BRÜCHSALER POST SÜDD. HEIMATZBITUNG FÜR KRAICHGAU UND BRUHRAIN Nummer 213 Mittwoch, den 13. September 1950 Einzelpreis 15 Pfennig Erste Sitzung der Außenminister in New York Im Waldorf-Astoria-Hote! von Acheson eröffnet — US-Verteidigungsminister Johnson zurückgetreten New York (UP). Im Konferenzsaal des Waldorf-Astoria-Hotels wurde die erste Sitzung der Außenminister der drei Westmächte vom amerikanischen Außenminister Acheson eröffnet. Fast gleichzeitig mit dem Beginn dieser entscheidenden Besprechungen ist der Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten, Louis Johnson, zurückgetreten. Präsident Truman gab bekannt, daß er General George Marshall als Nachfolger gewählt habe. Gleichzeitig gab das Weiße Haus bekannt, daß Präsident Truman durch eine Sondergesetzgebung den sofortigen Dienstantritt Marshalls möglich machen will. General Marshall war während des zweiten Weltkriegs US-Generalstabschef und späterer Außenminister. Im Augenblick ist er Leiter des Roten Kreuzes der Vereinigten Staaten. Johnson soll Differenzen mit Außenminister Acheson über Fragen der Außenpolitik gehabt haben. Auch wurden Gerüchte laut, nach denen er im geheimen die Republikaner mit politischem Material gegen den Außenminister ausgestattet haben soll. Malik erneut überstimmt Sicherheitsrat beschloß bevorzugte Erörterung des US-Antrags auf Bildung einer Untersuchungskommission Lake Success (UP). Auf der provisorischen Tagesordnung des Sicherheitsrats stand als erster Punkt die von der Sowjetunion im Aufträge des kommunistischen China ein- gebrachte „Beschwerde über die bewaffnete Invasion gegen Formosa“. Der amerikanische Delegierte Austin forderte dagegen den Rat auf, den amerikanischen Antrag auf Bildung einer Untersuchungskommission zur Prüfung des mandschurischen Zwischenfalls mit Vorrang zu behandeln. „Es kommt nicht darauf an, welcher Antrag zuerst eingebracht wurde“, sagte er. „Wir müssen mit Vernunft handeln und zuerst das besprechen, was uns weiterbringt. Die Beschuldigungen des kommunistischen China können erst dann erörtert werden, wenn eine Untersuchungskommission die Tatsachen festgestellt hat.“ Der sowjetische Delegierte Malik bestand auf Einhaltung der Verfahrensordnung. Es sei nicht üblich, einen später eingebrachten Antrag mit Vorrang vor den früher vorgelegten zu behandeln. Präsident J e b b sagte darauf, daß die Forderung der Vereinigten Staaten keineswegs einen Verstoß gegen die Tagesordnung darstelle. Der französische Delegierte C h a u v e 1 sagte: „Niemand kann dem Rat das Recht absprechen, von der Tagesordnung abzuweichen, wenn er.es für notwendig hält.“ Malik warf ein, die Vereinigten Staaten hätten schon die Einladung eines Vertreters des kommunistischen China sabotiert und versuchten nun, die sowjetischen Vorschläge von der Tagesordnung zu verdrängen. Der Sicherheitsrat schritt dann zur Abstimmung. Mit sieben Stimmen gegen eine beschloß der Rat, zunächst den amerikanischen Antrag Gefühle nicht am Platz Heliand zu einer deutschen Wiederaufrüstung Den Haag (UP). Ein offizieller niederländischer Sprecher erklärte, Holland erkenne den Wert einer deutschen Wiederbewaffnung*. Die Regierung messe — von strategischen Gesichtspunkten aus gesehen — einer solchen Maßnahme große Bedeutung zu. In diesen I t;. n seien gefühlsbetonte Erwägungen nucht am Platze. Auch Belgien macht sich, wie aus Brüssel verlautet, wegen der Möglichkeit, bald wieder ein aufgerüstetes Westdeutschland zum Nachbarn zu haben, keine Sorgen. Amtliche Kreise meinen, lediglich die „Aufstellung militärischer Einheiten in der sowjetischen Be- sstzungszone“ habe eine „beunruhigende Wirkung“. Die Regierung selbst bewahrt offiziell Schweigen. Zweite Phase: Sammlung „Regenbogen“ im Zeichen der „Angreifer“ Heidelberg (UP). Die alliierten Truppen, die einem angenommenen Angriff aus dem Osten ausgesetzt sind, haben am zweiten Tag des „Unternehmens Regenbogen“ eine „vorbereitete rückwärtige Verteidigungslinie“ erreicht und damit begonnen, sich neu zu sammeln, um den Angriff zum Stehen zu bringen. Den mit grünen Uniformen ausgestatteten „Angreifern“ ist es jedoch im Laufe des Tages gelungen, die östlich des Rheines liegende Verteidigungslinie an drei Stellen zu durchbrechen. Dem Durchbruch ging eine erfolgreiche Aktion von Fallschirmspringern der Angreifer voraus, die im Rücken der Verteidiger abgesetzt worden waren. auf Bildung einer Kommission zur Untersuchung des mandschurischen Zwischenfalls zu erörtern. Gegen den US-Vorschlag stimmte lediglich die Sowjetunion. Indien, China und Jugoslawien enthielten sich der Stimme. Malik richtete nach der Abstimmung erneut heftige Angriffe gegen die Vereinigten Staaten und erklärte, diese, hätten die Luftangriffe auf mandschurisches Gebiet bereits zugegeben. Die Bildung einer Kommission zur Untersuchung der chinesischen Beschuldigungen sei daher völlig überflüssig. Der sowjetische Delegierte legte anschließend das 45. Veto Moskaus im Sicherheitsrat ein, um den amerikanischen Vorschlag auf Bildung einer Kommission zur Untersuchung des mandschurischen Zwischenfalls abzuleh- nen. * In einer vorangegangenen geschlossenen Sitzung hatte der Sicherheitsrat mit zehn Stimmen bei einer Stimmenthaltung den Jahresbericht des Rats bestätigt. Der sowjetische Delegierte Malik, der vorher gedroht hatte, sein Veto einzulegen, begnügte sich damit, sich der Stämme au enthalten, so daß der Bericht an die Vollversammlung weitergeleitet werden kann. London verstärkt Besatzungstruppen Attlee kündigt dritte Division an — London (UP). Der britische Ministerpräsident Attlee gab vor dem Unterhaus die beabsichtigte Verstärkung der britischen Besatzungstruppen in Deutschland um eine voll- ausgerüstete Infanterie - Division bekannt. Gleichzeitig sollen die zwei bereits in der britischen Besatzungszone stationierten Divisionen auf volle Kriegsstärke gebracht werden. „Wir werden deshalb“, so sagte Attlee, „in Deutschland etwas mehr als drei voll ausgerüstete Divisionen haben. Außerdem wird es möglich sein, die in anderen Teilen der Welt stationierten vier Divisionen auf Kriegsstärke zu bringen“. In der “Debatte erklärte Churchill, der der Regierung ganz allgemein „Mangel an Voraussicht“ vorwarf, daß drei britische Divisionen in Deutschland der gefährlichen Lage dort nicht annähernd gewachsen seien. Er betonte, daß eine europäische Armee, an der Deutschland und Italien mit acht bis zehn Divisionen beteiligt sein sollten, eine Stärke von siebzig bis achtzig Divisionen haben müsse, „um die, erschreckende Lücke an der Front des Westens auszufüllen“. Im Rahmen des Aufrüstungsprogrammes seien, wie der Premier weiter ausführte, bereits Aufträge in Höhe von 50 Millionen Pfund Sterling vergeben worden, die hauptsächlich Neubauten von Flugzeugen, Unterseeboote und schweren Waffen beträfen. Das Rüstung belastet britische Wirtschaft Aufrüstungsprogramm bedeute eine schwere Belastung der britischen Wirtschaft. „England wird nicht in der Lage sein, die ohnehin wenig zufriedenstellende Produktion von Privatautos zu erhöhen. Es ist auch nicht zu vermeiden, daß der Bevölkerung weniger Radio-Apparate und Fernsehempfänger zur Verfügung gestellt werden können. Unausbleiblich ist außerdem ein Anziehen der Preise“. Im Hinblick auf den von Seiten der konservativen Partei erhobenen Vorwurf gegen die Entsendung von kriegswichtigen Maschinen an die Sowjetunion oder ihre Satelliten, versprach Attlee dafür zu sorgen, daß den westlichen Alliierten keine Waren entzogen würden, die sie unbedingt benötigten. „Kanonen oder Butter“ Auch die Bevölkerung der Vereinigten Staaten wird auf die Notwendigkeit von Einschränkungen und Entbehrungen hingewiesen. So betonte, wie aus New York verlautet der bekannte Finanzmann und Politiker Bernhard Baruch, in der Zeitschrift „Look“, der Kreml habe die USA herausgefordert, „zwischen Kanonen und Butter, zwischen Einschränkungen oder der Niederlage“ zu wählen. Gewissermaßen als Trost erklärte fast gleichzeitig der Senator Stennis, nach seiner Information hätten die USA 450 fertiggestellte, Atombomben „und vielleicht auch mehr“. ' General Schwerin Sicherheitsspezialist Offizielle Mitteilung des Bundespresseamts Kombinationen um General Speidel Bonn (UP). Der ehemalige Panzergeneral Einfluß auf die' Abkehr Rommels von Hitler Gerhard Graf Schwerin steht, wie es in einer offiziellen Mitteilung des Bundespresseamts heißt, dem Bundeskanzler „nach Bedarf in technischen Fragen der Sicherheit zur Verfügung“. Damit hat die Bundesregierung zum ersten Mal amtlich bestätigen lassen, daß Dr. Adenauer Berater für das Sicherheits- Problem aus den Reihen ehemaliger Generale herangezogen hat. Graf Schwerin lebt seit längerer Zeit als Kaufmann in Bonn. In Kreisen der Bundesregierung wird betont, daß er wegen seines selbständigen Handelns während des Krieges das volle Vertrauen der Westmächte genieße. Neben ihm sollen noch der frühere Oberst Fischer und- der Sohn des im Zusammenhang mit dem zwanzigsten Juli 1944 ermordeten Generals Oster für diese Aufgabe tätig sein. Schwerin wurde im Jahre 1899 in Hannover als Sohn des damaligen Polizeipräsidenten Graf Schwerin geboren. Er trat 1914 in den aktiven Heeresdienst ein, und wurde während des ersten Krieges in Frontstellungen verwendet. In der Nachkriegszeit war er bis 1923, als er wieder in das Heer eintrat, als Kaufmann tätig. Als Sachbearbeiter für England und Amerika im Generalstab des Heeres, setzte sich Schwerin in den Jahren 1938/39 in starken Widerspruch zum OKW und Hitler, nachdem er wiederholt den, für Deutschland schädlichen Kurs gegenüber England und Amerika angegriffen hatte. Er wurde deshalb immittelbar vor Ausbruch des Krieges aus dem Generalstab entlassen. Im zweiten Weltkriege diente er in Frontstelltuigen in Frankreich, Afrika und Rußland, davon zwei Jahre als Kommandeur der 116. Panzerdivision, ,Er war zuletzt Kommandeur des 76. Panzerkorps in Italien und ein Anhänger des Kreises um Generaloberst Beck. Maßgebliche Persönlichkeiten der Bundesregierung betonen im Zusammenhang mit verschiedenen Nachrichten über die Heranziehung weiterer Generale, daß der Bundeskanzler den häufig genannten General Dr.. Speidel bisher nicht empfangen habe. Speidel, der als Chef des Stabes bei Feldmarschall Rommel tätig war, soll nach den Informationen dieser Kreise maßgeblichen ausgeübt haben. Er gehöre daher zu den Personen, die für spätere Aufgaben einmal in Betracht kämen, Eine Reihe von bekannten Generalen der ehemaligen Wehrmacht würde eine Berufung Speidels sehr begrüßen. Er gilt unter den ehemaligen Generalstäblern und den jüngeren Generalen als ein „hervorragender Kopf“. Sollte er ein Amt im Rahmen der Bundesregierung bekommen, das sich mit Sicherheit sf ragen beschäftigt, halten es militärische Kreise für möglich, daß er drei bekannte frühere Soldaten als Mitarbeiter bestellen würde: Den früheren „Chef der Operationsabteilung im Generalstab“, Genera! Heusinger, den Militärschriftsteller General F ö r t s c h und den ehemaligen Chef des Stabes von Heusinger, Oberst von Grol- man. Ein neues Interview In maßgebenden Bonner politischen Kreisen herrscht merkliche Verstimmung über ein neuerliches Interview des Bundeskanzlers, das dieser dem linksgerichteten französischen „Franc Tireur“ gewährte und in dem sich Dr. Adenauer zum Sicherheitsproblem äußert, anscheinend ohne neue Gesichtspunkte anzuführen. Adenauer habe, so schreibt der Vertreter des „Franc Tirour“, an ein Kind erinnert, „das ein vom Weihnachtsmann- erwartetes Spielzeug schildert“, als er ihm seine Gedanken über die Bewaffnung der Bundespolizei vorgetragen habe. Bundespressechef Brand mußte zugeben, daß ihm der offizielle Text noch nicht vorliege, daß er keine Kenntnis von dem Zustandekommen des Interviews gehabt habe und daß er auch noch nicht wisse, ob der Bundeskanzler den vorliegendöl unvollständigen Text des Interviews inhaltlich bestätigt habe. Auch der Leiter der Dienststelle für auswärtige Angelegenheiten, Ministerialdirektor Blankenborn, soll über das Interview nicht unterrichtet gewesen sein. Ans Rußland helmgekehrt. Bei der Bahnhofsmission in Helmstedt trafen in der Woche vom 4. bis 9. September insgesamt 54- Heimkehrer aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft ein Deutsche Offiziere im europäischen Oberkommando? Von unserem Korrespondenten Washington. Die amerikanische Regierung hat sich jetzt endgültig dafür entschieden, Westdeutschland in die europäische Verteidigungsfront einzubeziehen. Die jüngsten Erklärungen Acheson s lassen keinen Zweifel darüber, daß dieser versuchen wird, seine beiden europäischen Kollegen auf der im Gang befindlichen New Yorker Außenministerkonferenz von der Richtigkeit dieses Standpunkts der USA zu überzeugen. Schon in der vergangenen Woche war hier bekannt, daß der Hohe Kommissar Mc C1 o y eine solche Politik sowohl Präsident Truman als auch dem Außenministerium empfohlen hatte. Nach Informationen aus gut unterrichteten Kreisen soll McCloy ferner angeregt haben, die künftigen deutschen Divisionen unter dem Befehl eigener Offiziere aufzustellen und deutsche Militärs in das „Oberkommando für die Verteidigung Europas“ aufzunehmen — eine Maßnahme, die freilich keine Wiederauferstehung eines deutschen Generälstabes bedeuten dürfe. Westdeutschland sei, so habe der Hohe Kommissar versichert, dazu bereit, innerhalb des kommenden Jahres zehn Divisionen aufzustellen, falls die Vereinigten Staaten für deren Ausrüstung sorgen würden. (Es wäre interessant zu wissen, ob und von wem der Hohe Kommissar eine deutsche Zusage hinsichtlich einer solchen Remilitarisierungsbereitschaft erhalten hat. D. R.) Der weitere Verlauf der New Yorker Konferenz wird zögen, ob sich Acheson dazu entschlossen hat, McCloy hier ganz zu folgen, oder ob er Schuman und Bevln modifizierte Vorschläge unterbreiten wird. Man erwartet, daß die USA Großbritannien und Frankreich auffordern werden, die Anregungen des Hohen Kommissars im einzelnen zu billigen. Sollten, was zu erwarten ist, die amerikanischen Vorschläge auf ernsthaften Widerstand seitens der beiden europäischen Partner stoßen, so dürften sie nach Ansicht hiesiger Beobachter im Verlauf der Besprechungen einiges von ihrer Substanz und Tragweite einbüßen. Daß Schuman zumindest für die nächste Zeit keine Aufstellung deutscher militärischer Einheiten wünscht, ist bekannt. Auch Bevin hat sich bei seiner Ankunft in New York gegen deutsche Divisionen geäußert und erklärt, daß dies nicht der richtige Weg sei, um Deutschland wieder in die Gemeinschaft der Völker aufzunehmen. In der amerikanischen Öffentlichkeit mehren sich einstweilen die Stimmen, die mit der Forderung nach deutschen Soldaten die Erkenntnis verbinden, daß gleichzeitig die volle Souveränität der Bundesrepublik hergeeteilt werden müsse. So schreibt die Zeitung „Chicago Daily Tribüne“ in einem Leitartikel, daß eine westdeutsche Armee, die wirklich ihren Zweck erfüllen solle, nicht als eine Art Überpolizeitruppe organisiert und nur mit leichten Waffen ausgerüstet werden dürfe. „Um gegen Panzer zu kämpfen, müssen die Deutschen auch Panzer und alle anderen erforderlichen schweren Waffen erhalten. Außerdem kann niemand erwarten, daß die Westdeutschen bereit sein werden zu kämpfen, solange ihre Regierung nicht als souverän und unabhängig anerkannt wird." Und der Senator C a i n erklärte: „Wenn wir wollen, daß Westdeutschland einen Beitrag zur Verteidigung Europas leistet, müssen wir ihm erlauben, eine Nation im wahrsten Sinne des Wortes zu werden. Wenn wir wollen, daß Deutschland mit uns geht, dann muß die« unter deutschen Bedingungen geschehen. Wenn wir annehmen, daß es uns helfe, während es in halber Knechtschaft und ein Vasall bleibt, dann nehmen wir auf uns die Schuld, uns selbst zum Narren zu halten." Während man in Washington fast allgemein die Ansicht vertritt, daß eine vereinigte europäische Armee unter einem amerikanischen Oberbefehlshaber stehen werde — man spricht dabei von General Eisenhower — gibt es doch einige offizielle Kreise, die sich dafür einsetzen, lieber einen europäischen Oberkommandierenden zu ernennen. Sie sind der Ansicht, daß die Unterstellung der europäischen Streitkräfte unter einen amerikanischen Befehlshaber die andern Mitgliedstaaten des Atlantikpaktes veranlassen könnte, von den USA einen zu großen Anteil an den Verteidi- gunßsanstrengungen zu erwarten. / Mittwoch, den 18. September 1950 US-Truppen im Gegenangriff Energischer Widerstand der Nordkoreaner — Nordfront Mittelpunkt des Kampfes Smuts wird als Soldat beerdigt Regierung hatte Staatsbegräbnis angeboten Pretoria (UP). Die sterblichen Überreste Jan Christian Smuts wurden in eine Leichenhalle übergeführt. Die südafrikanische Regierung hatte der Familie des Verstorbenen angeboten, den Feldmarschall durch ein Staatsbegräbnis beisetzen zu lassen. Diese bestand jedoch auf einem militärischen Leichenbegängnis, das am Freitag stattfinden soll. Nach der Einäscherung wird die Asche Smuts’nach des- __ 0 _ ___ sen persönlichen Wunsch auf dem Gelände des Vorstoßes gegen Tabudong, dem sich die wurden. Superfestungen trafen ein Mu Volkskammer-Vizepräsident geflüchtet Josef Rambo in Westberlin eingetroffen Berlin (UP). Der Vizepräsident der provisorischen Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik und erster Vorsitzender der CDU in Sachsen, Josef Rambo, ist nach Westberlin geflohen. Rambo konnte seine Familie, seine Möbel und seinen Dienstwagen von Dresden mitnehmen. Er sagte, daß er geflohen sei, weil es einem Politiker Nördlich Taegu richtet sich die Spitze J ichen * ie S utem ^olg angegrif- <|er CDU auf dm Dauer nicht möglich sei, in ^ _ rr__ j _ j.-.. fen wurden. SuDerfestunaen trafen ein Mu- ue E uu . sein. Von UP-Korrespondent I. Hob.itckl Tokio (UP). Die amerikanischen Trappen befinden sich an beiden Flanken der nördlichen Front des Brückenkopfes in Korea im Angriff gegen die Nordkoreaner, deren Offensive endgültig ihre Schwungkraft verloren zu haben scheint. Bataillone eingeschlossen waren, wurde vernichtet. An der Naktong-Front und kn südlichen Abschnitt der Westfront herrscht nur geringe Kampftätigkeit. Die Tätigkeit der amerikanischen Jagdbomber richtete sich vor allem auf die nordkoreanischen Stellungen an der nörd- seiner Farm verstreut werden. Grenzzwischenfall in Nahost. Nach . jordanischer Darstellung haben israelische Truppen überraschend die Grenze überschritten und beim Zusammenfluß des Jordans mit dem Yarmuk jordanisches Gebiet besetzt. Jordanien hat sich in dieser Angelegenheit beim Sicherheitsrat beschwert. Amerikaner auf etwa 9 km genähert haben, nitionslager bei der nordkoreanischen Haupt nachdem sie im ersten Sturm 1,5 km Boden stedt^Pyongyang, modern naai dön^Angriff gewannen. Der Widerstand des Gegners, des- ~ ” sen Stärke in diesem Abschnitt auf 30 000 Mann geschätzt wird, ist sehr energisch. Bedeutend schwächer ist die Gegenwehr der Nordkoreaner im Raum von Po hang, wo die Amerikaner etwa drei Kilometer Boden gewannen. Ein Kessel in der Nähe des Flugplatzes Pohang, in dem zwei nordkoreanische Bonn (UP). „Wir müssen auf strafrechtlichem Gebiet alle Vorkehrungen treffen, um die selbst gewählte Freiheit zu erhalten“, betonte Bundesjustizminister Dr. Dehler, als er vor dem Bundestag einen Gesetzentwurf ■ur Änderung des Strafgesetzbuches begründete. Dieses Strafrechtsänderungsgesetz sieht unter anderem Strafbestimmungen für Verrat von Staatsgeheimnissen und staatsfeindliche Zusammenarbeit mit dem Ausland vor, ferner die Schaffung einer Bannmeile für das Parlament, Schutz der freien und geheimen Wahlen und Schutz des Staatsoberhauptes. Die Anwerbung von Deutschen in der Bundesrepublik für Wehr- und Rüstungsdienste einer auswärtigen Macht ist ebenso strafbar wie die Anwerbung für die Volkspolizei. Für die CDU-Fraktion erklärte Abgeordneter Bausch die Zustimmung zum Änderungsgesetz. Sprecher der Opposition meldeten jedoch starlse Bedenken gegen ein „so allgemein gehaltenes Gesetz“ an, das „außerdem presse- und gewerkschaftsfeindliche Tendenzen enthalte“. „Nur wenn man durch sein eigenes Verhalten ein Vorbild gibt, kann man in der Lage sein, strafrechtlich gegen die Gefährdung der Staatssicherheit vorzugehen“, rief der SPD-Abgeordnete Arndt aus und verkündete damit gleichzeitig die Ablehnung seiner Partei. Auch der FDP-Ab geordnete Euler erklärte sich mit einigen Punkten des Entwurfs nicht einverstanden. Der Abgeordnete der Deutschen Reichspartei von Thadden vertrat die Ansicht, es müsse auch unter Strafe gestellt werden, wenn die Erfüllung der Soldatenpflicht zu einer Zeit, in der sie noch nicht strafbar war, verächtlich gemacht werde. Der Gesetzentwurf wurde nach längerer betroffen sind, dann eine Grundrente erhal- Debatte dem Rechtsausschuß überwiesen. Im „Hammelsprung“ Mit 149 gegen 132 Stimmen bei zwei Stimmenthaltungen sprach sich der Bundestag im „Hammelsprung“ gegen die Beratung einer SPD-Interpellation zu öffentlichen Äußerungen von Bundesnvinistern über außenpolitische Themen aus. SPD, Bayern- Partei, WAV und Zentrum drangen auf eine Beantwortung der Interpellation, während sich die Regierungsparteien auf den Standpunkt stellten, daß eine Behandlung in Abwesenheit des Bundeskanzlers abzulehnen sei. Die SPD hatte sich in ihrer Interpellation dagegen gewandt, daß einzelne Kabinettsmitglieder sich öffentlich im Widerspruch zur außenpolitischen Linie der Bundesregierung gesetzt hätten. Ein Gesetzentwurf, der das Tragen von Uniformen oder anderen gleichartigen Kleidungsstücken „als Ausdrude einer gemeinsamen politischen Gerinnung“ verbietet und die gesetzlichen Grundlagen für öffentliche Versammlungen und Aufzüge schafft, wurde nach kurzer Beratung des Bundestages an die zuständigen Ausschüsse verwiesen. Die Vorlage des Versammlungsordnungsgesetzes, die von Bundesinnenminister Heinemann begründet wurde, stellt außerdem grobe Störungen von Versammlungen und tätlichen Widerstand gegen die Versammlungsordner unter Strafe. ten, wenn ihr monatliches Einkommen unter 800 DM liegt. Auf der anderen Seite hat sich das Kabinett mit dem Vorschlag des Bundesrates einverstanden erklärt, die sogenannte Interessenquote der Länder von 25 auf 15 Prozent herabzusetzen. Die Interessenquote bestimmt den prozentualen Anteil der Länder an der Aufbringung der Mittel. Das Kabinett hat ferner die Bildung eines Bundesgesundheitsrats mit etwa 80 Mitgliedern beschlossen. Dfer Rat soll sich aus Vertretern der Wissenschaft, der öffentlichen und privaten Verbände und der Industrie zusammensetzen. Seine Mitglieder werden für vier Jahre auf Vorschlag des Bundesinnenministers im Einvernehmen mit -den Ländern bestellt. „Fall Schäffer“ vertagt Der Ältestenrat des Bundestages beschloß, über den Mißtrauensantrag der Bayernpartei gegen den Bundesfinanzminister Dr. Schäffer erst am Mittwoch nächster Woche zu beraten. Mitglieder des Ältestenrates betonten, die Vertagung bedeute praktisch, daß der Bundestag die Einwände des Bundeskanzlers gegen eine Behandlung dieses Antrags nicht anerkenne. Der Kanzler hatte dem Bundestagspräsidium mitgeteilt, daß er die Behandlung eines Mißtrauensantrages gegen einen einzelnen BJinister als verfassungswidrig an- sehen müsse. NEUES AUS ALLER WELT MG-Feuer aus der Universität Stndentenunruhen in Bolivien L a P a z (UP). In der bolivianischen Hauptstadt La Paz brachen Studentenunruhen aus. In den Universitätgebäuden hatten sich Gruppen von Studenten und Mitgliedern der national-revolutionären Partei verbarrikadiert und beschossen die umliegenden Stadtviertel mit Maschinengewehren. Nachdem Polizei die Universitätsgebäude umstellt hatte, ergaben sich die Aufständischen. 50 Personen wurden verhaftet. Schwere Explosion in Kraftwerk Zehn Menschen nm« Leben gekommen E1 d r e d, Pennsylvania (UP). Das Kraftwerk der hiesigen „National Powder Company“ wurde durch eine schwere Explosion erschüttert. Nach den ersten Berichten von der abgelegenen Unfallstelle sollen zehn Personen ums Leben gekommen sein. Shaw wird „zuviel gewaschen“ Trotz Beinbruch erstaunlich munter Er saß in seinem Bett, scherzte mit den Ärzten und hatte nur eine Beschwerde vorzubringen: er werde zuviel gewaschen. Kein Mensch kann gegenwärtig sagen, ob Shaw wieder die Gehfähigkeit erlangen wird. Sein Bruch ist, wie ein Röntgenbild zeigte, sauber eingerichtet-, so daß an sich jede Voraussetzung zu einer einwandfreien Heilung gegeben ist Bei Menschen, die in so hohem Alter stehen wie G. B. S., muß jedoch mit allem gerechnet werden. Eifersüchtiger Amokfahrer vor Gericht Bad Hersfeld-(lh). Wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilte das Schöffengericht Bad Hersfeld den 26jährigen Kraftfahrer Mönch aus Schwarzenborn (Kreis Ziegenhain) zu einem Jahr Gefängnis. Mönch war ‘im April am Ortsausgang von Untergeis mit seinem Motorrad vorsätzlich in eine aus fünf Personen bestehende Fußgängergruppe gefahren. Ein 17jähriges Mädchen, das dabei schwer verletzt wurde, hatte ihm erst kurz vorher den Laufpaß gegebene Hoffnung auf Rettung aufgegeben. Die bri- heftige Explosionen beobachtet wurden. Nordkoreas Industrie vernichtet Die nordkoreanische Regierung teilte den Vereinten Nationen mit, daß Nordkoreas Rambo wird vom Exilvorstand der OstCDU nicht als politischer Flüchtling aner- •kannt. In einer entsprechenden Erklärung wird er als einer der „übelsten Einpeitscher sowjetischer Methoden und Maßnahmen“ sowie als „Kollaborateur mit den Sowjets“ bezeichnet. Gleichzeitig wird Rambo beschuldigt, Paragraphen gegen „Feinde der Freiheit" Bundestag debattiert Entwurf zu Änderung des Strafgesetzbuches SPD-Interpellation abgelehnt gesamte Schwerindustrie und der den Sturz und die Beseitigung des ehemaligen .größte Teil seiner Leichtindustrie durch die ersten Vorsitzenden der Ost-CDU Sachsen, amerikanischen Flieger „v ö 11 i g z e r s t ö r t“ Professor Hickmann, auf Anordnung der worden sei. Diese überraschende Erklärung ist Sowjets durchgeführt zu haben, in einem Telegramm des nordkoreanischen Auf einer außerordentlichen Sitzung des Außenministers an den UN-Generalsekretär Landesverbandes der Ost-CDU wurde Rambo Trygve Lie und den Präsidenten des Sicher- nach seiner Flucht sämtlicher politischer Am- Für Versammlungen in geschlossenen Räumen bedarf es nach dem Gesetz keiner Genehmigung, öffentliche Versammlungen unter freiem Himmel sind „anzeigepflichtig. Öffentliche Versammlungen können verboten oder mit einer Auflage bedacht weiden, wenn immittelbare Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit besteht. Ein Gesetz zur Schaffung eines Bundeskriminalamtes wurde nach erster Lesung an den Ausschuß für innere Verwaltung überwiesen. . Nicht versorgungsberechtigt Das Bundeskabinett hat beschlossen, ehemalige Angehörige der Waften-SS und Mitglieder von Parteiorganisationen, die im Verband der Wehrmacht militärischen Dienst taten, von der Versorgung nach den Bestimmungen des neuen Bundesversorgungsgesetzes auszuschließen. Die Regierung hat sich damit den Änderungsvorschlägen des Bundesrates angeschlossen. Diese Neuregelung gilt sowohl für Einzelpersonen und deren Hinterbliebene als auch für ganze Parteiorganisationen, die zwangsweise in der Waffen-SS oder innerhalb der Wehrmacht Dienst getan haben und damit unter die Bestimmungen des Bundesversorgungsgesetzes gefallen wären. Hingegeh hat das Bundeskabinett den Abänderungsvorschlag des Bundesrates, das Versorgungsgesetz auch auf Westberlin auszudehnen, abgelehnt. Auch der vom Bundesrat vorgeschlagene Fortfall der Grundrente bei einer Einkommenstufe von monatlich 400 bzw. 500 DM wurde vom Kabinett nicht gebilligt. Die Bundesregierung hält daran fest, daß Personen, die vom Versorgungsgesetz heitsrates Sir Jebb enthalten. Die nordkoreanische Regierung fordert Lie und Jebb auf, sofort einzuschreiten, um eine Fortsetzung der „Verbrechen der amerikanischen Interventionisten in Korea“ zu verhindern. Das vom nordkoreanischen Oberkommando herausgegebene Kommunique hat folgenden Wortlaut: „Einheiten der Volksarmee greifen den heftig Widerstand leistenden Feind weiterhin an allen Fronten an. An der Ostküste, nördlich und nordwestlich Von Taegu und im Gebiet von Jongtschon versuchen die amerikanischen und Syngman-Rhee-Truppen, die vorrückenden Einheiten der Volksarmee aufzuhalten. Einheiten der Volksarmee, die auf dem Ostufer das Naktongflusses operieren, brachen den hartnäckigen Widerstand des Feindes, durchstießen seine Stellungen an vielen Stellen und setzen ihre Offensive fort.“ ter enthoben und aus der Partei ausgeschlossen. Der politische Ausschuß der OstCDU gab außerdem die Amtsenthebung und den Ausschluß des Staatssekretärs im Justizministerium der DDR, Dr. Brandt, bekannt. Brandt soll, wie bereits gemeldet, unter mysteriösen Umständen im Berliner Ostsgktor verhaftet worden sein. Audi das Mitglied des Bundesvorstands des Gewerkschaftsbundes in der DDR (FDBG), Paul Nowak (Ost-CDU) flüchtete vor einigen Tagen nach Westdeutschland. Polen protestiert gegen Ausweisungen. Die polnische Regierung hat dem französischen Geschäftsträger in Warschau eine Note überreicht, in der gegen die Ausweisung polnischer Kommunisten aus Frankreich protestiert wird. Sicheres System der Freiheit" Heuss zum Jahrestag seiner Präsidentschaft Von UP-Korrespondent B. Lescrinlcr Bonn. „Die zeitliche Begegnung der Termine des Startes der Bundesrepublik und der New Yorker Außenministerkonferenz unterstreicht den inneren Zusammenhang der außen- und innenpolitischen Entwicklung“, erklärte der Bundespräsident Heuss der United Press zum Abschluß des ersten Jahres seiner Tätigkeit. „Die Kräfte und Tendenzen wirken ineinander. Wohl hat, ungeachtet der starken, noch lange währenden Belastung Deutschlands durch die Kriegsfolgen die innere wirtschaftliche Gesundung der Bundesrepublik ihre guten Fortschritte gemacht, aber es ist deutlich, daß die psychologischen Beschwernisse für das deutsche Bewußtsein noch weiterhin des Abbaues bedürfen, damit die einmal zu den wichtigsten und bedeutendsten politischen Tagesfragen äußern. Das Grundgesetz sieht bekanntlich vor, daß sich der Bundespräsident nicht in die Tagespolitik ein- mischen darf. Diese Tatsache ist vielen Deutschen unbekannt, obwohl in Bonner politischen Kreisen schon heute die Frage gestellt wird, ob diese Konstruktion des Grundgesetze? glücklich war. Neue Hoffnung in Salzgitter Entmilitarisierung der Anlagen abgeschlossen Braunschweig (UP). Auf Anweisung des britischen Landeskommissars wurden die Entmilitarisierungsarbeiten an den Hallen der Stahl- und Walzwerke der Reichswerke in Watenstedt-Salzgitter eingestellt. Die De- weiiernm ues auuaues ueuuuen, uaiun uie — , _ T ... , ~,_ »l« NntwenriiakeHt nnprkanntp Finaliederuna montage zu Wiedergutmachungszwecken geht als Notwendigkeit anerkannte Eingliederung weiter Werksleitung um j Betriebsrat bemühen sich darum, daß auf dem Austauschwege der Hochofen Nr. 5 und die Krupp-Rennan- der Deutschen in ein sicheres System der Freiheit und des Friedens um ein gutes Stück vorankommt.“ Zu Fragen und Problemen akuter außenpolitischer Tragweite lehnte der Bundespräsident eine Stellungnahme ab, obwohl in zahlreichen Briefen, die an ihn gelangen, immer wieder die Forderung erhoben wird, der erste Würdenträger der Bundesrepublik möge sich läge, die auf der Demontageliste stehen, erhalten bleiben. Nach Einstellung der Ent- militarisierungsarbeiten sollen die Halle des Stahlwerks, die noch zu 66 Prozent erhalten und die Walzwerkhalle, die noch vollkommen in Ordnung ist, sofort wieder in den Arbeitsprozeß aufgenommen werden. handel durch Betriebsräte nicht dem Wunsch der Gewerkschaftsleitung entspreche. Warenhandel gehöre nicht in den Aufgabenbereich der Betriebsräte. Gewerkschaften gegen IG-Farben-Gesetz Der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Industriegewerkschaft Chemie, Papier, Keramik haben bei den Hohen Kommissaren und der' Bundesregierung schriftlich ihre Bedenken gegen das IG-Farben-Gesetz der Hohen Kommission vorgebracht. Die Gewerkschaften wünschen eine den „berechtigten deutschen Forderungen“ entsprechende Neuordnung de* IG-Farbenkonzerns unter Berücksichtigung der gewerkschaftlichen Vorschläge. In diesen war eine klare Trennung zwischen Liquidation und Neuordnung der früheren IG-Farbenindustrie, die Bildung lebens- und wettbewerbsfähiger Einheiten, die Einschal' tung eines repräsentativen deutschen Sachverständigengremiums für die Neuordnung und die Demokratisierung der Betriebe durck Einschaltung der organisierten Arbeitnehmerschaft gefordert worden. Bundesregierung plant Anleihe In seinem Paragraphen 10 gibt das Gesetz über die Feststellung des Bundeshaushaltsplanes für das Rechnungsjahr 1950 der Bundesregierung die Ermächtigung, durch den Bundesfinanzminister eine Anleihe in Höhe von 364174 500 DM zur Deckung des Defizits des außerordentlichen und ordentlichen Bundeshaushalts auszuschreiben. Pfälzer Schuhfabrikanten ins Ausland geflogen Pirmasens (ld). 19 Schuhfabrikanten aus Pirmasens und Umgebung sind nach London geflogen ,wo sie die Schuh- und Ledermesse besuchen werden. Anschließend wird die Reise nach Paris fortgesetzt, wo die „Weißlederwoche“ stattfindet. Beide Veranstaltungen werden den deutschen Besuchern zweifellos wertvolle Anregungen und Verbindungen vermitteln. In Zukunft nicht mehr steuerfrei Die Bundesregierung hat eine Verordnung gebilligt, nach der die Bewirtung von Geschäftsfreunden auf einer Dienstreise künftig nicht mehr von den Steuern abgesetzt werden darf. Auch Anschaffungen und andere mit der Reise nur mittelbar in Zusammenhang stehende Ausgaben können nicht mehr abgesetzt werden. Reisekosten im Sinne der Verordnung — und damit von der Steuer absetzbar — sind nur Fahrt- und Verpflegungskosten, ferner die Kosten für die Unterbringung sowie andere Nebenkosten wie Garage, Gepäck- und Telefonspesen. Alle absetzbaren Auslagen müssen belegt werden. An Verpflegungskosten können nur die Mehraufwendungen von der Steuer abgezogen werden. Wer seine Reisekosten nicht im einzelnen nach- weisen kann, darf Pauschalbeträge absetzen. Diese betragen bei einem steuerpflichtigen Einkommen bis zu 6000 DM im Jahr 8 DM Verpflegungsgeld täglich, bei einem Einkommen bis 12 000 DM 12 DM und bei einem Einkommen über 12 000 DM 16 DM. täglich. Die Verordnung soll am 1. Oktober in Kraft treten.. Gewerkschaften planen Selbsthilfe Wenn alle Warnungen nichts nützen... Mainz (ldn). Der Vorstand des Landesbezirks Rheinland-Pfalz des DGB behandelte in Bad Münster am Stein die Vorschläge des DGB-Bundesvorstandes in bezug auf die gegenwärtige Lage der deutschen Wirtschaft. Der Landesbezirksvorstand bedauerte außerordentlich, daß die führenden Kreise in Staat und Wirtschaft nicht die notwendige Einsicht gegenüber den andauernden Warnungen der Gewerkschaften vor unbegründeten Preiserhöhungen gezeigt haben, und beriet dann über die bei weiterem Ansteigen der Preise zu ergreifenden Maßnahmen. Der DGB in Rheinland-Pfalz sei bemüht, auf dem Wege der genossenschaftlichen Selbsthilfe zu versuchen, die Preisentwicklung im Sinne einer Verbilligung aller wichtigen Verbrauchsgüter zu beeinflussen, Ferner besprach der Landesbezirks- Di» Bundesregierung plant, ein Kohlenwirtaciialts- vorstand die Entwürfe über das Mitbestim- Besetz zu erlassen. Ein Arbeitskreis mit vier an- t . „rr« r> x, u „ tischen Bergbaubehörden haben die Hoffnung mungsrecht, den sozialen Wohnungsbau und K om«toSaiTd*n G^^chaft“n <£m Luton (UP). George Bernhard Shaw, des- au f Rettung der dreizehn bei dem Gruben- die Wiedereinführung der Selbstverwaltung sei Oberschenkelbruch durch eine Operation Unglück ln New Cumnock verschütteten Berg- der Sozialversicherung. Es wurde bekannt- teIli den Industrie- und Hausbrandverbraudfctera eingerichtet wurde, macht auf seinem Kran- leute aufgegeben und den Angehörigen ihr gegeben, daß der in vielen Betrieben in sowie den Vertretungen der Länderreglerungen be* Xeniager einen erstau n lic h munteren Eindruck. Beileid ausgesprochen. Rheinland-Pfalz wieder eingeführte Waren- reits Verhandlungen aufgenommen. Mittwoch, den IS. September 1950 Bauernverband bejaht Südweststaat Bin staats- und wirtschaftspolitisches Fnbtam Stuttgart (Z*SH). In der Überzeugung, daß die Bildung das Südweststaates für die gesamten Bauern des 8Üdwestdeutschen Raumes, in dem die Landwirtschaft eine wesentliche Rolle spielt, von grundlegender Bedeutung tat, behennt sich der Bauernverband Württemberg-Baden, wie in einer kürzlich abgehobenen Vorstaadseiteung zum Ausdruck gekommen ist, in seiner überwiegenden Mehrheit »um Südweststaat. Nahezu einheitlich ist dieses Bekenntnis im württembergischen landesteil, während in Nordbaden in einseinen Kreisen gewisse Vorurteile zutage treten. Der Bauernverband geht bei seiner Befürwortung des Südweststaates von der Erwägung aus, daß es sich hierbei keineswegs um eine parteipolitische Frage, sondern um ein staats- und wirtsshaftspolitisches Problem ersten Ra n ges handelt. »Für meine Person für die Wiederhersteilung des Landes Baden“ F r eib ur g (UP). Der Erzbischof von Freiburg, Dr. wendeün Rauda, hat eine Erklärung veröffentlichen lassen, in der er betont, er habe das Problem der Neuordnung im süd- westdeutsehen Raum sorgfältig geprüft Dabei »ei er zu der persönlichen Überzeugung gekommen, daß er sieh für die Wiederherstellung des alten Landes Baden entscheiden müsse. Der Erzbischof begründete seine öffentliche Stellungnahme mit der Bemerkung, der Staatspräsident von Württemberg-Hohenzol- lera, Dr. Gebhard Müller, habe einen Brief des Erzbischofs vom 14. 12. 1949, in dem er sich für die Neutralität in der Südweststaat- Frage ausgesprochen habe, in einer Versammlung in Freiburg in dem Sinne ausgelegt, als trete Dr. Rauch für die Schaffung des Süd- wesfstaates ein. Dr. Müller erklärt: Staatspräsident Müller teilte zu obiger Erklärung der UP mit: „Es ist nicht richtig, daß ich behauptet habe, Erzbischof Dr. Rauch habe sich für den Südweststaat ausgesprochen. Vielmehr habe ich stets nachdrücklich darauf htagewieeen, daß sieh der Erzbischof sowohl (in einer amtlichen Erklärung wie auch in einem Brief an midi vom 14. 12. 194? für eine strikte Neutralität der katholischen Kirche in der Südweststaatfrage ausgesprochen hatte. Diese meine Ausführungen waren so eindeutig, daß sie in keinem einzigen Pressebericht mißverstanden wurden. Es bestand daher für Erzbischof Dr. Rauch keinerlei Anlaß, seine bisherige Haltung aufeugeben.“ Zahlenmaterial im Rundfunkkrieg Stuttgart (lwb). Der Südd. Rundfunk nahm zu den von der „Interessengemeinschaft badischer Rundfunkhörer“ gegen den Südd. Rundfunk erhobenen Vorwürfen Stellung und betonte u. a., daß der überwiegende Teil aller seiner Musik- und Wortsendungen weder rein schwäbischer, noch rein badischer Natur sei. Der Anteil der badischen Rundfunksendungen betrage zur Zeit etwa 17 Prozent. Von den 35 Angestellten der Sendestelle Heidelberg-Mannheim seien 45 Prozent Badener und Pfälzer, 30 Prozent Flüchtlinge, zehn Prozent Württemberger und 15 Prozent in anderen deutschen Gebieten beheimatet. Von den 544 Angestellten des Südd. Rundfunks in Stuttgart seien 45 Prozent Württemberg, 5 Prozent Badener, 30 Prozent Flüchtlinge und 20 Prozent in anderen deutschen Gebieten zuhause. Ferner wird in der Entgegnung darauf hingewiesen, daß der Rohbau des neuen Stuttgarter Funkhauses auf 4 Millionen und nicht, wie von der „Interessengemeinschaft“ behauptet worden sei, auf 10 Millionen DM geschätzt werde. Europas „politisches Gewissen“ am Bodensee Konstanz (ZSH). Vom 17.—21. September wird in der alten Konzilstadt Konstanz der 4. Kongreß der Union europäischer Parlamentarier stattfinden. Die umfangreiche Tagesordnung aller Beratungen nennt u. a.: 1. Sicherung der Durchführung der von der Europa-Versammlung angenommenen Entschließungen durch ein Zusammenwirken der nationalen Parlamente. 2. Verteidigung Europas und des Friedens. 3. Politische Koordination der verschiedenen europäischen Wirtschaftspläne. 4. Der europäische Charakter der Flüchtlingsfragen. Die Deutsche Bundespost wird zu dem Kongreß einen Sonderstempel herausbringen. Der Mörder wohnt nebenan Luxusvillen für Amerikas prominenteste Gangster — Die Justiz ist machtlos Von unserem Korrespondenten Heidelbergs neuer Bahnhof entsteht Ein großer Tag für die Stadt — Feierlicher Baubeginn Heidelberg (lwb). In Heidelberg begannen am Dienstag die Bauarbeiten für den neuen Hauptbahnhof. Der württemberg-badische Finanzminister und Präsident des Landesbezirks Nordbaden, Dr. Ka ufmann , gab das Zeichen zum Beginn der Arbeiten. Unter dem Geheul der Sirenen auf dem Bahnhofsgebäude begannen die Bagger zu arbeiten. Dem Beginn der Bauarbeiten ging ein Festakt im Baggerloch, dem Bauplatz für den künftigen Personenbahnhof, voraus. Ministerpräsident Dr. Maier betonte, dieses Unternehmen sei ein klarer Beweis dafür, daß das Land Württemberg-Baden seine Landsleute, seine Landesteile und seine Städte nicht unterschiedlich behandele. Die Mittel für den Bau des Bahnhofs seien zu zwei Dritteln in Nordwürttemberg aufgebracht worden. Dieses Werk sei ein wichtiger Markstein in der Verkehrspolitik des Landes Eine Elektrifizierung der Strecke Stuttgart- Mannheim sei nicht zu denken ohne die grundsätzlichen Veränderungöl der Verkehrsverhältnisse auf dem Heidelberger Bahnhof. Der Rede des Ministerpräsidenten gingen kurze Ansprachen des Generaldirektors der Deutschen Bundesbahn, Dr. h. c. Hellberg, und des Oberbürgermeisters der Stadt Heidelberg, Dr. Swart, voraus. Mit dem Beginn der Bauarbeiten für einen neuen Heidelberger Hanpfijahnho# wird ein lange gehegter Wunsch der Stadt und ihrer Bevölkerung verwirklicht. Der Kopfbahnhof wird wegfallen und für die Stadt Heidelberg wird sich eine neue Ausdehnungsmöglichkeit nach Westen ergeben. Die Mittel für den ersten Bauabschnitt in Höhe von 2,5 Millionen DM wurden vom württ.-badischen Landtag bewilligt. Wenn in der Finanzierung keine Stockung eintritt, kann der Bau bis in drei Jahren abgeschlossen werden. Enzkorrektion wird fortgesetzt H .E. Neuenbürg. Das Straßen- und Wasserbauamt Calw führt zur Zeit den 2. Teil der Enzkorrektion im Stadtgebiet auf einer Länge von 250 m durch. Die alte, weggeschwemmte rechte Ufermauer wird durch eine 3 m hohe Betonmauer ersetzt, die einige Meter zurückversetzt wird, damit auf der gefäll- reichen Strecke eine Sohlenbreite von 18 m erreicht werden kann. Um diese zu erreichen, muß später auch die linke Ufermauer zurückversetzt werden. Ein altes Wahrzeichen zasammengestürzt Überlingen (ZSH). Kürzlich stürzte der Turm der im Ortsteil Aufkirch stehenden St.-Michaels-Kirche ein. Mit ihm brachen ein Stück der Nordwand des Mittelschiffs und ein Teil des Daches zusammen. Die Ursachen des Unglücks sind noch nicht geklärt Die Michaelskirche mit ihrem wehrhaften Turm gehörte zu den ältesten Wahrzeichen der Stadt Überlingen. Es wird nun geprüft werden, ob das Gebäude überhaupt noch hergerichtet werden kann. W.A. Miami Die eigenartigen Gesetze der USA haben es zahlreichen ehemals führenden Gangstern ermöglicht, die Früchte ihrer „Arbeit“ statt im Gefängnis in Luxusvillen und Luxusjachten zu genießen. Nur die wenigsten der wirklich großen Gangster erhielten die ihnen gebührende Strafe. Viele von ihnen konnten, obwohl man weiß, daß sie Dutzende von Morden auf dem Gewissen haben, nur wegen lächerlicher Vergehen zu ein paar Monaten oder auch ein paar Jahren Gefängnis verurteilt werden, statt auf den elektrischen Stuhl zu .wandern. Eines der besten Beispiele dafür ist Al C a p on e, Amerikas unbestrittener Gangsterkönig, der nur wegen Steuervergehen zehn Jahre ins Gefängnis wanderte, die letzten Jahre seines Lebens aber in seiner hochfeudalen Villa in Miami beschloß. Doch Al Ca- pone ist tot. Die „freieste" Stadt Hunderte anderer Gangster, deren Verbrechen kaum geringer, ja vielfach brutaler sind, leben. Leben sehr angenehm und mit allem Komfort. Ihr bevorzugter Aufenthaltsort ist Miami, einer der elegantesten, schönsten, aber auch teuersten Plätze in den USA. Diese ehemaligen Gangster haben ihre dunklen Geschäfte natürlich keineswegs gänzlich aufgegeben. Aber ihre Methoden haben sich verfeinert Das brutale Verbrechen ist kein Geschäft mehr. Die G-Men des FBI sind verdammt schnelle und geschickte Schützen und es ist viel zu riskant ihnen gegeftüberzutreten. Sie schießen zuerst, ehe sie „Hände hoch“ sagen. Miami aber rühmt sich, die freieste Stadt Amerikas zu sein. Während in fast allen anderen Staaten einschränkende Bestimmungen für Glücksspiele bestehen, ist dort alles erlaubt. Ein^ideales Arbeitsfeld also für den modernen Gangster. Hängen doch mit dem Glücksspiel, Amerikas meistverbreitetem Laster, auch die meisten Verbrechen zusammen. Während der „König der Glücksspielautomaten“, der 58jäh- rige Frank Costello, seinen Wohnsitz in New York besitzt und dort einen Teil der ihm jährlich zufließenden Gewinne von rund 20 Millionen Dollar verzehrt, haben zahlreiche andere Gangster ein eigenes Buchmacher- Syndikat in Miami ins Leben gerufen, das Amerikas höchste Umsätze aufweisen soll. Was daneben noch an Würfel-, Karten- und Roulettespiel in den zahllosen privaten Spielklubs dieser Stadt verdient wird, ist zahlenmäßig gar nicht feststellbar. Dunkle Ehrenmänner In keiner anderen Stadt, so schrieb die amerikanische Presse vor kurzem, könne man mit mehr Berechtigung sagen: „Der Mörder wohnt nebenan!“ Wobei es natürlich absurd wäre, Gangstermilieu im Stil gewisser Kriminalromane zu erwarten. Im Gegenteil. Die Männer, denen vor 20 Jahren die Pistole recht locker im Sprungfederhalfter saß, die mit gepanzerten Wagen maschinengewehrbewaffnet durch die Straßen von Chikago oder anderer großen Städte rasten, die Unsummen an Bestechungsgeldern verteilten — sie sind heute durchweg wohlbestallte Geschäftsleute. So betreibt Ralph Buglio, ein ehemaliger Capone-Mann, dem man die meisten öffentlichen Mordtaten in Chikago zuschreibt, zusammen mit einem anderen ehemaligen „Gun-Man“ einen gutgehenden Likörhandel in Miami. Fünfzehn Mal machte ein Gangster aus Detroit namens Jeo Massei Bekanntschaft mit der Polizei. Raub und Mord stehen in seinem Sündenregister. Nur ein einziges Mal aber konnte man ihn wegen Beleidigung des Gerichtes zu 60 Tagen Gefängnis verurteilen. Er hat heute in Miami ein ausgezeichnet florierendes Geschäft, bewohnt ein vornehmes Appartement in einem der ersten Hotels und liebt es im übrigen mit seiner Jacht — Wert 30 000 Dollar — vor der Küste Floridas zu fischen. Mit einer noch luxuriöseren Jacht sucht ihn Tony Accardo zu übertrumpfen, ehemals ein prominentes Mitglied der Bande Al Capones. Sein Bruder, der Pech hatte und 4% Jahre Gefängnis wegen Alkoholschmuggels verbüßen mußte, besitzt ein 46 000-Dollar- Haus in Miapnis elegantestem Viertel. „Selbstmord“ im Nachtklub. Frank Nitti war seinerzeit berüchtigt als „Taken for a ride“-Mann, also einer dei Gangster, die die Aufgabe hatten, unliebsame Mitglieder einer anderen Bande zu einer „Spazierfahrt“ abzuholen, von der sie nicht wieder zurückkehrten. Mindestens 20 solcher Morde schreibt man ihm zu. Aber es ist nicht gelungen, ihm einen nachzuweisen. So lebt er heute sehr vergnügt in seinem mit 45 000 Dollar erworbenen Haus in Miami. Er steht auch im Verdacht, erst vor kurzem wieder einen bekannten Nachtklub-Inhaber aus Miami in Fortsetzung seiner einstigen Tradition getötet zu haben. Wie es gelang, dieses Verbrechen als „Selbstmord“ zu deklarieren, ist ein dunkles Kapitel der jüngsten Geschichte der Polizei von Miami. Dies sind nur einige wenige aus der Unzahl der Gangster, die Miami heute zur Stadt machen, in der „der Mörder nebenan wohnt“. Wenn man alle in Miami wohnenden Verbrecher dem Gesetz nach verurteilen könnte — so rechnete eine amerikanische Kriminalstatistik aus — so käme man auf etwa 6000 Jahre. Dabei ist diese Schätzung aber sehr vorsichtig und berücksichtigt nur Verbrechen, für die eigentlich alle Beweise der Täterschaft vorliegen. AUS DEM WIRTSCHAFTSLEBEN Südwestdeutsche Ausfuhr um 75 % gestiegen Der Wert der aus Süd Westdeutschland (Württemberg-Baden, Südwürttemberg und Südbaden) ausgeführten Waren hat im ersten Halbjahr 1950 gegenüber dem zweiten Halbjahr 1949 um 158,9 Millionen DM oder um 75 vom Hundert zugenommen und ist auf insgesamt 369,4 Millionen DM gestiegen. Die Ausfuhr in Württemberg-Baden nahm um 101,4 Millionen oder 69 % zu, diejenige Südwürttembergs um 20,4 Millionen oder 56 %, die Ausfuhr Südbadens um 36,9 Millionen oder 138 %. Die Ausweitung des Exports in Südbaden mit einer Steigerung von 138 % wird vor allem darauf zurückgeführt, daß die Ausfuhr in Südbaden bis zu Beginn des Jahres 1950 zurückgeblieben war. In Württemberg- Baden beträgt die Exportquote pro Kopf der Bevölkerung im ersten Halbjahr 1950 64 DM, in Südwürttemberg und in SQdbaden etwa 47 bis 48 DM. Die Ausfuhr der drei südwestdeutschen Länder bestand im ersten Halbjahr AUS DER CHRISTLICHEN WELT Priesterjubiftwa des Caritaspräsidenten Der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Prälat Dr. Franz Müller,feiert am 20. September sein silberne* Priesterjubiläum. Prälat Dr. Müller wurde am 1. April 1900 in Würzburg geboren und absolvierte seine philosophischen und theologischen Studien am Ger- manicum in Rom, wo er 1925 zum Priester geweiht wurde. Von 1932 bis 1937 war er Caritasdirektor in München und leitete anschließend bis 1947 als Direktor das Caritasinstitut für Gesundheitsfürsorge in Köln-Hohenlind. ' 1944 in das Domkapitel der Erzdiözese Kom berufen, übernahm er 1946 die Hauptvertretung des Deutschen Caritasverbandes in Köln. Nach dem Tode von Dr. Benedikt Kreutz wurde Prälat Dr. Franz Müller am 1. September 19® zum Präsidentöl des Deutschen Caritasverbandes berufen. Die Grenze der staatlichen Einmischung Papst Pius XII. warnte vor Delegierten aüs zwölf Ländern, die in Florenz einem Kongreß für Verwaltungswissenschaft beigewohnt hatten, vor den Gefahren einer übertriebenen Einmischung des Staates in das Privatleben. Der Papst sagte u. a.: „Weder die Einzelperson noch die Familie sollten vom Staat absorbiert werden. Jedermann muß die Bewegungsfreiheit behalten, so lange das Allgemeinwohl dadurch nicht beeinträchtigt wird. Die heutige Zeit ist eine solche der üppigen Entwicklung von Plänen und Vereinfachungen. Wir anerkennen redlich, daß sie innerhalb gewissen Grenzen bei bestehenden Umständen zu wünschen oder sogar nötig sind. Wir lehnen aber die übertriebene Einmischung des Staates ab.“ Rücktritt des Gouverneurs der Vatikanstadt Der Gouverneur des Staates der Vatikanstadt, Marchese Camillo Serafini, ist mit Rücksicht auf sein hohes Alter von 85 Jahröl zurückgetreten. Er bekleidete sein hohes Amt seit der Bildung des neuen Vatikanstaates im Jahre 1929. Als sein Nachfolger soll, wie verlautet, Graf Enrico Galeazzi in Aussicht genommen sein. Graf Galeazzi ist gegenwärtig Delegierter in der Päpstlichen Kommission für die Regierung der Vatikanstadt Katholische Tageszeitung in Amerika? Der Präsident der Katholischen Aktion von Denver (Missouri), Robert Hoyt, beabsichtigt die erste katholische Tageszeitung der Vereinigten Staaten herauszugeben. Sie soll unter dem Titel „Sun Herald“ in einem tä gli chen Umfang von 12 Seiten erscheinen. Der Herausgeber hat die Zustimmung des Bischofs der Diözese Kansas City erbeten, doch wird das Blatt nicht Eigentum der Diözese werden. „Essen tat wichtigen Dienst“ . „Essen hat der Christenheit und vielleicht auch unserem deutschen Volk als Ganzem einen wichtigen Dienst getan“, betont der Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages, D. von Thadden, in einem herzlich gehaltenen Dankschreiben an den Oberbürgermeister Toussaint und seine Mitarbeiter, di« den reibungslosen Verlauf des Kirchentages ermöglicht haben. Allen Besuchern werde der Kirchentag unvergeßlich bleiben. Einstimmig aber sei das Lob für die gastfreie Stadt, das nun über Länder und Meere hinausgehe. Brandstiftung im Kloster Tsdienstocban Im Kloster Tscfaenstochau, wo die berühmt« schwarze Muttergottes verehrt wird, wurde nach einer Meldring der Pariser Zeitung „La Croix“ kürzlich versucht, die Klosterkirche mit der berühmten Gnadenkapelle in Brand zu stecken. In der Nähe spielende Kinder bemerkten eine Rauchwolke und alarmierten die Ordensleute, die nach einigem. Suchen einöl Mann entdeckten, der erklärte, er habe das Zentrum des polnischöl Aberglaubens vernichten wollen. Der Brandstifter wurde von der Polizei verhaftet, aber angeblich am nächsten Tage wieder freigelassen. Dagegen verhafteten die Behörden wenige Tage darauf den Prior des Klosters und einen weiteren Ordensangehörigen, weil er erklärt hatte, selbst eine Zerstörung der Gnadenkapelle hätte die Treue des polnischen Volkes zur Madonna nicht erschüttern können. (CND) Wieder Theologische Fakultät ta Trier Durch päptsliches Dekret wurde am Trierer Priesterseminar eine Theologische Fakultät errichtet, die berechtigt ist, die akademischen Grade eines Lizentiaten und des Dr. theoL zu verleihen. Die päpstliche Urkunde wurde kürzlich durch den Regenten der päpstlichen Nuntiatur, Bischof Aloisius Münch, einer Abordnung des Trierer Bischofs, überreicht. Der Kultminister von Rheinland-Pfalz hat die Statuten der neuen Fakultät bereits gebilligt Die neue Fakultät wird die Tradition der Theologischen Fakultät der früheren Universität Trier übernehmen, die 1451 von Papst Nikolaus V. gegründet wurde und in den Wirren der Französischen Revolution ihre Pforten schloß. Nächster Katholikentag in Berlin Das Zentralkomitee der Deutschen Katholikentage hat in seiner Abschlussitzung beschlossen, daß der nächste Katholikentag 1952 in Berlin stattfinden wird. Künftig sollen die Katholikentage nur alle awei Jahre abgehalten werden. 1950 zu 87 % aus gewerblichen Fertigwaren (in Württemberg-Baden und Südwürttemberg je 90 vom Hundert, in Südbaden 70 vom Hundert). Der Durchschnitt des Bundesgebietes beträgt 62 vom Hundert. An erster Stelle des Exportes steht die Maschinenindustrie mit 32 % der Gesamtausfuhr, es folgen die Fahrzeugindustrie mit 10 %, Elektrotechnik mit 7 %, Optik mit 6 %, Textilindustrie mit 5 %, sowie die Uhren- und chemische Industrie mit je 4 %. Außergewöhnlich früher Weinherbst In den Gemeinden des Kreises Vaihingen- Enz wird schon jetzt neuer Wein ausgeschenkt. Die Weingärtner waren zu der frühen Lese gezwungen, da die Trauben infolge der nassen Witterung der letzten Wochen zu faulen begannen. Stuttgarter Produktenbörse vom 12. September Für alle Landesprodukte Ist zur Zeit eine Stagnation zu beobachten. Dia Zufuhren von Weizen haben sich gebessert, dagegen sind die Anlieferungen ln Roggen nach wie vor gering. In Braugerste ist seitens der Brauereien immer noch eine Zurückhaltung zu beobachten. Gegenüber der Vorwoche snd die Erzeugerpreise unverändert geblieben. In Inländischem Hafer wird kaum etwas angeboten. Auf der Basis eines Erzeugerpreises von 24 DM je IW kg erfolgten geringe Umsätze. Weizenmehl hat laufend kleinen Absatz. Infolge größeren Angebots an Welzenbrotmehl ist das Roggengeschäft vernachlässigt. Angebote an höher ausgemahlenen und etwas billigeren Broten ehlen finden keine Beachtung. Kflhlennach- p r o d u k t e sind wenig gefragt. Die Preise geben langsam weiter nach. Auch für die übrigen Futtermittel zeigt sich nur wenig Interesse. Das Kinkellerungsgeschäft in Speisekartoffeln hat noch nicht eingesetzt. Man rechnet hiermit in etwa 8 bis 14 Tagen. Die Großhandelspreise waggonfrei Empfangsstation liegen bei ( DM per 100 kg lose verladen. Das Angebot in Wiesenheu ist nach wie vor gering. Kleeheu und Stroh wird kaum umgesetzt. — Es worden notiert: Roggen- und Weizenstroh, bindfadengepreßt 1,75—2,00 DM; Gerstenstroh 1,70—1,80 DM; Haferstroh 1,80—2,00 DM; drahtgepreßte Ware entsprechend höher. Wiesenheu (gut, gesund, trocken, lose, neue Ernte) 7,00 bis 8.— DM; Rotklee (gut, gesund, trocken, lose, neue Ernte) 7,00—7,50 DM; * Stuttgarter Schlachtviehmarkt vom 12. 9 . 1950 Auftrieb: Rinder SOS, Kälber 790, Schweine 1152, davon 009 aus Frankreich, Schafe 66. Preise: Ochsen aa junge 95—103, a 82—84, b 76—01. Bullen: aa 95—100, a 08—04, b 80—07. Färsen aa 98—105, a 06 bla 97, b 01—89. Kühe aa junge 00-04, a 75-85, b 63 bis 72, e 54—62, d bis 50. Kälber Sonderklasse übel Notiz a 142—148, b 135—142, c 125—134. Schweine: a, bl, b I, c 147—150, gl 1*0—135, gl 125—131, Schale nicht notiert — Mark t verl a nf : Bei Bindern lebhaft geräumt, Kälber flott geräumt, Schweine lebhaft geräumt Wettervorhersage Am Mittwoch und Donnerstag heiter bis wolkig, trocken bei zunehmender Tageserwärmung. Höchsttemperaturen am Donnerstag teilweise über 25 Grad ansteigend. KULTUR UND LEBEN Auf den Spuren der Forschung: Stockholms Sensation: Haegquist-Kaninchen Experimente mit fetten Aussichten — Wo wird die Natur Grenzen ziehen? Den schwedischen Forschern Professor Gösta Haegquist und Yngwe Melander vom Karolinischen Institut und Dr. Allan Bane von der Tierärtzlichen Hochschule Stockholm ist es, wie'kurz berichtet; gelungen, Kaninchen mit mehreren Kilo Übergewicht zu züchten. Die Resultate ihrer mehrjährigen Forschung sind für die wissenschaftliche Welt eine Sensation. Die Forscher haben die in der Pflanzenveredlung entwickelte Methode, durch Züchtung triploider Gewächse vermehrte Erträge zu erzielen, durch Beigabe einer Dosis Colchjzin zur Samensubstanz' erstmalig auf Säugetiere übertragen. (Colchizin wird aus den Cholchium-Arten der Pflanzengattung der Liliazeen, zu denen u. a. die Herbstzeitlose zählt, gewonnen.) Der Erfolg war verblüffend: Kaninchen mit einem Gewicht von 2,5 kg bekamen Junge, die in ausgewachsenen Zustand 5,5 kg wiegen. Während normale Kaninchen die Chromosomzahl 44 haben, sind diese Riesenabkömmlinge sogenannte Triploide mit 66 Chromosomen. (Chromosomen sind die Träger der Erbeigenschaften.) Die Forscher befruchteten weibliche Kaninchen mit colchizinhaltigem Samen. Aus diesen Würfen sind gesunde, jetzt 39 Monate alte Tiere herangewachsen. Sie übertreffen ihre nicht präparierten Geschwister im Gewicht um mehr als 2 kg. Allerdings haben sie einen Fehler: sie sind unfruchbar! Die Kolchizin-Methode ist äußerst billig, sie kostet 25 Öre (etwa 20 Pfennig) pro Tier. In den kommenden Wochen sehen die Stockholmer Gelehrten dem Ausgang eines neuen Versuchs mit Spannung entgegen. Für einen ähnlichen Versuch mit Schweinen hat der Landwirtschaftsminister Vestrup seine preisgekrönten Eber zur Verfügung gestellt. Man erwartet nun, daß der mit Colchizin präparierte Nachwuchs seine gleichaltrigen Artgenossen um mindestens 50 kg im Gewicht übertreffen wird. Die Frage ist nur: Wird die Qualität des Fleisches gleich dem der anderen sein? Mit dem Colchizin-Schock behandelte Embryos von Säugetieren werden nach den bisherigen Erfahrungen meist mit normalem Lebendgewicht geboren. Die veränderten Eigenschaften treten erst im Laufe der Entwicklung in Erscheinung. Zu den praktischen Konsequenzen der Forschungen weist Dr. Bane darauf hin, daß die Vermehrung der Chromosomensätze nicht immer von Vorteil ist, sondern ebenso oft nachteilige Folgen haben kann. Ein warnendes Beispiel sind die in der schwedischen biologischen Versuchsanstalt Wiad gezüchteten polyloiden Äpfel, die zwar die Größe von Kohlköpfen haben, aber leider auch mehr nach Kohl als nach Apfel schmecken. Immerhin eröffnet die Stockholmer Entdeckung Perspektiven, die teils hoffnungsvoll, teils beunruhigend sind und an die Mysterien von Fausts Studierzimmer gemahnen. Nach den in der Pflanzenwelt gemachten Erfahrungen muß daran erinnert werden, daß auch in der Tierwelt verschiedene Arten verschieden reagieren. Man plant, die nächsten Versuche mit Kühen und Pferden durchzuführen. Beide Arten sind zwar zum Experimentieren weniger gut geeignet, weil ihre Nachkommen zu lange unterwegs sind. Professor Haegquist glaubt, daß die wirtschaftliche Ausnutzung der Riesentiere ganz erheblich sein wird. Besonders beim Schwein (mehr Fleisch) und bei den Hühnern (mehr Eier). Bisher haben die Forscher die Kosten der langwierigen Versuche selbst getragen. Nun nachdem die ersten Erfolge vorliegen, interessiert sich der Landwirtschaftliche Forschungsrat dafür und ist bereit, finanzielle Zuwendungen zu geben. Als nächstes will man feststellen, ob die Colchizin-Methode bei allen Säugetieren mit gleichem Erfolg angewendet werden kann. Unser Klima wird wärmer Naturkundliche Plaudereien von B. Gramlieh Nicht alles, was als Merkmal eines wärmeren Klimas gedeutet wird, ist ein echter Beweis, daß eine Klimaschwankung edngetreten ist. Erosion und Versteppung können auch Folgen menschlicher Einflüsse sein. Die Kulturlandschaft hat zu der drohenden Gefahr der Erosion und der Versteppung geführt, die *. B. in den USA au einem nationalen Unglück geworden ist. Dadurch, daß abgeholztes Gelände unter den Pflug genommen wurde, ist die wertvolle Ackersrume dem Wind aus- gesetzt worden, der nun hemmungslos über die kahlen' Felder weht und dem Boden dde Feuchtigkeit entzieht. Diese Trockenheit ist also eine direkte Folge des menschlichen Einflusses und braucht nicht unbedingt im Zusammenhang mit einer Klimaschwankung zu stehen. Waldzone in Bewegung Einen viel zuverlässigeren Maßstab für eine Klimaerwärmung bildet das Studium der natürlichen Pflanzenwelt und der Luft- und Wassertemperaturen. Und so haben dde Botaniker in Nordeuropa die überraschende Feststellung gemacht, daß die nördlichste Waldzone in Bewegung geraten ist und sich nordwärts in die Tundra hinein verschiebt. Es sind dabei weder Birke und Fichte, die auf eine gewisse Feuchtigkeit angewiesen sind, sondern Kiefern. Dieser Baum, der die meiste Trockenheit verträgt, hat in den Gebieten diesseits und jenseits des Polarkreises in den letzten 20 bis 40 Jahren eine erhöhte Verjüngungskraft erwiesen. Ein überaus reicher Jungwuchs stößt in Gebiete vor, die bisher in der äußersten Vegetationszone nur von der Birke behauptet worden sind. Es deutet sich also seit Jahren eine Verschiebung der Vegetationsgrenzen an. Dort, wo bisher das vegetative Wachstum kaum die Kraft batte, einen geschlossenen Pflanzenteppich zu bilden, siedelte sich Buschwerk an, und die jungen Kiefern dringen über die polare Waldgrenze hinaus vor. Entsprechend schiebt sich der Laubwald nach und mit ihm die dazugehörige Flora, vor allem Lungenkraut und Waldmeister. Pflanzengeographen haben 250 Kilometer nördlich der äußersten Grenze des Waldbestandes auf Nowaja- Semlija Moore entdeckt, die auf eine frühere Bewaldung hinweisen. Noch weiß man nicht, ob die gegenwärtige Entwicklung zu einer Wiederbesiedlung der nördlichsten bis weit in die Arktis hineinragenden Gebiete führt. Die Botaniker haben jedenfalls festgestellt, daß sich in Nordeuropa auch die Moore in den letzten dreißig Jahren verändert haben und sich in einer laufenden Veränderung befinden. Gletscher gehen zurück Nicht nur der Botaniker stellt eine gewisse Wandlung im Pflanzenreich fest, die auf eine allmähliche Erwärmung des Klimas hinweist, auch die Meteorologen weisen auf eine zunehmende Erwärmung in unseren Zonen hin. Seit 1920 gehen auf Grönland und in den Alpen nicht nur die Gletscher zurück, auch die Temperatur des Meerwassers in den arktischen Gewässern hat sich geändert. Die Lufttemperatur ist ebenfalls gestiegen und verzeichnet auf Spitzbergen eine Zunahme der mittleren Erwärmung von 3 bis 4 Grad. Es ist also effektiv wärmer geworden. Die west-östliche Durchfahrt vom nördlichen Eismeer zur Beeringstraße ist nicht nur durch den Einsatz von Eisbrechern, Lotsen-, Funk- und Wetterstationen ermöglicht worden, sondern auch durch die grundlegende Änderung Das ist, das. erste von dem schwedischen Forscher Professor Gösta Haegquist gezüchtete Riesen- Kaninchen. Das Muttertier wog 2,5 kg und das Junge — nach der Colchizin-Behandlung des Samens — wiegt 5,5 kg. Foto: R. Lessmann OIHIIIIUtlinittlllllllHIHItHimiHmilHHIimHinilHIltUIHHiiHllimilllUHIIIUDHHIlHlllilffilHUUlHIIHimi der Eisverhältnisse. Auch hier stimmt der Zeitpunkt, seit dem man von einer regelmäßigen Schiffahrt in den arktischen Gewässern der Barentsee und des k arischen Meeres sprechen kann, mit allen anderen Beobachtungen überein. Bis 1920 gelang es außer Nordenskjöld nur noch zwei Männern, dem Russen Vilkitski und dem Norweger Am/und- sen die Nordmeerpassage zu bezwingen. Aber alle drei mußten noch Im Eis überwintern. Es wird 1932, bis es den Sowjets gelingt, ln einem Sommer von Archangelsk nach Wladiwostok dürchzukommen. Fische wandern Dies Ist der Zeitpunkt, zu dem überall im Norden die Feststellung eines Klimawechsels gemacht worden ist. Etwa zu gleicher Zelt Wurde erstmals die Ostküste Grönlands; die bisher von Eis blockiert war, befahren und russische Eisbrecher kamen bis in da? Gebiet von Franz-Josephs-Land. Mit der Veränderung der hydrologischen Verhältnisse ist der Dorsch, der bisher in der Hauptsache im Nördlichen Eismeer und bei den Lofoten gefangen wurde, in kältere Gewässer abgewandert. In den - letzten Jahren hat man sein Vorkommen östlich von Nowaja Semlija und in den Gewässern zwischen Grönland und Kanada festgestellt. Dagegen ist eine kleine Heringsart, die sich bisher im warmen Wasser südlich des Nordkaps aufgehalten hat, plötzlich auch im Weißen Meer auf getreten. Die Erwärmung des Meerwassers hat ihren „Lebensraum“ erweitert. So wirken sich wenige Grade Wärme oder Kälte unmittelbar auf Pflanzen- und Tierleben aus. Dde labilen Vegetationsgrenzen kommen ins Wandern. Die Erde verändert ihr Gesicht. Selbst aus dem nordöstlichsten Sibirien kommen Meldungen, nach denen dort der Boden auftaut und sich Erosionserschemungen bemerkbar machen. Die Natur reagiert auf die leiseste Schwankung. Südlichere Böden rücken nach dem Norden vor, und so findet man heute in der Taiga plötzlich Pappeln und Lärchen, wo gestern nur Krüppelbirken gestanden haben. Und 'mit den Böden drängt die südliche Flora und Fauna nach. Heute nisten Vögel im Norden, die nie zuvor dort gesehen worden sind. So wie Mohn und Kornblume als Kinder des Mittelmeergebiets mit den Kulturpflanzen des Südens in unsere Breiten gekommen sind, so ist heute ein erhöhtes Eindringen südlichen Pflanzenwuchses in nördliche Gebiete festzustellen. Getreide und Karrtoffel erobern sich über den Polarkreis hinaus das Land und die Kulturlandschaft drängt bis an die Gestade des Nördlichen Eismeers vor. Herr über das Klima Seit 1917 bis 1920 wird von einem einschneidenden Klimawechsel im Norden gesprochen. Ob es sich um eine kurze Schwankung Von i0, 20 oder 30 Jahren handelt, oder um eine kingtanhaltende Periode von tausend Jahren, das weiß niemand. Ob sie ihre Ursache in feiner Polschwankung hat, ist ebenfalls ungewiß. Aber aus dieser Klimaänderung werden eich für spätere Generationen einschneidende Umstellungen ergeben. Vielleicht wird es den Menschen eines Tages gelingen, auch dieser Schwierigkeiten Herr zu werden, um durch eine internationale Wasser- und Forstwirtschaft zu einer auagledchenden Kl imaregulie- rung zu kommen, versuche werden gemacht. Sowohl in den USA wie in der Sowjetunion will man durch die Anpflanzung von Baumund Waldgürteln der Versteppung Herr werden, um der schicksalsschweren Kettenreaktion vom Wald über die Heide zum Feld und vom Feld zur Steppe Grenzen zu setzen. Auch die Heckenpflanzungen in Schleswig-Holstein dienen dem Zweck, die wertvolle Bodenschicht zu erhalten. Gewaltige Bewässerungsprojekte in Zentralasien und ln Nordafrika sollen dem Dämon der Wüste wehren, der nicht zuletzt vom Menschen gerufen und vielleicht auch — anders wie im Zauberlehrling — vom Menschen bezwungen werden. Einer fragte Jü ER SIND SIE?“ Ein psychologisches Experiment und seine Ergebnisse „Wer sind Sie?“ — Dies Ist die Frage, die sich auf Grund einer monatelangen Versuchsreihe mit Hunderten von Personen am geeignetsten erwies, dem Psychologen auf kürzestem Wege den tiefsten Einblick in das Wesen einer Persönlichkeit zu vermitteln. Der Test wurde von zwei Professoren der Universität von Kalifornien in Los Angeles. Dr. James Bugental und Seymour L. Zelen, ausgearbeitet und in folgender Weise durchgeführt. Der Ermittler wandte sich an eine beliebige Person und richtete an sie folgende Worte: „Wir machen im Aufträge der Universität eine psychologische Befragung. Ich werde einige Fragen an Sie steilen und bitte Sie, drei Antworten auf dieses Stück Papier zu schreiben. Sagen Sie uns, was immer Sie wollen. Ihre Antworten können auch jede beliebige Form haben, seien es einzelne Worte, Sätze, Sentenzen oder sonst etwas anderes. Die Frage lautet: „Wer sind Sie?“ Die Antwort kennzeichnet« die psychologisch wesentlichste Tatsache, die sich van einem Menschen ermitteln läßt, nämlich die Stellung des Individuum zu sich selbst. Es hat sich gezeigt, daß der Mensch stets die Tendenz hat, im Einklang mit dem Bilde zu handeln, das er sich von seiner eigenen Person macht. Die betreffenden Angeredeten waren zumeist äußerst überrascht, ja geradezu bestürzt. Einige stellten fest, daß dies die „verdammteste Frage“ sei, die man je gehört habe. Einige Antworten Ein Bauarbeiter zum Beispiel stotterte, wurde rot und brachte schließlich heraus: „Ich — wieso — Ich weiß nicht. Ich fühle mich ein wenig unter den andern. Ich bin eben irgend jemand, der auf die Weit gekommen ist, um den Nachfolgenden bessere Voraussetzungen zu schaffen.“ Ein kleiner Geschäftsinhaber antwortete: Ich bin ein winziges Etwas auf dieser Eide. Ich bin niemand.“ Ein Bankkassderer: »Ein Wesen (soul), das die Erfahrungen der Sterblichkeit sammelt. Eine Person, die ein letztes Ziel im Sinne hat, aber nicht so schnell vorankommt, wie es erwünscht wäre. Ein Individuum, das eine Unmenge Spaß am Leben hat.“ Eine Hausfrau: „Wieso, ich bin Mary Sommers, ich bin ich, ich bin eben ich selbst.“ Und di« Auswertung Die Auswertung dieser vier Antworten ergab im Wesentlichen folgendes: Ohne Zweifel verrät die zuletzt zitierte Antwort die größte Ausgeglichenheit. Diese Frau dürfte wohl auch vermutlich der glücklichste Mensch unter diesen vier sein. In ihrem Bewußtsein überwiegt die Tatsache der Indentität. Und insofern sie sich ihrer selbst in höherem Maße innegeworden Ist als die anderen, muß angenommen werden, daß sie sich auch besser kennt. Sie ist dem Ziele der Selbstwer- dung am nächsten. Demgegenüber scheint der Bankkassierer mit sich selbst nicht -gerade §ehr intim zu sein. Seine Antwort legt die Vermutung nahe, daß er sein „Selbst“ noch nicht entdeckt hat. Er denkt von eich nicht als von einem Ich, sondern er nennt sich eine „Seele“. Die zweite Antwort verstärkt noch diesen Eindruck der Distanz zu sich selbst. Daher fällt die dritte Auskunft, daß ihm „das Leben eine Menge Spaß“ mache, vollkommen aus dem Rahmen und .scheint eine gewisse Defensive anzuzeigen. Der kleine Geschäftsmann ist offensichtlich vollständig vom Leben überwältigt. Er hat sich niemals bewußt als Person von seiner Umgebung unterschieden. Und das erste Beispiel zeugt von einem ausgewachsenen Minderwertigkeitskomplex. Im Ganzen ergab die Befragung, daß 18 Prozent ihren Namen nannten und weitere 18 Prozent sich mit ihrem Berufe identifizierten. Für 17 Prozent schien das Geschlecht von ausschlaggebender Bedeutung. (Etwa „Ich bin eine Frau“) Etwas mehr als 11 Prozent gaben ihre Adresse oder die Staatsangehörigkeit an. Andere bekannten, daß sie schüchtern seien. Andere wieder erwähnten zunächst ihren Familienstand, und einer gab die Nummer seiner Erkennungsmarke bei der Armee an. Auch das Schweigen redet Alle diejenigen Menschen, die sich anläßlich dieser Frage nicht spontan auf sich selbst besannen, sondern mit dem Hinweis auf das Äußerliche reagierten, dürften sowohl nach dem Umfange wie nach der liefe ihres Selbstbewußtseins mangelhaft entwickelt sein. Die 17 Prozent, die sich geschlechtlich identifizierten, waren bezeichnenderweise sehr junge Menschen. Die Angabe der Adresse oder der Staatsangehörigkeit kann als Ausweichmanöver angesehen werden. Der Psychologe wird im diesem Falle weiterhin folgern, daß solche Menschen irgend etwas zu verbeigen haben, Sei es vor sich selbst oder vor anderen. Die Hauptwirkung dieser „verdammtesten aller Fragen“ beruht darauf, daß fast keiner vorher darüber nachgedacht hatte, so daß die Reaktion stets durchaus unzensiert war. Dem konnte man sich auch nicht durch Verweigerung der Antwort entziehen. Auch der Widerstand ist für den Psychologen eine Auskunft; vielleicht sogar die bezeichnendste. Kurze Kulfurnachrichfen Fürth. Die Grunding-Werke in Fürth beabsichtigen die Herstellung von Fernsehgeräten. Da eine Fernsehröhre deutscher Produktion heute immerhin noch 400 bis 600 DM kostet, wird der Preis für ein Fernsehgerät etwa bei 2000 bis 2500 DM liegen. Erst durch Serienproduktion und durch Senkung der Röhrenpreise würde eine Verbilligung eintreten. Stuttgart. An dem vom Süddeutschen Rundfunk im Februar ausgeschriebenen Komponistenwettbewerb für neue Unterhaltungsmusik haben sich 434 Komponisten jeder Gruppe — Ouvertüren, Walzer und Suiten — zur Prämiierung vorgeschlagen. Die Entscheidung über die Reihenfolge der Preise innerhalb der eim seinen Gruppen wird das Publikum im Rahmen eines öffentlichen Konzerts treffen, das am I. Oktober um 10.30 Uhr in den Palast-Lichtspielen in Stuttgart stattfinden wird. Köln. Werner Krauß wird erstmalig wie r der ln einem Hörspiel zu hören sein, und zwar in Hebbels „Herodes und Marianne“. Die Sendung wird zum 14. September vom NWDft Köln angekündigt. Die Rolle der Marianne wird Maria Pierenkämper sprechen. Paris. Marc Chagall ist die Ausschmückung des Baptisteriums der Kirche von Assy mit Wand- und Glasmalereien übertragen worden. Damit vereinigt diese Kirche eine Fülle moderner Kunst wie kaum ein anderes Gotteshaus: eine Keramikarbeit von Henri Matisse, einen bronzenen Christus von Germaine Richier, die Tabernakeltür nach Entwürfen von Braque, Fenster von Rouault und Teppiche von Lurgat. Bonnard schuf noch kurz vor seinem Tode einen „Heiligen Franz von Sales beim Krankenbesuch“. Ein schöner Mann kehrt zurück Wohlbrück filmt in Geiselgasteig München. Beim ersten Startversuch nach dem Kriege soll 1949 Adolf Wohlbrücks Verhandlung mit der Münchener „Phöbus“-Film- geseilschaft nicht an der angeblich von ihm verlangten Gage von 100 000 DM und einer 20prozentigen Beteiligung an den Auslandsgewinnen gescheitert sein, sondern an Lida Baarova. Die temperamentvolle Tschechin verteilte zwar keine “Watschn“, aber eie war eben „vorbelastet“. Produzent Silbermann meinte jedoch. Anton Walbrook — so heißt er drüben in England — sei nicht aius politischen Gründen abgereist. Wie dem auch sei, der elegante, liebenswürdige Kavalier des deutschen Films „Maskerade“, der seine Honneurs mit Wiener Charme verband, wird jetzt als „König für eine Nacht“ in Geiselgasteig vor die Kamera treten. Fühlung mit dem Kontinent verlor er niemals. Willy Forst und Gustav Gründgens besuchten den perfekt englisch sprechenden Filmschauspieler in London. Sein Vater, ein bekannter Clown, redete sogar in den Zungen von zehn Völkern. Adolf Wohlbrück spielte nach der freiwilligen Teilnahme an der Somme-Schlacht in französischer Gefangenschaft Fronttheater, ließ sich dann von Hermine Körner, später von Lucie Höflich in die Schule nehmen. Als er in Berlin 1930 bereits einen Ruf besaß, schlug ihm ein Schweizer Filmproduzent vor, sich ein Filmgesicht durch einen ersprießen- den Schnurrbart zu verschaffen. Die Frauen liebten es, auf der Leinwand seine gefühlvolle leise Melancholie lächeln zu sehen. Mit Schnurrbart natürlich. Weil er kein „Ehrenarier“ werden wollte, ging er 1937 nach Amerika, um dort bei seiner Landung als getarnter Faschist ausgepfiffen zu werden. Das ist nun alles Vergangenheit, auch die Darstellung des „anderen Deutschlands“ für Sir Arthur Rank. Mittler* weile hat sich der Bonvivant, der schon im „Kurier des Zaren“ nicht mehr blasierter Lebemann war, selbst in das Metier des Kriminalfilms eingespielt Aber der Titel seine* neuen deutschen Films sieht beruhigender Weise wieder nach Operette aus, wenn auch das Happyend fraglich ist. ^Riifksdirittlifiie Post in Odenheim” Die Stellungnahme des Postamtes Bruchsal ( Kreuz und quer durchs Stadtgeschehen Am Samstag, 9. Sept., veröffentlichten wir einen Artikel „Rückschrittliche Post in Odenheim.“ In einer Zuschrift nimmt das Postamt Bruchsal so Stellung: Das Postamt Bruchsal als betriebsleitendes Amt für (Me Postanstalten der Nebenbahn- linien Bruchsal—Hilsbach und Bruchsal—Meneingen ist stets bestrebt, die Postverhältnisse dieser Orte so zu gestalten, daß sie den Bedürfnissen der Einwohner weitgehend gerecht werden. Dieser Wunsch hat es auch bei der Einführung der Aenderung in der Benutzung der Bahnposten ab 1. 8. 1950 geleitet. Staatspräsident Wolileb spricht ln Bruchsal Am Sonntag, 17. Sept., 20 Uhr, veranstaltet die Arbeitsgemeinschaft der Badener ihre erste große Kundgebung im Festsaal des Bruch saler Europa-Kaffee. Hierbei spricht der südbadische Staatspräsident Leo Wohieb über die Notwendigkeit der Wiederherstellung des alten Landes Baden. Die Arbeitsgemeinschaft der Badener bittet die gesamte Bevölkerung sowohl der Stadt wie der näheren Umgebung um stärkste Anteilnahme an dieser Kundgebung. Am 24. Sept., dem Tag der Volksabstimmung, steht das Schicksal des badischen Volkes auf dem Spiel. Wir wollen und dürfen nicht dulden, daß unser Bad- nerland in einem Groß-Württemberg aufgeht Arbeitsgemeinschaft der Badener Vor dbr Aenderung war die Zeit zwischen der Ankunft des Postzugs 802 (8.12 Uhr) und 1 der Rückfahrt (Zug 303, 10.56 Uhr) so kurz, daß es kaum möglich war, in der Zwischenzeit die eingegangene Post zu beantworten. Um diesem Mißstand abzuhelfen, ist statt des Zugs 303 der Zug 305 (Odenheim ab 15.53 Uhr) als Rückzug zur Postbenutzung verwendet worden. Eine Späterlegung auf Zug 17 (Odenheim ab 18.02 Uhr) war nicht möglich, weil der Packwagen mit Postabteil in diesem Zug nicht mitgeführt wird und weil außerdem die rechtzeitige Bearbeitung und Absendung der nachzuweisenden Sendungen, besonders der Postanweisungen und Zahlkarten in Frage gestellt worden wäre. Die Möglichkeit, gewöhnliche Briefsendungen wie bisher mit Zug 303 (Odenheim ab 10.56 Uhr) abzusenden, ist jetzt noch gegeben, wenn die Sendungen am Bahnhof in den Briefkasten des Postabteils eingeworfen werden. Der Briefkasten wird in Bruchsal regelmäßig geleert und die Sendung gen mit den nächsten Pöstbeförderungsgele- genheiten weitergeleitet. Nach Abgang des Postzugs 305 (15.53 Uhr) noch eingelieferte Sendungen werden am nächsten Vormittag der Bahnpost, im Zug 302 (8.12 Uhr) zugeführt und erreichen über Zug 303 um 11.45 Uhr Bruchsal. Sobald es die Mittel der Deutschen Bundespost gestatten, wird die Postversorgung der Amtsstellen an den Nebenbahnlinien Bruchsal—Hilsbach und Bruchsal—Menzingen auf Landkraftpostverkehr mit täglich zweimaliger Bedienung umgestellt werden. Grober Unfug Der „Sünder“ kam mit Grober Unfug, Bedrohung, Ruhestörung — eigentlich fast alles alltägliche Dinge, wie sie abends beim Heimweg vom Stammtisch nicht seiten sind. Nicht alltäglich sind aber solche Dinge in der Kirche während des Gottesdien- - stets, wie das in Z, beim Angeklagten St. der Fall war. Der 21jährige St. hatte in der ersten Bank der zweiten Empore unter der Jugend Zeutems Platz genommen. Bald war er in ein halblautes Zwiegespräch mit seinem rechten Banknachbar versunken. Doch der Kirchenaufseher zeigte für den Mannheimer Boxkampf Walcott — Ten Hoff, so interessant er gewesen sein mag, wenig Verständnis und war gewillt, diese eigne Art der Erbauung abzubrechen. Also nahte er sich dem Sünder: „Sei jetzt ruhig, oder ich sags dem Bürgermeister!“ — „Was wilsch du?“, fragte St. und ein drohender Unterton schwingt mit. Da wars geschehen. Der Kirchenaufseher hatte dem Störenfried in Gestalt einer Ohrfeige ein etwas eignes Beruhigungsmittel verabreicht. St. hatte gleich Anstalten gemacht, zurückzuzahlen, Frankfurter Herbstmesse. Die Handwerkskammer Bruchsal teilt mit: die diesjährige Frankfurter Herbstmesse findet vom 17. bis 22. September .statt Tageskarten zum Preis von 4 DM und Dauerkarten zum Preis von 7 DM sind bei der Kasse der Handwerkskammer Bruchsal, Bahnhofstr. 12, erhältlich. Brucbsaler Sterbetafel. Gestorben sind: Frau Ella Marquedant, geb. Benk, Ehefrau des Schlossers Otto Marquedant, 45 Jahre alt, Uferweg 13, sowie Rentner Ernst Kretzler, 72 Jahre alt, unserer Schloßgarten, Baracke 3. Stadtrentamt Bruchsal. Das Stadtrentamt Bruchsal erinnert an die Zahlung der auf 15. September fällig werdenden Grundsteuer 1950 und zwar ein weiteres Zwölftel — somit insgesamt 6/12. Die Pflichtigen werden darauf hingewiesen, daß bei nicht fristgemäßer Zahlung Säumniszuschläge verwirkt sind und mit Betreibung gerechnet werden muß, wodurch weitere Mahngebühren und Zwangsvollstrek- kungsunkosten entstehen. Die Eint-Mark-Stücke kommen. Die Bank deutscher Länder wird in Kürze mit-der Aus- in der Kirdie einer Geldstrafe davon hatte sich aber dann von seinem Banknachbarn beschwichtigen lassen. Dafür gings aber jetzt für die nächsten fünf Minuten in ausgeprägterer Lautstärke weiter: „Zigeuner“, „Simpel“ und andere Zärtlichkeiten waren fällig. „Wart Bürschl, dich erwisch ich noch!“ — „Mach dich kalt!“, wollen andere gehört haben. — Aber Störung des Gottesdienstes sei das nicht gewesen, meint St., denn unten habe man sicher nichts gehört. Und in der Empore? frug man ihn. Ja was, da sei doch bloß die Jugend gewesen! Auf den Antrag des Staatsanwaltes, der für St. eine Gefängnisstrafe von einem Monat vorsah, hatte der Angeklagte das letzte Wort. Was er für einen Antrag stelle, fragte man ihn. St. stellte keinen Antrag. Er überlasse das dem Kirchenaufseher, meinte er. Obgleich für Störung des Gottesdienstes eine Gefängnisstrafe bis zu drei Jahren vorgesehen ist, erkannte das Gericht unter Zubilligung mildernder Umstände an Stelle einer Woche Gefängnis lediglich auf eine Geldstrafe von 35.— DM. H. gäbe von Ein-DM-Stückeii beginnen. Die Stücke sind aus Nickel hergestellt. In einiger Zeit werden auch Zwei-Mark-Stücke folgen, während die Herausgabe der angekündigten Fünf-Mark-Stücke aus einer Silber-Legierung noch längere Zeit dauern dürfte. Man mißt den Markstücken eine besondere Bedeutung für den gerade wieder anlaufenden Automatenverkehr bei. Turn- und Sportverein 08. Am Samstag, der. 16. Sept., 20 Uhr, findet im Gasthaus zuir Ochsen die Monatsversammlung des Turn- u Sportvereins 08 Bruchsal, statt. Es wird um pünktliches und vollzähliges Erscheinen gebeten. Wer will Lehrer werden? Am 16. Oktober beginnen an den Lehrerbildungsanstalten Heidelberg und Karlsruhe neue zweijährige Ausbildungslehrgänge für Volksschullehrei (innen), zu denen nur eine beschränkte Anzahl Bewerber zugelassen werden kann. Das Nähere ist in Nr. 15 des Amtsblatts des Landesbezirks Baden vom 30. August (S. 91) bekanntgegeben. Bewerbungen sind an die Direktionen der Lehrerbildungsanstalten zu richten. Gesuche und Vorsprachen bei der Unterrichtsverwaltung sind zwecklos. Waffendienst bei Vertriebenen wenig gefragt. Vor , ,Ueöertriebenen Erwartungen“ für eine Beteiligung der vertriebenen Deutschen an einer eventuellen Aufrüstung der Bundesrepublik warnte der Vorsitzende des Landesverbandes der vertriebenen Deutschen in Baden, Dr. Karl Bartunek. Er sagte, die Flüchtlinge seien trotz ihrer Existenzsorgen am Soldatendienst nicht interessiert, solange die Abkommen von Potsdam und Jalta bestehen blieben. Dies sei bedingt durch die Erlebnisse in den Jahren 1945/46. Die Deutschen in den osteuropäischen Ländern seien seit Generationen ein Bollwerk gegen den Expansionismus des Ostens gewesen. Aus dieser Stellung habe man sie herausgerissen. Jetzt dürfe man nicht damit rechnen, daß diese 15 Millionen entwurzelter Menschen, nachdem sie „tausend Kilometer“ westwärts verpflanzt worden seien, eine solche Aufgabe erneut übernehmen würden. Herausgeber: C. & H. Kruse, Bruchsal, Wörthstraße 4. Philippsburg, Salmstr. 10. Redaktion: Hans Stauder, Bruchsal. Für auswärtige Anzeiger: Annoncen-Exped. Krais, Karlsruhe. - Zur Zeit Ist Preisliste Nr. 1 gültig &(M 4» ' fi«»::’ass3335S252:^M |! ■ i ■ t ■ sa ■ ■ tues*ss=S!*M ) j‘illtiii«i»»l- ^—— ^ ^ |||| ' ) ^ MH? Wim ■ iwelll K !üiSKSBi: ■fSS!K:KiB!!»!!4gV--/ lil! V v ' ' PKrin i-nÜlüViJV, n3! fl; jissssiJsVW miäpsiEi;^ “W 3§ w IWlSaSB IHK« i &&& ii *4« '■i&ßiü iss«;"! rz 7 ;:-.z~z-":n. iliiijlilüüiiii yjgti i.M.üiii.rs;.:;. ■A :' '• L«Cätl mi.: •«■ifttani ,.'T ■ Ulf Beel fS§®j 8 p itSSSss'sHsj*::: ülllilieiU '••aaiaaiaaiaaaa»i. mm HiillimviiiiniHiiiÜiC’M .•«‘»Ü-^SSSSSSSäiSSiatiiitVM iiaiaiiaiiaaiiaiairiiia>u« (Sitr um iiiaflaij mmm.' llü-irirV' Bis itaaVaai iua iaai WIBtlllllZlBa, aiajmiiaai • ■■Keeai m,. mb v; mmmm '9ft. f'ngflßf^ j-im m -'A/1 Mittwoch, 13. September 1950 Wodienberidit der Brndisaler Sladtpolizei Mutmaßlicher Mörder festgenommen — Die Straße mit dem Bett verwechselt Am 6. September nahm die Bruchsaler Kgminalpolizei einen sich in der Zickstraße herumtreibenden Mann fest, der angab, aus Nürnberg zu stammen und Schuhmacher zu sein. Bei der Vernehmung stellte sich heraus, daß es sich um einen von der Oberstaatsanwaltschaft Mosbach seit geraumer Zeit gesuchten Verbrecher handelte. Der Mann hieß Karl Schrögler und war wegen Mordes in mehreren Fällen gesucht. Er wurde sofort in die Landesstrafanstalt eingeliefert. Verhaftet wurde am Tage darauf eine in Bruchsal wohnende, aus Wißnitz in Sachsen stammende Frau, der zwei Vergehen gegen § 218 StCJB. zur Last gelegt werden. Der eine Fall betrifft eine Frau von Hermuthausen im Kreis Künzelsau, der andere eine Frau von Philippsburg. Die verhaftete Frau bestritt jede Schuld, doch sind die Verdachtsmomente derart groß, daß sie nicht mehr auf freien Fuß gesetzt werden konnte. .Verhaftet wurde ein aus München stammender Kunstmaler, G. B., der geraume Zeit in einem Anwesen der Huttenstraße logierte, seit 18. August aber flüchtig war. Ihm werden eine Reihe von Sittlichkeitsdelikten an minderjährigen Kindern zur Last gelegt. Der 67 Jahre alte Mann lockte die Mädchen mit Gutsele und Bonbons an sich, für alle Eltern eine Warnung, ihre Kinder auf derartige Gefahren aufmerksam zu machen. Ans Liebe ward Haß Uebel erging es einem 22 Jahre alten Fri- eeurgehilfen, der seine Förster „Braut“ im Stiche ließ. Ende April d. J. löste er sein Verhältnis und seitdem wird der Gehilfe von den Angehörigen des Mädchens verfolgt. Am 9. September bezog er in der Schwetzinger Straße Prügel mit einem Schlagring. Die Ver- mann' erhebliche Prügel und wurden in die Flucht geschlagen. Die Angelegenheit hat gerichtliches Nachspiel, da Anzeige wegen schwerer Körperverletzung erstattet wurde. Der unvorsichtige Arzt Ein Bruchsaler Arzt hängte seinen beinahe noch neuen Mantel mit dem dazugehörigen Filzhut in die im Flur seines Sprechzimmers aufgestellte Garderobe. Nicht alle Patienten, die um ärztliche Hilfe ersuchten, waren ehrlich. Einer nahm den Mantel samt Hut mit sich, ohne daß bis jetzt der Dieb ermittelt wurde. Der Teufel Alkohol Ein von Wiesental stammender Mann, der bis-spät in die Nacht hinein dem Weine zusprach, verwechselte das Pflaster der Karlsruher Straße mit dem heimatlichen Bett. Er legte sich auf die Fahrbahn schlafen, ohne sich um den Verkehr zu kümmern. Eine glücklicherweise des Weges kommende Polizeistreife fand den schnarchenden Alkoholi- sten, ehe ein Unglück geschehen war und verbrachte ihn für eine Nacht in den Notarrest. Unvorsichtige Radfahrer Wie verkehrsgefährdend sich manche Radfahrer benehmen, dafür zwei Beispiele: Vor dem Musikhaus Müller wollte ein Radfahrer die Kaiserstraße überqueren. Er setzte sich aufs Rad, als ob die Straße für ihn allein da wäre. Die Folge: Ein Zusammenstoß mit einem Personenkraftwagen, der von der Unterführung her kam. Ein ähnlicher Unfall trug sich vor dem Hause Stempel-Klein in der oberen Kaiserstraße zu, der allerdings nicht so glimpflich abging. Auch hier wollte der unvorsichtige Radfahrer auf die andere Seite hinüber, als ein Motorradfahrer angebraust kam. Im letzten Moment wollte der Motorradfahrer noch ausweichen, es war aber schon zu spät und ein Zusammenstoß unvermeidlich. Unglücklicherweise stürzte der Motorradfahrer auf den Gehsteig und riß noch eine von Heidelsheim stammende Frau mit sich. Der Radfahrer blieb unverletzt, der Motorradfahrer und die Frau dagegen erlitten neben Platzwunden am Kopf erhebliche Prellungen. Motorrad auf dem Gehsteig Einem von der Engelsgasse herunterkommenden Motorrad sprang beim Einbiegen in die Württemberger Straße die Kette vom Fahrzeug. Der Fahrer verlor die Herrschaft über sein Rad, das auf den gegenüberliegenden Gehsteig fuh? und zwei Passanten anrempelte. Einer der beiden Fußgänger wurde verletzt. c DER gp&it DER HEIMAT J Schwerathletik-Verband in Wiesental Die Vertreter des Badischen Schwerathletikletzungen waren so, daß ärztliche Behandlung Verbandes und der ihm angeschlossenen' Ver- erforderlich wurde. Zwei Tage später wurde der „ungetreue Bräutigam“ bei der Förster Dreschhalle an der Hambrücker Straße erneut angehalten und mißhandelt. Streitigkeiten mit fiblen Folgen In der Kändelwegsiedhing bekam ein Ehemann mit seiner Frau erheblichen Krach. Die Eltern der Frau bemühten sich, den Streit zu schlichten, kamen aber bös an. Sie bezogen von dem in eine höllische Wut geratenen Eheeine hatten sich in Wiesental zu einer wichtigen Verbandstagung eingefunden. Auf der Tagesordnung standen technische und organisatorische Fragen, die Neueinteilung der Oberliga- und Landesliga-Gruppen für die kommende Verbandsrunde, sowie die Termine für die Durchführung der Verbandsrunde 1950/51 Bei der wichtigen Abstimmungsfrage, ob die Verbandskämpfe in der bisherigen Oberliga-Einteilung oder in einer neuen Gruppeneinteilung, Nord- bzw. Mittelbaden, zwecks Riditfest der Obergrombadter Kelter Bürgerversammlung im Rathaus — Schäden in den Rehbergen begonen wurde. Aus diesem Anlaß hatet sich schaft Gemeinderat Richard Neuberth, dessen mals auf das Problem der Gemeinde finanzen zu sprechen. Ein Großteil dr Bürger denke Fäulnisbildungen vernichtete sind, harten Spiel trennten trennte man sich 8 :8 wgen des ’ schlechten Wetters nicht abge- tär Achermann und der Vertriebenenvertreter Fritz Kampers und ■ Berthold Ebbecke. Der Film läuft ab ... im ... •Dieser Tage konnte die Winzergenossenschaft Obergrombach das Richtfest der neuerstellten Kelterhalle begehen, nachdem vor kaum vier Wochen erst mit den Bauarbeiten begonnen wurde. Aus diesem Anlaß hatte sich die Baufirma Franz Kraut mit ihren fleißigen Handwerkern und Gesellen und die beim Bau beschäftigten Mitglieder der Genossenschaft zu einer gemütlichen Feierstunde zusammengefunden. Der Vorsitzende der Winzergenossenschaft, Gemeinderat Richard Neuberth, dessen Initiative und tatkräftiger Mitarbeit die rasche Erstellung der Halle zu verdanken ist, fand herzliche Worte des Dankes für alle die am Gelingen dieses Werkes mitgeholfen haben und zeichnete anschließend nochmals die sehr zwingenden Gründe auf, die die Schaffung einer solchen Halle notwendig machten. Diese wirklich praktische und nach neuesten Erfahrungen geschaffene Einrichtung kommt zwar in erster Linie den Mitgliedern der Genossenschaft zugute, sie wird sich aber auch für die übrige Einwohnerschaft nur nutzbringend erweisen. Zu einer wichtigen Bürgerversammlung hat die Gemeindevensaltung die gesamte Einwohnerschaft am letzten Sonntag in den Rathaussaal bestellt. In erster Linie handelte es sich darum, die breie Oeffentlichkeit über die sofortige Durchführung der großen Volks-, Berufs-, Wohnungs- und Arbeitsstättenzählung aufzuklären. Bürgermeister Bender erläuterte die verschiedenen Fragebogen und gab anhand praktischer Beispiele Hinweise für deren Ausfüllung. Bürgermeister Bender kam dann nochmals auf das Problem der Gemeindefinanzen zu sprechen. Ein Großteil der" Bürger denke heute nur noch an die Rechte, aber nicht mehr an seine Pflichten. Dies treffe besonders für die Trinkwasserversorgung zu. Täglich gehen Beschwerden über die Höhe des Wasserzinses ein, keiner der Beschwerdeführer aber mache sich Gedanken über die Unterhaltungskosten der Wasserleitung, die nun schon über 40 Jahre alt ist und an der jetzt mit steigendem Maße die Reparatur- und Instandssetzungsarbeiten beginnen. Dabei hat aber die Gemeindekasse nicht nur Zahlungen für die Wasserversorgung zu leisten, sondern noch eine ganze Menge von weit größeren Aufgaben, deren Ausgaben durch die derzeit laufenden Einnahmen nicht mehr gedeckt werden können. Deshalb sei es notwendig geworden, für Einnahmerückstände Säumniszuschläge zu erheben und den einen oder den anderen Posten zwangsweise einzutreiben. Der Vorsitzeuüe aes örtlichen Bauernverbandes Josef Hardock wies die zahlreich erschienenen Landwirte auf die derzeit steigende Preistendenz der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, insbesondere des Schlachtviehs hin und warnte vor unüberlegten Verkäufen an freie Metzger. Jeden Morgen kurz vor 6 Uhr gebe der Rundfunk die Preise der Großmärkte bekannt, sodaß sich der Landwirt rechtzeitig über die geltenden Preise orientieren kann. Der Vo's , ‘-” | o des Tabakbauvereins gab einige Richtlinien über die Behandlung des aufgehängten Tabaks bekannt, der bei dem feuchten Wetter der vergangenen Tage besonderer Pflege bedarf. Hubert Eppele, der Vorstand des Obstbauvereins, wies auf den geplanten Lehrgang durch die Obst- und Rebanlagen hin und bat im eigenen Interesse um zahlreiche Beteiligung.' Das naßkalte Wetter der letzten Wochen hat in den Rebbeständen starken Schaden angerichtete. Die Trauben sind fast restlos von Fäulnis- und Schimmelbildung befallen und verlangen eine sehr genaue Sortierung bei der Abemtung. Die am Nachmittag stattgefundene Besichtigung zeigte, daß eine ständige Beobachtung der Trauben bis zur Reife notwendig ist, denn der größte Teil der Beeren ist erst halb ausgereift, während die ausgereiften Beeren strichweise bis zu einem Drittel durch Fäulnisbildungen vernichtet sind. * . Wir gratulieren: Herrn August Willy, Bahnarbeiter i. R., Weingartenerstraße 11, zu seinem 66. Geburtstag, und Herrn Franz Höchstem, Hauptstraße 7, zu seinem 80. Geburtstag, den beide Jubilare in guter Gesundheit diese Woche begehen können. Höchstem ist Ostflüchtling ans Mariaholm in Ungarn und erfreut sich seit seinem Hiersein bei Alt- und Neubürgem großer Beliebtheit Der Gesangverein Sängerbund veranstaltet am Sonntag seinen diesjährigen Vereinsausflug, der unter den Sängern bereits zu einer beliebten Tradition geworden ist. Dieses Jahr werden die zahlreichen Teilnehmer mit zwei gemütlich ausgestatteten Reiseomnibussen das reizende Neckartal besichtigen. schnellerer Abwicklung der Verbandsrunde durchgeführt werden sollten, stimmten nur drei Vertreter für die Oberligaeinteilung, während sich neun für die neuen Gruppeneinteilung entschieden. — Diese Neueinteilung wurde notwendig, da im kommenden Jahr mit internationalen Begegnungen zu rechnen ist und man zur Ermittlung der deutschen Vertretung die Meisterschaftskämpfe innerhalb der deutschen Länder schneller abwickeln muß. Es werden innerhalb der Gruppen die jeweiligen Gruppenmeister ermittelt, die dann aus der allgemeinen Verbandsrunde ausschei- den und an den Kämpfen um die deutsche Meisterschaft teilnehmen. Der Gruppe Nord-Baden gehören folgende Vereine an: Mannheim 1884, ASV Lampertheim, ASV Ketsch, Eiche Sandhofen, ASV Heidelberg und ASV Feudenheim. Der Gruppe Mittel-Baden gehören an: ASV Bruchsal, KSV Wiesental, KSV Kirrlach, Germania Karlsruhe, KSV Brötzingen und ASV Gröt- zingen.. Die Verbandskämpfe der Oberliga-Gruppen im griechisch-römischen Ringerstil beginnen am 17. September 1950 und müssen mit Vor- und Rückkampf bis zum 1. Dezember 1950 durchgeführt sein. Nach dem Ausscheiden der Gruppenmeister wird eine weitere Verbandsrunde, mit Vor- und Rückkampf im Freistilringen abgewickelt. — Die Landesliga-Vereine beginnen mit ihrer Verbandsrunde erst ab 1. Oktober 1950. Ab* 17. September 1950 stehen sich in Bruchsal der ASV Bruchsal und der KSV Wiesental zum ersten Verbandskampf gegenüber. Fußball Jugendfußballtermine: A-Jugend: 17.9. Philippsburg — Oberhausen 16 Uhr Rheinhausen — Huttenheim 15 Uhr Kirrlach — Neudorf 15 Uhr Hambrücken Al — Wiesental 15 Uhr spielfrei: Rheinsheim u. Hambrücken A2. B-Jugend: 19. 7. Philippsburg — Oberhausen 12 Uhr Kirrlach Bl — Neudorf 13 Uhr 1912 Wiesental — Kirrlach B2 16 Uhr spielfrei: TSV Wiesental. C -J u g e n d : 16. 9. Philippsburg —Oberhausen 17 Uhr 16.9. Hambrücken — Wiesental CI 17 Uhr 17. 9. Kirrlach C2 — Neudorf 16 Uhr 17. 9. Rheinsheim — Kirrlach CI 16 Uhr Huttenheim — Wiesental C2 16 Uhr. 'CKcleu (jeMtudeu) Philippsburg Silberne Hochzeit feierten am vergangenen Sonntag Stadtrechner Otto Braun und Frau. Auch wir entbieten nachträglich unsere besten Wünsche. Zur Volksbefragung am 24. September fand am Sonntagabend im Bürgersaal eine Versammlung statt, in welcher nach einleitenden Worten von Herrn Walter-Philippsburg die Herren Bürgermeister Dr. Gutekunst-Karlsruhe und Weindel-Forst zu den Anwesenden sprachen. Dr. Gutekunst legte sehr sachlich die Gründe dar, die für den Südweststaat sprechen. Er hob besonders darauf ab, daß sich der Abstimmende von allen gefühlmäßigen Regungen freimachen müsse und ganz nüchtern sich die Sachlage vor Augen führen solle. Dann müsse jeder Abwägende zu dem Entschluß kommen, daß er mit seiner Stimme für den Südweststaat das Richtige treffe. Auch Bürgermeister Weindel sprach in diesem Sinne. Nach einer kurzen Diskussion konnte Herr Walter die Versammlung mit der Aufforderung zur Stimmabgabe für den Südweststaat schließen. Huttenheim Am Sonntag veranstaltete der Fischersein Fischerfest, das schon seit mehreren Jahren im September stattfindet und somit zu einer Art Tradition geworden ist. Von der Frühe bis zum Mittag dauerte das Preisangeln. Um 12 Uhr wurden die Fischer von der Feuerwehrkapelle am Dorfeingang abgeholt. Nachmittags marschierten sie wieder unter den Klängen der Musik zum Festplatz, wo bei unterhaltenden Weisen der Feuerwehrkapelle und des Gesangvereins das Fischessen stattfand, bei dem selbstverständlich auch die „Halben“ nicht fehlen durften. In der Spielerversammlung des FC am vergangenen Samstag wurden einige für den Spielbetrieb in der Verbandsrunde wichtige Punkte erörtert. Besonders dringend war die Trainingsfrage, die jetzt endlich gelöst werden konnte. Die Spielführer wurden von ihren Mannschaften bestätigt. Neben den wöchentlichen Spielerversammlungen kündigte der Vorstand für jeden Monat eine Pflichtspielerversammlung an. Jeder Spieler, der keine Versammlung und keinen Trainingsabend versäumt hat, erhält nach Beendigung der Runde ein kleines Geschenk. Am Schluß seiner Ausführungen ermahnte der Vorstand die Spieler zum letzten Einsatz und zu fairer Spielweise in der kommenden Runde. Die Hilfsaktion des FC für die Brandgeschä- digten durch Verkauf von Platzkarten erbrachte einen Betrag von 240.— DM, der den Betroffenen durch eine Abordnug des Vereins überreicht wurde. Sch. Waghäusel Zu einem weihevollen Gedenktag wurde das zweite Hochfest der Wallfahrtskirche Waghäusel „Mafia Geburt.“ Am Vorabend fand eine Sturmandacht mit Predigt P. Evarists statt. Im Hochamt feierte ein auswärtiger Pater in der Festpredigt die Gottesmutter als das makellose Schönheitsideal vor Gottes Gnaden thron und unser aller Fürsprecherin. Die kleine, wackere Schar des Kirchenchors trug auch dieses Mal mit dem Vortrag einiger Lieder wesentlich zur weihevollen und erhebenden Ausgestaltung der Gottesdienste bei. Die Arbeiten beim Bau von sieben Wohnhäusern sind in letzter Zeit stark vorangekommen. So sind bei einigen die Fundamen- tierungsarbeiten nahezu beendigt, von eiriem Doppelhaus grüßt die Straßenpassanten cer Richtbaum. Sollte der kommende Heust schönes Wetter bescheren, ist mit dem Aufbau mehrerer Häuser bis zum Dachfirst zu rechnen. zeigen vom 13. bis 14. September ÜMt PO' Millöckers unsterbliche klassische Operette mit Johannes Heesters und Marika Rökk Anfangszeiten: Täglich 17, 19 und 21 Uhr Onnibustabrt in die Schweiz am 9. # 10. und 11, Oktober 1950 Triberg - Konstanz - Zürich - VtorwafdJfOfter Set - Luzern Fahrpreis mit. Paßbeschaffung u* zwei Obernachtungen mit Frühstück in Zürich u. Luzern DM 72 .- Aruneldeschluß am 20. Sept 1950 Zur Frankfurter Messe am Montag, 18. 9. und Mittwoch, 20.^. 50 Abfahrt 7 Uhr Bahnhot Anmeldung Reisebüro Herberger Brndual, Miaiiutr. 53«, To). 37« Tüdrtige Hausangestellte die zu Hause schlafen kann gesucht. Frau Herta Lupp, Schönbomsfr. 23a Verkaufen im Auftrag 12 ovale Fässer 660 Ltr. Anfragen sofort bei der Markthalle, Bruchsal Schadenersatzansprüche gegen die Vereinigten Staaten Das Landratsamt teilt mit: Vom 11. bis 19. September führen Einheiten der amerikanischen Streitkräfte ausgedehnte Manöver aus, welche sich über das Gebiet von Hessen und Württemberg-Baden erstrecken. Es ist wahrscheinlich, daß einige dieser Uebungen im Kreise Bruchsal stattfinden. Die Angehörigen amerik. Einheiten wurden angewiesen, die Zerstörung von Ernten, Obstgärten oder kultiviertem Boden zu vermeiden, sowie Zivil-Einrichtungen und Privathäuser nicht zu betreten, oder Einrichtungen zu gebrauchen, sei es denn in Ausnahmen und bei wirklichen Notfällen und dann auf besonderen Befehl des kommandierenden Offiziers. Sollten durch besondere Umstände trotzdem Manöverschäden entstehen, sind diese sofort, spätestens innerhalb 24 Stunden nach dem Vorfall beim Bürgermeisteramt zu melden, wo dem Geschädigten in der Vorbereitung ihrer Schadensanträge auch jede praktische Hilfe geleistet wird. Besonders bei Personenschäden durch US-Fahrzeuge ist darauf zu achten, daß die notwendigen Beweise, Wie Autonummern und sonstige Kennzeichen, Sicherstellung, des Fahrers, sowie Zeugenerklärungen beizubringen sind. Ganz wichtig ist, daß bei’solchen Schadensfällen sofort die Polizei verständigt wird, welche durch ihre Erhebungen sehr viel zur Klärung der Schuldfrage beiträgt. Die Herren Bürgermeister des Kreises Bruchsal werden gebeten, bei evtl, eingetretenen Manöverschäden die in den Richtlinien des amerik. Schadensamtes genannten Fristen zur Vorlage von Schadensanträgen besonders zu beachten. Rüeinwasserstände Konstanz 368 (usw.), Rheinfelden 277 (—5), Breisach 230 (—8), Straßburg 304 (—2), Karlsruhe 472 (—14), Mannheim 342 (—17), Mainz 314 (+2), Bingen 218 (+2), Caub 242 (+2). Mittwoch, den 13. September 1950 Das Sdinhmadierhandwerk protestiert • . • ... gegen die unerträglichen Preiserhöhungen für Leder QKein ’Jxeund Qlaka Ich bin ein Hundenarr — wenn Mi aucn selbst keinen Hund habe. Dafür beschäftige ich mich um so intensiver mit dem Vierbeiner meiner Zimmervermieterin. Er heißt Karo und hat das Aussehen eines etwas zu groß geratenen Dackels. Ich weiß nicht, ob Karo überhaupt ein echter Vertreter seiner Rasse ist. Zwar behauptet es meine Wirtin, aber seit mir mein Freund Balthasar vor kurzem einen lehrreichen Vortrag über Hunderassen gehalten hat, sind mir doch einige Zweifel an der Echtheit von Karos Hundedasein gekommen. Ich finde plötzlich, daß seine Beine für einen Dackel nicht mehr krumm genug sind und daß seine Ohren auch nicht mehr die Schlappohren sind. Doch stört das Karo und mich nur wenig. Wir bleiben trotzdem gute Freunde. Jeden Abend, wenn ich mir mein Essen bereite — Sie müssen nämlich wissen, ich bin Junggeselle — kommt Karo schweifwedelnd zu mir, um sich wieder einmal von meiner männlichen Kochkunst zu überzeugen oder durch lautes Schnüffeln und vorwurfsvolles Aufschlagen seiner treuen Hundeaugen kundzutun, daß man es nicht mal einem Dackel zumuten könne, meinen heutigen „Hundefraß“ zu vertilgen. Wenn dann Karo bei mir zu fressen beginnt, habe ich immer das Gefühl, als ob sein ganzer Körper nur ein Magen wäre. Sein Appetit ist einfach unersättlich. Während meine Zähne noch einen erbitterten Kampf mit dem Fleisch ausfechten, um es meinem Korpus einzuverleiben, hat Karo bereits seinen Knochen bis auf das letzte Splitterchen geknackt und verfolgt nun mit aufmerksamen Augen das Hin und Her meiner Zähne, hoffend, daß ich resigniere und ihm den Leckerbissen gebe. Und sollte es gar zu lange dauern, so bellt er einmal kurz auf, wie um auf sich hinzuweisen, daß er mit diesen Sachen doch viel, besser umzugehen verstünde. Ja, das ist Karo, zwar nur ein kleiner Dackel — aber oho! — -ütt In der „Scheffelhöhe“ fand gestern eine Versammlung der SchuhmacHerinnung Bruchsal statt,' die sich mit den unerträglichen Preiserhöhungen für Leder befaßte. Obermeister Binder wies u. a. darauf hin, daß die Lederpreise in den letzten Wochen um 19,— bis 20,— DM pro Kilogramm in die Höhe gegangen seien. Völlig verfehlt sei es, dem Schu'hmacherhandwerk, wie es da und dort geschehen sei, die Schuld zu geben. Ihre letzte Ursache hätten die erhöhten Preise in den auf allen Weltmärkten erfolgten Lederaufkäufen der Vereinigten Staaten, was mit dem Korea-Konflikt, der gespannten Weltlage überhaupt Zusammenhänge. Klar sein müsse man sich darüber, daß Deutschland immer ein Einfuhrland für Leder gewesen sei. Schon 1915 seien 60 % des deutschen Lederbedarfs eingeführt worden. Fragen müsse man sich allerdings, weshalb von Staats wegen nicht eingegriffen worden sei, um die Preiserhöhungen wenigstens in erträglichen Grenzen zu halten. Die liberale Marktwirtschaft, d. h. die Preise dem freien Spiel der Kräfte von Angebot und Nachfrage zu überlassen, sei noch lange nicht der Weisheit letzter Schluß. Jedenfalls protestiere das Schuhmacherhandwerk ganz energisch gegen die jetzige Preisentwicklung auf dem Ledermarkt und appelliere an alle zuständigen Behörden, den unerträglichen Preissteigerungen sich mit aller Macht entgegen zu setzen. Wie schlimm die Entwicklung bereits geworden sei, gehe daraus hervor, daß innerhalb der vergangenen Woche die Preise erneut um 22 % angezogen hätten. Regierungsrat Gärtner als Vertreter des Landrats brachte zum Ausdruck, daß die Landlkreisverwaltung größtes Verständnis für die Forderung des Schuhmacherhandwerks habe. Bei einem durchschnittlichen Lohnaufkommen von DM 50,— in der Woche sei es kaum möglich, für die Besohlung eines Paar Schuhe 10,— DM auszugeben. Hierdurch trete eine Belastung ein, die für jede Familie unerträglich sei, gleichgültig, ob es sich um einen Beamten, Angestellten oder einen Arbeiter handle. Zu überlegen wäre, ob diejenigen Berufe, die nicht unbedingt auf Ledersohlen angewiesen seien wie z. B. die Bauarbeiter, nicht auf das billigere Gummi zurückgreifen sollten. Die versammelten Schuhmacher faßten einstimmig eine Entschließung, die an den Bundestagsabgeordneten Neuburger und an den Franzosen dankten für gute Behandlung Mannheim (Iwb). Franzosen, die während des Krieges in deutscher Kriegsgefangenschaft waren, besuchten am Wochenende ihre Arbeitsstätten und ihre deutschen Bekannten in Mannheim. Bei einem Festbankett in den Mannheimer Motorenwerken dankte ein Sprecher der Franzosen den Deutschen für die gute Behandlung und die in den Jahren der Kriegsgefangenschaft erwiesene Hilfsbereitschaft. Die Gäste waren auch von der südhessischen Stadt Viernheim, wo sie zum großen Teil während ihrer Gefangenschaft gewohnt hatten, zu einem offiziellen Empfang eingeladen worden Demonstranten sangen die Internationale Mannheim (Iwb). Bei einer von der Stadt Mannheim kn Naiional-Theater veranstalteten Gedenkfeier für die Opfer des nationalsozialistischen Regimes kam es zu einem Zwischenfall, als der von der WN bestellte Redner, Bundestagsabgeordneter Mar- gulies (FDP), auf die Zustände in der Sowjetzone zu sprechen kam. Zwischenrufe, wie „Verbrecher“ und „raus“ waren zu hören. Die Demonstranten verließen den Saal und sangen kn Foyer des Theaters die Internationale. Hierauf konnte die Feier ohne weitere Störungen fortgesetzt und beendet werden. Professor Weber für „freien Sozialismus“ Heidelberg (Iwb). Der Heidelberger Soziologe Professor Alfred Weber trat am Wochenende auf dem internationalen Arbeiter- und Studententreffen in Heidelberg für einen „freien Sozialismus“ ein. Dem revolutionären kommunistischen Prinzip könne man nicht mit liberalen Methoden entgegentreten, ihm könne nur der Sozialismus entgegengesetzt werden. Man müsse aber den freien Sozialismus fordern. Dabei sei die Marktwirtschaf t nicht zu umgehen. Die Wirtschaft müßte durch die Lenkung der Investitionen gesteuert werden. Nach Entflechtung der künstlichen Monopole und nach dem Abbau des bürokratischen Apparates müßten die entflochtenen Betriebe sozialisiert werden. Dann würde nicht mehr für einen Profit, sondern für den »sozialen Gewinn“ gearbeitet. Landtagsabgeordneten Bläsi weitergeleitet wird. Diese Resolution lautet: Mit allergrößter Sorge nimmt das Schuhmacherhandwerk von der stetig ansteigenden Preisentwicklung auf dem Materialmarkt, insbesondere auf dem Ledermarkt, Kenntnis und erwartet von der Bundesregierung Maßnahmen, die geeignet sind, weiteren Preissteigerungen entgegen zu wirken. Das Schuh- macherhandwerk macht darauf aufmerksam, daß es ihm auf Grund seiner allseitig bekannten schlechten Wirtschaftslage nicht möglich ist, als Letztverarbeiter die Preissteigerungen aufzufangen. Das Schuhmacherhandwerk weist darauf hin, daß es für irgendwelche Preiserhöhungen seiner Schuherzeugnisse, bedingt durch die Preissteigerungen des Rohmaterials, nicht verantwortlich gemacht werden kann. Süddeutscher Rundfunk abgewiesen Mannheim (Iwb). Das Landgericht Mannheim hat den vom Süddeutschen Rundfunk gegen die „Interessengemeinschaft der badischen Rundfunkhörer E. V.“ gestellten Antrag aus Erlaß einer einstweiligen Verfügung abgewiesen. Der Süddeutsche Rundfunk hatte beantragt, daß der „Interessengemeinschaft“ untersagt werde, ihre gegen den Rundfunk gerichteten Flugblätter weiter zu verteilen. Die „Interessengemeinschaft badischer Rundfunkhörer“ hatte Anfang September in einer Postwurfsendung die nordbadischen Rundfunkhörer aufgerufen, dafür zu stimmen, daß Nordbaden aus dem Sendebereich des Süddeutschen Rundfunks Stuttgart ausgegliedert und dem Südwestfunk in Baden-Baden angeschlossen werden solle. Ferner wurde behauptet, daß die badischen Hörergebühren in Höhe von monatlich einer halben Million DM fast ausschließlich schwäbischen Sendungen zugute kämen. Heddesheim hat einen neuen Bürgermeister Mannheim (iwb). Die Gemeinde Heddesheim im Kreis Mannheim hat am Sonntag Bürgermeister a. D. Moos zu ihrem neuen Gemeindevorsteher gewählt. Moos war bereits vor 1933 Bürgermeister der Gemeinde 300 Jahre Schroarzroälöer Uhren Im Jahre 1650 ist nach einer alten Überlieferung in Altglashütten im Schwarzwald die erste Schwarzwälder Uhr gebaut worden. Sie hatte ein holzgeschnitztes Werk mit drei Rädern und der „Waag“, die später vom Pendel abgelöst wurde, besaß aber nur einen Zeiger und trug nur die Stundenzahlen auf dem Zifferblatt. Damals wurde der Grundstein für ein Handwerk gelegt, das sich bald überall im Schwarzwald ausbreitete und in der ganzen Welt zu einem Begriff wurde. Der Uhrrhacher Franz Anton Ketterer hat dann 1730 die erste Kuckucksuhr geschaffen, die zum Inbegriff der Schwarzwälder Uhren geworden ist. Der die Stunden ausrufende Vogel, der aus einem sich öffnenden Türchen herausschaut, war die erste der zahlreichen Gestalten, mit denen man die Uhran später ausstattete. Ketterer soll durch den Blasebalg an der heimatlichen Kirchenorgel auf die originelle Idee gekommen sein. Noch vor etwa 80 Jahren zogen die Schwarzwälder Uhrmacher in den Sommermonaten mit ihrem „Uhrenrucksack“ in die Welt und lockten mit einem Glöckchen die Kauflustigen. Sie kamen bis nach Holland, England und sogar nach Ubersee und machten so ihre Uhren in aller Welt bekannt. Die ersten Schwarzwälder Uhren waren Wanduhren, später entstanden auch Kasten- und Standuhren. Die erste Taschenuhr wurde 1851 in der staatlichen Uhrmacherschule in Furtwangen hergestellt, die in. diesen Tagen ihr hundertjähriges Jubiläum feiert. Der badische Großherzog Leopold ließ es sich nicht nehmen, das Wunderwerk in Furtwangen zu besichtigen und zu erwerben. In den sechziger Jahren wurde im Schwarzwald die sogenannte ..Amerikaneruhr“ bekannt, die bald im industriellen Großbetrieb hergestellt wurde und die ländliche Hausindustrie immer mehr verdrängte. Das Museum der Uhrmacherschule Furtwangen gibt ein lebendiges Zeugnis füi die dreihundertjährige Tradition der Schwarzwälder Uhrmacher. Rettet die Familie Verbandstag der pfälzischen Kolpingsfamilie in Speyer In Speyer fand über das Wochenende der diesjährige Verbandstag der pfälzischen Koi- pingsfamilie statt, zu dem über 5 000 Kol- pingssöhne aus der Pfalz, aus dem westdeutschen Bundesgebiet und — besonders herzlich begrüßt — Abordnungen der katholischen Gesellenvereine des Saargebietes und der Schweiz erschienen waren. Aus Anlaß der 90- Jahrfeier der Kolpingsfamilie Speyer ergriff auch Bundesminister Schuberth (CDU) das Wort, der erklärte, für ihn gebe es kein sozialeres Lehrbuch als den kleinen Katechismus Adolf Kolpings. Westdeutschland möge nicht vergessen, daß die Regierung in Bonn eine christliche Regierung ist. Wir sollten nicht vergessen, daß mit der Regierung Adenauer dem deutschen Volk noch einmal eine Chance zum Wiederaufstieg — vielleicht die letzte — gegeben sei. Der Diözesansenior der Erzdiözese Freiburg, Mellinger-Mannheim, der gerade erst von einer - internationalen katholischen Gesellen- irereins-Taguing aus Wien zurückgekehrt war, sagte, in Wien hätten die Kolpingsvertreter der Ostzone trotz aller Verfolgungen ihre Treue zur Kolpingssache und zur Sache des Christentums mutig vertreten. Der Name Adolf Kolping sei heute für hunderttausende junger Menschen ein Programm, dessen soziale Grundsätze heute dringender denn je verwirklicht werden sollten. Nach einem feierlichen Pontifikalamt von Bischof Dr. Wendel im Kaiserdom und einem Bann- und Handwerkermarsch durch die festlich beflaggten Straßen der alten Domstadt fand am Sonntag-Nachmittag im Dpmgarten eine Kundgebung statt, in deren Rahmen ein Familienvater (ein Kolpingssohn aus Pirmasens), ein Staatsmann (Justiz- und Kultusminister Dr. Süsterhenn) und ein Priester (der Generalpräses der westdeutschen Kolpings- wmilie, der vierte Nachfahr im Amt Adolf Kolpings. Dr. Rider-Köln) zum Motto des diesjährigen Verbandstages „Rettet die Familie“ geschlossen Stellung nahmen. Die Ausführungen der drei Redner gipfelten in der Forderung nach einer festem und neuen Christianisierung der westdeutsch«! Familie, die auf dem besten Wege sei, in der moralischen Ausweglosigkeit unserer Tage immer mehr auseinanderzubrechen. Der Pfälzer Kolpings- tag 1950 schloß mit einer Präsessitzung der pfälzischen Kolpingsseelsorger. Ein fußballgewandter Pfarrer Pforzheim (lid). Auf dem Fußballplatz in Wilferdingen bei Pforzheim trat eine Fußballmannschaft, die aus dem Gemeinderat gebildet war, gegen eine Elf an, die sich aus Mitgliedern des Kird^ngemeinderates zusammensetzte. Der Bürgermeister und der Pfarrer waren die Spielführer auf beiden Seiten. Die Torwarte waren vorsichtshalber mit Boxhandschuhen ausgerüstet. Es gelang der Pfarr- mannschaft, einen 7:2-Sieg über die Komu- nalpolitiker zu erringen; der Pfarrer schoß allein drei Tore. Die Einnahmen kamen der kommunalen Wohltätigkeit zugute. Untergrombach plaidiert für ültbaden Am letzten Sonntag, 10. Sept., fand im „Engelsaal“ eine Kundgebung der Badener statt, die von der Arbeitsgemeinschaft der Badener als ein voller Erfolg ihrer Ziele gebucht werden darf. Fest stehen dürfte, daß in Untergrombach der überwiegende Teil der Bevölkerung sich dem Gedanken eines Südweststaates gegenüber ablehnend verhält. Der Leiter der Veranstaltung, Direktor O. Raab, begrüßte seine Mitbürger aufs herzlichste, im besonderen galt sein Gruß dem Landtagsabgeordneten Kühn, dem Referenten des Abends. Raab nahm die Gelegenheit wahr, um einen Ueberblick der Ereignisse der letzten Jahre zu geben. Der von den Besatzungsmächten verfügte Zonenschnitt habe sich für Nord und Süd recht unheilvoll ausgewirkt. Fest stehe heute schon, daß der Schwerpunkt des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens sich nach Württemberg verlagert habe. Landtagsabgeordneter Kühn erläuterte in von großer Sachkenntnis zeugenden Ausführungen alle Argumente, die für die Wiederherstellung des alten Baden sprechen. Mit Württemberg habe Baden fast nur schlechte Erfahrungen gemacht, überall würden die Badener hintangestellt, gleichgültig ob es sich um wirtschaftliche oder kulturelle Angelegenheit«! handle. Im Badnerland steckten noch so viele Entfaltungsmöglichkeiten, daß uns für die Zukunft nicht zu bangen brauche. Mit einer einfachen, sparsamen Verwaltung ausgestattet werde das arbeitssame und freiheitlich gesinnte badische Volk’ jederzfeit ein treues Glied der Bundesrepublik sein. Die von gesanglichen Darbietungen des Män- nergesangveteins umrahmte Versammlung schloß Direktor Raab mit einem Appell an alle, am 24. Sept. nur für Baden zu stimmen. R. P. Kreuz und quer durchs Badnerland Unter eigenem fiecfjt Roman von Edmund Sabott Copyr. 1948 bj Verlag Reutlingen Oertel ft Sparer 48. Fortsetzung Ursula hatte ihn einmal auf der Bühne gesehen, als ihm einer seiner Zaubertricks mißglückt war. Den wenigsten war es wohl aufgefallen, denn er ging geschickt über den unangenehmen Zwischenfall hinweg, lenkte die Aufmerksamkeit der Zuschauer ab, und nur sie, die den Trick kannte, hatte seinen Fehlgriff bemerkt ln den zwei oder drei Sekunden des Erschreckens damals auf der Bühne hatte er genau so ausgesehen, wie in diesen Augenblicken: Seine Haltung erschlaffte, rin verlegenes Lächeln huschte über sein Gesicht, und er kniff die Augen zusammen, als sähe er in sehr grelles Licht Aber dann hatte er sich schon wiedergefunden und war völlig beherrscht Er schüttelte leicht den Kopf, und dies faßt? Ursula als ein Zeichen des Ableugnens auf; es war aber nur ein Zeichen seiner Verblüffung und des rastlosen Erstaunens darüber, daß er auf so unerklärbare Weise überrumpelt und gestellt worden war. Genau so mochten seine Zuschauer den Kopf schütteln, wenn sie seinen Tricks zusahen. Ursula sagte in sehr selbstgewissem Tont „Nicht abstreiten, Herr Gronnei Sie sind der Täterl Ich kann Ihnen das klipp und klar beweisen. Nur zweierlei weiß ich noch nicht! Erstens: Warum Sie ihn ermordet habah und zweitens: Wie Sie zu der Pistole gekommen sind, die Herrn Stolle gehört. Wollen Sie uns das bitte noch sagen?“ „Die Pistole . , . “ sagte Gronne langsam, „ . . ich habe sie von ihm selbst bekommen.“ „Wie denn? Von Brender, meinen Sie?“ „Ja, von Brender! Und daraus können Sie ersehen, Fräulein Ursula, daß Sie in einer Kleinigkeit irren, — eine Kleinigkeit ist es wenigstens für Sie; für mich ist es etwas sehr Wesentliches, denn mein Kopf hängt davon dab. Ermordet, sagten Sie eben. Aber es war kein Mord, denn Brender brachte die Waffe mit, als wir heute nacht im Garten aufeinander trafen. Es hätte leicht so sein können, daß Sie nicht ihn, sondern mich da drüben gefunden, und mit mir alle diese Scherereien gehabt hätten.“ „Das ist mir noch nicht klar! Waren Sie denn nachts in unserem Garten?“ „Ich kann es nicht abstreiten. Ich war häufig hier.“ „Weshalb denn in aller Welt?" Das Geständnis schien ihm peinlich zu werden. „Um mich mit Brender zu treffen. Er hatte . . . gewisse Verpflichtung«! übernommen, und deshalb . . .* „Ja, kannten Sie sich denn überhaupt?“, fragte Ursula verwundert „So halten Sie doch wenigstens jetzt den Mund, Olpe!“ Olpe hatte sich tatsächlich erhoben und meldete sich zum Wort. „In den Zeitungen ... in denen aus Ungarn . . .* „Sie machen uns schwach, Olpe! Lassen Sie igpjnlt Ehren ungarischen Zeitungen jetzt ln Olpe schrie in bitterstem Groll: „In den Zeitungen steht nämlich drin, daß sie sich kannten!“ „Steht drin . . . daß sie sich . . . kannten“, wiederholte Ursula. „Wieso denn? In den Zeitung«! .. .? Ja, weshalb haben Sie dann das nicht gleich . . „Weil Sie mir immerzu über den Mund gefahren sind, zum Donnerwetter! Weil Sie mich nicht haben aussprechen lass«!! Weil Sie keine Zeit gehabt haben!“ „Aber wir hatten doch keine Ahnung. Olpe „So? Na . . . Also dann wissen Sie’s jetzt! Und wenn’s wieder mal so kommt, dann werden Sie hoffentlich gescheiter sein und mir zuhören.“ „Entschuldigen Sie Olpe! Aber wenn Sie sich kürzer gefaßt hätten, dann wären wir . . Ja, was steht denn eigentlich in den Zeitungen?“ „Programme sind da abgedruckt! Und Bilder! Der mit seiner Zauberkugel! Luigi Ceron- na! So nennt er sich nämlich! Jawohl! Und das wissen Sie ja auch! Und dann so ein Tanzpaar. Karlo und Anita! Das sind die beiden andern! Alles mit Bildern, wie gesagt! Zusammen in einem Programm sind die aufgetreten! Nicht immer! Aber oft! Und die Zeitungen hat er sich aufgehoben. Und ich habe sie gefunden! Aber weil ich nicht ungarisch kann und nicht dänisch und nicht italienisch, und weil die Bilder so schlecht gedruckt sind und nichts darauf zu erkennen ist, da sollten Sie eben mal nachsehen, ob Sie was drauf erkennen könnten . . »Ja, Olpe, wenn wir da« gewußt hätten .. .“ „Nu wissen Sie’s also! Und merkt’« euch! Füris nächste Mal! Ich rede keine überflüssigen Worte! Ich nicht! Und nun seht zu, wie ihr allein fertig werdet!“ Und er stieß Gronne hart vor die Brust, um sich den Weg frei zu machen; und stampfte hinaus. Die Tür knallte hinter ihm zu. Aber im nächsten Augenblick riß er sie noch einmal auf und rief zu Gronne hinüber: „Darauf hab ich schon lange gewartet! Dahin muß es mit dir kommen! Aber deine Mutter hat ja nie auf mich hören wollen! Wenn du was Anständiges gelernt hättest! Zauberkünstler! Komm mir nie mehr unter die Augen, verstanden?“ Und er schlug die Tür nun endgültig zu. Liesbeth lief schluchzend hinte r ihm drein und verschwand gleichfalls. Nach einer langen Pause sagte Ursula: „Wenn es so ist, wie sie es darsteilen, Herr Gronne, wird es auch eine Erleichterung sein für Ihren Vater und für Ihre Schwester. Kein Mord also! Gott sei Dank! Vielleicht sogar nur Notwehr, wie? Sagten Sie nicht, daß Brender sie bedroht habe? Wollen Sie uns das alles nicht im Zusammenhang eraählen? Es sind noch so viele ungeklärte Fragen zu beantworten.“ Gronne dachte nach und schüttelte den Kopf. „Ueberlassen Sie nun alias weitere der Polizei. Ich ziehe vor, mich von dar verhören zu lassen. Daß Ich von Ihn«) überführt worden bin, hat mir genügt." „Wie Sie wollen! Wenn du also bitte anrufen willst, Alf? Ich sehe nicht ein, weshalb wir damit jetzt noch warten sollen, da Herr Gronne es selber wünscht.“ (Fortsetzung folgt) Henkermuseum mit unheimlichen Erinnerungen Memoiren aus der Andenkensammlung der englischen Scharfrichterdynastie Puckness - Königinnen starben unter ihren Schwertern In der Bibliothek des Grafen Heinrich Apponyi in Oponice, wurde vor einigen Jahren der berühmte Abschiedsbrief Maria Antoinettes aufgefunden, den sie knapp vor ihrer Hinrichtung in der Todeszelle geschrieben hat. Dieser Brief ist an.ihre Schwägerin Prinzessin Elisabeth gerichtet, und die Königin nimmt darin in erschütternden Worten Abschied von ihren Kindern und Verwandten. Kann man sich ein ergreifenderes und erschütternderes Dokument vorstellen als die letzten Abschiedszeilen einer Frau, die den jähen Sturz von den höchsten Höhen der Macht in den Abgrund tiefster Verzweiflung erlitten hat? Die Geschichte hat uns eine g aze Anzahl von solchen Urkunden aufbewahrt, Briefe, Aufzeichnungen und Tagebuchblätter, die von verurteilten liginnen im Angesicht des Todes niedergeschrieben wurden. Die vielleicht interessanteste Sammlung dieser Art wurde erst vor kurzem der breiten Öffentlichkeit bekannt. Jeder Puckness ein Scharfrichter Im englischen Städtchen Grimsby starb vor einiger Zeit ein gewisser Henry Puckness, der letzte Nachkomme des berühmtesten englischen Scharfrichtergeschlechtes. Mit den Geschicken der Familie Puckness ist ein gutes Stück der englischen Historie verbunden; unter ihren Händen fielen die Häupter von Herrschern und Königinnen, die ihr Leben auf dem Schafott beschließen 'mußten. Wie ein unheimlicher roter "aden zieht sich die Tätigkeit der Puckness durch Jahrhunderte der Weltgeschichte, urd die Andenken, die im Familienmuseum des alten Herrn von Grimsby aufbewahrt wurden, dürften in der ganzen Welt ihresgleichen suchen. Vom Vater auf den Sohn, von Sohn auf den Enkel vererbte sich in der Familie Puckness das Amt des Scharfrichters. Jedem dieser Männer standen alte Privilegien zu; ihm gehörten die Kleider, die seine vornehmen Delinquenten vor der Hinrichtung getragen hatten. Er hatte .den Anspruch auf ein Viertel ihres Vermögens; von den Bürgern dieses Ortes durfte er alljährlich eine Steuer erheben die dazu dienen, sollte, das Richtschwert des Königs ständig blank zu halten. Millionär durch Henkerarbeit Henry Puckness lebte, obwohl er ein gewaltiges Vermögen sein Eigen nannte — er war nach unseren Begriffen mehrfacher Millionär — völlig zurückgezogen. Spine Nachbarn gingen ihm scheu aus dem Wege. Der Makel des Henkeramtes, der Jahrhunderte hindurch auf seinen Vorfahren gelastet hatte, blieb auch noch am Urenkel haften. Sogar die einzige weibliche Verwandte, die auf den Nachlaß des alten Puckness Anspruch gehabt hätte, verzichtete freiwillig auf die Erbschaft. So kam es, daß der einzigartige historische Besitz des Scharfrichtergeschlechtes zur öffentlichen Versteigerung ausgeschrieben wurde. — Es ist keine Übertreibung, wenn man die Sammlung der Familie Puckness als das unheimlichste Museum der Welt bezeichnet. Sie enthält eine ganze Anzahl von Richtblöcken, auf denen gekrönte Häupter ihr Leben beschlossen haben, und eine Sammlung von Schwertern, mit denen historische Persönlichkeiten hingerichtet wurden. Und dann die Briefe! „Ich bin unschuldig“ Da sind zum Beispiel die Aufzeichnungen der schönen Anna Boleyn, jener unglücklichen Gattin Heinrich VIII., die auf Befehl des königlichen Blaubartes hingerichtet wurde. Auf anderthalb Bogen Papier hat sie wenige Stunden vor ihrem Ende in wirren, von Todesangst durchzitterten Schriftzügen ihr Vermächtnis an Heinrich VIII, niedergelegt. Achtundsechzigmal kommen darin die Worte vor: „Ich bin unschuldig, unschuldig!“ Dieses Schriftstück ist niemals in die Hände des Königs gelangt. Man durfte ja vor ihm nicht einmal den Namen der in Ungnade gefallenen Gattin erwähnen. Eine wunderschöne Frau Von der fünften Gattin Heinrichs VHL berichtete Puckness, daß sie eine wunderschöne Frau gewesen sei und um jeden Preis in einem weißen Gewand das Schafott besteigen wollte. Der König hatte allerdings gewünscht, daß sie in einem häßlichen schwarzen Kleid ihren letzten Gang antrete. Die Gattin des Henkers fertigte ihr heimlich das gewünschte weiße Gewand an, und Katharina Howard durfte es vor der Hinrichtung anziehen. Auch dieses Kleid ist uns im Pucknessmuseum erhalten geblieben. Und ebenso fand sich auch im Nachlaß der Scharfrichterfamilie eine ganze Anzahl von Locken von blonden und schwarzen Haarsträhnen, die einst die Häupter stolzer Aristokratinnen geziert haben... Sie sind mit allen anderen Dokumenten und Gedenkstücken in den Besitz eines reichen Amerikaners übergegangen, der das ganze Henker-Museum um den Preis von zwanzigtausend Pfund Sterling erwarb. „Gnade, Gnade“ Auch über die liebreizende Jane Grey sind Aufzeichnungen ihres Henkers vorhanden. Die achtzehnjährige Ex-Königin kniete vor ihrer Hinrichtung stundenlang auf dem steinernen Fußboden ihrer Armsünderzelle und wiederholte immer wieder, schluchzend die Worte: „Ich wollte ja nicht Königin werden! Barmherziger Gott, sei mir gnädig... Ich wollte und will es nicht, Gnade, Gnade!“ — An einem kalten Wintertag des Jahres 1554 König Matti I. und seine Dollarprinzessin Matti Klemettila, der seinen Lebensabend in einem Altersheim in der Nähe Helsinkis verbringt, hat sich erbötig gemacht, König von Finnland zu werden und eine amerikanische Erbin zu heiraten, um sein Land davor zu bewahren, von der nachbarlichen Sowjetunion verschluckt zu werden. Herr Klemettila, hochgewachsen, weißhaarig und trotz seiner bescheidenen Herkunft jeder Zoll ein König, hat seinen Vorschlag in einem vierseitigen Memorandum in allen Einzelheiten dargelegt. Das Memorandum trägt den Titel: „König Matti I. und seine Dollarprinzessin“. Nachdem er zum König gekrönt und den Eid auf die Verfassung geleistet habe, verspricht Klemettila, würde er eine Amerikanerin heiraten die reich genug sei, um die Reparationsschulden an die Sowjetunion zu zahlen. „Natürlich könnte ich eine bürgerliche nicht zur Königin machen“, erklärte Klemettila, „aber ich würde sie zur ersten Prinzessin von Finnland erheben“. Er arbeitet bereits an den Plänen für das Schloß in dem er und seine Dollarprinzessin residieren würden und hat alle Vorbereitungen getroffen, die Kabinettsminister mit seinen Ideen bekannt zu machen. „Es ist unbegreiflich“, stellt der 63jährige Kronprätendent fest, „warum Finnland eine Republik sein soll, während alle seine skandinavischen Nachbarn Königreiche sind. Zweifellos stehen wir doch den Skandinaviern näher als diesen Russen“. Vor dem ersten Weltkrieg war Matti Klemettila einer der reichsten Kaufleute Finnlands. Als jedoch 1914 eine Zugladung Getreide, das er in Moskau eingekauft hatte, nicht eintraf, begann er einen Prozeß gegen die Sowjetunion als Rechtsnachfolgerin des zaristischen Rußland, der ihm sein gesamtes Vermögen kostete. Als armer Mann wandte er sich der Politik zu, und ist nun mit jedem Politiker von Rang und Namen bekannt. Wenige Türen bleiben ihm verschlossen und selbst Präsident Paasi- kivi empfängt den eilten Herrn. Während jeder Kabinettskrise beeilt sich Matti Klemettila, so rasch als möglich mit einer Liste von ihm vorgeschlagener Minister beim Präsidenten zu erscheinen. Politische Fachleute stimmen darin überein, daß es Klemettila versteht, die fähigsten Männer auszusuchen und seine Koalitionsvorschläge werden als glänzend bezeichnet. Der einzige Fehler, den sie aufweisen, besteht darin, daß an ihrer Spitze als Ministerpräsident der Name „Matti Klemettila“ steht. Fälscherwerkstatt in der Westentasche Eine alte Blechbüchse, 100 Gramm Metallabfälle und ein echtes 50-Pfennigstück bildeten die gesamte Ausrüstung einer Falschmünzerwerkstatt, die sich ein vierzigjähriger, bisher unbestrafter Metallarbeiter in Wiesbaden eingerichtet hatte. Von der Serie falscher Fünfziger, die er mit seiner Matrize nach dem Abdruck des echten 50-Pfennig- stückes gefertigt hatte, setzte der Falschmünzer nach seinen eigenen Angaben nur 5 Stück ab. Ein Bekannter, den er mit Falschgeld bezahlt hatte, zeigte ihn an. Nach einer Mitteilung der Wiesbadener Kriminalpolizei sollen die Fälschungen sehr gut gewesen sein. Als die Kriminalpolizei am Wochenende bei dem Falschmünzer erschien, war er so überrascht, daß er sofort ein freimütiges Geständnis ablegte. Als Motiv gab er akuten Geldmangel an. wurde die arme kleine Jane barfuß durch den Schnee in den Richthof geführt. Der Scharfrichter selbst war von ihrem Schicksal so tief ergriffen, daß er vor ihr auf die Knie fiel und sie um Verzeihung bat. In seiner Verzweiflung holte er zu einem derart gewaltigen Streich aus, daß der Richtblock entzweiging. Dieser Block steht heute noeh im Familienmuseum der Puckness. Der berühmteste Henker Der Kniefall vor der kleinen Königin kostete den Henker seine Stellung. Er mußte das Schwert zurückgeben, und sein ältester Sohn übernahm das Amt des Scharfrichters. Dieser Puckness wurde mit der Zeit der berühmteste Scharfrichter Europas. In seinem Nachlaß fand sich ein Schreiben vor, in dem ihn Katharina von Medici im Jahre 1572 nach Paris berief. Er sollte in der kommenden Bartholomäusnacht seines blutigen Amtes walten. Zweihundertachtundachtzig vornehme Männer waren schon bis dahin seinen unfehlbaren Streichen zum Opfer gefallen. Auch der finstere Herzog von Alba nahm die Dienste des englischen Scharfrichters in Anspruch. Die Enthauptung der Grafen Egmont und Horn wurde von Puckness vollzogen, ebenso die Hinrichtung des Fürsten Coligny. Die Hälfte des Besitzes dieser berühmten Delinquenten ging in den Besitz des Scharfrichters über, und als Puckness sich wiedet nach England einschiffte, führte er für die damaligen Verhältnisse ein riesiges Vermögen mit sich. Maria Stuarts Fluch Am 8. Februar 1597 fiel das Haupt Maria Stuarts unter dem Schwerthieb des Henkers. Puckness war damals schon alt, und seine Hänjje waren längst nicht mehr so sicher wie in früheren Jahren. So kam es, daß der erste Schwertstreich daneben ging und er die Königin am Hinterkopf traf. Puckness hat über diesen Vorfall eine Aufzeichnung hinterlassen. Er habe, so erzählt er, als er das mächtige Schwert hob, einen Stich in der Herzgegend verspürt. Dadurch sei der erste Hieb mißlungen. Maria Stuart habe ihm am Morgen der Hinrichtung das Gebetbuch geschenkt, in der sie die ganze Nacht hindurch gelesfin hatte. Zwischen den Blättern lag eine Strähne schönen blonden Haares. Auf den letzten Blättern aber wurde in einigen Zeilen der Fluch des Himmels heraufbeschworen, auf „die Frauen, die ihr folgen würden.“ Vermutlich meinte die Königin damit Elisabeth und ihre anderen Gegnerinnen. Die Frauen des Hauses Puckness bezogen jedoch diesen Fluch auf sich, und tatsächlich sollen fast alle weiblichen Angehörigen der Henkersfamilie von schweren Schicksalsschlägen betroffen worden sein. KK. Großbritannien baut stärksten Düsenrmjtor Von Seiten der britischen Behörden wurden heute die ersten Einzelheiten über einen heuen, bisher streng geheimgehaltenen Düsenmotor für Flugzeuge bekanntgegeben, der nunmehr in die Serienfabrikation aufgenommen worden ist. Der Triebsatz, der die größte Leistung aller bisher gebauten Flugzeugantriebe besitzt — die Maschine hat etwa die gleiche Leistung wie alle vier Motoren einer amerikanischen Superfestung zusammen, also etwa zehntausend PS — wird von den Hawker-Siddeley-Werken gebaut und trägt die Typenbezeichnung „Sapphire“. Besonders bemerkenswert ist der neue Düsenmotor deshalb, weil bei ihm der bisher schwächste Punkt aller Düsenantriebe: Der verhältnismäßig hohe Brennstoffverbrauch, überwunden sein soll. was die Geschwindigkeit als auch was — wegen seines verhältnismäßig geringen Brennstoffverbrauchs — die Reichweite betreffe einen enormen Fortschritt mit sich bringen werde. Neue Kraßstation an der Wolga Der sowjetische Ministerrat hat nach einer Meldung von Radio Moskau den Bau eines Staudammes mit einer Kraftstation (Kapazität 1 700 000 Kilowatt) an der Wolga unweit Stalingrads genehmigt. Wie verlautet, soll mit dem Bau der Anlage im nächsten Jahr begonnen werden. Die Inbetriebnahme ist für 1956 vorgesehen. Die Anlage? soll unter anderem zu einer Verbesserung der klimatischen ‘ Verhältnisse in Was ein Franzose von Messerschmitt weiß Der bekannte Pariser Journalist Andrö F. glaubte kürzlich seinen Ohren nicht zu trauen, als er erfuhr, daß der berühmte Konstrukteur der deutschen Jagdflugzeuge sich in Oberammergau aufhalte. Ihm war wohl- bekannt, daß die Konstruktionsräume des Messerschmittbüros während der letzten Kriegsjahre tief in den Schoß der Ober- ammergauer Berge verlagert worden waren. Sollte dieser Mann, der einmal der erste Luftingenieur des Dritten Reiches gewesen war und von dem auch die internationale Fachwelt behauptete, daß er einen Propeller im Kopf habe, etwa wieder... Nein, unaus- denklich! Messerschmitt baute an seinen Baracken und Schnellhäusern. Nach seinem Oberammergauer Besuch berichtete der Journalist seiner Pariser Zeitung von jenen Tagen, die längst der Vergangenheit angehören. Er schreibt, daß niemand außer Messerschmitt, Hitler und Göring von den Plänen gewußt habe, die der erste Konstrukteur "des deutschen Jagdflugwesens tief in den Granitfelsen Oberbayerns entwarf und vollendete. Es war die „Aktion Enzian“. Auch vor dem Nürnberger Tribunal habe Messerschmitt sich geweigert, über die mysteriösen Versuche seiner Oberammergauer Mission zu sprechen. Nichtsdestoweniger sickerten die Gerüchte immer mehr durch, daß mit „Enzian“ die Pläne eines außerordentlich schnellen Jagdflugzeuges bezeichnet wurden, das, drahtlos gesteuert, ohne Piloten, die alliierten Bomber angreifen sollte. Ende 1944 sei mit der Konstruktion der Maschinen begonnen worden. Zwanzig Apparate waren im Frühjahr fertig. Das Ende des Hitler-Regimes kam dem Tag, an dem die neuen Maschinen zum erstenmal in Aktion hätten treten sollen, um ein paar Wochen zuvor. Was ist aus den Plänen geworden? Der alliierte Erkundungsdienst steht vor einem Rätsel. Messerschmitt, lange Zeit hindurch periodisch immer wieder eingehend vernommen, gab an, daß er kurz vor dem Waffenstillstand General Haider als persönlich Beauftragten Görings in Oberammergau empfangen habe. Haider habe die Übergabe der ersten zwanzig fertiggestellten Enzian-Apparate an die SS gefordert. Die Maschinen seien im Lager Flossenburg restlos zerstört worden. Haider habe ihm außerdem den schriftlichen Befehl Hitlers überbracht, die Pläne in einen Stahlkoffer zu schließen und den Koffer in einem österreichischen See bei Zell zu versenken. Hat Messerschmitt den Befehl ausgeführt? Es ist nicht bekannt. Der Erkundungsdienst vermochte das Schweigen des Enzian-Konstrukteurs nicht zu brechen. Die Fabrikation von Häusern und Barak- ken, so schrieb der französische Journalist, könne eine Persönlichkeit wie Messerschmitt nicht ausfüllen. Dieses Wunderkind, wie Hitler ihn nannte, habe nur eine einzige Leidenschaft: neue Flugzeuge zu erfinden. Als ihm ein Nürnberger Richter erklärte, daß die „Luft fürderhin für ihn verboten“ sei, antwortete Messerschmitt: „Sie können mir nicht verbieten, sie zu atmen!“ Messerschmitts Vorkriegsvermögen wurde von Franzosen auf 30 Milliarden Francs geschätzt. „Ich hatte einst eine reiche Tante“, soll er gesagt haben. „Sie liebte mich und gab mir Vorschüsse von Hunderten von Millionen, um anfangen zu können. Wer diese Tante war? Nun, sie hieß das deutsche Luftfahrtministerium“. Die Liebe dieser sagenhaft reichen Tante erklärt einigermaßen die blitzartige Karriere Messerschmitts vom einfachen Konstrukteur, zu einem der mächtigsten Industriellen der Welt. Nun ist sie tot, aber es besteht kein Zweifel, daß es in der Welt noch viele andere von diesen „reichen Tanten* gibt. h, Der neue Düsenmotor sei bisher zu praktischen Erprobungen in mindestens ein Jagdflugzeug - Baumuster eingebaut worden. Er werde aller Voraussicht nach, in dem neuen britischen Riesenbomber Verwendung finden, der mit sechs Motoren ausgerüstet werden soll und von dem man hier hofft, daß er im kommenden Frühling fertiggestellt werden könne. Aud) in einigen neuen Jägermodellen, von denen zur Zeit noch keinerlei Einzelheiten bekannt sind, soll der „Sapphire“ verwendet werden. Von amtlicher. Seite verlautete, daß der neue Düsenmotor sowohl der kaspischen Ebene beitragen und durch Bewässerung dieser Gebiete neue Flächen für Viehzucht und Landwirtschaft erschließen. Weiter ist die Bewässerung der Gebiete an der südlichen Wolga, der Sarpinskebene, der sogenannten Schwarzgebiete und der Nogaisk- steppe geplant. Schließlich soll durch diesen Staudamm die Navigation auf der unteren Wolga verbessert werden. Von der Gesamtstromerzeugung der Kraftstation werden nach den Plänen des Ministerrates vier Milliarden Kilowattstunden im Jahr in. den Raum von Moskau weitergeleitet. Bin Münchner Techniker hat eine neuartige Fahrradpumpe konstruiert. Unsere Aufnahme zeigt diese moderne Erfindung, die sich besonders für Schwerbeschädigte und Frauen eignet.