BRÜCHSALER POST SÜDD. HEIMATZEITUNG FÜR KRAICHGAU UND BRUHRAIN 1 Nummer 175 Montag, den 81. Juli 1950 48. Jahrgang ■ • . . - . — . — - - - - - — ■ . Amerikaner kämpfen gegen gewaltige Übermacht „Jämmerlijdi schwach 1 * Bedenkliche Kampflage ln Südkorea — Immer neue Einkesselungs versuche und Gegenangriffe Tokio (UP). Amerikanische Truppen sind am Sonntag zu ihrem ersten größeren Gegenangriff im koreanischen Feldzug angetreten. Die erste amerikanische Kavalleriedivision setzte von ihren Grabenstellungen aus zu einem Gegenstoß gegen einen nordkoreanischen Verband an, der in der Nähe des kleinen Ortes Kirye die tamerikanische Front zu durchbrechen droht. Die Kommunisten stießen in Stärke von iwei Divisionen gegen eine schwache Stelle in der amerikanischen Verteidigungslinie vor, Sie sich in weitem Radius nahezu kreisförmig am den Brückenkopf Pusan zieht. Die an dem Gegenangriff beteiligten Einheiten der ersten Kavalleriedivision gingen entlang der Straße Kumchong-Kochang vor. Das erste Ziel der Amerikaner war, einen größeren Verband Guerillakämpfer in Kirye auszuheben, die am Vortage einen amerikanischen Aufklärungstrupp aufgerieben hatten. Der Hauptstoß der Amerikaner richtet sich jedoch gegen zwei rote Divisionen, die durch ihren Durchbruchsversuch die gesamte alliierte Front gefährden. Einige nordkoreanische Vorausabteilungen hatten bereits einen Punkt 50 Kilometer von Taegu der gegenwärtigen provisorischen Hauptstadt, erreicht. Die Amerikaner nahmen dann Kirye am Sonntag abend, ohne auf großen Widerstand zu stoßen. Sollte die erste Kavalleriedivision ihren Gegenstoß nach Süden fortset2en, dann ist in den nächsten Stunden mit schweren Kämpfen zu rechnen. Woher kommen die Kommunisten? Ferner wird von einem amerikanischen Gegenangriff im Süden berichtet, um den nord- koraeanischen Angriff gegen die wichtige Stadt Chinju, ca. 80 Kilometer westlich Pusan, zum Stehen zu bringen Die Nordkoreaner haben auf der gesamten Front in Korea jetzt ungefähr eine Viertel Million Mann stehen. Einige Einheiten der 25. Infanteriedivision mußten sich am Sonntagabend, wie UP-Kor- respondent Gene Symonds berichtet, etwas zurückziehen. Sie versuchten damit, ihre Front zusammenzuschließen, um dem erwarteten Großangriff der Kommunisten besser begegnen zu können. Der Frontausgleich vollzog sich im Gebiet westlich von Sang ja. An der Südküste hält die 24. Division, nunmehr unter dem Kommando von Generalmajor Church, ihre Stellungen westlich von Chinju. Die gefährdetste Stelle an der nordkoreanischen Front ist jedoch die im Gebiet von Ko- chang, wo die Nordkoreaner versuchen, die amerikanische linke Flanke zu umgehen und seitlich zu umfassen. Gegen diesen Durchbruchsversuch richtet sich auch der oben genannte Gegenstoß. Entweder — oder ... Der nordkoreanische Rundfunk meldet u. a. «ne Besetzung von Kochang, das in Flammen steht, und im Süden von Hadong, Kojo und Kwanjang. Am Samstag trieben die Kommunisten einen amerikanischen Verband an einem Punkt der Südküste ins Meer. Angesichts der bedenklichen Kampflage hat der Schärfste Ablehnung der Politik Moskaus Attlee appelliert an das englische Volk — „Verteidigt die Freiheit!“ London (UP). Der britische Premierminister Attlee erklärte in einer Rundfunkansprache. die kommunistische Aggression in Korea sei Teil einer weltweiten Verschwörung gegen die freien Demokratien. Attlee forderte das britische Volk dazu auf, sich für die Verteidigung seiner Freiheit vorzubereiten. Attiee sagte von den Kommunisten: „Sie wollen die Demokratie und die Freiheit von der Welt hinwegfegen. Sie sind entschlossen, unsere Leben zu vernichten, wenn wir ihnen nicht zustimmen. Sie sprechen von Freiheit, während sie selbst sie abschaffen. Die Kommunisten, ob sie nun Krieg in Korea machen oder Aufruhr in Malaya, Indien oder Burma, ob sie die Freiheit der Tschechoslowaken und Polen zerstören, oder versuchen, den wirtschaftlichen Wiederaufstieg Großbritanniens, Frankreichs oder Australiens zu verhindern, haben nur eines im Sinn: die ganze Welt ihrer Tyrannei unterzuordnen.“ In eindeutigen und äußerst offenen Worten beschuldigte Attlee die Sowjetunion, die Arbeit der Vereinten Nationen zunichte zu machen. Im Angesicht dieser Läge müßten neue wirtschaftliche Opfer von jedem zur Verteidigung von Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit gebracht weiden. Attlee forderte zum freiwilligen Dienst in den Streitkräften, im Hilfsdienst, im Luftschutz und anderen Organisationen auf Befehlshaber der amerikanischen Streitkräfte in Korea, Generalmajor Walker, zum „Widerstand bis zum letzten“ aufgerufen. Walker sagte den Frontkommandeuren: „Es gibt kein zurück mehr, wir müssen kämpfen bis zum Tode. Es ist kein Platz mehr nach hinten. Es gibt kein zweites Dünkirchen. Wenn die Kommunisten nach Pusan durchbrechen, gibt es die größte Abschlachtung von Amerikanern, wie sie die Geschichte noch niemals erlebt hat.“ Eisenhowers Ansieht General Eisenhower betonte, die Streitkräfte der Vereinten Nationen müßten in Korea gewinnen. Andernfalls werde sich eine Welle von Unruhen über die Welt verbreiten. Die Vereinigten Staaten und die verbündeten Nationen hätten keine andere Wahl, als den Kampf in Korea entschlossen fortzuführen und den Sieg zu erzwingen. Nur auf diesem Wege ließen sich andere Angriffe vereiteln. Dulles für Waffen an Deutschland und Japan Beide Länder sollen gleichberechtigte Partner im Kampf gegen Moskau sein San Francisco (UP). John Foster Dulles erklärte in einer Rede vor dem Commonwealth-Club, daß Deutschland und Japan der freien Welt als „gleichberechtigte Partner“ im Kampf gegen den Kommunismus eingegliedert werden sollten. Dulles ist einer der außenpolitischen Sachverständigen der republikanischen Partei und Berater des Außenministers Aeheson. Die beiden ehemaligen „Achsenstaaten“ lägen „geographisch der Welt des Despotismus nahe“. Wenn sie an die sowjetische Einflußsphäre verloren gingen, würde das einen beträchtlichen Fortschritt für die sowjetische Einkreisungsstrategie bedeuten. Dulles betonte, daß sein Vorschlag nicht bedeute, den Deutschen oder Japanern nationale Armeen zu geben, „die lediglich nationalen Ambitionen dienen“. Er ließ aber keinen Zweifel daran, daß er eine Bewaffnung der beiden Völker befürworte. Z weif ronten-Krieg Der republikanische Außenpolitiker führte aus: „Das bedeutet, sie (Deutschland und Japan) als gleichberechtigte Partner im Rahmen der Anstrengungen der europäischen, pazifischen oder Vereinten Nationen zu behandeln, die die natiönälen Bestrebungen solchen Zielen unterordnen, wie sie der allgemeinen Wohlfahrt der freien Völker dienen“. Das Verteidigungsproblem der freien Völker sei „wirklich gigantisch“, sagte Dulles. Die rund 24 000 Kilometer des „Eisernen Vorhangs“ verschafften der Sowjetunion eine geheime Basis, die zu Bedrohungen der 15 an die Grenzen der Sowjetunion angrenzenden Völker benutzt werden könne. Hinzu käme die Möglichkeit von Angriffen über die Arktis und „indirekter Aggressionen“. Eine Aufnahme des kommunistischen China in die Vereinten Nationen würde bedeuten, daß Sowjetrußland einen neuen Partner „der Gewalttätigkeit" habe, der gegen die „Frie- densstiftungs-Aufgabe des Sicherheitsrates“ ein Veto einlegen könne. Dulles warnte ferner davor, „Europa zu vernachlässigen“, weil das asiatische Problem den USA gegenwärtig besonders naheliege. „Wir stehen in einem Zweifrontenkrieg“, rief Dulles aus. Keine der beiden Fronten dürfe vernachlässigt werden. Die wirtschaftliche und militärische Stärkung Europas, einschließlich Westdeutschlands, müsse vorangetrieben werden. In Asien aber müsse der Hoffnung Stalins entgegengetreten werden, die Westmächte in einen allasiatischen „Massenkampf gegen den kolonialen Imperialismus und seine Lakaien“ zu verwickeln. Späte englische Erkenntnisse Mahnung zur Aufrüstung Westdeutschlands London (UP).-Die einflußreiche unabhängige britische Sonntagszeitung „Observer“ forderte Premierminister Attlee auf, in Washington mit Präsident Truman zu Verteidigungsbesprechungen auf höchster Regierungsebene zusammenzusetzen. Die Zeitung erklärt: „Wenn wir zur Zeit nicht viele Divisionen in Westdeutschland stationieren können, dann ist es unsere Aufgabe, die bestehenden Hindernisse für den Aufbau der westdeutsschen Selbstverteidigung zu beseitigen, und sie nicht noch zu erschweren. Die Lücken zwischen unserem augenblicklichen Stand der Verteidigung und den erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen sind sehr groß. Alarmierende Nachrichten aus Belgien Marsch auf Brüssel und wallonische Separat-Regierung geplant Brüssel (UP). Belgien geht mit Riesenschritten einem sehr bedrohlichen Zustand entgegen. Die ganze Kraft der Gegner König Leopolds konzentriert sich am kommenden Dienstag auf die Hauptstadt Brüssel.- Es ist eine Art „Marsch auf Brüssel“ geplant, bei dem, wie die Sozialisten erklären, die Entscheidung gegen König Leopold fallen soll. Tausende von Streikenden werden schon am Montag nach Brüssel hereinströmen. Ein geheimer Rundfunksender verbreitet teilweise verschlüsselte Befehle an die Strei- • kenden und Demonstranten. Züge nach Holland oder Frankreich zu nehmen, ist gefährlich, die Gefahr von Eisenbahnanschlägen besteht weiter. Wie das Innenministerium bekanntgab, wurden in der Nacht zum Sonntag weitere Sprengungen von Schienen entdeckt. In einem über den Rundfunk verbreiteten Aufruf forderte der belgische Arbeitsminister die Streikenden auf, an ihre Arbeit zurückzukehren und dadurch den Einsatz von Truppen zu vermeiden. Aber von 750 Straßenbahnwagen in Brüssel fuhren am Sonntag morgen etwa 40. Der Kongreß der wallonischen Bewegung hat in Lüttich einen Kongreß unter dem Vorsitz des Sozialisten Merlot abgehalten. Dabei wurde die Bildung einer wallonischen Separat-Regierung der vier französischsprechenden südlichen Provinzen Belgiens und die'Prokla- mation der wallonischen Autonomie befürwortet. In Lüttich können lediglich Personen mit einer besonderen „Arbeitserlaubnis“ des Streikkomitees, beispielsweise Journalisten, Mahlzeiten in Gaststätten einnehmen. Während der Sonntag im Lande im allgemeinen etwas ruhiger verlief, wurden am Abend in Grace-Berleur bei Lüttich bei Zusammenstößen mit der Polizei drei Personen erschossen. Als die tödlichen Schüsse'fielen, brach unter den Streikenden eine Panik aus. Mittlerweile haben Infanterie und motorisierte Einheiten südlich von Waterloo Stellung bezogen, um den Demonstranten aus Charleroi, die am Montag auf Brüssel losmarschieren wollen, entgegenzutreten. Mehrere Tausend belgische Soldaten wurden am Samstag aufgeboten, um „Ordnung und Arbeitsfrieden“ mit allen Mitteln aufrechtzuerhalten. Aus Deutschland ist eine Einheit der belgischen Besatzungstruppen zur Verstärkung eingetroffen. Alle Angehörigen der Armee, Marine und Luftstreitkräfte haben Urlaubssperre. Gewisse Einheiten der Armee sollen in Kürze auf Kriegsstärke gebracht werden. Lüttich und Charleroi, die beiden größten Städte im südbelgischen Industriegebiet, wurden von Truppen besetzt. Der Gouverneur der Provinz Lüttich, Leclercq, ist von seinem Posten zurückgetreten, weil er als Sozialist nicht die Anweisung der Regierung ausführen wollte. Man schätzt, daß in der Provinz etwa 500 000 Arbeiter streiken. Sämtliche Verkehrsmittel liegen still. In der Provinz Bra- . bant hat der Gouverneur angeordnet, daß nicht mehr als fünf- Personen zusammenstehen dürfen, nachdem in Brüssel Truppen und Polizisten mit Steinen und Hausrat beworfen worden waren. Zu schweren Zusammenstößen kam es am Samstag vor dem Brüsseler Nordbahnhof. Die erregte Menge drang mit Stühlen, Flaschen und Pflastersteinen auf die Polizei ein. Zwei Polizisten wurden von den Pferden gezogen. König Leopold führte am Samstag bis in die späten Abendstunden hinein Besprechungen mit Regierungsmitgliedem. Wie am späten Abend des Sonntags gemeldet wurde, haben die belgischen Truppen den Befehl erhalten, einen etwaigen Marsch der Streikenden auf Brüssel mit Gewalt zu verhindern. Die Streikausschüsse hatten vorher angekündigt, daß am Montag „motorisierte Brigaden“ in die Hauptstadt einfahren würden. Die belgischen Sozialisten haben Sonntag Nacht dem Kabinett Duvieusart ein Ultimatum gestellt. Es soll lauten: „Entweder geht Leopold oder Wallonien stürmt seinen Palast.“ „Wenn nichts getan wird, haben wir morgen Bürgerkrieg“, erklärte Buset, der Präsident der belgischen sozialistischen Partei am Sonntagabend nach einer Unterredung mit Ministerpräsident Duvieusart. Unmittelbar darauf begab sich Duvieusart zu König Leopold. Von UP-Korrespondent Jack Fox Die Vereinigten Staaten haben in Korea gesehen, was Überlegenheit an Truppen ausmachen kann. Ein Blick auf die militärische Lage in Europa zeigt, daß hier bei einem eventuellen Kriegsausbruch ein zweites Korea fällig wäre. Es ist eine seltsame und zugleich ernüchternde Tatsache, daß ausgerechnet die Atlantikpaktstaaten die militärisch „schwadien Schwestern“ Westeuropas sind. Die einzig schlagkräftigen, gut ausgerüsteten, größeren und jederzeit kampfbereiten Armeen haben die Schweiz, Spanien, Jugoslawien und Schweden aufzuweisen. Diese Staaten aber - haben keinerlei Verpflichtungen eingegangen, Westeuropa gegen irgend einen Angriff zu verteidigen. Deutschland wiederum — das einzige Land, das ein militärisches Bollwerk hätte abgeben können — ist in zwei Teile gespalten und darf nicht aufrüsten. Der britische Verteidigungsminister Shin- well bezifferte die Stärke der sowjetischen Armeen im Unterhaus auf 175 Divisionen — das heißt 2,8 Millionen Mann ausgebildeter Truppen. Was hat Westeuropa dem entgegenzustellen? Eine Übersicht zeigt, daß folgende Infanterie- Streitkräfte der einzelnen Atlantikpaktstaaten im Kriegsfälle sofort verfügbar wären: Großbritannien, der stärkste der westeuropäischen Alliierten, hat schätzungsweise 330 000 Mann auf den britischen Inseln und in Westdeutschland. Einige seiner besten Kampftruppen, ungefähr 54 000 Mann, sind in Malaya und Hongkong. Weitere 25 000 bewachen den Suezkanal. Der Rest einer Streitmacht von insgesamt 420 000 Mann ist in Außenposten wie Gibraltar, Malta, Cypem, Eritrea und Tripolis verstreut. Frankreich ist das Land, das nach dem Plan, wenigstens zu Beginn, die Masse der Infanterie des westeuropäischen Kontingents stellen sollte. Aber die französische Armee ist nur etwas über 300 000 Mann stark. Davon sind 168 000 in überseeischen Gebieten und von diesen allein 120 000 in Indochina gebunden. Frankreich hat in Europa nur zwei motorisierte Divisionen und zwei Infanteriedivisionen stehen. Hinzu kommen noch eine im Aufbau befindliche Luftlandedivision und eine Gebirgsdivision. Die Niederlande hatten vor zwei Jahren noch 84 000 Mann ihrer besten Truppen in Indonesien, und viele von ihnen stehen auch jetzt noch dort. Die Holländer ziehen jährlich 50 000 Rekruten für eine einjährige militärische Ausbildung ein. Belgiens Truppenstärke beläuft sich etwa auf 74 000 Mann. Nur eine Division, also rund 15 000 Mann, ist jedoch kampfbereit. Norwegen und Dänemark könnten nicht viel mehr tun, als versuchen, ihre Flugplätze zu verteidigen. Italiens Kampfstärke ist durch die einschränkenden Bedingungen des Friedensvertrages geschwächt und Portugal hat zwar eine kleine, gut ausgebildete Armee, zählt jedoch wegen seiner ungünstigen strategischen Lage nicht. Das sind also die Kräfte, die den Vertretern des Atlantikräts bei ihren Berechnungen und Plänen in London zur Verfügung stehen. Nun ein Blick auf die außerhalb des Paktes stehenden westeuropäischen Staaten: Schweden hat 300 000 Mann, die jederzeit kampfbereit sind. Spanien hat weitere 300 000 Mann, und die beste Verteidigungslinie ganz Europas sind die Pyrenäen. In Jugoslawien stehen 450 000 Mann unter den Waffen, das entspricht 30 amerikanischen Divisionen. Die Schweiz hat keine große stehende Armee. Aber 500 000 Männer und Frauen sind ausgebildet, die Gebirgsfestung zu verteidigen. Aus diesen Zusammenstellungen ist also ersichtlich, daß die Atlantikpaktmächte geraae 500 000 Mann aufstellen könnten, während die Neutralen über mehr als das Doppelte, über eine Million Mann, verfügen. Natürlich berücksichtigt diese Aufstellung nicht die Marine- und Luftstreitkräfte oder die Atombombe — aber Korea hat eben gezeigt, welche Bedeutung dem Infanteristen beizumessen ist Und von dieser Seite her betrachtet sind die westlichen Alliierten in Europa jämmerlich schwach. Montag, den 31. Juli 195# Ein gerechtes Maß von Souveränität! Blücher über Westdeutschlands Sicherheit Bonn (UP). Der stellvertretende Bundeskanzler Blücher erklärte ln einem exklusiven Interview mit United Press, daß die Ereignisse noch große Anforderungen än das deutsche Volk stellen könnten, denen es sich nicht zu entziehen vermöge, wenn es die ihm wiedergegebene Freiheit schützen wolle. Deutschland könne einen großen Beitrag für den Friesen leisten, wenn es durch seine Arbeit die Innere Kraft und Geschlossenheit sichere. „Es muß aber viel mehr als in den letzten Jahren geschehen, tun diese innere Festigung zu beschleunigen“, sagte der Vizekanzler. Der Grundstein für eine „echte Front der Sicherheit“ sei schließlich nur eine Politik, die Deutschland ein gerechtes Maß von Souveränität gewähre. „Die Frage nach der Sicherheit muß zuerst an diejenigen gerichtet werden, die die Verantwortung für' die deutsche Sicherheit aus eigenem Entschluß übernommen haben. „Die f reiheit verteidigen, und das heißt heute die icherheit der freiheitlichen Welt verteidigen, kann nur derjenige, der sich selbst frei fühlt und daher daran glaubt, daß er die Freiheit zu verteidigen hat. Nur die wirkliche Wiederherstellung der deutschen Souveränität gibt aber diesen Glauben“, unterstrich der Vizekanzler. Unklarheit über Polizei Verstärkung „Kein Gegenstück zur Ostzonen-Polizei“ Bonn (UP). Zu der Note der Hohen Kommissare, in der die Bundesregierung ermächtigt wird, die Länderpolizei um 10 000 Mann zu verstärk«!, erklärten maßgebliche Beamte im Bonner Regierungsviertel, daß ihnen die verklausulierte Abfassung des Textes eine klare Auslegung und Kommentierung der alliierten Ansicht vorläufig nicht möglich mache. Nach Feststellungen offizieller britischer Kreise handelt es sich nicht um eine Bundesgendarmerie. Es sei jedoch von größter Wichtigkeit, daß die Bundesregierung in der Lage sein solle, im Falle innerer Unruhen, wenn nötig, ausreichende Polizeiorgane aus den Ländern herauszuziehen. In britischen Kreisen ist weiter nichts bekannt über Vorschläge, daß irgendwelche Teile der Polizei in den Westzonen mit Maschinengewehren ausgerüstet Werden sollen. Mit größter Entschiedenheit müsse die Auffassung zurückgewiesen werden, daß im Westen ein Gegenstück zu der sogenannten Volkspolizei der Sowjetzone organisiert werde. Reimann versucht sich reinzuwaschen Müller der Spionage bezichtigt Düsseldorf (UP). Vor rund 3000 Zuhörern erklärte Max Reimann zum Fall des in der Ostzone verschwundenen Kommunisten Müller, daß dieser nachweisbar mit Offizieren einer imperialistischen Macht sowie mit der SRP-Führung Dr. Doris in Verbindung gestanden habe und von diesen Aufträge erhalten habe. Gleichzeitig habe Müller dem Ostbüro der SPD Material für die Herausgabe einer parteifeindlichen Schrift geliefert. Die Ausstoßung Müllers aus der KPD sei ein empfindlicher Schlag gegen die ausländischen und deutschen Kriegstreiber. Wenn Müller dann in die Ostzone gereist sei, um dort seine Spionage und Sabotagetätigkeit weiter auszuführen, und wenn er dabei festgenommen worden sei, dann sei das eine Angelegenheit der dortigen Sicherheitsorgane. Kann man ohne deutsche Hilfe kämpfen? General Billotte, der militärische Sprecher der Sammlungsbewegung de Gaulles, fragte in einer Rede den französischen Verteidigungsminister, ob es sein strategisches Genie möglich mache, die erste Schlacht an der Elbe ohne deutsche Hilfe zu schlagen. Westmächte rechnen mit Aktionen Maliks Sicherheitsrat bereitet sich auf die Rüdekehr der Sowjetunion vor Lake Success (UP). Die Sowjetunion wird wahrscheinlich bei ihrer Rückkehr in den Sicherheitsrat in der nächsten Woche Vorschlägen, daß unter Beibehaltung der gegenwärtigen Frontstellungen sofort das Feuer in Korea eingestellt werde. Nach der Feuereinstellung, so glaubt man, werden die Russen weiter Vorschlägen, soll der Sicherheitsrat zwischen Nord- und Südkoreanern vermitteln. Dabei wird der sowjetische Delegierte jedoch darauf bestehen, daß anstelle des natio- . nalchinesischen Vertreters ein Kommunist in den Sicherheitsrat einzieht. Diese Vorschläge werden, sollten sie tatsächlich unterbreitet werden, mit Bestimmtheit von den Westmächten abgelehnt werden. Was die Russen nach einer Ablehnung machen werden, weiß man noch nicht, es gilt jedoch als sicher, daß sie, solange sie an den Ratssitzungen teilnehmen, ihre Propagandareden gegen die Vereinigten Staaten fortsetzen und die Westmächte für „alle Konsequenzen“ verantwortlich machen werden, die aus der „Ablehnung der sowjetischen Vorschläge“ entstehen. Indessen sind die Westmächte auf jede Aktion des. sowjetischen Delegierten Malik vorbereitet. Die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und Norwegen haben sich bereits über ihre Schritte geeinigt, die sie im Falle eines sowjetischen Vorstoßes gegen die UN-Aktion in Korea unternehmen werden. Erstens wollen sie Sich auf den Artikel 28 der UN-Charter berufen, nach dem der Sicherheitsrat so organisiert werden soll, daß sein ständiges Arbeiten gewährleistet ist; zweitens haben sie Vorsorge getroffen, daß der britische Delegierte Sir Jobb den Vorsitz des Rates übernimmt, sobald der sowjetische Delegierte die Sitzung erneut boykottieren sollte; drittens wollen sie sich am Montag vor der Rückkehr Maliks noch einmal zusammensetzen, um alle Lücken in ihrer rechtlichen Argumentierung, die Malik eine Handhabe für einen Vorwurf, daß die amerikanische Aktion in Korea gegen die Charter der Vereinten Nationen verstoße, zu schließen; viertens hat man sich darüber geeinigt, wie den Russen auf • die erwarteten Propagandareden zu antworten sei; und fünftens ist man entschlossen, jedem Versuch Maliks, die Nationalchinesen aus dem Sicherheitsrat zu entfernen, entgegenzutreten. Man hat einen solchen Schritt Rußlands seit langem erwartet. Man war sich bewußt, daß die Sowjetunion keine Anstalten zur Vermittlung machen werde, ehe nicht die Streitkräfte der Vereinten Nationen gegen die Küste gedrängt worden seien. Das würde der Sowjetunion dann einen Propagandastoff auf Jahre hinaus geben: „Die friedliebende Sowjetunion hat die Feindseligkeiten beendet, nachdem eine kommunistische Bauemarmee die prahlerischen Amerikaner fast ins Meer geworfen hätte.“ Da der Vorschlag Maliks aber sicherlich zum Scheitern verurteilt ist, gibt dies wiederum den Russen die Möglichkeit zu sagen: „Die Westmächte wollen den Krieg in Korea verlängern.“ Darin, so nimmt man jetzt an, ist der Hauptgrund für die Rückkehr der Sowjetunion in den Sicherheitsrat zu sehen. Im übrigen hält man es nicht für ausgeschlossen, daß die Sowjetunion die Angelegenheit Formosa vor den Sicherheitsrat bringen wird. Argentinische Schiffe weiter boykottiert ITF-Kongreß beendet — Solidarität mit den, Streikenden Belgiens Stuttgart (UP). Der seit 21. Juli in Stuttgart stattfiridende 21. Weltkongreß der internationalen ’ Transportarbeiterförderation (ITF) wurde beendet. /Omer Becu, London, wurde in seiner Stellung als Generalsekretär bestätigt. Ebenfalls bestätigt wurde der bisherige Präsident der ITF Bratschi, Schweiz. Bratschi bedankte sich in seinem Schlußwort für die fürsorgliche Vorbereitung des Kongresses durch die deutschen Gewerkschaften. Der nächste Kongreß wird in zwei Jahren stattfinden. Vor dem Ende der Beratungen hatte der Kongreß noch die Tätigkeitsberichte der Verschiedenen Sektionen entgegengenommen. U. a. ersuchten die deutschen Vertreter in der Sektion der Seefischer, die Forderung auf Wiederzulassung Deutschlands zum Walfang zu unterstützen. Der Kongreß billigte einen Beschluß der Hafenarbeitersektion, nach dem der Boykott argentinischer Schiffe durchgeführt werden soll. Von der deutschen Gewerkschaft für öffentliche Dienste, Transport und Verkehr wurde der ITF-Kongreß davon unterrichtet, daß die deutsche Gewerkschaft und ihr Vorsitzender Kummernuß wegen der Bestreikung argentinischer Schiffe von der Hamburger Staatsanwaltschaft regreßpflichtig gemacht werden sollen. Die deutsche Gewerkschaft teilte hierzu mit, daß trotz der „jetzt ausgesprochenen Drohung“ die deutsche Transportarbeitergewerkschaft ihre Haltung nicht ändern und argentinische Schiffe weiter bestreiken und boykottieren werde. Man werde auch nicht dem Wunsch der deutschen Reeder entsprechen, den für den 5. August in Hamburg " avisierten argentinischen Regierungsfrachter „Cordova“ mit 600 Tonnen Sisal und 1200 Tonnen Transit-Gut „zu bearbeiten“. Auch die belgischen Hafenarbeiter weigern sich, das Schiff zu entladen. Der britische Delegierte dagegen teilte mit, daß seine Gewerkschaft die Anordnung der ITF zum Boykott argentinischer Schiffe nicht ausführen werde. Kurz vor Abschluß seiner Tagung richtete der 21. Weltkongreß der ITF in Stuttgart sodann ein Sympathie-Telegramm an die streikenden belgischen Gewerkschaftler, in dem der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, daß das belgische Volk bald zu einer Lösung seiner augenblicklichen Schwierigkeiten kommen möge, die die belgischen Lebensformen wahrte und beschütze. Riesiges US-Flugzeugprogramm Aufträge für 4 Milliarden Dollar Washington (UP). Das Oberkommando der amerikanisch«! Luftstreitkräfte gab der Flugzeugindustrie den Auftrag, sofort mit der Produktion von Flugzeugen und Flugzeugteilen im Werte von etwa 4 Milliarden Dollar zu beginnen. Amerikanische Militärkreise erwägen gegenwärtig, den europäischen Nordatlantikpakt- Nationen im Rahmen des Waffenhilfsprogrammes 1600 Düsenjäger zur Verfügung zu stellen. Außenminister Acheson und der stellvertretende Marshallplan-Administrator Foster stellten in Schreiben an den Kongreß fest, daß die vorgesehenen Abstreichungen an den Bewilligungen für den Marschallplan, die westeuropäische Verteidigung schwächen werden. Präsident Truman hat die Führer des Senats und des Repräsentantenhauses zu einer Konferenz gebeten, in der er im einzelnen seine Forderung begründen wird, einen weiteren Betrag von vier Milliarden Dollar für die Aufrüstung Westeuropas und anderer freier Staaten zu bewilligen. Damit würde die Gesamtsumme für die Wiederaufrüstung Europas und anderer freier Staaten sich auf mehr als fünf 'Milliarden Dollar stellen. Man erwartet, daß eine Gruppe Abgeordneter und Senatoren darauf bestehen wird, daß ein Tender amerikanischen Waffenlieferungen nach Westdeutschland und Spanien gehe. Gefahren für Persien? Verdächtige russische Rundfunksendungen London (ZSH). Der Korrespondent dei „Sunday Times“ meldet, die Beunruhigung über die jüngsten russischen Propaganda- Rundfunksendungen nach Persien nähmen zu. Diese Sendungen entsprächen im Ton denjenigen, die vor der Invasion der Kommunisten nach Südkorea gerichtet worden seien. In einer der für Aserbeidschan bestimmten Sendungen seien die persischen Truppen aufgefordert worden, sich gegen die Regierung i* Teheran zu wenden. Fast 10 Millionen Verluste Die Bilanz des chinesischen Bürgerkrieges London (UP). In einem Kommunique de/ kommunistischen chinesischen Armee aus Peiping werden die Verlustzahlen beider Seiten von vier Jahren Bürgerkrieg angegeben. Danach haben die Kommunisten 1522 50C Mann Verluste gehabt, davon 13 700 Gefangene und 196100 Vermißte. Die nationalchi- nesischen Verluste betrugen nach dieser Aufstellung 8 071 000 Mann, davon 4 585 750 Gefangene, 1 711 000 Tote und Verwundete. Dibelius rechnet mit Grotewohl ab Traurige Mittel im Kampf gegen die Kirche Im Königschor des Doms Vor 50 Jahren wurden die Kaisergräber in Speyer eröffnet Berlin (UP). Bischof Dr. D. Dibelius, der Landesbischof der evangelischen Küthe Berlin-Brandenburg, gab eine ausführliche Erklärung ab zu den Vorwürfen, die Ministerpräsident Grotewohl (SED) auf , dem dritten SED-Farteitag gegen ihn erhoben hatte. Der Bischof betonte, seine Unterredung mit Truman habe nicht länger als eine Viertelstunde gedauert und habe sich nur um rein kirchliche Fragen bewegt. Von der Sowjetzonenrepublik, von den dort für den 15. Oktober vorgesehenen Wahlen, sowie von der Haltung der evangelischen Kirche Deutschlands im Falle eines Krieges sei nicht mit einer einzigen Silbe die Rede gewesen. Bischof Dibelius wies in diesem Zusammenhang aufs schärfste die Behauptungen Grotewohls zurück, daß der politische Berater Tru- mans, Dulles, ihm politische Ratschläge und Verhaltungsmaßregeln erteilt habe. Was man Grotewohl in dieser Beziehung mitgeteilt habe, sei ein Abenteuerroman. Zu den weiteren Behauptungen Grotewohls, er habe mit seinen Predigten 1933 die Nazis unterstützt, erklärte der Bischof, daß dies in keinem Falle den Tatsachen entspreche. Die von Grotewohl wiedergegebenen Zitate seien aus dem Zusammenhang gerissen und infolge zahlreicher Auslassungen bewußt falsch wiedergegeben. Weiter erklärte Bischof Dibelius, die Behauptung der SED-Parteitagsresolution, daß die leitenden Kirchenmänner der Sowjetzone von heute die gleichen seien, die seinerzeit 1939 Hitlers-Raubkrieg und die Waffen dazu gesegnet hätten, widerspreche völlig den Tatsachen, da es nicht einen einzigen leitenden Kirchenmann in der evangelischen Kirche gebe, auf welchen sie zutreffe. Es sei seht schwer, so heißt es abschließend in der Erklärung, ruhig zu bleiben, wenn man mitansehen müsse, daß der Kampf gegen Kirche und Christentum mit derartigen Mitteln geführt werde. 125000 Passionsspielbesucher. Über 125 060 Besucher sahen seit dem 18. Mai die Passionsspiele. Die Zahl der ausländischen Besucher nimmt stark zu. NEUES AUS ALLER WELT In den Sommertagen des Jahres 1900, vor einem halben Jahrhundert, tönte von den Türmen des Speyerer Kaiserdoms am Ufer des Rheins feierliches Glockengeläute zur Verkündung eines historischen Ereignisses: in der über 900 Jahre alten Kathedrale, deren Grundsteinlegung am 12. Juli 1030 erfolgt war, gingen Arbeiten zu Ende* durch die eine Öffnung der Gräber der im Dom ruhenden Herrscher des Mittelalters vorgenommen und wertvolle Feststellungen aus der Geschichte jener Zeiten getroffen werden konnten. Während des Dreißigjährigen Krieges hatte die Kriegsfurie auch vor den Kaisergräbem nicht halt gemacht Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts waren die Ruhestätten im Dom un- oerührt und unerforscht geblieben. Erst zwei Jahrhunderte später, im Jahr 1898 wurde angeregt Lage und Zustand der Kaisergräber zu erkunden. Zum Sprecher dieser Bestrebungen machte sich der Speyerer Gymnasialpro- fessor Dr. Prann. Zunächst hatte er mit seinen Plänen wenig Erfolg, aber schließlich konnte am 27. Juli 1900 nach Zustimmung des Bischofs, des Domkapitels und des bayerischen Kultusministeriums der erste Schritt getan werden. Eine eigene wissenschaftliche Kommission wurde gegründet und die Öffnung der Grabstätten begann. Mit Krone und Reichsapfel Eine Fülle von Aufsätzen in Tageszeitungen and Zeitschriften, in Broschüren und Büchern lielt damals den Fortschritt der Grabungen fest. Der Königschor des Domes war Schauplatz interessanter Ergebnisse. Hier versammelten sich am 16. August 1900 die Kommissionsmitglieder. Schon am darauffolgenden Tag konnte die Leiche des Hohenstaufen- Königs Philipp von Schwaben gefunden werden, der 1208 in Bamberg von Otto von Wit- ielsbach ermordet worden war. Den bedeutendsten Fund brachte der 23. August 1900 mit der Freilegung des Grabes von Kaiser Konrad II., dem Gründer des Doms, aus Sälischem Geschlecht. Die Leiche war in Seide gehüllt, eine Krone aus vergoldeten Kupferblech und ein lederüberzogener Reichsapfel kamen ans Tageslicht. Unberührt lag ferner Kaiser Heinrichs IV. Leiche. Dann wurden die Gräber von Kaiser Rudolf von Habsburg, des Königs Adolf von Nassau, Al- brechts von Österreich und der Kaiserin Gisela entdeckt. Hier hatten die Grabschänder im 19. Jahrhundert böse gehaust. Als Endergebnis war zu verzeichnen, daß alle vier Kaiser aus Sälischem Geschlecht im Speyerer Dom ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten, außerdem vier weitere Kaiser und Könige aus verschiedenen Geschlechtern, nämlich der Hohenstaufe Philipp (gestorben 1208), der Ahnherr des österreichischen Königshauses, Rudolf von Habsburg (gestorben 1291), Adolf von Nassau (gestorben 1298), und Al- brecht von Österreich (gestorben 1308). Außerdem ruhten hier drei Kaiserinnen. Sic transit gloria mundi Nur wenige der Leichen waren unberührt. Drei Gräberfelder mit fünf Toten zeigten Spuren einer gewaltsamen Öffnung. Die Gebeine waren umhergestreut. Am 3. September 1900 wurden in feierlicher Form alle Leichen in Sarkophagen und Särgen wieder beigesetzt. Was an wertvollen Stücken vorgefunden wurde — Grabkronen, seidene Kleidungsstücke, Gewandreste, Goldborten, Sporen, Schube, ein Ring mit Perlen und Saphyr, ein Schwert Albrechts von Österreich — fand in der St. Katharinenkapelle des Domes Aufbewahrung. Die Arbeiten wurden gekrönt durch die prächtige Ausgestaltung der Krypta, die nach längerer Bauarbeit am 10. Juli dem Bischof und Domkapitel übergeben wurde. Seitdem ruhen die Toten, von denen einige während ihrer Lebzeiten ein Weltreich regierten, in der weltabgeschiedenen Stille der Gruft Sic transit gloria mundi . . . (So /ergeht der Ruhm dieser Welt). Bürgermeister gehörte zur Diebesbande 16 Großviehdiebstähle in kurzer Zeit Lüneburg (UP). Der Bürgermeister eines Dorfes bei Celle konnte als Haupthehler einer Bande ermittelt werden, die innerhalb kurzer Zeit in den angrenzenden Kreisen 16 Großviehdiebstähle ausgeführt hatte, teilt die Nürnberger Polizei mit. Durch die Aufmerksamkeit eines Polizeibeamten konnte die Diebesbande festgenommen und der größte Teil der gestohlenen Rinder sichergestellt werden. Im Segelboot über den Atlantik Ein riskantes Unternehmen Bremen (UP). Ein Amerikaner und ein Deutscher beabsichtigen eine gewagte Atlantik-Überquerung von Bremerhaven nach San Francisco in einem 16 Meter langen Segelboot. Jack Wool aus San Refel (California) und der Deutsche Erich Koppen aus Bremerhaven hoffen, bei einer Fahrgeschwindigkeit von 6% Knoten pro Stunde, San Francisco in drei Monaten zu erreichen. Das Fahrzeug ist mit einem 22-PS-Hilfsmotor, ein«* Sendeanlage und einem doppelten Boden versehen. Es kann 1800 Liter Brennstoff und frisches Trinkwasser mitnehmen. Amokläufer tötete 12 Personen Ein Neger des Massenmordes angeklagt Kampala, Uganda (UP). Der 53jährige Neger Obwara, ein Veteran aus dem ersten Weltkrieg, wurde vor dem Magistratsgericht des Massenmordes angeklagt Obwara war Amok gelaufen. Er hatte im Krankenhaus sein im Sterben liegendes Kind besucht, war dann in seiner Verzweiflung mit einem Messer in dem Krankenhaus herumgelaufen und hatte wahllos alle ihm begegnenden Insassen — bis auf eine Frau alles Kinder — niedergestochen. Insgesamt wurden, elf Kinder und eine Frav durch den Amokläufer getötet. 50 Flugzeugpassagiere verbrannt Verkehrsflugzeug in Brasilien verunglückt Porto Alegro (UP). Ein Passagierfiug zeug mit zehn Mann Besatzung und 43 Reisenden an Bord flog in der Nähe von Porto Alegro gegen eine Hochspannungsleitung un( stürzte ab. Beim Aufschlag auf den Boden ging die Maschine sofort in Flammen auf 50 Personen kamen ums Leben, darunter 25 Frauen. Zum großen Teil waren Brasilianer die Reisenden. Erdbeben in Süd-Kalifornien Schwere Schäden an Gebäuden Calipatria, Kalifornien (UP). Zwei Drittel aller Gebäude in der Wüstenstadt Calipatria wurden von einem Erdbeben beschädigt, das mit einem kurzen, aber heftigen Stoß dieses Tal in Süd-Kalifornien heimsuchte Das Beben erfolgte, als die 2500 Bewohner der kleinen Stadt beim Frühstück saßen. Der Bevölkerung, die bereits in den vergangenen drei Tagen von Erdbebenstößen beunruhigt worden war, bemächtigte sich eine Panik, als die Geschäftsfronten einstürzten, die Fensterscheiben zerbrachen und die Schornsteine und Laternenmasten einstürzten. Personen kamen indessen nicht zu Schaden. Wenig später wurde auch die kalifornische Stadt San Diego von einem kurzen, heftigen Erdbeben heimgesucht Eia nettes Früchtchen. Ein neun Jahre altes Mädchen wurde in Great Yarmouth in England in eine Erziehungsanstalt geschickt. F e- gründung: „Sie ist eine Gefahr für die männliche Bevölkerung“. Montag, den 31. Juli 1056 4 £ SUMiPidt Jj£iStiito&€H d£fr dfÜtStliPH tÜfi P kd Zu einem über Erwarten großen sportlichen Ereignis gestalteten sich die Deutschen Leichtathletik-Jugendmeisterschaften, die am Samstag un*d Sonntag im Südpfalz-Stadion in Landau ausgetri.gen wurden. Die jungen Sportler bewiesen in fairen Kämpfen, daß sie würdig die Reihe ihrer großen sportlichen Vorbilder fortsetzen. % e Deutschen Deichtathletik-Jugendmeister- schaften im Südpfalz-Stadion in Landau erlebten am Samstag bei idealen Witterungsverhältnissen einen erfreulichen Auftakt. Die Bahnen des nach gründlichem Umbau eben fertiggestellten Südpfalz-Stadions waren in bester Verfassung und ließen die jungen Athleten schon in den Vorkämpfen wiederholt nahe an die bestehenden deutschen Bestleistungen herankommen. Im Stabhochsprung erreichte der Beste des Vorkampfes, Bötefür (Rotweiß Oberhausen), mit 3,40 m sogar eine um 20 cm größere Höhe als die bisher von ihm und dem Kasseler Brä- mer gemeinsam gehaltene Bestleistung. Mit 750 Teilnehmern wiesen die Meisterschaften eine um 200 Wettkämpfer größere Beteiligung auf als die Vorjahres-Titelkämpfe in Braunschweig. Den Höhepunkt des ersten Tages bildete der 3 0 0 0-m-L auf. Ein starkes Feld von rund 30 Läufern stellte sich dem Starter, aber ein Läufer dominierte mit souveräner Überlegen-, heit: Titelverteidiger Schlegel vom TSV 1945 Eßiingeji. Der gelehrige Schüler Meister Eitels „machte“ das Rennen von Beginn an in bestechendem Stil. Mit 8:55,4 Minuten beendete Schlegel das Rennen überlegen. Mit seiner Siegeszeit blieb er nur knapp über seiner persönlichen Bestzeit (8:53,8 Minuten). Im H a m- merwerfen wurde Lorenz, Lüdenscheid, Deutscher Jugendmeister. Er kam mit seinem besten Wurf von 36,95 m bis auf einen Zentimeter an die von dem Fuldaer Wehner gehaltene deutsche Bestleistung heran. Als stärkste Fünfkämpferin erwies sich die Hamburgerin Schittek. Mit 3416 Punkten war ihr Vorsprung vor der Zweiten, Dohrmann (Bremen), mit 3281 Punkten recht beträchtlich. Die Entscheidungen Hammerwerfen: 1. Lorenz, Lüdenscheid, 36,95 m; 2. Fischer, Schlüchtern, 36,05 m. 3000-m-Lauf: 1. Schlegel, TSV 1945 Eßlingen, 8:55/ M1n.; 2. Speich, TV Mühlenbach, 9:10,2 Min.; 4. Wittauer, ASV Landau, 9:17,8 Min. Fünfkampf der weibl. Jugend: 1. Schittek, Hamburger SV, 3416 Punkte, 2. Dohrmann, 1877 Bremen, 3281 P.; 4. Metzger, VfB Stuttgart, 3171,25 Punkte. Fünfkampf Mannschaftsmeisterschaft weibl. Jugend: 1. Hamburger SV ln 310 P.; 2. ATSCV Bremen 14 068,5 Punkte. Der zweite Tag der Deutschen Leichtathletikmeisterschaften hatte mehr noch als der Eröffnungstag alle Merks aale el les Höhepunktes der deutschen Leichtathletik-Saison 1950. Als erster Höhepunkt wurde die zweite Meisterschaft stark gefeiert, die sich der Ob*s> hausener Bötefür über 110m H ü r d e n in Schwarzwald-Auswahl klar geschlagen Boxkämpfe Schwarzwald — Prag 2:14 Der aus Anlaß des 30jährigen Jubiläums der SpVgg. Freudenstadt ausgetragene Boxvergleichskampf zwischen einer Auswahl des Boxbezirks Schwarzwald im siidwürttember- gischen Amateur boxverband und dem SV Prag-Stuttgart endete mit einem sicheren vierzehn zu zwei Erfolg der Nordwürttember- ger. Der SV Prag-Stuttgart hatte seine fünf Verbandsmeister durch zweitrangige Kräfte ersetzt, wie auch die Schwarzwald-Auswahl ersatzgeschwächt angetreten war. Die Einzelergebnisse: (Prag Stuttgart zuerst genannt) Fliegengewicht: Rothkopf unterlag Beier-Tuttlingen durch tech. Ko in der zweiten Runde. Bantam: Mezger Ko-Sieger (erste Runde) über Bulina-Tuttlingen. Feder: Bagin Punktsieger über Wrobel-Rott- weil. Leicht: Kampflos an Stuttgart-Prag. Weiter: Lechner Punktsieger über Rehm- Rottweil. Mittel: Nusser Ko-Sieger (dritte Runde) über Beyer - Tuttlingen. H a 1 fasch w e r : Kampflos an Stuttgart - Prag. Schwer: Eder Punktsieger übe r Storz- Schramberg. Boxer starteten Freundschaftskämpfe Die Pause in der württ. Mannschaftsmeisterschaftsklasse nutzten verschiedene Boxstaffeln zu Freundschaftskämpfen aus. So kam es in Aalen zu einem interessanten Vergleichskampf zwischen dem BC Aalen und dem BC Augsburg. Die Bayern mußten sich mit 11:3 geschlagen geben. In einem weiteren Kampf gastierte der SC Geislingen bei der TG Nürtingen. Die Gäste konnten lediglich durch Nimmrichter einen Punkt und durch Betscher einen Abbruchsieg ernten. In den übrigen Kämpfen kam Nürtingen zu sicheren Siegen. Die Begegnung wurde ohne Wertung durchgeführt. In Salach lieferten sich der ASV Spar- tania Eislingen und der SSV Ulm einen harten, aber fairen Kampf, der ebenfalls ohne Wertung zur Austragung gelangte, der Kampf war sehr ausgeglichen, wobei Ulm mehr in den leichteren und Eislingen mehr in den schweren Gewichtsklassen dominierte. In Heidenheim hatte der dortige TSB die Boxstaffel des VfL Ulm zu Gast Obwohl der Kampf ohne Wertung durchgeführt wurde, mußte man doch den Heidenheimem den Sieg zuerkennen. VfB Friedrichshafen gewann 15000 m Staffel Die von acht Mannschaften aus Oberschwaben bestrittene traditionelle gemischte 15 000 Meter-Staffel, die von der TSG Kisslegg zum siebzehnten Mal ausgetragen wurde, endete mit einem sicheren Sieg des VfB Friedrichshafen, der die Staffel auch in den beiden Vorjahren gewonnen hatte. Friedrichshafen konnte damit den vom Fürsten Waldburg- Wolf egg im Jahre 1947 gestifteten Wanderpreis dieser einzigartigen sportlichen Leistungsprüfung endgültig gewinnen. 15,4 Sek. holte. Die 80mHürden der weiblichen Jugend gewann die Münchnerin Jall in 12,8 Sekunden. Uber 10 0 0 m gab es einige Rempeleien, so daß erst nach Verhandlungen das Ergebnis bekanntgegeben werden konnte. Der Beste des Feldes, Höltz (Tegeler Forst, Berlin), kam durch Disqualifikation um seinen Sieg, der dem Kasseler Batienne (2:36,0 Min.) zugesprochen wurde. Glänzende Leistungen gab es noch im Speerwerfen der männlichen Jugend durch den Kasseler Zeiß mit 52,99 m und im 400-m-Lauf der männlichen Jugend durch den Unnaer Hannig, der die Strecke in der beachtlichen Zeit von 49,9 Sekunden durchlief. Der Kasseler Zeiß gewann außer dem Speerwerfen noch den Hochsprung mit der ebenfalls beachtlichen Leistung von 1,75 m. Die Einzelergebnisse: Männliche Jugend Diskus: 1. Schröder, Blumenthal, 39,50 m; 2. Paillon, Phönix Ludwigshalen, 39,20 m- 3. Zeiß, Hessen Kassel, 39,08 m. Weitsprung: . Ohofen, RW Oberhausen, 6,30 m; 2. VosschuP» Pr Münster’, 6,27 m; 4. Fried, MTV Stuttgart, 6,22 m 1IC m Hürden: 1. Bötefür, RW Oberhausen, 15/ Sek.; 2 Maier, VfL München, 15,4 Sek. 100 m: 1. Batienne, Hessen Kassel, 2:36,0 Min.; 2. Pietz, Meidericher SV, 2:36,6 Min. Kugelstoßen: 1. Kopp 1860 München, 13,35 m; 2. Jansen, Düsseldorf, 13,09 m. 400 B>* 1. Hannig, 07 Unna, 49,9 Sek.; 2. Lohau, KW Oberhausen, 59,7 Sek.; 3. Burger, Eßlingen, 50,9 Sek.; 4 Schmidtke, HC Kreuznach, 52,3 Sek.; Hocksprung: ). Ztiß, Hessen Kassel, 1,75 m; 2. V. Eckartsberg 1380 Frankfurt, 1,71 m. 100 m: l. Kraus, VfL München 11,0 Sek.; 2. Wegener, BW Oberhausen, 11,0 Sek.; «. Schick, Phönix Ludwigshafen, 11,3 Sek. Speerwerfen: 1 Zeiß, Hessen Kassel, 52,99 m; 2. Pappscheh, Vit Oldenburg, 50,61 m. 4X100 m: 1. KW Oberhausen *3,8 Sek ; 2. Preußen Krefeld, 44,9 Sek. Olympische Staffel: 1. SSV Wuppertal, 3:39,5 Min.; 2. VfL Müi chen 3:42,4 Jin. Stabhochsprung: 1. Bötefür, RW Oberhrusen, 3,40 m; 2. Stettmer, TV Straubing 3,20 m; 4 Bräm.i, Hessen Kassel, 3,00 m. Fünfkampf: 1 Schaal, VfB Stuttgart, 3077 P.; 2. Kahle, TV Kloppenburg, 3020 P. Mannschafts-Fünfkampf: 1. Hamburger SV 12 399 P.; 2. SV Hamm, 12 140 P.; 3. TSV Speyer, 11158 P.; 4. ASV Nordrach, 11108 Punkte. Weibliche Jugend 80 m Hürden: 1. Jall, Vf. München, 12,8 Sek.; 2. Büschmann, Neumünster, 12,9 Sek. Kugelstoßen: 1. Grünberg, Duisburgs 11,45 m; 2 Daniels, Phönix Lübeck 11,04 m; 3. Nolzen, Hessen Hersfeld, 10,91 m. Hochsprang: 1. Schanze, Eschwcge. 1,50 m; Müller, Bremerhaven, 1,50 m. Speerwerfen: 1. Herd, SV Münster, 34,09 m; 2. Lehmann, Wetzlar, 33,27 m. 100 m: 1. Kühn, SC Charlottenburg. 12,5 Sek.; *. Sonntag, Preußen Krefeld, 12,5 Sek. 4X10u m: 1. SChwarzweiß Essen, 50,7 Sek.; 2. Hamburge. SV. 5^,0 Sek. Weitsprung: 1. Massai, Preußen Krefeld, 5,22 m; 2. Dä- chert, ASV Landau, 5,17 m. Diskuswerfen: 1. Merkle, SV FeuerbaCh, 37,00 m; 2. Nolzen, Hessen Hersfeld, 34,70 m. tUuk UHiutüleH kam Heins JUtkU Nach einer ausgeglichenen ersten Runde in dem Kampf um die Deutsche Schwergewichts- meistersfihaft zwischen dem Titelverteidiger Hein ten Hoff, 97,3 kg, und Wilson Kohlbrecher, 97,9 kg, gelang es ten Hoff in der ersten Minute der zweiten Runde mit einer klassisch geschlagenen harten Rechten, die genau mit voller Wucht zum Kinn durchkam, seinen Titel zu behalten. Kohlbrecher war weit über die Zeit aus. Gleich mit dem Gongschlag ging der Titelverteidiger überraschenderweise nach vorn und ließ Kohlbrecher an seine weit vorgestreckte Linke auflaufen. Kohlbrecher versuchte die Linke zu unterlaufen, um dann selbst mit einer Linken einige Male durchzukommen. Ten Hoff bewahrte die Ruhe. Er beherrschte die Situation. Kurz vor Ende der ersten Runde landete er seine erste Rechte. In der zweiten Runde kam dann ganz überraschend das schnelle Ende. Ten Hoff trieb Kohlbrecher vor sich her, die Rechte hart am Körper angewinkelts die Linke lang vorge- streckt. Plötzlich zuckte seine Rechte heraus; aus der Schulter geschlagen trifft sie Kohlbrecher genau auf die Kinnspitze. Wie ein gefällter Baum schlägt Kohlbrecher lang hin und fällt schwer auf den Hinterkopf. Ein vollendeter klassischer k.o. Der Herausforderer rührt sich nicht. Nispel zählt bis zehn, ohne daß Kohlbrecher sich einmal bewegt. Ten Hoff und Kohlbrechers Sekundanten tragen den immer noch unbeweglichen Kohlbrecher in seine • Ecke. Tosender Jubel für ten Hoffs große Meisterleistung! Zweifelhafter k.o.-Sieg Müllers Der bisher in Deutschland ungeschlagene US-Halbschwergewichtler Stribling verlor in Köln nach einer stark umstrittenen Entscheidung des Ringrichters Rosen (Köln) in der dritten Runde durch k.o.-Sieg gegen den deutschen Ex-Mittelgewichtsmeister Peter Müller (Köln). In den beiden ersten Runden kam bei Stribling die überlegene Reichweite zur Geltung,., gegen die Müller nur schlecht ankam. In der dritten Runde konnte Peter Müller dann Stribling überraschend am Ring festnageln und durch mehrere Kopftreffer, darunter auf die Halsschlagader, zu Boden bringen. Stribling kam bei sieben wieder auf die Knie und stand bei neun. Als Müller aus der neutralen Ecke auf Stribling zustürzte, um weiter zu kämpfen, wies Ringrichter Rosen Müller mit dem Bemerken zurück, daß der Kampf beendet sei. Unter heftigen Protesten des Publikums und anwesender Boxexperten wurde über den Lautsprecher erklärt, daß für die Entscheidung „k.o. in der dritten Runde“ der Ringrichter allein verantwortlich sei. Der Sportausschuß fällte aber folgendes Urteil: „Der Kampf Peter Müller — Ken Stribling wird für ungültig erklärt, da es sich nur um einen Scheinkampf handelte. Die Kampfbörse Striblings wird gesperrt und Stribling für alle deutschen Ringe disqualifiziert. Ringrichter Rosen wurde für ein halbes Jahr gesperrt.“ Schon vor dem Kampf war dem Sportausschuß zu Ohren gekommen, daß der Kampf vorzeitig enden und Peter Müller in der dritten Runde K. o.-Sieger werden soll. Die genaue Beobachtung des Kampfverlaufs rechtfertigte den Verdacht der Schiebung. * Der deutsche Bantamgewichtsmeister Hans Scbömig verteidigte am Samstagabend in Hannover vor nur 2000 Zuschauern seinen Titel gegen Walter Timbach-Krefeld erfolgreich. Schömigs Punktsieg fiel überlegen aus. Badens SeUwvmme^iugend unteUag Westdeutsche Schwimmer siegten mit 153:86 P Der Länderkampf Westdeutschland — Baden im Karlsruher Rheinhafenbad brachte eine Überraschung, da sich Baden sehr hoch mit 153:86 Punkten geschlagen geben mußte. Von den insgesamt 15 Wettbewerben konnte Baden nur zwei, und zwar die 100-m-Kraul- und die 100-m-Rücken -Konkurrenz der männlichen Jugend für sich entscheiden. Alle anderen Disziplinen gewannen die westdeutschen Jugendschwimmer und -Schwimmerinnen. Das den Wettkampf einleitende 10 0 m Kraulschwimmen sah Pfeiffer, Baden, nach einem spannenden Kampf in 1.08,5 Min. vor Dietrich, West, der nur um 4 /io Sekunden langsamer war, in Front. In der Brust- ochwellstaffel schwamm der Rheydter Strater einen entscheidenden Vorsprung heraus. so daß West mit der Zeit von 7.11,4 Min. vor Baden (7.28,5) klarer Sieger blieb. In glänzender Manier sicherte sich Koch, Baden, die lOOmRücken in 1.19,7 Min. vor den westdeutschen Hoffmann und Hackenbroich. Die 100 -m-Brust - Konkurrenz brachte den Gästen durch Bremsey (1.19,5) und Breuer (1.20,6) einen Doppelerfolg. Auch ln den 200 m Brust war Dom, West, der Sieg nicht zu nehmen. Mit 3.05,3 Min. verwies er Hillenbrand, Baden, auf den zweiten Platz. In der 200-m-Kraul - Konkurrenz glückte den Gästen durch Dietrich (2.38,8) und Leche (2.39,8) Minuten ebenfalls ein Doppelerfolg. Ganz klar dominierten die Rheinländer in der 6X100 Meter Lagenstaffel, die sie in 7.59,3 Minuten gewannen — Baden benötigte 8.03,9 Minuten —, und in der Kraulschwellstaffel (50-100-200-100-50 m). Hier siegten die Gäste in 6.13,1 Min. vor Baden (6.22,8 Min.). Bei den sechs Disziplinen der weiblichen Jugend siegte Kirchner, West, in 1.35,5 Min. vor Heine, West, Wettschurek und Hartmann (beide Baden). Bei den 100 m Rücken mußte Franken, Baden, der Rheinländerin Stehl, die in 1.31,4 Min. gewann, den ersten Platz überlassen und auch in ihrer Spezialstrecke, den 100 m Kraul, blieb der jungen Karlsruherin das Siegesglück versagt Sie mußte in dieser Konkurrenz ihrer schärfsten Widersacherin, Jansen, Kempen, die die Strecke in 1.16 zurücklegte, den Erfolg überlassen. In den Staffelkämpfen blieben gleichfalls die westdeutschen Schwimmerinnen erfolgreich. Die 4 X 100 m Kraulstaffel legten sie. in 5.35,7 Min. zurück, die 4 X 100 m Bruststaffel gewannen sie in 6.31,5 Min. und die 3 X 100 m Lagenstaffel ln 4.41,8 Min. Das den Länderkampf abschließende Wasserballspiel sah die westdeutsche Sieben mit 5:2 (2:1) Toren erfolgseich. Entscheidungen im Badsport Erich Bautz deutscher Stehermeister Zur Überraschung von 25 000 Zuschauern wurde der deutsche Stehermeister Bautz (Dortmund) beim Ausscheidungsrennen um die Deutsche Stehermeisterschaft hinter schweren Motoren in Wuppertal deutscher Stehermeister vor Kittsteiner und Nothdurft. Der Favorit Lohmann gab das Rennen nach 90 Runden wegen einer Erkältung auf. * Georg Voggenreiter -Nürnberg verteidigte den Titel eines Deutschen Flieger- meisters mit 6 Punkten vor Bunzel-Berlin (5 Punkte), Schulz-Berlin (4 Punkte) und Sie- belhoff-Dortmund (3 Punkte). Voggenreiter gewann seine sämtlichen Läufe. * Deutsche Meister im Zweier-Mannschaftsfahren in Dudenhofen (Pfalz) wurden die Frankfurter Intra /Holzmann, die das 100-km-Rennen mit fünf Runden vor Klehr/ Knoesselsdorfer (München/Ludwigshafen) gewannen. Kübler führt bei der „Tour“ noch immer Die 15. Etappe der Tour de France gewann der Luxemburger Jean Diederich. Diederich benötigte für die 205 km lange Strecke von Toulon nach Mentone 6 Stunden 45 Minuten und 23 Sekunden. Castelin-Frankreich kam als Zweiter vor Molior-Frankreich in Mentone ein. In der Gesamtwertung führt immer noch Kübler-Schweiz mit einer Fahrzeit von 100:40,90 Std. Deutschland siegte gegen Österreich Der österreichisch-deutsche Länderkampf im Sandbahnrennen konnte von den deutschen Fahrern mit 20 Punkten vor ihren österreichischen Kollegen mit 15 Punkten in München entschieden werden. Siegel, Deutschland, stellte im Kampf um das „Blaue Band“ von München mit einem Rundendurchschnitt vor 103,1 std/km einen neuen Bahnrekord in dei 500-cem-Klasse auf. Bruchsal schlägt Karlsruhe überlegen Werberingen für neue Sporthalle Aus Anlaß der Sporthalleneinweihung des ASV Germania Bruchsal fand am Sonntag eine Werbeveranstaltung für den Kraftsport statt, zu dem sich Bruchsal die Ringerstaffel der Karlsruher Germania eingeladen hatte. Germania Bruchsal hatte eine Bombenmannschaft zur Stelle und überfuhr Karlsruhe überlegen mit 8:0. Vom Fliegen- bis Schwergewicht siegten die Bruchsaler Ringer. Scherer siegte über Stürmling auf Schultern, Siedler über A. Schaffer knapp nach Punkten, Grassel über Koller auf Schultern, Fritz Seeburger über Suchanek nach Punkten, A. Seeburger über Haberer auf Schultern, Wörner über Fränkle nach Punkten, Bauer über Hoppmann auf Schultern und Lehmann über Meule auf Schultern. Gebrüder Lederer siegten in Oschelbronn Vor etwa 2000 Zuschauern wurde in Oschelbronn das erste Nachtrennen ausgetragen. Das Rennen gliederte sich in ein 500 Runden-Mannschaftsfahren, ein Punktefahren über 2 km. Sowohl das Mannschafts- als auch das Punktefahren wurden zu einem Triumph der Feuerbacher Gebrüder Lederer. Mit 45 Punkten und einer Zeit von 2:13,15 Std. sicherten sie sich den Sieg im Mannschaftsfahren vor Weissinger-Kienle und Hexiesch- Schmid. Im Punktefahren wurde Fritz Lederer, mit 15 Punkten vor Betzier und seinem Bruder Otto Lederer (10 Punkte) Sieger. Der Lokalmatador Baitinger blieb im Verfolgungsfahren in einer Zeit von 2:57 Std. vor Henesch und Schill überlegener Sieger. Baitinger hatte im Mannschaftsfahren das Pech, gleich in den ersten Runden schwer zu stürzen. Mit einem Riß im Schlüsselbein musste er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. ScUoiseU siegte in Ingolstadt Nachdem die Ingolstädter die DKW-Werke bei sich zuhause haben, ist ihr Rundstreckenkurs für die deutschen Motorsportler besonders anziehungsfähig geworden. 100 000 Zuschauer sahen mit Ausnahme de« NSU-Rennstalles die gesamte deutsche Elite am Start. In der Halbliterklasse machten die Münchner Meiers ein Familienrennen unter sich aus, denn Hans und Georg lagen dauernd Rad an Rad. Am Schluß siegte Meister Georg Meier um Radlänge vor seinem Bruder Hane, der wenigstens die Genugtuung hatte, mit 100,5 Std/km die schnellste Runde zu buchen.- In den übrig«! Soloklassen stellten die DKW-Fahrer die Sieger: 125-«:: H. P. Müller 86,2 Std/km vor Kluge; 250-er: Kluge 95,6 vor Daiker; 350-er: Siegfried Wünsche 97,2 Std/km vor H. P. Müller. Zwei große Dirt-Track-Rennen Gnte Leistungen in Ludwigsburg und Köln Im ersten Dirt-Track-Rennen in Köln zeigten sich die holländischen Spezialisten unter Führung des bekannten Fahrers Bishop weit überlegen. Sie gewannen nicht nur das internationale Ausscheidungsfahren, sondern dominierten ebenfalls im Bahnrekordfahren und in einem Ländertreffen gegen die deutschen Spitzenfahrer, die sie mit 28:8 Punkten schlagen konnten. Ergebnisse: Internationales Ausscheidungsrennen: 1. Bishop, 1:24 Minuten, vor Kesselmann und Cumanns (Holland). Bahnrekordfahren: 1. Bishop, 19,5 Sekunden, vor Kesselmann (Holland) und Hofemeister (München). Ländertreffen Deutschland — Holland: Holland 28 Punkte, Deutschland 8 Punkte. Die Stadt Ludwigsburg stand im Zeichen des Dirt-Track-Aschenbahn-Motorradrennens, zu dem etwa 10 000 Besucher gekommen waren. Das großartige Rennen gewann durch die Teilnahme der Holländer van Aartsen und van Hartmann, beide Amsterdam, sowie des in Kirchheim/Teck ansässigen Ex-Tschechen- meisters Nucha und zweier Amerikaner internationalen Charakter. Spannende Kämpfe gab es in der A-Klasse der Matadoren. Den Ehrenpreis der Stadt Ludwigsburg errangen die beiden Holländer, die ein technisch ausgezeichnetes Rennen fuhren. Den Bahnrekord mit fliegendem Start sicherte sich der Stuttgarter Neubauer in der hervorragenden Zei» von 21,1 Sekungen, die einem Stundendurchschnitt von 68,3 km entspricht. 3000 beim Emser Motorradturnier Das „Erste Bad Emser Motorradturnier 1950“ nahm einen schönen Verlauf. Sehr knapp war die Entscheidung in der Einzelwertung, die Hugo Schmitz (Bad Ems) auf „Horex“ für sich entscheiden konnte- Um die Plätze wurde ein Sonderlauf eingelegt In einer Sonderwertung gab die Tumierleitung den Kriegsversehrten die Möglichkeit sich an den Solowettbewerben zu beteiligen. In der Klubmeisterschaft siegten die Gastgeber auf Grund der überragender Fahrweise von Hugo Schmitz vor dem FMC Frankfurt und dem MSC Polch. Einzelwertung: 1. Hugo Schmitz, Bad Ems, Horex, 230 Punkte. Sonderwertung (Kriegsversehrte): 1. Helmuth Urbild, Polch, NSU-Quick. 2. Rolf Krämer, Arzbach, Triumph. 3. Heinrich Becker, Schöne Aussicht, (Bad Ems), DKW. Klubwertung: 1. MC Bad Ems, 1325 Punkte. Motorradfußballspiel: MC Bad Ems — NMC Neuwied 2:1. Wettervorhersage Oberwiegend freundliches und warmes Wetter mit Höchsttemperaturen in der Rheinebene bis 28 Grad. Am Dienstag vorübergehend Gewitterneigung, sonst weiterhin gut, meist nur schwache Winde. 9 DIE SEITE DER FRAU ...daß Weibspersonen ehrbar sich bekleiden' Der „Tanzplatz der Teuf eichen“ - Kleiderverordnungen von einst Gehen wir heute zu einer Modenschau, so sehen wir seufzend die Herrlichkeiten, ohne — aus Mangel an Geld — etwas davon erwerben zu können. Wir müssen uns bescheiden und weniger kostbar gekleidet gehen. Ähnlich erging es auch unseren Vorfahren, den bürgerlichen Damen des Mittelalters. Zwar war es bei ihnen nicht der schmale Geldbeutel, der ihnen das Tragen wertvoller Kleider und goldenen Schmuckes verbot, sondern die Obrigkeit und die Geistlichen, die gar nicht begeistert waren, wenn sich die Frauen allzu schön machten. Schon im 13. Jahrhundert trugen die Damen beim Kirchgang gern eine lange Schleppe hinter ihrem Kleid, worauf die Prediger in Mainz gegen diesen „Pfauenschwanz“ eiferten und behaupteten, es sei der Tanzplatz der Teufelchen, und Gott würde wohl, falls die Frauen solcher Schwänze bedurft hätten, sie wohl mit etwas Derartigem versehen haben. Aber auch die Geistlichkeit selbst hat den Kleiderluxus gern mitgemacht, denn im Jahre. 1317 ließ der Bischof von Straßburg dem Klerus bei Strafe des Bannes verbieten, grüne, gelbe und rote Schuhe zu tragen. In Schleswig-Holstein wurde im 17. Jahrhundert jedem, der sich nicht nach „Gebühr und seinem Stande entsprechend“ Weidete, gemäß herzoglicher Verordnung die jährliche Steuer entsprechend seiner luxuriösen Kleidung zugemessen. Die Vorschriften lassen erkennen, welche Pracht damals in der Kleidung entfaltet wurde. So hieß es, daß Frauen und Mädchen zwar seidene, die reichen auch samtene Brustlätze tragen durften, die Röcke aber sollten nur aus Tuch sein mit einem bis zu drei Finger breiten Samtstreifen. Seidene Röcke und Schürzen waren verboten, ebenso Edelsteinschmuck und goldene Ketten von mehr als 100 Talern Wert. Für Gürtel durften „nur“ 25, für Leibgürtel „nur“ 50 Lot Silber, als Mantelfutter nur Grauwerk, Kaninchen, Weiß- oder Rotfuchspelz verwendet werden. Perlenbinden für Frauen sollten nicht mehr zulässig sein, während Jungfrauen nur ein mit Perlen besetztes Brusttuch tragen durften, wenn es 10 Taler an Wert nicht überstieg. Dienstmädchen war das Tragen solcher Kleidung verboten. In Süddeutschland erließ der Magistrat einer Reichsstadt noch 1728 folgende Verfügung: Item wollen wir, daß die Weibspersonen ehrbar und nach Landesanständigkeit sich bekleiden und hüten sich des Tragens aller güldenen und vergüldeten Sachen: desgleichen aller Behenken, Rosen und anderen Zierraten an Ohren, Stirnen und Hauben; das Tragen seidener Halstücher aber solle zwar erlaubt, jedoch daß kein großer Kosten damit getrieben werde. Wir verbieten auch gänzlich das Tragen seidener Kreppen und seidenkreppe- ner Röcke, auch hochgefärbter Kleider; item aller damastener, samtner, seidener, plüschener Brüste, wie auch die Büsche auf den Hüten und Häubelnen, desgleichen auch das Tragen der französischen hinten eingeschnürter Brüste, die Falten an den Ärmeln und die mit Saffian überzogenen Absätze an den Schuhen, alles weiße Zeug von Musselinen, es sedie ge- blünaelt, gemüggelt, gestrichelt, genayet oder glatt, alle französischen Hemden oder weiten Göller. Dennoch haben eich die Damen offenbar nicht allzu sehr an diese Kleiderordnungen gehalten, denn sie mußten immer wieder in Erinnerung gebracht werden. Im übrigen war es damals durchaus „shocking“ die Beine zu zeigen, der Reif rock verhüllte die unter« Hälfte des Körpers streng. Dafür war der Stoff oben um so sparsamer bemessen, er gab, wie es in einer zeitgenössischen Schilderung heißt, „den Liebreiz des Busens den Blicken preis“. Wie schön, daß die Obrigkeit heute andere Sorgen hat, als auf unsere Kleider zu achten, aber dennoch sind wir meistens noch weniger in der Lage, Atlas und Seide, Federn, Gold und Silber, Hermelin und Zobel zu tragen, wie es die Damen einstmals trotz aller Verbote taten. (FvH) Fräulein Kriegsberichter sefzf sich durch Ein Kriegsschauplatz, auf dem ein Divisionsgeneral mit der Panzerfaust im Straßenkampf steht, aus dem er nicht zurückkehren soll, ist kein Aufenthaltsort für Frauen. Hier gibt es Schlimmeres als den Tod durch die Kugel. So machte Generalleutnant Walker, Amerikas Truppenchef in Korea kurzen Prozeß und befahl Marguerite Higgins, Sonderberichterstatterin der „New York Herald Tribüne“, zurück nach Tokio, von wo die 30jährige Journalistin ein paar Tag vorher per Flugzeug mit Stahlhelm, Schreibmaschine und Kamera eingetroffen war. Krankenschwestern in den rückwärtigen Lazaretten waren die einzigen Amerikanerinnen, die Walker bei sich dulden wollte. Im übrigen waren bereits zwei Zeitungsleute, als neben ihnen eine Brücke in die Luft flog, verwundet worden. Zwei weitere waren gefallen. Die blonde Marguerite, aus der Schlacht um Frankreich und ihrer Berliner Luftbrücken- Zeit her mit allen Nuancen moderner Kriege persönlich vertraut, stand dem General an Temperament nicht nach. Sie fuhr geradewegs in sein Hauptquartier und machte ihm ihre emanzipierte Stellung klar: „Ich bin hier als Journalistin, General Walker, nicht als Frau!“ Aber der OB blieb fest. Die einzige Eine gemeinsame Aufgabe Gerade in aufregenden Tagen greift man gern zu den Büchern, die uns Ruhe und Besinnung vermitteln können. Dabei wird oft erschreckend klar, wie zeitnahe jene klassischen Werke sind. Sie gehören nicht in den Bücherschrank, scftidem in unsere Hand, damit sie uns einen Weg weisen. Als Mädchen habe ich Goethes „Iphigenie" mit Leidenschaft gelesen. Dieser Tage fiel sie mir wiederum in die Hand. Ich war erstaunt, wie dieses Werk uns heutige Frauen unmittelbar anspricht. Iphigenie, die Priesterin, die fern der Heimat einen wilden Barbarenstamm durch ihre Treue und ihre Hingabe zu edler Menschlichkeit führt, hat gar nichts Herrscherähnliches an sich. Sie überzeugt durch Ihre adelige Gesinnung. Denn sie ist „so frei geboren als ein Mann“. Damit meint sie nicht die äußere Freiheit denn sie ist waffenlos, sondern die Freiheit der inneren Entscheidung, die Freiheit, die Wahrheit zu sagen auf alle Gefahr hin, die Freiheit, dem Bösen und Dunklen zu widerstehen und das Gute zu wählen. zwischen Gut und Böse. Wenn sie das Gute erkannt hat und auch tat, so wird sich eine solche Haltung ganz unmittelbar auswirken. Alle die mit ihr Berührung haben, werden etwas davon spüren: ihre Familie, ihre Nachbarn, ihre Berufskollegen. Eines allerdings ist notwendig: daß die Frau gehört wird. Es genügt nicht, daß der Mann seine eigene Frau ernst nimmt und gegen sie ritterlich ist, er muß die Frau in ihrer Gesamtheit als Gegenüber ernst nehmen. Der Wille zum Miteinander, wie er ja ganz dem Schöpferwillen entspricht, muß wach und wirksam werden. Dann werden weder Mann noch Frau ängstlich über ihren Rechten wachen müssen, weil sie vor einer gemeinsamen Aufgabe stehen, zu deren Lösung sie beide, in ihrer besonderen Art, gerufen sind. Wir fangen erst an. Der Weg ist noch von niemandem gebahnt, ein ganz neuer Weg. Wenn er aber gegangen wird in gegenseitiger Achtung und Anerkennung, dann wird auch das Goethesche Wort über ihm stehen: „Es löset sich der Fluch“. L. Frau an der Korea-Front mußte ihren Koffer packen und fliegen.. Am nächsten Tag war sie zurück, Mac Arthur selbst hatte es ihr erlaubt und ih einem besonderen Communique labend ihren Namen erwähnt. Eine Frau als Kriegsberichter in! Das ist für Millionen Leser eine Sensation. In den USA allerdings klingt es nicht so ungewöhnlich. Zwar wird auch der Platz Marguerite Higgins nicht, wie bei manchen ihrer männlichen Berufskollegen, in der Hauptkampflinie sein. Aber Journalistinnen in Uniform waren schon im letzten Krieg recht weit vom anzutreffen. Auch Marguerite Higgins folgte den USA-Truppen über den Kanal in der Normandie, hielt sich später auf britischen Einsatzflughäfen auf und saß auch auf der Pressetribüne des Nürnberger Justizpalastes. Als sich vor der Blockade die politischen Wetterwolken um Berlin mit Hochspannung zu laden begannen, übernahm die energische junge Dame das dortige Büro ihrer Zeitung. Eins hat sie schon immer verstanden: sich durchzusetzen. Darin gab sie keinem ihrer männlichen Kollegen etwas nach. Marguerite ist ein blondes Mädchen mit einem Mceart- zopf die mit Vorliebe eine einfache weiße Seidenbluse und einen blauen Rock trägt und gar nicht „aufgedonnert“ aussieht. Unter Zeitungsleuten ist es eine Binsenwahrheit, daß der geborene Journalist einen sechsten Sinn besitzen muß. Miss Higgins jedenfalls hatte sich im Tokioter Herald-Büro eben eingerichtet, als auch schon vor ihrer Nase das zweite große Welttheater nach dem Berliner Prolog über die Bühne ging. Gleich ihren ersten großen Bericht vom Fall Suwons kabelte sie vor allen anderen Kollegen hinaus. Die Tribüne brachte dazu gleich auf der ersten Seite ihr Bild. Und das will bei einem Feld von 77 Korrespondenten schon etwas heißen. Wir können ihr nur wünschen: weiter Hals- und Beinbruch, Marguerite! „Ich bleib doch in Bayern“ Zahlreiche Flüchtlinge, die bisher in Bayern untergebracht waren, meldeten sich zur Umsiedlung in die französisch besetzte Zone. Als ein Umsiedlertransport aus Dietfurt/Oberpfalz abging, verabschiedete sich eine Flüchtlingsfrau von der dreijährigen Tochter des Lehrers mit den Worten: „Bleib schön brav und schau, daß Du eine tüchtige Frau wirst.“ Worauf die Kleine erwiderte: „Warum denn, ich bleib doch in Bayern!“ Wie schützen wir uns vor Kinderlähmung? Hier liegt der Beruhrungs- und Anknüpfungspunkt zu unserer Zeit. In welcher Lage ist die heutige Frau? Sie steht in einer Welt, deren Merkmal die Ungeborgenheit ist. Sie kann sich nicht mehr zurückziehen in die wohlbehütete häusliche Sphäre. Einmal halben die Männer allein die Lasten des Lehens getragen, heute tragen die Frauen mit Das ist gut so; denn es muß neu aufgebaut und dem Leben selbst muß zu seinem Recht verholfen werden.'Wo neues Leben geschaffen werden soll, da ist die Frau an ihrem Platz, da hat sie ihre besondere Aufgabe zu erfüllen. Wie kann sie das machen? Sie wird danach trachten müssen, daß sie immer ganz Frau bleibt. Die Gefahr liegt nahe, daß sie, schon durch ihre zahlenmäßige Überlegenheit, sich über den Mann stellt. Damit freilich würde sie ihre besonderen Kräfte und Möglichkeiten mißachten. Sie ist anders als der Mann: aber sie ist ebensoviel wert. Die andere Gefahr, die ihr droht, besteht darin, daß ihr das Leben, weil es ihr vielleicht berechtigte Wünsche nicht erfüllt, wertlos erscheint und sie nicht befriedigt. Der natürliche Weg, Ehe und Kinder, wind heute vielen Frauen versagt bleiben. Der Verzicht ist schwer. Verbitterung und Vereinsamung scheint die unausbleibliche Folge zu sein. Um dieser Gefahr nicht zu erliegen ist es notwendig, daß die Frau ihr Schicksal ganz bejaht. Damit führt sie die entscheidende Wendung herbei, damit hebt sie ihr enges Leben, das seine Kräfte mit eigenen Wünschen und Sehnsüchten verzehrt, hinaus zu einem Leben, das in die Weite reicht und jeder der in den Wirkungsbereich einer solchen Frau tritt, spürt etwas davon. Kann sie nicht gerade hier an der Gestalt der Iphigenie viel lernen? Wie heißt es von ihr? „Von ihrem Wesen auf Tausende herab ein Balsam träufelt.“ Es wird immer so sein und so bleiben, daß die Männer die großen und kühnen Taten vollbringen und daß die Wirksamkeit der Frau auf einen kleinen Umkreis begrenzt bleibt Aber auch in ihrem kleinen Kreis steht sie vor der Freiheit der inneren Entscheidung Im Spätsommer pflegt eine der gefürchtotsten und folgenschwersten Krankheitein gehäuft aufzutreten, die sog. „Kinderlähmung“. Ihr Name ist - überholt, denn in etwa der Hälfte der Fälle erkranken auch Erwachsene jeden Alters. Wenn wir etwas zum Schutz vor dieser Krankheit unternehmen wollen, müssen wir ihre Ursachen kennen und diese zu verhüten suchen. Ledder sind aber unsere Kenntnisse von diesen Ursachen noch gering, jedoch können schon einige wichtige Hinweise gegeben werden. Zunächst ist sicher, daß der sog. „Erreger“ nicht die Ursache, sondern lediglich Begleiterscheinung der Krankheit ist. Denn er ist in gewissen Gegenden dauernd nachweisbar, viele Menschen tragen ihn mit sich herum, ohne zu erkranken. Die eigentliche Ursache muß also im Menschen selbst, in seiner Widerstandslosigkeit liegen, die wiederum von seiner Lebensweise und seinem geistigseelischen Verhalten abhängt. Bezüglich der Lebensweise ist die Feststellung wichtig, daß die Kinderlähmung nur in hochzivilisierten Ländern auftritt, während z. B. Asiaten und Neger verschont bleiben, solange sie an ihrer naturverbundenen Lebensweise festhalten. Wir dürfen daraus schließen, daß in unseren chemisch gedüngten, gebleichten, gefärbt«! und konservierten Nahrungsmitteln eine der Ursachen der Kinderlähmung liegen muß. Auf die Dauer und vorwiegend genossen, entwickelt solche Nahrung nicht die körperlichen Widerstandskräfte, welche der Mensch zur Überwindung der Krankheitsbedrohungen des modernen Lebens benötigt. Um der Kinderlähmung vorzubeugen, müssen wir daher naturgemäß leben, viel Obst, Gemüse und ein gutes Vollkornbrot essen, häufig Licht- und Luftbäder nehmen und den Leib durch Schwitzen und andere Ausscheidungskuren gelegentlich entschlacken. Noch wichtig für die Verhütung der Kinderlähmung ist ein harmonisches Seelen- und Familienleben, weil alle Körperfunktionen vom Seelischen her gesteuert werden. Da die Kinderlähmung eine Nervenkrankheit ist, muß ein zerrüttetes Nervensystem den Ausbruch der Krankheit begünstigen. Das moderne Leben mit seiner Jagd nach Geld und Genuß, mit seiner Lieblosigkeit der Menschen untereinander frißt die Nervenkräfte und bringt die Seele aus dem Gleichgewicht, wenn nicht ein fester geistiger Halt vorhanden ist. Diesen zu suchen und dadurch der Seele Ruhe und Frieden zu geben, ist die erste Voraussetzung zur Stärkung der Nerven- und Widerstandskräfte. Das geistige Rezept dazu ist leicht ausgesprochen, aber schwer getan, es heißt: tätige Liebe! Bei Beginn der Krankheit ist noch folgendes zu beachten: der eigentlichen Lähmung geht ein fieberhaftes Unwohlsein voraus, welches nach Art einer Grippe verläuft. Erst nach Abklingen desselben trete! Kopf-, Nacken-, Glieder- und Rückenschmerzen und dann Lähmungen auf. Schnellste ärztliche Hülfe kann viel verhüten, wobei darauf hingewiesen werden muß, daß das Mittel „Skorodit" (Weleda) besonders auffallende Erfolge erzielt hat Dr. H.— Ehe als Zwangsvollstreckung Daß heiratsfähige Töchter mit sanfter Gewalt von ihren Eltern unter die Haube gebracht werden, ist auch im Zeitalter der emanzipierten Europäerin noch gang und gäbe. Das bedauernswertere Los, gewissermaßen an den Handschellen des Staates einem von diesem auserwählten Bräutigam zugeführt zu werden, ist ihren Geschlechtsgenossinnen im hinterindischen Burma Vorbehalten. Die dort in einigen Gebieten die Regierungsgewalt ausübenden Kommunisten erließen — wie der Korrespondent des Pariser „Figaro“ aus Rangun berichtet — eine Verordnung, nach der jede ledige Frau von der Polizei obligatorisch verheiratet wird. Federleicht ist dieses neue Bügeleisen aus Aluminium, das auf einer YVohnungsausstellung in Essen gezeigt wurde. Ein sinnreiches .Schaltsystem sorgt dafür, daß es nur die Temperatur erreicht, die für den jeweiligen Stoff erforderlich ist. (dpa-Bild) Was „sie" intecessiect Alle Frauen in Indochina wurden von dem Führer der Aufständischen aufgefordert, sich in die kommunistischen Partisanenverbände einzureihen. In Madagaskar werden die Frauen immer von den Männern gekauft, doch muß der Mann für jede erwiesene Untreue den Kaufpreis noch einmal entrichten. Das sei ein besserer Schutz gegen Untreue als alle europäischen Gesetze, meinte die Vertreterin Madagaskars auf dem Kongreß der internationalen Mütterbewegung, der jetzt unter Anteilnahme von 29 Ländern in Paris stattfand. Hamburg ist kein Pflaster für Schönheitsköniginnen. Im Hotel Esplanade erschienen 18 brave Mädchen, die nicht ganz den Beifall des Publikums fanden. Schließlich wurde eine 17- jährige Schülerin aus der Klosterschule glückliche „Miß Hamburg“. Sie stammt, wie die Münchener Schönheitskönigin von 1949, aus Berlin. Welches Glas soll ich nehmen? Der Sommer rückt näher und mit ihm die Einkochsorge der Hausfrau. Sie wird in diesem Jahr größer sein denn je. Denn noch nie seit Kriegsbeginn war das Geld so knapp und „die Qual der Wahl“ so bedrückend wie jetzt, da nach langer Zwangspause alle namhaften Hersteller ihre Erzeugnisse in friedensmäßiger Ausführung anzubieten vermögen. Um zunächst vom Preis zu sprechen, so dürfte das im Kriege aus Gründen der Einsparung „reiehseihheitlich“ eingeführte, ungeschliffene Rillenglas — es wird heute noch von fast allen Hütten hergestellt — in der Tat die günstigsten Voraussetzungen bieten. Es muß ihm im übrigen zugestanden werden, daß es sich bei einwandfreier Beschaffenheit nicht schwieriger verschließen läßt als das wesentlich teurere Schleifrandglas. Dafür macht es allerdings beim öffnen im allgemeinen um so mehr zu schaffen; zerbrochene Deckel sind nicht selten die peinliche — und natürlich auch kostensteigernde — Folge. Über das „gute, alte“ Schleifrandglas, das der Hausfrau unter der Marke „Weck“ schon seit Jahrzehnten bekannt ist, braucht in diesem Zusammenhang kaum noch auf klärend gewirkt zu werden; seine Eigenschaften sind allgemein bekannt. War es doch schon das Einkoch-Idol unserer Großmütter! Gerade dieser Umstand ist es allerdings auch, de-n in jüngster Zeit das Argument entgegengesteht wird, daß auf allen anderen Gebieten der Technik größte Fortschritte erzielt worden seien, während sich das geschliffene Haushaltskonservenglas technisch immer noch auf demselben Stand befinde wie vor über 40 Jahren. — Ist es wirklich so? Man wird diese Frage nur mit allen Vorbehalten bejahen dürfen, denn es liegt auf der Hand, daß die Erfinder „neuzeitlicher“ Verfahren oder Geräte leicht dazu neigen, das von ihnen gelegte Ei des Kolumbus in seiner Bedeutung erheblich zu überschätzen, So viel jedoch dürfte schwerlich bestritten werden können: Solange der Verschluß eines Konservenglases auf dfe mehr oder weniger launische Bildung eines Vakuums (das ist ein luftverdünnter Raum im Innern des Glases) angewiesen ist, bleibt er ein Experiment. Er muß — wenn er absolut zuverlässig sein soll - auf mechanischem Wege erzielt werden. Mechanisch verschließen kann für die Haushaltskonservierung jedoch nur bedeuten: Hermetisch, und zwar schon vor dem Kochen, wie dies bei der Blechdose von jeher der Fall ist! Ein solches Verfahren hätte 2 große Vorteile: 1. würde der Verschluß zwangsläufig erfolgen, so daß keine Gläser mehr „aufgehen“ könnten, und 2. würde er „aromasicher“ sein, da er während des Kochens keine Luft -entweichen ließe. Leider werden wir es uns-trotzdem versagen müssen, unsere noch vorhandenen Rillen- oder Schleifrandgläser nach diesem Rezept zu „modernisieren“. Der Versuch, sie zum Kochen drucktest zu verschließen, würde uns eine Bombe im Einkochtopf bescheren. Wir müßten uns deshalb das Bedürfnis, „fortschrittlich“ zu sein, sdjon etwas kosten lassen und es eipmal mit einer solchen „Dose aus Glas“ (sie wird von der Firma Schock in Stuttgart-Vaihingen hergestellt) versuchen, von der ihre Erzeuger behaupten, daß sie wirklich ideal sei. Ein nichtrostender, federnder Metalldeckel ermögliche durch seine Fähigkeit zu „atmen“ einen unbedingt kochfesten Verschluß wie bei einer Dose, ohne daß deshalb auf die hygienischen Vorteile eines Glasbehälters verzichtet werden müsse. Außerdem benötige man dazu weder Einkochapparat noch Thermometer. Nun, einen Versuch müßte die Sache immerhin wert sein. Anne Klerk i Hi T- ^4 ,o.- H'ri, W>ÄSa Kreisversammlung der CDU: Neuburger und llliisi geben Rediensdiaft! Auch die Parlamente haben Ferien und die Arbeit ruht für einige Wochen. Es lag daher nahe, daß die Abgeordneten des Kreises im Bundestag wie im Landtag einiges über die Tätigkeit der Parlamente in ihrem Wahlkreis berichten. Andererseits ist die Weltlage so verworren, daß eine Aufklärung aus berufenem Munde immer dankbaren Boden findet. Der Kreisvorsitzende wies in seiner Begrüßungsansprache auf die schwere Lage hin, in der sich die Welt aberrhals befindet. Der Korea-Konflikt habe den Westen endlich aufgerüttelt. Wir können die Gefahr bannen, wenn wir Europa formieren und im Innern einig sind. Der Bundestagsabgeordnete, Rechtsanwalt Neuburger legte dar, wie wir alle mit der allgemeinen Weltlage, dem Problem Nr. 1, jeder einzeln für sich in Familie und Beruf verhaftet sind. Es gelte, dem weiteren Vordringen des Bolschewismus Einhalt zu gebieten. Man habe in Amerika die Lage erkannt und ist willens, mit allen Opfern eine Großaufrüstung durchzuführen. Die Frage, ob auch wir uns aktiv einschalten sollten, scheitere daran, daß wir keine Mütel hätten und auch die technischen Voraussetzungen fehlten. Wir müssen uns frei machen von Furcht und einen Staat schaffen, der wirtschaftlich und sozial so sei, daß kein Nährboden für bolschewistische Gedanken aufkommen könne. Auch für Rußland sei die Auslösung eines dritten Weltkrieges ein Risiko, das es sich nicht aufladen möchte. Aber das geschehe nur dann, wenn wir uns stark machten und den sozialen Frieden erhalten. Der Redner ging dann auf die Arbeit in Bonn ein. Die Behandlung der verschiedenen Probleme zeigte, daß die Arbeit in Bonn doch eine weit größere und verantwortungsvollere ist, als wie es sich das Volk oft vorstellt. Leider ist die Meinung immer noch weit verbreitet, als ob die Parlamente nur eine Form der Demokratie ist, die dazu gehört und die dem Volk nur viel Geld kostet. In der vergangenen Woche war es die Brotpreisfrage, die die Gemüter erregte. In dieser Frage müsse man davon ausgehen, dem Bauernstand einen Getreidepreis zuzugestehön, der wenigstens nicht unter den Selbstkosten liege, wie das bisher der Fall war. Und ein gesunder Bauernstand sei immer noch eine der Voraussetzungen für den sozialen Frieden. Es gelte aber in der Hauptsache, so lange wie möglich, das tägliche Brot aus eigener Produktion zu schöpfen, dazu müsse man dem Bauern einen Anreiz zur Steigerung der Produktion geben. Es gehe nicht an, daß das, was wir selbst erzeugen, an zweiter Stelle stehe zu Gunsten ausländischer Produkte. Das deutsche Brot sei eben das Roggenbrot, es sei schmackhaft und gut. Wer Weißbrot essen wolle, solle ss bezahlen. So sei nun als Lösung das Konsumbrot geschaffen worden. Bedauerlich sei nur, daß diese ganz nüchterne Angelegenheit politisch ausgeschlachtet worden sei. Ein weiterer großer Teil seiner Arbeit verwandte das Bonner Parlament auf die Behand- 'ung der sozialen Fragen. In erster Linie müsse das Versorgungsgesetz genannt werden. Im neuen Haushalt sind dafür 3 Milliarden eingesetzt, gegen bisher 2 Milliarden, so daß das für Kriegsbeschädigte Witwen und Waisen sine erhebliche Verbesserung mit sich bringe, fm Laufe der nächsten Tage würden vom Kabinett noch wichtige andere Gesetze behandelt, so das Versorgungsgesetz für frühere Wehrmachtsbeamte und das Beamtengesetz. Für die Personen, die unter den Artikel 131 des Grundgesetzes fallen, seien anstatt bisher 300 Mill. 450 Mill. DM vorgesehen. Das entspreche einer Deckung der Ansprüche von 74%. Dabei muß in Betracht gezogen werden, daß der Personenkreis meist außerhalb unseres Gebietes seßhaft war. Es bestehe weiter ein Einstellungszwang, so daß unsere Jugend das Opfer des Zurückstehens bringe. Und das geschehe alles, nachdem die Bundesrepublik erst 9 Monate existiere und eine furchtbare Konkursmasse übernommen habe. Weitere Ausführungen galten den Fragen des Lastenausgleichs, des Mitbestimmungsrechts u. a. Der Landtagsabgeordnete, Bürgermeister Prof. Bl-äsi referierte über die Arbeit im Landtag. Vor allem waren es die Haushaltsplanverhandlungen, die in der vergangenen Zeit die Arbeit abgaben. Im Totogesetz ist eine Aenderung vorgesehen, wonach ein Teil der Einnahmen der Staatskasse zufließen soll, um Mittel freizubekommen für Jugendpflege und kulturelle Institutionen. Die Frage des Verwaltungsabbaues, der ein Personalabbau sei, könne nur verwirklicht werden, wenn auch der Aufgabenkreis der Behörden abgebaut werde. Die CDU sei für die Beibehaltung des Landwirtschafts- und Arbeitsministeriums, da beide gerade heute besonders wichtige Aufgaben zu lösen hätten. Das neue Landtagswahlgesetz bringe eine Förderung des Mehrheitswahlsystems. Die Frage der Lehrerbildung sei ebenfalls Ursache einer eingehenden Aussprache geworden, die aber eine zweckentsprechende gute Lösung gefunden habe. Es werden für den Lehrerberuf gewisse Voraussetzungen verlangt, für die eigentliche fachliche Ausbildung jedoch Hochschulstudium abgelehnt. Dafür trete die Pädagogische Akademie als zweckmäßigere Lösung. Das Volksbefragungsgesetz über die Südweststaatfrage dürfte man, so meinte der Abgeordnete, nur unter dem Ge- sichswinkel der großen Probleme in der Welt sehen. Man dürfe nur den Verstand und keine gefühlsbetonten Argumente walten lassen. Eine eingehende Debatte schloß sich an, sie klärte noch viele Fragen, die sich aus den einzelnen Punkten ergaben. Die Abgeordneten standen Rede und Antwort und wieder fand die Tatsache ihre Bestätigung, daß unsere. Abgeordneten Männer sind, die von Verantwortung getragen, für unser aller Wohl das Beste zu leisten bestrebt sind. Das Gesetz Gottes als Rtditsdinar Schlußfeier am Real gymnasium Bruchsal Am Samstag vormittag fand in der Turnhalle der Freiherr - vom - Stein - Schule die Schlußfeier und die Entlassung der Abiturienten des Realgymnasiums Bruchsal statt. Die feinfühlig zusammengestellte Vortragsfolge war abgestimmt auf das Lob und den Dank gegen Gott. Der geschulte Chor unter Leitung von Studienassessor Rolf Ummenhofer sang Chöre von Bach, Gumpelzheimer, Hass- ler, Schütz, Hatzfeld und Gluck in gewohnter klarer Ausführung. Das Schülerorchester erfreute durch eine sauber vorgetragene Ouvertüre von Gluck sowie durch die Orchesterbegleitung des Schlußchores. Die zahlreichen Zuhörer dankten am Schlüsse durch lebhaften Beifall. Herr Oberstuddendirektor Dr. Heuschmid gab in einem kurzen Abriß einen Einblick in das Geschehen der Anstalt während des abgelaufenen Schuljahres. In seiner Entlassungsrede an die Abiturienten ermahnte er die abgehenden und ins Leben hinaustretenden Schüler, dem Egoismus in ihrem zukünftigen Leben keinen Raum zu geben, sondern sich dem Altruismus zuzuwenden und die ewigen göttlichen Gesetze sich als Richtschnur zu wählen. Mit großer Freude wurden die zahlreichen Preise und Belobigungen begrüßt, die der Direktor zum Schluß seiner Ansprache bekanntgab. — Das Realgymnasium Bruchsal zählt gegenwärtig rund 700 Schüler. Für die nächste Sexta haben sich 135 Schüler gemeldet. Im nächsten Jahr wird der Schule das neue Justus-Knecht-Schulhaus zur Verfügung stehen. Damit werden die vielen Schwierigkeiten im Schulbetrieb dtnk der großzügigen Förderung durch die Stadtverwaltung Bruchsal behoben sein. w. Wiederaufbauverträge genießen Mieterschutz Angesichts der zahlreichen in den letzten Jahren abgeschlossenen Wiederauf bau Verträge (Ausbau von Wohnungen mit Baukostenzuschüssen der Mieter) erhebt sich die Frage, ob derartige Verträge Mieterschutz genießen. Die Feierliche Abendmiisfli in der Lulherkirdie Am 200. Todestag von Joh. Seb. Bach Als in den Abendstunden des 28. Juli das nächtige Vollgeläute der Lutherkirche über unsere Stadt Bruchsal erklang, da wußte der Eingeweihte, daß zur selbigen Stunde vor 200 Jahren in Leipzig der Thomaskantor Johann Sebastian Bach mit dem Tode rang. Zu einer stillen Gedenkstunde an den großen Meister wurden die Zuhörer eingeladen und bereits vor dem Erklingen der Glocken strömten zahlreich die Menschen in das Gotteshaus. Einem Verkünder „von Gottes Gnaden“ galt ihr Kommen; die „frohe Botschaft“ von Jesus Christus, unsere Erlösung durch den Kreuzestod des Herrn, die reine Menschen- und Gottesliebe nach des Heilands Lehre zu vernehmen, die Bach Zeit seines ganzen Lebens mit den Tönen seiner geheiligten Musik verklärte. Was die 4 Evangelien der Bibel erzählen, das verkündet er mit derselben Lauterkeit, mit derselben Einfalt und Klarheit, mit demselben Ernst, mit derselben Erkenntnis und Begeisterung, mit tiefster Demut und innigster Gläubigkeit. Daher stammt auch diese Einmaligkeit, die größte Einheit seiner Musik in seinem ganzen Werk. Vieles wird in diesen Tagen und Monaten des Bachjahres 1950 über den Meister gesprochen und geschrieben. Nicht über Bach sollte in dieser Gedächtnisstunde geredet sein, sondern Bach selbst hat das „Wort“ an uns gerichtet. Seine einzigartige Orgelmusik und seine tiefergreifenden Choräle sprechen zu uns. In ihrer Wechselseitigkeit ergänzen und durchdrangen sie sich und wirkten „der Gottheit lebendiges Kleid“. Nur zwei kurze Lesungen waren dem Programm der Feierstunde eingefügt, um die Laienzuhörer etwas zu orientieren. Es war das erste und letzte Kapitel aus dem Büchlein fünfte Evangelist“ von Pfarrer D. Hesselbacher, dem verstorbenen Stadtpfarrer in Karlsuruhe und zuletzt in Baden-Baden. Die klare und volksnahe Sprache dieses Schriftstellers war dazu angetan, die Brücke zu schlagen. Vom verstandesmäßigen Begreifen und-Verstehen zu jenen Gebieten, in denen die Töne der Musik das einzig Begriffliche darstellen, zum Gebiet des Geistigen und Mystischen, zu Religion und Kunst, zu den Bezirken des Göttlichen und Ewigen. Der schwedische Erzbischof Nathan Söder- blom nannte Bach „den fünften Evangelisten“. Gleich den 4. Evangelisten verkündet er durch Macht der Töne in seinen „Passionen“ auch den Menschen, die Kirche und Christentum ferne stehen. Auch sie sitzen zu Füßen dieses Evangelisten (Bach) zu Hunderten und Tausenden aus allen Ständen und Schichten unseres Volkes, stumm und ehrfürchtig lauschend; sie horchen auf, und er bewegt ihnen Herz und Sinn aufs tiefste. Sie sind gekommen wie dürstende, die nach einem Trunk des Lebens schmachten, und da fließt ein Bach in wunderklarer Helle, silbern und reich, aus tiefsten Bergschächten heraus und weiß die verschmachtenden Seelen zu laben mit himmlischer Kraft und Süße. Da begreift man, warum man ihn den fünften Evangelisten genannt hat. Auf der Orgel, der Königin der Instrumente, ertönt die „faustisch-fantastische“ Fantasie und Fuge a-moll in gelockert freier Anordnung, dem Kennzeichen der Fantasie. Wie aufzüngelnde Feuerflämmchen umspielen die Sechzehntelmotivchen das fast in Achteln einherschreitende Hauptmotiv. Die Fuge selbst mit einem musizierfreudig beschwingten, daherschwebenden Fugenmotiv und klarer entzückender Durchführung führt am Schluß wieder auf die kodaartige Fantasie zurück. Rechtsprechung hat dies bejaht. Nach ihr ist auch ein Wiederaufbauvertrag ein echter Mietvertrag und fällt deshalb unter die Mieterschutzbestimmungen. Die Frage wird meist aktuell, wenn das Eigentum an einem wieder aufgebauten Hause wechselt und der neue Hauseigentümer den Wiederaufbauvertrag nicht gelten lassen will. Wie gesagt, gilt aber auch für dieseVerträge der Grundsatz: „Kauf bricht nicht Miete!“. — Der Aufbaumieier kann also nur dann seiner Wohnung verlustig gehen, wenn ein Kündigungsgrund nach dem Mieterschutzgesetz vorliegt. Sommersdilnßverkanf .Wühltische“, eifrige Hausfrauen — und freundliche Verkäuferinnen Nun ist es wieder soweit, daß die großen Anzeigen mit dem verlockenden Titel „Sommerschlußverkauf“ erscheinen. Die „Stunde der Hausfrau“ ist wieder gekommen, ihre Stunde, in der sie nach Herzenslust in den eigens dazu aufgestellten Tischen „wühlen“ kann. Welch eine Fülle bunter Stoffe und tausend anderer Kleinigkeiten — der Fachmann nennt sie Posamentierwaren — ist ihr geboten. Die Geschäfte haben die Parole „Dienst am Kunden“ im wahrsten Sinne des Wortes auf ihre Fahnen geschrieben. Es ist alles ja so billig, wer wollte sich die günstige Gelegenheit entgehen lassen, nun noch einmal, kurz vor Toresschluß der Saison, günstig einzukaufen. Man muß in diesen Tagen einmal durch die Stadt gehen und sich die Schaufenster betrachten. Das Herz lacht da auch dem männlichen Begleiter im Leibe ob all der hübschen Dinge, die da von geschickten Dekorateuren dappiert, gruppiert und ausgebreitet sind. Vom Dirndlstoff bis zum schwarzen Samt für das Abendkleid ist alles vorhanden, was nur eine echte Frau entzücken kann. Vom kessen Hütchen bis zum gepflegten Schuh warten die schönsten Sachen darauf, daß sie mitgenommen werden. Die Preisschilder verkünden in dick gemalten Zahlen den „einmaligen“ Sturz der Ware. Die Türen der Geschäftshäuser stehen keinen Augenblick still. Unermüdlich sind die Verkäuferinnen auf das Wohl der Kundinnen bedacht und ihre Geduld kann schon in Bewunderung versetzen, denn nwr die wenigsten vor den Ladentischen wissen von cfer anstrengenden Arbeit derjenigen hinter der Theke. Sommerschlußverkauf — kleine Schlacht um bunte Reste, hoffen wir, daß sie auch dieses Jahr wieder so friedlich ausgehen möge wie bisher. Denn die einzigen „Opfer“ sind und bleiben — die Männer und ihre schmaler werdenden Brieftaschen. • HWH. Mutig voran, Bruchsaler Jugend Feierliche Eröffnung des Hauses Elin langgehegter, mit vielen Mühen verwirklichter Wunsch des Bruchsaler Jugend- ' rings, ein eigenes Heim zu besitzen, ging am Samstag in Erfüllung. Das neben der Scheffelhöhe, am ausichtsreichsten Punkte der Stadt gelegene Haus der Jugend wurde in Anwesenheit von Landrat Weiß, Bürgermeister Bläsi, von US-Resident-Officer Sacksteder, von Vertretern der GYA Heidelberg und der amerikanischen Land Commission für Württemberg - Baden in feierlicher Weise seiner Bestimmung übergeben. Der Vorsitzende des Bruchsaler Jugendrings, H. Berger, begrüßte die mehr oder weniger zahlreich versammelten Jugendgruppen, die vielen Gäste und stattete allen, die mithalfen, das Haus der Jugend zu bauen, den herzlichsten Dank ab, der Land Commission in Stuttgart, der GYA in Heidelberg, der Stadtverwaltung, den Bruchsaler Firmen. Besonders hob der Sprecher auf Sinn und Zweck 'des Hauses ab, das der organisierten wie der nichtorganisierten Jugend offen stehe, das Hauptziel sei, die menschlichen Beziehungen vom einen zum andern im Geiste der Toleranz und der Humanität zu pflegen. Ein Adagio voll schmerzgetränkter Wehmut erweckt tiefste Ergriffenheit. — Die weltbekannte Toccata d-moll — strenger geführter Bachstil — erklingt im virtuosem Spiel. Der Interpret, Herr Merz, Organist an der Lutherkirche, zeigte sich als Beherrscher seines herrlichen Instruments durch farbenreiche, fein abgetönte Registrierkunst wie meisterliche Technik des Spiels. Technik des Spiels. Dazwischen singt der Chor der Lutherkirche mit seinen glänzenden, hervorragend geschultem Stimmenmaterial. Bach- sche Meisterchoräle „wie im höhern Chor“. Markant und glaubensfest erklingt „Jesu meine Freude“ aus der gleichnamigen Motette mit der ganz besonders große Schwierigkeiten aufzuweisenden dritten Strophe: Weg, weg mit allen Schätzen! — Von. unsagbarer Verinnerlichung getragen, ertönt der Hauptchoral aus der Matthäuspassion: „Wenn ich einmal soll scheiden“. — Das inbrünstige Abendgebet „Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ“ beschließt die Chorvorträge des Abends. Die zweite Lesung: Durch tiefe Abendschatten ins ewige Licht (Hesselbacher) kündet uns von Bachs Blindheit, Kummer, Not und Tod. Sie erzählt die Entstehung seiner letzten Komposition, die der sterbende, blinde Meister seinem Schwiegersohn Altnikol diktiert: Vor deinen Thron tret ich hiermit, ein Werk von unerhörter Meisterschaft der Kompositionstechnik. Die Orgel spielt dieses Sterbelied des Meisters in dämmerigen Schatten, jede Zeile als Gegenfuge behandelt, da leuchtet der Choral als Hauptmelodie auf. An diese Choralfantasie schließt sich der zweistrophige Choral an und führt aus tiefen Abendschatten ins ewige Licht. Der seraphisch-sphärische Ausklahg läßt den Meister das ewige Licht-seliger Verklärung schauen. —Wir danken den Veranstaltern die einzigartige Stunde innerlicher Besinnung! ‘ Dr. E. der Jugend am Samstag, 29. Juli US-Resident-Officer Sacksteder überbrachte die herzlichsten Wünsche seines Vorgängers, Mr. Feick, der dem Haus jederzeit wärmste Unterstützung zuteil werden ließ. An die Jugend appellierte Mr. Sacksteder, von dem Haus guten Gebrauch zu machen, ein Heim solle es sein, in dem die Jugend sich nicht nur zu Spiel und Geselligkeit treffe, sondern auch zu ernster Arbeit in der Vervollkommnung des eigenen Ichs. Landrat Leo Weiß machte auf drei Grundsätze aufmerksam, von denen die Jugend sich leiten lassen müsse: Im Leben immer Tatsachen zu sehen, selbständig zu werden und sich vor keiner Arbeit" zu scheuen. Nicht der äußere Erfolg sei das entscheidenste Moment, viel mehr komme es darauf an, daß der Mensch ein Gewissen habe, daß er in jeder Lebenslage dementsprechend zu handeln bereit sei. Der Landrat schloß seinen Glückwunsch an die Jugend mit den aufmuntern- den Worten: Mutig voran, Bruchsaler Jugend, uns Alten ist eure Arbeit wertvoll und wir setzen große Hoffnungen auf euch. Der Sprecher der Land Commission für Württemberg-Baden, Mr. Nielsen, gratulierte der Jugend mit anerkennenden Worten. Dieses Haus, so sagte er wörtlich, solle ein Instrument sein, gute Bürger heranzubilden und wenn die Jugend lerne, sich gegenseitig zu verstehen, sich gegenseitig zu achten, dann sei es die beste Kapitalsanlage. Mit der Versicherung; das Haus der Jugend auch weiterhin zu unterstützen, übergab Major Reniker von der GYA Heidelberg die Schlüssel dem Herrn Bürgermeister Prof. Bläsi. In seiner Ansprache hob der Bürgermeister besonders darauf ab, daß der einfache und schlichte Bau unserer Zeit am besten entspreche. Dem Jugendring und seiner Leitung dankte er herzlich für ihren Idealismus und ihre Hilfsbereitschaft in den Monaten des Bauens. Die Jugend selbst rief der Bürgermeister auf, in diesem Hause ihre Freizeit nutzbringend zu gestalten. Er schloß mit den Worten: Möge der Geist, der dieses Haus erstehen ließ, der Geist der Zusammenarbeit, des gegenseitigen Verstehens und des Opferwillens allezeit die Grundlagen der Arbeit bilden und möge der Herrgott diese Arbeit segnen! Der Vorsitzende des Landesjugendausschusses, Leis-Karlsruhe, der infolge einer Kraftwagenpanne verspätet eintraf, überbrachte die Grüße von Oberregierungsrat Heß, der im Kultusministerium das Referat Jugendbetätigung und Volksbildung .innehat sowie die Glückwünsche des Landesjügendausschus- ses selbst. Umrahmt war die Feier mit musikalischen Gaben einer Abteilung der Stadt- und Feuerwehrkapelle, mit Gedichten und Liedern der Jugend, die von ihrem Wollen und Streben beredte Kunde gaben. st. Rheinwasserstände Konstanz 349 (—1), Breisach 168 (+1), Straßburg 231 (+1), Karlsruhe 392 (—3), Mannheim 230 (—5), Mainz 225 (—5), Bingen 151 (—2), Caub 158 (—1) i Montag, den 31; Juli 1950 ASY-Ringer begeisterten: Karlsruhe im $tädtei§ampf mit 8:0 gesdilagen Pächtiges Sommernachts fest der Germanen üleuenbürijer jedermitiiii-Spiele in Zahlen Bruchsals rührige Ringer vom ASV. Germania können weitere stolze Erfolge in ihre Vereinsgeschichte verbuchen; das ist das Ergebnis der bestens gelungenen Großveranstaltung, die über das Wochenende vor einigen 100 begeisterten Zuschauern in der neuen, wenn auch noch nicht ganz fertiggestellten Sporthalle und dem sich anschließenden Gelände abrollte. Spricht schon die Erstellung der Halle die als Ergebnis einer kaum mehr zu überbietenden Gemeinschaftsleistung besondere Anerkennung verdient, für eine im ASV vorhandene besondere Initiative, so wurde der erste Start auf der neuen Anlage gleich zu überragenden Erfolgen. — Das im Rahmen der dem ASV Bruchsal zur Durchführung übertragenen Kreisschülermeisterschaften im Ringen und der Junioren- Meisterschaften im Ringen und Gewichtheben bereits am Samsfag durchgeführte Sommemachtsfest hatte seinen Höhepunkt im Städtekampf Bruchsal—Karlsruhe, der zu einem einzigartigen Triumph unserer einheimischen Ringer wurde. Die aus den Vereinen ASV Germania Karlsruhe und Einigkeit Mühlburg zusammengestellte Karlsruher Auswahl hatte zwar nicht gerade Siegesaussichten, doch hätte man der Staffel etwas mehr zugetraut. Aus der Mannschaft ragten lediglich Suchanek im Leicht-, und Fränkle im Mittelgewicht hervor, die zwar nicht zu Siegen kommen konnten, jedoch sehr gute Leistungen zeigten. Die ASV- Ringer überboten sich an diesem Abend geradezu womit gesagt sein darf, daß man auch den weiteren Kämpfen getrost entgegensehen kann. Im einzelnen gab es folgende Ergebnisse: Lautenschläger-Bruchsal schulterte im Fliegengewicht Stürmlinger-Karlsruhe schon nach einer Minute Ringzeit durch Ueberstürzer. Im Bantamgewicht hatte Siedler in Schäfer-K. einen hartnäckigen Gegner, kam aber durch bessere Leistungen zu einem verdienten Arbeitssieg. Der temperamentvoll begonnene Kampf im Federgewicht zwischen Grassel-Br. and Knöler-K. endete überraschend schnell, wobei Grassel seinen in die Brückenlage gebrachten Gegner erledigen konnte. Einen Blitzsieg gab es im Leichtgewicht, wo Seeburger Fritz den guten Techniker Suchanek-K. schon nach kürzester Zeit auf die Schultern zwang, wobei allerdings die Entscheidung des Kampfrichters angezweifelt wurde. In deiderseitigem Einvernehmen, .eine schöne sportliche Geste, rang man jedoch weiter, und Seeburger kam zum verdienten Punktsieg. Einen weiteren ent- scheidenten Erfolg gab es durch Seeburger A., der nach 2 Minuten über Heberer-K. im Weltergewicht triumphierte. Eine knappe Wertung gab es beim Treffen im Mittelgewicht, wo Wemer-Br. über Fränkle-K. nach Punkten gewann. Bauer-Br. bezwang den in einem etwas komischen Stil kämpfenden Karlsruher Hoppmann sehr sicher, und im abschließenden Schwergewichtskampf gab es eine angenehme Ueberraschung. Man hatte dem erfahrenen Karlsruher Heutel die größeren Chancen zu- gesprochen, doch machte Lehmann das Unmögliche wahr. Ein gut angesetzter Hammerlock zwang den Karlsruher auf die Schultern, womit das Gesamtergebnis feststand und Bruchsals Ringer in dem Beifall umtosten Hause für ihren schönen Sieg stürmisch gefeiert wurden. Kampfleiter Wagner-Oestringen leitete das Treffen einwandfrei. Im übrigen bot das Sommernachtsfest ein nettes Programm, das Vorführungen der bisher so erfolgreiche ASV-Rundengewichtsriegen brachte. Als besondere sportliche Delikatesse muß man das Auftreten der „Vier Adonis“ bezeichnen, eine Artistengruppe, die sich sehen lassen kann. Zu Beginn des Abends begrüßte Vorstand Oehler die zahlreichen Zuschauer, Herausgeber: C. & H. Kruse, Bruchsal, Wörthstraße 4, Philippsburg, Salmstr. 10. Redaktion: Hans Stauder, Bruchsal. Für auswärtige Anzeigen: Annoncen-Exped. Krais, Karlsruhe. — Zur Zeit ist Preisliste Nr. 1 gültig insbesondere die das Abendprogramm bestreitenden Gäste aus Karlsruhe. Es kam zu einer verdienten Ehrung der Schülermannschaften, die sich die badische Meisterschaft erringen konnte, wobi besonders auch die Arbeit des Jugendleiters Franke und des Trainers Naßne-r ihre Anerkennung fanden. Unter den vielen Alten, die einst schon Bruchsal zur Ringerhochburg gemacht hatten, befand sich auch Josef Huber, eines jener Gründungsmitglieder des ASV, die auf eine überaus erfolgreiche Sportlaufbahn zurückblicken können. Man hielt bis zum Morgengrauen -im unteren Schloßgarten bei Musik, Tanz und Fröhlichkeit aus; es war. ein herrlicher Abend. Möge dem ASV nach dem so erfolgreich verlaufenen „Richtfest“ des ASV.-Sportheimes für die Zukunft noch viele gleich eindrucksvolle Veranstaltungen beschieden sein, und vor allem die endgültige Fertigstellung und Einweihung in Kürze Wirklichkeit werden. t. k. In diesem Jahr der Feste und Feiern hat man so ganz den Sinn dafür verloren, was für eine Unsumme von Arbeit hinter einem Spiel steckt, wie das die Gemeinde Neuenbürg durchführt. Gar zü leicht reihen Uneingeweihte das Neuenbürger Spiel in den Kranz der landauf, landab abgehaltenen Feste ein, ohne sich darüber klar zu werden, was es um dieses Spiel überhaupt ist, was es für den Kreis und darüber hinaus bedeutet. Nicht umsonst werden der Erstaufführung die höchsten Vertreter der Staatsstellen beiwohnen. Diese Tatsache gibt zu denken. Mit Recht kann gesagt werden, daß die größte Veranstaltung in diesem Jahr in unserem Kreis, nur eine kleine Arbeit darstellt, von dem, was Neuenbürg seit Beginn dieses Jahres zu bewältigen hat. Diese Feststellung soll keine Schmälerung der Leistungen anderer darstellen, sondern nur aufzeigen, was es überhaupt um Neuenbürg ist; — denn dieses bescheidene Dörflein mit stützten das Spiel und zwar aus den Städten: Berlin, Frankfurt, Heidelberg, Karlsruhe, Bruchsal, Stuttgart, München, Freiburg. Ueber 2000 Schreiben gingen an Bürgermeister, Kirchen, Schulen, Vereine, Betriebe, Gasthäuser. Bekannte Persönlichkeiten der Regierung und des künstlerischen Lebens haben ihren Besuch angesagt. Beträchtliche Bühnenaufbauten wurden erstellt. Der Süddeutsche Rundfunk wird das Spiel aufnehmen. Die Wochenschau „Welt im Film“ verhandelt zur Zeit noch. w. seinen 420 Einwohnern ist ein Zwerg, der im Schatten der Großen liegt. Was das allein heißt, kann ja ein Außenstehender kaum beurteilen. Man kann dieses Volksspiel ja nicht durch nüchterne Zahlen nahebringen, aber man kann dadurch doch einen Einblick in den Umfang der Anstrengungen dieser Gemeinde geben. Bis zum Spielbeginn am 20. August, abends 20 Uhr, werden folgende Zahlen sprechen: 700 Stunden Proben. Mit dieser Zahl sind nur die reinen Spielproben aufgezählt. Nicht mitgerechnet wurden Musik- und Gesangproben. Ueber 400 Schreiben und Anfragen gingen an die verschiedensten Stellen in ganz Deutschland. 250 Kostüme mußten beschafft werden 2000 Plakate und 150 000 Flugblätter ge'angten zur Verteilung.Firmen in großer Zahl unter- Hambrücken Am Mittwoch nahmen Vertreter des Tabak- pflanzerverbandeseine Besichtigung sämtlicher Tabakfelder vor. Die Kommission sprach sich sehr lobend über den Stand der Pflanzen aus. Krankheiten oder Schädlinge waren nicht festzustellen. Wenn sich die Entwicklung weiter so gestaltet, ist eine gute Tabakernte zu erwarten in Bezug auf die Menge wie auf die Qualität. Die Tabakpflanzer sehen dem Absatz der Ernte mit großer Sorge entg^en. Daher muß man immer auf gute Qualität bedacht sein. Für gute Ware wird sich immer ein Abnehmer finden. k. Gochsheim Die neue Dreschhalle konnte noch zur rech ten Zeit fertiggestellt werden und dient auch nun bereits ihrem Zweck. Geschäftsjubiläum In Oberrot (Kreis Backnang) feiert am 1. 8. ds Jhrs., Herr Kunstschlossermeister Emil Helt- mannsperger sein 25jähriges Geschäftsjubiläum. Herr Hettmansperger stammt aus Bruchsal, wo er vor nun 25 Jahren den Grundstein zu seinem Spezialbetrieb legte. Am 1. 3. 1945 gingen beim Großangriff auf Bruchsal Wohnung und Geschäft total verloren. Nach seiner Rückkehr aus amerikanischer Gefangenschaft im Jahre 1946 ging der Jubilar in Oberrot, wohin sich seine obdachlose Familie geflüchtet hatte, sofort an den Wiederaufbau ‘seines Betriebes. Herr Hettmannsperger hat es vor allem seiner Tatkraft und Umsicht seiner Qualitätsarbeit zu danken, wenn heute der Betrieb, aus dem Nichts erstanden, wieder gefestigt dasteht. Zwei Söhne stehen als Gesellen im Geschäft und gehen dem Vater und Meister treu zur Hand; der jüngste Sohn wird sich demnächst als Lehrling ihnen zugesellen. Weit über unsere Grenzen hinaus, sind die Spezialartikel der Firma Hettmannsperger, bestehend aus Kachelofentüren und Kunst- schmiedearbeiten, meist nach eigenen Entwürfen gestaltet, gegangen, davon vor dem Kriege sehr vieles ins Ausland. Erwähnenswert ist, daß der Hettmannsper- gersche Betrieb heute der einzige im Kreis Backnang ist, in dem Schmiedearbeiten noch hauptberuflich hergestellt werden. Gleichzeitig am 1. August feiert Herr Kunstschlossermeister Emil Hettmannsperger mit seiner Ehefrau Anna geb. Hamminger, das Fest der silbernen Hochzeit. Wir entbieten dem Jubilar und seiner Ehegattin die besten Glückwünsche und rufen ihnen ein herzlich „Glückauf“ für die nächsten 25 Jahre zu. Wie wir hörten, ist es der sehnlichste Wunsch von Herrn Hettmannsperger, in Bälde wieder seinen Betrieb nach Bruchsal zu verlegen. So bedauerlich es für den Kreis Backnang wäre, einen solchen handwerklich hohen Betrieb zu verlieren, so verstehen wir doch sehr wohl die Beweggründe des Meisters und wünschen ihm Erfolg bei dieser Unternehmung. Sxim Srnimeh.-£xMu&&ik(u4 bieten wir Ihnen zu weit herabgesetzten Preisen unser reichhaltiges Lager in Sommer-Stoffen und Lavona-Kleidung Rosa Hornung & Co. Telefon 399 Smtmet:SMufisVetkai4 Besonders günstige Gelegenheit! Kinder Lederschuhe ab 4.90 Damen Lederschuhe ab 8.90 Herren Lederschuhe ab 12.90 Kinder-und Damen Slofhdiuhe ab 1.90 /cAuAAaus iOM das solide Fachgeschäft 5000 Taschen- u. Armbanduhren gratis! Hcan - neniem - negnugnideb - nnamredej - enie-sitarg- rhu - netlahre - nnak. 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Bruchsal Telefon Untergrombach 88 Kräftiger Junge, der Lust hat, das Bäckerhandwerk zu erlernen, gesucht. Bäckerei Huhn, Bruchsal, Friedrichstraße 9 Hinter eigenem fittfjt Roman von Edmund Sabott Copyr. 1948 by Verlag Reutlingen Oertel & Sporer 11. Fortsetzung Er merkte, wie sie selber zurückschreckte vor den Folgen dessen, was geschehen war. Ihr Gesicht war in der Dunkelheit kaum zu erkennen. Nur wenn der Mond durch die Wolken brach oder das Gewölk sich auflöste vor seinem Licht, sah er Ulla deutlicher. Ihr Gesicht war krampfhaft verzogen, die Augen weitgeöffnet und ganz dunkel. „Wir müssen abwarten, Alf! Urteilen, richten -- Erst müssen wir das Geständnis des Schuldigen haben. Wir werden ihn anhören. und dann entscheiden, was zu geschehen hat.“ „Aber wir haben darüber nicht zu entscheiden. Wir haben kein Recht dazu!“ „Ich nehme es mir!“ erklärte sie entschlossen. „Was hier geschehen ist, sehe ich als eine Art Selbsthilfe an. Gut, vollziehen wir also auch eine Selbstjustiz!“ „Du bist toll, Ulla! So geht es nicht! Ihr Frau- ?n habt nie vernünftige Beziehungen zum Gesetz . . .“ „Und ihr Männer seid geradezu buchstaben- hörig . . . .“ „So kommen Wir nicht weiter, Ulla . . . Dieser Streit führt zu nichts, und wenn wir so fort- iahren.“ „Still!“ rief sie und packte seinen Arm. „Still! Hast du das eben auch gehört?“ „Das Klirren . . .? Ja . . .“ Sie horchten beide mit angehaltenem Atem in die Dunkelheit „Und vorher,“ flüsterte Ursula, „war mir, als hörte ich Schritte, ganz rasche Schritte. Als ob einer liefe, — nicht über den Weg, sondern über den Rasen . . .“ „Es schien von der anderen Hausseite zu kommen.“ „Wollen wir nachsehen? Zu hören ist nichts mehr.“ Als sie auf das Haus zugingen, sahen sie aus der Richtung, aus der das Klirren zu ihnen gedrungen war, Stolle auftauchen. Er trug seinen hellen Staubmantel und war schon von weitem aus der Dunkelheit kenntlich. — „Ich denke, er ist im Garten gewesen?“ fragte Ursula halblaut „Und nun kommt er vom Hause her?“ — Alfred antwortete darauf nicht Es ergab sich, daß auch Stolle das Geräusch gehört hatte. Er wollte sogar eine gebückte Gestalt gesehen haben, die rasch durch den Garten auf das Haus zugelaufen und darin verschwunden war. Erkannt hatte er sie nicht und anfänglich habe er sie sogar für einen Hund gehalten. „Ich müßte mich sehr getäuscht haben, wenn es nicht eine Frau gewesen ist“ sagte er. „Aber freilich, bei dieser Finsternis kann ich es nicht auf meinen Diensteid nehmen.“ „Darm a i s0 anzunehmen, daß du Bren- ders Mörder oder seine Mörderin gesehen hast“ „Stimmt? Und der befindet sich nun im Haus!“ Alfred murmelte; „Also einer von uns! Damit ist der letzte Zweifel beseitigt.“ Die drei sahen sich schweigend an und versuchtest in den Mienen der andern zu lesen. Schließlich lachte Stolle auf. „Dann wissen wir wenigstens, daß wir drei es nicht gewesen sind.* - Ursula antwortete trocken: „Vorausgesetzt, daß deine Aussage stimmt, daß du dich nicht getäuscht oder . . . uns nicht getäuscht hast.“ In der Dunkelheit war nicht zu erkennen, wie diese pralle Antwort auf ihn wirkte. Er schien sehr betroffen zu sein. „Was willst du mir da anhängen, Ulla? Was meinst du damit?“ — „Daß wir genau sein müssen, lieber Peer. Daß da eine Gestalt durch den Garten geflüchtet und im Haus verschwunden ist, das wissen wir zunächst nur von dir. Wir beide — Alf und ich — sind uns unserer Sache nicht so ganz sicher. Und du kannst dich ebensogut auch getäuscht haben oder-kannst die Absicht gehabt haben, uns zu täuschen.“ „Das klingt ein bißchen komisch, mein Mä- delchen!“ „Ich glaube, wir werden uns noch mancherlei Komisches dieser Art sagen lassen müssen, wenn erst die Untersuchung im Gange ist, lieber Peer. Verdächtig sind wir nämlich alle! Nicht nur du! Und wenn wir nachher vor Tante Sophie stehen, kann sie uns mit Recht fragen, ob wir drei uns verschworen haben, --ob wir drei gemeinsam Brender erschossen haben.“ „Aber das ist doch absurd!“ rief Alfred verzweifelt. „Wieso? Für sie ist es ein ganz naheliegender Verdacht. Und nun mal dir bitte aus, wie die. Polizei mit uns umgehen wird, und male dir weiter die Folgen aus, die solche Verhöre für unser Verhältnis zueinander haben werden. Hälst du es nicht doch für empfehlenswert, wir versuchen auf gut Glück, zunächst einmal selber damit tos Reine zu kommen?“ Stolle, erfuhr, was Ursula vorgeschlagen hatte und stimmte sofort zu. Es hörte sich geradezu an, als fühle er sich erleichtert, auf diese Weise Zeit zu gewinnen. Dieses Empfinden hatte wenigstens Ursula, aber sie sprach es nicht aus. „Seht ihr beide mal nach, was da vorhin geklirrt hat“, bat sie. „Ich muß nun unbedingt mit Tante Sophie reden. Mir graut vor diesem Gespräch. Nachher müssen wir dann die anderen zusammenrufen, falls sie sich noch nicht eingefunden haben, und ihnen mitteilen, was sich ereignet hat. Merkwürdig, daß Christa sich noch nicht hat sehen lassen. Sie hat einen so leichten Schlaf. Also bis nachher-“ Sie wandte sich zur Terasse, um ins Haus zu gehen. Gleichzeitig mit Ursula betrat Christa das große Terassenzimmer. Sie kam aus der kleinen Halle und war vollständig angekleidet — als habe sie noch nicht geschlafen. — Ursula stutzte, als sie das bemerkte. Obwohl sie sich gegen den Verdacht wehrte, tauchte in ihr die Frage auf, ob es etwa Christa gewesen sei, die eben durch den Garten gelaufen war und sich nun ins Haus gerettet hatte. War es so, dann mußte sie über die Vorgänge bei Brenders Tod doch mehr wissen als alle andern. Es war auch auffällig, daß Christa übernächtigt aussah. Als sie Ursulas Blick auf sich ruhen fühlte, blieb sie in dem Halbschatten nahe der Tür stehen und vermied es, in den Lichtkreis der Stehlampe zu geraten, die neben dem Flügel stand. '-Ursula fand keine Zeit, etwas zu fragen, denn Frau Tilmann sprang sofort auf. Sie hatte die letzte Viertelstunde wohl wie in einem Betäubungsschlaf verbracht Liesbeth befand sich noch bei ihr, Olpe jedoch war verschwunden und hatte sich wohl schon wieder ins Bett gelegt Fortsetzung folgt AUS DER HEIMAT Von unferen Rathäufern . Unsere Rathäuser verkörpern pm bemerkens- v* :rtes Stück Volks- und Heimatgeschichte. V weit sie noch aus dem ausgehenden Mittel- alter stammen, sind sie Denkmäler des Kampfes der Bürgerschaft um die Selbstverwaltung. Dies gilt in erster Linie für die Rathäuser in den größeren Städten Hier wurde dieser Kampf nicht selten in dramatischer Form blutig ausgetragen ln selbstbewußtem Stolz scheinen die Bürger ihr Rathaus auch „die Pfalz" genannt zu haben Diese Bezeichnung findet sich nachweisbar da und dort in den oberrheinischen Städten. Versammlungen der Bürgerschaft Versammlungsraum des Rates und unter Umständen eines großen Teiles der Bürgerschaft sollte das Rathaus sein. Der geräumige Saal ist daher Sinn und Mitte des ganzen Baues. Die Würde dieses Raumes verlangte es, daß er nicht zu ebener Erde liegen durfte. In allen älteren Rathäusern befindet sich daher die Versammlungshalle im Obergeschoß. So ist es bei einem der ältesten Rathäuser, dem zu Michelstadt im Odenwald der Fall. Man kann sich auch sonst im Lande umsehen und wird die gleiche Feststellung machen. Das Erdgeschoß, der Raum unter dem Rathaussaal, wird für andere Zwecke verwendet: zum Abstellen von öffentlichem Gerät — hier ist vor allem die Feuerwehrspritze zu nennen — teilweise auch als Durchgang für den Verkehr. Man findet nämlich nicht selten Säulen an der Vorderseite, auf denen das Obergeschoß ruht, wie z. B. an dem schönen Rathaus zu Bauerbach bei Bretten, oder eine laubenartige Auflösung der unteren Frontmauer. Es ist meist unschwer zu erkennen, daß man sich mit dem Bau einige Mühe machte und sich seine Planung gut überlegte. Die Bürger waren stolz auf ihr Rathaus. Sie wollten sich d ami t sehen lassen können und ließen sich den Bau und seine Ausstattung etwas kosten. Das künstlerische Wollen einer Zeit läßt sich daher an den Rathäusern gut ablesen. Auch für den Stilwandel und den Wechsel der Formen im Laufe der Jahrhunderte liefern die Rathäuser lehrreiche Beispiele. Mit der Fülle ihrer Baugedanken zeugen sie von der lebendigen Kraft des bürgerlichen Gemeinsinns. Die Ratsstube auf dem Dorf Wie steht es nun aber mit den Rathäusern auf unsern Dörfern im Hinblick auf ihre geschichtlichen Grundlagen? Hier haben wir Verhältnisse besonderer Art Zu einer Zeit, in det der Kampf um die Selbstverwaltung in vielen Städten bereits entschieden ist, kam der Bauer noch geduldig seinen Fronpflichten nach. Als er sich dann in dem großen Bauernaufstand erhebt, wird er geschlagen und in die alte Abhängigkeit zurückgeworfen. Ein Rathaus .als Zeichen der Selbständigkeit scheint also auf dem Dorfe keinen Sinn zu haben. Trotzdem muß eine rathausähnliche Einrichtung hier bestanden haben, die wahrscheinlich sehr alt ist und als Vorläuferin des dörflichen Rathauses angesehen werden kann, ein Versammlungsraum, den man kurzerhand „die Stubb" nannte. Rathalten ist eine uralte Gemeinschaftsangelegenheit Bei guter Witterung kam man im Freien zusammen, und der Platz unter der Dorflinde war dazu bestimmt Wie war es aber zu andern Zeiten, wenn der Aufenthalt im Freien nicht gut möglich war? Da mag man sich nach einer der größeren Stuben in den Bauernhöfen umgesehen oder eine solche zum Gemeinschaftsraum bestimmt haben. Vielleicht führt von da eine Linie zur dörflichen Versammlungsstube. Den Ausdrücken „Stubb", „Bürgerstubb", „auf die Stuben erfordern" begegnet man in den oberdeutschen Akten nicht selten. Doch ist die dörfliche Ratsstube offenbar auch für Zwecke verwendet worden, die auf den ersten Blick wenig mit ihrer ursprünglichen Aufgabe zu tun haben. Geht man der Geschichte der „Stubb" nach, so erfährt man, daß sie zunächst dazu dienen sollte. „Sachen zu verhandeln und aufzurichten". Man wird dabei an kleinere Rechtsfälle, Kaufabschlüsse und ähnliches zu denken haben. Weiterhin diente die Stube aber auch als Unterkunftsraum. Man hört bisweilen, daß fremde und einheimische Leute, die bei Tag und Nacht kommen, „Sich auf der Stuben aufhalten und bleiben möchten"! Wir haben hier also eine eigentümliche Verbindung von Gemeindehaus und Wirtshaus vor uns, denn es ist anzunehmen, daß die Leute, die sich einstellten, auch auf einen Trunk Wert legten. Desgleichen war es üblich, Rechtsgeschäfte durch einen Trunk zu bekräftigen. Damit hängt es wohl zusammen, daß mit dem Amt des Schultheißen meist auch die Schankgerechtigkeit verbunden war. Dr. O. Köhler Die Weberei unö öfeWeber Die Weberei ist eine der ältesten menschlichen Kunstfertigkeiten. Sie gehört ursprünglich in das Bauernhaus hinein, wo auch die nötigen Vorarbeiten erledigt wurden, so daß der bäuerliche Betrieb den Bedarf an Tuch von der Faser bis zum fertigen Gewebe .selbst erzeugte. Die folgende Entwicklung muß es dann mit sich gebracht haben, daß in einzelnen Häusern die Weberei vorwiegend betrieben wurde, während man sie in anderen aufgab und nur noch be- stimmte Teilarbeiten, wie z.B. das Spinnen selbst, erledigte. Damit bildete sich bereits ein Sondergewerbe heraus. Doch blieb die Weberei zunächst noch eine Angelegenheit des Landes. Erst im 12. Jahrhundert wandert sie in die Stadt und wird dort bald zu einem der bedeutendsten Gewerbe. Hier vollzieht sich in späterer Zeit auch die Entwicklung zur fabrikmäßigen Herstellung der Stoffe. Daneben betreibt man auf dem Lande weiterhin die Einzelweberei. Diese allgemeinen Entwicklungslinien gelten auch für das gesamte Oberrheingebiet. Genaueren Einblick in das Webereiwesen geben uns Aktenstücke aus dem 14. und 15. Jahrhundert Es ist dies die Zeit der zunftmäßigen Zusammenschlüsse der Handwerker und zugleich di« Blütezeit der Gewerbeordnungen. Eine der umfangreichsten Urkunden dieser Art ist die Wollenweberordnung des Markgrafen Christoph von Baden aus dem Jahre 1485. ln über hundert Bestimmungen sind hier alle möglichen Verhältnisse und Vorfälle berücksichtigt, so das Weben selbst, die Tuche, die Preise, das Färben, das Halten von Gesellen, das Meisterrecht, der Verkauf und der Handel mit der fertigen Ware usw. Diese Ordnung ist zwar für die Wollenweber aufgestellt, sie kann aber in den Hauptstücken ebensogut auf die Leineweber Anwendung finden. Nach ihr als Muster mögen sich auch in den kleineren Gemeinden die Weber in ihrer Gemeinschaft gerichtet haben. Solche Ordnungen gaben dem Handwerk das innere Gerüsti sie verloren aber ihre Kraft, als sich das Zunftgefüge lockerte. Auf der letzten Stufe der Entwicklung sehen wir dann die Umbildung des Gewerbes ins Fabrikmäßige. Sie besteht darin, daß ein Fabrikherr eine Reihe von Webstühlen im Betrieb hat oder aber auch Garn ausgibt und es im Weg der Heimarbeit verweben läßt. Auch die Weberei auf dem Lande wird von dieser Umwandlung berührt. Für solche Fabrikherrn lag es dann nahe, nach der Einführung des mechanischen Webstuhls ihren Betrieb auf die Maschine umzustellen. Da jetzt die Tabakarbeit wieder ihren Anfang nahm, soll hier eine der bedeutendsten badischen Tabakgemeinden zu Wort kommen. Einige Kilometer nördlich von Karlsruhe, an der Pfinz gelegen, finden wir die arbeitsfreudige Tabakgemeinde Staffort, gegenwärtig mit einer Einwohnerzahl von annähernd 900 Seelen. Nach Westen zu bahnt den Blick in nicht allzuweiter Ferne der Hardtwald, und weiter nach Westen tauchen an klaren Tagen die bläulich verschwimmenden Höhen der pfälzischen Haardt auf. Ostwärts ragen die Hügelketten des Kraichgaues empor, und freundlich grüßt in hellem Weiß die liebliche Michelskapelle von der Anhöhe bei Untergrombach herüber. In dieser Umgebung liegt der Ort, der zum größten Teil von seinem angebauten Tabak lebt, der das Hauptverdienst der tüchtigen und geschäftigen Bauern bildet; Staffort steht und fällt mit seinem Tabakbau. Es ist unbekannt, seit wann hier bereits der Tabak angebaut wird, und woher die Landwirte die Tabakzucht übernommen haben. Doch wächst hier-schon seit denkbaren Zeiten das „edle Kraut"; höchstwahrscheinlich dürfte die Tabakkultur von den benachbarten Friedrichstalern übernommen worden sein, die in der Hardt bereits seit 250 Jahren den Tabak bauen. Die Landschaft der sandigen Hardt, in welcher der Ort in einer früheren Rheinschleife gelegen ist, bildet ebenes Gelände. Die gute und- günstige Bodenbeschaffenheit, mit der Staffort an der Spitze aller Tabakorte steht, hat die Gemeinde in die Lage versetzt, schon lange Zeiten hindurch einen ausgezeichneten Qualitätstabak anzubauen, der sich sehen lassen kann, und überall geschätzt und begehrt ist. Bedingt durch die schweren Kriegsschäden mit ihren unerfreulichen Folgeerscheinungen war in den ersten Nachkriegsjahren der Tabakanbau etwa um die Hälfte zurückgegangen. Mit dem Fortgang des Wiederaufbaues hat sich die Lage aber wieder bedeutend gebessert, so daß heute bereits wieder die Friedensanbaufläche von rund 58 Hektar fast erreicht ist. Der ganze Jahresablauf im Dorf steht im Zeichen des Tabakanbaues und seiner Aufzucht. Schon im zeitigen Frühjahr, kaum daß der Frost etwas abreagiert hat, etwa Ende Februar bis Anfang März, werden die Tabaksamen eingeweicht, bis sie zu keimen beginnen. Um Mitte März herum gelangen alsdann die gekeimten Sämlinge auf Gartenbeeten oder unter Glas-, Zement- und Holzkästen zur Aussaat. Zum Schutz gegen Frost, der sich in dieser Zeit noch immer wieder vereinzelt einstellt, deckt man die Beete mit Ölpapier zu, das gegen Windverwehungen mit Steinen beschwert wird. Um diese Zeit kommen zahlreiche auswärtige Tabakpflanzer in unsern Ort, um hier tausendweise die Tabakpflanzen zum Setzen aufzukaufen, womit auch schon ganz schöne Einnahmen verbunden sind. Nachdem die für den Tabakanbau vorgesehenen Äcker schon einige Zeit vorher gut gedüngt worden sind, was beim Tabak besonders wichtig ist, werd^ im Monat Mai, meistens nach den „Eisheiligen", die jungen, zarten Tabakpflänzchen in genau bemessenem Abstand auf die Acker gesetzt, wobei alles aus der Familie mithilft. Damit die Pflanzen schön leichmäßig zu stehen kommen, wird der Acker eim Setzen mit einem großen vier- und fünf- zinkingen Rechen längs und quer durchgezogen. Auch hier bürgert sich mehr und mehr der so viel propagierte Frühsatz ein, da hierdurch die Reife begünstigt werden soll. Etwa 5 bis 8 Tage nach dem Setzen werden die Tabakfelder gehackt, etwa 2 bis 3 mal, wobei gleichzeitig etwa eingegangene Pflanzen nachgesetzt werden. Anschließend erfolgt das Häufeln. In den folgenden Monaten muß dann das Wetter ein übriges tun, damit die Tabakpflanzen gut gedeihen und vorwärtskommen. Der Tabak wird allmählich größer und kräftiger, und die ausgedehnten, Stattlichen Tabakfelder in der Gemarkung bieten bei günstiger Witterung ein prächtiges Bild. Hat der Tabak eine bestimmte Größe erreicht, nimmt die weitere Arbeit ihren Fortgang. Die Spitzen der Pflanzen, d. h. die Blütenköpfe, werden abgebrochen, was man in der Tabaksprache mit „Köpfen" bezeichnet, damit alle Kraft in die Blätter geht, diese sich besser entwickeln und möglichst groß werden. Einige Zeit später wird er „gegeizt", d, h., die entstandenen Seitentriebe (Geizen) werden entfernt, was etwa im Monat Juni mehrmals geschieht. Die Reife beim Tabak erfolgt von unten nach oben. In normalen Anbaujahren beginnt die Ernte etwa Ende Juli oder anfangs August. Ist diese Zeit herangekommen, dreht sich die gesamte Arbeit Die Handweberei hat nicht ohne weiteres der Maschine das Feld geräumt. Besonders auf den» Lande hielt sie sich noch eine Zeitlang, auch dann noch, als sich in den Städten die neu« Webweise durchgesetzt hatte. Die Kundschaft der Weber auf dem Lande waren die Bauernfamilien, die das handgewebte Leinen nicht missen wollten. Daneben erteilten auch die Fabrikherren in der Stadt kleinere Aufträge. So schlu- en sich die Weber schlecht und recht durch, ie hechelten den Leuten neben der Webarbeit den Hanf und drehten wohl auch den Bauern aus den Kuderabfällen ihren Bedarf an Seilen. Die Weber waren im allgemeinen eine muntera Gesellschaft. Ihr Handwerk war mühsam; wenn sie aber die Arbeitswoche hinter sich hatten und Geld in den Beutel bekamen, waren sie guter Dinge. Noch heute wissen ältere Leute zu erzählen, wie es in den Wirtshäusern hoch herging, wenn die Weber von der Ablieferung ihrer Ware nach. Hause zogen. Aber die Aufträge wurden immer karger. Nach 1900 klapperte im oberdeutschen Gebiet nur noch hie und da vereinsamt ein Webstuhl auf einem Dorfe. Die letzten Handweber haben um 1910 ihren Betrieb eingestellt, aber auch in den letzten Jahren wurde wieder mancher Versuch zur Wiederbelebung gemacht. im Dorf fast nur noch um den Tabak, wozu alles, groß und klein, anzutreten hat. Die Schule wird geschlossen, damit auch die Kinder mithelfen können. Auch von auswärts kommen zahlreiche Bekannte und Verwandte, um teilzunehmen und die Arbeit zu beschleunigen. Noch bevor die eigentliche Ernte ihren Anfang ni mm t, sind bereits die untersten Blätter, die sogen. Grumpen, abgemacht worden, die schon braun oder gelblich werden, wenn die übrigen Tabakblätter noch gänzlich grün in ihrer vollsten Entwicklung begriffen sind. Die gesammelten Grumpen werden nun irgendwo im Haus zur völligen Trocknung ausgebreitet. Da sie schon ziemlich dürr Sind, können sie nur in den frühen Morgenstunden geholt werden, wenn die Luft noch feucht und tauig ist. Nach dem Trocknen sind die Grumpen bereits völlig rauchfertig, wenn sie nicht für andre Zwecke noch verarbeitet werden. Mit dem Einsatz der Ernte wird das weitere Tabakgut in einem Abstand von etwa 8 bis 14 Tagen gebrochen. Zuerst kommen die Sandblätter an die Reihe, d. h., die unteren 4 bis -6 Blätter, wenn sich die Blattspitzen umbiegen und gelb werden, und sich außerdem gelbe Blattränder zeigen. Auch machen sich auf den -ilattflächen. helle;, durchscheinende Stellen bemerkbar, die sogen. Ölflecken, Es folgt das Mittelgut (2 Blätter), Haüptgut (6—10 Blätter) und das restliche Öbergut. Nach einiger Zeit wird zum Schluß noch der Nachtabak geerntet, das sind die Blätter, die inzwischen noch nach- gevfachsen sind. Draußen auf den Feldern werden die gebrochenen Tabakblätter zu Bündeln zusammengelegt und alsdann mit breiten Tabakbändern zusammengeschnürt. Mit Pferde- oder Kuhfuhrwerken weiden die Bündel heimgefahren, was meistens vormittags geschieht. Da sitzt dann groß und klein .vom Nachmittag bis tief in die Nacht hinein beisammen zum Einfädeln, worin alles durch die jahrelange Übung eine große Geschicklichkeit erlangt hat, selbst die Kinder. Bei dieser Arbeit werden Geschichten erzählt, Lieder gesungen oder auch Dorfneuig- keiten ausgetauscht. Dorfbewohner, die wenig oder gar keinen Tabak anbauen, helfen hierbei hilfsbereit da und dort den ändern Tabakpflanzern beim Einfädeln. Nach Beendigung der Tagesarbeit gibt es meistens noch einen kleinen Imbiß. Die Einfädelarbeit des Hauptgutes nimmt bei normaler Ernte etwa 14 Tage in Anspruch. Nach dem Einfädeln werden die Büschel reihenweise auf dem Speicher, den Scheunen oder auch an den Häuserfronten unter dem Dach zum Trocknen aufgehängt, bis die Blätter dachtrocken oder dachreif sind. d. h., wenn sie alle schön braun und dürr geworden sind, was einige Wochen dauert. Nach dem- Abnehmen werden die Büschel zusammengelegt, bis sie zur Verwiegung kommen und von den Firmen abgeholt werden, bei denen der Tabak noch weiter zubereitet (fermentiert) und zu den fertigen Tabakwaren verarbeitet wird. So nimmt in unserm Dorf die Tabakemte die ganzen Sommermonate fast restlos in Anspruch. Bevor die einzelnen Tabakspezies von Zeit zu Zeit verwogen werden, werden Proben im Rathaussaal aufgelegt, wozu sich dann die auswärtigen Kaufinteressenten einfinden, um den Tabak genau und gründlich auf seine Beschaffenheit, Farbe und Brennbarkeit zu prüfen. Er darf nicht zu trocken und auch nicht feucht zur Verwiegung kommen, da sonst mit Abzügen zu rechnen ist; auch dürfen keine verschiedenen Tabaksorten miteinander vermischt werden. Zu den in den letzten Jahren wieder eingeführten Tabakeinschreibungen in Schwetzingen begibt sich jedesmal eine Kommission aus der Gemeinde, um beim Verkauf einen möglichst günstigen Preis herauszuschlagen, dorthin. Besonders gesucht ist das Stafforter Zigarrenmaterial) für den Ort ist daher die Zigarre Trumpfl Wenn durch die Ortsschelle verkündet wird, daß am Abend in den einzelnen Wirtschaften das Tabakgeld ausgezahlt wird, erwacht in allen Tabakhäusem eine freudige Stimmung, und die Ausgabe bedeutet zugleich einen kleinen Feiertag. Anschließend geht es dann in den Wirtschaften hoch her; es wird tüchtig gegessen und getrunken und auch dem „blauen Dunst" tüchtig zugesprochen, denn jeder Tabakpflanzer ist auch ein eifriger Raucher. Die Einnahmen aus dem Tabakertrag bannen wieder für einige Zeit die harten Alltags- und Zahlungssorgen, von denen auch unsere Gemeinde nicht verschont ist. Mit dem Verkauf hat die Arbeit um den Tabak wieder während der Wintermonate Ruhe, bis im nächsten Frühjahr die gleiche Arbeit von neuem beginnt. Hermann Schumann. Die letzte Ausfahrt Erzählung von Hans Uahl In einen alten Harnischkasten hatten sie den toten Sickingen gesteckt. In einen Schrank also, wie er in der Rüstkammer stand. So faßten morsche Bretter einen Körper Hülle eines Geistes, der sich angeschickt hatte, sein Janrhundert aus den Angeln zu heben. Nun war der heimliche Kaiser tot. Der große Franz war körperlich nicht hoch ewachsen. Dennoch hatten die Köcne des andgrafen Mühe, den Leichnam in das enge Behältnis zu zwängen. Sie mußten dem Ritter dje Knie beugen. Dem Toten den Nacken zu beugen, wagten sie nicht. Nur die Arme winkelten sie ihm an, so daß Franz dalag, als hebe er die Fäuste. „Rasch hinab mit ihm", hatten die Sieger befohlen. Moritz, der Kurfürst, der Landgraf Philipp und der Kirchenfürst, sein härtester Gegner. Es war so, als fänden sie die Ruhe nicht, das Erbe des Gestürzten zu teilen, bevor Frans nicht unter der Erde war. Sie waren erbarmungslose Sieger. Auch dem Toten gönnten sie die Luft nicht mehr, die auf Nanstein sein Antiitz umspielte. So hat man in der Nacht noch, die dem Tage folgte, an dem der letzte Ritter seinen Verletzungen erlegen war, Franzens Leichnam eingesargt, ihn in den nächstbesten Schrank gezwängt, um nicht abwarten zu müssen, bis ein Schrein zur Stelle war. Franz rächte sich auf seine Weise. — Des Landgrafen Köche hatten eben den Kasten vernagelt, drinnen der Tote lag, als dis Landstuhlei Bauern gezogen kamen, an der Bahre ihres Ritters und Herrn vorbeizutreten, wie es Sitte war. Barsch verjagten die Kriegsleute der Fürsten die Bauern und Weiber. So zogen sie verwirrt und erschrocken wieder zu Tal. Der Franz, der Herr war wohl überhaupt nicht tot, so hieß es, er war verwundet und gefangen. Wer mochte den Franz in Fesseln zu halten? Niemand! So war es wohl beschlossen, daß sie den Franz töten wollten I Schmerz und Ohnmacht über die Schmach wühlte in den Herzen Wo war der Franz? Der Nansteiner Berg ist steil. Mit starken Seilen banden die Knechte der Sieger den Harnischkasten und begannen, ihn über den Burgberg hinabzulassen ins Tal, um die Kiste eilends in der Marienkapelle von Landstuhl beizusetzen. Sie wanden die Stricke um Bäume, sie schufen dem Sarg freie Fahrt. Fackeln leuchteten. „Laßt los", befahl des Landgrafen Oberkoch und Leibvertrauter. Und der Ritter Franz rutschte auf seine? letzten Fahrt >n seinem alten Harijischkastei) ins Tal. Polternd riß das morsche Holz seind Bahn durch Heidekraut und Gestrüpp und klemmte sich zwischen Felsen. Die Fracht wurdä von schnellen Händen aus dem Spalt gestemmi Die Fahrt begann aufs Neue. Von der Burg kamen derweilen die Bauern herunter. Trauer und Leid in den Mienen, Der Fackelschein zog sie an. „Des Franzen Gold! Sie schaffen des Franzen Schätze fort", raunte es durch den Wald. „Platz da, Bauern" schrien die Knechte. Die Bauern standen wie Mauern. Der Schrankkastei} fuhr krachend gegen einen Felsblock und da« morsche Holz zerbrach. Im gespenstischen Licht der Fackeln bäumte sich der Leichnam empor. Die eingebogenen Kniee streckten sich. Sekun* denlang stand der Franz aufgereckt und so, als lebe er, zwischen Knechten und Bauern und die Fackeln beleuchteten sein blasses Gesicht. „Der Herr'-', schrien die Bauern. „Er lebt!" Panischei Schreck ergriff die Knechte. Sie stürzten in Nacht und Dunkel davon. Der Leichnam sank ins Heidekraut des Nansteiner Berges zurück Die Bauern von Landstuhl fanden ihren Ritter. Sie trugen ihn auf den Schultern hinunter zur Kapelle. Anderentags schleppten die Köche des Landgrafen den leeren Harnischkasten, Franz von Sickingens Sarg, dem toten Ritter nach. Erst nach 20 Jahren durften die Söhne des Toten die Überreste des Vaters in die große Pfarrkirche von Landstuhl überführen, wo der Ritter Franz noch heute ruht. — Zroci Kulturzeitfdrfften am Oberrhein Die neuen Grenzziehungen seit 1945 haben die Eigenart und das' Selbstbewußtsein der alten Kulturlandschaften nicht beeinträchtigen können. Der pfälzische Volkscharakter ist lebendig geblieben und findet in den Volksfesten des Jahreslaufs immer wieder neuen Ausdruck. Die seit kurzem wieder erscheinende Heimatzeitschrift „Die Pfa 1 z am Rhein" (Verlag D. Meininger, Neustadt) beschreibt in ihrem soeben erschienenen 7. Heft die Rosen von Zweibrücken, die Parks von Landau, den Dürk- heimer Rittersporn und das Leininger Land. Aber auch inmitten des Industrielandes entdeckt der Heimatfreund immer wieder herrliche Schöpfungen, z. B. die Wallfahrtskirche in Oggersheim von Verschaffelts Hand. Auch die repräsentative Zeitschrift des badischen Landes, die unter dem Titel „Bade n" im Verlag G. Braun (Karlsruhe) erscheint, hat ihr Sommerheft (Nr. 3) vor allem der Naturbeschreibung gewidmet Den Reichtum der badischen Pflanzenwelt schildert Erich Oberdörfer, den Zusammenhang zwischen Landschaftsform und Erdbeben erklärt L. G. Hirsch, in die Tierwelt Badens führt uns Herbert Wendt. Als bedeutendstes Volksfest der nächsten Wochen wird ln der Zeitschrift „Baden" das Zwetschgenfest in Bühl am 6. August angekündigt. Gleichzeitig begeht das alte Ettlingen den Sibvlla-Tag. €inc füööeutfche Tabakgemeinöe BLICK IN DIE WELT Hinter den Gittern von Sing-Sing Der moderne Strafvollzug in den USA — Sträflinge bewachen sich selbst beitslohn ist unterschiedlich hoch; er schwankt, je nach der Anstalt, zwischen einigen Cents und einem Etwa 50 km nördlich von New York liegt mauern; im Los Angeles County Detentlon bis zwei Dollar am Tag. das Zuchthaus Sing-Sing, bekannt in der Camp sieht man wohl das erste völlig offene Die Trustees in Kaliforganzen Welt, benannt nach dem Städtchen Straflager der zivilisierten Welt mit unver- nien bringen es sogar Ossining. Vor hundert Jahren regierte hier schlossenen Baracken und ohne Wachperso- auf 2 -15 Dollar täglich, die Peitsche als das durchschlagende Erzie- nal. Die Sträflinge bewachen sich selbst, wie Stillwater erzielte schon hungsinstrument ' Später kam dei Leder- denn überhaupt die Erkenntnis des pädago- jährl. Reingewinne von riemen zu Wort. Dem Gefangenen wurde ein gischen Wertes der Selbstverwaltung mit 30 000, Kilby Prison in in leichter Salzlösung getränktes dünnes eigenem Disziplinargericht sich immer mehr Alabama schon 200 00C Hemd angezogen, und dan klatschte der durchzusetzen scheint und, wenn die Ent- Dollar. Der Gewinn soll Riemen auf seinen Körper Andere aufsässige Wicklung erst einmal ihre Kinderkrankheit zur Verbesserung des Sträflinge wurden krummgeschlossen,' in den abgelegt hat, eine völlige Umgestaltung des Block gespannt, wieder andere mußten ange- Strafvollzuges bringen soll. Ziel ist das Prin- bunden zwei bis zwölf Stunden stehen, oder zip der geistigen Führung unter Vermeidung man begnügte sich auch mit der schmerzhaf- jeglicher Gefahr der Bandenbildung. Diese ten Fesselung allein. Der Gefangene war Entwicklung kann allerdings nur langsam Sklave des Staates, seine Erhaltung Sache ausreifen. der privaten. Wohlfahrt, sein Los der ewig Weitere wichtige Vergünstigungen liegen in bohrende Hunger, nicht selten der Hungertod, der Schulung, im eigenen Gefängnisunterricht Der Gegenwart angepaßt durch Mitgefangene und in der Teilnahme an r, ; _ .. , , . , .. j » oj. . Fernkursen. Die Zukunft des Gefangenen Di« Zeiten haben sich geändert, die Strafen nach Entlassung steht im Mittelpunkt der Betreuung, wie auch das tägliche Arbeitspensum vor allem die berufliche Fortbildung anstreben soll. Daß es dabei auch Auswüchse gibt, liegt in der Natur des Menschen begründet. Geschäft mit der Außenwelt Schon vor 25 Jahren wurden in den Strafanstalten der USA jährlich für rund 50 Millionen Dollar Waren erzeugt und verkauft; in den Nordstaaten, zählen indessen jene An- zigsten Chance, noch einstalten, die alle ihre Gefangenen dauernd Leben das Licht vollauf beschäftigen können, zu den Ausnahmen wie etwa Stillwater in Minnesota, das einer riesigen Fabrik gleicht. Hier werden landwirtschaftliche Maschinen und Geräte hergestellt. In den Südstaaten liegen die Verhältnisse günstiger, vor allem in Georgia. Hier haben sich der fortschreitenden Zivilisation angepaßt: statt Rutsche, Einzelhaft oder Entziehung von Privilegien. Abzug von „good- time“-Tagen, die den Zeitpunkt der Entlassung vorveriegten; statt Hunger ausreichende Nahrung in sauberen Eßsälen. Der Gefangene holt sich sein Essen selbst, er bestimmt die Mengen an Suppe, Kartoffeln, Gemüse und Fleisch nach seinem Wunsch. An Feiertagen gibt es Br ten und Geflügel, das Brot ist nicht rationiert. Und vor allem: statt Müßiggang — Arbeit und Sport. Viele amerikanische Strafanstalten . haben sich mit kühnen, fast zu modernen Experimenten im Strafvollzug einen Namen gemacht. einige sind über das Ziel hinausgeschossen. andere blieben rückständig. Die ein- ze’nen Staaten ließen dem Gefängnisleiter. • .„W't’don“ genannt, freie Hand und räumten ih n große Freiheiten ein. Das mag der Grund sein, vielleicht auch der häufige Wechsel in der Leitung. Sing-Sing hatte in 72 Jahren Gefangenenloses beitragen. Auch Helfer der Wissenschaft Als die Sträflinge in verschiedenen Anstalten zum erstenmal vor fünf Jahren von der Nachfrage der Ärzte nach Freiwilligen hörten, die zur Erprobung eines neuen Malaria - Serums gebraucht wurden, gerieten sie in Begeisterung. Obwohl ihnen keinerlei Versprechungen gemacht worden waren, spekulierten die besonders schweren Fälle unter ihnen mit der ein- der Freiheit zu sehen. In den letzten 5 Jahren wunder 700 Sträflinge künstlich mit dem Gift der Malariafliege infiziert. Gegenwärtig herrscht die Arbeit des Straßenbaus vor oder liegen 25 Gefangene mit die Arbeit in den staatlichen Straffarmen, die Malariafieber unter Be- Kanzler ür. Adenauer befindet sich zur Zeit in der Schweiz in erster Linie der Selbstversorgung dient. obachtung im Hospital, zur Erholung. Hier macht er gerade mit seiner Tochter Lotte einen In einigen Staaten bedient man sich auch Vier Sträflinge mußten Spaziergang auf dem Bürgerstock am schönen Vierwaldstätter See. 36 Warden: ein neuer Job holte sie immer heute noch des sogenannten Lease-Systems, bisher die Versuche mit wieder weg. Auch das ist amerikanisch. nach dem die Gefangenen einem Privatunter- dem Leben bezahlen, und doch gibt es immer Die wichtigste Vergünstigung neben der nehmer verpachtet werden. Der Sträfling noch genug freiwillige Optimisten, die in die Chance, sich „goode-time“-Marken zu ver- kommt unmittelbar unter die Gewalt einer Lücken treten; wurden von den 700 Sträflin- ächaffen. ist das Hofprivilegium. Nach der Privatperson; mit seiner Arbeitskraft und Ge- gen bisher doch 150 nach glücklich verlaufe- Arbeit, am Weekend und an Feiertagen kann sundiheit wird oft Raubbau getrieben. Der Ar- nem Versuch auf freien Fuß gesetzt. In den der Sträfling sich mehrere Stunden frei im Hof bewegen bei Leichtathletik-, Ballspiel- und Wettspieltraining. Die Gefangenen bilden Sportmannschaften; sie treten auch gegen bürgerliche Vereine und nicht selten gegen. Teams aus Gefängnisaufsehern an. Sträflinge mit Gewehren Besonders vertrauenswürdige Sträflinge werden selbst zu Aufsehern ernannt, wie in Arkansas und Mississippi, wo sie bei Außenarbeiten als „trustees“ sogar mit Gewehren bewaffnet sind. Im Staatsgefängnis von Santa Fe traf eine Kommission Trustees an die zusammen zu 99 Jahren verurteilt waren Sie hatten die gleiche Verpflegung wie die zivilen Straßenarbeiter, Wochenendurlaub -oder Ausgang mit Kino- und Gasthgusbe- such bis tief in die Nacht und ohne Begleitung. Flucht ist so gut wie ausgeschlossen. Für die Festnahme Entflohener ist ein Kopfpreis von 200 Dollars ausgesetzt, die von den Gefangenen aufgebracht werden müssen. Der Trustee wird bei Vertrauensbruch zur Nummer niedrigster Ordnung degradiert, er sinkt unter die Masse der übrigen Gefangenen herab. Schwere Disziplinarstrafen und die verletzten Gefühle seiner Mitgefangenen erwarten ihn, und die Hoffnung auf gnadenweise Entlassung ist dahin. Diese kluge Lösung des Fluchtproblems führte in Virginia zum cs-,, «Strafanstalt otno Außen- tBiicgecticfte Jkimessitmen wm heute m u mm