BRUCHSALER POST SÜDD. HEIMATZEITUNO FÜR KRAICHOAU UND BRUHRAIN h mmmm m mm m mmmmm—m mmmm m m MMM mmmm^—^rnrn m bmm nm mbm«MMM■■M i Maaa ■■^^ Nummer 192 Samstag, den 19. August 1950 Einzelpreis 15 Pfennig Pensions- und Versorgungsgesetz Vorlagen durchliefen den Bundesrat — Verkehrsgesetze zum Teil ahgelehnt Malik beruft Geheimsitzung ein Was plant der Delegierte des Kreml? LakeSuccess (UP). Der sowjetische Delegierte und gegenwärtige Vorsitzende de» Weltsicherheitsrates, Malik, hat die anderen Mitglieder des Rates zu einer neuen internen Sitzung hinter verschlossenin Türen am kommenden Montag eingeladen. Die nächste offizielle Sitzung des Rates ist für den darauffolgenden. Dienstag angesetzt, um den indischen Delegierten genügend Zeit zu geben, die Stellungnahme der Delegationen zum Entwurf einer Resolution zu ergründen, nach der die Ausarbeitung eines Friedensvorschlages für die kämpfenden Gruppen in Korea einem Ausschuß der sechs kleineren Mitgliedstaaten des Sicherheitsrates übertragen werden soll. Düsseldorf (UP). Der Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes hat in einem Schreiben an Bundeskanzler Dr. Adenauer die sofortige Änderung der bisherigen „konzeptionslosen Wirtschaftspolitik“ der Bundesregierung gefordert und die Schaffung eines Preisrates auf Bundes- und Länderebene vorgeschlagen. Die „völlig unentschlossene“ Wirtschafts-. Politik habe ernste Versorgungsgefahren für die deutsche Wirtschaft und Bevölkerung heraufbeschworen, heißt es in dem Schreiben. Vom Bundeswirtsehaftsministeriuni werde sine Politik der freien Tür, vom Landwirt- «haftsministerium eine Politik der Isolierung, Marktverknappung und Preisstützung für die deutsche Agrarproduktion betrieben. Die Landwirtschaft habe durch ihren Drude auf die Tokio (UP). Die amerikanischen Truppen errangen am Freitag einen großen Erfolg im koreanischen Konflikt: In einem Zangenangriff aus Norden und Süden drückten sie den großen Brückenkopf im Naktong-B'ogen ein und trieben den Gegner in überstürzter Flucht über den Fluß zurück. Einige Widerstandsnester der Kommunisten halten sich zwar noch auf dem Ostufer des Flusses, als Bedrohung für die verbündeten Truppen hat der Brückenkopf aber zu existieren aufgehört. In diesem vernichteten Brückenkopf, der elf Kilometer tief und dreizehn Kilometer breit war, befanden Sich schätzungsweise 12 000 Mann nordkoreanische Truppen. Robert Müller von United Press berichtet darüber u. a.: „Nachdem sie sich tapfer verteidigt hatten, brachen die Nordkoreaner am Freitag zusammen, als der amerikanische Sturm wieder mit aller Macht losbrach. Aus der Luft wurden sie bombardiert, von der Artillerie eingedeckt, vom Feuer der automatischen Waffen zermürbt — und weiter und weiter drangen die Amerikaner vor und ließen ihnen keine Minute Ruhe. Es war mehr, als der Mensch bei aller Ausdauer ertragen kann. Am Freitag schmeckten die Nordkoreaner ihre eigene bittere Medizin. Am Freitag waren sie es, die in Panik und Auflösung flohen. Hunderte von ihnen blieben auf der Strecke, und ihre Leichen lagen wie verloren auf den Hügeln.“ Auch an der Ostflanke ihrer Front waren die Truppen der Vereinten Nationen erfolgreich. Südkoreanische Einheiten eroberten die Städte Pohang und Kigye zurück und bildeten eine geschlossene Front, von der aus sie den zurückweichenden Gegner weiter angreifen. Die größte Bedrohung der Verbündeten be- »teht gegenwärtig nördlich Taegu, wo »ine starke Streitmacht der Nordkoreaner, die »uf 30 000 Mann geschätzt wird, in Richtung auf die provisorische Hauptstadt Taegu vorstößt Südkoreanische Einheiten traten hier em Freitag morgen zum Gegenangriff an und wurden am Nachmittag von Truppen der amerikanischen 25. Division unterstützt. Mit Panzern, Fliegern und Artillerie versuchen die Verbündeten, dem Vormarsch des Gegners hier einen Riegel vorzulegen. Es hat aber den Anschein, als sei der eigentliche Kontakt mit der Hauptmacht des Gegners noch nicht zustandegekommen. Nach den letzten Meldungen wurden die Kommunisten etwa 20 km nördlich von Taegu aufgehalten. Im Gegenangriff wurden von den Verteidigern einige Kilometer Boden zurückgewonnen. Bonn (UP). Der Bundesrat beschloß am Freitag einstimmig, den Entwurf des Gesetze» über die Regelung der Versorgungsansprüche ehemaliger Berufssoldaten nnd der Flüchtlingsbeamten ohne Stellungnahme unverzüglich an den Bundestag weiterzuleiten. Dadurch soll eine schnelle Behandlung dieses Gesetzes ermöglicht werden. Dieses Verfahren wurde damit begründet, daß der Bundesrat nicht die Zeit gehabt habe, bei einer so weitreichenden Materie eine abschließende Stellungnahme fristgerecht vorzubereiten. Das Pensionsgesetz regelt die Versorgung von ehemaligen Berufssoldaten, von vertriebenen und verdrängten sowie von entnazifi- Außenhandelsverhandlungen erreicht, daß der notwendige und rechtzeitige Import wichtiger Nahrungsmittel verzögert worden sei. Der Deutsche Gewerkschaftsbund verweist in diesem Zusammenhang auf die „vorausschauende Politik der USA-Regierung“. Das geplante Preisgesetz sei nach Ansicht des DGB nicht ausreichend, da es keine generelle Vollmacht für die Regierung vorsähe, auch andere, als die im Gesetz genannten Preise auf besonderen Engpaßgebieten zu binden. Der DGB fordert abschließend die vorzeitige Einberufung des Bundestages, damit die zu treffenden gesetzlichen Maßnahmen spätestens am 1. Oktober rechtswirksam werden könn- ten. Diese -Vorwürfe wurden vöri Regieruiigs- seite sofort „als nicht der Wirklichkeit entsprechend“ zurückgewiesen. Inzwischen ist mit derRäumungTaegus begonnen worden. Ströme von Flüchtlingen wälzten sich auf den Straßen vorwärts, die von Taegu aus nach Süden und Südosten führen. Über 40 000 Personen haben die Stadt bereits verlassen. Straßburg (UP), Der Vizepräsident der Beratenden Versammlung, Jacini (Ital.), schlug vor, die parlamentarische Arbeit in Straßburg auf einige Empfehlungen zu konzentrieren, die man mit voller Unterstützung der öffentlichen Meinung Europas den Außenministern and den Parlamenten der Mitgliedernationen unterbreiten könne. Die Beratende Versammlung machte sieh diesen Standpunkt zu eigen und billigte mit 94 Stimmen bei zwölf Enthaltungen (darunter die Stimmen der britischen Labourfraktion) den Bericht ihres Ausschusses für allgemeine Angelegenheiten (politischer Ausschuß). Die Versammlung wird darin aufgefordert, an der Forderung festzuhalten, daß das Ministerkomitee als obere Körperschaft des Europaratesfolgende — vor drei Wochen von den Ministem zurückgewiesene — Empfehlungen annehme: 1. Jede Mitgliedemation ernennt einen Minister für europäische Angelegenheiten, der als Mitarbeiter des Außenministers seine gesamte Zeit und Energie solchen rein europäischen Organisationen wie dem Europarat widmen kann. 2. Empfehlungen der Beratenden Versammlung an die Parlamente der Mitgliedematio- nea sollen wedtergeleitet werden, wenn dies das Ministerkomitee mit einfacher Stimmenmehrheit beschließt. (Bisher war dazu ein einstimmiger Beschluß nötig). 3. Das Ministerkomitee soll sein Vetorecht auch in der Weise modifizieren, daß es jedem Minister gestattet ist, für eine Empfehlung der Versammlung zu stimmen, während er sich das Recht vorbehält, sie nicht sofort oder ganz in seinem eigenen Land anzuwenden. Französische und italienische Sprecher in der Beratenden Versammlung betonten, daß ihnen an einer britischen Mitwirkung in der zukünftigen europäischen Union genau so ge-- legen sei wie an der Union selbst. Die Vertreter der Kontinentalländer lehnten den britischen Vorschlag ab, ihre Pläne zum Zusammenschluß zunächst ohne Großbritannien vor-, anzutreiben. Diese bereits vor einigen Tagen- von dem Laboursprecher geäußerte britische Anregung war von Duncan Sandys, dem Schwiegersohn des konservativen ParteiAih- zlerten Beamten, die ihre Stellungen verloren haben. Die Bundesregierung ist nach Artikel 131 des Grundgesetzes zur Vorlage eines solchen Versorgungsgesetzes verpflichtet. Weiter billigte der Bundesrat den Entwurf eines Bundes Versorgungsgesetzes (Kriegsopferversorgungsgesetz). Danach soll die Versorgung der Kriegsgeschädigten einheitlich geregelt werden. Nach dem Beschluß des Bundesrates erlischt der Anspruch auf Versorgung, wenn das Einkommen bei Ledigen 400 DM und bei Verheirateten 500 DM im' Monat zuzüglich 25 DM für jedes Kind übersteigt Leichtbeschädigte sollen künftig nur. noch „Anerkennungsrenten“ erhalten. Die Grundrenten werden bei 30prozentiger Beschädigung auf 10 DM und bei 40prozentiger Beschädigung auf 15 DM herabgesetzt. Ehemalige Wehrmachtsangehörige ausländischer Nationalität sollen nach einem vom Bundesrat gebilligten Zusatzantrag nur innerhalb einer Kann-Vorschrift durch das Gesetz versorgt werden. Versorgungsberechtigte, die in Berlin wohnen, werden wie die Anspruehs- berechtigten im Bundesgebiet versorgt. Der Regierungsentwurf für ein Güterfernverkehr sgesetz wurde gegen die Stimme Hamburgs ohne nähere Aussprache vom Bundestag abgelehnt. Der Bundesrat beschloß, bei seinem eigenen Initiativentwurf für ein solches Gesetz zu bleiben. Auch die. Regierungsvorlage über ein Bundesbahngesetz verfiel vor dem Bundesrat der Ablehnung. Tjie Ländervertreter hielten, an dem vom Bundesrat vorgelegten Initiativentwurf eines Bundesbahngesetzes fest, der seinerseits wiederum von der Bundesregierung abgelehnt worden war, In der kurzen Aussprache wurde ein Antrag .des Finanzausschusses gebilligt, die Bundesbahn nur zu einer Rücklage von 300 statt 800 Mill. DM zu verpflichten, um die wirtschaftliche Selbständigkeit dieses Unternehmens nicht zu gefährden. Hingegen wurde der Entwurf eines a! 1 - gemeinen Eisenbahngesetzes mit einigen redaktionellen Änderungen angenommen. Das Gesetz sieht vor, das Eisenbahnnetz den Verkehrsbedürfnissen entsprechend za bedienen und zu erweitern. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung über die Rechtsstellung der rund 100000 heimatlosen Ausländer, die am 1. Juli in deutsche Obhut übergegangen sind, wurde einstimmig vom Plenum angenommen. rers Churchill, wiederholt worden. „Es besteht keine Notwendigkeit, daß wir alle den gleichen Weg gehen“, meinte Sandys. Er wiederholte, daß irgendwelche kontinentalen Nationen, die das Wagnis des Zusammenschlusses auf sich nehmen wollten, mit der Sympathie, dem Verständnis und der Unterstützung Englands rechnen könnten. Der frühere französische Ministerpräsident Reynaud, bekannt als Vorkämpfer der Europa-Idee, wies den britischen Vorschlag mit folgenden Worten zurück: „Sie meinten, wir sollten das Haus Europas bauen. Und dann, wenn es komfortabel eingerichtet ist, werden sie die- Wohnung übernehmen, die wir zu ihrer Verfügung halten. Wenn es aber über unseren. Köpfen zusammenstürzt, werden sie zu unserer Beerdigung kommen.“ Nunmehr wird die Versammlung über die- Möglichkeit einer baldigen Vertagung — etwa am Monatsende — entscheiden, um Zeit für eine zweite Sitzungsperiode in diesem Jahr zu gewinnen. Die Charte gestattet der Beratenden Versammlung nur eine Sitzungsdauer von insgesamt vier Wochen im Jahr, Wenn sich das europäische Parlament in der. kommenden Woche nach einer Sitzungsdauer von drei Wochen vertagt, würde es wahrscheinlich im Dezember noch einmal zusammentreten. Die Befürworter einer baldigen Vertagung argumentieren auch damit, daß die Abkürzung der gegenwärtigen Sitzungsperiode den Delegierten die Möglichkeit geben würde, nach Hause zurückzukehren und dort wichtige politische Fragen zu erledigen. Brentano soll Vizepräsident in Straßburg werden. Das Präsidium der Straßburger Versammlung soll um zwei Vizepräsidenten bereichert und einem deutschen Vertreter eine Vize-Präsidentschaft angetragen werden. Für diesen Posten soll von Brentano vorgeschla- gen werden. Europäische Postunion gefordert. Eine europäische Briefmarke und eine europäische Postunion als Vorläufer für ein Vereintes Europa forderte Bundespostminister Schubert n bei der Eröffnung der ersten deutschfranzösischen Briefmarken- Ausstellung in Mainz. Deutschlands Gleichberechtigung Von Willi Schickling In dem jetzt abiaufenden ersten Jahr seiner „amtlichen Existenz“ spielte Westdeutschland in der westlichen Gemeinschaft die Rolle eines heranwachsenden Sohnes, der das Stadium der Volljährigkeit noch nicht ganz erreicht hat. Die Familie hört sich zwar zuweilen seinerT Rat und seine Wünsche an, aber mitentscheiden läßt sie'ihn noch nicht. Am Vorabend des zweiten Jahres der Bonner Staatsschöpfung scheint Westdeutschland gute Aussichten zu haben, bald als „volljährig“ anerkannt zu werden und gleichberechtigt im Rate der westlichen Völker mitreden zu können. Denn man scheint auf der Gegenseile einiges aus der Entwicklung gelernt zu haben, zwar sehr spät, aber vielleicht doch noch rechtzeitig genug. Drei entscheidende Ereignisse des Sommers 1950 dürften diese Entwicklung beschleunigen: die Verhandlungen der westeuropäischen Kontinentalländer über den Schumanplan, die Aufnahme der Bundesrepublik in die europäische Beratende Versammlung und vor allem die neuen Impulse füf die Verteidigung des Westens, die von dem koreanischen Alarmsignal ausgehen. Die wachsende Neigung, die Bundesrepublik in irgendeiner Form an der Verteidigung Westeuropas zu beteiligen, muß zwangsläufig zur Vergrößerung ihrer Rechte führen. Denn eine deutsche Mitarbeit an der großen politisch-strategischen Gesamtkonzeption des Westens läßt sich naturgemäß nur dann erreichen, wenn man die Bundesrepublik als gleichberechtigten Partner ansieht, der für sich selbst verantwortlich ist und für den nicht ändere die volle Verantwortung übernommen haben. Aber auch die Beteiligung Deutschlands an dem Plan des französischen Außenministers zur Zusammenlegung der westeuropäischen Schwerindustrien setzt — nicht nur nach deutscher Ansicht — gleiche Rechte für den deutschen Partner voraus. In diesem Punkte begegneten sich zum Beispiel in den Wirtschaftsdebatten der europäischen Versammlung die Auffassungen des SPD-Sprechers Professor Nölting und des britischen konservativen Sprechers MacMillan: Nölting bezeichnete die Beseitigung der Deutschland auferlegten Produktionsbeschränkungen und die Auflösung der Ruhrbehörde als Vorbedingungen für die deutsche Mitarbeit am Schumanplan, und MacMillan meinte einen Tag später, die volle Gleichberechtigung für Deutschland gehöre zur inneren Natur sowohl des Schumanplanes als auch des Gegenvorschlages der britischen Konservativen zu diesem Projekt. Die Annahme der Churchill-Resolution in der Straßburger Versammlung hat — unabhängig davon, zu welchem Ergebnis schließlich die Diskussionen um eine Europa-Armee führen werden — die Frage der deutschen Beteiligung am westlichen Verteidigüngssystem sc in den Vordergrund gerückt, daß der Westen einer Antwort nicht mehr allzu lange auswei- chen kann. In Verbindung damit hat Churchill den deutschen Sprechern für ihre Gleichberechtigungsforderung gute Argumente geliefert: So forderte der CDU-Sprecher Dr. Pün- der auf einer Pressekonferenz unter anderem die Änderung des Besatzungsstatuts als Vorbedingung für die etwaige Teilnahme Deutschlands an der Verteidigung des Westens, und die FDP verlangte neben der Revision des Besatzungsstatuts die Wiederherstellung der deutschen Souveränität, die Aufhebung des formellen Kriegszustandes und eine westliche Sicherheitsgarantie. Einen guten Einblick in die Erwägungen, die man in den Vereinigten Staaten in Bezug auf die etwaige Einbeziehung Deutschlands in das westliche Verteidigungssystem anstellt, geben die letzten Leitartikel der „New York Times". Das Problem einer deutschen Beteiligung kann nach Ansicht des Blattes gelöst werden, ohne „eine neue Gefahr zu schaffen“ Die Zeitung scheint zwar die Befürchtung deutscher SPD-Kreise zu teilen, daß eine deutsche Wiederaufrüstung möglicherweise eine sowjetische Aggression herausfordern würde, glaubt aber, daß diese Gefahr abgewandt werden könne, wenn der deutsche Schritt unter dem Schutz ausreichender alliierter Verteidigungskräfte erfolge. Die „New York Times“ sieht in der „Schaffung einer europäischen Armee innerhalb eines vereinigten Europa, die von Deutschland unterstützt, gleichzeitig aber die Wiederkehr deutscher mi- litärischor A mhfttnrmn wt4imH4n) Wirtschaftspolitik soll geändert werden Scharfer Brief des DGB an den Kanzler — Regierung weist Beschuldigung zurück Roter Naktong-Brückenkopl eingedruckt Schwere Kämpfe an verschiedenen Frontabschnitten — Räumung Taegus begann Für europäische Föderation Empfehlungen an die Außenminister gebilligt — Baldige Vertagung in Straßburg Samstag, den 19. August 1950 Besatzungsstatut soll geändert werden Vorbereitungen in London — Bald wieder ein deutsches Außenministerium eine diskutable Lösung des Problems der Wiederbewaffnung Deutschlands. An anderer Stelle interpretierte die einflußreiche amerikanische Zeitung die gegenwärtig vorherrschende Auffassung dahingehend, „daß Deutschland mit Hilfe der Deutschen irgendwie gestärkt werden muß". Die etwaige Wiederbewaffnung dürfe aber weder dem deutschen Nationalismus und Militarismus neuen Auftrieb gebep, noch den Deutschen die Möglichkeit verschaffen, eines Tages ein Bündnis mit Rußland zu schließen. Die Zeitung ist andererseits über die Motive besorgt, die nach ihrer Ansicht hinter der ablehnenden Haltung mancher deutscher Sprecher gegen die Aufrüstung stehen. Sie sieht darin einen Mangel an Begeisterung für die Sache des Westens sowie die Tendenz, die gegenwärtige Rivalität zwischen Ost und West zu einem möglichst vorteilhaften Geschäft auszunutzen. Die „New York Times“ kommt zu der Schlußfolgerung, daß die deutsche Mitarbeit für den Westen pur dann von Nutzen sei, wenn die Bundesrepublik ohne opportunistische Hintergedanken als „Freund und Verbündeter“ für die gleichen Ideale eintrete wie die Westmächte. London (UP). Die Ermächtigung der westdeutschen Bundesregierung, ein eigenes Außenministerium zu schaffen nnd diplomatische Vertretungen im Ausland zu unterhalten, wird — wie aus gut informierten Kreisen verlau- . tet — auf der Konferenz der drei Außenminister der westlichen Großmächte vorge- schlagen werden, die im kommenden Monat in New York stattfindet. Vertreter der drei Großmächte — der amerikanische Botschafter in London, Douglas, der Leiter der Deutschland-Abteilung im Foreign Office, Sir Donald Gainer und Frangois Sey- doux vom französischen Außenministerium, beraten zur Zeit in der britischen Hauptstadt über die Revision des westdeutschen Besatzungsstatuts. In hiesigen Kreisen rechnet man fest damit, daß sie außer einigen anderen Änderungen des Statuts den Außenministern empfehlen werden, der westdeutschen Bundesregierung eine weitgehende, wenn auch nicht vollständige Kontrolle über deren auswärtige Beziehungen zu überlassen. Keine Zusicherungen Sprecher der Bundesregierung dementierten Berichte, daß Bundeskanzler Dr. Adenauer von den drei Hohen Kommissaren am Donnerstag bestimmte Zusicherungen für eine Erhöhung der deutschen Stahlquote erhalten habe. Gleichzeitig wurden Meldungen als unzutreffend dargestellt, nach denen die Allüer- ten einer Erweiterung der Polizeigewalt des Bundes zugestimmt und größere Lebensmittelsubventionen gebilligt haben sollen. Informierte Kreise erklären, Dr. Adenauer habe in seiner dreistündiger Konferenz auf dem Petersberg zwar über diese Fragen gesprochen. Es sei aber weder eine Entscheidung gefällt noch eine Zusicherung der Alliierten gegeben worden. - Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang aber, daß der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums McDer- mott, sich am Freitag weigerte, zu der Forderung Bundeskanzler Dr. Adenauers nach einer deutschen Verteidigungsgruppe, die der Volkspolizei der Sowjetzone gleichwertig ist, Stellung zu nehmen. Die Forderung nach einer derartigen Verteidigungsgruppe, die Dr. Adenauer in einem Intertiew mit der „New York Times“ aussprach, erregte in der amerikanischen Presse große Aufmerksamkeit. „Achesons Pfuschpolitik in Westeuropa“ Stimmen scharfer Kritik in Amerika Washington (UP). Der demokratische Abgeordnete Sikes verlangte im Repräsentantenhaus die Abberufung der führenden amerikanischen Militärs in Korea und ihre Ersetzung durch neue Kräfte. Gleichzeitig beschuldigte der republikanische Senator Wherry Acheson, er habe durch seine „verpfuschte“ Politik, die eine Wiederaufrüstung Westdeutschlands verhindere, den Sowjets „einen offenen Korridor nach dem englischen Kanal“ überlassen. Acheson habe mit seiner Pfuschpolitik in Westeuropa dem Frieden nicht gedient, als el jahrelang versuchte, Westdeutschland den rachesüchtigen Morgenthauplan aufzuzwingen. Eddy übernimmt Europa-Kommando Plan für Verteidigung Deutschlands? Heidelberg (UP). Generalleutnant Eddy hat den Oberbefehl über die amerikanische Armee in Europa übernommen. Der 57jährige General ist Nachfolger von Generalleutnant Hübner, der nach Erreichen der Altersgrenze in die USA zurückgekehrt ist. In einer Pressekonferenz kündigte Eddy an, die amerikanischen Truppen in Europa würden mit neuen Waffen versorgt werden. An eine Verstärkung der StreitkräQe in Deutschland sei jedoch nicht gedacht. Militärische Kreise sind der Ansicht, Eddy werde zunächst einen Plan für die Verteidigung Deutschlands ausarbeiten. Ghurchillplan-Konlerenz bei Adenauer Straßburg-Delegierte unterrichten den Kanzler — Neue Polizeibesprechungen Neue Lastenausgleich-Vorschläge Beratungen demnächst im Kabinett Straßburg (UP). Bundeskanzler Dr. Adenauer hat drei führende Mitglieder der deutschen Straßburg-Delegation für kommenden Dienstag zur Berichterstattung über wichtige Einzelfragen nach Bonn gerufen, verlautet aus der deutschen Delegation. Die drei Delegierten — Dr. von Brentano (CDU/CSU), Dr. Schäfer (FDP) und Dr. Müh- Jenfeld (DP) — gehören alle der Regierungskoalition an. Dr. von Brentano ist bereits nach Deutschland abgereist. Dr. Adenauer will sich über den Stand der Verhandlungen berichten lassen, vor allem aber über den Churchill-Vorschlag zur Schaffung einer Europa-Armee nähere Einzelheiten erfahren, heißt es in Straßburg. Die Polizei-Verstärkung Beamte des Bundesinnenministeriums erörterten mit Vertretern einiger Länder Innenministerien erneut die Organisation der von den Alliierten genehmigten Verstärkung der Läpderpolizeien um 10 000 Mann. Es verlautet, daß jede der drei Besatzungszonen durch einen Beamten der- Länderinnenministerien vertreten war. Aus dem Bundesrat wird bekannt, daß in dieser Vorbesprechung der Vertreter der Bundes- und Länderministerien eine gemeinsame Auffassung über die einheitliche Organisation und Uniformierung sowie Westberlin soll Widerstand leisten Unaufhörliche SED-Propaganda Berlin (UP). „Es darf ijicht geduldet werden, daß Westberlin zu einer Igelstellung der amerikanischen Kriegsmaschine wird“, erklärte der zweite Vorsitzende der Ostberliner „Nationalen Front“, Maron (SED), auf einer Delegiertenkonferenz der „Nationalen Front“ im Berliner Sowjetsektor. Maron richtete hierbei auch an die Adresse Westberlins die Aufforderung, zusammen mit der SED den nationalen Widerstand zu verstärken. „Mit dem Verbot der Kommunisten“, so erklärte Maron dann weiter, „hat auch Hitler seinen Weg in den Krieg begonnen, und nach den, Kommunisten kamen alle anderen Demokraten an die Reihe. Die Parole .Deutschland den Deutschen — ami go home‘ müsse aus diesem Grunde die Parole aller patriotischen Deutschen sein“. D. Wurm zur Kriegsdienstverweigerung Ein Beitrag zur Gewissensprüfung Stuttgart (epd). Zur Frage des Krieges und der Kriegsdienstverweigerung erklärte Landesbischof D. Wurm einem Vertreter des epd, er halte Äußerungen von kirchlicher Seite, die als Abschwächung der uns drohenden Gefahr und als Unentschiedenheit in der Gegenwehr gedeutet werden könnten, für verfehlt „Eine andere Frage“, so fuhr der Landesbischof fort, „ist freilich die, ob man den Dienst mit der Waffe für jeden verbindlich machen dürfe und solle. Ein utopischer Pazifismus, der den zeitweisen Ausbruch der elementaren Kräfte des Bösen in dieser Welt mit menschlichen Mitteln verhindern zu können glaubt, kann sich nicht auf die Bibel berufen. Das Neue Testament läßt die Möglichkeit offen, daß dem, der aus Gewissensgründen ein blutiges Handwerk einfach nicht verrichten kann, es auch nicht aufgezwungen werden darf. Es gestattet aber auch dem, der sich zur aktiven Teilnahme an dem Schutz seines Landes und Volkes verpflichtet weiß, ein gutes Gewissen zu haben. Es müßte zur Verhütung der Kriege beitragen, wenn eine Regierung nur dann zu den Waffen greifen kann, wenn sie das Volk hinter sich hat Ein neuer Krieg würde eine solche Katastrophe bedeuten, daß man sich auch kirchlicherseits hüten muß, auch nur ein Wort zu sprechen, das die Maßgebenden ermuntern könnte zu dem Gedanken: Jetzt ist der Augenblick gekommen!“ Fuldaer Bischofskonferenz beginnt Auch ein Ostzonen Bischof nimmt teil Fulda (UP). An der Bischofskonferenz der deutschen katholischen Kirche vom 22. bis zum 24. August in Fulda werden sämtliche Kardinale, Erzbischöfe und Bischöfe in Deutschland teilnehmen. Zum ersten Mal seit 1945 wird zu der diesjährigen Konferenz auch die einheitliche Bewaffnung der neuen 10 0p0 Polizisten erzielt wurde. Von bayrischer Seite seien aber inzwischen gewisse Bedenken gegen diese zentrale Regelung geäußert worden. Nun wird sich wahrscheinlich erst der Ausschuß für innere Angelegenheiten des Bundesrates mit dieser Angelegenheit befassen müssen. Frankreich mahnt zur Beschleunigung Ein zweites Verteidigungs-Memorandum Paris (UP). Frankreich wiederholte in einem zweiten Memorandum seinen Appell an die Staaten des Nordatlantikpaktes, ihre Verteidigungsprogramme zusammenzulegen. Gewöhnlich gut unterrichtete Kreise berichten, daß dieses neue Memorandum ins einzelne gehende Vorschläge für die militärische, wirtschaftliche und finanzielle Organisation der Atlantikpaktverteidigung auf der Basis einer vollkommenen Zusammenlegung aller Vertei- digungsmittel enthalte. Wie diese Stellen sagten, schlage das Memorandum die beschleunigte Errichtung von Exekutivkörperschaften vor, deren Aufgabe es sein soll, alle militärischen, wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Fragen in Zusammenhang mit der Verteidigungsaufrüstung der Atlantikpakt- mäd\te zu behandeln. In dem Memorandum sollen- auch ins einzelne gehende Vorschläge für die Errichtung eines Finanzpools der Paktmitgliedstaaten enthalten sein. der einzige in der Sowjetzone residierende katholische Bischof Dr. Legge von Meißen, erscheinen. Die Fuldaer Bischofskonferenz wird von Kardinal Frings, Erzbischof von Köln, geleitet. Neben die Tagesordnung wird — wie in alten Jahren seit 1867, als die erste Konferenz stattfand — nichts bekannt. Von Neurath soll vor die Spruchkammer Verfahren auch in Abwesenheit Stuttgart (lwb). Der öffentliche Kläger der Zentralspruchkammer von Nordwürttem- berg in Stuttgart, Bauer, erklärte, die Spruchkammerverhandlung gegen ,den ehemaligen Reichsaußenminister Konstantin Freiherm von Neurath finde nötigenfalls auch in Abwesenheit des Betroffenen statt. Der öffentliche Kläger kündigte an, er werde den Antrag stellen, Neurath in die Gruppe der Hauptschuldigen einzustufen. Sollte die Kammer dem Antrag stattgeben, so würde das Vermögen des ehemaligen Reichsaußenministers, das auf eine halbe Million DM geschätzt werde, eingezogen werden. Am 9. Mai 1950 war vom öffentlichen Kläger die Anklage gegen von Neurath erhoben worden. Mitte Juli hatte der Verteidiger des Betroffenen, Dr. Fischinger, geltend gemacht, daß die Anwesenheit von Neuraths bei der Verhandlung unbedingt notwendig sei. Daraufhin hatte das württemberg-badische Befreiungsministerium über die amerikanische Landeskommission den Antrag auf Überstellung von Neuraths aus dem Gefängnis Spandau nach Stuttgart gestellt. Auf den Antrag ist bisher noch keine Antwort eingetroffen. Im vergangenen Jahr war ein gleicher Antrag von den alliierten Behörden abgelehnt worden. „Deutsche Gemeinschaft — BHE“ gegründet Stuttgart (lwb). Der Landesvorstand der „Deutschen Gemeinschaft“ in Württemberg- Baden hat einstimmig beschlossen, der Landesorganisation den Namen „Deutsche Gemeinschaft — Blöde der Heimatvertriebenen und Entrechteten“ zu geben. Mit dieser Ergänzung des Namens hat die „Deutsche Gemeinschaft“ dem Wunsch einer Gruppe von Heimatvertriebenen, Heimkehrern, Fliegerge- schädigten, Kriegsbeschädigten und „politisch Entrechteten“ Rechnung getragen, die in Württemberg-Baden einen „Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten“ gegründet hatten. Um jede Zersplitterung politisch gleichgerichteter Kräfte zu vermeiden, haben sie sich der „Deutschen Gemeinschaft“ angeschlossen.; 194 Millionen Steuer eingenommen Stuttgart (lwb). Das Land Württemberg-Baden hat im Monat Juli an Steuern, Zöllen usw. insgesamt 104 748936 DM eingenommen. Davon müssen 62 980181 DM an den Bund abgeführt werden. Einnahmen aus Umsatzsteuern, Beförderungssteuer, Zöllen, Tabaksteuer, Notopfer Berlin in Höhe von 34149 661 DM verhleiben dem Land. Den Rest erhalten Körperschaften. Bonn (ZSH). Die Bundesregierung wird sich in allernächster Zeit mit dem Gesetz über den endgültigen Lastenausgleich beschäftigen müssen, der seit Monaten im Mittelpunkt von Beratungen und Auseinandersetzungen stand. Wie verlautet, ist der ursprüngliche Entwurf des Bundesfinanzministeriums erheblich überarbeitet worden. Der neue Entwurf des Bundesfinanzministeriums soll weitgehend den Wünschen der Bundestagsabgeordneten, Interessentengruppen und der übrigen Bundesministerien Rechnung tragen. Nach diesem neuen Entwurf soll die Dauer des Lastenausgleiches für die gewerbliche Wirtschaft auf 28 Jahre, für den Hausbesitz auf 31 Jahre und für die Landwirtschaft auf 35 Jahfe verlängert werden. Die Belastung ist bei allen Vermögensarten mit 50 Prozent gleich groß. Auf diese 50 Prozent werden für die Dauer des Lastenausgleiches bei der gewerblichen Wirtschaft Abgaben in Höhe von 6 Prozent, beim Hausbesitz 5 Prozent und bei der Landwirtschaft vier Prozent erhoben. Die Vermögensteuer fällt für das mit einer Lastenausgleichsabgabe belastete Vermögen fort. - Für das unbelastete neu entstehende Vermögen wird ein Prozent Vermögensteuer erhoben. Bei den Freibeträgen ist im neuen Entwurf ein Freibetrag von je 2000 Mark für den Abgabepflichtigen und dessen Ehefrau vorgesehen. Für jedes Kind erhöht sich dieser grundsätzliche Freibetrag um 500 Mark. Überschreitet das abgabepflichtige Vermögen 20 000 Mark, so vermindert sich der Freibetrag für jede zusätzlichen 1000 Mark um 500 Mark. Durch diese neue Regelung wird das Kleinstvermögen in der Landwirtschaft und im Handwerk geschont. Die neuen Grundsätze sehen vor, daß Hausratschaden auf jeden Fall durch eine angemessene Entschädigung ahgegolten werden soll, die bis zu einer Höhe von 5000 Mark nach der Dringlichkeit gestaffelt ist. Das Kabinett wird sich, wie unterrichtete Kreise annehmen, zunächst über eine „Generallinie“ zu einigen haben. Im Anschluß daran soli dann der endgültige Regierungsentwurf ausgearbeitet werden. EUn Termin für die erste Kabinettsberatung über den Lastenausgleich ist noch nicht bekannt. Der Vorsitzende des Lastenausglekhsaus- schusses im Bundestag, Kunze (CDU), erklärte vor Pressevertretern, der endgültige Ekitwurf Mord an Belgiens Kommunistenfulirer Täter entkamen anerkannt Seraing (Belgien) (UP). Julien Lahaut, der Präsident der kommunistischen Partei Belgiens, wurde hier am Freitag abend in seiner Wohnung ermordet. Um 21.15 Uhr fuhr ein Wagen mit zwei Insassen vor dem Hause Lahaut« vor. Während einer der Männer am Steuer sitzen blieb und den Motor weiterlaufen ließ, läutete der andere an der Tür. Lahaut öffnete selbst Der Besucher feuerte sofort vier Schüsse auf ihn ab, die alle trafen, einer den Kopf, die anderen drei den Rumpf. Lahaut stolperte etwa zehn Meter zurück und brach dann in der Vorhalle zusammen. Ek war sofort tot. Der Mörder und sein Komplize entkamen, unerkannt Schöne Frauen und ein König Deaavilie wird überall genannt Deauville (UP). König Faruk von Ägypten ist mit seinem Gefolge in dem Seebadeort, Deauville eingetroffen, Das ursprünglich in Aussicht genommene Inkognito des ägyptischen Herrschers konnte in Frankreich nicht lange gewahrt werden. Über dem Hotel in Deauville, in dem Faruk wohnt, weht schon die ägyptische Flagge. Es herrscht allgemeines Rätselraten darüber, ob die schöne Ägypterin Narriman Sa- dek aus St Moritz, von wo sie plötzlich abreiste, in Deauville ein treffen wird. Verschiedene Gerüchte wollen sogar von einer Heirat der beiden wissen. Ein Teil der französischen Presse behauptet allerdings, daß die Reise König Faruks der französischen Sängerin Ansehe eine echte Vermögensverlagerung vor, ohne daß dadurch die Existenz der Wirtschaft gefährdet werde. Es sei nicht damit zu rech* nen, daß diese Vorlage noch wesentliche Änderungen erfahre. Eine wesentliche Neuerung gegenüber dem früheren Entwurf sei die Einschaltung der sozialen Freigrenze. Beratungen über Schumanplan Geplanter Staatsvertrag im Vordergrund Bonn dienende auf dem hohen Dörnberg bei i -1 in Wettbewerb. Es handelt sich um st ,-,t- gebaute Modelle aus allen Teilen Deutschlands und aus Österreich. Wettervorhersage Am Samstag heiter bis wolkig. Auch am Sonntag überwiegend freundlich. Wieder etwas wärmer. Höchsttemperaturen zwischen 20 und 26 Grad, nächtliche Tiefsttemperaturen 10 bis 13 Grad. Mäßige Winde um Südwest. ten Mal seine Arbeitstage für neue Kirchenmusik. An den Veranstaltungen nahmen über hundert Personen aus dem Bundesgebiet, aus der Sowjetzone, aus Holland und aus der Schweiz teil. Uraufführungen in Pforzheim. Das unter der Leitung von Intendant Erich Schudde stehende Pforzheimer Stadttheater beginnt bereits am 1. September mit der neuen Spielzeit. Neben zahlreichen deutschen Erstaufführungen, darunter „Rebekka“ von Daphne du Maurier, „Der Schuß in die Öffentlichkeit“ von Georg Kais»: und „Der Gesang im Feuerofen“ von Carl Zuckmayer bringt das Stadttheater als Uraufführung „Nackte Menschen“ von Rudolf Oswald Diehl sowie die Komödien »Jagd in Kalifornien“ von Reinhold Zickel und .Armer Liebling“ von Paul Bamett. Neuer Kapellmeister In Mannheim. Der bisherige erste Kapellmeister an der 'Berliner Staatsoper, Karl Fischer, ist für die kommende Spielzeit als erster Kapellmeister an das Mannheimer Nationaltheater verpflichtet worden. Das Schaaspiel in MiimhMm Der neue Schauspieldirektor des Mann heimer Nationaltheaters, Paul Riedy, beabsichtigt, in der kommenden Spielzeit als Uraufführung das Stück des jungen Autors Albert Klein, „Der neue Pygmalion“, herauszubringen. Wahrscheinlich wird auch Zuckmayer mit seinem „Gesang hn Feuerofen“ vertreten sein. Auch Stephan Andres* „Gottes Utopia“, das er nach seiner Novelle „Wir sind Utopia“ geschrieben hat, soll aufgeführt werden. Die Spielzeit wird im Schauspiel mit Lessings „Minna von Barnhelm“ beginnen. Bayerisches Staatsschaasptel in der Pfalz. Auf Grund einer Vereinbarung des Ausschusses .Bayern und Pfalz“ wird das Münchener Staatsschauspiel im Herbst in der Pfalz einige Gastspiele mit Grillparzers „Weh dem, der lügt“ geben. AM* Mage Nacht der Medea“. Am 1. September findet Im Staatstheater Kassel in der Inszenierung des Intendanten Paul Rose die deutsche Erstaufführung der von Carl M. Ludwig übersetzten Tragödie „Die lange Nach- der Medea“ von Corrado Alvaro in Anwesenheit des Dichters statt. Berliner Sängerknaben in der Patilskirciie. Ein Konzert der Berliner Sängerknaben unter Leitung von Gerhard Hellwig findet am 21. August in der Paulskirche in Frankfurt statt. Auf dem Programm stehen Chorwerke von Mozart und Beethoven, ferner volkstümliche Chormusik. 77 Bewerber für Generalintendantenposien. Bei den Ausschreibungen für den Posten eines Generalintendanten der Städtischen Bühnen Frankfurt sind bisher 77 Bewerbungsschreiben eingegangen. Frans Philipp 69 Jahre all Der Komponist Franz Philipp vollendet am 24. August sein 60. Lebensjahr. Franz Philipp, der unter den zeitgenössischen Kirchenmusikern einen bedeutenden Hatz einnimmt, ist besonders durch seine Messen und Marienchöre, seinen Eichendorff-Zyklus und seine Kantate „Zwischen Zeit und Ewigkeit“ bekannt geworden. Bert Brechts „Der Tod des Lukull“. Bert Brecht hat dem Institut für internationale Begegnungen in Freiburg sein bisher nur als Hörspiel gesendetes Theaterstück „Der Tod des Lukull“ zur Erstaufführung als Laienspiel für die zur Zeit in Konstanz arbeitende Gruppe „Theater“ der international»! Jugendtreffen überlassen. Die Inszenierung besorgt Dr. Jo- kisch, Stuttgart. „Verschollene und Vergessene“. Von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz wird gegenwärtig die Herausgabe einer Schriftenreihe „Verschollene und Vergessene“ vorbereitet, die das Werk verstorbener Dichter pflegen solL Kammersänger Frick Ehrenbürger von Ölbronn. Der Kammersänger Gottlob Frick vom Staatstheater Dresden, der als einer der besten Bässe Deutschlands gilt, ist während eiiies Besuches in seinem Heimatort Ölbronn bei Vaihingen/Enz zum Ehrenbürger dieser Gemeinde ernannt worden. Gottlob Frick, der Metallarbeiter war, wurde entdeckt, als er einer Jagdgesellschaft einige Lieder vortrug. ZUMSONNTAG Wie Oie Scheiöeroänöe fallen Mißgunst und Haß beschränken den Beobachter aut die Oberfläche, selbst wenn Scharfsinn sich zu ihnen gesellt. Goethe Demut erschrickt vor dem zweierlei Maß. Wer demütig ist, der ist duldsam, weil er weiß, wie sehr er selbst der Duldsamkeit bedarf. Wer demütig ist, der sieht die Scheidewände fallen und erblickt den Menschen im Menschen. Theodor Fontane Man halte jeden Menschen für gut, bis man durch unwidersprechliche Weise vom Gegenteil überzeugt ist, und dann müssen wir ihn als einen Irrenden betrachten, der mehr unser Mitleid als unseren Haß verdient. Christoph Wilhelm Hufeland Empfänger unö SenOer Bei einer Felddienstübung hatte man mir einst ein Tomisterfunkgerät auf den Rücken gehängt. Viel verstand ich davon nicht. Vom auf der Brust wurde ein Schalter befestigt, der sich auf „Senden“ oder „Empfang“ stellen ließ. Man konnte also mit diesem Gerät nicht gleichzeitig sprechen und hören. Sondern schön nacheinander mußte es gehen: Man stellte erst auf Empfang und hörte im Kopfhörer, was die Gegenstelle, die irgendwo im Gelände war, zu melden hatte. Wenn diese ausgesprochen hatte und von dort das Wort „Ende“ durchgegeben war, stellte man um und konnte aun vermittels des Kehlkopfmikrophons sich selbst melden. Mir ist jetzt erst aufgegangen, daß durch das Gerät ein Zustand herbeigeführt war, der in der Welt durcheinander gekommen ist: daß man erst hört, nur hört, und dann redet. Wahrhaftig, das gegenwärtige Durcheinander kommt zum großen Teil auf dieses Konto: wir bleiben immer auf „Sprechen“ eingeschal-r tet, es wird überhaupt nicht mehr auf „Hören“ gestellt. Das beginnt im Privatleben und endet in der Weltpolitik. Wir sitzen mit einem Menschen zusammen. Er hat Überzeugungen, die uns gar nicht passen. Dem wollten wir schon lange mal unsere Meinung sagen, uns mit ihm auseinandersetzen. Das Ergebnis zeigt, daß wir uns wirklich mit ihm auseinandergesetzt haben. Keine Seite hat danach da« Verlangen, noch einmal ins Gespräch zu kommen. Gewiß haben wir ihn im Verlaufe des Gesprächs auch einmal zu Worte kommen fassen. Aber die Zeit, in der er sprach, haben Wir dazu benutzt, uns zu überlegen, welche Argumente wir ins Feld führen, können, wenn 'wir wieder „dran“ sind. Wo nur gesendet und nicht auch empfangen wird, ist kein „Sprechverkehr“ möglich. Wer nicht hören -kann, wirklich zuhören, der bleibt isoliert. — Wenn der Redner einer Partei im Parlament .am Wort ist, lesen die Vertreter der Gegenpartei inzwischen die Zeitung. Die Reden im Weltsicherheitsrat werden „zum Fenster hinaus“ gehalten, denn im Saal selbst ist keiner geneigt, auf „Hören“ einzustellen. Die Bereitschaft, mir zu senden und nicht auch zu hören, zerstört die Gemeinschaft in. der privaten Sphäre, zerstört den Frieden der Welt. Wirklich zuhören zu können, ist eine große Kunst. Sie schafft Brücken. Wir haben ßie verlernt. Daß das Hören der Gegenseite bei Todesstrafe verboten war, war ein typisches Zeichen des Krieges, der abgebrochenen Brücken. Ebenso ist Zuhören das Zeichen des Friedens. In das große Durcheinanderreden der Welt würde eine Bresche des Friedens geschlagen, wenn es Menschen gäbe, die die Gabe hätten, zuhören zu können. Es gibt einen Beruf, bei-dem ist diese Gabe des Zuhören-Könnens überhaupt eine grundlegende Voraussetzung. Das ist das Amt des Seelsorgers und Priesters. Ein Seelsorger, der nicht richtig zuhören kann in der Begegnung mit einem Menschen, ist fehl an seinem Platze. Wenn er aber redet, dann muß er selbst vorher gehört haben — ja, er darf nichts anderes sagen, als was er selbst gehört hat, nichts geben, was er nicht selbst empfangen hat — von Gott. Alle äußeren Wirkungen haben ihre tiefen Zusammenhänge. Es hat alles, was die Geschichte der Menschen und der Welt gezeigt hat und zeigt, einen Mittelpunkt, ein Herzblatt. Daß die Menschen nur „senden“ können — Reden und Propagandaplakate und schließlich Soldaten, Panzer und Flugzeuge — hat seinen tiefsten Grund darin, daß sie an einem entscheidenden Punkt nicht mehr auf „Hören“ geschaltet sind. Daraufhin ist nämlich der Mensch geschaffen. Das ist seine Menschenwürde: aus Himmelshöhen kommt ein Anruf zu ihm und er hat zu „hören“. Wie deine Einstellung zu Christus, zum christlichen Glauben, zur Kirche ist, weiß ich nicht. Vielleicht hast du deine eigene Meinung darüber. Es könnte aber sein, daß du zu schnell auf „Senden“ eingestellt hast, ohne vorher richtig und wirklich gehört zu haben. „Wer Ohren hat zu hören, der höre“, hat Gottes Sohn öfters gesagt. Baudis, R. KEINE LEGENDE Es gibt keine Legenden mehr, sagt man. Aber die so sprechen, sind seelenblind und herzenstaub und man sollte ihrer nicht achten. In unserem Dorfe wohnt eine Frau. Sie gehört zum großen Stamme der namenlos gewordenen Evakuierten, die in der Mundart unserer Landschaft die Effakierten heißen, was auf französisch auch die Ausgelöschten bedeuten könnte. In Wirklichkeit ist ihr Leben auch ausgelöscht. Nicht, weil ihr kleines Siedlungshaus am Stadtrand einst, in Trümmer ging: am selben Tage wurde auch die herrliche Michaelskirche von einer gewaltigen Bombe zerstört, und die Frau hat mir erzählt, sie habe über die Kirche des Erzengels geweint, wie nur ein Mensch weinen kann, wenn ein Zeichen des Göttlichen zerstört wird; vor dem Schutt ihres Hauses habe sie aber — und das klingt schon unglaublich — ein Tedeum angestimmt und Gott gedankt für alle Schönheit und allen Frieden, den sie in ihrem Hause ein Jahrzehnt lang genoß. Als aber in den letzten Kriegstagen ihr Sohn abgeschossen wurde, brach ihre Natur entzwei Der Mensch, der sie bisher gewesen war, wurde ausgelöscht, und es stand ein anderer Mensch in ihr auf, der von nun an im Unsichtbaren lebte. Sie starb zwar nicht, aber sie sah auf einmal das unsichtbare Reich, in dem auch die Toten zuhause sind, mitten im hellen Tag, als ob da keine Grenze mehr sei. Eines Tages ging sie am Friedhof vorbei. Es war ein neuer Friedhof, denn der alte war im Kriege überfüllt worden wie das Dorf selber, aber die reichen Eingeborenen hatten sich ihre herrlichen Familiengräber gesichert und sie üppig mit Blumen geschmückt, während nicht weit vom steinernen Eingangstor dreißig schmale Gräber mit Hahnenfuß, Brennnesseln und Löwenzahn überwuchert waren. In diesen Gräbern schlummerten dreißig Soldaten. Sie waren in dem großen Lazarett inmitten des Dorfes gestorben und hierher gelegt worden. Ihre Eltern und Geschwister waren in der wirren Völkerwanderung vom Osten her verschollen, kein Mensch im Dorfe kümmerte sich um die Verlassenen, und so war eben die reiche Wildnis über ihre Gräber gekommen, um sie einzuschlingen und auszulöschen wie tausend Dinge in unserer Welt, die nicht mehr von Erinnerung und Sehnsucht getragen werden. Nein f es erschien kein Engel an jenem Tage und führte die Frau zu den Gräbern hin. Oder doch? Es war ein heißer Sommertag und der Wind war still. Niemand sah die Frau, als sie wenig später mit der Hacke auf den Friedhof ging und anfing, das Unkraut auszujäten. Die geschäftigen Leute sahen, sie auch nicht, als sie nun Tag für Tag in der heißen Sonne stand und die Arbeit fortsetzte; vielleicht wollten sie auch das Wesen gar nicht sehen, das da über den fremden Gräbern hantierte, so nutzlos und peinlich wie der Engel der Barmherzigkeit selber. Als sie am zehnten Grabe angelangt war, gesellte sich in der Dämmerung eine andere Frau zu ihr, eine Alte aus dem Flüchtlingslager, das im Sumpfe stand; beim zwanzigsten Grabe waren es schon drei Frauen, nicht mehr, aber auch nicht weniger, keine Engel, sondern abgeblühte Menschenfrauen, die irgendwo im Osten, wo die große Wetterwolke stand, ihre Söhne verloren hatten. Und eines Tages waren alle Gräber blank. Die Frauen schüttelten ihre Röcke und gruben. in ihren Taschen. Es gab damals viel Geld für alle schwarzen Dinge, aber die Frauen kauften Astern und Vergißmeinnicht, Brennende Liebe und Heidekraut und gruben es mit ihren Seuzern in die schmalen Gärtchen ein. Wäre der Teufel zu jener Zeit am Friedhof vorbeigegangen, so hätte er nur hochmütig die Nase gerümpft und gesagt: „Was sollen die schmutzigen Hoffnungen? Sie arbeiten doch nur aus Verzweiflung.“ Und der große männliche Todesengel, wenn er vorübergegangen wäre, hätte geschmunzeit und zu Gott in gutem Humor hinauf gerufen: „Schau nur, unendliche Liebe, hier muttert’s“. Aber ich erzähle ja keine Legende, und so lasse ich nun auch den Engel und den Teufel wieder verschwinden und dafür den Gemeinderat unseres Dorfes aufmarschieren. Die geschäftigen Leute sahen auf einmal die Blumen, dann auch die Frauen und zuletzt die Gräber. Sie schämten sich ein wenig, und ■ nun schaltete sich hörbar der Gemeinderat ein.' Oh, es gab keinen witzigen Schluß, überden man bitter und billig spotten könnte, sondern der brave Gemeinderat übernahm von nun an die Gräber in eigene Pflege und übertrug sie den Gärtnern. Seitdem glüht auch der vordere Teil des Friedhofs im Frühlings-, Sommer- und Herbstflor. Jeder, der vorübergeht, nimmt eine Brust voll von dem würzigen Dufte mit — und die Frauen? Ich las gestern im Buche eines neuen Philosophen: „Die Welt der Pflanze reicht nicht weiter als an die unmittelbare Beruhrungsnähe.“ Die Frauen wissen es besser. Für sie, die im Unsichtbaren leben, blühen die Blumen auf den Gräbern ihrer Söhne fern im Osten, wo die ewige Wetterwolke droht; sie sind Kinder Gottes und des großen Alls, in dem ein Ding für das andere steht, und wenn sie in die Gräber hineinblicken, dann lächeln ihnen ihre Kinder herauf. J.M. Wehner Nachte in einer fremden Stadt In einer Stadt, die man nie betreten, des Nachts zu weilen, sie in der Dunkelheit kennenzulernen und wiedA zu verlassen, ist seltsamen Zaubers voll. Man kommt mit der Eisenbahn oder im Wagen hat Aufenthalt für einige Stunden und beschließt, die Zeit mit einem Bummel durch die nachtstillen Straßen zu kürzen. Es ist Mitternacht, nur noch einzelne Fenster sind erhellt: seltsam hohl hallt der Schritt in den sparsam beleuchteten Straßen wider. Planlos streift man durch die Gassen und über schlafende Plätze, manchmal erschreckt von einem aufkläffenden Hund oder dem dunklen Schlag einer Kirchenuhr. In den Gärten rauschen erhaben die Bäume unter der Berührung eines streifenden Windes, lauter und singender rauschen die Brunnen um diese Stunde der Stille und Einsamkeit Eia verspäteter Heimkehrer schaut dem nächtlichen Wanderer verwundert nach,-aus einem Haus dringen noch die Stimmen einer fröhlichen Gesellschaft durch die offenen Fenster. Vielleicht ist diese kleine Stadt am Tage ohne Reiz, blaß und dürftig, aber was hat das zu sagen? Welche Bedeutung hat es, zu wissen, wie diese Straße heißen und wohin sie führen? Warum tausend gleichgültige Menschen sehen und Kaufläden, die sich kaum von denen anderer Städte unterscheiden? Nein: der Zauber der Bekanntschaft nächtlicher Städte ist der Zauber des Unbekannten. Wir suchen nach nichts, wir denken an nichts, wir erwarten nichts. Wir genießen das Augenblickliche, das Zufällige, das Schattenhafte, das leise Abenteuerliche in dem Gefühl, das Ereignislose in ein Ereignis wandeln zu sehen. Aber dieses Ereignis fließt uns einzig aus der Stimmung dieser traumhaften Wanderung zu. Nichts lockt uns. nichts treibt uns, wir sind ganz hingegeben dem Unwirklichen. Was die Nacht verschweigt, in tiefe Schatten hüllt, wollen wir nicht enträtseln, sondern so, wie es die Nacht malt, genießen. Denn es gibt Städte, die Nachtschönheiten sind, die des Nachts zauberisch gestalten, was am Tage reizlos verblaßt. Ein kleiner Fluß oder Teich, im Licht des Tages tot und ärmlich, trägt hei Nacht des Mondes Licht oder spiegelt silberne Wolken; eine Kirche, bescheiden aus roten Ziegelsteinen erbaut, frostig am Tage, verwandelt sich zur Nacht in ein gotisch strebendes, achtunggebietendes Bauwerk. Der Marktplatz mit ärmlichen, spitzgiebeligen Häusern und einem eisernen Brunnen wird im Mondlicht zu einem Spitzweg-Idyll. Vielleicht klingt der Traum, dieser Nacht In uns fort, vielleicht erinnern wir uns dieser nächtlichen Stadt stärker und freundlicher als mancher, die als Tagesschönheit ungleich mehr zu bieten wüßte. Aber wir nehmen nicht die Erinnerung an die nächtliche Stadt mit uns, sondern an die nächtliche Verzauberung dieser Stadt, und wie aller Zauber erlischt das Geheimnisvolle mit dem ersten Morgenschimmer. Immer triumphiert der Tag über die Nacht, immer siegt die Wirklichkeit über den Traum, aber inmitten von zuviel Wirklichkeit verlangen wir ein wenig nach Traum und Verzauberung. Wir reisen ab, ehe der kühle Schimmer blauer Morgendämmerung Straßen und Häuser umfröstelt und nehmen mit uns die Erinnerung einer verzauberten Nacht in der wundersamen Stadt Irgendwo. Hans Fredersdorff. Eine Dichterfreunöfchaft Zum 100. Todestag von Nikolaus Lenau am 22. August 1950 Es war Mitte August jenes Jahre« 1844, da« zum Schicksalsjahr für Nikolaus Lenau wurde. Berthold Auerbach, der um zehn Jahre jüngere Schwabe aus Nordstetten bei Horb, besuchte seinen alten Gymnasiallehrer, den Hofrat Reinbeck in Stuttgart Bei dieser Gelegenheit trafen Lenau und Aueihach zum ersten Mal zusammen. Sophie Löwenthal, die geliebte Freundin Lenaus, erfährt darüber: „Ich empfing ihn wohl hauptsächlich, weil sein Buch Ihnen, liehe Sophie, gefallen hat, auf das Beste. Er ist ein angenehmer Mann. Durch ein langes und sorgfältiges Studium Spinozas, dessen Werke er verdeutscht, dessen Biographie er geschrieben bat, ist Auerbach mild und sehr human geworden. Besonders gefiel mir an ihm, daß er einen so netten reinlichen logischen Haushalt in seinem Kopf hat, ohne daß sein Herz darüber erkaltet wäre.“ Und Auerbach erzählt von dieser ersten Begegnung, daß sie miteinander, nach einem Besuch bei dem anderen Lehrer Gustav Schwab, einen Spaziergang die Königstraße hinauf nach Hesiach gemacht hätten. „Ich sehe Lenau noch vor mir, wie er dahinschritt. Er trug den rostfarbenen wattierten Rock über dem linken Arm, in der Rechten hielt er da«" spanische Rohr mit dem bronzenen Hundekopf. Der Hut war tief in die Stirne gedrückt.“ Der Ausflug fand seinen Abschluß in Kop- penhöfers Biergarten. Bei der Trennung haben die beiden vereinbart, im kommenden Sommer einige Wochen gemeinsam in Baden- Baden zu verbringen. Auerbach war schon dort, als Lenau mit dem Ehepaar Reinbeck eintraf. Dieses hatte in Lichtental Quartier bestellt. Aber Lenau war damit nicht zufrieden. Er hatte die Absicht, „im Anschauen des genußjägerischen Wohllebens aller Art seinen Don Juan zu vollenden“. Davon war aber in dem abgelegenen Lichtental nicht viel zu bemerken. Und als Lenau es nicht über sich brachte, die alten Reinbecks zu verlassen, da griff Auerbach ein und stellte ihm vor, „daß er ihnen in Verstimmung nichts sein könne, und es Pflicht gegen sich und die Freunde sei, sich frischauf zu erhalten und damit die anderen zu erfrischen.“ So zogen denn die beiden gaßauf und -ab, um in dem überbesetzten Bad ein Unterkommen zu finden. Irgendwo stand ein Zimmer leer. Aber der Hausherr war nicht anwesend. Auerbach empfahl deshalb, Lenau möge seine Karte abgeben. Das würde wohl bewirken, daß der Mann s ihm das beste Zimmer einräumen werde. „Da' lachte er mich tüchtig aus. Er war weit entfernt von jener Bewußttuerei, die sich stets gebärdet, als ob sie wie ein Iffiändischer Fürst nur den Mantel lüften braucht, um vor dem enthüllten Stern sicheres Staunen und Kniebeugen zu erregen.“ Und weil Lenau darauf verzichtete, den inländischen Fürstenmantel umzuhängen, bekam er das Zimmer auch nicht. Es fand sich ein anderes, von dessen Fenster aus das genußjägerische Wohlleben prächtig zu übersehen war. Aber aus dem Arbeiten am Don Juan wurde trotzdem nichts. In diese Tage fällt nämlich auch jenes in seinen Auswirkungen so tragische Zusammentreffen Lenaus mit Marie Beh- rends, über das er sich gleich dem Freund gegenüber „in den überschwenglichsten Ausdrücken ergoß“. „Wer war seliger als Lenaul Und ich war so glücklich, fast immer in seinem Geleite und in dem der Damen zu sein.“ In „diesem aufgeregten Zustand“ weicht der selig Verliebte kaum mehr von Auerbachs Seite, und die vielen Briefe, die von seinem Glück künden werden, schreibt er in dessen Zimmer. Auch an Sophie Löwentbal schreibt er wieder, erzählt vom herrlichen Schwarzwald und von den neuen Arbeiten, und daß er bald wieder nach Wien kommen werde. Von seiner Verlobung schreibt er aber kein Wort. „Seine Furcht vor Sophie ist so alt wie seine Bekanntschaft mit Marie Beh- rends“, berichtet Auerbach Diese Furcht geht so weit, daß sich der Unglückliche entschließt, sich zu erschießen, wenn Sophie seiner Heirat mit Marie nicht zustimmen würde. Der Freund war bereit, dem Wunsche Lenaus zu entsprechen und Sophie von den Heiratsplänen zu unterrichten. Aber in dem Strudel der sich überstürzenden Ereignisse kam es gar nicht mehr dazu. Um der Braut eine sichere Existenz mitbringen zu können, will sich Lenau in Heidelberg als Dozent der Philosophie habilitieren. Hier glaubt der Freund eingreifen zu müssen: Das könne doch auch ein anderer. Es bleibe vielmehr Lenaus Pflicht gegen sich und die Welt, seinem Dichterberuf treu zu bleiben. Lenau fügt sich. Dieser letzte Sommer ist ausgefüllt von Reisen, eine ununterbrochene Flucht vor der inneren Unruhe, vor den düsteren Gedanken, die ihn ganz beherrschen. Und als er gerade wieder in Stuttgart war, da kam jener 20. Oktober, der mit dem Sprung aus dem Fenster des Reinbeckhauses die Entscheidung brachte zur Einlieferung des Unglücklichen in die Heilanstalt Winnental. An jenem Tage sagte der Irre: „Dies Haus muß zerstört werden bis auf den Grund.“ Und der Stadt Stuttgart prophezeite er, daß kein Stein auf dem anderen gelassen werde. Das Reihbeckhaus, Friedrichtstraße 14, ist bei einem Fliegerangriff bis auf geringe Reste vernichtet worden. Die Gedenktafel an Lenau, die noch eine Zeitlang an der Ruine hing, ist nun auch verschwunden. Lenau, der sechs Jahre später, am 22. August 1850 erlöst wurde, ruht auf dem Friedhof von Weidling bei Wien. Auerbach, „die treue, unerschütterliche, freundliche Seele“, wie ihn Lenau genannt hat, ist erst im Jahre 1882 gestorben. Er liegt auf dem kleinen israelitischen Friedhof seiner Heimatgemeinde Nordstetten. Um die schwere Granitplatte stehen vier große Lebensbäume. Haben sie Wächterdienste geleistet, als unmenschliche Wut die übrigen Gräber des Friedhofs derart zerstörte, daß es der allgütigen Natur bis beute nicht gelang, all diese Zerstörungen mit wild wachsenden Sträucfaem zu verdecken? Willy Kipp Gottfried Keller unö öle Arzte Gottfried Keller saß einst mit Konrad Ferdinand Meyer in einem Züricher Stammlokal beim Abendessen. Er ließ sich’s vortrefflich munden, und Meyer hielt wacker mit. „Es geht nichts über ein gutes Essen“, meinte Keller in seiner Freude, „eine schlechte Köchin liefert den Ärzten die Hälfte ihrer Kundschaft“. — „Ja“, erwiderte C. F. Meyer, „und eine gute die andere Hälfte“. Gottfried Keller war sehr kurzsichtig und hatte überhaupt eine ständige Last mit seinen Augen. Einer seiner Freunde nahm großen Anteil an diesem Leiden des Dichters und fragte ihn auch einmal, ob er nun besser sehe. Keller nickt betrübt: „Ja, wesentlich besser. Wenigstens behauptet es mein Arzt,“ Auf einer Kunstschau in Zürich hatte Böcklin sein Bild „Spiel der Wellen“ ausgestellt. Schon am Tag nach der Eröffnung mußte es entfernt werden, weil die Polizei an einigen unbekleideten Meerjungfrauen, die darauf dargestellt sind, Anstoß nahm. Empört betrat Böcklin abends sein Stammlokal, wo er wie gewohnt seinen Freund Gottfried Keller traf. „Was sagst du zu diesen Muckern?“ rief er aus. „Nach Unsittlichkeit haben sie bei mir geschnüffelt!“ Keller trank einen kleinen Schluck und erklärte bedächtig: „Weißt du, lieber Freund, es gehört in der Tat ziemlich viel sinnliche Phantasie dazu, auf deinem Bild Unsittliches zu finden. Aber Gott sei Dank — ich hab’ sie!“ Dag Künstlerkollektiv „Roter Reiter“ veranstaltet zur Zeit in Traunstein seine Jubiläumsausstellung, in der auch die westdeutsche Gruppe mit mehreren Gästen umfangreich vertreten ist. Es stellen aus: Max Ackermann, Professor Willi Baumeister, Jda Ker- kovius, Erich Schurr, Otto Speidel, Richard Hohly, Heinrich Wildemann, Cuno Fischer, Hans Fähnle, Rudolf Müller, Werner von Hou- wald, Jrm« Nesch, Werner Oberle, Will Sohl. Ferner werden Werke gezeigt von den Malern Langenbacher, Sanner, F. A. Th. Winter, E. Schuiz-Carrnoff, Pechstein, Heckel, Kirchner, Rohlfs, Campendonk, Hergenhahn u. a. m ?- X. -rv'* Die Industrie im Landkreis Brndisal Die Aufgabe der Zukunft: Stetig fortschreitende Ausweitung der Industrietäligkeit „Die wichtigste Aufgabe jeder Wirtschaftspolitik im Kreis Bruchsal ist ohne Zweifel die Förderung der bestehenden und die Ansiedlung neuer Industrien!“ So heißt es in einem Bericht der Industrie- und Handelskammer, Ser im Hinblick auf die Ausstellung „Kraich- tau und Bruhrain“ geschrieben wurde. Zwei Tatbestände machen das Dilemma deutsch, in der sich unser Gebiet befindet: Seit 1925 hat sich die Wohnbevölkerung im Kreis Bruchsal um ein Viertel erhöht, von rund 75 000 auf annähernd 105 000 Seelen. Gleichzeitig ging infolge des Damiederliegens der Tabakindustrie in den letzten Jahren der Anteil der in der Industrie beschäftigten Personen erheblich zurück. Alle diese Leute müssen doch arbeiten, um esen zu können, frägt mancher, wo kamen sie denn hin? Sie verdienen ihr Brot außerhalb des Kreises: 2600 in Karlsruhe, 1600 in Mannheim und Ludwigshafen, 400 in Heidelberg, 400 in Breiten, Mühlacker, Ludwigsburg und Stuttgart. Morgen letzter Tag! Die Ausstellung „Kraichgau und Bruhrain“ ist nur noch heute und morgen, jeweils bis 20 Uhr, geöffnet. So viel des Sehenswerten, des Wissenswerten, des Praktischen, des Brauchbaren bietet diese Schau, daß sich ein Besuch auf jeden Fall lohnt. Auch die wiederaufgebaute Gaststätte bietet Ihnen das Beste! doch geht es infolge fehlenden Kreditmöglichkeiten nur langsam voran. Bei der Auswahl der Betriebe, die sich für die Ansiedlung bewerben, muß sorgfältig zu Werke gegangen werden. Der Angebote, hinter denen nicht viel oder überhaupt nichts steckt, sind es zu viele. Wer kein Eigentum besitzt, kann auch keinen Industriebetrieb aufmachen. Das Mindeste, was das Industriereferat verlangen muß, besteht in der Einrichtung und dem Betriebskapital. Günstige Betriebsräume, wie z. ]B. bei der Schokoladefabrik „Hansa“ in der früheren Bruchsaler „Fortuna“, Wohnungen, gewerbesteuerliche Erleichterungen, kann der Kreis bzw. die Gemeinde ohne weiteres zur Verfügung stellen. Die Ausstellung „Kraichgau und Bruhrain“ gibt ein recht lebendiges Bild der industriellen Intensität im Bruchsaler Bereich. Gemessen am Industrieumsatz steht selbst der Landkreis Karlsruhe mit seiner erheblich größeren Wohnbevölkerung und Industrier Arbeiterschaft hinter Bruchsal zurück. Allein von den in der nordbadischen Elektroindustrie beschäftigten Personen entfallen 10,6 Prozent auf den Bruchsaler Bezirk. Welch beachtlichen Platz die alte Bischofsstadt im wirtschaftlichen Leben innehat, zeigt die große Zahl der ausstellenden Industriebetriebe: U. a. begegnen wir in der Ausstellung der Ersten Bruchsaler Herdfabrik, den Eisenwerken Falk, der Spezialfabrik für Seifenpulver und Seifenflocken Föll & Schmalz, den Elektralackwerken, der Motorenfabrik Albert Obermoser, der Schokoladenfabrik Rüger, der Ziegelei Bott, der Plattenfabrik Fritz Mann in Münzesheim usw. Nehmen wir die Werke der Eisen- und Me- Wieder Ausgrabungen auf dem Michaelsberg Nach mehr als 50jähriger Pause werden Ende August auf dem Michaelsberg die Ausgrabungsarbeiten wieder aufgenommen. Die in den Jahren 1888 und 1896 durchgeführten Grabungen ließen eine Steinzeit'iche Höhentallindustrie wie Siemens, der Papierindustrie Siedlung erkennen, die von einem Befestigungs. wie Hettmannsperger & Löchner, der Elektro' der Holz-, der Leder-, der optischen und der chemischen Industrie, die Zuckerfabrik Waghäusel hinzu, so ergibt sich für Bruchsal ein recht günstiger Platz innerhalb des nordbadischen Wirtschaftsraumes. Der Landkreis Bruchsal braucht weitgeöffnete Ventile für die überschüssige Arbeitskraft und so wird die Ausweitung der regionalen Industrietätigkeit die dringlichste Aufgabe der Zukunft sein müssen. H. St. graben umgeben war. Bei den bevorstehenden, unter Leitung des Landesdenkmalamtes in Karlsruhe stehenden Ausgrabungsarbeiten hofft man, den weiteren Verlauf des Befestigungsgrabens, der seinerzeit in einer Länge von 300 Metern freigelegt worden war, feststellen zu können. Die Ausgrabungen werden als Notstandsarbeiten mit Mitteln des Landes Württemberg-Baden, der Stadt Bruchsal und der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft durchgeführt. ( Kreuz und quer durchs Stadtgeschehen Aerztlicher Sonntagsdienst. Am morgigen Sonntag, 20. August, besorgen die Herren Dr. Kasten und Dr. Valentin den ärztlichen Sonntagsdienst. Zur Abgabe von Arzneien ist die Mohrenapotheke, Ecke Kaiser- und Hohen- eggerstraße, geöffnet. Wach- und Schließdienst Eiche. Im Anschluß" an den Brand in der Ausstellung „Kraichgau und Bruhrain“ wurde das Gerücht verbreitet, der Bruchsaler Wach- und Schließdienst Eiche sei mit der Bewachung des Ausstellungsgeländes betraut gewesen. Diese Behauptungen entsprechen in keiner Weise den Tatsachen. Der Wach- und Schließdienst Eiche besorgte ledig- Wie mühselig das Leben dieser „Pendler“ ist, darüber weiß der Außenstehende nicht Viel. Man denke einmal daran, daß ein Oestringer Arbeiter, der nach Ludwigshafen fährt, zwischen 3 und 4 Uhr morgens bereits aufsteht und erst wieder zwischen 21 und 22 Uhr abends nach Hause kommt. Die Folge: Ein frühes Verbrauchtsein, ein frühes Anheimfallen an die Sozialversicherung. Fest steht, daß der Rüdegang der Tabakindustrie nicht mehr aufgeholt werden kann. 5000 Personen wird vielleicht das Höchste sein, was sie noch zu beschäftigen vermag. Für alle anderen müssen neue Arbeitsmöglichkeiten gesucht werden. Wie? Durch die Heranbildung zu qualifizirten Facharbeitern in anderen Industriezweigen. Die Landkreisselbstverwaltung hat nicht umsonst das Referat „Industrieansiedlung“ geschaffen. Man täusche sich nicht: Im Kreis Bruchsal sind noch erhebliche Reserven für einen weiteren Ausbau der Industrie vorhanden Einige Erfolge wurden bereits sichtbar, aber sie reichen bei weitem noch nicht aus. Ohne die Bruchsaler Siemens-Werke, die 1500 Beschäftigten Arbeit u. Brot geben, wurden im Kreis Bruchsal seit 1945 ein halbes hundert neuer Betriebe angesiedelt. Rund 1200 Menschen, unter ihnen viele ehemalige Zigarrenarbeiterinnen, finden in diesen Arbeitsstätten ihr Auskommen. In der Hauptsache handelt es sich um Betriebe der Textil-, der Eisen- und Metall-, der Nahrungs- und Genuß- sowie der Glasindustrie. Textilbetriebe z. B. befinden sich in 16 Orten des Kreises, u. a. in Bruchsal, Forst, Karlsdorf, Odenheim, Kirrlach usw. Allein 20 von diesen 50 Betrieben nahmen die Arbeit erst seit einem Jahr auf. 6000 Quadratmeter Fläche haben sie belegt und beschäftigen bis jetzt 160 Personen. Ein Ausbau dieser Betriebe ist selbstverständlich möglich, Jugendlicher Ausreißer vor dem Richter Vier Wochen wegen Diebstahls und Betrugs 1944 evakuiert, der Vater arbeitslos, er selbst unter den ungünstigsten Einf lüssei eines zweifelhaften Umgangs — das ist in knappen Umrissen das Milieu des erst 15jährigen Angeklagten E., der wegen Diebstahls und Betrugs in mehreren Fällen vor dem Jugendgericht hatte erscheine« müssen. Angefangen hatte es damit, daß er mit einem seiner vier Freunde zu Hause ausriß. Eine ausgedehnte Radtour brachte das Paar bis zum Bodensee, wo sich infolge einer Meinungsverschiedenheit die Bande der Freundschaft merklich lockerten. Der Andere wollte die Räder verscheuern und in die Schweiz hinüber schwimmen, während E. noch in deutschen Landen bleiben wollte und Bayern im Auge hatte. Als dann der andere wegfuhr, um etwas einzukaufen, nützte E. die Gelegenheit, machte die Brieftasche seines Kumpels um 75.— DM leichter, ließ dazu ein Paar Schuhe und eine Hose mitgehen und verschwand. Als die 75.— DM den Weg alles Irdischen gegangen waren, brachten ihm Schuhe und Hosen seines Begleiters bei einem Trödler in Karlsruhe DM 6.— ein. Bei seinen weiteren Ausflügen fand er in der Gegend von Mannheim einen weiteren Weggefährten. Mit dem Versprechen der baldigen Rückgabe versteht er es, ihm 15.— DM abzuzwacken. Sein Meisterstück vollbrachte er in der Gegend von Bruchsal. Auf der Landstraße war er mit einem älteren Herrn ins Gespräch gekommen, dem offenbar sehr viel daran lag, daß sein Sohn eine geeignete Lehrstelle erhielt. E. hakt ein. Er sei bei den Amis beschäftigt, erklärte er nebenbei, sein Onkel sei Oberstudienrat in Heidelberg — vielleicht, so^ellt er in Aussicht, vielleicht daß sich doch was machen ließe ... 3 Tage später bringt er Bescheid: Durch Vermittlung seines Onkels sei eine Stelle zu bekommen, er brauche aber sofort einen Lebenslauf, Zeugnisabschrift und ... 40.— DM zur Deckung der Unkosten. Der besorgte Vater hat nicht so viel Geld bei der Hand (er ist arbeitslos), läuft die ganze Verwandtschaft ab und hat schließlich 20.— DM zusammengekratzt. E. ist vorläufig zufrieden und stellt über den erhaltenen Betrag eine mit einem erfundenen Namen.gekrönte Quittung aus. Dann schickte er einige Tage darauf durch einen Jungen (der dabei E‘s Rad benutzt!) einen Brief, der in kollegialem Ton dem erfreuten Vater den Bescheid gibt, daß die Lehrstelle sicher sei. Es folgen noch einige Einzelheiten über die Anmeldung und zum Schluß die bescheidene Bitte, dem Ueberbringer die restlichen 20.— DM auszuhändigen, damit er sein Fahrrad bei der Reparaturwerkstätte wieder abholen könne. Der Mann sieht den Brief an, dann das Fahrrad des Ueberbringers, das ihm sehr bekannt vorkommt, und wird mißtrauisch. Das Fahrrad stellt er sicher, läßt sich vom Ueberbringer zum Schreiber des Briefes führen und fordert diesen auf, mit zur Polizei zu gehen. E. Weigerte sich nicht. Auf der Wache gibt er sofort seinen richtigen Namen an und startet, ohne besonders dazu aufgefordert zu werden, mit einer Beichte über seine bisherigen Vergehen. Dieses Verhalten und seine volle Geständig- keit bei der jetzigen Verhandlung waren mitunter der Grund dafür, daß bei der Strafzuweisung von Fürsorgerziehung abgesehen wurde und E. trotz 3 Betrugsfällen, einem Diebstahl und einer Urkundenfälschung von 4 Wochen verhängten Jugendarrests lediglich 2 Wochen zu verbüßen hat. H. lieh die Bewachung der außerhalb des Kastanienplatzes abgestellten Kraftfahrzeuge und Fahrräder. Mit der Ausstellung direkt stand Eiche in keiner Beziehung, sodaß die jetzt aus- gestreuten Gerüchte als geschäftsschädigend bezeichnet werden müssen. Felddiebstähie. Im Gewann „Gaiereberg“ erwischte die Feldhut einen Dieb auf frischer Tat. Er hatte auf verschiedenen Grundstücken 10 Pfund Pfirsiche und 11 Pfund Aepfel und Birnen entwendet. Das gestohlene Obst wurde dem städtischen Versorgungsheim zugeführt und gegen den Mann Anzeige wegen Diebstahls erstattet. Stadtrentamt Bruchsal. Das Stadtrentamt erinnert an die auf 15. August 1950 fällig werdenden Verbindlichkeiten; und zwar Gewerbesteuer-Vorauszahlung 1950 (3. Viertel), Grundsteuer 1950 (Jahresbeträge bis 5.— DM ganz, bis 20.0 DM und über 20.— DM 5/12), sowie Abfuhr und Kanalgefoühren 1950 (2. Viertel). Die Pflichtigen werden darauf hingewiesen, daß bei nicht fristgemäßer Zahlung Säumniszuschläge verwirkt sind und mit Betreibung gerechnet werden muß, wodurch weitere Mahngebühren und Zwangsvollstreckungskosten entstehen. Vereinigung Südwest. Die Vereinigung Südwest, Kreisgruppe Bruchsal, hält am Sonntag, 20. August, 14 Uhr, im Prinz Max eine Kreisvertreter-Tagung ab, zu der die örtlichen Ver- treter der Kreisgemeinden sowie alle Freunds des Südweststaates freundlich eingeladen sind. Verein der Hundefreunde. Die nächste Mo- natsversamlung findet am Montag, 21. Aug., 20 Uhr, im Gasthaus zum Merkur statt. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Wir weisen nochmals darauf hin, daß die llebungs- stunden jeweils mittwochs und sonntags zur üblichen Zeit auf dem Gelände des städtischen Eisweihers abgehalten werden. MGV „Liedertafel“ Bruchsal. Treffpunkt heute abend, 20.30 Uhr, beim Bären. Erscheinen aller Sänger ist Pflicht. Filmsehau. Die Europa-Lichtspiele zeigen bis einschließlich Montag die amerikanische Humoreske „Abenteuer auf hoher See“, die gelegentlich geradezu an Groteske grenzt. Die beiden Komiker Dick und Doof (Laurel und Handy) haben schon vor dem Krieg die deutschen Lichtspielhäuser mit Lachen erfüllt. Jedenfalls unterhält der Film das Publikum aufs glänzendste. In den Spätvorstellungen um 22 Uhr läuft der bestens bekannte deutsche Film „Tanz mit dem Kaiser“ mit Marika Rökk in der Hauptrolle. 45 Jahre Stadtpfarrer von St. Peter Lebensbild des Geistl. Rats Robert Stoeckle Es ist wohl angebracht, in diesen Tagen das Wirken eines Geistlichen zu würdigen, der seit fast einem halben Jahrhundert mit der Geschichte Bruchsals, insbesondere der oberen Vorstadt, verwachsen ist.Vor 45 Jahre berief Erzbischof Nörber den damaligen Repetitor am theologischen Institut in Freiburg, Robert Stoeckle, nach Bruchsal, um ihm die Pfarrei St. Peter anzuvertrauen. Noch nicht ganz 30 Jahre alt, hielt der junge Stadtpfarrer seinen Einzug in das Pfarrhaus in der Obergrombacherstraße. In rastlosem Arbeitseifer widmete sich der neue Pfarrherr seinen pfarrlichen Aufgaben und schon nach kurzer Zeit hatte sich der neue Seelsorger durch sein freundliches und leutseliges Wesen die Herzen seiner Pfarrkinder erobert. Es gab gab keine Familie in der Pfarrei, um die er sich nicht gekümmert hätte. Geistl. Rat und Stadtpfarrer Robert Stoeckle entstammt einer Professorenfamilie. Am 18. 1. 1877 in Pforzheim geboren, verbrachte er seine Studienjahre in Schwetzingen, der Wirkungsstätte seines Vaters, Mannheim, Freiburg und Innsbruck. Bereits 1899 empfing er die Priesterweihe und fand als Kaplan in Rastatt sein erstes Betätigungsfeld unter gleichzeitiger Ernennung zum Präfekten des dortigen Knabenkonfikts. Die Fähigkeiten und der Schaffensdrang des jungen Priesters blieben seinen Vorgesetzten nicht verborgen. Denn alsbald erfolgte seine Berufung als Repetitor an das theologische Konvikt in Freiburg, wo er Lehrer des jetzigen Erzbischofs Dr. Wendelin Rauch war. Doch auch diese Stellung mußte er bald aufgeben, um seine zweite Heimat in Bruchsal zu finden. Stoeckles besondere seelsorgerische Liebe' galt der Jugend. Sie um sich zu scharen und auf den rechten Weg zu führen, war ihm höchste Lebensaufgabe. Mit der Gründung der marianischen Jünglings-Kongregation — Jugendverein St. Peter — ging ihm ein Herzenswunsch in Erfüllung. Aber damit allein gab er sich nicht zufrieden. An der Friedhofstraße erwarb er ein Gebäudegrundstück, das der Jugend künftig als Heim dienen sollte. 1936 umgebaut ist das Jugendheim St. Peter, in dem auf Initiative des Jubilars ein Kindergarten eingerichtet wurde, mit seinem vielseitigen Verwendungszweck aus der Pfarrei nicht mehr wegzudenken, ein bleibendes Denkmal für das segensreiche Wirken des Pfarrherm von St. Peter. Der Kath. Mütterverein wurde von ihm ins Leben gerufen. Als maßgebende Persönlichkeil des Vereins für Krankenpflege fanden die ehrw. Schwestern des St-Josefshauses in Geist. Rat Stoeckle eine aufopfernde Stütze, der diesem uneigennützigen und sozialen Institut jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stand. Als Kunstkenner schenkte er der Innenrestaurierung und der Ueberwachung des Bauzustandes seiner Barocken Pfarrkirche größte Aufmerksamkeit. Nach seinem Plan wurde die Ausschmückung der Peterskirche mit Wand- und Deckengemälden von der Künstlerhand Josef, Mariano, Kitschkers, im Jahre 1907/08 durchgeführt. Mancher Pfennig mußte für notwendige Reparaturen und Verbesserungen aufgebracht werden. Es sei hier nur an die Instandsetzung des Westturmes und den Einbau des elektrischen Geläutes erinnert. Eine eigene Feuerlöschanlage wurde auf Anraten des Pfarrherrn vorsorglich eingerichtet. An dieser Stelle sei auch bemerkt, daß der im Jahre 1810 zugeschüttete Eingang zur Grabgruft der Fürstbischöfe wieder entdeckt, freigelegt, die Neu- einsargung vorgenommen und in einen würdl- en Zustand versetzt wurde. Bei all seiner Arbeitsfreude blieb dem Seelsorger ein Tropfen Wermut nicht erspart. Zur Erinnerung an den unglückseligen Kirchenraub, dem die Monstranz und zwei Speisekelche zum Opfer fielen, ließ der Pfarrer von St. Peter am Rande des Ostfriedhofes, wo die Reste der entwürdigten hl. Eucharistie aufgefunden wurden, ein Bildstock errichten. Der neuerliche Kirchenraub war für den Priester um so schmerzlicher, als durch den Diebstahl das Kreuzpartikel des Wetterkreuzes der Verunehrung anheimfiel. Wenn auch die Pfarrei vor der Katastrophe des l.März verschont blieb, so hat. das grausame Erlebnis dieses Tages eine tiefe Wunde im Herzen des Seelforgers gerissen. Diese Meilensteine 45jähriger Pfarrtätigkeit geben nur einen sichtbaren Ueberblick über das Wirken des heute 73jährigen Priesters. Wieviel Arbeit und Mühe, Opfer und Entbehrungen aber mußten in der kräftezehrenden Seelsorge gebracht werden? Es läßt sich kaum in Worten schildern und in Zahlen ausdrük- ken, welche Last und Verantwortung auf den Schultern eines Priesters ruhen. Fast zwei Generationen hat er auf dem irdischen Lebensweg von der Taufe bis zum Grab begleitet. Wieviel Tränen der Freude und des Glücks, der Leiden und Schmerzen hat er fließen sehen? Wieviel Not und Elend ist an seinem Priesterleben vorbeigezogen? Wieviel Stunden des Gebets und Opfers hat er dem Seelenheil seiner Pfarrkinder gewidmet? Wieviel Zeit und Kraft hat er für die Kanzel, den Unterricht, die Abendvorträge und persönlichen Aussprachen verwendet? Hierfür gibt es kein Wertmaß, denn der Priesterstand ist ein« Gnade Gottes. Daß während seiner 45jährigen Tätigkeit nicht weniger als 10 Neupriester und ca. 20 Ordensfrauen aus der Pfarrei hervorgegangen sind, liefert den besten Beweis für das priesterliche Wirken des Jubilars. Die Kapläne: Richard Hauser 1926, Ferd. Josef Kleibrink 1927/28, Friedrich Blink 1929/33, Anton Kästner 1933/36, Franz Epp 1936/37 (jetzi Anstgltsgeistlicher), Georg Oberle 1937/38, Erwin Weinlein 1938/39, Alfons Lutz 1939, Viktor Wildschütte 1943/45, Hermann Ebi 1945/49 und Engeiber Bauer seit 1949 haben während ihrer Tätigkeit in Geistl. Rat Stoeckle jederzeit einen vorbildlichen und gütigen Vorgesetzten gefunden, der ihnen vieles für ihr Priesterleben mitzugeben vermochte. Aus diesem Anlaß feiert der Jubilar am kommenden Sonntag das hl Opfer in einem levitierten Hochamt, wobei Religionslehrer V. Wildschütte die Festpredigl hält. Die Pfarrei wird es sich nicht nehmen lassen, schon am Samstagabend dem Pfarrherm ihre Zuneigung und Wertschätzung zu bezeugen _»— Samstag, den 10 . August 1950 Wiederaulgebauter „Merkur.“ Unter der Leitung des Architekten und Diplomingenieurs Gustav Löffler, ließ , die Brauerei Sehrempp- Prinz, Karlsruhe, die Gaststätte zum „Merkur“ wieder aufbauen. Das Gebäude ist jetzt vollendet und präsentiert sich dem Besucher als modern eingerichtetes Lokal. Das Erdgeschoß enthält einen großen sympathisch wirkenden Wirtschaftsraum mit einem geräumigen Nebenzimmer. Die sanitären Anlagen, auf die in einer Gaststätte besonders zu achten ist, entsprechen jedem Komfort. Besonderen Wert legte Schrempp-Primz auf den Einbau von 4 Wohnungen im zweiten Stockwerk. Sie fielen recht gediegen aus. Wie früher, wird der • „Merkur“ auch weiterhin von Frau Bauer geführt, die bestrebt ist, ihre Gäste aufs beste su bedienen. Verwaltungssonderzug zum Deutschen Evangelischen Kirchentag. Für die badischen Teilnehmer am Deutschen Evangelischen Kirchentag 1950 in Essen, verkehrt am 23. August ein AUS KRAICHGAU UND BRUHRAIN Oberhausen , Um auch den Bewohnern der Landorte den Besuch guter Theatervorstellungen zu ermöglichen, hat sich das Nationaltheater Mannheim entschlossen, regelmäßige Autobusfahrten einzurichten, bei denen die Besucher in den Heimatorten abgeholt und nach den Vorstellungen wieder in sie zurückgebracht werden. Vorläufig ist geplant, die Orte Oberhausen, Kirrlach Rheinhausen und Waghäusel bei diesen Fahrten zusammenzufassen. Bei genügend großer Beteiligung können natürlich auch jeweils zwei Autobusse eingesetzt werden. Es ist zu hoffen, daß die Einwohner der genannten Orte die günstige Gelegenheit, auf bequeme Art in den Genuß guter Theatervorstellungen zu kommen, reichlich wahrnehmen werden. Die gesamte Einwohnerschaft der Orte wird demnächst durch Beauftragte des die Tra-uermuaik bestritt, war der MGV Fi- delia und die Bäckerinnung vertreten, deren Sprecher mit ehrenden Worten des Toten gedachten. Er ruhe in Frieden! Kirrlach Die Lammfilmbühne zeigt von Dienstag bis Donnerstag den Film „Abenteuer auf hoher See“. Eine lustige Pointe jagt die andere und die Lachstürme des Publikums fegen das hinweg, was man etwa für unglaubwürdig halten würde. Ein reizvoller Zeichentrickfilm und ein interessanter Film „Auf Raubtierjagd im Ur- walt“ leiten den Hauptfilm ein. w. Kronau Am vergangenen Sonntag feierte die Gemeinde ihr Patroziniumsfest. Der Festtag begann mit zwei Frühmessen, während im lev. Hochamt ein Kapuzinerpater die Festpredigt Verwaltungssonderzug mit 60 Prozent Fahr- Theaters besucht werden. Vorläufig hat sich hielt. Anschließend fand unter großer Betei Preisermäßigung. Die Teilnehmer erhalten auf dag Schreibbüro Uefoe, Oberhausen, Hildastr., liguiig die Prozession durch das Dorf statt. Zubringerstrecken im Umkreis von 100 km 50 Prozent Ermäßigung bei Vorzeigen der Karte für den Sonderzug. Die Abfahrtszeiten am 23. August sind: ab Pforzheim 8.57 Uhr (Fahrpreis 21.60 DM), ab Karlsruhe 9.29 Uhr (Fahrpreis 20.50 DM), ab Bruchsal 9.46 Uhr, ab Heidelberg 10.20 Uhr. Ankunft in Essen 18.15 Uhr. Rückfahrt am 27. August von Essen um 22.48 Uhr, Ankunft in Heidelberg 6.11 Uhr, und in Karlsruhe 7.07 Uhr. Der Zug fährt nicht über Mannheim. bereit erklärt, Meldungen, die' vollkommen unverbindlich sind, entgegenzunehmen, um einen Ueberblick über die zu erwartende Teil- nehmerzahl zu gewinnen. G. Am Donnerstag abend trug man den im Alter von 60 Jahren verstorbenen Bäckermeister Karl Toberer zu Grabe. Die außerordentlich große Beteiligung zeigte, welch hohe Wertschätzung sich der Verstorbene in der Gemeinde erfreute. Neben dem Musikverein, der In Wiesental Einbrecher am Werk Wie wir jetzt erfahren, wurden die Wiesentaler Gastwirtschaften am vergangenen Wochenende von einer Einbrecherbande heim- gesucht. Sie begannen zuerst ihren Streifzug im Gasthaus zur „Pfalz“, hatten dort aber wenig Glück; sie zogen deshalb zum Gasthaus zum „Schwanen“, dort schlugen aber die Hunde an und die Diebe mußten erneut ohne Erfolg weiter riehen. Die nächste Station war der Gasthof zum „Ritter“, dort warfen die Eindringlinge aber beim Oeffnen des Fensters eine Wurstschneidemaschine vom Fensterbrett, der entstandene Lärm weckte die Hausbewohner und sie mußten auch hier erfolglos das Weite suchen. — Ihr nächstes Ziel war der ^ Zigarettenkiosk auf dem Marktplatz. Hier er- ' brachen sie das Schloß und konnten erhebliche Rauchwarenfoestände mitnehmen. Anscheinend hatten sie aber noch nicht genug und stiegen deshalb noch in die Gastwirtschaft „Badischer Hof“ ein. Auch hier wurden Rauchwaren und 1 verschiedene andere Dinge ihre Beute. — In Philippsburg gelang es der Landespolizei, einen der Täter festzunehmen. Ein kleiner Teil der gestohlenen Rauchwaren konnte wieder herbeigeschafft werden. Am Samstagabend, um 20.30 Uhr, findet in der Rosenhalle eine große Gemeinschaftsveranstaltung des Turn- und Sportverein 1898 und des Kraftsportvereins statt, zu der neben den Mitgliedern auch die Einwohnerschaft herzlichst eingeladen ist. Im Mittelpunkt zahlreicher Darbietungen steht der Freundschaftskampf im Ringen zwischen den ersten Mannschaften des KSV Wiesental und des ASV Lampertheim. Beide Mannschaften werden in stärkster Besetzung antreten; Wiesental mit seiner künftigen Oberliga-Mannschaft. — Die Vereinsturnriege des TSV wird zu einem Vergleichskampf gegen die Vereinsriege des TV Oberhausen antreten. Dieser Kampf wird am Barren, Reck, Pferd und auf der Matte ausgetragen. Das große Orchester des Musikvereins e. V. Wiesental, unter der bewährten Leitung von Hptl. Schaum, unternimmt am Sonntagmittag einen kleinen Ausflug zum Gartenlokal Lindemann, Waghäusel, und veranstaltet ein Gartenfest. Ein hervorragend ausgewähltes Programm wird allen Besuchern einige Stunden der Entspannung bieten. Die 1. Mannschaft des FV 1912 bestreitet am kommenden Sonntag, anläßlich der Klubhauseinweihung beim FC Olympia Kirrlach, das A- Fußballwerbespiel gegen die spielstarke Klassenmannschaft VfR Kronau. Im Palast-Theater kommt vom 18.—21. Aug. der ausgezeichnete Film „Tragödie einer Leidenschaft“ zur Aufführung. Dieser Film schildert die tragische Geschichte einer Liebe und die soziale Abgründigkeit des alten, zaristischen Rußlands, nach einem Roman von Leß- kow. Als Zwischenprogramm wird am 23. und 24. August der Wildwest-Film „Der geheimnisvolle Bandit“ aufgeführt. AP. Ueber die Mittagsstunde gab die Musikkapelle vor dem Rathaus den Auftakt zum Glok- kenhazar im Schulhof. Die ganze Gemeinde traf sich am Nachmittag im Schulgebäude und bald entwickelte sich unter Mitwirkung der Musikkapelle und der beiden Gesangvereine ein reges Treiben. Der Bazar fand so großen Anklang, daß er — begünstigt durch das herrliche Wetter — am Montag und Dienstag fortgesetzt wurde. Im hochbetagten Alter von 92 Jahren starb am Donnerstag einer der ältesten Einwohner der Gemeinde, Alois Schimmel, Hintergasse. Bis vor einigen Wochen erfreute er sich allgemeiner Rüstigkeit. Unteröwisheim Vor den Heimatvertriebenen sprach im Gasthaus zum Lamm Regierungsrat Habach- Karlsruhe. Der erste Teil seiner Ausführungen befaßte sich mit der Tagung des Zentralverbandes am 5. und 6. August in Bad Cannstadt. Anschließend behandelte er'die brennendsten Fragen der Heimatvertriebenen: Lastenausgleich, Wohnungsfragen, - Jugenderziehung, Rückkehr in die Heimat, Südweststaat. Eine Brnchsaler Schloßkonzerf in Heideiber« Die Programmfolge der Bruchs. Schönborn- Serenaden führte Studienrat Dr. Treiber mit dem Heidelberger Kammerorchester am letzten Wochenende im Heidelberger Schloßhof auf. die „Rhein-Neckar-Zeitung“ berichtet darüber: Dieser Abend stand im Zeichen von Erstaufführungen Werke alter Meister aus dem siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert: F. Gasparind, G. A. Brescanello, F. G. Gassmann und P. Sales. Es ist kaum begreiflich, daß diese Kette köstlicher Perlen uns bis jetzt vorenthalten wurden, man ist darum Herrn Dr. Fritz Zobeley zu besonderem Dank verpflichtet, daß er sie aus den Manuskripten der Gräfl. Schön- bornschen Musikbibliothek bearbeitet und uns zugänglich gemacht hat. So zeigt sich F. Gas- parini in der Aria: „Se non mi voul amar“ als ein formsicherer und einfallreicher Musiker, der das Gesangliche und Instrumentale gut zueinander abstimmt. Die Sopranistin Hermine Alba, welche die Solistin war und noch Arien von Gassmann und P. Sales sang, besitzt große musikalische und gesangstechnische Anlagen. Ihre schöne klare und umfangreiche Stimme, die sehr ausgeglichen ist, drängt zu einer möglichst vollendeten Ausführung der Schönheitslinien des Tonbildes, die feines stilistisches Empfinden verrät. Mit künstlerischem Feingefühl ließ Dr. Friedrich Treiber diese Arien begleiten. Aber alle Tugenden des Ensemblespielens zeigte das Kammerorchester in dem „Concerto per Violine e Oboe“ von G. A. Brescanello. einer, von innerer Wärme getragenen Kanti- lene, hat er einen sehr schönen und voluminösen Ton und einen wunderbar ruhigen Bogenstrich. Ein trefflicher Partner war Hermann Heisterhagen (Oboe). In den Solosätzen, sowohl wie in der vortrefflichen Behandlung des Orchesters merkte man, daß Brescanello ein feingestaltender Komponist und Poet ist. In maßvoller Stilkunst ließ Dr, Treiber Handels Ouvertüre und Gassmanns h-moll-Sinfonie lebendig werden, wie er auch die Eigenart der schönen kammermusikalischen Sinfonie vom Boccherini mit feinem Instrumentalkolorit unterstrich. lebhafte Diskusion schloß sich an. — Die Klassen 4—8 der hiesigen Volksschule besuchten mit ihren Lehrern im Laufe der Woche die Bruchsaler Ausstellung. — Das am kommenden Sonntag stattfindende Fußballturnier wird sicherlich alle Sportfreunde auf den Plan rufen, Die teilnehmenden Vereine verbürgen guten, interessanten Sport. Zugleich bietet diese letzte Veranstaltung vor den Verbandsspielen Einblick in die Kampfstärke der einzelnen Mannschaften. b. Oberöwisheim Unter großer Anteilnahme der Bevöl n ung wurde am Donnerstag Landwirt Karl Holzmüller im Alter von 71 Jahren zu Grab getragen. Die Feuerwehrkapelle brachte i rem Ehrenmitglied am offenen Grabe ein le.rtes Ständchen dar. Obergrombach Nach langem schwerem Leiden verschied am Mittwoch Landwirt Wienand LAndenfelser, Hirschstraße 11, im Alter von 71 Jahren. Heute abend, 20.30 Uhr, findet im Gasthaus zur Krone die diesjährige Jahreshauptversammlung der Winzergenossenschaft statt, zu der auch der Verbandsgeschäftsführer, Oberrevisor Schaber und der Vorsitzende der Kurpfälzischen Winzergenossenschaft Wiesloch, Schüttler, erscheinen und über wichtige Angelegenheiten des Genossenschaftswesens und des Weinbaus sprechen. Wir gratulieren FrL Paula Rambach, Damenschneiderin, Hirschstr. 20, zu ihrem 65. Geburtstag und Frau Luise Janzer Wwe., Michaelsbergweg 2, zu ihrem 71. Geburtstag, den beide Jubilarinnen am kommenden Montag in bester Gesundheit und geistiger Frische begehen können. Die Schulkinder der oberen vier Volksschulklassen besuchten vorgestern die „Kraichgau- Bruhrain“-Ausstellung in Bruchsal und waren von der überreichen Fülle des Gebotene! alle tief beeindruckt. Am Samstag, den 26 werden dieselben Klassen mit einem Omnib nach Neuenbürg fahren, um der Schüler aus führung des dortigen „Jedermann“-Spiels bes- zuwohnen. Am Abend desselben Tages wird für die Erwachsenen Gelegenheit sein, die Aufführung zu besuchen. Anmeldungen für "die Fahrt nimmt die Kartenvorverkaufsstelle Ferdinand Speck in der Schloßstraße laufend entgegen. Wie das Staatliche Gesundheitsamt Karlsruhe mitteilt, findet am Montag, den 28. Aug., eine kostenlose Röntgenreihenuntersuchung sämtlicher Schulkinder statt. Der moderne Röntgenwagen wird heben dem Rathaus aufgestellt sein. g. * Rheinwasserstände Konstanz 360 (unv.), Rheinfelden 242 (+ 5), Breisach 184 (+4), Straßburg 243 (+5), Karlsruhe 401 (— 1), Mannheim 255 (4- 3), Mainz 231 (— 2), Bingen 153 (— 2), Caub 162 (unv.). Brnhralit und Kraidigan Aus der Entwicklungsgeschichte der Strecke Karlsruhe — Breiten — Heilbronn In diesen Tagen ist es 70 Jahre her, daß die Kraichgaubahn Karlsruhe-Bretten-Heilbronn fertiggestellt und die letzte Teilstrecke ihrer Bestimmung übergeben wurde. Das mag Anlaß sein, einmal einen Blick rückwärts zu richten und der Entwicklungsgeschichte dieser für unsere Heimat so bedeutsamen Bahnlinie linie nachzügehen. Ein jahrzehntelanger Kampf der Meinungen um diese Kraichgaubahn hatte seinerzeit seinen Abschluß gefunden, als das wirtschaftlich so bedeutsame Gebiet des Kraichgaues an das Schienennetz angeschlossen worden war. Nach der Eröffnung der Strecke Karlsruhe-Durlach- Pforzheim im Jahre 1863 war die Frage nach diese Bahn miteinander verbunden werden sollten. Die Erörterungen spitzten sich schließlich auf die Entscheidungsfrage zu- ob die Abzweigung aus dem Rheintal und den bereits vorhandenen Hauptbahnen bei Bruchsal— Ubstadt oder bei Karlsruhe—Durlach erfolgen sollte. ’ Erst als 1869 ein Bahnbau-Ausschuß gebildet wurde, trat der Plan, die neue Kraichgaubahn von Durlach aus zu bauen, in den Vordergrund. Einen regen und energischen Förderer fand das Projekt schließlich in dem Karlsruher Oberbürgermeister Lauter und dem Heilbron- ner Stadtschultheißen Wüst Als sich herausstellte, daß ein Bau auf T Z, \ Z. 7» 1 der verkehrstechnischen Erschließung der nörd- Staatskosten wegen derauchdamalsknap- Die Überaus feine und gleichmäßige Ausar- Hefa angrenzenden Gegenden immer lauter ge- Den Mittel a ,.f beitung der Phrasierung an Einzelheiten war ausgezeichnet. Eine große Ueberrasehung war die solistische Leistung von Bernhard Klein (Violine). Neben der geistigen und technischen Beherrschung des Vorgetragenen, und neben angrenzenden Gegenden immer lauter ge worden. Aber gleichzeitig war ein Streit über die Linienführung entbrannt Hieran waren nidK nur die verschiedenen daran interessierten Gemeinden beteiligt sondern auch die beiden Länder Baden und Würtemberg, die durch Ber Sdiwallenbrnnnen ein Naturwunder! Auf halben Wege zwischen Bruchsal und Heidelshefmim mühlenreichen Saalbacb- tal, liegt links der Landstraße, am Fuße des Schwallenberges ein langgestreckter Teich, der Schwalienbrunnen. Die wenigsten Reisenden, die mit der Bahn daran vorbeifahren oder die Wanderer, die talauf oder talab riehen, kennen dieses merkwürdige Gewässer und doch Ist es eines der größten Naturwunder unserer engeren Heimat. Dieses Fleckchen Erde ist von ganz besonderer Art Hohe Pappeln, buschige Erlen, Schwarzbuchen und dichtes Gestrüpp umsäumen die Ufer des Teiches. Wasservögel huschen darüber bin und verkriechen sich in das sich verflechtende Gestrüpp. Früher reichte das Wasser bis hart an die Landstraße und es ist Tatsache, daß Mitte des 18. Jahrhunderts ein Wagen mit Kaufmannsgüter, aus dem Würt- tembergischen kommend, die steile Böschung hinabrutschte und in den Fluten des Teiches verschwand. Schauen wir an wasserpflanzenfreien Stellen hinein, glashell und durchsichtig bis auf den grünlichweißen Grund ist das Wasser. Wie es darin brodelt wallt quirlt schafft und strudelt Auf dem Boden bilden sich in ganz bestimmten Abständen und Zeiten Sandkrater von mehr als einem Meter Durchmesser, aus deren Mitte Wasserwirbel von einer solchen Stärke hervorquellen, daß sie Sand, Wurzelstücke, vermodertes Holz und grünlichen Schlamm emporwerfen. Auf den besonders großen Sandkratem bilden sich wettere Weine Krater, die fn ständiger Bewegung sind und mit Wucht schwarze und weiße Sandmassen „Die Natur gefällt , reißt an sieh, begeistert, weil sie Natur ist!“ HumboldU hin- und herschieben. Wäre das Wasser an diesen Stellen nicht bis zu drei Meter tief, würde man ohne Zweifel das Rauschen des ausbrechenden Wassers hören. Der stets in Fluß sich befindliche Sand begräbt alles. Vor wenigen Jahren stürzte sich ein Mädchen aus dem nahen Heidelsheim wegen Liebeskummer in den ScbaUenbrunnen. Erst nach dreitägigem Suchen fand man die Leiche f)is zu den Beinen schon vom Sand und Schlamm bedeckt auf dem Grund des Teiches, der überdies schon manches freiwilige und unfreiwilige Opfer gefordert und in die Tiefe hinabgezogen hat. Aus der unerforsdaliehen Tiefe des Schwal- lenbrunnens steigen unaufhörlich Blasen auf, die zitternd, silbern glänzend an die Oberfläche sich schlängeln und da bersten. Das Wasser ist daher andauernd in Bewegung und Wallung. Daher mag auch sein Namen rühren. Hier sind gewaltige Ueherfellsquellen Werke. Man spricht sogar von einem unterirdischen Zufluß von der württembergischen Enz her. Die Hochebene des nahen Schwallenberges ist sehr wasserarm und niedergehender Regen versiegt dort oben sehr rasch. Das Wasser verschwindet wohl ln Spalten und Rissen im Gestein und sammelt sich in Höhlen, von wo es dann unterirdisch abfließt und im Schwallenbrunnen zutagetritt. Der Druck muß ganz ungeheuer sein. Während die Tiefe des Schwallenbrunneos sich dauernd ändert, ist dagegen die Wasserwärme nur ganz unbedeutenden Schwankungen unterworfen. Selbst in den kältesten Wintern sinkt sie kaum unter 11 Grad Celsius. Daher kommt es auch, daß die Saalbach vom Zufluß des Schwallenbrunnen ab bis gegen Bruchsal hin, niemals zufriert Frisches Grün prangt an seinen Rändern auch den Winter über. Jedenfalls ist der Schwallenbrunnen eine sogenannte Karstquelle. Völlig geklärt ist es noch nicht. Ein undurchdringliches Geheimnis schwebt über seinen Wassern. E- S K. Ber Stellenmarkt des Arbeitsamts Im Bezirk des Arbeitsamts Karlsruhe werden u. a. gesucht: 1 Heizu n gsi ng enieur, nur erste Kraft, 1 Karosserieblechner, 1 Dünnblechschweißer, 1 Bohrwerksdreher für größeren Betrieb ln Karlsruhe, 1 Metallschleifer für Maschinenfabrik in Karlsruhe, der in sämtlichen Schleifarbeiten, Vernicklung und Verchromung Erfahrung besitzt, mehrere perfekte Hausgehilfinnen. Nach außerhalb des Bezirks u. a. 1 Papierkaufmann mit guten Fachkennt- nissen in Papier-, Schreibwaren und Bürobedarf. Stenographie und Sdireibjpaschinen- M — *-* —*—*—”-*• Mehrere jüngere schreiben ist erforderlich. Menrere jüngere Großherzogs Friedrich von Baden eingeweiht Ingenieure od. Diplom-Ingenieure von bedeu- werden, tender Fabrik für Dieselmotoren. 2 Automatendreher2 Gesenkschmiede für Baube -- c pen Mittel auf absehbare Zeit nicht zu verwirklichen sein würde, beantragte man für die Stadt Karlsruhe die Konzession zum Bau der Linie. Und nun war der Stein ins Rollen gekommen. Es war in der Hauptsache zwei Persönlichkeiten zu danken, daß endlich 1872 der Reichstag „dem Bahnprojekt Durlach-Bretten- Eppingen mit eventueller Fortsetzung nach am Heilbronn“ seine Zustimmung gab, nämlich dem Prinzen Wilhelm von Baden und dem Bürgermeister von Bretten, Landtags- und Reichstagsabgeordneten. Paravicim. 1873 war zwischen Württemberg und Baden ein Staatsvertrag über den Bahnbau abgeschlossen worden, der jedoch erst zwei Jahre später veröffentlicht worden war. Schließlich war es so weit, daß am 10. Juli 1876 der Bauauftrag gemeinsam an die Firma Philipp Holzmann & Cie. in Frankfurt und Georg Kögler in Bretten vergeben werden konnte. Noch während p die ersten Bauarbeiten bereits im Gange waren arbeitete die „Gütererwerbungskommission für die Kraichgaubahn“ von 1875 bis 1878 am Erwerb der Grundstücke für das Bahngelände. Bis zum letztmöglichen Termin wurde an verschiedenen Punkten um die endgültige Linienführung gekämpft, denn die Bedeutung, an das Eisenbahnnetz Anschluß zu bekommen, war auch der letzten Dorfgemeinde klar. Auch in der Frage der Zahl und der Lage der Bahnhöfe gab es noch manche enttäuschte Hoffnung. Das galt u. a. auch für die Gemeinden Rinklingen und Diedelsheim, denen man ursprünglich eine Station zugebilligt batte, die dann aber auf den Bahnhof Bretten verwiesen wurden, den man deshalb an den Westausgang der Stadt baute. Nach dreijähriger Bauzeit konnte die Strecke Grötzingen-Eppingen am 15. Oktober 1879 durch einen feierlichen Akt im Beisein des schlag- und Eisenwaren-Fabrik im Alter von 28 bis 35 Jahren. Interessenten wenden sich an die Arbeits- amtsneben stelle Bruchsal, Telefon 187, oder an an die Arbeitsamtsnebenstelle Philippsburg, TeL 318, Sprechstunden täglich von 8—12 Uhr. außerdem mittwochs von 17—19 Uhr. werden. Lange Jahre hat dann Bretten darauf verrichten müssen, Eilzug- und Schnellzughaitestelle zu sein, nachdem 1914 kurze Zeit eine Eilzugverbindung zugestanden war, und erst 1949 und 1950 wurden die Forderungen der aufstrebenden Industriestadt dadurch anerkannt, daß im Sommerfahrplan 1950 sechs Eil- züge und vier D-Züge in Bretten Aufenthalt isben. DER SjpMt DER HEIMAT VIB tltthlbiirg startet gegen den FSV Frankfurt Her spielt in den neuen FuBballklassen? Seit einigen Wochen machen sich die Karls- wenige, die die Karlsruher Vorstädter zum Ge- ruher Fußballfans recht viele Gedanken über den ersten Gegner des VfB Mühlburg. Bereits an den Trainingsabenden der Vorstädter, die zur Schonung des neueingesäten Platzes an der Honselstraße im Hochschulstadion stattfanden, unterhielten sich die Gekommenen über den 1. Spielpartner. Irgend jemand mußte etwas von einem „promin. Verein“ in die Debatte gestreut haben, denn tagelang sprach man vom 1. FC Nürnberg, dann hieß es plötzlich der VfR Mannheim kommt, einige wollten auch etwas von Bayern München wissen, aber schließlich „einigte“ man sich auf die Deutschen Meister VfB Stuttgart. Der Spielausschußvorsitzende Berg-Waldh. hatte indessen anders bestimmt und so wird die Saison 1950/51 mit dem FSV Frankfurt als Gegner eröffnet und sicher wird es gleich ein volles Haus in Mühlburg geben, denn die Begegnungen dieser beiden Vereine zählten schon immer zu den spannendsten und in ihrem Ausgang hart umstrittensten. Mit Ausnahme des vorjährigen Mühlburger Spieles, das mit einem 2:0-Erfolg der Bomheimer endete, waren die Ergebnisse aller anderen Spiele noch knapper. Man dürfte nicht fehlgehen, wenn man für den 20. August ein knappes Endergebnis vorhersagt, wobei man sich jedoch keineswegs sicher auf diesen od. jenen Verein festlegen darf. Was den Frankfurtern im Vorjahr glückte, könnte in diesem Jahr durchaus möglich werden, denn trotz des Wegganges der Stürmer Fritz, Keck, Kircher und Malankie- wicz, erscheint die schwarzblaue Fünferreibe durch die Verpflichtung von Nibel, Gonschor- rek, Hasse und Dziwoki eher noch stärker (das letztsonntägliche Spiel des FSV gegen Schalke 04 unterstrich dies auch).-Aber auch die Platzelf konnte sich durch den bisherigen Offenbacher Innenstürmer Buhtz und den Hamburger Trenkel wesentlich verstärken und es gibt nicht heimfavoriten erkoren haben. Bereits das sonntägliche Spiel gibt über die Chancen der beiden Mannschaften Aufschluß. Der Spielausgang ist als offen zu bezeichnen, vielleicht aber gibt der Platzvorteil den Ausschlag für einen knappen Erfolg der Mühlburger. Vier Spiele des KFV in der Schweiz Mit 14 Spielern tritt der KFV am Samstagmorgen seine seit langem feststehende Schweizer Reise an und spielt bereits am Abend des gleichen Tages gegen den letzt jährigen Zweiten der Schweizer Nationalliga FC Basel. Am 20. August gastieren die Badener in Solothurn und am 23. in Winterthur. Mit einem Treffen gegen den FC St. Gallen am 26. 8., soll die achttägige Reise ihren Abschluß finden. Phön. Karlsruhe weilt am Sonntag bei Horst Emscher und der FV Daxlanden trägt sein letztes Freundschaftsspiel vor den Verbandsspielen bereits am Samstag auf eigenem Platz gegen den FV Ettlingen aus. Neue Einteilung mit Bezirk Breiten Bei der am vergangenen Mittwoch stattgefundenen Vorstandsitzung der Fußballvereine, die unter Leitung von Kreisfachwart Baumann-Wiesental stand, und der auch Kreisvorsitzender Kauffmann-Bruchsal, sowie die Vereinsvertreter des neu hinzugekommenen Bezirks Bretten beiwohnten, ergab sich für die kommenden Punktespiele folgende neuen Klasseneinteilungen: II. Amateurliga : Kirrlach, Forst, Odenheim, Wiesental, Karlsdorf. A - K1 a s s e : (Staffelleiter Willhauck- Stett- feld): Kronau, VfB Bruchsal, Oberhausen, Huttenheim, Heidelsheim, Neudorf, Bretten, Un- teröwisheim, Langenbrücken, Philippsburg, Untergrombach, Rheinhausen, Mingolsheim, Oestringen. B-Klasse, GruppeHardt: Staffelleiter Göbel-O'öwisheim. TSV Wiesehtal, Rheinsheim, Weiher, Neuthard, Hambrücken, Stett- feld, Frank. Bruchsal, 08 Bruchsal, VfB Bruchsal lb, Zeutern, Ubstadt, FV Wiesental lb. Gntbeselztes Handballturnier «lerTSKv Brndisal Zehn Mannschaften streiten um den Sieg Das schon zur Tradition gewordene Handballturnier der TSG Bruchsal, das alljährlich im unteren Schloßgarten zur Durchführung kommt, dürfte diesmal auf die Anhänger des Handballsportes eine besondere Anziehungskraft ausüben. Einmal ist es die sehr gute Besetzung der Veranstaltung, der auch ein gesellschaftlicher Rahmen in Form eines Sommernachtsfestes beigegeben wurde, und zum andern bringen auch Kurzspiele mehr Sehnellig- Erfolyreidier ASV Germania Bruchsal Ausgezeichnete Leistungen bei den Badischen Schwerathletikmeisterschaften Bei den diesjährigen Badischen Kraftsportmeisterschaften am 12.- und 13. August in Karlsruhe waren erstmals auch die Athleten aus der französischen Zone am Start Zusammen mit den Vereinen aus Nordbaden stellten sie ein überaus starkes Aufgebot, so daß in aHen Konkurrenzen hart um den Titel gekämpft werden mußte. Um so höher sind die Leistungen der Männer zu bewerten, die hier eine Meisterschaft oder einen der vorderen Plätze errangen. Der ASV Germania Bruchsal, der infolge der bis, jetzt beschränkten Trainingsmöglichkeiten sich nur im Ringen, bei den Rundegewichtsübungen und am Einzel jonglieren beteiligen konnte, hatte in diesen Konkurrenzen ganz besondere Erfolge zu verzeichnen. Die Seniorenrundgewichtsriege des ASV erwies sich in der Unterstufe mit A. Schmiedle, Franz Konrad, Willi Naßner, Willi Schmitt, Robert Liebgott, Fritz Seeburger, Gregor Lehmann, Willi Wömer u. Adolf Seeburger gen. unter ihrem Riegenführer Jos. Schneider als beste Riege und reihte ihrer Kreismeisterschaft und dem 2. Platz der deutschen Meisterschaft auch den Titel eines Badischen Meisters an. Im Einzeljonglieren erkämpfte sich Franz Konrad den Meistertitel. Im Ringen hielten sich die Vertreter des ASV ebenfalls sehr gut und brachten zwei Meistertitel nach Bruchsal. Adolf Seeburgef jun. im Weltergewicht und Fritz Bauer im Halbschwergewicht waren in ihren Klassen die überragendeq, Ringer, die alle ihre Kämpfe überzeugend gewinnen konnten. Das Handicap seiner mehrmaligen Verletzungen hatte Adolf Seeburger volkommen überwunden, u. Bauer erfüllte die in ihn gesetzten Erwartungen, indem er zeigte, daß er für den ASV eine Verstärkung seiner oberen Gewichtsklassen bedeutet. Im Halbschwergewicht kam außerdem Kurt Lehmann auf den 5. Platz. Fritz Lautenschläger startete zum ersten Mal in der Konkurrenz der Senioren und erreichte im Fliegergewicht den 2. Platz. Willi Schmitt im Bantamgewicht brillierte durch hervorragende technische Leistungen und bewies außerdem eine besondere Härte, indem er mit kaum verheiltem Bruch des Daumens startend, diesen erneut brach, trotzdem weiterrang und sich noch den 2. Platz erkämpfte. Ewald Knoch erreichte in der gleichen Gewichtsklasse den 5. Platz. Die Ueberraschung des Tages war der Nachwuchsringer Robert Liebgott im Leichtgewicht, der in der «an stärksten besetzten Gewichtsklasse noch den 3. dieser Konkurrenz besiegte, wegen eines Fehlpunktes mehr aber auf den 4. Platz gesetzt wurde. Damit hat sich Liebgott nach seinen in diesem Jahr errungenen Kreis- und badischen Meistertiteln bei den Junioren auf Anhieb auch einen guten Platz bei den Senioren im Leichtgewicht erkämpft. In der Altersklasse I kam Emil Hiller im Leichtgewicht auf den 2. Platz, hinter dem deutschen Meister Homfeck-Karlsruhe. Nach diesen Erfolgen, die zusammen mit den hervorragenden Leistungen der Schüler, Jugend und' Junioren bei allen Konkurrenzen des Jahres ein beachtliches Leistungsniveau des ASV offenbaren, darf man auf das Abschneiden der Mannschaften bei den bald folgenden Verbandskämpfen gespannt sein. keit und damit auch mehr Reiz. Darüber hinaus kann man die Bruchsaler nach vielen auswärts errungenen Tumiererfolgen erstmals wieder mit ihrer guten Elf auf eigenem Gelände sehen. In der Bezirksklasse werden die Gastgeber diesmal zu beweisen haben, daß die letzten Siege nicht von "ungefähr waren. Einmal trifft die Elf auf Meister Odenheim, weiter ist auch Forst mit von der Partie, u. als weitere Mannschaft der TV Spöck, womit es zu einem neuerlichen Zusammentreffen der Endspielteilnehmer aus dem Stafforter Turnier kommt. — Den Sieger vorauszusagen fällt schwer, doch sollte Odenheims Spielstärke entscheidend bleiben. Die Kreisklasse sieht die Vereine TV Büchenau, TV Staffort, TV Graben, Karlsdorf, Neudorf und die TSG-Reserven im Kampf. Auch hier wird es hart auf hart gehen. Die Elf aus Büchenau hat dabei berechtigte Chancen auf den Turniersieg. — Gespielt wird 2 mal 10 Minuten im Punktsystem. Dem am Sonntag nachmittag um 13 Uhr beginnenden Hauptturnier, geht am Samstag bereits eine Veranstaltung von AH-Mannschaften voraus. Auch hier gibt es Kurzspiele, die um 17.30 Uhr ihren Anfang nehmen. Zu diesem Treffen werden sich ausgesprochen gute Mannschaften, wie TV Forst, Landespolizei Bruchsal, TV Graben und der Veranstalter selbst gegenüberstehen. Man darf gespannt sein, wer hierbei den Sieger stellen wird. — Als Abschluß hat man für den Samstag ein kleines Sommernachtfest inszeniert, zu dem bei Tanz, Unterhaltung und sportlichen Vorführungen alles herzlichst eingeladen ist. ♦ Kreisvolksturnfest 1950 Die Vereine des Kreises Bruchsal werden nochmals auf den Meldeschluß hingewiesen. Bei der Meldung sind Kampfrichter mitanzu- führen. Weiter werden die Vereine darauf aufmerksam gemacht, daß ihre erzielten Leistungen für die Badischen Vereinsmeisterschaften mitgewertet werden können. Großes Sdiautarnen fn Ubstadt Am morgigen Sonntag veranstaltet der in diesem Frühjahr erneut ins Leben gerufene Turn- u. ‘Sportverein 1902 sein erstes großes Schauturnen. Es hat werbenden Charakter und soll vor allem der Jugend Ubstadts zeigen, was eigentlich Turnen ist, wie schön und edel dieser Sport ist. Begeisterung und Freude aber soll der gesamten Bevölkerung beim Schauturnen geschenkt werden, besonders den' alten Turnern und Sportlern unter ihr. Namhafte Vereine der Umgebung, darunter Spitzentumer von Format haben ihr Erscheinen zugesagt, sodaß selten schöne Leistungen zu sehen sein werden. Für den Sonntagabend ist ein Sommernachtfest vorgesehen, in dessen Rahmen u. a. bengalisch beleuchtete Pyramiden und Keulenübungen mit in vielen Farben aufleuchtenden Keulen vorgeführt werden. Auch der MGV Freundschaft wird sich durch Vortrag herrlicher Lieder in den Dienst der guten Sache stellen. - Für gute Musik und Tanzunterhaltung ist ebenfalls bestens gesorgt. So wird sich ein Besuch des Festes sowohl nachmittags als auch abends reichlich lohnen. sch. Gruppe Bergstraße: Staffelleiter Be- gero, Bretten: Gochsheim, Menzingen, Münzes- heim, Oberöwisheim, Neibsheim, Rinklingen, Bauerbach, Büchig, Gölshausen.Obergromb-ch, VfB Bretten lb. In der A-Klasse führen die zweiten Mannschaften ebenfalls eine Verbandsrunde durch. Außerdem interessiert, daß Kreisfachwart Baumann in den engeren Verbandsausschuß berufen wurde, während Kreiskassenwart Kümmerling-Kronau als Beisitzer der Verbands-Spruchkammer tätig sein wird. Die Verbandsrunde beginnt am 10. September 1950. Jugendverbaridsrunde: Staffel 1: FV Wiesental, TSV Wiesental, Kirrlach, Oberhausen, Rheinhausen, Philippsburg, Rheinsheim, Huttenheim, Neudorf, Hambrücken, Staffelleiter: K. Arns-Kirrlach. Staffel 2: VfB Bruefysal, Frank. Bruchsal, 08 Bruchsal, Karlsdorf, Forst, Untergrombach, Obergrombach, Heidelsheim, Neuthard, Ubstadt. Staffelleiter: Klotz-Bruchsal. StaffelS: Stettfeld, Weiher, Kronau, Mingolsheim, Zeutern, Oestringen, Odenheim, Langenbrücken, Unteröwisheim. Staffelleiter: Straub-Bruchsal. Staffel 4: Oberöwisheim, Münzesheim, Gochsheim, Menzingen, Bretten, Neibsheim, Bauerbach, Büchig, Gölshausen, Rinklingen. Staffelleiter wird noch gewählt. Großes Fiißhallturnier des F.-V. 09 Philippsburg Mit einem großartig besetzten Fußball-Turnier wird der FV 09 Philippsburg am morgigen Sonntag seine Anhänger überraschen. Der bereits veröffentlichte Spielplan für diese Veranstaltung, an der sich eine größere Anzahl auch kreisfremder Mannschaften beteiligt, dürfte beste Gewähr für einige spannende und interessante Spiele geben, wodurch nicht zuletzt auch viele Sportinteressenten des Kreises der Philippsburger Veranstaltung beiwohnen werden. Neben den Reservemannschaften, sind in erster Linie die Treffen der ersten Mannschaften der Vereine Heidelberg-Pfaffengrund Spielvereinigung Oberhäuser: FV Rußheim FC Huttenheim VfR Rheinsheim die sich in Turnier-Kurzspielen gegenüberstehen, während die Begegnungen der Philippsburger Mannschaften reinen Werbe-Charakter haben. Man darf gespannt sein, wie sich die Gastgeber gegen die Elf aus Heidelberg-Pfaffengrund halten werden. — Den Siegern winken wertvolle Pokale, und bereits am Samstag gibt es einige Jugendbegegnungen zwischen Philippsburg und den Gästen des SV Germersheim. VfB Bruchsal mit 6 Mannschaften auswärts Nach ihrem schönen 6:1-Sieg am letzten Sonntag, weilen die Mannschaften des VfB diesmal auswärts. Während die 1., 2. und B- Jugendelf bei Union Heidelberg weilen, wobei die Bruchsaler auf einen sehr starken Gegner treffen, der ihnen alles abverlangen wird, sind drei weitere Mannschaften Gast des TSV Wiesental; und zwar lb, 2 und A-Jugend. Die AH spielen heute abend, 18 Uhr, gegen eine Privatmannschaft. Es wird zu einem spannenden Kampf kommen, da zu der Privatmannschaft einige neue Kräfte zugestoßen sind. Fußballwerbeturnier in Unteröwisheim Der FC 1924 Unteröwisheim startet am morgigen Sonntag ein Fußballwerbeturnier, an dem sich Mannschaften aus Stettfeld, Zeutern, Oberöwisheim und Ubstadt beteiligen. Das Häuptspiel bestreitet der Veranstalter gegen die Amateurligisten von 08 Mannheim. Kirnet eigenem Roman von Edmund Sabott Cmpji. 1948 äy Verlas Seatliagea Oertel & Sparet (28. Fortsetzung) „Ich habe ihm gesagt, daß Peer ihn nieder- schlagen würde für jede Lüge!“ Anita sprang auf. „Haben Sie gehört? Haben Sie alle genau gehört? Niederschlagen! Das wenigstens gibt sie zu. Sie hat sich noch deutlicher ausgedrückt. Ich habe es mir ganz genau gemerkt. Sie hat wörtlich gesagt: Peer wird Sie niederschlagen und ein Ende mit Ihnen machen! Stimmt das? Können Sie es abstreiten?“ „Ich streit es nicht ab“, gab Christa mit leiser Stimme zu, und Stolle fügte hinzu: „Recht hat sie gehabt. Ich hätte ein Ende mit ihm gemacht.“ „Da haben wir ja die Geständnisse!“ schrie Anita triumphierend und breitete die Arme aus, als stünde sie auf einer Bühne. „Sie gibt zu, daß sie ihn nachts zwischen zwölf und ein Uhr in den Garten gelockt hat. Kurz nach Zwölf ist Karlo erschossen worden. Sie gibt ferner zu, daß sie ihm den Tod angedroht hat, und der Herr Kapitän streitet nicht ab, daß er ganz damit einverstanden gewesen ist. Ist das ein Beweis, oder ist es keiner?“ Stolle sagte mit Nachdruck: „Es wäre erst dann einer, wenn auch alle anderen Umstände gegen Christa und gegen mich sprechen.“ „Suchen Sie nach einem Hintertürchen? Wollen Sie sich drücken? Mir genügen diese Beweise! Ihnen nicht auch, Frau Tilmann? Die alte Dame erhob sich und ging zu Christa hin Du mußt mich letzt ansehen Kind! Hast du es getan? Ja oder nein?“ „Nein!“ „Weißt du, wer es getan hat?“ Christa wollte antworten und konnte nicht Der Hals war ihr zu eng. Sie schluckte schwer, schüttelte den Kopf und brach plötzlich in Tränen aus. „Sie antwortet nicht!“ triumphiert Anita. „Sie will ihn nicht verraten, ihren Geliebten! Fragen Sie ihn doch!“ .Mich braucht keiner zu fragen! Ich habe vorhin schon gesagt, und ich wiederhole es jetzt noch einmal: Ich habe Brender nicht erschossen, und ich weiß nicht, wer es sonst getan hat. Herrgott, so quälen Sie doch Christa nicht! Seien Sie doch menschlich! Fühlen Sie denn nicht selbst, daß sie unschuldig ist? Glauben Sie diesem hergelaufenen Frauenzimmer . . . “ „Peer!“ rief Ursula warnend. Aber es war schon zu spät. Anita flammte aut „Haben Sie gehört, Frau Tilmann? Wie er mich beschimpft? Das lassen Sie zu? Sie verbieten mir sogar, mich dagegen zu wehren? Ich kann mich nicht so beleidigen lassen, nachdem man mir schon so viel angetan hat, und jetzt noch immer . . . “ Ihre Stimme wurde von Tränen erstickt. .Midi nennt er ein hergelaufenes Frauenzimmer? Dieser Mörder Karle»? Und Sie verbieten es ihm nicht?“ Sie kreischte mit so greller Stimme diese Klagen und Anklagen hinaus, daß alle, die ihr zuhörten, wie bei einem körperlichen Schmerz das Gesicht verzogen. „Wenn Ihnen die Beweise noch immer nicht genügen, ich habe noch mehr!“ schrie Anita. „An den Tage, als Herr Stolle hier ankam, haben wir ihn vor Christas Zimmer getroffen, erst Karlo, und später bin ich dazu gekommen, aber was die beiden gesprochen haben weiß ich genau. Ich hab‘s von Anfang bis zu End mitangehört. Und er hat Karlo eine Frist gestellt. Sechsunddreißig Stunden, hat er gesagt! Sind wir bis dahin nicht über alle Berge, dann macht er Schluß mit uns! Und ganz genau hat er sich an den Termin gehaltervf Und noch am gleichen Abend habe ich zu Karlo gesagt: Sieh dich vor, hab ich gesagt. Das ist ein ganz Wüster, und eine roher Patron wie alle Seeleute, die bloß immer mit ungeschliffenem Pack zu tun haben. Der kriegt's ohpe weiteres fertig und nimmt seinen Revolver ... .“ Endlich mischte sich Ursula ein: „Woher wußten Sie denn, daß Herr Stolle einen Revolver hat?* Sie stutzte und fand nicht gleich eine Antwort. „So einer hat doch immer etwas zum Schießen in der Hosentasche! Das weiß man doch!“ Stolle lachte auf. „Soll ich meine Taschen umkehren, damit Sie sehen, daß ich nichts zum Schießen bei mir habe?“ „Vorhin im Garten, als Sie Karlo heimtückisch überfielen, haben Sie jedenfalls einen Revolver gehabt!“ „So kommen wir nicht weiter!“ sagte Ursula entschieden. „Es steht ja noch längst nicht so, daß Christa oder Peer überführt sind. Sie bestreiten beide ihre Schuld. Gut, ich sehe nicht ein, warum wir ihnen weniger glauben sollen als Fräulein Anita. Der Beweis fehlt.“ „Und den bringe ich jetzt!“erklärte Stolle plötzlich zur Ueberraschung aller und ging mit zwei langen Schritten zur Tür, ging hinaus und verschwand. Die Tür fiel krachend wieder nin- ter ihm 'zu. Alle sahen sich betroffen,an. „Was meint er denn?“ fragte Anita halblaut in die allgemeine Stille. „Wo geht er hin?“ Sie schien sehr beunruhigt Plötzlich aber wandte sie sich an Frau Tilmann: ..Lassen Sie ihn nicht entwischen! Er will auf und davon! Er hat‘s mit der Angst bekommen! Lassen Sie ihn nicht weg!“ Frau Tilmann drehte sich zu Olpe um: „Bitte gehen Sie ihm nach und sehen Sie, wo er hingegangen ist, Olpe! Ich verbiete ihm das Haus zu verlassen, und wenn er sich weigert, zu bleiben, sagen Sie uns Bescheid!“ Olpe ging brummelnd und murrend hinaus. * Anita lief zur Terassentür, weil sie wohl befürchtete, Olpe werde Stolle eher zur Flucht verhelfen, als ihn davon zurückhalten, aber als sie die Hand auf die Klinke legte, stieß sie einen kleinen Schrei des Schreckens aus. Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich jäh. Sie erblaßte, ihr Mund öffnete sich und wurde schlaff. Sie wollte etwas sagen, aber das Wort stockte ihr. Alle bemerkten es, ohne den Grund für ihi Erschrecken zu erkennen. Ursula ging hinüber zur Tür, sah gleichfalls in den Garten hinaus und zuckte zusammen. „Um Gotteswillen!“ rief sie. Von der Garage her näherte sich dem Hause ein Mann, den sie nicht gleich erkannte. Er trug einen leichten grauen Mantel, eine Mütze, die er schief in die Stirn gezogen hatte, und ein Paar helle Lederhandschuhe in der Rechten. Er war ungewöhnlich groß und hager. Ein Fremder zu dieser Stunde hier im Garten! Und er kam von der Garage her, in der der Tote lag. Vielleicht hatte er ihn sogar schon »eseheni „Alf!“ rief sie und drehte sich zu ihrem Bruder um. Alle blickten hinaus. Hans war der erste, der den Fremden dort draußen erkannte. „Gronne!“ rief er. JLiesbeth, Ihr Bruder ist da! Wo kommt er so in aller Frühe schon her?“ (Fortsetzung folgt) Samstag, den 1-0. August 1990 Rüdiblidi and Sportneuigkeiteii Erfolgreiche Ringer: Auf die starken Männer unseres Kreises können wir erneut stolz sein, denn wenn bei den badischen Ringermeisterschaften in der Aktiven-Klasse von acht zu vergebenden Titeln gleich vier in den Kreis Bruchsal fallen, dann ist das mal wieder eine Leistung, die keine andere Sportart aufweisen kann. Bei stärkster Besetzung kamen Wagner- Oestringen im Fliegengewicht, Adolf Seeburger-Bruchsal im Weltergewicht, Schweik- kert-Kirrlaeh im Leichtgewicht, und Bauer- Bruchsal im Halbschwergewicht zu Meisterehren, womit erneut unterstrichen ist, daß wir über eine hervorragende Ringer-Garde verfügen. Zweite Plätze belegten im Fliegengewicht Lautenschläger-Bruchsal und im Bantamgewicht Schmidt-Bruchsal. Neuerlicher Schwimmersieg: Erwartungsgemäß schlossen die Schwimmer des BSV auch ihren Start in Gaggenau erfolgreich ab. Mit 218 erreichten Punkten, gegenüber 180 der Gastgeber, und einem 3:0- Wasserballsieg, fanden die Bruchsaler, deren Schwimmer insbesondere im Schmetterlingsstil auffielen, eine ausgezeichnete Kritik. Neben den alten bekannten Namen der Senioren-Teilnehmer, waren es wieder die Jugendlichen, die sich besonders auszeichneten. Der junge Hanspeter Bollinger schlug dabei über 100 m Kraul-Männer das gesamte Feld, und war mit zwei erzielten Treffern auch erfolgreichster Torschütze beim Wasserbau. Daß es dabei Stunden schönster Sportkameradschaft im herrlich gelegenen Waldseebad in Gaggenau gab, sei noch am Rande vermerkt. Der Verbandstag der Skiläufer bzw. des Ski-Verbandes Schwarzwald findet am 9./10. September in den Siechen-Gaststät- ten in Mannheim statt. Tischtennis Am Samstag, 20. August, 21 Uhr, findet im Gasthaus zum „Reichsadler“ in Karlsdorf eine wichtige Sitzung der Tischtennisvereine und Abteilungen des Kreises Bruchsal statt. Da bei dieser Sitzung wichtige Fragen, insbesondere das neue Spielsystem (Paar-Kreuz-System) zu besprechen sind, hat jede Abteilung mindestens ein Vertreter zu entsenden. Vereine, die nicht anwesend sind, können an der Verbandsrunde nicht teilnehmen, da die ersten Spiele gleich ausgelost werden. VfB Bruchsal, Tfschtennisabteilung. Das Training der Abteilung fällt wegen Reparatur-Arbeiten in der Turnhalle nächste Woche aus. Der nächste Spielabend ist Montag, den 28. August 1950. Karlsdorf Am Sonntag veranstaltet der TV Karisdorf auf der traditionellen Festwiese am Saalbach- Katholische Gottesdienste Stadtkirche: 12. Sonntag n. Pf. 6 Uhr Frühmesse; 8.15 Uhr lev. Patroziniumshochamt mit Predigt, Tedeum und Segen (Kräuterweihe); 11 Uhr Singmesse mit Predigt; 20 Uhr Marienfeier mit Segen. Notkirche: 7 Uhr Frühmesse; 9.15 Uhr Hauptgottesdienst mit Monatskommunion der Kinder; 19.30 Uhr Rosenkranz. Hofkirche: 7 Uhr Frühmesse mit hl. Kommunion; 8 Uhr Jugendgottesdienst; 9 Uhr Hauptgottesdienst mit Predigt; 10.30 Uhr Singmesse mit Predigt; 20 Uhr Vesper. St. Peter: Feier des 45jährig. Ortsjubiläums von Geistl. Rat und Stadtpfarrer R. Stöckle. 6 Uhr hl. Kommunion und Beichtgelegenheit; 7 Uhr Frühmesse; 8.15 Uhr Festgottesdienst mit Festpredigt; 10.30 Uhr Singmesse; 20 Uhr Dankesandacht. Strand ein Mannschaftsgeräteturnen. Namhafte Vereine wie Obergrombach, Gochsheim und Oberhausen haben ihre Teilnahme zugesichert. Geturnt wird um den Wanderschild, wobei mit äußerst spannenden Kämpfen gerechnet werden muß, da unter den Mannschaften die Spitzentumer aus der Kreisriege zu finden sind. St, Paul: 7 U'hr Frühmesse; 8 Uhr Schülergottesdienst mit Predigt; 9.30 Uhr Amt mit Predigt; 14 Uhr Herz-Mariä-Bruderschaft mit Segen; 14.30 Uhr Versammlung des III. Ordens. St. Maria: 7.30 Uhr hl. Messe. St. Paulusheim: 6 und 7 Uhr hl. Messen; 9 Uhr Amt; 17 Uhr Abendandacht. Evangelische Gottesdienste Evang. Stadtpfarramt Bruchsal. 11. Sonnt, n. Trin. 8.30 und 9.30 Uhr Gottesdienst. Vik. Pfr. Kretzer. Mitwoch, 23. 8.: 7.15 Uhr Morgenwache. Donnerstag, 24. 8.: 20 U'hr Abendsegen. Evang. Gemeinschaft, Moltkestr. 8: 9.30 Uhr Predigt; 10.30 Uhr Sonntagsschule. Untergrombach: Sonntag, 20. Aug.: 14.38 Uhr Gottesdienst. Vik. Pfr. Kretzer. Gottesdienste am Sonntag Ihr« Verlobung gaben bekannt Bruchsal • Holzgerlingen Bergstraße 8 Dr. med. RUTH STAUDT Dr. rer. na». ERICH MEINZINGER STATT KARTEN Klem-Winfernheim bei Mainz Aufoverleih an Selbstfahrer mit neuen Fahrzeugen AUTO-WOLL BRUCHSAL Kheinslr. 13 - Tel. 513 Für die uns anläßlich unseres Geburtstages erwiesene Anfmerksamkeiten auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank Johann Bohleber und Frau Wir haben unsere Gaststätte wieder eröffnet Frau Bauer Ww. „Gasthaus zum Markus’'* Schrempp-Printz Biere ÜBERALL BEKANNT UNO BELIEBT Set neue Wagen füc Sie Ein Borgward 4-To-Diesel-LKW Ladefläche: 4400x2200x480 Nutzlast: 4000 kg Geräumiges Führerhaus für drei Personen Öldruckbremse mit Drudeluftvorspann Welten Auskunft erteilt unverbindlich Vertragshändler AUTOHAUSA. VELTEN BRUCHSAL Schönbomstraße - Telefon 230 iflllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllülllllllllllllffllillllllll Europa-Lichtspiele zeigen vom 18. bis 21. 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