladen. Im „Palast-Theater“ kommt vom 14.—17. Juli der große Abenteuerfilm „Es begann in Rio“, zur Au fführ ung. Als Zwischenprogramm wird am 19. und 20. Juli der große Lachschla- „Pat und Patachon im Paradies" aufge- ap. ausgestellte Gegenstände entwendet. Es han-' delt sich um einen Rundfunkapparat und um ein elektrisches Bügeleisen im Wert von zusammen 172.— DM. — In der Ritterstraße ließ eine Frau, während sie für ein paar Minuten in den Keller ging, den Schlüssel der Glastüre stecken. Als sie zurückkam, stand die Türe offen, und bei der Kontrolle der Wohnung entdeckte sie, daß während der kurzen Abwesenheit ein Dieb aus dem Küchenschrank einen Geldbeutel mit Inhalt gestohlen hatte. Teufel Alkohol. Ein 42 Jahre alter Mann geriet in angeheitertem Zustand mit sein«: Ehefrau in Streit, Dabei randalierte er so „tatkräftig“, daß der Küchentisch, die Stühle und einiges Geschirr in Trümmer gingen. Beim Eintreffen der Stadtpolizei war jedoch die Ruhe und Ordnung in der Wohnung wieder hergestellt. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, in der ganzen Nachbarschaft wurde natürlich das „Ereignis“ mit Wonne erörtert. Schloßstraße nach wie vor Stoppstraße. Zur Anzeige gelangten in den letzten Tagen mehrere Kraftfahrer, weil sie in der Schloßstraße ihre Fahrzeuge nicht anhielten, sondern die Kreuzung mit erheblicher Geschwindigkeit passierten. Die angebrachten Verbotsschilder sind so gut sichtbar, daß sie kein Kraftfahrer übersehen kann. Die Kreuzung Schloßstraße- Kaiserstraße, beim Kaffee Baumann, hat schon viele Unfälle hervorgerufen, so daß die Stadtpolizei auf strengste Einhaltung der Verkehrsvorschriften bedacht sein muß. Heimatbund Kraichgau und Bruhrain. Die nächste Mitgliederzufammenkunft des Heimatbundes Kraichgau und Bruhrain findet am Samstag, 15. Juli, 20 Uhr, im Jägerstüble statt. Dabei werden verschiedene Fragen und Probleme der Heimatkunde besprochen, u. a. berichtet Herr H. Graebener über die Grabungen im Bergfried des alten Schlosses und zeigt die dabei gemachten wertvollen Funde. Grund- und Gewerbesteuer in Bruchsal. Wie die Stadtverwaltung im Amtsblatt mitteilt, wurden die Steuersätze für die Gemeindesteuern so festgesetzt: 1. Grundsteuer für land- und forstwirtschaftliche Betriebe sowie für Grundstücke 230 v. H., 2. Gewerbesteuer nach dem Gewerbeertrag und dem Gewerbekapital 290 v. H. Bei der Zweigstellensteuer beträgt der Hebesatz 377 v. H. Die Genehmigung der Aufsichtsbehörde zu den Steuersätzen wurde am 30. Juni erteilt. Sonderzug nach Maulbronn. Am Sonntag, 16. Juli, fährt ein Sonderzug zur Bach-Feierstunde des Heidelberger Bach-Quartetts nach Maulbronn. Anschließend leitet Herr Schuhmacher aus Pforzheim eine sachkundige Führung durch die Klosteranlagen. Badegelegenheit im Klosterweier. — Hinfahrt Bruchsal ab 13.09 Uhr, Maulbronn an 14.04 Uhr. Rückfahrt Maulbronn ab 18.45 Uhr, Bruchsal an 19.33 Uhr. Fahrpreis einschließlich Führung DM 2.10. Landestagung der „Naturfreunde.“ Etwa 100 Vertreter der badischen Landesgruppe des Touristenvereins „Die Naturfreunde“ tagten über das Wochenende auf Schloß Ortenberg. Landesobmann Coblenz-Karlsruhe bezeichnet« es als Ziel des Vereins, dem einzelnen in einer ruhelosen Welt Ruhepunkte der Besinnung zu schenken. Die Naturfreunde seien als sozialistische Organisation berufen, die Gemeinschaft zu pflegen und dennoch jedem seine volle Freiheit zu lassen. Die Naturfreunde forderten von der Bundesbahn, der Jugend Gelegenheit zu geben, günstige Ausflugsorte mit billigen Bahnfahrten zu erreichen. Bei der Aussprache •über das Thema „Jugendarbeit“ wurde empfohlen, daß die Jugend ihre Ausflüge nicht mit Omnibussen, sondern zu Fuß machen solle. Die Jugend müsse zur Sparsamkeit erzogen werden. Ferner wurde bemängelt, djß der Verband bisher wenig zur Internationalen Verständigung beigetragen habe. Im wesentlichen hätte bisher nur die Studentenschaft Verbindungen mit dem Ausland a*geknüpft. Umso notwendiger sei es für die Arbeiterschaft, das Gleiche zu tun Donnerstag, den 13. Juli 1950 Aus Kraidtgau und Bruitraia Philippsburg Von Freitag bis einschließlich Montag bringen die Gloria-Lichtspiele den herrlichen Großfilm „Gabriela“, mit Zarah Leander, Karl Radatz, Siegfried Breuer, Grete Weiser usw. Es wirken ferner mit: Das große Unterhaltungsorchester des Nordwestdeutschen Rundfunks, das verstärkte Tanzorchester Detlev Lais, die Hamburger Solistenvereinigung Wal- do Farvre, das Gellert-Quintett und das Gabriela-Ballett. Gberhausen Handharmonika-Konsert Für kommenden Samstag ist in der „Einigkeit“ ein Handharmonika-Konzert des Spielrings Oberhausen geplant, bei dem die Jugendgruppe des Spielring-Quartetts mit wirken wird. Die Gestaltung des Abend liegt in den Händen des Betreuers des Spielrings, des Meisterspielers Rolf Hager-Karls- rahe. Die Veranstaltung sei der besonderen Beachtung durch die Bevölkerung empfohlen, sie ist geeignet, in einem geschlossenen Rahmen ein Bild von der Leistungsfähigkeit des Spielrings, von der Schulung seiner jüngsten Zöglinge zu geben und Volkskunst in des Wortes edelster Bedeutung zu vermitteln. Amateure auf der Radrennbahn Der Radfehrerverein „Edelweiß“ veranstaltet auf Seiner Rennbahn an der Philippsburger Straße am kommenden Sonntag wieder ein großes Amateurrennen. Es werden Jugend-, Ausscheidungs-, Flieger- und Altersrennen gefahren, außerdem ein 200-Run- den-Mannschaftsfahren in der Art der Berliner Sechs-Tage-Rennen. Beste Fahrer aus der Pfalz, Mannheim, Karlsruhe und der näheren Umgebung sind am Start. Es ist daher wieder mit einem spannenden Rennen zu rechnen, das zweifellos wieder stärkstes Interesse der für den Sport interessierten Bevölkerung erwecken wird. Der Beginn der Rennen ist auf nachmittags 14.30 Uhr festgesetzt. KirHacb Am 16. Juli veranstaltet der MGV „Frohsinn“ im „Lamm“ ein Volkskonzert. Mitwirkende sind der Kammerchor Schwetzingen und der MGV Frohsinn. Die Leitung des Abends liegt in den Händen von Hermann Nikolaus- Schwetzingen. Die Generalversammlung der Spar- und Darlehenskasse beschloß, eine neue Dresch- gamitur anzukaufen. Diese ist nun kurz vor Beginn der Ernte eingetröffen. Es handelt sich um eine Dreschmaschine Marke Lanz D. P. 16, bestehend aus Dreschwagen, Binder und' Motor. Auch der Dreschschuppen wurde instandgesetzt. Ein Warteraum für die Teilnehmer des Drusches wurde neu errichtet. Obergrombaeh Aus den USA traf diese Woche die Nachricht ein, daß der Ostflüchtling Johann Alexy am 27. Juni, wenige Tage vor Vollendung seines 80. Lebensjahres drüben verstorben ist. Alexy stammte aus Eisdorf in der Slowakei und betrieb dort eine umfangreiche Landwirtschaft. In seiner Jugend packte ihn die Sehnsucht nach der weiten Ferne und er wanderte kurzerhand nach Amerika aus. Als er es drüben, dank seines Fleißes als Arbeiter in einer Fabrik bereits zu etwas gebracht hatte, überfiel ihn plötzlich das Heimweh. Er kehrte heim, verheiratete sich und baute seinen landwirtschaftlichen Betrieb noch weiter aus. Den ersten Weltkrieg überstand er mit seiner Familie gut, eine Tochter wanderte sogar nach Amerika aus. Doch beim zweiten Völkerringen' mußte er zweimal sein Hab und Gut vollkommen im Stich lassen und kam schließlich nach schweren Schicksalsschlägen mit seiner inzwischen schwer erkrankten Frau und seiner verwitweten Schwiegertochter völlig mittellos zusammen mit den übrigen Flüchtlingen c DER DER HEIMAT J Kund um das Sportgesdiehen: Handball-Verbandsliga komplett ______ _ _ = Die Entscheidung, wer neben dem VfB im*September"l946 "nach Obergrombach. Kurz Mühlburg als zweiter Verein die kommende darauf starb ihm seine Frau weg und der Saison in der höchsten Handballklasse be- „müde Wanderer“ führte nun bei seiner eben- streiten wird, fiel erst am vergangenen Sams- falls hier untergekommenen Schwiegertochter tag in Ketsch. Dort standen sich auf neuein äußerst ärmliches Dasein. Da faßte er in tralem Platze nochmals der HSV Hockenheim seinem vorgerückten Alter nochmals den Ent- und Oftersheim im entscheidenden Spiel, das Schluß, auszuwandern, und im März 1949 be- durch Punktgleichheit erforderlich geworden fair durchgeführt, und von den Oftershä* mern verdient gewonnen worden. Die Leichtathleten der TSG Bruchsal weilen am kommenden Sonntag zu einem Klubkampf beim TSV Schwetzingen und verbinden damit einen Besuch des berühmter Schloßgartens und die Besichtigung des Schlosses. Der leichtathletische Mannschaftskamp) selbst dürfte zu einem spannenden Ereignii stieg er mit 78 Lenzen in Bremen das Schiff, war, gegenüber. Die Oftersheim» als zwei- werden, da die Schwetzinger — wie schon dis das ihn zum zweiten Mal in die Staaten brachte, wo der „Heimatlose“ nun nach fast ruheloser Wanderschaft in die ewige Heimat eingegangen ist. g. fellos bessere Mannschaft qualifizierten sich durch einen hart erkämpften Sieg den ersehnten Aufstieg. Mit 7 :5 nahm das Spiel einen dramatischen Verlauf, war jedoch sehr Kriegsopfer fordern soziale Gerechtigkeit Versammlung der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen in Heidelsheim Bei der Ver sammlung des örtlichen Verban- fähigkeit, bei der Unterhaltshilfe. Nach den des der Kriegsopfer, waren zwei Vertreter des eindrucksvollen Darlegungen des Vorstandes Kreisverbandes zugegen. Nach der Begrüßung wurde von der allgemeinen Aussprache leb- durch Vorstand Karl Wolf erstattete Gottfried hafter Gebrauch gemacht. Mit Besprechungen Durst einen Bericht über die Landesverbands- über interne Angelegenheiten des _ Ortsver- kasse, um die Mitglieder über die Verwendung bandes und einem gemütlichen Beisammen- der Beitragsgelder zu informieren. Anschlie- sein im Kameradenkreise, klang die Ver- ßend sprach Erich Trautwein über die Bedeu- Sammlung aus. tung und Entwicklung des VDK. Das Haupt- * referat hielt Karl Wolf über das neue Ver- ... _ ..■ , . sorgungsgesetz für die Körperbeschädigten Auf der Jungtierscbau des Klemtierzuch- und Kriegshinterbliebenen. Zuvor berichtete terverems kamen 83 Kaninchen und 34 Num- . ... er über den in St‘gart-Cannstatt abgehaltenen mern Junggeflugel zur Bewertung Preisndi- wurde, da evtl mit einer Zusammenschließun? Landesverbandstag, zu dem der Vorstand der ter Fntz Ludwig, Mmgolsheim, konnte bd -. — Heidelsheimer Ortsgruppe, als einer der vier den Kanindien 18 erste, 41 zweite und 12 Vertreter des Kreises Bruchsal, als Delegier- dritte Preise vergeben. Auch die Bewertungen — „- - - — ter gesandt war. „Wir wollen kein Mitleid, beim Junggeflugel ergaben überwiegend gute auc h Badens Hockeyspieler auf dem VerbandS' 0 - . . _ .... .... , . T5nr.iilfo+ö nan cte<*rni.rvfoio .Tncr>Sehr lobende Anerkennung eindrucksvolles Bild von der gegenwärtigen U1 id 4 Tiere die Note „Lobende Anerkennung Notlage der Kriegsopfer und ihren gerechten erhalten konnten. Die Ausstellung war gut Ansprüchen auf eine menschenwürdige Be- besucht- Schone Stiftungen kamen beim Preis- handlung von Seiten des Staates- schießen und der Gabenverlosung zur Vertei- In dem anschließenden Referat über das un ®’ neue Versorgungsgesetz, zeigte der Sprecher Ihren 74. Geburtstag feierte am 11. 7. Frau vor allem die Schwierigkeiten auf, mit denen Marie Trautwein, geb. Eberhard, Judengasse; der VDK bei der Verfolgung seines Zieles nach Friedrich Kuhnl, Törlestr., wurde am 12. 7. einer gerechteren Sozialpolitik zu kämpfen 75 Jahre alt und heute kann Sofie Hiller, geb. hat. Die Opfer des Krieges haben einen ge- Goll, Gerbergasse, ihr 71. Lebensjahr beschlie- rechten Anspruch auf entsprechende Staat- ßen; am 15. 7. begeht Johann Gg. Zutavem IV, liehe Unterstützung, sei es bei der Arbeits- Judengasse, sein 79. Wiegenfest. Allen Jübi- beschaffung oder im Falle der Erwerbsun- laren herzliche Glückwünsche! o Zimmer und Küche in Philippsburg, bei bester Bezahlung ab sofort gesucht. Anfragen an die Geschäftsstelle Philippsburg, Salmstraße 10. 13 ar Kleegersfe im unt. Pflüger auf dem Halm zu verkaufen. Näheres bei Frau Schneider, Bruchsal, Adlerstraße 16 Garage in Stadtmitte zu vermieten. Angebote unter Nr. 501 an die Geschäftsstelle. Zwei gut möblierte Zimmer für 5 Wochen gesucht. Off. an: Ausstellung „Kraich- gau und Bruhrain“, Bruchsal, Freiherr-vom-Stein-Schule. Gute DAUEREXISTENZ biten wir an allen Orten durch Einrichtung einer ganz mod. Mietwaschküche DM 50.— Kapital erforderlich. A. Gauch (17b) St. Blasien, Hauptstraße 36 tag in Schwetzingen befaßt. Auch hier noch kein abschließendes Bild. Im übrigen nahm die Tagung keinesfalls den erhofften Verlauf, Man kam über einige Programmpunkte nicht hinweg, und entschloß sich schließlich zu einel Vertagung bzw. Neuansetzung. Der bisherige verdiente Verbandsvorsitzende, Klebes-Hei- delberg, wurde überraschenderweise in seinem Amt nicht mehr bestätigt. Des weiteren ist beabsichtigt, die Punktespiele für die Zukunft ln zwei Gruppen (Nord und Süd) durchzuführen, eine Frage, die gerade für. Bruchsals, Hockeyspieler besondere Bedeutung hat. Es ist anaunehmen, daß die nächste Tagung in all diesen Fragen Klarheit bringen wird. — Interessant ist auch, daß in verschiedenen Landesverbänden Vereine vorhanden sind, die Punfctespiele für die Zukunft ablehnen! Badens Jugendmeisterschaften in der Leichtathletik kamen am vergangenen Sonntag in Ottenau zur Durchführung. Wie schon acht Tage zuvor bei den Senioren, gab es auch hier eine überraschende Ueberlegen- heit der Südbadener. Von den Teilnehmern der TSG Bruchsal wurde Peter Moser über 100 m vierter, Rainer Karolus im Speerwerfen zweiter Sieger, während in der 4 X 100-m- Staffel der vierte Platz erreicht wurde. Herausgeber: C. und H. Kruse, Bruchsal, Wörthstr. 4, Philippsburg, Salmstr. 10. Redaktion: Hans Stauder, Herausgeber: C. und H. Kruse, Bruchsal, Wörthstr. 4, Bruchsal. Für auswärtige Anzeigen: Annoncen-Exped. Krals, Karlsruhe, WaldstraBe 30. — Zur Zeit ist Preis liste Nr. 1 gültig. . Zerkleinerte und getrocknete Kokosnußkerae, 9 . Gesottenes, Kaffeesatz, 10. Papstname, 13. Flächenmaß, 14. Kleinster Teä der Elemente, 15. Vulkan in Itakern, 16. Kleiner exot. Vogel, 19. Europäer, 20. Lebenshund, 21. Badeort in Belgien, 23. Einaugenglas mit Stiel, 27. Insel im Golf von Neapel, 29. Stille, 31. Sammlung von Aussprüchen berühmter Männer, 32. Stadt am JJral, 33. Kleinster Gewebeteil, 34. Treppenabsatz Senkrecht: 1. Boot der Eskimos, 2. Abkürzung für „Nachsatz“, 3. Elastischer Stoff, 4. Gedichtart, 5. Musikinstrument, 6. Nordische Münze, 7. Fluß in Italien, 8. Tropische Pflanze, 11. Japanischer Staatsmann, 13. Nebenfluß der Drau. 17. Oströmischer Feldherr, 18. Griech. Buchstabe, 21. Haustier, 22. Griechischer Waldgott, 24. Grabstätte, 25. Elektr. Maßeinheit, 26. Rest in Gläsern, 28. German. Schriftzeichen, 30. Obstbrei, 31. Spielkarte. »3 * 15 U ■MUlJH/l ll\ll 1 BI/ 1 I amikjiinn am aawaia bimi i/san Auflösung: •sv 18 ‘sniM ot ‘eutiH 88 ‘»Si»N '98 ‘urqo S8 >8 ‘ UE d 88 ‘jBtps lg ‘oqy 81 ‘Jesnaa LI 81 °1J II ‘aABSv '8 ‘od L 'SJ30 '9 ‘JatABia g ‘»PO t ‘luiumo g ‘-S'N Z ‘Siefen I :jqaaj3fU3S »inxs n ‘josBd £8 ‘bjh "88 ‘euv 18 ‘»qny 68 ‘udeo iz ‘uougjoq '8Z ‘eds IZ ‘»qa 08 ‘MI 61 'Mb -non '91 ‘Ans0A gl ‘U101V VI ‘JV '81 ‘oeq 01 ‘pns '6 ‘eidon c ‘oSwrw 1 :7tn».ra9**Mt Kreuz und quer durchs Badnerland Heidelberger Spielbank endgültig abgelehnt Heidelberg (lwb). Der Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg, Dr. Swart, hat bekanntgegeben, daß er den endgültigen ablehnenden Bescheid der Landesregierung kl der Frage der Errichtung einer Spielbank in Heidelberg nunmehr erhalten habe. Der Bescheid werde dem Stadtrat sofort zur Beratung und Stellungnahme zugeleitet werden. Zu den Ausführungen des Landesbezirkspräsidenten für Nordbaden, Dr. Kaufmann, erklärt Dr. Swart, daß für die Konzessionserteilung entweder das Innenministerium in Stuttgart oder die Abteilung des Inneren der Landesbezirksregierung in Karlsruhe zuständig war. Die nach der eigenöl Angabe des Herrn Landesbezirkspräsidenten letzten Endes für zuständig erklärte Abtölung des Inneren in Karlsruhe stand aber ebenso wie die Finanzabteilung dem Spielbankplan bejahend gegenüber. Nach alledem habe man mit Recht annehmen können, daß der Konzeseionserteilung durch die zuständige Stelle der Landesregierung nichts im Wege stünde. Niemand habe erwarten körnten, daß sich der Landesbezirkspräaident nach monatelangen positivöl Verhandlungöl in letzter Stunde persönlich einschalten und der Inneren Abteilung den Befehl geben würde, den Konzessionsantrag abzulehnen. Betonstraße „explodierte“ durch Hitze Heidelberg (UP). Durch starke Hitze verursachte Ausdehnung des Betons ließ in Leimen bei Heidelberg ein acht Meter langes Stück der Hauptstraße „explodieren“. Mit einem scharfen Knall flogen plötzlich vor einem fahrendöl Lastwagen, der noch rechtzeitig stoppen konnte, Zementplatten nach oben. Die auf beiden Seiten von Häusern begrenzte Straße ist ohne Dehnungsfugen gebaut worden. Eine weitere Betonstraße in Leimen wölbte sich um 80 cm nach oben. Die Stadtverwaltung erwägt, die Straße durch Sprengen vor dem Explodieren zu bewahren. von ,_ 2 £ EmactieMiaiig gestanden, den Boxkampf abzusagen oder ihn durch einen weiteren Vorschuß von 130 000 DM zu finanzieren. Wäre die Verafistaltung abgesagt worden, so hätte der Verlust der Stadt 105 274 DM be- Der im Westen von Karlsruhe liegende Vorort Knielingen war am Samstag und Sonntag Schauplatz der Badischen Amateurboxmeisterschaften 1950. Am Samstagabend waren 25 Vor- und Zwischenrundenkämpfe erforderlich, um die einzelnen Endkampfteilnehmer festzustellen. So war es nicht verwunderlich, daß sich die Kämpfe bis nach Mitternacht hinzogen und da die Vommdenkämpfe ausgelost wurden, wurde manche Endbegegnung vorweggenommen. Von einer Ausnahme abgesehen, brachten aber dann die am Sonntagnachmittag durchgeführten Titelbegegnungen durchweg guten Sport und größtenteils auch Favoritensiege. Im Fliegengewicht reihte der Meister der dsei letzten Jahre Schreckenberger, VfR Mannheim mit seinem Punktsieg über Schneider- Heidelberg, einen neuen Erfolg an. Der Bantamgewichts sieg von Stolleisen (Waldhof) gegen Ruf (Langensteinbach) fand in den Zuschauerrängen keine ungeteilte Au fnahm e. Im Federgewicht kam van der Ehe kampflos zur Meisterschaft, da sich sein Gegner Roth- Heidelberg am Vortag eine Verletzung zugezogen hatte und nicht an treten konnte. Den einzigen ko-Sieg erfocht in der Leichtge- fcabi Er sehe ein, daß che Bewilligung dieses Vorschüsse« „formell nicht richtig gelaufen“ sei, aber sctöießlkh sä es „ja nicht die Welt“. Ein gsnsos Gewächshaus gestohlen Mannheim (lwb). In Edingen bei Mannheim haben unbekannte Täter in einer Gärtwichtsklasse der Heidelberger Sachse gegen Hirsch (Eberbach). Im schönsten Kampf des Tages kam Skade, Weinheim zu einem Punktsieg gegen Steiger, Heidelberg. Die Mittelge- wichtsbegegung entschied der erfahreme Mannheimer Dreher gegen den Mosbacher Holtgrün, der am Samstagabend den Wiesentaler Pilz ausgepunktet hatte, für sich. Durch Aufgabe von Müller (Heidelberg) kam der weit überlegene Pfirrmann (Weinheim) in der Halbschwergewichtsklasse zu Meisterehren und schließlich gewann erwartungsgemäß Herrmann (Heidelberg) den Schwergewichtskampf gegen Scheuermann (Mannheim). * Privatspielprogramm des VfB Mfihlburg Der VfB Mühlburg trägt zur Vorbereitung auf die am 20. August beginnenden Punktspiele der ersten Süddeutschen Liga vier Freundschaftsspiele (jeweils auf den Plätzen der Gegner) aus. Zunächst spielen die Mühlburger am 5. August gegen den VfB Lübeck. Vier Tage später, am 9. August ist der FC St Pauli Hamburg der Spielpartner. Am 12. und 13. August weilen die Mühlburger in Berlin und spielen dort gegen Wacker Berlin und Austria Wien. Man habe sich daher entschieden, den Kampf doch stafctfmden zu lassen, ebne dafür che Genehmigung des Gemeäaderats äozu- halen. In einer Aussprache sagte Oberbürgermeister ääetmerich, er habe von. der Bewillt- «fieser >30 000 DM kein« Ahnung as- nere* ein ganzes Gewächshaus gestohlen.. Die Anlage wurde abgerissen und mdt einem Lastwagen afotransportiert. Außerdem haben die Täter neben den in dem Gewächshaus befindlichen Kulturen zahlreiche Einrichtungsgegenstände der Gärtnerei mutwillig vernichtet. .Der Gesamtschaden beträgt rund 2 000 DM. Badisdte Amatearboxmeislersdiaiten Mannheim-Heidelberger Boxer gewinnen Großteil der Amateurtitel Rostbratwurst mit Elsenbeilage Heidelberg (UP). Ein Bauer aus Walldorf bä Heidelberg, der anscheinend Liebhaber für alte Munition ist, hatte sich als Aufbewahrungsort für die im Walde, gefundenen Sprengkörper die Räucherkammer ausgesucht Durch unvorsichtiges Umgehen mit offenem Licht verbrannte der Stapel und verhalt dem Bauern zu Rostbratwürsten mit Eisenbeilage. Ein Freund des Bauern hatte die explosive Räucherkammer mit einem Streichholz in Brand gesetzt und konnte rieh bä einem Zischen noch in Sicherhät bringen. 92 419 MI Definit beim Bwtamyl Mannheim, (lwb). Das Deüzit der Stach Mannheim beim Boxkampf Walcott—ten Hoff beträgt 92 419 DIL Einen Teil dieses Verlustes hofft die Stadt Mannheim aus den Erträgen des bä der Boxcveranstaltung am 28. Mai gedrehten Filmes wieder hereinzubekommen. Der Wirtschaftsdezement der Stadt Mannheim, Riedel, teilte mit, di« Stadt Mannheim hätte den Veranstaltern im April 50 000 DM als Vorschuß gewährt Wegen verschie- „ei man Mitte Mai Leiditathletikländerkampi in Kandel Der mit Spannung erwartete Lächtathle- tfh-Länderkampf der Auswahlmannschaften von Sachsen-Anhalt, Nordbaden und der Pfalz in Kandel erfuhr insofern eine Änderung, als sich die ostzonalen'Sportler infolge mangelnder Erlaubnis weigerten, auch gegen die Badener offiziell anzutreten. So wurde es nur ein Kampf Sachsen-Anhalt gegen die Pfalz, dem rieh Baden in einem Kampf gegen die Pfalz anachloß. Wie erwartet, sicherten sich die Badener di« höchste Punktzahl (132). Der Kampf Sachsen-Anhalt—Pfalz endete 121:99 für die Gäete jenseits des Eisernen Vorhangs, während der Kampf Baden—Pfalz von Baden mit 132:98 gewonnen wurde. Männer: M ai t Sturm-Pfalz, 11,1, 2. Boger-Baden, 11,3. Sri m: 1. Sturm-Pfalz, 22,S, 2. Boger-Baden, 22,S. 4M m: 1. Baas-Baden, 49,5, 2. Hartlapp, Sachsen- Anhalt, 90,7. 000 m: 1. Dengler-Baden, 1:55,4, 2. Donath-Sachsen- Anhalt, 1:56,6. 1500 bk l. Lehmann-Baden, 4:04,4, 2. Kleninger- Baden. 4:07.6. am m: L Frans, Pfalz, 16:11,2; 2. Wolf, Sachsen- HihaH, 16:21,4. 4X1M nu 1. Pfalz 4U; 2. Baden 43.3. 4X406 m: L Baden 3:24,1; 2 . Sachsen-Anhalt 3:24,3. Hocfcsprang: 1. Meier, Sachsen-Anhalt, 1,87; 2. Balzer, Sachsen-Anhalt, LS0. Weltzprnng: 1. Key, Sachsen-Anhalt, 6,04; 2. Becker, Pfalz, 0,74. m DiskwBwerfen: 1. Mersinger, Baden, 41,80; 2. Kramer, Sachsen-Anhalt, 38 , 38 . Speerwerfen: L Büttner, Baden, 55,00; 2. Köhler, Pfalz, 53,25. Hammerwerfen: 1. Wolf, Baden, 56,36; 2. Hasenburger, Badöl, 4i,M. Frauen: IS w L Knab, Baden, IM; 2- Schmidke, Baden, 13. . 4X1*0 m: L Baden 00,1; 2. Sachsen-Anhalt 51,0. Hocbsprun«: l. Buntz, Baden, 1,55; 2. Gerschler, Baden, 1,55. Weitsprang: 1. Wolf, Sachsen-Anhalt, 0,00; 2. Dä- chert, Pfalz, 0,00. Kugelstoßen: 1. Kähler, Baden, 11,61; 2. Kühl, Sachsen-Anhalt, il,07. Speerwerfen: 1. Schade, Sachsen-Anhalt, 34,85 ; 2. Koch, Pfalz, 34,17. Diskuswerfen: 1. Hettich. Baden, 40,31; 2. KuM, Sachsen-Anhalt, 37,34. Blumen, Pflanzen und 1- Mannheim (SWK). Der badische Gartenbauverband mit Sitz in Karlsruhe und der Verband badischer Gartenbaubetriebe, Sitz Freiburg, feiern in diesem Jahre gemeinsam das 50jährige Bestehen der gärtnerischen Berufsorganisation in Baden, die im Jahre 1900 gegründet wurde. Aus diesem Anlaß veranstaltet der Badische Gartenbauverband vom 2. bis 10. September in Mannheim in der Kunsthalle und auf dem daran anschließenden Freigelände eine Ausstellung, welche die Bezeichnung „Blumen, Pflanzen und Früchte — Jubiläumsausstellung des badischen Gartenbaues“ trägt und einen Überblick über die Leistung und Bedeutung des badischen Erwerbs?'"-*—' - --- • sei’ 23i Pi« c luctuiuige in Nordbaden Karlsruhe (lwb). Am 30. Juni 1950 befanden sich in Nordbaden insgesamt 231 91* Flüchtlinge. Im Lager Karlsruhe befinden sicl 473 illegale Grenzgänger. Am stärksten mii Flüchtlingen belegt sind die Kreise Karlsruhe mit 51941 und Heidelberg mit 44 56E Person“" Jahre Lotsenstation Neuburg Karlsruhe (lwb). Die Gemeinde Neu- n bürg auf der pfälzischen Seite des Oberrhein* bei Karlsruhe wird am 16. Juli mit einen Fischer- und Schifferfest ihren 500. Jahrestaj als Lotsenstation begehen. An dem Festtage werden sich die Kapitäne, Schiffsführer, Matrosen und Schiffsjungen aus Neuburg, die den Besatzungen der Rheinschiffe auf dei Strecke von der Schweiz bis Holland angehörten oder noch angehören, ln der alten Lotsenstadt ein Stelldichein geben. Auch die „Fischerzunft“ wird sich einfinden, die zur Zeit mit zwei Fischkuttern die Aalschokker- Fischerei betreibt. Von den 1975 Einwohnern der Gemeinde üben gegenwärtig rund 500 den Fischerberuf aus. Uber 200 Einwohnei befahren als Fischer, Steuerleute und Lotser den Rhein. Weaig Wissen, a»e, edle menschliche Substanz Karlsruhe (lwb). Auf Einladung der Technischen Hochschule Karlsruhe sprach der Tübinger Philosoph Professor Eduard Spran- ger über das Thema „Fünf Jugeadgeneratio- nen 1900 bis 1950“. Professor Spranger sagte, man finde bä der heutigen studentischen Jugend wohl wenig Wissen, dafür aber edelste menschliche Substanz. Der Gelehrte warnte die Studentenschaft vor einer Vogel-Strauß- Politik. Die unpolitische oder verMrit politische Haltung der Jugend in der Vergangenheit habe mit zum Zusammenbruch geführt Professor Spranger rief den Studenten zu: „Es geht noch immer um Deutschland, aber es gäit zugleich um d-'e ganze Kulturwelt“. „General Pitt“ kommt nach Kartiruhe Karlsruhe (lwb). Der als „General Pitt“ bekannte, von zahlreichen Pofeästeöen im ganzen Bundesgebiet gesuchte Hochstapler Pitt Seeger aus Karlsruhe wird demnächst von Mönchen nach Karlsruhe gebracht werden. M Karlsruhe wird sich Seeger w eg en Detrügs reien und Hochstapeleien vor Gewicht au vev- * KULTUR UND LEBEN Die Sonne schickt 130 Grad Hitze im Juli Aber die Welteisschränke halten den Erdbail kühl Man hat einmal, um die wirkliche Wärmestrahlung der Sonne festzustellen, folgendes Experiment gemacht: man nahm eine gutgepolsterte Kiste, bedeckte sie oben mit Glas und ließ die Sonne hineinscheinen. Es war ein heißer Tag, das Thermometer zeigte in der freien Luft über 30 Grad an. Und in der Kiste? Da maß man nach einigen Stunden zur allgemeinen Überraschung eine Hitze von 130 Grad. Das ist die wahre Wärme, die uns die Sonne schickt, sagten sich die Forscher. 130 Grad. Kein Mensch könnte es in dieser höllischen Temperatur auch nur eine Stunde aushalten; wir stöhnen ja schon, wenn die Quecksilbersäule auf 30 oder 35 Grad klettert und schimpfen auf die Hundstagshitze. Was ist es aber, was uns davor schützt, von der Sonne versengt und gebraten zu werden? 1400 Quadrillionen Kerzen auf 269 Grad schätzt, aber auch vor den sengenden Strahlen der Sonne. Die Atmosphäre schluckt zwanzig Prozent der der Erde zugedachten Sonnenstrahlung auf; 40 Prozent strahlt sie sofort wieder ungenutzt in den Weltenraum zurück, so daß die Erde, von anderen Planeten aus gesehen, als Stern in hellem Licht erstrahlt. Und nur 40 Prozent des Sonnenlichts' erreichen uns Erdbewohner. Trotzdem kommt es in unserer Experimentierkiste im Juli zu einer Hitze von 130 Grad. Warum nur in der luftgeschützten Kiste? Weil die Erdkugel nicht gleichmäßig warm ist und weil der Wind dafür sorgt, daß Warm- und Kaltluft immer wieder miteinander vermischt werden. Da haben wir z. B. die ' W#lt-Eisschränke, die so groß sind, daß sie einen beträchtlichen Teil der Erdoberfläche einnehmen: die Arktis mit einigen Millionen Quadratkilometern Eismasse, Grönland mit 2,2 Millionen Quadratkilometer Gletscherei, die Antarktis mit 7,2 Millionen Quadratkilometer Eisfläche usw. Insgesamt sind diese riesigen Eisschränke so groß wie ganz Europa und sie schmelzen auch in den heißesten Sommern nicht ab. Sie liefern uns die kalten Winde, die Kaltlufteinbrüche. Hinzu kommen die Weltmeere, die 71 Prozent der Erdoberfläche einnehmen und die gleichfalls für einen Ausgleich des Klimas sorgen; vor allem aber ist es der Wind, der wie ein riesiger Ventilator um den ganzen Erdball herum wirksam ist und dafür sorgt, daß Hitze und Kälte ihren Ausgleich finden. Ohne Luftbewegung wäre unser Klima unerträglich: die Winter schrecklich kalt, die Sommer brütend heiß. Ein Glück also, daß die Erde eine Kugel ist und keine Scheibe, denn als Kugel kann sie von der mörderischen Sonnenglut nur ungleichmäßig erwärmt werden. Heiße Luft strömt nach oben, Kaltluft nach unten, und so haben wir eine ewige Luftzirkulation, die in unseren Breiten ein erträgliches Klima gewährleistet. Universum. o&o Die Sonne verstrahlt unausgesetzt eine Hitze, von der wir uns kaum eine Vorstellung machen können. Sie ist so heiß, als würden in ihrem Innern 1400 Quadrillionen Kerzen brennen. Das ist eipe Zahl 14 mit 26 Nullen. Zum Vergleich sei erwähnt, daß Eddington die Zahl der sämtlichen Sonnenatome auf nur eine Quadrillion schätzt. Ein wahres Glück, daß unserem Erdball nur ein winziger Teil der gesamten Sonnenstrahlung trifft, nämlich der 2,3 milliardste. Die sämtlichen Planeten und Monde des Sonnensystems zusammen verbrauchen etwa zehnmal so viel Sonnen*- licht wie wir. Die Sonne verstrahlt also 2300 millionenmal so viel Licht in den Weltenraum, als sie ihren Trabanten zukommen läßt. Wäre das gesamte Licht des Sonnenballs auf die Erdkugel konzentriert, sie würde im Nu in Flammen aufgehen. Man hat errechnet,- daß die Erdatmosphäre an ihrem oberen Rand in jeder Minute 2,5 Trillionen Wärmeeinheiten von der Sonne empfängt. Würde man diese Hitze auf den Flußlauf des Rheins konzentrieren, dann würden seine gesamten Wassermengen in wenigen Sekunden zu kochen beginnen. In einem Jahr könnte die Sonne einen Eismantel von 36 —50 Meter Dicke, der um die Erdkugel gelegt ist, abschmelzen. Ein Segen für uns ist die Lufthülle, die sich wie ein schützender Mantel zwischen die Erdbewohner und den Weltenraum legt. Sie schützt uns vor der Weltraumkälte, die man Der Wettlauf um das Fernsehen Aktivität auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs Die Fernsehabteilung des NWDR — unter Leitung der Herren Dr. Below und Heßling — begann mit einer neuen Versuchsreihe, nämlich der Ausstrahlung mit 100 Watt Leistung über den 24 m hohen Antennenmast des Hamburger Versuchsbunkers, die in einem Umkreis von etwa 6—8 km zu hören sein dürfte. Im Verlagshaus der „Hamburger Freien Presse“ ist in Zusammenarbeit mit der „Funkwacht“ und der Rundfunkindustrie eine öffentliche Fernsehstube eingerichtet, in der man kostenlos Zusehen darf. Ab Juli soll täglich ein abwechslungsreiches, buntes Versuchs-Fernsehprogramm zur Sendung kommen. Anfang nächsten Jahres rechnet man in Hamburg mit der Aufnahme des normalen Fernsehbetriebs gleichzeitig mit Köln. Beim Richtfest des ersten Bauabschnitts ihres Rundfunk- und Fernsehtechnischen Instituts im Südosten Berlins ließ der Generalintendant der Rundfunksender in der Deutschen Demokratischen Republik die erste Fernsehsendung vorführen. Er bezeichnete Rau und Verbesserung der Magnetophone, Entwicklung von Kl.einst- magnetophonen, Errichtung eines UKW-Netzes und Fernsehen als die nächsten Etappen seines Sachgebiets, in dem „Techniker und Künstler gleichgestellt“ seien. Die offiziellen Fernsehversuchssendungen würden im August nächsten Jahres aufgenommen. Die erste Probevorführung war eine Kabelübertragung mit der Bild- § öße 17 X 23 cm in befriedigender Schärfe und elligkeit. epd. Balladendichtung in unserer Zeit Von Dr. Heinrich Getzeny Auch die Formen der Dichtung haben ihre Zeit. Sie kommen und gehen mit der Welt, zu der sie gehören. Welch geringen Anteil besaß noch am Werke unserer klassischen Dichtung, bei Goethe, Schiller, Lessing, Klopstock, Hölderlin, die Prosaerzählung, Roman und Novelle, die heutzutage den bald noch allein gepflegten Zweig der Dichtung bildet. Mit der streng geformten Daseinsweise jener vergangenen Jahrhunderte sank auch die gebunden e-Form der Dichtung dahin. Das gilt auch von der Ballade, die man eine Kurzgeschichte in Versen nennen könnte. Sie ist eine der ältesten Formen der Dichtung überhaupt, vielleicht noch älter als das umfangreiche Heldenlied, das Epos. Vermutlich sind die großen Epen der Weltliteratur wie die Homerische Odyssee und Ilias oder das Nibelungenlied aus einzelnen balladeartigen Liedern entstanden, die dann ein großer Dichter zur Einheit eines Gesamtwerkes zusammenfügte. Die Ballade eignete . sich so recht, um beim Gelage der Männer vorgetragen zu werden. Sie greift eine Gestalt der Sage oder der Geschichte — beide sind ursprünglich eines — heraus und gibt von ihr eine wuchtige, dramatische Szene wieder. Das einzelne packende Ereignis, in dem sich ein Schicksal vollendet, bildet den Inhalt der Ballade. Sie hat den heißen Atem fieberhaft schneller Zuspitzung, gibt nur das Notwendigste an Schilderung von Ort und Menschen. Das Geschehen als solches ist ihr Gegenstand. Die nordische Ballade hat leicht etwas Düsteres an sich; sie ist überschattet von der Schwere des Verhängnisses. Solcher Art besaß die Ballade zu allen Jahrhunderten einen bedeutenden Anteil an der Dichtung unseres Volkes. Einen Höhepunkt erreichte die klassische Ballade zur Zeit der Freundschaft zwischen Goethe und Schiller, die geradezu in brüderlichem Wettstreit ihre schönsten und volkstümlichsten Balladen schufen. Auch der Romantik war diese Dichtungsart sehr gelegen. Heute ist sie selten geworden, ja man muß beinahe sagen: Sie ist am Aussterben. Unter den lebenden Dichtern sind es vor allem einige Frauen, die sie noch in alter Weise und mit bestem Gelingen pflegten. Lulu v. Strauß - Thor- ney und Agnes Miegel, die nunmehr einundsiebzig jährige ostpreußische Dichterin, haben die deutsche Dichtung um eine ganze Anzahl prächtiger Balladen bereichert. Der Band „Gesammelte Gedichte“ der zuletzt genannten, der jüngst bei Diederichs ln Düsseldorf im 24. Tausend wieder erschienen Ist, stellt mit Recht ihre Balladen an die erste Stelle. In ihnen liegt unstreitig die stärkste Kraft der Dichterin. Das Unheimliche, Gespenstische, Grauenerregende der echten Ballade hat sie meisterhaft getroffen. Auch wo sie reine Lyrik gibt, neigt sie immer wieder zur erzählenden Form, wie sie der Ballade eigentümlich ist. Während die Balladen, wie wir oben sagten, Kurzgeschichten in Versen sind, könnte man nicht wenige Erzählungen dieser Dichterin als Balladen in Prosa bezeichnen, so sehr haben sie die Balladenartige Zuspitzung der Geschichte in ihrem Aufbau, in der Schürzung des Knotens und in seiner Lösung. Balladen in Prosa sind auch die neuen Erzählungen, die Agnes Miegel in dem Buche „Die Blume der Götter“ (ebenfalls Diederichs, Düsseldorf) vereinigt hat. Auch hier findet sich das Typische der Balladenform: Eine kurze Exposition umreißt die geschichtliche Situation. Sofort setzt die Handlung ein, steigert sich zu wachsender Spannung, die ihre Lösung in einer mehr oder weniger katastrophalen Entladung findet. Die Düsternis der echten Ballade besitzt am meisten die mittlere der fünf Erzählungen, eine prachtvolle Uie aonuti urieririarKt zum 200. Todestag von Job. Seb. Bach Szene aus den Albingenserkämpfen. Geistvoll zugespitzt ist das balladeske Geschehen in der späten Begegnung des Gatten mit der frühgeraubten, -nunmehr für immer verlorenen Gattin, ins Sagenhafte verklärt in der Entführungsszene des alten Odysseus. Die ganze Kraßheit der sozialen Gegensätze im alten Rußland spiegelt die Szene zwischen der Zarin Katharina II. und dem Fürsten Orloff; nicht einmal der Tod des alten Mütterchens vermag die Kluft zu schließen. Meisterhaft versteht Agnes Miegel ein gewaltiges Naturgeschehen mit der Menschlichen Dramatik zu verknüpfen, namentlich in der Albingenser- geschichte, und dadurch den Hereinbruch des Verhängnisses ins Ungeheure zu steigern. An der sorgsam gepflegten Sprache dieser Frau, an der sorgfältigen Wahl ihrer Bilder, an den reichen, blühenden, von schwingendem Rhythmus erfüllten Fluß ihrer Sätze könnte mancher junge Schreiber lernen, daß Kunst von Können kommt und wie alles Große im Menschenleben aus der Verbindung von Anlage und Arbeit stammt. Deutsch ist gar nicht so schwer Zwei Sprachglossen von Curt Bauer Es gibt saure Kirschen und süße. Im unreifen Zustand können jedoch auch süße Kirschen sauer sein. Niemals ist eine süße Kirsche aber eine saure. Diese Behauptung scherzt nicht etwa mit Selbstverständlichkeiten. Sie versteht sich nicht von selbst. Eine Kirsche ist nämlich nur dann eine saure, wenn sie im Gegensatz zur Gattung der süßen Kirschen der Gattung der sauren zugeordnet werden muß. Das flektierte (gebeugte) Adjektiv reiht den Satzgegenstand in eine Klasse oder Sorte ein, indem es ihn unsichtbar verdoppelt. Ist also eine Kirsche eine saure, so ist diese Kirsche eine saure Kirsche. Ob der Obstbauer, der sie gepflückt hat, tüchtig ist? Wir wissen es nicht, hüten uns aber, zu fragen: „Ist dieser Obstbauer ein tüchtiger?“ Es gibt keine Klasse tüchtiger oder untüchtiger Obstbauern, mag auch der eine tüchtiger oder untüchtiger als der andere sein. Begründet ist es allerdings, von zwei Bauern zu behaupten, der eine sei ein pfälzischer, der andere ein bayerischer. Gebeugte Adjektive sortieren also, während ungebeugte urteilen. Obwohl diese Regel einfach ist, tOird sie damit noch zu keiner Regel, die eine einfache ist. Man sage also zum richtigen Deutsch auch nicht, daß es ein richtiges ist. Einmal falsch gefragt: „Warum ist dieser Fehler gegenwärtig ein äußerst häufiger?" Kurz gesagt: Weil der Führer ein unsterblicher, das Reich ein ewiges und die Organisation, die diesen Sprachunfug besonders verbreitete, eine besonders glänzende war. Die Folgen bleiben nicht aus. Man stellt’s täglich im Rundfunk fest. „Die Konsequenz ist eine unausbleibliche,“ lautet es allabendlich in Will Hohnes Moritat. Dabei werden die Haare zu Berge stehende. Bei der fünften Lektion merkte man noch nicht so, daß sich die Verszeilen nur reimen, weil sie zu reimenden gemacht wurden. Seitens der Leser wird jetzt mit Recht festgestellt werden, daß solche Schnitzer auch berufenerseits häufig unterlaufen. Ja, seitens keiner Seite geschieht etwas, ohne daß es von Seiten einer anderen Seite aus Prinzip bekrittelt wird. Wenn es für jedes dieser „Seiten“ oder „seitens“ im Austausch eine Speckseite gäbe, wäre der häufige Gebrauch dieses Präpositionsschwulstes verständlich. Nun verlängert er aber eine Rede oder einen Aufsatz kaum um die Dicke eines Wurstscheibchens. Trotzdem stellt der Leser nach wie vor fest, daß solche Schnitzer auch Berufenen häufig unterlaufen. Das klingt schon besser, nicht wahr? Man darf jetzt bereits auf den Tag hoffen, an dem nicht mehr alles, was durch die eine Seite geschieht, von der andern aus Prinzip bekrittelt wird. Kaum auszudenken! Wird man.dann ausrufen dürfen: „Das Zeitalter ist ein goldenes geworden!“? - Deutsch ist gar nicht so schwer, wenn man sich seinen Gebrauch nicht zu leicht macht... Der * Verfluchteste Fleck auf Erden “ Amerikanische Expedition nach einer versunkenen Seeräuberstadt Port Royal, einst die Hochburg der Piraten und Magnet aller geraubten Schätze der Neuen Welt, soll jetzt zum ersten Mal wieder von Menschen besucht werden, seit dem es vor mehr als einem Vierteljahrtausend in den Fluten der Karabischen See versank. Port Royal, an der Küste von Jamaika gelegen, galt zu seiner „Blütezeit“ als der „verfluchteste Fleck auf Erden“. Ein beständiger Strom von Gold, Silber, edlen Steinen und Perlen bewegte sich damals von Amerika nach Europa und zog Gauner, Banditen und Räuber an. Die Piraten an der amerikanischen Küste erhoben von den spanischen Silberschiffen einen ständigen Tribut an Blut und Kostbarkeiten. Ein großer Teil der geraubten Schätze wurde in Port Royal an- gehäuft und umgesetzt, Seeräuber, festgehaltene Geiseln, Sklaven und Hehler, Dublonen und Pistolen, Dukaten, und Guineen kamen hier zusammen. In allen Häfen der Erde erzählte man sich von den Orgien und Grausamkeiten, die sich hier zugetragen haben sollen. Als Port Royal 1692 bei einem Erdbeben im Meer versank, betrachtete man dies Ereignis als gerechte Strafe Gottes. Jetzt soll Port Royal erforscht werden. Eine amerikanische Expediton will dorthin aufbrechen, um durch Taucher Unterwasseraufnahmen herstellen zu lassen und die korallenüberkrusteten und nur noch von Fischen belebten Straßen und Häuser der Stadt nach Überresten der sagenhaften Schätze zu durchforschen. Chikagoer Detektive und Beamte der Bundespolizei suchen zur Zeit den'sogenannten Kegelkönig einer Juwelenräuberbande zu ermitteln, die in allen großen Städten der Vereinigten Staaten arbeitet. Die bisher erzielten Gewinne werden von der Polizei mit über eineinhalb Millionen Dollar veranschlagt. Beamte des Dezernats „Leihgewerbe“ sowie Privatdetektive untersuchen seit Monaten die Arbeitsweise dieses „Juwelenräuber-Syndikats“. Sie kennen ihre Methoden genau, konnten aber bisher nicht genügend Beweismaterial zusammenbringen, um die Mitglieder des Syndikats vor Gericht zu stellen. Nachdem im Februar in der Stadt Dallas (Texas) bei einem Raub auf einen Schlag Juwelen im Werte von 40 000 Dollar von dem Syndikat eflbeutet wurde, erhielt die Polizei Nachricht, daß der Chef der Bande, der sogenannte „Kegelkönig“ - sich nach v Chikago gewandt habe. Wie von der Chikagoer Polizei dazu mitgeteilt wird, kenne sie diesen „Kegelkönig“ ganz genau, sie kenne sogar sein Büro in Chikago. „Aber bisher haben wir nicht Hand auf ihn legen können.“ Die Hauptzentren des Räubersyndikats befinden sich in Hollywood, San Francisco, Dallas, New York, Miami und Detroit, überall dort, wo reiche Leute wohnen, die viele Juwelen besitzen. Nach einem Juwelenraub wird, wie die Polizei mitteilte, die Beute sofort im Flugzeug nach einer anderen Stadt gebracht, aus den Fassungen gebrochen, neugefaßt und dann an Händler der Stadt verkauft, aus der sie geraubt wurde. * Washington hat Chikago, das bisher diesen traurigen Ruhm in Anspruch nahm, als „Stadt der Gangster“ abgelöst, schreibt das Magazin „Colliers“. Was Chikago für die Gangsterära war, verspreche Washington für das Zeitalter der Straßenraube, Lustmorde, Vergewaltigungen und psychopathischen sexuellen Verbrechen zu werden. Die Zeitschrift, die mit dieser Ausgabe eine Artikelserie über das Verbrechertum in den Vereinigten Staaten abschließt, weist daraufhin, daß im vergangenen Jahr in Washington 4314 schwere Überfälle verübt wurden, das heißt 11 an jedem Tag. Auch in der Gesamtzahl aller größeren Verbrechen steht Washington mit 21 334 Fällen tveit an der Spitze aller amerikanischen Städte. Es folgen acht andere Städte mit einem Jahresdurchschnitt von 10 720 Verbrechen. Colliers meint, daß die ungenügende Stärke der nächtlichen Polizeistreifen die Schuld an dieser Entwicklung trage, ebenso die große Anzahl der Elendsviertel. Der prozentuale Anteil der von Negern verübten Verbrechen habe sich jedoch trotz des riesigen Anwachsens der Verbrechen nicht vergrößert. „Giovinezza“ im Hut Ein junger Mann, der im Theater von Bari nach einem Auftritt von Josepfame Baker aus Begeisterung die faschistische Nationalhymne, die „Giovinezza“, gesungen hat, mußte, wegen dieses Vergehens vor dem Friedensrichter erschein«!. Die Tatsache, daß er beim Absingen des diskriminierten Liedes einen Hut am Kopfe trug, nahm dem schweren Fall sein politisches Gewicht. Denn, so argumentierte messerscharf der Richter, eine Nationalhymne singt man nicht mit bedecktem Haupte. Viel Lärm am den ürlrosch Die neuseeländische Regierung hat sich zu energischem Einschreiten’, entschlossen, um das Aussterben des „Urfroschs“ zu verhindern, der kürzlich auf der kleinen St. Stephens-Insel vor der Nordküste der Südinsel von Neuseeland entdeckt wurde. Dieser Frosch wird als der primitivste überhaupt angesehen, sozusagen als der Ahnherr aller modernen Quaker. Der neuseeländische Innenminister gab bekannt, daß um das Heimat- und Brütgebiet des Frosches ein Zaun errichtet werden wird, um zu verhindern, daß Kühe oder Unbefugte die kostbaren Exemplare zertrampeln. Innerhalb des umzäunten Gebietes sollen Bäume gepflanzt werden, die den Urfröschen Schatten spenden sollen. Besondere Bewässerungsanlagen werden 'dafür sorgen, daß den Fröschen auch bei Trockenperioden das Wasser nicht ausgeht. Wer die Frösche besuchen will, wird sich von der Regierung eine besondere Genehmigung, ein Einreisevisum in das Land der verehrungswürdigsten Frösche der Welt besorgen müssen. Die gr&ßie Vogelzucht Europas Die größte Vogelzucht Europas mit 3500 Vögeln der verschiedensten Arten wurde vor kurzem vom Bürgermeister der Stadt Alphen eröffnet Das Vogelhaus gehört J. van den Brink, einem typischen „Selfmademan“. Die 3500 Tiere brauchen täglich an die vier Zentner Vogelfutter, außer den Fischen, die sie sich in den Teichen des Parks fangen. »