BRUCHSALER POST SÜDD. HEIMATZEITUNG FÜR KRAICHGAU UND BRUHRAIN Nummer 169 Montag, den 24. Juli Jahrgang 2 Zwei Bachfeste eröffnet Feiern in Göttingen und Leipzig Göttingen (UP). Das Bachfest 1950, die Veranstaltung Westdeutschlands zum 200. Todestag Johann Sebastian Bachs in Göttingen, wurde von Vizekanzler Blücher als Vertreter des Bundespräsidenten, eröffnet. Vizekanzler Blücher sagte, es sei eine Tragik, daß er als Vertreter der Bundesregierung zur Eröffnung des Bachfestes in Göttingen stehe. Die Tragik liege darin, daß dieses Fest nicht' in einem wiedervereinigten Deutschland in Leipzig stattfinden könne. Gleichzeitig wurde eine Bachausstellung eröffnet. Sie enthält handschriftliche Partituren und Briefe Bachs, eine Bildnissammlung und die wertvollsten Erstdrucke Bach’scher Werke. Die Ausstellung wird im Auftrag des ^Bundeskanzleramtes in mehreren europäischen* Städten gezeigt werden. Wer Bach liebe, müsse ‘zwangsläufig den Frieden lieben und wollen, erklärte der Oberbürgermeister von Leipzig, Opitz (SED) anläßlich der Eröffnung der Bachfeierlichkeiten der Ostzone in Leipzig. Opitz betonte, daß Bach einer der größten deutschen Humanisten gewesen sei, weshalb man heute seine Musik als fortschrittlich im Sinne der „nationalen Front“ ansehen könne. Bachs Musik “-sei ein „wertvoller Beitrag zum Aufbau in der Sowjetzone“ und werde die Leistungen der Werktätigen beflügeln. Die Staatssekretärin der Sowjetzone, Ruth Fabisch (SED), erklärte Bach zum „Nationalmusiker der Sowjetzone“ sowie zum „Deutschesten aller Deutschen“. Bonner Koalition festgefügt Von Kabinettskrise keine Bede mehr — Ein neuer Bundestagspräsident? Bonn (UP).. Die Regierungserklärung zu den Brotpreisen und die darauf erfolgten Beschlösse des Bundestages zeigen nach Auffassung führender Abgeordneter eindeutig, daß von einer Kabinettskrise keine Rede mehr sein kann. Die Schwankungen in der Regierungspolitik in Zusammenhang mit dem Brotpreis- und Subventionsproblem war erst kürzlich Anlaß zu heftiger Kritik der FDP an der Haltung der CDU-Fraktion des Bundestages geworden und hatte zu unverhohlenen Drohungen -geführt, daß die FDP aus dem Kabinett aussteigen werde. Einen Tag, nachdem Vizekanzler Blücher in Vertretung des erkrankten Bundeskanzlers eine Regierungserklärung zur Frage der Subventionen und Brotpreise abgab, ist jedoch dieser „Spuk“ nach Ansicht maßgeblicher FDP-Politiker verschwunden. Die Pressestelle der Fraktion der Freien Demokraten spricht in einer Veroffentlichung nunmehr von einem „klaren Kurs von Regierung und Koalition“. Das Kabinett steuere nunmehr „mit belebter Geschlossenheit“ einen klaren Kurs. In diesem Zusammenhang wirft die offizielle Erklärung der FDP-Fraktion der Opposition im Bundestag und den ihnen „assistierenden Gewerkschaften“ eine „agitatorische Hemmungslosigkeit“ vor. Diese habe jedoch zu Ulbricht proklamiert Fünfjahresplan 27 Milliarden Aufwendungen — Ostzonen-Handelsmarine angekündigt Berlin (UP). Der stellvertretende Ministerpräsident der Sowjetzone, Ulbricht (SED), proklamierte in Berlin den neuen Fünf jahresplan der Ostzone, der, wie er erklärte, gleichzeitig mit den Fünf jahresplänen aller ost- nnd südosteuropäischen Ländern am 1. Januar 1951 anlaufen soll. Der Fünfjahresplan der Ostzone soll am 15. Oktober von der Volkskammer verabschiedet werden. Die Vorbereitungen für den Beginn des Planes sollen bereits im August dieses Jahres anlaufen. Hierfür würden, wie Ulbricht erklärte, besondere Finanzmittel bereitgestellt werden. Im einzelnen sollen während dieses neuen Fünfjahresplanes der Ostzone die industrielle Produktion um 19 Prozent, die Hektarerträge der Sowjetzonenlandwirtschaft um 21 Prozent, die Arbeitsproduktivität um 60 Prozent, das Volkseinkommen der Ostzone um 160 Prozent und die Bruttoarbeitslöhne um 137 Prozent gesteigert werden, während die Selbstkosten der Ostzonen-Wirtschaft um insgesamt 23 Prozent gegenüber 1950 gesenkt werden Sollen. Für die Durchführung des Ostzonen- Pünf jahresplanes sollen insgesamt 26,89 Milliarden Ostmark aufgewendet werden. Für die Volksbildung, Kunst und Wissen- ichaft der Ostzone sollen 40 Prozent mehr Mittel verausgabt werden als dies bis 1950 der Fall gewesen sei. Der Wert der Gesamtproduktion im Jahre 1955 soll 43,8 Milliarden Ostmark gegenüber 23 Milliarden Ostmark 1950 umfassen. Unter dem Beifall der Teilnehmer des SED- Parteikongresses teilte Ulbricht mit, daß die Ostzone bis 1955 auch eine aus 23 Schiffen bestehende Handelsmarine aufstellen werde. Im Zusammenhang damit erklärte er, daß die Ostzone einen Hafen an der Ostsee für Hochseeschiffe benötige. Die Regierung sei aber zu dem Ergebnis gekommen, nicht einen neuen Hafen zu bauen. Es werde die Zeit kommen, daß dem Außenhandel der Sowjetzone auch die Häfen Hamburg und Lübeck zur Verfügung ständen. Bis zu diesem Zeitpunkt werde ein Teil des Stettiner Hafens benutzt werden. Die polnische Regierung habe dazu ihr Einverständnis gegeben. „Ich hoffe und wünsche, daß die große nationale Aufgabe des Fünfjahresplanes auch der westdeutschen Bevölkerung zugänglich gemacht wird“, meinte Ulbricht in seinem Schlußreferat auf dem 3. Parteitag der SED in Berlin. Die US-Agenten in Westdeutschland könnten sich beruhigen, wenn sie glaubten, die Ostzone habe Rohmaterialschwierigkeiten. 14stündige Abwehrschlacht Nordkoreaner bei Yongdong abgewehrt Tokio (UP). Der ersten amerikanischen Kavalleriedivision ist es am Sonntag nach einer 14stündigen Schlacht gelungen, einen schweren Angriff starker nordkoreanischer Truppen in der Nähe von Yongdong abzu- schlagen und die dort bezogenen Stellungen zu halten. Dabei wurden wenigstens zehn kommunistische Tanks vernichtet. Den Verbänden der ersten Kavalleriedivision, die frisch an der Front eingetroffen sind, dürfte es nach vorliegenden Meldungen sogar gelungen sein, die angreifenden nordkoreanischen Verbände soweit zu zerschlagen, daß sich bei ihrem Rüdezug Auflösungserscheinungen bemerkbar machten. Generalmajor Gay, der Kommandeur der ersten Kavalleriedivision, erklärte nach Rückkehr von einer Frontinspektion, die Moral der amerikanischen Truppen sei besser gewesen als jemals seit dem Ausbruch des Korea-Konfliktes. Die schwersten Kämpfe fanden am Sonntag an zwei Frontabschnitten statt, die etwa 45 Kilometer voneinander entfernt and: nördlich und westlich der Stadt Kumtschon. Gays erste Kavalleriedivision hat sich im Westen von Kumtschon im Gebiet der die Stadt Yongdong umgebenden Berge fest eingegra- ben. Die 25. Infanteriedivision und südkoreanische Truppen bekämpften kommunistische Truppen, -die nördlich von Kumtschon, auf Sangju vorstießen. Audi nördlich von Kumtschon hat Artillerie die Verteidiger wirksam unterstützt. An der koreanischen Ostküste konnten kommunistische Truppen die Stadt Y o n g d o k erneut erobern, nachdem erst am Samstag eine amerikanische Gruppe in diese rund 150 Kilometer nördlich von Fusan liegende Stadt vorgedrungen war. Die Amerikaner waren dabei vom Feuer zweier amerikanischer Kreuzer unterstützt worden. Die Luftstreitkräfte bekämpften und zerstörten Tanks, Lastkraftwagenkolonnnen, Nachschubfahrzeuge, Brücken, Nachschublager und Tunnels. Sie griffen nördlich von Taejon Truppenkonzentrationen an und führten überdies Bombenangriffe gegen Tschungju, Tschetschon, Seoul und Pyungyi durch. Wie noch verlautet, ist ein weiterer amerikanischer Flugzeugträger bei den amerikanischen Marineverbänden in den koreanischen Gewässern eingetroffen. Er brachte „die größte Ladung Flugzeuge mit, die jemals von einem Flugzeugträger befördert wurde“. einem engen Zusammenwirken von Kabinett und Regierungspartei geführt. Wer wird Köhlers Nachfolger? Kaum war kürzlich der Präsident des Bundestages, Dr. Köhler, in bedenklichem Zustand aus dem Plenarsaal in sein Arbeitszimmer geleitet worden, wo der Arzt einen schweren Nervenzusammenbruch konstatierte und seine sofortige Überführung in ein Krankenhaus anordnete, als auch schon die ersten Gerüchte über Köhlers möglichen Nachfolger in den Wandelgängen des Bundeshauses zu hören waren. Gleichzeitig wurden "'Vorgänge bekannt, die nach Ansicht von Beobachtern ihr Teil zu dem Zusammenbruch des Bundestagspräsidenten beigetragen haben können. Die FDP-Fraktion soll nach diesen Informationen vor wenigen Tagen in einem Schreiben an die CDU/CSU-Fraktion die Frage erhoben haben, ob die christlichen Demokraten die Person Köhlers als Bundestagspräsident noch länger tolerieren wollten. Die CDU/CSU soll daraufhin dem Präsidenten des Bundestages von diesem Schreiben Kenntnis gegeben und ihn gebeten haben, seine Konsequenzen zu ziehen. Die Geschäftsordnung des Bundestages schreibt vor, daß der Präsident nur auf eigenen Wunsch oder durch ein Mißtrauensvotum von seinem Amt entfernt werden kann. Ein Mißtrauensvotum kann sich die Regierungskoalition jedoch nicht leisten, da Köhler ja von ihr gewählt worden ist. Es wird jedoch vermutet, daß Dr. Köhler nunmehr aus gesundheitlichen Gründen um . seine Ablösung nachsucht. Als mögliche Nachfolger werden die CDU-Abgeordneten Ehlers und Kemper genannt. Zunächst führen die beiden Vizepräsidenten Professor Schmid (SPD) und Hermann Schäfer (FDP) die Geschäfte Die Rationalisierung der Bundesbahn Eisenbahner lehnen US-Vorschläge ab Stuttgart (lwb). Die „Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands“. (GDED), deren Delegierte gegenwärtig am Kongreß der „ITF“ in Stuttgart teilnehmen, hat in einer der Presse übergebenen Mitteilung amerikanische Vorschläge zur Rationalisierung bei der Deutschen Bundesbahn entschieden abgelehnt. U. a. war zur Verbesserung der finanziellen Lage der Bundesbahn die Entlassung - von rd. 80 000 Bundesbahn-Bediensteten vorgeschlagen worden. Wer derartige Pläne zu verwirklichen suche, müssq mit dem schärfsten Widerstand der Eisenbahnergewerkschaft rechnen. Auf dem Internationalen Transportarbeiterkongreß selbst erklärte der Vorsitzende des Verbandes der deutschen Gewerkschaften für öffentliche Dienste, Transport und Verkehr, Kummemuß, u. a., die deutschen Gewerkschaften rechneten es sich zur Ehre an, in diesem Kampf ihrer argentinischen Freunde gegen die Unterdrückung mit in vorderster Front zu stehen. Weiter wurde die Lage auf dem englischen Arbeitsmarkt behandelt und Beratungen über die Vierzigstundenwoche und das Mitbestimmungsrecht angekündigt. Bnndesfinanzminister Schaffer bei Petsche. Bundesfinanzminister Schäffer besprach mit dem französischen Finanzminister Petsche die Frage der Wiederherstellung normaler Finanzbeziehungen zwischen der Bundesrepublik und Frankreich. Grundstücksenteignungen hn Ostsektor. Neue gesetzliche Bestimmungen zur verschärften Kontrolle von Grundstücken in Ostberlin wurden vom Ostberliner Magistrat erlassen. Von den neuen Bestimmungen werden ausschließlich Grundstücke betroffen, deren Eigentümer in Westberlin oder Westdeutschland ansässig oder wohnhaft sind. Zur Kriegsdienstverweigerung Eine Erklärung Kardinal Frings Bonn (UP). „Der Heilige Vater läßt keinen Zweifel daran, daß es eine verwerfliche Sentimentalität und ein falsch gerichtetes Humanitätsdenken wäre, wenn man aus Furcht vor den Leiden eines Krieges jegliches Unrecht geschehen ließe“, erklärte der Kölner Kardinal Frings auf dem Diözesan-Ka- tholikentag in Bonn vor 25 000 Menschen. Er fuhr fort: „Wenn nach der Meinung des Heiligen Vaters eine Kriegführung nicht nur Recht sondern sogar Pflicht der Staaten sein kann, dann ergibt sich daraus, daß eine Propaganda für eine uneingeschränkte und absolute Kriegsdienstverweigerung mit dem christlichen Gedanken nicht vereinbar ist.“ Der Grundsatz „Frieden um jeden Preis“ wäre für alle kriegslüsternen Völker und Führer ein Anreiz zu jeglicher Gewalttat, zur Unterdrückung und zu Unrecht, erklärte der Kardinal und fügte hinzu, daß der echte Friede letzten Endes nur durch die in Gott ruhende Ordnung begründet sein könne. Keine Beziehungen mit der Ostregierung Feststellung von Vizekanzler Blücher Göttingen (UP). Auf einer Pressekonferenz, erklärte Blücher gegen den von Ulbricht auf dem Parteitag der SED angekündigten verschärften Kampf der KPD in Westdeutschland sei die wirtschaftliche und soziale Erneuerung die wirksamste Waffe. Auf eine Frage, ob die Bundesregierung diplomatische Beziehungen zur ostdeutschen Republik aufzunehmen gedenke, erklärte Blü- ifcr, es gebe in der Ostzone keine Regierung, j)lt der die Bundesregierung- irgendwelche leziehungen anknüpfen könnte. japanische Perspektiven Korea in anderer Beleuchtung Die politischen Kreise Japans blicken mit angehaltenen} Atem auf die kriegerische Entwicklung in Südkorea. Der Grund hierfür liegt weniger in der unmittelbaren Nähe der umkämpften asiatischen Landbrücke, als in der Tatsache, daß die Kriegsgeschichte Japans seit der Jahrhundertwende bis zum Zusammenbruch des japanischen Militärstaates im Sommer 1945 aufs engste mit Korea verknüpft war. Die Japaner sind in diesen Wochen gern bereit, gewisse Vergleiche zwischen den Ereignissen des ersten japanisch-russischen Krieges und der daraufhin erfolgten Besetzung Koreas durch die Truppen des Tennos und der gegenwärtigen amerikanisch-kommunistischen Auseinandersetzung anzustellen, um zu betonen, daß die fernöstlichen Ziele des russischen Imperialismus aus der Zeit des weißen Zaren auch unter der Herrschaft des roten Zaren keinerlei Veränderungen erfahren haben. Die Japaner sind sich der Bedeutung Koreas zweifellos- bewußter, als die meisten Durchschnittseuropäer, die zwar den grundsätzlichen Charakter der amerikanischen Intervention gegen den kommunistischen Angriff zu schätzen, kaum aber die strategische Bedeutung Koreas für die Verteidigung des japanischen Inselreiehes entsprechend zu würdigen wissen. Man spricht hier ganz allgemein von einer notwendigen Wiedergutmachung eines der Kardinalfehler der roosevelt- schen Ostasienpolitik, die der Sowjetunion freie Hand in Nordkorea, dem südlichen Teil von Sachalin und für die Inbesitznahme der ganzen Inselkette der Kurilen ließ, so daß das entmilitarisierte Japan dadurch zwangsläufig in eine gefährliche russische Zange geriet, die seine Verteidigung nahezu unmöglich machte. Man hört in diesem Zusammenhang von japanischen Politikern, die keineswegs als nationalistische Chauvinisten oder Anhänger der ehemaligen Militärclique bezeichnet werden können, daß Washington in der „strategischen Zerstümmelung“ Japans seinerzeit entschieden zu weit gegangen und der gegenwärtige Konflikt die logische Konsequenz einer Politik des Nachgebens gegenüber Moskau sei. Noch vor einem Jahr habe der damalige amerikanische Kriegsminister erklärt, daß das japanische Inselreich sich kaum der Verteidigung lohnen würde, da es vom strategischen Gesichtspunkt aus uninteressant sei. Ähnliche Stimmen habe man bezüglich Koreas noch im Laufe des letzten Winters gehört. Schon vor geraumer Zeit wurden in Japan warnende Stimmen gegen die amerikanische Verteidigungspolitik im Pazifik laut. Man erinnert hier an die Forderung japanischer Regierungsstellen auf Rückgabe der japanischen Stützpunkte wie Okinawa sowie an das Drängen der Regierungsparteien um Zulassung einer für die äußere Sicherheit unvermeidlichen Schutztruppe, was irrtümlicherweise von einem Teil der westlichen Presse als Versuch zur Wiederaufrichtung des japanischen Militärpotentials umgedeutet wurde. Selbst heute, da die Aktion in Korea in vollem Gang ist, trifft man in Tokio wenige Japaner, die es nach einer Wiedererrichtung der ehemaligen bewaffneten Staatsmacht gelüstet. Dazu sind die Erinnerungen an die acht Jahre verlustreichen Krieges in China und die katastrophalen Folgen des Pazifikkrieges noch viel zu lebendig. Japan bedarf einer langen ruhigen Aufbau- und Entwicklungsperiode, um sich einigermaßen von den Weltkriegsschäden erholen zu können. Aber dessen ungeachtet hat man im Umgang mit Japanern das Gefühl, daß sie nicht ganz ohne innere Genugtuung dem erbitterten Ringen gegen den Kommunismus ln Korea Zusehen, schon deshalb, weil es einen ihrer unversöhnlichsten Feinde trifft: das nach Asien vordringende Rußland. Man vernimmt ferner, daß sich ein beträchtlicher Teil der eingesetzten kommunistischen Kampfeinheiten aus solchen Koreanern rekrutiert, diff seinerzeit unter der japanischen Besetzung nach Sowjet-Asien flohen, dort zu Eliteverbänden zusammengezogen und ln mustergültiger Weise ausgerüstet und ausgebildet worden seien. Teile dieser Kampfeinheiten hätten auch unter Mao Tse-tung gegen das nationale China gekämpft und dort weitere Kampferfahrungen gesammelt. Ferner gilt es hier als offenes Geheimnis, daß ohne das mandschurische Industriehinteland der Überfall auf Südkorea unmöglich so planmäßig und gründlich hätte vorbereitet werden können, Wilhelm Keil 80 Jahre Ein Leben im Dienst des Volkes da Nordkorea trotz seiner reichen Bodenschätze und Rohstoffvorkommen nur über beschränkte Rüstungsbetriebe verfüge und ohne Versorgung aus der Mandschurei nicht aus- kommen könne. Die Japaner müssen es wissen, denn bis zu ihrer Niederlage im Sommer 1945 waren sie über drei Jahrzehnte lang die unumschränkten Herrscher in Korea. Korea-Verhandlungen erfolglos London (UP). In gutunterrichteten diplomatischen Kreisen wurde erklärt, daß man in Großbritannien die Hoffnung auf einen positiven Erfolg der britisch-sowjetischen Verhandlungen über Korea aufgegeben habe. Man betrachte die am 29. Juni begonnenen Gespräche zwischen Gromyko und dem britischen Botschafter in Moskau als abgeschlossen. In britischen Regierungskreisen sei man der Ansicht, daß ^ie ergebnislos verlaufen seien. Die nächste Aktion müsse' von Moskau ausgehen. Weitere Verhandlungen des britischen Botschafters Sir David Kelly seien nicht vorgesehen, wenn €fie Sowjetunion nicht die Initiative ergreife. Aus gut unterrichteter Quelle verlautet ferner, daß die letzte Unterredung zwischen dem stellvertretenden Außenminister Gromyko und dem Botschafter kühl und formell verlaufen sei. Dem Kreml sei nunmehr unmißverständlich klar zur Kenntnis gebracht worden, daß nach englischamerikanischer Ansicht die Lösung des Konfliktes und die Zulassung Chinas zu den UN nicht miteinander verknüpft werden könnten. Morgenthau für höchste Bereitschaft Nantucket, Island (UP). Henry Morgenthau forderte in einem Interview mit der United'Press das amerikanische Volk auf, den Drohungen der Sowjetunion entschlossen entgegenzutreten. Morgenthau, der unter Präsident Roosevelt das amerikanische Schatzamt leitete, betonte, die USA müßten sich „auf alle Möglichkeiten“ vorbereiten. Deshalb solle der Kongreß nicht zögern, sich auf den — wie Morgenthau sich ausdrückte — „unerklärten Kriegszustand“ einzustellen. Die Steuersätze aus der Kriegszeit müßten wieder eingeführt werden. Ferner solle die Regierung schon jetzt zur strikten Rationalisierung übergehen. Über Nahrungsmittel, Kleidung und Haushaltsgegenstände müsse wieder die Preiskontrolle verhängt werden. Angriff auf Formosa angekündigt London (UP). Die chinesischen Kommunisten gaben bekannt, sie seien entschlossen, „die Obstruktion der Vereinigten Staaten“ zunichte zu machen und Formosa zu „befreien“. In der Botschaft, die von der Agentur „Neues China“ übermittelt wurde, wird die Bevölkerung Formosas außerdem aufgefordert, „die letzten Überbleibsel der Tschiang- kaischek’schen Banditen zu vernichten.“ Die Botschaft wurde vom „Kampfausschuß des chinesischen Volkes gegen die US-Aggression in Formosa und Korea“ verfaßt. Auriol forderte ständige UN-Armee. Der französische Staatspfäsident Auriol forderte dringend die Schaffung einer ständigen Armee der Vereinten Nationen. B r ü s s e I (UP). König Leopold III. traf nach sechsjährigem Exil am Samstag um 7.18 Uhr aus der Schweiz kommend auf einem Flugplatz in der Nähe von Brüssel ein. Als die Maschine des Königs in Begleitung von neun Jagdflugzeugen über dem Flugplatz erschien, nahmen Gendarmen an dem Rollfeld Aufstellung. Eine Kapelle der belgischen Luftstreitkräfte stimmte die Nationalhymne an. Zusammen mit dem König entstieg Ministerpräsident Duvieusart, Prinz Albert und der königliche Sekretär Pirenne dem Flugzeug. Kurz darauf landete ein zweites Flugzeug mit dem Kronprinzen Baudoin an Bord. Ein Regiment der belgischen Luftflotte defilierte im Parademarsch an dem König vorbei. Eine halbe Stunde nach Betreten belgischen Bodens fuhr der König mit seinen Söhnen zum Schloß Laeken, der königlichen Residenz, wo Leopold von 1940 bis 1945 als Gefangener der Deutschen gelebt hatte. Sein Gesicht war unbeweglich, als er am Grabe seines Vaters vorbei durch die großen Tore in den Park seiner Residenz einfuhr. Vor dem Eingang des Schlosses hatte ein Zug des belgischen Kadettenkorps Aufstellung genommen. Der erste nahe Angehörige, der König Leopold nach seiner Rückkehr aus dem Exil begrüßte, war seine 73jährige Mutter, Königin Elisabeth, die ihren Sohn seit 1945 nicht mehr gesehen hatte. Die ganze Umgebung des Königs gleicht Infolge der Verstärkung der Bewachungen einem Heerlager. Inzwischen wurden auch die ersten Gratulanten aus Kreisen der belgischen Bevölkerung zugelassen. Jeder Blumenstrauß wurde jedoch, bevor er mit in das Schloß genommen werden durfte, sorgfältig nach verborgenen Waffen durchsucht. Wie lange König? Wenige Stunden später erklärte König Leopold in einer Rundfunkbotschaft an das belgische Volk, daß er König bleiben wolle. Er appellierte an die Belgier, einig zu sein, die Zwistigkeiten zu vergessen und zusammenzuhalten. Im Laufe des Tages fand ferner eine Sitzung des belgischen Kronrates statt, der dritten in der Geschichte Belgiens. Die sozialistischen und die liberalen Minister, die die Absicht gehabt hatten, in der Kronrats- sitzung die Abdankung des Königs zu fordern, waren schließlich der Sitzung ferngeblieben. Am Samstagabend richtete der König eine Botschaft an das Parlament, in der er andeutete, daa er in absehbarer Zeit vielleicht doch zu Gunsten des Kronprinzen Baudoin auf den Thron verzichten werde: „Ich werde es mir zur Pflicht machen, dafür zu sorgen. daß der Kronprinz sofort die erforder- Am 24. Juli wird der Präsident des württemberg-badischen Landtags, Minister a. D. Wilhelm Keil (SPD), 80 Jahre alt. Man greift gern zur Feder, um des Mannes zu gedenken, der seit nunmehr 60 Jahren im politischen Leben der engeren und weiteren Heimat steht und sich im Verlauf von langen, arbeitsreichen und mühevollen Jahrzehnten besondere Verdienste erworben hat. Wilhelm Keil wurde am 24. Juli 1870 als Bauernsohn in Helsa, Kreis Kassel, geboren. Nach dem Besuch der Dorfschule erlernte er das dpa-Foto Drechslerhandwerk. Wanderjahre führten ihn in viele deutsche und ausländische Städte und Gegenden. Durch Fleiß, Tüchtigkeit und ununterbrochene Arbeit an sich selbst, Eigenschaften, die den Jubilar in seinem ganzen Leben auszeichneten, erwarb er sich das Vertrauen aller, die mit ihm zu tun hatten und vor allem die Voraussetzungen für die Erfolge in seinem späteren politischen Leben. 1888 trat Keil der Gewerkschaft und 1889 der Sozialdemokratischen Partei bei. Nach einigen Jahren Tätigkeit als Krankenkassen- und Gewerkschaftsangestellter sehen wir ihn 1896 als Mitglied des Redaktionsstabes des sozialdemokratischen Landesorgans „Schwäbische Tagwacht“ in Stuttgart, deren politische Redaktion, er von 1902 bis 1933 ununterbrochen leitete. Als jüngstes Mitglied zog Keil. 1900 in den württembergischen Landtag ein, dem er ununterbrochen bis 1933 angehörte. Zwischendurch, im Jahre 1919, war er Präsident der verfassungsgebenden württembergischen Landesversammlung, 1921 bis 1923 württembergi- liche militärische und politische Erziehung erhält, die einem König zukommt.“ Bekannte Persönlichkeiten aus Regierung und Verwaltung waren schon am Vormittag vom König empfangen worden. Am Nachmittag wurden in- und ausländische Pressevertreter Leopold und seinen Söhnen vorgestellt. Das Kabinett trat am Samstagnachmittag zu- rück, Ministerpräsident Duvieusart wurde aber beauftragt, die Regierung vorläufig weiterzuführen. Das belgische Parlament tritt am Donnerstag zusammen, um eine Botschaft des Königs entgegenzunehmen. In den frühen Morgenstunden des Sonntags explodierte in einem Elektrizitätswerk in Charleroi eine Bombe. Man nimmt an, daß die Täter ihren Protest gegen die Rüdekehr König Leopolds zum Ausdruck bringen wollten. Der angerichtete Sachschaden ist relativ gering. Dies war der dritte Sabotageakt, der sich in den letzten zwei Tagen ereignete. In der Nacht vor der Rückkehr König Leopolds zerstörte eine Bombe einen Teil der Umzäunung des königlichen Palastes Laeken, in dem der König Einzug hielt Der zweite Sabotageakt ereignete sich kurz zuvor in der Nähe von Tournai, wo Eisenbahnschienen gesprengt wurden. Wird es gut gehen? Mit größter Spannung sieht man im In- und Ausland den kommenden Tagen und Ereignissen in Belgien entgegen, da die Sozialisten den Boykott gegen König Leopold weiterführen wollen. Neun sozialistische Minister, die Mitglieder des Kronrates waren, sind bereits zurückgetreten, unter ihnen der frühere Ministerpräsident Spaak. An einem von dem ehemaligen Ministerpräsidenten Spaak in Brüssel geführten Demonstrationszug gegen die Rückkehr von König Leopold beteiligten sich ungefähr 2000 Sozialisten. Sie nahmen auf dem Platz der Märtyrer eine Entschließung an, in der sie sich verpflichteten, „bis zum Ende zu kämpfen“, und „dem Lande einen Herrscher zu geben, der die Einheit Belgiens schaffen wird“. Während der Demonstration kam es zu verschiedenen unbedeutenden Zusammenstößen. Die Menge, die sich mehr und mehr vergrößerte, wiederholte fortwährend im Chor „abdanken, abdanken“. Einige Tausend Brüsseler jubelten am Sonntag Kronprinz Baudouin und seinem Bruder Albert bei ihrem ersten Erscheinen in der Öffentlichkeit nach der Rückkehr aus dem Exil zu. Die beiden Prinzen nahmen an einer Feier anläßlich der Verteilung von Kriegsauszeichnungen an zwölf Belgier teiL König Leopold selbst hat das schwerbewachte Schloß noch nicht verlassen. scher Arbeits- und Emährungsminister. Wie man sieht, eine Fülle von Arbeiten und Aufgaben, die allein schon genügt hätten, die Arbeitskraft eines Menschen voll in Anspruch zu nehmen. Wilhelm Keil wurde indessen zu noch bedeutenderen Funktionen berufen. Bereits im Jahre 1910 wurde er in den deutschen Reichstag gewählt, dem er ununterbrochen bis zum Jahre 1932 angehörte. Von allem Anfang an kniete sich Keil mit der ihm eigenen Energie und Schaffensfreude in die parlamentarische Arbeit hinein, so daß sein Name bald besonders bekannt war. Im ersten Weltkrieg nahm Keil die gleiche Haltung ein, wie der ihm befreundete spätere erste Reichspräsident Friedrich Ebert. Keil galt im Reichstag immer als besonderer Kenner der B’inanz- und Steuerpolitik und seine Arbeit gerade auf diesem Gebiet sowohl in der Fraktion wie in den Ausschüssen und im Reichstag selbst wird unvergeßlich bleiben. Bei aller Geradlinigkeit mit der Wilhelm Keil den von ihm einmal als richtig erkannten Weg ging, schätzten an ihm Freunde und Gegner gleichermaßen sein unablässiges Bestreben, objektiv zu sein und zu bleiben und über alle engeren Schranken und Bindungen hinweg die größeren Gesichtspunkte zu sehen. Allen, die Keil in den 30iger-Jahren im Reichstag erlebten, wird in unauslöschlicher Erinnerung bleiben, wie gerade er mit vielen anderen Freunden in der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion bestrebt war, Lösungen zu finden, um eine Krise der Demokratie und der Weimarer Republik zu verhindern. Wie viele seiner alten Parteifreunde, um nur die Namen Lobe, Breitscheidt, Severing u. a. zu nennen, war Wilhelm Keil während des Dritten Reiches vielen Angriffen und Schikanen ausgesetzt. Als über 60 Jahre alter Mann mußte er Haussuchungen und Vernehmungen aller Art über sich ergehen lassen. Trotzdem hielt er während dieser Zeit enge Verbindung mit seinen alten Freunden und nutzte die Jahre seiner unfreiwilligen Muße vor allem zur Niederschrift seiner Lebenserinnerungen, die unter dem Titel „Erlehnisse eines Sozialdemokraten“ vor wenigen Jahren erschienen sind und eine Fundgrube politischen Wissens genannt werden können. Die große Notlage des deutschen Vaterlandes rief den Unermüdlichen von neuem auf den Plan. Nach dem Zusammenbruch stellte sich Wilhelm Keil dem politischen und wirtschaftlichen Leben Süddeutschlands erneut zur Verfügung. Seit dem Jahre 1945 war er Teilnehmer an den Landrätekonferenzen, denen er später Vorstand. Wenig danach sieht man ihn als Präsident des Vorparlaments und des ständigen Ausschusses wirken. Im März 1946 wurde Keil dann zum Mitglied der verfassungsgebenden Versammlung gewählt, seit November 1946 ist er Mitglied des ersten gewählten württemberg-badischen Landtags und seit 1947 Präsident dieses Parlaments, das unter seiner Leitung eine überall anerkannte Aufbauarbeit geleistet hat Fürwahr, ein außergewöhnliches Leben, was die Fülle der Arbeit angeht, aber auch ein Leben mit vielen Leistungen und schönen Erfolgen! So darf Präsident Keil sicher sein, daß an seinem 80. Geburtstag viele Freunde aus nah und fern im Geiste um ihn versammelt sind, um ihm ihre aufrichtigen Wünsche darzubringen. Der schönste Geburtstagsgruß aber sei ihm das Bewußtsein, daß weite Kreise des Volkes voll Hochachtung seiner gedenken und ihren Blick auf das Beispiel seines Lebens und Schaffens richten. Frankfurt (UP). Die Nachrichten über das Vorgehen der Regierungen gegen die katholische Kirche in den kommunistischen Staaten Osteuropas lassen immer"stärker die Tendenz erkennen, die katholische Kirche in irgendeiner Form zu „übernehmen“, sie unter Staatskontrolle zu stellen und damit in eine von Rom unabhängige Nationalkirche iimra- wandeln. In den letzten Tagen ist, wie verlautet, der , uniierte Bischof von Presov, in der Slowakei, Monsignore Gojdic, (vom griechisch-katholischen Ritus) spurlos verschwunden, ebenso wie der WeLhbiscfaof derselben Diözese. Monsignore Hopkov. Kurz nachher hieß es, daß zahlreiche Priester und Gläubige beschlossen hätten, sich der griechisch-orthodoxen Kirche anzuschließen und die Verbindung mit dem Vatikan zu lösen. Es handelt sich offenbar um Bestrebungen, die uniierte katholische Kirche von Rom zu trennen, wie es bereits in Galizien und Rumänien geschehen ist. In Rom wurde in diesem Zusammenhang erklärt, um die Gründung von staatlich gelenkten „Nationalkirchen“ zu verhindern, sei am 30. Juni das neue Exkommunikationsde- kret des Heiligen Stuhles veröffentlicht worden, wonach jeder Priester oder Laie, der ein kirchliches Amt vom Staat übernimmt, exkommuniziert wird. In der letzten Zeit erregte auch die Ausweisung des Regenten der apostolischen Nuntiatur in Bukarest, des Bischofs Patrick O’ Hara, in der Weltöffentlichkeit großes Aufsehen. Die rumänische Regierung hat anscheinend geglaubt, zum letzten Schlag gegen die Kirche ausholen zu können, nachdem die uniierte rumänische Kirche zwangsweise mit der vom Staat beherrschten orthodoxen Kirche vereinigt wurde. Kurz vorher wurde der katholische Erzbischof von Bukarest, Cisar, verhaftet, und somit sind alle rumänischen Diözesen ihrer kirchlichen Oberhirten beraubt. Rumänien bietet beute das klassische Musterbeispiel der östlichen Kirchenpolitik. Man nimmt an, daß die rumänische Regierung die katholische Geistlichkeit verhaften Am Rande bemerkt Schäffers Kopf wurde gefordert Große Aufregung herrschte in einer Kieler Straßenbahn, als ein Fahrgast die Überschrift einer Zeitungsnachricht laut vorlas: „BHE fordert Schäffers Kopf!“ Es entstanden sofort heftige Meinungsverschiedenheiten. Durchaus nicht alle, die das Schlagwort gehört hatten, waren mit der Forderung einverstanden. Vertreter der gemäßigten Richtung meinten, das sei doch ein starkes Stück und viel zu gewalttätig. Die Radikalen dagegen stampften mit den Füßen auf den Boden der Trambahn und erklärten sich mit der „Kampfansage“ der BHE solidarisch. Die Diskussion schlug heftige Wellen, Rede und Gegenrede folgten Schlag auf Schlag. Während einer kurzen Streitpause bemerkte ein altes Männchen schüchtern: „Man müßte die Meldung einmal ganz lesen, nicht nur die Überschrift!“ Man fand den Vorschlag vernünftig und der Besitzer der Zeitung las laut vor. Als er von seinem Blatt aufsah, war es still um ihn, und er erblickte betroffene Gesichter. Der Vorsitzende der BHE hatte nämlich gesagt: „Schäffers Kopf möchte ich haben!“ (Er meinte natürlich „Köpfchen“. D. Red.) Wie so oft in politischen Dingen hatte also ein großes Wort eine ganz kleine Ursache, Und wie so oft, wenn über politische Dings geredet wird, hatte eine kleine Ursache ein« große Wirkung. st Mackenzie King gestorben Ottawa (UP). Der langjährige kanadische Ministerpräsident Mackenzie King ist in Kingsmere Lake in^ Alter von 75 Jahren an einer Lungenentzündung gestorben. 22 Jahre lang hat Mackenzie King als liberaler Ministerpräsident die kanadischen Regierungsgeschäfte geleitet. Im November 1948 trat er nach dem Wahlsieg der Konservativen zurück. Mackenzie King galt als der führende Staatsmann Kanadas nach dem ersten Weltkrieg. Während seiner Regierungszeit, die er lediglich von 1930 bis 1935 nach der Niederlage der Liberalen Partei unterbrechen mußte, festigte er das Ansehen Kanadas in der internationalen Politik. Sein politisches Ziel war das unabhängige und geeinte Dominion Kanada. 1936 und 1938 war er Vizepräsident des Völkerbundes. Kanada ruft zum Waffendienst auf. Der kanadische Verteidigungsminister Claxton rief alle wehrfähigen Männer zum Waffendienst auf. Ergebnisse der US-Volkszählung 1950. Am 1. April 1950 betrug die Gesamtbevölkerungszahl der Vereinigten Staaten (ohne Außenbesitzungen) 150,5 Millionen, wie bei der Veröffentlichung der vorläufigen Ergebnisse der Volkszählung von 1950 bekanntgegeben wurde. Das sind nahezu 19 Millionen Menschen mehr als im Jahre 1940. Die Schweiz rüstet auf. Der gemeinsame Finanzausschuß der beiden Häuser des schweizerischen Parlaments billigte die Auswertung eines zusätzlichen Betrages von 42 Millionen Schweizer Francs zum Ankauf von Rüstungs- material. Ex-Außenminister Togo gestorben. Der frühere japanische Außenminister Togo ist im Alter von 68 Jahren in Tokio gestorben Spanien verstärkt Pyrenäen-Verteidigung. Die spanische Armee ist zur Zeit dabei, die Pyrenäen-Verteidigungen zu verstärken. Aus Zaragossa sollen Truppenverstärkungen in die Pyrenäen gesandt worden sein, in der Hauptsache Artillerie- und Flak-Einheiten. oder zum Abfall veranlassen und gefügige Werkzeuge des Kommunismus mit der Kirchenleitung betrauen wird. Der „Osservatore Romano“ hat in den letzten Tagen darauf hingewiesen, daß auch in Ungarn die Kirchen Verfolgung weitergeht. Die Regierung hat den Bischöfen zu verstehen gegeben, daß sie den vom Staat vorgeschlagenen modus vivendi annehmen müssen, andernfalls würde der Staat zu Zwangsmaßnahmen schreiten und eine Reihe von Prozessen anstrengen. Bekanntlich wurden in Ungarn am 9. Juni über 1000 Mönche und Nonnen verhaftet und in Lager überführt. Unabhängige Arbeiterpartei geplant Vorbereitungen in Düsseldorf Düsseldorf (UP). Auf einer Zusammenkunft von 58 Delegierten Westdeutschlands und Westberlins, die seit langem in der Arbeiterbewegung tätig sind und unter denen sich ausgeschlossene und noch aktive KPD-Funktionäre, SPD-Mitglieder sowie Gewerkschaftler und ungebundene Sozialisten befanden, wurde nach einer mehrstündigen Aussprache ein vorbereitender Ausschuß gewählt. Dieser erhielt den Auftrag, alle politischen und organisatorischen Vorbereitungen zur Bildung einer „Unabhängigen Arbeiterpartei Deutschlands“ zu treffen. Gleichzeitig soll eine eigene Wochenzeitung, „Die Freie Tribüne“, herausgegeben werden. Der Schritt wurde damit begründet, daß die KPD- und SPD-Führungen unfähig seien, die Interessen der arbeitenden Menschen zu vertreten. Piecks Tochter übernimmt Ministerium. Die Tochter des Präsidenten der „Demokratischen Deutschen Volksrepublik“, Frau Staimer- Pieck, soll nach den Oktoberwahlen das Ministerium für Materialversorgung übernehmen. Dertinger nur auf Urlaub. Verschiedene Gerüchte, wonach Ostzonenaußenminister Dertinger in Ungnade gefallen sein und nicht mehr auf seinen Posten zurückkehren soll, haben sich angeblich nicht bestätigt. Dertinger weilt zur Zeit auf der Krim in Urlaub. Belgien in Freude und Erregung Leopold im Flugzeug angekommen — Sozialisten boykottieren weiter Satellitenstaaten bedrohen die Kirche Vatikan gegen Gründung von Nationalkircben ■r 1 Montag, den 24. Juli 1990 Wie soll die Freiheit verteidigt werden? Erkenntnisse und Pläne — Vor einer Debatte im Unterhaus London (UF). Alle einflußreichen britischen Sonntagszeitungen veröffentlichen in ihren neuesten Ausgaben Betrachtungen über die Stärke und die Möglichkeiten der Verteidigung Westeuropas. Die „Sunday Times“ erklärt, man dürfe nicht mehr zögern, wenn es gelingen soll, die Weliordnung und den Frieden wirklich zu verteidigen. Es werde nur dann keinen dritten Weltkrieg geben, wenn die Demokratien Maßnahmen durchführen, die die Gewißheit mit sich bringen, daß die Demokratien einen derartigen Krieg ganz klar gewinnen werden. Das Blatt fordert schließlich ein gemeinsames alliiertes Oberkommando, gegenseitige Unterstützung und eine weitgehende -Verstärkung des westeuropäischen Verteidigungssystems. Der „Observer“ gelangt zu der Feststellung, es. sei notwendig, daß die anderen Atlantikpaktmächte in ähnlichem Maße wie die USA ihre Rüstungsanstrengungen vergrößern. Wenn es verhindert werden solle, daß die Sowjetunion eines Tages den ganzen europäischen Kontinent überrenne, dann müßten auch die westeuropäischen Staaten bereit sein, den „entsprechenden Preis“ zu bezahlen. Dies bedeutet „sozusagen mehr Kanonen und weniger Butter“. Churchill wollte Geheimdebatte Die britische Regierung hat sich entschlossen, der Forderung der Opposition Rechnung zu tragen und in der kommenden Woche im Unterhaus eine Debatte über die Verteidigungsfragen durchzuführen. Obwohl Winston Churchill eine Geheimdebatte gefordert hatte, entschied die Regierung, daß diese Debatte öffentlich sein soll. Bei dieser Gelegenheit wird die britische Regierung mitteilen, welche Antwort sie auf den Appell der Vereinten Nationen gab, die amerikanischen Landtruppen in Korea durch Truppenentsendungen direkt zu unterstützen. Verteidigungsminister Shinwell, der vor Bergarbeitern in Durham sprach, erklärte in diesem Zusammenhang, daß Großbritannien seine militärische Stärke vergrößern werde, dafür jedoch gezwungen sei, von der Durchführung gewisser Punkte des innerpolitischen Programmes Abstand zu nehmen. Anläßlich der gleichen Versammlung hat Gesundheitsminister Bevän, der als der Führer des linken Flügels der Labour Party angesehen wird, den Weltkommunismus scharf kritisiert. In einem direkten Appell an Marschall Stalin forderte er die Rückkehr der Sowjetunion in den Sicherheitsrat und die Geltendmachung des sowjetischen Einflusses gegenüber Nordkorea zwecks Einstellung der Feindseligkeiten. Unter Hinweis auf die an diesem Wochenende in London stattflndenden kommunistischen „Friedenskonferenz“ sagte Bevan: „Ich möchte den Kommunisten Zurufen: Es ist nicht nötig, daß ihr diese Konferenz in London abhaltet. Kein Mitglied der arbeitenden Schichten Englands wünscht den Krieg. Richtet eure Forderungen an den Kreml und fordert den Kreml zur Zusammenarbeit mit der übrigen Welt auf, damit ein neuer Krieg verhindert werden kann“. Was will McCloy? Auf den ersten Anhieb sei es dem Leser nicht ganz klar, heißt es in einem Kommentar des CDU-Organs „Kölnische Rundschau“, was der Hohe Kommissar, McCloy, sagen wolle, der soeben wieder in einer Verlautbarung erklärt hat, „es gibt keine deutschen Truppenkontingente, und wir werden keine aufbauen.“ „McCloy will weder irgend eine Wiederaufrüstung, noch eine Volkspolizei nach Ostzonenmuster, überhaupt kein deutsches Truppenkontingent“. Das Blatt erklärte: „Es gäbe da eine Möglichkeit, ohne deutsche Wiederaufrüstung, ohne deutsches Truppenkontingent, ohne volkspolizeiliche Cadres, die Deutschen, soweit sie dies wallen, in eine Verteidigungsfront einzubeziehen. Man müßte sie nämlich in amerikanische Uniformen stecken, ihnen amerikanische Waffen geben und etwa zug- oder kompanieweise in amerikanische Regimenter stecken. Wir wissen nicht, ob McCloy diese von uns durchaus nicht befürwortete Auslegung wirklich so meint Wir würden uns sehr freuen, zu erfahren, wenn er es nicht so gemeint hat, was er dann gemeint hat“. Die ßadistUen S tkuinutteisienstlta^Un Nikar-Heidelberg beste Mannschaft NEUES AUS ALLER WELT Schwerer Wirbelsturm in Mühlhausen Mühlhausen, Frankreich (UP). Ein Wirbelsturm richtete in Mühlhausen schwere Schäden an. Bäume wurden entwurzelt, Fenster eingedrückt, Telephonmasten umgeworfen und durch vom Tornado hervorgerufene Überflutungen die Keller zahlreicher Häuser unter Wasser gesetzt. Der Sachschaden dürfte sich auf mehrere Millionen Francs belaufen. Dem 15 Minuten andauernden Sturm folgte ein Wolkenbruch und darauf ein heftiger Hagel. Es ist dies das zweite Mal innerhalb 24 Stunden, daß ein Tornado schwere Schäden in Frankreich anrichtet. Kurz vorher war die Stadt Cambrai im Pas de Calais von einem Tornado betroffen worden. Tragisches Einsturzunglück in Berlin Berlin (UP). Zwei Jugendliche im Alter von 12 und 16 Jahren wurden von einer einbrechenden Kellerdecke eines Ruinengrundstückes in Westberlin verschüttet Nach langwierigen Bemühungen konnte zunächst nur der Zwölfjährige geborgen werden, während sein 16jähriger Spielkamerad erst im Laufe des späten Abends und nach Anlegen eines Stollens durch die niedergebrochenen Trümmermassen zum Teil freigelegt werden konnte. Feuerwehrleute reichten ihm Wasser und sprachen mit ihm, als erneut ein weiterer Teil der restlichen Kellerdecke einstürzte, und den soeben freigelegten Jungen erneut verschüttete. Schließlich gelang es, den Jungen zu bergen. Er war inzwischen seinen erlittenen Verletzungen erlegen. Rache eines Verschmähten München-Gladbach (UP). Ein Mann wollte seine frühere Geliebte in München- Gladbach derart im Gesicht entstellen, daß kein Mann mehr Gefallen an ihr finden sollte. Er drang in ihre Wohnung ein und schüttete der Frau nach einem Wortwechsel Säure ins Gesicht. Die Frau hatte sich glücklicherweise geistesgegenwärtig sofort ihr Gesicht mit Wasser abgespült, so daß sie nur leichte Ätzungen im Gesicht und am Hals zurückbehielt AUS DEM WIRTSCHAFTSLEBEN Ein- und Ausfuhren gestiegen Der Gesamtwert der Ausfuhren aus dem Bundesgebiet stieg von 595 Millionen DM im Mai um rund zehn Prozent auf 652 Milli onen DM im Juni und erreichte damit einen neuen Höchststand. Die Einfuhren stiegen von 678 Millionen DM im Vormonat auf 791 Millionen DM im Juni. Die Einfuhrsteigerung entfiel zu fast 85 Prozent auf Rohstoffe und Halbwaren. Unter den nicht ERP-Teilnehmer-Ländern stieg vor allem die Einfuhr aus den Vereinigten Staaten, Irak, Pakistan, Australien, Finnland, Ungarn und Indonesien. Bei den Ausfuhren entfiel knapp die Hälfte der Zunahme auf den Export von Fertigwaren, besonders aus Walzwerk-Erzeugnisse und Eisenwaren, sowie auf Personenautomobüe — ohne Volkswagen — feinmechanische und optische Erzeugnisse Die starke Steigerung in der Ausfuhr von Rohstoffen und Halbwaren beruhte fast zur Hälfte auf dem erhöhten Export von Steinkohlen (vor allem nach Italien) und im übrigen auf einer Mehrausfuhr von Schrott (nach Großbritannien), Kali-Düngemittel (nach Japan), Kupfer und Roheisen. Die Ausfuhr nach den am Marshallplan beteiligten Ländern stieg annähernd gleich stark an wie die Ausfuhr nach den übrigen Ländern. Guter Tabakjahrgang 1959 Nach Ansicht der Tabakpflanzer ist in Nord- und Südbaden und auch in der Pfalz eine gute Tabakqualität zu erhoffen, wenn sich die Entwicklung des Pflanzgutes in den nächsten Wochen weiterhin so gestaltet wie bisher. Bis auf wenige Ausnahmen zeigten die Tabakäcker Anfang Juli gesunde und geschlossene Bestände Krankheiten und Schädlinge zeigten sich nur vereinzelt. Von einzelnen leichten Fällen abgesehen, blieben die Tabakkulturen von Hagelschlag und Unwettern verschont. Es steht damit zu hoffen, daß unsere Tabakpflanzer nicht nur eine mengenmäßig, sondern auch eine qualitativ gute Ernte haben werden. Nach Ansicht des Bauernverbandes würden jedoch alle Bemühungen um die Steigerung der Qualität zunichte gemacht werden, wenn nicht durch geeignete Maßnahmen die heimische Ernte gegenüber dem Importtabak geschützt würde, was in erster Linie dadurch zu erreichen wäre, daß endlich dem Antrag der Tabakpflanzer auf die Wiedereinführung des steuerbegünstigten Feinschnitts und der steuerbegünstigten schwarzen Zigarette stattgegeben würde. Rheinkanalisierung in Raten Die Schiffbarmachung des Hochrheins und des Bodensees wird, wie aus Mitteüungen der Rheinschiffahrtsverbände Konstanz lind Basel hervorgeht, in Etappen vorwärtsgetrieben werden, solange die Verwirklichung auf internationaler Ebene auf sich warten läßt. Eine technische Kommission prüft die Möglichkeiten des Ausbaus einer Teilstrecke von Basel-Rheinfelden bis Laufenburg. Man ist dabei zu dem Ergebnis gekommen, daß eine erste Etappe sich weiter östlich bis zur Aare- Mündung gegenüber dem deutschen Waldshut, erstrecken müßte. Damit wäre bereits die Hälfte des Weges Basel—Bodensee überwunden. Stärkstes Interesse an der Inangriffnahme der Arbeiten zeigen die Industrie- und Handelskammern zu beiden Seiten der Strom- grenze, besonders Basel und Konstanz. Die beteiligten schweizerischen Kantonsregierungen werden demnächst zu dem Plan Stellung nehmen. Deutscherseits beschränken sich das Land Baden und die Bundesregierung vorläufig wegen des Fehlens finanzieller Mittel auf technische Vorarbeiten Immerhin sind bereits einige Kraftwerke fertiggestellt bzw. im Bau, die für die Errichtung der sonstigen Schiffahrtsanlagen notwendig sind. Die etappenweise Durchführung des Projektes wird in Fachkreisen nicht als Gefährdung des Gesamtplanes angesehen. Die in Straßburg tagende Konferenz der Rhein-Zen- tral-Kommission und die für den 9. September in Säckingen angesetzte Vollversammlung des Rheinschiffahrtsverbandes werden weitere Klarheit für das Projekt bringen. Obwohl mit Nikar Heidelberg, KSN 99 Neptun Karlsruhe, 1. BSC Pforzheim, Sparta Pforzheim und TSG 62 Weinheim neun Vereine am Start waren, fiel die Mehrzahl der Meisterschaften an die Aktiven von Nikar Heidelberg, Neptun Karlsruhe und 1. BSC Pforzheim. Allerdings gab es in einig«! Konkurrenzen auch Sololäufe, wie beispielsweise über 100 m Rücken für Frauen. Hier sicherte sich Horn von SV Mannheim im Alleingang mit 1:37,6 Min. den Titel. Gleichfalls sah die 4 X 100-m-Rückenstaffel mit Neptun Karlsruhe nur eine Mannschaft am Start. Die Zeit der Karlsruher betrug 6:02,6 Min., die 4 X 100- m-Bru#tstaffel für Frauen machten die beiden Mannschaften von Nikar Heidelberg unter sich aus, wobei die zweite Mannschaft mit 6:54,6 Min. den Titel gewann. Einen überlegenen Sieg errang Reinhard (Nikar Heidelberg) über 100 m Kraul, die er in der sehr guten Zeit von 1,03 Min. vor Lengler Mannheim, und seinem Vereinskameraden Werner gewann. Ein spannendes Rennen lieferten sich die 4 X 100-m-Rückenstaffel der Frauen, die zunächst den SV Mannheim in Führung sahen. Erst die gute Karlsruher Schlußschwimmerin konnte die Staffel in 6,53 gegen 7:05,6 Min. der Mannheimer Staffel für Neptun entscheiden. Die beiden Bruststrecken über 100 und 200 m brachten dem Pforzheimer Dollinger die erwarteten Siege. Die 100-m-Strecke legte er in der guten Zeit von 1,15 Min. zurück und verwies hierbei den Heidelberger Göbel und den Mannheimer Junge auf die Plätze, während er die 200 m in 2:57,1 Min. vor seinem Vereinskameraden Hillenbrand und dem Karlsruher Oskar Wunsch gewann. Ein harter Kampf entwickelte sich bei den 100-m-Brusf der Frauen zwischen der diesjährigen badischen Hallenmeisterin Hölzer (Nikar Heidelberg) und der Süddeutschen Meisterin des Jahres 1948 Wölfel (FT Heidelberg), den schließlich die Nikarschwimmerin mit der Zeit von 1:33,8 Minuten gegenüber 1:35,8 Minuten ihrer Konkurrentin gewann. Die 200-m-Kraul waren wieder eine sichere Sache von Reinhardt, der in 2:30,5 Minuten überlegen der Sieger vor Knies (SV Mannheim), der 2:36,5 Minuten benötigte, wurde. Dieser zweite Platz von Knies vor dem Heidelberger Roth und dem Karlsruher Nachwuchsmann Pfeiffer muß jedoch als überraschend bezeichnet werden. Eine Enttäuschung bereitete Pfeiffer (Neptun Karlsruhe) in der 400-m-Kraulstrecke, in der er allgemein als Sieger getippt, wurde Die Anstrengungen der vorangegangenen Rennen machten sich jedoch stark bemerkbar, so daß Pfeif- ^Cl ilur i'hinter dem iRit 5:33 ; 0 Minuten siegenden Reinhardt (Nikar), dem 2: Söffer (VfvW Mannheim) u. dem 3., Franke (Sparta Pforzheim), wurde. In der 4X100-m-Kraulstaffel lag Nikar Heidelberg vom Start bis ins Ziel in Führung und siegte auch mit 4-42,5 Minuten vor SV Mannheim und KSN 99 Karlsruhe. Einen spannenden Zweikampf lieferten sich Neptun Karlsruhe und Nikar Heidelberg in der 10 mal 50-m-Bruststaffel. Zunächst lagen die Heidelberger knapp vorne, aber schon beim vierten Wechsel übernahm Neptun die Führung, die sie bis zum Schluß nicht mehr abgab und in 6:13,5 Minuten vor Nikar mit 6:16,0 Min. gewann. Die Staffel von VfvW Mannheim wurde weit abgeschlagen Dritter. Einen kaum erwarteten Erfolg sicherte sich der SV Mannheim in der 4X100-m-Bruststaffel für Männer, die dife Mannheimer in 5:42,0 Minuten vor KSN 99 (5:45,1) und der favorisierten Pforzheimer Staffel (5:48,0) erfolgreich gestalten konnten. In der 3X100-m-Lagenentscheidung der Frauen lag Neptun Karlsruhe nach ü Rückenschwimmen leicht im Vorteil. Bei den Brustschwimmerinnen stieß Mannheim stark nach vorne, so daß der letzte Wechsel mit zwei Meter Vorsprung durchgeführt wurde. Margot Lieb als Schlußschwimmerin von Neptun holte diesen Vorsprung nicht nur auf, sondern ging sogar mit drei Metern Vorsprung als Erste durchs Ziel. Die Zeit der Staffel von .Neptun betrug 4:41,6 Minuten, während Mannheim 4:45,7 Minuten benötigte. In der 100 m Rückenkonkurrenz der Männer kam Nikar Heidelberg durch Wölfe! (1,20 Min.) und Burghard (1:21,5 Min.) zu einem Doppelerfolg. Die 3 X 100-m-Lagenstaffel sicherte sich nach einem spannenden Kampf Neptun, Karlsruhe, in 3:55,5 Min. vor Nikar, Heidelberg, und 1. BSC Pforzheim. Für ihre Niederlage in der 10 X 50-m-Bruststaffel revanchierte sich Nikar, Heidelberg, in der 10 X 50-m-Kraulstaffel. In der Zeit von 5,0 Min. verwiesen sie Neptun, Karlsruhe, auf den zweiten Platz. Im Kunstspringen mußte der Vorjahresmeister Kinne, TV 46 Mannheim, den Titel an den Pforzheimelf Dr. Blume abtreten. Dr. Blume erreichte 141,2 Punkte, während Kinne 133,6 erzielte. In der 100-m-Kraulstaffel Sicherte sich Bomhäuser, Neptun Karlsruhe, in 1:2,3 Min. den Titel vor den Mannheimerinnen Horn und Stöcker. Die 4 X 100-m- Kraulstaffel endete mit dem erwarteten Erfolg von Neptun, Karlsruhe, die in 6:01,4 Min. vor dem SV Mannheim das Ziel passierten. Die 200 m Brust brachte Nikar, Heidelberg, mit Wölfel und Meißburger die beiden ersten Plätze. Für die Siegerin wurden 3:26,3 Min., für Meißburger 3:26,6 Min. gestoppt. Das Kunstspringen der Frauen sah Klanig, TSV 46 Mannheim, mit 119,35 Punkten vor ihrer Vereinskameradin Kapp mit 113,7 Punkten in Führung. „Großer Straßenpreis von Mannheim“ Das vom Radfahrerverein 97 Mannheim- Waldhof ausgerichtete traditionelle Straßenrennen Mannheims um den „Großen Straßenpreis von Mannheim“ hatte ein überraschend gutes Meldeergebnis aus allen Teilen Deutschlands zu verzeichnen. Das Rennen, das auf der rund 160 km langen Strecke zwischen Mannheim—Weinheim—Bensheim—Lindenfels —Beerfelden—Eberbaeh—Neckargemünd —Peterstal—Schriesheim—Ladenburg—Mannheim ausgetragen wurde, erreichte seine Höhepunkte an den Odenwaldsteigungen, die an die Fahrer große Anforderungen stellten. Ein Feld von 145 Fahrern wurde kurz nach acht Uhr auf die beschwerliche Reise geschickt. Bis Bensheim legte das gesamte Feld ein .geradezu mörderisches Tempo vor, wobei die Stoppuhr zuweilen nahezu 50 Kilometer Schnitt registrierte. Aus einer Spitzengruppe von 14 Mann preschte Danz (Frankfurt) plötzlich los. Seine Verfolger hatten es schwer, ihn nach gut 15 Kilometer wieder einzuholen. Auch das Mittelfeld fand noch einmal Anschluß an die Spitze. 40 Fahrer kamen so im Rudel gut über den schwierigen „Beerfelder Stich“. Der starke Regen brachte eine Erschwerung der Fahrt. Einen Massensturz gab es im Neckartal. Die acht Kilometer lange Steigung bei Peterstal trug zur Auflösung des Feldes bei. Sauter (Frankfurt) gelang es, Boden gutzumachen. Die drei mitfahrenden Franzosen hielten sich sehr gut und standen das schwere Rennen wacker durch. Am Zielband in Mannheim kam schließlich nach eine? Fahrzeit von 4:21 Stunden der Frankfurter Scholl als erster an, dicht gefolgt von seinem Frankfurter Kollegen Sauter, Haase und Gut. Der Franzose Elena landete auf dem siebter Platz. 200000 kirn St&teiae* Owedwume* Fleischmanns Pech im Meisterschaftslauf Rücktritt des Bundesfinanzministers gefordert. In einer Erklärung des Vorstandes des Zentralverbandes der „Vertriebenen“ wird „kategorisch“ der Rücktritt Schäffers gefordert und festgestellt, daß „ein weiteres Zusammenarbeiten nicht mehr möglich ist". Der gute Ruf, den sich das Schleizer Dreiecksrennen in früheren Jahren erwarb, lockte zum ersten großen Rennen nach dem Kriege die gesamte deutsche Fahrer-Elite nach Thüringen. Obwohl die Veranstaltung durch Regenschauer empfindlich gestört wurde, brachte sie sportlich und finanziell einen großen Erfolg. 200 000 Zuschauer umsäumten den 7,77 km langen Kurs, auf dem sich die Anwärter auf die Meisterschaft hartnäckige Kämpfe lieferten. Die Fabrikfahrer aus Westdeutschland teilten sich in die Lorbeeren. Die Vertreter der Ostzone konnten diesmal nicht so recht mithalten. Bei den Kleinen siegte DKW Am aussichtsreichsten ging von den Fahrern der Ostzone Walfried Winkler bei den Kleinsten ins Rennen. Er mußte aber vorzeitig ausscheiden. Bei den 1 2 5 e r n siegte H. P. Müller (DKW) in 51:08,9 «= 91,5 Stdkm. vor Kluge-Ingolstadt (91,1) und Dietrich-Frankfurt auf Puch. Kluge revanchierte sich bei den Viertelliter-Maschinen durch einen überlegenen Sieg. Zeitweilig hatte er mehr als eine halbe Minute Vorsprung vor seinen Konkurrenten, von denen die italienischen Saug- motoren-Maschinen mit Gablenz und Thom- Prikker sich gleichwertig zeigten. Thom-Prik- ker fiel dann 800 m vor dem Ziel durch Defekt aus, so daß hinter Kluge der Karlsruher Gablenz auf Moio-Parilla auf den zweiten Platz kam vor H. P. Müller auf DKW m. K. Kluges Zeit lautete 55:55,5 Min.—108,3 std/km. Gablenz fuhr in scharfer Verfolgungsfahrt die schnellste Runde mit 111,6 std/km. Fleischmanns Pech bei den 350ern Im Rennen der 350er-Klasse hatte das NSU- As Heiner Fleischmann wieder einmal Pech. Souverän steuerte er zuerst seine schwere Kompressormaschine durch die 19 Kurven des Schleizer Kurses, da ereilte ihn ein Defekt. der ihn auf den dritten Platz zurück*arf. Siegfried Wünsche fuhr auf seiner Kompres- sor-DKW den Sieg in 53:45 Minuten = 112.76 std/km vor Knees-AJS und Fleischmann heraus und erzielte dabei die schnellste Zeit des Tages, da die „Senioren“ wegen Regens nachher nicht mehr ganz aufdrehen konnten. Runde des Tages. Schorsch Meier fuhr verhalten Auch als neugebackener Ehemann seizte Georg Meier seine Siegesserie fort. Auf de? regennassen Strecke hatte er gegenüber dei schwergewichtigen NSU mit Fleischmann erheblich Vorteile, die er sicher ausnützte. Mit 105,9 std/km siegte er verhalten fahrend. Erst zum Schluß, als die Straße wieder äbgetrpek» net war, kamen die Rad an Rad fahrenden Verfolger Fleischmann und Zeller-Hammerau auf BMW o. K. näher an Meier heran. ~ei gleicher Kilometerleistung von 100 std km wurde Fleischmann Zweiter vor Zeller. Böhm / Fuchs in Seitenwagen In den Seitenwagenrennen triumphierten die Neckarsulmer Böhm/Fuchs ganz überlegen. Bei den 60 0ern siegten sie mit 108,3 std/km vor Klankermeier/Wolz (BMW) 106,7 std/km, während bei den 1 200ern Wiggerl Kraus mit Huser auf BMW 96,1 vor Seppen- hauser/Wenzhofer (BMW) zum Siege kamen. Wetterbericht Übersicht: Die von einem Tiefdruckgebiet über den britischen Inseln ausgehenden Randstörungen erfassen zeitweise auch unseren Raum. Vorhersage: Am Montag wechselnd bewölkt, noch vereinzelte Schauer, «ur mäßig warm mit Höchsttemperaturen um 25 Grad. Mäßige Winde aus Südwest bis West. Arn Dienstag Fortdauer der imbeständigen Witterung mit gelegentlichen Aufheiterungen. r-l m \ n KULTUR UND LEBEN Gibt es unsterbliche Lebewesen? Naturwissenschaftliche Plauderei Das Geheimnis des Lebens schj-ifinmert noch immer unzugänglich in der Zelle. Sie verweigert dem neugierigen Forscher nach wie vor den Zutritt. Während sich die Welt der Atome vor ihm willig ausbreitet, vergilt die Zelle seinen Zugriff durch eine Art Selbstmord. Wenn er sie zerlegen will, zerfällt das rätselhafte Protoplasma, eine vermutlich wunderlich und vielfältig zusammengesetzte Eiweißeubstanz. zu toter Materie. Das „Leben“ entflieht. Es ist unteilbar. Aber auf der Suche nach seinem Geheimnis ist es dem, Wissenschaftler gelungen, immer kleinere Ganzheiten des Lebens au isolieren. Bis zur Konstruktion des Elektromikroskops galt die Schraubenbakterie „Spirillum parvum“ mit ihren 0,0001 bis 0,0003 Millimetern Durchmesser für das winzigste Lebewesen der Welt. Danach eröffnete sich dem Forscherauge das weite Feld der Visen, den Erregern der gefährlichsten Krankheiten. Sie haben mit Millionstel Millimetern Länge die Größenverhältnisse der Moleküle und schieben sich schon damit in den Bereich der toten Materie. Allerdings gibt es größere, wie etwa das Pockenvirus, das mit 0,000150 Millimetern Längsdurchmesser den Umfang der Spirillen erreicht. Wir haben also lebende Moleküle vor uns. Sie erfüllen nämlich die Grundforderung an alles Lebendige. Es muß in der Lage sein, sich durch Umbildung fremder Stoffe Energien zuzuführen und sich fortzupflanzen. Das weitere Eindringen in die lebende Welt von solch mikroskopisch kleinen Dimensionen brachte erst die eigentliche Sensation. Es gibt Viren, die nicht nur nach ihren Größenverhältnissen, sondern erst recht nach ihrem ganzen Verhalten die Grenzen zwischen Tod und Leben zu verwischen scheinen. Mit der Entdeckung und Isolierung des Tabakmosaik- Virus, des Erregers der Tabakmosaikkrahk- heit, die amerikanischen Forschem glückte, stand man vor einem solchen Wunder. Dieses nur 3 Hunderttausendstel bis 55 Millionstel lange Virus benimmt sich wie jedes andere, und stellt doch kristallisierbaren Eiweißstoff dar. Main kann die seltsamen Kristalle in Gläser füllen und darin jahrelang verwahren. Nichts geht mit oder unter ihnen vor. Sie sind „tot“. Sobald aber die Erregerkristalle wieder auf Tabakblätter gebracht werden, besinnen sie sich ihrer Vitalität. Wie eine Seuche greifen sie um sich und befallen im Nu das umliegende Feld mit Tabakpflanzen. Das „tote“ Kristall lebt also. Es vermag sich zu regenerieren, fortzupflanzen und auszubreiten, und frißt dabei Substanzen der Tabakblätter. Die Krankheit der befallenen Gewächse zeugt von der „Gesundheit“ der Viren. Wie sie jedoch ihre Lebensfunktionen ausüben, ist noch unergründet. So folgt ein Geheimnis dem andern. Immer steht der Mensch vor letzten Fragen. Und wenn er heute die Entdeckung unsterblicher Lebewesen ankündigt, so muß er gleichzeitig gestehen, daß seine eigene Endlichkeit nie ein Ausrufungszeichen hinter diese Behauptung gestatten. Emil Maier. 900 Jahre NÜRNBERG Es gibt ältere Städte als Nürnberg. Selten aber hat eine Stadt in ihrer neunhundertjährigen Geschichte, die die fränkische Hauptstadt in diesen Tagen feiert, so viel in ihren Mauern erlebt wie diese. Daher mag es kommen, daß Nürnberg im Ausland wohl den bekanntesten Namen hat. Eine Leibeigene mit Namen Sigena wurde einst, im Sommer 1050,' Kaiser Heinrich III. vorgeführt, als er auf Nürnbergs Burg alle bayrischen Edlen um sich geschart hatte, den Feldzug gegen die aufständischen Magyaren vorzubereiten. Weil der Kaiser dieser Frau die Freiheit schenkte, wissen die Nürnberger heute, daß ihre Stadt 900 Jahre alt ist. Sie wird indessen älter sein, genau so alt zumindest, wie die sie umgebenden Dörfer und Städte, aber die Urkunde, in der die Freiheit der Sigena verzeichnet wurde — sie stammt vom 16. Juli 1050 — gilt heute als das erste historische Dokument vom Bestehen der •- vn Jl - Stadt. Daß Nürnberg in diesem Jahr, vielleicht auch etwas früher, gegründet worden ist, läßt sich auch ajis einem anderen Dokument erkennen, das 'von der Gründung eines Marktes im Herbst 1040 am Felseriberg (nuordn Berc) durch Heinrich III. kündet. Die Tatsache, daß Nürnberg in der Welt so bekannt geworden ist, läßt sich, im großen gesehen, aus zwei Perioden seiner wechselvollen Geschichte herleiten. Im Mittelalter war die Stadt Zentrum bedeutenden deutschen Handwerksfleisses. Die Erzeugnisse ihres vielseitigen Gewerbes, die unter dem Namen „Nürnberger Tand“ bekannt waren (entstanden aus „Nürnberger Hand“ = Handwerk), wurden von hier aus in die „ganze Welt“ verschickt. In jener Zeit des frühen Mittelalters, warc-ii das biiüke.’rd; Zinn- ? rr 'riili r, die funkelnden Goldschmiedearbeiten, sehr sorgsam gearbeitete Armbrüste und später Feuerwaffen weit in den Landen gern gesehene Güter. Später bildete vor allem das Nürnberger „Ei“ des geschickten Peter Hen- lein, der mit seiner Erfindung der Welt die Zeit auch an Regentagen schenkte, eine Sensation. Nürnberg hat sich diesen Ruf eines kunstfertigen Handwerks auch bis zur industriellen Epoche gewahrt. Von vielen weltbekannten Erzeugnissen mögen hier nur die Faber-Bleistifte angeführt sein, die auf allen fünf Kontinenten zu finden sind. Die zweite Periode, die Nürnbergs Namen in der Welt bekannt gemacht hat, ist ihr » mm inmarkt, Sebaldus- Kirche und Barg. kurzes Gastspiel als „Stadt der Reichsparteitage“. Zu den „1000 Jahren“ ist es in ihrer 900jährigen Geschichte aber nicht gekommen. Darum lohnt es sich nicht, — weil es für Nürnberg nicht wesentlich ist — näher darauf einzugehen. Ob es diese Stellung gewesen ist oder nicht: der Bombenhagel, der auf das fränkische Kleinod herniederprasselte, hat aus Nürnberg eine der zerstörtesten deutschen Städte gemacht. Kleiner Kulturspiegel Endersbach. Bei der Wiederaufnahme eines Ziegeleibetriebes bei Endersbach wurde dieser Tage ein steinzeitlicher Wohnplatz entdeckt. In einer Wohngrube wurden eine Anzahl von verzierten Scherben, eine abgebrochene Klinge, Sandsteinklopfer und andere Gegenstände gefunden. Die Untersuchungen ergaben, daß es sich um einen Wohnplatz der „Großgar- tacher Kultur, einer jung-steinzeitlichen Mischkultur aus der Zeit um 2500 v. Chr., handelt. Berlin. Der Forscher auf dem Gebiet der isenhüttenindustrie und Erfinder des nichtrostenden V 24-Stahls, Professor Dr. Eduard Maurer, wurde, laut ADN, als Kandidat für den Nationalpreis 1950 der ostzonälen Republik vorgeschlagen. Professor Maurer hat sich große Verdienste um die Entwicklung der Eisenhüttenkunde, insbesondere um die Verbesserung der Stahlqualität in den Werken der „Deutschen Demokratischen Republik“ erworben. Seit September 1949 ist er der Leiter des Eisenforschungsinstitut der Ostzone in Hennigsdorf. Berlin. Albrecht Schönhals übernimmt an Stelle von Hans Stüwe die männliche Hauptrolle in Carl Fröhlichs erstem Nachkriegsfilm „Drei Mädchen spinnen“, da Hans Stüwe infolge eines (dritten) Selbstmordversuches zur Zeit arbeitsunfähig ist. Die Ärzte, die Hans Stüwe in einer Charlottenburger Privatklinik behandelten, erklärten, daß der organisch gesunde Künstler wohl aus Schwermut und Nervenüberreizung lebensmüde geworden sei. Es bestehe kein Anlaß zu der Annahme, daß Stüwe nicht in absehbarer Zeit wieder auftreten könne. — Käthe Haack ist von den Folgen ihres Autounfalls wiederhergestellt und spielt vom 16. Juli an in der „Komödie“ wieder in „Char- leys Tante“. Bonn. In einer Versammlung der „Gesellschaft der Musikfreunde, Bonn“ wurde am Freitagabend gegen den Beschluß der Stadtverordnetensitzung vom 7. Juli protestiert, durch den der Bonner Ehrenbürgerin und berühmten Beethoven-Interpretin E 11 y Ney das Auftreten in städtischen Konzerten verweigert wurde. Schwäbisch Gmünd. Die Vorführung einer „Wochenschau mit Lokalkolorit“ hat die Besucherzahlen der Kinos in Schwäbisch Gmünd so beträchtlich erhöht, daß sich auch andere Städte zur Einführung dieser Neuerung entschlossen und dem bisher unbekannten Filmstudio in Gmünd Daueraufträge erteilt haben. Die Idee der Wochenschau mit Lokalkolorit stammt von einem jungen Kameramann, der in regelmäßigen Abständen Aufnahmen aus seiner Heimatstadt Schwäbisch Gmünd in den Lichtspieltheatern neben den Spielfilmen zeigte. Ein Philosoph des Universalismus Zum Tode des Denkers Othmar Spann Die Insel des Grauens 50 Expeditionen erforschten vergeblich die Insel Tibouron Nicht weit von Mexiko gibt es ein Gebiet, das bis zum heutigen Tage größtenteils unerforscht blieb, weil es von menschlichen Wesen bewohnt ist, die mit kannibalischer Freude jeden Eindringling überfallen, und nachdem sie ihn die schrecklichsten Torturen erleben ließen, töten und ... aufessen. Dies klingt so ungeheuerlich, daß es Mühe kostet, daran zu glauben. Und doch ist es Wahrheit, grausamste Wirklichkeit. Die Insel Tiburon, auch Haifischinsei genannt, liegt im Golf von Kalifornien und ist nur durch einen schmalen Meeresstrich, innerhalb dessen die Wogen allerdings stets wildschäumend aufeinanderpeitschen, von Mexiko getrennt. Die Insel ist etwa 50 Kilometer lang und zwischen 20 und 30 Kilometer breit. Sie besteht aus zwei Gebirgsketten zwischen denen sich ein enges Tal durchschlängelt. Tiburon ist der zivilisierten Menschheit ein Rätsel geblieben. Die Insel ist von einem Indianerstamm, den S e r i. bewohnt, der unter allen .wilden 1 Stämmen der primitivste und blutrünstigste ist. Vier Jahrhunderte erbittertsten Kampfes konnten diese Horde nicht bezwingen. Bei den Einwohnern der mexikanischen Küste genießen sie einen furchterregenden Ruf. Es geht die Sage um, die Einwohner der Insel hüteten den ungeheuren Goldschatz, den Fernand Cortez darin vergraben hat. Die Expedition des Historikers Robinson bemühte sich vor ungefähr 50 Jahren diesen Schatz zu entdecken. Robinson zog mit drei tapferen Kameraden zu der Insel hin. Er drang mit einem seiner Begleiter in das Innere des Landes vor, während die zwei anderen sie an Bord ihres Schiffes erwarteten. Die beiden Forscher wurden jedoch in eine Falle gelockt und unter den Augen ihrer machtlosen Kameraden von den Eingeborenen ermordet. Diese letzteren erzählten an Land, was sie gesehen hatten, worauf die mexikanische Regierung eine militärische Expedition nach Tiburon entsandte, die leider wie so viele andere einen Mißerfolg zu verzeichnen hatte. Die vereinzelten Seri, denen die Soldaten begegneten, entwandten cirb ihren BUnken mit unglaublicher Gewandtheit und Leichtigkeit. Außerdem war das Militär durch die Unkenntnis des Geländes, den Mangel an Lebensmitteln und die in dieser Gegend häufig aufkommenden, heftigen Stürme stark behindert und der Kampf mußte aufgegeben werden. Man zählt nicht weniger als 50 Expeditionen, die alle den gleichen kläglichen Ausgang fanden. Wohl konnten vereinzelte Seris beseitigt werden, doch ist es unmöglich, den ganzen Stamm zu vernichten. Dieser Plan würde allein schon durch die natürlichen Fluchtmittel, die den Seris eigen sind, vereitelt werden. Diese Indianer laufen wie die Gemsen, sie springen und schwingen sich auf den Zehenspitzen von einem Felsen auf den anderen. So jagen sie den Hirsch, indem sie mit ihm Wettrennen und ihn mit ihren bloßen Händen töten. Hat die Insel auch das Geheimnis des verborgenen Schatzes bewahrt, so haben diejenigen Forscher, die das Glück hatten, von Tiburon wieder zurückkehren zu dürfen, immerhin die Kunde gebracht, daß dieses Land nicht unbedeutende Goldminen enthalten müsse. Auch wurde in der Nähe der Inselküste die wertvollste Perle, die augenblicklich 3 Millionen franz. Franc wert ist, aus dem Meere gefischt. —ay—. Am Rande der Kultur Im englischen Fußballtoto, der von privaten Wettfirmen betrieben wird, können im ersten Rang bis zu 75 000 Pfund Sterling (gleich 1,5 Millionen D-Mark) gewonnen werden. * König Faruk von Ägypten verdient im Jahr mehr als 150 000 Fellachen zusammengenommen. * Das amerikanische Luxusschiff „Caronia“ kostete nach unserer Währung 100 Millionen D- Mark. Ein Kabinenplatz für seine derzeitige „Fahrt der Millionäre“ kostete 50 000 D-Mark. * Die 92 nackten Männer aus Marmor, die das Forum Italia bei Rom umstehen, sollen „moralische Badehosen“ erhalten. Roms Stadtväter haben dafür 400 000 Lire bewilligt. * Marion Anderson, die berühmteste Sängerin unserer Zeit, erhält für jedes Konzert ihrer gegenwärtigen Europaturnee 40 000 Dollar Gage. Auf seiner verzweifelten Suche nach einer letzten Zuflucht, nach etwas, das bleibt und nicht vergent, nach einem Sein im Nichts, wird sih der heutige Mensch erst ganz seiner inneren Armut inne. Über die ersten Schritte zur Erkenntnis des eigenen Wesens ahnt und findet der Mensch wieder einen Schimmer der Ewigkeit in sich selbst. Je mehr er jenem inneren Zuge .folgt, der ihn über sein äußeres Scheinleben erhebt, um so mehr werden die oberen Seelenkräfte befreit und für ein höheres Licht geöffnet. Diese Worte hat der in diesem Monat verstorbene Othmar Spann, der viel gefeierte und viel umkämpfte Sozialphilosopb, als Vorrede über sein letztes großes Werk gesetzt, einer „Religionsphilosophie auf geschichtlicher Grundlage“. Ein Gelehrter im biblischen Alter von 71 Jahren, beleuchtete er in ihm die Wegsuche der Menschen zu Gott. Es ist die sinnfällige Vollendung eines Lebens, das nun nach mühevoller Wanderung durch die Problematik des Seins zurückgeflossen ist zu dem Urquell, eine Krönung seiner Ganzheitslehre. Der Wiener Professor stellte sich in seinen Schriften von Anfang an in scharfen Gegensatz zu jener Richtung der Wirtschafts- und Gesellschaftslehre, die von Adam Smith und Ricardo ausgeht. Er wandte sich gegen den naturrechtlichen Individualismus bei Hobbes, Locke und Rousseau und leitete seinen Universalismus her von Augustinus, Thomas von Aquino und den Romantikern, darunter vornehmlich Adam Müller. So hat denn auch das großartige, universalistische Gebäude der Gesellschaft, das er entwarf, einen mittelalterlich romantisch anmutenden Charakter. Othmar Spann verstand unter Individualismus ein bloßes Nebeneinander der Einzelnen, eine inhaltlose Selbstgenügsamkeit der Individuen. Dem Individualismus folgt nach Spann unbedingt eine unfruchtbare atomi- stische, mechanistische Gesellschaftsauffassung. Die Soziologie wird zur reinen Kausalwissenschaft. Das Ganze, die Gesellschaft, war für Spann die eigentliche Wirklichkeit. Das Ganze ist das Primäre, der Einzelne gleichsam nur Bestandteil, Glied desselben. Der Mensch braucht, um sich zu entwickeln,-die geistige Anregung des Mitmenschen. „Das Geistige jedes Menschen, das Wesenhafte seiner Individualität“, sagte Spann, „besteht nur in und durch geistige Gegenseitigkeit, geistige Gemeinschaft.“ Aus diesen Anschauungen über die Gesellschaft ergibt sich auch Spanns Stellung zum Sozialismus, insbesondere zum Marxismus. Alle zugleich können nicht geistig gleich sein. Der formelle Aufbau der Gesellschaft beruht schon in den einfachsten Beziehungen auf geistiger Schichtung, und der Gang der Vergemeinschaftung beruht auf Führung und Nachfolge. Wenn wir das Ganze aus lauter gleichen Teilen zusammengesetzt denken, wird es wiederum atomisiert. Spann baute seinen Universalismus bis in das Metaphysische hinein. Wie das Glied an der Ganzheit, so muß ihrem Baugesetz_ nach die Ganzheit wieder an ein Höheres anknüpfen. „Der Inbegriff der höchsten Ganzheit weist auf Gott.“ So wie einst der französische Gesellschaftskritiker Saint-Simon seine Reformvorschläge dem Kaiser Napoleon Bonaparte übersandte, in der Hoffnung, dieser Mächtige würde Sie verwirklichen, so wollte auch Othmar Spann auf Grund seiner soziologischen Erkenntnisse die Gesellschaft, die er vorfand, ändern. In seinem Buch „Der wahre Staat“ zeichnete br leidenschaftlich das Gebäude einer modernen ständischen Gesellschaft. Er sah vier Stände vor: den Stand Staat, den Priesterstand, den Erzieherstand und den Gesamtwirtschaftsstand. Durch die Eingliederung in ein Ganzes wollte er dem Arbeiter größere Möglichkeiten des Aufstieges geben und eine neue Blüte des Handwerks herbeiführen. Finden wir bei Spann in der Betonung einer hierarchischen Ordnung Anklänge an die katholische Gesellschaftslehre, so zeigte er auf der anderen Seite in seiner Auslegung des Gemeinschaftsbegriffs, in seinem Kampf gegen den Marxismus und in der Idee eines alldeutschen Ständestaates Berührungspunkte mit dem Nationalsozialismus. Und tatsächlich wurde er von seinen Feinden — es hat ihm an Gegnern nie gefehlt — ein Vorbereiter des Nationalsozialismus genannt. Jedoch war der Staat bei Spann ein Stand unter Ständen ohne überstarke zentrale Gewalt. Da er keine Zugeständnisse an die nationalsozialistischen Lehren machte, wurde Othmai Spann nach der Besetzung Österreichs durch die deutsche Wehrmacht seines Lehramtes enthoben. Ein volles Jahr lang wurde er im Gestapokeller des Wittelsbachpalais in München gefangen gehalten. Seitdem er die Freiheit wiedererlangte, lebte er zurückgezogen seinen wissenschaftlichen Arbeiten auf seinem österreichischen Landsitz im Burgenland. Vor großen Kirchenkongressen Essen. Bundespräsident Professor Dr. Heuß wird am 27. August auf der Haupt- und Schlußkundgebung des Deutschen evangelischen Kirchentages, der vom 23. bis 27. August in Essen stattfindet, sprechen. Zu dei Kundgebung im Essener Stadion werden 100 000 bis 125 000 Teilnehmer aus dem In- und Ausland erwartet. Zu den Arbeitstagungen liegen bereits über 2000 Anmeldungen vor, und man rechnet insgesamt mit 5000 Teilnehmern. Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland wird während des Kirchentages in Essen zusammentreten. Passan. Die Festplakette des 74. Deutschen Katholikentags, der vom 1. bis 3. September in Passau stattfindet, stellt die wie eine schwimmende Insel erscheinende türmereiche Bischofsstadt dar, überwölbt vom Gnadenbild der Gottesmutter von Altötting. Letzteres ist ein Hinweis darauf, daß die vom 29. 8.—1. 9. vorausgehende Werktagung in Altötting abgehalten wird. Der Katholikentag des Jahres 1950 hat sich zum Motto gesetzt: zuerst das Reich Gottes! Damit besinnt sich der Katholikentag auf die ureigenste Aufgabe der Kirche und des christlichen Glaubens, die darin besteht: das Reich Gotte» zu erwarten und aufzubauen. Alle Beratungen werden sich demgemäß zuvörderst den inneren Fragen des christlichen Lebens und der Kirche widmen. Insofern findet gegenüber dm beiden letzten Katholikentagen nach dem Zusammenbruch (Mainz 1948 und Bochum 1949) eine gewisse Verlagerung des Schv>ergew,ehtss auf ausgesprochen innerkirdiliri.e Aufgaben statt. Hi Rf 'fc- ^ j Festlidie Primiz in der Hoiliirilie Neupriester Hermann BISsi feierte sein erstes heiliges Meßopfer Siebzehn gnaden- und freudenreiche Primi- ien sah unser lieber Geistl. Rat und Hofpfar- er Eduard Böhler während seiner Bruchsaler Amtszeit. Die letzte vor zwei Jahren, im Som- .ier 1948, als P. Berthold Sparn von den Weißen "atern im damaligen kleinen Notkirchlein der lofpfarrei sein erstes hl. Meßopfer darbrachte, lie Primiz aber, die Hofpfarrer Böhler die leiste Freude brachte, wird die gestrige ge- resen sein. Stand doch ein Sohn unseres ver- jhrten Herrn Bürgermeisters, des Professors ifanz Josef Bläsi, der Neupriester Hermann Jläsi, zum ersten Male am Altar seiner Hei- latpfarrei, um mit bewegtem Herzen d^s hl. ipfer darzubringen und den im Gotteshaus ersammelten Gläubigen aus allen Pfarreien ;er Stadt den Primizsegen zu spenden, von em unsere Vorfahren schon sagten, daß er in Paar durchgelaufene Schuhe wert sei. Die Huldigung der Jugend Am Vorabend des Primiztages huldigte die bruchsaler katholische Jugend mit Liedern md Ansprachen dem H. H. Neupriester vor •em festlich geschmückten eltemlichen Haus n der Schillerstraße. Stud. jur. Bieringer Vermittelte in gewählten Worten dem Pri- lizianten die Glückwünsche der Jugend, die 1 dem H. H. Neupriester einen der ihren sähe, chon als Gymnasiast habe sich Hermann Bläsi i „Neu-Deutschland“ betätigt, während der Jitlerzeit sogar Strafe und Verfolgung auf sich enommen. Als äußeres Zeichen der Verbundenheit überreichte der Sprecher dem H. H. 'rimizianten eine Klampfe. Mit freudvollen Porten, aus denen eine innige Liebe zur Bruch- aler Jugend klang, dankte der H. H. Neuprie- ter für die Ehrung. Vom Wesen, Sinn und iiel der Gemeinschaft sprach er. Alle Jugendarbeit müsse einmünden in Christus, der un- er oberster Lehrer sei. Das Geleit zum Gotteshaus Am Morgen des Primiztages holte eine feier- che Prozession den H. H. Neupriester am Slternhaus ab, um ihn unter den Klängen der «tadt- und Feuerwehrkapelle zum Gotteshaus ■u geleiten: Voraus die kirchlichen Fahnen, •ine Schar weißgekleideter Mädchen, die Banker der Jugend, die H. H. Geistlichen, unter hnen auch der alte Pfarrherr von St. Peter, Jeistl. Rat und Stadtpfarrer Stoeckle sowie der tektor des St. Paulusheimes, P. Fechtig, der ’rimiziant selbst mit dem Primizbräutchen Saby Löchner, die hochbeglückten Eltern, die lerren Stiftungsräte, die zahlreichen Gäste, .. a. Landrat Leo Weiß, Bundestagsabgeord- eter Neuburger, zahlreiche Gläubige aus allen Jerufen, allen Ständen der Bruchsaler Be- ölkerung. Während des jubelnden „Auf, meine Seele, reue dich!“, vom Kirchenchor mit lebhafter Seseeltheit vorgetragen, hielt der H. H. Primi- ■iant seinen Einzug in das mit inniger Liebe estlich geschmückte Gotteshaus. Nicht alle, de dem Neupriester ihre freudige Anteilnahme bekunden, ihm ihre Glückwünsche darringen und ihn um seinen besonderen Segen «itten wollten, fanden Platz. Gar manche, tlänner, Frauen wie Kinder, mußten vor den Orchenportalen Halt machen und sich mit cem Hören alles dessen, was im Gotteshaus or sich ging, begnügen. Auf der Kanzel Die Primizpredigt hielt Religionslehrer Wolf, jer seinen Worten das „Mysterium fidei“, das Geheimnis des Glaubens, die hl. Eucharistie, ugrundelegte. Eine Primiz bedeute große eelische Freude für die Pfarrgemeinde, die •esegnet werde, für den Pfarrherm, der sein Beten und Planen gekrönt sähe, für die glücklichen Eltern, deren Mühen und Opfern sich gelohnt habe, Für die Bruchsaler katholische Jugend sei diese Primiz eine besondere Genugtuung, der Neupriester'komme aus ihren Reihen, die Arbeit der Jugend erfahre jetzt die Bestätigung, daß sie immer den rechten Weg gewählt habe. Den zweiten Teil seiner Predigt widmete Wolf dem Verhältnis des Priesters zur Eucharistie, die ihren Existenzgrund in den Worten des Herrn „Tuet dies zu meinem Andenken!“ habe. Mehr denn je brauche heute die Welt die hl. Eucharistie, damit die Liebe über den Haß, der Geist über die Rache herrsche. Wir lebten in einer Zeit, wo Gottes Wort im Denken vieler Menschen ausgelöscht sei, hier sei es nun die erste Aufgabe des Priesters, durch die hl. Eucharistie den Glauben an Gott in den Herzen der Menschen wieder zu wecken und für alle Zeit zu erhalten. Der Primizsegen Vor Beginn des hl. Opfers erteilte der H. H. Primiziant allen Gläubigen seinen neuprie- sterlichen Segen. Eine ergreifende Handlung, die offenbar machte, wie tief der Priester in unserem Leben verwurzelt ist. Unter der Assistenz dreier Geistlichen, der H. H. Geistl. Rat Böhler, Caritasrektor Oberle und Kaplan Thoma, hielt der Neupriester sein erstes Hochamt und spendete dabei als Mittler zwischen Gott und Mensch zahlreichen Gläubigen die hl. Eucharistie. . Festmesse „Regina pacis“ Der Kirchenchor unter Leitung von Studienrat Krämer gab dem Gottesdienst mit der „Missa regina pacis“ von Otto Kolb für Soli, gemischten Chor, Orgel und Streichorchester das festliche Gepräge. Wie bei der Uraufführung an Weihnachten hinterließ das melodische und harmonische Werk tiefe Eindrücke. Den schönen und klaren Chorsatz unterbrechen immer wieder konzertante Solopartien. Auch die gestrige Aufführung zeugte von einer äußerst sorgfältigen und fleißigen Einstudierung, so daß der über sehr gutes Stimmenmaterial verfügende Chor die schwierigsten Stellen frei und ungehemmt zu bringen vermochte. Die verschiedenen Solopartien sang Frl. Anneliese Gehring in ihrer immer wieder Bewunderung abnötigenden strahlenden Manier. Auch die übrigen Solisten schlossen sich ihr im Benedictus und Agnus Dei zu recht schönen Soloquartetten an. Nicht vergessen sei das aus Bruchsaler Musikfreunden zusammengestellte Orchester unter Führung von August Debatin, das einen guten Anteil am Gelingen hatte. Den Abschluß des festlichen Primiztages bildete am Abend eine liturgische Priesterfeier mit Lied, Lesung und Segen in dem wie am Morgen wieder überfüllten Gotteshaus. Gleichzeitig nahm Geistl. Rat Böhler die Weihe der schulentlassenen Jugend vor, die, wie am Erstkommuniontag, ihr Taufgelübde erneuerte. In einer zu Herzen gehenden Ansprache forderte der H. H. Hofpfarrer die an der Schwelle eines neuen Lebensabschnittes stehenden Buben und Mädel auf, stets daran zu denken, daß alles menschliche Handeln nur von Erfolg begleitet ist, wenn der Herrgott seinen Segen dazu gibt. Voraussetzung aber dieses göttlichen Segens sei immer ein guter und vor- ßildlicher Lebenswandel getreu den verpflichtenden Lehren der Kirche. Dem H. H. Primizianten wünschen wir nun für seiife Arbeit im Weinberg des Herrn, sein priesterliches Mühen und Schaffen, sein Wirken und Streben Gottes reichsten Segen. H. St. Reidilialfig® Kulturelle Sdiau auf der Ausstellung Bruhrain und Kraiehgau - Ergebnis der Besprechung des Heimatbundes Näher und näher rückt der Tag, an dem die große Ausstellung „Kraiehgau und Bruhrain“ ihre Pforten öffnen wird. Und so war auch die vergangene Samstagabend - Zusammenkunft des Heimatbundes ganz der Vorbereitung der kulturellen Schau, die im 2. Stock der Freiherr-vom-Stein-Schule untergebracht sein Wird, gewidmet. Die Beschickung mit Ausstellungsstücken ist über Erwarten groß. So wird, dank der Initiative von Herrn Dr. Wirth, allein die geologische Schau 16 Vitrinen füllen. — Neben typischen und seltenen Versteinerungen aus Trias, Jura, Tertiär und Diluvium — alles Formationen, die am Aufbau unserer Heimat beteiligt sind — werden auch die wirtschaftlich bedeutenden Gesteine und Mineralien zu sehen sein (Tone, Kalke, Bausteine, Erze). Das geologisch-palaeontologische Institut der Universität Heidelberg wird einen großen Teil der auszustellenden Stücke zur Verfügung stellen. Ebenso reichaltig verspricht die vor- und frühgeschichtliche Abteilung zu werden, für deren museal vorbildiche Aufstellung die Herren Bezirkspfleger Hormuth und Bauer aus der Jungsteinzeit (Michaelsberg), Sorge tragen. Die Abteilung wird Belegstücke der Broncezeit (Untergrombach u. a.), der Römerzeit (Stettfeld) und der fränkischen Zeit (Rheinsheim) enthalten. — Einiges aus der heimischen Tierwelt wird Herr Eckert zeigen, u. a. je eine mustergültige Käfer- und Mollusken-Sammlung. An Fundstücken aus dem alten Bruchsal sind vor allem verschiedene Steindenkmäler sowie die „Bergfried-Funde“ zu nennen. Auch SdinleitRassungsfeier in Hiendorf Schule, Kirche und Gemeinde wünnschen frohe Fahrt durchs Leben In der letzten Woche fand die feierliche Schulentlassung der achten Klasse der Volksschule atatt. Die Feierstunde, die für die scheidenden Schülerinnen und Schüler ein nachhaltiges Erlebnis war, wurde der großen Zahl wegen ins Gasthaus zum Lamm verlegt. 30 Knaben und 33 Mädchen verlassen die Schule, um in einen neuen Lebensabschnitt einzutreten. Trotz der Erntezeit hatten sich die Eltern sehr zahlreich eingefunden. Außerdem waren Die gefressene Gaspatrone Herr Knips und Frau Maschke hielten Kriegsrat über den Gartenzaun hinweg. Sie waren beide Kleingärtner, mit gemeinsamen Sorgen und ab und zu ein bißchen Neid auf größere Tomaten und dickere Zwiebeln im Nachbargarten. Doch heute waren sie ganz Kollegialität. Herr Knips hatte sogar die eifersüchtig gehütete Grundlage seiner sämtlichen Erfolge, insbesondere der stolz prangenden Massenanzahl von Feuerbohnen am Stock, mitgebracht: Schmidts Ratschläge für Gartenbau. ^ Frau Maschke sah seufzend auf ein Häufchen von innen aufgeworfener Erde zu ihrem Füßen. „Wird wohl doch ein Maulwurf sein“, meinte sie. „Unsinn, hören sie doch, hier steht es: graben Gänge, nagen Wurzeln aller Art an, fressen Steckzwiebeln. Na, ist das etwa nicht der Fall?“ Frau Maschke nickte trübsinnig. „Also! Und hier steht auch, wer das tut: Die Wühlmaus!“ „Soso. Naja, aber was tun wir nun dagegen?“ Auch hier wußten Schmidts Ratschläge weiter Bescheid, sie empfahlen zur Bekämpfung Gaspatronen. Gelesen, getan. Herr Knips stürzte zur Drogerie und kam tiefbefriedigt mit einem blauen Päckchen zurück, dessen Gebrauchsanweisung den besten Erfolg versprach und ganze 5 Patronen enthielt. Mit vereinten Kräften wurden nun Wühlmäuse bekämpft. Herr Knips u. Frau Maschke steckten je eine der Patronen in ein recht großes Wühlmausloch, wie es die Gebrauchsanweisung vorschcieb. zündeten ganz nach Gebrauchsanweisung die Patrone vorsichtig an, stellten sich nach Gebrauchsanweisung mindestens einen Meter davon entfernt auf — und bekamen beide ganz gegen Gebrauchsanweisung einen beinahe erstickenden Hustenanfall! Die Patrone schien ja eine erstaunliche Kraft zu haben! Nach diesem Tag stellte Frau Maschke noch manchmal fest, daß sich die Anzahl der Wühlmauslöcher immer noch zu vergrößern schien, doch Herrn Knips Widerspruch, sie solle ihm nicht immer wieder die alten Löcher zeigen, war so energisch vorgebracht, daß sie es nicht wagte, ihn um eine Wiederholung der höllischen Maßnahme zu bitten. Eines Regenmorgens war Herr Knips allein auf weiter Flur. Wahrscheinlich um ihre Sonntagstoilette nicht zu ruinieren, war Frau Maschke nicht zu sehen. Herr Knips schaute sich mißtrauisch um — und erbleichte! Sämtliche treu behüteten und wohl gepflegten Zwiebeln waren angefressen! Damit war es aus mit Herrn Knipsens Widerstand. Mochte die Maschke von ihrem Fenster aus Zusehen oder nicht. Er rannte in die Gartenlaube, ergriff hastig das Päckchen, in dem 4inst fünf Gaspatronen gewesen und eigentlich noch drei sein müßten, riß das Papier ab — und glaubte seinen Sinnen nicht zu trauen: Die Ueberreete zweier Patronen lagen in seiner Hand und an der dritten sah man deutlich die Nagearbeit und den Abdruck feiner Zähnchen, einer Maus! Auch das blaue Papier wies die bezeichnenden Löcher auf, nur die Aufschrift leuchtete noch wohlerhalten und groß: Vernichtungsmittel für .... der Rest fehlte. Vernichtet sank Herr Knips auf seine Gartenbank. M. äche. anwesend: Bürgermeister Notheis, einige Gemeinderäte, Pfarrer Schmidt, Schularzt Dr. Krämer und die Lehrerschaft. Nach einem Eröffnungslied und einem Gedicht begrüßte Schulleiter Vetter die Anwesenden und gab seiner Freude Ausdruck, daß die Entlaßfeier so große Anziehungskraft in der Gemeinde besitze. Mit Liedern, Gedichten, Zwiegesprächen und theatralischen Vorführungen gaben die Mädchen unter Leitung des Klassenlehrers Vetter ihr Bestäs. Im weiteren Verlauf des Abends kamen die Knaben zu Wort. Ihr Klassenlehrer Eberhard zeigte mit ihnen unterhaltende Stücke, Gedichte und humorvolle Schwänke. Auch die Knaben überraschten nach der angenehmen Seite und ernteten großen Beifall. In seiner Ansprache gab Schulleiter Vetter einen kurzen Rückblick über die vergangenen 8 Schuljahre. Er ermahnte die Kinder, die guten Lehren treu zu bewahren und ihren Eltern, der Schule und der Gemeinde stets Freude zu bereiten. Bürgermeister Notheis, als Vertreter der Gemeinde, gab ihnen ebenfalls die besten Wünsche mit auf den Weg und ermahnte sie, auch in trüben Lebenslagen und Zeiten den Herrgott nicht zu vergessen. Pfarrer Schmidt wandte sich hauptsächlich an die versammelten Eltern und sagte: Wenn wir auch vieles verloren haben, ein Kleinod ist uns dennoch geblieben, das ist unsere Jugend; sie auf rechte Bahnen zu lenken, sie weiter zu erziehen, damit die Grundsätze, die durch die Schule und die Kirche gelegt wurden, weiter entwickelt und auch weiter gepflegt werden. Mit den besten Wünschen für die Kinder schloß Pfarrer Schmidt seine Ansprache. Am Sonntag fand die kirchliche Entlaßfeier statt. Pfarrer Schmidt führte in einer gedankenreichen Ansprache den jungen Menschen den Emst der Stunde vor Augen. Das vor der ganzen Gemeinde abgelegte Glaubensbekenntnis und die Erneuerung des Taufbundgelöbnisses mögen ihnen für das ganze Leben richtunggebend sein. * Am 20. Juli konnte Kraftfahrzeugbesitzer Philipp Wild, Amaliepstraße 13, seinen 72, Geburtstag und Jakob Busch, Johannisgrund, seinen 71. Geburtstag feiern. Beide Jubilare erfreuen 'sich noch bester körperlicher und geistiger Rüstigkeit Wir gratulieren und wünschen ihnen auch weiterhin alles Gute. H. das Generallandesarchiv Karlsruhe wird manches beisteuern. — Das Wertvollste der Schau werden aber zweifellos die gezeigten Schloß- Gobelins und Möbel sein. Zusammen mit anderen Barockerinnerungsstücken (Gemälden, Plastiken, Porzellan) werden sie den größten Teil der Schau ausmachen. Sehr reichhaltig und interessant für die alteingesessenen Bruchsaler wird das „Bürgerkabinett“ werden, das die Erinnerung an bekannte und verdiente Bruchsaler wachrufen wird. Lebhaftem Interesse innerhalb dieser Abteilung werden auch Gruppenbildnisse aus der Jugend unserer Eltern und Großeltern begegnen. An dieser Stelle mag nochmals an die Alt-Bruch- saler Bevölkerung die Bitte ausgesprochen sein, alte Fotografien von Schulklassen, Vereinen usw., aus der Zeit um 1900 und früher, als Leihgabe der Ausstellung zur Verfügung zu stellen. (Annahme: Prof. Wiedemann, Wil- derichstr. 10). Das gleiche gilt für Zeichnungen und Gemälde mit heimatlichen Motiven. Besitzer von solchen werden gebeten, diese Herrn Kunstmaler Klein, Karlsruher Straße, namhaft zu machen. Das Landrätsamt wird an der Schau u. a. durch eine von Künstlerhand angefertigte große Karte des Kreises, auf der alle Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten eingezeichnet sind, beteiligt sein. Als besonderen Schmuck zeigt diese Karte umrahmend die Wappen der zum Kreis gehörenden Orte. In einigen Vitrinen werden im gleichen Raum einige Ortschaften auf ihre Geschichte bezügliche Akten, Pläne usw. zeigen. Vor allem werden hierbei die Orte Ubstadt, Stettfeld, Zeutem, Forst -und Philippsburg vertreten sein, während über die Aufstellung des berühmten Kirrlacher Altars noch Verhandlungen schweben. Vergrößerungen von Fotografien ausKraichgau und Bruhrain (landschaftliche und dörfliche Motive) werden außerdem die Wände schmük- ken. — Schließlich wird das Stadt- und Bezirksbauamt mit reichem Karten- und Planmaterial die zukünftige Entwicklung unserer Stadt beleuchten und damit den Abschluß der Schau bilden. — Weitere Zusammenkünfte des Heimatbundes: 29. Juli und 5. August. GLM. Jicuchsalec Altedei Sonntagsrückfahrkarten zu den Schloßfest- spielen in Ludwigsburg Anläßlich der Ludwigsburger Schloßfestspiele gibt die Bundesbahn bis 3. September Sonntagsrückfahrkarten mit tarifmäßiger Geltungsdauer nach Ludwigsburg aus. Gymnasium St. Paulusheim. Ende voriger Woche schloß das Gymnasium seine Pforten, um in die Ferien zu gehen. Am 18. hatte das Abitur stattgefunden, dem sich zehn Schüler unterzogen. Allen wurde die Reife zuerkannt. Es sind dies: Landolin Häffner, Franz Heinz- . mann, Valentin Hertle, Kurt Hodapp, Reinhard Jonitz, Eugen Krattenmacher, Hans Kirchenbauer, Fridolin Lechner, Karl Maier, Karl- Heinz Stein. Zwei Tage später veranstaltete das Gymnasium ein Schwimmfest im hiesigen Schwimmbad. Die sportlichen Vorführungen wurden durch zahlreiche heitere Einlagen unterbrochen, die viel Gelächter hervorriefen. Am 21. fand die Schlußfeier der Schule statt. Chor, Blas- und Streichorchester zeigten Ihr Können und trugen die Phantasie aus dem „Freischütz“, einen Contretanz und ein Menuett von Mozart und mehrere Lieder vor. Die Festrede hielt Professor Klug, der den Stand der neuen Forschungen über das Türmer Leichentuch darlegte, das von vielen für das echte Leichentuch Christi gehalten wird. Darauf dankte der Abiturient Karl-Heinz Stein der Leitung des Hauses und der Schule sowie der Lehrerschaft für ihre Mühe in Erziehung und Unterricht. Zum Schluß sprach der Schulleiter, P. Dr. Grumer, und gab einen Ueber- blick über das verflossene Schuljahr, das er ein sehr bewegtes nannte. Anlaß dazu gab der starke Lehrerwechsel und die Seligsprechung Vinzenz Pallottis mit der Nachfeier im St. Paulusheim, deren Krönung des mehrfach aufgeführte Oratorium des H. H. P. Rektor Fechtig war. Mit herzlichen Worten verabschiedete der Direktor die scheidenden Abiturienten, von denen die meisten das Studium der Theologie, er greifen wollen. Heimatvertriebene protestieren gegen Brotpreiserhöhung. „Gegen die praktisch bereits durchgeführte Erhöhung der Brotpreise erheben die Heimatvertriebenen schärfsten P o,- test. Die eindeutigen Erklärungen des Landtages nützen nichts, wenn nicht gleichzeitig durchgreifende Strafmaßnahmen gegen Zuwiderhandelnde durchgeführt werden. Bei Nichtbeachtung unseres Protestes müssen wir jede Verantwortung für etwaige Ausschreitungen sozial schlechter gestellter und verbitterter Heimatvertriebener ablehnen. Sittlichkeitsverbrechen gestiegen. Nach dem Bericht der Landespolizei Nordbaden betrug die Gesamtzahl der Verbrechen und Vergehen im Juni in Nordbaden 1609 Fälle. Das bedeutet gegenüber dem Vormonat einen Rückgang um rund 30 Prozent. Der angezeigte Schaden beziffert sich auf 666 520 DM. Während Verbrechen und Vergehen wider das Leben mit 139 Fällen und die Eigentumsdelikte mit 715 Fällen wesentlich hinter den Zahlen im Mai zurückblieben, erhöhten sich die Sittlichkeitsdelikte um 14 Fälle auf 68. Durch elf Brandstiftungen wurde in Nordbaden ein Schaden von rund 350 006 DM verursacht. der &p< DER HEIMAT — üeuerlidter Sie« der Brudisaler Sdtwimmer Speyer und Durlach mit 305:277 :46 Punkten klar geschlagen Hatte es der Wettergott mit der letzten Bruchsaler Sefawimmveranstaltung besonders gut gemeint, so drehte er diesmal den Spieß um, brachte Regen und Wind. Ein Zustand der hingenommen werden mußte, aber in Anbetracht des besonderen schwimmsportliehen Ereignisses äußerst bedauerlich war. So blieb es denn hinsichtlich der Zuschauer nur bei einem Bruchteil; aber diesen Unentwegten wurden beachtliche Kämpfe geboten, deren Spannung und letzter Einsatz oft wirklich begeisterte. Durch die schlechte Witterung war die Bahn schwer geworden. Wenn es dennoch teilweise zu ausgezeichneten Zeiten kam, so spricht dies allein für das Können der Teilnehmer. Die Ueberraschung der Veranstaltung war, daß es den unermüdlichen Bruchsalern gelang, nunmehr auch die starken Pfälzer aus Speyer zu besiegen. Dabei ist die Punktdifferenz ganz klar ausgefallen. Das Endergebnis ergab 305 Pkt. für Bruchsal, 277 für Speyer, während die weitere Gastmannschaft ASV Durlach weit abgeschlagen nur auf 46 Zähler kam. Aus der Fülle der durchgeführten Konkurrenzen überragen erneut die Leistungen von Brückel-BSV über 100 m Brust, und der überlegene Sieg bei ausgezeichneter Zeit durch Christi Franiitza über die gleiche Strecke, deren Können als großartig bezeichnet werden darf. Spannendster Kampf die Brustschwellstaffel der Männer, die die Bruchsaler für sich entscheiden konnten, um dann später den Gästen aus Speyer in einem mitreißenden Endspurt den Sieg über die 3X50 m Bruststaffel überlassen zu müssen. Ueberhaupt gab es durchweg nur ganz knappe Entscheidungen. Die mit besonderer Spannung erwarteten Begegnungen im Wasserball endeten wie folgt: WSV Speyer Jgd. — ASV Durlach 12:3 Zwei fast gleichwertige Mannschaften lieferten sich ein etwas zu lautes Spiel, das ohne besonderen Höhepunkt blieb. Die Durlacher brauchten alles, um über die jungen Pfälzer, zu einem ganz knappen Erfolg zu kommen, der letztlich aber doch verdient war. BSV Bruchsal I — WSV Speyer 10:6 Mit dem Meister der Pfalz stellte sich in Bruchsal eine erstklassige Mannschaft vor, deren ideenreiches Kombinationsspiel begeistern konnte. Zwar kämpften die Bruchsaler verbissen, konnten aber kaum gefährlich werden. Das Endresultat stand bereits bei der Pause fest, wobei noch bemerkt werden darf, daß der Schlußmann des BSV in keiner Weise überzeugen konnte und erst in der zweiten Hälfte befriedigte. Die Ergebnisse: 100 m Brust Männer: 1. Brückel Erich BSV 1.24,2; 2. Taschowski M. WSV 1.24,7; 3. Westermann D. ASV 1.29,5 Min. 3X50 m Rücken-Staffel: 1. Bruchsaler SV 2.05; 2. WSV Speyer 2.11 Min. 50 m Brust — Mädchen: 1. Fürst Ilse WSV- 47,2; 2. Döhle Ilka BSV 48,4; 3. Lutz Doris ASV 49,2 Sek. 100 m Kraul — Männer: 1. Köffler Walter WSV 1.12,5; 2. Bummel Heinrich WSV 1.15,2; 3. Bulling K. BSV 1.22,6; 4. Kuhn Hugo ASV 1.24,1 Min. 3X50 m Lagenstaffel männl. Jgd.: 1. WSV Speyer 1.54,4; 2. BSV Bruchsal 1.58,2 Min. 100 m Brust für Frauen: 1. Hassert Edith ASV 1.40,8; 2. Klaer JuUa WSV 1.41,4; 3. Hollerith G. WSV 1.42,4; 4. Sanktjohanser L. BSV 1.45,4 Min. 25 m Freistil — Mädchen: 1. Moser, Brigitte BSV 26*2; 2. Mohr Dorothee BSV 27; 3. Matt Heidi BSV 27,2 Sek. 100 m Brust männl. Jugend: 1. Löffler Ph. WSV 1,30; 2. Riffel Kurt BSV 1,30,4; 3. Zimmermann R. BSV 1,33 Min. 3X50 m Lagenstaffel Männer: 1. WSV Speyer 1.48,3; 2. BSV Bruchsal 1.50; 3. ASV Durlach 2.10 Min. 50 m Rücken männl. Jgd.: 1. Boliinger H. BSV 43,7; 2. Götz Karl WSV 46,2 Sek. 100 m Brust weibl. Jgd.: 1. Franitza Christel BSV 1.38,1; 2. Hils Doris ASV 1.43; 3. Bohrer Gerda WSV 1.43 Min. Brustscfawellstaffel — Männer: 1. BSV Bruchsal 7.41,2; 2. WSV Speyer 8.02 Min. 50 m Brust — Knaben: 1. Graf Rudi WSV 45,5; 2. Spengler H. BSV 46,2; 3. Kahl Bernh. BSV 48,2 Sek. 100 m Kraul männl. Jgd.: 1. Gerlach Hch. WSV 1.18,7; 2. Boliinger H. BSV 1.19; 3. Lang Franz WSV 1.19,2 Min. 50 m Rücken — Männer: 1. Ndedermann R. WSV 40,0; 2. Lisewski Paul BSV 40,8; 3. Bol- linger E. BSV 43,3 Sek. 50 m Kraul — Knaben: 1. Bilger Dieter BSV 35,6; 2. Riegel W. WSV 35,7; 3. Götz Karl WSV 36,6 Sek. Brustscfawellstaffel — männl. Jgd.: 1. BSV Bruchsal 4.31,7; 2. WSV Speyer 4.34,8 Min. 3X50 m Brnst — weibl. Jgd.: 1. BSV Bruchsal 2.22,2; 2. WSV Speyer 2.23,2 Min. 200 m Brust — Männer: 1. Köstel Bernhard BSV 3.17,8; 2. Schlimmer, Rudi WSV 3.22,8; 3. Taschowski M. WSV 3.25,0 Min. 3X50 m Kraulstaffel — männl. Jgd.: 1. WSV Speyer 1.46,2; 2. BSV Bruchsal 1.48,2 Min. 10X50 m Bruststaffel — Männer: 1. WSV Speyer 7.05,6; 2. BSV Bruchsal 7.05,8; 3. ASV Durlach 7.26,2 Min. 25 m Freistil — Schüler: 1. Völkle Karlheinz WSV 20,6; 2. Tränkle Kurt BSV 23,2; 3. Spengler Walter BSV 23,3; 4. Baumann Manfred BSV 25,0; 5. Duttenhöfer Gerd WSV 25,0; 6. Ehrle Heinz BSV 26,0 Sek. Entreditete Beamten fordern ihr Reiht Der Allgemeine Beamten-Schutzbund e. V. hatte zu einer Versammlung im „Schweizerhof“ auf den Samstag eingeladen, wozu sich eine größere Anzahl ehemaliger Beamter einfanden. Die Begrüßungsworte richtete Vertrauensmann Lehmann an die Versammelten. Kollege Heß, der an Stelle des verhinderten 1. Vorsitzenden des Verbandes gekommen war, hielt ein längeres, sachliches und interessantes Referat über die bisher vom Verband unternommenen Schritte, um den entrechteten Beamten zu ihrem Recht zu verhelfen. Er gab einen Ueberblick über die Organisation des Beamtenschutzbundes und die bisher geleistete praktische Arbeit und erwähnte dabei u. a., daß die 1945 entlassenen Beamten, schon damals vertröstet worden seien, über ihre Versorgungsbezüge werde nach ihrer Entnazifizierung entschieden. 1946 hätte sich bereits eine Klagegemeinschaft gebildet. Durch den Art. 131 der Bundesverfassung sei den entrechteten Beamten der Rechtsweg abgeschnit- teh worden. Vor Jahresfrist sei der Landesverband gegründet worden. Das Ziel desselben sei die Wiedereinsetzung der entrechteten Beamten in ihre alten Rechte oder die Erlangung entsprechender Versorgungsgebührnisse. Die Grundlage des Unrechts beruhe auf der falschen Auslegung einer Anordnung der Besatzungsmacht, welche eine „Beurlaubung“ ausgesprochen habe, die aber durch den Art. 131 zu einer „Entlassung“ umgedeutet worden sei. Es seien Schritte bei der Miltärregierung unternommen worden, und von dieser sei anerkannt worden, daß der Art. 131 verfassungswidrig sei. Bereits liege auch ein gerichtliches Urteil der Bayerischen Staatsregierung vor, wonach der Art. 131 der Verfassung nicht mehr in dem Sinne ausgelegt werde, daß von einer Entlassung die Rede sei. Nach der Erklärung der Militärregierung müssen die Beamten wieder eingestellt werden, wenn sie entnazifiziert sind, bzw. sie haben Anrecht auf entsprechende Versorgungsgebühmisse. TTC Mingolsheim Sieger derKreispotialrnnde Bei dem gestern in Bruchsal durchgefüh- ten Endspiel um den Wanderpokal des Kreises Bruchsal konnte die 1. Mannschaft des TTC Mingolsheim als 1. Sieger vor TV Karlsdorf I hervorgehen. Der Spielverlauf zeigte spannende, harte Kämpfe, die alle im fairen Rahmen durchgeführt wurden. Nach den beiden ersten Spielen stand die Partie 1 :1, jedoch konnte sich Mingolsheim dann einen beachtlichen Vorsprung sichern und am Schluß mit 12 :4 Punkten siegreich bleiben. Als bester Spieler von Mingolsheim ging Fritz Hoff- mann hervor, der alle vier Spiele gewinnen konnte. B. Buchmüller und Otto Menkenhagen holten je 3 Punkte, Gustav Ginser 2 Punkte. Walter Huber von Karlsdorf konnte 3 Spiele gewinnen und den vierten Punkt für Karls- dorf holte Josef Sehlindwein. Trotz des 12:4- Sieges von Mingolsheim ist die Ausgeglichenheit beider Mannschaften daraus ersichtl'ch, daß kein Satz unter 21 :16 endete, 6 Sätze in der Verlängerung und 7 Spiele im 3. Satz gewonnen wurden. Beide Mannschaften, die in der kommenden Verbandsrunde in der Bezirksklasse spielen, werden auch dort ihren Mann stellen. Das Spiel um den 3. und 4. Platz zwischen VfB Bruchsal II und TTC Mingolsheim II endete 8:8 unentschieden. Es war somit das bessere Satzverhältnis entscheidend und hier konnte VfB H mit 21 :18 Sätzen das bessere Ende für sich behalten. Als bester Spieler dieser Begegnung ging Manfred Link vom VfB Bruchsal hervor, der alle vier Spiele gewinnen konnte. Nach Schluß der Kämpfe dankte Kreisfachwart Baum, der die Leitung der Veranstaltung inne hatte, den Spielern für den fairen Verlauf der Spiele und den Schiedsrichtern, die sich in sportlicher Weise zur Verfügung stellten, für ihre Arbeit. Abteilungsleiter Heinzmann von Mingolsheim dankte dem Kreisfachwart für seine Worte und ebenfalls den Schiedsrichtern für ihre gute Leitung. Mannschaftsführer Ginser von Mingolsheim konnte dann den Wanderpokal in Empfang nehmen und gleichzeitig ab 1. Preis eine Tischtennisnetzgarnibur. Die weiteren Sieger erhielten noch Preise in Tischtennisbällen. Außerdem erhielt jeder Spieler eine Urkunde. Diese Veranstaltung hat gezeigt, daß auch unser Kreis weitere Fortschritte im Tischtennis gemacht hat. Die Ziele des Beamtenschutzbundes gingen nun dahin, diese Rechte zu erwirken und seien also rein wirtschaftliche Ziele, welche auch von der Militärregierung unterstützt würden. Es sei aber nicht leicht, von den deutschen Amtsstellen eine entsprechende Verordnung zu erlangen, die den entrechteten Beamten eine rechtliche Grundlage zur Wiedererlangung ihrer Rechte biete. So sei der Beamtenschutzbund jene Institution, die die Rechte der Beamten wahmehme. Wenn man an die Parlamente herantrete um Auskunft, werde man an die Bundesregierung verwiesen. Von Bonn aber sei nichts zu erfahren. Die Entrechteten aber seien durch den Verlust ihrer Stellung und durch die Nichtgewährung ihrer Versorgungsansprüche in eine Notlage gedrängt worden und würden von den Behörden auf die Hüfe der Fürsorgeämter verwiesen, obschon sie einen Rechtsanspruch auf Versorgung bzw. auf Wiedereinsetzung besäßen. Die Notlage zwinge diese Leute nun aber zu handeln, falls in den kommenden 3—4 Wochen nichts Positives geschehe. Es sei sogar erwogen worden, einen Marsch nach Bonn zu unternehmen. Der Beamtenschutzbund fordere für die entrechteten Beamten, daß das Unrecht, das an ihnen begangen worden sei, wieder gut gemacht werde. In diesem Sinne solle eine gesetzliche Regelung erzwungen werden. Eppingen Der Schweinemarkt am vergangenen Freitag war mit 60 Milchscfaweiaen und 81 Läuferschweinen beschickt. Die Preise für die Milchschweine bewegten sich zwischen 100 und 120 DM, diejenigen für Läuferschweine zwischen 130 und 160 DM das Paar. Manöverschäden erneut abgelehnt Der Einspruch der Eppinger Stadtverwaltung gegen die Ablehnung des Schadenersatzantrages gegen die Regierung der Vereinigten Staaten, auf Grund des Schadens, der im Hardtwald beim Manöver vom 19.—22 März ds. Js. in einer amtlich geschätzten Höhe von DM 7080.— verursacht wurde, ist abgelehnt worden. In der Begründung wird gesagt, daß an öffentlich-rechtliche Körperschaften keine Manöverschäden gezahlt werden. Kümbach Zum Abschluß des Schuljahres fand eine kleine Feier statt. Das Programm wechselte mit Liedern und Gedichten, Ansprachen von Klassenlehrer Müller, Schulleiter Quenzer und Bürgermeister Büchele. Aus der Schule wurden 33 Kinder entlassen. Drei Schüler von Kümbach besuchen die Sexta des Realgymnasiums in Eppingen, sechs Schüler die Sexta des Realgymnasiums Brettern Die Einrichtung der Postomnibuslinie vor Kümbach nach Breiten kommt diesen Schülern sehr zu gut. Die seit einigen Wochen im Gang befindlichen Notstandsarbeiten (Straßenbau, Feldweginstandsetzung etc.) sind beendet. — Die Bekämpfungs- und Schutzmaßnahmen für die hiesigen Weinberge sind erfolgreich durchgeführt worden. Nach dem Stand der Dmge kann mit einem guten Herbst gerechnet werden. Zaisenhausen Bei der letzten Totoausschüttung erhielt der TSV Zaisenhausen eine Zuweisung von DM 3000.—. Für den Verein bedeutet diese Zuweisung ein erfreuliches Plus. * Verkehrsunfälle im Landkreis Karlsruhe Auch im Monat Juni 1950 ist die Zahl der Verkehrsunfälle im Landkreis Karlsruhe weiter angestiegen. Insgesamt wurden in diesem Monat 85 (im Vormonat 73) Verkehrsunfälle gemeldet, darunter 4 schwere, 16 mittlere und 65 leichte Verkehrsunfälle mit einem Gesamtsachschaden von rund 36 000,— DM. Es sind 1 Todesopfer und 63 Verletzte zu beklagen. Unfälle mit nur Sachschäden sind 38 verzeichnet. — Von den 85 Verkehrsunfällen lagen die Ursachen in 56 Fällen beim Kraftfahrzeug oder dessen Führer; davon entfallen u. a.: 33 Unfälle auf Verkehrs widriges Verhalten (Nichtbeachtung der Vorfahrt, falsches Ueber- holen, Einbiegen usw.); 9 Unfälle auf Alkoholeinwirkung, Uebermüdung und Einschlafen des Kraftfahrers. — An nächster Stelle liegen die Radfahrer, die 18 Verkehrsunfälle verursacht haben. Der Landkreis Karlsruhe verzeichnet nun im ersten Halbjahr 1950 insgesamt 280 Verkehrsunfälle, die 8 Todesopfer und 204 Verletzte forderten. Der Gesamtsachschaden aus diesen Unfällen beträgt rd. 170 000,— DM. Rheinwassers tärnle Konstanz 360 (—2), Rheinfelden 235 ( —3). Breisach 176 (—2), Straßburg 239 <—3), Karlsruhe 399 (—3) Mannheim 241 (—4), Mainz ‘.’26 1—2), Bingen 150 (—2), Caub 157 (—2). Herausgeber: C una H. Kruse. Bruchsal, Wörthsli 4, Philippsburg, Salmstr 10 Redaktion: Hans Stauder, Bruchsal. Für auswärtige Anzeigen: Annoncen-Exped Krais, Karlsruhe. WatdstraBe 30. — Zur Zeit ist Preis Hste H-. 1 gültig. Unter eigenem fUtfit Rom an von Edmund Sabott Copyr. 1948 bv Verlag Reutlingen Oertel &■ Sporer 5. Fortsetzung Während dieses Tricks war die Bühne zwar verdunkelt, aber Kugel und Spiegel waren vom Scheinwerfer hell angestrahlt, und Ursula hatte das Zauberstück schon mehrmals gesehen, ohne je hinter das Geheimnis kommen zu können, obwohl sie ein gutes Fernglas benutzt hatte. Er selber verriet das Geheimnis aber nicht, weigerte sich auch, es zu Hause vor einem kleinen Kreise vorzuführen, ließ sich aber sonst nie lange nötigen, wenn man ihn um eine Probe seiner Kunst bat. Er hätte auch als Falschspieler oder als Taschendieb bequem sein Leben fristen können und Olpe behauptete er sei nichts Besseres. Ein Ereignis, das sich vor nicht zu langer Zeit zugetragen hatte, schien ihm recht zu geben. Gronne hatte sich wieder mal seit Monaten auf Reisen befunden, ohne etwas von sich hören zu lassen, wie es seine Gewohnheit war, aber eines Tages tauchte bei Olpe ein Kriminalbeamter auf und unterzog den alten Mann einem Verhör, ohne zu sagen, worum es eigentlich ging. Er deutete nur an, daß sein Stiefsohn in einem Schweizer Gefängnis sitze und dort eine Strafe abbüße. Was er verbrochen hatte, war von den Beamten nicht zu erfahren. Olpe war zerstört und erschüttert, als drohe ihm selbst das Gefängnis. Dabei behauptete er aber, er habe dergleichen seit langem kommen sehen. Um ihn zu beschwichtigen, nahm Alfred sich der Sache an und erfuhr schließlich, daß Gronne in Zürich verhaftet worden war, weil er sich auf betrügerische Weise ein Rauschgift verschafft hatte. Manche sonderbaren Seite von Gronnes Wesen erklärten sich nun. Er war süchtig, und dies war wohl auch der Grund dafür, daß er manchmal langen Pausen der Untätigkeit anheimfiel, dann meist in Geldverlegenheiten kam und es schwer hatte, ein neues Engagement zu finden, denn seine Sucht machte ihn unzuverlässig. Sehr lange dauerte seine Haft übrigens nicht. Er tauchte bald wieder in Altenfichten auf, sah noch etwas blasser und hagerer aus als sonst, war aber sonst unverändert Olpe verweigerte ihm nicht den Zutritt, wie er es angedroht hatte, sondern nahm ihn auf wie stets, richtete aber kaum noch das- Wort an ihn. Auch jetzt lag wieder eine solche Zeit der Untätigkeit hinter ihm. Anfänglich hatte er hier draußen bei seinem Vater gewohnt und und hatte noch den ersten Einzug Brenders miterlebt, aber dann war das Verhältnis zwischen ihm und Olpe immer unerträglicher geworden, und er war nach Berlin übergesiedelt, wo er in einem Hotel wohnte. Stolle hörte nur noch mit halbem Ohr hin, und Ursula sprach wohl auch nur, um ihn abzulenken, um ihn in etwas leichtere Stimmung zu versetzen, aber das gelang ihr kaum. Er gab keine Antworten, wenn sie ihn etwas fragten, und als er seine Koffer untergebracht hatte, rieb er sich nervös die Hände. „Ich gehe nun also mal zu ihr, Ulla. Du meinst wirklich, ich soll unangemeldet über sie herfallen?“ „Vielleicht kuriert sie ein Schreck. Ich wünsche dir jedenfalls Hals- und Beinbruch, mein Lieber! Geh nicht zu rauh mit ihr um. Sie ist empfindsam, das arme Kind, und in den letzten Monaten ist sie noch dünnhäutiger geworden. Solch rauher Bursche wie du denkt vielleicht nicht daran. Und nun — Gott befohlen, Peer! Marsch!“ Er ging. Den Weg kannte er. Er horchte an ihrer Tür, hörte aber keinen Laut und klopfte. Ihre Stimme, die ihm wirklich verändert vorkam, rief ihn herein. Er holte Atem, öffnete die Tür und setzte ein möglichst unbefangenes Lächeln auf. „Guten Tag, mein Mädelchen! Da sind wir also wieder mal!" Sie saß am Fenster, hatte irgendeine Näherei in den Händen und ließ sie sinken .Ihr Gesicht erschlaffte und wurde blaß. Sie gab keinen Laut von sich. Vor Schreck weiteten sich ihre Augen und wurden dunkel. Er ging langsam auf sie zu. „Du freust dich wohl gar nicht?“ Da erhob sie sich langsam, und ihre Hände glitten über die Hüften abwärts. Ihre Lippen zitterten. „Wo kommst du her?“ fragte sie und konnte nur flüstern. „Von Hamburg. Als ich dort nach einem Brief von dir fragte, und es war keiner da. bin ich unruhig geworden und habe mich gleich in den nächsten Zug gesetzt-Was hast du denn?“ - Sie hatte sich zum Fenster umgedreht und kehrte ihm dabei den Rücken zu, dabei bemerkte sie nun unten im Garten Ursula, die dort mit Gronne sprach, der sich anscheinend von ihr verabschiedete. „Bist e&inger SdiiHeminnerungen l. „xrkshändige Gott Apollo Daß, Schitier in der Zeit seines Mann« heimer Wirkens auch den Schloßgarten zu Schwetzingen kennenlernte, ist wohl et« was Selbstverständliches. Ebensosehr leuchtet es ab« auch ein, daß wir nach Belegen für solche Besuche doch erst suchen müssen. Ein spitzer Doppelzeiler, ein Xenion, das von Schiller und Goethe nicht in den gemeinsam geschaffenen Musenalmanach 1797 aufgenommen wurde und erst 1893 durch Erich Schmidt und Bernhardt Suphan aus den Handschriften des Weimarer Goethe- und Schiller-Archivs zwar ans Licht gezogen, aber nicht erklärt werden konnte, spielt offenbar auf eine vielerör» terte Schwetzinger Eigentümlichkeit an. Es mag bald aufgefallen sein, daß der im ragendeh Apollotempel stehende Gott, eine der weniger erfreulichen Schöpfungen Verschaffelts, im rechten Arm die Leier hält, auf der er mit dei Linken spielt. Der Künster meinte seinen Kri» tikern gegenüber, Apollo müsse eine erbärmliche Gottheit sein, wenn er nicht mit beiden Händen zu spielen verstünde. Aber der Gott blieb eben doch für die Beschauer ein — Linkshänder. Als der Dichter Wilhelm H e i n s e inj Juli des Jahres 1780 diesen merkwürdigen Gott sah, schrieb er an seinen Freund Jakobi, der das alles selbst schon gesehen hatte: „Der Apollotempel steht gar heilig auf seiner Anhöhe, nur hat der linke Gott darin einen erbärmlichen H ..." Heinse hatte also nicht nur die Vorderseite der Gestalt ins Auge gefaßt. Ir? Blick auf diese Eigentümlichkeiten erklärt sich auch Schillers Sinngedicht, das mit seiner Spitze wohl gegen den Mannheimer gefeierten Dichtet und Schauspieler I f f 1 a n d gerichtet war, vielleicht aber auch allgemein gegen die ganze Schar mittelmäßiger Dichter, die zu Schillers Zeiten unter dem Beifall des Pfälzer Publikums das Theater mit Stoff versorgten und schon voij Wieland in den Abderiten (3. Buch, 2. Kap.) verhöhnt worden waren. Schillers Gedichtchen also lautet: Apollos Bildsäule ln einem gewissen Garten- tempel Mit der Linken regiert er die Leier. Wen nimmt es noch wunder, daß er in diesem Revier immer so linkisch gespielt? Man möchte gerne annehmen, daß dieses Distichon Schillers unter dem frischen Eindruck eines Besuches im Schwetzinger Garten und nicht erst Jahre später aus der Erinnerung entstanden ist. Schon bald nach seine; Rück* kehr nach Mannheim im August 1783 gedacht? Schiller „in Gesellschaft nach Heidelberg und Schwetzingen zu fahren", wie er in einem Brief vom 11. August dieses Jahres an Henriette von Wolzogen ankündigte. Von einem anderen, freilich in wehmutvolle Abschiedsstimmung getauchten besinnlichen Aufenthalt im Schwelzin- ger Garten erzählt uns ein Zwiegespräch zwischen Schiller und seiner Mannheimer Freundin Charlotte von K a 1 b , die es in ihren Erinnerungen überliefert. Dieser Besuch Schiller* in Schwetzingen muß in den Spätherbst 1784 gefallen sein, als Schiller wie öfter in Mannheim körperlich und seelisch litt, „in einer der traurigsten Stimmungen seines Herzens" war — wie er in einem Brief vom 7. Dezember 1784 schrieb. Am 22. Februar 1785 schrieb er an Gottfried Körner: „Ich kann nicht mehr in Mannheim bleiben .. Ich kann nicht mehr hier bleiben — ... Ich habe keine Seele hier . und was mir vielleicht noch teuer sein könnte, davon scheiden mich Konvenienz und Situationen. — Mit dem Theater habe ich meinen Kontrakt aufgehoben..." Der Abschied von dem, „was ihm vielleicht noch teuer sein konnte", wirft schon seine Schatten auf das wehmütige Gespräch, das uns von Schiller* Eindrücken im'Schwetzinger Park berichte*. Dr A B. Es gibt noch Däner * ♦ ♦ Von Eberhard Meckel Daß es in unserer Zeit doch noch so etwas wi? ein Bleibendes, etwas von Dauer und Bestand geben könne, wunderbar tröstlich inmitten der unaufhörlich und immer rascher den Wert wechselnden Münzen des flüchtigen Augenblicks, ja diesen an innewohnendem zeitlosem Gehalte hoffnungsreich überlegen, das erfuhr ich wieder einmal, als ich kürzlich einen Bekannten in einem kleinen oberländischen Dorfe besuchte. Wir saßen in der großen Stube bei einer Flasche, sprachen nicht viel und schmeckten dem länch liehen Trunk nach, der, von der Wälderkühle behaucht und eigenwillig, herb wie das Leben hier zu Bauernbrot und Nüssen auf der prüfenden Zunge verweilte. Vor den Fenstern, in der gepflasterten Einfahrt, spielten Kinder, eine rechte Schar, Buben und Mädchen, so viele, wie ich sonst da noch nie beisammen gesehen, obwohl mein Gastgeber es bisher auch immerhin schon zu der stattlichen Zahl von acht Nachkommen gebracht hatte. In unsere sparsame Un» terhaltung hinein, die sich auf Frage und Auf* kunft über Sorgen und Zufriedenheiten des ABU tags beschränkte, drang das junge Toben, fürs unfreiwillig hinlauschende Ohr kein störendes Geräusch, eher eine gute, fröhliche Begleitung unserer weingelassenen Naehdenkliehkeit. Jetzt hob es draußen im Durcheinander der tindlich hellen Stimmen mit Ge&chtaufsagen, Abzählreimen, mit Strophen eines Volksliedes in, und dies alles mischte rieh mir, ich wußte rieht wie, zusammen in einen Ton, der mich in heimatlichen Mundart verbaut berührte und nr gleichzeitig doch auf merkwürdige Weise nders erschien. So, wie ieh es vereahns, redete® nd sangen die Kinder hieT sonst niebt mehrt, ich kannte das doch von Jugend an, und manchen Vers und manche Melodie, die man früher wohl noch ab und zu in der Gegend gesagt und esungen, hatte ich seit langem nicht mehr ge- ört, oder sie waren mir nur noch aus alteh Büchern geläufig. Und seltsam, auch was sich in der heutigen heimischen Umgangssprache vielfach abgeschliffen oder bereits verändert gebildet hatte, klang nun auf einmal in ursprünglichen Wendungen und Worten wieder auf — allmählich stärker davon erfaßt, wendete ich mich beim langsamen Versickern unseres Ge- spräehs von meinem Sitz halb dem Fenster zu, um Genaueres mitzubekommen, erhaschte auch mit dem schrägen Blick durch die Scheiben einige der lustig umherspringenden größeren und kleineren Gestalten, ein paar von ihnen teilweise im Kittel und Mieder, wie solches jetzt auch nicht mehr hier üblich war, und schaute endlich fragend zu meinem Gegenüber. Der mochte mich in meinem Tun wohl schon beobachtet haben und lächelte nun ein wenig her: „Ja, gell, das ist Ihnen neu? Und dabei ist’s alt, nur kennen und schwätzen und tragen wir's nimmer) Aber von wo ein Teil der Kinder da — er wies mit dem Kopf hinaus — herkommt, da war das alles noch lebendig bis vor kurzem ..." Und dann berichtete er, daß vor mehreren Wochen eines Abends unerwartet eine Frau mit fünf, seehs kleinen Kindern an der Türe gestanden sei und siGh als eine Trägerin des gleichen Namens erklärt habe, eine unbekannte Ver- wan^Re und Angehörige der Familie sozusagen* von dar niemand etwas gewußt, ausgewiesen aus Siebenbürgen und nach langer, schwieriger Reise und von Lager zu Lager mm schließlich hierher gekommen, von wo, so sagte sie, die Voreltern ihres seit fünf Jahren verschollenen Mannes einst auswanderten. Und dann habe sie aus einer sorgsam verschnürten Hülle etwas hervorgehoH, einknittriges Pergament, auf dem in früherer Schrift noch wohl zu lesen stand, daß sein damals auf dem Hof sitzender Ur-Ur- oroßvatar Linus dem „viellieben" älteren Bruder Martin, der vor zweihundert Jahren und ungrad mit einer Anzahl Landsleute dem Siedlerrufe der Kaiserin Maria Theresia gefoigt und zu Fuß und Donauschiff und Wagen in die Mühlbacher Gegend am Morasfluß gelangt und dort ansässig geworden war, es schriftlich gegeben hatte, er oder später die Kinder und Kindeskinder fänden jederzeit, wenn sie in der Fremde einmal nicht mehr gehe und Notzeit sei, mit Vor weis dieses Dokuments wieder ein Unterkommen in der Heimat und auf dem Hof, so selbiger noch bestünde, — „ausgefertiget zu Brief und markgräflichem Siegel' Anno siebzehnhundertachtundvierzig, auf den Sonntag Rogate, im Gedenken de« Herrn", wie der Schluß mit den Unterschriften gelautet habe. „Hier, Sie können es selbst sehen", fügte er hinzu, indem er hinter sich griff, mit einer Hand in dem Eckkasten unter mancherlei Papieren und Büchern herumsuchte und mir dann die alte Urkunde reichte. Ja, da stand es wahrhaftig: ich las es. „Und Sie haben es also gelten lassen, das Versprechen von damals?" Ich fragte nur, um etwas zu äußern. „Ja", lautete die einfache Antwort. „Es muß schließlich noch etwas gültig sein auf der Welt In der Fremde ginge nicht mehr, und Notzeit ist, und zur Familie gehören sie, und so sind sie halt bei uns geblieben, die Frau mit den Kindern. Wenn man noch ein wenig mehr zu- sammenrüekt, paßt’s schon noch. Es hatte ja auch Richtigkeit mit allem.“ Denn, wie er weitererzählte, entsann er sich vom Vater her, daß gelegentlich noch die Rede von irgendeiner Auswanderung unterm Vorbehalt der Rückkehr gewesen war; was freilich für Schicksale, guta und ungute, unter den Habsburgern, Magyaren, Türken, Russen und Rumänen seitdem dazwischen lägen, das wisse keiner, die Toten in der Fremde moderten unbeschrien, und nur im Endergebnis sei alles sichtbar, in dem ae'^^n- ten Zuwachs im Haus nämlich... Der Mann erhob sich zur Stubentür, öffnete sie und rief nach seiner Frau; sie' kam, mich begrüßend, und holte auf ein Wort eine zweite, etwas jüngere Frau von nebenan aus der Küche zu uns herein. „Das ist die neue Schwägerin", erklärte sie und blickte freundlich zu der anderen hin, die mit einer Sicherheit, als habe sie immer schon hierhergehört, auf mich zutrat und mir in unverfälschtem Alemannisch die Tageszeit bot; aus Augen, faltenkräftig umrahmt im noch nicht alten Gesicht, schauten mir nr*ge- machter Kummer und neue Hoffnung entgegen, unverbittert gemischt. Auch sie entstammte einem Geschlecht, dessen durch die Salpeterer - bekannten Namen es noch im Lande gab, weiter droben im Hauensteinischen; alle, die sich einst freiwillig oder aus. Zwang der Not, des Glaubens, des Abenteuers der Fremde verschrieben, hatten wjeder untereinander geheiratet, hatten die Heimat in der Fremde oft besser bewahrt, als dies die Nähe tat Nun kam das Bewahrte in Wort und Wesen spät wieder der Heimat zugute... Und draußen sangen und unterhielten sich heiter die Kinder. Das andere, was ich aus ihrem Mund empfunden, enthielt in Wahrheit den Zauber der Sprache, wie sie der junge Hebel von der Mutter in Liedern und Reimen gelehrt bekommen hatte. Durch zwei Jahrhunderte war ihr Klang ganz rein geblieben. Zwei Jahrhunderte schrumpften zusammen. Es gibt noch Dauer, dachte ich. Ein Wort, ein Versprechen hat noch Geltung über alles hinweg. Ruhig und golden glänzte der Wein im Glas* •r sohmeckte nun nicht mehr so herb. AUS HUER WELT ä m ■^nw - ^ tmmm? ‘ v ♦ WrakR&vi* mmmmm WffcM U ^ : " Der Rubel rollt — auch ln Deutschland n neuer Silberrubel, den sowjetische esatzungstruppen in Deutschland erhalten. Francois Poncet besuchte künftige deutsche Diplomaten Der französische Hohe Kommissar auf Besuch in der Diplomatensehule in Speyer, Neben ihm Fräulein Bourbon, die einzige Anwärterin für die Diplomatenlaüfbahn. Frankreichs neuer Ministerpräsident Eene Pleven kurz nach der Bildung dei neuen französischen Regierung. jUfP-yipi ► : »1 .^3-g^-g.g mm -m? '* ^rrs. y Pil 'mmJm Kampf hinter den Fronten auch in Korea Der Kampf gegen diese Partisanen ist unerbittlich. Der sich hier ergebende Guerilla sieht strenger Bestrafung entgegen. Amerikaner müssen gegen eine Übermacht kämpfen Unser Bild zeigt eine Stelle im Kampfgebiet von Korea, wo verwundete Amerikaner nach dem Rückzug am Kumfluß auf ihren Abtransport warten. '*4 % f w ' V"« . * ■ - . WM SSjggÄ v ' / ' > : ' ? mm MMi W%M Igpgigg Piiiffl i »* X ' i: mt wmM §|Mli§§ < » . ! » .- * -Jj; w-wz- IS Jahre Zuchthaus für Rudolf Beer Der Unmensch, der sich im KZ Ravensbrück die schauerlichsten Verbrechen zuschulden kommen ließ. Adenauer erholt sich in der Schweiz Bundeskanzler Dr. Adenauer macht hier mit seiner Tochter Lotte den ersten Spaziergang am Vierwaldstättersee Segelschiffskapitän als Landstreicher Der 70jährige Paul Glasbrenner aus Potsdam, später in Neuseeland, dann Schonerkapitän, fristet sein Leben als Landstreicher. Strahlender Erbe mit leerer Brieftasche Der 30jährige Schauspieler vom Hofe soll von seinem Onkel in USA 7 Millionen Dollar und eine Konservenfabrik erben. Von der großen Nürnberger 900-Jahrfeier Unser Bild gibt eine der letzten Proben zur Festaufführung von Richard Wagners „Meistersingern“ wieder. Wieder rollt die „Tour de France“ Die Radsportfreunde der ganzen Welt fiebern dem Ausgang dieses Rennens, das sich über 4800 km erstreckt, mit Spannung entgegen. *(#*!*,- CBilder: dpai